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r
CALIFORNIA
ÜNCHENER
ORGAN FÜR/AMTLICHE UND PRAKTISCHE ÄRZTE.
I HERAUSGEGEBEN
/ VON
. Angerer, Chr. Bäumler,/ H. Curschmann, O. Eversbusch, H. Helferich, L. v. Krehl, W. v. Leube,
München. Freiburg i. B. I Leipzig. München. Eisenach. Heidelberg. Würzburg.
0. v. Merkel, J. v. Mimel, Fr. Moritz, Fr. v. Müller, F. Penzoldt, B. Spatz, F. v. Winckel.
Nürnberg. Berlin./ Strassburg. München. Erlangen. München. München.
REDIGIERT
VOM
HOFRAT DR BERNHARD SPATZ
PRAKT. ARZT
LYI. JAHRGANG.
MÜNCHEN
VERLAG VON J. F. LEHMANN
1909.
I
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UMIVERSITY OF tAllFORNIA
I. Originalartikel.
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Aenstoots, Die Radikaloperation des chronischen Kieferhöhlen-
empyems. (Aus der chirurgischen Abteilang des St. Vinzenz*
Hospitals zu Köln.).804
Ag4ron, Ueher die Technik und Indikationen des Magenaus-
Bpülens.609
Aizner, Zur Heilung der Myositis ossificans traumatica durch
Fibrolysin. (Aus der Qreifswalder Chirurg. Klinik.) . . 757
Albers-8chönberg, Die Röntgentherapie in der Gynäkologie.
(Aus dem Allgemeinen Krankenhaus Hamburg-St. Georg.) 955
Al brecht. Die intravenöse Kollargoltherapie bei puerperaler
Sepsis und anderen septischen Erkrankungen. (Aus der
Kgl. II. gynäkologischen Klinik in München.) (Illustr.) . 2621
Allere, Zur Kenntnis der wirksamen Substanz in der Hypophysis. 1474
— Ueber das Verhalten des Adrenalins zu Jod und Jodsäure.
Erwiderung auf die Bemerkungen von R. Hoffmann in
Nr. 4«, 1909, dieser Wochenschrift. 2641
Alt, Behandlungsversuche mit Arsenophenylglyzin bei Para¬
lytikern. (Aus der Landes-Heil- und Pflegeanstalt licht-
springe.).1457
Althoff, Rektale und vaginale Anwendung des Fibrolysins . . 1599
— Tödliche Blutung aus den Nabelschnurgefässen bei einem
12 Tage alten Knaben einer Bluterfamilie.2115
Altvater, Ueber klinische Versuche und Erfahrungen mit Brom-
glidine. (Aus der psychiatrischen Universitätsklinik und
Poliklinik Rostock.) (Illustr.).1838
Andernach, Ein Fall von Hysterie mit Oedfeme bleu und
Differenz der Kniephänomene. (Aus der Kgl. psychiatrischen
Klinik in Königsberg.) (Illustr.). 2222
Anton, Ueber Selbstheilungsvorgänge bei Gehirngeschwülsten 848
— Zur Behandlung der Neuritis optica bei Thurmschädel.
(Aus der psychiatr. Klinik in Halle a. S.) (Illustr.) ; . . . 1725
An schütz, Ueber die Frakturbehandlung mit Nagelextension.
(Aus der Kieler chirurgischen Klinik.).1675
Apelt, Untersuchungen des Liquor cerebrospinalis auf Ver¬
mehrung der Zellelemente und Eiweisskörper bei Trypano-
somiasis der Hunde. (Aus dem Laboratorium der psychia¬
trischen Universitätsklinik zu Freiburg i. Br.).3256
Arndt, Apparat zur selbsttätigen Fixierung und Einbettung
mikroskopischer Präparate. (Aus der pathologisch-ana¬
tomischen Anstalt des Krankenhauses am FriedrichBhain
und aus der II. Chirurg. Abteilung des Rudolf-Virchow-
Krankenhauses zu Berlin.) (Illustr.). 2226
Arnold, Ein aseptischer Höllensteinträger. (Illustr.).813
Asch, Die Erkrankungen der Harnblasenmuskulatur.337
Assmann, Ueber eine neue Kontrastfärbung zur Darstellung
intrazellulärer Tuberkelbazillen im AusWurf. (Aob der
Lungenheilstätte Beelitz der Landesversicherungsanstalt
Berlin.).658
Axhausen, Ein Instrument zur raschen Anlegung gesicherter
Massenligaturen (Ligaturklemme.) (Illustr.).662
Bachem, Ueber den Einfluss der Dürkheimer Maxquelle auf
das Wachstum von Kaninchen. (Aus dem pharmakologischen
Institut der Universität Bonn.).610
Bacmeister, Die Bedeutung des radiären Cholesterinstein für
die entzündliche Gallensteinkrankheit. (Aus dem patho¬
logischen Institut der Universität Freiburg i. Br.) .... 964
Bade, Demonstration schwierig zur Heilung gebrachter Fälle
von angeborener Hüftverrenkung. (Aus der orthopädischen
Anstalt des Dr. Bade-Hannover.) (Illustr.).334
Baermann und Schaffner, Ueber Pseudodysenterie. (Aus
dem Zentralhospital zu Petoemboekan und dem Hospital
zu Tandjong Morawa [Sumatras Ostküste]).384
— und Eckersdorff, Ueber kruppöse Darmentzündungen.
(Aus dem Zentralhospital zu Petoemboekan, Sumatras
Ostküste.).1169
— Ueber Chinin-Tod. (Aus dem Zentralhospital zu Petoem¬
boekan [Sumatras Ostküste].).2319
Baetzner, Die Bedeutung der Wassermannschen Serum-
Reaktion für die Differential-Diagnose der chirurgischen
Syphilis. (Aus der Kgl. chirurgischen Universitätsklinik zu
Berlin) . ..330
Balsch, Die Therapie der Placenta praevia und der Eklampsie.
(Aus der kgl. Universitäts-Frauenklinik München.) ... . 118
Baisch. Die Vererbung der Syphilis auf Grund serologischer und
bakteriologischer Untersuchungen. (Aus der Kgl. Univer¬
sitäts-Frauenklinik München.).1929
Bdn 8. u. Grosz und Bäu.
Bang und Forssmann, Ist die Ehrl ich sehe Seitenketten¬
theorie mit den tatsächlichen Verhältnissen vereinbar? . . 1769
Barth, Zum siebzigsten Geburtstage Ernst Küsters .... 2324
Bartsch, Zwang oder Freiheit im Aerztestande?.72L
Bauer J., Ueber den Nachweis der Antigene bei der Komplement¬
ablenkung der Tuberkulose. (Aus dem Laboratorium der
Klinik für Kinderheilkunde in Düsseldorf.). 71
— Die passive Uebertragung der Tuberkulosetiberempfindlich¬
keit. (Aus der Klinik für Kinderheilkunde in Düsseldorf.)
(Illustr.).1218
Bauer F., Eine besondere Reaktion im Nahelschnurblute Neu¬
geborener. (Aus dem Karolinenkinderspital in Wien.) . . 1367
Bayer, Ueber zwei besondere Fälle von Fremdkörperaspiration.
(Aus dem pathologischen Institut zu Strassburg i. Eis.) . . 1123
v. Baeyer, Zur Behandlung des Metatarsalschmerzes. (Illustr.) 2002
— Fremdkörper im Organismus. Das Verhalten von metallisch
verbundenen Zink-Kupferstückchen im Gewebe. (Aus der
Kgl. orthopädischen Universitäts-Poliklinik in München)
(Illust.).2416
Beck und Dohan, Ueber Veränderung der Herzgrösse im
heissen und kalten Bade. (Aus der Abteilung für Hydro¬
therapie und für Radiologie der Allgemeinen Poliklinik
in Wien.) (Illustr.).171
Becker G., Der Antitrypsingehalt des Blutes in der Gynäkologie.
(Aus der Universitäts-Frauenklinik in Halle a. 8.) . . . . 1363
Becker W. H.-Weilmünster, Blitzschlag als auslösendes Moment
einer Psychose.1536
Beckers, Zur Serodiagnostik der Syphilis. (Aus der städt.
Krankenanstalt in Kiel.).551
— Die Chantemessosche Ophthalmoreaktion bei Typhus¬
kranken. (Aus dem Hygienischen Institut in Kiel.) . . .1417
v. Benczur, Ueber die Beeinflussung der Magensekretion nach
i Zuführen von Salzlösungen in den Darm. (Aus der Exper.-
Biolog. Abteilung des Pathologischen Institutes der Uni¬
versität Berlin.).969
Bendig, Ueber eine Gonorrhöeendemie bei Schulkindern in
einem Solbad. (Aus der Hautabteilung des Katharinen¬
hospitals in Stuttgart.).1816
Benjamin s. u. Moro, Noda und Benjamin.
Bergei, Fettspaltendos Ferment in den Lymphozyten. (Aus dem
Laboratorium der Kgl. chirurgischen Universitätsklinik
Berlin.) (Illustr.). 64
Berger, Die Verwendung der Morgenmilch für Säuglinge . . .1125
Bettmann, Ueber innerliche Behandlung von Hautkrankheiten
mit Kalksalzen. (Aus der Heidelberger Universitäts-Haut¬
klinik.) .1273
Betz, Zur Vereinigung der frischen Dammrisse. (Illustr.) . . . 1533
Beyer E.-Roderbirken, Behandlung und Verhütung der nicht¬
traumatischen Renten neu rosen.184
Beyer W. und Wittneben, Untersuchungen über Hemmung
der Kobrahämolyse durch das Serum von Geisteskranken
I und körperlich Kranken. (Aus der Landcs-Hcil- und
Pflegeanstalt Uchtspringe und der Inneren Abteilung der
Krankenanstalt Altstadt in Magdeburg.) (Illustr.) .... 1464
— Ueber die Kobragift aktivierende Eigenschaft menschlicher
Blutseren und über den Mechanismus der Kobragift¬
hämolyse. (Aus der Inneren Abteilung der Krankenanstalt
Altstadt in Magdeburg.). 2206
Bierotte s. u. Fraenkel, Rathe und Bierotte.
Bingel, Ueber die Einwirkung einer intrakutanen Injektion von
Diphtherietoxin auf die Haut, und den Antitoxingehalt
des Serums beim Menschen. (Aus der medizinischen Klinik
zu Frankfurt a. M.) (Illustr.).1326
— Beiträge zur Kasuistik der Paratyphusinfektion. (Aus der
medizinischen Klinik zu Frankfurt a. M.) (Illustr.) . . . 1425
Binswanger, Ein Fall von angeborener einseitiger Choanal-
atresio. 2684
Birnbaum, Zur Prognose und Therapie des Kindbettfiebers.
(Aus der Kgl. Universitäts-Frauenklinik in Göttingen.) . . 1730
Bittorf, Ueber „Herzfehlerzellen“ im Harne. (Aus der medi¬
zinischen Klinik Breslau.).1775
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
IV
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Seite
Blumberg, Exakte Dammnaht ohne Assistenz an der Wunde.
(IHostr.).. 2379
Blumm, Zur gerichtlichen Untersuchung der Leichen Neugeborener 1190
— Zur gerichtlichen Sektionstecbnik.• .... . 1696
Boruttau und Davidsohn, Ueber ein Haselnusspräparat
„Mensan" als Hämostyptikum. (Aus der physiologisch¬
chemischen Abteilung des städtischen Krankenhauses im
Friedrichshain und aus der poliklinischen Abteilung
der Landau sehen Frauenklinik in Berlin) ...... . 2478
Böhme, Ueber Tuberkulose-Immunopsonine (Bakteriotropine.)
(Aus der medizinischen Klinik des städtischen Kranken¬
hauses zu Frankfurt a. M.).1117, ltb4
Borchardt, Ein Fall von Lebertumor mit Lävulosnrie. ?Aus
der medizinischen Klinik zu Königsberg.).1278
Bracuning, Die Entfaltung dos Magens. (Aus der inneren Ab¬
teilung d^s städtischen Krankenhauses zu Stettin.) (Illustr.) 277
Brand, Skiaskop. (Illustration dazu auf S. 952). 918
Braun, Zur Frage der Serum Überempfindlichkeit. (Aus dem
pharmakologischen Institute der deutsch. Universität in Prag.) 1880
Brewitt, Zur Frage des Wundschutzes beim extraperitonealen
Kaiserschnitt nebst einigen technischen Bemerkungen zu
dieser Operation. (Aus der chirurgischen Abteilung des
Allgemeinen Krankenhauses Lübeck.) (Illustr.).2218
Bruch, Zur Therapie des Furunkels im äusseren Goliörgang 2580
Brüning, Eine einfache Gipsbindenwickelmaschine. (Illustr.) 1329
Brünings, Ueber ein Spezialelektroskop für Urethroskopic und
direkte Kystoskopie.) (Aus der laryngologischen und der
dermatolog. Universitätsklinik in Freiburg i. Br. (Illustr.) . 75
Bruhn, Vogelschutz in Krankenanstalten. (Illustr).2169
Bruns, Welche Faktoren bestimmen die Herzgrösse? (Aus der
med. Klinik zu Marburg a. L.).1003
Bubenhofer, Weitere Erfahrungen mit Alypin als Lokal¬
anästhetikum. (Aus der chirurgischen Abteilung des Marien¬
hospitals in Stuttgart.).2162
Bucura, Zur Therapie der klimakterischen Störungen und der
Dyspareunie.2216
Büdinger, Behandlung der Warzen mittels KelenVereisung . 1896
Bürker, Ueber den Nachweis des Hämoglobins und seiner
Derivate durch Hämochromogenkristalle und den im vio¬
letten oder uliravioletten Teile des Spektrums dieser Farb¬
stoffe gelegenen Absorptionsstreifen.126
Bullinger, Ueber die Morosche Salbenreaktion. (Aus der
inneren Abteilung des Marienhospitals Stuttgart.) .... 1325
Burk, Schussverletzung der Arteria brachialis. Resektion und
zirkuläre Naht der Arterie. (Aus der chirurgischen Ab¬
teilung des Ludwigsspitals „Charlottenhilfe“ zu Stuttgart.)
(Illustr.). 2528
Burkhardt, Ueber intravenöse Chloroformnarkose. (Aus dem
pharmakologischen Institut und der chirurgischen Univer¬
sitätsklinik in Würzburg.) . . . *.1678
— Die intravenöse Narkose mit Aether und Chloroform. (Aus
der chirurgischen Universitäts-Klinik in Würzburg.) . . . 2365
Caan, Ueber Radiumbehandlung der bösartigen Geschwülste.
(Aus dem Heidelberger Institut für Krebsforschung) . . . 2147
Casper, Aus dem Gebiete der Nephritis. . 2159
Ceconi, Kochsalz und Urämie. (Aus dem Kgl. Institute für
innere Medizin der Universität Turin.).497
Christen, Frakturbehandlung nach Steinmann und nach
Zuppinger. (Illustr.) . 2465
Coenen, Das Nabelcholesteatom. (Aus der kgl. chirurgischen
Universitätsklinik in Breslau.) (Illustr.).1583
Cohn, Johannes Pfannenstiel.1601
Conradi, Eiskonservierung und Fleischvergiftung. (Aus der
bakteriologischen Untersuchungsanstalt Neunkirchen.) . . 909
— Ueber den Keimgehalt normaler Organe. (Aus der Kgl.
bakteriologischen Untersuchungsanstalt Neunkirchen.) . .1318
Cords s. u. Wolfrum und Cords.
Crämer, Die Verbreitung des Ulcus ventriculi in München und
im bayerischen Gebirge.1637
Cr am er, Ovarium und Osteomalazie. (Aus der gynäkologischen
Abteilung der Friedrich-Wilhelm-Stiftung in Bonn a. Rh.) 758
— Zur Physiologie der Milchsekretion. (Aus der gynäko¬
logischen Abteilung der Friedrich-Wilhelm-Stiftung Bonn) 1521
C urBchmann, Pneumokokkeninfluenza.377
Danielsen, Himpunktion. (Aus der chirurgischen Klinik der
Universität Breslau.).276
Davidsohn s. u. Boruttau und Davidsohn.
Deipser, Das Puerperalfieber. ... . 514
Dengg, Kasuistischer Beitrag zur Suprareninwirkung. (Aus der
Lungenheilanstalt „Schwarzwaldheim“ Schönberg.) .... 2706
Dessauer, Röntgenmomentaufnahmen. (Aus dem wissen¬
schaftlichen Laboratorium der Veifawerke.) (Illustr.) . . . 1075
— Das Klinoskop, ein neuer radiologischer Untersuchungs¬
apparat. (Illustr.). 2005
— und Wiesner, Ein neues Röntgenaufnahmeverfahren.
(Illustr.). 2268
Seite
Deutsch mann, Ueber die Dosierung meines polyvalenten
Serums bei Allgemeininfektionen sowie Augenerkrankungen 566
Deyke und Much, Bakteriolyse von Tuberkelbazillen .... 1985
Dietlen s. u. v. Lichtenberg, Dietlen und Runge.
Dölger, Neuerungen auf dem Gebiete der funktionellen Prüfung
des Gehörorganes. (Illustr.).1127
Doerfler, Bericht über die Tätigkeit der Säuglingsfürsor^estelle
in Weissenburg i. B. für das Jahr 1908 . 1794
Doornbcrger, Arzt und Schule...861
Dohan s. u. Beck und Dohan.
v. Domarus, Ein Beitrag zur Frage der medullären Pseudo-
kämie. (Aus der II. medizinischen Klinik zu München.) . 1173
Dorn, Tiefenbestrahlung mit Röntgenstrahlung. (Aus dem physi¬
kalischen Institut Halle a. S.).. . 697
Drees mann, Diagnose und Behandlung der Pankreatitis . . . 708
Dresdner, Ueber Behandlung mit Carl Spenglers IK. . . . 2708
Dreyer L.-Breslau, Zur Untersuchung auf Blut mittelst der Ter¬
pentin - Guajakprohe. (Aus der Breslauer Chirurg. Klinik.) 1384
Dreyer W. Cairo, Ein Fall von Mischinfektion mit Typhus ab¬
dominalis und Maltafieber .... • . .. 2482
Dürck, Otto v. Bollinger. 2058
Dunzelt s. u. Nitsche, Schiimport und Danzelt.
2877
2406
1595
) 2640
606
Eber, Weitere experimentelle Beweise für die nahe Verwandt¬
schaft der beim Menschen und beim Rinde vorkommonden
Tuberkelbazillen und die Möglichkeit einer Umwandlung
menschlicher Tuberkelbazillen (Typus humanus) in rinder¬
virulente Formen (Typus hovinus).2215
Ebstein L.-Stettin, Ueber Erfahrungen mit Medinal (Schering) 136
Ebstein E.-Leipzig, Zur Nomenklatur und klinischen Bedeutung
des Stemalwinkels . ....
Ebstein W.-Göttingen, Ueber intestinale Körperschmorzen
Eckersdorff s. u. Baermann und Eckersdorff.
Eckert, Die Behandlung der Keuchhustenkrämpfe mittels Lum¬
balpunktion und Uebergiessungsbädern. (Aus der Univer¬
sitäts-Kinderklinik der Kgl. Charite.).
Ehlers, Die Segnungen des freien rnzuchtgewerbes. (Entgeg¬
nung auf den Artikel von Dr. Vorberg in Nr. 9,1909.) (Illustr.)
Ehret, Ueber eine einfache Bestimmungsmethode des diasto¬
lischen Blutdruckes. (Aus der Abteilung für Chronisch¬
kranke des Bürgerspitals zu Strassburg i. E.).
— Ueher Blutdruck und dessen auskultatorische Bestimmnngs-
methode. (Aus der Abteilung für Chronischkranke des
Bürgerspitals zu Strassburg i. E.) (Illustr.).
Ehrlich, Ueber Partialfunktionen der Zelle.
— und Sachs, Kritiker der Seitenkettentheorie im Lichte
ihrer experimentellen und literarischen Forschung. (Aus
dem Königlichen Institut für experimentelle Therapie in
Frankfurt a. M.) . 2529, 2586
Eibeckor, Vorschriften für das Verfahren der Aerzte bei gericht¬
lichen Untersuchungen von laichen..
Eisner und Kronfeld, Ueber den von Mueli und Holz-
mann angenommenen Einfluss des Blutserums von Geistes¬
kranken auf die Kobragifthämolyse. (Aus der biologischen
Abteilung des Krebsinstitutes und der psychiatrischen Uni¬
versitätsklinik zu Heidelberg.). .
Emmerich, Der Nachweis des Choleragiftes. (Aus dem Botkin-
Baracken-Hospital in St. Petersburg.).
— Bemerkungen zum „Nachweis des Choleragiftea“ . . . .
Engel mann und Stade. Ueber die Bedeutung des Blntegel-
extraktes für die Therapie der Eklampsie. (Aus dem
hygienisch-bakteriologischen Institut und der städt. Frauen¬
klinik Dadenstift zu Dortmund.).
Erb, Ist die von Max Herz beschriebene „Phrenocardie“ eine
scharf abzugrenzende Form der „Herzneurosen“? ....
Er dt, Bemerkungen zu den Vorschriften für das Verfahren der
Aerzte bei den gerichtlichen Untersuchungen von Leichen
(M. B. vom 7. Juli 1908). (Illustr.).35C
Esch, Zur Behandlung der Haematozele nach ektopischer
Schwangerschaft. (Aus der Universitäts - Frauenklinik zu
Greifswald.).1631
Eschbaum, Ueber die Wirkung des Kreosotpräparates Pneumin
bei Tuberkulose. (Aus der medizinischen Klinik in Bonn.) 23i
Eversbusch, Die Entwicklung der Augenheilkunde an der
Universität Landshut-München. (Aus der Kgl. Universitäts¬
klinik und Poliklinik für Augenkranke in München.) . 293, 341
— Zum 70. Geburtstag von Dr. med. Carl, Herzog in Bayern 1648
959
217
351
1527
1993
2057
2202
1112
Fabry, Ueber die bei Bergleuten in Kohlenbergwerken beobachtete
verruköse Form der HauttuberkuloBe. (Aus der dermato¬
logischen Abteilung der städt. Krankenanstalten zu Dort¬
mund.) (Illustr.).-.177'
Federschmidt, Zwei Fälle von Kohlendunstvergiftung in hygie¬
nischer und gerichtlich-medizinischer Beleuchtung. (Illustr.) 1481
Feer, Zur Klinik und Therapie des konstitutionellen Säuglings¬
ekzems. (Aus der Heidelberger Universitäts Kinderklinik.) 111
Fehling, Die Bedeutung der relativen Zangenindikation für
Unterricht und Praxis. . . 2571
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
V
Seite
Fein, Zur Abtragung der Rachenmandel. (Illustr.).1895
Fellner, Der Einfluss der Kastration und der Hysterektomie auf
das spätere Befinden der operierten Frauen.720
Fiessler, Zur Behandlung der Placenta praevia. (Aus der
Kgl. Universitäts-Frauenklinik Tübingen.) . ..184
Fink, Fünfter Bericht über den Einfluss des Kurgebrauches in
Karlsbad auf das Gallensteinleiden.2110
Fischer A.-Karlsruhe, Lehrreiche Angaben aus dem statistischen
Jahrhuch der Stadt Berlin.1239
— Lehrreiche Angaben aus dem statistischen Handbuch für
das Grossherzogtum Hessen. 2006
Fischer Ph und Hoppe, Das Verhalten des Veronals (Veronal-
Natriums) im menschlichen Körper. (Aus dem chemischen
Laboratorium der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Ucht-
springe/Altm.) (Illustr.).1429
— — Das Verhalten organischer Arsenpräparate im mensch¬
lichen Körper. (Aus der chemischen Abteilung der Landes-
Heil- und Pflegeanstalt UchtspringeA.1459
F ischor-Defoy, Die Behandlung der Frakturen in Deutsch¬
land am Ende des XVII. Jahrhundert .2018
Kleiner, Verdauungsstörungen und Psychoneurosen.439
F le i sch an der 1, Mitteilung über einige Krankheitsfälle, hervor¬
gerufen durch Mäusetyphusbazillen.. . 392
Fleischer, Die periphere braun-grünliche Homhautverfärbung
als Symptom einer eigenartigen Allgemcinerkrankung. (Aus
der Universitäts-Augenklinik zu Tübingen.).1120
Flesch, die Plastizität der Lebersubstanz. (Illustr.).286
— Zur Hyperemesis gravidarum . 2115
Flörcken, Ein Beitrag zur Herznaht. (Aus der Würzburger
chirurgischen Universitätsklinik).. . 1634
Focke, Wie können die Digitalisblätter mit gleichbleibendem
Wert in das Arzneibuch eingeführt werden? .661
Forkel, Ein Fall von einseitiger, abszendierender Tuberkulose
im Urogenitalapparat .. 2003
Forsell, Ueber die Röntgenologie der endogenen Prostatakon¬
kremente. (Aus dem Röntgeninstitute des Serafinenkranken-
hauses Stockholm.) (Illustr.).1176
Forssmann b. u. Bang und Forssmann.
Fränkel J.-Berlin, Die Lokalisation der Umkrümmung und
andere Forderungen in der Skoliosenbehandlung. (Aus der
Kgl. Universitätsklinik in Berlin.) (Illustr.).223
— Ueber Mobilisierung des Brustkorbes. (Aus der Kgl. chirur¬
gischen Universitätsklinik in Berlin.) . ..1412
Fraenkel C.-Halle, Medizinische Reiseerinnerungen aus Japan
und China.400
— Katheund Bie rotte, Eine Reaktion im Blute von Geistes¬
kranken. (Aus dem Hygienischen Institut in Halle a. S.) 1461
Franck, Tod durch Spätapoplexie alB entschädigungspflichtige
Unfallfolge anerkannt.761
Francke, Erschütterungs- (Perkussions-) Hammer mit Gummi¬
finger zum Aufschlag. (Illustr.).1385
Frank, Subkutane Verletzung der Vena subclavia bei Einrich¬
tung einer Klavikulafraktur. (Aus der chirurgischen Ab¬
teilung des städt. Wenzel-Hauckc-Krankenhauses in Breslau.)
(Illustr.). 2584
v. Franquö, Plastische Verwendung des Uterus bei Operation
des Rektumkarzinoms. — Karzinom der S romanum per
vaginam entfernt.1677
Freund H.-Strassburg, Unerwünschte Folgen nach Kolpokülio-
tomien und der Alexander Ad am eschen Operation . . 280
Freund L.-Wion, Die Strahlenbehandlung der Knochentuberkulose 2108
Fiiberger, Untersuchungen über das sogenannte Salzfiobcr und
über die Chlorausscheidung beim Säuglinge. (Aus der aka¬
demischen Klinik für Kinderheilkunde zu Düsseldorf.) . . 1946
Friedmann, Zur kombinierten Arsen-Tuberkulinbehandlung . 762
Fromme, Die Streptokokken in den Genitalsekreten von
Schwangeren und Wöchnerinnen. (Aus der Kgl. Univ rsi-
täts-Frauenklinik zu Halle a. S.).507
Frühwald, Ueber den Nachweis der Spirochactc pallida mittels
des Tusche verfahren. (Aus der dermatologischen Klinik
der Universität Leipzig.) (Illustr.). 2523
Fürbringer, Wilhelm Müller.1850
Funck, Ueber alimentäre Glykosurie bei chronischer Enteritis.
(Aus der inneren Abteilung des Dreifaltigkeitskrankenhauses
Köln-Braunsfeld.).2105
Gaehtgens, Ueber fötale Typhusinfektion. (Aus dem Institut
für Hygiene und Bakteriologie zu Strassburg i. Eis.) . . . 288
Galli, Das Wesen des Herzalternans. (Aus Prof. Gallis Privat¬
klinik für Herz- nnd Nervenkranke in Rapallo [Riviera di
Levante].) (Illustr.).56S
Gans s. n. Zangemeister und Gans.
Gehe 1 e, Beziehungen zwischen Unfall und Geschwülsten. (Illustr.) 1230
Gelirmann, Zum klinischen Nachweis von Blut in den Fäzes.
(Aus der II. inneren Abtoilung des städtischen Rudolf-
Virchow Krankenhauses zu Berlin.).612
Geigel, Ueber Bestimmung der wahren Grösse von Organen etc.
aus der ‘Grösse des Schattens im Röntgenbild. (Illustr.) . 1646
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Seite
G eipel, Ueber Myokarditis und Veränderung der quergestreiften
Muskeln bei Rheumatismus. (Aus der Anatomie des Johann¬
städter Krankenhauses Dresden.). 2469
Geisel er, Beitrag zur Therapie des konstitutionellen Kinder-
ekzems. (Aus dem städtischen Krankenhaus Heilbronn,
innere Abteilung.).386
Geissler W., Die Kobrareaktion. (Ans der Kölner Akademie
für praktische Medizin. Psychiatrische Klinik.).1591
Geyer, Zur Syphilisbehandlung mit grauem Oel.181
Gig non, Vergleichende Untersuchungen über die Wirkung von
Kohlehydrat und Eiweissnabrung beim Diabetes mellitus.
(Aus der medizinischen Klinik zu Basel.) (Illustr.) .... 907
Gocht, Die Schädigungen, welche durch Röntgenstrahlen hervor¬
gerufen werden, ihre Verhütung, Behandlung und forensische
Bedeutung. (Aus der chirurgisch-orthopädischen Privat-
klinik von Dr. Gocht und Dr. Ehebald in Halle a. 8.) 18, 80
Gött, Ueber zerebellare Asynergie beim Blickwechsel. (Aus der
Kgl. Universitäts-Kinderklinik zu München.).1071
Gpldonberg, Ueber die Fennentbehandlung tuberkulöser Abs¬
zesse. (Aus der chirurgischen Abteilung des Allerheiligen¬
hospitals Breslau.). 28
Gottstein, Ein Fall von isolierter Luxation des Os naviculare
tarsi. (Aus Dr. Gott Steins Orthopädischer Heilanstalt in
Reichenberg [Böhmen].).. . . 1430
Graack, Die Kurpfuscherei in Deutschland im 17. Jahr¬
hundert . 2325
Gräfe nberg, Der Antitrypsingehalt des mütterlichen Blutserums
währond der Schwangerschaft. (Aus der Universitäts-
Frauenklinik za Kiel.) ..702
Gran jux. Der ärztliche Dienst in der französischen Fremden¬
legion .720
Grashey, Wie weit lassen sich Fehldiagnosen und Misserfolge
bei Frakturen und Luxationen in der Praxis vermeiden ?
(Aus der Kgl. chirurgischen Klinik in München.) .... 2420
Grasmann, Ueber die Naht der Gefassstämme bei Stichver-
letzungen der Extremitäten. (Aus der chirurgischen Abtei¬
lung des städtischen Krankenhauses München r/Isar.) . . 807
— Zur Behandlung schwerer Schuss Verletzungen der Lunge
mit Naht. (Aus der chirurgischen Abteilung des städtischen
Krankenhauses München r/Isar.).
Grassl, Zur Frage der Militärtauglichkeit. 2486
Grassmann, Zur Organisation ärztlicher Fortbildungskurse . . 1813
— Zur Begutachtung der Invalidenrenten.. . . 1186
Grceff, Beitrag zur Behandlung der Lungenkrankheiten mit der
Kuhn sehen Saugmaske. (Aus dor medizin. Poliklinik zu
Heidelberg.). 900, 975
Groedel, Die peristolische Funktion des Magens im Röntgen¬
bilde. (Aus dem Röntgenlaboratorium der inneren Abtei¬
lung des Krankenhauses r lsar in München.).567
Gros, Bericht über die Tätigkeit des Schularztes im Amtsbezirk
Schwahmünchen im Jahre 1908 . . 396
Grosser, Die Rolle des Eiweiss in der Säuglingsnährung. (Aus
der Kinderklinik (Annie-Stiftungj des städt. Krankenhauses
in Frankfurt a. M.).1990
Grosz und Bän, Ueber Pyozyanasebehandlung der Diphtherie.
(A us der internen Abteilung des Adele B r o d y * Kinder¬
hospitals in Ofen-Pest.) (Illustr.).179
Groth, Bericht über die Thiltigkeit der Zentrale für Säuglings¬
fürsorge in München 1906/1908. 83
— Mutterbrust und Karzinom. (Illustr.).1647
v. Gruber, Elias Metschnikoff.293
— Max v. Pettenkofer.1236
Grüner, Ueber die Herabsetzung der Tuberkulinempfindlichkeit
Tuberkulöser während der Masern. (Aus der k. k. pädia
trischen Klinik in Wien.).1681
Grün wald, Ueber psychisch bedingte Erscheinungen im Bereich
der oberen Luftwege.1689
Grüter, Untersuchungen über die von Prowazek bei Trachom
gefundenen Körperchen und ihren diagnostischen Wert.
(Aus der Universitäts-Augenklinik zu Greifswald.) .... 1950
Grund, Ueber die Gewinnung organ-spezifischer Präzipitinsera.
— Hecker, Erwiderung hierauf.2117
Guleke, Chirurgische Reiseeindrücke aus Nordamerika 2321,2380,2426
Gut zeit. Die Bedeutung der intraperitonealen Blutung bei pene¬
trierenden Darmverlotzungen. (Aus dem Johanniter-
Krankenhause in Neidenburg [Ostpr.].) ..1324
Hagen, Ueber die gynäkologische Peritonitis. (Aus der chirurgi¬
schen Abteilung des allgemeinen städtischen Krankenhauses
Nürnberg.).1787
Hamburger, Ueber die Stichreaktion bei der Diagnose kind¬
licher Tuberkulose. 22
— und Monti, Die Tuberkulosehäufigkeit im Kindesalter.
(Aus der Universitäts-Kinderklinik in Wien.) (Illustr.) . . 449
— Die Tuberkulose als Kinderkrankheit.662
11 um bürger und Schey, Ueber systematische Lymphdrüsen-
Nchwellungen hei Röteln. 2309
Hamm s. u. Lcvy und Hamm.
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
VI
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Seite
Hammer, Kurzer Bericht über vorwiegend zahnärztliche Unter¬
suchungen in der Baseler Mission smittelschule zu Bonaberi
(Kamerun).290
Hammerl, Ein Beitrag zur Homogenisierung des Sputums. (Aus
dem hygienischen Institut der Universität Graz.) .... 1959
Hanauer, Reichs Versicherungsordnung und soziale Hygiene . . 2009
Handwerck, Adams-Stokesscher Symptomenkomplex: Gumma
des Vorhofsseptum, (lllustr.).916
II anne b B -München, Vergleichende Untersuchungen über Raum¬
desinfektion mit Formaldehyd-Kaliumpormangannt verfahren.
(Aus der bakteriologischen Abteilung des K. < )perations-
kurses für Militärärzte, München)..2518
Hannes W.-Breslau, Wie sind bei der Plaoenta praevia dio
Erfolge für Mutter und Kind am zweckmässigsten zu bessern ?
(Aus der Kgl. Universitäts-Frauenklinik zu Breslau) , . . 2617
Ilarnack, Ueber die Vorgänge der Zelldegenoration, der Ent¬
zündung und Neubildung bei den verschiedenen Arten der
Phosphorvergiftung.436
Harrass, Inkarzeration eines grossen Dünndarm-Divertikels in
einer kongenitalen Leistenhernie. (Aus der Chirurg. Ab¬
teilung des Krankenhauses I zu Hannover.).1896
II art, Die Disposition der Lungenspitzen zur tuberkulösen Phthise
und das Lokalisationsgesetz des ersten tuberkulösen Lungen¬
herdes ..•.123
Hartmann, Zur Frage der Blutgerinnungszeit. (Aus der grossli.
sächs. Frauenklinik Jena.).796
Hartung, Ein neuer einfacher Verband für die Luxatio clavi
cularis Hupraacromialis. (lllustr.) ..857
Hauck, Zur Frage des klinischen Wertes der Wassermann-
Neissor-Bruck sehen Syphilisreaktion. (Aus der medi¬
zinischen Klinik zu Erlangen.).1265
Hauptmann, Vikariierende Menstruation in Form von Lippen¬
blutungen. (Aus dem allgemeinen Krankenhaus Hamburg-
Eppendorf.) (lllustr.) .2114
Hayward, Weitere klinische Erfahrungen über die Anwendung
der Scharlachfarbstoffe und deren Komponenten zur be¬
schleunigten Epithelialisierung granulierender Flächen. (Aus
der Kgl. chirurgischen Universitätsklinik Berlin.).1836
II eck er, Ueber die Herkunft des Harnei weises bei Kindern. (Aus
dem hygienischen Institut der Universität München.) . . 1875
— Zur Frühdiagnose der Masern.2102
Heckmann, Zur Aetiologie der Arthritis defomians.1588
H e ermann, Was kann und muss man in kosmetischer Hinsicht
von der Radikaloporation der chronischen Mittelohreiterung
verlangen? (lllustr.).1479
— Ueber Oesophagoskopie und Bronchoskopie ...... 1957
Hegler s. u. Schümm und Hegler.
Heim, Erschliessung ergiebiger Quellen von Schutzstoffen. (Aus
dem hygienisch-bakteriologischen Institut der Universität
Erlangen.). 1
Hcineke, Ueber Knieschmerzen bei Hüfterkrankungen. (Aus
der chirurgischen Klinik und Poliklinik in Leipzig.) . . . 646
11 e i n z m a n n, Ueber einen Fall von Pseudohermaphroditismus
masculinuB externus. (Aus dom städtischen Krankonhause
München r. d. Isar.) (lllustr.).918
— Dauerresultate bei Radikaloporation der Leistenhernien nach
Girard. (Aus der chirurgischen Abteilung dos städtischen
Krankenhauses München r. d. I.) (lllustr.).1992
— Beitrag zur Kasuistik der Sakraltumoren. (Aus der Chirurg.
Abteilung des städt. Krankenhauses München r. I.) (lllustr.) 2707
II elf er ich, Zur Behandlung der Oberschenkelbrüche bei Neu¬
geborenen. (Bemerkung zu dem Aufsatz des Herrn Dr. G.
Zancarini in dieser Wochenschrift, Nr. 46, 1909). 2641
Heller und Schultz, Ueber einen Fall hypnotisch erzeugter
Blasenbildung. (Aus der dermatologischen Klinik des städt.
Krankenhauses zu Frankfurt a. M.) (lllustr.).2112
Heller A.-Kiel, Ueber den Wert des Chloralhydrates für patho¬
logisch-anatomische und lokaltherapeiitiseho Zwecke . . . 2418
Henkel M., Die Retroflexio uteri in der allgemeinen Praxis.
(Aus der Kgl. Universitäts Frauenklinik zu Greifswald.) . . 161
— Zur Therapie der Retroflexio uteri gravidi fix ata. (Aus der
Kgl. Universitäts-Frauenklinik zu Greifswald.).843
II cnkel M.-München, Amtsärztliche Vorkehrungen bei anstecken¬
den Krankheiten . 1896, 1959, 2014
v. Herff, Zur Wertschätzung einer örtlichen Behandlung der
leichteren Wundentzündungon des Wochenbettes. (Aus
dem Frauonspitale Basel-Stadt.).1628
— Ueber den Wert neuerer Massrcgeln gegen dio Bindchaut-
gonorrlioe dor Neugeborenen und die Notwendigkeit ihrer
allgemeinen Einführung. (Aus dem Frauenspital Basel-
Stadt.) .. 2355, 2424
Herhold, Verschleierung subphrenischer Ahszesso durch
sekundär seröse Ergüsse in Bauch- und Brusthöhle. (lllustr.) 2269
Hering, Ueber die alternierende Mitralinsuffizienz und das
Wesen des Hcrzaltornans.566
— Ueber den normalen Ausgangspunkt der Herztätigkeit und
seine Aendorung unter pathologischen Umständen. (lllustr.) 845
— Ueber das Fehlen der Vorhofzacke iP) im Elektrokardio¬
gramm beim Irregularis perpetuus. (lllustr.) ..2483
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8eit >
Hermkes, Ueber psychische Infektion. (Aus der Provinzialheil-
anstalt Warstein i. Westf.).184 .
Herrmann, Paralytiker Kinder.102 »
Herwig, Ein Fall von beiderseitiger Spalthand verbunden mit
Syndaktylie. (lllustr.).1383
Herxheim er, Ueber eine neue Fibrinmethode. (Aus der der¬
matologischen Klinik des städt. Krankenhauses in Frank¬
furt a.'M.).169 >
Herz, Zur Klinik meines Blutdruckmessers. (Aus dem diagnostisch-
therapolitischen Institut für Herzkranke in Wien.) .... 189)
Herzberg, Vorläufige Mitteilung über die Behandlung mit „IK“
(Immunkörpern) (Dr. Spengler). (Aus dem allgemeinen
öffentlichen Krankenbause in Radautz [Bukowina, Oester¬
reich], Interne Abteilung.). .243
Herz er, Eine neue Behandlungs weise des Meniörcschon Symp-
tomenkomplexes.1023
II essberg, Ein weiterer Beitrag zu den Augenverletzungen durch
Blitzschlag. (Aus der Kgl. Universitäts - Augonklinik zu
Breslau).51L
Hesse, Eine Hilfsexpedition ins Innere Kalabriens.243
II eye, Zur Sterilisation und Verwendung der Gummihandschuhe.
(Aus der Universitäts-Frauenklinik zu Greifswald.) .... 7 L
Hilde brau dt, Ueber Vorkommen und Bedeutung des Urobilins.
(Aus der medizinischen Klinik in Freiburg i. Br. und dom
Sanatorium Dr. Philippi in Davos-Dorf.) (lllustr.) . . 710, 763
— Zur Diagnostik der Köteln. 2485
Ilimmelh eher, Ueber Amaurose in der Schwangerschaft. (Aus
der Universitäts Frauenklinik zu Heidelberg.).2164
Ilindenberg, Kombination von Faradisation oder Galvanisation
mit Vibrationsmussage. (lllustr.). 2529
Hochhaus, Ueber Poliomyelitis acuta. (Aus der Akademie für
praktische Medizin in Köln a Rb.^. 2363
Höehtlen, Ein interessanter Fall von Polydaktylie. (lllustr.) . 74
lloebne, Zur Prophylaxe der postoperativon Peritonitis. (Aus
«ler Universitäts-Frauenklinik zu Kiel.). 2503
Iloepffner, Ein Fall von Embolie in die Arteria radialis und
ulnaris des linken Armes. (Aus der medizinischen Klinik
zu Strassburg).183
IIoerder, Der Präzisionssauger. (Aus der grossherzogl. Univer¬
sitäts-Frauenklinik zu Heidelberg.) (lllustr.).1384
Hörmann, Frfahrungen mit Narkosen bei künstlich verkleiner¬
tem Kreislauf. (Aus der Kgl. Universitäts Frauenklinik in
München.) .2157
v. Iloesslin, Ueber die Abhängigkeit der Albuminurie vom
Säuregehalt des Urins. (Aus der Kuranstalt Neuwittelsbach
boi München.) (lllustr.).1673
Hützel, Ueber Knieschmerzen bei Hüfterkrankungen .... . 1485
Hoff mann A. - Darm stadt, Dio Verteuerung der Telephon¬
gebühren .524
Hoff mann K. F. Paris, Der gegenwärtige Stand der Gonorrhoe-
therapio in Frankreich.967
Hoff m an n A. Düsseldorf, Die Arythmic des Herzens im Elektro¬
kardiogramm. (Aus der akademisch-medizinischen Klinik
zu Düsseldorf.) (lllustr.). 2258
Hoff mann R.-München, Zur Affinität des Adrenalins zu Jod 2486
Hof mann, Rhombus und automatisch wirkende Extensions-
schiene zur Behandlung von Oberarm- und Schultergürtcl-
brüchen. (lllustr.) . 2373
Hub mann, Zur Behandlung des Frühstadiunis der Poliomyelitis
anterior acuta. (Aus der K. orthopädischen Poliklinik
München.). 2508
Holzapfel, Eine einfache Säuglingswage. (lllustr.).612
— Ueber dio Behandlung der Bauchdeeken im AVochenbctt
und über das Frübaufstehen der Wöchnerinnen, (lllustr.) 1019
Holzinger, Ueber den Einfluss osmotischer Strömungen auf
Entwicklung und Lcbcnstäiigkcit der Bakterien. (Aus dem
klinischen Laboratorium dos kaiserl. gynäkologischen In¬
stituts und des Peter Paul-Hospital in St. Petersburg.) . . 2364
Holzknecht, Die normale Peristaltik des Kolon. (lllustr.) . . 2401
II olzmann, Scharlach undWasser m annsche Sypbilisreaktion.
(Ans der med. Abteilung und der Abteilung für experi¬
mentelle Therapie des Krankenhausos Hamburg Eppendorf.) 715
Hoppe s. u. Fischer und Hoppe.
Hoppe-Seyl er, Ueber die diagnostische Bedeutung diastolischer
Geräusche über Erweiterungen der Aorta.1220
Hüffell, Ueber einen Fall von Ikterus gravis. (Aus der Uni¬
versitäts-Frauenklinik zu Erlangen.).393
Huismans, Ueber Bradykardie und den S tokes-Adams-
schen Symptomenkomplex. (lllustr.). 552, 613
— Ueber Typhusreinfektion. (Aus der inneren Abteilung des
St. Vinzenzhauses in Köln.).1956
Jach, Ueber Antitrypsingehalt des Blutserums bei Geisteskranken.
(Aus der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Uchtspringe.) . . 2254
Jacob, Ein Fall von kruppöser Laryngo-Tracheitis ohne Löf f ler-
sche Bazillen. (Alis der med. Klinik in Strassburg.) (lllustr.) 894
— Beitrag zur Frage der klinischen Bedeutung der Antitrypsin-
bestimmung im Blute. (Aus der med. Klinik in Strassburg) 1361
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
VII
Seite
Jacobi, Der Einfluss der Aufhebung der polizeiärztlichen Pros¬
tituiertenuntersuchung auf die Ausbreitung der Syphilis
in Freiburg i. Br.1164
Jaks, Zur Reform der ländlichen Gemeindekrankenversicherung 567
— Bayerische Forstbetriebskrankenkasse und Aerzte .... 1243
— Die Rotationsgeburtszange. (Illustr.).1742
Janssen, Ueber die Nutzbarmachung der natürlichen Schutz¬
kräfte der Bauchhöhle bei der Behandlung der Appendizitis
und der diffusen Perforationsperitonitis. (Aus der akademi¬
schen chirurgischen Klinik in Düsseldorf.) (Illustr.) 1268, 1330
Jaworski und Miesowicz, Ueber den verderblichen Einfluss
der gegenwärtigen Richtung in den chemischen Fabriken
und Apotheken auf die praktische Medizin. 2532
Jesionek und Meirowsky, Die praktische Bedeutung der
Wassermann-A.Neisser-Bruckschen Reaktion. (Aus
der groseherz. Poliklinik für Haut- und Geschlechtskrank¬
heiten zu Giessen und aus der Hautabteilung des neuen
Krankenhauses zu Köln Kalk.) (Illustr.). 2298
T oachimsthal, Ueber Coxa vara-Bildung nach der Reposition
der angeborenen Hüftverrenkung. (Aus der Kgl. Univer¬
sität s- Poliklinik für orthopädische Chirurgie zu Berlin.)
(Illustr.). 641
John, Klinische Erfahrungen über intravenöse Suprarenininjek-
tionen bei schweren Herz- und Gefässkollapsen. (Aus der
Direktorialabteilung der städtischen Krankenabteilung in
Mannheim.) .... . 1221, 2408
I s e 1 i n, Die Erfolge der Heissluftbehandlnng bei akut eitrigen
Entzündungen der Hand. (Aus der chirurgischen Univer-
sitätspoliklinik Basel.).799
J ung, Zur Indikationsstellung und Technik für den klassischen
und extraperitonealen Kaiserschnitt und für die Heboste¬
otomie. (Aus der Kgl. Frauenklinik in Erlangen.) . . 841, 920
Jurasz, Kälteapplikation auf den Nacken bei NaBenblutungen 1793
I versen, Ueber die Behandlung des russischen Rekurrens mit
Arsazetin (Ehrlich). (Aus dem Obuchoff-Männerspital
St. Petersburg.).1785
K a e s11 e, Zirkonoxyd als kontrastbildendes Mittel in der Röntgen¬
ologie. (Aus dem Röntgenlabaratorium der Kuranstalt Xeu-
Wittelsbach bei München u. d. pharmakolog. Institut der
K. Tierärztlichen Hochschule München.). 2576
— Rieder und Rosenthal, Ueber kinematographisch auf¬
genommene Röntgenogramme (Bio-Röntgenographie) der
inneren Organe des Menschen. (Illustr.).280
— Die Wismutverbindungen und ihre Ersatzpräparate in der
Röntgenologie des menschlichen Magendarmkanals . . .
— Ein Beitrag zur Kenntnis der Dermoide des Mediastinum
anticum. (Aus dem Röntgenlaboratorium der Kuranstalt
Neuwittelsbach in München.) (Illustr).
Kamm, Gefährdung des Typhusbazillenträgers durch die eigenen
Typhusbazillen. (Aus der bakteriologischen Anstalt am
Institut für Hygiene der Kaiser-Wilhelms-Univeraität zu
Strassburg.).1011
Kantorowicz, Bakterien-Antifermente und Bakteriolyse. (Aus
dem hygien. Institut und der Chirurg. Klinik der Universität
Bonn.).897
— Ferment- und Antifermentbehandlung eitriger Prozesse.
(Ans der Chirurg. Universitätsklinik zu Bonn.) .1419
Käppis, Achsendrehung des Dünndarms nach eitriger Appen¬
dizitis und Appendektomie, Laparotomie, Heilung. (Aus
der chirurgischen Abteilung des städtischen Krankenhauses
Magdeburg-Sudenburg.) . 1177
Karo, Spezifische Mittel in der Diagnostik und Therapie der
Urogenitaltuberkulose.
Kaspar, Ueber die hypertrophische Pylorusstenose im Säuglings-
alter. (Aus dem Cnopfsehen Kinderspital Nürnberg) . .
Käthe s. u. Fraenkel, Käthe und Bierotte.
Katzenstein, Die Anämie des Säuglingsalters und ihre Ver¬
hütung .•.
Kaufmann, Ueber ein Spezialelektroskop für Urethroskopie
und direkte Zystoskopie.
K a u pe. Eine Milchpumpen Verbesserung. (Illustr.).
Kayser II., Ueber die Art der Typhusausbreitung in einer Stadt.
(Aus dem Institut für Hygiene und Bakteriologie der
Universität Strassburg.). . 1066, 1130
Kayser C., Klinisch statistischer Beitrag zur Kenntnis dos Ulucus
ventricule in München. (Aus der H. medizinischen Klinik
in München.).2515
Kehr F.-Ingolstadt, Ein einfacher Linsenhalter für augenärzt¬
liche Zwecke. (Illustr.).189
Kehr H.-Halberstadt, Ueber die Stillung der Blutung aus der
Art. cystica durch Unterbindung der Art. hepatica propria.
(Illustr.) .• .. 237
— Die Bedeutung der Cammidgeprobe in der Indikationsstellung
bei der Gallensteinkrankheit.1062
— Zur chirurgischen Behandlung des chronischen Ikterus.
(Illustr.). 2457
Kielleuthner, Ueber seltene Fremdkörper der Blase .... 1593
919
1952
1890
1180
1641
344
343
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| Klauber, Die Aetiologie der Appendizitis. (Aus der chirur¬
gischen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses in
Lübeck.) ..451
| Kl ose und Vogt, Physiologische u. anatomische Untersuchun¬
gen zur Lumbalanästhesie und zur Frage ihrer klinischen
Verwertbarkeit. (Aus dem Laboratorium der chirurgischen
f Klinik des städt. Krankenhauses und dem Senckenbergischen
neurologischen Institut in Frankfurt a. M.).505
Knauer, Praktische Erfahrungen über Skabies.1027
Kneise, Zur Frage des extraperitonealen Kaiserschnitts . . . 1844
Knoke, Beitrag zur konservativen Therapie schwerster Extremi-
tätenverletzungen und drohender Gangrän. 2003
Knoop, Schwere Geburtsstörung und Vaginaetixation. Sectio
caesarea mit nachfolgender Totalexstirpation.1126
Koch H, Beiträge zur Frage der Komplementbindungsreaktion
bei Tuberkulose. (Aus der k. k. Universitäts-Kinderklinik
Wien.).2310
Koch W, Ueber die Blutversorgung des Sinusknotens und
etwaige Beziehungen des letzteren zum Atrioventrikular¬
knoten. (Aus dem pathologischen Institut Freiburg i. Br.) 2362
Kochmann, Der Einfluss des Alkohols auf den hungernden
Organismus. (Aus dem pharmakologischen Institut der
Universität Greifswald.).549
Köhl er A.-Wiesbaden, Zur Röntgentiefontherapie mit Massen-
dosen.2314
Köhler, F.-Holsterhausen, Phtysoremid.180
Koehler G., Ein Beitrag zur Onychogryphosis symmetrica, con¬
genita et hereditaria. (Aus der dermatalogischen Klinik
des städtischen Krankenhauses zu Frankfurt a. M.) . . . 661
— Kasuistischer Beitrag zu den toxo nervösen Erscheinungen
bei Lungentuberkulose seitens des Darmes.‘^582
Kölliker, Beitrag zur Oesophagoskopie. 2478
Koe 1 sch , „Landesgewerbearzt“.296
— Subphrenische Abszesse und Perityphlitis. 2056
Königer, Zur Differentialdiagnose der Zwerchfellhernie und des
einseitigen idiopathischen Zwerchfellhochstandes (infolge
von Zwerchfell-Atrophie). (Aus der medizinischen Klinik
zu Erlangen.) (Illustr).282
— Ueber sterile seröse Pleuraergüsse bei Pleuraempyemen
und Lungenabszessen. (Aus der medizinischen Klinik zu
Erlangen.).G03
Königstein, Ueber postmortale Pigmentbildung. (Aus der
Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten des All¬
gemeinen Krankenhauses in Wien und dem chemischen
Laboratorium „Spieglerstiftung“.). 2305
Kollbrunncr, Zur Gonorrhoetherapie.1024
Kolomoitzew, Ueber den neuen, einfachen Apparat von Herz
zur Bestimmung des Blutdruckes. (Aub der medizinischen
Klinik von Professor K. E. Wagner an der Universität
zu Kiew.) ..1482
Kondoleon, Zur Kasuistik der Prostatectomia suprapubica ex-
travesicalis. (Aus der chirurgischen Klinik „Aretäion“ der
kgl. Universität zu Ashen.). 2004
Konjetzny, Zur Pathologie und Klinik der erworbenen Wurm¬
fortsatzdivertikel. (Aus der kgl. chirurgischen Universität
zu Kiel.) (Illustr.). 2251
Kopp, Ueber die Bedeutung der Wass ermann sehen Sero¬
diagnose der Syphilis für die Praxis. 957, 1184
Kothe, Zur Untersuchungsmethode des neutrophilen Blntbildes.
(Aus der chirurgischen Abteilang des städtischen Kranken¬
hauses Moabit in Berlin.).1130
Kr aemer. Ein Beitrag zur Wirkung des Extractum fluid. Apocyni
canabinici. 2320
Kraus, Zur Technik der Sonnenlichtbehandlung der Kehlkopf¬
tuberkulose. (Aus dem Sanatorium Wienerwald, Heilanstalt
für Lungenkranke, Pernitz [Niederösterreich].) (Illustr.) . . 658
Krause s. u. Oppenheim u. Krause.
Krau8s, Hofrat, Dr. Haus f.• 2017
Krecke. Die chirurgische Behandlung des Morbus Basedowii . 15
Krencker, Typhusagglutination bei Tuberkulose. (Aus der
medizinischen Abteilung II des Bürgerspitals zu Strass¬
burg i. E.).. . 1016
Krotscbmann, Orale oder nasale Resektion der Nasenscheide¬
wand, ein Wort der Erwiderung.461
Kreuter Zur Serodiagnostik der Echinokokkusinfektion. (Aus
der chirurgischen Klinik in Erlangen.).1828
— Ueber chronisch entzündliche Bauchdeckengeschwülste nach
Hernienoperationen. (Aus der ehirurg. Klinik in Erlangen.) 2055
Kromayer, Die Heilung der Hyperidrosis und der Soborrhoea
oleosa durch Röntgen. (Aus dem Ortekrankenhause für
Haut- und Geschlechtskrankheiten in Berlin).176
ICronfeld 8. u. Eisner und Kronfeld.
Krammacher, Zur Versorgung des Nabels beim Neugeboronen 1282
Kühl, Ein neuer Handgriff für die Narkose.• . . 1736
Küstner,* Ueber den extraperitonealen Kaiserschnitt seine Tech¬
nik und lndikation8stellung. (Aus der Breslauer Universi¬
täts-Frauenklinik.) (Illustr.) . 1721
Kurz, Die Malignität bei Ovarialkystomen.291
Kwilecki, Eine Modifikation der Esb ach sehen Eiweissprobn . 1330
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
VIII
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Helte
Labhardt, Die äussere Wendung, (Aus dem Frauenspital
Basel-Stadt.). 66
— Beiträge zur Behandlung der Post-partum-Blutungen. (Aus
dem Frauenspital Basel-Stadt.). 1224, 1283
Landwehr, Purpura liaemorrhagica fulminans mit Nekrosenbil¬
dung. Ausgang in Heilung. (Aus der Chirurg-orthopäd. Ab¬
teilung der Kölner Akademie für praktische Medizin.) (Illustr.) 1537
Langemak, Ein beweglicher Boleuchtungsapparat. (Aus der
chirurgischen u. orthopädischen Privatklinik von Dr. Lange¬
mak in Erfurt.) (Illustr.).611
Lebsanft s. u. Liebermcistor und Lebsanft.
Lechleuthner, Ein Fall von echten Halsrippen. (Illustr.) . . 395
Lehmann, Einige nützliche Heftpflasterverbände. (Illustr.) . . 1329
Leick, Serumtherapie bei epidemischer Genickstarre. (Aus dem
evangelischen Diakonissenkrankcnhause in Witten.) . . . 1275
Leutert, Ergebnisse der vergleichenden bakteriologischen Blut¬
untersuchung bei Warzenfortsatzentzündungen. 2300
Levi E.-Straßburg und Hamm, Ueber kombinierte aktiv-passive
Schutzimpfung und Therapie beim Puerperalfieber .... 1728
Lcvy R., Versuche mit einem neuen Eiweisseisenpräparat
Ferralbol. (Aus der I. med. Klinik in München.) ... 971
Löwin, Ueber Wismutvergiftung und einen ungiftigen Ersatz des
Wismuts für Röntgenaufnahmen. (Aus dem pharmakolog.
Laboratorium von Prof. L. Lewin in Berlin und dem
photochemischen Institut der Technischen Hochschule von
Prof. Mietho in Charlottenburg) (Illustr.) . ..643
Lex er, Zur Behandlung der Knochenbrüche. (Illustr.) .... 593
v. Lichten borg, Ueber das Verhalten der Lungen und des
Herzens nach abdominellen Eingriffen. (Aus der Chirurg.
Klinik zu Heidelberg.).439
— Kasuistischer Beitrag zur Aetiologie der postoperativen
Lungenkomplikationen. (Aus der Chirurg. Universitäts¬
klinik zu Straßburg.) (Illustr.)..716
— , Dietlen und Runge, Biozystographie (Aus der cliirurg.
Universitätsklinik und aus dem Röntgenlaboratorium des
Dr. Di et len in Straßburg.) (Illustr.).1467
— Ueber eine zweckmäßige Form der Behandlung der Kon¬
traktur bei der tuberkulösen Ilüftgelenksentzündung. (Aus
der chirurgischen Universitätsklinik zu Straßburg.) (Illustr.) 1888
— Lässt sich für die Anwendung der intravenösen Kochsalz-
infusionen bei der Peritonitis eine bestimmte Indikations¬
stellung ergründen? (Aus der chirurgischen Universitäts¬
klinik zu Straßburg.). 2464
Liebermann, Ueber Helgoland und Heufieber. •.1280
Licbermeistcr, Die Häufigkeit der Meningitis bei Pneumonie.
(Aus der Akademie für praktische Medizin in Köln,) . . . 750
— und Lebsanft, Ueber Veränderungen der nervösen Ele¬
mente am Rückenmark bei Meningitis cerebrospinalis
epidemica. (Aus der Kölner Akademie für prakt. Medizin.) 914
Lief mann, Beitrag zur Behandlung der Typhusbazillenträger.
(Aus dem hygienischen Institut der Universität Halle a. S.) 509
— Ueber den Mechanismus der Seroreaktion der Lues. (Aus
dem Bakteriologischen Laboratorium des Rudolf Virchow-
Krankenhauses zu Berlin.) . 2097
Linhart, Neue Zahnzangc zur Extraktion der Mahlzähno des
Unterkiefers. (Aus der Prager chirurgischen Klinik des
Prof. Dr. A. Wölfler.) (Illustr.) . . ..1182
— Rhombus und automatisch wirkende Extensionsschiene
zur Behandlung von Oberarm- und 8chultergürtelbrtichen.
Bemerkungen zu dem Aufsätze von Dr. Arthur II ofm ann
in Nr. 46 dieser Wochenschrift. (Aus der chirurgischen
Klinik des Prof. Wölfler in Prag.). 2641
Linz, Zur Untersuchung auf Blut mittels der Terpentin-Guajak-
probe. (Aus Dr. Wegeies Anstalt, für Magenkranke in Bad
Königsborn [Westf.p.1742
Lippmann, Zum Nachweis der Tubcrkelbazillen im strömenden
Blute der Phthisiker. (Aus dem "allgemeinen Krankenhause
Hamburg-St. Georg.) . 2214
Lippmann H., Ueber den Zusammenhang von Idiotie und
Syphilis. (Aus der serologischen Abteilung des Kgl. In¬
stitutes für Infektionskrankheiten zu Berlin.).2417
Lisohko, Ein neuer Dauerkompressionsverband für ulccra cruris 1328
Lissauer A.-Düsseldorf, Zur Technik der Kehlkopfbespiegclung
mit Sonnenlicht.• 920
Lissauer M.-Königsberg, Histologische Untersuchungen des
liypertropisclion und insuffizienten Herzmuskels. (Aus dem
pathologischen Institut der Universität Königsberg i. Pr.) . 1830
Löwen stein, Eine neue Speicholtasche bei Mund-, Hals- und
Nasenoperationen. (Illustr.).• . 1695
Lossen, Narbige Verkrümmung und Versteifung der linken
Hand nach Verbrennung III. Grades; Transplantation von
der Haut des Oberschenkels; Heilung mit Beweglichkeit
der Hand. (Illustr.) ..1236
— Ulcus rodens permagnum. (Illustr.).1695
Lotsch, Zwei Fälle von Lungennaht wegen schwerer Blutung.
(Aus der chirurgischen Abteilung der städt. Krankenanstalt
Magdeburg-Altstadt.).132
Lncae, Sollen Otologie und Laryngologie von Einem Lehrer
gemeinsam an den Universitäten gelehrt werden? .... 664
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Belte
Lüdke und Polano, Ueber Hämolyse der Streptokokken. (Aua
der medizinischen Klinik und aus der Frauenklinik der
Universität Wtirzburg). 7
— Ueber den latenten Mikrobismna der Typhnsbazillen. (Aua
der medizinischen Klinik in Würzburg.). 57
— Die praktische Verwertung der Komplementbindnngareaktion.
(Aua der medizinischen Klinik in Würzburg.).1313
— Ueber Milztransplantationen. (Aus der medizinischen Klinik
in Würzburg ). 1469. 1539
Lunckenbein, Eine neue Drathgipsbinde.611
Lust, Ueber die antiproteolytische Substanz im Blutserum ge¬
sunder und kranker Säuglingo. (Aua der Universitäta-
Kinderklinik und der biologisch-chemischen Abteilung des
Krebainstitates in Heidelberg.) (Illustr.). 2047
Mader, Zur Röntgenbehandlung maligner Neoplasmen der oberen
Luftwege.607
Mandelbaum, Neue Methoden zum Nachweis proteolytischer
Fermente und deren Antifermente. (Aus der I. medizinischen
Klinik der Universität München.).2215
— Veränderungen zweier Nährböden — Rosolsäure- und Blnt-
agar — durch Säure bezw. Alkali bildende Bakterien. (Aus
der I. medizinischen Klinik der Universität München.) . . 2475
Mann, Ueber fibrinöse Schleimhautentzündung (Stomatitis fibri-
nosa) durch Pneumokokkeninfektion. (Aus dem Kgl. Gar¬
nisonlazarett München) (Illustr.) .... 72
Marcuse, Die therapeutische Anwendung lokaler Kälteappli-
kationen auf den Nacken. 2057
— Epikritische Betrachtungen zum Lourdesprozoss. 2589
Martin, Die Ophthalmoreaktion und die Prognosenstellung bei
tuberkulösen Erkrankungen in der Gravidität. (Aus der
Universitäts-Frauenklinik der Kgl. Charite.).121
— Die Sterilisation tuberkulöser schwangerer Frauen durch die
Totalexstirpation des graviden Uterus mit seinen Adnexen.
(Aus der Universitäts-Frauenklinik der Kgl. Charit^) . . . 1228
Mathes, Schmerzlose Dammnaht. (Illustr.).1183
May, Ein Fall von diffuser Oesophaguserweiterung. (Aus dem
Kgl. Gami8onlazarett München.) (Illustr.).2113
Mayer W.-Fürth, Zum Gedenken an Dr. Adolf 8chmid von
Reichenhall.139
— Zur Standes- und Ehrengerichtsordnung für die Aerzte
Bayerns.462
Mayer M.-Simmern, Zur Anwendung der Digestivmittel bei eitrigen
und tuberkulösen Prozessen.244
Mayer K., Zum Frühaufstehen der Wöchnerinnen. (Ans der
Kgl. Universitäts-Frauenklinik in Marburg a. L.) . . . . * 273
Mayer O., Zur Bakteriologie und spezifischen Therapie der Me¬
ningitis cerebrospinalis epidemica. (Aus der hygienisch¬
chemischen Untersuchungsstation des Kgl. Bayer. III. Armee¬
korps Nürnberg.) .. . 912
Mayor, Akute kryptogonetischo Polyarthritis gonorrhoica. (Ans
der bakteriologischen Untersuchungsstation des K. Bayer.
ID. Armeekorps beim Kgl. Garnisonslazarett Nürnberg.
(Illustr.). 2526
Mayor O., Die Gefahren der Tamponade des Nasenrachenraumes.
(Aus der k. k. Universitätsklinik für Ohren-, Nasen- und
Kehlkopfkranke in Graz.).2219
Meder, Ueber eine neue erfolgreiche Variolaübertragung auf das
Kalb. (Aus der Kgl. Impfaustalt zu Köln.).810
Moirowsky s. u. Jesionek und Moirowsky.
M ei sei, Beitrag zur Kenntnis des linksseitigen subphrenischen
Abszesses . .. 1409
Meitzer, Geschichtliches zur Einführung der Salizylsäure in
die Therapie des akuten Gelenkrheumatismus. (Aus der
medizinischen Universitätsklinik zu Leipzig.).1800
Mendel, Die intravenöse Arsen-Tuberkulinbehandlung .... 13
— Ueber „Thrombophilie“ und das Frühaufstehen der Wöch-
ucjiuiiuii uuu Jjupmutumieiioii. .... .
Mendler, Zur operativen Behandlung der Knochcnbrtiche.
(Illustr.).1382
Merkel II., Zur Kenntnis der primären Tuberkulose der Nasen¬
rachenschleimbaut. (Aus dom pathologischen Institut zu
Erlangen.) . 1165
— Die praktische Verwertung der Benzidinprobe für die foren¬
sische Blutdiagnose. (Aus dem pathologischen Institut za
Erlangen.) . 2358
Merz hach er, Das reaktive Gliom. (Aus dem anatomischen
Laboratorium der Klinik für Gemüts- und Nervenkrank¬
heiten zu Tübingen.) . 2061
Mess e r Schmidt, Zum klinischen Nachweis von Blut in den
Fäzes. (Aus der Abteilung für chronisch Kranke des Bürger¬
spitals zu Strassburg i. E.).888
Meyer, Ueber das Fortbestehen der Leukopenie (Aus der
chirurgischen Abteilung II, Sektion 1 des Bürgerliospitals
zu Str.iHsburg i. E.) ...... ..1535
Meyer H. II. Wien, Ueber die Beziehung zwischen den Lipoiden
und pharmakologischer Wirkung. (Illustr.).1677
Original From
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
IX
Seite
Meyer L.-Berlin, Gonorrhöe-Suspension mit Tasche. (Aus dem
dermatologischen Institnt von Professor B1 as c h k o.) (Illustr.)
Meyer W.-New York, Fortschritte im Druckdifferenzverfahren für
intrathorakale Operationen. (Illustr.).
Miesowics s. u. Jaworski und Miesowicz.
Miller, Uebor das Auftreten von Schmerzen bei Witterungs¬
wechsel. (Aus der inneren Abteilung des städtischen
Krankenhauses Augsburg.).
Monti s. u. Hamburger und Monti.
Moritz, Was erfahren wir durch unsere klinischen Blutdruck¬
messungen beim Menschen? (Illustr.).
Moro, Noda und Benjamin, Paroxysmale Hämoglobinurie
und Hämolyse in vitro. (Aus der Kgl. Universitäts-Kinder¬
klinik in München.) (Illustr.). .
— und Stheeman, Klinische Ueberempfindlichkeit H. (Aus
der Kgl. Universitätsklinik in München.).
Much s. a. Deyke und Much.
M u ch, Eine Reaktion im Blute von Geisteskranken. (Aus der Ab-
teilung für experimentelle Therapie des Eppendorf er Kranken¬
hauses.) .•.
—- Die praktische Brauchbarkeit der Wassermann sehen
Reaktion .. ..
— Nastin, ein reaktiver Fettkörper, im Lichte der Immunitäts¬
wissenschaft. (Aus der Abteilung für experimentelle Therapie
des Eppendorfer Krankenhauses.).
Muck, Uober eine durch kutane Kälteeinwirkung auf die Nacken¬
gegend periodisch zu erzeugende Ischämie der kongestio-
nierten Nasenschleimhaut.
— Die Schleimhaut der Nasenscheidewand, eine besonders
geeignete Stelle für die Blutentnahme zu der Wasser-
mannschcn Reaktion und zu anderen serologischen Unter¬
suchungszwecken .. . .
Mühlenkamp, Ueber die diametral gegenüberstehenden Folge¬
erscheinungen zweier Fremdkörper in der Nase.
Müller, Epididymitis und Bacterium coli commune. (Aus der
K. bakteriologischen Untcrsuchungsstation Landau.) . . .
Müller E.-Marburg, Ueber die Frühstadien der spinalen Kinder¬
lähmung. (Aus der medizinischen Poliklinik in Marburg.)
Müller E.-Münclien, Die Rüntgenstrahlen im Dienste der Therapie.
(Aus der Röntgenabteilung des physikalisch-therapeutischen
Krankenhauses links der Isar in München.).
Müller Chr.-Immenstadt, Eine einfache Methode zur Bestimmung
des Tiefensitzes von Fremdkörpern mittels Röntgen strahlen.
(Illustr.).
31 ü 11 e r F.-Heilbronn, Dentaler Stirnkopfschmerz.
Müller L., Beiträge zur Kenntnis der Digitalisbehandlung. (Aus
der medizin. Klinik zu Heidelberg). 439,
Müll er-Hagen, Instrument zur Entnahme von Blutproben für
bakteriologische Untersuchungen. (Illustr.).
Müller A.-Kolmar, Beitrag zur Kenntnis der Ban tischen Krank¬
heit. (Aus der inneren Abteilung des Bürgerspitals zu
Kolmar i. Eis.) (Illustr.)..
M u eil er A.-München, Scheidenbildung aus einer verlagerten
Dünndarmscblinge, ausgeführt von S. K. II. Prinz Dr. Lud¬
wig Ferdinand .
v. Muralt, I)io Behandlung schwerer einseitiger Lungentuber¬
kulose mit künstl. Pneumothorax. (Aus dem Sanatorium
Davos-Dorf.) (Illustr.). 2561,
Maskat, Plattfussstiefel ohne Einlage. (Aus der orthopädischen
Anstalt von Dr. Muskat in Berlin.) (Illustr.).
2006
2414
802
321
545
1414
1001
1485
1825
1481
2329
1282
2583
2460
226
1645
243
904
2115
2316
2631
2642
1281
Näcke, Ueber die Pollutio interrupta.1737
— Ein seltener Fall von Nikotinausschlag. 2581
Nagclsclimidt, Ueber Diathermie (Transtherare, Thermo-
Penetration.) .. . 2575
Nahm, Ueber den habituellen Icterus gravis der Neugeborenen 139
Nassauer, Die Behandlung des „Ausfluss“. (Illustr.).753
— Drohender Niedergang der ärztlichen Kunst infolge der
Versicherungsgesetzgebung.1236
Ncisser, Ueber die Bedeutung der Wassermann sehen
Serodiagnose für die Praxis.1076
Ncrking, Narkose und Lezithin. (Aus der biochemischen Ab¬
teilung des Instituts für experimentelle Therapie zu Düssel¬
dorf.) .1475
Neu, Alfons v. Rosthorn.1900
— Experimentelles über die Bedeutung der Gerinn ungs-
komponentc für den postpartalen Blutstillungsmechanismus.
(Aus der Frauenklinik der Universität Heidelberg.) .... 2571
Neugebauer, Eine Herznaht. (Aus der chirurgischen Abteilung
des allgemeinen Krankenhauses in Mährisch-Ostrau.) . . 25
Veumann Il.-Wien, Ein neues Adenotom. (Illustr.). 2585
Neu mann W.-IIeidelberg, Ein billiges und bequemes Verfahren
zum Aufschneiden von Gips- und Wasserglas verbänden. (Aus
dem evangelischen Diakonissenhaus Freiburg i. Br.) (Illustr.) 1235
Nitsche, Öchlimpert und Dunzelt, Die Muchsche Hem¬
mungsreaktion bei Geisteskranken. (Aus der Heil- und
Pflegeanstalt und der bakteriologischen Untersuchungs-
anstalt in Dresden.).2101
Seite
Noda s. u. Moro, Noda und Benjamin.
No der, Soll der Baderstand in Bayern erhalten werden? . . . 461
Noeggerath, Zur Kuhmilchhämolyse. (Aus dem bakterio¬
logischen Laboratorium der Universitätskinderklinik der
k. Charite.). 2485
Noesske, Zur Prophylaxe und Therapie drohender Finger¬
gangrän bei Raynaudscher Krankheit. (Aus der Kgl.
Chirurgischen Klinik in Kiel.) (Illustr.).2419
Noguchi, Eine für die Praxis geeignete leicht ausführbare Me¬
thode der Serumdiagnose bei Syphilis. (Aus Roekefeller
Institute for Medical Research, New York.).494
Nohl, Ueber Knieschmerzen bei Hilfterkrankung. ..... . 1028
Oberländer, Ein neuer Uterusdilatator bei Abortbehandlung.
(Illustr). 244
Oberndorfer, Ueber die Häufigkeit des Ulcus rotundum
ventriculi in München. (Aus der Prosektur des Kranken¬
hauses München r/L). 1640
Oberst, Ueber Verletzungen durch den elektrischen Strom (Aus
der chirurgischen Universitätsklinik Freihurg i. B.) (Illustr.) 1320
Oehme, Lymplifollikel im kindlichen Knochenmarke. (Aus
dem pathologisch-anatomischen Institute des Stadtkranken¬
hauses Dresden-Friedrichstadt.).446
Oh ly, Ueber die Wirkung des in der .loghurtmilch enthaltenen
Milchsäurebazillus und die therapeutische Verwendung der
Jogliurtmileh bei Magen-, Darm- und Stoff wcchseler*
krankungen. (Aus der Klinik für Magen-, Darm- und
Zuckerkranke von Hofrat Dr. Decker.).1790
v. Oppel. Experimentelle Grundlagen der arteriellen Anästhesie 1772
Oppenheim und Krause, Beiträge zur Neuro-Chirurgie.
(Illustr.). 1007, 1077, 1134
Paderslein, Ludwig Laqueur.1083
Pankow, Der Einfluss der Kastration und der Hysterektomie
auf das spätere Befinden der operierten Frauen. (Aus der
Universitäts-Frauenklinik in Freiburg i. Br.).265
— Die Ursachen der Uterusblutungen. (Aus der Universitäts-
Frauenklinik in Freiburg i. B). 2701
Pape liier. Die Badegewohnheiten und hygienischen Sitten des
japanischen Volkes.977
Paschen, Ueber die Ewingscho Klatschmethode zur Dar¬
stellung der Vakzinekörperchen . 2004
Paysen, Ueber Herniotomien und andere Bauchoperationen in
der Landpraxis. . . 1482
— Ein einfacher Troikart zur Aspiration von Pleuraexsudaten.
(Illustr.).1538
Penzoldt, Erinnerung an Richard Fleischer . .1285
Peters, Ein Beitrag zur Leukämiefrage. (Aus dem Knappschafts¬
krankenhause Recklinghausen).1478
Peterson und Scriptlire, Psychophysische Untersuchungen
mit dem Galvanometer. (Illustr.). 2476
Pfannenstiel, Ueber die geburtshilflichen Hilfsoperationen
bei abnormer Enge und bei unvollkommener Erweiterung
der'Weichteile. (Aus der Universitäts-Frauenklinik zu Kiel.) 953
Philippi, Eucerin, eine moderne vorzügliche Salbengrundlage 1792
Pick J.-Saaz, Wie man ein wissenschaftlich bestimmbares Licht
darstellen und zu ärztlichen Zwecken verwenden kann . . 713
Pick F.-Prag, Leopold Auenbrugger, der Erfinder der Perkussion 1333
Piper, Nachruf auf Th. W. Engel mann .1797
Pischinger, Die graphische Darstellung des Lnngenbefundes.
(Illustr.). 659
Pittinger, Säuglingsfürsorge auf dem Lande und Leichenschau 1898
Plate, Ueber ein neues Verfahren zur Erzeugung von Haut¬
reizen. (Aus dem Allgemeinen Krankenhause St. Georg
in Hamburg.) (Illustr.).513
— 4 Fälle von kongenitaler Wortblindheit in einor Familie . 1793
Plaut, Ueber die von Much und Holzmann beschriebene
Kobragiftreaktion bei Geisteskranken. (Aus der psychia¬
trischen Universitätsklinik in München.).1531
Plehn, Die Diagnose der latenten Malaria.1733
Port, Kortikale motorische Aphasie nach Pneumonie. (Aus der
medizinischen Klinik der Universität in Güttingen.) . . . 806
Pototzky, Die Vibrations-Elektrode. (Illustr.).1850
Preis werk, Ein Beitrag zu den Trigeminusneuralgien dentalen
Ursprungs ..1370
Prorok, Zur Chemie des Sputums Tukerkulöser. (Aus der
II. inneren Abteilung des Rudolf Vircbow-Krankenbauses
in Berlin.) .. . . .... 2053
v. Prowazek und Beaurepaire Aragao, Weitere Unter¬
suchungen über Chlamydozoen. (Aus dem „Institute Os-
waldo Cruz“ in Manguinhos, Rio-de-Janeiro.) (Illustr.) . . 645
— und Yamainoto, Experimentelle und morphologische
Studien über das Vakzinevirus. (Aus dem Institut für
Schiffs- und Tropenkrankheiten in Hamburg.) (Illustr.) . . 2627
Pürckhaue r, Wie wirkt die spezifische Therapie auf die
W as se r rn an n-A. N e i s s e r - Br u e kscho Reaktion ein?
(Aus der Kgl. dermatologischen Universitätsklinik zu Breslau.) 698
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Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
X
Seite
Raab L.-München, Zur Frage von der akuten Dilatation des
Herzens durch Ueberanstrengung. (Aus Dr. Raabs
Heilanstalt für Herz- und Nervenkranke in München.)
(Illustr.).555
— Ein neuer Wechselstromapparat. (Aus der Heilanstalt für
Herz- und Nervenkranke.) (Illustr.).855
Raab W.,-Schwabach, Die Säuglingsfürsorge in Schwabach im
Jahre 1908 . 1738
Ruobiger, Krankheitsfälle, hervorgerufen durch Mäusetyphus¬
bazillen . 2272
Raff, Praktische Erfahrungen über Skabies ...... . 1648
R amsauer, Ueber einen Kreuznacher Trinkwasseraktivntor.
(Aus dem radiolog. Institut der Universität Heidelberg.) . 1596
Ranke, Bericht über die Tätigkeit der Fürsorgestelle für Lungen¬
kranke des Vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose in
München.187
v. Ranke, Erinnerungen an Justus v. Liebig.663
Rauch, Bezolds funktionelle Prüfung des Ohres und Taub-
stummenforschung.719
Rautenberg, Ueber Synergie und Asynergie der Vorhöfe des
menschlichen Herzens. (Aus der Kgl. med. Universitäts-
Poliklinik zu Königsberg i. Pr.) (Illustr.) ...... . 378
Reh, Zur Bestimmung der wahren Organgrösse aus der Grösse
des Röntgen schatte ns. .2116
Rehn, Zur Behandlung der flachen Hautkarzinome. (Aus der
chirurgischen Universitätsklinik zu Königsberg ).169
— Die unmittelbare Herzmassage bei Narkosentod. (Aus der
chirurgischen Universitätsklinik zu Königsberg.). 2462
Reiche, Der senile Typus der übertragbaren Genickstarre. (Aus
dem allgemeinen Krankenhaus Hamburg-Eppendorf.) . . 1829
— Zur Kasuistik der Aneurysmen desPuImonalarterienstarnmes
nebst Bemerkungen über Geräusche in diesem Gefässe.
(Aus dem allgemeinen Krankenhaus Hamburg-Eppendorf.) 2166
Roinach und Grimm, Bericht über die Tätigkeit des „Prinzessin-
Arnulfhauses für Säuglinge“) (e. V.) München im Jahre 1908
mit spezieller Berücksichtigung der Säuglingsmilchküchen¬
frage .1136
Reinhardt L.-Basel, Das jüngst entdeckte älteste Skelett. (Illustr.) 810
— Eine Vergiftung mit unreifen Nieswurzsamen. 2056
Reinhart, Erfahrungen mit der Wassermann-Neisser-
Bruckschen Syphilisreaktion. (Aus dem allgemeinen Kran¬
kenhause St. Georg in Hamburg, Abteilung für Haut- und
Geschlechtskrankheiten.). 2092
Richter, Ein neuer Wechselstromapparat.1184
Riebes, Eine neue Methode zur Bestimmung der Gerinnungzeit
des Blutes.1958
Ri eck. Eine noch unbekannte Form mechanisch bedingter
Amennorrhoe und ihre operative Behandlung.559
Riedel, Fibrolysin, ein Heilmittel der Fettsucht .1429
Rieder s. u. Kästle, Rieder und Rosenthal.
Riehl, Makroskopische Asthmaspiralen im Auswurf. (Aus der
Kgl. med. Poliklinik in München.). 23
R i m a n n , Zur Kasuistik der Schussverletzungen des Herzens.
(Aus dpr chirurgischen Universitätsklinik zu Leipzig.) . . 760
Ri mp au, Mitagglutination für Typhus bei Infektion mit Bac.
enteritidis Gärtner. (Aus der Kgl. bakteriol. Untersuchungs¬
anstalt Hagenau i. E.). ... 1843
K<»in er, Untersuchungen zur Aetiologie der ep’demischon Kinder¬
lähmung. (Aus der experimentellen Abteilung des Instituts
für Hygiene und experimentelle Therapie zu Marburg.) . 2505
Kol ly. Die W a s s e r m an n sehe Seroreaktion bei Lues und
anderen Infektionskrankheiten. (Aus der medizinischen
Klinik zu Leipzig.). 62
— Ueber schädliche und nützliche Wirkungen der Fieber¬
temperatur bei Infektionskrankheiten. (Aus der medizi¬
nischen Klinik zu Leipzig.).745
— Zur Frage der Durchgängigkeit der Niere für Bakterien.
(Aus der medizinischen Klinik zu Leipzig.) . .1873
Rose, Miliartuberkulose im Wochenbett. (Aus der Kgl. Uni¬
versitätsfrauenklinik Halle a. S.) (Illustr.).1949
Rose C., Eine Influenza ähnliche Diplokokkenepidemie. (Aus
der Abteilung für chronisch Kranke des Btirgerspitales zu
Strassburg i. Eis.). 2257
Knsenblat, Ueber die granuläre Form der Tuberkelbazillen im
Sputum. (Aus dem physiologischen Institut der Universität
Berlin.). 2521
R o b e n t h a 1 s. u. Kästle, Rieder und Rosenthal.
Rosenthal O.-Berlin, Kurze Mitteilung über Gefahren der ge¬
bräuchlichen Sauerstoffanwendung. 2483
Rossbach, Zur Sklerose der Abdominalgefässe. (Aus der I.
med. Klinik in München.).974
— Ueber einen intraventrikulären Gehirntumor mit Arellexie
der Kornea. (Aus der I. medizinischen Klinik der Uni¬
versität in München.) (Illustr.).•.2168
— Medizinische Reiseeindrücke aus Paris. 2272
Rothschild, Zur Diagnose und Therapie der Pleuraverwach¬
sungen .. . ..1692
Rücker, Die Erzeugung einer schweren Hämatemese durch
Läsion der Nasenscheidewand . .. 2320
8 lte
Rühl, Cesare Lombroso.. - 2645
Ruete, Ein Fall von Sehnervenerkrankung nach Arsazetminjok-
tionen. (Aus der Klinik für syphilitischo u. Hautkrankheiten
der Universität Strassburg.).718
Runge s. u. v. Lichtenberg, Dietlen und Runge.
Russow', Ueber eine neue Kontrastfärbung zur Darstellung
intrazellulärer Tuberkclbazillen im Auswurf.920
Saathoff, Erfahrungen mit der Wassermann sehen Reak¬
tion in der inneren Medizin. (Aus der II. medizischen
Klinik München.).1987
— Tuberkulindiagnostik und Therapie nebst Stoffwechsel-
Versuchen bt-i der Tuberkulinreaktion. (Aus der II. medi¬
zinischen Klinik München.) (Illustr) . 2041
— Ein Beitrag zur Kenntnis der primären Pyelitis. (Aus der
H. med. Klinik in München.). 2262
Sachs s. u. Ehrlich und Sachs.
Salzer, Zur Keratoplastikfriure.1423
— Ueber Erwartungsneurosen auf okularem Gebiet (psychische
Asthenopie).1687
Samojloff und Steshinsky, Ueber die Vorhoferhebung
des Elektrokardiogramms bei Mitralstenose. (Illustr.) . . . 1942
Schade, Beiträge zur Konkrementbildung. (Illustr).3,77
Schaefer, Ueber Behandlung mit Carl Spenglers 1K. 2375
Schaeffer, Die Tätigkeit der preussischen Aerztekammern im
Jahre 1908.404
Scheide mandel, Ueber Seruinbehanülung und ihre Gefahren.
(Aus der Dircktorialabteilung des städtischen Krankenhauses
Nürnberg.).2210
Schenck und Tecklenburg, Ueber die S t rauss-Le vasche
Motilitätsprüfung des Magens mittels des Fettzwieback¬
frühstücks. (Aus der inneren Abteilung des Heiliggeist-
Hospitales Frankfurt a. M.).• 338
Schenk, Ueber die Bedeutung der Lezithinausflockung bei
malignen Tumoren. (Aus dem hygienischen Institute und
der Universitäts-Frauenklinik in Prag.) . ... • . . . 1415
Schenker, Weitere Beobachtungen in der Tuberkulosetherapie
bei der Anwendung von Marmorekserura.. . 174
Scheuer, Ueber einen Fall von Masturbation beim Weibe,
hervorgerufen durch Pruritus genitalium. (Heilung durch
Uviollichtbchandlung.).. . 1276
Schey s. u. Hamburger und Schey.
Schittenhelm, Wilhelm Ebstein.1600
Schlayer und Takayasu, Untersuchungen über die Funktion
kranker Nieren. (Aus der medizinischen Klinik zu Tübingen.)
(Illustr.). 2201
Schlecht, Ueber einen tödlich verlaufenen Fall von Atoxyl-
vergiftung. (Aus der Kgl. medizinischen Klinik in Broslau.) 972
Schlimpert s. u. Nitsche, Sehlimpcrt und Dunzelt.
Schlossmann, Die Tuberkulose als Kinderkrankheit. (Aus der
akademischen Klinik für Kinderkrankheiten zu Düsseldorf.) 398
Schmidt E., Heberdrainage mit Aspiration zur Behandlung tuber¬
kulöser Pleuraempyeme. (Aus der chirurgischen Klinik des
städtischen Krankenhauses in Frankfurt a. M.) (Illustr.) . 752
Schmidt A.-Halle, Neurosen innerer Organe und Erkrankungen ^
der Organnervcn.162o
Schmidt-Rimplcr, Ist der „Trachomerreger“ entdeckt? . . . 1580
Schmincke, Das Phonendoskiaskop. (Illustr.). 28
Schmitz, Ernstes und Heiteres zum F e 1 k o - Prozess.616
Schneider, Zur Aetiologie der Hemicrania ophthalmica . . . 1368
Schn öl ler, Ueber intrafokale Anwendung der Marmore fe¬
schen Tuherkuloseserums.1*31
Schöppner, Die Veränderungen des Blutdruckes unter Einwirkung
der komprimierten Luft.1686
Scholl, Die Stellung der Aerzto zu der Reform und dem Ausbau
der Arhciterversicheriing... 522, 569, 6n
— Der Entwurf der Rcichsvorsicherungsordnung.768
Schomerus, Endemisches Auftreten der Angina pneumococcica.
(Aus der Entbindungsanstalt des allgemeinen Krankenhauses
Hamburg-Eppendorf.).ly-
Schott, Herzdilatation oder Herztumor? (Illustr.).132<
Schreiber, Ueber intravenöse Injektion des Diphtherieserums.
(Aus der inneren Abteilung des Altstadt. Krankenhauses zu
Magdeburg.).1 5J * 7
Schrei he r-Rodheim, Zur Behandlung der Obcrschenkelbrüchc
hei Neugeborenen.. . . . • 2o32
Schrumpf s. u. Zabel und Schrumpf.
Schrumpf und Zabel, Ueber die auskultatorische Blutdruck¬
messung. (Aus der Abteilung für chronische Kranke- dos
BtPgerspitals in Strassburg.) (Illustr).704
Schüffner s. u. Baermann und Scliüffner.
Schümann, Ueber präsenile Gangrän infolge von Arteritis ob-
literans. (Aus der chirurgischen Universitätsklinik zu
Leipzig.) (Illustr.). 19^4
Schütz, Zur Kenntnis der bakteriziden Darmtätigkeit.
Schnitz h. u. Heller und Schuhz.
Schultz W.-Port-Allegre, Zur Behandlung des akuten 8chnupfens
der Säuglinge..
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Gck igle
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
XI
8elte
Schultz J. H., Untersuchungen Ober die Mucli-Holzmann-
sche Psychoreaktion. (Aus dem Kgl. Institut für experi¬
mentelle Therapie zu Frankfurt a M.).1528
Sc hultz O.-Hannover, Ucber Helgoland und Heufieber .... 1538
Schultze, Zur Differentialdiagnose der Leukämien. (Aus dein
pathologischen Institut der Universität GöttingenA . . . 167
Schulz, Ucber Fulguration von inoperablen Karzinomen. (Aus
der Kgl. chirurgischen Universitätsklinik zu Breslau.) . 1883
Schümm, Zum klinischen Nachweis von Blut in den Fäzes. (Aus
dem chemischen Laboratorium des allgemeinen Kranken¬
hauses Hamburg-Eppendorf).612
— und Hegler, Ucber die Brauchbarkeit der sog. „Pankieas-
reaktion“ nach Cammidge. (Aus der Direktorialabteilung
und dem chemischen Laboratorium des Eppendorfer
Krankenhauses.) .1878
— und — Zur Kenntnis der „Pankreasroaktion“ nach Cam-
midgo. (Aus dem chemischen Laboratorium des allge¬
meinen Krankenhauses Hamburg-Eppendorf.). 2054
S ch urig, Erklärung der rachitischen Residuen am Brustkorb Er¬
wachsener .512
Schwartz, Die Anstellung von Krankenkassenärzten als Spezia¬
listen für Natorheilkunde.1338
Schwartzo, Drei Vorträge aus dem Gebiete der Ohrenheil¬
kunde . 1057, 1161
S cliwarz, Uebcr Desensibilisierung gegen Röntgen- und Radium-
strahlen. (Aus dem Röntgenlaboratorium des Wiener k k.
allgeme : nen Krankenhauses.) (Illustr.).1217
— Ueber Fortschritte in der Dosierung der Röntgen strahlen
und das einstufige Kalomelradiometcr. (Aus der I. medi¬
zinischen Universitätsklinik in Wien.) (Illustr.). 2578
Schwenkonbcchcr, Ein Beitrag zum ätiologischen Studium
des Diabetes insipidus. (Aus der med. Klinik im Kranken¬
haus zu Frankfurt a. M.j . 2564
Schwiening, Zur Frage der Militärtauglichkeit der zum einjährig¬
freiwilligen Dienst berechtigten Wehrpflichtigen Deutschlands 2271
Scripture 8. u. Peterson und Scripture.
fc? e ddi g, Uebcrsicht über,die graphischen Methoden zur Registrie¬
rung der Herztöne. (Aus dem psychologischen Institut der
Akademie in Frankfurt a. M.). 2161
Seibert, Kampher und Pneumokokken.1834
Seiffert, Ueber den Bordetschen Keuchhustenbazillus. (Aus
dem Kgl. Institut für experimentelle Therapie in Frank¬
furt a. M.).131
Seiffert, Ueber Tropensyphilis.. . 2318
S e i t z, Heinrich von Ranke.1082
Seil heim. Zur Entstehung und Heilung kompletter Dammrisse.
(Aus der Frauenklinik der Universität Tübingen.) (Illustr.) 1886
Sicherer, Weiterer Beitrag zur Vererbung des Schielens . . . 2707
Sieber, Ueber Lumbalanästhesie mit Novokain in der Gynäko¬
logie. (Aus der Kgl. Universitäts-Frauenklinik zu Marburg ) 500
Sie hert. Das ärztliche Berufsgeheimnis vor Gericht. 2428
Siegel, Ein Fall von traumatischer Gangrän der Gallenblase . 341
Sigwart, Zur prognostischen Bedeutung der Hämolyse der
Streptokokken. (Aus der Universitäts-Frauenklinik der Kgl.
Charitö Berlin.) . •.1128
Simon, Zwei mit Antitoxin „Höchst“ behandelte Fälle von
schwerem Tetanus mit günstigem Ausgang. (Aus der Chirurg.
Abteilung des allgemeinen Krankenhauses zu Mannheim) 2264
Mittler, Kongenitale Nabolschnurhernie; Spontanheilung. (Aus
der medizinischen Klinik Marburg a. L.) (Illustr.) .... 340
— Eine Hypothese zur Erklärung des Masemexanthems . . 2705
S 1 n ka und Zar fl, Ein Fall von Kala-azar. (Aus der k. k. Wiener
Univershiits Kinderklinik ) (Illustr.).1072
Sobotta, Charles Darwin ..344
v. Sohlern, Die Verbreitung des Ulcus ventriculi in München
und im bayerischen Gebirge. 2486
s •> mmerf eld, Ein eigenartiges Vorkommen des Bacillus pyo-
cyanou8 in der Blase. (Aus dem städt. Kaiser- und Kaiserin-
Friedrich-Kinderkrankcnhaus zu Berlin.). 2270
^ p a e t, Die Gebühren der ärztlichen Sachverständigen vor Gericht 863
^piro K.-Strasshurg, Ueber Kupferung von Konserven .... 1070
>piro. Zur Behandlung der Ophthalmoblennorrhoe der Neu¬
geborenen. (Aus der Universitäts-Augenklinik zu Rostock.) 1735
"‘tade s. u. Engelmann und Stade.
'"täubli, Ucber die Verbreitungsart der Trichinollon.325
>tehlik. Vaginale Wärmeapplikation mit Hilfo eines neuen
Thermophorapparates. (Aus dom allgemeinen Krankcnhauso
in Graz.) . . . .'.1385
> t e i n, Ucber die Bedeutung diastolischer Geräusche im dritten
linken Ioterkostalraum für dio Diagnose von Erweiterungen
der Aorta.1489
"deiner, Eino einfache Vorrichtung zur bequemen Ausführung
von Ueberschichtungsproben. (Aus der medizinischen Poli¬
klinik zu Leipzig.) .1742
^"teinert, Ueber Polyncuritis syphilitica. (Aus der medizinischen
Klinik zu Leipzig.) . . . 1938, 2010
Steinitz, Therapeutische Erfahrungen mit Medinal and der
homologen Dipropylverbindung. (Aus der II. inneren Ab¬
teilung des 8tadtkrankenhauses Friedrichstadt in Dresden.) 2106
□ igitized by Go ole
Seite
Sthecman s. u. Moro und Stheeman.
Stosliinsky s. u. Samojloff und Steshinsky.
Sticker, Findet eine Beeinflussung des Krebses durch Kohle
statt? (Aus der Kgl. Chirurg. Universitätsklinik zu Berlin.) 25C8
Stilling, Untersuchungen zur Muchschen Hemmungsreaktion.
(Aus der psychiairischen Klinik und dem Institut für
Hygiene und Bakteriologie zu Strassburg.). 2630
Stocher, Experimentelle Untersuchungen über die Erzeugung
atypischer Epithclwuehernngon. (Aus dom pathologischen
Institut der Universität Würzburg).129
Stoffel, Plattfuss und Arthropatliia psoriatica. (Aus der Prof.
V ul p ins sehen orthop. chirurg. Klinik in Heidelberg.)
(Illustr.).854
Straub, Ueber den Mechanismus der Adrenalinglykosurio. (Aus
dcmpharmakologischenlnstitutderUniversitätFreiburgi.Br.) 493
Strauss, Anmerkungen zu meinem Dosimeter . . •.1599
Strub eil, Die Immunität des Igels gegen echte Toxine, seine
Widerstandsfähigkeit gegen banale Gifte. (Aus dem opso¬
nischen Laboratorium zu Dresden.). 2524
v. Stubenrauch, Ueber Zystenhildung in ahgesebnürten Resten
des Wurm fori sat/.es. (Illustr.).1782
Stumpf, Bericht über die Ergebnisse der Schutzpockenimpfung
im Königreiche Bayern im Jahre 1908 2636
Stursberg, Ein Apparat zur graphischen Blutdruckbostimmung.
(Aus der medizinischen Universitätsklinik in Bonn.) (Ulostr.) 562
S u d c e k, Ein Fall von Pyozyaneus Allgeraeininfcktion. (Aus dem
Allgemeinen Krankenhause St. Georg, Hamburg.) .... 1848
Sudhoff, Aus Leipzigs medizinischer Vergangenheit. (Illustr.) 1542
— Jakob Hcnlo.1696
Taege, Einfaches Verfahren zur Herstellung von Teerbüdcrn.
(Aus der Hautklinik der Universität Frcibnrg i. Br.) . . . 714
— Eisen a f s Ersatz des Wismut für Röntgenaufnahmen. (Aus
der Universitätshautklinik zu Freiburg i. Br.) . . . 758, 1184
Takayasu s. u. Schlaycr und Takayasu.
Tausch, Ueber Fussboschwerden.2103
Tecklenburg s. u. Schenk und Tecklenburg.
Tegeler, Schuss Verletzung der Aorta mit eingeheilter Kugel in
der Herzklappe. (Illustr.).1740
Thcilhaber, Zur Lehre von der Entstehung der Uterußtumoren.
(Aus Hofrat A. Theilhabers Frauenheilanstalt.) .... 1272
Th i ein an n, V-förmigo Schlinge der Flexur. (Aus der chirur¬
gischen Klinik zu Jena.) (Illustr.).1585
Thorei, Vorläufige Mitteilung über eine besondere Muskelvcr-
bindung zwischen der Cava superior und dem Hissehen
Bündel. (Aus dem pathologischen Institut des allgemeinen
Krankenhauses Nürnberg.).2159
Tiefenthal, Zur Anästhesierung des Trommelfells und der
Paukenhöhle. (Aus der Universitäts-Ohrenklinik Freiburg i. B.) 657
Tiegel, Traumatische Perityphlitis. (Aus der chirurgischen Ab¬
teilung des städt. Luisenhospitals zu Dortmund.) .... 2369
Tintemann, Zur Stoffwecbselpathologie der Epilepsie. (Aus
dem Stoffwcchsellaboratorium der Kgl. Universitätsklinik
für psychische und Nervenkrankheiten zu Göttingen.)
(Illustr.)...1472
Tischler, Erworbene Elefantiasis. (Illustr.).461
Tollen«, Ueber den Glykuronsäurenachweis durch die B. Tol-
lonssche Reaktion mit Naphthoresorzin und Salzsäure. (Aus
der städtischen Krankenanstalt in Kiel.).652
Trautmann H., Die Methoden der praktischen Grossstadt-
desinfektion. (Aus dem staatlichen hygienischen Institut
zu Hamburg.). 233
Trautmann G.-München, Erfahrungen bei der Behandlung von
Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten mit Pyozyanase . . 561
Trnütmann A.-Leipzig, Zur Diagnose der Bleivergiftung aus
dom Blute. (Aus dem Hygienischen Institut der Universität
Leipzig.) (Illustr.).1371
Treupel, Ist die von Max Herz beschriebene „Phrenokardie“
eine scharf abzugrenzende Form der „Herzneurosen 1 *? . . 1594
— Ueber Herzneurosen .. 2404
Trum pp, Viskosität, Hämoglobin- und Eiweissgehalt des kind¬
lichen Blutes. (Aus der Kgl. Universitäts-Kinderklinik
München.) .2145
— Notiz zur Behandlung der Rhinitis acuta. 2422
Turmann, Ueber die Behandlung r der Tuberkulose mit einem
spezifisch wirkenden Jodpräparat.1532
U f f e n h e i m e r, Weshalb versagt das Behring sehe Diphtherie-
Heilserum in gewissen Fällen? (Aus der Kgl. Universitäts-
Kinderklinik in München.) ..598
— Ueber Komplementbindung bei Scharlach. (Aus der Kgl.
Universitäts-Kinderklinik und dem Hygienischen Institut
der Universität München.). 2471
Veiel E., Der Einfluss der sinusoidalen Vierzellenbäder auf die
Herzarbeit. (Aus der Medizinischen Klinik der Universität
in Tübingen.) (Illustr.).2155
Veiel K. Th., Zur Ekzemtherapie.2411
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
XII
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Seite
von den Velden R., Zur Arscntherapio mit der Dürkheimer
Maxquelle. (Aus der Marburger medizinischen Klinik.) . 241
von den Velden Fr. Frankfurt, Die Verteilung der tödlichen
Krankheiten auf die Lebensalter.520
Vcrsd, Ueber die chronische Dilatation des Dickdarms im
höheren Alter. (Aus dem Pathologischen Institut zu
Leipzig.) (Illustr.) ..654
Vidal, Was kann der prakt. Arzt zur Verbreitung des Selbst-
stillens tun? . 83
Völker, Beitrag zur Hebosteotomie.459
Vörner, Verdeckte Syphilisstellen.718
Vogel, Der klinisch-geburtshilfliche Unterricht mit besonderer
Berücksichtigung der antiseptischen Massregeln.189
v. Vogl, Zur Frage der Militärdiensttauglichkeit der zum ein¬
jährigfreiwilligen Dienst berechtigten Wehrpflichtigen
Deutschlands. 2639
Vogt s. u. Klose und Vogt.
Vogt, Einige Beobachtungen mit der Fürbungsmethode der Tu¬
berkelbazillen nach Demetrius Gasis. (Aus der Medizinischen
Klinik des städtischen Krankenhauses Frankfurt a. M.) . 1849
Voigt, Ein Fall von Macies uteri. (Aus der Privat-Frauenklinik
Dr. J. Voigt in Göttingen.). 27
— Zur Klammernaht. (Aus der Privat-Frauenklinik Dr. J.V o i g t
in Göttingen.) (Illustr.)..1431
Volpino, Ueber die Beweglichkeit der Körperchen der Vakzine
und der Pocken. (Aus dem Hygien. Institut der Kgl.
Universität Turin.). 2270
Vulpius, Zur Behandlung der Lähmungen an der oberen
Extremität. (Aus der Prof. Dr. Vulpius sehen orthopädisch¬
chirurgischen Klinik in Heidelberg.) (Illustr.).1065
— Vor und zurück in der Skoliosenbehandlung. (Aus der
Prof. Dr. 0. Vulpius sehen orthopädisch - chirurgischen
Klinik in Heidelberg.).1887
Waelsch, Ueber Syphilis d'embläe und die Berufssyphilis der
Aerzte .850
Walthard, Die psychogene Aetiologie und die Psychotherapie
des Vaginismus. (Aus der Frauenklinik des städtischen
Krankenhauses in Frankfurt a. M.).1998
Wanner, Bezolds funktionelle Prüfung des Ohres und Taub¬
stummenforschung. (Illustr.).455
Warburg, DasFarbenbcnennungsvermögonalsIntolligenzprüfung
bei Kindern.2511
Wassermann, Paul Ehrlich.245
Wauer, Assuan, ein idealer Winteraufenthalt, hauptsächlich für
Nierenkranke. (Illustr).2169
Weber, Arteriosklerotische Verstimmungszustände. (Aus der
Kgl. Universitätsklinik für psychische und Nervenkranke
in Göttingen.) .1524
Wehrsig, Hyperkcratosis subungualis (Unna) als Röntgen Wirkung.
(Aus dem pathologischen Institut zu Halle a. S.) (Illustr.) 1644
Weihrauch, Versuche zur Konjnnktivalreaktion mit Deutero-
albumose. (Aus der Heilstätte Holsterhausen bei Essen-Ruhr). 1532
Weil, Ueber die Morosche Salbenprobe. (Aus dem Kurhaus
St. Blasien und dem Sanatorium Luisenheim.). 2474
Weinberger, Zur Bezeichnung der Tuberkulindosen.2217
Weinbrenner, Ueber postoperativen duodenalen Ileus . . . 2223
Weise, Ueber den Gehalt käsig - kreidiger Lymphdrüsen an
Tuberkelbazillen. (Aus dem pathologisch - anatomischen
Institut des Allgemeinen Krankenhauses Hamburg-Eppen¬
dorf.) .443
W eis s bart, Ein Spekulum mit „Fangsieb“ fürCurettagen. (Illustr.) 2708
Weiss wange, Ueber Extrauteringravidität. (Aus Dr. Weiss-
wanges Privatklinik in Dresden) ..389
Werndorff, Ueber Almatein. (Aus dem k. k. Universitäts¬
ambulatorium für orthopädische Chirurgie des Regierungsrat
t Prof. Dr. Adolf Lorenz in Wien.).137
Wessely, Ueber Versuche am wachsenden Auge. (Aus der
Universitäts-Augenklinik in Würzburg.). 2249
Seite
W e y e r t, Schädeltrauma und Gehirn Verletzung. (Aus der psychiatri¬
schen Klinik der städtischen Krankenanstalt Lindenburg
in Köln a. Rh.).649
Wiehern, Ueber Benzin Vergiftung. (Aus der medizinischen
Klinik zu Leipzig.). . 11
Widmer, Neuere Erfolge und Erfahrungen aus dem Gebiete der
Heliotherapie. (Illustr.) .. 2000
Wiens, I. Zur Kasuistik der Kolibaktoriämie. II. Zur bakterio¬
logischen Typhusdiagnose. (Aus der medizin. Klinik zu
Breslau.) (Illustr.).962
Wiesner s. u. Dessauer und Wiesner.
Williamson, Die geographische Verbreitung des Diabetes
mellitus.2116
Wittek, Ein neues Instrumentarium zur Lumbalanästhesie. (Aus
der Grazer chirurgischen Klinik.) (Illustr.) . ..763
Wittneben s. u. Beyer und Wittneben.
Witzei, Ueber die Schutzarbeit im Bauchraume und über die
funktionelle Behandlung Laparotomierter. (Illustr.) . . . 269
Wolff F.-Reiboldsgrün, Dr. Carl Driver.616
Wolff, Ueber latentes Vorkommen der Much sehen Form des
Tuberkelbazillus. (Aus dem pathologischen Institut zu
Heidelberg.).2312
W o 1 f f - E i s n e r, Ueber die Bedeutung Helgolands für die Be-
handlung des Heuliebers (Pollenkrankheit).1432
— Ueber Tuberkulinvaseline zur Anstellung des Konjunktival-
reaktion, eine Modifikation der Konjunktivalprobe für die
Praxis. 2266
Wolfrom, Einiges über Kolloide und kolloidalos Silber, speziell
Kollargol Credo. 1377
Wolf rum und Cords, Ueber die Anwendung von Scharlachrot
bei Augenaffektionen. (Aus der Universitäts-Augenklinik
in Leipzig.).242
Würtz, Ueber Anwendung von Kampfer bei alimentärer Intoxi¬
kation des Säuglings. (Aus der Säuglingsheilstätte zu Strass¬
burg.) .135
Wunder, Wie kann der Arzt im Sprechzimmer den Salz- und
den HarnstolYgehalt des Harns feststellen? (Illustr) . . . 1374
Wyss, Akute posttraumatischeDupuytrenscheFingerkontraktur 138
Yamamoto s. u. v. Prowazek und Yamamoto.
Yoshinaga, Die Untersuchung des verfälschten Scliildkröten-
flcischcs mit Hilfe spezifischer Sora. (Aus dem Hygienischen
Institut der Universität Kyoto.). 2526
Zabel s. u. Schrumpf und Zabel.
Zabel und Schrumpf, Ein verbessertes Quecksilbermanometer
zu Blutdruckbestimmungszwecken. (Illustr.).1431
Zancarini, Zur Behandlung der Oberschenkelbrtiche bei Neu¬
geborenen. (Aus dem städt. Krankenhaus in Mailand.)
(Illustr.). 2374
Zangemoister und Gans, Der Einfluss der Streptokokken¬
infektion auf das leukozytäre Blutbild beim Affen nebst
Bemerkungen über die Untersuchungsmethode. (Aus der
K. Universitäts-Frauenklinik zu Königsberg i.Pr.),(Illustr.) 793, 858
Zarfl s. u. Sluka und Zarfl.
v. Zeissl, Zwei interessante Luesfälle (Muskel-, Hoden- und
Bindehautsyphilis) und aus diesen Beobachtungen gezogene
Schlüsse. (Aus dem Kaiser Franz-Josof-Ambulatorium.) . . 1891
Zenker, Ueber eine neue Nasenschiene. (Aus der Königl.
Universitätspoliklinik für Hals- und Nasenkranke zu Königs¬
berg.) (Illustr.).1958
Ziegenspeck, Die Folgen einer Hysteropexie mit Kastration . 1741
— Ein verbessertes scherenförmiges Perforatorium. (Illustr.) . 2057
Zinsser, Hautreizende Wirkung des Epheus. 2706
Zinsser, Max Runge.1743
Zweig, Die Behandlung von umschriebenen Hauterkrankungen
mit Kohlensäureschnee. (Aus der dermatologischen Ab¬
teilung der städt. Krankenanstalten zu Dortmund.) .... 1642
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Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
INHALTS-VERZEICHNIS.
XIII
1909.
II. Namen-Register.
(Die fett gedruckten Ziffern bedeuten Originnhirtikel.)
A.
Abbet.942
Abbo.2546
Abderhalden 816,1604,1605,
1650,2496,2498,2537,2538
Abel.539
v. Aberle . . 143, 144, 985
Abetti.871
Abraham.1251
Abrami.1750
Abrashanoff.1746
Abriccsoff.1652
Achill©.1439
Ackermann-Würzburg 2450
Ackermann A.-Bonn . 253
Ackermann E Jena . 1574
Ackermann K.-Mün¬
chen . 2338
Ackroyd.1754
Adam' .... 1149, 1653
Adamson.1971
Adler-Wien.2130
Adler B.-Gablonz . . 1343
Adler M.-Wien . . . 1656
Adler O.-Prag . . <86, 837
Adrian.2611
Aenstoots. 804
Ageron. 609
Ahlfeld 196, 3U2, 781, 1034,
1554, 2595
Ahreiner.1513
Abrens . ... 5^8, 630
Aizner . . .757
Alagna.2122
Alamartine.1751
Al banne. 2232
Albarran . 770, 1705, 1706,
1707
Albers-Schönberg 413, 882,
955
Al bracht.2713
Albrecht E.-Frankfurt 1747
Albrecht H.-München 2609,
2621
Albrecht H.-Wien 628, 2178
Albrecht P.-Wien . . 2331
Albrecht W.-Freibarg . 470,
1447
Albricht.1859
A1 bu 204,528,1052,2184,2595
AlcockN. A.1200
Alcock N. H.483
Aldenhoven. 2438
v. Aldor.1034
Alcssandrini . 1555, 2545
Alexander ..... 2650
Alexander-England 299
Alexander-Pest . . . 941
Alexander A.-Berlin . 2596
Alexander L.-Nürnberg 2086,
2610
Alexander G.-Wien . 146
Alexander W.-Berlin . 942,
1143, 2652
Alexandroff.1392
Allard . 1388, 2711, 2712
Allbutt.1925
Allemann .... 365, 1812
Allen.1971
Allere .... 1474, 8641
Allmann. 2237
Almkvist.1611
Almquist.1889
Almy.819
ALrutz ....... 1652
Alsberg G.-Kassel . . 2492
Alsberg F.-Charlotten-
burg.1495
Alt F.-Wien .... 1498
Seite
Alt K.-Uchtspringel457,2024
Altgelt. 2431
Althoff-Westfalen . . 355 |
Althoff H.-Attendorn . 1599* l
8115
Seite |
Assinger. 2239
Assmann . . . ... 658
Assmy.927
Astolfoni.304
Athanasescu .... 1909
Altmann.1863
Altschüler . .
. 1103
Altvater . . .
. . 1838
Alwens ....
... 687
Aly.
... 738
Alzheimer. . .
1613, 1818
Amann ....
1611, 2188
Amato ....
. . . 2389
Amberg ....
. . . 1294
Amberger . . .
821, 2068
Amende . . .
. 676
Amersbach . .
. . . 1552
Amman ....
. . . 419
Amrein ....
... 414
Andereya . . .
. . . 2197
Andernach . .
. . - 8288
Andö ....
. . . 1438
Andrade . .
. . . 1499
Andreae . . .
. . 2596
Andrej ew . . .
1296, 2603
v. Angerer . .
. 770, 2710
Anschütz 528,
880, 1675,
1712, 1713, 2083
Antoine . .
. . . 1394
Anton 848, 885,
1725, 1813
Antoniu . . .
. . . 1910
Anzoletti . .
. . 1606
Apel.
. 352
Apelt . . 1254,
1116, 2493
Aplekmann . .
. . . 1307
Apostoleanu.1392
Appel J.-Hambnrg . . 2344
Appel K.-Brandenburg 1248
Arany.1194
Arcoleo.629
d’Arcy-Power .... 1926
Arends.86
v. Arlt.415
Arndt 257, 676, 1497, 2226,
233)
Arnheim 1206, 2334, 2492
Arning 537, 632, 1404, 1554,
2606
Arnold A -Stuttgart . 813
Arnold J.-Heidelberg 575,
2122
Amsperger H.-Heidel-
borg. 2021
Arnsperger L.-Heidel-
berg .... 1099, 2710
Aronade .1803
Aronsobn H.-Borlin . 539
Aronsohn O.-Berlin . 1296,
1656
Aronson ..304
Arriens-CapperH . . . 2600
Artom.1093
Arzt. 361, 1906
Asai.868
Ascarelli. 93, 2280
Asch ... .337, 934
Aschaffenburg .... 1853
Aschenbain. 2649
Aschenheim .... 2241
Ascher L.-Königsberg 823,
2140
Ascher M.-Wildbad . 465
Ascher W.-Leipzig . . 2124
Aschner. 2668
Aschoff 525,1807,2228,2341
Ashby.361
Ashbnrn.201
Ashdowne. 2028
Askanazy. 2228
Asmy. . 2234
Aubertin .... 771, 2120 i
Auer. 2497, 2539 |
Auerbach F.-Berlin . 872 j
Auerbach L.-Frankfurt 1255
Auerbach P.-Magdeburg 2598
Auerbach S.-Frankfurt 1750,
2291
Aufrecht . . .32, 93, 2495 j
Augustin. 533 |
Ausset. 467, 483 j
Austoni.1092
Avarffy.1196 !
Avellis. 2284 j
Axenfeld . 535, 1387, 1564
Axhausen 88, 360, 668,
1247, 2123, 2388, 2504
Axmann.
304
B.
Baas . .
1030
Bab.871,
2435
Babes .
360
Baccelli.
1914
Bach S.
2436
Bach-Berlin.
2397
Bach L. R.-Marburg
210,
781
Bachauer .
1199
Bachem.
611
Bacher .
1609
Bachmann-Nümberg .
2085
Bachmann E.-Zürich .
32
Bacmeister-Bonn , . .
964
Bacmcister-Freiburg
475,
625
Bade . 143, 334, 878,
879
Bader .
1089
Baduel.
1555
Baechi B.-Modena . .
1392
Baecchi-Siena . 1556,
2546
Baecher . • . 1904,
2549
Baedeker .
2350
Bähr.
466
Bär B.-Frankfurt . .
679
Baer E.-Münsterlingen
33
Baer J.-Strassbnrg . .
2712
Baermann 384, 1169,
2123,
2319
Baeskow.674
Baetzner . . . 330
Bäumer.2199
Bäumler . . 195,536, 2341
v. Baeyer . . 2002, 2416
Bagin ski . 624, 2396, 2397 j
Bail.39, 1516
Bailoy C. F. . . . 673, 2548 j
Bailoy R. C. 2027
Baillart. 2338 |
Baiseh B.-Heidelberg . 411
Baisch K.-München 118,1442,
1561, 1615, 1854, 1929,
2129, 2137, 2327
Baker.1440
Balck. 2236
Baldwin.1035
Bdlint.364
Bailance. 2598
Baller.1197
Ballet.1669
Baltä.198
Ballaceanu. 2439
Baltzer.1766
Baly. 2384
Seite
Seite
BauibergG.-Charlotten¬
burg . 2025
Bamberg R -Berlin . . 926
Biin. 170
Bändel.1513
Bandelier . 2281, 2709
Bang J.-Kopenliagen . 1769
Bang O.-Kopenhagen . 1748
Banzhnf.1707
Bar ..2138
Barabasehi. 2545
Baranik . 2334
Barankeieff .... 1653
Baranowa.412
Barany .... 1350, 2232
Barbier.193
Barbieri.1556
Barbo.1197
Bardach B.-Wien . . . 2120
Bardach H.-Wicn . . 1703
Bardachzi 1306, 1343, 2397
v. Bardeleben .... 407
Bcaurepairo Aragao 645
Bebert . .
Bech . . .
.1298
Becher . .
.879
Bechhold .
. . 2389, 2537
Beck M. .
.... 1855
Beck C.-New York 928,1192,
1911
Beck E. G. Chicago . 1484
Beck K.-Berlin ... 871
Beck K.-Frankfurt 1495,2392
Beck M.-Berlin . . . 2176
Beck R.-Wien .... 171
Becke.2127
Becker-Barmen . . . 2710
Becker Th. 2385
Becker A.-Rostock . . 1764
Becker F.542
Becker C.-München . 1699,
1767
Becker E.-Hildesheim 2022
Becker H.-Halle 1198, 1363
Bardenheuer 410, 938, 1340,
1701, 2489
Barer . 2233
Bari 6.1766
Barker . . 1754,1924, 2190
Barlow L.1980
Barlow W. S. C. . . . 2547
Baron. 871, 1860
Barr.1978
Barragän y Bonnet . 824
Barreau .1747
Barsrhall.871
Barsony.2136
Bartels.1513
Barth A.-Danzig 934, 1142,
2325
Barth C .-Halle .196, 2069
Barth Th.-Dresden . . 150
Bartsch-Berlin . . . 529
Bartsch H.-Heidelberg 721
Basch. 358, 726
Baschow.1748
Bashford. 2030
Basler ... . 1605, 2538
Bassenge L.-Berlin . 1250
Bassengo R.-Berlin . . 254,
1807, 1855
Batoman ..... 2235
Batten. 2027
Battle.427
Baudet. 2556
Baudouin.1716
Bauer. 2550
Bauer A.1803
Bauer A.-Breslau . . . 1746
Bauer A.-Frciburg . . 1659
Bauer E.-Berlin . . . 871
Bauer F.-Wion . . 950, 1367
Bauer J.-Düsseldorf 71, 627,
1218, 2072, 2185, 2435
Bauer R.-Wien ... 39
Bauereisen.782
Baum.. . 2237
Baum E. W.-Kiel . 728, 819,
834, 1051, 1713
Bmmiann F. L. . . . 2540
Baumann E.-Berliu . 577
Baumeister.801
Baumgarten E.-Pest . 470,
1807
Baumgarten O.-Hallo . 925
Baumgarten Z.-Pcst . 2233
v. Baumgarten P.-Tüb. 2L77
Bayer .... 1123, 1142
Bayerthal.1254
Bazy.487
Boamont.1556
Beardsley .255
Becker H.-Dresden . . 883
Becker .T.-Pest . . . 2069
Becker W. H.-Weil-
münster 1536, 1564,1607,
2493, 2558
Beckers . 104, 551, 1417
Beekmann. 2233
Beckmann J.1910
i Beckton ..1980
Beddard. 2598
Beerwald .... 736, 1388
Beese.1557
v. Beesten. 2490
Beevor.1970
Becz. 2597
Behn.1051
Bebr H.-Langenhagen 2024
Bebr M.-Kiel .... 1051
Behrendes . 48
Beitzke . 530, 2071, 2228
Behls . 2245
Bell. 1703, 1705
Hellot .... 1262, 1924
Benario. 830
I Bence ... 87, 354, 2189
i v. Benckendorff . . . 2123
v. Benczur G.-Pest . . 960
v. Benczur J.355
Benda . . .91, 426, 2228
Benderski.2133
Bendig. 1846
Benedict.1150
Benedikt . . . 1498, 1808
Beneke. 375, 1208
Benham.1979
| Benjamin 545, 684, 2288,
2396, 2649
Beninde.626
Benninghoven . 872
Ben saude.1053
Bensch. 53
Benthin. 2023
Berard. 2556
Berdjaew.875
Berdnikow . . . . ; 873
Berend. 2597
Berg . . . 936, 1619, 1974
| Borgel 64, 872, 1702, 2080
■ Bergell.624
I Bergeinann 1248, 1551, 2540
J Berger A. 2592
Berger-Magdeburg . . 1619
Berger F. Hallo . . . 1699
Berger H -Jena . . . 680
I Berger H.-Krefeld 1185, 1891
van der Bergh 1437, 2390
i Bergbaus.1976
Berghäuser. 2541
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
XIV
Seite
y. Bergmann 540, 926, 991
Bering . . 197, 2071, 2664
Berkeley.862
Berkholz.358
Berlin.. . 807
Berliner .... 950, 1199
Bermbach .... 198, 1905
v. Bernd E. R.-Baden . 1387
v. Bernd E.-Wien . . 2391
Berner.469
Bernhard.1658
Bernhardt G.-Beriin . 1807
Bernhardt M.-Berlin 1607,
1655
Bemheim-Nancy . . . 1144
Bernheim S.-Paris 193, 1972
Bernheim-Karrer . . 1495
Beminger .1250
Beraoulli.1663
Bernstein J. M. . . . 1200
Bernstein S.-Wien . . 86
Berntrop. 2601
Bertelli.936
Bertelsmann .... 1341
Bertilion.1669
Bertrand.891
de Besehe A.-Berlin . 576
L. de Besehe A.-Christi-
ania .... 1859, 2654
Best .418, 884, 1563, 1710
Bestelmeyer .... 153
v. Bestelmeyer . . . 2400
Betke.1619
Bettex.487
Bettmann . . . 1259, 1873
Betz W. A.-Holland . 1811
Betz O.-Heilbronn . 1533
de Beule.1858
de Beurmann . 2179, 2346
v. Benst. 2437
Beuttner.1903
Beyer E.-Roderbirken . 184
Beyer H. G. England . 2236
Beyer W. - Magdeburg 45,
530, 1464, 1713, 2206, 2494
Bezan^on .... 427, 2346
Bezold.146
Biach. 986, 1806
Bjelenky. 1859
Biberfeld.1138
Bibergeil . . . 2023, 2491
Bickel A.-Berlin 689, 894,
1391
Bickel H.-Bonn . . . 925
Bidwell. 2027
Biedert. 2436
Biedl 728, 1144, 2498, 2551
Biehler .... 2285, 2335
Bielefeldt.1803
Bielitzer.1389
Bielschowsky .... 1035
Bier .... 91, 589, 837
Biernacki . . . 932, 1199
Biernath.1905
Bierotte . . .... 1461
Biesalski .... 144, 1906
Bilancioni.1556
Biller .1657
Billington .... 673, 2028
Billström.1610
Binder.627
Bing . . . 726, 1493, 2229
Bingel . 1336, 1485, 1854
Binswanger II.-Augs¬
burg . 2834
Binswanger*Jena . . 2139
Binz. 2330
Björkenheim .... 1552
Birch-Hirschfeld . . . 1101
Bircher 298, 574, 928, 1493,
2595
Birnbaum-Buch . . . 821
Birnbaum R.-Göt-
tingen . 839, 1730, 2387
Birt ,. 200, 880, 1508, 2329
Bittorf 142, 839, 1775, 2712
Bizzozero.826
Blackham.200
Blank.1908
Seite
Blaschko .... 205, 2139
Blattmann.197
Blattner. 95
Blau.1602
Blauel.1141
Blecher.1905
Bleek .820
Blencke-Düsseldorf . 2023
Blencke-Magdeburg . 479,
1568, 2491
Bleuler 31, 140, 250, 1192,
1244, 1292, 1340, 1433,
1744, 2327
Bleyer.731
Blisniansky.574
Bloch 0. 2536
Bloch 0. E.1861
Bloch A.-Berlin . .1706
Bloch B.-Basel . 825, 1389
Bloch H.-Strassburg 822
Bloch J.-Berlin . . . 1085
Bloch E.-Bern .... 870
de Block. 2656
Biooker.1488
Blondei .1214
Bios.1860
Blümml .925
Blum A.-Rus8land . . 2333
Blum F.-Frankfurt . . 2449
Blum L.-Strassburg . 894,
1103, 2712
Blum V.-Wien .... 1964
Blumberg 2294, 2345, 2379
Blume 0. A.-Dänemark 1861
Blume G.-Berlin 1296, 1497
Blumenfeld. 2336
Blumenfeld A.-Klau-
senburg . 415, 986, 2081
Blumenthal . . . 630, 826
Blumenthal Ph. - Mos¬
kau .1748
Blumfield ..... . 2548
Blumm .... 1190, 1696
Blumreich . . . 530, 2 >96
Boas H.-Kopenbagcn . 417,
418, 630, 727, 728, 1297,
1298
Boas J.-Berlin . 1296, 1388
Bochenski.671
Bochecke. 2278
Bock H.-Münclien 727, 1244
BockV.-Charlottenburg 39
Bockenheimer 408, 880, 940,
2592
Bodanskv . . .
. . . 2654
Bode.
. . . 2329
Bodon ....
. . . 2243
Boeckel ....
. . . 1211
Böcker ....
. 143, 879
Böhm-München
. . . 1620
Böhm W. J. R
■Ham-
bürg ...
. . . 828
Böhm M.-Berlin . 929, 942,
1356, 1702, 2025, 2609
Böhme A.-Frankfurt .1117,
1151, 1488
Böhme M.-Dresden . 936
Böhmer.677
Bölsche.352
Bönniger . 253, 257, 1040
Bönning.575
Boese. . . . 39, 689, 881
Bogdanovicz .... 726
Bogojawlcnsky . . . 622
Bogrow. 675, 2336
Bohac.825
Bohm.1706
Bohr. 2497
v. Bokay J.-Pest . . . 2124
v. Bokay L.-Pest. 728, 1858
Bokelmann. 93
Bolafflo. 86, 936
Boldyreff.1389
Bolognesi . . . 1964, 2651
Bondi J.-Wien 35, 357, 1491
Bondi S.-Wien 873,1491,2649
Bondy.1907
Bongert .... . 1294
Bonhoeffer. 38
Seite
Bonnea .299
Bonney.362
Bonnier.1808
Bono.467
Bonvicini.1293
Boral. 95
Borchard-Poscn . . . 2490
Borchardt L. - Königs¬
berg . 1278
Borchardt M.-Berlin . 356,
821, 938, 1607, 2609
Borchgrevink .... 1861
Bord.2180
Bordet . . 306, 1979, 2120
Bordley.1035
Borei . ..892
Porelius.622
Borelli. 2079
Bories.468
Born.936
Bornstein-Hamburg . 831
Bornstein-Warschau . 671
Borntrftger.868
Borodenko.1250
Borrel.1752
Borst 30,191,408,2022,2228
Borszäky . . . .983, 2329
Börthen. 2654
Boruttau . 574, 1749, 1767,
2478
Boshouwers. 2024
Boshowsky.1344
Bosquette.468
Boss.1146
Bossänyi. 2081
Bossau.1752
Bosse . 93
Bossi. 1907, 2138
Botella.199
Bouch^.579
Bourget.... 2079, 2087
Bousquet . . . 1145, 2179
Boysen.2171
Braatz. 2245
Bracht.1854
Brade.820
Bräuler.1104
Braeuning. 277
Brahm. 2538
v. Bramann 938, 2071, 2177
Brand. 918
Brandenberg 628,1199, 1297
Brandenburg .... 982
Brandes.301
Brandt A.-Magdeburg 1713
Brandt K.-Christiania 1862,
2654
Brandt L.-Berlin . . . 950
Brandts.1553
Brandweiner .... 630
Brasch. 2649
Brauer-Kiel.2664
Brauer A.-München . 826
Brauer L.-Marburg 425, 818,
1866, 2033, 2444
Brault.• 468
Braun A.-Heidelberg . 2284
Braun H.-Prag . . . 1880
Braun H.-Göttingen . 2488
Braun H.-Zwickau 931,1493,
1654, 1656
Braun K.-Berlin . . . 1491
Braun L -Wien . 1144, 2597
Braun M.-Königsberg. 620
Braun P.-Königsberg . 2328
Braun W.-Berlin . 574, 1749
Braunstein . . . 773, 1654
Brauser.2718
Bratz.1497
Brcccia.629
Brem.1093
Brenner.578
Bresciani.2185
Bresgen. 2284
Breuer ..140
Brewitt . . . . .8818
Brezina. 2603
Brichta.2183
Brieger ... 38, 463, 776
Seite
Brill.2126
Bristow. 2027
Briz.824
Broca . *.260
Le Brocq.1705
Broden.731
Brodie. 2497
Brodmann. 2590
Bröking.1821
Broeksmit.1811
Brölemann.630
Bröse . . 1965, 2544, 2596
Brongersma.299
Brooks .1925
Brosch.1650
Brothers.144
Brown.2237
Brown W. L.-London 156,
1978
Browning. 2028
Brubacher 353, 407, 667, 722
Bruce. 2235
Bruch . . . 8580
Bruck.826, 2336
Bruck-Berlin .... 309
Bruck. C.-Breslau 38, 630,
672, 728, 1855
Brücke .1652
Brückner J. M.-Dresden
1304, 1807, 2390
Brückner-Hamburg 1699,
1749, 2281
Brückner-Strassburg . 1496
Brügel A.-Frankfurt 103,
1650, 1806
Bruegel C.-München . 2122
Brüning A.-Giessen 728,
1389
Brüning H.-Rostock . 2281,
2648
Brünings 75, 985,1447, 2608
Brünn. 2594
Brugsch 868, 926,1491,1549,
2346
Bruhn.8169
Brtihns. 2334
Bruhns C.-Berlin . . . 253
Brun.627
v. Brunn. 30
Brunner C.-Münstcr-
lingen.1657
Brunner F.-Neumtinster 1143
Bruns . . . 818, 1003, 2594
Brunton.417
Bryce.416
Bubenkofer . .1966, 8168
Buch. 1652, 2539
Buccheri. 2023
Bucciante.2612
Buchanan A.416
Buchanan Glasgow . 1980
Buchö.771
Buchholtz.1404
Buchstab.2119
Buchwald ...... 1964
Bucura. 190, 8816
Buday.575
Büdinger . . . 1896, 2022
Bünte.1807
Bünting.1750
Bürger L-Berlin 674, 1390
Buerger L.-New York 1094,
1911
Bürker 180.1096, 1602,1603,
2067,2327,2384,2495,2536
Büttner Riga .... 2176
Büttner O.-Rostock 92, 1562,
1654, 1858
Bukojemsky .... 2332
Bulling.197
Bullinger.1325
Bulva.415
Bum. 2398, 2647
Bumke •.1255
Bumm A.-Wien . . . 2073
Bumm E.-Berlin . . . 1442
Bunge.1749
Bungel .... 1251, 1562
Bunzel.1562
Seite
Burk. 8588
Burkhardt . . 1678, 2865
Burmeister.822
Bums.256
Burton.1704
Burton-Opitz . . 1603, 2537
Busch. 2650
Busch M.-Berlin 1608, 1905
Busch-Melsungen . . 1139
Busch-Tübingen . . . 1765
Buschke . 822, 1437, 1655
Bushneil. 41
De Busscher .... 307
Busse . 209, 464, 773, 2544
Butlin . . 672, 1054, 1200
Butterfield. 2498
Buttersack . . . 822, 870
Buttron. 2238
Buxbaum .10H8
Buys. 2655
Bychowski.19G9
C.
Caan . . 2030, 8147, 2492
Cabanes.199
Cabot.1706
Caccianiga. 2546
v. Cackovic.927
Cagnola. 91
Cahal.1393
Cahen .... 1814, 2542
Cahn A.-Berlin . . . 773
Cahn A.-Strassburg .1211
Caines. 2233
Calamida.2612
van Calcar . . . 666, 980
Calderini.2137
van Calker ..... 249
Callig&ris.727
Calmette . . . 1752, 198L
Calot. 2556
Cameron H. C. . . .1703
Cameron-Glasgow . . 1926
Caminiti.622
Camnitzer.624
de la Camp 537, 994, 1387
Campani. 2282
Camus.1106
Cannata.629
Canon. 89
Cantani.1389
Cantlie.1978
Capelle W.-Bonn . . 1494
Capelle-Breslau . . . 1746
v. Capellen . . . . .1811
Capelli. 2281
Cappelli. 2335
Caranfilian.1199
Carapelle. 2070
Carducci.1572
Carl-Karlsruhe . . . 1139
Carl W.-Königsberg .2122
Carmalt Jones .... 1979
Carmichael E. W. S. . 787
Carmichael Sc.-Edin-
burgh.1926
Carnot.924
Caro.466
Carraro A-Bonn 1747, 2231,
2279, 2389
Carraro O.-Padua . . 1194
Carrel.356
Carrell.256
Carri4n y Garagarza . 198
Carus.982
Carvell.1980
Caryophyllis .... 2032
Casagli.1808
Casanovas.824
Casper 936, 1198,13C0, 8159
Cassanello.1196
Cassel .... 624, 2436
Cassirer.2118
Castellani .... 299, 826'
Castellvi.828
Castenholz. 2541
Cathelin .... 298
Digitized b"
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Original fro-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
Seite
Catillon . . .
... 739
Cautru ....
. . . 1767
Cazin.
. . . 2556
Ceapftrn . . .
. . . 532
Ceccherelli . .
. . . 2190
Ceconi ....
... 497
’Cedercrcu'tz . .
. . 826
Cernezzi . . .
. . . 1489
Ccrrada ....
. . . 198
Cesaris-Demel .
. . . 2888
Cevelotto . . .
. . . 2279
Chagas ....
... 951
Chambers .
. . . 1980
Chantomesse 156, 891, 892,
1213, 1669
Cbanutina . .
. . . 2232
Cliapman . .
... 672
Chaput . . 317,
1516, 1671
Charteris . . .
. . . 1980
Chauffard . . .
. . . 212
Chausse . . .
. . . 2181
Chazan ....
... 358
Cheyne ....
... 730
Chiari H.-Strassburg . 253,
481, 1211, 1615, 2396
Chiari O.-Wien
470, 986,
2232, 2612
Chiari ni . . .
. . . 1556
Chiarolanza . .
. . 32, 144
Ohiene ....
. . . 1980
Childe ....
... 673
Chimora . . .
.1808
Chlumsky . .
. 144, 929
Chodounsky
... 1091
Cholmogoroff .
... 1341
Chotzcn . . .
... 821
Christen . . .
. . .8465
Christensen
. . . 2283
Christofoletti .
. . . 2130
Chrobak . . .
... 92
Chrysopathes .
. 143, 2023
Chvostek . . .
. . . ‘ 578
Ciaccio ....
... 1804
( icconardi . .
. . . 2538
Citron H.-Berlin
. . . 1497
Citron J.-Berlin
2397, 2605
Clairmont 529,
1293, 1491
Clark.
. . .1980
Ciaude G. . . .
... 354
Claude H. . . .
. . . 1144
Claus ....
. . . 1806
Clausen . . .
. . . 1964
ClauBnizer . .
. . . 2338
Clemens 205,
1617, 2035
Clives ....
... 729
Cloetta ....
. . . 2712
Clogg ....
. 416, 1753
Cloin.
. . ! 376
Cobbett....
. . . 1981
Codina Castellvi
. . . 198
Coenen 195, 413, 983, 1583,
1746
Cohen.2180
Cohn.631
Cohn K.353
Cohn S.87
Cohn-Königsberg . . 1806
Cohn A. E.-Freiburg . 2536
C ohn Fr.-Kiel 34, 681, 1681,
2069
Cohn H. Berlin . . . 1297
Cohn J.-Berlin . 253, 1198
CohnL.-Posen . . 38, 145
C ohn M.-Berlin 90, 733, 879,
8%, 985, 1497
Cohn M. Bukarest . . 532
Cohnheim
Collins . ,
Colcy . ,
Colmers
Colombani
Comby . ,
Comersatti
Compie
Comto . .
1 oncetti
1604, 2496
1926
. 2347, 2547
940
2121* 2232
. 1215, 2436
466, 628, 773
.... 1251
.... 2295
.... 2436
Conradi 145, 909, 1297, 1318
1551, 2604
Conseil. 2295
INHALTS-VERZEICHNIS.
Seite j
Davidsohn C.-Breslau 1803, i
2121 |
Davidsohn F.-Berlin 93, 303,
941, 1497, 2545
Davidsohn G.-Charlot-
burg. 2478
Davidsohn H.-Berlin 1296,
2070
Davidson. 2848
Dawson ..... 673, 1970
Debrö.1766
v. Decastello .... 1193
Seite
Constantini.1571
Coombs.1971
Cooper.1079
Coppez. 2655
Corany.927
Corbus.255
Corbusier.201
Cordes.1858
Cords. 242
Corner 362, 730, 1252, 2072
Cornelius. 93
Cornet.1250
Da Costa. 255 f Deetjen.1921
Cottorill. 1754 Deffge.1575
Coudray.1213
Courmont. . . . 730, 891
Courtade.108
Coutts.730
Coutts J. A.*London . 1926
Cova.1809
Cox. 41
Cozzolino. 2492
Crace-Calvert .... 41
Cramor.418
Cramer H.-Bonn 768, 1621,
1615, 1966, 2175
Cramer-Köln 143, 1494, 2710
Crämer F.-München 250,
1837, 2140
Crawford.1980
Crawford R. 2488
Creite. . 142
Cremer.1869
v. Criegem. 2230
Crispolti.1809
Di Cristina.2122
Cristofoletti.302
Croftan.1910
Croner F.-Berlin . . .1748
Croner W.-Berlin . . 1964
Cronquist .... 630, 825
Crothers.1979
Crzellitzer. . . 1090, 2609
Csöpai.1497
Csiki. 2335
Csiky.2711
Cukor.1607
Cnmston. 40, 730
Cuntz.1563
Curctto. 2546
Curioni.730
Currie.417
Curschmann H.-Leipzig 377,
1567, 1759, 1817
Cnrschmann H.-Mainz 868,
992, 2082, 2118
Cushing . 1035,1093,1912
Cnzzi.1032
Dege. 1609, 1807
Degrais.212, 1669
Deguy.1487
; Dehenne. 2388
Dehn .410
; Deichert .... 981, 1609
j Deipsor.616
i Delag6niere.468
| Delbanco 313,314, 738, 1813,
1920, 2394, 2395
Delbet . . 108, 1974, 2346
Dolherm.430
Dclille.739
! Delitala.3U5
| Delore.1751
; Delormo . 2669
j Delprat. 2599
Delvez.1751
Denecke.1906
Deneke 313, 476, 817,991,
2591
Dengel.823
Dengg. 2708
Denk . . . 940, 1292, 1492
Denker.1349
; Dennig.1488
: Depage. 2666
Deschamps.487
Dessauer 883, 1076, 2006,
2238, 2368
Desuos ...... . 1215
Determann 734, 1096, 1565,
2606
Deutsch J.927
Deutsch-Frankfurt . . 258
Deutsch K.-Wien . . 304
Deutschländer 144, 623,738,
1508, 2344
Deutschmann . ... 666
Devaux.3U2
v. Dewitz.1052
Dexler.107
Deycke.1986
Dibailow.1343
Seite
Döderlein 314, 358, 1487,
1664, 2187
Dölger.1127
Doepner ...... . 227ü
Doerfler.1794
Dömberger 571, 861, 2141
Doerr.1548
Dörries.1563
Dohan.171, 2127
Dohi 465, 825, 926, 1490,
2335
Dolcet.1441
Dold . . . 414, 1437, 2653
Doteris.2137
Dolinski. 2233
Doll.2118
Dollinger . . . 2245, 2489
v. Domarus .... . 1173
da Domenicis . 1859, 190b
de Dominicis .... 2507
Don.1251
Donald.1754
Donath J.-Pest . . . 2072
Donath K.-Halle 946, 2390
Donath K.-Innsbruck 2123
Dopter.1923
Dorn.697
Dorner. 2497
Dorofejew.1344
Dost.818
Dove.777
Dow.1753
Dowden.1262
1 Doxiades. 2079
! Doyen . . 1973, 2075, 2135
! Doyon.1106
i Dreesmann . . 573, 708
Drehmann 728, 878, 879,
883, 1301
Dreifuss . 1503, 2197, 2611
i Drenet.1054
| Dresdner. 2708
Dreuw .... 2399, 2558
Dreyer A.-Köln 1922, 2123
Dreyer L.-Breslau 194, 941,
1384
Dreyer W.-Cairo . . . 2482
Dreyfuss .1604,1744,2611
v. Drigalnki ..... 2602
Drumomi
Dubnikoff
Dubois . .
Duck worth
Dudgeon
Dührssen
2710
Dürck
. . . 2599
. 1718
1391, 1749
. . . 1704
. . . 1054
155, 1142, 2653,
Czaplewski . .
. 353, 1437
Dibbelt ....
. . . 1656
Duker . .
CzarnomBka . .
... 144
v. Dieballa . .
. . . 1806
Dumas . .
Czekkel ....
. . . 2231
Dieffenbach . .
. . . 1910
Dumitrescu
Czerkassow . .
... 875
Dienst ....
929, 2651
Dumont .
Czernecki . . .
2134, 2243
Diesing . . 894,
2175, 2336
Dumstrcv .
Czerny A.-Broslau 159,2127,
Diesselhorst
. . . 530
v. Düngern
2437
Dieterlen . . .
. . 1296
Dunhill . .
Czerny V.-Heidelberg. 880
Dietlen ....
1467, 1904
Dunzelt . .
Czifcziew . . .
. . , 2333
Dietrich A.-Berlin 1032, 1397,
Dupont. .
Cziknawerow .
. . . 2333
2228, 2245
Dunin . .
Czikos ....
. . . 2245
Dietrich W.-München 1094
Durlachcr .
Diendonnd 353,
995, 1339,
Dutoit . .
1340, 1697, 1744, 2430
Duval . .
n
Dieupart . . .
. . 1972
Dworetzky !
Dilger ....
. . 1552
Dzierzgowsk
Dimitriadis . .
. . 1549
Daeis.
... 929
Dimer ....
. . 2192
Daeubler . . .
. . . 2130
Ditman ....
. . 1911
Dahl.
. . . 1610
Ditthorn . . .
. 726
Dahlgren 357, 574, 983, 1610
Dittrich ....
. . 1698
Dahm ....
. . . 2553
Dixon-Cambridgc
. . 1980
Earle . . .
Dale.
. . . 1980
Dixon-Dublin .
. . 1981
Eason . .
2084
Dufour.2179
1809, 1811
93, 2490
. . 2597
1751
95, 2072, 2231
Dall'Armi.190
Le Damany .... 468
Daniels . . 732, 1978, 2600
Danielsen . 194, 276* 1745
Darden.1093
Daske. 2650
Daus.1856
David E.352
David O.-Bonn ... 32
Dixon W. E.-London . 109
Dmitrenko • . . . . 2120
Dobbert.670
Doche.2180
Dock.2134
Doebbelin.1143
Doebel.677
Doebert.1088
Döblin. 772, 1392
2497
S.
.1981
.... 40
Eber. 585, 2216
Eberlein.941
Ebner ... 33,1804, 2329
Ebstein E.-Leipzig 1086,2377,
2665
Ebstein L.-Stettin . . 136
Ebstein W.-Göttingen 29,
675, 726, 1698, 2032, 2177,
2407
XV
Seite
Eckardt. 2277
! Eckmann. 95
1 Eckersdorff . . 1160, 2123
Eckert .... 1695, 1927
Eckstein . 689, 1448, 1702
Edebohls.1035
Edinger . 1255,2171, 2342
Edington.1926
| Edlefsen.832
Edridge. 93
Eggenb^rger . . 142, 1195
Egger. 2343
Egidi. 2282
Ehler. 357, 932
Ehlers . . . 2041
Ehrendorfer.929
Ehret. . . .600,959, 1211
Ehrlich.828
Ehrlich F.-Stettin . . 790
i Ehrlich H.-Wien 356, 1492,
1609, 2551
Ehrlich P.-Berlin . . 1743
Ehrlich P. - Frankfurt 217,
1030, 2529
Ehrlich R.-Greifswald. 983
Ehrmann R.*Berlin 257, 873,
1143, 2177, 2446
Ehrmann 8.-Wien . . 1139
Eibecker . . . ... 352
Eibegger.1516
Eichelberg.930
Eichler.466
Eichhorn. 2335
Eichhorst . 1574,2429, 2488
Eichmeyer ..... 2595
Kicke 2>2, 1805, 2069, 2595
v. Eicken.1349
Eigensohn.981
Eijkmann.941
Einhorn 872,1389,2026,2134
v. Eiselsberg 540, 880, 2073,
2245
Eiselt.1343
Eisen. 300, 2350
Kisenberg-Krakau . . 2230
Eisenberg-K.-Strassburg 822
Eisendraht.1086
Eisenlohr.775
Eisenstadt.803
Eisenstein A.1902
Eisenstein K.-Szegedin 858
Eisert.1983
Eisner . . .1527
Kitner 414, 932, 1297, 1808,
1860, 2391
Ekehom 773,774,1248,1610
Ekstein .... 1143, 1341
Elbe. 2543
Elfer. 2079
Eigart. 88
Eliasberg. 2390
Elkan.197
Ellerbrock.1089
Ellermann 1298, 1748, 2540
Eloesser ..... 1746
Eis.Ib57
Elsässer.412
Elschnig.482
Eisner. 2346
Elster A. Jena . . 360, 2025
Elster J.-Wolfenbüttel 2126
i Kmbden-Frankfurt 992, 2*94
Embden H.G.-Hamburg 680,
! 1508, 2394
| Kmin.142
Emmerich E.-München 1700
| Emmerich R.-München 1033,
2067, 2652
Emmerich M.-Nümberg 1819,
! 1983
Kmmert E.-Bern . . . 1808
Kmmert J.2122
Enderlin 949,995.1570,2022
. Endries.1663
Engel. 574, 2435
Engel H.1088
{ Engel H.-Helouan , . 2025
Engel K.-Pest .... 854
(Engel R.Pest .... 355
Digitized b
* Gou^lc
Original fro-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
INHALTS-VERZEICHNIS.
Engel S.-Düeseldorf . 1609
Engel-Reimers . . . 1292
Engelen.931
Engelhard-Kassei . . 631
Engelhard R.-Riga . . 1091
Engolhorn.1919
Engelmann-Hamburg . 738
Engelmann-Kreuznach 777
Engelmann F.-Dort-
muud . . 357, 984, 2203
Engels. 2545
Engländer B.-Krakau . 771,
1249
Engländer M.-Wicn . 890
English.1754
Engatröm.2136
Ephraim. 2330
Eppinger 926, 1040, 1052,
1193, 1343, 1702
Epstein.1869
Erb A.-Lugano . . . 2597
Erb W.-Heidelbcrg . .1113
Erdheim. 2437
Erdt.360
Erich. 2279
Erlandaen . 417, 1298, 2540
Erlenmcyer.1359
Erni.985
ErnstP.-CharlOttenburg 627
Ernst P.-Heidelberg . 2228
Ertt.623
Esau.1310
Esan-Oschersleben . . 1804
Esau P.-Greifswald . . 411
Esch P.-Greifswald . -1031, 1
1906
Esch-Bcndorf .... 1292
Eschbaum. 239
Escherich 94,466, 873,1433,
2071
Eschweiler.1649
v. Esmarch.297
Evans Sh. G. 2236
Evans W. H.730
Everke.1196
Everling.1655
Evorsmann.1809
Eversbusch 293, 1339, 1387,
1649, 2173, 2328
Evler.143
Ewald-Hamburg . . . 2023
Ewald C. A.-Berlin 107, 588,
727, 733, 2709
Ewald J. R.-Strassburg 211, I
2538
Ewald K.-Wien 415, 2120.
2178
Ewald VV.-Frankfurt . 674
Ewart. 673, 2598
Exalto.931
Exner A.-Wien 211, 1803,
2030, 2174
Exner S.-Wien . . . 985
Eychmüller.1968
Eyre. 2599
Fabian.197,
Faber E. E.
Faber E.-Schweden . .
Fabricius . . . 2072, !
Fabritius.'
Fabry 631, 677, 1777,
Färber.
Fahr 538, 948, 1509, S
2395
Falbing.
Falgowski-Breslau . .
Falgowski W.-Posen .
Falk-Hamburg ....
Falk E.-Berlin 413, S
2287
Falk F.-Wien 1297, 1
1571
Falk H.-Wien .... 1489
Falkenberg.770
Falkenstein . . 1356, 1702
Falta 86, 689, 931, 936,
1043, 1150, 1193, 1555,
1570, 2389
Farabouf.572
Faral. 1498, 2336
Faure.980
Faust. 50
della Favera .... 825
v. Fdy Kiss.1973
Federmann. 90
Federn.414
Fcderolf.1747
Fedorsehmidt .... 1483
Fodvnski. 1346.
Feer 113, 1559, 1921, 2241
Fehling .... 1925, 2673
Feheenfeld.103
Feigen. . 363
Feilchenfeld H.-Berlin 2538
Feilchenfeld L.-Berlin 674,
2545
Fein. 1895, 2399
Feinen. 2542
Felber.1702
Felix.628
v. Feilenberg .... 197
Fellner B. jun.-Fran-
zensbad.360
Fellner L.-Franzcns-
bad. 735, 873
Fellner O. O.-Wien 720, 722,
870, 2069
Felten.1248
Fenner. 7303
Fenwick J.170
Fenwick VV. S. . . . 2027
Ferenczi. 95
Fergus.1926
Fermi.1860
Fern&ndez.2181
Ferrand.1752
Ferrari.198
Ferron.1145
Fesslor . . . . 1195, 2229
Fette. 2896
Fetzer 371, 1096,1615, 1821
Feuillid.1716
Feulner .... 1036, 1387
Fiche . 2071
Fichtenmayer .... 2891
Fick. 465, 631
Ficker.1197
Fiedler. 90
Fiessinger.1750
Fiessler. 164
Fink 415, 531, 1343, 2073,
8110, 2124, 2128
Finkelnburg .... 671
Finkeistein H.-Berlin 727,
1294, 1356.
Finkeistein J. A.-Mos-
kau.1859
Finkeistein L.-Kiew . 875
Finsterer H.-Graz 1435,1966,
2068, 2073, 2074
Finsterer J.-Graz 1554,1609
Finzi.1763
Fisac.2181
Fisch-Wien.735
Fisch F.-Barmen 930, 1701
Fischer. 2336
Fischer W. E.1753
Fischer-Leipzig . . . 143
Fischer A.-Darmstadt 1660,
2121.
Fischer A.-Karlsruhe 1239»
1250, 1339, 3006
Fischer A.-Pest . . . 2034
Fischer B.-Frankfurt 474,
1044, 1154, 1711, 1747,
1755, 1916, 2197, 2228,
229 L !
Fischer E.-Pest . . . 414
Fischer F. O.-Leipzig . 887 J
Seite
Fischer G.-Greifswald 527
Fischer H. Breslau-
Berlin .2118
Fischer H.-München . 2649
Fischer J. F.-Kopen¬
hagen .470
Fischer J.-Wien . . . 2592
Fischer O.-Charlotten-
bnrg.1292
Fischer O.-Prag 1197, 2124
Fischer O.-Würzburg . 1553
Fischer Ph. - Ucht-
springe . . . 1429» 1459
Fischer W.-Berlin . . 822
Fischer W.-Freiburg 2173,
2606
Fischer-Defoy .... 2018
Fischl. 2397
Fi schier .... 1922, 2174
Fittig.1701
Flack.362
Flatau G.-Dresden 298, 353,
620. 818
Flatau S.-Nürnberg 102, 103,
315,1103,1552,1665,1818,
1920
Flatau Th. S.-Berlin . 2285
Flatten.819
Flecksig.887
Fleiner.489
Fleischanderl .... 392
Fleischer-Tübingen 1129»
1157
Fleischer F.-Berlin . . 2544
v. Fleischl.1928
Fleischmann .... 630
Fleischmann-Berlin . 829
Fleischmann C.-Wien 92
Fleming . . . 1979, 2028
Flesch J.-Wien 304, 932,
2032
Flesch M. - Frankfurt 286»
2115
Fligg.201
Flinker . ..2124
Floer.1927
Flörcken 251, 526, 1306,
1634» 2118, 2543
Flügge. 2534
Fromme.310
Focke 626, 661, 1297, 1718
Fodor.415
Föderl.739
Förster O.-Breslau 143, 353,
577,1745,1804,2492, 2596
Förster R.-Bonn . . . 1968
Försterling . . . 301, 882
Foges .... 2328, 2545
Forbes.1035
Forchhammer .... 630
Fordyce.1926
Forest .... 1211, 1436
Forgue.2180
Forkel. 2003
Formanek.986
Fomario.469
Fornet . 2173, 2549, 2604
Forrester. 2233
Forschbach . . 1388, 2545
Forssell.941, 1176
Forssman . . • . . 1769
Forssner . . . 2069, 2537
Förster.414
Forstner.471
Fortunati. 2598
Foster.825
Fournier A.1292
Fouraier E.-Paris . . 924
Foveau de Courmelles 1765,
2137
Fraenkel-Berlin . . . 940
Fraenkel L.2188
Fränkel B.-Berlin 470, 2390
Fraenkel C.-Halle 400» 1461,
1518, 1855, 2435
Fränkel E.-Hamburg . 314,
528, 537,1757, 2395, 2663
Fränkel Jam.-Berlin . 383»
! 1412
i Fränkel M.-Bcrlin . . 882
Fraenkel M.-Char¬
lottenburg .... 1747
Fränkel P.-Berlin . . 253
Fragoni.1439
La Franca ... . 1490
Franceachelli . 1294, 1496
Francini.629
Francioni . . . .196, 1089
Franck 761,2118, 2172, 2385
*648
Francko E.-Rostock . 573
Francko K.-München 826,
1385
Franco.671
Frangenheim .... 2510
Frank R. W.299
Frank A.-Kamenetzky 2028
Frank E.-Wiesbaden . 728,
j 1096, 1391, 1560
Frank E. R. W.-Berlin 1310
1 Frank F.-Köln 1255, 2138,
j 2542
Frank II.-Breslau . . 2584
; Frank H.-Würzburg . 1193
I Frank M.-Altona . . . 1806
I Frank R.-Wien 1251,1433,
1609, 1969, 2178
; Franke M.300
1 Franke Th.927
j Franke F.-Braun-
schweig . . 254, 2596
Franke F. A. E.-Ham-
j bürg. 2344
; Franke M.-Lemberg . 1700
| Frankl-Prag. 2398
; Frankl O.-Wien . 413,1248,
1561, 2129
Frankl Th.-Berlin 257, 1091
v. Frankl-Hochwart . 2083,
2493
Frankenberger . 368, 1818
Frankenhäuser . 776, 1865
Frankenstein H.-Karls-
ruhe. 2068
i Frankenstein R.-Köln 1615,
1701, 1923
Frankfurther .... 2494
v. Franqud 80, 1897, 1435,
1677, 2277
Franz F.-Berlin . . . 2176
Franz K.-Jena .... 1902
Franz K.-Wien 1548, 1554
Fraser.1201
Fredericq.1651
! French. 2548
i Frerichs.409
Frers.1396
Frese. 1565, 1975
Freud.140, 1192
Freudenstein .... 359
Freudentbal .... 878
| Freund E.-Triest. . . 805
Freund H.-Strassburg . 830,
j 929, 1103, 1255, 1701
! Freund L.-Wien . 94, 2109
Freund R.-Halle ... 822
Freund W.-Breslau . . 530
Freundlich.2117
Frey-Niedernzwil . . 1657
Frey E.-Jena .... 1605
Frey H.-Wien .... 578
Frey J.-NowYork-Berlin 2595
v. Frey M.-Würzbnrg . 666,
688, 1157
Freyer.1925
I Froystadtl. 2284
I Freytag . 46
Fribergor ..1946
F rickc. 2568
Fricker.303
Friedberger E.-Berlin 1608,
2549, 2551
i Friedberger E. St.-Pe-
| tersburg.1908
Friedei.681
Friedemann M.-Ro¬
stock .• . 1494
Fricdcraann U.-Borlin 257,
1296, 2070
Friedenthal . . . 926, 1213
Friedhoim.981
Friedjung. 94, 357
Friedländer J.-Frank¬
furt . 2390
Friedländer-HoheMark 1259
Friedmann A.-Rio de
Janeiro . . - ... 762
Friedmann K.-Berlin . 822
Friedmann R.-Berlin . 627
Friedrich-Jena .... 942
Friedrich-Pest .... 2680
Friedrich P. L.-Mar¬
burg .210, 2489
Friese.528
v. Frisch 51, 623, 934, 935,
1251, 1492, 2710
Fritsch 530, 930, 1967, 2350
Fröhlich ..878
Froehlich.1969
Froelich .... - . 144
Froeschels. 2239
Frogyesi.2137
Frohse.407
Fromme 196,607, 1443,1907
Frommer.2121
Frost.1244
Frotscher . . . 1607, 1608
Frouin .... 1106, 1765
Frühwald. 2683
Frugoni . 1391, 1749, 2025,
2335
Fua. 873, 2540
Fubini.1556
Fuchs.631
Fuchs-Hamburg . . . 538
Fuchs-Wien . . 1926, 2288
Fuchs A.-Breslau . . 574
Fuchs A.-Wien . 995, 1718,
2597, 2654
Fuchs E.-Wien . . . 145
Fuchs H.-Danzig 413, 1089,
1143
Fuchs H.-Strassburg . 48
Fuchs-Wolfring . . . 2650
Füllebom .... 731, 732
Fürbringer 1851, 2245, 2429
Fürer.1254
Fürnrohr .... 785, 1763
Fürst M. 2021
Fürst Th.-München . 153
Fürst V.-Berlin . . . 145
Fürstenau.942
Fürstenberg 39, 776, 1607,
1855
Fürth F.986
Fürth J.-Wien .... 467
Fürth R.-Metz . . .1859
v. Fürth O.-Wien . . 2587
Füster.1194
Fütterer. 30
Fulci.- . 575
Fuld . . . 872, 894, 1360
Funck C -Köln . 1306, 3106
Funk C.-Berlin . . . 2537
Funk C.-Wiesbaden . 728
Funke .... 1152, 2611
Gaabe.412
Gabbi.1809
Gabrilowicz.874
Gabrilowitsch . . . .* 1032
Gaehtgens 380, 1496, 1702
Gärtner.144
Gaisböck.729
Galambos.1250
Galatti. 35
Galczowsky.419
Galewsky. 42, 676
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INHALTS-VERZEICHNIS.
Seite
Galli G -Rapallo . . . 563
Galli G. Rom 55, 1348, 1709,
1809, 2340
Galli J.-Zürich .... 579
Gallois.468
Gamgee A.96
Gamgeo L.1252
Ganghofner.254
Gangitano.1247
Gans. 358, 793
Ganter. 252, 2024
Gante.1392
Ganz.677
Gappisch.1759
Garcia e llurre . . . 1499
Gardiewski.1034
Garkisch. 51
Gams. 837, 2177
Garten. 2539
Gasis.985
Gastinel.1752
Gatewood.733
Gaacher.1106
Gaudi&ni.410
G äugele 623, 927,1495,2650
Gaupp E.-Freiburg . . 141
Gaupp R.-Tübingen . 1103
Gauss . 1561, 1660, 1701,
2137, 2138
Gautier.1705
Gaylord. 92
Gazzotti . 2283
Gebele 526, 1230, 1262,1817,
2277.
Geber.825
v. Gebhardt .... 193
Geddes.1754
Gehrmann . . ... 612
Gehry. 36
Geisel .... 1437, 1646
Geilinger. 2070
Geipel 1154,1206,1661,9469
Geissler-Heilbronn . . 366
Geissler K. 2024
Geissler W. 2024
Geiaeler W.-Breslau . 626
Geissler W.-Köln . . 1591
Gengon.306
St. George .... 1979
Georgi.1340
Gerard.1212
Gerber.297
Gerbis.588
Gergö.2184
Gerhardt .... 192, 1043
Gerhartz.2123
GerJach.1194
Germonig .1439
Gerönne. 2437
Gerschun M.-Kiew . . 670
Gerschun T.876
Gereon R -Berlin . . . 2399
Gerat .470
Gerster.2191
Gesaner E.-Memel . . 728
Gessner H.-Nürnberg 786
1763
Geszti. 2032
Oewin.1342
Geyer.36, 181
Geyl. 2436
Ghedini . . . 1093, 1572 j
Gheorghus.860
Ghon.984
Giambi.'. 629
Giani. 2023
Gibson.787
Giemua . . . 1755, 2178
Gierke E.-Freibarg . . 1901
Gierke E.-Karlsrahe . 2228
Gierlich ..... 772
Gieße. 2280
Gigon 907, 1096, 1854, 2174
Gil y Casares . . . 1499
Gilbert A.-Paria ... 924
Gilbert E.-Halle . . . 2537
Gilchriat.1980
Gilea.1980
Gill.213
Gillet .... 1968, 2328 |
GUlot.468
Gindes. 875 i
Ginsbarg ..... 2656 i
Girard. 2554 j
Giüffrö.2190
Glaessner-Berlin . . 623
Glaessner K.-Wien 1438,
1549, 1904, 2183
Glas E.-Wien .... 414
Glas K.-Mtinchen . . 211
Glaser. 2238
Glaserfeld 197, 727, 1656,
2026
Glasow. 36
Glatzel.1210
Gleias.207
Glogner. 731, 2235
Gluck.2134
Glücksmann . . . .2182
Glur.2122
Gluzinski .... 146, 2597
Gmeiner. 676 1
Gobiet 298 , 304, 1297, i
2381
Gocht 18,143, 577, 878, 882, !
941 1
God&rd-Danhieux . . 2655 I
Goder. 1656 j
Godlee. 996 |
Goebel O.-Breslau 1097,2035
Goebel Haut-Katanga 199
Göbel W.-Köln ... 980
Göbell.1051
Goedecke. 90
Gönner .1657
Göppert .... 466, 822
Görke . ... 578, 2284
Gött . . . 1071, 1607, 2396
Goette.1553
Götzl. 2545
Götzsche.1860
Goldbaum.1249
Goldberg B.-Wildungen 936
Goldberg H -Warnsdorf 1657
Goldberg S.-St. Peters¬
burg .874
Goldblatt. 2438
Goldenberg .... 29, 820
Goldmann E.-Freiburg 983,
1248, 2068, 2341
Goldmann F.-Berlin . 1296
Goldscheider 86, 89, 193,
990, 1087, 1388
Goldschmid-Fr&nkfurt 48
Goldschmidt H.-Berlin 107,
155, 934
Goldschmidt R.-Berlin 728
GoldBchmidt R.-Wien 1490
Goldschmidt S.-Reichen-
hall. 2238
Goldechmidt-Wien . . 2277
Goldschwend . . 88, 2654
Goldstein.1806
Golla.1979
Gomoiu .... 532, 533
Gonzalez.2181
Goodall.1981
Goodman. 2277
Gordon A. K. ... 42
Gordon J.1263
Gordon J. M.-Wien . 1489
Gorescu ..... . 1752
Gorgas .... 1501, 2236
Göth. 92, 358
Gottlieb D. 875
Gottlieb E. 2488
Gottschalk. 2335
Gottschalk E.-Stuttgart 883
Gottschalk R -Rathenow 869
Gottschalk S. llerlin 777,
2136, 2544
Gottstein A.-Charlotten-
burg. 2544
Gottstein E.-Köln . . 32
Gottstein G.-Breslau 872,
930, 942
Gottstein J. F.- Reichen¬
berg .1430
Gougerot 1144, 1751, 2179,
2346, 2544
Gouget.1053
Goyanes.199
Graack. 2336 i
v. Grabe. 2345
Gradinescu. 2439 '
Grftf H.-Cuxhaven . . 1295
Graof W.-Lübeck . . 2390 ,
Graefe-Saemisch . . 722 !
Gräfenberg 251, 702, 1143,
1154, 1906, 2023, 2122
Graessner. 1340 ;
Gräupner.735
Graf P.-Kiel . 2068, 2449
Graf R.-Wien .... 358
Grafe 32, 1049, 1247, 1700,
2711
Graff. 34
Graig.201
Grandauer . . 1296, 1702
Grande.1093
Granier.1199
Granjux.721
Grant.1557
Graser. 2489
Grashey 85, 141, 2328, 2385,
2420, 2431, 2434
Grasmann . . . 807, 2080 i
Grasaer A.-Strassburg 2182
Grosser O.-Hermanstadt 13*8
Grassl .... 1192, 2486
Grassmann F.-Berlin . 1352
Grassmann K.-München 81, j
54, 86, 141, 354, 464, 571, i
814,1030,1188,1192,1244, .
1650, 1698, 1802, 1853,
19' »2, 2067, 2118, 2229,
2277, 2536, 2591 !
Grassmann T.-Zürich 1604
Graul.1918
Gräupner.1563
Grawitz .... 1158, 1807 1
Gray.. . . 732 i
Groco. 1093 .
Greeff F. X.-Heidelberg 909
Greeff R.-Berlin 728, 1387,
1964
Greene.1925
Gregor. 40
Grokow.2651 j
Griemert.1250
Grim. 2601
Grimbach . . . .143, 2540
Grimm . . . .1136
Grisson-Berlin ... . 941
Grisson H.-Hamburg . 831
Grixoni ...... 1391
Grober J.-Essen 2399, 2614
Grober J.-Jena . 726, 2712
Groedel F. M.-Nauheim 474,
539, 607, 627, 942, 1096
Groedel Th.-Nauheim 1855 j
Grönberg. 2230
Grönö.252
Gronara.1089
de Groot. 2638
Gros-Schwabmünchen 396
Gross E.-Prag 51, 670, 1251, i
1668 ;
Gross O. - Greifswald 931,
2712
Grosser O.-Wien . . 85
Grosser P.-Frankfurt 728 !
1352, 1990, 2197 j
Grossich ..... . 2389 !
Grosskopf. 987 j
Grossman.1393
Grosz D.-Berlin . . . 772 i
Grösz J.-Ofen-Pest . . 179 i
Groth A. 83, 1847, 1853, |
2139
Grotjahn.1854
Grouven.629
Grube K.-Bonn 1651, 2495 j
Grube K. A.-Ncnenahr 776
Seite
Gruber G. B.-München 868,
2488, 2558
v. Gruber M.-München 293,
1192, 1239, 1903,2076,2548
Grünbaum D.-Nürnberg 315,
685, 929, 1210, 1715, 1920,
2660
Grünbaum E.-Pforz-
heim.1488
Grünberger V.-Wien 1653
Grüneberg.1352
Grüner . 1193, 1681, 2540
Grünfeld .... 630, 2336
Grünwald H.-Wien . 1657
GrünwaldJ.-Lafschotte 933
Grtinwald L.-München 1689,
1761
Grüter. 627, I960
v. Grützner 154, 155, 1255
Grund .... 1353, 2117
Gronert.473
Grunmach 107, 941, 2239
Gruwell. 2236
Grutterink. 2390
v. Gschmeidler . . . 1609
Guastalla.*438
Guder.2179
Gudzent 303, 1198, 1449,
1651
Guönot.950
Gümbel. 91
Günther.2176
Günzel . ..735
Gürtler.1964
Gütig . 414, 2233
Güttig.877
Guggisberg . . . 358, 670
Guibal.1751
Guillain. 2347
Guinard.1751
Guises . . 467, 1263, 2556
Guleke . . 412, 2331, 2396
Gullan. 41
G ulland.1754
Gundorow.632
Gunicke ..... 881
Gusseff ..... . 1341
Gussio.1439
Gutfreund . . 1438. 2G02
Gutmann.631
Guttmann . . 528, 1750
Gutzeit . . 982, 1384, 1488
Gutemann 1096, 13 >1, 1448
Gwerder .... 1297, 1606
v. Györy.2*42
Hager. 86
| Haglund 573, 623, 774
1 Hahn-IIamburg . . . 2606
Hahn C.-Schreiberhau 1299
Hahn F.- Nürnberg . 2086
Hahn M.-München 250, 981
, Haim. 2540
i Haist. 927, 1857
Hajek .... 1085, 2612
v. Halasz . 94, 2213, 2331
Halban .... 2128, 2129
Halben . . 627, 1553, 1964
Halberstädtor 253,1205,2177
Hall W.-Greifswald . 1652
Hall W.-London . 740, 1740
! Hallo.676
I Haller.1343
I Hallopeau .... 108, 2350
' Hallström.870
! Halpera.876
, Halstead.256
I Hamburger J. 2601
Hamburger E.-Pest . 2538
Hamburger Fr.-Wien 23, 449»
662, 1340, 1610, 2309
! Hamburger W.-Berlin 1205,
I 1903
| Hamburger W.-Chicago 2081
I Hamei.1149
| Hamm . 1443,1728, 1859
Haramar.626
Haab.1657
Haagen.1195
Haas. 2241
v. Haberer 881, 1293, 1492,
2178, 2452, 2654
Haberfeld 1514, 2434, 2437
Haberkant . . .85
Hackenbruch . . 2123, 2490
v. Hacker .... 726, 2127
Hadda .529
Haeberlin K.-Nauheim 578
Haoberlin K.-Wyk 92, 777
Häberlin-Zürich 1807, 2597
llaeckel.407
Haedicke . . . 773, 1554
Händel 577,1295,1904, 2230,
2549, 2550, 2551
Haenel F.-Dreeden . . 1709
Haenel H.-Dresden 100, lfiO,
Haenisch 475, 942, 1355
Haentjena. 2600
Haermcr .... . 871
Härtel . 930, 1493, 2654
Hagemann.775
Hagen A.-Augsburg 2342
Hagen W.-Nümberg 784,
983,1787,1858,2086,2544,
2609
Hagenbach. 2543
Hammarsten .... 1604
j Hammer. 390
Hammerl . . .... 1965
Hammermtiller . . . 1746
Hammerschlag R. . . 2122
Hamm erschlag 8,-Kö-
nigsberg 34, 1552, 1660
Hammes.575
Hanauer . . . 1045, 8009
; Hancken 45, 771, 834, 1714
1 Hand.1555
Handelsmann ... . 671
Handley W. S. . . . 1703
Handley 8.-London . 427
Handovsky.1248
Handwerck.916
Hanoi. 2595
Hann.1244
Hanncmüller . . . 196
Hannes B.-München ■ 8518
Hannes W.-Breslau 195, 357,
1442, 1701, 1906, 2617
I v Hansemann418,2177.2605
I Hansen.1701
| Hanusa. 2037
.Happe.1662
I Haranchipy.2179
Harbitz.1861
Harder.1437
Hdri.1604
Hannan.1926
Harmann. 2348
Iiarmel . .. 2026
! Harmer.1105
Harms .1765
Hamack 4L4, 430, 818, 931,
22fc0
Harra88 1085, 1656, 1806,
2330, 2385 .
Harriehausen .... 930
Harris D. F.248
Harris F. C.255
Harris W.1970
Harris Ch.-London . . 414
Hart . 183, 672, 1085, 1340
, Harte.584
Hartje. 2396
; Hartmann-Triest . . 1964
Hartmann B.-Berlin 39, 1*07
Hart mann J. Jena 209, 706,
1305
Hartmann K.-Köln 2187,2491
Hartoch .... 1908, 2549
Hartog . . 372, 993, 1111
Harttung.1718
) Hartung ... 857, 1143
Hartwich.1030
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Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
XVIII
INHALTS-VERZEICHNIS.
19(10.
Seite
Hasche-Klünder . . . 2493
Hasebroek. 2649
Hasenfold. 2080
Hashimoto .... 88, 356
Haslund.417
Hasse.1966
Hatano.1968
Hatzfeld.300
Hauber.1252
Hauch.1859
Hauchamps.463
Hauck . . 206, 1265, 1303
Handek.1092
Hauk .1501
Haultain.2152
Hauptmann.2114
Haus. 2230
Hauser-München . . 2140
Hauser G.-Erlangen 81, 192
352, 409, 817, 2229, 2276,
2659
Hausmann Th. 193,874, 1702
Hausmann M.-St.Gallen 2597
Hawkins.1704
Hawthome. 96
Haymann .1351
Hayward.1836
Head.. . 1040
Heard.200
Heaton. 2598
Hecht A. F.-Wien 2132, 2232
Hecht H.-München 470, 986,
1086
Hecht H -Prag 531,837,1406
Hecht O.-Wien . 873, 1389,
1497
Hecker . 1210, 1433, 1434,
1512,1875,2040,2108,8117
Heckmann.1588
Ilodderich.2713
Hederich.1658
Hedinger.1700
Hedlund.773
Hedr£n.1090
Heerfordt.1861
Heermann A.-Deutz . 728
Heermann J.-Kssen . 1479,
1957
Heffler.487
Hegar
Ilegi .
Hegler
Hegener
1142, 2129
. . . 2021
1878, 8054
. 1348, 22ö4
Heidenhain.1965
Heidingsfeld . . 676, 826
Heilbrun. 3659
Heile.1858
Heilig.675
Heilner.1097
Heim G.-Windhuk . . 2597
Heim L.-Erlangen . . 1
Heim-Pest.2122
Heimannsberg . . . 623
Heine B.-Regensburg . 413
Heine L.-Kiel .... 45
Heineck.1093
Heineke A.-Leipzig . 1089
Heineke H.-Leipzig 646,940
Heinlein.686
v. Heinleth ...... 2238
Heinrich.630
Heinricius . . 1806, 2192
Heinsius .... 304, 2176
Heintze . . . 1563, 1564
Heinze.631
Heinzmann 918, 1998, 8707
Heise .871, 2176
Heiser.1093
Heisler .... 2435, 2660
Heitz.2179
Helbing .... 940, 2071
Helbron.145
Held. 2233
Helferich . 2384,2487, 2641
Hell.2711
Hellbach.2711
v.d. Hellen.200
Heller . . 676, 826, 2603
Seile
Heller A.-Kiel . 2037, 8418
Heller F.-Frankfurt .8118
Hellet J.-Berlin . . . 1497
Heliosen ..... 1966
Hellmann J.-Wien . . 1292
Hellmann P.1341
Hellwig.1390
Helly.1515
Helmholtz. 2230
Helmholz H.F.G.-Balti-
more.728
Helmholz H. F.-Berlin 871
Helwes. 2328
Hendley.1980
Henderson.1753
Ilengge .... 2591, 2710
Henggeier.1392
Henke.1387
Henkel M.-Greifswald 92,
161, 301, 413, 843, 1293,
1562, 2491
Henkel M.-München . 1896
Henking.1863
Hennebert. 2655
Hennig.1032
Henrici .1448
Henrick .... 870, 2069
Henschen K.-Tübingen 49,
1141, 1494
Henschen S. E.-Stock-
holm .... 1908, 2189
Hensen. 2449
v. Herczel .... 414, 2214
v. Herff . . 627, 1688, 8355
Herford.1301
Herhold .... 529, 2269
Hering 145, 665, 845, 1094,
1651, 8483
Herman.1970
Hermann-Berlin . . . 1033
Hermann-Galkhausen 1197
Hermann L.-Königs¬
berg . . 2327
Hermes. 90
Hermkes. 1841
Herring. 2599
Herringham.483
Herrmann. 1085
Hertel W.-Dänemark . 1860
Hertel W.-München . 480
Hertwig.867
Hertz. 109, 2711
Hertzell .... 2231, 2545
Hcrtzler.1911
Herwig ....... 1383
Herxheimer G.-Wies¬
baden ... 253, 1090
Herxheimer K.-Frank-
furt . . 1045, 1352, 1695
Herz-Auckland . . . 928
Herz A.-Wien . . 823, 1609
Herz E.-Rzeszow 1965, 2651
Herz M.-Wien 142, 260, 1899,
2124, 2391
Herzberg. 843
Herzenberg . . 1143, 2390
Herzer. 1083
Herzfeld.676
Herzfeld A.-NewYork 1341
Herzfeld J.-Berlin . . 987
Herzl.1745
Herzog-Pest.1806
Herzog B.-Mainz . . 2071
Herzog H.-Berlin 1342, 1807
Herzog H.-München 480,1745
Heschelin . . . 1750, 1859
Hess-Hamburg . . . 475
Hess A. F.-Eew-York 1295
Hess L.-Wien 926, 1040,
1052, 1193, 1343.
Hess O.-Göttingen . . 301
Hess R.-Heidelberg . 1247
Hess W.-Zürich . . 32, 95
Hessberg. 511
Hesse-Dresden . .2178
Hesse A.-Kissingen 848, 1491
Hesse F. - Charlotten¬
burg .1750
Seite
Hesse F. - Wiesbaden 1392
Hessen.1603
Hossmann.941
Hett.1201
Heubner J.-Berlin 318, 994
1032, 1356, 1574, 2240
Heubner W.-Göttingen 2183
2240
Heuck . . 1620, 1759, 1869
Heuser.2123
Heusner.929
v. Henss .... 250, 981
Hewetflon. 40
Ilewitt. 2548
Hey Groves.740
Heyde 38, 621, 838, 1490,
2084
Heyden.1G03
Heye.71, 92
Heyerdahl.1298
Heymann 1088, 1295, 2123
Heynemann .... 196
Heywood.731
Hick. 1703, 1705
Hjelt.2119
Higuchi .... 529, 1293
Hijmans van derBergh 1437,
Hikmet.1032
Hildebrand O.-Berlin 90,
2135, 2384 |
Hildebrandt-Berlin . . 54 \
Hildebrandt W.-Froi-
burg 710, 1192, 1340, 8485 I
Hilgenreiner 482, 983, 1551,
2491
Hilger.1340
Hilgermann 193, 528, 1551,
1964
Hill .... 256, 362, 933
Hillenberg.626
Hiller 209, 1086, 1718, 2037
Himmel beber 1907, 2023,
8164, 2329
Hindelang-Königstein 1254
Hindelang-Pforzheim 1488
Hindenberg. 2589
Hingston.200
Hinselmann .... 2025
Hinshelwood .... 1926
Hintz. 984, 1808
Hinze..2177
v. Hippel.1392
Hippius ..... 1487
Hirsch-Krakau . . . 2243
Hirsch-Kudowa . . . 777
Hirsch-Prag. 2086
Hirsch K. Berlin 1448, 2071
Hirsch M.-Berlin 1907, 2281
Hirsch O.-Wien . . . 986
Hirschberg. 2335
Hirechberg-Frankfurt . 2291
Hirschberg A.-Berlin 466,
727, 2126
Hirscbberg J.-Berlin . 107
Hirscbberg M.-Berlin 1608,
1702
Hirschbruch .... 1034
Hirschfeld 253, 309,1097, j
1250, 2123
Hirschfelder .... 2190
Hirschl.1497
Hirtz. 2597
His.309
Hiss.254
Hitschmann .... 2130
Hobohm . . . 1390, 2024
Hoch .1195
Hoche.1433
Hochenegg . . . 690, 2331
Hochhaus . . 2281, 2353
Hochheimer. 2494
Hock. 2398
Hocke . . • . . . . 481
Höher . 2084, 2449, 2496
Höchtlen.74
Ilöf er.2713
Höfler.925
Seite
Hoeflmayr.1199
Hoebl .... 1617, 2385
Hoehne F.-Frankfurt 630,
1031, 1863, 2334
Hoehne O-Kiel 624, 1444,
2037, 2508
Hölzl.1244
Hoen. 2237
Hoepffner. 183
Hoerder 1384, 1654, 2230,
2495
Hörmann 929, 1442, 1503,
2157, *187
Höring.621
Hürnig ...... . 725
v. Hoesslin-Halle . . 1354
v. Hoesslin 11. Mün¬
chen . . 783, 1673, 1869
Hützel. 1485
van der Hoeven 2137, 2651
Hofbauer . 38, 1610, 2495
Iloffmann.630
Hoffmann C. A. . . . 413
Hottmann F. A. . . . 2431
Hoffmann li.632
Hoffmann-Mtinchen . 588
Hoffmann A. -1 Film¬
stadt . 524
Hoffmann A.-Düssel¬
dorf 1094, 1819, 2082, 2258
Hoffmann A.- Greifs¬
wald . . 881, 1431, 1858
H offm an n E. • Dü sseldor f 2 5 41
Hoffmann E.-Halle 1812,
1975
Hoffmann J.-Hamburg 672
Hoffmann J.-Heidel¬
berg . . 422, 423, 1814
Hoffmann K. F-Paris 967
Hoffmann P.- Leipzig 471
Hoffmann R.-Dresden 1662
Hoffmann R.-Mttnchen 1557,
2486, 2709
Hoffmann W.-Berlin 773,
1437
Hoffmann W.-Heidel-
berg.477
Hofmann-Leipzig . . 1397
Hofmann A.-Greifs¬
wald .869
Hofmann A. Karlsruhe 412
Hofmann A.-Offenburg 2373
]lofmann C.-Kalk-Köln
Hofmann M.-Graz . . 34
Hofmann R.-München 1396
Hofmeier 196, 1919, 2136,
2329
Hofmeister . . 1965, 1977
Hofstätter.873
Hohlfeld. 2239
Hohlweg . . . 2649
Hohmann878,1909,2491, 8508
Hohmeier. . 1047
Hohn.528
Hoke .... 1657, 1978
Holländer E.-Berlin 155, 197,
689, 1914
Hollaender H.-Pest . 932
Holland. 41
Hollinger.1863
Hollopeter.255
Holmes . 40
Holmgren.774
Holobut.1651
Holst .1908
Holt. 2236
Holzapfel 251,413, 612,1019,
1051
Holzbach 302, 371, 930, 1858
Holzinger. 2364
Holzknecht . . 2401, 2611
Holzmann-Karlsruhe . 938
HolzmannW.-Hamburg 207,
813, 715, 1112, 2711
HolzmannW.-München 35
Holzwarth. 2034
Hornberger.1908
Homburger . 1254, 1437
1293, 2390,
. . . 255,
. . . . 200 ,
Honjio.
Honruth ....
van Hoogenhuyze
Hopfenhausen .
Hopmann . . .*
IloppeF.-Wittenberg .
, Hoppe H.-Cincinnati
I Hoppe J.-Uchtspringe
1459
Hoppe-Seyler-Kiel 103,
1220
Hoppmann.
1 Horn . . . 470, 1395,
I Horner.
Hornstein.
Horovitz.
Horsley . 1201, 1926,
Horstmann.
Hort.
I Horvath.
Hossack.
i Hottinger
Hotz . .
Houghton
Howard
! Hoyt . .
I Huber J.-Memmingen
620, 925, 1030, 1291,
! 2119, 2431, 2488
Huber O.-Schöneberg .
Huchard 1214, 2079,
j Hülrencr.
: v. H lieber.
| v. Hü bl.
Hübner.
Hübner A. H.-Bonn .
Hübner H.-Frankfurt .
Hübner H.-Marburg 424,
Hübscher . .
Huebschmann
Ilüffoll . . 103,
Hüfler . . .
van Huollon
Hüne-Berlin
Hüne-Stettin
Hueter 537, 833,
Hüttenbach
Hügel . .
Huggenberg
Huggius .
Hughes . .
Huguenin
Huismans
Holles . .
Hulsh off-Pol
Hunter . .
Hunziker-Kramer
Hiitchings
Hutchinson .
Hutcbison
Hutter . . .
Hutyra . .
Hymans van den Bergh
260'J, 2601
Seit#
355
1609
1652
2332
210
1908
304
1489,
104,
2541
2654
415
2175
671
2599
2390
1925
622
5b9
935
2595
2598
1093
201
528,
1803,
2121 ,
393,
558,
1212 ,
673,
1193
2430
2604
2232
1549
2039
1497
359
1865
2491
2276
1248
1206
90
577
2232
2604
110
1969
197
1093
771
197
1956
1389
2600
1851
2023
408
2028
1252
94
1139
1859,
J.
Jach. 1655, 8854
Jackson .... . 1978
Jacob 394, 817, 1255, 1361,
1519, 2174, 2591
Jacobi . . 536. 1164, 1487
Jacobj.1390
Jacobovici . . 1393, 1910
Jacobsohn E.-Breslau 820
Jacobsohn E.-Charlot-
tenburg. 2434
Jacobsohn L.-Berlin . 185G
Jacobsthal-Jena ... 88
Jacobsthal-Marburg . 1208
Jacobsthal E.-Hamburg 2607,
2662
Jacoby M.-Berlin 89,253,309,
880
Jacoby M.-Mannheim 1199
Jacquet. . 2178
Digitized b'
»Google
Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
INHALTS-VERZEICHNIS
XIX
Seite
J&dassohn . . . 430, 672 ,
Jaeger K.*Wien . . . 2174 j
Jager O.-Kiel . . 822, 2231 1
Jaffe K. Hamburg 85, 1487,
2024
Jaflte J.-Togo .... 819
Jaflte L.-Berlin . . . 2120
do Jagor . . . . 2601
v. Jagic . . 728, 1392, 2451
Jahreiss 465,1805,2342,2713 ,
Jahrmarker. 2085
Jakob.1655
Jakobaeus. 1483 ;
Jakobson. 2439
Jakoby. 2544
Jaks . . . 587, 1843, 1748
V. Jaksch .... 482, 787 :
James. 255, 1980
Jamin . . 780, 1302, 1303
Jandcr. 2541
Janct.1291
J ankau. 2591
Jankowski ... 39, 2072
Janne* . . . .... 1434
Jansen . . 631, 879, 2542
Janssen P.-Düsseldorf 33,
1268
Janssen Tb.-Davos . . 1091
Januszkiowicz .... 465
Jappelli .... 1604
JaquetBasel .... 1860
Jaquet-Berlin .... 942
Jaschke . . 790, 929, 2175
Jawcin.873
Jaworski . 1249, 2331, 2532
Ibrahim . . . 487, 2714
Jeanbrau .468
Joiiunow 873, 1342, 1346
Johle 51, 932, 1105, 1434
Jehn.1490
Jellinek.2118
Jemeljanow.1344
Jonekel. . .411,578,1493
Jendrassik . . 1090, 2026
Jensen V.1298
Jeusen J.-Kopcnhagon 417
Joreslaw.873
Jerie.1089
Jersild.1861
Jerusalem 1554, 1610, 2127
Jesionek 818, 868,981,1030,
1085, 1244, 1292, 1487,
1549, 1745, 2298
Igcrsbeimcr . . 1260, 1437
Jiann 532, 1393, 1910, 2331,
2439
llieseu.1909
Hiera.1499
Imai.1707
Imhofer.260
hnhoff.630
Immclmann 777, 880, 882,
941, 2294, 2345
Ingeralev.2119
Ingram J.416
Ingram W. H.1093
In man ..... 417, 1916
Inouye.1338
Joachim G.-Bcrlin . . 1091
Joachim G.-Königsberg 38
Joachimsthal 143, 641, 879,
‘20*23, 2652
Joannovics.466
Jochmann 1616, 1713, 2122,
2330, 2596
Jodlbauer . . . 1138, 2535
John-Pest.2122
John M.-Dortm und . . 926 !
John M.-Mannhcim 1281,
2468
Johnston .... 96, 1981
Jollaese.948
■Zolles . . 1603, 2229, 2488
..92, 2596
Jonas . . 465, 932, 2391
Jones D. F.1912
Jones H. 1978 i
T -nesK. 731, 1926 1
Seite
Jones lt. L. Ruth . . 2535
Joncscn V. M.1909
JonescuD.-Wien . . . 1653
do Jong .... 427, 2346
Jonneseo . . . 1517, 2346
Jonnescn 533,534,1393, 2653
Jordan. 631, 676
Jordan-Moskau . . . 630
Jordan A.-München . 1744,
2535, 2710
Jordan M.-Heidclberg . 534,
1559, 1976
Jordansky.469
Jores . . 1977, 2228, 2279
Jorns.1567
Josef. 2436
Joseph. 825, 826
Joseph F. H.96
Joseph E.-Berlin . . . 1034
Joseph H.-Köln ... 142
Joseph K.-Marburg 1496,2540
Joseph son.1341
Joslin.1150
do Josselin de Jong . 1809
Jossilewsky 981
Jourdanet.2178
Jovane.1342
Ircovie. 2389
Iredcll. 2547
Irimescu . . . 1909, 2438
Isaac.1096
Isabolinsky.1904
Iselin . . . 799. 1195, 1906
Ishihara. 42
Isler.415
Israel.838
Israel-Rosenthal . . .1861
Isscrlin 407, 463, 2385,2487,
2535, 2592
Istomin. 2022
Ito.251
van Ittalie.410
Jüdin.631
Jünger . 2542
Jüngling.251
Jürgens.201
Jüthner. 1803 j
Juge. 1144,2556:
Juliusberg.676
Juliusburger .... 360 '
Jundell. 774, 1611 ;
Jung Ph.-Erlangen 140, 583,
841, 1506, 1919, 1920,2659 j
Jung P.-St. Gallen . . 1436
Jangengel. 2660
Jungmann A.-Wicn . 2545
Jungmann B. München 1747 '
Junkersdorf. 1603 j
Jurasz . . . 1793 I
Juschtschenko ... 35
Just ..420
Ivens. 2599
Iversen . . . ... 1785
Iwanow . 2333
Iwaschenzow .... 1345
Iwase.251 j
Izar.2120 !
Kaabak.2123
Kabrehl .... 252, 2070
Kader.837
Kaemmerer. 2327
Kaempf.877
Kaes. 2607
Kästle 880, 919, 1096, 1958,
2233, 2576
Kafka. 2668
Kahl.1084
Kahlftne. 2279
Kahler.1396
Kahn E.-Wilna ... 34
Kahn R. H.-Wien 2498,2536
KaiserA.-Friedrichstein 931
KaiserO.-Dresden 1152, 1709
Kaiserli ng.1856
Kalb.1495
Seite
Kalberlah.1974
Kamann.1619
Kaminer .... 530, 2494
Kamm . . .1011
Kampffmeyer .... 1903
Kamprath .1092
Kanasagi.932
Kanitz.826
Kan Kato.1603
Kann.1391
Kantor.1657
Kantorowiez . 897, t419
Kaposi.942
Kapp.1359
Kappel. 2081
Ivappeler. 2489
Kappis-Kicl. 2083
Käppis A.-Magdeburg 948,
1177
Karamitsas.2123
Karewski . . 357, 126, 1904
Karillon. 2648
Karnitzky ..... . 196
Karo . . . .1890
Karplus . 2539
Karrenstein.2122
Karsten . 2535
Kasai.2122
Kaschkadarrow . . . 1344
Kaspar . . 890, U89, 1513
Ka 880 witz.1294
Käst.301
Käthe.1461
Katholicky . . 2127, 2612
Kätscher. 2494
Kattwinkel.1620
Katz A.-Berlin .... 2438
Katz L.-Kaiscrslantern 1446,
1745
Katzenellenbogen . . 1146
Katzenstein M. - Berlin 880,
1448, 2294, 2596, 2605
KatzenBteinJ.-München 1641
Kauders.932
Kauftmann . . . 352, 353
Kaufmann E. 2276
KaufmannF.-Würzburg 1036
Kaufmann G -Freiburg 1718
Kaufmann K.300
Kaufmann R.-Frankf.344,932
Kaufmann R.-Wien . 2072
Kaulbach. 42
Kaumhcimer .... 2714
Kaup. 2139, 2140 i
Kaupc. 343 !
Kaupert.932
Kausch 38, 939, 1435, 2230,
2277
Kawamura.1906
Kayser-Haniburg . . 2606
Kayser C.-München . 2516
Kayser H.-Bonn . . . 2126
Kayser II • Strassburg 1666
Kay ser-Köln.1342
Kayser O.-Kiel . . .1501
Kayser P.1030
de Keating-Hart 1092,2034,
2347
Keetly.317, 730
Kehr F.-Ingolstadt . . 189
Kehr H.-Halberstadt 237,
251, 819, 982, 1062, 8457 j
Kehrer E.-Heidelberg 1445,
1503, 1562, 2711
Kehrer F. A.-Hcidelbg. 1141
Keibel.531 I
Keith. 672, 1754
Kellor-Pest .... 1806
Keller-Strassburg 1247,1859,
2396
Keller H.-Wien . . . 1091
Kelling 1554, 2072, 2446,
2447
Kellner 537,1392,2197,2281,
2345
Kernen. 2239
Kemp.1911
Kemper.874
Kernpf F.-Braunschw. S
Kempf R.-Braunschw. 1
Kenthe.
Kcntzler .... 354,
Kermauner.1
Kermorgant.1
Korn.i
v Kern.
Kerner.1
Kernig.5
Kerp.2
Kerschensteiner 85,
526,1086,1138, 1434, V
1745,2328,2384,2536,$
Kersten .... 1295, 1
Kessler.
v. Kdtlv.2
Key /.1
Keydel.
Keysselitz . . . 199, 2
v. Khautz.
Kiar.
Kiellenthner 300, 770, 1!
1964
Kienböck . 676, 1806, 2
Kiiss.2
Kiliani ... • . . . 1
Killer .1
Kilpatrik.2
Kinezenko.1
Kindl .1
King.2
Kinghorn .
Kino .2
Kionka .
Kiproff.
Kiralyti . . 351, 2079, 2
v. Kirclibauer ....
Kirchheim 937, 1819, 2
Kirchner.2
Kirkness.1
Kirkoric.
Kirschner . 983, 2068, 2
Kirste.1
Kirstcin.2
Kirstein F -Stettin . . 1
Kirstein GA.-Königsb.
Kisch H.-Prag . . . . 1
Kisch J.1
Kisch-Marienbad 675,
1856
Kissling.
Kisskalt.1
Kitaj.
Kitasato .... 544, 2
Kladnitzky.
Klapp . . 939, 2034, 2
Klauber O.-Lübeck . .
Klauber O.-Prag . . . 1
Klaus.
Klaassnor.5
Klebs 1448, 1607, 1616,1
v. Klecki.2
Klehmet.1
Klein-Mfthr.-Ostrau
Klein E-London . .
Klein G.-Münehen . . 1
1511,2175,2186,2243,5
Kleine-Kirugu . . 672,1
1608, 2438
Kleine F.-Berlin ... 5
Kleinertz.1
Kleinhans.1
Klcinschmidt . 2395, 2
Kleist.421, 2
Klemm.
Klemperer F.-Berlin . 5
Klcuiperer < i.-Berlin 90,
2117
Klempin.
af Klerker.1
Klibanskaja ... .2
Klieneberger-Brcslau .
Klieneberger K.-Königs¬
berg 528, 883.1096, 2
2649, 2653
Klier.1
Klingelfuss.
Klinger.1496
Klingmüller . . 2071, 2664
Klister. 2285
Klopstock .1854
Klose 505, 1858, 1863, 2544
Klotz-Tübingen . . . 1821
Klotz M.-Breslau 2122, 2231
Klug ... . . 1856, 2653
Kluge . . . 479, 587, 888
Kluger. 304, 951
Klyncns.463
Knaggs.1753
Knapp .... 1802, 2388
Knauer Greifswald . 2231
Knauer G.-Wlesbaden 1027
Ivnauth IT.-Würzburg 1437
Knauth F.-Magdeburg 414,
834
Kneise . . 945, 1616, 1844
Knierim.1758
Knina.1969
Knoblauch . . 1254, 2327
Knoke . . . 2003
Knoop C.1126
Knopf-Xew York . . 193
Knopf H.-Berlin 197, 1608
Knopf H. K.-Frankfurt 1391
Knotz. 2039
Kohbmck . . . ,. 1436
Korb V .1606
Koch J.827
Koch-Berlin.1906
Koch-Charlottenburg . 1517
Koeh-Frciburg .... 627
Koch A.-Schöneberg . 1140
Koch H.-Wien . 873, 2310,
2492, 2540
Koch J. Berlin . 144, 827
Koch R.-Berlin . . . 2176
Koch W.-Freiburg 2362,2650
Kocher .... 2435, 2489
Kochmann . . 549, 1652
Kockel . 1967
Kocks .... 1907, 2387
Kögel. 2596
Köhler A.-Wiesbaden 463,
464, 879, 2021, 2314
Köhler F.-Holsterhausenl80,
193, 670, 736, 820, 1032,
1340, 1341, 1392, 2385,
‘2487, 2582, 2650
Köhler G -Frankfurt . 661
Köllikor. 2478
Kellner.419
Kölpin. . 772
Koelsch . 296, I486, 2056
König-Dresden . . . 1750
König-Grunewald . . 355
König-Paris.1213
König F.-Altona 738, 833,
930, 2489, 2626
König F.-Berlin 577, 625,
631, 1655
König J.-Karlsbad . . 2026
Königer 282, 603, 1506
Königshöfer .... 418
Königstein H.-Wien . 2305
Königstein L.-Wien . 1609
Koeppe .... 1342, 1436
Köppl.1307
Körbitz.1702
Korner. 470, 1557
Körte . . .881, 982, 2653
Kösslcr. 2438
Köster. 85
Koottlitz. 2655
Kofmann.144
Kohl. 91
Kohlmann. 39
Kohlmeyer. 2658
Kohlrausch . 253, 301, LDH)
Kohn J.-Prag .... 1091
Kohn R.-Wien . . . 254
Kohnstamm.1254
Koike.1502
Kolaczek . 621, 940, 2543
Kolb 1029, 1964, 2021, 2327
Kolieb.1489
Digitized fr,
Google
Original frorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
r
XX
INHALTS-VERZEICHNIS.
1900 .
Seite
Kollbrunner.1024
Rolle W.-Bern 1969, 2545
Rolle W.-Olten ... 361
Rollecker.2197
Kolomoitzew .... 1482
Rolski.575
Rompert. 2025
Ron-Berlin.576
Ron J.-München . . 575
Rondoleon. 2004
Ronjetzny 1194, 2084, 2251
Ronopka.1805
Ronrdd.1293
Ronschegg.1603
v. Konstantinowitsch 1748
Ropp 957, 980, 1085, 1139,
1184
Ropscli. 2021
Ropytowski 632, 826, 2336
v. Roranyi A.-Peet 354, 2066
de Koränyi F. 2032
y. Korff.780
Korechun ..1497
Rorteweg.1810
Roschier.1498
Roschland.1387
Koslowsky A.875
Koslowsky S.827
v. Rdssa.1859
Rossel.1569
Rossowaky.1344
Rostic.1200
Rostlivy.801
Rothe ... 90, 1130, 2489
Rotik. 2635
Rotschenreuther . . 38
Rotschenreuther. . . 877
Rottenhahn . . 1512, 1513
Rottmanns. 2082
Rotzenberg 360, 838, 861
Rouindzy. 2850
Routsky-Bey .... 1356
v. KovAch. 2034
Royon.826
v. Roziczkowsky . . . 1653
Krabbel. 2542
Kräf.420
Rraepelin . . . 1614, 1615
Krämer . . 728, 2320, 2598
Rränzle. 2436
Rraft E. 2592
Kraft H.-Görbersdorf 2446
Rraft J.-Nürnberg . .1715
Krajuschkin .... 1090
Rrall.1921
Kramer G.-Hannover . 2285
Kramer J.-San Remo . 987
Rrasnogorski .... 871
Kratochfil. 2545
Krans. 631, 825
Kraus-Berlin . . 107, 2609
Kraus-Nümberg 1102, 1103,
1763, 1764
Kraus-Prag.482
Krans C.-Semmering 2495
Kraus E.-Wien . . . 414
Kraus F.-Berlin . . . 1915
Kraus F.-Karlsbad . . 992
Kraus H.-Pernitz . . 658
Kraus R.-Wien 155, 198, 728,
1339,1904,2232,2549,2550
Krause M.1856
Krause W.1192
Krause-Hannover . . 670
Krause E.-Strassburg 1611
Krause F.-Berlin 526, 931,
938, 1007,2082, 2135,2666
Krause P.-Bonn . . . 2281
Krause P.-Jena 209, 882, 942
Krause R.-Berlin ... 84
Krause W.-Marburg 424,
1865
Krawkow. 2331
Krebs.463
Krecke 16, 407, 525, 620,
1548, 1602, 1902, 1963,
2328, 2385
Krecker. 2173
Seite
v. Krehl .... 156, 1558
Kreibich 631,632, 825, 826,
1515, 2336
Kreidl. 2539
Kreissl.1705
Krek.1340
Kremer.825
Kren. 2336, 2391
Krencker . . .... 1016
Kretschmann .... 461
Kretschmer .... 255
Kretz . . . 317, 1293, 2228
Kreuter 89, 1828, 2055, 2660
Kreuzfucbs. 2232
Krewer. 2232
Krieg.879
Kriegei.1854
Krienitz.1249
v. Kries.1386
Kritzler.1552
Kriz.1500
Krocker.981
Kröhmer.1256
Kröner . . 930, 1445, 1502,
1552, 1563, 1615
Krönig B.-Freiburg 412, 870,
1859, 1968, 2137
Krönig S.-Berlin . . . 1854
Kröning. 2494
Krönlein.298
Kroh. 2542
Krohue.1549
Krokiewicz . . . 804, 628
Kromayer 39, 176, 631, 882
Krompecber.253
Krön.1250
Krondl.986
Kronenberg. 2284
Kroner-Berlin .... 91
Kroner K.927
Kronfeld A. - Heidel -
berg. 1527
Kronfeld A.-Wien . . 1406
Kronfeld E.-Wien . . 198
Kronheimer.1818
Kronkvist.773
Kronthal .... 407, 950
Kropeit .... 1046, 1508
Kropelt.680
Krotoschiner .... 2035
Krüger-Hamburg 2395, 2606
Krüger-Jena 833, 1248,1306
Krüger M.-Halle 367, 1088,
2121
Krukenberg 832, 940, 2551
Krummacher-Wesel . 1282
Krummacher O.-Mün-
chen.1651
Krusius 210, 423, 1864, 1865
Kryz.1500
Kubier.410
Kubo.2121
Kucera. 2697
Kudicka.828
Kudlek .... 1356, 2124
v. Kügelgen.1655
Kühl. 1736
Kühne.772
Külbs . 45, 301, 466, 937
Külz.199
Kümmel .... 422, 1351
Kümmell-Erlangen . . 2660
Kümmell-Hamburg 537,930,
1259, 1404, 1973, 2330,
2344, 2606
Kuenen. 829
Kürt.1750
Küster E.-Marburg . . 1963
Küster E. -Charlotten -
bürg. 2489
Küster H.-Breslau . . 2230
Küstner . . 251, 252, 1606,
1615, 1721
Küttner 198,194, 582, 1702,
1745, 1746, 2489
Kufferath. 2655
Kugel .... 1343, 2335
Kuhn E.-Berlin 1803, 2438
Seite
Kuhn F.-Kassel . . 92, 343,
415, 790, 828, 1562, 1804,
2030,2127,2245,2438,2651
Kuhn H.-München . . 1146
Kuhn Ph.-Berlin 193, 820,
2238, 2551, 2603
Kuhlenkamp . . . .1750
Kuliga. 35
Kumita.2174
Kummer.1392
Kuntzen .318
Kunz. 2337
Kunz F.-Würzburg . . 1252
Kupferberg . . 1560, 2435
Kura.1804
Kurak. 2026
Kurihara.1859
Kurlow. 2333
Kuroi. 88, 356
Kurz. 291
Kusnetzow. 2651
Kuss.212
Kuthy.1972
Kutner. 300, 1914
Kutscher. 2438
v. Kutschera .... 1250
Kuttner A.-Berlin . 31, 987
Kuttner L.-Berlin 360, 734,
868
Kuzmik. 2245
Kuznitzky E.-Bonn . 2231
Kuznitzky E.-Broslau . 821
Kwilecki. 1330
Kypke-Burchardi . . 1391
Kyrie. 2335
Kuthy.
L.
Laan.1602
Laas.985
LabbA 467, 1144, 2034, 2081
Labhardt 66, 1142, 1196,
1224, 1294
Lack.1978
Laehr.821
Läwen 142, 251, 478, 1509,
2540
Lafite-Dupont . 1055, 1557
Laignet-Lavastine . . 2081
Lake.471
v. Lallich.1196
Lambkin .1980
Lampe.1805
Lampd.1745
Lamonow. 2333
Lancereaux.1213
Landau.1086
Landois E.-Greifswald 575
Landois F.-Breslau 195, 577,
1891, 1746
Landois F.-Greifswald 142
Landouzy.2179
Landsberger F.-Göt-
tiDgen.1907
Landsberger R.-Berlin 360
Landsteiner 358, 467, 986
Landström . . 774, 2595
Landwehr 1495, 1637, 5242
Landwehrmann . . . 2284
Lano. 2598
Lang E.-Wien .... 2177
Lang G.-St. Petersborg 192
Lang W.-Bern .... 1036
Langbehn.675
Lange 0. 31
Lange B.-Strassburg . 1667
Lange C.-Greifswald . 1088
Lange F.-Harburg . . 1748
Lange F.-Köln .... 193
Lange F.-München 297,1817,
2134
Lange L.-Dresden . . 627
Lange W.-Berlin 871, 2071
Lange W.-Tübingen 425,
1699
Seite
Langem Ak.611
Langer. 2652
Langstein 635,868,937,2499,
2652
Lannel.876
Lanz.622
Lapinski. 2331
Laquerri&re.430
Laqueur H.1856
Laqueur A.-Berlin 735, 1856
Laqueur W.-Ems . . 1856
Laroche ..... 2347
Larrey.1657
Lasarew.671
Lasnier.483
Lassen.1298
Lateiner. 198,873
Latbam.417
Latzko . . 1444, 2128, 2136
Latzko-Berlin .... 935
Latzko W.-Wien 529, 823,
1248
Laub.1703
Laubenburg.1806
Lanbenbeimer .... 1601
Lauboy.1715
Lauenstein 631, 680, 1905,
2070, 2489, 2543
Lauritzen.771
Lauterborn. 2070
Lavagna.629
Laveran. 2076
Lawson. 2348
Lazarus A.-Berlin . . 1743
Lazarus F.-Berlin . . 635
Lea.483
Leathes.1251
Leber .... 1964, 2337
Lebsanft .... 914, 1611
Lecfcne.1752
Lecba-Marzo 824,1500, 2182
Lechleuthner .... 395
Lechleutner.1650
Lecomte ..... 1307
Ledderhose.1667
Lederer A.-Cazin . . 304
Lederer R.-Berlin . . 1148
Ledermann . . . 776, 2294
Leech. 96
Leedham-Green . . . 1706
Leere. 360, 1967
Lees .674
Leger.1752
Leguou . . 260, 1706, 1765
Lehmann F. . . 929, 1034
Lehmann-Frankfurt . 1329
Lehmann K. B.-Würz-
burg 575, 576,1854, 1902,
2021, 2431
Lehmann O.-Charlotten-
burg.822
Lehndorff .... 950, 2233
Lehnerdt .... 679, 1976
Lehr. 2023
Lehre.1807
Lejars.1902
Leibfreid.1497
Leick.1275
Leiner 676, 871, 2239, 2653
Leiscbner.1491
Leisewitz. 2827
Leisbman ..... . 2236
Lemaire .... 468, 482
Lemoine . 483, 1212, 1307
Lempp. 2652
LAnärt. 2081
LeneA.777
Lenhartz 476, 817, 831, 989,
1154, 2132, 2193, 2243,
2591
Lenkei. 2230
Lennhoff.530
Lenormant. 2556
Lentz. 144, 820
Lenz. 86
Lenzmann 736, 1666, 1820,
2230, 2653
Leo . . . 889, 1965, 2711
| Seite
I Leonardi.1555
i Leonardo.1808
1 Leopold Cb. G.-Dres-
den 1444, 1502, 2327
Leopold J. S.-Wien . 1294
v. Leonowa v. Lange 35,
I 2493
I Lupine. 2327
! Lepper.773
Leppmann.1967
Lerat.622
Leriche.1751
Leroy.1549
Leschnoff.298
Leser . . . 041, 1712, 1917
Lesn6.589
; Lesse.1805
Lesser A.-Breslau . . 1390
Lesser E.-Berlin 1085, 1198
v. Leszczynski . . . 630
Lett.1202
Letsche. 2497
v. Leube 31, 355, 1250,1432
Leuk.309
Leutert . . . .... 2300
Leuthe.. . 2488
L0 Va .H97
Levaditi 469,*572,1146,1339,
1716.
Levi . . . 740, 1092, 1307
Levi-Valensi . 1924, 2180
Levinstein . . 1556, 2285
Levy A. M.1194
Levy-Berlin ..... 486
Levy E.-Strassburg . 1728
Levy M. - Charlotten-
burg.531
Levy R.-Breslau 1296, 1563,
1746, 2595
Levy R.-München . . 971
Levy W.-Berlin 481, 1195
Levy-Dom . 941, 1205, 2653
Le wando wsky F.-Ham-
burg .... 1554, 2336
Le wando wsky M.-Berlin 2539
Lewelys.2190
Lewin A.1706
Lewin C.-Berlin . . . 686
Lewin E.-Berlin . . . 1702
Lewin-L.-Berlin 643, 2233,
2389
Lewisohn.1296
Lewy-Nürnberg . . . 1569
Lewy J. J.-Berlin . . 1909
Lexer . . . 593, 770, 2489
Leyberg. 2335
Leyden H.927
v. Leyden E. 2487
Lhermitte.771
Lichl. 2399
Lichtenbolt . . 727, 1810
v. Lichtenberg A.-Hei¬
delberg . 439
v. Lichtenberg A. -
Strassburg 716, 931, 936,
941, 1467,1888, 2464
Lichtenstein F.-Leipzig 529,
929, 1616, 2069
Liebtenstein H.-Frank-
furt.776
LichtensteinS.-Neuwied 2645
LichtenBtern .... 2438
Lichtwitz.193
Liehty.1035
Licini.573
Liebe . 771, 1606
Liebermann H. . . . 1280
Liebermann J. . . . 1346
Liebermeister 750,614, 1150,
1554
Liebere.1567
Lieblein. 2346
Lieblitzky. 52
Liebrecbt 1567, 1920, 2344
Liefmann A.-Berlin . 1608
Liefmann H.-Berlin 2097,
2549
Liefmann H.-Halle 509, 576
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Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
XXI
Seite
Uepm&nn 358, 426, 620,
2591, 2695, 2667
Liertz.982
Ueske.1968
Ideven. 630, 987
Xdfschütz-Charkow . 1249
Xd f schütz J.-Bremen . 1603
Idkadi. 2390
Idlienfeld-Frankfart . 1974
Lilienfeld Leipzig 888, 2023
Lindemann A.-Berlin 91,575
Lindemann A.-Bonn . 2237
Linden. 2331
Lindenstein.982
v. Lindheim .... 1138
Lindner .... 2438, 2653
Lin hart. . 821, 1182, 8641
Liniger. 2591
Link.1255
Linossier .... 891, 1307
Linser.687
Linz. 1742
Lion. 2487
Xdppmann A.- Hamburg
2214
Lippmann H.-Königs*
berg. 8417
Lipowski . . . 1306, 1607
Lipschütz . . . 2390, 2602
Liechke.1328
Lissauer A.-Düsseldorf 980
Lissauer M. • Königs*
beig. 465, 1830
Littaner.1341
Littanr ...... 1609
Litthauer .... 935, 2888
Little .. 2599
Littlejohn.1971
Liyierato .... 628, 931
Lobenhoffer .... 2174
v. Lobmayer .... 1804
Lochte.1967
Lockemann.820
Lockwood. 2599
Lockyer.1925
Loeb F.-München 722,1262,
1387, 2025, 2350
Loeb J.-Berkeley 2077, 2496
Loebbecke. 2495
Loeffler.... 1656, 2596
Löhe. 631, 2335
Loele.1807
Löhlein ... 104, 1389
Loenhardt.2124
Loening.252
Loeper . .. 2668
Loescher.1549
Loetscher . ‘.868
Löwe . . . 577, 983, 2178
Löwenfeld.1744
Loewenhardt . . 935, 2658
Löwenstein. 2230
Löwenstein-Prag 481, 1105
Löwenstein A.-Elber¬
feld . 1605
Löwenstein E.- Beelitz 39,
1295
I^ÖwenBtein E.-Berlin 2279
lyöwensteinE.-Freibarg 1394
I^öwentbal - Braun
schweig . . . 777, 2667
Löwenthal-Paris . . . 1870
Löwi A. . . * . . . . 531
Lüwit.930
Loewy A.-Berlin 303, 1608
Loewy A.-Wien . . . 1609
Loewy J.-Brünn 2182, 2597
Lohmann .... 620, 1605
I.ohmer .... 820, 1863
Lohintiller. 2542
Lohnstein 627, 672, 934,
936
Lohrisch .925
Ijomer . • .£98
Lommcl . . • • 92, 1050
r .... 2179
iTJon : '1604. 1605. 2537
Lonshy * * •
Seite
Loose. 2397
Looser. 584, 1921
Looss.1104
Loreday. 95
I Lorenz 144, 540, 879, 2083,
2127
Lorey.1389
Lortat-Jacob . 1145. 1750,
2179
Lossaberidse . . . 875
Lossen H.-Heidelberg 1236,
1694
Lossen W.-Köln 1195, 2541
Lotheissen.1657
Lotsch F.-Berlin . . . 466
Lotsch F.-Magdeburg . 132,
196
Louis.1716
Lovera.1699
Lovett. 144, 256
Low. 40
Lowinsky .825
Labarsch . . . 1819, 2228
Lublinski.197
Lucae. 664, 2284
Lucas-Championniäre 1752,
2191, 2598
Lucibelli.629
Lucksch. 2330
Ludloff 143, 682, 879, 1746,
2134
Ludwig .1036
Lübbert . . * . . . 1249
Lücke. 2595
Lüders. 93, 409
Ltidke . 7, 67, 1150, 1246,
1313, 1469, 1514, 2182
Lühe.620
Lüppo-Cramer . . . 2487
Lütbi .996
Lüthje.679
Luff.729
i Lumme . 2334
Lumpe.858
Lumstin.1093
Lunckenbein .... 911
Lund .197
Lust. . . . . .2047,2132
Lustig.931
Luther.1549
Luxemburg. 2642
M.
t
! Maar.631
| Maas.527
Macalister.483
Macan.361
; Mc Callum.1035
| Mc Carrison .... 62
Mc Caskey.254
Mac Cormac .... 1979
Mac Cullough .... 201
Mc Donagb .... 2835
Mac de Lepinay . . . 1307
Mac Evan. 2233
Macewen.1924
Mc Ewen .... . 2034
Mac Fahrland .... 2070
Mac Gregor.417
M’Hutchison .... 40
Maciesza.823
Mac Ilroy .1981
M’Jntosb ..... 2028
Mc Kenna.1911
Mc Kenzie . . . . 2028
Mackenzie G. W.-Wien 146
Mackenzie J.-London . 787,
1902
Mac Lean .
Maclean . .
Mac Lennan
Macleod . .
Mc Naught .
Macpherson
Mac Pherson
2235, 2594
. . 1981
40, 1926
. . 1971
. . 2236
. 732
. . 1557
Seite
Mc Walter.1980
Mc Weenie.1981
Madelung 408, 938, 1701,
2396, 2490
Mader. 667
Madsen.1861
Madlener.465
Maeder.2124
Maffei.1659
Mager. 2233
Magnus R.-Heidelberg 1605
Magnus R.-Utreehfc . . 1604
Magnus-Alsleben 1151, 1700,
2119
Magnus-Levy 87, 526, 892,
1859
Mahaux.463
Maier A.-Mannlieim . 1249
Maier R.-Prag .... 1857
Mainzer . . 685, 1763, 1977
Mekkas .411, 1494, 1656
v. MalaiBÖ.633
Malaniuk . . . 1088, 2232
Malatesta.1808
' Maldagne.307
l Mailing.418
Mallinckrodt .... 2390
Malynicz.534
Manasse . . . 1351, 2284
Manckofc.1306
Mandel.153
Mandelbaum . 2315, 2475
M anhold. 2023
Mann F.-München . . 72
Mann M.-Dresden 942, 1446
Manninger.1972
Mansfeld. 2538
Manswetowa .... 192
Manteufel . 576, 577, 2602
Manteuffel.1496
Mantoux. 62
Manuel .880
Manwaring. 2230
Maragliano-Genua . . 2079
| Maragliano E.-Genua . 1971
! Maragliano V.-Genua . 629
| Marburg. 2654
I Marcantoni.1566
I Marcelet.1752
Marchand 191, 1089, 1816
Marchetti. 2282
Marchiafava .... 1439
Marcinowski .... 1090
Marek wald.1666
Marcus H.*Wien . . . 1035
Marcus S. Ph.-Pyrmont 776,
1856
Marcuse E.-Berlin . . 872
Marcuse G.-Breslau . 1607
Marcuse J.-Parten-
kirchen . 407, 2057, 2589
Marcuse P.-Berlin . 2499
Marek .... 1139, 1297
v. Marenhol tz .... 1702
Marfan.1716
Margulies. 2346
Marina .... . 1439
Marini.1389
Mark . ..146
Marmorsioin .... . 467
Marnoch.1970
Marogna.1809
Marschalko. 2336
Marschall.828
Marsch ik. 2232
Marsh . . . . 212, 2599
Marsson . . ... 2070
Martens.304
Martelli. . 108
Martial 149, 981, 1205, 1862
Martin A.-Berlin . 357, 2136
Martin E.-Berlin 121, 1228,
1443, 1562
Martin E.-Chicago . . 1911
Martin E.-Köln . . . 1922
Martin P.-Paris . . . 1488
Martin-Schwaben heim 2714
Martini.200
Seite
Marx H. 36
Marx K. 36
Marx H.-Berlin . . . 360
Marx H. - Heidelberg 476,
1351, 1396
Marzinowsky . 1295, 1389
Marzorati. 2656
Maschke.1667
Masing. 32
Masip .824
Mason.1911
Massabuau.2180
Massaglia . . . 629, 1092
Massaro.1439
Massini . . 306, 1389, 1854
Mastrosimone .... 2281
Matcescu. 2439
Mathes . . . . 1183, 2544
Mathew . 862
Mathison.1704
Matsuoka . 142, 411, 1804
Mattauschek .... 2654
Matti. 2543
Mattes. 2237
Matthes H -Jena . . 1574
Matthes M.-Köln . . 1087
Matthews. 97
Mauk. 2233
Mauclaire .1106
Maurer. 2235
Maute. 2399
Mautner.574
May-Belfast ..... 1980
May F.-München 1905,2189
May R.-München . . 1488
May R.-Zielenzig . . 2614
May W.-München . .1113
Mayer A.409
Mayer A.-Tübingen 1142,
1654, 1821, 2188
Mayer C.-Wiesbaden . 1490
Mayer E.-Köln . . 93, 879
Mayer J .-Brüssel . . 1146
Mayer J. M.-Stuttgart. 621
Mayer K.-Marburg 273*413,
464, 1196, 2023
Mayor M.-Hamburg 199,1757,
1835, 2234
Mayer M.-Simmem 87, 245
Meyer O.-Graz . 146, 2219
Mayer O.-Nürnberg 368,112,
1550,1551,1569,1665,2556
Mayer P.-Karlsbad . . 635
Mayer R.-Berlin . . . 2389
Mayer W.-Ftirth . 140, 462 '
Mayerle.2175 •
Mayerhofer . . 1438, 2608 '
v. Mayersbach ... 94
Mayet ...... 2024
Mayo.1911
Mayor.1308
Mayr E.-Augsburg 365, 818
Mayr E.-Graz .... 1609
Mayrhofer B.-Innsbruck 578,
666
Mayrhofer K.-Müncheu 471
Mazza.631, 2181
Meder E.-Köln ... 810
Meder R-Cassel . . . 2445
Medigreceanu .... 1650
Medowikow.874
Möhler.1045
Mehlhorn .2178
Mehlhose. 2072
Mehrdorf.465
Meidner.671
Meier A.-München 12!>3,1397 j
Meier J.-Borlin ... . 39 '
Meinert.303
Meinert-Rietschel . . 2287
Meinertz ...... 938
Meinicke E.-Hagen 1968,
2281
Meinike-Neunkirchen . 1551
Meirowsky E-Berlin . 253
Mcirowsky E.-Breslau 359
Meirowsky E. - Köln 1199, ]
1497, 2123, 2336, 2308 i
Seite
Meise! .... 1409, 1435
Meisl .1199
Meissen . .... 87, 738
Meissl.146
Meissner 621, 1140, 1141,
2068
Mekerttschiantz ... 870
Melchior E.-Berlin . . 1803
Melchior L. - Kopenha¬
gen . 1298, 1340, 1803
Meller.620
Meitzer K. E.-Chemnitz 1617
Meitzer O.-Leipzig 32, 1567,
1568, 1800, 2173
Meitzer S. J.-NewYork 301,
773, 2438, 2497, 2589
Melzi . 94
Menciere. 2034
Mendel 13, 433, 1606, 2039,
2149, 2652
Mendelsohn H.-Strass-
burg.1435
Mendelsohn L.-Berlin 2436
Mendes da Costa . . 677
M^ndez.1499
Mendler . . .... 1382
Mendoza.2181
Monetrier.1212
Menge. 422, 1562
Menifere. 2556
Mennacher 46, 105, 1748,
2288
Menyh&rt .... . 2243
Monzel.932
Menzer.1507
Mercad4.1144
Mercator.1549
Mercier.950
Merkel F.-Nürnberg . 2666
v. Merkel G.-Nürnberg 2535
Merkel H.-Erlangen 869,1168,
1303, 2352
Merkert. 2238
Merril.255
Mery.1670
Merz H.-Basel .... 1297
Merz M.-Wien ... 1855
Merzbach. 1030
Merzbacher . . 1255, 205!
du Mesnil de Roche-
mont.191
Messerschmidt . 388« 2656
Messineo. 2079
Metschnikoff . 1146, 2669
v. Mettenheimor . 310, 1863
Meyer Fr.677
Meyer R. 2385
Meyer-Berlin . . . .1301
Meyer-Strassburg . . 1535
Meyer A.-Berlin . . . 986
Meyer A.H.-Kopenbag. 1204
Meyer E.-Berlin . . .1448
Meyer E.-Königsberg . 36,
303, 1655, 2231
Meyer E.-München 158, 1700
Meyer F.-Berlin . . . 1260
Meyer F.-Dresden . .2122
Meyer F.-Kissingen . 1151
Meyer G -Berlin 303, 2034
Mever H. H.-Wien 923, 1577
Meyer K.-Stettin 1250, 2231
Meyer L.-Berlin 985,2006,
2131
Meyer L. F.-Berlin 871, 1294
Meyer M.-Berlin . . . 623
Meyer O.-Hallo . . 252
Meyer O -Heidelberg . 674,
1906, 2390
Meyer O. B.-Wtirzbnrg 14C6
Meyer R.-Berlin 1391, 1436,
2232
Meyer T.-Berlin . . .2173
Meyer W.-Dortmimd . 1608
Meyer W.-New York . 464,
2414
Meyer-Wedell .... 1878
de Meyer. 2656
Meyerhofer.2186
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Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
XXII
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Seite
Seite
Seite
Moyerson . . .
. . . 195
Moro E.-München 259, 545,
Munk . . .
. . 194, 2123
Mezineescu . .
. . . 1497
1087, 1414
Munter . . .
.... 777
Michaelis . . .
. . . 1656
Moro G.-Genua
. . . 1552
v. Muralt . .
.... 2561
Michailew . .
. . . 2539
Morpurgo . . .
1572. 2612
Murray J. A.-London . 1749
Michaud . . .
. . . 1652
Morril ....
. . . 1294
Murrav G. M.
.... 1200
M' '•bei ....
. 196, 1654
Morris 11. . . .
. . . 416
Murray L.
.... 1252
Michels ....
. . . 1964
Morris M. . . .
. . . 1979
Murray R. W
. 212, 1703
Middeldorpl' . .
. . . 1860
Morris R. . . .
. . . 2599
Muskat 304,
574, 883, 940, !
Miehe ....
. . . 144
Morrison . . .
. . . 1251
1151, 1281
Mieke ....
. . . 2233
Morton ....
. . 1703
Mvlvaganam
.... 729
Mieklcy . . .
. . . 2231
Moser ....
. . . 1493
Mierzner . . .
. . . 828
Moses 1 ..-Frankfurt . 2393
Mieseber . . .
. . . 2069
Moses S.-Warmbrunn 1860
N.
Miesowicz . . .
. 254, 2532
Moskowitz . . .
. 212, 881
Mictens . . .
. . . 2285
Mosny ....
. . . 2668
Naame . . .
.... 1145
Mietzsch . . .
. . . 1340
Most.
196, 1195
Xaekc . . .
. .413, 1805
Mignon . . .
. . . 987
Moszkowicz . .
.881, 1342
Nadler . . .
.... 1860
Mibail ....
. . . 2440
Motais * . . .
. . . 1669
Nadoleczny
47, 835, 1210,
Miller J.-Kngland 361, 1704
Mott.
. . . 1200
1869
Miller J. A.-Chicago . 1910
Mouchet . . .
. 984, 2656
Naecke 252,1737, 1860, 2581
Miller L.-Augsburg . . 802
Moulin ....
. . . 730
Xiigeli . . .
.... 531
Miller M. . . .
. . . 1802
Moulinier . . .
. . . 1557
Xaegeli-Xaef
. 1151, 2228
Milmann .
. . . 2388
MouHin ....
2026, 234s
Xagavo . . .
. 1090, 1194
Mi Ino ....
. . . 416
Moure . . .
. . . 470
Nagel-Rostock
. . . 315
Mine.
. . . 200
Moliriquand C.
. . . 1751
Xagel J. I).-N
ew York 2032
Minet ....
. . . 1215
Mouriquand G.-T
,yon . 2180
Xagel M.-Erlamren . 1855
Minett ....
. . . 1200
Movnihau . .
1924, 1969
Xagelschmidt
301, 539, 630,
Mingramm . .
. . . 928
Much 206, 1001,
1046, 1048,
1205, 1387,
2350, 2575
Minich ....
. . . 2069
1112,1485,1741', 1825,1985.
Xahm . . .
.... 139
Mink.
2236, 2600
2396, 2550, 2662
Xuhmmacher
. . . . 366
Minne ....
. . . 2655
Mueha ....
. . . 630
Xakabara . 623, 983, 1552
Minorvini . . .
. . . 1973
Muck.
1481, 2320
Nakayama
.... 2329
Mintz.
. . . 1247
Mühlenkamp .
. . . 1282
Xambu . . .
.... 2122
Mirabeau . . .
. . 2609
M ü h 1 e n s 828,1607,1608,2650
Xapier . . .
.... 2236
Mirönescu . .
. . . 93
Mühlhäuser . .
... 983
Xasetti . . .
.... 2551
Mitchell . . .
. 673, 1925
Mühlmann A.-Baku . 2388
Nassauer 527,
753 , 818, 982,
Mitulescu . . .
1702, 1749
Mühlmann M.-Balanchy 1342
1085, 1192,
1244, 1286 ,
Miura ....
. . . 1656
Mühsam . . .
. . 89, 577
1291, 2488,
2536, 2649
Miyake ....
. . . 529
Müller . . .
. 676, 2336
XataiiHohn .
.... 2277
Mizokuchi . .
. 573
Müller, Stabsarzt
. . . 463
Natanson . .
.... 2438
Mocquot . . .
. . . 2179
Müller Erich .
. 839, 86H
Nathan . . .
.... 304
Moehring . . .
. . . 1702
Müller H. . . .
. . . 528
Nattan-Larrier
.... 469
Möller-Berlin .
. . . 2399
Müller P. Th. .
. . . 1697
Naumann F.
.... 352
Moeller A.-Berlin . . 731
Müller S. . . .
. . . 2436
Naumann H.-Reinerz. 1140
Möller E. E.-Schweden 774
Müller-Davos .
. . . 1606
Naunyn . .
.... 722
Möller J.-Kopenhagen 470
Müller-Hagen .
. . - 2115
Nava . . . .
.... 1555
Möllers ....
. . . 1295
Müller-Rostock
. . . 881
v. Navratil .
.... 142
Möllgaard . . .
. . . 2498
Müller A.-Kolmar . . 2316
Nazari . . ,
. 1556, 1572
Mönckeberg . .
. 145, 1697
Mueller A.-München 2075,
Nebesky . .
. . 35, 2121
Mönkemöller .
. . . 2280
8631
Neck ....
. 1205, 1564
Moerlin . . .
. . . 215
Müller A.-Wien
1515, 2649
Necker . . .
.... 2074
Mohr 11.-Bielefeld . . 2541
Müller Chr.-Immenstadtl645,
Zur Nedden
.... 418
Mohr L.-Halle .
1491, 2551,
2558
Nedrigailoff .
.... 2230
2552
Müller Ed.-Breslau 195, 671,
Neger . . .
.... 2229
Mohr R.-Leipzig
. . . 1090
771
Negri ....
.... 2278
Le Moino . • .
... 468
Müller E. Landau . . 2583
Nehrkom . .
. . 411, 929
Molinier . . .
. . . 1055
Müller E.-Marburgl864,2134,
Neidbart . .
.... 933
Molitor ....
. . . 1966
2460
O’Neill .
... 1980
Moll A.-Berlin .
. . . 1029
Müller E.-München . 226
Neisser A.-Breslau 629, 1076 ,
Moll L.-Prag 871, 1294, 1607
Molnar . . . . 355, 1749
Momburg 297,304, 880, 1701,
2337, 2596
v. Monakow . 1656, 2071
Moncanv.1053
Monod. 891, 2554
Montenegro.1032
Monti A.574
Monti R.-Wien . 449, 1262
Montier.1765
Montuoro ..... 1552
Moore. 1980, 1981
Moos ...... . 2388
Moraller. 2385
Morawotz.2150
Morawitz 193,2173,2661,2712
Morel.1765
Morelli.354
Moreschi.1904
Morestin .... 260, 787
Morgan.1979
Morgner.933
Mori.413, 1248
Morian.1804
Morison.787
Moritz 321, 993, 1246, 1513,
2611
Morigasu. 36, 772
Müller F.-Berlin . . .1605
Müller F.-Heilbronn 243 , 1352
MüllerG.J.-Berlin 1263, 2038
Müller J.-Nürnberg 47.1433,
1487, 1569, 1923
Müller K.-Pest . . . 2079
Müller L. Heidelberg 439 ,
904 , 2711
Müller L. R.-Augsburg 1095
Müller O -Recklinghau¬
sen .1554
Müller O. Strassburg . 529
Müller O.-Tübingen 735, 993
Müller P.-Bern ... 197
Müller R.-Kiel . . 885, 886
Müller R.-Tetschen . 1098
Müller R.-Wien . . . 2178
Müller W.-Altona 411, 2387
Müller W.-Dresden
Müller W.-Rostock .
Müller W. B.-Berlin
Müller de la Fuente
Müllerheim. 2390
1 v. Müllern.1191
Münnich.578
Munter .... 672, 2071
Münzer A.-Hamburg . 2123
Münzer E. Prag . 260, 925
Mulzer 1306,2335,2602,2609
95
2490
1548
1297
1487, 1749
; Neisser M.-Frankfurt . 152
j Nenadowicz. 2075
Nepvou.1766
Nerking . . . 996, 1475
Neri. 2491
Nerli.1359
Nernst.1604
; Nestor.306
Netter 483, 1051, 1212, 1213,
1765, 1870, 1924
Neu 422, 1196, 1444, 1660,
1901 , 1976, 2570
Neubauer . . . 1086, 2649
Neuber . . 826, 837, 1701
Neuberg.825
Neuberger - Hamburg 817,
2591
Neuberger J.-Nürnberg 1569,
1923
Neubert.984
Neuburger M.-Wien 1657,
2124, 2289
Neuburger S.-Nürnberg 1513
Neufeld 1855,1904,2549,2603
NeugebauerF.-Mährisch-
Ostrau . . 25 , 197, 826
v. Neugebauer F.-War-
schau . 2388
.Seite
Neuhäuser.530
Neuhaus.1090
Neumann .1803
Neumann J. 2436
Neumann-Berlin . . 2397
XeumannA.-Berlin 1859,2190
Neumann A.-Wien . . 1605
Neumann F.-Wien . . 1515
Neumann G.-Landsberg 2330
Xomnunn ll.-Berlin . 2653
Neumann H.-Potsdam 2345
Neumann H.-Wien . . 2585
Neumann P.-Idar . . 1551
Neumann R. O. Heidel¬
berg 298, 477, 1549, 1602,
1650, 1921, 2173, 2229,
2277, 2389
NeurnannW.-Heidelbergl235
Neumann W.-Wien . 2438
Neumayer II.-Münchenll02
Neuinayer G. Kaisers¬
lautern .592
Noumaver V. L. Dwar 996
Seite
Öbersteiner 250, 1244, 2327
Oberwarth . ...» 155
Obregön.2182
j Ochsenius.1617
| Odelga .... 1091, 1492
Oehlecker . . . 982, 1047
Oehler. 2343
Oehme C.-Dresden . . 575
Oehrne C.-Göttingen . 446
Oehmke.1604
Oelsner ....
Oeri F.-Basel .
Oeri R.-Basel .
Oeri R.-Glarus .
Oestreich . . .
Offergold 195, 670,
1554, 2023, -
2175
Ogata. 870, 2069
Ohlemann. 2040
Ohl mann.790
Ob ly.1711, 1908
91
1193
251
2279
1656
.831,1142,
2069, 2124,
Neurath
v. Neusser
1610, 2026
. . . 2033
Neust älter . 667, 1387, 1699
Newbolt ...
Newcomb . . .
Nichols . . .
Nicholson C. M.
41
471
2236
1911
2022
2710
2253
2027
, 787
362
827
Nicolai .... 2064, 2294
Nicolich.1705
Nicolini.1093
Nicoll. 2026
Nicolle Ch.-Paris 1924, 2295
Nicolle C'h.-Tunis . . 2181
Niederstein.1493
Niemann A.-Berlin 925,2499
Niemann A -Hol zminden 1294
v. Niessen. 94
Niessl E. Leipzig . . . 423
v. Niessl-Mayendorf . 1817
Nieuwenhuis .... 675
Nieuwenhuyse .... 2595
Nisipescu.1393
Nissl.1254
Nitsch. 2230
Nitsche. 627, 2101
Nobecourt.1807
Nobl . . . 826, 986, 2335
Noc. 1146, 1753
Nocht.770
Noda. 545
Noder. 461
Noeggerath 2132, 2330, 2485
Noesske H.-Kiel 1155, 1712,
2277, 2410
Noesske K.-Dresden . 1403
Noetzel 622, 880, 982, 2127
Noguchi. 494
Nogues .... 1705, 1706
Nohl ...... 1028
Le Noir.1106
Xolen. 2653
Noll.949
Nonne 526,680,947,2083,2711
Noon .1979
v. Noorden . . 2033, 2668
Nordenskjöld .... 2592
Nordmann.1701
Nordmark.2713
v.Notthafft 408, 414,676, 834
Xourney.2184
Noutoux. 2668
Novak.984
Novotny 1251, 1610, 1703
Nowakowski .... 2595
Xowicki. 2388
Nunokawa
Nürnberger
Nyström .
. . 2652
. 1486
. 464, 2594
Oberländer . . . 244 , 413
Oberndorfer 722, 1549, 1640
Oberst .... 1320 , 2661
Ohm . .
i Okada.
OUili.
I Oliver W. B.' . .
j Oliver T.-London
| Ollerenshaw . .
jOlpp.
: Olshausen. 2329
Oltmanns. 2535
Omelezenkow ... . 875
Omorokow'.2177
Onarelli.1092
Onodi. 352, 1859
Opel.632
j Opificius.631
Opitz 302, 1436, 1503, 1563
! Opokin.356
| Oppe. 1152
i v. Oppel.1772
| Oppenheim . . . 826, 2336
Oppenheim H.-Berlin 931,
980, 1007, 1306. 2118, 2390
Oppenheim M.-Wien 817
OppenhcimerK.-München
480, 1512, 2281, 2492,
OppenlieimerR.-Frank¬
furt .935
OppenheimerS.-Frank-
furt.1854
Opplcr. 2035
j Orczäg «... • . . 2082
Orgler. 1088, 2185
Orhan Bev.1091
Orloff . *. 2277
Orszag ...... . 355
Orlowski. 2336
Orlowsky S. 2333
Ortali.305
Orth J.-Berlin 481, 625, 727
Orth O.-Berlin . 30, 2121
Orthner ...... 198
v. Orzechowski . . . 1806
Osann. 2291, 2392
Osborne.722
Oschmann.1248
Ossig.1564
Osten-Königslutter . . 2453
v. Osten Sacken . . . 2022,
2491
Osterloh .... 420, 829
Ostmann. 2648
v. Ott. . . 358, 2121, 2192
Otten M.-Hamburg . 1495
Otten M.-Tübingen . 687
Ottolenghi.303
Ozzard.1978
P.
Paascben.1813
Pacchioni .... 196, 629
Pace.1342
Pachinger.*2243
Paderstein 110, 672, 1084 ,
1198, 1205
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INHALTS-VERZEICHNIS.
Seite
Padtbeix. 2497
Pässler. 420, 992
l'we .1215
Pnhler .254
Pa *.* . 41 öi 2082
p «ten .1867
p ahn.1805
Palmt-n.1652
PalUuf.1609
Pancrazio.305
Pändy.572
Vamchi. 2079
Pankow 885, 412,1088,1248,
1443, 1606, 1616, 2187,
2595, 8761, 2711
Pankul 1651
Panse. 1351, 1662
Panzer. 37
Papee. .630
Fapellicr.977
Papiantz.933
Pappenheimer • . . . 625
Pammore. 2547
Pari ton.1393
Pariser.734
Park. 2391
Parker ..1979
Parlaveccliio . . 1492, 1905
Parmentier.483
Paron.1715
Parsons .1754
Partseh. 528, 833
Partarier . . . 482, 1670
Pastmis.1498
Paschen 208,1434, 1920,8904
Pasrhkis.935
Passera.1502
Pasteau.1516
Pastrovick.1902
Paterson. 2027
Patterson.1911
Patten.589
Paul E. 29
Paul F. T.731
Pauli.255
Pautrien. 2668
Pavy.729
Payer.2174
Pavr 911, 1261, 1262, 2490
Paya.1549
Pawinski.1489
Paysen .... 1482, 1538
Pawlow. 2596
Pawlowa.873
T’awlowsky A. D.-Kiew 1295
Pawlowskv M.876
Pfcai . 932
Poiser A.-Berlin . 194, 195
Peiser-Breslau .... 1517
Peiser H.-Breslau . . 930
Pel . . . 1340, 1810, 1916
Pelmann. 2487
l’elnar .... 1555, 2120
Pelaki.1194
Pültcsohn .... 623, 929
Prrnbrey. 2598
P«'-nar<l.468
Pennisi .... 1438, 1809
lVnny. 2598
Penzig.352
Penzohlt 205, 250, 923, 1285,
1853, 2429 I
Perez. 1499, 2181
Permin (i. E. ... 1861
lVrrnin C.-Kopenhagen 2283
lVrnct. 2548 !
Pcrrenon.215 j
Perech.180§
Perthes. 478, 2489
Perugia.305
Ft 1 ratz.1760
Pescafore . . . 1856, 2178
I’entalozza . • • • 2651
Peters-Rostock 141,369,1870
Peters- Wien . • 2075, 2193
Peters H. Brünn . . . 2438
Peters .1 -Kecklinghau- ^
Seite
Petersen.1860
Peterson. 2476
Petrarca. 2282
Peträn G.-Lund 622, 1805
Petr4n K.-Upsala 1495, 2189
Petri-Baden-Baden . . 302
Petri Th.-München 480,1654
Petruschky.1199 j
Petter.1603
Pettereson.774
Peukert.1142
Pewsnor.465
Pexa.304
Peyser. 360, 1807
Pfahler. . 1911
Pfannenstiel 053, 1444, 1804
Pfarrius.674
Pfaundler 47, 1512, 2289,
2652
Pfeiffer-Kiel.1101
Pfeiffer H. Graz 146, 1295,
1554, 1609, 1969, 2030,
2178
Pfeiffer L.-Weimar . . 1030
Pfeiffer Ph.-Augsburg . 365
Pfeiffer Th.-Hörgas 464,1808
Pfeiffer W.-Frankfart . 944
PfeilBtieker . . 1249, 1437 ■
Pfister-Altona . 1207, 1700
Pfister E -Kairo . . . 1097 !
Pfister R.-Basel . . 575 !
Pfisterer.251 1
Pflüger . 1651, 2495, 2496
Pförringer.1907
Pfyl. 871, 2070 i
Phalen. 2236 j
Philip . . .415, 1251, 1925
Phil.ippi. 1792 I
Pi y Sufier . . . 823, 824 |
Pianese.2612 j
Piazza. 1859 !
Pick. 1440 !
Pick A.-Prag .... 145
Pick E. P.-Wien . . . 1549
Pick F.-Prag 1149, 1333, 1515,
2134, 2243
Pick J.-Berlin .... 2544
Pick J.-Saaz ... . 713
Picker. 934 !
Pickert . . 39, 1297, 1908 !
Pielicko.935
Piel8ticker.1207
Pieraccini.1659
Piering.726
Piffl.481
Pighini .... 1556, 2539
Piket.2182
Pilcz. 666, 2232
Pinard 2135
Pincus.984
Pincussohn. 2498
Pineies E.-Wien . . . 1199
Pineies F.-Wien . . . 1157
Pinner.1198
Piorkowski 530, 985, 2597
Piper H.-Berlin 1797, 2539
Piper H.-Kiel .... 1652
v. Pirquet.48*2
Pisani.1749
Pißchinger . . 660, 2535
Pissavv. 2668
Pittaluga.1499
Pitterlein.1762
Pittinger. 1898
Pitulescu.532
Plagemann . . 1211, 2500
Plate 301, 513, 1154, 1194,
1508, 1793
Plaut 572, 1197, 1531, 1612,
1801
Plavec.306
Plehn 39, 828, 1733, 2178
Pleissner.1496
Plempel.1968
Plesch 205, 530, 991, 2294
Pletner D.-Berlin . . 1491
Pletner D.-Freiburg . 1651
Plitt.1923
Seite
, Ploeger.1715
! Plönies . . 465, 532, 1151
Plüddemann ... . 872
i Podestä. 2235
Pöhlmann.1863
Poenaru-Caplescu . 2139
Pootzl .... 1497, 1609
j Poggenbohl. 2337
Poggilü.306
Pohl . ..51
Polano 7 , 584, 1435, 1504,
2337, 8627
Polimunti. 2539
Politzer.191
Poll . . 822, 2231, 2330
van de Poll. 2600
Pollaci.629
I Pollack .... 1343, 2308
. Pollak. 2603
Polland .... 1574, 2335
Pollitz.1968
Pollock.1926
Polonzowa.1004
Pondojeff. 2294
Ponfick.403
Pop-Avramescu . 533, 2439
Popescu.533
Popowski.1860
Popper.931
Poppert .... 1560, 2490
Porges A.-Wien . . . 156
Porges O.-Wien . . . 1571
Porges R. C.-Wien . . 1657
Porosz 299 , 360 , 630 , 934,
1554
Port Fr.-Göttingen 806 , 1699
Port K.-Nüraberg 48, 1569,
2714
v. d. Porten. 1906 I
Porter. 1980 \
Portmann. 2438 I
Posnor C.-Berlin 155, 872, !
1807, 2231
Posner O.-Karlsbad . 253
Possok . . 628, 729, 2337 ’
Possolt.531
Poten.1250
Potenger.1910
Potolzky .... 466, 1850
Potpeschnigg . 2124, 2355
Pozzi 1765,1870, 2136, 2669
Praeger.1302
Prahl ..731
Prampolini.2613
Prandi.305
Praus .631
Pransnitz. 2430
Prato. 791
Pray.• . . 40
Pregl.1295
Prois.631
Preindlsberger .... 467
Preiser 880,1154, 1404, 1905,
1921 1
Proisich . 145, 986, 1391
Preiswerk .... 722, 1370
Preloitner .... 531, 932
Prcobrascbenskv . . 1556 ,
Prcti.’ . . . 2282 j
Prewsncr.1604
Preysing . . . 1351, 1815
Preyss. 2391
Pribram A.-Prag 786, 1306, !
2086
Pribram E.-Wien 1438,1490,
2186, 2603
Pribram H.-Prag 52, 531,
1657
Priese. 925 |
Prigge.1551 i
Pringle .1201
Prinzing. 2025
Proehownik 1046,1142,1805,
2491
Prüll.1440
Profanter.729
Pronai.1805
Propping . 679, 1857, 2294
Prorok.
Proshansky .
Proskauer.
v. Prowazek 045, 951, 1
2177
Prybila.
Prym.
Pucher .
Pudor .
PürkhauerR.-Breslau .
PürkhauerR.-München
Pütt er .... 1387,
Pullmann-Strassburg .
Pullmann W.-Greifs¬
wald . . 820, 2454,
Puppe .
Puppel E.-Mainz 1437, 1
1966, 2595
Puppel R.-Königsberg
Purtscher.
Pust W. Dresden 531,
Pust W -Stettin . . .
Putzurianu.
Q und flieg. 2596
Quadri.1557
Qtieisner.1445
Quönu 212, 1106, 1516, 2179
de Quervain 1195,2384,2490
Quincko . . . 1255, 1975
Raab L.-München 555,
Raab W.*Sehwabach .
Rahinowa.
Rabinowitsch ....
Rabl.
Rach.
Rachford.
v. Rad 47, 106, 1513, 1
2609
Raohiger A.-Vietoria .
Raebiger Il.-Halle . . i
Raeeke 36, 463, 885,
Raff.
Rairaunn.1
Raiinist.939, !
Raincar.
Rainick.
Rambousek.!
Rammstedt . . . 982,
Ramsauer.i
Ramsbottom ....
Ranckon • . . ■ . .
Ranke H. v.
Ranke K. E.-M (Indien
187,1244, 1292, 2593,1
Ranke O.-Heidelberg .
1650,1802,2172,2229
Ransohoff . . . 300,
Ransome.
Ranzel.'
Ranzi 1491, 1609,2073,2
2178,2331,2391,2551,5
Rapiport.
Rapmund ..!
Rapp.
Knppclin.5
Rasenack . 5
Rassoni ...... 5
Rasumowsky . . 356,
Ratkowskv.5
Rath . . '.5
Ratner.
Ratze bürg .
Rau.i
Raubitschek F.-Wien . 5
Raubitschok H.-Czerno-
witz. 1
Rauch .
Raudnitz.5
Rautenberg-Hambg. . 1
> Seite
( Rautenberg E -Königs¬
berg ... . 378, 2184
i Rauzier .19U
, Ravant.2180
Rawicz.875
1 Rawling. 41
: Raydt. 2277
Raymist.876
Raymond.1213
i Rebaudi . . . 1341, 1859
Reber M.-Basel . . . 1818
Reber W. Philadelphia 1926
Reclus.2180
Reczey.1494
Redard . . 929, 2494, 2556
Redlich. 94, 930
Rodslob .1103
Rees.255
Refik.142
Regensburg.2713
Reh. 2110, 2431
Rehberg.1653
Rehfisch.1650
Rehm. 2037
Rehn H. 2436
Rehn E.-Freiburg 253, 575
Rehn E.-Königsborg 169,
927, 939, 2462
Rehn L.-Frankfurt 528, 837
Reibmayr. 31
Reich A.-Marburg 1140, 1141
Reich A.Tübingen . 2067
Reich M.-Wien ... 40
Reichardt.1668
Reiche 1407,1607,1829, 2166
2395
Reichel . . 205,407, 2036
Reichenstein .... 2331
Reicher.926
Reichmannn 1050,1293,2122
Reifferscheid . 930, 1805
Rein.1614
Reinach . 924, 1136, 1245,
1518, 2618
Reinecke F.-Göttingen 1652
Reinecke P.-Würzburg 102,
1907
Reiner 878, 879, 939, 2023,
2232
Reines . . 1091, 1610, 1750
I Reinhardt A.-Konstan-
tinopel .... 144, 928
; Reinhardt L.-Basol 810, 8056
j v. Reinbardstoettner . 675
| Reinbart . . . 2098, 2197
Reinmöller.1870
I Reis.1438
| Reiss-Tübingen 1614, 1668
i Rciss E Frankfurt 937,1854,
2662
Reiter . . 1497, 1607, 2071
Reitmann . 676, 677, 2174
Renner . . 408, 1198, 1487
Renon , . 739, 1053, 1765
v. Renvers. 90
Do Renzi.52 ’
Repetto.1556
Rethi. 415, 2654
Reti.1246
Rettig . . 775, 1046, 2437
Retzlaff. 624, 1154
v. Reuss A.-Wien 361, 1294,
, 1860, 2388
Reuss H.-Münehen . 826
| Reyo.817
v. Reyher.357
Heyn. 2283
I Reynier.212, 482
j Rhese.146
I Rheinboldt.1388
Rheiner .... 675, 873
Rhode. 2671
‘ Ribbert 31, 359, 816, 1908,
■ 2026, 2494, 2647
Ribera y Sans . . 199, 1499
Ricard. 260,1106
Richardson.1970
Richartz.1702
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Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
XXIV
I NHALT S-VER ZEICHN IS.
1909.
8eite
Richelot 108,212, 1669,2554
Riebet.1145
Richter-Dresden . . . 1248
Richter E.-Kiel 1807, 2450
Richter G.-Wölfels-
grund 578,1035, 1184
Richter P.-Berlin 985, 2066,
2189, 2242, 2289
Richter P.-Mariendorf 2232
Richter R.-Waldenburg 1909
Ridder. 2652
Riebes. . 1958
Rieck 559j 1046, 1552, 2186,
2604
Riecke E.-Leipzig . . 1744
Riecke M.-Hamburg . 1355
Riedeck.2183
Riedel-Strassburg . . 1856
Riedel A.-Rothenburg 1489
Riedel B.-Jena 197,8öl, 1292
Riedel 0.*Aachen . . 2071
Rieder . . 280, 725, 1087
Riedinger . 143, 588, 623,
1494, 2711
Riedl.357
Riegel. 636, 1102
Riehl. 23
Rieländer . . 86, 407, 1245,
1552, 1866, 1903,
2028,
2122, 2172
Riemer.
. 2070
Riese ......
. 2653
Rietschel 366, 1206,
1303,
2122, 2658
Rihl ... 32, 1550, 2238
v. Rihmer.298
Rille.1816
Rimann 411,760,1194,1511,
1906
Rimpau . . . 1295, 1843
v. Rindfleisch G. E. f 409
Rindfleisch G.-Weimar 31
Rindfleisch K.-Gera . 30
Rindfleisch W.-Stendal 408
881
Risch .... 1436, 1654
Risel W.-Leipzig . . 1568
Risel W.-Zwickau . . 2123
Rissmann . 35, 671, 1089,
1196, 1256, 2491, 2595
Rissom.826
v. Ritoök.1860
Ritter C.-Greifswald . 881
1495, 1608, 1968
Ritter-Hamburg . . . 2389
Ritter-Karlsbad . . . 1964
Ritter J.-Berlin . . . 539
Rivet. 629, 1053
Riwkind.1604
Robbers . . . 1444, 2037
Robbio.1439
Roberts. 41
Robertson.200
Robertson F.1981
Robertson J.1704
Robinson . . . 1703, 2536
Robson.1201
Roch4.572
Rock Carling .... 1200
Rodari . . 627, 1096, 2350
Rodella 198, 414, 1860, 2026,
2645
Rodenwaldt 626, 732, 827,
1758
Rodhain. 731
Rodler. 676, 1102
Roeder . 2493
Roehl. 152, 627
Röhl.1246
Röhmer . . . 32, 193, 1700
Römer A.-Stuttgart . 252
Römer P.-Greifswald . 466
1807, 2434, 2438
Römer P. H.-Marburg 87
423, 819, 984, 1496, 1606
1714, 2505, 2540, 2550
Roemheld.873
Seite
Röpke O.-Melsungen . 88
1139,1341,2281,2650,2709
Röpke W. K.-Jena 623, 833
Rösler.2713
Rösling. 2068
Rössle E.-Dresden . . 2349
Rössle R.-München 249,984,
2647
Roethig. 2278
Roger H.-Montpellier 1145,
1924, 2179
Roger-Paris. 2346
Rohde. 726, 2334
Roig-Raventös . 824, 1499
Rolleston H. P. 1925, 2027
Rolleston J. 1>. . . 731
Rolleston London . . 1980
Rollett.1515
Rollier.108
Rolly 32, 62, 725, 745, 1097,
1873, 2173
Romanelli.306
Romanowsky .... 1344
Rombach. 2600
v. Romberg 2082, 2189, 2194
Romeick .... 626, 2493
Römer .1753
Rommeier.1143
Romkes. 2601
Rona P.-Berlin . . . 2496
Röna V. S.-Pest ... 980
Rondini.1655
Rondorf. 2542
Rongier.468
Rono .1809
Ronzani.1553
Roos.1095
v. Rooy.1811
Rose-Halle. 1949
Rose C.-Heidelberg . 1247
Rose C.-Strassburg 1514, 2257
Rosenbach F. • Berlin 414,
1247
Rosenbach F. J.-Göt-
tingen. 1748
Rosonbach O. f Breslau 1487
Rosenbach 0 - Göttin¬
gen . 2237
Rosenberg E.-Neuenahr 2878
Rosen berg E.-Berlin . 635
Rosenberger A.-Pest . 2069
Rosenberger F. - Mün¬
chen .2120
Rosenblat . . . . 2521
Rosenfeld F.-Stuttgart 2430
Rosenfeld G.-Breslau 868,
989, 1197, 2175
Rosenfeld L.-Nümberg 144,
879
Rosenfeld M. - Strass¬
burg . . 835, 2396, 2493
Rosenfeld R.-Karlsbad 822
Rosenfeld W.-Wien 931,1609
Rosenhauch . . . .1574
Rosenhauer . 1920, 2394
Rosenhaupt. 2232
Hosenheim . . . 257, 985
Rosenmeyer . . . .1711
Rosenschein . 2123, 2446
RoBenstern 466, 871, 1294,
1966, 2240
Rosenthal C. 2230
Rosenthal A. Karlsbad 822
Rosen thal A.-München 2543
Rosenthal H.-Breslau . 2388
Rosenthal J.-Mtinchen 280
Rosenthal O.-Berlin . 2483
Rosenthal er. 2233
Rosin. 635, 728
Rosmanit.1343
Rosner. 29
Ross.483
Rossbach . 974, 2168, 2272
Rossi-Genua .... 1092
Rossi-Pavia.1716
Rossi-Pescia .... 2282
Rossi Doria.1293
Belte
Rossiter . . . .
733, 2236
Rost.
630, 2176
v. Rosthorn . .
415, 2193
Rostoski . 366,
408, 2448
Rotgans . . . .
. . 1811
Roth.
. . 855
Roth E.-Potsdam
193, 1034
Roth M.-Berlin .
935, 1250
Rothe . . . .
. . 1968
Rothberger 823, 1343, 2498
Rothmann 366, 2082, 2294
Rothschild-(Wildungen)-
Berlin.1097
Rothschild A.-Berlin 1437,
1807
Rothschild D.-Soden 734,
1198, 1692
de Rothschild - Paris 740,
1092, 1307
Rothschuh.1214
Rotter.1052
Roubinowitsch . . .1716
Rougthon . . . . 2233
Rousseau-Decelle . . 1053
Routh.732
Rouville.2555
Rovsing.1861
Rowly.1091
Rowntree . . . 1753, 1981
Royet.987
Rubel. 2332
Rubesch .... 482, 2328
Rubeska . . . 1806, 1965
Rubinato. 52
Rubino. . 2546
Rubner. 37, 2383
Rubritius . . . .481, 1856
v. Ruck ..... 1606
Ruckert.1437
Rudinger . 936, 1043, 1193
Rudisch. 2279
Rudnitzki ..... 1249
Rudolf.255
Rudsit.534
Rübel.775
Rübsamen.2712
Rücker. 2820
Rüder.476
Rüedi.986
Ruediger E.1342
v. Rüdiger-Rydygier A.
jun.-Lemberg ... 93
v. Ruediger - Rydygier
A. R.-Lemberg . . . 253
v. Rüdiger-Rydygier L.-
Leraberg . . 1657, 2489
Rühl-Dillenburg 1805, 2597
Rübl K.-Turin . . . 2647
Ruete. 718
Rütimeyer.771
Rtits. 36
v. Rütte.1657
Rüttermann.1909
Rüge. 666, 2172
Ruju.306
Rumpel .... 1404, 2395
Rumpf E. - Eberstein¬
berg .355
Rumpf Th.-Bonn . . 992
v. Rundstedt .... 782
Runge E.-Berlin . 822, 2121
Runge M.-Göttingen . 1701,
2591
Runge W.-Strassburg 1293,
1467
Runne. 2233
Ruppanner . 359, 861, 573
Rupprecht.1663
Ruprecht. 80
Russ. 2347
Russakoff.1553
Russow .. 920
Ruttin.1350
Ruttino.1440
Ruziöka. 2539
Ryall. 2548
v. Rzentkowski 1489, 2120
Seite Belte
S* Schäfer E. A. - Edin-
Saal. 1549 burgh.728
v. Saar 820, 821, 1858, 2328 Schäfer F.-München . 1664
Saathoff 1386, 1620, 1987, Schäfer H.-Wernige-
2041, 2262 rode.1554
Sabar4anu.1145 Schäfer P.-Kiel . . . 1087
v. Sabatowski .... 1700 Schaefer R. J.-Rem-
Sacconaghi.190 scheid. 2289
Sacharow .. 2334 Schäffer K.-Refsnäs 355, 417
Sachs E.-Berlin 1089, 1142, Schaeffer R.-Berlin 214, 404
Sachs H.-Frankfurt 421,2172, Schaly.2176
2529 Schall. 625, 2650
Sachs W.-Mühlhausen 573 Schamarin.1344
Sachs-Müke . . . 820, 1551 Schanz A.-Dresden 101, 143,
Sackur. 1301 927, 985, 1304, 1662
Sadger. 96 Schanz F.-Dresden 879,1198,
Saenger . 1354,1963, 2083 1505, 1711, 2025
Sahli. 487, 2429 Schapiro.1859
Saidac. 533, 1909 Schaiff-Berlin .... 2023
Saigo. 575 Scharff E.-Jena . . . 988
Saint-Giron.1145 Scharpff.359
Säinz. 1499 Schatz . 1293, 2075, 2121
Saizer. 1346 Schatzmann.2140
Sakurai. 2069 Schaumann.827
Sakurane. 676 Schauta F.-Pest . . . 2123
Salecker. 1087 Schauta F.-Wien 1808, 2128,
Salge. 1397 2136, 2178, 2192, 2491
v. Salle . 303 Schawlow.822
Salmon.1106 Scheel. 2654
Salo.. . 2540 Scheffen ..... . 2393
Salomon M. 467 Scheffzek .... * . 1750
Salomon-Wien . . . .1150 Scheib .... 2623, 2068
Saltykow624,1295,1553,2072 Scheibe 191, 352, 578, 1351,
Salus. 950, 2295 1549, 1649, 2648
Salzberger .... 2714 Scheibler. 2289
Salzer F.-München 1483)1687 Scheidemandel 8810, 2500
Salzer H.-Wien 739, 1701 Scheier . . 987, 1250, 2285
Salzwedel .... . 620 Schelble H.-Breslau . 1907
Samberger. 2233 Schelble H.-Freiburg . 196
Samojloff. 1948 Schelenz.985
Samson. 726 Schellack . . . 1295, 1296
Samter-Cbarlotlenburg 773 Scheltema.1810
Samter O. E. Königs- Schenck .... 388, 1917
berg.881 Schenk 1406, 1415, 2121,
Samuel .... 1609, 2330 2197, 2330
Sames. 2484 Schenker.174
Sandelonskv . . . 1854 Scherber .... 823, 2336
Sandmann . . . 587, 630 Schereschewsky 1091, 1608,
S&ndor ..... . 1860 2071
Sanfelice. 1979 Schern .... 1496, 2551
Sano. 2538 Scherschewer .... 2656
Di Santo. 1964 Scheuer 1091, 1199, 1276,
Sanz. 2181 1498,1609,1657,2233,2597
Sarason. 2232 Scheuermann .... 89
de Sard. 638 Scheurer.628
Sarrazin.2122 Scheven O.-Frankfurt 1711,
Sartorius .... 37, 1608 2448
Sarwey . .. 1504 v. Scheven E.-Kiel . 2026
Sato.2122 Schey. 2309
Sauerbeck 1701, 1748, 2279 Schick B.-Wien 372, 1193,
Sauerbruch 251, 411, 1492, 2289
2594, 2651 Schick R.-Wien . . . 1860
Saugmann. 2444 Schickele 140, 190, 250, 572,
Saul. 2609 667,1503, 1661,2172,2385
Saundby. 1704 Schidachi.631
Saunders.1911 Schieffer.193
Sauvö. 467 Schiefferdecker . . . 1547
Savage. 1925 Schiffer. 2499
Savill. 2547 Schiffmann.254
Savini E. 772 8childer . 1514, 2279, 2434
Savini-Casfano . 772, 928 j Schiller A.-Nürnbcrg . 1869
8avy .1751 Schiller V.-Wien . . 467
Saxl 146, 1150, 1516, 2072 Schilling Ch.731
Scaffidi. 2537 Schilling F.-Leipzig . 2176
Schabad J. A. St.Peters- Schilling Kl.-Berlin . 827
bürg 985, 1090,1193, 1489, Schilling R.-Freiburg . 2342
2334 Schilling Th.-Nümberg 1151,
Schabad T. O.-Wilna . 1250 1664
Schade 3, 816,867, 923, 1487, Schimmelpfennig . . 466
1548, 2117, 2123, 2171 Schindler H.-Berlin . 1389
Schäfer K. L.-Berlin 1349, Schindler K.-Berlin 631, 867,
2284 1968, 2121
Schäfer-Hamburg . . 252 Schippers.2174
Schäfer H. M. M.-Glad- Schirmer . . . 1497, 1652
bach .... 1140, 2375 Schirokauer . . . 466, 1654
Schäfer A.-Oberstein . 1091 Schirokogoroff . . . 671
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Original fram
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
INHALTS-VERZEICHNIS.
XXV
1909 .
Seite
Schittenhelm 868, 1600, 1604,
2587, 2638
Schladebach .... 2124
Schläfli. 93, 670
Schlagenhaufer . . . 2122
Schiatter. 33
Schlayer 686,687,2184, 1201
Schlecht 674, 771, 978, 1488
Schleich.839
Schloip .... 1853, 2344
Schleissner.891
Schlenzka .1392
Schlesinger A. . . . 357
Schlesinger-Wien . . 2454
Schlesinger E.-Berlin 1090,
1908
Schlesinger E. - Nürn¬
berg . 47
Schlesinger E. • Strass¬
barg .924
Schlesinger H.-Frank-
furt. 2592
Schlesinger H.-Wien 211,
316, 372, 1212, 1514
Schlesinger O.-Berlin . 688
Schlichting.2712
Schlimpert 779, 1505, 1749,
2101
Schlippe P.-Dresden . 420
Schlippe P. L.- Darm¬
statt .1553
Schlockow.1497
Schloffer . . 2074, 2191
Schlossmann A. - Düs¬
seldorf 808, 466, 990, 2185
Schlossmann H.-Leip-
zig.575
Schlub. 2024
Schlüter O. F.-Stettin . 35
Schlüter R.-Magdebarg 1745
Schmeichler . . i498, 2437
Schmey .
Schmid . .
Schmidt
Schmidt H,
Schmidt Altona
2124
. . 1806
631, 676
. . 1549
. . 2395
Schmidt A.-Altona . . 942
Schmidt A.-Halle 734, 1353,
1026. 1813, 2120, 2658
Schmidt E. - Frankfurt 762,
2594
Schmidt H. E.-Berlin 197,
530, 1342, 1699,1968
Schmidt J.E.Würzburg 739,
983, 1803. 2543
Schmidt M.- Frankfurt 1602
Schmidt M. B.-Zürich 2228
Schmidt P. - Leipzig 1197,
1495, 1855, 2495
Schmidt-Bäumler . . 365
Schmidt-Nielsen . . . 2497
Schmid t-Rimpler 1046, 1680
Schmidtlechner . . . 2136
SchmiedenV.-Berlin 879,930,
2591
Schmieden V.-Frank-
fart.1747
Schmiedt.1510
Schmiedicke .... 831
Schmilinsky .... 2345
Schmincke A. * Würz¬
barg . . 30, 1199, 1553 |
Schmincke R.-Rapallo 29 j
Schmitt A.-München . 1869
Schmitt F. - Prichsen- j
atadt. 790 !
Schmitz E.-Düsseldorf 1747 i
Schmitz H.H.-Rheinberg 616
Schmorl 352, 678, 779, 829
1256
Schnackers. 2279
Schnaudigl.1863
Schnee.1745
Schneidemühl .... 1148 ,
Schneider H. 542 1
Schneider C.-Brückenau 931
Schneider G. E.-Lyon 1145
Schneider H.-Hamburg 804
8eite
Schneider H.-Leipzig . 1869
Schneider R.-München 1496
Schnirer.141
Schnitter.1969
Schnitzer.1140
Schnitzler . . 2133, 2667
Scbnöller.1781
Schnütgen . 38, 197, 1449
Schobert.1488
Schüler. 2650
Schoemaker 466, 819, 881,
1811
Schönberg.359
Schönbom.1043
Schöndorff . . 1603, 1651
Schöne (Jhr.-Berlin 1198,2696
Schöne H.-Marburg . 620,
2388
Schoenemann .... 1395
Schöner .... 480, 2069
Schönfeld-Gent . . . 307
Schönfeld A.-Brünn . 94
Schönfeld R.-Schöne¬
berg .674
Schönheim.302
Schönholzer.1143
Schönwerth . . . 211, 1497
Schöppler 1650, 2119, 2488
Schöppner.1086
Selioetz. 2608
Schofield.1979
Scholl. 522. 768
Scholtz.677
Scholz F.-Berlin 215, 1855,
1856
Scholz W.-Graz . . . 530
Schomerus . • . . . 182
Schonnefeld .... 2293
Schopper.1034
Schott.1327
Schottelius E-Höchßt 1150
SchotteliusM.-Freiburg 191,
2139
Schour. 2338
Schramek . . . 414, 2891
Schramm. 2233
Schrank.855
Schrccker. 2542
Schredl.1200
Schreiber A.-Augsburg 1963,
2342
8chreiber E.-Magde¬
burg . . 587, 1568, 1697
Schreiber E.-Rodheim 2632
8chreiber J.-Königs¬
berg . 777, 1903
Schridde. 2228
Schröder . . . 2445, 2446
Schröder E.-Altona 36, 1813
Schröder E.-Berlin . . 1391
Schröder G .-Schömberg 88,
464, 1032, 1340, 1905
Schröder R.-Kopen-
hagen.1861
Schröder R.-Rostock . 2182
Schroner.1904
Schrottenbach .... 1603
Schrumpf . . . 704, 1431
Schuhart.2122
Schuberg. 2696
Schfteking. 92
Schüffner.384
Schülo .... 465, 2277
Schüler.1702
Schüller . . . 1555, 2083
Schümann . . . 479, 1994
Schüpbach.1605
Schürmann. 822
Schürmayer .... 942
Schütte..2175
Schütz.676
Schütz J. 94, 2087
Schütz-Jena.681
Schütz A.-Pest 145,530, 1438
Schütz E.-Wien 361, 1437
Schütz J.-Wien . . 1554
Schütz R.-Wiesbaden 1151,
1083
Beile
Schütze A.-Berlin 89, 1491
1865, 2544
Schulte E. K.-Fulda . 1035
Schulte P.-Gicsson . . 2028
Schulthess.143
Schultz E.-Davos . . . 1969
Schultz J. H.-Frankfurt
773, 1628, 2112
Schultz O.-Hannovcr . 1538
8chultz R.-Berlin . . . 1607
Schultz W.-Charlotten¬
burg 726, 1517, 2025
Schultz W.-Porto-Alegre
1090, I486
Schultze B. C.-Jena 407,2329
Schultze-Berlin . . . 2651
Sehultzo E.-Berlin . . 357
Schultze E-Greifswald 772,
2231
Schultze F.-Duisburg 143,
879
8chultze F. E. O.-Frank-
furt.1603
Schultze O.-Würzburg 463
Schultze W. H.-Göttin-
gen ... 167, 671, 984
Schulz H.-Breslau 195, 1883
Schum ...... 1394
Schumacher-Neu-
kirchen . . . 1550, 1551
Schum acherE.D.-Zürich 33,
85, 93, 1551, 1656
Schumacher G.-Giessen 97
Schumacher G. - Kiel 2390,
2664
Schümm 618, 1508, 1878,
2064
Schupfer.1092
8chur. 2495
Schurig.612
Schurupow.873
Schuster H.-Hohen-
honnef.670
Schuster J.-München 250
818, 981
Schuster P.-Frankfurt 1711
Schuster R.-Aachen 776, 825
Schutt.933
Schwab-Berlin . . 873,1802,
1920 2591
Schwab M.-Nürnberg . 686,
1977 2610
Schwabach.1036
Schwär.632
Schwalbach. 90
Schwalbe E.-RoBtock . 1291,
1748, 2228, 2229, 2600
Schwalbe J.-Berlin . . 1297,
1433, 1497, 1802
Schwartz A.-Paris . . 2180
Schwartz O.-Köln . . 1388
Schwartze H-Halle . 1067,
1162
Schwarz-Berlin . . . 942
Schwarz A.-Essen . . 89
Schwarz E.-Tübingen . 1141
Schwarz G.- Wien 1217,2545,
2579
Schwarz K.-Wien . . 2637
Schwarz O.-Wien 578,1808,
2544
Schwarzwald 198,1554, 2604
Schweiger.1806
Schweissinger .... 254
Schweizer.1346
Schwiening . . 2064, 2271
Schwenk ...... 728
Schwenkenbocher . . 2665
Schwersenski .... 894
Scipiados 358, 1854, 2136
Scripturo. 2476
Scurfield ..... 1980
Sebba M.-Guben . . . 2330 !
Sebba M.-Rostock . . 47U
S^bileau.1571
Seddig.2161
Seefelder.1101
Seefisch . 142, 1908, 2232
Belte
Seelig. 300, 1705
Seeligmann 1404,1747,2197
Seemann.821
Soggel K.-Münchon 31, 141,
722
Seggel R.-Gcestemündo 620
Segond.2193
Scibort.1834
Seidel . . 881, 1500, 1709
Seidelin H.-Mörida . 984
Soidelin H.-O'Horan . 1084
Seifert H.-Dresden . . 1205
Seifert O.-Würzburg . 1657
Seiffert-Kamerun . . 2318
Seiffert G.-Frankfurt 131,
1748
Seigo.680
Seiler.1969
Seitz C.-München . . 1083
Seitz J.-Ztirich .... 873
Seitz L.-München 1503,1859,
1869, 2023, 2188, 2488
Selberg.1609
Seldowitsch . . 1252, 1701
Selenew.876
Selig A.-Franzonsbad 1053,
1198
Selig L.-Franzensbad . 785
Seligmann.1296
v. Seliwa. 2280
Selloi . . 1860, 1909, 2331
Seilheim 358,773,1142, 1196
1291,1503,1822,1886,1965,
2023,2074,2136,2138,2177,
2192, 2711
Selter.1497
Semeleder.2128
Semon.38, 2121
Sempel. 2598
Senator H.-Berlin 1192, 1449
2032, 2119
Senator M.-Berlin 297, 1602
Senccrt. 2555
Senftleben.197
Senger.631
Seo.2712
Sergent Ed. 468, 469, 1753
Sergent Et.469
Sermann.573
Sertoli.1247
Seydel.2118
Shattock .... 787, 2547
Sherrington.1981
8himodaira.728
Shiota . . 301, 1702, 2498
Shitkow.1345
Shukowsky. 2486
Shuttleworth .... 1979
Sicard.1054
Sichel. 2386
v. Sicherer . . ... 8767
Sick C.-Hamburg . . 1046
Sick P.-Leipzig .410, 2022
2490
Sidebotham.483
Siding. 578, 826
Siebeck R.-Heidelberg 1922
2173, 2712
Siebeck R.-Kopenhagen 1650
Siebelt.777
Siebenmann .... 1446
Sieber H.-Marburg 302, 560,
670, 1196
Sieber N.-St. Petersburg 2497
Sichert O.-Breslau 894, 2235
Siebort F.-München 638, 694
1030, 8489
Siedler.410
Siofart. 2544
Sieg. . 877
Siegel E.-Frankfurt . 341
8iegel W.-Reichenhall 986
Siegert F.-Köln 1666, 2185
Siegert W.1198
Siegheim. 2390
Sicgmuod ... 93, 578
Siegrist.1656
Siemerling . . 93, 772
8eite
Sierra.824
Sieur.483
Sieveking. 2661
Sievers . . 142, 1511, 2594
Sigurta.1707
Sigwart 464, 628, 870, 1188
2069
v. Siklossy ..... 2338
Silberberg.820
Silbergleit.1392
Silbermann. 92
Silberschmidt .... 2603
Silberstern.531
Silvestri . . 628, 1809, 2546
Simionescn.1144
Simon F.-Berlin ... 98
Simon L.-Mannheim .8864
Simon M.-Nürnberg 47, 1920
Simon W. V.-Freiburg 1748
Simmonds . 207, 680, 727,
947, 948, 1207,1920, 2228,
2663
Simonelli.1439
Simonini.806
Simons. 2589
Simpson. 2236
Sinclair Th.1703
Sinclair W. J.416
Singer.39, 2188
Sjövall.774
Sippel.1618
Sitsen.1811
Sittler 346, 425, 1903, 8766
Sitzenfroy 1436, 1607, 2069
Sivrd.1605
Skalier. 2397, 2596
Skelton.200
Skrypta.876
Slava.1605
Sleeswyk .... 39, 2600
Slingenberg.465
Sliwinski.1750
Sluka . . 1678, 1700, 2239
Smirnow.1345
Smith B.1980
Smith L.1981
Smith W. A. ... . 1704
Smith W. G. 40
Smith-Wien.529
Smith H.-J.-Rotterdam 1605
Smith M.-London . . 1981
Smith T.-Boston . . . 255
Smitt W.-Dresden . . 2073
Smoler. 2331
Snell .... 573, 722, 770
Sobemheim 987, 1556, 2603
Sobotka.676
Sobotta 86, 141, 191, 344,
352, 407, 463, 666, 1192,
1244, 1547, 1602, 2021,
2429, 2536
Sochaczewski .... 2436
Sodemann.1807
Söldner.1508
Sörensen . 1295, 2283, 2496
Soetbeer.938
Sofoteroff.928
v. Sohlern. 8487
Sohma.1603
v. Sokolowski . 2231, 2389
Solaro. 2491
Solbrig. 193, 1551
Solger. 2336
Solms . 155, 1869
v. Solowzolf.1489
Sommer-Wien ... 882
Sommer E.-Zürich . . 1856
Sommer J. H.-Zwickau 1702
Sommer R.-Giessen . 1560
Sommerfeld P. . 574, 2436
Sommerfeld B.-Borlin . 8876
Somogyi. 2434
Sondern.1973
Sonnenberg.1714
Sonnenburg 619, 2193,2244,
2489
Sonnen feld.822
Sonnenschein .... 2542
Digitized b"
■f Google
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1009.
XXVI
INHALTSVERZEICHNIS.
Soito J Seite Seite
Sonntag. 778 j Stertz. 822 Stampf L.-München . 2635
Soardat .1145 ! Sterzing. 2330 Stampf R.-Stuttgart . 33
Southam. 2599 Steshinsky. 1942 Stnrmdorf.1093
Souttar. 1925 Steudel. 827 Stursberg .... 563, 1667
Sowinski. 676 ! Stowart A. W. ... 867 Sudcck. 837, 1848
Soyesima . . . .251, 1804 Stewart P. 1925 Sudhoff 1542, 1568,2242,
Spaet-Fürth . . . 215, 863 Stheoman. 1414 2289
Spaeth F.-Hamburg . 1089 Stiassnv .... 772, 1032 Süpfle.252
Spannaus .... 194, 1746 Stich ’. . . 251, 411, 1494 Suess.2127
Spassokukotzky . . . 2435 ] Stickdorn. 2028 Siissenguth 472, 1497, 2389
Spelta. 1555 ; Stichel. 209 Sugai. 2335
Spencer C. G. 2235 Sticker A.-Berlin . . 2568 Sandin.464
Spencer W. G.-London 2347 , Sticker G.-Bonn . . . 2126 I Sunthcim.1813
Spengler . . . 1855, 2653 : Sticker G.-Giessen . . 667 | v. Sury.531
Speransky-Bachmetew 929 Stieda A.-Halle 1046, 2074 Sutherland. 2347
Seite
Thies ... 92, 1605, 1805
Thilenius-Frankfurt . 943
Thilenius O.-Soden . 1391
Thiroux.1753
Thüle .1807
Seite
I Treplin.254
Treub. 2600
Treupel 93, 1594, 2195, 2404,
2494.
Treutlein.575
Thorna E.-Ulenau . . 2230 Treves.1200
Thoma G.-Hamburg . 2025 I Triepel.191
Thorna R.-IIeidelberg 1493, Triepler. 2067
2388 j Trömner.1404
Thomas W. Th. ... 41 Troitzky. 2492
Thomaß K.-Berlin . . 2538 Trommsdorff . . 2176, 2604
Thom4.1192 v. Trotsenburg . . , . 1810
Thompson . . . 362, 1925 ; Truffi .1555
Thoins. 54, 409 I Trumpp 46, 259, 480, 1487,
Thomsen-Kiel .... 1655 2145 , 2422 , 2492
Spicer.1981 Stieda A.-Königsberg 300,
Spick.1145 ' 878, 1656, 2654
Spiegler . •. 94 Stiefler.361, 1092
Spieler. 2239 Stierlin.672
Spielmeyer . . 1254, 1901 Stilling. 818, 2630
Spiess. 1258 Stintzing 924, 980, 1049,
Spiethoff . . 632, 676, 833 1050, 1853, 2430
Spüler.1911 Stock.1564
Spiro-Rostock .... 1735 Stöcker .... 1057, 2391
Spiro K.-Strassburg . 1070 Stockhausen 1198, 1505,
Spischarny. 726 2025
Spitta. 1496 v. Stockum.251
Spitzy. 878, 2190 Stodel.1486
Sprecher. 2336 Stoeber. 199, 1199
Sprenger .... 727, 1034 Stoeckel 196, 210, 782, 783,
Spriggs E. J. . . 1969, 2598 934,1196, 1208, 1714,1865,
Spriggs N. J. 672 1866
Springer. 1343 Stoerk . . 481, 1297, 2182
Squire . .573, 2233, 2547 Stoffel. 854, 928
Ssizemsky.1195 Stokvis. 2070
Stade. 984, 2203 Stolkind.574
Stadelmann ... 38, 1097 Stoll. 2280
Stadler. 682, 2711 Stolper.2129
Staehelin .... 540, 1096 Stolz 34, 1495, 1701, 1805,
Stähler. 2651 2175
Stäubli . . 325, 1341, 2597 Stolze.1549
Stamm. 2436 Stopßzanski. 2445
Stammler. 1964 Story.1980
Stänculeanu . . 1909, 2440 Stransky.932
Stanton.1201 Straßburger . . . 992, 2279
v. Starck.1051 Strasser A.-Wien 407, 873,
Stargardt .... 153, 1764 1515
Starkenstein .... 2668 Strasser H.-Bern . . . 852
Starkiewicz. 1750 Strassmann 36,303,936,2591
Staude. 738 Strassner.2711
v. Stauffenberg . . . 772 Stratz ..... 1906, 2595
8tegmann. 943 Straub H-Tübingen . 1904
Stehlik. 1385 Straub M.*Holland . . 1810
Stein. 1359 Straub W.-Freiburg . 493
Stein P.-Nauheim . . 1849 Strauch.742
Steinach. 1604 8trauss A.-Barmen 93, 1599
Steinberg.931 Strauss E.-Frankfurt 936,
8teiner . .418 1854
Steiner F.-Triest . . . 1498 Strauss H.-Berlin 201, 253,
Steiner L.-Leipzig 1488, 1742 , 776, 894, 1300, 2134
2712 Strauss M.-Nürnberg 107,
8teiner P.-Pest . 928, 1195 1569, 2037, 2086
Steiner V.-Wien . . . 250 Strehl.529
Steinert . 1806, 1939, 2594 Streissler.1435
Steinhäuser. 630 Strelitz. 2596
Steinhardt. 1665 Strelkow.1345
Steinhaus .... 721, 2655 Streng.1295
Steinitz. 2197 Stritt.576
Steinmann . . . 939, 1701 Stroganoff.1907
Steinthal . . . 2119, 2191 Strobel. 2553
v. Stejskal 1091, 1657, 2653 Strohe . . . 89, 1976, 2541
Stenger. 1549 Strubell 150, 257. 414, 872,
Stenhouso. 1981 1095, 1152, 1702, 8524
v. Stenitzer. 2232 v. Strümpell . . . 464, 1514
Stenzcl ;. 2491 Strunk. 2279
Stephenson. 1252 v. Stubenrauch 1761,1782.
Stempel.9 >8 1867
Stern M. 876 Stüber.1252
Stern C.-Düsseldorf . 1250 Stuckey.529
Stern H.-Wien . . . 2239 Studzinsky.1700
Stern K.-Borlin . . . 1968 v. Sttihlern . . 1346, 2332
Stern R.-Wien .... 729 Stühmer ... 1714, 1908
Sternberg C.-Brtinn . 2228 Stümpke . 303, 2335, 2664
Stemberg M.-Wien . 2081 Stürmer. 93
Sternberg W.-Berlin 39, 985, Stuhl.1342
1086, 1194, 1748, 2072, Stukowa.873
2230. 2496 Stumme. 2437
Sutton. 730, 2599 Thomson O.-Kopen- Trunk ....... 464
Suzuki. 413, 1908 j hagen 727, 1297, 1298, Trutie de Vaucresson 2180
Svelda. 1747 2283, 2437 Tschernogubow 628,
Swellengrebel .... 1747 Thomson A. 1703 872, 2123
Sylla.791 Thomson H. II. . . . 674 Tschernow.871
Symanski. 1034 Thomson G.-Odessa . 1346 Tschirsch.1030
Syme W. S. 1970 Thomson H.-Odessa . 1701 Tschmarko. 89
Syme-Melbourne . . . 1925 Thorei 47, 890, 2159 , 2666 Tschumakow .... 2334
Syrenskv. 2333 Thorn. 772, 2121 Tsuchiya 671, 925,926, 1699
Szabo .2137 Thorspeeken .... 1035 Tsuda. 39, 2652
v. Szaboky 464, 670, 1139, Thür. 1499 Tsunoda 94, 575, 1437, 1748
1140 Thulin. 2538 Tubby.730
Szili. 2080 Thumim. 635 Tucmann. 2233
Szurek. 2233 v. Thun. 1860 Tuftier . . 260, 1669, 2555
Szymonowicz .... 84 Tiecho. 675, 676 Tugendreich 627, 2492, 2494
Tiedemann.1‘247 Turan .... 1973, 2329
T. Tiefenthal. 657 Turmann . . . ! 1532
Tiegel . 1746, 2328, 2369 Turner A. J.1970
v. Tabora . . . 993, 2611 v. Tienonhausen 2119, 2388 Turner G. R. 2548
Tabrega.198 Tietze . . 465, 633, 1804 Turner H.-St. Peters-
Tacher. 1904 Tigerstedt ... 666, 2537 bürg. 92
Taege 714, 758, 1184,2233, Tilunus. 2556 Turnowsky .... 1554
2342 Tilemann. 464 Turro. 823, 824
Takayasu 573, 1086, Tilley. 1754 Tuschinsky.1345
2184, 2201 Tillisch. 2654 Tweedy.1925
Takuschima .... 88 Tillv. 2547 Tvrmann.1248
Tamasia. 305 Tillmann ..... .1610
Tanaka.631 Tilmann 674, 938, 1356, 1667
Tandler . 1803 Timofeew.2712
Tangl. 1653 Tinschert. 2072 U.
Tanton. 1706 Tintemann.1472
Tarabini.1092 Tischler.461 Uchermann.1862
Taschenberg .... 1649 Titi . 2237 Uffenheimer 572, 59S< 1853,
Tatchell. 1200 Tjusi. 1859 1869, 1903, 2288, 2471
Taussig. 1548 Tobias . . 776, 2123, 2438 Ugdulena.1090
Tausch . . . . 2103, 2142 Tobiesen. 1860 Uhl.827
Tauszk. 1972 Tobler.2186 Uhlenhuth 577, 1296, 1300,
Tavel.2190 Tobraszek. 2596 1855,2071,2230,2550,2551,
Tavlor F. E. 1753 Todd 362, 1754 2602
Taylor W. 1754 i Többen . 37, 666 Uhlich.1856
Tecklenburg. 338 Tokuoka. 88 Uhlig.2127
Tedeschi. 624 i Tollens . . 104, 652, 2538 Uibeleisen. 2230
Tedesko . . 936, 1498, 1571 ; Tomaschcwski ... 38 Ulbrich .... 837, 1407
Teeei Kurashige . . . 355 ! Tomaschny. 2231 Ulesko-Stroganoff . . 1293
Tegela ....... 1740 Tomasclli. 2282 Ullmann .... 407, 1860
Teissier. 304 ! Tomkinson. 1979 Ulrich A.-Zürich . . . 2493
Teleky .... 1212, 2711 Tomor. 2391 Ulrich O.-Erfurt . . . 1244
Tendelno. 88 ; Toniatti .146 Ulzor B.1902
Tennenbaum ... . 771 v. Tordav . 1860 Ulzer F.1902
Teppaz. 1753 Torikata'.1195 Umber . . 475, 1259, 1355
Terlinck. 2656 Torkel. 1805 Ungar-Bonn.778
Teschner. 2083 ; Tornai.2178 Ungar E.-Bonn . . . 1495
Teske . 464, 2232 i T.'.th. 2081 Ungar G. R.-Bonn . . 1967
Teuffel ...... . 929 ; Toyosumi 1197, 1199, 2652 Unger-Breslau .... 1907
Thaler . . 1142, 1342, 1445 Trancü Rainer .... 2439 Unger E.-Berlin 303, 372,
Than. 1574 Trapet. 772 938, 950
Thayer.2189 Trautmann-Berlin 826, 2335 Ungermann . . . . 671
Theile. 89 | Trautmann A.-Leipzig 1371 Unna .1085
TheilhaberA.-München 1143, j Trautmann G.-München 561, Unterberg.2134
1272, 1293. 1548 634, 682, 1620 Unterberger R.-Königs-
Theilhaber M. 889 Trautmann H.-Ham- berg.1907
Theiß . 2238 bürg. 233 Unterberger F.-Rostock 821
Theodor . . . 1342, 2436 j Trautwein. 2038 Unverrieht.152
Theodorow.671 ! Trawinski. 2336 Urban.2124
Thiel. 2541 ! Trebing . . 38, 1607, 1856 Urbantschitsch 1352, 2451,
Thielen .671 j Trebitsch. 677 2667
Thiemann 833, 942, 1305, Treibmann. 1250 Urie.201
1685 Trembur .... 87, 2435 Urstein.1650
Thiemich . . . 1663, 2287 i Trendelenburg H.-Leip- Ury . 302, 1389
Thierfelder. 37 | zig 478, 1963 Uthmöller. 2070
Thiergen. 1488 j Trendelenburg W.-Frei- Utzmann.1144
Thiersch.1563 bürg . . 1255, 1653, 2536 Uyeda.877
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Original frorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS
XXVII
Scito
V.
Yaillard.1669
Yalagussa .... 306, 2437
v. Valenta.1654
Yalenti.1441
van der Valk .... 677
van Valkenburg . . . 2600
Val Ion.2316
Vahlde.1669
Vanvcrts. 2554
Vaquez.1307
Vargas C.1034
Yargas M.824
Varney. 2399
Varnier.572
Vas.1860
de Yasconcellos . . .1146
Vasilescu.1392
Vasiliu.360
Vaucher .... . 2179
Vav. 39
Vedeler.469
dalla Vedova .... 870
Vehling-Hamburg . . 2389
Vebling-Edmundstai . 38
Veiel F.-Cannstatt . . 826
Veiel E.-Tübingen . . 2158
Veiel K. Th.-Stuttgart-
Cann8tadt . . . . 2411
Yeis.474
Veit O. Köln .... 573
Veit J. Halle 85, 111, 301,
311,15n3, 1902, 2281, 2494
van de Velde . . 929,1091,
1*248, 1443, 2122
van den Velden . . . 937
von den Velden Fr.-
Frankfurt. 820
von den Velden R.-
Düsseldorf 360,1667,1821
von den Velden R.-
Marburg. 241
Vclhagen . . . 1205, 1564
Velobra.305
Venus. 95
Seite
Vogel K.-Dortmund . 869
Vogel R.-Wien . . . 2232
v. Vogl A. 1192, 1853, 2066,
2030
Vogt-Frankfurt . . . 2024
Vogt E.-Dresden 1294, 1965
Vogt E -Frankfurt . . 1849
Vogt H.-Breslau 1436, 1654
Vogt H.-Frankfurt 808, 1258,
2544, 2591
Vogt H.-London . . . 2497
Voigt A.300
Voigt J.-Göttingen 27, 252,
1294, 1431
Voigt L -Hamburg 2026,2395
Voit F.-Giessen . . . 1559
Voit W.-Nörnbeig 927, 1715,
1819
Volhard .... 937, 2174
Volk.630
Volland.1860
Vollbrecht . . . . 2511
Volpino. 2270
Volterrani.1092
Vorberg.486
Vorschütz . 143, 1864, 2542
Voss A. 2284
Voss G.-St. Petersburg 722
Voss M.-Halle . . 679, 1565
Voss O.-Frankfurt 579,1258,
1350, 1352, 1862
Vossius . . 145, 1391, 1559
Vos winkel.1505
Vozarik. 2437
De Vries-Roilingh . . 86
Valpius 1006 , 1497, 1887 ,
2071, 2231, 2491
W.
Seite
Wassermeyer . . 360, 1655
Wasserthal.872
Wassiliew.529
Waterhouse. 2027
Watermann.1605
Wauer. 2169
Waugh .... 1201, 1971
WeberMünchen . . .2711
Weber A.-Giessen 193, 1087,
1904
Weber E-Berlin 1651, 1653
Weber F.-München 2174,
2711
Weber L. W.-Göttingcn 191,
1824
Weber P. F.-London . 1140
Weber W. -Dresden 1493,
1617
Wechsberg. 94
Wechselmann 631,872,1656,
1750, 2434
Wedekind.426
Wedensky.1603
Wegole.2710
Wcgelin C.-Berlin . . 2494
Wegelin R.-Bern . . 359
Wehner.1033
Webrli. 2650
Wehrlin.1656
Wehrsig .... 872, 1644
Weibel.92
Woichardt 666, 980, 1744,
1749, 2121, 2430
Weicker. 2281
Weidanz O.-Berlin 577,1296,
1967
Weidanz O.-Bremen . 1296
Weidenbaum .... 777
Weigel.315, 785
i Weigelin.1157
! Weigert.1198
' Weih. 2491
Wachenfeld ..... 825 j Weihrauch . . 1832 , 1905
Wacher. 254 Weil E.-Berlin . . 90, 2549
Wada. 1390 ! Weil E.-Prag 1516,1553,2652
Wadholz. 2280 Weil F.-St. Blasien . 2474
Wächter. 1854 Weil J.-Wien .... 2597
Verderau y Sola . . . 824
Verliac.1765
Verotti. 2335
Verploegh.1652
v. Verres.676
Vers6 684. 681, 2594, 2665
Versmann. 2661
Vörtes.1089
zur Verth 141, 200, 464, 722,
771, 828, 928, 2067, 2172,
2276
Yerworn. 2026
Yerzar F.-Pest .... 2538
Wrzar F.-Tübingen . 2539
Yetlesen .469
Vetter v. d. Lilie . . . 2438
Veyraasat.1145
Yiana.1143
Vidal. 83 » 1656
Yideky.1438
Viedobach .... 1861
Yiedenz. 2493
Vierec k. 152, 2280
Vierordt.141
Yignolo-Lutati . 631, 2336
Yilliger.1602
Vincent B.254
Vincent H.-Paris 469, 1262,
1924, 2668
Vincenzi.1295
Yisentini. 2389
Yitry.1750
Vocke.1614
Yoeleker . . . . 153, 1492
Voogtlin.1035
Ynlcker . 43, 837, 926, 1814
Volker.489
V« lisch.888
Vültz.1604
Vörner . . 632, 718 , 1488
Vogel G.-Aacben . . 180
Waelach 676, 690, 880, 1437, Weil S.-Breslau . . . 1746
1923 Weill. 2180, 2656
Wagner R.-Sehwanberg 1909 Weill-Halte B. . . . 1670
Wagner L.-Berlin . . 145 Weinberg W.300
Wagner v. Jauregg . 2654 , Weinberg-Paris . . .2182
Wahl . 684, 2127 Weinberg M.-Berlin . 2494
Wahle-Kissingen . . 2296 Weinberg Stuttgart . . 2595
Wahle R. - Czernowitz 254 Weinberger.2217
Wahrer. 255 Weinbrenncr . 1663, 2223
Waibel R. 2488 Weindler.1965
Walb . 145, 470 Weineck .1707
Wal bum. 2283 Weingärtner . 1096, 1565
Waiden ström .... 623 Wcinhold. 2070
Waldmann.153 Weinland . . . 1651, 2496
Waldow. 2235 Weinstein.2123
Walker A. N. . . 41, 1030 Weintraud.1111
Walker 0. E. 96 { Weishaupt.1906
Walkhoff.191 j Weiss-Hamburg . . . 1154
Walko. 786 ! Woiss S.-Hamburg . . 2177
Wallace. 96, 730 Weiss F.-Pest . . 936, 1858
Wallart.251, H42 Weiss L.-IIamburg443, 476,
Wallich. 1718 538, 2123
Wallis. 673 ! Weiss S.-Froiburg 35, 363
Walter-Hamburg. . . 882 Weiss-Eder . . . .*.1555
Walter E.-Greifswald . 1656 1 Wrissenberg . 671, 2175
Walthard 39, 1441, 1998, | Weisswange . . . 366, 389
2197 ! Weisz .... 300, 1392
Walther-Paris . 2193, 2245 Weitbrecht.410
Walther H.-Giessen 1142, Weitlaner.2183
1256 Weitz.1086
Walz. 625 Welander 630, 1610, 2334,
Walzow. 2334 2335
Wandel . . 209, 1100, 1101 Woldert ..... 2291
Wanner .... 486, 579 Welcminsky .... 1199
Warburg F.-Köln . . 2911 Welge. 773, 1249
WarburgO.-IIeidelberg 2495 Welker.1911
Warden . . . 1971, 2599 Wells.1035
Warnekros. 1448 Welponer.3<)2
Warren. 2548 j Welsch.365
Waschowsky .... 875 Weltzer.1097
Wassermann .... 847 ! Wenckebach 528, 1810,2190
I
Seit* Sette
Wendel.2175 Williams T. A. 1093, 1911
Wendelstadt .... 38 Williams W. R. . . . 1699
Werbitzki W.-Berlin 1197, Williams J H.-Washing-
1553, 1747 ton.1925
Werbitzki F.W.-Peters- Williams J. W.-Balti-
bnrg.1491 more. 256, 1035
v. Werdt. 359 Williams O. T.-Liver-
Weressajew. 86 pool .... 41, 212
Wercszcagina .... 873 Williams W.-Bristol . 1978
Werndorff . 137, 143, 1609 Williamson . . . 731, 2116
Werner Marburg . . . 1865 Wilmanns.1255
Werner G -Frankfurt . 1092 Wilms 410, 526, 1842, 1746,
Werner li.-Heidelberg 819, 2073, 2276, 2490
828 Wilson-Belfast .... 1981
Werner-Rosenthal . . 2549 Wilson-Birmingham . 1925
Wernitz 1142, 1701, 2024, Wilson R.-Sheflield . 1658
2388 Wiman. 774, 825
Werth . . 821, 2277, 2329 Wimmer .... 67l, 1806
Wertheim-Wien 934, 2070, v. Winckel.1190
2192 Winckel 86, 409, 1030,1139,
Wertheim A.-Warschau 928 2233
Werther ... 420, 473 Winckler-Bremen . . L395
Wessely . 688, 1405, 8249 Winckler R.-Berlin . 727
v. Westenrijk .... 86 Winckler V.-Breslau . 582
Westerlund. 2495 Windscheid. 2493
Westphal . 91, 1296, 1655 v. Winiwarter .... 1750
Werterer.140 Winkelmann .... 1804
Wettstein . . . . 412, 531 Winkler .... 631, 2335
Wetzeft. 800 Winkler C. . . 1810, 1811
Wexel.791 Winkler F.-Wien . .2331
Weyert. 649 Winogradow W. . . . 2334
Weygandt 620, 1404,2491, Winogradow A. P.-
2591 Odessa.1605
Weyl.196 Winter-Bad Reichen-
White S. 673 hall.2185
White W. H. . 1969, 2599 Winter G-Königsberg 1442,
Whitmann. 2491 2138
Wicherkiewicz . . . 1555 Winterberg.1342
Wiehern. 11 Winternitz . . . 825, 1927
Wichmann . 142, 947,1154, Winterititz-Halle . . . 2183
2606 Winternitz W.-Wien . 2451
Wiek. 146, 2239 Wirth-Frankfurt . 992, 1353
Wickam .... 212, 1752 Wirth K.-Wien . 198, 372,
Wickham . . . 1669, 1979 415
WickhoflE. 94 Wirths M.819
Wickline. 733 Wirz-Mühlheim . . . 1671
Wiczkowski.931 Wirz E.-Basol .... 2069
Widal. 212, 893 Witte. 1892, 2494
Wideröre. 469 Wittek . . 144, 763 , 1088
Widmark. 774 Wittels.527
Widrner . 95, 2000 , 2391 Wittgenstein .... 1803
Widowitz. 2495 Wittmaak . . 1349, 2608
Wiemann . 304 Wittneben. 1464
Wiemer. 1497 Witzei A.527
Wieland . . . 1908, 1969 Witzol K.407
Wiener E.-Wien . . 823 Witzei O.-Düsseldorf . 269 ,
Wiener G.-München . 784, 2489
924, 1191, 1511, 1548, Witzinger.1609
1602, 1903 Wladimirow .... 1344
Wiener R-Erlangen . 2538 Wöhler. 2071
Wiener O.-Prag 1978, 2295 Wülfflin ...... 1652
Wieisma. 2599 Wohlauer . . . 942, 2124
Wiesel. 823 Wohlgemuth . . 309, 829
Wiesinger .... 947, 2490 Wohlwill.2122
Wiesoer.2266 Wohringer.1513
v. Wiesner. 2653 Woithe 577,2238, 2551, 2603
Wigdorczik.,873 Wolf-Freiburg ... . 318
Wilberg.1851 Wolf W.-Loipzig . 412,1194,
Wilbrand. 1963 1906
Wild. 1979 Wolff-Frankfurt . . . 1353
v. Wild .... . . 103 Wolff-Strassburg . . . 1668
Wildt.2 >41 Wol ff F.-Reiboldsgrün 616
Wildbolz. 2391 Wolff M. Berlin . 993, 1497
Wilenko 198, 873, 1497, Wolff M.-Elberfeld . . 777
2603 • Wolff P.-Heidelberg 983,
Wiley . .. 1093 2312
Wilko A.-Königstein . 1712 1 Wolff W.-Leipzig . . 2068
Wilke K. A.-Kiel 1052, 2665 i Wolff Eisner 464, 539, 631,
Wilke R.-Giessen . . 2503 731, 819, 1386, 1432 , 2166
Wilkio.361 Wolffberg.419
Willcox. 1979 Wolfram.1156
Wille B. 352 j Wolfrom. 1377
Wille H. 1862 Wolfrum . 242 , 1101, 2037
Willems-Paris .... 1053 Wolfsohn .... 577, 1198
Willems Chr.-Gent 938, 996 Wollenberg 145, 623, 880,
William . 144 2294
Williams J. T. ... 256 Wolpe. 38, 801
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Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
XXVIII
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Seite
Womack.488
Woodruff.1910
Woodward.1093
Wormser . . . 1443, 1965
Wossidlo.934
Wosstrikow.675
Wrede.939
Wright London . . . 1979
Wright A. E. 1339 i
Wright B. L.1910 |
Wright J.-New York . 2284 |
Wrzosek.2712
Würth v. Würthenau 1497
Würtz.. . 135
Wulff. 313, 475 I
Wullstein . 526, 1507, 2276
Wunder.1374
Wurtz .. 2669
Wybauw. 2656
v. Wyss H.-Zürich . 2072,
2493, 2712
Wyss O.-Zürich . . . 138
Wynhausen 1249,1608, 1810
Xylander-Berlin . . . 2071
Xylander-Dresden 254, 2026
Yamamoto 1608, 2551, 2627
Yamanouchi .... 1146
Yamasaki. 2024
Yearsley. 96
Yeomans.1911
Yoshida E.1197
Yoshida T. . . . 731, 984
Yoshie. 2284
Yoshikawa .... 252, 820
Yoshimura. 2539
Yoshinaga. 2526
Young. 731, 1981
Yukawa. 2279
Ywase.1859
Zabel B.-StrasBburg 704,1431,
1607
Zabel E.-Rostock . . 360
Zacharias 583,584, 624, 2175
Zadro.823
Zahradnicky .... 1247
Zaitschek . . . 1603
Seite
Zalociecki.1608
Zancarini. 2374
Zandek.1198
Zander. 95, 2711
Zanfrognini.2178
Zangemeister 302, 672, 793,
924,1090,1142,1443,1445,
1803
Zangger.672
Zappert 1654,2082,2288,2714
Zarfl .... 1078, 1700
Zamik .... 1406, 2714
Zebrowski.1498
Zechmeistor.1574
Zeehandelaar 197,1656,
1810
Zeidler. 2232
Zeiler. 2450
v. Zeissl . . .... 1891
Zeissler. 2345
Zoissler /.Hamburg 193,2330
Zeissler J.-Leipzig . . 2237
Zeiikin.1345
Zeller. 91
Zemann.146
Zendig.1614
Zenker. .1958
Zori. 2546
Seite
Zeroik. 2233
Zesas 623, 1905, 1906, 2491,
2710
Zickgraf . 1700, 1904, 2488
Ziegenspeck 784,1616, 1741
1966, 2023, 8057, 2188
Ziegler H.-Bem . . . 579
ZieglerJ.-Kiefersfelden 2081
Ziegler J.-Frankfurt . 2537
Ziegler O.-Hannover 819,
1032
Ziegler S. L.*New York 255
y. Ziegler-Boxhagen*
Rummelsburg . . . 1563
Zieher. 407, 535
Zieler . . . 825, 1407, 2553
Ziemann.827
Ziemendorff . . 982, 2438
Ziemke.1967
Zieschö.1803
Zimmer-Berlin .... 90
Zimmer A.-Wien . . . 1909
Zimmermann-Jena. . 927
Zimmermann-München 527
Zimmermann R.-Augs-
burg.1803
Zimmermann V.-Duis-
burg.624
Zingerle .... 253,
Zinn.
Zinner.
Zinsser . . . 1743,
Zlatogoroff J. T.-St. Pe¬
tersburg .
Zoeppritz-Erlangen 103,
Zoeppritz H.-Kiel 1492,
1713
Zondeck .
Zorn.
Zoth.
Zuckerkandl . . 936,
Zuelzor.
Zünz.
Zuntz.
Zupnik.
Zuppinger.
j Zurhelle.
| Zuzak.
Zweig L.-Dortmund
1642, 2026
Zweig W.-Wien . . .
Zweifel 929, 1293, ]
1747, 2137
Zwick . . 2550, 2603,
Zypkin .
Zyskowicz.
III. Sach-Register.
(Die fett gedruckten Ziffern bedeuten Originalartikel.)
Abadiesches Phänomen, von Rowly 1091,
— als Früh Symptom von Tabes, von
Reuss.
Abanon . *
Abbazia, Thalassotherapie der chronischen
Gicht in, von Fodor.
Abdominale Notoperationen, von White .
Abdominal Operationen, chronisch-entzünd¬
liche Tumoren nach, von Haim . . . I
Abdominaltuberkulose, akute Formen der,
\ von Eisendraht.:
Abdöminaltumoren, Diagnose der, von
Sacconaghi.
Abdominaltyphus 8. a. Typhus.
Abdominaltyphus, Verbreitung des —, von
Mayer 368, Reaktion von Wolowsky
bei —, von Kemper 874, Gaumenge¬
schwüre bei —, von Novotny 1251, ört¬
liche und zeitliche Einflüsse bei der
Verbreitung des —, von Mayor 1550,
Vakzinebehandlung des —, von Semple
2598, Erkrankungen der oberen Luft¬
wege bei —, von Hueter.!
Abdominelle Eingriffe,Verhalten der Lunge
und des Herzens nach,von v. Lichtenberg
Abführmittel,Wirkungsweise d.salinischen,
von Hertz 109, Lehre von den —, von
Ury.302,
Abgeordnetenhaus, Etat des preussischen
Abhandl ungen,O.Rosenbachs ausgewählte,
von Guttmann.
Abnabelung, von Osterloh.
Abort, Adrenalininjektion zur Vermeidung
der Blutung nach, von Grasser 1388,
septischer — nach spontaner Kolpo-
kleisis, von Hammerschlag 1552, Anti¬
sepsis des —, von Lucas-Champion-
nilre.1752
Abortbehandlung, von Chazan 358, Uterus¬
dilatator zur —, von Oberländer . . . 244
Abriss der Streckaponeurose des 4. Fingers,
von Dreifuss.1508
Abrissfrakturen der Tuberositas tibiae, von
Schiatter 33, typische — der Domfort¬
sätze, von Riedinger.1494
Abstinenzbewegung.997
Abszesse,F ermentbehandlung tuberkulöser,
von Goldenberg 28, Punktionsbehand¬
lung heisser —, von Kolaczek 940,— des
Schläfenkeilbeinlappens infolge Otitis
rnedia, von Schneider und Spick 1145,
linksseitiger subphrenischer —, von
Meisel I486, Behandlung der multiplen
— der Säuglinge mit spezifischem
Vakzin, von Wechselmann und Mi- \
• chaelis 1656, gonorrhoischer — von
Ploeger 1715, subphrenische —, von
Guibal 1751, subphrenische — und Peri¬
typhlitis, von Koelsch 2066, primäre
paranephritjpche —, von v. Herczel 2244,
Verschleierung subphrenischer—durch
Heröse Ergüsse in Bauch- und Brust¬
höhle, von Herhold. 2269
Abwässer, Entleerung der, in Flüsse, von
O’Neill 1980, neue Verfahren zur Rei¬
nigung der —.1658
Abwasserreinigung, von Lübbert . . ' 1249
Acanthosis nigricans, von Wild und
St. George 1979, — von Bogrow . . 2336
Acardius 8. u, Missgeburt.
Accouchements, Introduction ä l’ötude
' clinique et ä la practique des, par Fara-
boeuf und Varnier.572
Achselhöhlenmilchdrüsen, von Geyl . . 2436
Achsendrehung bei Mesenterium commune
des Dünndarms und Dickdarms, von
Schwalbe. 2500
Acidosis postanaesthetica, von Ashby . . 361
Adams-Stokes s. u. Bradykardie.
Adams-Stokesscher Symptomenkomplex,
von Nagayo 1194, —: Gumma des Vor¬
hofsseptum, von Handwecrk 916, Ent¬
stehung des —, von Schmidt 2120,
Beziehungen des — zum Herzblock,
von Volhard.2174
Addisonii morbus, Addisonsche Krank¬
heit, von Lichtwitz 193, — von Mar-
chand 1816, akuter — nach Throm¬
bose der Nebennieren, von Straub . 1904
Adduktorenreflex, Bedeutung des, von
Keller.1806
Adel.1767
Adenocarcinoma papillare ovarii, von Arzt 1906
Adenoide Vegetationen, Lokalanästhesie
v bei der Operation von, von Hutter 94,
\— und Tuberkulose, von Nobäcourt
und Aplekmann.1307
Adenom des Nabels, von Herzenberg 1143,
— sebaceum Pringle, von Eitner . . 1808
Adonomyoma uteri, von Grünbaum . . . 929
Adenotom, neues, von Noumann .... 2585
Aderlass, von Kohlmann 39, von Ewald
588, Heilerfolge beim —, von Lichten¬
stein 776, Nutzen des —, von Centanni
2340, — und Abbinden der Glieder bei
Kreislaufstörungen, von v. Tabora . . 2611
Aderlasstexte, illustrierte, des Mittelalters,
von Sudhoff. 2289
Adiposalgie, von Faber.301
Adipositas, lokale, infolge experimenteller
Verletzung des Ischiadikus, von Lortat-
Jacob und Vitry.1750
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1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
XXIX
?eite
Adnexerkrankungen, operative Anzeige-
Stellung bei chron. entzündlichen, von
Prochownickll42, operative Erfolge bei
chronisch-eitrigen —, von Löwenstein 1394
Adrenalin, diuretische Wirkung des, von
Houghton u. Merril 255, antagonistische
Wirkung des — und Chorkalziums,
von Schrank 355, chemischer Nachweis
des —, von Comessatti 466, Beein¬
flussung von — und Verdauungs¬
lösungen, von Bouchö 579, — beim
Kaiserschnitt, von Bogdanovics 726,
Bestimmung des — im Nebennieren¬
gewebe, von Comessatti 773, Warnung
vor —, von N. N. 1388, Wirkung sub¬
kutan einverleibten —, von Emmert
2122, Aortennekrose durch —, von
Egidi 2282, — als Antidot, von Falta
und Ircovic 2389, Affinität des — zu
Jod, von Hoffmann 2481, von Allere
2141, Störungen der Herztätigkeit durch
—, von Kahn. 2536
Adrenalinarteriosklerose, von Falk . . . 1297
Adrenalinbestimmung, neue kalorimetri¬
sche Methode der, von Zanfrognini . 2178
Adrenalinglykosurie, Mechanismus der,
von Straub.482, 692
Adrenin, Wirkung des, auf die Frosch¬
pupille, von Meitzer.773
Adressbuch, englisches ärztliches .... 364
Adresse des Geschäftsausschusses des
Deutschen Aerzte Vereinsbundes an
Hofrat Dr. May er-Fürth . . . 1573, 1576
Aegypten, Bedeutung für Nierenkranke,
von Mehler 1015, — s Bedeutung in
der Behandlung der Lungentuber¬
kulösen, von Köhler 1341, parasitäre
Krankheiten in —, von Neumann . . 1921
Aerzte s. a. Arzt, Amtsarzt, Assistenten¬
streik , Assistenzärzte, Badeanstalt,
Bahnärzte, Einkommensteuer, Flotten¬
arzt, Gewerbesteuer, Hilfsärzte, Kassen¬
ärztliche Misere, Kinderarzt, Kranken¬
hausärzte, Krankenkassenärzte, Kreis¬
ärzte, Landbahnärzte, Ortsärzte, Polizei¬
arzt, Schiffsarzt, Schularzt, Spezialarzt,
Spitalarzt, Strafanstaltsarzt.
Aerzte, ausländische, in Italien 99, 111,
Standesehre der — vor Gericht, von
Hüttenbach 110, die — Deutschlands
im J. 1908 111, weibliche — in Eng¬
land 202, Stellung der — zur Reform
und dem Ausbau der Arbeiterversiche¬
rung, von Scholl 822, — und Kranken¬
kassen 638, Aussperrung von — in
München 691, 696, 743, 744, 788, 952,
von Siebert 637, Berufssyphilis der —,
von Waelsch, 690, 880, — und Gewerk¬
schaftsbewegung, von Fuld 872, Zahl
der — in München 1214, Stellung der
— in der Krankenversicherung nach
dem Entwurf der R.V.O., von Jaffd 2024,
deutsche — für die Ostmark 2144, wie
die bösen — mögen weggebracht
werden 2198, — als städtische Beamte
im Hauptamt in Berlin 2245, — und
Lebensversicherungen (Untersuchun¬
gen in der Wohnung des zu Versichern¬
den) . 2455
Aerztekammer für die Provinz Branden¬
burg und den Stadtkreis Berlin 213,
2197, Tätigkeit der preussischen — im
J. 1908, von Schneller 404, rheinische
— 540, bayerische — 2143, 2350, Ver-
bescheidung der bayerischen — im
J. 1908 . .. 1624
Aerztekammersitzung, ausserordentliche
bayerische.543
Aerztekonflikt in Berlin 742, — in Köln
215, 429, 480, 695, 791, — in Frank¬
furt . 1871, 2247, 2296
Aerzteorganisation, Auflösung der schle¬
sischen .580
Aentestand, Zwang oder Freiheit im?
von Bartsch.721
Aerztetig, Verhandlungen des, s. Teil VI.
Aerztetag, Stimmung vor dem, 87, 1367,
1398, 1407
Seite |
Acr/teverband, Gründung eines slavischen I
580, Jahresversammlung des ameri¬
kanischen medizinischen — .... 1811
Aerzteverzeichnis, englisches.1253
Aorztliche Behandlung, unwürdiger Ver¬
such zur Verbilligung der. 98
Aerztlicher Dienst in den deutschen Schutz¬
gebieten, von Stendel 827, — in den
Kolonien, von Schilling.827
Aerztliche Kunst, drohender Niedergang
der, infolge der Versicherungsgesetz-
gebung, von Nassauer. 1288
„Aerztliche Mitteilungen“ und der „General¬
streik“ . 1311
Aerztlichcs Handbücblein für hygienisch¬
diätetische, hydrotherapeutische, me¬
chanische und andere Verordnungen,
von Schlesinger. 2593
Aether, Einwirkung des, auf Hämoglobin
und rote Blutkörperchen während der
Narkose, von Block 870, Entzündung
von — und Schwefelkohlenstoff. . . 1500
Aetherextraktionsapparat, von Embden . 2294
Aethemarkose, Geschichte der, von Böhm 2026
AethernarkosetropfapparatmitFussan trieb,
von Bauer.1746
Aetherrauscb, von Sudeck 837, Erkennung
des richtigen Momentes im —, von
Landström. 2595
Aethylmorphinjodid, von Sylla.791
Aethylschwefelsänre, Pharmakologie und
Toxikologie der, von Uyeda .... 877
Aetzgifte, Veränderungen des Verdauungs-
traktus durch, von Schall.625
Afermol. 2234
Affe und Orthopädie, von Herz .... 928
Afrika, in, ’s Wildkammem als Forscher
und Jäger, von Berger. 2593
Aglossa pinguinalis, Raupe der, im Darm,
von Ackermann .253
Agglutination s. a. Mitagglutination, 1 Typhus¬
agglutination.
Agglutination, Verhalten d. Darmbakterien
hinsichtlich der, von Kuhn u. Woithe
2288, — bei tuberkulösen Kindern,
von Grüner 2540, Technik der —, von
Woithe und Kuhn. 2551
Agglutinationsvermögen, Haltbarkeit des,
von Sachs-Müke.820
Agglutinine, spezifische, im Blutserum,
von Wilson.1981
Akademie, LeopoldiniBch-Carolinische, zu
Akardie und akutes Hydramnion, von
Krüger . 2121
Akarus and Karzinom, von Borrol, Gastinel
and Gorescu 1752, — and Lepra, von
Borrel.1752
Akkommodation des Bchildkrötenauges,
von Heine. 45
Akkumulatorräome, Bestimmung n. Gehalt
von Schwefelsäure in der Loft von,
von Beck.871
Akne aggregata sen conglobata, von Reit¬
mann 677, Vakzinetherapie der —
vulgaris and der opsonische Index,
von 8cherber.823
Aknekeloid, von Kienböck.676
Akrodermatitis chronica atrophicans und
zirkumskripte Sklerodermie, von Arndt 1497
Akromegalie, von Krusius 1864, von Hed-
derich.2718
Akromegalische Leiche, von Geddes . . 1754
Aktinomykose s. a. Lungenaktinomykose.
Aktinomykose des Halses, von Beste!-
meyer 153, metastasierende —, von
Kissling 207, parapharyngeale —, von
Hoffmann 1657, primäre — des Ova-
rinms, von Taylor und Fischer 1758,
Behandlung der —, von Maier 1867,
— der weiblichen Geschlechtsorgane,
von Hamm und Keller.1859
Aktinomykotische Erkrankungen, Beteili¬
gung des Kehlkopfes an, von Körner 1557
Aktinomyzespyämie, von Pollak .... 2608
Aknstik, physiologische, von Ewald 211,
diagnostische —, von Geigel .... 1487
Akustikustumor, von Velhagen.1205
Seite
Albin-Zahnpaste.•.1031
Al’orechtscher Würfel, von Grützner . . 1255
Albulaktin, 2234, von Cassel und Cam-
nitzer.624
Albuminbestimmungen, quantitative, von
Wideröe.469
Albuminurie, lordotische, von Jehle, 51,
1484, von Vas 1860, orthostatische —,
von Märtelli 108, von Feer 1569, ortho¬
statische — und Oligurie, von Linossier
und Lemoine 1307, orthopädischer
Apparat zur Verhinderung der lordo-
tischen —, von Preleitner 531, toxische
— bei Magen- und Magendarmerkran-
knngen, von Ploenies 532, flüchtige —,
von Schreiber 777, Bence-Jonessche —,
von v. Decastello 1193, einseitige zyk¬
lisch orthotische —, von Mayer 1196,
orthostatische —, von Caranfilian 1199,
orthotische — und Scharlachnephritis,
von Weiss-Eder 1555, Abhängigkeit
der — vom Säuregehalt des Urins,
von v. Hoesslin 1878, 1869, renal-
palpatorische —, von Seelig 17( 5, abdo-
minell-palpatorische —, von Schreiber
1903, experimentell erzeugte chronische
—, von Rautenberg 2184, Prognose der
— mit Berücksichtigung der Vereiche-
rungsmedizin, von Fürbringer 2245, —
bei Skabies, von Tschumakow 2334,
mechanische unblutige Erzeugung von
— nnd Nephritis bei Kaninchen, von
Fischl. 2897
Albumosorie, klinische Bedeutung der,
von Hendereon.1758
Alcuentasalben, wasserlösliche, von Kamp¬
rath .1092
Aleppobeule, Erreger der, von Reinhardt 144
Alexander - Adamssche Operation, von
Lesse 1805, unerwünschte Folgen nach
der —, von Freund 238 * — in Schwanger¬
schaft und Wochenbett, von Bröse . 2644
Alikolintabletten.1081
Alkaloide, Pseudosprossungen der, von
Lecha-Marzo 2182, von Obregön . . 2182
Alkaptonnrie, von Adler.786
Alkohol s. a. Blutdruck.
Alkohol, Exhalation von, von Pohl 51,
Einfluss des — auf den hnngernden
Organismus, von Kochmann 648 » —
n. Geschlechtskrankheiten, von v. Nott-
hafft 834, Indikationsgebiet des — bei
der Behandlung innerer Krankheiten,
von Rosenfeld 868, Einflus? des —
auf Blutdruck und Herzarbeit in patho¬
logischen Zuständen, von Demig,Hinde¬
lang, Grünbaum 1488, Einfluss des —
auf Lebensdauer und Stoffumsatz, von
Kochmann und Hall 1652, optische
Auffassung und —, von Busch 1765,
Einfluss des — auf das Koimplasma,
von Kabrhel 2070, lymphtreibende
Wirkung des — und mechanischeLeuko-
zytose, von Timofeew.2712
Alkoholbehandlung der Neuralgien and
Spasmen, von Harris .1970
Alkoholdesinfektion, Wichtigkeit der rei¬
nen, von Pfisterer.251
Alkoholhalluzinosen, von Chotzen . . . 821
Alkoholinjektion s. n. Neuralgie, Trige¬
minusneuralgie.
Alkoholinjektion des N.largngens superior,
von Hofmann 1396, — bei Neuralgien,
besondere beim Tic douloureux, von
Kiliani 1911, — beiTrigeminusneuralgie
von Stewart.1925
Alkoholismus, von Binswanger 2189, Zen¬
tralverband zur Bekämpfung des —
695, — und Verbrechen, von Vallon
2346, Unfall und —. 2887
Alkohollähmung, experimentelle, von
Aubertin und Lhermitte.771
Allosan.410
Almatein, von Werndorflf 187» — ha der
Gynäkologie, von Raubitachek . . . 2888
Alopecia, Behandlung der, mit ultravioletten
Strahlen, von Joachim 1091, — syphili¬
tica, von Seldowitsch 1262, Behandlung
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XXX
INHALTS-VERZEICHNIS.
der — seborrhoica, von Hübner 2039, —
areata traumatica, von Sprecher 2336, —
totalis, von Crzellitzer 2609, totale —
des Kopfes, von Stümpke.
Altern, das, seine Ursachen und seine Be¬
handlung, von Lorand.
Altersgrenze an den italienischen Uni¬
versitäten .
Altersstar, spezifische Therapie des be¬
ginnenden, von Königshöf er 418, spezi¬
fische Organtherapie des beginnenden
—, von Römer 466, 1807, Römers
spezifische Therapie des beginnenden
—, von Schirmer 1497, nichtoperative
Behandlung des beginnenden —, von
Königstein .
Altorskrankheiten s. u. Greisenkrank-
\ heiten.
A Ith Off-Stiftung.
Alttuberkerlin in der Augenheilkunde, von
Schöler.
Alvarengapreis. 999, 1517,
Alypin als Lokalanästhetikum, von Buben¬
hofer .
Amaurose in der Schwangerschaft, von
Himmelheber.
Amblyopie, toxische, von Widmark . . .
Amboskopf, Mann mit dem, von Unverricht
Amelus, Röntgenaufnahme eines, von Bär
Amenorrhoe, mechanisch bedingte, und
ihre operative Behandlung, von Rieck
Amerika s. a. Nordamerika.
Amerika, Sonnenblicke vom lateinischen,
von Beck.
Aminosäuren, Abbau der, von Neubauer
1036, Neubildung von — im tierischen
Organismus, von Abderkalden und Funk
Amme im alten Alexandrien, von Schubart
Ammen vermittlungswesen, Reform des .
Ammoniakausscheidung aus dem Munde
von Urämikern, von Tiedemann und
Keller.
Ammoniakbestimmung im Urin, von
Mathison.
Amnesie, retrograde, von Kaufmann . .
Amöbendysenterie, von Huber 1193, —
und Leberabszess, von Saundby und
Miller 1704, — in Cochinchina, von
Noc 1753, Behandlung der —, von
Saunders 1911, spezifische Behandlung
der —, von Dock 2134, innere oder
chirurgische Behandlung der —, von
Holt.
Amöbenträger, von Martini.
Amputatio humeri osteoplastica et anti-
brachii tenoplastica, von Eigart • 88,
— interpelviabdominalis, von Pringle
1201, — beider Vorderarme, von Dreh¬
mann 1301, — Wiederherstellung des
Vorderarmes nach vollständiger akzi¬
denteller —, von Jianu.
Amtsarzt, der.
Amtliches: Die Qualifikation der appro¬
bierten Aerzte betr. (Bayern) 264, den
Landesgewerbearzt betr. (Bayern) 320,
die Schutzpockenimpfung im Jahre 1909
betr. (Bayern) 320, Prüfung für den
ärztlichen Staatsdienst betr. (Bayern)
488, Portopflicht von Pflichtanzeigen
über Krankheit«- und Todesfälle betr.
(Bayern) 640, Verleihung medizinischer
Reisestipendien für das Jahr 1909 betr.
(Bayern) 1112, Prüfungsordnung für
Eireisärzte betr. (Preussen) 1519, die
Verhandlungen der Aerztekammem im
Jahre 1908 betr. 1624, hygienischer
Fortbildungskurs betr. (Bayern) 1720,
die Einkommensteuerveranlagung der
Aerzte (Bayern).!
Amylium nitroBum, Wirkung des, auf das
Arteriensystem, von v. Rzentkowski . '
Amyloidniere, von Sarrazin.!
Anämie, die, von Ehrlich und Lazarus
1743, experimentelle —, von Faust 50,
zentrale und okulare Komplikationen
der —, von Hawthome 96, Sauer¬
stoffversorgung bei —, von Mora¬
witz und Röhmer 193, — im frühen
Kindesaltor, von Schelble 196, neue
Formen schwerer —, von Rossi 1092,
Blutinjektion bei —, von Cahn 1211,
— des Säuglingsalters und ihre Ver¬
heilung, von Katzenstein 1641, severest
—, their infective nature, diagnosis
and treatment, von Hunter 1851, Be¬
handlung schwerer — mit Menschen-
bluttran8fusionen, von Weber 1904,
i — von Neurasthenie, von Piket 2182,
— perniciosa distomiatica, von Glu-
zinski 146, perniziöse — von Labb6
und Salomon 467, von Vetlesen 469,
von Dudgeon 1054, von Wandel 1101,
Rückenmarkserkrankung und Psychose
bei perniziöser —, von Siemerling 772,
Behandlung der perniziösen puerpe¬
ralen — mit Bluttransfusion, von Sachs
1089, hämolytische Vorgänge bei per¬
niziöser —, von v. Stejskal 1091, Patho¬
genese der perniziösen —, von Berger
und Tsuchija 1699, 12 Fälle von pro¬
gressiver perniziöser —, von Schleip
2344, perniziöse — und Rtickenmarks-
leiden, von Friedländer 2390, — splc-
nica infantum, von Benjamin 684, —
splenica, von Schabad 2334, — splenica
infantilis, von Pianese 2612, Blutmenge
bei —, von Morawitz und Siebeck . .2712
Anästhesie, sakrale, von Stoeckel 196,
neue Methode der regionären —, von
Goyanes 199, regionäre — bei Haut¬
transplantation, von Nyström 464, neue
Methode der lokalen —, von Bier 539,
experimentelle Grundlagen der arteri¬
ellen —, von v. Oppel.1772
Anästhesierung des Trommelfells und der
Paukenhöhle, von Tiefenthal 687, —
mit Chloroformdämpfcn von bekannter
Konzentration, von Alcock.1200
Anästhetische Zonen, Gestalt der, von
Calligaris.727
Anästhetische Mittel, Folgeerscheinungen
nach, von Mercadö.1144
Analschanker, von Ravaut und Bord . . 2180
Anal teil, embryologische und patholo¬
gische Bedeutung einiger Falten des,
von Dawson.1970
Analyse und Konstitutionsermittelung
organischer Verbindungen, von Meyer . 923
Anaphylaxie, von Biedl und Kraus 728,
von Salus 950, — mit Eiw'eiss tierischer
Linsen, von Andrejew' 1296, Einfluss
intravenöser Salzinjektionen auf die —,
von Friedberger und Hartoch 1908,
— durch autolysierte Organe, von
Mac Fahrland 2070, experimentelle
Analyse der —, von Biedl und Kraus
2550j, künstliche — der Bindehaut, von
Marzaroti und Terlinck. 2656
Anaplasie, von v. Hansemann.2177
Anatomie, Lehrbuch der Histologie und
mikroskopischen, von Szymonowicz 84,
— für Künstler von Duval, von Gaupp
141, Atlas der topographischen —, von
v. Bardeleben und Haeckel 407, Atlas
der topographischen und angewandten
—, von Schultze 463, 16 Tafeln prak¬
tischer — für Hebammen und Heb¬
ammenschülerinnen, von Ulrich 1244,
Lehrbuch der —, von Rauber-Kopsch
2021, pathologische —, von Aschoff
2228, Lehrbuch der speziellen patho¬
logischen —, von Kaufmann 2276,
Gegenbauers Lehrbuch der —, von
Ftirbringer 2429, Geschichte der —
an der Universität Leipzig, — von Rabl 2431
Anenzephalo, Gehörorgane von, von Frey 578
Anenzephalie mit totaler Amyelie, von
y. Leonowa v. Lange. 2493
Aneurysma, Exstirpation eines, d. Poplitea,
von Stich 251, — popliteum, von Krüger
833, — der Femoralarterien, von Odelga
1091, Störungen der Deglutination bei —
der Aorta thoraco- abdominalis, von
Schupfer 1092, — des Sinus valsalvae
aortae, von Blume 1497, —traumaticum
nach Stichverletzung der Art. cubitalis,
von Enderlen 1570, Behandlung der
— der HalBbasis, von Guinard 1751,
— traumaticum der Art. axillaris dextra,
von Gebele 1817, Behandlung der —,
von Doyen 1973,-des Pulmonalraterien-
stammes, von Reiche 2166, — spurium
der Aorta, von Dietrich 2245, Enstehnng
der wahren — und der akuten Aorten¬
ruptur, von Fischer 2291, traumatischer
— der Art. femoralis, von Lieblein . 2346
Angiosklerose, Pathogenese der, von Tornai 2178
Angina pectoris, von Allbutt 1925, Therapie
der —, von Buxbaum 1088, — und
deren Behandlung, von Marchiafava
1439, — vasotomorica, von 0 urschmann
2082, endemisches Auftreten der —
pneumococciea, von Schomerus 162,
Plaut-Vincentsehe —, von Biuck 309,
Hämorrhagie bei phlegmonöser —, von
Newcomb 471, serologische Mitteilung
zur —Vincenti-Frage , von Sobern-
heim.987
Angiokeratoma, von Mibelli.631
Angiome, Behandlung der, mit gefrorener
Koh lensäure, von Sauerbruch 251, kaver-
nöses —, von Hahn 2086, Behandlung
von — und Naevi mit flüssiger Luft 2426
Angiomatosis miliaris, von Steiner u.Vörner 1488
Angioneurosen und hämotogene Hautent¬
zündungen, von Kreibich. 2336
Angstzustände, Psychopathologie der, von
Oppenheim 1496, von Dubois .... 1749
Anguillulae stercorales, von Tollens . . . 104
Anilinvergiftung durch das Trommelfell,
von Masip.824
Anilismus.•. 2391
AnkylostomiasiB, von Henggeier 1392, Salz¬
säuregehalt des Magensaftes bei -—,
von Yoshida 731, — und Beriberi in
Cochinchina, von Noc 1146, — in West-
chma, von Asmy 2234, Verhalten der
Stickstoffkörper des Eisens bei —, von
Petrarca. 2282
Ankylostomum duodenale, Reduktion der
Mortalität auf den Philippinen durch
Bekämpfung des, von Heiser 1093,
Lebensgeschichte des — duodenale,
von Ozzard.1978
Anophthalmus,kongenitaler doppelseitiger,
von Durlacher. 2072
Annual, the medical. A Year book of
Treatment and practitioners index . .2118
Anthrakose, Entstehung der Lungen- und
Bauch- —, von Maciesza.823
Antidiarrhoicum,verlässlicher, von Tennen-
baum.771
Antifermente, von Braun u. Schütze 1491,
tryptisches — im Serum Puerperal-
kranker, von Thaler 1142, — im Säug¬
lingsblut, von Lust.2132
Antifermentbehandlung, Technik der, eit¬
riger Prozesse, von Müller und Peiser
195, — eitriger Prozesse beim Säug¬
ling, von Klotz 2231, — akut eitriger
Prozesse, von Stöcker.2.391
Antifermentbildung im Blut, von Briegor 776
Antifermentreaktion, Beziehungen der
Leukozytose zur, des Blutes, von Wiens
und Schlecht 1488, — des menschlichen
Blutes, von Wiens.1488
Antifermentserum, Behandlung eitriger
Prozesse mit, von Kolaczek.621
Antiformin, von Uhlenhuth und Xylander
2071, Nachweis von Tuberkelbazillen
mit —, von Seemann 821, therapeu¬
tische Verwendung des —, von Klebs 1607
Antiforminmethode, Nachweis von Mikro¬
organismen durch die, von Thilenius 1391
ADtigene s. a. Tuberkulose.
Antigene, Herstellung von syphilitischen,
von T8chernogubow 628,Differenzierung
bakterieller — durch die Komplem-
entbindungsmethode.1863
Antikörper, welche — spielen hei der
Komplementbindung eine Rolle? von
Toyosumi 1197, Verhalten der — bei
der Adsorption und Filtration, von
Neufeld und Andrejew. 2603
Digitized fr.
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Original ffom
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
INHALTS-VRRZRICHNIS.
XXXI
Antikörperbildung beiParabiose, von Fried¬
licher und Nasetti 2551, — bei para¬
biotischen Tieren, von Ranzi und
[ Ehrlich.1
Antikonzeptionelle Mittel, von Lehmann
Antimeningokokkenserum, Hauteruptio¬
nen nach Injektion von, von Nettre
und Debrö.
Antiphone, von Sprenger 1034, — uni
Audiphon, von Friedmann.
Antipneumokokkenserum,von Neufeld und
Händel 1904, Herstelllung und Prüfung
von —, von Neufeld und Händel . . !
Anti8treptokokkenserum, von Aronsohn
539, von Zangemeister 1090, — beim
Fieber der Tuberkulösen, von Cerrada
198, — bei Scharlach und Diphtherie,
von Young 731, Einfluss des — auf
Nachgeburtsblutungen und Thrombose
im Wochenbett, von Mayer.
Antitoxin, Resorption und Ausscheidung
von, von Madsen 1661, Diffusion der
— im gefässlosen Gewebe, von Römer !
Antitrypsin s. a. Blut.
Antitrypsin, Entstehung und Bedeutung
des, von Braunstein 773, Natur des —
im Serum, von Schwarz . . . 1808,
Antitrypsinbestimmungen bei puerperalen
Erkrankungen, von Thaler.
Antitrypsingehalt des Serums beim Säug¬
ling, von v. Reuss.
^Antitubcrkuloseserum, Marmoreks von
Horner 415, von Monod 891, von Pre-
leitner 932, Wirksamkeit des — Mar-
morek, von van Huellen 90, Behand¬
lung tuberkulöser Kinder mit Marmo¬
reks —, von Ganghofner 254, ambulante
Behandlung mit Marmoreks —, von
Thorspecken 1035, Wirkung des Nepo-
roshnyschen —, von Jawein ....
Antiviviaektionsbewegung in Amerika
Anurie, von Kümmell 537, 738, Pathoge¬
nese und Behandlung der —, von
Kümmell...
Anus, Technik der Darmresektion bei,
praeternaturalis, von Mori 1248, Be¬
handlung des — praeternaturalis, von
v. Frisch.
Anzeigepflicht der Aerzte .......
Aorta, Erkrankungen der, Tabes dorsalis
und Lues, von Schütze 89, diagnostische
Bedeutung diastolischer Geräusche über
Erweiterungen der —, von Iloppe-
Seyler 1220, — im Röntgenbild, von
Rasier. !
Aortenaneurysma s. a. Aneurysma-Ge¬
räusch.
Aortenaneurysma, von Schilling 1664,
Elektrodiagramm bei —, von Pribram
1306, Perforation von — in die obere
Hohlvene, von Buchstab und v. Tienen-
hausen.!
Aurtcninsufflzicnz, von Denecke . . . .
A‘>rtenkomproMKimi nach Mombtirg bei
einer Blutung in der Nachgeburts¬
periode, von Kröning .!
VurtensyRtem, Enge des, von Stras-
burger. 992, !
Aperitol..
Aphasie, von Kleist 2659, motorische —,
von Penzoldt 205, von Jacobsohn 1856,
traumatische —, von Miyake 529, korti¬
kale motorische —, von Port 806, Lehre
von der —, von Bernheim 1144, sen¬
sorische —, von Meyer 1608, Lese- und
Sckreibstörungen bei —, von Rein 1614,
Lokalisation der motorischen —, von
v. Monakow . .!
Aphasielehre, von Raeke.
Apocvnum canabinicum, Wirkung des
Extract. fluid, von, von Kraemer . .
Apomorphin.
Apophysitis der Tibia, von Blencke . .
Apotheker,Vereinshansdeutscher,inBerlin !
Apparat für Zystoskopie, von Sigurta . .
Appendektomie, Technik der, von Bertels¬
mann 1341, Beschwerden nach — und
deren Behandlung, von Jerusalem . . !
Appendikostomie beGdiffuser Peritonitis,
von Billington 673, — und die Chirurgie
der Colitis, von Dawson 673, — wegen
Colitis ulcerosa, von Enderlcn . . .
Appendix, von Hahn 2086, Zustande¬
kommen der Torsion der — epiploicae,
von Zoeppritz 1492, Spontanamputation
der —, von v. Friedländer 1609, mit
Zellen gefüllte Lymphspalten in der
j —, von Sitsen 1811, Karzinom der
j —, von Kurak 2026, anatom. Unter¬
suchungen über — und Appendizitis,
i von Nowicki.
I Appendixhernien, von Arcoleo.
; Appendixzysten und -divertikel, von Elbe
| Appendizitis s. a. Blinddarmentzündung.
, Appendizitis, Aetiologie der akuten —,
von Boese 39, dyBpeptischer Typus
der —, von Cumston 40, Aetiologie
der —, von Williams 41, von Mac Lean
2.'>91, von Klauber 451, hämatogene
Infektion bei —, von Canon 89, —
und Unfall, von Strohe 89, latente —
mit Ileuserscheinungen im jugend¬
lichen Alter, von Goedecke 90, akute
— bei Kindern, von Vincent 254,
Bakteriologie der akuten und chroni¬
schen —, von Franke 573, Leuko¬
zytose bei —, von Mitchel 673, Früh¬
operation der —, von Brauer 826, —
bei Frauen, von Gottlieb 875, retro-
peritoneale Abszesse nach —, von
Wolff 983, Differentialdiagnose der —,
von Meist 1199, — durch Eingeweide¬
würmer, von Menetrier 1212, Nutzbar¬
machung der natürlichen Schutzkräfte
der Bauchhöhle bei der Behandlung der
— und der diffusen Perforationsperi¬
tonitis, von Jansson 1268, — im Kindes¬
aller, von Springer 1343, chronische —
und das Karzinom des Wurmfortsatzes,
von Richelot 1669, akute —, von Becker
1764, Behandlung der akuten —, von
Bailey 2027, — bei Karzinom des Proc.
vermiformis, von Stieda 2074, 2000 Ope¬
rationen wegen —, von Schnitzler 2133,
— und Adnexerkrankungen, von Se-
gond 2193, von v. RoBthorn 2193, Dis¬
kussion über — in Pest 2243, peri¬
toneales Druck- und Zugschmerzphä¬
nomen bei — .und Peritonitis, von
Blumberg 2294, heutiger Stand der
Lehre von der — 2432, chronische —
bei Kindern, von Comby 2436, — der
Kinder, von Alsberg 2492, Nützlichkeit
der Frühoperationen bei akuter —, von
Turner 2548, — in graviditate, von
Stähler..
Appendizitisbehandlung, Resultate der,
von Baer 33, operative —, von v. Ca¬
pellen 1811, — vom Standpunkt des
innem Klinikers, von T^nhartz . . .
Appendizitis8ymptom, Rovsingsches, von
Füster.
Appetit, von Stemberg 39, der — in der
experimentellen Physiologie nnd in
der klinischen Pathologie, von Stern¬
berg .
Apraxie, von van Valkenburg.
Approbation, Zurücknahme der, beim Ver¬
lust der bürgerlichen Ehrenrechte 215,
— in Bayern 263, — in Sachsen 2559,
Verleihung der deutschen — ohne
Prüfung an einen österreichischen
Arzt.. .
Arachnitis circumscripta syphilitica, von
Unger.
Arbeit als Kurmittel in der Psychotherapie,
von Stegmann.
Arbeiten a. d. Kais. Gesundheitsamt 576,
871, 1295, 1496, 2070, 2176, — aus dem
Neurologischen Institut an der Wiener
Universität, von Oberländer 250, 1244,
Arbeiter s. a. Ouvrier.
Arbeiteraborte.
Arbeiterkranken Versicherung in Oester¬
reich, von Hauck.
Arbeiter Versicherung s. a. Aerzte.
Arbeiterversicherung, Reform der . .373,
Arbeitshygiene, von Elster.
Archiv s. a. Teil IV, Journalliteratur.
1570 Archiv für die Geschichte der Natur¬
wissenschaften und der Technik 159,
— für Physiologie 1264, medizinisch-
naturwissenschaftliches —, von Henke,
de la Camp, Plitter 1387, — für ver-
| gleichende Ophthalmologie 1623, —
i per le malattie di cuore, dei vasi e del
sangue . .
Argentum colloidale, von Pasteau . . .
2388 Argyrie, von Dohi 465, von Appel 2344,
629 — der Haut, von Kanitz 826, -- uni-
2543 versalis, von Kino.
; Argyrol, von do Sard.
j Aristoteles, Umkclir des Versuc hes von,
von Ewald.
Armenpflege s. a. Arztwahl.
Armenpflege, Mitwirkung von Frauen
bei der 1767, ärztliche Hilfeleistung in
clor — .
Armlösung nach A. Midier, von v. Fellen-
berg. .
Aromatische Substanz, Abbau der — im
Organismus, von Blum.
Arsan.
Arsazetin 410,Zentralnervensystem von mit
— behandelten Mäusen, von Roethig
Arsazetininjektionen, Sohnervenerkran-
kung nach, von Ruete.
Arsen, Wirkung von, und Schwefel auf
die Haut, von Diesing.
Arsendosen, Einwirkung therapeutischer,
auf die Leukozyten, von Schwär . .
Arsenikhaltige Substanzen, Verwendung
i von, in der Landwirtschaft, von Li-
nossier.
Arsenpräparate, Verhalten organischer, im
menschlichen Körper, von Fischer und
Hoppe .*.
Arsenikpräparate, Behandlung der Lues
mit organischen, von Lambkin . . .
I Arsenophenylglyzin 1031, — bei änsseren
Augenerkrankungen, von Grüter 627,
— bei Paralytikern, von Alt . . . .
| Arsentherapie mit der Dürkheimer Max*
N. quelle, von v. den Velden.
\ArsenTuberkulinbehandlung, intravenöse,
\ von Mendel 13, kombinierte —, von
Friedmann.
| Arsen Verbindungen, Erblindungen bei Ver¬
suchen mit neuen, gegen Trypano¬
somen, von Wendelstadt.
Arsenwasser, Beeinflussung der Formcle-
monte des Blutes durch natürliches,
von Brenner .
2651 Arsoferrin, von Gordon.
Arterien, Widerstand der, gegen änsseren
Druck, von Herringham u. Womak 483,
Verletzung der — pnlmonalis, von
2132 v. Eiseisberg 880, Unterbindung der
— subclavia, von Kümmell.
1194 Arteriös, the — of tho (lastr«»-Intostinal-
Traet with Inoseulation eirele, von
Robinson.
Arteriennaht s. a. Naht.
2496 Arteriennaht, von Smith 529, von Gobiet
2600 2331, —Venen - Naht, von Frouin . .
Arterienanschluss, Diagnose dos, bei Gan
grän mittels des Moszkowiczschen Ver¬
fahrens, von Mendelsohn.
Arteriitis s. a. Gangrän.
Arteriosklerose s. a. Blutdruckunterschied,
2560 Sklerose, Verstimmungszustände.
Arteriosklerose, von Kelly 2080, von Aschoff
303 2341, — und Atherom, von Lavagna
629, medikamentöse Behandlung der
943 —, von Wiesel 823, physikalisch-diä¬
tetische Behandlung der—, von Strasser
873, Pathogenese der experimentellen
—, von Riedl und Braun 1144, zerebraler
2327 —, von Buchholtz 1404, Behandlung
der —, von Emmerich 1983, — des
1500 Herzens, von Huchard 2079, abdomi¬
nale —, von Müller 2079, frühzeitiges
1501 Vorkommen der — bei industriellen
Arbeitern, von Friedrich 2080, Greisen-
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Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
XXXII
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
alter, — und die Wassermannsche Re¬
aktion, von Hasenfeld und Szili 2080,
— der Magenarterien, von Hamburger 2031
Arteriosklerotische Schmerzen, Behand¬
lung der, von Goldscheider.1087
Arlhigon.1032
Arthritis, s. a. Periarthritis, Pneumokokken¬
arthritis
Arthritis deformans, von Wollenberg 880,
klinische Geschichte der — deformans,
von König 355, Aetiologie der — de¬
formans, von Wollenberg 623, von
Heckmann 1588 , von Beckmann 1910,
Behandlung der—deformans, von Tubby .
730, — deformans des Kniegelenkes, '
von Andö 1438, Behandlung schwerer
—, von Chawlow 822, — deformans,
comprising rheumatoid arthritis, Osteo¬
arthritis and spondylitis deformans,
von Jones 2335, experimentelle —
deformans, von Kroh 2542, infantile
Formen der — deformans, von Okada
Arthrodese, Technik der, des oberen Sprung¬
gelenkes, von Wittek 1088, — durch
Knochenbolzung, von Frangenheim .
Arthrodesenoperation, Technik der, von
Bade.
Arthropathia psoriatica, von Wollenberg
145, von Stoffel.
Arthrotomie, von Czikos .
Arzneibehandlung im Heilverfahren der
Krankenversicherung, von Bisenstadt
308, Lehrbuch der klinischen —, von
Penzoldt.
Arzneiexanthem, vakziniformes, von Vör-
ner.
Arzneimittel s. a. Remedies.
Arzneimittel, falsch deklarierte, von Thoms
54, Ausscheidung von —, durch die
Milch, von v. Ittalie 410, Kombination
von —, von Treupel 2196, 2494, Dosie
rang der —, von Troitzky . . .
Arzneimittelhandel, Freigabe des . .
Arzneimittellehre für Zahnärzte, von Biber¬
feld .
Arzneimittelsonde, von Brünings . . .
Arzneiverdampfungsapparat, Saengers .
Arzneimitteiversorgung des Volkes, von
Thoms.
Arzt s. a. Aerzte.
Arzt und Publikum, von Krehl 156, — und
Schule, von Doernberger 881 , der — im
8trafrecht, von Kahl 1084, der prak¬
tische — und § 359 des oesterreichischen
Strafgesetzes, von v. Lallich 1196, der
—, seine Stellung und seine Aufgaben im
Kulturleben der Gegenwart, von Fürst 2021
Arztwahl s. a. Karenzzeit.
Arztwahl, Kampf um die freie, in Köln
318, freie — in der Armenpflege in
Mannheim 480, beschränkt freie — 487,
freie — in Liegnitz 695, freie — vor
dem Ehrengerichtshof 789, freie — in
Paris, von Martial 1862, freie — in der
Armenpflege in Schöneberg 2351, freie
— im Entwurf des Schweizerischen
Krankenversicherungsgesetzes . 2454, 2671
Arythmia perpetua, von Magnus 1700,
Untersuchungen des Herzens bei chro¬
nischer —, von Schönberg.859
Aseptik, Vereinfachung und Verschärfung
der, von Pfeilsticker.1437
Asepsis und Amykosis, von Manninger
1972, — in Amerika 2381, heutiger
Stand der — ... •. 2432
Asien, Behandlung chirurgischer Krank¬
heiten in, von Bockenheimer 940, rund
um —, von Bockenheimer. 2593
Aspergillus s» a. Schimmelpilz.
Aspergillus im Ohr und in der Nase, von
Piffl.481
Asphyxie s. a. Ueberdruckapparat.
Assistentenstreik in Breslau.1456
Assistenzärzte der Schweizerischen Kran¬
kenhäuser . 54
Association, the Far Eastem, of Tropical
Medicine.1000
Assoziationsstörungen, Nichthören infolge
von, von Urbantschitsch.
Assoziationsversuche an Kindern, von
Goett.
Assuan, ein idealer Winteraufenthalt, von
Wauer .
Astasie und Abasie, von Wimmer . . .
Astereognose, von Mailing.
Asthenische Konstitutionskrankheit, abdo¬
minale Zeichen der, von Hausmann .
Asthenopie und Adenoide, von Killen .
Asthma s. a. Nasenschleimhaut.
Asthma, Behandlung des, bronchiale, von
/
2710
2540
143
8M A
224^1
923
632
2492
409
1138
1447
486
409
Treupel 93, Behandlung des — bron¬
chiale nervosum, von v. Jagic 728,
Behandlung des — bronchiale mit
Röntgenstrahlen, von Gottschalk 883,
Behandlung des nasalen — mit Re¬
sektion des N. ethmoidalis, von Neu¬
mayer 1102, Freundsche Operation
wegen — und Emphysem, von Alt¬
schüler 1103, physikalische Behand¬
lung des — bronchiale, von Gold¬
scheider 1388, — nach operativen
Massnahmen bei Siebbeinerkrankun¬
gen, von MacPherson 1557, Patho¬
logie des epidemischen —, von Mink
I/Asthmaspiralen, makroskopische, im Aus-
/ wurf, von Riehl ..
Astralin.
Asynergie, zerebellare, beim Blickwechsel,
von Gött. 1071
Asziets, operative Behandlung des, bei
Leberzirrhose, von Bogojawlonsky 622,
intraabdomineller Druck bei —, von
Weitz.1086
Ataxie, pathologische Anatomie der Fried-
reichschen, von Müller 93, akute zere¬
bellare —, von Schultze 772, akute
zerebrale — bei Diphtherie, von
Brückner 1807, Behandlung der tabi-
schen —, von Herzog 2071, akute —, von
Osann 2392, — zerebralen und zerebel¬
laren Ursprungs, von Lewandowsky
und Simons 2539, zerebellare —, von
Hulshoff Pol ... .. 2600
Atemkur in 115 Rezepten, von Hughes . 771
Atemstörungen, kardiale, von Hofbauer 2495
Athönsa.1032
Athyreosis congenita, von Embden . . . 1508
Atheromformen, seltene, von Zimmermann 927
Atherosklerose, Pathogenese der, der Ar¬
terien, von Lubarsch.1819
Atlas der topographischen Anatomie, von
v. Bardeleben und Haeckel 407, — der
topographischen und angewandten
Anatomie, von 8chultze 462, — der
Radiologie, von Hauchamps, Klynens
et Mahaux 462, — der venerischen
Affektionen der Portio vaginalis uteri
und der Vagina, von Oppenheim 817,—
der Augenkrankheiten, von Greeff 1387,
— der Elektropathologie, von Jellinek
2118, — der Krankheiten des Zentral¬
nervensystems, von Knoblauch 2327,
— der rektalen Endoskopie, von Foges
2328, — der normalen Histologie der
weiblichen Geschlechtsorgane, von
Moraller, Hoehl, Meyer 2385, — und
Lehrbuch der Hygiene, von Prausnitz
2430, — der Anatomie des Mediasti¬
num im Röntgenbild, von Hoffmann
2431, — der chirurgischen Operations-
lehTe, von Zuckerkandl. 2487
Atmen, Kunst des, von Pudor . • . . 926
Atmung, manuelle künstliche, Erwach¬
sener, von Löwy und Meyer 303, künst¬
liche — bei Scheintod durch Er¬
trinken, von Schäfer 728, künstliche
— und Herzregulation, von Fisch 735,
— und Herzarbeit, von Cornet und
Berninger 1250, Mechanismus der
künstlichen —, von Keith 1754, von
Spicer 1981, Volhardsche Methode der
künstlichen —, von Biedl und Roth-
berger. 2498
Atmungsapparate für Bergwerke, von Hill 933
Seite
Atmungsgymnastik, maschinelle, von
Laqueur.735
Atmungsorgane, Flimmerepithel der, von
Lommel 32,Entstehung der Krankheiten
der — vom Magendarmkanal aus, von
Londe.2179
Atoxyl, von Ehrlich 1031, Wirkungs¬
mechanismus des —, von Röhl 627,
therapeutische Wirkung des —, von
Welander 630,— in der 8yphilistherapie,
von Ohlmann 790, von Wexel 791,
Augenerkrankungen durch —, von Pa-
derstein 1198, — bei Syphilis, von
Rapiport.1344
Atoxylbebandlung, von Knopf und Fabian 197
Atoxyl-Blaud-Kapseln.1032
Atoxyl-Blindheit, von Herxheimer . . . 1045
Atoxylsaures Quecksilber.1032
Atoxyl Vergiftung, von Igersheimer 1260,
1437, tödlich verlaufener Fall von —,
Schlecht.172
Atoxylwirkung bei Syphilis, von v.Notthafft 414
Atresie, Aetiologie der kongenitalen, des
Darms und Oesophagus, von Kreuter 89,
— vaginae mit Hämatometra etc., von
Brothers 114, — ani, von Ziemendorff 982
Atrioventrikularsystem, Pathologie des
und der Herzschwäche, von Möncke-
berg. ... 145
Atrophia cutis idiopathica, von Wichmann
947, — cutis idiopathica progressiva,
von Seifert 1657, myopathische —, von
Landouzy und Lortet Jacob.2179
Atropinvergiftung, letal verlaufene, von
Kucera. 2597
Auerbrugger Leopold, der Erfinder der
Perkussion, von Pick.133t
Auerbruggerfeier in Wien.1111
Aufruf.. . 55, 112, 874, 375
Aufschrecken, nächtliches, von Stern . . 729
Aufstehen s. u. Frühaufstehen, Laparo¬
tomie, Laparotomierte, Wöchnerinnen,
Wochenbett.
Aufstehen, frühes, nach Laparotomien,
von Hartog.372
Auge, s. a. Menschenauge.
Auge, angeborene Fehler und Erkran¬
kungen des, von Peters 141, tropho-
neurotische Störungen der —, von Kru-
sius 210, Versuche am wachsenden —,
von Wessely 688, 2243, Schädigungen
des — durch das Licht und ihre Ver¬
hütung, von Birch - Hirschfeld 1101,
Färben des lebenden menschlichen —,
von Hamburger 1205, Schutz der —
in Schule und Haus, von Best 1563,
Schutz der — gegen leuchtende oder
ultraviolette Strahlen, von Best 1710,
Neurologie des —, von Wilbrand und
Soenger 1963, Einblick in das Innere
des — bei getrübten brechenden Me¬
dien, von Hertzeil 2231, Verletzung
des —, von Schnaudigl 1863, von Mar-
gulifes . 2346
Augenbewegung als Quelle des Gleich¬
gewichts, von Steiner.418
Augeneiterung,präventive Behandlung der,
der Neugeborenen, von Feulner 1036, 1387
Augenerkrankungen, Heilfaktoren bei in¬
fektiösen, von zur Nedden 418, Serum¬
reaktion bei luetischen —, von Best 884,
Behandlung der phlyktänulären —,
von Schütz und Videky 1438, — nach
Geburtshilfe, von Bunge.1749
Augenheilkunde, Fortschritte der, in den
letzten 10 Jahren, von Frey tag 45,
Entwicklung der — an der Universität
Landshut-München,vonEversbusch233,
Verhältnis der — zur Invalidität, von
Cramer 418, Handbuch der gesamten
—, von Graefe-Saemisch 722, Lehrbuch
der — von Axenfeld. . . 1387
Augenhintergrund, b. a. Ophthalmo-Fun-
doskop
Augenhintergrundsuntersuchungen, von
Hesse.1750
Augenklinik in Abessinien.264
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INHALTS-VERZEICHNIS.
XXXIII
1009 .
8ette
Augenkrankheiten, Atlas der äusseren.
von Greef.1387
Augenleiden, Dauerheilung skrophulöser,
von Axenfeld.535
Angenlid, Mitbewegung des, von Lieb-
recht . 2344
Augen Verletzungen und Arbeiterentschä¬
digungen, von Fergus 1926, Vermin¬
derung der Erwerbsfähigkeit durch —,
Dehenne und Baillart. 2338
Aurikularanhängc, von v. Stubenrauch . 1867
Ausdrucksbewegungen, Störungen der,
von Rosenfeld.835
Ausfiockungsmethode nach Porges, von
Schwarz wald . •. 2604
Ausflockungercaktion nach Porges, von
Schwarzwald .... 1554
\ Ausfluss, von Flatau 1665, Behandlung
\ des —, von Nassauer T5J, von Cohn 896
Auskultation des Mundes bei Lnngen-
affektionen, von Achille.1439
Aussperrung s. u. Aerzte.
Ausstellung, Internat., für Hygiene in
Buenos-Ay res 1910.2615
Auswurf, Untersuchung des, bei Bronchi¬
tis albuminurica, von Bezanyon und de
Jong 2346, Eiweissreaktion des tubor-l
kulösen —, von Roger.12346
Auszeichnungen 202, 2296. I
Autan, Verlust an Formaldohyd bei der
Desinfektion mit, von Auerbach und
Plüddemann ... *.872
Au tan verfahren fe. a. Formaldehyddesinfek¬
tion.
Autnintoxikatfonslehre, Wiederbelebung
der intestinalen, ih Frankreich, von
Schmidt. 2653
Autolvse von Nahrungsmitteln, von Maier
1249, Wirkung der —, auf das Leber*
priizipiiinogen, von Franceschelli . 1496
Automatic, atrioventrikuläre, im Verlauf
von Infektionskrankheiten, von Pelski 1194
Automobilverletzungen, von Zimmer ... 90
Automors. 2234
Autoplastik, freie, von König .... 738
Autoserotherapie s. a. Pleuritis.
Azetonkörperausscheidung, Einwirkung
des Nahningsfettes auf die,von Forssner 2537
Azidosis beim diabetischen Koma, von Bed-
dard, Feiubrey und Spriggs. 2598
Azur-Eosinmethode, von Giemsa . . . 2178
B.
Bacillus s. u. Bazillen.
Bad, h. a. Bürstenbäder, Gasbäder, Glüh¬
lichtbäder, Herzgrösse. Koblensäure-
bader, Kohlensäuregasbäder, Kohlen-
saureTeilbäder, Li chtbad, Luftperl bäder,
Radiumbäder, Teerbäder, Vierzellen-
buder.
Bad Reichenhall, Erschliessung einer natür¬
lichen Kochsalztrinkquelle in, von
v. Heinleth. 2238
Bad Reinerz ...591
Badeanstalt, Inserieren einer, seitens eines
Arztes. 2452
Badegewohnheiten und hygienische Sitten
des japanischen Volkes, von Papellier 677
Baden, das, der Neugeborenen, von Saizew
und Schweizer.1346
Baderstand, soll der, in Bayern erhalten
bleiben? von Noder. 461
Bäcker, Haut- und Geschlechtskrankheiten
«ler, von Neuberger.1923
Bäder mit destilliertem Wasser, von Leyden
927, Polizeiverordnung gegen die Ver¬
ordnung medizinischer — seitens der
Medikaster.. 2399
Bäderalbum. 1037
näderverband, allgemeiner deutscher . . 1824
Bahnärzte, Verbesserung der Lage der
österreichischen 580, — und Organisa¬
tion 1622, Verband deutscher — . .2199
Bahnarzttag, deutscher.1671
Bakelit. 2234
Bakterien (bacterium) unter natürlichen
Bedingungen und im Laboratorium, von
Oabanes 199, künstliche Erzeugung
neuer vererbbarer Eigenschaften bei —,
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Seite
von Müller, 885, atypisches — coli als
Krankheitserreger, von SchOne 1198,
können die im Blute eingeführten —
durch gesunde Nieren in den Harn
eindringen? von Vincenzi 1295, Nach¬
weis des — coli in Wasser durch die
Fftllungsmethode, von Federolf 1647,
Kapselbildung und Infektiosität der —,
von Sauerbeck 1748, Allgemeininfektion
durch — coli commune, von Jacob
2174, Schicksal der — im Dünndarm, von
Lindemann 2237, Einfluss osmotischer
Strömungen auf Entwicklung u Lebens¬
tätigkeit der —, von Holzinger 2384 ,
Bordet-Gengousche —, von Arnheim
2492, Verändernng zweier Nährböden
durch Säure bzw. Alkali bildende —,
von Mandelbaum 2476 , Ausscheidung
von — durch die normale Niere, von
v. Klecki und Wrzosek.2712
Bakterien-Antifermente und Bakteriolyse,
von Kantorowicz.. 897
Bakterienextrakte, Vorhalten der Leu¬
kozyten nach Injektion von, von Lange 193
Baktenenkolonien, wandernde, von Müller 886
Bakterienlicht, Erklärung der, von Müller 887
Bakteriologisches Institut in Jena . . . 1823
Bakteriologischo Untersuchungsanstalt
und ärztliche Praxis, von Schmorl and
Schlimperfc.779
Bakteriolysin©, natürliche, von Turrö und
Pi y Sufier.. . 824
Bakteriurie, von Weisz 300, Wichtigkeit
der Urinreaktion bei der typhösen —,
Bakterizidie der Meerschweinchen- und
Rattenleukozytcn gegen Schweine¬
rotlaufbazillen, von Weil. 2652
Balken, Beziehungen des, zum Sehakt,
von Yoshimura. 2539
Balkenstich, Bewertung des, bei der
Hirnchirurgie, von v. Bramann . . . 938
Balkentumor, von. Gessner.785
Balneologenkongress, 31.2143
Balneologie, Zentralinstitut für ..... 543
Baineologischer Unterricht an den Univer¬
sitäten, von Frankenhäuser .... 776
Balneotherapie und Menstruation, von
Gottscbalk 777, — im Kindesalter, von
Hirsch .777
Bainy-Medaille. 2351
Bandwürmer, serologischer Nachweis der,
und des Zystizerkus, von Mohr . . . 2552
Band Wurmmittel, neues, von Grini . . . 2601
Banknotenfälscher, der Mediziner als . . 2556
Bantische Erkrankung, Ban tische Krank¬
heit, von Suntheim 1813, von Paschen
1920, von Müller.2316
Barlowsche Krankheit, von Hoffmann 477,
von v. Starck 1051, von Concetti 2436,
— mit spasmophiler Diathese, von
Jamin.780
Bartholinische Drüse, Karzinom der, von
Schlüter. 35
Baryumchlorid bei Herzkranken, von Grober 2399
Basedow morbus s. a. Struma.
Basedowsche Krankheit, morbus Basedow»,
von Baker 1440, chirurgische Behand¬
lung des —, von Krecke 15, 105, Be¬
handlung des —, von Gullan41, Rönt¬
genbehandlung des —, von Holland 41,
durch Kxothyreopexie geheilter —, von
Heinlein 685, Pathologie der —, von
Eppinger und Hess 1040, 1052, Be¬
handlung des — durch Elektrizität,
von Rainear 1911, Ernährung bei —,
von Ohlemann 2t >40, Blutveränderungen
bei —, von Kurlow 2333, Behandlung
des— mitRöntgen8trahlen,von Iwanow
2333, Serumtherapie des —, von
Lamonow 2333, günstige Wirkung des
Kxtr. Cannabis indic. butyr. bei —, von
Craemer.. . . 2598
Basedowkranke, Antithyreoidinbehandlung
von, von Rosenberger.2120
Basisfrakturen, Symptomatologie der, von
Ferron . . . ..1145
Bassinische Operation, Modifikation der,
von Caminiti.622
8eite
Baachbrach, postoperativer, von Menge, 422
Bauchchirnrgie in Amerika 2381, vor* und
nachoperative Massnahmen bei der —*
von Girard 2554, von Beddard . . . 2555
Bauchdecken geschWülste, chronisch ent¬
zündliche, nach Hernienoperationen,
von Kreuter. . 2055
Baachdeckenplastik, von Weinhold . . . 2070
Bauchdeckentumoren, entzündliche, nach
Appendizitis, von Meyerson.195
Bauchfell, Elastizität des, von Moro . . 1552
Bauchhernie, traumatische, von Schmid . 1806
Bauchhöhle, Verletzungen der, durch
stumpfe Gewalt, von Noetzel 622,
Sensibilität der —, von Ritter 881, von
Propping 1857, seltene zystische Bil¬
dungen in der —, von Himmelheber
2023, Fremdkörper in der —, von Ranz!
2073, Schmerzempfindung in der —,
von Wilrn». 2073
Bauchkontusion’s. a. Contusio.
Bauchmuskelgymnastik von v. Criegern . 2230
Bauchoperationen, Nachbehandlung von,
von Kotzenberg.881
Bauchorgane, Sensibilität der, von Käst
und Meitzer 301, von Nyström 2594,
Sensibilität und Schmerzempfindung
der —, von Wilms. 2490
Bauchraum, Schutzarbeit im, von Witzei 289
Bauchschussverletzungen des Friedens,
von Kohl. 91
Bauchsitus, pathologische Veränderungen
des, von 8chwalbe. 2500
Bauchspeicheldrüse, primäres Sarkom der,
von v. Halasz. 94
\Bauchtuberkulose bei kleinen Kindern,
^ von Fordyce .......... . 1926
Bauchverletzungon, Chirurgische, von
Weber 1493, offene —, von Weber
1662, Behandlung von — im Kriege,
von Doche, von Truti6 de Vancresson 2180
Bauchwand, Ruptur der vorderen, von
Hangen.1195
BauhinscheKlappe,Tumoren der.vonOberst 2661
Bazillen, Bazillus, „lange“, — im Verdau-
ung8traktus, von Fricker 303, Boas-
Opplerscher —, von Rodella 414,
typhnsäbnliche von Baumann 577,
säurefeste — bei Perifolliculitis, von
Preis 631, — phlegmones emphyse-
matosae, von Schnitze 671, Haltbarkeit
der Diphtherie— und des Paratyphus
B- — in der Milch, von Kersten 1295,
Unterscheidung der — der Typhus-
Coli-Uruppe durch gefärbte Medien,
von Mc Weonie 1981, Boas-Opplerscher
— im Harn, von Rodella 2026, lange
— im Stuhl, von Schaly 2176, —
pyocyaneus in der Blase, von Sommer¬
feld . 2218
Bazillenemulsion, stomochale Anwendung
der Kochschen, von Köhler.1032
Bazillenruhr, atypische, von Heuser . . 2123
Becken, Entfernung übergrosser Tumoren
des kleinen, von Küttner 194, Therapie
beim engen —, von Hannes 195, schwere
Verletzungen des knöchernen —, von
Fischer 1560, Behandlung des engen
—, von Fehling 1925, von Baisch 2137,
von Veit 2281, Gehurt bei engem —,
von Pestalozza. 2651
Beckenaffektionen, medizinische Behand¬
lung der, von Richelot ...... . 108
Beckenbodenplastik, von Poppert . . . 2490
Beckenerweiterndc Operationen, von Müller 197
Beckenhebung, von Opitz . ..1436
Beckenluxation, von Grimbach.143
Beckenmesser, von Hauck ....... 1859
Beckenmessung, innere, von Orth . . 2121
Beckenre^ekt-ion wegen Sarkom, von Kiese 2653
Beckentieferung und Schrägstellung dos
Operationstisches, von Thiel ... 2541
Becken Verengerungen, Therapie bei, mitt¬
leren Grades, von Kupferberg ... 2435
Beinlühmung, hysterische, von Baimann
und Fuchs . 2654
Beiträge s. a. Teil IV., Journallitteratur.
Beiträge zur chemischen Physiologie und
Pathologie 1603, internationale — zur
3
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
XXXIV
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Seite
Pathologie und Therapie der Ernäh¬
rungsstörungen, Stoffwechsel- und Ver-
dauungskrankheiten. 2559
Bekanntmachung. 55, 2456
Belastungsdeformitäten, Behandlung der,
von Krukenberg.940
Beleuchtung, direkte, der Bauchhöhle, des
Dickdarms und dqr Harnblase, von
v. Ott 358, Gefahren moderner —, von
Viereck. 2280
Beleuchtungsapparat, beweglicher, von
Langem ak 611, elektrischer —für das
Mikroskop, von Noesske.1155
Belloq'sches Verfahren 8. u. Nasenrachen¬
raum.
Beneke-Denkmal.742
Benzidinprobe, von Ascarelli 93, — für
die forensische Blutdiagnose, von
Merkel. 2358
Benzin, Unglücksfälle durch, im Jahre 1908 1501
Benzinbrftnde und deren Verhinderung,
von Bernhard.1658
Benzin Vergiftungen 1500, von Wiehern II,
von Hancken. 771, 834
Bergwerke s. a. Hauttuberkulosc.
Beriberi, Einfluss des Reises bei, von
Mine 200, — artige Erkrankungen aus
Afrika, von Osbome 722, Aetiologie
der —, von Schaumann 827, von Fraser
und Stanton 1201, von Giemsa 1755,
Rekurrenslähmung bei —, von Miura 1656
Bericht s. a. Generalbericht, Jahresbericht,
Sanitätsbericht.
Bericht über urologische Forschungsergeb¬
nisse 298, 1705, — über die Abt. für
Ohrenkranke im Krankenhausc r. I.
München, von Wanner 579, — über
das Arbeitsjahr 1906/07, von Scholtz
und Doebel 677, — über die Tätigkeit
des „Prinzessin Amulfhauses für Säug¬
linge“ in München, von Reinach und
Grimm 1136, — über neuere deutsche,
die gesamte Physiologie betreffende Ar¬
beiten, von Bürker 1602, 2495, — über
die Tätigkeit der Säuglingsfürsorgestelle
in Weissenburg, von Doerfler .... 1764
Berlin, statistisches Jahrbuch der Stadt,
von Fischer.1238
Berufsgeheimnis, das ärztliche, vor Gericht,
von Siebert. 2428
Berufskarzinome, von Zweig.826
Berufsnervosität, ihre Entstehung und
Verhütung, von Windscheid .... 2493
Berufsskoliose, von Schulthess.143
Berufssyphilis der Aerzte, von Waelsch
690, 856
Berufung 374, 639, 2351, — von Strüm¬
pells und Flügges.147
Beschälseuche, von Mierrner 828, Unter¬
suchung über —, von Zwick .... 2550
Beschwerden, objektiver Nachweis der sub-
. jektiven peripherisch-nervösen, von
Cornelius. 93
Betäubung, zwei Unglücksfällo bei An¬
wendung der örtlichen, von Strohe . 2 j 41
Betriebskrankenkassen, Versammlung der
1202, Verband zur Wahrung der Inter¬
essen der deutschen —.2143
Betriebsunfall .. 2385
Bevölkerung, Entwicklung der bayrischen,
im Jahr 1908 1309, natürliche Bewe¬
gung der — der europäischen Staaten
mit Beginn des 19. Jahrhunderts . . 2349
Bevölkerungsbewegung und Todesursachen
in den Wohnplätzen mit mehr als
15000 Einwohnern.789
Bevölkerungszuwachs Deutschlands seit
1816 . 2293
Bewegungen, Sehen von, von Basler . . 2538
Bewegungs- und Sprachstörungen bei
Geisteskranken, von Kleist 421, cho¬
reatische — bei Psychosen und Neu¬
rosen und Chorea chronica, von Liebere 1567
Bewusstseinsstörungen, epileptische, mit
Wandertrieb, von Glas.211
Bezirks verein Stadtamhof.1215
Bezolds funktionelle Prüfung des Ohres
u. Taubstummenforschung, vonWanner 455
Bibliographie, internationales Institut für,
der Medizin und der NachbaJgebiete .
Bibliotheque de Th4rapeutique, von Gilbert
und Carnot.
Bibliotheken, Vereinigung medizinischer
2087, Verzeichnis aller grösseren medi¬
zinischen —.
Bienenhonig, Beurteilung des, und seiner
Verfälschungen mittels biologischer Ei-
weissdifferenzierung, von Langer . .
Bienenstiche bei Rheumatismus, von
Burton.
Bierhefe, therapeutische Bedeutung der,
von Walzow und Sacharow.
Biersche Methode s. a. Hyperämie, Stauung.
Biersche Methode, Resultate der, von
Dupont 1751, klinische Beobachtungen
über die —, von Delvez.
Bierverbrauch in München.
Bildungsanomalie, mesenteriale, von
Kirschner.
Bilharzia haematobia und Beschneidung,
von Allen.
Bilharziakrankheit, von Koutsky-Bey 1356,
Pathologie der ägyptischen —, von
Pfister und Goebel.
Bilharziosis bei Frauen und Mädchen in
Aegypten, von Looss.
Bindegewebsfibrille, Entwicklung der, von
v. Korff.
Bindehaut, amyloide Degeneration der,
von Sandmann 587, bakteriologische
Untersuchung der — in der Praxis,
von Schmeichler 1498, Krankheiten
des lymphoiden Gewebes der —, von
Collins.
Bindehautamyloidose, von Löwenstein .
Bindehautentzündungen, von Velhagen
1564, samoanische —, von Rossiter .
Bindehautgonorrhöe, neuere Massregeln
gegen die, der Neugeborenen, von
v. Herff.
Biochemische Methodik.
Biologischer Unterricht in den hessischen
Mittelschulen.
Biophysikalische Methodik.
Bio-Röntgenographie von Kästle, Rieder
und Rosenthal 288, von Lichtenberg .
Biozystographie, von v.Lichtenberg,Dietlen
und Runge.
Bismuth. subnitr., schwere Intoxikation
durch, von Bensaude und Rivet 1053,
Wirkung des Kolibakteriums bei Ver¬
giftungen durch —, von Barabaschi .
Bitterstoffe, Wirkung der, auf die Resorp¬
tion, von Heubner und Rieder 1574,
neue Wirkung der —, von Heubner
und Riedeck.. . .
Bitterwasserwirkung, Theorie der, von'Ury
Blätter für Säuglingsfürsorge.
Blase s. a. Harnblase.
Blase, Verschluss der weiblichen, von
Zangemeister 302, Behandlung schwerer
Entzündungen der weiblichen —, von
Zurhelle 302, Prüfung der motorischen
Suffizienz der —, von Strassmann 936,
Exstirpation der —, von Strauss 936,
röntgenographische Aufnahmen der —
und des Urinbeckens mit Kollargol-
füllung, von Voelcker und v. Lichten¬
berg 936 Wiederherstellung des ab-
gequetsenten Uebergangeteiles der —
in die Harnröhre, von Sellheim 1196,
Ektopio der —, von v. Stubenrauch
Blasenbeschwerden des Weibes ohne zysto-
skopischcn Befund, von Rissmann
Blasenbildung, hypnotisch erzeugte, von
Heller und Schultz.
Blasenblutung bei Retroflexio uteri, von
Holzbach.
Blasendivertikel, kongenitale, von Perthes
Blasenektopie, 2 geheilte Fälle von, von
Graser.
Blasenerkrankungen, von Kneise ....
Blasenhals, papillomatöse Wucherungen
des, und der hinteren Harnröhre, von
Frank 299, Klappenbildung am —,
von Böhme.. . .
Seite
2615
924
2503
2652
1704
2334
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A
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2199
1868
1196
2112
930
2489
2489
945
936
Blasenkarzinom, von Hadda.529
Blasenkrebs, operative Behandlung des,
von Cabot.1706
Blasenlähmung nach willkürlicher Urin¬
retention bei Diabetes insipidus, von
Scharff.988
Blasenmolenfrage, von Heilbrun .... 1659
Blasennaht, von v. Hacker .726
Blasenpapillome als Geburtshindernis, von
Freund.1103
Blasenscheidenfistel, Operation grosser
fixierter, nach Trendelenburg, von
Everke 1196, — als hysterische Selbst¬
verletzung, von Klein.1511
Blasensitus nach Zystozelenoperation, von
Sieber.302
Blasenspülkatheter, neu konstruierter, von
Higuchi.529
Blasensteine, Differentialdiagnoetik der,
von Goldberg 936, grosse —, von Born
936, 24 —, von Stoeckel 1866, Rezidive
nach Entfernung von —, von Southam 2599
Blasensteinkrankheit, Verbreitung und
Aetiologie der, in Württemberg, von
Küttner und Weil.1746
Blasentafeln, stereoskopische, von Jacoby ß80
K uiasentuberkulose, Diagnose und Therapie
der, und Nierentuberkulose, von Casper
1198, 1300, — und Nierentuberkulose,
von Schloffer .... .2$74
Blasentumoren, von Caspar 936, von
Zuckerkandl 936, endovesikale Behand¬
lung von —, von Hock. 2398
Blastomykose der Haut in den Philippinen,
von Phalen und Nickols. 2236
Blastomyzeten im Blut, von Vedeler . . 469
Blausucht 8. u. morbus coeruleus.
Bleierkrankungen.. . 2391
Bleifarben, Kampf gegen die, in Frank¬
reich, von Grünwald.933
Bleilähmung, Lokalisation der, von Teleky
1212, 2711
Bleineurasthenie, von Naegeli-Naef . . . 1151
Bleivergiftung s. a. Oberflächenwasser.
Bleivergiftung, Stickstoff Umsatz bei der,
von Reti 1246, Diagnose der — aus
dem Blute, von Trautmann 1371, —
im Kindesalter, von Turner 1970,
N-Stoffwechsel bei —, von Preti 2282,
diagnostischer Wert der Blutunter¬
suchung bei —, von Schmidt . .
Blendung, von Schanz 1711, Schutz ge¬
werblicher Arbeiter gegen —, von
Schanz und Stockhausen. 2025
Blennorrhoea neonatorum b. a. Bindehaut-
gonorrhöo.
Blennorrhöe, Sekretgewinnung bei, von
Kremer 825, Uebertragungsversuche
von gonokokkenfreier — neonatorum
auf Affen, von Lindner. 2438
Blepharospasmus hystericus, von Kotten¬
hahn .1512
Blinddarmentzündung, s. a. Appendizitis.
Blinddarmentzündung, Sammelforschung
der Berliner med. Gesellschaft betr.
die — des Jahres 1907 in Gross-Berlin,
von Albu und Rotter.. . . 1052
Blinddarminhalt, Bewegungsvorgänge des,
von Basler.1605
Blinddarmoperationen zwischen 3. und
6. Krankheitstag, von Moullin .
Blinde, Fernsinn der, von Wölfflin
Blitzableiteranlagen, von Kayser .
Blitzlicht-rerimeter, von Hertzeil .
Blitzschlag, Augen Verletzungen durch, von
Hessberg 511, — als auslösendes Mo¬
ment einer Psychose, von Becker
Blumbergsches Phänomen, von Blumberg 2345
Blut, s. a. Antifermentreaktion, Blutvisko¬
sität, Geisteskranke, Nabelschnurblut,
Viskosität.
Blut, Viskosität des, von Hess 32, von
McCaskey 254, von Adam 1653, Be¬
stimmung der Trockenrückstände des
— von Chiarolanza 32, Farbstoff und
Eisengehalt des —, von David 32, Ein¬
fluss warmer Bäder auf die Viskosität
des —, von Hess 95, Bestimmung der
2495
2548
1652
1501
2545
1538
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Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
XXXV
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
Seite
Gerinnungszeit des — nach Btirker,
von Hartmann 209, Gerinnbarkeit des
— Epileptischer, von Perugia 305,
klinischer Nachweis von — in den
Fäzes, von Messerschmidt 388, anti-
tryptischer Index des — bei bösartigen
Geschwülsten und septischen Erkran¬
kungen, von Landois 577, Nachweis von
— in den Fäzes, von Schümm 812, von
Gehrmann 812, — rozentluetischer
Menschen, von Wintemitz 825, Gerin¬
nung und Dekoagulation des — in den
Venen, von Chantemesse 891, Einwir¬
kung periodisch erzeugter Dyspnoe auf
das —, von Priese 925, Verwertung
der Koagulationsbestimmung des — in
der Chirurgie, von Denk 940, Reaktion
im — von Geisteskranken, von Much
1881, von Much und Holzmann 1112,
von Fraenkel, Käthe und Bierotte 1481,
1818, Harnsäuregehalt des arteriellen
— von Solecker 1086, Einfluss der
Körpertemperatur auf den Zuckergehalt
des —, von Senator 1192, Autolysine
im — bei Infektionskrankheiten, von
Frank 1193, Antitrypsingehalt des
mütterlichen und kindlichen —, von
Becker 1198, Verwertung der Koagu¬
lationsbestimmung des — in der Chi¬
rurgie, von Denk und Hellmann 1292,
ßauerstoffbindung im —, von Manchot
1306, Antitrypsingehalt des —, von
Wolff 1353, klinische Bedeutung der
Antitrypsinbestiromung im —von Jacob
1181, 1519, Antitrypsingehalt des — in
der Gynäkologie, von Becker 1363,
Diagnose der Bleivergiftung aus dem
—, von Trau!mann 1371, Untersuchung
auf — mittels der Terpentin-Gnajak-
probe, von Dreyer 1384, komplement¬
bindende Substanzen im mütterlichen
und kindlichen —, von Bunzel 1562,
Viskosität des menschlichen —, von
Jorns 1567, Bestimmung des Volum-
und Gewichtsverhältnisses von roten
Körperchen und Plasma im —, von
Schrottenbach 1603, — und Kreislauf
beiPolycy thaemia rubra megalosplenica,
von Loewy 1608, Aufnahme von Stick¬
oxydul im —, von Siebeck 1650,
Gewinnung von Glykokoll aus nor¬
malem —, von Bingel 1650, Unter¬
suchung auf — mittels der Terpentin-
Guajakprobe, von Linz 1742, neue
Spektren des —, von da Domenicis 1869,
Verfahren zum Nachweis von —, von
v. Kössa 1859, chemischer Nachweis von
— im Stuhl, von Ohly 1908, neue Me¬
thode zur Bestimmung der Gerinnungs¬
zeit des —, von Riebes 1858, bakterio¬
logische Untersuchung des — bei fieber¬
haften Erkrankungen, von Kirdlyfi21l9,
Viskosität, Hämoglobin- und EiweisB-
gehalt des kindlichen —, von Trumpp
2145,2288, Nachweis eines spezifischen
anaphylaktischen Reaktionskörpers im
— von Tumorkranken, von Ranzi 2178,
von Pfeiffer 2178, Strömung des — im
Gebiete der Pfortader, von Burton-
Opitz 2537, Gehalt des — an Kohlen¬
dioxyd beim diabetischen Koma, von
Beddard, Pembrey und Spriggs 2598,
Schwankungen im Antitrypsingehalt
des —, von Klug. 2653
Blutalkaliagar, im Elektivnährboden für
Choleravibrionen, von Dieudonn4 . . 995
Blatanalyse, Bedeutung der, in septischen
Fällen, von BochenBki.671
Blutanaphylaxie und ihre Anwendung
in der Gericht sarzneikunde, von
Thomsen. 2283
Blotbefunde an der Nordsee, von Haeber¬
lin 92, zy tologische — bei Konstitutions¬
krankheiten im Kindesalter, von Men-
nacher 2288, bakteriologische — bei
Kmälirungskrankheiten im Säuglings¬
alter, von Caan 2492, eigenartiger —,
von Höfer.2713
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Seite
Blutbeschaffenheit in Bezug auf die Ver¬
dauung, von Marcus.776
Blutbestimmung, quantitative, von Leere 1967
Blutbild, leukozytäres, von Zangemeister
und Gans 783, Untereuchungsmethode
des neutrophilen —, von Kothe 1138,
Bedeutung der A nethschen —, von
Sonnenburg und Kothe. 2489
Blutbildung, ausschlaggebende Bedeutung
der verminderten Sauerstoffspannung
der Gewebe für die Anregung der —,
von Kuhn und Aldenhoven. 2438
Blutdiagnose, praktische Verwertung der
Benzidinprobe für die forensische, von
Merkel. 2358
Blutdruck bei Alkoholberauschten, von
Holzmann 35, eine den — steigernde
Substanz in der Niere, von Bingel 103,
Methoden der Bestimmung des — am
Lebenden, von Kraus 107, Lehre vom
—, von Gerhardt 192, Veränderung
des . arteriellen — bei Herzkranken
während der Kompensationsstörung,
von Lang und Manswetowa 192, Wir¬
kung des Trinitrins auf den —, von
Carriön y Garagarza und Durän 198,
— bei Ankylostomaanämie, von Co-
dina Caetellvi 198, Bestimmung des —,
von Kraus 204, — bei Arteriosklerose,
von Rudolf 255, — beim Menschen,
von Brunton 417, einfache Bestim¬
mungsmethode des diastolischen —,
von Ehret 606, — and Trinkkuren,
von Strauss 776, Beeinflussung des —
durch alkoholische Getränke, von John
926, — und dessen auskultatorische
Bestimmungsmethode, von Ehret 959i
Herzscher Apparat zur Bestimmung
des —, von Kolomoitzew 1482, Ver¬
änderungen des — vinter Einwirkung
deiHkomprimicrten Luft, von Schöppngr
1686, Verhalten des — nach Kohlen¬
säure- und Wechselstrombädern, von
Laqueur 1856, Apparat zum Studium
des —, von Salaghi 2340, diagnostische
Bedeutung des — bei Diphtherie, von
Brückner 2390, klinische Messung des
—, von Winternitz. 2451
Blutdruckbestimmung, Apparat zur gra¬
phischen, von Stursberg 562, Korot-
kowsche Methode der —, von Staehelin 1096
Blutdruckmesser, Kritik meines, von Herz 1899
Blutdruckmessung, von Federn 414, Me¬
thodik der —, von Lang und Mans¬
wetowa 192, klinische — beim Menschen,
von Moritz 321, auskultatorische —,
von Schrumpf und Zabel 704, aus¬
kultatorische Methode der —, von
Bickel 925, — in der Praxis, von
Deneke 991, — und Pulsdruckmes¬
sungen bei internen und nervösen
Leiden, von Apelt 1254, Fehlerquellen
bei der palpatorischen —, von Schnitze
1603, vergleichende —, von Sterzing 2330
Blutdrucksteigerung, nepbritische, von
Marcuse.1607
Blutdruckstudien, von Deneke . . . 313, 476
Blutdruckunterechiede, arteriosklerotische,
von Engel. 2025
Blutdruckwerte, diastolische, von Zabel . 1607
Blategelextrakt s. u. Eklampsie.
Bluterbrechen, von Hüffell.103
Blutfarbstoff, Umwandlungsprodukte des,
von Schümm 1508, Lichtextinktion,
Gasbindungs vermögen und Eisengehalt
des menschlichen —, von Butterfield 2498
Blutflecken, Unterscheidungzwischen Men¬
schen- und Tierblut io, von Thomsen 1298
Blutgefässgeschwülste des Kopfes, von
Siegmund.578
Blutgerinnungszeit, von Hartmann . . . 796
Blutknötchen an den Herzklappen der
Neugeborenen, von Wegelin .... 359
Blutkörperchen, Zusammenhang zwischen
der Anzahl der weisßen, und den Ver¬
änderungen des Pulsdruckes, vonlleyer-
dahl 1298, Granulationen der weissen
—, von v. Jagic 1392, Verhalten der —
Seite
gegen Kobragift, von Kraus, Pötzl,
Ranzi, Ehrlich 1609, Bedeutung der
roten — für die Krankheiten der Harn¬
organe, von Loose. 2397
Blutkörperchenvolumen, Bestimmung des,
von Pankow.253
Blutkörperchenzählapparat, Verbesserung
der Pipetten des, und des Hämometers
nach Sahli, von Portmann. 2438
Blutkörperchenzählung, Präzisionspipette
zur, von Hirschfold.577
Blutkonzentration bei Pneumonie, von
Sandelonsky 1854, — bei Scharlach,
von Oppenheimer und Reiss .... 1854
Blutkrankheiten, Verwandtschaft zwischen,
und Sarkom, von Bushneil 41, Behand¬
lung der —, von Meyer.158
Blutleere nach Momburg in der Geburts¬
hilfe, von Sigwart 464, von Rieländer
1866, von Weber 2174, künstliche —
der unteren Körperhälftc, von Hoehne
624, — der unteren Körperhälfte, von
Momburg 880,2596, Momburgsches Ver¬
fahren zur Erzielung der — bei Ope¬
rationen, von Ribera y Sans 1499,
Momburgsche —, von Rimann und Wolf
1906, Gangrän des Beines nach Mom-
burgischer —, von Kempf 2022, künst¬
liche — bei Schädeloperationen, von
Sauerbruch . 2651
Blutmenge, vom linken Herzen hinaus¬
getriebene, von Tigeretedt. 2537
Blutnachweis, spektroskopischer, von Leere
360, biologischer —, von Molitor . . 1966
Blutplättchen, Beobachtung und Gewin¬
nung von, von Bürker 1603, — und
Blutgerinnung, von Deetjen .... 1921
Blutplättchenstolfe, Wirkung von, gegen
Milzbränderreger, von Barreau . . . 1647
Blutproben, Instrument zur Entnahme von,
für bakt. Untersuchungen, von Müller 2115
Blutreaktion, Veränderungen der, von
van Westenrijk und Friedenthal . . 926
Blutretentionstumoren, von Brothers . . 144
Blutserum, Refraktionswert des — nach
Aufnahme von Kochsalz, von Benczur
355, Eiweissgehalt des —, von Engel
und Orszdg 355, antitryptische Wir¬
kung des —, von Fürst 145, Antitrypsin¬
gehalt des mütterlichen — während
der Schwangerschaft, von Gräfenberg
702, antiproteolytische Wirkung des —,
von Meyer 1250, hämolygierende Eigen¬
schaft des —, von Goldschmidt und
Pribram 1490, Einfluss der Leukozyten
auf die Aktivität des —, von Weil
1553, antiproteolytischc Substanz im —
gesunder und kranker Säuglinge, von
Lust 2047, die Koprngift aktivierende
Eigenschaft menschlicher —, von Beyor
2208, Antitrypsingehalt des — bei
Geisteskranken, von Jach 2254, dia¬
gnostische und prognostische Bedeu¬
tung des Antitrypsingehaltes im —,
von Jochmann 2330, diagnostische Be¬
deutung der antitryptischen Reaktion
des —, von Poggenpohl 2332, antitryp¬
tische Reaktion des — bei Karzinom,
von Winogradow. 2334
Blutserumprobe bei Echinokokkuszyste,
von Jianu. 2331
Blutsinus der Kaninchenorbita, von Ulb¬
rich .1407
Blutspektra, Photographie der, von Rost,
Franz, Heise.2176
Blutspuren, Nachweis von, mittels der
Benzidinprobe, von Ascarelli 93, spek¬
troskopischer Nachweis kleinster —,
von Leers.1967
Blutstillung während der Nachgeburtszeifc,
von Senheim.35S
Blutstillungsmeohanismus, Bedeutung der
< ierinnungskomponente für den post¬
partalen, von Neu. 2871
Blutstillungsmittel, physikalische, in der
Gynäkologie, von Horzl.1745
Bluttransfusionen, von Voit 1559, — in
Amerika. 2426
3 *
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
XXXVI
INHALTS-VERZEICHNIS.
190 9 .
Seit.:
Blutung s. a. Aortenkompression, Massen¬
blutung.
Blutung, Stillung der, aus der Art. cystica
durch Unterbindung der Art. bepatica
propria, von Kehr 237, Behandlung
innere** — mit Kochsalz, von von den
Velden 860, Serumanwendung hei —,
von Wirth 415, unstillbare klimakteri*
Sehe —, von Stoeckel 773, familiäres
Vorkommen menstrueller — während
der Gravidität, von Vogt 1965, tödliche
— aus den Nahelschnurgefässon, von
Althoff.2115
Blutuntersuchung, diagnostische Bedeu¬
tung der, von Gaisböck 729, klinische
—, von Münzer 925, Grundriss der
klinischen —, von v. Müllern 1191,
— serologischer Diagnostik bei chirur¬
gischen Erkrankungen, von Sondern
und Turin 1973, bakteriologische — bei
chirurgischen Infektionskrankheiten,
von Spassokukotzky ....... . 2435
Blutvergiftung,experimentelle,vpn Schmidt 1855
Blutviskosität, Aenderungen in der, in¬
folge von chirurgischen Operationen,
von ßolognesi 1964, — bei chirurgi¬
schen Krankheiten und Operationen . 2387
Blutzellenimmunität, Carl SpenglerHche,
von Fuchs-Wolfring. 2650
Blutzuckergehalt, von Hollinger 1863,
physiologische Regulation des —, von
Frank und Isaac.1096
Blutzysten des Halses, von Spannaus . . 1746
Bodelschwinghsche Krankenanstalten . .1111
Boerhave-Klinik in Amsterdam.1394
Bogenlicht, Bestrahlung von Wunden und
Geschwüren mit blauem, von Richter 985
v. Bollinger f, von Dürck. 2058
Bolus alba bei Scharlachdiphtherie, von,
Glatzel 1210, Ehrenrettung der —, von
Frey 1657, — bei Rhinitis acuta, von
Trumpp. 2422
Boraxglasur, giftfreie.932
Borstenkrankheit in Südchina, von Prahl 734
Borwachssalbc. 1283, 2672
Botanik, volksmedizinische, von Höfler . 925
Botulismus, von Blattmann.197
Bouton des pays chauds, von Haslund
und Boas.417
Brachydaktylie, hereditäre, von Mathew . 362
Bradykardie und Stokes-Adamsscher Sym-
ptomenkomplex, von Huismans 552,
partielle oder ventrikuläre —, von Zeri 2546
Brandstif ter,Psychopath ologieder,vonReiss 1614
Brandstiftungstrieb, von Reiss.1668
Brandwunden, hydriatische Behandlung
von, von Wirz.. . 1671
Briefe, Altonaer 677, — aus Amerika 365,.
1811, Berliner — 98, 308, 472, 1036,.
, f 1108, 1202, 2029, 2440, Breslauer —
147, 632, 988, — aus England 202, 364, .
1253, Hamburger —- 308, 2339, Hollän-'
discher — 1394, 2498, — aus Italien
877, 1347, 1708, 2339, 2601, Kölner —
363,541, Kopenhagener — 1203, — aus
Moskau 202, 1037, 2442, Pariser —
148,1204, 1862, Römische — 99, Strass¬
burger — 733, Wiener — 1147, 161^,
2285, 2441, 2556, offener — an die
Herren, Professoren Krönig und Sell-
heim, von Martin 357, offener — an ,
Se. Exzellenz Herrn Staatsministar
Dr. v. Bethmann-Holl weg.43 t
Briefmarkenalbum, Schaubecks.840
Brillen und Astigmatismus, von Dutoit . 1657
Brillengläser s. u. Opto-Sphärometer.
Bromgiidine, Versuche und Erfahrungen
mit, von Altvater.1838
Bromoform-und Chloroformvcrgiftung, Ent¬
fernung den Giftes bei 1 , von Walldorf 2503
Bromovpse .. 2234
Bromsalze, Verhalten der, im Organismus,
von v. Wyss.2712
Bromsilberpapier, Vergrössern und Ko¬
pieren auf, von Loescher.1549
Bromural, von Delitala und Ruju 305, von
Deffge ;.1575
Seite
394
^Br.
Bromvalidol, von Schwersenski.
r nchialasthma, neue Behandlung des*
von Günzel 735, Atmungsgymnastik
yi hei —, von Hofbauer 1610, Behandlung
> des — mit Vakzine, von Carmalt-Jones.||979
Xjronchialdrüsentuberkillose, von Siegert
1666, Diagnosestellung der — im Kin¬
desalter, von Cozzolino 2492, — ohne,
klinische Symptome, von Heislor und
Schall ..2650
Bronchiektasie, von Martin 1922, akute .
und chronische — hei Kindern, von
Tschernow. 871
Bronchialerkrankungen, Behandlung von,
mit Schräglage, von Schäfer.1086
ronchitis, Behandlung der chronischen, I
und des Bronchialasthma mit Röntgen-1
strahlen, von Schilling.11151
Bronchoskopie, von Brünings 2608, Be¬
deutung der — für die innere Mediain,
von Ephraim. 2330
Bronzediabetes und Pigmentzirrbose, von
Simmonds.727
Brot für Diabetiker, von Cabal.1393
Brotschutz, sanitärer.2614
Bruch s. a. Bauchbruch, Hernie, Ham:,
blasenbruch, Fraktur, Inguinalhemie,
Leistenbruch, Leistenhernie, Nabel¬
bruch.
Brüche, Peritonitis bei eingeklemmten.,
brandigen, von .Straus» 107, Schein:,
einklemmung von —, von Clairmont.
529, — des Os naviculare, von Meyer
674, typische — von Handwurzelkno-
chen, von Granier 1199, isolierter —
des Mondbeins, von Finsterer 2068,
Diagnose der zwei Darinschliugen im
eingeklemmten —, von Lauen stein 2489,2543
Brucheinklemmung im Foramen Winslowii,
von Morton 1703, von Sinclair . . . 1703
Bruchoperationen, Enderfolge der, von.
Murray.. . 1703
Brustdrüse, fibroepitheliale Veränderungen
der, von Theile 89, Gallertkrebs der —
von Gaabe.412
Brustdrüsenkrebs, chirurgische Behand¬
lung des, von Steiner.928
Brustkind, Stoffwechsel versuch an .einem,
von Amberg und Morril 1294, Phos-
phorau 8 scheidung im Harne beim —,
von Moll 1294, schlecht gedeihende —,
von Thiemich.1663
Brustkorb, rachitische Residuen am —
Erwachsener, von Schurig 542, Mobili-.
sierung des —, von Fränkel .... 1412
Brustkrebs, von Cameron..1703
Brustmuskeldefekt, angeborener, von...
Knierim . . .. 1768
Bruststimme, Mechanismus der, und Fal¬
settstimme, von Fischer und Möller. ,. 470
Brustwand - Lungen - Mobilisierung, von
Friedrich. 2489
Brutschrank für Hämolyse versuche, von
Weidanz.•.1296
Bryonia, von Huchard.1214
Bubonenpest, Serumt-herapie der, von.
Ferrari 198, — an der Pazifischen
Küste.366
Buchweizengenuss, Liehtempfindlichkeüt
nach, von Oehmke.1604
Buckel, Calotschc Behandlung des spon-.
dylitischen, von Kofmann 144, allmäh¬
liches Redressement des Pottschen —,
von Lange.1667
Budget, englisches 1253, bayrisches _ . 2142
Büchordesinfektion im grossen.,, von
Gärtner.•.144
Bügeln, •DesinfcktionsWirkung des, von
Svehla.1647
Bürstoubäder, von Scholz ..215
Bandessanitätsamt, amerikanisches . . . 365
Burenkrieg, Tagebuchblätter eines deut¬
schen Arztes aus dem, von Tilomann 464
Butlinsche Operation bei Krebsen des Mun¬
des, von Paul.731
Buttermilchnährung gesunder and kranker
Säuglinge, von Koeppe.1342
C,
Unter X) nicht aufgeführte.Wörter s. u. K bezw. Z.
Caissonarbeiter, Berufskrankheit der, und
die prophylaktischen Massnahmen da-.
gegen, von v. Seliwa. 2280
Caissonerkrankungen beim Bau des Elb*
tunnels in Hamburg, von Lauenstein 680*>738
Caissonkrankbeit s. a. Luft, Druckluft*
krankbeit,Pneumatische Erkrankungen»
Caissonkrankheit» von. Fahr 5ö8, von Born-
stein 831, von .Lauenatein.831
Caissonmyelitis, von Wassermeyer . . . 360
Calcanqus, Exostosen des, von Reclus -
und ^Schwarz.2180
Calcinoais intorstitiaüa - multiplex, von
Krause.942
Calliphora,: chemische. Beobachtungen an
der Fliege, von Weinland. 2496
Cammidge-Rpaktion s.a. Pankreasreaktion.
Cammidgescbe Reaktion, von Eicbler und
8chirokauer 466» von Orlowsky 2333,.
— als Hilfsmittel für die Diagnose der
Pankreaserkrankungen,, von Iiagen . 983
Cammidgeprobe, Bedeutung der in der
Indikationsstellung bei der GaHensteia-
krankbeit, von Kehr. f88Z
Camphosan.410
Cancer, the.Natural Hystory of, von Wil¬
liame .1699
Capsulae gelodurataa, von Joseph . . . 825
Caput obstipum musculare, von Rettig 775,
geburtshilfliebe AeUalogie des —, von
Gauss.1660
Carcinoma sarcomatodee, von Herxheimer
253*.— vulvau 2 t vaginae, von Stoeckel 1865
Carcinosis, oseium pelvis, von Chiari . .1615
Cariesan. 1032
Carl Dr*-med«, HeezogOn Bayern, zum 70.
Geburtstag* von. Eyersbusch. 1848
CarnegierEbrung..159
Carrels chirurgische Experimente 366, —
Laboratorium im. Rockefelier-Institut
in New York. 2323
Catgut redivivuQv von Kuhn.415
Caudaequina, Einklemmung der, von Op*
penheimer und. Krause 931, —Erkran¬
kungen* von^Umber 1355, operierter
Tumor der-T-, von Rosenfeld und Gtdeke 2397T
Celsus, Medizin des, im Liebte der heutigen
Anschauungen, von Menzer.1507
Cereprosin, von Page.1215*
Charakter .und, psychische Degeneration,
von .Betz.1811
Charlatansria medicotum, von Laetus . . 1214
Charles H, the last days of, von Crawfurd 2388*
Chemie, physikalische, und Medizin, von
v. Koränyi und Richter. 2066
Chemische Beziehungen zwischen den ver¬
schiedenen Organen des Körpers, von
Grober,.776
Chemische. Fabriken» verderblicher Ein¬
fluss der gegenwärtigen Richtung in
den, 4 ind Apotheken aul die praktische
Medizin, von Jaworski und Miesowic«
2682, 2558
Chemiscb-pbarmazeutiscbo Grossindustrie 2558
Chemotherapie, neuereForschungsresultato
auf dem Gebiete der, von Stäubli . . 2697
China s. u. Reiseerinnerungen.
Chinaatoxinkapseln.i . 1032
Chinin,. Schicksale des, im Organismus,
von Plelm 828,— tannic.. bei Malaria,
von Werner 828, —,Ergotin und Bryonia,
von Huchard..1214
Chinin Prophylaxe, Bewertung der, von
zur Verth , . ..828
Chinin Tod, von Baermann. 2818
Chinothein.*. 2234
Chirurgen, 1. Tagung der Vereinigung
Nord w estdeutscher.308
Cbirurgenkongress, 22. französischer . .1811
Chirurgie, Lehrbuch der,-von Wullstein
und Wilm&526,2276, — des Gehirns und
Rückenmarks, von Krause 526, Lefar-
Digitized b"
■V Google
Original fro-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
XXXVII
Seite
buch der allgemeinen —, ‘von Leiser
770, — der Mundhöhle und des Ge¬
siebtes, von Brand 050, — der Strapse,
von v. Koväck 2084, allgemeine —,
von Hildebrand 2384, — der letzten
zwei Jahre, von Grashey 2431, Abtei¬
lung für topographische lind experi¬
mentelle — in Frankfurt, von Klose
2544, Beziehungen der Neurologie zür
—, von Vogt 2644, — der Arterien, 'Von
Monod und Vanverts . ... . . . 2554
Chlamydozoen, voh v. Prowazek und Betire- „
paire Aragao. *648
üblamydozoenbefunde bei Blennotrhoen
neonatorum non gonorrhoica^on Hal-
berstaedter und v. Prowazek 2177, — Jbei
nicht gonorrhoischer Blehnörrhoe der ..
Neugeborenen, von Schmeichler . . 2437
Chlorämie und Azotämie, von Weill . . 2656
C'bloraethylnarkose, allgemeine, von . .
Baranik . ...... .... 2334
Chloralhydrat, Wert des, für pathologisch¬
en atomischo und lokaltherapeutische . .
Zwecke, von Heller . . . .... 2416
Chlorentaiehungskuren bei Nieren- und
’Herzwassersucht, vop Strattss. ... . 894
Chlorkalk, Anwendung des , in‘der Der-.
matologie, von Binz , . . .... . . 2330
(’hlornatriumentziebung bei Erkrankungen
der Harn wege während der Schwanger-.
schärft, von Jaoger ... . 4#31
Chloroform, Gefahren des . Von Dovofa 1106
Chloroformnarkose, intravenöse,vcfri Burk- „
hardt .. . 1676
Chloroforrntod, protrahierter, Von HäHorlin "2597
C h loroform vergif tang, spät auftretendo,
von Ashby 301, interne — Und ilire ,
Therapie, von Wirth ....... . 198
Chloroform Wirkung, vön Gill ..... £13
Chlorom, von Pribram . ..$086
Chloro»©, larvierto, vöA Seiler^ . ... 1963
(’lilorzinkätzung, resorptiVe JSinfkintöxi-
kation nach, von ButtfersaCk ... . 870
ClioanalatTesie, angeborene einseitige, von
Binswanger . 2634
Choanen, angeborene VerscldöBse der, vcm ..
Chiari ..^ . 086
Choledochuskanittom *n der Papilla ,
Vateri, vcm Morien . . . . 1864
Oioledochuszyete, idiopathische, vön ...
Ebner.. 2329
Cholelithiasis, von Enderlett HWO* Chi¬
rurgie und Pathologie der —, von
Rimnnn 411, Behandlung der — pnd
Cholezystitis, von Friedemann 1464,
chirurgische Behandlung der — vöji . .
Leser.. 1917, 1974
Cholera 55,111,160,216,264, 875,431,487,
543, 592, 639, 695, 743, 895, 952, 100Ö,
1055, 1112, 1160, 1216, 1264, 1311, 1360,
1408, 1456, 1518, 1576,1623, 1671, 1719,
1768, 1824, 1872, 1927, 1984, 2039, 2088,
2143, 2199, 2248, 2296, 2351, 2400, 2455,
2504, 2559, 2615, 2671, 2716, ätiologische
Diagnose und antitoxische Therapie der
— asiatica, von Kraus 199, Diagnose,
Schutzimpfung und ätiologische Thera¬
pie der— asiatica, von Kraus 165, Diffe¬
renzierung von — und ähnlichen Vibrio¬
nen mittels Komplementbindnng, von
de Beseite nnd Kon 576, Einfluss tem¬
peratursteigernder Mittel auf den Ver¬
lauf der —, von Hausmann 874^ die
Hedjaeisenbahn und die —, von Chan-
temesse 1213, Serumtherapie der —>
von Haller 1343, Behandlung der — mit
Infusionen von Kochsalzlösung, von
Shitkow 1345, opsonischer Index, bei
der —, von Iwaschenzow 1345, Korn-
plementbindungsreaktion bei — asi¬
atica, von Tuschinsky 1345, Behand¬
lung der — mit dem Heilserum von
Schurnpow, von v. Stühlern 1346, — in
Moskau und in Petersburg 202, von
Bluinentlial 1748, Behandlung der —
mit dem antitoxischen Serum, von Al¬
banus, Cham ? na, Krewer, Zeidler und
Kernig 2232, Therapie der —, von 014h
2243, — in Holland 2498, Sernmtherapie
Seite
der — asiatica, von Kölle 2545, — in
Rotterdam, von Hvmans van den Bcrgh 2601
Cholerabazillen, Auflösung vön, von Noufeld 1855
Cholerabehandlung, von JBalck und Napier 2236
Choleradiagnöse, von Dold.1437
Choleraepidemie bei Kindern, von Kli-
banskaja. 2332
Choleraerkrankung, Einfluss der intrave¬
nösen Ihjektionen des ähtitoxischen
Anticholeraserums auf den Verlauf
der, vön Jegunoff 1343, ist die — eine
Nitritvergiftung, Von van der Bergh und
Grutterink .. 2390
Choleragift., Nachweis der, vön Emme¬
rich 1933, 2061, Nitrit, salpetrige Säure .
Und Stickoxyd als —von Emmerich 2652
Choleraheilserum, von Schurupow 873,
von Berdnikow 873, von Jegunow, We-
resZczagina, Wrgdörczik, Pawlowa und
Stukowa 873, intravenöse Infusionen
des Kräus sehen —, von Jegunow . 1316
Ohdleraleukämien, myeloide, von Jakö-
baeus.1488
Choloraschutzimpfungön in Petersburg,
von Kaschkadarrow 1344, — im Lichte
der opSottischen Immunitätstheorie, von
.'Kerner 1346, — in Zarizyn, von Lie-
bermann.1346
Cholefasefum, Schurupowaches von
v. Stühlem . . .. 2332
OHolerastämme, immunisierende Wirkung,
Virulenz :nfid Bindung»vermögen bei,
von Handel. ..1295
Cholerastühle, Verhalten der, gegen Serfljn-
nnd Kotpräzipitin, von Kraus und Wi-
lenko.•.198
Choleratoxin, v.ön Krawkow . . , . . . 1331
Choleravafezin, Blutvertnderungen bei der .
Injektion des Kolleschen, von Syrensky 2333
Chöleravibrionen, Versucho mit normalem
Rinderserum an, von Bail 1516, Diffe¬
renzierung echter — und choleraähn-
liclier Vibrionen mittels der Opsonine,
von Schütze 1855, Laboratoriümsinfek«
tion mit einem aus dem Wasser ge¬
wonnenen —, von Zlatogoroff 2330,
Wirkung der Meerschweinchenleuko-
zyten auf —, von Weil u. Toyosumi 2652,
bakterizide Stoffe der Meersch weinchen-
leukozyten gegen —*, von Nunokawa 2652
Oholestearin im Liquor cerebrospinalis, von
Pighini 1556, — hat. keine lyßsaver-.
. . rrichtonde Kraft, von Repetto .... 1556
Cholesterinstein, Bedeutung des radiären,
für die entzündliche Gallensteinkrank¬
heit, von Bacrbeister . , ...... 969
Cholecystektomie, Indikationen u. Kontra¬
indikationen zur, von Gamgeo . . . 1252
Cholezystitis, von Föderi 739, — gangrae¬
nosa sine concremento, von Gütig 414,
und Cholangitis sine concremcntQ,. von
Riedel 1292, — typhosa, von ijilger-
mann 1651, heutiger Stand der Lehre
von der —. . 2433
Cholezystitisoperatipnen und Leber- .
Chirurgie, von Ijaipt ......... 1857
Chölezystostomie als Noteingriff, von Ja-
. koboyici.1910
Cholin, Untersuchungen über,von Handels¬
mann . 671
Cholsäure, Abbau der, durch Oxydation,
von Letsche. . 2497
Chondrodystrophie, von Eckstein .... 689
Chondrolipom, muskuläres, von Kolaczek 621
Chondrom der Mamma, von Davidsohn 2121
ChordapauB, von Klauber . ..1437
Chorea, Zusammenhang zwischen insufft-
zienterNebenschilddrüsenfunktion und,
von Simonini 306, die gewöhnliche —
und die Insuffizienz der Nebenschild-
diüflenfunktion, von Giambi 629,
Hunttngtonschc —, von Stadler 69*2,
physikalische Therapie der —, von
Franke 927, Serumtherapie der — minor,
von Mayr 1609, Geistesstörungen bei —,
von Viedenz. 2493
Chorioangiome,sind die,echteGesch Wülste?
von Gräfenberg.251
yChlorioidealtuberkel, von Fraenkcl . . . 2663
Seite
Chorioma placenia, Anatomie u. Bedeutung
der, von Eicke.1805
Chorionepithelinvasion,benigne, vonMeyer 1391
Chorionepitheliom, von Stoeckel 773, von
Opitz 1503, von Michel 1654, von
Jahreiss 2713, — der Dura materund
der Lunge, von Fischer 1044, operative
Dauerheilung eines —, von Labhardt
1294, Pathologie undTherapio des malig¬
nen—, von Hitschmann n. Christofoletti 2130
Chromaftines Gewebe, innere Sekretion
des, von Kahn. 2498
Chromaffiner Tumor des Nebeniiieren-
markes, von Suguki.1908
Chromatfabriken, Beseitigung von (iesuud-
heitsschäcligiingon in ... . • . . 1658
Chromatin, Diffusion des, in das Sarko-
plasma, von Mouchet.984
Chromleder, Verwendbarkeit des, von Evler 143
Chromozystoskopie, von Joseph 1034, von
Roth.1250
Chylurie, von v. Salle 303, von Mohr 2^52,
europäische —, von Magnus-Levy 87, —
und Diabetes, von Magnus-Lovy 1194, —
mit Glykosurie, von Brandenberg . . 1199
Cinchoninkristalle, Veränderung der, bei
Einwirkung des Sonnescheinschen
Reagens, von Lecha-Marzo.824
Clitoris, melanotischer Tumor des Prae-
putium der, vöü Versö.681
CO-Vergiftung, Hirnblutung bei, vön Chiari 1211
Göc.1032
Cocainocreame. 2234
Coecum mobile, von Kloso 1858, 1863,
— mobile und chron. Appendizitis, von
Wiemann. ... 304
Colchici tinctura für Gicht und Schmerzen
der Uratiker, von Loc'wy.531
Coleys Fluid, von Ashdowne. 2028
Colitis, Behandlung der, mucosa, von
Ransome 41, Diagnose und Behandlung
der — und Sigmoiditis hyperplastica,
von Lenzmann 1820, Pathologie und
Therapie der — mucosa membranacea,
von King. 2176
College, weibliche Kandidaten und das
Royal, of Surgeons 202, Heim des — of
Physicians, in Philadelphia .... . 2247
Collum uteri, Erweiterung des, von Cal-
derini 2137, von Bar 2138, von Bossi
2138, von Winter .... .... 2138
Coma diaboticum and seine Behandlung
von Magnus-Levy.526
Commotio retinae, von Neuburger . . .1513
Companion, Squire s, to the latest Edition
. of the British Pharmacopoea .... 573
Concours mödical . .. 14s
Concretlo cordis, Diagnose der, cum peii-
cardio, von Zupnik. 2086
Conjugata, direkte und indirekte Messung
der, vera, von Polano 583, Messung
der— vera, von Polano 1435, Instrument,
ZOm Messen der — diagonalis, von
Hoerder 1654, Fehlerquellen bei der
digitalen Messung der — diagonalis,
von Seilheim 1822,2711, Messung der —
diagonalis, von Rebaudi ..... . 1859
Conjunctivitis pseudomembranacea von
Krusius.423
Contusio abdominis gravis und die Indi¬
kation zur Operation, von Lauenstein 531
Cordylobia Grünbergi, von Fülleborn . . 731
Corpus luteum und Eierstocksdrüse, von
Wallart251, —Abzess, von Kehrer 1503,
— u. «kretischer Follikel des Menschen,
von Cohn .2M9
Corpus uteri,Keilresektion des,von Heinsius 2175
Coryfin, von Ehrlich 790, — in der Rhino
laryngologie, von Meyer. 2232
CoryliD, von v. Kirehbauer. 39
Cöryloform.410
Council on Pharmacy and Chemistry . . 951
Couveusen, von v. Dewitz ..1052
Coxa vara, notie unblutige Behandlungs¬
methode der, von Lorenz 540, Aetio-
logie und Therapio der — adolcs-
centium, von Drehmann 728, Ver¬
änderungen der Beckenpfanne bei —
infantum, von Savini-Castano 928, —
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
Digitized ty
Google
XXXVIII
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
adolescentium, von Drehmann lStyl,
— rachitica, von Stieda 1656, Patho¬
genese und Aetiologie der — statica,
von Hagen.!
Coxitis gonorrhoica, von Schlagenhaufer . !
Craw-Craw, Aetiologie und Therapie des,
von Rongier..
Credeisierung, von 8tiassny.
Creeping disease, von Wosstrickow und
Bogrow..
Curettagen, Spekulum für, von Weissbart !
Curschmann Heinrich.
Cushing-Laboratorium in Cleveland . . . !
Cutis verticis gyrata Unna, von v. Verres
Cystitis, Pathologie und Zystoskopie der,
cystica, von Kretschmer 255, — dolo¬
rosa, von Posner.!
CyBtopurin, von Haedicke.
Dämmerschlaf s. a. Skopolamin.
Dämmerzustände, gerichtsärztliche Be¬
deutung der epileptischen, von Többen
Dakryoadenitis luetica, von Rau ....
Dakryozystoblennorrhöe, Behandlung der,
von Krusius.
Daktyloskopische Bilder, Identifikation
von, von Lochte.
Damiazitin. 1032,
Damm, Hautnaht des, mittels Michel-
sehen Klammern, von Mayer 413, —
und Dammschutz bei der Geburt, von
Paramore.
Dammnaht, exakte, ohne Assistenz an
der Wunde, von Blumberg . . . .
Dammrisse, zentrale, von Nebesky 35, von
Holzapfel 413, Naht des frischen —,
von Sigwart 623, Vereinigung frischer
—, von Betz 1533, Entstehung und
Heilung kompletter —, von Seil¬
heim . 1822,
Dansk Klinik.
Darm, Sarkom des, von Munk 194, retro¬
grade Inkarzeration des —, von Bulva
415, von Takayasu 573, Dehnungs¬
geschwüre im —, von Meidner 671,
8elbstamputation des —, von Pull-
mann 820, entzündliche Geschwülste
des —, von Braun 2488, Ruptur des
inkarzerierten — bei der Taxis, von
Kappeier 2489, chronische Stauung im
—, von Lane 2598, Pseudodivertikel des
—- und der Mechanismus ihrer Ent¬
stehung, von Daniels.
Darmanastomosen, aseptische, von Mosz-
kowicz.•.
Darmausschaltung, von Wiesinger . .
Darmausschluss, Methode der, durch In-
vagination, von Rindfleisch.
Darmbakterien, von Metschnikoff . . . .
Darmbewegungen, Pathologie der, von
Hotz.
Darmblasenfistel, Therapie der, mittels
Darmausschaltung, von Sachs ....
Darmblutungen im Säuglingsalter, von
Socchaczewski . ..
Darmchirurgie, Fortschritte der, vonBarker
Darmderivate, Absprengung und Metasta¬
sierung von, von Landois .
Darmdiabetes, von Pflüger.
Darmdiagnostik, funktionelle, von Brugsch
Darmentzündungen, kruppöse, von Baer-
mann und Eckeredorff ...... .
Darmerkrankungen,infektiöse, vonBaginski
Darmfäulnis, Beziehungen der, zum Gallen¬
abschluss vom Darm, von Rodella 198,
giftige und ungiftige —, von Rodella
Darmfistel, von Schönwerth.
Darmflora, Jodreaktion der, von Rodella
1860, wichtigste Bakterientypen der —,
beim Säugling, von Sittler.
DarmintusBUffzeption von v. Wild . . .
Darminvagination, von Riedel 2071, von
Propping 2294, —- bei Kindern und
ihre Behandlung, von Bloch 1861, —
infolge von Darmtumoren, von Mattes
j Darmkarzinom auf der Basis einer Fremd-
| körperwirkung, von Hohmeier .... 1047
! Darmlipom, von Klein.529
4 ' Darmmilzbrand, primärer, von Simmonds 207
!2 Darmnaht, schmerzlose, von Mathes . . 1183
Darmoxalatsteine, von Loeper. 2668
18 Darmperforationen, multiple, bei Bauch-
2 schussVerletzungen, von Sourdat . . 1145
Darmpolyp und Karzinom, von Ribbert . 359
5 Darmresektionen, von Enderlen .... 995
18 j Darmresorption, Beeinflussung der, durch
II | den Abschluss des Pankreassaftes, von
!4 Niemann * 925
6 | Darmrupturen, Pathogenese der, von Bors-
zfeky 983, Diagnose subkutaner trau-
I matischer —, von Cernezzi ..... 1439
11 j Darmsaftsekretion, Erregungs- und Hem-
3 | mungsmechanismus der, von Molnär 1749
Darmstenosen, von Reichel 2036, Früh-
! diagnose der—mittels Röntgenstrahlen,
von Bacher 1609, Diagnose und The¬
rapie der —, von Häberlin.1807
Darmstörungen, Röntgenuntersuchungen
der Dickdarmlage bei, von Determann
und Weingartner.1096
16 Darmtabletten, Penschucks, von Wolf . 318
»7 1 Darmtätigkeit, bakterizide, von Schütz 1151,1883
Darmverletzung, von Osterloh 829, — bei
15 , gynäkologischen Operationen, vonBarth
! 1142, i ntraperitoneale Blutung bei pene-
17 | trieronden —, von Gutzeit.1324
14 ' Darm Verschluss, arterio-mesenterialen, von
I Nakabara 983, intermittierender —, von
, Eichhorst 2488, kompletter —, von
Kreuter. 2660
r7 j Darmwand, die, als osmotische Membran
j bei Enteritis, von Mayerhofer und
8 Pribram 1438, Durchlässigkeit der —
j für Eiweisskörper und Toxine, von
Mayerhofer und Pribram. 2603
Darwin Charles, von Sobotta 344, — seine
Bedeutung im Ringen um Weltanschau-
I ung und Lebenswert, von Bölsche,
8 Wille, David, Apel, Penzig und Nau-
8 ! mann 352, zum 100. Geburtstag —s,
von Kraft 1715, — Gedenkfeier in
| Hamburg 263, —feier.1359
Darwinismus, Bedeutung des, für die Bio¬
logie, von Müller.1098
( Daumen, Knochengerüst eines missgestal-
\ teten, von Ebstein. 29
V)avos, Schulsanatorium Fridericianura in 1623
! Dealin . •. 2234
| Decanulement, erschwertes, von Meyer 1448
Dechlorüration, therapeutische, von Widal 893
\ Decubitus acutus, von Kreibich .... 632s
0 . Defekt, kongenitaler, der Fibula, von \
I Scharff 2023, — des Septum ventricu-
3 j lorum, von Kraus 26u9, kongenitaler
8 — des Herzbeutels, von VersI . . . 2665
Defektbildung, kongenitale, von Emin 142
>8 Deformitäten, Behandlung der, der unteren
6 Extremitäten, von Schnitze 143, Made-
lungsche — von Ewald 2023, seltene
3 i angeborene —, von Bi bergeil .2023, Be¬
handlung einiger chronischer —, von
3 Andreae. 2596
Deformitätenlehre,Probleme der, von Böhm 929
>6 Degeneration, wächserne, der gestreiften
14 Muskeln, von Wells 1035, lipoide —,
von Munk.2123
'1 Degrasin.410
1 Dekapitation, Technik der, von Döderlein 1664
9 Dementia paralytica infantilis, von Tröm-
ner 1404, Osteomalazie und — praecox,
18 von Haberkant 35, Prognose der —
!4 praecox, von Meyer 36, Differential¬
diagnose der — praecox und des ma¬
nisch-depressiven Irreseins, von Zendig
5 1614, — praecox und ihre Stellung zum
1 manisch-depressiven Irresein, von Ur-
stein 1650, forensische Erfahrungen bei
— praecox, von Förster 1968, körper-
3 liehe Erscheinungen bei — praecox, von
3 Tomaschny und Meyer. 2221
Demodex folliculorum, von Gmeiner . . 675
Depilation s. u. Elektrolyse.
Deportation, die russische politische, in
7 sanitärer Beziehung. 2442
Dermatitis pseudosyphilitica vacciniformis
infantum, von Halle 676, — exfoliativa,
von Kaspar 890, universelle herpeti-
forme — bei Diphtherie, von Heuck
1620, Duringsche herpetiforme —, von
Heuck 1760, — exfoliativa benigna,
von Embden .. 2394
Dermatologie, Einführung in die, von
Walker 1030, Referat über — und
Syphilidologie. 629, 675, 825, 2335
Dermatologische Beobachtungen aus West-
Grönland, von Trebitsch 677, — Propä¬
deutik, von Röna.980
Dermatomykosen, von Bloch.825
Dermatosen, Urinuntersuchungen bei, von
Polano. 2337
Dermoid, von Zacharias 583, — des Ova-
riums, von Wiener 784, — im Wirbel¬
kanal, von Harriehausen 930, Inhalt
von —, von Kermauner.1606
Dermoidkystome bei Gravidität, von Petri
480, doppelseitiges — bei gleichzeitiger
Schwangerschaft, von Petri.1654
Dermoidzyste des Dünndarms, von Feder¬
mann 90, — des Mediastinum anticum,
von Schäfer 1664, von Kaestlo . . . 1852
Desalgin, von Schleich.839
Desensibilisierung gegen Röntgen- und
Radi umstrahlen, von Schwarz . . . . 1217
Desinfektion s. a. Alkoholdesinfektion,
Bücherdesinfektion, Bügeln, Grossstadt¬
desinfektion, Raumdesinfektion, Woh¬
nungsdesinfektion.
Desinfektion 998, — mit einem Azeton-
Alkoholgemisch nach v. Herff, von Oeri
251, Lehrbuch der —, von Czaplewski
353, — von Büchern, von Xylander 576,
gynäkologische — ohne Wasser und
Seife, von v. Herff 627, — der Schiffe
mit Schwefeldämpfen, von Chante-
messe und Borei 892, — der Haut,
von Herzfeld 1341, innere —, von
Weitlaner2182, — Kreissender,von Gott¬
schalk 2544, der Hände und des Ope¬
rationsfeldes mit Alkohol und Jod¬
tinktur, von Grekow. 2651
Desinfektionsanweisung.840
Desinfektionsapparat für Gummihand¬
schuhe und Seidenkatheter,vonHeusner 929
Desinfektionsmittel, halbspezifische che¬
mische, von Bechhold. 2389
Desinfektionsmittelprüfung und neuere
Desinfektionsmittel, von Schneider . 804
Desinfektions wesen in ländlichen Ort¬
schaften, von Roweick.626
Desmoidreaktion, Sahlische, von Nadler . 1860
SDettweiler-Stiftung für Heilstättenärzte . 1159
^eutsch-Südwestafrika, Entsendung Lun¬
genkranker nach, von Heim .... 2597
Deviation du complement, von Viana . 1143
Dexiokardie, angeborene reine, von Nagel 1855
Dextroversio cordis, von Berliner .... 950
Dezidua, mikroskopische Unterscheidung
der — menstrualis von der — gravi¬
ditatis, von Eicke. 2595
Deziduagewebe, feinster Bau des, von
Ulesko-Stroganoff . ..1293
Diaböte, le-sucrö, von Lupine. 2327
Diabetes s. a. Darmdiabetes, Pankreasdia¬
betes, Zuckerkranke, Zuckerkrankheit.
Diabetes beim Säugling, von Langstein
635, — und Glykosurie im Säuglings¬
alter, von Langstein 937, Einfluss des
Opiums auf den —, von Gigon 1096,
diätetische Therapie des —, von Wein-
traud 1111, — und Tuberkulose, von
Labbö 1144, lipogene Aetiologie der—,
von Kisch 1554, Phosphorsäure bei
—, von Cautru 1767, Studien über —,
von Marcus 1856, — renalen Ursprungs,
von de Meyer 2656, — insipidus, von
Engel 354, von Ebstein 725, — insi¬
pidus nach Trauma, von Embden 680,
ätiologisches Studium deH — insipidus,
von Schwonkenbecher 2585 , trauma¬
tischer —, von Schönfeld 674, —
mellitus, von Brandonberg 628, Be¬
ziehungen zwischen —, mellitus und
Langerhansschen Inseln, von Rubinato
Digitized fr,
Google
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
XXXIX
Seite
52, Gesetze der Zuckerausscheidung
beim — mellitus, von Bernstein, Bo-
lafflo und v. Westenrijk 86, von Falta
£6, — mellitus in der Schweiz, von
Ziegler 579, moderne Pathologie und
Therapie des — mellitus, von Pavy
729, Erblichkeit bei — mellitus, von
Williamson 731, Wirkung von Kohle¬
hydrat und Eiweissnahrang beim —
mellitus, von Gigon 907, Energieum¬
satz bei — mellitus, von Falta, Bene¬
dict und Joslin 1150, Haferkuren bei
— mellitus, von Lampd 1745, Ge¬
wichtsschwankungen und Blutkonzen¬
tration bei — mellitus, von Reiss 1854,
Einfluss der Nahrung und des Fiebers
auf die Zucker- — und S&ureaus-
scheidung bei — mellitus, von Gigon
and Massini 1854, geographische Ver¬
breitung des — mellitus, von Willi-
amson 2110, Aetiologie und Behand¬
lung des — mellitus, von Bodon 2243,
Einfluss von Atropinsulfat und Atropin-
methylbromat Merck auf die Zucker¬
ausscheidung bei — mellitus, von
Rudisch 2278, Behandlung des — melli¬
tus mit dem Zuelzerschen Pankreas¬
hormon, von Forschbach 2545, Abbau
von Fettsäuren beim — mellitus, von
Baer und Blum.2712*
Diabetesgangrän, Behandlung der, mit
heisser Luft, von Ricard.1106
Diabetesmilch, Boumasche, von Mayer . 635
Diabetiker, Widerstandskraft der, gegen
bakterielle Infektionen, von Da Costa
und Beardsley 255, Beobachtungen am
Fiebernden —, von Brflsch. 2649
Diabetische, Kostordnung fttr, von Naunyn 722
Diabetische Schwangere, Gefahren für,
von Offergeld.83t
Diabetisches Regime, von Corany . . . 927
Diät, kochsalzarme, als Heilmittel, von
Mendel 4)3, Entfettung durch vegeta¬
rische —, von Albu 2184, chlorarme
— bei der Behandlung der Magen¬
kranken, von Romkes. 2601
Diät Vorschriften für Gesunde und Kranke,
von Bomträger.868
Diagnose, spezielle, der inneren Krank¬
heiten, von v. Leube 31, klinische Ver¬
wertung pathologisch-histologischer —,
von Hecht 986, von Krankheiten, von
\ Duckworth 1704, Diagnostic bacteriolo-
Ngque de la tuberculose rdnale, von
Nogues 1705, Grundriss der klinischen
—, von Klemperer 2117, spezielle chi¬
rurgische —, von de Quervain . . . 2384
Diagnostikum, analytisches, von Kraft . 2593
Dialyse, Eiweisschemie und Immunität,
von van Calcar.666
Diaphanin.942
Diaphanit. 2234
Diapositivverfahren, von Mercator . . . 1549
Diarrhöen, chronische, von Berger . . . 1619
Diaspirin 2234, diaphoretische Wirkung
des —, von Kaminer. 2494
Diathermie (Transthermie, Thermopene-
tration) von Nagelschmidt. 2878
Diathese, eosinophile Blutkörperchen und
opsonischer Index bei exsudativer, von
Helmholtz 871, hämorrhagische —, von
v. Rütte 1657, exsudative —, Skrofu¬
löse und Tuberkulose, von Czerny . 2127
Diazoreaktion, Wert der Ehrlichschen, von
Murray 1252, Ehrlichsche —, von
G werder.1297
Dichtungsringe aus Gummi oder Papier,
von Sachs-MAke.820
Dickdarm, falsche Divertikel des, von
Franke 254, chronische Dilatation des
— im höheren Alter, von Versd 884,
Physiologie und Pathologie des —,
von Rosenheim 985, Karzinom des —
und seine Behandlung, von Jordan
1559, Röntgenuntersuchung der Lage
des — bei Darmstörungen, von Deter*
mann und Weingärtner.1565
Dickdan&erkrankangen, Diagnostik and
Therapie tiefsitzender, von Rosenberg 635
2598
1718
993
306
1447
Seite
Dickdarmkarzinom, Radikaloperation des,
von Denk 1492, Kolostomie bei in¬
operablen —, von Odelga.1492
Dickdarmtumoren, von Küttner 582, von
Mannei.880
Dienstboten, geschlechtliche Erkrankun¬
gen von. 2285
Dienstreisen, Einschränkung der .... 1622
Dieudonnds Ernennung zum Medizinal¬
referenten .159
Differentialstethoskop, Verwendbarkeit
des, von Bock.727
Digalen, Wirkung des, von Müller 904, Herz-
u. Gefässwirkung des —, vonEychmüller 1968
Digestivmittel, Anwendung der, bei eitrigen
und tuberkulösen Prozessen, von Mayer 244
Digipuratum 410, Wirkung dos —, von
Schladebach.2124
Digitalisbehandlung s. a. Digalen.
Digitalisbehandlung, Einfluss der chro¬
nischen, auf das Herz, von Cloetta . 2712
Digitalisblätter, Einführung der, mit gleich¬
bleibendem Wert in das Arzneibuch,
von Focke 881, ist das Pulver oder
das Infus der — besser? von Focke . 1297
Digitalisgruppe, internst. Standardisierung
der physiologischen Wirkungen der
Herztonika aus der, von Houghton ..
Digitalisinfuse, Haltbarkeit von, von Focke
Digitaliskörper, Herz- und Gefässwirkung
einiger, von Müller.
Digitalis Vergiftung, von Nestor.
Dilatationsösophagoskop, von Brünings .
Diphtherie, Pyozyanasebehandlung der,
von Grösz und Bän 179, Statistik und
Klinik der — in Bethanien zu Berlin,
von Schnitze 357, Behandlung der —
mit Pyozyanase, von Koslowsky 875,
— und Heilserum, von Schönholzer
1143, Serumtherapie der —, von Meyer
1260, Bekämpfung der — in den
Schulen, von Schultz 1607, Anwen¬
dung hohor Serumdosen bei schwerer
— und diphteritischen Lähmungen,
von Mery, Weil-Hall^ und Parturier
1670, latente — und administrative
Massnahmen zu ihrer Bekämpfung,
von Buchanan 1980, latente — in
Schulen und Instituten, von Clark
1980, — im Anschluss an Tonsillotomie,
von Levinstein 2285, systematische Be
kämpfung der —, von v. Drigalski 2602,
Diskussion über — im Hamburger ärztl.
Verein 2607, Rolle der Schulen bei der
Verbreitung der —, von Versmann .
Diphtheriebazillen, latente Infektionen mit,
von WilliamB.
Diphtherieepidemie in Hannover 1908
von Gürtler.
Diphtheriefälle, von Fette 2396, — in Süden
bürg, von Retzlaff.
Diphtheriegift und Röntgenstrahlen, von
Gerhartz.
Diphtheriegiftprüfung, neue Methode der,
von Römer, Sames und Somogyi
Diphtherie-Heilserum, Versagen des Beh-
ringsehen, von Uffenheimer 688, 683,
Antitoxingehalt und Heilwert des —,
von Berghaus.
Diphtherielähmungen, pathologische Phy
Biologie der, von Guillain und Laroche
Diphtheriemorbidität, Kurven der, und
Mortalität, von Sioveking.
Diphtheriepferdeserum, abnorme Reaktion
gegenüber, von do Besehe.
Diphtherieserum, intravenöse Injektion
der, von Schreiber 1887, Antitoxin-
gehalt und Heilwert des —, von Kraus
und Schroner 1904, Heil wert des —,
von Berghaus.
Diphthcrieserumtherapie, von Much . .
Diphtheriotoxin, Einreibung einer intra¬
kutanen Injektion von, auf die Haut,
von Bingel.'.
Diplegie, zerebrale, von Jbrahim ....
Diplokokkenepidemie, Influenza ähnliche,
von Rose.
Diplosal 410, von Levy 486, von Strauch
742, von Thür.
2661
1978
1964
624
2123
2434
1975
2347
2661
2654
1975
2396
1)28
2714
2287
1498
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■V Google
Seite
Dipropäsin.410
Discitis mandibularis, von Lanz .... 622
Dissoziation zwischen Vorkammern und
Kammern, von Nicolai und Plesch . 2294
Disb)mum Westermanni, durch, erzeugte
Hirnerkrankung, von Tsunoda ... 94
Doktordiplome, Fälschung medicinischer, 2285
Doktorjubiläum, goldenes 639, 8$5, 1311, 1456,
1517, 1575, 1622, 1872, 1927, 2559
Dorealflexion der, Finger beim Kind, von
Sainz.1499
Dorsalvenen der Hand als Mittel der
Identifizierung, von Tamasia .... 305
Dosimeter, von Strauss.1888
Dourine, Atoxylbehandlungder, von Uhlen-
huth und Woithe.577
Drahtgipsbinde, neue, von Lunkenbein 611
Drehungen, Indikationsstellung der, nach
Scanzoni, von Ziegenspeck.20*23
Drill oder Erziohung zur Bewegungsfrei¬
heit, ein Wort zur Hobammenreform,
von Ahlfeld. 2595
Driver, Dr. Carl, von Wolff ..... . 816
Drogen, Beurteilung von, von Bechmann
und Held 2283, Standardangaben über
den wirksamen Gehalt der —, von
Squire und Caines . 2233
Druck, Messung des diastolischen, beim
Menschen, von Volhard.937
Druckdifferenzoperationen, von Küttner 193
Druckdifferenzverfahren 8. a. Mediastinal-
emphysem, Thoraxchirurgie, Intratho¬
rakale Operationen, Lungenkollaps-
therapie.
Druckdifferenzverfahren, Theorie und
Praxis des, von Kuhn 343, Vorteile
des —, von Karewski 426, Fortschritte
im — für intrathorakale Operationen,
von Meyer.2418
Druckluftkrankheiten, Bekämpfung der . 1658
Druckstauung, Perthessche,vonRuppanner 359
Drüsen, Symptome der Insuffizienz meh¬
rerer, von Claude und Gougerot 1144,
Wechselwirkung der — mit innerer Se¬
kretion, von Eppinger, Falta und Ru-
dinger 1193, Wechselwirkung der —
mit innerer Sekretion, von Falta 1&70,
Montgomerysche — von Natansohn uud
Goldschmidt. 2277
Drüsenfieber s. a. Febris.
Ductus Arantii, Verschluss des, von Richter 2450
Ductus choledochus, Stenose oder Obli¬
teration des, von Tsunoda 575, zysti¬
sche Erweiterung des —, von Weiss 2177
Ductus thoracicus, operative Verletzungen
des, von Gobiet . •.1297
Ductusthyreoglossus, offener, vonAndereya 2197
Dünndarm, Bakterienmenge des, und ihre
Beeinflussung durch Antiseptica, von
Feigen 363, Ausschaltung von — und
Dickdarm, von Albu 528,2594, von Denk
1292, Achsendrehung des — nach eitri¬
ger Appendizitis, von Käppis 1177, Ein¬
fluss der Galle auf die Bewegung des
—, von Schüpbach 1605, Wirkung des
Tannins auf Resorption und Sekretion
des —, von Frey.1605
Dünndarminvagination durch Einstülpung
des Meckelschen Divertikels, von Kothe 90
Dünndarmrescktion, obereGronzo fürdieZu-
lässigkeit ausgedehnter, von Axhausen 2594
Dünndarmtransplantation, von Esau . . 411
Dünndarmver8chlus8, arteriomesenterialer
von v. Haberer.881
Dünndarmvolvulus und Wringverschluss,
von Merkert. 2238
Dürkheimer Maxquelle 8. a. Arsenwasser.
Dürkheimer Maxquelle,von van den Velden
241, Einfluss der — auf das Wachstum
von Kaninchen, von Bachem .... 810
Duisburg, Gesundheitspflege in. 2487
Dukessche Krankheit, von Briz .... 824
Dummheit, über die, von Löwenfeld . . 1744
Dunkeladaption, Störungen der, von Star*
gardt 1764, Empfindlichkeitszunahme
durch — bei hohen Lichtintensitäten,
von Feilchenfeld •. 2638
Duodenalfisteln, Technik der, von Cohn-
. heim. 2496
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
XL INHALTS-VERZEICHNIS. 1909.
Seite
Duodenalgeschwür, perforiertes operiertes,
von Mitschel 1926, — und seine Be¬
handlung, von Einhorn. 2026
Duodenalverschluss, mesenterialer, von
Simmonds 680, von Theilhaber . . . 1143
Duodenitis phlegmonosa, von Ungermann 671
Duodenum, Hunde mit exstirpiertem, von
Bickel 1391, Resektion des mittleren
—, von Kausch. 2230
Duraersatz, alloplastischer, von Hanel . 2595
Durchfall, von Schmidt.734
Dynamometer, von Ledderbose'.1667
Dysbasia angioneurotica, von Hirschfeld
1097, — angiosclerotica, von Hoehl . 1617
Dysenterie und verwandte Fragen, von
Mühlmann 1342, Behandlung der chro¬
nischen rezidivierenden —, von Cantlie 1978
Dysenteriebehandlung, von Blackham . 200
Dyslexie, von Constantini . . ... 1571
Dysmenorrhoe, von Hermann 1970, chirur¬
gische Behandlung von — und Sterili¬
tät, von Pozzi. 2669
Dyspareunie, Therapie der, von Bucura .2216
Dyspepsie, nervöse, von Dreyfus 1744,
von Schüle. 2277
Dysphagietabletten, von Haudek .... 1092
Dyspnoe, falsche, von Herz 2124, — durch
Stenose der Luftwege, von Morawitz
und Siebeck 2173, von Siebeck . . . 2173
Dyspraxie der Rechtsgelähmten, von Liep-
mann. 2667
Dystrophia musculorum progressiva, von
v. Werdfc 359, von Clemens 1617, bul¬
löse hereditäre —, von Mendes da
Costa und van der Valk 677, — muscu-
laris progressiva pseudohypertrophica,
von Krüger 833, heilbare Fälle von —,
von Jendrassik 1090, — musculorum
progressiva juvenilis, von Hoehl 1617,
— musculorum progressiva retrahens,
von Steinert und Versö. 2594
E.
Ebstein Wilhelm, von Scbittenhelm . . 1600
Echinokokken der Wirbelsäule und des
Rückenmarkes, von Borchardt und
Roth mann 356, multiple — der Leber,
von Ehrlich 983, monolokulärer — der
Schilddrüse, von Utzmann 1144, —
— der Bauchhöhle, von Neck 1205,
— des Herzens, von Baecchi 1556,
Bakterien in den —, von Mehlhose
2072, — in einem Gallengang, von
Dietrich... . 2245
Echinokokkusformen, Diagnose und Be¬
handlung seltener, von Syme .... 1925
Echinokokkusinfektion,Serodiagnostik der,
von Kreuter.1628
Echinokokkuskrankheit, von Colombani
2232, Serumdiagnose der —, vom Wein¬
berg . 2181
Echinokokkuszyste, Blutserumprobe bei,
von Jianu. 2331
Ectopia vesicae, von Stoeckel.1714
Edelmann-Gal tonpfeif chen, verbessertes,
von Dölger.1128
Edinburg, Lordrektorschaft der Universität 202
Ehrengerichte, ärztliche, in Baden 1983,
ärztliches — in Berlin-Brandenburg . 2198
Ehrengerichtliche Entscheidungen 789,
839, 1055, 1871, 2351, 2452
Ehrengerichtliches Verfahren, Mängel des,
in Preussen. 2245
Ehrengerichtshof, preussischer999, — freie
Arztwahl u. Freizügigkeit, von Paderstein 110
Ehrengerichtsordnung, Entwurf der bayeri¬
schen .... 428, 691, 740, 741, 788, 838
Ehrenmitgliedschaft.840
Fahren wortsbruch.790
Ehrlich Paul, von Wassermann .... 245
Ei s. a. Hühnerei.
Ei, Geschlechtsbe.stimmung am mensch¬
lichen, von Schöner 480, Grössen¬
zunahme der — und Neugeborenen
mit dem zunehmenden Alter der
Mutter, von Halban . ..... 2129
Eieinbettung, von Heinricius 2292, früheste
feite
— beim menschlichen Weibe, von
Jung 140, Physiologie der —, von
Gräfenberg. 1155, 1906
Eihäute, vergleichende Anatomie mit Ent¬
wicklungsgeschichte der, und der Pla¬
zenta, von Grosser. 85
Eiinhalt, Beteiligung der Eischale am
Stoffwechsel des, während der Be¬
brütung, von Tangl ..1653
Eileiterschwangerschaft, Behandlung der,
von van de Velde.929
Einidation, menschliche, und Plazentation,
von Peters ... 2193
Eierstock, Beziehungen zwischen, und
Zirbeldrüse, von Thumim 635, Pseudo¬
muzinkystom des —, von Nicholson
1088, Lipoide der —, von Pachon,
Dumitrescu und Nisipescti.1393
Eingeweidewürmer bei Krebsen des Ver-
dauungstraktus, von Kelling .... 1554
Einjährig-Freiwillige a. u. Militärdienst-
tauglicrikeit, Militärtauglichkeit.
Einigungsverhandlungen in München 840, 1572
Einigungskommission, Münchener 1309,
1454, 1517, 2501
Einkommensteuerveranlagung der Ärzte . 2456
Eisen, Fällungen von Albumen ovis und
Serip mit, von Ditthorn und Schultz
726, — als Wismutersatz bei Röntgen¬
aufnahmen, von Taege 756 , 1184 , —
in Knochen- und Kalkgeweben, von
Noesske.1155
Eisenbahnabteile, Formaldehyddesinfek¬
tion von, und Droschken, von Hilger-
mann.•.1964
Eisen- und Arsenwirkung, von Strasser
und Neumann .... 1515
Eisenwirkung und larvierte Chlorose, von
Dubnikoff ..1718
Eisensplitter in der Linse, von Paderstein 1205
Eisenstoffwechsel, von Schirokauer 1654,
— in der Gravidität, von Fetzer . . . 1096
Eisentuberkulin, von Schultz. 2025
Eiskonservierung und Fleischvergiftung,
von Conradi. 806
Eiterniere, von Gebele.1817
Eiterzellen, Verhalten der, gegenüber den
Tuberkelbazillen, von Löwenstein . . 2230
Eiterung s. a. Digestivmittel.
Eitrige Prozesse s. a. Fermentbehandlung,
Antifermentbehandlung.
Eiweiss e. a. Harneiwciss.
Eiweissbestimmung, volumetrische, nach
Tsuchiya, von Schippers.2174
Eiweisschemie, spezielle, von Abderhalden 816
Eiweissdifferenzierung, Technik der bio¬
logischen, von Weidanz 1967, biologi¬
sche — bei Ratten und Mäusen, von
Trommsdorff 2176, biologische —, von
Tromm ßdorff. 2604
Eiweissminimum, physiologisches, von
Michaud. 1652
Eiweissprobe, Modifikation des Esbach-
schen, von Kwilecki 1886, — in der
Praxis, von Engels. 2645
Eiweissstoffe, Fortbewegung, Verdauung
und Resorption der, von London und
Sivrb 1605, Wesen der —, von Pflüger 2496
Ei Weisssubstanzen, Verdauung und Re¬
sorption basenreicher, von London . 1604
Eiweisszersetzung, von Heilner ... 1097
Ekchymosen, Entstehung und Bedeutung
der, beim Neugeborenen und Fötup,
von Fahr. 2395
Eklampsie der Schwangeren und Gebären¬
den in gerichtsärztlicher Beziehung,
von 8ehröder 36, — und Blasenmole,
von Gross 51, Therapie der —, von
Baisch 118, von Dienst 2651, Nieren-
dekapsulation bei —, von Opitz 302,
von Reifferscheid 930, von Alsberg 1495,
Giftigkeit des Blutserums bei —, von
Graf und Landsteiner 358, — bei
Mutter und Kind, von Wcissw’ange und
Rietschel 366, — in den letzten 10 Jah¬
ren in der Würzburger Frauenklinik,
von Harte 5H3, Arbeiten über — 725,
Pathogenese der —, von Ahlfeld 196,
von Dienst 929, — und Parathyreoidea,
Seite
von Seitz 1503, Oelsäure und —, von
Polano 1504, Früh- und Schnellentbin¬
dung bei —, von Sarwey 1504, vaginaler
Kaiserschnitt und Nierenentkapselung
wegen —, von Sippel 1618, — neona¬
torum, von Esch 1906, prophylaktische
Behandlung der —, von Stroganoff 1907,
Klinik. Statistik und Therapie der —,
von Seitz 2023, Tod an Luftembolie
bei —, von Schulte 2028, Behandlung
der —, von Möller 774, von Uhtmöller
2070, Bedeutung des Blutegelextraktes
für die Therapie der —, von Engel¬
mann und Stade 2208, Aneurysmata
dissecantia bei puerperaler —, von
Wegelin 2491, Abhängigkeit der Prog¬
nose der — von der Behandlung, von
Horn 2654, — und Witterung, von
Schliehting.2712
Eklampsieätiologie, plazentare Theorie
der, von Lichtenstein 529, vonWeichardt
2121, plazentare —, von Freund 822,
Plazentartheorie der —, von Engel¬
mann und Stade 984, Kampf gegen"
die plazentare Theorie der —, von
Lichtenstein.2069
Eklampsiefälle, in der Charite beobachtete,
von ZyBkowitz.2713
Eklampsiegeneso, von Veit.1503
Eklamptische, Vorkommen lezithinaus-
flockender und komplementbindender
Substanzen im Blute von, von Gross
und Bungel.1251
Ektopia cordis, von Rieländer.782
Ektropium, doppelseitiges kongenitales,
des Oberlids, von Erb 2597, — cicatri-
ciceuin, von Brauer .. 2664
Ekzem s. a. Kinderekzem, Säuglingsekzem.
Ekzema gangraenosum, von Mennacher
105, — marginatum, von Hübner 424,
— mit Unterschonkelgeschwür, von
Francke 826, Therapie des — ani, von
Scheuer 2597, Behandlung des —, von
Little. 2599
Ekzcmbehandlung, von Jadassohn . . . 430
Ekzemtherapie, von Vciel ...... 2411
Elacin, von Rodler.676
Elastin, VerdauuDg und Resorption des,
von London.1605
Elektrische Starkströme, Unfälle durch,
von Schumacher 85, Verletzungen
durch den — Strom, von Oberst 1820,
— Unfälle, von Breskow.674
Elektrizität, Schule der, von Claude . . 354
Elektroden, leicht auswechselbare, von
Würth v. Würthenau.1497
Elektrokardiographie, von Fleischer . . .1157
Elektrokardiogramm, von Hering 690,1094,
1651, von Rothbergor 823, von Ein¬
thoven 1651, von Kahn 1651, klinische
Bedeutung des —, von Hering 145,
Bedeutung des — für die Beurteilung
von Herzkrankheiten, von Pribram 786,
Kritik des —, von Hoffmann 1094, Be¬
deutung des — für die Klinik, von
Strubell 1095, Vorhoferhebung des —
bei Mitralstenose, von Samojloff und
Steshinsky 1842 , — bei Arythmie des
Herzens, von Hoffmann 2258 , Fohlen
der Vorhofzacke im — h-iin Irregularis
perpetuus, von Hering 2488 , Beiträge
zur Kenntnis des —, von Kahn . . . 2536
Elektrolyse, multiple subkutane, von Kro-
mayer. 39
Elektromyogramm der Fnterarmflexoren,
von Piper. 2539
Elektropathologie, Atlas der, von Jellinek 2118
Elemente, das periodische System der,
und die Giftwirkung, von Kisch . . 1547
Elephantiasis, Behandlung der, von Hand*
ley 427, — des Vorderarmes und der
Hand, von Krall 1921, — tuberkulöse,
von Forgue und Massabuau 2180, —
Behandlung der — mit Tinet. ferri chlo-
rata, von Rossiter 2236, — erworbene,
von Tischler . . . . , .481
Ellenbogen, Gabelgelenk am, von Iselin 1906
Ellbogengelenk, osteoplastische Resektion
des, von Levy . 1195
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Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
XLI
KlIbogenVerrenkungen, operative Behand¬
lung der veralteten, von Klempin 471,
operative Kinrenkung veralteter —, von
Dollinger. 2489
Kmanationstherapie, von Bölling .... 197
Embolie, von Bibbert 31, — in die Art.
radial, und ulnaris des 1. Armes, von
Hoepffner 183, von Schroen 319, —
der Art radialis von Schroen 319, —
der Fingerarterie, von Gottstein 942,
nach Trendelenburg operierte — der
Lungen arterie, von Krüger.1248
Kmbryokardie, jugolare, von Morison . . 787
Embryonal ge webe, Implantation von, von
v. Tiesenhausen. 2388
Emmetropie, Entstehung der, von Straub 1810
Empfindungen in der Schlundröhre und
im Magen, in der Harnröhre, der Blase
und dom Enddarm, von Zimmermann 1803
Emphysem, komplementäres, von Hoppe«
Seyler 104, — bnllosum, von Klem-
perer 257, retrovesikales — infolge
Scliussverletznng, von Kempf .... 1841
Emphysembehandlung, von Treibmann . 1250
Empyem, Heilung des chronischen, mittels
künstlichen Pneumothorax, von Wen-
ckebach 528, — und Pyopneumothorax,
von Klieneberger 883, Behandlung de«
—, von Wauglt 1201, operative Behand¬
lung veralteter —, von Goldmann 1248,
Behandlung des chronischen — mit
künstlichem Pneumothorax, von Wen-
ckebaeh.1810
Enchondrome, multiple, und Exostosen,
von v. Haberer .1492
Encephalitis und Meningitis serosa bei
Kindern, von Winkler.1810
Endographisch© Untersuchungsmethode,
von Schade.2123
Endokarditis, ulzeröse, nach Gonorrhöe,
von Klemperer 257, — durch bakte¬
rielle Toxine, von Fulci 575, tuber¬
kulöse —, von Fulci 575, Knötchen¬
bildung bei rheumatischer maligner —
von Takayasu 10S6, Histologie der
rheumatischen —, von Coombs . . . 1971
Endokardiura, Histologie des, parietale,
von Nagayo.. . . . 1090
Endometritis, von Henkel 413, von Hitsch-
mann und Adler 2130, chronische —,
von Ellerbrock 1089, Anatomie, Patho¬
logie und Therapie der chronischen —,
von Theilhaber und Meier 1293, Be¬
handlung der —, von Tweedy . . . 1925
Endometritisfrage, zur, von Voigt 1294,
von Büttner. 1562, 1654
Endometrium, glanduläre Hyperplasie und
Hypertrophie des —, von Himmelheber 2329
Endoskopie, Atlas der rektalen, von Foges 2328
Kndotholioma myxomatodes des Antrum
Uighniori, von Tilly und Shattoek . . 2547
Kndotheltumoren, endolymphatische, der
Haut, von Minne. 2655
Energie, Emanation der psychophysischen,
vom Kotik. ...... 2535
Energiequellen für chemische Vorgänge,
von Throns . 2234
Kncrgosapparate, Verbot der, in Oesterreich 580
Engelmann TI» W. +, von Piper .... 1797
Entartungsreaktion und verwandte Reak¬
tionen, von Reinecke.1G52
Hnibindungdureli die Uterus-Bauchdecken-
fistel nach Sellheim, von Dobbert 670,
— zu Hause, von Horovitz 671, Me¬
thoden und Technik der raschen —
'•ei Eklampsie und Placenta praevia,
von Baisch 684, wiederholte suprasym¬
physäre —, von Harlmnnn . . 2187, 2491
Enteritis, Bac. Paratyphi A bei chroni¬
scher, von Bondi 873, kolloidchemische
Betrachtungen über die — der Säug¬
linge, von Meyerhofer und Pribram . 2186
Er.t‘•ritinbaktericii, von Sohernheim . . . 2603
Entcriii»bazillen, Vorkommen von, in der
Milch. von Zwick 2603, Vorkommen
von — in Pöckel fleisch wäre, von Zwick 2604
Enteroanastomosen, Leistungsfähigkeit der
lateralen, von v. Haberer.1492
Enterojriygor, neuer, von Gomoiu . . . 532
Seite
Enterostomie, primäre, von Sick .... 2490
Entfettung, s. a. Fettsachtbehandlung,
Milchkur.
Entfettung durch vegetarischeDiät,von Albu 2184
Entfettungskuren, s. a. Vegetarische Diät,
Milchkur.
Entfettungskuren, von Pariser 734, von
Lenhartz 1154, von Tobias 2123, —
durch reine Milchdiät, von Hedinger
1700, Methodik der —, von Rosenfeld 2175
Entmündignng wegon Geisteskrankheit
oder Geistesschwäche, von Jahrmärker 2333
Entwicklungslehre, Kampf um Kernfragen
der, und Vererbungslehre, von Hertwig 867
Entwicklungsstörungen beim weiblichen
Geschlecht, von Kehrer .2711
Enuresis, von Mattauschck 2654, Behand¬
lung der — nocturna mittels epiduraler
Injektionen, von Sieber.1196
Enzephalitis, von Nonne 947, von Strümpell 1514
Enzyklopädie der praktischen Medizin, von
Schnirer und Vierordt .... . . 141
Enzymatische Prozesse, Messung und Be¬
deutung der Wasserstoffiononkonzen-
tration Hoi, von Sörcnsen. 2496
Eosinophilie, exsudative Diathese und,
von Rosenstern.1966
Epheu, hautreizende Wirkung von, von
Zinsser .. 8706
P^pidemien, Geschichte der, von Sticker . 2126
Epidermoid an der Schulter, von Krüger 2395
Epididymitis Bympathica, nicht erotica,
von Porosz 360, neuere Behandlungs¬
methoden der — gonorrhoica, von
Fernst 627, Pathologie und Statistik der
— gonorrhoica, von Tanaka 631, Be¬
handlung der — gonorrhoica, von
Heinze 631, von Schindler 631,—erotica
und syinpathica, von Waelsch 1437,
— Bympathica, von Waelsch 1923, —
und Bacterium coli commune, von
Müller. 2888
Epidurale Injektionen hei Gebärenden,
von Tobraszek .... 2596
Epiglottisknorpel, regressive Verände¬
rungen des, von Lindemann .... 575
Epikondylus, Verletzungen des, internus,
von Hahn. 2086
Epilepsie, s. a. Bewusstseinsstörungen,
Blut, Dämmerzustände.
Epilepsie, von Kaufmann 353, — nach
Trauma, von Tilmann 674, Zeitschrift
— 840, genuine und symptomatische
—, von Redlich 930, serotherapeutische
Versuche bei —, von Zuzak 98G, Jack-
sonsche —, von Kostic 1200 , psychische
—, von Adler 1343, Behandlung der —,
von Kellner 1392, von Liobl 2399,
Pdeischmilchsäure in Blut und Ham
bei — und Eklampsie, von Zweifel 1436,
Stoffwechselpathologie der —, von
Tintemann 1472, Sabromin bei —, von
Bratz und Schlokow 1497, nasale —,
von Levinstein 1556, chirurgische Be¬
handlung der —, von Tilmann 1666,
— partialis continua bei zerebraler
Syphilis, von Spiller und Martin 1911,
Behandlung der — mit Calcium lacticum
von Littlejohn 1971, chirurgische Be¬
handlung der —, von Krause 2135,
Betriebsunfall bei — 2386, Bromtherapio
der — auf experimenteller Grundlage,
von v. Wysa und Ulrich 2493, senile
—, von Savill 2547, Psychologie der
—, von Wiersnm. 2599
Epileptikern, Stoffwechseluntersuchungen
von, von Rohde 726, Sexualität der
von Maeder.2124
Epiphora idiopathica nasalen Ursprungs,
von Weleminsky. 1199
Epiphysenläsion,traumatische, von Trumpp 480
Epiphysenlösung, von Göhell 1051, trau¬
matische, von Riedinger 623, von Penisi
1438, — des Schenkelhalses, von P'ittig 1701
Epiphysenstörungen, juvenile, von Thie-
inann.833, 912
P-piphyscn Verletzungen, seltene, von
Luxemburg. 2542
Epiploitis chronica, von Walther .... 2245
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Seite
Epispadie, weibliche, von v. Mayersbach
94, totale —, von Jerusalem .... 1554
Epithelheterotopie und mctaplasie, von
Münster. 2071
Epithelialgeschwülste des Unterkiefers,
von v. Bokay.728
Fipithelion, verkalktes, der Haut, von
Walkhoff 191, Behandlung des — mit
Röntgenstrahlen, von Pahler .... 254
Epithelkörperchen und ihre Beziehungen
zur Pathogenese der Tetanie, von Glaser-
* feld 197, Funktionen der —, von Falta 689
Epithelkrcbs, Behandlung des, mit Radium,
von Wickam und Degrais.212
P^pithel Wucherungen Firzeogung atypischer,
von Stoeber 128, entzündliche hetero-
tope — im weiblichen Genitalgebiet,
von Mayer. 2389
Epityphlitis, Milzabszess nach, von Neoge-
bauer 197, traumatische —, von Wohl-
gemuth.829
Spätfolgen der, von Retzlaff.1155
P>blichkeit, Einfluss der, auf die Entwick¬
lung des Magens, von Czernecki . . , 2134
Erblindung, toxische, nach Genuss von
gefälschtem Kinderbalsam, von Natan-
son. 2438
Erbrechen, rekurrierendes, der Kinder,
von Rindfleisch 31, anstillbares — der
Schwangeren, von Ratzeburg 675,
zyklisches — der Kinder und Appen¬
dizitis, von Cumston 730, Behandlung
der unstillbaren —, von Wallich . .1718
Erdbeben s. a. Hilfsexpedition, Hilfsfond,
Messina, Sammlung.
Erdbeben. 430, 431
pTdbel>engebiet, deutsche Hilfsexpedition
im italienischen, von Eckstein . . . 1448
Erdbeben Verletzungen in Messina, von
Colmers.940
Erdrosselung, Mord und Selbstmord durch,
von Jürgens.201
Erfrierungen, Behandlung der, mit lokaler
Arsenvalisation, von Scheuer .... 1657
Ergebnisse der innerenMedizin und Kinder¬
heilkunde .868
Ergograph, Nachweis von Simulation oder
Aggravation von Paresen mittels dos
Mossoschen, von Stursberg.1667
P>gotin, von Huchard.. . 1214
Krhängungstod, Lehre vom, von de Do¬
men icis. 2597
Erkältung als ätiologisches Moment, von
Kronthal.950
Erklärung 1360, — dos Verbandes der che-
misch-pharmazeutiscbenGrossindnstrie
1312 — des Vorstandes des Leipziger
Aerzte verbandes.1312
Ernährung, Ansatz bei natürlicher u. künst¬
licher, von Orgler 2185, künstliche —
von Neugeborenen in Spital und Privat-
haue, von Schelble 2289, künstliche
— mit Kohlehydraten, von Fichten¬
mayer . 2391
Pirnährungslehre und Ernährungstochnik
von Sternberg. 2230
Ernährungsstörungen, Behandlung der
akuten, im Säuglingsalter, von Salge
591, diätetische Behandlung der — im
Säuglingsulter, von Finkeistein und
Meyer.. . . 1294
Ernährungeversiiche, statistische Beweis¬
führung bei, von Schütz. 530
Ernährungszustand, objektive Bestimmung
des, von Oppenheimer.1512
Ernennungen 319, 374, 742, 999, 1169,
1215, 1264, 1311, 1456, 1518, 1767,
1927, 2669, 2671
P5 regungszuständo, psychomatorische, von
Kleist.. . 1614
Erreur de Sexe, von Amann.1511
P>röten, Psychologie und Therapie des
krankhaften, von Aronsohn.1656
P^rschütterungshammer mit Gummifinger
zum Aufschlag, von Prancke .... 1185
P'rstickungstod, Leukozyten des Blutes
beim, von Ascarelli. 2280
Erwärmung, Apparat für innere, von Körper¬
teilen, von Klingmüller. 2664
Original fro-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
XLII
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Seite
Erwartungsneurosen auf okularem Gebiet,
von Salzer . 1687, 1761
Erwerbsunfähigkeit, Abschätzung des
Grades der, von Pfarrius 674, — im
Sinne des Invalidengesetzes und ihre
Ursachen, von Miller.1802
Erysipelas, von Sörensen 1295, Behand¬
lung des — mit antidiphtherischem
8 erum, von Apostoleanu 1392, Er¬
fahrungen über —, von Samberger 2233,
Behandlung des —, von Schlesinger
2454, Stauungshyperämio bei —, von
Jochmann und Schöne.25'J6
Erythema induratum, von Schidachi 631,
intrauterin entstandenes toxisches bul¬
löses —, von Blumenthal 826,—infectio-
sum 1762, — exsudativum multiforme,
von Delbanco.1920
Erythrodermia desquamativa, von Leiner
676, — bei Drüsen- und Knochen¬
tumoren, von Spiethoff.676
Erythrozyten, granulierte, ihre Färbung
und ihre semiologische Bedeutung, von
Fiessinger und Abrami.1750
Erythrozytosis, Lungengaswechsel bei, von
Senator.2119
Esperanto, internationale Gesellschaft der
Aerzte auf Grundlage des.1213
Essig, Begriff des, im Nahrungsmittel¬
buch .742
Etat der medizinischen Fakultät zu StrasB-
burg 733, — deB bayrischen Kultusmini¬
steriums . 2246
Etudes anatomo-cliniques, von Tripler . 2067
Eucerin, von Philippi . . . .. 1792
Eulatin 1031, — bei Pertussis, von Fränkel
253, — gegen Keuchhusten, von Baede¬
ker .-. 2350
Eumydrin bei Magenhyperazidität und
Gastrosukkorrhöe, von Massini . . . 306
Eupyllin.410
Examensfrage, in Frankreich.1204
Exanthematische Krankheiten, von Heub-
ner 1098,Differentialdiagnose der akuten
von Heubner.994
Exkreszenzen, hahnenkammförmige, von
Krusius.1865
V Exophthalmus durch tuberkulösen Epi-
\ duralabszess, von Axenfeld 535, —
unilateralis, von Lustig 931, — bei
Schädelmissbildungen, von Redslob 1103
\ Exostosen, kongenitale osteogene, und
^Tuberkulose, von Lortat-Jakob und
Sabaräanu 1145, — cartilaginea multi¬
plex, von Flinker.2124
Exstrophia, Maydls Operation der, vesicae,
von Ewald. 415
Exsudate, von Fischer 887, Differential¬
diagnose zwischen — mit Transsudat,
von Romanelli 306, Bedeutung des
diphtheritischen —, von Pacchioni
[629, Behandlung des pleuritischen —,
von Fellner.873
Extension, zerlegbarer Bohrer zur, am
Knochen, von Becker. 2022
Extensionsapparate, Tuppingersche auto¬
matische, von Wettstein.412
Extenpionsbehandlung, von Wildt 2541,
Theorie und Praxis der — der Ober¬
und Unterschenkelbrüche, von Hens-
chen 49, 1494, ambulatorische — der
Oberextremitäten, von Borchgrevink . 1861
Ex tensionsschiene, Rhombus und automa¬
tisch wirkende, zur Behandlung von
Oberarm- und Schultergürtelbrüchen,
von Hofmann. 2379
Extensionsverbände, Technik der, von
Bardenheuer und Graessner 1340, por¬
tative — für Frakturen der oberen
Extremität, von Frank.1969
Extraktionsschwierigkeiten, von Teuffel . 929
Extrauteringravidität, von Weisswange
389, von Wiener 784, Operation einer
— in der Bauernstube, von Wormser
773, Myoma uteri mit —, von Buben¬
hofer 1966, Behandlung der —, von
Wernitz. 2388
Extrauterinschwangerschaft s. a. Tuben¬
gravidität.
Seite
Extrauterinschwangerschaft, Operation bei
—, von Sturmdorf 1093, Behandlung
der —, von Wernitz 1142, von Puppel 1966
Extremität, bleibende Hypertrophie einer,
infolge Venenverschluss, von Bloch . 822
Extremitätenchirurgie in Amerika . . . 2426
Extremitätengangrän nach Pneumonie, von
Gregor. 40
Extremitätenverletzangen, konservative
Behandlung schwerer, von Noesske
1712, 2227, konservative Therapie
schwerster — und drohender Gangrän,
von Knoke. 2093
F.
Fadenbakterien, Zytologie einiger, von
Swellengrebel.1747
Färbungsmethode für Hautschnitte, von
Herxheimer 1352, gemeinsame — für
Aktinobazillose, Aktinomykose, und
Botryomykose, von Chausse.2181
Färbung, vitale, von Goldmann .... 2068
Fäulnisbasen, Entstehung von, von Acker¬
mann . 2450
Fäzes s. a. Blut.
Fäzes, Nachweis gelösten Eiweisses in
den, mittelst der Biuretreaktion, von
Tsuchiya 925, Bestimmungen des prote¬
olytischen Fermentes in den —, von
Döblin 1392, spektroskopische hämo-
chromogene Blutprobe der —, von
Cs4pai 1497, hämolytisch wirkende
Stoffe im Aetherextrakt der — bei
ulzerativen Prozessen des Darms, von
Grafe und Römer 1700, Nachweis des
proteolytischen Fermentes in den —,
von Franke und v. Sabatowski . . . 1700
Fäzesuntersuchung auf Parasiteneier, von
QuadHieg. 2596
2453
1603
777
2708
2529
2511
2237
1549
818
1343
1758
2598
1356
Fahrrad als Zentrifuge, von Osten . . .
Fallphonometer und die Bestimmng der
HörsChärfe mit demselben, von Zoth
Fango aus der Eifel, von Weidenbaum .
Fangsieb, Spekulum mit, von Weissbart
Faradisation, Kombination von, oder Gal¬
vanisation mit Vibrationsmass'age, von
Hindenberg.
Farbenbenennungsvermögon als Intelli¬
genzprüfung bei Kindern, von War-
burg.
Farbenblindheit, von Hoen.
Farbenphotographie m. Autochromplatten,
von v. Hübl.
Farbensinn, pseudo-isochromatische Tafeln
zur Prüfung des, von Stilling ....
Farbensinnprüfung, bahnärztliche, von
Rosmanit.
Fasciolopsis Fuellebornii, von Rodenwaldt
Fasten, dreissigtägiges, von Penny . . .
Favus s. a. Herpes tonsurans.
Fazialis-Hypoglossus-Anastomose, von Til-
mann.
Fazialiskem, phylogenetische Verschie¬
bung des motorischen, von Amens
Kappers. 2600
Fazialislähmung, von Hirschfeld 1250,
Nervenpfropfung bei —, von Tilmann
938, — nach Zahnextraktion, von
Krondl 986, Heilung der chirurgischen
—, von Ballance 2598, Behandlung
der — nach Mastoidoperationen, von
Marsh. 2599
Fazialisparese, von Embden.680
Febris glandularis, von Schäffer 417, —
recurrens, von Curschmann 1567, —
uveo-parotidea subchronica, von Heer-
fordt 1891, — typhoidea bei einem
Säugling, von Delprat. 2599
Fehlgeburten, Zunahme der, in Magde¬
burg, von Kluge. 888
Feldzug, Mittel zur Sicherstellung der Ge¬
sundheit der Truppen im russisch¬
japanischen, von Koike.1502
Felke, Kurpfuscher.1311
Felke-Prozess 2348, 2899, Ernstes nnd
Heiteres zum —, von Schmitz 818,
reichsgerichtliches Urteil im —, . . .
Seite
Femoralhemien, operative Behandlung der,
von Abroshanoff.1746
Femur, Resektion der Meta- und Epiphyse
des, von Enderlen . 1570
Femurdefekt, kongenitaler, von Pürck-
hauer. 2022
Femurepiphyse, traumatische Lösung der
unteren, von Hilgenreiner.1551
Fenster, Verstopfung des runden, von
Herzog.480
Ferienkurse der Berliner Dozentenver¬
einigung . 159, 1311, 2503
Fermente, neue Methoden zum Nachweis
proteolytischer — und deren Anti¬
fermente, von Mandelbaum 2215, pro¬
teolytische — in den Säuglingsfäzes,
von Czekkel. 2231
Fermentbehandlung s. a. Antiferment-
behandlung.
Fermentbehandlung tuberkulöser Abszesse,
von Goldenberg 28, — und Antiferment¬
behandlung eitriger Prozesse, von Kan-
torowicz 1419, von Müller und Gergö
2134, — und Anti ferme ntbehandl ung
von Borszeky und Turän. 2329
Ferralbol 2234, Versuche mit einem neuen
Eiweisseisenpräparat —, von Levy . . 871
Ferrosilizium, gefährliche Eigenschaften
des, von Wilson.1658
Ferro vose. 2234
Fersenschmerzen, von Jacobsthal ... 88
Festschrift für G. E. v. Rindfleisch, von
Borst...'. 408
Feststellröhre, von Brünnings.1447
Fett, Bestimmung des, im Fleisch, von
Baur und Barschall 871, Analyse der
— u. Wachsarten, von Ulzer, Pastrovich
und Eisenstein 1902, Unterscheidungs¬
merkmale der —, von Kramer . . . 2285
Fettanhang, Torsion eines, von Ebner . 1804
Fettbildung, Pavysche Hypothese der, in
der Darmwand, von v. Bergmann und
Reicher.• . 926
Fettembolie, tödlich verlaufende, von
Fuchs 538, Verhütung der operativen
—, von Reiner. 2232
Fettgewebsnekrose, subkutane, von Berner
469, — bei perforiertem Ulcus ventriculi,
von Thorei. 2665
Fettresorption im Darm, von Köster 85,
Beteiligung der Leber an der —, von
Glässner und Singer.2183
Fettsäuren, Abbau von, im Tierkörper, von
Embden und Wirth 992, — im Magen¬
inhalt, von Hecht. 2232
Fettsucht, von v. Noorden 2033, Fibrolysin
gegen —, von Riedel 1429, Herab¬
setzung des Umsatzes bei der —, von
v. Bergmann. 540, 635
Fettsuchtbehandlung, s. a. Entfettung.
Fettsuchtbehandlung, Prinzipien der, von
Labbö . . . . •. 2034
Fettwanderung,Physiologie und Pathologie
der, von Mansfeld, Hamburger und
Verzar . 2538
Feuerbestattung in Preussen .374
Feuerlöschung durch schaumbildende
Flüssigkeiten . 2391
Fibrin, Wirkungen des, von Bergei 872,
2030, praktische Erfahrungen mit —
und Serum, von Bergei.1702
Fibrinmethode, neue, von Herxheimer . 1895
Fibrolysin bei pleuritischen Schwarten,
von Schntitgen 38, — bei Myositis, von
Aizner 757, — bei Nasen-, Hals- und
Ohrenkrankheiten, von Skrypta 876,
Thiosinamin und —, von Stern 876,
Wirkung des — auf das Narbengowebe,
von Brandenburg 982, — ein Heilmittel
der Fettsucht, von Riedel 1429, rektale
und vaginale Anwendung des —, von
Althoff 1599, — bei Strikturen, von
Trautwein 2038, — bei Tabes, von Müller
2038, — bei Ankylose, von Knotz 2039,
— und Fibrolysinpflaster, von Mendel
2039, — bei Strikturen, von Trautmann
2335, Wirkung des — bei Mittelohr¬
taubheit, von French 2548, — bei Ge¬
lenkgicht, von Martin.2715
Digitized b"
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Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
INHALTS-VERZEICHNIS.
XLIII
1909 .
2655
2243
1862
745
732
Seite
Fibrolysininjektionon s. a. Otosklerose.
Fibrome, Radiotherapie der, von Fouvean
de Courmelles 2137, Behandlung der
— während der Schwangerschaft, von
Kufferath . . . . *.• .
Fibromyom, Nekrose eines, von Speransky-
Bachmetew 929, — uteri und harn-
saure Diathese, von Hirsch . . .
Fibuladefekt, angeborener, von Wille
Fieber, Temperaturerhöhung und Stoff¬
wechsel im, von Magnus-Alsleben 1151,
Wirkung des — auf den Verlauf der
Infektion, von Barankeieff 1653, Purin¬
stoffwechsel im —, von Jonescu und
Grünberger 1653, alimentäres —, von
Roaenthal.
Fieberhafte Erkrankungen, Behandlung
der, von Glaser . 2238
Fiebertemperatur, nützliche und schäd¬
liche Wirkungen der, bei Infektions¬
krankheiten, von Rolly.
Filaria volvulus, von Fülleborn 732, von
Rodenwaldt 732, Uebertragung mensch¬
licher — auf Stechmücken, von Fülle¬
born ...
Filariasis, Radiumbehandlung der Lymph-
stauung durch, von Warden. 2598
Filix- und Veronalvergiftung, von Jacobi 1390
Finger, plastischer Ersatz ganz oder teil¬
weise verlorener, von Noesske 1403,
autoplastischer Ersatz von Streck¬
sehnen bzw. von Beugesehnen der —,
von v. Hacker.2127
Fingergangrän, s u. Raynaudsche Krank¬
heit.
Fingergelenksankylose, von Hilgenreiner 2491
Fingerkontraktur, akute posttraumatische
Dapuytrensche, von Wyss IS9, ten-
dogene —, von Schlesinger.588
Finger- und Hand Verletzungen, Begut¬
achtung der, von Liniger. 2591
Finsen-Reyn-Lampe, Tiefenwirkung der,
von Maar 631, von Kromayer .... 631
Finsenverfahren, Kontraindikationen des,
von Piorkowski.985
Fische, Einfluss gesteigerter Wärme auf
die, von Goette.. . 1553
Fischnahruug, Arbeit der wichtigsten Ver¬
dauungsdrüsen und der Bauchspeichel¬
drüse bei, and Fleischnahrung, von
Boldyreff...1389
Fistelgänge, Diagnose, chirurgische Be¬
handlung und Verhütung von, und
Abszesshöhlen, von Beck.1431
Fistula auris congenita duplex, von Engel¬
mann .788
Flagellaten im menschlichen Darm, von
Guastalla. 2438
Fleck fieber, Diagnose des, von Bäumler. 145
Fleischer, Erinnerung an Richard, von
Penzoldt.1285
Fieischnahrung als Krankheitserreger, von
Schneidemühl.1143
Fleischvergiftung, Eiskonservierung und,
von Conradi 505 , Aetiologie der —,
von Ridder. 2652
Flexura sigmoidea, entzündliche Tumoren
der, von Amsperger 1099, typische
Stenose der — coli lienalis, von Payr
1262, V-förraiare Schlinge der —, von
Thiomann 1585, Divertikel der —
sigmoidea, von v. Stubenrauch 1868,
— sigmoidea und weiblicher Genital-
traktus, von Amann 2188, obturierendes
Karzinom der — Bigmoidea, von Kreuter 2660
Flexuretenose, von Eibegger.1515
Fliegen als Typhustiberträger, von Klein 416
Flora, Thomös, von Deutschland, Oester¬
reich und der Schweiz, Kryptogamen¬
flora 1192, illustrierte — von Mittel¬
europa, von Hegi. 2021
Flottenarzt, Stellung und Pflichten des,
von Beyer.
Flügelfell, von Enderlen.995
Flüseigkeitsansammlungen, Entleerung
infektiöser, von v. Haberer.2178
Föratereche Operation nach spastischen
Lähmungen, von Gottatein . . . 930, 942
Seite
Fötale Organe, Ungiftigkeit von, von
Hikmet . .1032
Fötalkreislauf, von Ziegenspeck .... 2188
Fötus, Wachstum und Proportion des,
von Stratz.1906
Foramen magnum, Beziehungen des, zu
pathologischen Vorgängen, von Quincke 1975
Formaldehyd 8 . a. Desinfektion.
Formaldehyd, von Orloff 2277, Wirkung
des — auf tuberkulöses Sputum, von
Kaiser.931
Formaldehyddesinfektion von Eisenbahn¬
abteilen und Droschken, von Hilger-
mann 1964, — ohne Apparate, von
Walbum. 2283
Formaldehyd - Kaliumpermanganatver¬
fahren, Raumdesinfektion mit, von
Hannes. 2519
Formamint, von Kapp.1859
Formol, Giftigkeit des, von Poenaru-
Caplescu. 2439
Forstbetriebskrankenka 6 se,bayerische,und
Aerzte, von Jaks. 1243
Fortbildung, Frage der ärztlichen, speziell
die sog. Gratisknrse. 914
Fortbildungskurse in München 487, 951,
in Dresden 487, 1216, in Düsseldorf
791, 1055, 1575, Organisation ärztlicher
Q —, von Grassmann 919, — in Berlin 895,
1927, hygienischer — für Amtsärzte
und Verwaltungsbeamte in München
951, 1720, 2295, psychiatrischer — in
München 1112, — in Bonn 1112, —
(3 in Köln 1311, — in Leipzig 1456, —
in der Milchhygiene für Tierärzte in
Düsseldorf 1518, — für Bakteriologie
Tete in Berlin 1671, —.in Posen . . 1823 |
Fortbildungswesen, Reichsausschuss für
das ärztliche 590, 1575, 9. General-
*| Versammlung des Zentralkomitees für
• das ärztliche — in Preussen 1216,
Zentralkomitee für das ärztliche —•
1 f 1311, das ärztliche —, von Kutner 1914,
ärztliches —. 2503
Fortschritte der Medizin.216
Fossil s. u. Skelett.
Fovea centralis, Entsteh'ungsweise der,
von Seefelder.1101
Fraktur s. a. Abrissfraktur, Basisfraktur,
Bruch, Extensionsbehandlung, Exten¬
sionsschiene , Klaviknlafraktur, Kno-
* ' chenbruch, Kondylenbruch, Loch¬
bruch, Lnxationsfraktur, Malleolen-
fraktur, Oberarmbruch, Oberschenkel¬
brüche, Radiusbruch, Patellarfraktur,
Schädelbasisfraktur, 8chädelbruch,
Schädeldach, Schenkelbruch, Schenkel¬
halsbruch, Schlüsselbein, Spiralbrüche,
Talusfraktur, Torsionsfraktur, Vorder¬
armbruch, Wirbelsäule.
Frakturen, Behandlung der —, des Ober¬
schenkelhalses mit Metallnägeln, von
Delbet 108, intrauterin entstehende —,
von Chrysopathes 143, isolierte — der
Processus transversi der Leridenwirbel-
sftule, von Haglund 573, typische —
der Tibia im Talokruralgelenk, von
Meissner 621, blutige Reposition und
Knochennaht bei —, von Willems 996,
— des Kahnbeins, von Sackur 1301,
isolierte — der Lendenwirbelquerfort¬
sätze, von Hoffman n 1434, — bei
Kindern, von Birt 1508, isolierte —
des Trochanter major, von Meyer 1906,
Behandlung der — in Deutschland am
Ende des 18. Jahrhunderts, von Fischer-
Defoy 2018, späteres Schicksal kind¬
licher —, von Birt 2329, wio weit lassen
sich Fehldiagnosen und Misserfolge
bei — und Luxationen vermeiden?
von GraBhey 2420, isolierte — des
Trochanter major und minor, von
Feinen 2542, operative Behandlung der
—, von Lane. 2598
Frakturenbehandlung, s. a. Nagelextension.
Frakturbehandlung von Lane 2427, — mit
Nagelextension, von Anschütz 1978,
— nach Steinmann und Zuppiuger,
Seite
von Christen 2495, moderne —, von
Lucas-Championnifcre. 2598
Frambösie, tertiäre, von Howard 200, —
— tropica, von Löhe. 2335
Frambösiegeschwtire, Behandlung von,
und anderen tropischen Geschwüren,
von Heard.200
Frambösiekontagium, Fliegen als Ueber-
träger des, von Robertson.200
France, en, von Martin und Thiergen . 1488
Frangol, von Fritsch. 2350
Frank, Dr. Johann Peter, von Doll 2118,
— als Begründer der Rückenmarks¬
pathologie, von Neuburger . . . 2124, 2289
Franzensbad, Aerztekurhaus in . . 791, 1517
Frau, die Reize der, und ihre Bedeutung
für den Kulturfortschritt, von 8 ellheim 1291
Frauenarzt, Redaktionswechsel des . . . 2296
Frauenheilkunde und Strafrecht, von van
Calker.249
Frauenheim in München.1622
Frauenkrankenhaus in Berlin.1872
Frauenmilch, konservierte, von Rosenfeld
1609, Ernährungsversuche mit konser¬
vierter —, vonMayerhofer u.Pribram 1438,2186
Fremdenlegion, ärztlicher Dienst in der
französischen, von Granjux.720
Fremdkörper, eingeheilte, vonv. Frißch 51,
— im Herzen, von Schwarzwald 198,
— im Mittelohr, von Nathan 304, —
aus Trachea und Oesophagus, von
Kümmel 422, — in der Stirnhöhle, von
Krämer 728, — der Urethra, von Bar-
ragdn y Bonet824, oesophagoskopische
Behandlung verschluckter —, von
Brünings 985, durch — hervorgerufene
Riesenzellen, von Forbes 1035, — im
Ohr, von Schwartze 1183, — in den
oberen Luftwegen, von Spiess 1258,
— im Wunnfortsatz, von Rammstedt
1293, diametral gegenüberstehende
Folgeerscheinungen zweier — in der
Nase, von Mühlenkamp 1282, Extrak¬
tion von — mittels oberer Bronchoskopie,
von Guisez 1307, seltene — der Blase,
von Kielleuthner 1508, Bestimmung des
Tiefensitzes von — mittels Röntgen-
ßtrahlen 1645, Verblutung durch Aorta¬
perforation infolge eines — der Speise¬
röhre, von Rüdiger v. Rydygier 1657,
— der Speiseröhre und der Trachea,
von Heschelin 1750, intravesikale Auf¬
lösung fettartiger —, von Posner 1807,
— in der Lunge, von Uchermann 1862,
— in den oberen Luft- und Speise¬
wegen, von Marschik und Vogel 2232,
Verletzung der Hand durch —, von
Richter 2232, — im Organismus, von
v. Baeyer 2417, verschluckte —, von
Borchardt 2609, Entfernung von —
aus den Bronchien, von Chiari 2612, —
im r. Seitenbronchus, von Iledderich 2713
Fremdkörperaspiration, von Bayer . . . 1125
Fremdkörperfälle, chronische, der Lunge,
von Schilling. 2342
Fremdkörpergranulom, von Schopper . . 1034
Fremdkörperwanderung im Ange, von
Kauders.. . . 932
Frequenz der deutschen med. Fakultäten
im W. S. 1908/09 216, im S. S. 1909
1455, 1573, — der schweizerischen med.
Fakultäten im W. S. 1908/09 542, im
S. 8 . 1909 . 1573
Frucht, oxtrauterine, von Flatau .... 1818
Fruchtblase, Zerreissung der, bei der Ent¬
bindung, von van der lloeven . . . 2651
Frühaufstehen s. a. Aufstehen, Wochen¬
bett, Wöchnerinnen, Laparotomie, La-
parotomierte, Thrombophilie.
Frühaufstehen im Wochenbett und nach
Operationen 722, — der Wöchnerinnen,
von Holzapfel 1015, 1051, von Htlffell
1248, von Müllcrhoim 2390, — nach
Laparotomien, von Grünbaum 1210,
— der Wöchnerinnen und Laparoto-
mierten, von Mendel 2149, Verhalten
des Blutdruckes beim — im Wochen¬
bett, von Barer •. 2233
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
XLIV
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Frühgeburt, künstliche.. 668
Frühlingskatarrh der Augen und der ätio¬
logische Einfluss des Sonnenlichtes,
von Pütt.1923
Fürsorge s. a. Kinderftirsorge, Krüppel-
fürsorge.
Fürsorge für stillende Fabrikarbeiterinnen,
von Tugendreich 627, — für Säuglinge
und Mütter in Charlottenburg, von
Samter 773, Ausgestaltung der — für
Kranke mit vorgeschrittener Lungen-
v und Kehlkopftuberkulose.$398
' Fürsorgestelle, Bericht über die Tätigkeit
der, für Lungenkranke des Vereins zur
Bekämpfung der Tuberkulose in Mün¬
chen, von Ranke 46,187, — für Lungen¬
kranke, von May und Pütter .... 2139
Fütterungsversuche und epidemische En¬
teritis, von Minett.12*0
Fulguration s. a. Krebs.
Fulguration, Behandlung des Karzinoms
mit, von de Keatmg-Hart 1092, — in
der Krebsbehandlung, von Perez 1499,
— beim Karzinom, von Sebileau 1571,
von Pozzi 1870, — von inoperablen
Karzinomen, von Schulz 1883, Resul¬
tate der —, von de Keating-Hart 2034,
— und deren Resultate, von Juge . . 2556
Fulgurationsmethode bei Karzinom, von
de Keating-Hart.2317
Fumiform.1927
Fundusmyom, von Frankenstein .... 1923
Funikulitis, endemische, von Castellani
299, von Coutts.. 730
Funkenbehandlung, von Davidsohn . . 1497
Furcht und Grauen als Unfall Ursache, von
Lewin. 2389
Furunkel, Therapie des, im äusseren Ge¬
hörgang, von Bruch. 2680
Furunkulosis, Behandlung der, im Kindes¬
alter, von Reiche ... 1407
Fuss, Stützpunkte des, beim Gehen und
Stehen, von Momburg.301
Fussbeschwcrden s. a. Plattfuss.
Fussbeschwcrden, von Tausch . . 2183, 2142
Fussbodenöle, staubbindende, von Heise 871
Fussgelenkstuberkulose, Resektion nach
Bardenhener bei, von Frank .... 2542
Fussgeschwulst, von Momburg.297
Fussgewölbe, Schiene zur Modellierung
des, von Müller.. . . 411
Fu8sschmerzen, Heilung der, durch das
Schuhwerk, von Gaugele .... 623, 1495
Fuss Verletzung, von Rimann.1511
Fusswurzel, Resektion der vorderen, von
Streissler.1435
G.
Gänge, Untersuchung fistulöser, nach
Beck, von Spelta.1555
Galaktorrhoea post combustionem, von
Vogt..1294
Galerie hervorragender Aerzte und Natur¬
forscher (Ad. Scbmid) 158, (Ehrlich) 263,
(Metschnikoff) 318, (Darwin) 374, (La-
queur) 1110, (Kussmauldenkmal) 1214,
(Pettenkofordenkmal) 1262, (Fleischer)
1310, (Auenbrugger) 1359, (Wagner)
1574, (Gruppenbild Leipziger Profes¬
soren) 1574, (Ebstein) 1622, (Pfannen¬
stiel) 1622), (Carl Herzog von Bayern)
1671, (Henle) 171«,(Runge) 1767,(Engel¬
mann) 1823, (Müller) 1871, (v. Rosthorn)
1927, (Curschmann) 1983, (v. Bollinger)
2087, (Küster) 2350.
Gallenabsonderung nach Fettdarreichung,
von Köster ... . 85
Gallenblase, traumatische Gangrän der,
von Siegel 341 , Gangrän der —, von
Nehrkorn 411, Karzinom der —, von
Iluggins u. Ingram 1093, gleichzeitige
Exstirpation der — und des Wurm¬
fortsatzes, von Sackur 1301, Adeno¬
karzinom der —, von Deutschländer
Seite
1508, Ausstossnngder hypertrophischen
und degenerierten — durch das Kolon,
von Leonardi.1551
Gallenblasenexstirpation, subperitoneale,
von Frank.1438
Gallenblasenkarzinome, von Fink .... 2124
Gallenfarbstoffreaktionen, neue, im Urin,
von v. Torday und Klier.1860
Gallengang-Bronchusflstel, von Tyrman „ 1248
Gallengangverschlues, Diagnose des totalen
von Münzer.*.260
Gallensäurereaktion, neue, von Jolles . 1603
Gallensekretion, Wirkung einiger Medi¬
kamente auf die, von Winogradow . 1605
Gallensteine in der Harnblase, von Michel
196, — von seltener Grösse, von Nehr¬
korn 411, Aufbau und Entstehang der
—, von Bacmeister 475, 625, Struktur
und Pathogenese der —•, von Boysen 2171
Gallen 8 teinileus, Diagnose des, von Martin 1922
Gallensteinkrankheit s. a. Cholesterinstein.
Gallensteinkrankheit, Cammidgeprobe bei,
von Kehr... 1082
Gallensteinleiden, operative Behandlung
des, von Fink 415, 5. Bericht über den
Einfluss des Kurgebrauchos in Karls¬
bad auf das —, von Fink . . . . . 2410
Gallensteinoperierte, 165, von Fink . . . 2073
Gallensteintherapie, interne, von Bock . 2716
Gallensystem, Operation an dem, von Kehr 982
Gal len wege, Operation an dem, von Mi-
zokuchi 573, von Körte 982, Chiruigie
der —, von Brunner 1143, angeborene
Aplasie der —, von Theodor 1342, eine
Operation an den —, von Dahl . . .1610
Gallisol. 2234
Galmanin .. 2234
Galvanischer Strom, Verwendung des, in
der Praxis, von Becker.542
Galvanometer, psychophysische Unter¬
suchungen mit dem, von Petereon
und Seripturc. 2476
Gang des Menschen n. die Fussgeschwulst,
von Momburg.297
Ganglienzellen, wut- und staupekranker
Tiere, von Lentz.144
Ganglion s. u. Nervensystem, sympathi¬
sches.
Ganglion, Funktion des, cocliacum, von
Exner und Jaeger. . . . 2174
Ganglion Gasseri, Gefährdung der Horn¬
haut durch die Exstirpation des, von
Köllner4l9, physiologische Exstirpation
des — Gasseri, von Rasumowsky 928,
Geschwülste des — Gasseri, von Mar-
chand.. . 191
((anglioneurom der Kniegelcnkgegend, von
Hagenbach . 2543
Gangrän s. ti. Gasgangrän
Gangrän, reaktive Hyperämie bei arterio¬
sklerotischer, von Bergemann 1651, Be¬
handlung der —, die Unterextreraitäten,
von Montier 1765, angiosklerotische —
bei jugendlichen Individuen, von
Michels 1964, präsenilo — infolge von
Arteriitis obliherans, von Schümann
1994, symmetrische — nach Scharlach
von Potpeschnigg. 2335
Gartenstadtbewegung von Kampffmeyer . 1903
Gartnersche Zysten, durch Laparotomie
gewonnene, von Unterberger .... 1907
Gasaustausch im Dünndarm bei Resorption
von Wasser- und Salzlösungen, von
Brodie und Vogt. 2497
Gasbäder, Wirkung von, von Klug und
Trebing.1856
Gase, Einatmung von reizenden, von
Ronzani.1553
Gasgangrän, von Heyde.621
Gasphlegmone und Schaumorgane, von
Rosenhauer.1920
Gastrische Krisen, operative Behand¬
lung der, von Bruns und Sauerbruch 2594
Gastritis phlegmonosa, von Klemperer
257, — fibrinosa, von Reiche .... 2395
Gastroenteritis, Therapie der akuten, von
Pick. . 2134
Seite
Gastroenterostomie, Erfolge der, von
Leech 96, — bei Magenkarzinom, von
Creite 142, Anlegung von —, von Osch-
mann 1248, Erfolge der — bei Magen-
und Duodenalgeschwür, von Bidwell
2027, Technik der —, von Lenzmann 2230
Gastrojejunostomie, von Athanasescu . 1909
Gastrojejunostomie in Y-Form, v. Dahlgren 357
Gastrointestinale Anfälle infolge von Ex¬
sudation in die Darmwand, von Suther¬
land .2317
Gastroskop, von Lenk 309, von Jfclsner . 2845
Gastroskopie, von Henrici.1448
Gastrostomie bei Carcinoma oesophagi,
von Rudsit.534
Gaswechseluntersuchungen bei Lungen-
und Herzkranken, von Grafe .... 1049
Gaumen, tiefe Ulzerationen des harten
und weichen, von Trautmann .... 1620
Gaumenreflex und Schlundreflex, von
Haenel. 15U
Gaumenspaltoperationen, 53, von Helbing 2071
(Taumen tonsille, eigenartige Ziel len in der,
von Alagna.2122
Gebärende, Geisteszustand der heimlich,
von Plempel .. . 1968
Gebärmutter, Erweiterung der, von Chro-
bak 92, von Herz 1965, Arteriosklerose
der —, von Rees.255
Gebärmutteranhänge, Dauererfolge der
konservativen Behandlung chronisch
entzündeter, von Prochownick . . . 1805
Gobärmutterblutungen, Behandlung der,
mit Serum, von Busse.464
Gebärmutterkrebs, Untersuchung des
Blutes bei, behandelt durch Unterbin¬
dung des Bogen des Ductus tlioracicus,
von Jiann und Pitulescu 532, chirur-
gischeBehandlungdes —, von Jonneceu
533, von v. Ott 2121, Vorbehandlung
der Anurie bei —, von Legueu . . 1706
Gebisse, Speiseröhrensehnitte zur Entfer¬
nung künsriieher, von Burmeister . . 822
Gebühren der ärztlichen Sachverständigen
vor Gericht, von Spaet ..... . 883
Gebührenordnung, Entwurf einer, für prak¬
tische Ärzte in Preussen, von Spaet . 214
Geburten, Gesetz über die Beurkundung
der, in England 864, — und Sterbe¬
fälle in deutschen Gross- und Mittel¬
städten 1907, 485, Einfluss der — auf
den Levatorapalt, von Pankow 1606,
1616, — bei engem Becken, von Ko-
nopka 1805, Behandlung der — bei
engem Becken, von Scipiades 1854,
fieberhafte — und deren Wochenbetts¬
prognose, von Wirz 2069, wann tritt
die —- ein?, von, Schatz 2121, Beendi¬
gung der — durch rasche Erweiterung
des Collum uteri, von Calderini 2137,
von Winter 2138, Erleichterung der
—, von Samuel . 2330
Geburtenrückgang in Deutschland . . . 2139
Geburtshelfer, französische, zur Zeit
Louis XIV., von Ingerslev.2119
Geburtshilfe s. a. Unterricht.
Geburtshilfe, klinische und private, von
Bokelmann 93, operative —, von Jung
102, moderne operative Bestrebungen
in der — von Neu 422, Fortschritte
auf dem Gebiete der — und Gynäko¬
logie im Jahre 1908, von Schickele
667, moderne — in Klinik und Haus,
von Puppel 1437, — und praktische
Theologie, von Ahlfeld 1554, — des
praktischen Arztes, von Gönner 1657,
praktische Ergebnisse der — und Gynä¬
kologie, von Franz und Veit 1902, Lehr¬
buch der —, von Runge 2592, Ge¬
schichte dor — in Wien, von Fischer 2592
Geburtshilfliche Hilfsoperationen bei ab¬
normer Enge und bei unvollkommener
Erweiterung der Weicbteile, von
Pfannenstiel 963, — Therapie, von
Bucura 190, —8 Seminar, von Licp-
mann 2592, — Therapie (1er nächsten
Zukunft, von Treub 2600, moderne
Difitized by
Gck igle
Original From
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909 .
INHALTS-VERZEICHNIS.
XLV
Prinzipien in der Behandlung der —
Komplikationen, von Schwab . . . .
lieburtsleitung, Verbesserung der, von
Seilheim. 1822,
(ieburtsmonat, Einfluss des, auf die Lebens¬
dauer, von Broeksmit.1811,
Geburtsstormigen durch Missbildungen,
von Stickel .
Geburtstag, 80.
Gefässe, chirurgisch wichtige Abklem-
mungen der grossen, von Läwen und
Sievers 142, Verhalten der — bei akuten
Infektion ekrankkeiten, von Scbarpff
359, Rolle der — bei inneren Krank¬
heiten, von v. Romberg.
Gefässchirurgie, von Stich, Makkas und
Capelle.
Gefässkrisen, luetische, von Wandel . .
Gefässnaht am Menschen, von Ranzi . .
Ciefässtransplantationen und Organtrans¬
plantationen, von Garre 2177, Carreis
—, von Pozzi.
Gefässverschluss post partum, von Frankl
und Stolper.
Gefässwand, funktionelle Anpassung der,
von Fischer und Schmieden.
< Jefahr des gewöhnlichen Lebens und
Betriebsgefahr.
Gehaltserhöhung.. . . .
Geheilt, kann ich, werden?, von Fournier
Geheimmittel-Unweaen, Massnahmen zur
Eindämmung des, in Oesterreich . .
Gehirn, Regeneration im, von Borst 30,
Veränderungen im — nach Kopf¬
trauma, von Ganter 252, — und die
Nebenhöhlen der Nase, von Onodi 352,
Präparation und Studium der Anatomie
des —, von Villiger 1602, Selbständig¬
keit des — in der Regulierung seiner
Blutversorgung, von Weber 1653, Ent-
wicklungskrankheiten des —, von
Rondini 1655, Bau des —, von Edinger
2342, — und Sympathikus, von Karplus
und Kroidl 2539, Messingdraht im —,
von Kaes.
< »cliirnabszesse und eitrige Meningitiden
von Raimist.
< iehirnchirurgie, von v. Rad 2609, Grund
Sätze der —, von Cufihing ....
Gehirn- und Rückenmarkdiagnostik, Kom
pendium der topischen, von Bing .
< Jehirnerschütterung, von Ewald . . .
Gehirngeschwülste, >Selbstheilungsvor-
gänge bei, von Anton 848, 885, topische
Diagnose der —, von Niessl . .
Gehirntumor, von Saenger 1354, Esxtirpa
tion von —, von Miyake 529, operative
Entfernung eines —, von Schmiedt
1510, intraventrikulärer — und Are-
tiexie der Cornea, von Rossbach . .
Gehirnuntersu<hung, Zentralinstitut für,
in Amsterdam..
Gehörgang, anthropologische Studien über
den äusseren knöchernen, von Ba-
chauer 1199, Exostosen des äusseren
—, von Jackson 1978, Therapie des
Furunkels im äusseren —, von
Bruckh .
Gehörorgan, funktionelle Prüfung des —,
von Dölger 1127, Schädigung des —
durch Schalleinwirkung, von Yoshie .
Gehörsempfindungen, Klinik, Pathologie
und Therapie der subjektiven, von
Hegener.
Geisteskranke s. a. Blut, Blutserum,
Psychoreaktion, Hemmungsreaktion,
Kobragifthämolyse, Kobrareaktion.
• b iBteskranke, OxydationsprozeHse im Or¬
ganismus der, von Juschtschenko 35,
Pflege von —, von Falkenberg 770,
Reaktion im Blute von —, von Much
1881, von Much und Holzmann IH2,
von Fraenkel, Käthe und Bierotte 1481,
1818, Hemmung der Kobrahämolyse
durch das Serum von —, von Beyer
und Wittneben 1484, Much-Holzmann¬
sehe Kobragiftreaktion im Blute von
2610
2023
2504
209
1517
2189
1494
1100
2127
1765
2129
1747
2387
1311
1292
1670
2607
2493
1093
2229
2178
423
2188
1394
N
2588
2284
1348
—, von Hübner und Selter 1497, Be¬
handlungjugendlicher und erwachsener
—, Epileptiker und Idioten in gemein¬
samer Anstalt, von Alt 2024, Todes¬
ursachen bei —, von Ganter 2024, bio¬
logische Reaktion bei —, von Much .
Geisteskrankheit bei Geschwistern, von
Schlub.
Geistesstörungen, syphilitische, von Plaut
1612, von Alzheimer 1613, — bei den
Juden, von Sichel.
Geistestätigkeit, krankhafte Störung der,
Geisteskrankheit, Geistesschwäche in
ihren Beziehungen zum bürgerlichen
Recht, von Lieske.
Geistige Störungen, psychische Ursachen,
von, von Meyer.
Geistliche, Ausübung der Heilkunde durch,
im Mittelalter .... .
Gelatine, Gehalt der, an schwefliger Säure,
von Lange. ..... .
Gelatineinjektionen, subkutane, von
Chaput .
Gelbes Fieber, von v. Trotsenburg 1810, —
in 8t Nazaire, von Chantemeese 156,
Aetiologie des —, von Seidel in 984,
Diazoreaktion beim —, von Vargas und
Seidelin.
Gelbsucht, den Frauen eigentümliche Form
der, von Rissmann ... .
Gelenke, Mobilisierung von, von Klapp
939, Uebertragung ganzer—, von Wrede
939, Behandlung tuberkulösor —, von
Macewen 1924, Verhalten der — bei
allgemeinen Oedemen und Gefäss
kompressioneu, von Müller 2490
Schicksal verletzter —, von Warren 2548,
seltene Verletzung im Lisfranoschen —
von Gramer.
Gelenkaffektionen, neuropathische, von
Klister.
Gelenkankylosen, Periosttransplantation
bei knöchernen, von Hofmann .
Gelenkdeformitäten, multiple kongenitale,
von Meyer.
Gelenksentzündungen im Säuglingsaltor,
von Trumpp.
Gelenkerkrankungen, luetische, von Hart*
tung 1718, neuropathische —, von
Levy und Ludloff 1746, chronische —
in Röntgenbild, von Jacobsohn . .
Gelenkflächeninkongraens, von Preiser .
Gelenkknorpel, Heilung von Wunden des,
von Cramer...
Gelenkmäuse, Entstehung der, von Veit
573, Entstehung der — im Kniegelenk,
von Kirschner.
Gelenk- and Knochenprozess, eigentüm¬
licher, von v. Aberle.
Gelenkrheumatismus, Behandlung des
akuten, von Plehn 39, Sublimatinjek¬
tionen bei —, von Ortali 305, — und
pathologische Veränderungen der
Rachengebilde, von Bosslnyi und
L^närt 2081, Aetiologie des —, von
Blum.
NGelenktuberkalose, von Vogel 869, opera-
\ live Behandlung der —, von Ludloff
632, Mosetig-Moorhofsche Plombierung
bei —, von Bdrard . ..
Gelenkveränderungen bei * Nervenleiden,
von Oehlecker.
Gelenk Versteifungen, Operation schwerer,
von Koch.
Gemeindekrankenveröicherung,Reformder
ländlichen, von Jaks.
Gemeindeschulkinder,Gesundheitsverhält¬
nisse der Berliner ..
Gemütsbewegungen oder affektive Ge¬
fühle, von Buch .
General bericht der Sanitätsverwaltung im
Königreich Bayern.
Generalkrankenrapport über die K. Baye¬
rische Armee 160, 376, 640, 792, 1056,
1264, 1520, 1768, 1928, 2200, 2352,
Genickstarre s. a. Meningitis, Zerebrospinal-
meningitis.
303
2452
2071
317J Genit
\ Sti
,yieniti
1034
Digitized b"
■V Google
Seite |
| Genickstarre in Togo, von Jaffä 819,
Meningokokkenträger und ihre Be-
| doutnng für Verbreitung und Bekämp¬
fung der übertragbaren —, von Platten
! 819, Sennntherapie bei epidemischer—,
2550 von Kotschenreuther 877, von Jehle
1105, von Leick 1275, von Jochmann
2024 1616, Aetiologie der —, von Knauth
| 1437, Leukozytose bei der epidemischen
| —, von Dow 1753, seniler Typus der
2385 j übertragbaren —, von Reiche 1828,
| Behandlung der epidemischen —, von
! Treupel 2196, ambulatorische, epide-
j mische —, von Gerönne.
1968 | Genickstarrekranke, Lumbalexsudate von,
von Hohn .
Genickstarrefiille des J. 1908, von v. Wyss
Genie s. u. Talent.
Genitalien, von Flatau 1818, Behandlung
des Darmkanals bei entzündlichen Er¬
krankungen der weiblichen —, von
Kuliga.
Genitalsekrete des Mannes, von Posner 155,
Streptokokken in den —, von Fromme
enitaltuberkulose, weibliche, von Pro-
chownik.
Genu recurvatum, Aetiologie und Patho¬
logie des, und der Tibia recurvata, von
Peltesohn.
2595 | Geräusche, Bedeutung diastolischer, im
| 3. 1. Interkostalraum für die Diagnose
von Erweiterungen der Aorta, von Stein
Gerichtliche Entscheidungen 158, 215, 318,
511, 638, 743, 997, 1054, 1109, 1823,
2348, 2503, 2557, 2613,
Gerichtlich-Medizinisches, von Ilofuicicr
Geschichte der Medizin s. u. Medizin,
Geschichte des Medizinalvvesens im ehema-
2710 ligen Königreich Hannover, von Deichert
Geschlecht, Beeinflussung des, von Fraen-
2285 i kel 1647, Bestimmung des — ammensch-
| liehen Ei vor der Befruchtung und w'äh-
34 j rend der Schwangerschaft, von Schöner
j Geschlechtsentwicklung, vorzeitige, von
623 j Neurath.
■ Geschleclitsglied, Formbildung des, von
46 j Albrecht.
Geschlechtskrankheiten s. a. u. Unzucht*-
] ge werbe.
Geschlechtskrankheiten, von Engel-Rei-
2434 mers 1292, Oesterreich ische Gesellschaft
1154 ! zur Bekämpfung der — 256, Statistik
der—, von Bramlweiner 630, Enquete
143 der Oesterreichischen Gesellschaft zur
| Bekämpfung der —, von Ehrmann 1139,
j Bekämpfung der — im Wege des Straf-
2329 | rechts, von Scheuer 1498, Zwangspro-
phylaxe gegen —, von Brown ....
143 Geschlechtsorgane, Pathologie der weib¬
lichen, von Genua 1907, Atlas der Histo¬
logie der weiblichen —, von Moraller,
Hoehl, Meyer.
Geschlechtssinn, krankhafte Erscheinun¬
gen des, von Merzbach.
Geschwülste, histologische Diagnose der,
$333 von Fränkel314, Immunität gegen — ,
von v. Düngern 1099, Einteilung der — ,
von Albrecht 1747, Entstehung und
Heilung bösartiger —, von Sanfelice
$556 j 1979, Radiumbehandlung der bösartigen
—, von Caan 2147, mikroskopische Dia-
1047 | gnose der intralaryngealen —, von
Wright 2284, traumatische Entstehung
1906 | von —2386, neue Behandlungsmethode
busartiger —, von Müller.
*87 | Geschwulstdiagnoso, Sicherheit der histo¬
logischen, von Thorei.
888 | Geschwulstmetastasen, seltene, von Ulair-
mont.
2539 | Gesellschaften, .Sitzungsberichte von, s. a.
Teil VI, Aus Vereinen etc.
1028 | Gesellschaft, Dänische medizinische 55,
Dänische pädiatrische — 111, franzö¬
sische ärztliche — 148, 8. Kongress der
2016 j deutschen für orthopädische Chirurgie
(Programm; 2l3, 2. Tagung der Deut¬
schen tropenmedizinischen — (Progr. >
Original fro-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
2437
528
2072
35
507
1046
623
1848
2671
1919
981
2069
1610
2609*
2237
2385
1030
2558
47
1491
XLVI
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Seite
213, 30. Versammlung der balneolo-
gischen — 319, Generalversammlung
der Deutschen — zur Bekämpfung der
Geschlechtskrankheiten 430 , 580,
III. Jahresversammlung der — Deut¬
scher Ohrenärzte in Wien 591, Deut¬
sche Pathologische — 639, — für Volks¬
bäder 639, 1056, 18. Versammlung der
Deutschen otologischen — 791, 2. Kon¬
gress der Deutschen — für Urologie 791,
Münchener ophthalmologische —1159,
Deutsche physiologische — 1216,
Münchener gynäkologische — 2247,
8 . ordentliche Hauptversammlung der
Deutschen — für Geschichte der Medi¬
zin und der Naturwissenschaften . . 2290
Gesetz, Entwurf eines — betr. die Ver¬
hütung und Bekämpfung übertragbarer
Krankheiten in Oesterreich.1147
Gesetze s. a. Amtliches.
Gesicht, Verletzungen und chirurgische
Krankheiten des, von Trendelenburg 1963
Gesichtsempfindungen, Physiologie der,
von v. Kries.1386
Gesichtsneuralgie, Behandlung der, von
Alexander. 2652
Gesichtsschädel, Deformitäten des, bei
angeborener Angiombildung, von Wolff 2068
Gesundbeten. 318
Gesundheitsetat, bayerischer . . . 2142, 2143
Gesundheitspflege, mittelalterliche, im heu¬
tigen Baden, von Baas.1030
Gesundheitswesen, öffentliches, in Schwe¬
den, von Rapmund und Hermann 1033,
öffentliches — in England und Schott¬
land, von Wehner 1033, öffentliches
— in Belgien, von Roth 1034, — des
preussischen Staates im Jahre 1907 . 2019
Gewebsflüssigkeiten, bakterizide und hämo¬
lytische Wirkung der tierischen, von
Schneider.1496
Gewebslücken im Zentralnervensystem,
von Weber.191
Gewebsverkalkung, Experimentelles über,
von Hofmeister.1977
Gewerbeaufsicht s. u. Jahresbericht.
Gewerbeaufsicht, Mitwirkung des Kreis¬
arztes bei der, von Beninde .... 626
Gewerbeaufsichtsbeamte, Arbeiter und
Frauen als . 2391
Gewerbehygiene, von Rambousek 2173,
Referat über — . . 932, 1500, 1658, 2391
Gewerbehygienische Fragen im Reichstag 428
Gewerbekrankheiten, Klinik für, in Mailand 1708
Gewerbesteuer der Aerzte im Grossherzog¬
tum Hessen. 2453
Gewicht des Europäers und des Sperlings
in den Tropen, von Glogner .... 731
Gicht, Pathologie und Therapie der, von
Umber 206, — und Rheumatismus, von
His 309, 427, von Fürbringer 539,
Thalassotherapie der chronischen —
in Abbazia, von Fodor 415, — und
die Falkensteinsche Theorie, von Sil-
vestri 628, Behandlung der — mit
Acid. thymicum, von Fenner 730,
Pathogenese, Einteilung und Therapie
der —, von Arany 1194, Stoffwechsel¬
pathologie der —, von Brugsch 1491,
Vorstudien über —, von Ziegler 2081,
von Bechhold und Ziegler. 2537
Gichtbefunde in Kehlkopfgelenken, von
Fränkel.537
Gichtfrage, zur Klärung der, von Falken¬
stein .1356
Gichtknoten, Zusammensetzung eines, von
Matthes und Ackermann.1574
Gichtkranke, Purinstoffwechsel bei, von
Frank und Funk.728
Gichttabletten, von Simons.1032
Gift s. a. Aetzgift.
Gift in der dramatischen Dichtung und
in der antiken Literatur, von Harnack
818, — der Zauberer im Herzen Afrikas,
von Krause.1856
Giftversuelie, antagonistische, von Magnus 1604
Gips, Wundbehandlung mit, von Pust . 39
VHp s k renner > Immunität der, und Kalk-
' ' brenner gegen Tuberkulose, von Fisac 2181
Gipsbinden Wickelmaschine, von Brüning 1329
Gips verband s. a. Drahtgipsbinde.
Gipsverbände, Umschneiden und Durch¬
fenstern der, von Hartung 1143, Ver¬
fahren zum Aufschneiden von — und
Wasserglas verbänden, von Neumann
1235, Anlegung von Fenstern im —,
von Goder 1656, Fenster in —, von Baron 1860
Gipsverbandfensterer, von Loewy . . . 1609
Gitterfiguren, von Axhausen.2123
Glassplitter, radiographischer Nachweis
von, von v. Saar.1858
Glandula carotica, Tumor der, von Licini 573
Glaukom, primäres, und seine Behandlung,^
von Helbron 145, —, seine Diagnose
und Behandlung, von Haab 1657, Tre-^'
panation bei —, von Fergus .... 1926
Glaukombehandlung, operative, von
Börthen .. 2654
Gleichgewicht s. u. Vestibularapparat.
Gliastifte, von Thielen.671
Gliom der r. Hirnbasis, von Trömner
1404, reaktives —, von Merzbacher 1668, 2051
Gliosarkome, richtige und scheinbare, von
Merzbacher.1255
Glisentipistole ..1501
Globulinreaktion s. u. Phase I.
Glühlampenfabrikation, Hygiene und Un¬
fallverhütung bei der, von Jehle . . 932
Glühlichtbad, rationelle Anwendung und
Konstruktion des, von Deutsch . . . 927
Glukosimeter, neues, von Zeehandlaar . 1810
Glykocholsäure und Paraglykocholsäure,
von Letsche. 2497
Glykogen, im Auswurf, von Poggilli 306,
quantitative Analyse dos —, von Schön¬
dorff, Junkersdorf und Hessen 1603,
von Schondorff, Junkersdorf und Hey¬
den 1603, mikrochemischer Nachweis
des —, von Kato 1603, Synthese des
—, von Grube 1651, kann die Leber
aus aktiven Aminosäuren — bilden?
von Grube 1651, — in den Kernen
der Leberzellen, von Karamitsas 2123,
Methode der quantitativen Analyse
des —, von Pflüger. 2495
Glykogenablagerungen in Zellkernen, von
Huebschmann. 2279
Glykogenbefunde in der Hypophyse und
im Zentralnervensystem, von Neubert 984
Glykogenbildung in der Leber aus Formal¬
dehyd, von Grube.1651
Glykolyse, Hyperglykämie, Glykosurie und
Diabetes, von Mayer.1146
Glykosurie s. a. Adrenalinglykosurie.
Glykosurie, Einfluss von Muskelarbeit
und Aussentemperatur auf die alimen¬
täre, von Grober 726, — während der
Schwangerschaft, von Williams 1035,
— bei Enteritis, von Funck 1306, nicht¬
diabetische —, von Glaessner 1438,
respiratorischer Stoffwechsel bei ex¬
perimenteller —, von La Franca 1491',
— und Glykämio des pankreaslosen
Hundes, von Hesse und Mohr 1491,
Einfluss der Kohlehydrate auf die —
der Diabetiker, von Werbitzki 1491,
alimentäre — bei chronischer Enteritis,
von Funck 2105t — und Schwanger¬
schaft, von Reichenstein 2331, — der
Frauen, von Henkel. 2494
Glykuronsäuren, Nachweis der gepaarten,
im Harn, von Jolles .. 2488
Glyfcuronsäurenachweis durch die Tollens-
sche Reaktion, von Tollens.652
Glyzerinsucht, von Schmey.2124
Görbersdorf. 2039
Goethes naturwissenschaftliche Philosophie]
und Weltanschauung, von Brix Förster 353
Gonorrhöe s. a. Rektalgonorrhöe, Uterus¬
gonorrhöe, Zervixgonorrhöe.
Gonorrhöe, Behandlung der, mit Protar-
gol, von Freund 304, Pathologie der —,
von Picker 934, 1000, — bei kleinen
Mädchen, von Scheuer 1091, — Be¬
seite
handlung dazwischen — mittels Vi¬
brationsmassage, von Scheuer .... 1199
Gonorrhöeendemie bei Schulkindern in
einem Solbad, von Bendig.1841
Gonorrhöefrage, von Brauser.2713
Gonorrhöe-Suspensorium mit Tasche, von
Meyer. 2008
Gonorrhöetherapie, zu, von Kollbrunner
1024, — in Frankreich, von Hoff mann 011
Gonorrhoische Infektion, mikroskopisch¬
bakteriologische Diagnose der, von
Kutscher. 2438
Gonorrhoische Prozesse, spezifische Be¬
handlung von, von Bruck.672
Gonorrhoischer Eiter, jodophile Substanz
in, von Winkler.631
Gonokokkenendokarditis, von Simmonds 1207
Gonokokkenseptikämie, von Marina . . 1439
Gonorrhöe in der gynäkologischen HoBpital-
praxis, von Jvens .... • . . . . 2599
GraafsohenFollikel,Schicksale des,vonCohn 681
Gradstand, hoher, von Liepmann .... 2595
Gralnahrung, Reichardts, von Gerlach . 1194
Gramfärbung, Bedingungen des positiven
oder negativen Ausfallens der, von
Cedercreutz.825
Granulationsgeschwülste mit Sarkome, von
Coenen.1746
Granulome, von Küttner 825, — annulare,
von DallaFavera 825, — corneale syphi¬
liticum bei Kaninchen, von Hoffmann
1813, sog. teleangiektatisches —, von
Reitmann.2174
Granulöse imReg.Bez. Allenstein,von Solbrig 193
v. Grashey, Rücktritt 159, — 70. Geburtstag
des Geheimrats. 2399
Gratwick Laboratory für Krebsforschung
in Buffalo. 2324
Gravidität s. a. Ophthalmoreaktion,
Schwangerschaft.
Gravidität, übertragene extrauterine, von
Grünbaum 315, — Stoffhaushalt in der,
von Fetzer 371, 1615, — Infektions¬
krankheiten in der, von Praeger 1302,
— in eine akzessorischen Tube, von
Finsterer.1966
Graviditätserscheinungen, physiologische,
von Fellner.772
Graviditätsmyelitis, von Allmann .... 2237
Greene mountain Asthma Cure .... 2234
Greisenkrankheiten, Lehrbuch der, von
Ranzier 190, von Schwalbe.1433
Groccosches paravertebrales Dreieck auf
der entgegengesetzten Seite, von Sil-
vestri 2546, — paravertebrales Dämp¬
fungsdreieck, von Ewart. 2598
Grosshirn, Lokalisation im, von v.Monakow
1656, Exzision des —, von Rothmann 2082
Grosshirnbefunde bei hereditär-syphili¬
tischen Säuglingen, von Weyl . . . . 196
Grosshimhomisphäre, Gewicht der, von
Rübel.775
Grosshirnrinde, Lokalisationslehre für
einige Gebiete der, von Völsch 888,
vergleichende Lokalisation der —, von
Brodmann. 2590
Grosstadtdesinfektion, Methoden der prak¬
tischen, von Trautmann. 233
Grubenlampe, tragbare elektrische . . . 1658
Grundwässor, Filtrationseffekt der, von
Kabrehl.252
Guam, Geschichte der Epidemien auf, von
Mac Cullough.201
Gummen, Entstehung und Histologie der
subkutanen syphilitischen, von Geber 825
Gummifingerlinge, Ersatz für, von Kuntzen 318
Gummihandschuhe, Sterilisation und Ver¬
wendung der, von Heye. 71
Gummihandschuhprophylaxe in der Ge¬
burtshilfe, von Hannes.1906
Gummischwammtamponade, von Brünings 1447
Gurgulin. 2234
Guttaperchabinden.742
Gymnastik in der Praxis, von Kaiserling 1856
Gynäkologie, Handbuch der, von Veit 85,
— allgemeine, von v. Winckel 1190, —
Helvetica, von Beuttner.1903
□ igitized by
Gck igle
Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
INHALTS-VERZEICHNIS.
XLVII
1909 .
Seite
Gynäkologische Operationen, Vorbehand¬
lung und Nachbehandlung bei, von
Birnbaum 839, — Untersuchung, von
Bröso. 2596
Gynäkologisches Vademekum, von
Dührssen.2710
< »ynatresie, abdominale Operation bei, von
Cohn 34, Klinik der —, von Gross . 670
Gynoval 2234, von Froelich 1969, — ein
neues Baldirianpräparat, von Hoeflmayr
1199, — bei Herzneurosen, von Hirsch¬
feld .
H.
2123
315
2495
1031
302
918
2182
126
1032
2391
Haare, Richtung der, von Schwalbe . .
Haarausfall dentalen Ursprungs, von
Rousso&n-Decelle.1053
Haarindustrie in Palermo, von Carapelle 2070
Haarwechsel, von Stieda. 2654
Habilitationswesen und Ernennung von
Professoren.998
Habitus asthenicus sive enteroptoticus,
Peratz. ... . 1760
Hackfleisch, Verfälschung des, mit
schwefligsaurem Natron, von Fränkel 528
Haeckel und Brass, von Keibel.531
Hämagglutination, von Raubitschek . . . 1657
Hämangion s. a. Riesenhämangion.
Haematoma vulvae als Geburtshindernis
von Liepmann 426, perirenales —,
vonHueter 537, — vulvae, von Neumann 2330
Hämatomyelie, von Nonne 947, von
Loebbecke .
Haematozele, Behandlung der, nach ektopi¬
scher Schwangerschaft, von Esch . . .
Hämaturie, von Göbell 1051, essentielle
—, von Devaux.
Hämochromatose, von Simmonds ....
Häm ochromogenkri stalle, Erlangung der,
von de Domenicis 1908, — und Hämatin-
salzkrystalle, von Lecha-Marzo . . .
Hämoglobin, Nachweis des, und seiner
Derivate durch Hämochromogenkri¬
stalle, von Bürker.
Hämoglobin-Gral-Nahrung.
Hämoglobinmessung, Verfeinerung der
Fleicblschen, von Herz.
Hämoglobinurie, infektiöse, von Rostoski
408, paroxysmale —, von Scheideman¬
del 2500, von Grafe und Müller 2711,
paroxysmale — und Hämolyse in vitro,
von Moro, Noda und Benjamin 545,
paroxysmale —, von Meyer und Em¬
merich 1700, von Hymans van den Berg 2600
Hämogregarinen, von Neumann .... 2389
Hämolyse der Streptokokken, von Lüdke
und Polano 7, prognostische Bedeu¬
tung der —, der Streptokokken, von
Sigwart 1128, — bei der paroxysmalen
Hämoglobinurie, von Hijmans van den
Bergh 1437, 1859, — der Streptokok¬
ken in Schwangerschaft und Wochen
bett, von Sigwart.
Hämolysine, Durchgang der spezifischen,
durch die Darm wände, von Ceapäru .
Hämolytische Erscheinungen, Nachweis
und klinische Bedeutung von, von
v. Stejskal. 2663
Hämolytische Reaktionen und Komple-
mentbindung im Blut von Krebs¬
kranken, von Kelling. 2072
Hämometer, von Fleischl.1928
Hämophilie, Serumbchandlung bei, von
Banm 819, 834, von Trembur 2435, —
und chirurgische Eingriffe bei hämo-
philen Personen, von Dahlgren . . .
Hämoptoe, Behandlung der, von Grace-
Calvert 41, tödliche —■, von Chiari . .
Hämorrhagien, Behandlung der, mit subku¬
tanen Gelatioeinjektionen,vonChaput .
Hämorrhagische Diathese, von Grosser . 1352
Hämorrhoiden, Lehre von den, von Silber¬
berg 820, Wesen der —, von Torikata
1195, neue unblutige Behandlung der
—, von Boas 1388, Vernonsche Me¬
thode der Operation der —, von
v. Thun 1860, Behandlung der —,
2069
532
983
253
317
durch Pessare, von Ratkowski 2177,
Pinzette zur chirurgischen Behandlung
D der —, von Jianu.
Hämostase, prophylaktische, bei Opera¬
tionen am Becken und den Unter¬
extremitäten, von Willems . .
Hämostvptikum, Mensan als, von Boruttau
und Davidsohn .
Händesterilisation und Wochenbettsmor¬
bidität, von Hannes . ...
Härtemesser, neuer, von Harrass .
Haffter Dr. Etias f, von Jaquet .
Hallagersches Symptom, von Erlandsen
Hallux valgus, Osteotomie des Keilbeins
bei, von Riedl.
Halsabzess, von Marx.
Halsdrüsentuberkulose, Enstehung, Ver-
\ hütung und Behandlung, von Most 196,
Verhütung und Bekämpfung der —,
von Most.
Halsgeschwülste, Einteilung der, von de
Quervain.
Halsmark, operativ geheilte Geschwülste
im, von Oppenheim nnd Krause . .
Halsrippe, von v. Malaisö 633, echte —,
von Lechleuthner..
HalssympathikuslähmuDg, von Gessner .
Hand, narbige Verkrümmung der, nach
Verbrennung durch Transplantation ge¬
heilt, von Lossen.
Handbuch der Gynäkologie, von Veit 85,
Hägers — der pharmazeutischen Praxis,
von Lenz und Arends 86, — der Rönt¬
gentherapie, yon Wetterer 140, — der
praktischen Hygiene und Unfallver¬
hütung in Industrie, Gewerbe, Bergbau,
von Steiner 250, — der Krankenpflege,
von Salzwedel 620, — der physiologi¬
schen Methodik, von Tigerstedt 666,
— der gesamten Augenheilkunde, von
Graefe-Saemisch 722, — der Klimato¬
logie, von Hann 1244, — der Technik
undMethodikderlramunitätsforschung,
von Kraus und Levaditi 1339, — der
gerichtlichen Psychiatrie, von Hoche
1433,—der ärztlichen Sachverständigen¬
tätigkeit, von Dittrich 1698, — der ge¬
samten Therapie in 7 Bänden, von
Penztold und Stintzing 1853, statisti¬
sches —, für dasGrossherzogtnm Hessen
2006, — der speziellen Pathologie und
Therapie innerer Krankheiten, von
Eich hörst.
Handgelenksdeformität, Madel ungsche,
von Gaugele.
Handgelenksresektion bei Tuberkulose,
von Kohlmeyer.
Hand- und Fingergelenkmobilisierungs
apparat im Heissluftbad, von Bfthr
Handhecheleien, Entstaubung von, von
Lonsky .
Handlampen, Lebensgefahr durch elektri¬
sche .
Handmuskeln, familiäre Atrophie der,
von Thompson . %.
Handwurzelverletzungen, von Ossig . .
Hans, der kluge, von Lcutho.
Ham s. a. Kinderham, Glykuronsäure,
Ueberschichtungsprobe, Urin.
Harn, organisch gebundenes Chlor im, von
Baumgarten 925, Pentosen in diabeti¬
schem —, von Voit 927, Bestimmung
der elektrischen Leitfähigkeit des —,
von Loewenhardt 935, getrenntes Auf¬
fangen des — jeder einzelnen Niere,
von Kätner 300, Glykokoll im — des
Kindes, von v. Reuss 361, wie kann
der Arzt im Sprechzimmer den Salz-
und Harnstoff geh alt des — feststellen?
von Wunder 1374, Fermente im mensch¬
lichen —, von Falk und Kolieb 1489,
Gesamtschwefel im —, von Konschegg
1603, Bestimmung des Energicgehaltes
im —, von Zaitschek 1603, nichtorga-
nisierte Sedimente im —, von Weineck
1707, Ausschoidung des Kohlenstoffs
im —, von Magnus-Alslebon 2119, Aze¬
tonnachweis im —, von Bardach 2120,
Schwefelausscheidung im — bei Säug-
2439
1053
2478
1442
1656
1860
417
357
1396
1195
2490
1007
305
1763
I23*n
2429
927
2658
. 2596
933
1501
362
1564
2488
Seite
lingen, von Tobler 2186, neue Reaktion
im —, von Schur.. . 2495
Harnabsonderung, Einfluss des Gegen¬
druckes auf die, von Cicconardi . . . 2538
Hamapparat, Funktion des, nach Opera¬
tionen in Narkose und Lumbalan¬
ästhesie, von Holzbach 371, Verände¬
rungen im — nach Anwesenheit von
Steinen, von Kumita.2174
Harnblase s. a. Blase.
Harnblase, doppelte, von Winckler 582,
Entfernung einer Wachskerze aus der
— mittels Benzin, von Weiss 1658,
Totalexstirpation der —, von Seidel 1709
Harnblasenbrüche, von Eggenberger . . 142
Harnblasenmuskulatur, Erkrankungen der,
von Asch. 337
Harnblasenovarialfistel durch Zystoskopie
diagnostiziert, von Cassannello . . . 1196
Harnblasenrupturen, Pathologie der, von
Goldenberg . •.820
Harn ei weiss s. a. Präzipitinsera.
Harneiweiss, Herkunft des, bei Kindern,
von Hecker. 1075, 2040
Harnkrankheiten, interne Therapie der,
von Bebert.2177
Harnreaktion, Arnolds, mit Nitroprussid-
natrium, von Holobut.1651
Harnretention, von Weisz.1392
Harnröhre s. a. Urethra.
]\Hamröhre, multiple Polypen der hinteren,
von Wechselmann 631, Behandlung
. der — mit heissen Sonden, von Porosz
\$34, tuberkulöse Striktur der —, von
Asch 934, Hyperämiebehandlung der
—, von Porosz.1554
Hamröhrendivertikel, von Eitner .... 932
Harnröhrenstrikturen, Behandlung schwe¬
rer, von Cohn.253
Harnsäure, physikalisch-chemisches Ver¬
halten der, und ihre Löslichkeit im
Blutserum, von Gudzent 1449,Verhalten
der — in Lösungen, von Gudzent. . 1651
Harnsäureausscheidung, Alkoholeinfluss
auf die, von Landau 1086, Beeinflus¬
sung der — durch physikalische Heil¬
methoden, von Wilke.1712
Harnsäurebestimmung, quantitative, von
Bodanzky. 2654
Harnsäureschmerzen, Klinik und Patho¬
genese der sog., von Pineies . 1157, 1199
Harnsaure Diathese, Symptomatologie und
Diagnostik der, von Biernacki .... 932
Harnsaure Salze, Verhalten der, in Lö¬
sungen, von Gudzent.1651
Harn Sediment bei Sportliebhabern und
Nepbritikern, von Christensen . . . 2283
Harnsteine, Entstehung der, von Schade 3
Harnstoffkristalle, Ausscheidung von, auf
der Haut, von Schilling.1665
Harnveränderungon bei Palpation der Nie¬
ren, von Zebrowski.1498
Harnwego, Epithelveränderungen der, bei
Entzündung, von Saltykow 624, Opera¬
rationslohre der —, von Albarran 770,
Mykosen der —, von Wossidlo . . . 934
Harnzucker, quantitative Bestimmung des,
von Citron 1497, Untersuchung des
— mit dem Glukosimeter, von Zeehan-
delaar. 1656
Harnzuckerbestimmung mit dem Glukosi-
meter nach Zeehandelaar, von Gold¬
mann .1296
Hartgelatinekapsoln, von Than.1574
Harvard Medical School in Boston . . . 2323
Hasclnusspräparat „Mensan“ als Hämo-
stypticum, von Boruttau u. Davidsohn 2470
Haut, Mischgeschwülste der, sowie der
Speichel- u. Schleimdrüsen, von Krom-
pecher 253, nervöse Uebercmpfindlich-
keit der —, von Kreibich 826, entzünd¬
liche Erscheinungen der —, von Röna
980, chirurgische Krankheiten der —,
von Faure.980
Hautabsorption, von Oppenheim . i . . 826
Hautausschläge, früher Nachweis von,
durch optische Hilfsmittel, von Jersild 1861
Hautdesinfektion, Technik der, von Kra-
tochvil. 2545
Digitized b'
■V Google
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
XLVIII
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
2439
982
Hautdesinfektions verfahren, Vereinfachung
und Yerbeaserung der, von Neck . . 1564
Hautdiphtherie, von Marschalko 2836, von
Delbanco . 2394
Hautein8chnitt, schiefer, kombiniert mit
der intradermischen Naht, von Jianu
Hauteinstülpungen, kongenitale, am un¬
teren Leibesende, von Klemm . . .
Hautentzündung durch Handschuhfarbc,
von Feilehenfeld. 2545
Hauterkrankung, leukämische, von Arndt 257
Hautfilaria, Behandlung der wandernden,
Waldow. . . . 2235
Hautgangrän nach Masern, von Kaspar 890
Hautgummata, frühzeitiges Auftreten von,
von Müller.1554
Hautjucken, Röntgenbehandlung des ner¬
vösen, von Schmidt.1968
Hautkarzinome, Behandlung der flachen,
von Rehn 169, Rückbildung von —
durch Röntgenbehandlung, von Schmidt
Hautkrankheiten, Lehrbuch der, und
Geschlechtskrankheiten, von Lesser
1085, von Riecke 1744, Praxis der —,
von Bloch 1085, innerliche Behandlung
von — mit Kalksalzen, von Bettmann
1273, — und Geschlechtskrankheiten
in Nord-Neu-Mecklenburg, von Siebert
2236, Behandlung von — mit Röntgen¬
strahlen, von Reyn.
Hautkrebse, metastische, von Müller
Hautpflege im Kurort, von Beerwald
Hautphänomen, neues, bei Säuglingen,
676 | 1
X 1
2283,
—w | Heiipersonal, Statistik des 951,
676 \ Bayern..,2087
138^jVHeilstätten, Liste der — für Lungenkranke! 1623
\ Heilstättenbehandlung, Erfolge bei, Tuber-1
von Blattner. 95^ kulöser, von Zickgraf. .'.|1700
Hautplastik am Hoden, von Katzenstein 1448 PsJIeilstättenfrage, Bedeutung der lokalen
Heberdränage mit Aspiration zur Behand¬
lung tuberkulöser Pleuraempyeme, von
Schmidt.792
Hebosteotomie, 667, von Völker 459, von
Brandt 1862, von Seeligmann 2197, —
und künstliche Frühgeburt, von Schläfli
93, Beckenpräparate nach —, von
Welponer und Cristoffoletti 302, 700
—, von Schläfli 670, Indikation und
Technik der —, von Jung 941, Vesi-
kolabialfistel nach —, von*Björken-
heim 1552, Dauererfolge der —, von
Baisch..• . . 2137
Hebostomie, wiederholte, von Scheven . 2448
Hectin. 2334, 2350
Heeresergänzungsgeschäft 1908 in Bayern 1516
Hefe s. a. Bierhefe.
Hefe Nahrungsextrakte aus, von Chapman 672
Hefeserumtherapie nach Deutschmann,
von Hoppe.1662
HeTtpflasterverbände, nützliche, von Leh¬
mann . . . . 1329
Ileilanstaltsbesitzer, Verband ärztlicher
375, Vereinigung von — ...... 1575
Heilgymnastik der Nerven-, Hetz-, und
Stoffwechselkrankheiten, von Munter 777
Heilige der medizinischen Fakultät, von
Sudhoff.1568
Heilmittelfabrikation, Missbräuche in der 2558
Hautinaulwurf (Creeping disease), von
Fülleborn.731
Häutreaktion auf lokale Reize, von Külbs
45, Morosche — bei Tuberkulose, von
Germonig 1439, Bedeutung der v. Pir-
i quetschen —, von Meirowsky .... 2336
Hautreize, lokale, und Hautreaktionon, von
Külbs 466, neues Verfahren zur Er¬
zeugung von —, von Plate.513
Hauttemperatur des Nackten, von Kiss-
kalt 1496, .Messungen der — bei Ge¬
sunden und Nervenkranken, von Claus
und Bingel . .. ... . 1806
v llauttuberkuliden, von Fabry 631, von
' Wichmann.1154
\ Hauttuberkulose, von Kraus 482, von Wich-
X mann 947, bei Bergleuten in Kohlen¬
bergwerken beobachtete verruköse
Form der —, von Fabry 1777, multiple
verruköse — und generalisierte Fol-
likiis, von Hoffmann 1812, disaomi-
mierte — im Kindesalter, von Leiner
und Spieler. 2239
Hauttumoren, multiple, von Schlitz . . . 1554
lay-Fever, Hay-Asthma, its causes, diag-
nosis and treatmept, von Lloyd . . .1434
Headsche Zonen, Lage der, bei Schädel-
und Gehirn Verletzungen, von Vorchütz 1864
Heart. A Journal for the Study of the
Circulation 1576, diseases of the —
by Mackenzie.1902
Hebammen, Vorschläge zur Aenderung der
Dienstanweisung für die, von Jung 583,
Meldepflicht der — bei Fieber im
Wochenbett, von Lohmer 820, Pen¬
sionierung der —, von Walther und
Kröhmer 12.56, Wiederhol ungs- und
Fortbildungsiehrgänge für — in Dres¬
den, von Weindler 1965, I.eitfaden
für die Nachprüfungen der —, von
Waibel. 2488
Hebammenkunst, Lehrbuch der, von
Schnitze.4ü7
Hebammenschalen, Reich, Bundesstaat
und, von Rissmann 1256, Vorgeschichte
der deutschen — in Prag, von Knapp 2388
Hebammenunterricht, Prinzipien und
Grundlagen des, von Lumpe 358, Ver¬
wendung poliklinischer Geburten zum
—, von Freund und Frank.1255
11ebammenwesen,Neuorganisation unseres,
von Ekstein.1142
Tuberkulinreaktionen für die, von Wolff-
Eisner .1464
Heilwunder von Menuthis, von Sudhoff 2242
Heim für Frauen und Witwen deutscher
Aerzte in Bad Elster.1159, 1215
Heimarbeit, Hygiene der, von Kaup . . 2140
Heim- und Asylkinder. 2441
Heine Medinsche Krankheit s. a. Kinder¬
lähmung, Poliomyelitis
Heine - Medinsche Krankheit, Epidemie
von, von Zappert. 2082, 2174
Heissluftbehandlung, Indikationen der,
von Delherm und Laquerri&re 430, —
bei akut eitrigen Entzündungen der
Hand, von Iselin 799, — in der Gynä-
! kologie, von V^rtes 1039, — in der
Chirurgie, von Bonamy uud Müller
lleiHsluftpendelapparate, von Becker .
Hekatombe, von Carus.982
Helgoland und Heufieber, von Liebermann
1280, von Schultz 1538, Bedeutung von
— für die Behandlung des Heufiebers
von Wolff-Eisner.
Heliotherapie s. a. Sonnenlichtbehandlung.
Heliotherapie, neuere Erfolge und Erfah¬
rungen aus dem Gebiete der, von
Widmer.
Heikomen.. . . .’.410
Helmitol, von Bettex ..486
Hemianästheste ohne Motilitätsstörung,
von v. Stauffenberg.772
Hemianopsie, von Riegel 686, einseitige
horizontale —, von Kraus.1764
Hemiatrophia facialis duplex, von Hiller 2037
Hemicrania, Aetiologie der, ophthalmica,
von Schneider.
Hemiplegie, von Baginsky 2397, organische
— nach spychischem Trauma, von
Frank 1391, motorische Paralyse des
Rumpfes bei —, von Beevor ....
Hemizephalus, von Thiemich . .
Hemmungsreaktion, Muchsche, bei Geistes¬
kranken, von Nitschc, Schlimpert,
Dunzelt 2101, — Unternehmungen zur
Muchschen, von Stilling. 2630
Henle Jakob. 1696
Hepatikusdränage, von Kehr.251
Hepatotoxin, von Jvannovics.466
Heredodegeneration und kongenitale Lues,
von v. Dieballa .1806
Heredosyphilitiker, Hemiplegie durch Arte¬
riitis der Gehirngefässe bei, von Savy 1751
1516
2710
1432
2600
1368
1970
1663
I
I
Seite
Hermaphroditismus, von Marcuse 2499,
— verus, von Sauerbeck . 2279
Hernie s. a. Inguinalhernie, Appendix¬
hernie, Bruch, Zwerchfellhernie, Fe-
moralhernie, Leistenhernie, Krural-
hornie, Leistenbruch, Nabelbruch,
Nabelhernie, Netztorsion, Schenkel¬
hernie, Zwerchfellhernie.
Hernien, Dauerresultat nach Radikal¬
operation der —, von Battle 427, —
recessua ileocoecalis incareorata, von
Preindlsberger 467, intraabdominale —
der Foveae supravesicales, von Reich,
1140, äussere — der Fov. supraves.,
von Reich 1141, Dauerresultate der
Radikaloperation der —, von Sertoli
1247, — retroperitonealis Treitzii totalis
accreta, von Felten 1248, Verteilung
der — bei Kindern, von Corner 1252,
Anatomie der —, von Wullstein, 1507,
operative Beseitigung der — der Linea
alba, von Henkel 1562, Operation der
kruralen —, von Frank 1609, Dauerresul¬
tate nach Operation der — epigastrica,
von Capelle 1746, — des Recessus
coecalis, von Reich 2067, — bei Kindern,
von Tavel 2190, von Lucas-Champion-
ni&re 2191, — linea albae incarcerata,
von Sebba 2330, Aetiologie der —, von
Widmer 2391, —diaphragmatica spuria,
von Schwalbe 2501, — parajejunalis
Broesickes, von Schwalbe 2 j01, —
epigastrica, von Mohr. 2541
Herniaappcndizitis, von Jacobovici . . . 1393
Herniologie, von Tschmarke. 89
Herniotomien und andere Bauchoperati¬
onen in der Landpraxis, von Paysen 1482
Herpes tonsurans und Favus, von Low
40, Heilungsverfahren bei — corneae
febrilis, von Ammann 419, — tonsurans
disseminatus, von Hübner 424, Doppel-
seitigkeit des — zoster faciei, von
Kocks 1907, Röntgenbehandlung des
— tonsurans, von Macleod 1971, von
Adamson 1971, endemischer — zoster,
von Rothmann 2294, — zoster gene-
ralisatus, von Fasal. 2336
Herz s. a. Heart, Mitralfehler, Schlag-
völumen, Uberloitungsstörungen.
Herz, Stich Verletzung des, durch Herznaht
geheilt, von Friedrich 210, Arrhythmie
des —, von James 255, — mit Trauma,
von Külbs 301, Synergie mit Asynergie
der Vorhöfe des menschlichen —, von
Rautenberg 378, akute Dilatation des
— durch Überanstrengung, von Raab
565, lokale Amyloidose des — von
Beneke und Bönning 575, Schussver¬
letzungen des —, von Rimann 766,
— mit Perforation des Kammerseptum,
von Ilueter 833, — und Gemüt, von
Rheiner 873, direkte Massage des —,
von Cackovic 927, röntgenkinemato-
graphische Aufnahmen, des —, von
Groedel 942, Anpassung des Schlag¬
volumens des — an funktionelle An¬
sprüche, von v. Bergmann u.Plesch991,
Schallerscheinungen des —, von Roos
1095, Ganglien des menschlichen —,
von Fahr 1509, Präparat eines —, von
Rollett 1515, Rhabdomyom des —,
von Abricossoff 1552, Schädigungen
des — durch übermässigen Sport, von
v. Kreh! 1558, ktrioventrikularbündel
im menschlichen —, von Mönckeberg
1697, Pathogenese der Sehnenflecke
des —, von Tsunoda 1748, Aktions¬
ströme der Irregularität des —, von
Hoffmann 1819, Karzinommetastaso
im —, von Martin 1922, Lokalisation
des linken Vorhofes des — im Rönt-
gonbild, von Jaffö 2120, Fibroelasto-
myxom des —, von Karrenstein 2122,
Wiederbelebung des —, von Mocquot
2179, Ursachen der Insuffizienz des
—, von Winter 2185, Arythmie des —
im Elektrokardiogramm von Hoffmann
Difitized by
Gck igle
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
XLIX
Soitt«
229t, Krankheiten des — und ihre
Behandlung, von Huchard 243 ), Funk¬
tionsstörungen des — bei Soldaten,
von Mangiante 2340, Sensibilität des
—, von Gilbert 2537, von Sano 2538,
Beziehungen zwischen Körperarbeit und
der Masse des —, von Grober . . .2712
Herzalternans, von Rchberg 1653, Wesen
des —, von Galli 583, von Hering . . 585
Herzarbeit s. a. Vierzellenbäder.
Herzausmessung, Methodik der, mittels
des OrthodiRgraphen, von du Mesnil
de Rochemont.191
Ilerzbeengung, von Herz260, physikalische
Symptome der —, von Morz .... 1855
Herzbeutel, kongenitaler Defekt des, von
Yersd. 2665
Herzbeutel Verwachsungen, Erkennung und
Behandlung der, von Brauer .... 2038
Herzdämpfung, Perkussion der absoluten,
von Schieffer und Weber.192
Herzdiagnostik, funktionelle, von Ritodk 1860
Herzdilatation oder Hcrztumor? von Schott
1327, 1518
Herzerkrankungen , traumatische , von
Schlecht .674
Herzfehler s. a. Vitium.
Herzfehler, angeborene, von Bach . . . 2436
Herzfehlerzellen im Harn, von Bittorf . 1775
Herzfunktion, Prüfung der, von Hornberger 1908
Herzgeräusche, systolische funktionelle,
von Henschcn . . 1908, 2189
Herzgrösse, Veränderung der, im heissen
und kalten Bade, von Beck und Dohan
171, — bei Tieren, von Kalbs 937,
welche Faktoren bestimmen die —?
von Bruns 1803, Einfluss hydriatischer
Prozeduren auf die —, von Selig . . 1198
Herzheilbäder.1032
Herzhyp°rtrophie, experimentelle, von
Misovicz.254
Herzkontraktion, Amplitude der, von Reh¬
fisch ..1650
Herzkranke im Gebirg, von Felix . . . 628
Herzkrankheiten, neuere Behandlungs¬
methoden der, von Clemens 205, Vor¬
lesungen über —, von Bock 1244, Bauch¬
massage hoi —, von Studzinski . . . 1700
Herzlähmung, Entschädigungspfiicht hei 2386
Herzleiden, Vibrationsmassage bei —, von
Plate.1194
Herzmassage, unmittelbare, bei Narkosen¬
tod, von Rehn 2482, — bei Chloroform¬
unfällen, von Lenormant. 2556
Herzmittel vor und nach gynäkologischen
Operationen, von Jaschke.790
Herzmuskel, Verteilung des Stickstoffs im
hypertrophischen, von Bence 87, Kitt¬
linien des —, von Hoff mann 471,
Druckkraft des —, von Gräupner 735,
histologische Untersuchungen des hy¬
pertrophischen und insuffizienten —,
von Lissauer. . . . .1820
Herznaht, von Neugebauer 25, von Floorcken
1306,1834, erfolgreiche—, von Schnitzler 2667
Herzneurosen, von Treupel 2404, Lehre
von den —, von Rombo r g und Hoff-
mann 2082, von Romberg 2194, Er¬
kenntnis gewisser —, von Kraus 2495,
Symptomatologie der —, von Braun
und Fuchs. 2597
Herzostium, Fehldiagnosen der Verengung
des 1. venösen, von Pawinski .... 1489
Hereruptur, von Engelhardt 1091, von
Kug**l.1343
Herzschlag, elektrokardiographische Unter¬
suchungen über den, von Strubell 150,
Physiologie und Pathologie des —, von
Strubell.872
Herzschlagvolnm, Methode zur Bestim¬
mung des, und Minutenvolums, von
Plesch.205
Herzschmerz, von Selig. 735, 1053
Herzscliuss, von Krall .1921
Herzschwäche, von Mönckeberg 145, Adre-
nalinbehandlung der —, von Müller . 1923
Hcrzspitzenstoss, von Caccianiga .... 2546
Herzstärkende M ittel, intravenöse Injektion
von, von Mayor.1808
Herzstörungen, funktionelle, bei fibrinöser
Pneumonie, von v. Solowzoff .... 1489
Herztätigkeit, normaler Ausgangspunkt der
und Beino Aenderung unter patholo¬
gischen Umständen, von Hering 845,
periodische Schwankungen der —, von
Pick 1149, 1515, menschliche —, von
Wenckebach.1650
Ile zton, Uobersicht über die graphischen
Methoden zur Registrierung der, von
Soddig 2151, 3. —, von Thayer . . . 2189
Horzunregclmässigkeit, komplette und be¬
ständige, von Wenckebach.2190
Herzverlctzungcn, von Kotschenrcuther 38,
von Hill 256, von Schoemaker . . . 1811
Iler/.vorhnfe, Funktion der normalen und
der fettig entarteten, von Scaffidi . . 2537
Hessen, lehrreiche Angaben aus dem sta¬
tistischen Handbuch für das Gross-
herzogtum, von Fischer. 2008
IleHsingkorsett, Modifikationen am, von
Marcus.2711
llcssingscher Leim verband, Verwendung
des, in der Chirurgie, von Port . . . 2714
Heterolyse durch Krebsgewebe, von Müller 771
Heufieber s. a. Hay Fever, Helgoland
Heu lieber, operative Behandlung des, von
Bios.1860
Hidrokystom, von Joseph.. . 826
Hildanus, Denkmal für Giiilclmus Fabricius 2503
Hilfeleistung, grundlose Verweigerung der
ärztlichen, bei einem Unfall.790
Hilfsärzte, drohender Ausstand derTriester
256, Besserstellung der — der Spitäler
Wiens. 2285
Hilfsoxpedition ins Innere Kalabriens,
von Hesse. 248
Hilfsfond für die vom Erdbeben in Süd-
italien betroffenen Aerztefamilicn 319,
320, 374, 375
Hilfskräfte, weibliche, in wissenschaftlichen
Laboratorien.741
Hilfsschulen, Verbandstag der, Deutsch¬
lands .487
Hinken, intermittierendes, von Tobias 776,
von Goldblatt 243*S Behandlung des
intermittierenden —, von Montier . . 1765
Hippursäure, Reaktion auf, von Dehn . 410
Hippursäureausscheidung, Grenzen der,
von Brugsch.926
Ilippursäuresynthesc, Umfang der, von
Tsuchiya.. . 926
Hirn, Untersuchungen über das, von
Reichardt.1668
Himabszess, von Heyde 3S, von Just 420,
von Bonvicini 1293, von Oppenheimer
und Cassirer 2118, traumatischer —,
von Jamin .1302
Hirnaffektionen, chronische, organische,
und Rückenmarksaffektionen nach
Trauma, von Pal und Schultzc . . . 2082
HirnchiruTgie, von Förster 577, von ritter¬
lein 1762, — in Amerika. 2383
Himgeschwtilste, von Glasow. 36
Hirnlucs, Differentialdiagnose der, von
Knoblauch .1254
Hirnphysiologischesim Anschluss an opera¬
tive Erfahrungen, von Krause 20s2, 2666
Himpunktion, von Danielsen 278, von
Förster. .... 414
Hirnsklerose, lobäre atrophische, von
Zingerle ... •.1495
Hirnsyphilome, Diagnose der,von Frotscher
und Becker.1607
Hirntumor, von Piazza 1859, chiiurgische
Behandlung der —, von Leiscbner 1491,
operierte —, von Läwen 1509, Trepa¬
nation bei —. von Auerbach und Ran-
seboff 1755, Röntgendiagnostik bei —,
von Schüller. 2083
Himzone, sog. motorische, von Ilorsley 2599
Hirudin, gerinnungshemmender Einfluss
des, von Rimann und Wolff .... 1194
Hirschsprungschc Krankheit, von Hedlund
773, von Sommer 1702, chirurgische
Behandlung der —, von Schmidt 983,
operierte Fälle von —, von Läwen . 1510
Hissches Bündel, phy biologische Be¬
deutung des, von Pankul 1651, Muskel-
Verbindung zwischen — und Cava Su¬
perior, von Thorei.. . .2158
Histologie, Lehrbuch der, von Szymono-
wicz 84, Grundzüge der allgemeinen
pathologischen —, von Steinhaus . . 721
Histologische Untersuchung, von Kahldens
Technik der, pathologisch-anatomischer
Präparate, von Gierke.1901
Hitze, Behandlung von Lungen- und
Herzkrankheiten mit, von Hecrmann . 728
Hitzer Schöpfung, von Grün well. 2236
Hitzschlag und verwandte Krankheiten
wählend des südafrikanischen Krieges,
von Simpson.. . . 2236
Hochfrequenzströme, von Nagelschmidt
539, Fulguration und Tränsthermie,
von Nagelschmidt 1387, ärztliche An¬
wendung von —, von Bailey 2548,
Untersuchungen über die Wirkungen
der —, von Nieuwenhuyse. 2595
Hochschulnachrichten: Berlin 55,112,216,
264, 319, 431, 487, 743, 791, 895, 1000,
1056, 1160, 1216,1311, 1408, 1456, 1518,
1576,1623,167a,2144, Bonn487,643,743,
895, 952, 1000, 1216, 1408, 1623, 1720,
1768, 1824, 2504, 2672, Breslau 55, 112,
264, 319, 375, 639, 695, 743, 840, 952,
1000,1056, 1112, 1216, 1264, 1311, 1360,
1408, 1456, 1518, 1576, 1623, 1672,1720,
1824, 2088, 2400, 2504,2560, 2615,2672,
. Erlangen 895, 1264, 1408, 1618, 1576,
1623, 2248, 2560, 2672, Freiburg 112,
216, 264, 743, 1000, 1518, 1576, 1720,
1928,2040,2615,2672, Giessen 319, 895,
952, 1408, 1984, 2672, Göttingen 112,
543, 695, 1311, 1408, 1618, 1676, 1768,
1984, 2200, 2248, 2400, 2455, Greifswald
112, 488, 791, 1216, 1264, 1576, 1623,
1672.2560.2615, Halle 488,895,952,1000,
1311, 1360, 1623, 1672,1720, 2248, 2615,
2672, Heidelberg 319, 488, 743, 895,
952, 1216, 1311, 1408, 1456, 1576, 1672,
1824, 1928, 2088, 2296, 2351, 2455, 2504,
2560, 2616, Jena 319, 639, 743,792,952,
1000, 1216, 1360,2200, 2616, Kiel 112,
160, 319, 431, 488, 592, 639, 895, 1000,
1264, 1518, 1576, 1872, 1928, 2144, 2248,
2672,2716, Königsberg 319,431,4b8, 639,
1456, 1576,2351,2400,2455,2672, Leipzig
112,1264,1456,1518,1623,1672, Marburg
55, 264, 319, 431, 488, 543,895, 1112,
1311, 1928, 2351, 2672, München 216,
488, 543, 695, 743, 895, 952, 1112, 1408,
1456, 1518,1623, 1824, 2200, 2351, 2455,
Münster 1112, 1216, 1456, 1518, 2040,
2088, Rostockl 112,1160,1311,2504,2660,
Strassburg 319, 639, 1261, 1408, 1576,
1623, 1672, 19«4, 2455, 2504, 2560, Tü¬
bingen 112,488,544,640,952, 1311,1672,
1824, 2248, 2455, 2616, Würzburg 431,
1408, 2351, 2504, 2616.
Dresden 431, 543, 1112, 1160, 1216,
Düsseldorf 12 16 , Frankfurt 743 , 840,
2248, Hamburg 160,2200,2616, Köln 160,
895, 1618, 1576, 1720,2/00,2400, Mann¬
heim 2200, Stuttgart 4n8.
Amsterdam 1576,1872,1981,2200,2296,
Ann Arbor 488, Athen 895, 1216, Balti¬
more 1576,1984, 2040, 235l, 2400, Basel
1456.1872.2616, Bern 2504, Birmingham
25* 14, Bologna 840, 895,2088,2200,2^04,
Bordeaux 1216, 1456, 1672, 2672, Boston
1984, 2088, Brüssel 2352, Buffalo 2088,
2560, Bukarest 1984, Burlington 488,
Caglicri 112, 1872, 1928,2504, Catania
840, 2088, Charkow 1618, 2200, 2296,
2560, Chicago 112, 1984, 2040, 2861,
Cincinnati 112, 488, 695,2351, Cleveland
112, Cork 2716, Czernowitz 376, Dorpat
112, Edinburgh 2040, 2200, Florenz 431,
895, 1928, 2040, 2088, 2362, Genf 1456,
Genua 840, 1576, 1928,1984, 2040, 2088,
2200, 2296, 2352, Georgia Augusta 2716,
Graz 216, 431, 792, 840, 895, 962, 1576,
2352, 2400, Groningen 1928, Innsbruck
1112,1216, 1264, 1672, 1768,1872, 1928,
Kasan 112,2200, Klausenburg 1000,1160,
1518, Kopenhagen 1000, 1623, 2248,
2455, Krakau 696, 895,2200,2296,2504,
Digitized b'
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Original fro-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
Seite
L
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Lausanne 319, Leeds 431, Lemberg
319, 895, 1216, 1623, 1872, 2200, 2352,
2504, 2560, Leyden 319, 2296, Limoges
1768, Liverpool 895,Louisvillell2, Lyon
319, Marseille 176S, 2616, Messina 2296,
Modena 895, 1872, 1928, 2504, Moskau
792,2296, Neapel 112,320,840,895,1216,
1872,2040, 2296,2352,2560, New Haven
2040, New Orleans 112, 695, 1984, 2616,
New York 840, 895, 1216, 1576, 1984,
2088, 2352, Odessa 216, 488, 695, Padua
895,1872,2292,2352,2504, 2616, Palermo
112, 895, 1056, 1576. 1872, 2040, 2352,
2400, 2504, Paris 320, 592, 640, 2672,
Parma 112, 895, 1311, 1576, 1872, 2352,
2504, Pavia 160, 320, 1055, Pest 952,
1216, 1672, 1768, 1984, 2040, St. Peters¬
burg 112, 488, 695, 1056, Philadelphia
1984, 2352, 2504, 2616, Pisa 2088, 2296,
Prag 112, 320, 695, 896, 1216, 1456,
1576, 1623, 1768, 1872, 1928, 2040, 2088,
2296, 2352, 2400, 2504, 2560, 2616, 2672,
Rio de Janeiro 1311, 1576, 1928,
Rom 112, 431, 488, 695, 840, 896,
1216, 1576, 1672, 1928, 2040, 2*296, 2352,
2400, 2455, 2504, 2560, 2616, Siena 431,
1928, 2296, 2504, Tomsk 1928, Toronto
640, 1984, Tours 431, Turin 896, 1576,
1928, 2292, 2352, 2400, 2504, 2616,
Utrecht 1C00, 1576, 2200, Washington
1934, Wien 112, 160, 216, 264, 375, 431,
488, 640, 695, 896, 1112, 1160, 1216,
1264, 1311, 1518, 1576, 1824, 1928, 2200,
2248, 2352, 2400, 2455, 2504, 2672, 2716,
2716, Zürich 55, 216, 792.
Hochspannungsstrom, Wirkung des elek¬
trischen, vom gcrichtsürztlicben Stand¬
punkt, von Trcmbur. 37
Hoden, Zwischenzellen des, von Kasai
2122, Verpflanzungen und Gofrierungen
der —, von Cevolotto 2279, Gangrän
des —, von Mälzer. 2335
Hodenin farzierung, hämorrhagische, von
Maschke.. . 1667
Hodensyphilis, experimentelle, von Uhlen-
huth und Mulzer. 2602
Hodensyphilom bei Kaninchen, von
Mezincescu.1497
Hodgkinsche Krankheit, von Hecht . . 1406
Höckernase, von Hoffmann.1662
Höhenforschung, medizinisch-biologische 1622
Hölderlin, von Lange 1699, —’s Geistes¬
krankheit, von Lange.425
Höllensteinträger, aseptischer, von Arnold 813
Hörgrenze, Lage der oberen, von Wilberg 1351
Hörmass, einheitliches und objektives,
von Preysing . . . 1351
Hörnerven, Erkrankungen der, von Witt-
maack . 2608
Hörsphüre, Lokalisation der, von Berger 680
Hörtäuschungen durch Salicylsäure, von
Seitz . ..873
Hofbakteriologe in England.364
Hohenheim s. a. Paracelsus.
Hohenheim in Salzburg, von Sudhoff 2242,
368. Todestag —s. 2290
Hohlfuss, Resektion des Lisfrancschen
Gelenkes zur Therapie des, von Hof¬
mann . 412
Holzmindener Fall, nochmals der, von
Harnak.• . 2280
Homöopathie, Kommission zur Bekämpfung
der.159
Homosexualität, echte angeborene, und
Pseudohomosexualität, von Näcke . . 1860
Hormone. 776
Ilonig s. u. Bienenhonig.
Honorar für Versäumnis. 2670
Hornhaut, Verbrühung der, von Dutoit . 198
Hornhauttrübungen, Behandlung von, mit
Thiosinamin, von Galczowsky .... 419
Hornhautverfärbung, periphere braun¬
grünliche, a's Symptom einer Allgemcin-
erkrankung, von Fleischer. 1120
Hospitäler, amerikanische.23*21
llüftbreite, Wachstum der, nach Alter und
Geschlecht, von Weissenburg .... 2175
Hüfte, schnappende, von zur Verth 928,
schnellende —, von Hohmann . . . 2491
Seite
Hüfterkrankung, Knieschmerzen bei, von
\ Nohl.1028
INHüftgelenk, kongenital verrenktes, von
1 ' Gocht 143, Resektion des tuberkulös
erkrankten —, von König 577, tabische
Arthropathie des —, von Schwarz 1141,
Mobilisierung ankylosiortcr —, von
Meyer 2390, anatomischer Befund bei
kongenitaler Luxation des —, von
Weih 2491, pathologische Luxation des
! —, von Tilanus 2556, Behandlung der
I Kontrakturen tuberkulöser-,vonWeber 2711
Hüftgelenksentzündung, Behandlung der
\ Kontraktur der tuberkulösen, von
' v. Lichtenberg.1888
II üftgelenkserkrankungen, Röntgenplatten
von, von Blencko.479
Hüftgelenksluxationen, rationelle Behand¬
lung der kongenitalen, von Le Damany
468, Spätkomplikationen der unblutigen
Einrenkung der angeborenen —, von
Iiedard 929, zentrale —, von Heschelin
und Sehapiro 1859, Behandlung der
—, von (’alot. 2556
Hüftgelenksresektion mit Fixation des
oberen Femurendes am Becken, von
de Beule .1858
Hüftgelenks Verrenkung, Behandlung ver¬
alteter traumatischer, von Lorenz 144,
Lähmungen im Gefolge der unblutigen
Einrenkung der angeborenen —, von
Peltesohn 929, Behandlung der ange¬
borenen —, von Küster. 2489
Hüftluxation, blutige Einrenkung der an¬
geborenen, von LuJloff.143
Hüftschaukelscharnicr, von Vulpius . . 2491
Hüftverrenkung, angeborene, als Teil-
erschcinung, von Joachimsthal 143,
geheilte angeborene —, von Froelich
144, schwierig zur Heilung gebrachte
Fälle von angeborener —, von Bade
334, angeborene —, von Dreesmann
573, Pathologie und Therapie der an¬
geborenen —, von Horvath 622, Ver¬
erbung der angeborenen —, von
Glaessner 623, blutige Reposition der
angeborenen —, von Deutschländer
623, 2344, Coxa vara-Bildung nach Re¬
position der angeborenen —, von
Joachimsthal 841, Entstehung der an¬
geborenen —, von Graf 781, 2068,
Streitfragen über angeborene —, 878,
Trendelenburg’sches Phänomen bei den
anborenen — von Saxl 2072, Aetiologie
der —, von Graf 2449, Diagnose und
Behandlung der angeborenen — im
.Säuglingsalter, von Jonchimsthal . . 2652
Hühnerdiphtherie, aetiologische Bezieh¬
ungen zwischen, und Hühnerpocken,
von Uhlonhuth und Manteufel . . . 2602
Hühnereier, Nährwert und Ausnutzung
roher und weichgekochter, von Auf¬
recht und Simon. 93
Htihnerleukämie, übertragbare, von Hirsch¬
feld u. Jacoby.253
Hufeisennierenruptur, von Ehler .... 932
Hufeland-Stiftungen.543
Humbert I.-Preis.319, 1622
Humerußdiaphyse, Resektion der, von
Köttner. 582
Hundeblutserum, Gehalt des, an pepto-
lytischen Fermenten, von Abderhalden
und Pincussohn. 2498
Hundefilarien, von Fülleborn.732
Hunger, Wirkung des, bei Ernährungs¬
störung, von Meyer und Rosenstein * 871
Hydatidenzysten, Behandlung der, von
Poenaru-Caplescu . 2439
Hg b. u. Quecksilber.
Hydrarg. oxyzyanatum als internes Antisy-
philiticum, von Schulte.1035
Hydroencephalocele frontalis, von Zingerle 253
Hydromeningozele, von Sitzenfrey . . . 2069
Hydronephrosc, akute Infektion einer kon¬
genitalen, von Marcuse 872, Früh¬
operation und Frühdiagnose der —,
von Ekehorn 1610, abnorm verlaufende
Blutgefässe bei —, von Mayo 1911,
intermittierende —, von Jones 1912,
vereiterte —, von Bachmann 2086, —
und Zystonniere, von Baginsky . . 2397
2328
1101
1656
2175
2120
1978
464
2071
92
927
Hydronephrosenruptur, von v. Saar .
Hydropneuuiothorax, von Wandel
Hydrophthalmus, von Siegrist . ,
Hydrorrhoea, Aetiologie der, amnialis, von
Hornstein
Hydrosolc, therapeutische Wirksamkeit
einiger anorganischer, von Izar
Hydrotherapie, Grundriss der, von Brieger
und Krebs 463, wissenschaftliche Grund
lagen der —, von IJoke
Hydrothorax, künstlicher offener, zur Er¬
haltung der Lungenatmung bei Thorax
eröffnungen, von Teske
Hydrozephalus, von v. Quincke 1255, The¬
rapie des —, von Freund 530, — int.
idiopath. chron., von Halben 627, chro¬
nischer — internus, von v. Starck 1051,
angeborener — infolge von Tabakmiss
brauch des Vaters, von Greco 1093,
Behandlung des — durch den Balken¬
stich, von v. Bramann
Hygiene, ländliche, von Roth 193, Hand
buch der praktischen von Steiner
250, soziale —, von Elster 2025, Titel¬
zusammenstellung von Schriften über
soziale - , von Loeb 2025, Atlas und
Lehrbuch der —, von Prausnitz . . 2430
Hvgieneausstellung, internationale, in
' Dresden 1911 . 1767, 1983, 2615
Hygienische Belehrung der Schüler . . . 147
HygienischesTaschenbuch, von v. Esmarch 297
llymenriss», isolierter, von Silbermann . .
Hyperämie, Behandlung mit — nach Bier,
von Assmy.
Ilyperazidität, Neutraler bei, von Ale¬
xander . 2596
Ilyperaziditiitszustände, Begründung der
Alkalitherapie bei, von Hausmann . 2597
Hvperemesis gravidarum, von Flesch 2115,
— gravidarum und Adrenalintherapie,
von Rebaudi .. 2387
Hvperglobulie, von Umber.1259
Hyperidrosis, Behandlung der, localis et
universalia, von Gereon 2399, Heilung
der — und der Seborrhoea oleosa durch
Röntgen, von Kromayer.
Hyperkeratosis subungualis als Röntgen¬
wirkung, von Wehrsig
Hypertensive Substanzen, von Comessatti
Hyperthermie, Bedeutung der, von Rolly
und Meitzer.
Hyperthyreoidismus, bei der Diagnose des
experimentellen, angewandte Kornple-
mentablenkung, von Valagussa . . 2437
Hypertrichosis, Behandlung der, mit Rönt¬
genstrahlen, von Donald.1754
Hyphomyzetenerkrankungen, Immunität
und Ucbcrempfindliehkeit bei, von
Bloch und Massini.1389
Hypnose und Suggestion, von Hilger . . 1840
Hypnotiea, Wirkung der neueren, und
schmerzstillenden Mittel, von Ollereu-
shaw.
Hypophyse s. a. Adrenalin, Rachendach¬
hypophyse.
Hypophyse, aktives Prinzip der, von
Houghton und Merril, 255, Freilegung
der —, von Löwe 577, wirksame Sub¬
stanz in der —, von Allere 1474, —
cerebri, von Cushing 1912, Pathologie
der —, von Exner 2030, Schwanger-
schaftsveränderung der —, von Erd¬
heim und Stumme 2437, Exstirpation
der —, von Aschner. 2668
Hypophysenextrakt, s. a. Adrenalin.
Hypophysenextrakt, Gefässwirkung des,
von Pal.415
HypophvsengangsgeschWülste, von For-
manek . 986
Hypophysenstudien, von Kon.575
Hypophysentumor s. a. Zirbeldrüsontumor.
Hypophysentumoren, von v. Eiseisberg
540, von Hochenegg 690, von Link
1255, Operation eines —, mit Akrome¬
galie, von Exner 211, endonasale Ope¬
ration von —, von Hirsch 986, Ope¬
ration der — auf nasalem Wege, von
176
1844
32
362
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Gck igle
Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
LI
Seite
Srnoler 2331, — an ungewöhnlichem
Situ, von Erdheim 2437, Therapie von
—, von Hoehenogg 2490, — mit opera¬
tiver Heilung, von Kocher. 2489
Hypophysisdarreichung bei Herzkrank¬
heiten, von Renon und Delille .... 739
Hypophysisgegend, Geschwulst in der,
von Crzellitzer.1090
Hypophysisgeschwtilste, Diognoso und
Therapie der, von Bychowski .... 1969
Hypophysisoperation, von Löwe .... 2178
Hypophrenium und seine chirurgische
Bedeutung, von v. Renvers. 90
Hypospadie, von Tanton 1706, von Becker
1764, neue Methode zur Operation der
männlichen —, von Schmieden . . . 2594
Hypothyreosi8, infantile, von Feer . . . 1921
Hysterektomie s. u. Kastration.
Hysterie s. a. Beinlühmung.
Hysterie, Studien über, von Breuer und
Freud 140, Aufmerksamkeitsstörungen
bei —, von Döblin 772, Beiträge zur
Lehre von der —, von Voss 722,
Wesen der —, von Williams 1093,
Einfluss der — auf die Erwerbsfähig¬
keit vom Standpunkt der Invaliden¬
versicherung, von Leppmann 1967, —
mit Oedeme bleu und Differenz der
Kniephänomene, von Andernach . . 2222
Hysteriesymptome, trügerische, von Pelnar 1555
Hystero-epileptische Anfälle, von Woh-
ringer.1513
Hysteropexie, Folgen einer, mit Kastra¬
tion, von Ziegenspeck.1741
Hysterotomie, unblutige, von Hertzler . . 1911
J.
Jahrbuch s. a. Teil IV., Journalliteratur.
Jahrbuch, Münchener. 2400
Jahrbücher der Hamburgischen Staats¬
krankenanstalten, von Lenhartz, Raye,
Deneke und Neuberger 817,2591, — der
praktischen Medizin, von 8chwalbe
1802, lehrreiche Angaben aus dem sta¬
tistischen — der Stadt Berlin, von
Fischer . .. 122t
Jahresbericht der Heidelberger chirurgi¬
schen Klinik, von Arnsperger 91, 2710,
E. Mercks — 1160, — des Ambula¬
toriums der chirurgischen Klinik
München, von Gebele 1282, — über
soziale Hygiene, Demographie und
Medizinalstatistik, von Grotjahn und
Kriege! 1854, — der k. b. Gewerbe¬
aufsichtsbeamten, dann der k. b. Berg¬
behörden für 1908 1485, — über die
Leistungen und Fortschritte auf dem
Gebiete der Neurologie und Psychiatrie
1984, — über die Leistungen und Fort¬
schritte auf dem Gebiete der Erkran¬
kungen des Urogenitalapparates 2143,
39. — über das Medizinalwesen im
Königreich Sachsen auf das Jahr 1907
2326, — über die Fortschritte der
Physiologie, von Hermann 2826, —
über die Ergebnisse der Immunitäts¬
forschung, von Weichardt. 2430
Japan s. a. Badegewohnheiten, Lepra,
Reiseerinnerungen, Tuberkulose.
Japan, Kochs Besuch in, von Kitasato . 544
Ichthyosis und Schilddrüse, von Weill
und Mouriquand.2180
Idiotie, von Kellner 2197, 2345, klinisches
und pathologisches über —, von
Jacobsthal 1208, mongoloide —, von
Meitzer 1617, familiäre amaurotische
—, von Rosenmeyer 1711, von Schuster
1711, Zusammenhang von — und Syphi¬
lis, von Lippmann. 2417
Idiotismus, mongolischer, von Shuttleworth 1979
Igel, Immunität des, gegen echte Toxine,
seine Widerstandsfähigkeit gegen ba¬
nale Gifte, von Strubell. 2824
I. K. Immunkörper s. a. Tuberkulose-
Immun bl utbebandlung, Spenglersche
Behandlung.
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Seite
I. K., von Weicker und Bandelier 2281,
—, vorläufige Mitteilung über die Be¬
handlung mit — (Dr. Spengler) von
Herzberg 242, Behandlung mit Karl
Spenglers —, von Schaefer 2375, von
Dresdner 2708, Erfahrungen mit —,
von Kraft 2446, mit — bei Behandlung
der Lungentuberkulose gemachte Er¬
fahrungen, von Alexander ... . 2650
Ikonographia dermatologica, von Niesser
und Jacobi.1487
Ikterom und Osteome der Trachea, von
Peters. 2438
Ikterus, habitueller, gravis der Neugebo¬
renen, von Nahm 129, Resistenz der
roten Blutkörperchen beim —, von
Strauss 201, — nach Chloroformnar¬
kose, von Qu4nn und Knss 212, sym¬
ptomatische Xanthome bei chroni¬
schem —, von Posner 253, — gravis,
von Hüffel 203, familiärer —, von
Rosenfeld 822, hämatogener —, von
Massaglia und T&rabini 1092, hämoly¬
tischer —, von v. Stejskal 1091, von
Blum 1103, durch chirurgische Be¬
handlung heilbare —, von Robson
1201, Pathologie des —, von Fischer
1292, Pathogenese des kongenitalen
Acholurie verbundenen —, von Star-
kiewiez 175ü, Indikation zur chirurgi¬
schen Behandlung des chronischen —,
von Moynihau 1824, — neonatorum,
von Hasse 1966, chirurgische Behand¬
lung des chronischen —, von Kehr . 2487
Ueozoekaltuberkulose, von Eis.1857
IIoob, von Schönwerth 211, Physostigmin
bei postoperativem —, von Göth 92,
Bakteriämie bei — und postoperativer
Darmlähmung, von v. Khautz jun. 356,
— nach subkutanen Traumen, von
8chönwerth 1497, prophylaktische Be¬
handlung des entzündlichen —, von
Heile 1858, paralytischer —, von
Mc Kenna 1911, postoperativer duo¬
denaler —, von Weinbronner 2222,
— mit Strangulationsverschluss, von
Kreuter. 2660
Ileostod, von Braun und Boruttau 574,
— und Ileustherapie, von Braun und
Borattau .1749
Imbezillität und sog. Moral insanity, von
Friedländer 1259, — vom klinischen und
forensischen Standpunkt, vonWeygandt 2494
Immunisierung per os, von Yoshida 1197,
Studien über —, von Wiight 1339,
aktive — bei Akne, Furunkulose und
Sykosis, von Seilei. 2381
Immunität gegen Geschwülste, von v. Dün¬
gern 1099, —, Schutzimpfung und
8erumtherapie, von Dieudonnö 1744,
Beziehungen zwischen — und prak¬
tischer Medizin, von Inman.1916
Immunitätsforschung, Handbuch der Tech¬
nik und Methodik der, von Kraus und
Levaditi 1339, Jahresbericht über —,
von Weichardt . . •. 2430
Immunitätsreaktionen, von van Calcar . 980
Immunkörper e. a. J. K.
Immunkörper, Isolierung des, aus nor¬
malem Serum, von Bail und Tsuda 39,
Behandlung mit — Dr. Spengler, von
Koch. 1140
Immunkörperbildung unter der Einwirkung
der Stauung nach Bier, von Kliene-
berger.528
Immunserum, Reaktivierung von hämoly¬
tischem, von Landsteiner und Fürth 467, 986
Impacco Nerli.1359
Impetigo contagiosa, von Lewandowsky
2336, — herpetiformis, von Scherber 2386
Impfmetbode, neue, von Riesen .... 1909
Impfstelle, Einfluss der, auf die Immuni¬
sierung, von Noon.1979
Impftumoren, Variabilität der, und ihro
Spontanheilung, von Saul ..... 2609
Impfungen, intravenöse, mit Mensclien-
u. Rindertuberkelbazillen, von Tromms¬
dorff 2176, — ausländischer Arbeiter 2198
Seite
Implanlatio arteflcialis ureteris in vesicam,
von Chiari.1615
Implantationskarzinom in der Harnblasen-
Schleimhaut, von Suzuki.413
Inaktivitätsatrophie innerhalb drüsiger
Organe, von Ponfick.408
Inauguraldissertation: 42, 97, 201, 307, 363,
471, 534, 579, 677, 77G, 826, 877, 933,
988, 1036, 1146, 1202, 1252, 1299,1346,
1394, 1441, 1502, 1556, 1611,1659, 1707,
1718, 1811,1862, 1912, 2028, 2072, 2124,
2182, 2237, 2285, 2338, 2656, 2712,
Berlin: 97, 307, 534, 775, 1146, 1299,
1441, 1707,1912, 2392,2657, Bonn: 307,
471, 1912, 2440, 2657, Breslau: 307,
1202, 2028, Erlangen: 97, 1202, 1557,
1707, Freiburg: 97, 307, 579, 988,
1299, 1441, 1557, 1695, 1912, 2238,
2392, 2601, Giessen : 147, 534, 988,1299,
1441, 2125, 2392, 2601, Göttingen : 471,
1394, 1556, 1811, Greifswald- 147, 307,
827, 1036, 1299, 1441, 1557, 1659,1912,
2238, 2338, 2601, Halle: 363, 933, 1441,
1557, 1862, 2392, Heidelberg: 307, 534,
988, 1299, 1441, 1557, 1811,2125,2338,
Jena: 419, 775, 1036, 1346, 1558,2125,
2657, Kiel: 677, 1299,1558, 1707, 2657,
Königsborg: 97, 1202, 1585, 2338,
Leipzig: 147, 1252, 1347, 1558, 1707,
1811, 2125, 2440, Marburg: 201, 1253,
1558, 24-40, München : 98, 307, 534, 775,
1299, 1502, 1558, 1659, 1913, 2125, 2338,
2601, Münster: 1558, Rostock: 307,
579, 775, 988, 1253, 1441, 1558, 1913,
2125, 2339, 2601, Strassburg: 98, 363,
579, 988, 1347, 1394, 1707, 2028, 2339,
Tübingen: 98, 307, 579, 775, 1036, 1299,
1502, 1558, 1913, 2339, Würzburg: 201,
363, 677, 877, 1441, 1558, 1659, 1913, 2601
Index s. a. Opsonischer Index.
Index, antitryptischer, von Golla . . . 1979
Index-Cataloguo of tho Library of the
Surgeon-Generals Office U. S. Army . 543
Indicatio morbi undlndicatio orthopaedica,
von Vulpius. 2491
Indikations- und Diagnosestellung der
amerikanischen Chirurgen. 2381
Induktionsapparat, neuer, von Wedensky 1603
Jnertia, the functional, of living matter,
von Harris.248
Infanterieregiment, das Grossherzoglich
Würzburgische, in Spanien 1808—1813,
von Schuster .818
Infantilismus, psychischer, von v. Rad 106,
— und Hypoplasie, von Mayer . . . 2188
Infektiöse Prozesse, Behandlung akuter,
mit Erhaltung der Funktion, von
Ritter.1608
Infektion, hämatogene, bei Appendizitis
und Cholezystitis, von Canon 89, Vor¬
lesungen über — und Immunität, von
Müller .1697
Infektionskeime, Uebertragung von, durch
Fliegen, von Curschmann.1759
Infektionskrankheiten s. a. Krankheiten.
Infektionskrankheiten, Therapie der, von
Grawitzl 158, wioderholteErkrankungen
an —, von Widowitz 2495, von Götzl 2545
Infektionspavillon in der städt. Kranken¬
anstalt zu Kiel .104
Influenza s. a. Pnoumokokkeninfluenza.
Influenza in Leipzig, von Curschmann 681,
endemisches Vorkommen der —, von
GilchriHt.1980
Influenzaaortitis, von Marmorstein . . . 467
Influenzabazillus als Erreger der Chole¬
zystitis, von Knina 1969, — als Eiter¬
erreger, von Weil. 2597
Influenza-Epidemie, von Rose 1516, — mit
Oedem der Augenlider, von Spriggs 672
Influenzakonjunktivitis, von Possek . . 628
Inguinalbubonen, Behandlung der, von
Arning.632
Inguinalhernien, intramuskuläre, von
Schiller.467
Inguinalkanal, subfassiale Eröffnung des,
von Littauer.1841
Inhalationsmasko, einfache, von Hartmann 39
4*
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
\
LI
Seite
Xnhalationsnarkosc, von Neuber . . . 837
Inhalationsthcrapie, von Lublinski . . . 197
Inheritance, the treasury of human 1292, 2710
Injektionen, intrauterine und vaginale,
nach der Geburt, von Roig-Raventös
824, Gefahren und Nutzen der intrau¬
terinen —, von Zweifel 929, neues In¬
strument für subkutane —, von Dumas 1509
Injoktionsanästhesie in der zahnärztlichen
Chirurgie, von Frohmann.2715
Iukarzeration eines Dünndarm-Divertikels
in einer kongenitalen Leistenhernie,
von Harrass. 1896
Inkontinenz, weibliche, durch Narbenzug,
von Zangemeister 302, essentielle —
urinae und deron Behandlung, von Bazy
u. Desehamps 486, — alvi, von Schoe-
maker 881, — urinae, von Lohnstein
936, von Engelhom.1919
Innere Krankheiten, spezielle Diagnose
der, von v. Leube 81, 1432, Lehrbuch
der - , von Schlüter 1745, Handbuch
der speziellen Pathologie und Therapie
der —, von Eichhorst. 2429
Insolation, die Ganglienzelle bei der, von
Amato. 2389
Instrumente, sterile Aufbewahrung von,
von Viedebach.1861
Instrumentensterilisationsapparat, von
Theilhaber.889
In8ufficientia vertebrae und Skoliose, von
Schanz 101, Behandlung der — pedis,
von Schanz.. 101
Intolligenzprüfung, von Stransky 932, Me¬
thoden der —, beim Kinde, von Thie-
mich 2287, Methoden der —, von
Herderschee. 2600
Interkostalnerven, Verteilung der, von
Johnston.1981
Intormediärknorpcl, Durchschneidung des,
von Riedinger 143, Heilungsvorgängo
bei Durchschneidung des —, von Naka-
hara.623
Interpositio uteri, Dauererfolge der, vesico-
vaginalis, von Fuchs . . •.1089
Intestinale Körperschmerzen, von Ebstein 2406
Intestinalprolaps, subkutaner, von v. Saar 821
Intestinaltuberkulose, primäre, des Kindes¬
alters, von Mendelsohn. 2436
Intoxikation, alimentäre, von Finkeistein 727
Intradermoreaktion auf Leprolin bei Le¬
prösen, von Noutoux und Pautrien . 2668
Intradormo-Tuberkuljnbehandlung, von
Mantoux ... 1308
Intrathorakale Operationen, Apparat für,
unter Differentialdruck, von Meyer . 464
Intubation bei diphtheritischer Larynx-
stenose, von Lotsch.196
Intubationsrohr, von Kuhn.790
Inunktion, als Behandlungsmethode bei
Kinderkrankeiten, von Rachford . . . 1093
Invagination 8. a. Dtinndarminvagination.
Invaginatio ileocolica eines Sarkoms des
Ileums, von Stern.1968
Invalidenhauspflege, von Welge .... 773
Invalidenrenten, zur Begutachtung für, von
Grasamann. 1186
Invalidenversicherung, Heilbehandlung im
Bereiche der reichsgesetzlichen, von
Welge.1249
Jod, Wirkung des, auf das Auge, von Pick
1440, Wirkung des — auf tuberkulöse
Gewebe, von Leonardo.1808
Jodbenzin, von Esau.1310
Joddampf, Wundbehandlung mit, von
Jungengel. 2660
Jod-Eigon. 1031
Jodglidine, von Imhoff.630
Jodipininjektion, neue Spritze, zur, von
Lieven.630
Jodival.410
Jodneol.410
Jodoformknochenplombe, v. Mosetig-
Moorhofsche, von Brun.627
Jodomenin, 410, von Friedmann .... 627
Jodpemphigus, von Heuck.1620
Jodpräparate, vpn Erlenmeyer und Stein 1359
Jod Wirkung, von Wintemitz.1927
Joghurt s. a. Yoghurt.
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
2491
Jonisierung, therapeutische Verwendung
der, von Finzi .1753
Jothion, von Richter 1S07, von Nagel¬
schmidt . 2350
Irido-Sklerektomie, von Stänculeanu . . 1909
xlridozvklitis, chronische, von Schumacher 2664
I iristuberkulose, von Hauser. 2659
Irrenabteilung für Militärpersonen in
Dresden .840
Irrenärzte, Ratgeber für, von Lomer 298,
Versammlung der stidwestdeutschen — 2039
Irrenanstalten, Aufnahme- und Entlas¬
sungsbestimmungen der. 2503
Irrenanstaltsärzte. Standesfrage der, von . 1908
Irrenfürsorge in Europa, von Pändy . . 572
Irresein, individuelles, von Sartorius . . 1608
Irrigal, von Möller 2399, von Piorkowski 2597
Irrigaltabletten.1031
Irrigationsendoskopie bei chronischer Ure¬
thritis, von Lohnstein. 627, 672
Irrcgationsurethroskop, Goldschmidtschcs,
von Schlenzka.. . 1392
Irrigationsurethroskopio, von Goldschmidt 934
Irrigations- und Katheterisierzystoskop
von Buerger.1094
Ischiadikusdehnung, nervöse Folgcerschei
nungen der, von Neri . . .
i Ischias, Infiltrationstherapio der, von Ray
mißt 876, 930, von Bum 2398, intra-
neuralo Injektionen bei — und ande¬
ren Neuralgien, von Wiener 1978, —
scoliotica, von Clemens 2035, neue
Heilmethode hei —, von Todt 2081,
Behandlung der chronischen —, von
Uibeleisen . .. 2230
Isoform, von Siebort.894
Isolierräume und Einzelzimmer in der
modernen Behandlung Geisteskranker,
von Baller ..1197
Isolysine im Blutserum bei maligren Tu¬
moren, von Richartz.1702
Isopral, von Wassermeyer.1655
Isthmuskanal, Gesundheitsorganisation
des, in Beziehung auf Malaria, von
Gorgas . .
Italien s. a. Ärzte, Erdbeben, Praxis, Hilfs¬
expedition.
Italia, pro, medical 215, 271G, in —, von
Lovera.
Itrol Credö, von v. Arlt.
Jubiläum, 75 jähriges, der Kinderheilanstalt
zu Dresden. 2399
Jubilftumsstiftung für die Behandlung von
orthopädisch-chirurgischen Kranken in
Heidelberg.263
Juden, Geistesstörungen bei den, von
Sichel .. 2385
Jugendbelehrnng, sexual-soziale, von K.
und W. Geissler.2024
Jugendgerichtehöfe in München . 1357, 1455
Jugendfürsorgevermittlungsanstalten . 2504
Jugendirresein im Kindesalter, von Vogt 2024
Jugularisthrombose, otitische, von Alt . 1498
Kachexiereaktion, von Brieger und Trebing
3*«, von Brenner.578
Kälteapplikation, therapeutische Anwen¬
dung lokaler, auf den Nacken, von
Marcuse. 2057
Kaffee, koffeinfreier, von Harnack . . . 414
Kahlheit, zu, führende Affektionen des
behaarten Kopfes, von Arndt .... 676
Kairo, poliklinisches Institut in .... 1159
Kaiserin-Auguste-Viktoria Haus,Eröffnung
des .1215
Kaiser-Friedrich-KrankenhausinSanRemo 319
Kaiserschnitt s. Sectio caesarea.
Kaiserschnitt, von Küstnor 251, — an den
Toten nnd Sterbenden, von Böhmer
677, Historisches und Kritisches über
—, von Kehrer 1141, Blasenfüllung
beim —, von Latzko 1248, klassischer
— wegen inoperablen Karzinoms der
Portio, von Grünbaum 1715, extra¬
peritonealer — 668, von Döderlein 314,
358, 1664, von Latzko 629, 823, von
Kosenfeld 931, von Fuchs 1143, von
1501
1699
415
Kneise 1616, 1844, von Reifferscheid
! 1805, von Rubeska 1*06, von 8tolz 2175,
! von Döderlein und Hörmann 2187,
!*J extraperitonealer suprasymphysärer —,
| von Jahreiss 465, Indikationsstel-
I lung und Technik für den klassischen
I und extraperitonealen — und für die
Hebosteotomie, von Jung 841, völlig
extraperitoneale —, von Freund 929,
1103, Geschichte des extraperitonealen
( —, von Nürnberger 1436, suprasym¬
physärer extraperitonealer —, von
Kupferberg 1560, der extraperitoneale
| —, soine Technik und Indikationsstcl-
| lung, von Küstner 1721, extraperitone-
aler — nach Latzko, von Döderlein und
Jahreiss 1805, extraperitonealer die
Frucht in Positio occip. sacralis, von . ,
| Nacke 1805, extraperitonealer — nach
Sellheim, — von Heinricius 1806,
j zwei extraperitoneale — nach Latzko,
von Eversmann 1806, peritonealer oder
I extraperitonealer —, von Laubenburg
1806, Wundschutz beim extraperitone¬
alen —, von Brewitt 2218, wiederholter
suprapubischer —, von SchetFzek 1750,
i suprasymphysärer —, von Frank 2138,
von Kahn 34, Indikation und Technik
des suprasymphysären —, von Hammer-
I schlag 34, Technik des suprasymphy-
1 sären —, von Thorn 2121, vaginaler
— bei engem Becken, von Dtihrssen
und Solms 155, von Dührs3en 1142,
j vaginaler — bei Eklampsie, von Nacko
413, vaginaler und ventraler — bei
Zervixstenose, von Fuchs 413, zervikaler
— nach Latzko, von Frank 1806, extra¬
peritonealer oder transperitonealer —.
von Matthes 2544, gänzlich extraperi¬
tonealer —von Rieck 2604, 13 vagi¬
nale konservative —, von Brandt
2654, vaginaler — in der Strassburger
Klinik, von Ilumbert. 2657
Kaiserschnittnarbe, Ruptur der, von Nacke 413
Kaiserschnittsfrage, von Olshausen . . . 2329
Kakke, mit Schwangerschaft und Wochen¬
bett, kombinierte, von Ogata . . . 870
Kala-Azar, von Sluka und Zarfl 1872, von
Gabbi 1809, — aus Tuschkent in Wien,
von Sluka und Zarfl 17(>0, von Rach
und Zarfl 1700, — im Kindesalter, von
Nicol le.2181
Kala-Azar-Krankheit, Parasit der, von
Patton.589
Kalender, deutscher militärärztlicher 1909,
von Krocher-Friedbeim 981, für das
Jahr 1910 . 2614, 2671, 2715
Kali, Vergiftung mit chlorsaurem, von
Kayser.1031
Kalkabsonderung, vermehrte, im Harn
Tuberkulöser, von Croltan.1910
Kalkaneodynie, Krankheitsbild der, von
Plagemann ... 1211
Kalkaneussporn, von Chrysopathes . . . 2022
Kalksalze, therapeutische Verwendung der,
von Brown.156
Kalksandsteinfabrikation, gesundheitliche
Verhältnisse in der ..1658
Kallusbildung, periostale, nach Knie-
distorsion, von Preiser . . . 1905, 1921
Kalomelradiator, einstufiges, von Schwarz 2578
Kalzium undSpasmophilie, von Rosenstern 224U
Kalziümsalze bei verschiedenen Erkrank¬
ungen, von Luff.729
Kamerun, Volkskrankheiten in, von Külz 199
Kammervenenpuls, von Bönniger 257,
verschiedene Formen des —, von Bibi 2238
Kampher bei alimentärer Intoxikation des
Säuglings, von Würtz 135, — und Pneu¬
mokokken, von Seibert.1884
Kampher-Gluknronsäurcpaarung, Abhän¬
gigkeit der, von der normalen Funktion
der Lober, von v. Stejskal und Grünwald 1657
KaninchonRypbilis, von Neisser u. Grouven 629
Kankroid der Lippen- und Mundschleim¬
haut, von Wicbmann. 2606
Kapillarchemie, von Freundlich . . . .2117
Kapillarität und Absorption, von Holmgren 774
Kapillarkuls, von Glaessner.1904
Digitized b'
■V Google
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
L1II
Seite
Karbid on packung.1501
Karbolsäuretabletten, von Schülke u. Mayr 542
Karbonyldiharnstoff als Oxydationsprodukt
«lor Harnsäure, von Schittenbelm und
Wiener. 2538
Kardiolyse, erfolgreiche, bei Perikardob¬
iiteration , von v. Jagiö 2451, von
v. Haberer. 2452
Kardiospasmus, von Brauer 425, von Looser
583, von Zweig 1199, von Makkas 1656,
Therapie des —, von Frankel 2398,
primärer — nach Trauma, von Heisler 2435\ |
Karellkar, von Galli. 1809 \
Karenzzeit, Abschaffung der.2614
Karlsbad und seine Quellen, von Ritter 1964
Karlsbader Wasser und die Harnsäure,
von Rosenthal. . 822
Karotis-Intima-Rupturen, Entstehung der,
von Ziemke. . 1967
Karotisunterbindnng, Wiederherstellung
der normalen Blutversorgung des Auges
nach, von Wessely.688
Karzinom s. a. Fulguration, Hantkarzinom,
Implantationekarzinom, Krebs, Narben¬
karzinom, Röntgenkarzinom
Karzinom des Corpus uteri, von Williams
255, Schimmelpilzinfektion bei —von %
Rosenheim 257, primäres — in den
Hauptgallengängen, von Borelius 622,
sekundäres — der Haut, von Reit¬
mann 676, — und Jontophorese, von
Eisenmenger 927, Harnbefund bei —,
von Salomon und Saxl 1150, biologische
Diagnose des —, von Witte 1392,
anaphylaktischer Antikörper gegen das
eigene — im Serum von Krebskranken,
von Pfeiffer und Finsterer 1554, 1609,
pathologische Physiologie der neuen
physikalischen Mittel gegen das —,
von Tuffier 1669, Behandlung tief¬
liegender inoperabler —, von Dominici
1766, Multiplizitilt der —, von Tjusi
1859, Ursachen u. Ablauf des Knochen¬
umbaues in osteoplastischen —, von
Axhausen 2388, Wesen der Immunität
bei —, von v. Düngern 2550, — der
männlichen Harnröhre, von Adrian .2611
Karzinomfrage, heutiger Stand der . . . 2433
Karzinomkranke, ein im Blutplasma von,
enthaltenes Exzitans, von Macalistor
nnd Ross 483, Schicksal dreier —, von
Zacharias.583
Karzinosarkome, Entstehen der, von Kroin-
pecher.253
Karzinomstatistik,vonMartin 1562,von Seitz 1859
Karzinomtherapie, von Doyen. 2075
Kasein and Molke, von Köppe .... 1436
Kassenärztliche Misere in England . . . 1253
Kastration, Einfluss der, auf den respira¬
torischen Stoffwechsel, von Zuntz 90,
Einfluss der — und Hysterektomie auf
das spätere Befinden, von Pankow
215, von Fellner 720, Bedeutung der —
in der Behandlung dei Mammakarzi¬
nome, von Cahen. 2542
Kataphorese, von Bailey.673
Katarakt, Vererbung von, von Harmann 2348
Katatonie im Kindesalter, von Raecke 36,
— nach Trauma, von Schönfeld 94,
pathologische Anatomie der —, von
Moriyasn.772
Katgut, Tyndalisation des, in Vaseline,
von Lerat 622, Herstellung keimfreien
— nach Kuhn, von Lentz und Locke-
rnann 820, nach Hofmeister präpariertes
von Haist 927, Jodierung des —,
von Kuhn.1562
Katgutfrage, von Kuhn 2651, Abstufung
in der Resorbierbarkeit, ein Wesent¬
liches in der —, von Kuhn 91, die edlen
Metalle in der —, von Kuhn .... 2030
Katgutherstollung, von Kahn.2127
havatricliter, Struktur des oberen, von
„ Koch.627
Kehlkopf, Verletzungen in der Umgebung
des, durch Selbsterhängen, von Lesser
1930, Röntgenbehandlung des mensch¬
lichen —, von Brünings 1447, Gumma
dos —, von Frese . . . ..1975
Kehlkopfausrottung. Stimm- und Sprach¬
übungen nach, von Hoppmann . . . 2541
Kehlkopfbespiegolung, Technik der, mit
Sonnenlicht, von Lissauor.920
Kehlkopfentzündungen, Aotiologio der
brandigen, von Schoetz. 2608
Kehlkopfexstirpation, von Martin .... 1922
Kehlkopfkrebs, Luftröhrcn-Schildknorpcl-
schnitt bei, von Mouro 470, Symptoma¬
tologie des —, von Rethi. 2654
, Kehlkopf tuberkulöse und Schwangerschaft;
|\ von Glas und Kraus 414, von v. Rost-
I \ horn 415, von Frese 1565, Entstehung
der —, von Albrecht 470, läonnenlicht-
bebandlung der —, von Kraus 659,
von Jansson lt)91, Behandlung der —
durch Sonnenlicht, von Kramer 987,
galvanokaiistische Behandlung der —,
von Siebenmann 1316, therapeutische
Versuche bei experimenteller —, von
Brünings und Albrecht 1447, Photo¬
therapie der —, von Nepveu ... . 1^766
Keilbeinhöhle, maligne Tumoren der, von i
Vorschütz 343, Freilegung der — und
des sphenoidalen Abschnittes der Hirn¬
basis, von Löwe 9ft3, Hydrops der
linken -—, von Ilajck.2612
Keilhämometer, von v. Grützner .... 155
Keimgehalt normaler Organe, von Conradi
1319, 2604
Kenopräzipitin, von Weichardt.1749
Konopräzipitinstudien, von Pfeiffer und
Pregl. 1295
Keratitis bei einem Kaninchen, von
Wimann 825, — neuroparalytica, von
Wolfrum 1101, Pathogenese und The¬
rapie der interstitiellen —, von Stephen*
son .1252
Keratoglobus nach parenchymatöser in¬
terstitieller Keratitis, von Arning . . 2606
Keratoplastikfrage, von Salzer.1423
Keiion Celsi, von Hübner.424
Kernsäule, Symptomatologie der Erkran¬
kungen der motorischen, von Goldstein
und Kohn.1806
Kesselklopf verfahren, staubfreies, von
Morgner.933
Keuchen, exspiratorisches, von Schick . 2239
Keuchhusten s. a. Eulatin.
Keuchhusten, von Ncisser 152, Therapie
des —, von Czerny 159, von Senftleben
197, Ansteckungsgefahr bei —, von
Müller 839, Erreger des —, von Bordet
1979, nervöse Komplikationen des —,
von Arnheim 2492, Aetiologie des —,
von Sleeswyk. 2600
Kcuchhustenbazillus, Bordetscher, von
Seiffert ..* 131
Keuchhustenendotoxin, von Bordet und
Gengou . .806
Keuchhustenerreger, Bordetscher, von
Seiffert.421
Keuchhustenkrämpfe, Behandlung der,
mittels Lumbalpunktion und Ueber-
giessungsbädern, von Eckert .... 1595
Keuchhustenuntersuchungen, von Am¬
helm . 2492
Kiautschou-Gebiet, gesundheitliche Ver¬
hältnisse bei den Besatzungstruppen
des, von Podesta. 2235
Kiefer, Entwicklung der, und Zähne, von
Witzei .... •.407
Kieferhöhle, Radikaloperation der, von
innen her, von Rethi.415
Kieferhöhleneiterungen, seltene Ent¬
stehungsursachen der, von Winckler 1395
Kieferhöh lenempyem, Radikaloperation
des chronischen, von Aenstoots . . . 904
Kieferorthopädische Methoden, neue, von
Körhitz.1702
Kind, wie nähret sich das, im Mutterleibe ?
2398, — tuberkulöser Mutter und künst¬
licher Abortus, von Weinberg 300, —
tuberkulöser Eltern, von Miller nnd
Woodruff.1910
Lindbettfieber, Aetiologie,Prophylaxe und
Therapie des 724, Erforschung der
Genese des —, von Ahlfeld 1034, —
chirurgische Behandlung des, von Kob-
lanck 1436, — Prognose und Therapie
des —, von Birnbaum 1730, bakterio¬
logische Untersuchungen beim —, von
Sachs.1907
Kinderärzte, Tagung der Vereinigungen
süd west deutscher und niederrheinisch-
westfälisclier, in Wiesbaden 639, der —
als Erzieher, von Hippius.1487
Kinderdiarrhöe, Behandlung der, von An-
drado 1498, Aetiologie der —, von
Mctschnikotf. 2669
Kinderekzem, Therapie des konstitu¬
tionellen, von Geissler.397
Kinderfürsorge in Dänemark.1204
Kinderfürsorgegesotz, englisches . . * . 1253
Kinderharn bei eiweissarmer und eiweiss¬
reicher Ernährung, von Vozarik . . . 2437
Kinderheilkunde, volkstümliche, in Enger¬
lande, von Urban 2124, — im Univer-
sitätsunterricht, von Feer .2141
Kinderlähmung s. a. Poliomyelitis, Heine-
Medinsche Krankheit.
Kinderlähmung 2504, 2559, 2615, 2672,
zerebrale —, von Kattwinkel 1620,
Wachstumshemmung des Skeletts bei
spinaler —, von Kienböck 1806, Epi¬
demie der spinalen —, 2199, west¬
fälische Epidemie von akuter —, von
Krause 2281, Aetiologie der akuten epi¬
demischen —, von Krause und Meinicke
2281, Diskussion über spinale — im
Frankfurter Aorztlichcn Verein 2291,
Massnahmen gegen die spinale — 2351,
Frühstadien der spinalen —, von Müller
2460, 2499, — bei Hühnern, von Wilke
2716, Untersuchungen zur Aetiologie
der epidemischen —, von Römer 2505,
Diskussion über die spinale — im Duis¬
burger Aerzteverein 2552, Therapie der
spinalen —, von Grober.2614
Kindernahrung, Apparat zur Zubereitung
der, von Lichtenstein. 2545
Kinderparalyse, von Lovett.255
Kinderpneumonie und Pneumokokkenheil-
sorum, von Brüning. 2281
Kinderseehospize Europas, von Haeberlin 777
Kinderspitäler, Schutz der, gegen Masern¬
infektion, von Berond. 2597
Kindersterblichkeit unter der Geburt, von
\ Seitz.2188
Kindertuberkulose, Frtihsymptome der,
> \ von Hollopeter. 255
\Kindheitstuberkulose und Immunität, von
' Ritter und Vehling. 2389
Kindslagen, Ursachen der, und die Turn¬
kunst im Uterus, von Schatz .... 2075
Kindsschädel, Imitation des Tasten¬
druckes des unter der Geburt ins Bocken
gepressten, von Sellheim.1503
Kinematogramme, psychiatrische, von
Kraepelin.1615
Kincmatograph, Physiologie des, von
v. Grützner.154
Kissingen, v. Sohlernsche Anstalt in . . 1360
Kitzel- und Juckempfindungen, von Abrutz 1652
Klammernaht, von Voigt.1431
Klappenhämatome, von Hammes .... 575
Klavikularfraktur, Behandlung der, von
Römer 17 .j 3, subkutane Verletzung der
V. subclavia bei Einrichtung einer —,
von Frank .... . 2554
Klebrollbindon, von Trumpp. 46
Kleidung, hygienische Bedeutung verschie¬
denfarbiger, bei intensiver Sonnen¬
bestrahlung, von Schmidt.1197
Kleidungstoffe, Bestimmung der Luft¬
durchlässigkeit von, von Schmidt . . 1495
Kleinhirn, Folgen der Längsdurchschnei-
dung des, von Trendelenburg 1653,
Chirurgie des —, von Hildebrand . . 2135
Kleinhirnbrückenwinkeltumoren,vonWest-
phal. 91
Kleinhirngescbwttlste, von Sommer . . . 1560
Digitized fr
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Original fro-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
LIV
INHALTS-VERZEICHNIS.
Seite
Kleinhirnsarkom, von Mainzer.1977
Klemmen, Abnahme der, zur Blutstillung,
von Nicolich.1705
Klimakterische Störungen, Therapie der,
von Bucura. .2216
Klimakterium, klinisches Bild des, von
Gluzinski. 2597
Klimatische Einwirkungen im Lichte der
Statistik, von Chodonnsky.1091
Klimatische Fragen in der Balneologie, von
Dove. .777
Klimatologie, Handbuch der, von Hann 1244
Klinik, chiurgische, des Dr, Abadiezu Oran,
von Jeanbrau 468, chirurgische — N. 2
der Ofen-Pester Universität, von Reczey
1494, — weiblicher Aerzte in Berlin
2088, deutsche — am Eingang des
20. Jahrhunderts, Von v. Leyden und
Klemperer. 2487
Klinodaktylie, von Bibergeil. 2491
Klinoskop, neuer radiologischer Unter¬
suchungsapparat, von Dessauer . . . 2005
Klumpfuss, von Jones 1926, — angebore¬
ner —, von Röpke 623, unblutige Be¬
handlung des angeborenen, von Hei-
mannsberg 623, orthopädische Chirurgie
des veralteten —, von v. d. Osten-
Sacken 2491, neuer Redressionsapparat
für — und andere Deformitäten, von
Ricdinger.2711
Klurapfussbehandlung, von Fraenkel 940,
federnder Fixationsverband in der —,
von Frankel 88, — im 1. Lebensjahr,
von Haslund. 623, 774
Klumphand, von Stoffel und Stempel 928,
angeborene — ohne Defektbildung,
von Ertl.623
Knie, durch Operation geheilte Ver¬
krümmung und Versteifung im, von
Siegmund 93, Verletzung der tdmilunar-
knorpel des —, von Morrison .... 1251
Kniebasiswinkel, klinische Bestimmung
des, von Hofmann.869
Kniegelenk, Resektion des tuberkulösen,
von Linhart 821, Fettgewebe- und
Zottonwucherungen im —, von Ramm-
stedt 982, — für künstliche Beine, von
Vulpius 1497, innere „derangements“
des —, von Barker 1754, Resektions¬
deformität des —, von Lehr 2023,
Bandscheibenverletzungen des —, von
Schloff er 2191, Arthrotomie des —,
von Lockwood. 2599
Kniegelenksankylosen, paraartikuläre Kor¬
rektur der, von Werndorf.1609
Kniegelenksluxation, willkürliche, von
Joachimsthal . 2023
Kniegelenksresoktion, von Emmerich . . 1819
Kniehämarthrose, Behandlung der, mittels
Punktion und Gehen, von Willems . 938
Kniescheibe, Fraktur der, von Kirste . 1210
Kniescheibenbrüche, operative Behand¬
lung veralteter, von Turner. 92
Kniescheiben Verrenkung, neues operatives
Verfahren in der Behandlung der habi¬
tuellen, von dalla Vedova . ... 870
Knieschmerzen bei Hüfterkrankungen, von
Heineke 646, von Hötzel ..... 1465
Kniestreckapparat, atypische Zerreissung
des, von Appel 1248, von v. Frisch . 2710
Knochen, multiple Sarkomatose des jugend¬
lichen, von Werndorff 143, innere
Architektur der —, von Gallois und
Bosquette 468, Struktur rachitischer —
im Röntgenbild, von Wolilauer 942,
Replantation lobender —, von Sal-
tykow 1552, Histologie des freitrans¬
plantierten periostgedeckten —, von
Läwcn . 2540
Knochenbrüche, von Mc Ewen, Fischer,
Holzwarth, Menciero 2034, statistische
Mitteilungen über —, von Bartsch 529,
Behandlung der — durch Extonsion,
von Wettstein 531, Behandlung der
—, von Lexer 563, schlecht geheilte
—, von Birt 880, operative Behandlung
der —, von Mendler 1812, operative
Korrektur difform geheilter —, von
Heintze.. 1563
\“
Knochenerkrankungen, seltene, von Katho-
licky.
Knochenfragmente, Diagnose der Herkunft
von, von Giese .
Knochengewebe, partielle Sequestrierung
transplantierter, von Axhausen . . .
Knochenkallus, Struktur des, von Zondeck
Knochenimplantation, von Partsch 883,
von Kausch 939, von Anschütz . . .
Knochenmark, Entwicklung des, in hetero-
topen Knochenbildungen, von Freuden¬
stein .
Knochenneubildungen durch Periostemul¬
sion, von Nakahara und Dilger . . .
Knochenpanaritien, von Ohm.
Knochenperiosttransplantation nach Hu¬
merusresektion, von Läwen .
Knochensyphilis, von Friedrich . . . .
Knochentransplantation, von Cahen . .
Knochentuberkulose, »Strahlenbehandlung
der, von Freund 2108, orthopädische
Behandlung der — und Gelenktuber-
kulose, von Lange 2134, Bedingungen
für die operative oder die konservative
Behandlung der —, von Ludloff . . .
Knochenüberpflanzung, von Steisler . .
| Knorpel s. a. Intermediäsknorpoi, Gelenk¬
knorpel.
Knorpelglykogen u. Struktur der Knorpel¬
zellen, von Arnold.
Koalitionszwang in München . 637, 638,
695, 696
Kobragift s. a. Blutkörperchen.
Kobragift, Hemmungsreaktion mensch¬
licher Sera gegenüber —, von Brückner
und Much ..
Kobragifthämolyse s. a. Geisteskranke.
Kobragifthämolyse, von Iiirschl und Poetzl
1497, Aktivierung der — durch mensch¬
liche Sera, von Bauer und Lehndorff
950, der von Much und Holzmann an¬
genommene Einfluss des Blutserums
von Geisteskranken auf die —, von
Eisner und Kronfeld 1527, — bei
Geisteskranken, von Pförringor und
Landsberger 1907, Ablenkung der —
bei Geisteskranken, von Omorokow
2177, Mechanismus der —, von Beyer
Kobragiftreaktion, von Much und Holz¬
mann beschriebene bei Geisteskranken,
von Plaut.
Kobrareaktion, von Geissler.
Koch J. L. A., Nekrolog, von Römer . .
Kochküche, moderne, im Grossbetrieb,
von Sternberg.
Kochprobe bei eiweisshaltigem Urin, von
de Jager .
Kochsalz und Urämie, von Ceconi . . .
Kochsalzarme Diät s. a. Diät.
Kochsalzinfusionen, Indikation der intra¬
venösen, bei Peritonitis, von v. Lichten¬
berg . ..
Kochsalzstoff Wechsel, von Magnus-Lovy
892, — bei Nichtnephritiecben, von
Alwens 686, — und Wassergehalt des
Blutserums, von Reiss.
Köln s. a. Aerztekonflikt.
Köln, Aerztestreik in, 363, 540, 541, 542,
591, 638, 1398, Anfänge der medizini¬
schen Fakultät der alten Universität
—, von Schaefer.• . . .
Körnchenzellen, Herkunft der, des Zentral¬
nervensystems, von Marchand . . .
Körperwachstum, Einfluss der Röntgen¬
strahlen auf das .
Kohabitationsverletzungen, von Bamberg
Kohlehydrate, Abbau der, in Tierkörper,
von Embden und Kraus 992, Verdau¬
ung und Resorption der —, von
London und Polowzowa.
Kohlehydratstoffwechsel, Störungen des,
von Schultze und Knauer.
Kohlendunstvcrgiftung, von Federschmidt
Kohlenoxyd, postmortales Eindringen von,
in den Körper, von Stoll.
Kohlensäurebäder, künstliche und natür¬
liche, von Beerwald 736, Kreislauf¬
wirkung der —, und Sauerstoffbäder,
von Bröking 1821, — und radioaktive
Seite
2127
1247
1356
1713
359
1552
2022
1510
942
1814
2134
939
2122
691,
1749
2206
1531
1681
252
1748
2601
467
2464
937
2289
1089
1672
2025
1604
2231
1483
2280
Seite
Sauerstoff-Kohlensäurebäder, von Pry-
bila. 2239
Kohlensauregasbäder, physiologische Wir¬
kung der, von Fellner.735
Kohlensäuremengen, massanalytische Be¬
stimmung kleiner, von Warburg . . . 2495
Kohlensäureschnee, Behandlung von um¬
schriebenen Hauterkrankungen mit,
von Zweig.1642
Kohlensäure Teilbäder, von Pototzky . . 466
Kokain, Ersatzmittel des, von Le Brocq . 1705
Kokain-Adrenalin-Anästhesie bei grossen
Operationen, von Schour. 2333
Kokainolcreme.1198
Kokzygealtumor, kongenitaler, von Kron-
heimer.1818
Kolibakteriämie, von Wiens . . . ... 663
Kolistämme, Darmchemismus bei Verfütte-
rung wirtfremder, von Hecht .... 2232
Kolitis, Chirurgie der, von Wallis 673,
ulzorative — und ihre Behandlung,
von Hawkins 1704, chirurgische Be¬
handlung der —, von Heaton .... 2598
Kollaps s. u. Suprarenininjektionen.
Kollargol s. a. Kolloide.
Kollargol, schädigt, die Niere ? von Cloin
376, Wirkung des — auf Leukozyten
und Opsonine, von Hoffmann 413,
— in intravenösen Einspritzungen,
von Cohn 532, bakterizide Wirkung
des — Credö, von Proshansky 874,
— bei Mittelmeerfieber, Orchitis und
Fussgeßchwüre, von Naamö 1145,
Nachweis des — im Körper, von
Kroemer.1502
Kollargolbehandlung, von Fabian und
Knopf 1608, — der septischen Er¬
krankungen nach Geburt und Abort,
von Thomson. . 1346
Kollargolthorapie, intravenöse, bei puerpe¬
raler Sepsis und anderen septischen
Erkrankungen, von Albrecht. 2621
Kolloidales Silber, Unbeständigkeit deB,
von Hamburger. 2601
Kolloidchemie, Entwicklung der, von
Wedekind.426
Kolloide s. a. Argentum, Silber.
Kolloide und kolloidales Silber, von
Wolfrom 1156, — und kolloidales
Silber, speziell Kollargol Credö, von
Wolfrom 1377, — in der Biologie und
Therapie und das elektrisch herge¬
stellte kolloidale Quecksilber, von Stodel
1486, — im normalen Urin, von Rosen¬
bach . 2237
Kolloidmetalle, von Bossau und Marcelet
1752, therapeutische Bedeutung der
—, von Bousguet und Roger 2179, An¬
wendung der bei den chirurgischen
Infektionen, von Cazin. 2556
Kollumkarzinom, von Schwab 685, opera¬
tive Erfolge beim —, von Reinecke
102, Dauerheilung des — durch die
Operation, von Reinecke .1907
Kolon, temporärer Verschluss des, von
Wilms 410, Funktionen des —, von
Hey Groves und Hall 740, normale
Peristaltik des —, von Holzknecht. . 2401
Kolonien s. a. Aerztlicher Dienst.
Kolonien, hygienisch-medizinische Insti¬
tute in den, von Zieraann.827
Kolostrum, schwarzes, von Semon 38,
Biologie des —, von Bauer. 2072
Kolotomie, Apparat zur Nachbehandlung
der, von Ingram.416
Kolpaporrhexis während der Geburt, von
Messerschmidt. 2656
Kolpeurynterurinal, von Kroemer. . . .1615
Kolpoköliotomien, unerwünschte Folgen
nach, und der Alexander-Adamsscben
Operation, von Freund.230
Komplement, Wirkung der Narkotika und
Alkaloide auf das, von Goldschmidt
und Pribram 1490, Inaktivierung der
— durch Schütteln, von Jakoby und
Schütze.. . 2544
Komplementablenkung bei »SypliiliB, von
Manwaring 2230, — bei Lepra mit
syphilitischem Antigen, von Eliasborg 2390
Digitizer! b 1
■V Google
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
LV
K omplementablenkungsreaktion, Bedeu¬
tung der, für die Neurologie, von Nonne 2083
Koniplementbostimmungcn des kindlichen
Serums, von Koch. 2492
Komplementbindung bei Typhus recurrens,
von Korschun und Leibfried .... 1497
Komplementbindungsmethode, Wasser-
mannsche, und Ozaena, von Sobern-
heim 1556, — bei Cholera, von Nedii-
gailow. 2230
Komplementbindungsroaktion, praktische
Verwertung der, von Lüdke.1313
Kompressionsmyolitis nach Atlas Verschie¬
bung, von Seifert.1205
Kommabazillus, Toxin des, von Verderau
y Sola.824
Kondylenbrüchc des Ilumerus und ihre
Behandlung, von Landwehr. 2542
Kongresse s. a. Teil VI.
Kongress, 2'>., für innere Medizin 55, 894;
2. — der Deutschen tropenhygienischen
Gesellschaft 55, 7. internat. — für
Hydrologie, Klimatologie, Geologie und
physikalischo Therapie 159, 543, 38. —
der Deutschen Gesellschaft fürChärurgie
216, 695, 5. — der Deutschen Röntgen¬
gesellschaft in Berlin 319, 16. inter¬
nationaler medizinischer — zu Pest
375, 1360, 1624, 1927, Programm 1056,
Festschrift 1824, Preise 1927, 12. inter¬
nat. — gegen den Alkoholismus 375,
4. lateinisch-amerikanischer medizini¬
scher — in Rio 431, 19. — franzö¬
sischer Irrenärzte 695, 5. internat.
zahnärztlicher — in Berlin 743, 1824,
1. internat. — für Psychiatrie etc. in
Amsterdam 1907 840, — für Elektro-
logie und Radiologie 895, Bericht über
den I. internationalen — für Rettungs¬
wesen 895, 6. nordischer — für innere
Medizin 1203, 5. internationaler ge¬
burtshilflich - gynäkologischer — in
Petersburg 1263, internationaler — für
angewandte Photographie 1360, inter¬
nationaler — für Hygiene und Demo¬
graphie in Washington 1824, 19. —
derltalienischen Gesellschaft für innere
Medizin in Mailand 1872, 2339, Ver¬
handlungen des IV. internationalen
— für Thalassotherapie 1927, IV. inter¬
nationaler — zur Fürsorge für Geistes¬
kranke 2199, 4. — für experimentelle
Psychologie zu Innsbruck 2399, inter¬
nat. — für Medizin und Hygiene in
Buenog-Aires.(1615
Konjunktivalreaktion, diagnostische und
prognostische Bedeutung der, von
v Koepke 88, von Ziegler 819, zytolo-
gische Verwertung der —, von Blumen¬
feld 986, — mit Dcuteroalbumose, von
Weihrauch 1532, Tuberkulinvaseline
zur —, von Wolff-Eisner.
Konkremente, von Hirsch.
Konkrementbildung, von Schade ....
Konserven, Kupferung von, von Spiro
1070, — als Volksnahrung, von Schot
telius..
Konsultationen s. a. Patientenfang.
Konsultationen, Institut für russische
688, 693, 695, 838, 1202, 1310, Nach¬
klänge zu den russischen — 2245, 2504
Kontraktur, angeborene familiäre, des
kleinen Fingers, von Muskat 883,
ischämische —, von Göbell . .
Kontrollkommission in Nürnberg .
Konzeption, Mittel zur Verhütung der,
von Richter.1909
Kopfbewegungen, nächtliche, der Kinder,
von Stamm. 2436
Kopfgesch willst, Beziehung der, zum
Leben der Frucht, von Holzapfel . . 251
Kopfgrösse und Intelligenz im schulpflich¬
tigen Alter, von Baycrthal.1254
Kopfhaut, Mikroorganismen der, vonTieche 676
Kopflichtbad, von Brünnings.1447
Kopfrespirationsapparat, von Grafe . . . 1247
Kopfschmcrzpulvcr, Tauborts.1031
*266
2086
3
2139
1051
692
Seite
Kopfschuss, von Rimann.1511
Kopftetanus mit reflektorischer Pupillen¬
starre, von v. Orzechowski.1806
Kopfverletzung, Tod durch, von König u.
Orth.625
Kopierverfahren, moderne photographische,
von Stenger.1549
Koprostase, Albuminurie und Zylindrurie
( bei chronischer, von Ebstein .... 2177
ytornea, tuberkulöse Erkrankung der —
\ und Iris, von Kraus IL03, Areflexie
der, von Sänger.2p82
Koronargefäase, Einwirkung von Arznei¬
mitteln auf überlebende, von Eppinger
und Hess.92i
Korpuskarzinom bei Virgines, von Ilirsch-
berg 466, Kombination von — und
Myom, von Frankenstein.1923
Korrektionsanstalt und Landarmenhaus,
von Mönkemöller.1339
Korrespondenz 55, 112, 376,431,541, 592,
696, 743, 792, 896, 952, 1112, 1160,1311,
1360, 1456, 1518, 1624, 1671, 1928, 2040,
2144, 2200, 2248, 2296, 2400, 2560, 2615
Korrespondcnzblutt s. a. Teil IV, Journal-
literatur.
Korrespondenzblatt für Schweizer Aerztc 2088
Korsakowscher Symptomenkomplex nach
Commotio cerebri, von Aronsohn . . 1296
Kosmetische Operationen, von Holländer 689
Kot, Präzipitinogene des — und der Aus¬
scheidung des Magendarmtraktus, von
Brezina und Rnnzi. 2603
Kottumor, von Lazarus.635
Kotuntersuchungen 309, — auf Amöben,
von Hoyt.201
Koxalgie, Behandlung der, von Moniere 2556
Krabbenextrakt, von Barschall.871
Kraft und Stoff im Haushalt der Natur,
von Rubner ......... 2383
Krampfkranke Kinder, Fürsorge für schul¬
pflichtige, von Sartorius.37
Kranioklasie, Technik der, und Extraktion,
von Jolly. 92
Krankenbett, kompensatorische und heil
same Erscheinungen am, von Pel . . 1810
Krankenhäuser,ErhöhungderKurkosten in
den Berliner städtischen 1036, moderne
HeizungB- und Ventilationssysteme in
—, von Bürger 1390, Gebührenerhöhun¬
gen in den Berliner — 2029, kleines
—, von Helwes . 2328
Krankenhausärzte, Anstellung von . . . 1452
Krankenhausbau in Leipzig.639
Krankenkassen, Kongress der, Deutsch¬
lands . . . . • 1108
Krankenkas^enärzte, Anstellung von, als
Spezialisten für Naturheilkunde, von
Sch wartz. 1338
Krankenküche, von Sternberg.985
Krankenpflege, Handbuch der, von Salz¬
wedel 620, Taschenbuch der —, von
Pfeiffer 1030, von Fessler 2229, 2296,
— in der Chirurgie, von Laan . . . 1602
Krankenschwestern in Amerika .... 2380
Krankenversicherung s. a. Gemeinde¬
krankenversicherung.
Krankenversicherung, Ergebnisse der, im
Deutschen Reiche 1902—1907 319, —
im Jahre 1907 . 1767
Krankheiten s. a. Innere Krankheiten.
Krankheiten, Verteilung der tödlichen, auf
die Lebensalter, von von den Velden
521, Bekämpfung übertragbarer — in
Oesterreich 1147, Bekämpfung über¬
tragbarer —, von Becker 1308, Gesetz¬
entwurf betr. Verhütung und Bekämp¬
fung übertragbarer — im österreichisch.
Herrenbause 1611, Begriff der —, von
Schwalbe 1748, von Bibbert 1908, amts¬
ärztliche Vorkehrungen bei anstecken¬
den —, von Henkel 1896, Wesen der
—, von Bibbert. 2647
Krankheitsbegriff und verwandte Begriffe,
von Aschoff.1807
Krankheitsbekämpfung in Panama und
Kuba, von Macpherson.732
Krauklieitsdarsteilungen, präkolumbische,
von Holländer.
Kraurosis glandis et praeputii penis, von
Delbanco.
Krauss, Hofrat Dr. Hans f.
Kreatin, Ausscheidung von, u. Kreatinin in
fieberhaften Krankheiten, vonaf Klerker
Kreatinin, quantitative Bestimmung des,
und neue Kreatininverbindungen, von
Edlefsen.
Kreatininausscbeidnng, von van Hoogen-
huyze und Verploegh 1652, Einfluss
von Siiuerstoffarinut auf die —, von
van Hoogenhuyze und Verploegh . .
Krebs s. a. Cancer, Epiihclkrebs, Karzinom.
Krebse, von Abel 539, Wirkung zweier 8era
auf den bei Mäusen vorkommenden —,
von Walker 96, bedeutsame Entdeckung
über den —, von Sanfelice 99, Behand¬
lung dos inoperablen —, von Morris
410, — dos Kolon, von ( logg 416, Be¬
handlung intraoraler —, von (’liilde
673, Fulguration und Kreuznacher Ra-
diolpräparate bei der Behandlung des
—, von Czerny 880, — der Mäuse, von
Guenot und Mereicr 950, Chirurgie des
—- und Fulguration, von .luge 1144,
Naturheilung des —, von Handley
1703, Behandlung des — mit Kalimn-
bichromnt, von Fcnwick 1703, — durch
Köntgenstrahlen, von Rowntrce 1981,
— der Menschen und Tiere, von Basli-
ford 2030, peptolytisehe Fermente ver¬
schiedenartiger —, von Abderhalden
und Rona 2496, Kadioaktivität des —,
von Barlow 2547, Kombination von —
und Tuberkulose, von Fischer 2606,
findet eine Beeinflussung des — durch
Kohle statt? von Sticker.
Krebsbeliandlung durch ('hinin, von Stronö
Krebserkrankungen, russische Gesellschaft
zur Bekämpfung der.
Krebsforschung, Deutsches Zentralkomitee
für 55, —, experimentelle und Infek-
tionstheorie, von Lewin 636, 689, inter¬
nationale Vereinigung für — 894,
1984, 2199, Organisation der internat.
Vereinigung für — 1359, experimentelle
—, von Uhleiihuth und Weidanz 1296,
moderne —, von Beckton 19*0, Auf¬
gaben der —, von Meyer.
Krebskranke, anaphylaktischer Antikörper
im Serum von, von Pfeiffer.
Krebskrankheiten, Behandlung der, mit
Atoxyl-Chinin, von Hollacnder u. Pecsi
Krebsoperation, Wertheimseho, von Ber-
kelevund Bonnev 362, Forestsehe Nadel
bei —, von Cohn.
Krebspestbazillus, von Manteutfol . . .
Krebsstatistik, von Orth 727, Mailänder
—, von Devoto.
Krebszelle,, die, von Steinhaus.
Kreisärzte, Tätigkeit der, auf dem Lande
Kreisbudgets, Stroifzüge durch die baye¬
rischen, von Becker.
Kreislaufpsychosc, Klinik und patholo¬
gische Anatomie der, von Jacob . . .
Kreislaufstörungen,.Uierlassund Abbinden
von Glieder bei, von v. Tabora .
Kreissender, Desinfektion, von Hofmeier
Kreosot s. a. Pneumin.
Kreosot und Blutdruck, von Naumann .
Kresolseifen und Lysol, von Kapp . . .
Kretins, von Knderfen 995, Implantation
von Schilddrüsengewebe l»ei —, von
Bircher..
Kretinismus, endemischer, in den Tälern
des Gilgit und Tschitras, von Mc Gar¬
rison 52, Grossenwachstuiu hei Schild-
drüsenbeliandlung des endemischen —,
von v. Kutschern 1250, italienische Ver¬
einigung gegen endemischen — ...
Kretinistischc Hunde, von Dexler . . .
Kreuznacher Quellen, Gewinnung radio¬
aktiver Salze aus den, von Engelmann
777, — Radium Emanationsbader, von
Kernen.
Seite
1914
314
2018
1489
832
1652
2568
2671
2143
2034
2030
932
985
1496
2340
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997
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1255
2611
2329
1140
410
928
2601
107
2239
Digitized b"
■V Google
Original fro-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
LVI
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Seite
Krieg, meine Erlebnisse im russisch
japanischen, von Weressajew .... 8G
Kriegschirurgische Anschauungen und
Aufgaben, von Kayser 1842, — Rück-
und Ausblicke, von Fischer.2118
Kriegsschiffe, Organisation der ärztlichen
Hilfe auf, im Gefecht, von Urie 201,
künstliche Beleuchtung auf —, von
Gatewood.733
Kriegsschiffneurasthenie, von Evans . . 2236
Krise, tabische, mit Koterbrechen, von
Brauer 425, operative Behandlung
gastrischer —, von Foerster und Kütt-
ner.1745
Krodobrunnen, Harzburger, von Bau¬
meister .301
Kropf s. u. Parenchymkropf.
Kropf, Behandlung des, mit Arsonvalschen
Strömen, von Preobraschensky 1556,
Erforschung des endemischen —, von
Kolle 1969, gutartige —, von Chambers
1980, Behandlung von — mit Röntgen¬
strahlen, von v. Eiseisberg 2073, intra-
thorazischer —, von Kreuzfuchs 2232,
Röntgenbehandlung des —, von
Schwarz. 2545
Kropfexzisionen unter Lokalanästhesie,
von Hackenbruch.2123
Kropfherz, von Scholz.530
Kropfoperationen, von Egger 2342, — von
Tansini in Pavia, von Truffi .... 1555
Kropfrest, Knopflochverlagerung des, von
Hofmeister.1965
Krüppel, Werkstatt für, von Czarnomska 144
Krüppelelend.997
Krüppelfürsorge, rationelle Hilfe in der,
von Roscnfeld 144, Bandagistenkur¬
pfuscherei und —, von Wittek 144,
— in Oesterreich-Ungarn, von v. Aberle
144, — in den Vereinigten Staaten von
Nordamerika, von Lovett 144, Verein
für — in Nürnberg 1111, deutsche
Vereinigung für —. 2247
Krüppelheil- und Erziehungsanstalt in
Wiesbaden. 2399
Krüppelhilfe, Verein, in Dresden .... 2455
Krüppeltum in Deutschland, von Biesalski
144, Umfang und Art des jugendlichen
— und der Krüppelfürsorge in Deutsch¬
land, von König.1655
Krüppelzählung, bayerische, von Rosen¬
feld .1262
Krupp, Morphin gegen Dyspnoe bei, von
Vargas.824
Kruralhernie, Behandlung der, von Exalto
931, Radikaloperation von —, von
Lassen. 1298
Kryptorchismus, Behandlung des, von
Anschütz ..8P0
Kube Mina. 2247
Küche in der modernen Heilanstalt, von
Sternberg 1086, diätetische — für
Magen- und Darmkranke, von Stern¬
berg 1194, von Wegele.2710
Küstenfieber, ostafrikanisches, der Rinder,
von Mayer. 1756
Küster, zum 70. Geburtstage von Ernst,
von Barth.• . . 2324
Kuhmilch, Idiosynkrasie gegen, bei Säug¬
lingen, von Freund.530
Kuhmilchhämolyse, von Noeggerath . . 2486
Kuhmilchidiosynkrasie, von Siegert . . . 2185
Kuhpocken, originäre, beim Menschen,
von Amende.676
Kuhpockenimpfung, angebliche, in Königs¬
berg im Jahre 1770, von Deichert . . 1609
Kuhpockenimpfstoff, Entwicklung des,
von Voigt . . 2395
Kulturgefässe, Verschluss von, und Nähr¬
bodenbehältern, von Müller .... 886
Kurare, Keimung des, in Phosphorwolfram¬
säure, von Lecha-Marzo.1500
Kurorte, Prosperität der, von Wiek . . . 146
Kurpfuscherei, Bekämpfung der, 1453,
ärztliche Unterstützung der —, von
Kantor 1657, — in Deutschland im
17. Jahrhundert, von Graack 2826, —
eines Schäfers.2613
Seite
Kurpfuschcrbehandlung,Schädigung durch,
von Werth er.420
Kurpfuschereigesetz.215, 1215
Kurpfuscherei-Gesetzentwurf, wo bleibt
der? von Graack . .2616
Kurs für Bakteriologie, Protozoenkunde
und bakteriolog. - hyg. Methode in
Berlin.1408
Kurszyklen für Aerzte in Posen .... 1408
vKussmauldenkmal in Freiburg.15}14
vCutanreaktion, v. Pirquet-Detresehe, von
\ v. Gebhardt 193, Pirquetsche und
\ differenzierende —, von Blumenfeld
\ 415, — und Konjuktivalreaktion, von
Wolff-Eisner 819, Technik der v. Pir-
quetschen —, von Buschke.lji55
Kutireaktion auf Diphtherie, von Lemaire
! und Parturier 482, Wert der — und
I Intradermoreaktion, v. Mace de Lepinay 1307
Kutismyome, von Sobotka .676
[ Kyphose, Kümmellsche, von Brauer . . 425
Kvstoskopie, direkte, von Brünings ... 75
\
Lab, Schüttelinaktivierung des, v. Schmidt-
Nielsen . 2497
Labio-palato scliisis, von Murray .... 212
Labyrinth, Funktionsprüfung des, mittels
<1. galvanischen 8tromes, von Mackenzie
146, entzündliche Erkrankungen des
—, von Görke. 2284
Labyrintheiterung, Behandlung d. frischen,
von Scheibe.1351
Labyrinthzerstörung durch Scliädelbasis-
fraktur, von Voss.1862
Lähmung s. a. Förstersclie Operation.
Lähmungen, operative Methode der Be¬
handlung spastischer, von Förster 143,
postdiphtheritische —, von Valagussa
306, spastische familiäre —, von Bono
467, Nerv, recurrens—, von Körner
und Sebba 470, Häufigkeit der post-
diphtheritischen — vor und nach der
Serumbehandlung, von Malynicz 534,
paroxysmale —, von Bornstein 671,
— des M. deltoidens, von Samter88l,
Lokalisation sensibler —, von Gerhardt
1043, Behandlung der — an der oberen
Extremität, von Vulpius 1065, spastische
— bei intakter Pyramiden bahn, von
Spielmayer 1254, — des M. serratus,
von Enderlen 1570, Behandlung spa¬
stischer — mittels Resektion hinterer
Rückenmarkswurzeln, von Foerster
1804, von Tietze 1804, Behandlung von —
mit Nervenplastik von Spitzy 2190, iso¬
lierte — des N. musculo cutaneus, von
Osann 2291, Behandlung spondyli-
tischer —, von Gaugele. 2650
Lähmungstypus, seltener, nach Geburts¬
trauma, von Gött 1607, — bei kortikalen
Herden, von Förster. 2492
Lain.400
Laktoform.. . 1032
Laktojod. 2234
Laktokonien, von Mautner.574
Laminariadilatation, Technik der, von Stolz
34, 1701, von Piering 726, von Stiassny
1032, Technik der —, von Frankenstein 1701
Laminariastift, Unzweckmässigkeit des,
von Grünbaum. 2660
Landbahnärzte, wirtschaftlichen Lage der,
in Bayern.999
Landesgewerbearzt, zur Einführung, von
Koelsch 296, — in Bayern.320
Landes-Zentralkinderheim, niederöster-
reichisches, in Wien. 2441
Landhaus und Villa.1623
Landstreichertum, psychopathische Grenz¬
zustände im, von Seige.680
Lappen, Methode der mehrfachen, von
Gomoiu.533
Laparotomia hypogastrica, von Neuhaus
1090, Frühaufstehen nach —, von
Hartog 1111, Aufplatzen der Bauch-
narbe nach —, von Rahinova 1657,
Nachbehandlung von — mit Physostig¬
min. sulf., von Kaufmann 1718, Aponeu-
rosennaht bei —, von Esau 1804, —
durch Querschnitt in d. hinteren Rektus-
scheide, von Winkelmann.1804
Laparotomienarben u. postoperativeBrüclie
von Lindenstein.982
Laparotomierte, funktionelle Behandlung
von, von Witzei 269, frühzeitiges Auf¬
stehen von —, von Kümmell .... 1973
Laqueur Ludwig, von Paderstein .... 1063
Laryngologie, Trennung der, und Otologie,
von Frankel 470, Trennung der — und
der Otologie, von Chiari. 470
Larvngo - Rhinologie, Referat über, 470,
986, 1556, 2284
Laryngo-rhinologische Aphorismen, von
Kanasugi.932
Laryngoskopie, neue Art der direkten,
und der direkten Kehlkopf Operation,
von Brünings 1447, direkte —, von
Brünings . 2608
Laryngospasmus, diätetische Therapie des,
von Sittler.425
Laryngotrachealrohr, Anomalie des, von
Trumpp. 259, 2492
Laryngo - Tracheitis, kruppöse, ohne Löff-
lersche Bazillen, von Jacob . . . . . 364
Laryngo -Tracheostomie, von Melzi und
Cagnola. 94
Larynxkarzinom, operative Behandlung
des, von Koschier.1498
Larynxstenosen, Einfluss der, und Oeso-
phagusstenosen auf die Genitalorgane,
von Baumgarten 470, Behandlung nar-
L biger — nach Tracheotomie, von Lack 1078
|\arynxtuberkulose, geheilte, von Viereck ]
152, Behandlung der — mit Marmoreks
Antituberkoloseserum, von Jereslaw
873, Infektionsweg der —, von Meyer
986, Optimismus und Pessimismus in
der Therapie der —, von Dreyfuss . 2411
Lateralsklerose, amyotrophische, im Kin- \
desalter, von Kuhn.1146
Lebensdauer, Bedeutung der menschlichen,
im modernen Staate, von v. Lindheim 1138
.Lebensversicherung der Lipomatösen, von
|\ | Kisch, 675, Frühdiagnose der Lungen-
I tuberkulöse in Beziehung zur —, von
[Rheiner.675
Lebensversicherungsgesellschaften und
Aerzte 52, 54, 55, 258, 260, 263, 1397, 1450
Lebensversichernngsverband, Friedens¬
schluss zwischen den, und den Aerzten
632, Wirkung des Vertrages des Leip¬
ziger Verbandes mit dem — .... 2501
Leber, von Rollet 1515, Ganglienzellen in
der —, von Schmincke 30, Chirurgie
der — und der Gallenwege, von Jenckel
411, 573, 1493, Funktion der — in Be¬
ziehung zum Fettstoffwechsel, von
Leathes 1251, Krankheiten der —, der
Gallenwege und der Pfortader, von Pel
1340, Verbrennungsprozesse in der —,
von Wirth 1353, funktionelle Verschie¬
denheit der einzelnen Teile der —,
von Gussio 1439, Picksche Pseudozir¬
rhose der —, von Baduel 1555, Fähig¬
keit der —, die Richtung der Zirkular¬
polarisation zugeführten Zuckerstoffe
umzukehren, von Pflüger 1651, Adeno¬
karzinom der —, von Baschow 1748,
multilokulare Zystadenome der —, von
Weishaupt 1906, primäres Karzinom
der —, von Yeomans 1911, malignes
Adenom der —, von Ribbert 20^6, pa¬
thologische Anatomie der —, von Meyer
2122, angeborene Hypoplasie der —,
von Zypkin 2122, Regeneration in dor
—, von Carraro 2389, Ruptur dor —,
von Depage. 2656
Leberabszess, von Mac Lean 2235, drei
Fälle von —, von Spencer 2235, opera¬
tive Heilung multipler cholangitischer
—, von Hochheimer. 2494
Leberatrophie, akute gelbe, von Müller
1569, von Amberger 2068, akute gelbe
— hei Lucs, von Graef. 2390
Digitized b'
■V Google
Original fro-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
LVIl
Leberdämpfung, Verschwinden der, bei
abdominalen Erkrankungen, von Kirch-
heim. 937, 2649
Leberdiagnostik, funktionelle, von Hohlweg 2649
lieberechinokokkus, Chirurgie des, von
Newbolt. 41
Leberechinokokkusoperationen, Erfolge
der, von der Pester Klinik, von v. Lob¬
mayer .1804
Leberfleckung, septische, von Helly . .1515
Leberglykogen, Morphologie des, v. Arnold 575
Leberhypertrophie, menstruelle, von Chvo-
stek .578
Leberkarzinome, primäre, vonTheodorow 671
Leberläppchen, Bau des, von Kolski . . 575
Leber- und Pankreasläsionen in ihren Be¬
ziehungen zum chromaffinen System
von Kostlivy.301
Leberruptur, von Thiemann 1305, von
Marchwald 1666, geheilte —, vonLäwen
478, subkutane —, von Enderlen 949,
von Biernath.1905
Lebersubstanz, Plastizität der, von Flesch 288
Lebertumor und Lävulosurie, v. Borchardt 1278
Leberzellen, Struktur der, von Arnold 575,
Einschlüsse im Kern der —, von Brandts 1553
Leberzirrhose, von Baginsky 2397, Semiotik
des Frühstadiums der —, von Lifschütz
1249, atrophische —, von Moehring
1702, tuberkulöse —, von Gougerot 1751,
operative Behandlung des Aszites bei
—, von Soyesima 1804, pathologisch¬
anatomische Veränderungen der Milz
bei —, von Egidi 2282, Heilung alko¬
holischer —, von Hirtz. 2597
I^berzysten im Kindsalter, von Shukowsky 2436
v. Lebers Verdienste tim die Aufhebung
der Tortur inOesterreich, von Neuburger 1657
\ Legat 159, 1407, 1824, 2039.
\ Lehrbuch der Histologie und mikrosko-
v pischen Anatomie, von Szymonowiez v
84, — der Ohrenheilkunde, von Politzer
191, von Ostmann 2618, — der Alters¬
krankheiten, von Rauzier 190, — der
Muskel und Gelenkmechanik, von
Strasser 352, — der Desinfektion,
von Czaplewski 353. — der Nachbe¬
handlung nach Operationen, von
Reichel 407, — der Hebammenkunst,
von Schnitze 407, — der Chirurgie, von
Wöllstein und Wilma 526, 2276, — und
Atlas der Zahn- und Mundkrankheiten,
von Preiswerk 722, — der allgemeinen
Chirurgie, von Lexer 770, — der all¬
gemeinen Pathologie und patholo¬
gischen Anatomie, von Ribbert 816,
— der klinischen Arzneibehandlung,
von Penzoldt 923, — der Nervenkrank¬
heiten, von Oppenheim 980, — der
Haut- und Geschlechtskrankheiten,
von Lesser 1085, — der Augenheil¬
kunde, von Axenfeld, Bach, Biel-
schow8ky, Elschnig, Greeff, Heino,
v. Hippel, Krückmann, Peters, Schirmer
1387, — der Greisenkrankheiten, von
Schwalbe 1433, — der Haut und Ge¬
schlechtskrankheiten, von Riecke 1744,
— der inneren Krankheiten, von
Schlüter 1745, — der Anatomie, von
Rauber-Kopseh 2021, — der speziellen
pathologischen Anatomie, von Kauf¬
mann 2276, Gegenbaurs — der Ana¬
tomie, von Ftirbringer 2429, — der
klinischen XJntersuchnngsmethoden,
von Sahli 2429, — der Pharmakognosie,
von Karsten und Olmanns 2535, — der
\ Geburtshilfe, von Runge 2592, — der
I spezifischen Diagnostik und Therapie
der Tuberkulose, von Bandelier und
| Röpke. 2709
I*hrerkrankheiten, Verhütung und Be¬
kämpfung der, von Thiersch, Endries
und Dörries.1563
Leichen, Vorschriften für das Verfahren
der Aerzte bei gerichtlichen Unter¬
suchungen von, von Erdt 358, von Ei¬
becker 381, — gerichtliche Unter¬
suchung der — Neugeborener, von
Blnmm.1180
Leichenblut, Anaerobier im, von Simmonds :
Leichenschau s. a. Säuglingsfürsorgo.
Leichenschau, obligatorische, in Deutsch-
schland, von Schwulbe.'
Leiomyome, maligne, des Intestinaltraktus,
von Ghon und Hintz.
Leipzig, aus —s medizinischer Vergangen¬
heit, von Sudhoff 1542, Jubiläum des
500 jährigen Bestehens der Univer¬
sität — 1575, Festschrift zum 500-
jährigen Universitätsjubiläum in —
1927, Klingers Wandgemälde in der
Aula zu — 1927, Geschichte der Ana¬
tomie in —, von Rabl. !
Leipziger Verband 952, 1449, 1456, —
Generalversammlung der Ortsgruppe
Berlin des, 580, — u. Staatssekretär
431, 486.
Leistenbruch als Unfallfolge 2386, chirur¬
gische Behandlung reponibler —, von
Castenholz.!
Leistenbruchsäcke, angeborene, von
Hansen.'
Leistenhernien, Vortäuschung inkarze-
rierter, von Fink 531, Behandlung
der — bei Kindern, von Evans 730,
Anatomie und Technik der Bassi¬
nischen Radikaloperation der —, von
Nötzel 982, Radikaloperation der —,
Hofmann 983, von Doebbelin 1143,
Myoplastik bei grossen —, von Streissler
1435, Radikaloperation der — nach
Kocher, von Hügel 1969, Dauerresul¬
tate der Radikaloperation der — nach
Girard, von Heinzmann.
Leistenhoden, Behandlung des, von Raw-
hng.
Lendenhernien, von Ruppanner ....
Lenigallol- und Engalloleinwirkung auf die
Haut, von Kopytowski.!
Lentokalin.2199, !
^obra, tuberkuloide Veränderungen der
«peripheren Nerven bei, nervorum, von
*6hiota 301, — Serumuntersuchungen
bei, von Bruck und Gessner 728, —
anaesthetica, von Arning 1404, — in
Japan, von Kitasato 2278, — der
Knochen, von Hirschberg und Bichler
2335, Komplementbindungsmethode
bei —, von Sugai 2335, Experimentelles
über —, von Silberschmidt 2603, Schutz-
massregeln gegen die — in Deutsch¬
land, von Kirchner.!
Leprabazillen, Nachweis von, durch pro¬
longierte Gramfärbung, von Arning
and Lewandow T sky 1554, Agglutination
der — durch das Serum von Lepra¬
kranken, von Sugai.!
Leprabazillendetritus, von Fick.
Leprakonferenz, H. internat. wissenschaft¬
liche .!
Leuchtgap, Einwirkung des, auf das Blut,
von Schümm.
LeuchtgasVergiftung in einer Gasanstalt
1659, Gehirn eines Falles von —,
von Geipel.
Leucoderma syphiliticum, von Hutchin¬
son 673, — psoriaticum, von Blumen,
fehl 2336, — colli syphiliticum, von
Zieler.
Leukämie, Einfluss der Röntgenstrahlen
auf die, von Pribram 52, Differential¬
diagnose der — , von Schultze 117,
atypische —, von Rehn 253, experi¬
mentelle — bei Hühnern, von Jakoby
und Hirschfeld 309, akute —, von
Herz 823, gemischte —, von Herz
1609, lymphatische —, von Betke 1619,
Pathologie und Therapie der —, von
Ebstein 1698, akute myeloische —,
von Port 1699, experimentelle — bei
Hühnern, von Ellermann und Bang
1748, — Leubes, von Duker 1811,
Pathologie der —, von Ebstein 2032,
— bei einem 9jährigen Knaben, von
Kränzle und Rehn 2436, Uobergang
einer chron. myeloiden — in eine
Myeloblasten- —, von Klienebcrger !
T/enkämiofrage, von Peters.
Leukämiker, Stoffwechselversuche an be¬
strahlten, von Vas ... •.
Leukanftmiefrage, von Masing.
Leukofermantin 2234, — in der Furonkel-
therapie, von Strauss.
Leukonychia totalis, von Hcdderich . . .
Leukopenie, von v. Jaksch 787, Fortbe¬
stehen der — bei Perforationsperito¬
nitis im Verlaufe eines Typhus, von
Meyer. . .
Leukoplakia penis, von Fuchs 631, —
und Karzinom, von Herzfeld ....
Leukoplasia, chirurgische Behandlung der,
lingualis, von Morestin . . ....
Leukorrhöe, Bedeutung der, für die Tu¬
berkulose, von Peters.
Leukosarkomatose, Klinik der, von Mager
Leukozyten, Jodophilie der, von Stümpke
303, bakterientötende Stoffe der —,
von Pettersson 774, bakterizide Sub¬
stanzen der —, von Werbitzki 1647,
Emigrationsvermögen der —, von
v. Rzentkowski 2120, Jodreaktion der
—, von Hirschberg 2123, morphologi¬
sche Struktur der —, von Cesaris-
Demel 2388, bakterizide Reagenzglas¬
versuche mit —, von Weil.
Leukozyteneinschlüsse, von May . . .
Leukozytenextrakte, günstige Wirkung
von, bei infizierten Tieren, von Hiss
Leukozytenferment, proteolytisches, von
Jochmann..
Leukozytenwirkung, von Weil.
Leukozytose, alimentäre, von Rosenstern
Leu rose.
Lezithin, bakteriolytische Eigenschaft des,
von Sleeswyk ..
Lezithin ausfiockung bei malignenTumoren,
von Schenk. 1406,
Lezithinauszüge, immunisierende Wirkung
von, von Vay 39, bakterielle —, von
Bassenge.. . .
> AJchen planus mucosus oris, von Traut-
( mann 634, — ruber, von Schütz 676,
' — ruber und Reizung, von v. Notthaft
676, — ruber planus als Familiener¬
krankung, von Veiel 826, — planus
der Mundschleimhaut, von Joseph 826,
— planus mucosae oris bei einem
Luetiker, von Trautmann 826,—lueticus
mit negativer Waasermannscher Re¬
aktion, von Hecht 837, — ruber pla¬
nus, von Voss 1565, von Brandt 1718,
von Heuck 1869, von Stümpke 2664,
— scrophulosorum, von Heuck 1620,
Aetfologie und Pathogenie des —
planus, von Saidac 1909, — nitidus, von
Kyrie undMc Donagh 2335, Pathogenese
des — scrophuloBorum, von Nobl . .
Licht, wissenschaftlich bestimmbares, von
Pick.
Licht- und Warmluftbad, aseptisches neues
elektrisches, von Beez.
Lichtbehandlung in der Gynäkologie, von
van de Velde 1091, — auf rektalem
und vaginalem Wege, von Foges und
Jungmann.
Licht- und Wärmebestrahlung, Universal¬
apparat zur, von Bnttersnck ....
Lichtstrahlen, Wirkung der ultravioletten,
auf das Auge, von Schanz und Stock-
hausen .
Lichttherapie in der Hand des prakti¬
schen Arztes, von Siebelt.
Lidkarzinom, Behandlung des, von
Dolcet.
Liebeshändel, alte, von Wittels.
Liebig. Erinnerungen an Justns von, von
v. Ranke.
Liegegymnastik, von Schücking . . . .
Ligamenta rotunda, intraperitoneale Ver¬
kürzung der, von Stolz 1805, neue Me-
thodo der intraperitonealen Verkürzung
der —, von Franke.
Ligaturklemme, von Axhausen.
Limosan.
Lingua geographica, von Wolff.
Linitis plastica Brinton, von Cova und
Rono.
Digitized fr,
Gougle
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
LVIII
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Seite
Links-Kultur, mehr, von Kätscher . . . 2494
Linnö und die Mikroorganismen, von Alm-
quist 1389, Karl von —, von Hjelt . 2119
Linoval. 2234
Linse, Eisensplitter in der, von Vossius. 145
Linsenhalter, einfacher, für augenärztliche
Zwecke, von Kehr . 189
Linsentrübung, organotherapeutische Be¬
einflussung von, von Possek 729, Aetio-
logie der —, von Possek. 2337
Lipämie, alimentäre, von Leva 1197, diabe¬
tische —, von Adler.1656
Lipoide, Beziehungen zwischen, und phar¬
makologischer Wirkung, von Meyer . 1577
Lipome, retroperitoroale, von Voeckler . 1492
Liposarkombildung im Uterus, von Walk¬
hoff .191
Lippenkrebs, chirurgische Behandlung des,
von Steiner.1195
Liquor cerebrospinalis, Mechanik des, von
Propping 679, Eiweissgehalt und Lym¬
phozytose des — bei Säuglingen mit
Lues congenita, von Baron 871, Reak¬
tion des —, von Ferrand 1752, Ver¬
mehrung der Zellelemente und Eiweiss¬
körper im — bei Trypanosomiasis, von
Apelt. 2256
Lithiasis prostatica, von Bonnean . . . 299
Littlesclie Krankheit, chirurgische Behand¬
lung der, von Anschütz.1713
Lochfrakturen, Mechanismus der, von
Schuhmacher.1551
Lochialsekret, bacteriologischo Unter¬
suchung des, von Zangemoister . . . 1445
Locliialuntersuchungen, von Pankow . 1443
Löffel, Abänderung des stumpfen, von Cuzzi 1032
Löhne, steigende Tendenz der gewerb¬
lichen . 1622
Loewische Reaktion, von Bittorf .... 142
Lokalanästhesie s. a. Betäubung.
Lokalanästhesie, von Lewy 1569, — in
der Portio, von Henrich 870, — nach
Bier an den Extremitäten, von Gold¬
berg 874, — bei grösseren Leisten¬
hernien, von v. Lichtenberg 931, —
im Krankenhaus, von Braun 1493, —
mittels Adrenalin-Eukain, von Freund
1701, — bei Operationen an den weib¬
lichen Genitalien, von Fisch 1701, — von
Wernitz 1701, — bei zahnärztlichen
Operationen, von Bünte 1807, — bei
grossen Operationen am Halse, von
Madelung. 2397
Lombroso Cesare f, von Rühl . . . . 2645
Lourdes-Prozess in München 2501, epi¬
kritische Betrachtungen zum —, von
Marcuse. . 2588
Lourdeswunder vor Gericht.1109
L'Ouvrier, son hygiene, son atelier, son
habitation, von Martial.981
Lues s. a. Ohr.
Lues, Serodiagnostik der, in der Geburts¬
hilfe, von Engelmann 357, — cerebri,
von Hess 475, — hereditaria tarda, von
Heinrich 630, Differentialdiagnose
zwischen — und Tuberkulose, von
Mucha 630,— des Zerebrospinalsystems,
von Engelen 931, Natur der komple¬
mentbindenden Stoffe bei —, von
Toyosuini 1199, Schürmannsche Farben¬
reaktion bei —, von Schmincke und
Stoeber 1199, von Meirowsky 1199,
von Stern 1250, von Galambos 1250,
Prognose der hereditären —, von Peiser
1517, Einfluss der — auf die Fort¬
pflanzung, von Baiscli 1561, Schür¬
mannsche Farbonreaktion bei —, von
Braunstein 1654, Lupus oder tertiäre —?
Sarkom oder primäre —? von Neisser
1749, kongenitale —, von Heuck 1759,
Missbildungen der Kornea bei ange¬
borener —, von Fuchs 1926, einfache
Methode der Serumdiagnostik bei —,
von Fleming 2028, Vererbung der —,
von Baiscli 2129, — tarda, von Bach 2397
Luesbehandlung, Gewichtsabnahme bei ^
der, von läsen.. 2350
Luesfälle, zwei interessante, von Zeissl . 1891
Luesnachw r eis, serologischer, von Bauer
627, — durch Farbenreaktion, von
Schürmann 822, von Biach 986, von
Symanski, Hirschbruch u. Gardiewski
Lues - Paralysefrage, von Plaut u. Fischer
Luesreaktion an der Leiche, von Selig¬
mann u. Blume 1296, praktische Kon¬
sequenzen der Wassennannschen —
für den Frauenarzt, von Pust 1436, —
in ihren Beziehungen zur antitryp-
tischen Kraft des menschlichen Blutes,
von Fürstenberg und Trebing ....
Luesspätformen der Brustdrüse, von
Deutsch.
Luesübertragung, Problem der, auf das
Kind, von Bab . . .
Luft, Physiologie und Pathologie der Ar¬
beit in komprimierter, von Clives 729,
Erzeugung kalter — zu Ventilations-
zweckcn 1658, Therapie mit strömender
— von Schnee .
Lufikompressor im Krankenhaus, von
Kuhn. 2030,
Luftperlbäder, von Senator und Schnütgen
Luftröhre, Topographie der, von Brünings
Luftuntersuchung, bakteriologische, von
Ficker.
Luftwege, Röntgenbehandlung maligner
Neoplasmen der oberen, von Mader
607, 633, Balneotherapie und Erkran¬
kungen der oberen —, von Siegel 986,
klimatischer Einfluss der Riviera auf
die oberen —, von Mignon 987, Syphilis¬
behandlung der oberen —, von Lieven
987, Einfluss der Schwangerschaft, Ge¬
burt und des Wochenbettes auf die
oberen —, von Grosskoj>ff 987, Krank¬
heiten der oberen —, von Schmidt
1602, physisch bedingte Erscheinungen
im Bereich der —, von Grünwald 1688,
1761, Zusammenhang der Erkrankungen
der oberen — und der Nieren, von
Baumgarten ..
Lullusbrunnen, Wirkung des, von Wolpe
Lumbago traumatica, von Dohan ....
Lumbalanästhesie, von Oelsner u. Kroner,
91, von Mandel 153, von Albarran
1707, Indikationsstellung zur —, von
Holländer 197, — in der Gynäkologie,
von Göth 358, — mit Novokain in der
Gynäkologie, von Sieber 500, physio¬
logische und anatomische Unterneh¬
mungen zur —, von Klose und Vogt
505, 679, neues Instrumentarium zur
—, von Wittek 763, heutiger Stand
der — und Lokalanästhesie, von Bier
837, experimentelle Erfahrungen über
—, von Rehn 837, Nachwirkungen der
—, von Hosemann 837, 941, — mit
Alypin,von Lüthi 999,trophoneurotische
Erscheinungen nach —, von Mayer
1142, Sterilität der zur — verwendeten
Tropakokain-Suprarenin- und Novo¬
kain • Suprarenintabletten , von Hoff-
mann 1437, physikalisch-physiologische
Grundlagen der —, von Gauss 1561,
Unglücksfälle bei —, von Risch 1654,
— mit Novokain bei gynäkologischen
Operationen, von Gross 1668, Novokain
zur —, von Chaput 1671, Ausbreitungs¬
modus des Anästhetikums bei der —,
von Gauss 1701, Bericht über 600 —,
von Meissner 2068, heutiger Stand
der —.
Lumbalanalgesie, 1100 Fälle von, von
Colombani.
Lumbalflüssigkeit, Cholesteringehalt der,
einiger Geisteskrankheiten, von Pig-
hini..
Lumbalpunktion, diagnostische Bedeutung
der — bei beginnender Paralyse, von
Billström 1610, Technik und Ergebnisse
der —, von Jach 1656, — bei Ver¬
letzungen des Schädels und Gehirns,
von Malatesta 1808, — bei Krämpfen,
von Schiffer .
ungen, Fäulnis der, Neugeborener, von
Rüts 36, Untersuchung der — bei
1034
1197
1607
304
871
1745
2438
1449
1447
1197
Seite ,
Rpi tzentnhftrknlop ftj von Richter 578,|
bronchitischer und postpneumonischer
Obliterationsprozess in der —, von Hart
672, Röntgendiagnostik bei Anfangs¬
tuberkulose der —, von Rieder 1087,
Gitterfaser der —, von Russakoff 1553,
Chirurgie der —, von Lotheissen 1657,
Mittellage der — und ihre Einstellung
bei Atemhindernissen, von Sicbeck
1922, physikalische Diagnostik und
Röntgendiagnostik der —, von Turban
2032, spezifische Tätigkeit der — bei
der respiratorischen Gasaufnahme, von
Bohr 2 497, Lipoide, Zusammensetzung,
Purinc und Enzyme der —, von Sieber
und Dzierzgowski 2497, Emphysem und
Herzhypertrophie nach Exstirpation der
einen —, von Möllgaard. 2498
Lungen- und Pleuraaktinomykose, von
Opokin.356
Lungenalveolen, Epithel der, von Lange 1748
Lungenanlhrakose, intestinale,von Tsunoda 1437
Lungenarterien, Sklerose der, und ihre
Entstehung, von Fischer.2173
Lungenatelektase, von Ungar.1495
Lungonbefund, graphische Darstellung des,
von Pischinger 658, von Liebe . . . 1606
Lungenblähung, Entstehung der, von
Hofbauer. 38
Lungenchirurgie s. a. Schuss Verletzungen.
Lungenchirurgie: Bronchotomie und
Lungenresektion, von Danielsen . . 194
Lungenembolie, Prophylaxe der, bei
Schenkelvenenthrombose, von Müller 881
Lungenemphysem, operiertes, von Gott¬
stein 872, 942, Aetiologie des —, von
Bönniger 1040, physikalische Behand¬
lung des chronischen —, von Pescatore 1856
Lungenerkrankungen, Röntgendiagnose •
seltener, von Otten.687
Lungenerweiterung, verschiedene Arten
von, von Hoppe-Seyler.104
2233 Lungengangrän, von Pfeiffer 365, von Len-
301 hartz 831, diabetische —, von Lenhartz
2128 Lungenherd, Lokalisationsgesetz des ersten
tuberkulösen, von Hart.
Lungenkollapstherapie, von Brauer 818,
1666, 2444, von Saugmann. 2444
Lungenkomplikationen, Aetiologie der post-
operativen, von v. Lichtenberg . . .
^Lungenkranke, Abkürzung der Kurdauer
i bei, von Althoff.
SLungenkrankheiten, Behandlung der,
\ mit der Kuhnsehen Saugmaske, von
Greeff.
Lungennaht wegen schwerer Blutung, von
Lotsch 132, Technik der starken — bei
Verletzungen, von Poenaru-Caplescu 2439
Lungenödem, physikalische Therapie der,
von Kulenkamp.1750
Lungenperkussion, abgestufte, von Gold¬
scheider .990
Lungenphthise, Behandlung der, mittelst
künstlichem Pneumothorax, von Bres-
ciani 2185, Häufigkeit der —, im Zu¬
sammenhang mit Alkoholismus, von
Bertillon.1669
Lungensarkom, primäres, im Kindesalter,
von Lehndorff . . . . •.£233
NJ Lungensaugmaske, Behandlung der
N Lungen tuberkulöse mit der Kuhnschen,
von Vehling 38, Behandlung mit der
Kuhnschen —, von Gudzent 303, Wir¬
kung der Kuhnschen — bei Herzkrank¬
heiten, von Morelli 354, Blut-, Blut¬
druck- und Pulsveränderungen während
des Gebrauchs der Kuhnschen —, von
Tillisch. 2654
Lungenschuss, von Thiomann.1305
Lungenschwimmprobe s. u. Lunge.
% Lungenschwindsucht, vaskuläre Ent-
|\ Btehung der, von Aufrecht 82, hydria-
trische Behandlung der —, von Moeller
734, Behandlung der —, von Erni 985,
Lungen Sequester, von v. Wild.103
^Lungenspitzen, Disposition der, zur tuber-
kulöson Phthise, von Hart 123, Aus¬
dehnungsfähigkeit der gesunden und
2432
2124
2539
N
2499h
476
123
710
355
800
Digitized by
Gck igle
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
LIX
kranken —, von Maragliano 629, nicht*
tuberkulöse Kollapsinduration der —,
von Richter 1035, mechanische Dis¬
position der — zur Erkrankung an
tuberkulöser Phthise, von Koch 1606,
Röntgenuntersuchung der — bei Tu¬
berkulose, von Moses.
\ Longensyphilis, hereditäre, von Pielsticker
''Lungentuberkulose, Kurerfolge, in Heil-
\ ' statten, von Köhler.
'Lungentuberkulose s. a. Phthysoremid.
Lungentuberkulose, von Bäumler 2341,
Altes und Neues über —, von Orth 30,
Bedeutung der Atmungsgrösse für die
Entstehung und Ausdehnung der —,
vonTendeloo 88, physikalische Behand¬
lung der — mittels der Lungensaug¬
maske, von Kuhn 193, Frühdiagnose
der — durchMageninhaltsuntersuchung,
von Hausmann 193, äusseres Symptom
der —, von Teesi Kurashige 355, Rip¬
pensektion bei —, von Lenhartz 476,
pathologische Anatomie der —, von
Gerbis 588, Tod von Lupuspatienten
an —, von Forchhammer 630, Prognose
der klinischen — auf Grund der Wolff-
Eisenschen Konjunktivalreaktion, von
Schuster 670, Tuberkulin bei der Dia¬
gnose der —, von Kinghorn 670, Be¬
handlung der — an der See, von
Köhler 670, frühzeitiges Erkennen der
— mit Röntgenstrahlen, von Rieder
725, Marmoreks Serum und Kochs
Alt-Tuberkulin bei —, von Meissen 738,
subfebrile Temperaturen in der Dia¬
gnostik und Therapie der —, von Eng¬
länder 890, experimentelle, kavernöse
—, von Römer 984, Röntgenunter¬
suchung und klinische Frühdiagnose
der —, von Wolff 993, Turban-
Gcrhardtsche Stadiencintcilung der
—, von Ziegler 1032, Akromial-
symptom bei —, von Kuthy 1139,
Körpergewicht bei —, von Weber und
Kirkness 1140, Verwertung der Komple-
mentbindung bei der Diagnose der —,
von Szaböky 1140, Behandlung der —
mit Blutüberfüllung des Lungenge¬
webes, von Melchior 1298,1340, Hyper¬
ämiebehandlung der — mittels der
Kuhnsehen Lungensaugmaske, von
Hahn 1298, Bedeutung genauer Tem¬
peraturmessungen für die Frühdiagnose
der—, von Meyer 1301, Prophylaxe der
—, von Hart 1340, rektale Anwendung
des Marmorekserum bei —, von Vos
1340, Anatomie, Pathologie u. Röntgen¬
ologie der —, von Cohn 1497, Opsonine
und —, von Wolff und Reiter 1497,
Behandlung der chronischen — mit
intravenösen Injektionen von Fluor¬
natrium, von Gil y Casares 1499, —
und Bauchfelltuberkulose bei intakter
Darmschleimhaut, von Becker 1554,
Bedeutung der Diazorcaktion für die
Prognose der —, von Gwerdor 1606,
Hämoptoe als Frühsymptom der —,
von Müller 1606, palpable Lyrnph-
drüsen in den supraklavikulären Hals-
drcieckcn bei —, von Bauer 1803, Früh¬
diagnose der —, von Frankenberger
1818, Frühzeitige Diagnose der —, von
Blume 1891, Gastritis bei —, von
Permin 1891, neuere Methoden chirur¬
gischer Therapie der —, von Karcwski
1904, Komplikationen der —, von Zick-
graf 1904, Tuberkulinbchandlung der
—, von Pel 1916, Einatmen von Fumi-
formdainpfen bei—, von Floer 1927,Sero¬
therapie der —, von Maragliano 1971,
aktive Ijumiiiiisationstherapio der —,
—, von Rainiek und Kuthy 1972, —im
Greisenalter, von Tauszk 1972, trauma¬
tische -- 2386, Diagnose und Therapie
der beginnenden —, von Sokolowski
2389, klimatische Behandlung der —,
393
1207
V392
*\Lu
N
von Tomor 2891, toxo-nervöse Erschei¬
nungen seitens des Darms bei —, von
Köhler 2582, Symptome, vorwiegend
Frühsymptome der —, von Baumann
2540, Behandlung schwerer einseitiger
— mit künstlichem Pneumothorax,
von v. Muralt.
Lungenveränderungen infolge Staubcin-
atmung, von Bäumler.
Lungenwunden, Behandlung der, von
Baudot .
yLupöse Erkrankungen, Tuberkulinimpfung
und die Ophthalmoreaktion bei —, von
König..
\Lupus, von Wichmann 947, Behandlung
\ des —, von Wichmann 142, — folli¬
cularis disseminatus, von Cohn und
Opificius 631, Actiologie «los — ery¬
thematodes, von Seliger 631, lokale
Tuberkulinreaktion zur Diagnose und
Therapie des —, von Wolff Eissnor 631,
— erythematodes acutus, von Kraus
und Bohac 825, — pernio, von Zieler
825, — erythematodes, von Spicthoff
833, — vulgaris, von Kroibieh 1515,
— aetiologisclie Beziehungen des —
erythematodes zur Tuberkulose, von
Uilmann 1860, Behandlung des — vul¬
garis, von Lang 2177, — und seine Be¬
handlung, von Gottschalk 2335, — ery¬
thematodes mit — vulgaris, von Kyrie
2335, akuter — erythematodes und Tu¬
berkulose, von Polland 2335, neue Ver¬
suche zur Behandlung der —, von Pavr
^upusbehandlung, Resultate des, von
Jacobi .... .
Lupusbekämpfung..
j Lupusfälle, drei, von Werther.
fXLupuskommiesion des Deutschen Zentral-
komite zur Bekämpfung der Tuberkulose
Lustmörder s. a. Perversität.
Luteingehalt des gelben Körpers während
der Gravidität, von Wallart.
Luxation s. a. Totalluxation.
Luxationen, von Vetter von der Lilie 2438,
— cubiti posterior von Schwenk 728,
Verband für die — clavicularis supra-
acromialis, von Hartung 857, trauma¬
tische — centralis femoris, von Hen-
schen 1141, isolierte — des Os navi-
culare tarsi, von Gottstein 1430 — der
Patella, von Finsterer 1435, lokale
Kokainanästhesie bei der Reposition
voon —, von Quönu 1516, — im Lis-
frankgelenk, von Heintze 1561, — des
dritten Halswirbels, von Schmitt 1869,
— genu lateralis durch Geburt in
Beckenendlage, von Offergeld 2124,
— dos Metatarsus, von Quenu und
Kiiss 2179, — mediotarsea completa,
von Madelung 2490, Operationen bei
habitueller — der Kniescheibe, von
Hübscher 2491, kongenitale habituelle
— der Patella, von Hoffmann 2541,
Aneurysma der Art. axillaris nach —
humeri, von Iloffmann 2541, — des
Capitulum radii, von Lohmüller . . .
Luxationsbecken, von Henrich.
Luxationsfraktur, typische interkarpale,
von Fischer. ....
Lymphangiom, von Strauss 1569, von
Schramm und Dolinski.
Lymphangioem lothelioraa ovarii, von Kubo
Lymphatismus und Skrophulose, von Moro
N Lymphdrtisen, Gehalt käsig-kreidiger, an
TuJoerkelbazillen, von Weiss443, Gitter¬
fasergerüst der —, von Rössle und
Yoshida 984, Vermehrung erkrankter
—, von Hammerschlag 2122, durch
Bakterienresorption infizierte —, von
Nötzel.
Lymphfollikel im kindlichen Knochon-
mark, von Oehme.
Lymphozyten, fettspaltendes Ferment in
den, von Borgel 84, — in den erston
Stadion der Entzündung, von Fischer
2581
536
1556
,631
^490
; 536
i 591
t 420
‘*431
1142
2542
2069
414
2233
2121
259
2127
1553
Seite
Lymphsystem, Krankheiten des, in den
Tropen, von Daniels.732
Lymphzyste, von Becker .1764
Lysolvergiftung, von Müller 47, von Be-
rendes 48, geheilte akute —, von
Eiselt 1343, akute — durch Uterus¬
spülung, von Birnbaum ....... 2387
Lyssa, von Kypke-Burchardi 1391, Gang-
lienzellenveränderangen bei —. von
Koch.827
M.
Maculae coeruleae, von Tifeche 675, von
Oppenheim 2336, von Delbanco . . 2395
Madelungsche Deformität, von Ewald . . 2023
Madurafuss. 2034
Mäusekarzinom, Einfluss von Alkalien
auf das, von Werner.819
Mäusenagana, Pathologie und Therapie
der, von Löwenstein. 2278
Mäusetumoren, transplantierte, von Murray 1749
Mäusetyphusbazillen, durch, hervorgeru¬
fene Krankheitsfälle, von FleiBclianderl
382, von Raebiger . . . 2272
Magen s. a. Säuglingsmagen.
Magen, Oporations- und Dauererfolge bei
multipler Geschwulstbildung des, von
Goldschwend 88, Entfernung des mitt¬
leren Abschnittes vom — wegen Ge¬
schwür, von Riedel 197, Röntgenunter¬
suchungen über Form und Lage des
—, von Hillcr 209, Entfaltung des —,
von Braeuning 277, Strauss-Levasche
Motilitäteprüfung des — mittels des
Fettzwdebackfrühstücks, von Schenk
und Tecklenburg 338, Sehwellenwert-
perkussion des —, von v. Koränvi 354,
radiologiscliea Verhalten des anastomo-
sierten —, von Jonas 465. totale und
subtotale Abtragung des —, von De-
lagöniere 468, peristolische Funktion
des — im Röntgenbild, von Groedel
587, medikamentöse Therapie der Hy¬
peraziditätszustände (los —, von Rodari
627, traumatische Erkrankungen des —,
von Langbehn 675, nervöse Sekretions¬
störungen des —, von Bickel 689, Pa¬
thologie des —, von Schmie« len 879,
Lage deB — im Stellen und Liegen,
von Hiller 1086, medikamentöse The¬
rapie der Hyperaziditätszustände des
—, von Rodari 1096, der bilokuläre
— und seine chirurgische Behandlung,
von Veyrassat 1145, syphilitische Er¬
krankungen des — und der Leber, von
Rudnitzki 1249, Beurteilung der Hyper¬
sekretion und Hyperazidität des —,
—, von Forschbach 1388, Tonus der
glatten Muskulatur und Kapazität des —,
von Müller und Saxl 1515, Bakterio¬
logie des —, von Hirschberg und Lief-
mann 1608, Sarkom des —, von Zieschä
und Davidsohn 1803, Diagnostik von
Lage- und Formveränderungen der —
mittels des Röntgenverfahrens, von
Schlesinger und Holst 1908, idiopathi¬
sche Atonio des —, von Graul 1819,
chirurgische Eingriffe am —, vonOppler
2035, motorische Funktion (los —, von
Roe«ler. 2492
Magonalloktionen, chirurgische Behand¬
lung gutartiger, von Busch.1905
Magciumastoiiiosen, Instrument zur An¬
legung von, und Darmanastomosen, von
Frank.. . 1438
Magenarterien, Sklerose der, von Bmlay
575, Atliejoskleiose der —, von Ham
bürger . ..1903
Magenatonie, diätetische Versuche bei
von Gr«»nberg. 2230
Magenausspiilen, Technik ' und Indika¬
tionen «les, Von Agc'ron. 888
Ma:/cn!»rwoming bei der Entleerung, von
Kästle . . T.\ . . 1096
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Gck igle
Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Magenblutung, tödliche, bei Trauma und
Magengeschwür, von Mayor 37, Be¬
handlung von — mit Escalin, von Stein¬
berg 931, operative Behandlung akuter,
lebensgefährlicher —, von Finsterer . 2073
Msigenchcmisrnus, Veränderung des, nach
Gastroenterostomie, von Schönheim . 802
Magenchirurgie, von Stumpf 33, von Taylor 1754
Magendariublutungcn, postoperative, von
Sch walback. 90
Magendarmdyspepsion, chron., von Schütz 2087
Magen- und DarmdingnoBtik, fraktionelle,
von Brugseh. 2346
Magendarmkanal, traumatische Rupturen
des, von Schwarz 89, subkutane Per¬
forationen des —, von Dege 1609,
stereoskopisch aufgenommene Krank¬
heiten des —, von Grunmach ... 2239
Magen- und Darmkrankheiten, Vorlesungen
über, von Crämer.250
Magendarmoperationen, Doppelquetseh-
zange für, von Karewski.357
Magendarmprobe, von Ungar 1967, Wert
der —, von Hobohm.1390
Magen- und Darm Untersuchungen, von
Ewald und Cohn.733
Magendiagnostik, moderne, von Witte . 2494
Magendilatation, akute postoperative, von
Axhausen .304
Magendrüsen, sekretorische Funktion der,
von Di Cristina.2122
Magenentzündung, akute interstitielle, von
Münter.672
Magenerkrankungen, Dauererfolge in der
operativen Behandlung der gutartigen,
von Mayer 621, operativ behandelte —,
von Kindl 1551, operat. —, von Rondorf 2542
Magenfistelanlegnng mit Schrägkanalbil¬
dung, von Witzei. 2489
Magenfunktionen, neue Methode zur Be¬
stimmung der, von Unterberg . . . .2134
Magengeräusche, von Latz 372, Pathologie
der —, von Frankl.1091
Magengeschwür s. a. Magenulcus, Ulcus.
Magengeschwüre, experimentelle Erzeu¬
gung von, von Fütterer 30, Diagnose
des perforierten —, von Cox 41, chirur¬
gische Behandlung des —, von Ito u.
Soyesima 251, von Port 1569, cliirur-
gische Behandlung des — und Duo¬
denalgeschwürs, von Halstead 256, chi¬
rurgische Behandlung des — und seiner
Komplikationen, von Mamoch 1970,
operative Behandlung chronischer —,
von Schmilinsky 2345, Behandlung des
— mit Exzision und Resektion, von
Payr 941, Behandlung des —, von
Lenhartz 989, von v. Leube 1250, von
Mayerle 2175, Behandlung des perfo¬
rierten -, von Dowden 1252, Behand¬
lung und Diagnose der chronischen
— u. Duodenalgeschwüre, von Thom¬
son 1703, Behandlung des — mit so¬
fortiger Ernährung, von Spriggs 1969,
Behandlung der perforierten Magen-
lind Darmgeschwüre, von Corner und
Bristow 2027, Behandlung des runden \
—, von Bourget 2087, chronisches — '
im Kindesalter, von Parmentier und
Lasnier 483, — und digestiver Magen¬
saftfluss, von Grandauer 1296, Rest¬
probe in der Diagnostik von — und
Magenkatarrh, von Grandauer 1702,
Aufsuchung des durch gebrochenen —,
von Ewald 2120. traumatische Ent¬
stehung von — 2386, Pathogenese des
runden —, von Littliauer 2388, Netz¬
plastik bei perforiertem — und Duo¬
denalgeschwür, von Neumann 2490,
Diagnose des chronischen — und
Duodenalgeschwürs, von Drummond
und Morris 2599, pathologische Physi¬
ologie des —, von Koettlitz 2655, chirur¬
gische Eingriffe am — vom Standpunkt
des Internen, von Oppler 2657, Tiefstand
und Atonie des —, von v. Noorden . 2668
Mageninhalt, hilmolitisch wirkende Sub-
H.'anzen im, von Grafe und Röhmer
32, Restbestimraung des — nach Ma-
thieu-R4mond, von Schüle 465, peptid¬
spaltendes Forment im karzinomatösen
—, von Neubauer und Fischer . . .
Mageninhaltsbefunde bei akutem Magen¬
katarrh, von Schütz.
Magenkolonrosektion, von Enderlen . .
Magenkarzinom, von Kreuter 2660, Diag¬
nose des —, von Grafe und Röhmer
32, Chirurgie des —, von Creite 142,
operative Behandlung des —, von
Kuttner 3 l >0, Diagnose des — auf Grund
der zytologischen Untersuchungen des
Spülwassers, von Marini 1389, Wert der
Salomonschen Probe für die Früh¬
diagnose des —, von Goodman 2277,
Frühdiagnose des von Morawitz .
Magenkrankheiten, Menstruation und, von
Plönies 465, Röntgenuntersuchung chi¬
rurgischer —, von Schmieden u. Härtel
930, Behandlung von —, von Rosen¬
feld 989, Beziehungen der — zu Herz¬
störungen, von Plönies 1151, Salo-
monsche Probe und Grafe-Röhmersche
Hämolysinmethode bei —, von Rose
1247, periodische —, von Büttner 2176,
Behandlung von — mit Alumininmsili-
katen, von Rosenheim u. Ehrmann 2446,
Magenkrebs, biologische Untersuchungen
über den, von Livierato 931, Opera¬
bilität der —, von Brauer 1656, früh¬
zeitige Diagnose des —, von White
1969, Frühdiagnose und Behandlung
des —, von Moynihau 1969, operierte
—, von Kelling.
Magen-Leberkrebs i. Kindesalt., von Güttie
Magenleidcn, Zusammenhang von und
Frauenleiden, von Lcwison 1296, chi¬
rurgische Therapie bei —, von Kocher
Magenmotilität, Pharmakologie der, von
von den Velden.
Magenoperationen,Schädigungen desDarms
bei, von Hoffmann.
Magenperforation, von Schoemaker . . .
Magenresektion, von Krüger 1305, ausge¬
dehnte —, von Rasumowsky ....
Magensaft während der Menstruation, von
Wolpo 38, hämolytische Eigenschaften
des karzinomatösen —, von Kunz 1252,
Bestimmung des Pepsingehaltes im —,
von Fubini 1556, Einwirkung des —
auf Frauen- und Kuhmilch, von Lempp
und Langstein.
Magensaftfluss, von Engel 1609, Bedeutung
des —für den Chirurgen, von Aiischütz
528, der intermittierende —, von Allard
1388, — der Gewohnheitsraucher, von
Skalier.
Magensaftsekretion, von Sommerfeld 574,
— beim Säugling, von Engel 574, Ein¬
fluss einer Hungerperiode auf die —,
von Rütimeyer.
Magenschleimabsonderung, Pathologie der,
von v. Aldor 1034, von Schütz . . .
Magonschuss, 4 Fälle von, von Tictze .
Magensekretion, nach Zufuhren von Salz¬
lösungen in den Darm, von v. Benczur
Magensonde, neue, von Gomoiu ....
^Magentuberkulose, von Holzmann . . .
Magentumor,interessanter, von Wynhausen
und Tjeenk-Willink.
Magenulcus, sekundäre Parotitis, bei der
Hungerbehandlung des, von Rolleston
und Oliver.
Magen Verdauung der Frauen- und Esels¬
milch, von Gau eher 1106, — der Fette,
von Grossman und Jianu 1393, Physio¬
logie und Pathologie der —, von Cohn¬
heim und Dreyfus 1604, Bedeutung
der Mundaufnahme des Futters für
die —, von London und Pewsner 1604,
Bedeutung des Blutes für die —, von
Dobrowolskaia.
Magenvolvulus bei Sanduhrmagen, von
Hermes.
Magonwand, eingekapselte benigne Tu¬
moren in der, von Spencer 2347, Fi¬
brom der vorderen —, von P&rez . .
Magnesium, Physiologie und Pharmako¬
logie dos, und Kalziums, von Meitzer
Digitized fr,
Gougle
Magnesiumsulfat, Einfluss des, auf die
Verdauungsbewegungen, von Padtberg 2497
2649 Magnetismus, von Geyer. 36
Makrobioso ..1032
361 Makrocheilie, von Wolf.412
995 Mahichitgrünnährböden, von Schindler . 1389
Malakoplakia vesicae, von Berg 936, —
vesicae urinariae, von Betke 1619, von
Berg .1619
Malaria s. a. Maltafieber, Mittelmeerfieber.
Malaria, internationales Archiv 159, Studien
über —, 6. Campagne in Algier, von
Kd. und Et. Sergent 469, Tertianarezidiv
nach — tropica, von Hoffmann 672,
Nachbehandlung und Prophylaxe der
2661 — mit kleinen Chinindosen, von Kuhn
828, Diagnose der latenten —, von
Plehn 1733, Beziehungen der — zu
den anderen Infektionskrankheiten,
von Doxiades 2079, Myelitis transversa
nach —, von Doxiades 2079, Mittel
zur Bekämpfung der —, von Irimescu
2438, italienische Nationalliga gegen
die —. 2601
Malariabekämpfung in Wilhelmshaven,
von Mühlens 828, 2650, Organisation
2667 der — beim Kanalbau von Panama, von
Gorgas . . . 2236
Malariaepidemie des J., 1907 von Mühlens 2650
Malariaerkrankungen, Chinin bei, in der
Schwangerschaft, von Grande .... 1093
Malleolenfrakturen, von Meissner . . . 1140
Mal perforant, günstige Beeinflussung der,
2446 du pied durch Paraffininjektionen, von
877 Gütig 2233, Entstehung des — du pied,
von Levy. 2594
Malta, sanitäre Massnahmen in, von
2435 Crawford .1980
Maltafieber, Mikrokokkus des, von Pollaci
1667 und Cannata 629, Verschleppung des —,
von Malta nach Sizilien, von Chimera
881 1808, Serumreaktion zur retrospektiven
819 Diagnose — oder simple continued
fever, von Mc Naught 2236, Resistenz
856 der roten Blutkörperchen bei —, von
Tomaselli 2282, Mischinfektion mit
Typhus und —, von Dreyer 2482, — in
Frankreich, von Wurtz . 2669
Malum Pottii, Röntgendiagnostik der
Lungendrüsentuberkulose bei, von
Matsuoka.142
2652 Mammagcsehwmlste, Pathol. der, von Kura 1804
Mammakarzinom, Rezidiv eines, von
Enderlen 950, primäres doppelseitiges
—, von Ehrlich 1492, chirurgische Be¬
handlung des —, von Jonnescu 534,
2397 operat Dauerheilung des—, von Höring 621
Mandeln, bösartige Geschwülste der, von
Küttner.582
Magantoxikosen, von Friedol.681
771 Marienbad, ärztliches Erholungsheim in
1215, Verein zur Errichtung eines ärzt*
1437 lieben Erholungsheimes in — ... . 1575
633 Markscheidenbildung des Fötus, von
Flechsig.887
968 Marcktschreyerey.1110
533 Marmorekseruin s. a. Antitubcrkulose-
207 serum, Tuborkulosetherapie.
Marmoreksches Serum, von Kroner 927,
1249 Erfahrungen mit —, von Kaufmann
300, weitere Beobachtungen über —,
von Pfeiffer und Trunk 464, rektale
2027. Anwendung des —, von Vos . . ..1810
' . Mannorek-Tuherkulo8cheilserum, Heilwort l
\ des, von Szurek ..«2283
Masern, Hydriatrik bei, von Sadger 95,
bakteriologische Untersuchungen an
—, von Pacchioni und Francioni 196,
Prognose der mit Scharlach kompli¬
zierten —, von Gouget 1053, — und
Rotlicht, vonSimionescu 1144, bakterio-
1604 logische Untersuchungen bei —, von
Lorey 1389, Verwendung von Serum
90 bei der Laryngitis hei —, von Warden
1971, Frühdiagnose der —, von Hecker
2102, Kopliksches Zeichen bei—, von
2181 Jakobson und Baltaceanu. 2439
| Masernexanthem,Hypothese zur Erklärung
2438 des, von Sittlor. 2705
Original frorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
LXI
Müsko für die Allgemeinnarkose, vuu
Thomson.
Massage, le, plastique dana les dermatosea
de la face, von Leroy 1549, Physiologie
der —, von Rosenthal ......
Masscnblutungen, renale, von Bleek . .
Massenerkran&ungen im Rudolf-Virchow-
Krankenhaus o9l, — in der Irren¬
anstalt Hamburg-Friedrichsberg . . .
Maatdarm, Ausreissung des, bei Becken¬
frakturen, von Harras».
Mastdarmkrebse, von Zinner 2650, sakral
operierte —, von v. Herczel ....
Mastdarmstenoaen, Aetiologie und Behand¬
lung der entzündlichen, von Gaudiani
MastdarmVorfall, Behandlung des, mittels
Beckenbodenplastik, von Poppert 1560,
2490, — bei Kindern, von Göbel . .
Mastitis, Behandlung der puerperalen, mit
Saugapparaten, von Jager.
Mastodynie, von Samuel ..
Masturbation beim Weibe infolge von
Pruritus genitalium, von Scheuer . .
Maul- und Klauenseuche, Serotherapie,
.Seroprophylaxe und Impfung bei, von
Locftler.
Mayo, Besuch beiden Brüdern, in Rochestor
Meckelaches Divertikel, perforiertes, von
Läwen 478, offenes —, von Kohlmeyer
Medocino opöratoire des voies urinahes,
von Albarran.
Mediastinaltumor, von v. Jakscli 482, von
Fischer 1154, von v. Stubenrauch 1868,
von Ceccherelli.
Mediastinalemphysem, Bedeutung des, in
der Pathologie des Spannungspneumo¬
thorax, von Sauerbruch.
Mediastino-Perikarditia, adhäsive, von
Königer.
Mediastinum, Röntgenatlas der Anatomie
des, von Hoffmann.
Medinal (Schering) von Ebstein 116, — in
der psychiatrischen Praxis, von Prato
791, therapeutische Erfahrungen mit
— und der homologen Dipropylver-
hindung, von Steinitz 2106, therapeu¬
tische Bedeutung des —, von Likudi
Medizin, Seminar für soziale, 317, 2400,
Dankesschuld der englischen — an
Deutschland 364, Grundriss der gericht¬
lichen —, von Gottschalk 869, — der
Assyrer und Aegypter um 1500 v. Chr.,
von Compie 1251, Vorlesungen über Ge¬
schichte der —, von Schwalbe 1291, Aus¬
sichten des Studiums der — in England
1921, welcho Mittelschul Vorbildung ist
für das Studium der — wünschens¬
wert? 2454, Wesen und Wertschätzung
der — zu allen Zeiten, von Gräber .
Medizinalabteilung, Abtrennung der, vom
preuss. Kultusministerium.
Mcdizinalbeamten, Gesetzentwurf betr. die
Gebühren der, in Preussen 429, Ge¬
bühren der — in Preussen . . . 591,
Medizinaletat, Preussischer.
Medizinalpersonen in Elsass-Lothringen .
Medizinalstatistische Nachrichten . . . .
Medizinaluntersuchungsamt, Tätigkeit des,
in Koblenz, von Hilgormann . . .
Medizinal wesen, Etat des preussischen .
Mediziner, arme 2556, Billroths Ansichten
über arme —.
Medizinstudium, Warnung vor dem . . .
Modulla oblongata, Effekte der örtlichen
Applikation von MgSCh und MgCla
auf die, von Auer und Meitzer
Medullaranästhcsie, von Tomaschowski 38,
Erfolge der —, speziell bei Laparotomien,
von Zahradnicky . . •.
McorsehweinohentuberkuloHC, experimen-
' tolle, von Römer und Joseph 1496,
chronische —, von Schröder . . . .
Meetings in Philadelphia und Atlantic City
Megacolon congenitum, von v. Starck . .
Megalophthalmiis, Uydrophtbalmus, Buph-
thalnms und Keratoglobus, von Franko
Megalosplenie, rachitische, von Aschen¬
hain und Benjamin.
1701
2230
820
2560
2330
414
410
2035
Seite
MelilslaubexploHionon. 2391
Mekonium, Immunisierung mit, von Sohma
und Wilenko.. . 2603
Melaona neonatorum, von v. Rundstedt . 782
Melanodermie, retikuläre, von Vignolo-Lu-
tati 631, — phthiriatica, von Vignolo-
Lutati. 2336
Melanosarkom des Nascninncrn, von Schü¬
mann 479, — der Ohrenmuschcl, von
Schümann. 479
Melanosis maculosa dos Endocards und
der grossen Arterien, von Schnackers 2279
Meligrin.410
Menarche und Menopause bei Jüdinnen
und Russinnen, von Weissenberg . . 671
Mendel-Denkmal.431
Menephta, Arterienpräparat, von König,
von Shattock.787
Menifcrescher Symptomenkomplex, neue
822V Bebandlungsweise des, von Herzer . . 1023
1609 \ Meningitis, von Kümmell 1259, Histo-1
< Pathologie der_tuberkulösen —, von |
Gehry 35, Diagnose der — carcinoma-
tosa, von Stadclmann 38, psychische
Störungen bei —, von Redlich 94, —
bei Kindern, von Marsh und Williams
212, — scrosa acuta, von Axhausen 360,
Serumbehandlung der —, von Currie
und Mac Gregor 417, Behandlung der
— cerebrospinalis suppurativa, von
Netter 483, Pathologie der sog. zirkum¬
skripten otogenen —, vonEngelhard 531,
Häufigkeit der — bei Pneumonie, von
Liebermeister 750, Lumbalpunktion und
Serumtherapie in der Behandlung der
—, von Sierra 824, geheilte — nach
Ohreiterung, von Panse 1662, — cere-
bralis, von Vaillard 1669* septikftmische
— cerebrospinalis, von Cohen 2180,
chronische — und Trauma, von Sanz
2181, Bakteriologie und spezifische
Therapie der — ceresbropin. epidemica,
von Mayer 612, Veränderungen der
nervösen Elemente am Rückenmark
bei — cerebrospin. epidem., von Lieber¬
meister und Lebsanft 814, mit Anti-
meningokokkenserum behandelte —
cerebrospinalis, von Netter 1212, 1213,
von Netter und Debrö 1212, Diagnose
der — cerebrospinalis mittels Präzipito-
reaktion, von Vincent und Beilot 1261,
Histologie des Rückenmarks bei —
cerebrospinalis epidemica, von Lebsanft
16'1, Präzipitinreaktion bei — cerebros¬
pinalis, von Louis 1716, Antimeningo¬
kokken - Serumtherapie bei — cerebros-
brospinalis, von Dopter 1923, Prophy¬
laxe der — cerebrospinalis durch Des¬
infektion der NaBenschleimhaut, von
Vincent und Bellot 1923, bakteriolo¬
gischer Befund bei — cerebrospinalis
und seine gerichtsärztliche Bedeutung,
von Hascbe-Klündor. 2493
Meningokokkämie, von Netter.1870
Meningokokken und meningokokkenähn¬
liche Bakterien, von Friese und Müller 628
Meningokokkenseram, von Kraus und
Baecher. 1904, 2549
Meningomyelitis, von Mendel. 2652
Meningozele, geplatzte, sacralis, von Göp-
pert 466, — und Rückenmarksprolaps,
von Francini 629, psammomähnliche
Bildungen in der Wand einer —, von
Prym 2122, multiple—bei Hypertrophia
cerebri, von Erich. 2279
Mensan als Iiämostyptikum, von Boruttau
und Davidsohn . . . . 2478
Menschenauge, embryonale Anatomie und
Entwicklung des, von Lange.31
Menschenknochen, Unterscheidung von,
und Tierknochen, von Wada .... 1390
2446 VMensohentuborkulose,Verhältnis zwischen 1
24*6 \ der, und Rindertuberkulose, von Smith ] 255
1051 Menstruation, von Bell und Hick 1703,
— während des Stillens, von Sundin
464, Alter der ersten — in Italien, von
Rossi Doria 1293, Beginn der — bei
den Japanerinnen, von Yamasaki 2024,
1276
2596
2427
2658
770
2190
411
1506
2431
2390
2488
1767
638
951
997
1671
193
261
2556
2038
. 2539
1247
2344
2649
Seit«
vikariierende — in Form von Lippen¬
blutungen, von Hauptmann. 2114
Menstruationspulver, Warnung vor den . 2295
Meran, chemisch - bakteriologisches Labo¬
ratorium in.1159
Mercochinol.1032
Mergal, von Nagelschmidt 630, von Grün¬
feld 630, — in der Privatpraxis, von
Wiclierkiewicz 1555, — in der Augen¬
heilkunde, von Hand 1555, Syphilis-
bchandlung mit —, von Zcchmcister
1574, von Polland 1574, von Rosen-
hauch ..1574
Mergandol. 1031
Merkblätter der Deutschen Gesellschaft
zur Bekämpfung der Geschlechtskrank¬
heiten ..1671
Mesenterialblutgefässe,experimentelle Ver-
schliessung der, von Bolognesi . . . 6251
Mesentcrialvenen, Thrombose der, von
Sch red 1.1200
Mescntcrialbildung, normale, von Kon-
jotzny ..1194
Mesenterium, Zcrroissung des, bei Lum¬
bago traumatica, von Do Busscher und
Sehönfeld 307, Entwicklungshemmung
«los —, von Sauerbeck.1701
Messapparat für Neugeborene, von Chol-
mogoroff.1341
Messina, s. a. Eidlichen, Italia, Sammlung.
Messina, Folgen des Erdbebens von, von
Galli . . 1347
Metalle, Studium der kolloiden, von Bous¬
quet und Roger.1145
Metatarsalsehmerz, Behandlung des, von
v. Baeyer. 2002
Meteorismus, toxischer, bei Infektions¬
krankheiten, von Krönig und Klop-
stock. 1854
Methyladrenalin.1031
Mothylhydrastimid, von Falk.2187
Metreurvse.955
Motritis, chronische, von Hucter .... 2121
Metropathia haemorrhagica, von Pankow 2595
Metrophlebitis, Pathologie und Therapie
der, von Latzko.1444
Metschnikoff Elias, von Gruber .... 281
Mikroben, Schicksal einiger pathogener,
bei ihrem Eindringen in den Tier¬
organismus, von Pawlowsky .... 1295
Micrococcus endocarditidis rugatus Weich
Beibaum im Blute bei Kindbettfieber,
von van de Velde 1091, Stoffwechsel des
— pyogenes aureus, von Riemer 2070,
— neoformans, von Doyen. 2075
Migräne, vorübergehende Hemiplegien bei,
von Renner 11 m 8, chronische Chorea
nach —, von Schabad 1250, — und
Schmerzdämmerzustände, von Hauber
1252, genuine und symptomatische —,
von Schüller 15.>5, Aetiologie, Patho¬
genese und Therapie der —, von
Jacquet und Jourdanet.2178
Mikrofilarien, Morphologie der, von Roden-
waldt.732
Mikrogyrie und Balkenmangel, von Grosz 772
Mikrophthalmia bilateralis congenita, von
v. Lenowa v. Lange. 35
Mikrophthalmus und Anophthalmus con-
genitus, von Becker ....... . 883
Mikroorganismen, krankheitserregende,
des Schweinerotlaufs, des Eryßipeloides
und der Mäusepest, von Rosenbach
1748, Beobachtung von Wachstums¬
vorgängen bei —, von Burri. 2394
Mikroskopische Präparate, Apparat zur
selbsttätigen Fixierung und Einbettung
von, von Arndt . . . . .2226
Mikrosphygmie, von Riebet und Saint-
Girons.. . .1146
v. Mikulicz, von Küttner . . ..1702
Mikulicz-Denkmal in Breslau .1573
Mikuliezseho Krankheit, von Tollens 104,
von Howard 1093, von Middeldorpf
1860, von Harmel 2026
Milch s. a. Frauenmilch, Kuhmilch, Magen¬
verdauung, Morgenmilch, Spezialmilch,
Muttermilch.
Digitized by
Gck igle
Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
lxji
INHALTS-VERZEICHNIS.
1900.
\
Milch, Gewinnung tuberkelbazillenfreier,
^ von Eber 584, partiell abgerahmte
—, von Hess 1295, Tuberkelbazillen¬
gehalt der — tuberkulöser Kühe, von
Tinschert 2072, Biologie der —, von
Bauer .
Milchalbumin, von Bergeil.
Milchgerinnung, von Bräuler.
Milchkügelchen, Hüllen der, von Abder¬
halden und Völtz.
Milchkur s. a. Karellkur.
Milchkur, Karelische und Moritzschc —,
von v. Ilueber ... .
Milchmolke, durch kolloidale Ausflockung
gewonnene, von Grosser.
Milchpumpe, neue, von Jaschke . . . .
Milchpumpenverbesserung, von Kaupe .
Milchsäure, Bedeutung der, für die Geburts¬
hilfe, von Becker 1189, — und Säug¬
lingstoffwechsel, von Klotz.
Milchsäurefermente, Bedeutung einiger,
für die Darmtherapie, von Ilall und
Smith.. .
Milchsekretion, vorzeitige, von Itoig-lta-
ventös 1499, Physiologie der —, von
Gramer.
Milchsterilisierungsfrage, von Liefmann .
Milch treibende Mittel, von Femändcz . .
Milchuntersuchung in Berlin.
Milchverderbnis, von Petruschky ....
Milchwirtschaft und Typhusinfektion, von
Neumann.
Milchwissenschaft, Sammelreferat über,
und Molkereipraxis, von Raudnitz . .
Milchzucker, Wert des, für die Ernährung
des Säuglings, von Weigert.
Milchzuckerausscheidung, von Leopold
und v. Reuss. . . .
\Miliartuberkulose, von Goldschmitt 43,
Verhalten der Haut bei —, von Geipel
1154, — im Wochenbett, von Rose
Militärärzte, österreichische 5b0, Erziehung
der —, von James. ,
Militärärztliche Untersuchungen, Verwer¬
tung von •.
Militärdienst-Halbjahr der Mediziner
Militärdiensttauglichkeit s. u. Wehrfähig¬
keit, Wehrpflichtige.
Militärdiensttauglichkeit, von Grassl 2486,
— der Einjährig-Freiwilligen, von
v. Bestelmeyer 2400, — der zum
einjährig-freiwilligen Dienst berech¬
tigten Wehrpflichtigen Deutschlands,
von v. Vogl.
Militärsanitätsw’esen, Geschichte des, von
Schuster 250, Referat über — . .876,
Milz, Erhaltung der, bei Verletzungen und
Erkrankungen, von Danielsen 194, —»
als Schutzorgan gegen tuberkulöse Inj
fektion, von Schröder .(
Milzbrand, Serumbehandlung des, beim
Menschen, von Läwen.
Milzbrandbazillus, Wirkungsweise der
Meerschweinchen-undHuhnleukozyten
auf den, von Tsuda # .
Milzchirurgie, von Kümmell.
Milzpräparate, von Gebele.
Milzrupturen, subkutane, von Hoff mann
1858, operativ geheilte—, von v. Stuben-
ranch 1H67, durch Laparotomie geheilte
traumatische —, von Lilienfeld . . .
Milzsaft, Wirkung der intravenösen In¬
jektion des frischausgepressten, von
Livierato .
Milztransplantationen, von Ltidke 1469,
1514, — und deren Folgen für das
Blutleben, von Ltidke..
Milztuberkulose, von Strehl 529, primära
— und ihre chirurgische Behandlung,!
von Permin.J
Milz- und Lebervergrösserung, familiäre,
von Plehn.
Milzzysten, Genese der multiplen, von
Wohlwill.
Minenarbeiter, Seltenheit der Tuberkulose
bei den, von Caryophyllis.
Minenunfälle, von Robertson.
Mineralmoorbäder, Wirkung der, auf den
Zirkulationsapparat, von Kisch ....
^eite
$185
624
1104
1604
2232
728
929
343
2122
1704
1621
576
2181
472
1199
1551
2024
1198
294
1949
1980
788
1407
N
2939
1501
1340
251
2652
2344
1817
1974
628
1150
2283
2178
2122
2032
1704
1856
Seite
Mineralsalze, Bedeutung der, bei <,len Er¬
nährungsstörungen des Säuglings . . 2181
Mineralstoffe, Wirkung der, auf die Drü¬
sen des Verdauungsapparates, von
Bickel .894
MineralstoffWechsel, von Magnus Levy
892, Regulierung des —, von Diesing 894
Mineralwasser s. a. Krodobrunnen, Lullus-
brunnen.
Mineralwässer, Einfluss der, auf die Darm¬
tätigkeit, von Kionka.734
Mineralwasserkur, physiologisch dosierte,
als Uebungstherapie des Darmes, von
Rheinboldt .1388
Misehtuberkulio, von Rothschild .... 1198
Missbildung s. a. Defekt.
Missbildung, von Hilgenreiner 482, von
Strohe 1976, — der oberen Extremität,
von Cohn 90, seltene —, von Emin
und Relik 142, — von Extremitäten,
von Slingenberg 465, — der weiblichen
Sexualorgane, von Müller 529, — am
hinteren Körperende, von Keith 672,
Morphologie der —, von Schw r albe . . 2229
Missgeburten, herzlose, von Krüger . . . 367
Mission, deutsches Institut für ärztliche,
in Tübingen 1575, von Olpp .... 827
Missionare, Kursus für. 2351
Mistelsky, Verurteilung des Kurpfuscher 158
Mitagglutination für Typhus bei Infektion
Bac. enteritidis Gärtner, von Rimpau 1943
Mitralfehler, Lähmung des linken Vor¬
hofes bei, von Joachim. 38
Mitralinsuffizienz, alternierende,von Hering 595
Mitralklappenfehler, patologischc-anatomi-
sche Diagnose der, von Schobert . . . 1488
Mittelmeerfieber bei den algerischen
Ziegen, von Sergent, Gillot und Lemaire
468, Studien über das —, von Sergent
468, von Sergent und Bories .... 468
Mittelohr, Weizenkorn im, von v. Wild . 103
Mittelohreiterung, Uebergangsstelle des
Infektionsprozesses bei —, von Wanner
579, Radikaloperation der — in kos¬
metischer Hinsicht, von Heermann
1479, Bedeutung und Behandlung der
Ohrtrompete bei chron. —, von Urban-
tschitsch. 2451
Mittelohrentzündung mit Mastitis und
Sinusthrombose, voir Voss.1862
I''Mittelohrtuberkulose, Pathogenese der,
von Görke.578
Mittelschüler, unsere, zu Hause, von Dorn¬
berger und Grassmann.571
Mittel standskrankenzimmer.472
Moboro, von zur Verth.200
Mohrrübensuppe, Behandlung der Cholera
infantum mit, von Beck.1495
Momburgscher Taillenschlauch, von Neu¬
haus .1090
Monatschrift s. a. Teil IV Joumalliteratur.
Monatschrift für die Physikalisch-diäteti¬
schen Heilmethoden in der ärztlichen
Praxis.. . 55
Mongolenfleck, von v. Mettenheimer . . 810
Mongolismus, anatomische Studien über
den, von Hellmann 1341, Zentralnerven¬
system bei —, von Biach .... . 1806
Monographien, anatomische und entwdek-
lungsgeschichtliche.2143
Mononeuritiden, infektiöse, von Schlippe 1553
Moor, Perleberger, von Scholz .... 1856
Moorumschläge, Behandlung der Adnex¬
erkrankungen und Beckenexsudate mit
heissen, von Cukor.1607
Morbicid.304
Morbus caeruleus, von Theodor .... 2436
Morgenmilch, Verwendung der, für Säug¬
linge, von Berger.• . . . .1125
Morphin, stopfende Wirkung des, von
Magnus 1605, Wirkung des — anf die
Flcischverdauung, von Zünz 2655, Ge¬
wöhnung an —, von Rübsamen . . . 2712
Morphinismus, von Fürer 1254, Behand¬
lung des chronischen —, von Gamgee
96, Entziehungskuren bei — mittels
Skopolamin-Dionin, von Schlesinger 1614
Morphiumvergiftung, akute, von Hirsch¬
berg .1702
Seite
Mortalität in Deutschland in jeder Nummer,
— in München in jeder Nummer.
Moulagen des Nasenrachenraumes, von
Mann.1446
Muchsche Reaktion s. u. Blut, Geistes¬
kranke, Hemmungsreaktion, Kobragift¬
hämolyse, Psyclioreaktion.
Müller Wilhelm f, von Fürbringer . . . 1850
Müllersche Gänge, Hemmungsbildungen
der —, von Holzbach 1858, rudimen¬
täre Entwicklung der —, von Büttner 1858
Münster, med. Fakultät in . . . • . . .1111
Mumien, Gehalt der Muskelsubstanz von,
an Monoaminsäuren, von Abderhalden
und Brahm. 2538
Mundatmungsbehandlung, kieferorthopä¬
dische, von Peyser und Landsberger 360
Mundboden, Dermoide des —, von Stieda
1046, Zysten des — und des Oesopha¬
gus, von Mohr. 1090
Munddach und Gaumenbildung der am-
nioten Wirbeltiere, von Fuchs ... 48
Mundhöhle,gonorrhoische Infektion der —,
von Scheuer.1609
Mundhöhlenkrebse, chirurgische Behand¬
lung der —, von Steiner.928
Mundwässer, desinfizierende Wirkung der
—,vonBassenge 1807, schmerzstillendes
—, von Avellis. 2284
Muskeln, Wirkung der —, von Fischer
143, — und MuBkelkerne, von Schieffer-
decker 1547, Beziehungen zwischen
Aktionsstrom und Zuckung der — bei
Ermüdung, von Brücke 1652, Einwirkung
der Massage auf die Leistungsfähigkeit
des —, von Palmön und Ranken 1652,
Erregungsvorgang im — und Nerv des
Warmblüters, von Garten. 2539
Muskelatrophie, juvenile familiäre, von
Pappenheimer 625, Pathologie der neu¬
ralen —, von Gierlich 772, spinale pro¬
gressive —, von v. Rad 1569, neurale
progressive —, von v.Kügelgen 1655, pro¬
gressive neurotische —, von Westphal 1655
Muskeldystrophie, progressive, in den
ersten Lebensjahren, von Finkelnburg 671
Muskelfasern, Regeneration der quer¬
gestreiften, vonSchmincke 1553, wachs-
artige Umwandlung der —, von Thoma
2388, Ernährung der —, von Thulin
2538, Wirkung von Methyl- und Aethyl-
alkohol auf die —, von Verz&r . . . 2539
Muskelhernie, von Zuelzer.635
Muskelhyperjonien bei Ernährungsstö¬
rungen im Säuglingsalter, von Acker¬
mann . 2338
Muskelkontraktionen, Bedeutung unwill¬
kürlicher, für die Pathologie und Thera¬
pie der Gonorrhöe des Mannes, von
Schindler.1968
Muskelkontraktur, ischämische, und Gips¬
verband, von Hildebrand 90, Behand¬
lung der ischämischen —, von Jones 731
Muskel- und Gelenkmechanik, Lehrbuch
der —, von Strasser.852
Muskelplastik bei Defekten der Bauch¬
presse, von Spischamy.726
Muskelsinn, von Goldscheider. 86
Muskelspannungen, infantile, von Hase¬
brock . 2649
Muskeltonus, Messung des —, von Exner
und Tandler.1803
Mutter, die, von Hölzl 1244, biologische
Beziehung zwischen —, und Kind, von
Stäubli.• .... 1341
Mütterberatungsstellen und die Bedeutung
des Selbststillens, von Wiemer . . . 1497
Mutterbni8t und Karzinom, von Groth 1947
Mutterhalsscheidenfisteln bei Abortus,
von Pawlow. 2696
Muttermilch, Absaugon der —, von Bock
39, steriler Transport von lebenswarmer
— auf Neugeborene, von Klotz . . . 1821
Mutterschaftskasse in Baden 1055, erste
deutsche —, von Fischer.1250
Mutterschaftsversiehorung, von Mayct2024,
— und Schwangerschaftsuntersttitzung
in Oesterreich, von Kompert .... 2025
Mutterschutz, Deutscher Bund für . . . 2671
Digitized b'
■V Google
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
LXIII
Myasthenia gravi» pseudoparalytica, von
Riegel 1102, von Rostoski 2448, oku¬
läre Form von —, von v. Malaisö 633,
—gravi» pseudoparalytica mit positivem
Muskelbefund, von Csiky.
Myatonie, angeborene, von Silvewtri . .
Mydriasis, künstliche, von Ascher . . .
Myelitis acuta transversalis, von Reieh-
mann.
Myitiden und Zellulitiden und ihre Be¬
handlung, von Srnitt .
Mykosis fungoides, von Horxheimer . .
Myokarditis, Pleuraerguss hei —, von
Plate 1154, ehron. interstitielle — bei
einem Säugling, von Hecker 1210,
Aetiologic und pathologische Anatomie
der — rheumatica, von Bracht und
Wächter 1854, — und Veränderung der
quergestreiften Muskeln bei Rheuma¬
tismus, von Geipel.
Myom, von Schwab 1977, — sarcomatodes
parametrii, von v. Franquö 30, Behand¬
lung von — mit Röntgen strahlen, von
Alber» Schönberg 882, miliare submu-
küse —, von Sitzen frey 1607, — des
Darms, von Frotscher 1608, Uterus-
schleimhaut bei —, von Ywase 1859,
Verhältnis des — zur Schwangerschaft,
von Pozzi 2136, von Fabricius 2136,
— als Kohabitationshinderniss, von
Sellheim 2136, Verhältnis des — zur
Fertilität, von Martin 2136, Verhältnis
des — zur Geburt, von Schauta 2136,
von Scipiades 2136, — und Wochenbett,
von Engström.
Myomatosis, Fieber bei, uteri, vonv.Franqud
Myombehandlung, von Torkel.
Myomblutung, tödliche, nach Röntgen¬
bestrahlung, von Spaeth .
Myomoperationen, konservative, von Ru-
beska.•.
Myopieoperierte, Schicksal der, von Shin-
taro Imai.
Mvomotomie, von Jung.
Myopathia rachitica, von Bing . . . .
Myopathologische Beiträge, von Steinert
Myopieoperation, Erfolge der, von Vossius
1391,
Myositis, Entstehung und Behandlung der,
ossificans traumatica, von Böcker 143,
Heilung der — ossificans traumatica
durch Fibrolysin, von Aizner 757, —
ossificans nach Luxationen, von Til-
mann 1356, — ossificans progressiva,
von Meitzer.
Myotonia congenita, von Pollak 2398, —
und Myorrhaphie, von Bardenheuer .
Myxofibrom des Felsenbeins, von Schwa-
bach und Bielschowsky . ,.
Myxoedem in der Kindheit, von Hutchison
1252, infantiles —, von Bünting . . .
Myxusarkoui, von Wohlgcmuth* . . . .
N.
Nabel, Versorgung des, beim Neugeborenen,
von Krummatber .• .
Nal»elabfall und Nabelheilung bei Fort-
lassiing des täglichen Bades, von Eicke
Nalielabklemtnung, von Marcus.
Nul)eladenom, von Mintz..-
NaMbrueh, vereinfachtes Opcrationsver-
fabren de», von Ebner 33, Behandlung
grosser — u. Bauchbrüchc, von Kausch
1435, chirurgische Behandlung der —
'ler Rcktusdiastase, des Hängebauches
und der Splanchnoptose, von Menge
NaMi-holcHtoatoin, von Coenen . . . .
NaMhernie, durch Tuhargravidität kompli¬
zierte, akkrete, von Hofstätter . . . .
N:d.cls< di nur, spontane Zcrreissungen der,
intra partum, von Unterl)ergor 821,
velarnenhise Insertion der —, von Leo
889, Torsionen der —, von Stolz 1341,
spontane Zerreissung der velamentös
inserierten —, von Scmon.
2711
1809
2124
1050
2073
1352
2459
2136
1435
1805
1089
1965
1707
2659
726
1806
1559
1567
2489
1035
1760
309
1252
252
1035
1247
1562
1581
873
2121
Nabelschnurblut, besondere Reaktion im,
Neugeborener, von Bauer . . . 1367, 2550
Nabelschnurbruch, geplatzter, von Eng¬
länder .1249
Nabelschimrhemie, kongenitale, von Sittler 340
Xabelsehnurvorfall, Aetiologic und Thera¬
pie des, von Dietrich.1094
Nabel Versorgung, von Galatti. 35
Nachbehandlung, Lehrbuch der, nach Ope¬
rationen, von Reichel . • . . 407
Nadel, Modifikation der Desehampsehen]
von Malaniuk 1088, von v. Bokay . . 1885
Nadel halte r, von Hacken bruch. 2490
Nadelsohluckerin, von Orth.481
Nägel, Kantenbildung der, von Jordan . 676
Nähnadeln, rostfreie, von Moerlin . . . 215
Nährböden, Veränderungen zweier, durch
Säure bezw. Alkali bildende Bakterien,
von Mandclbaum .... . 2475
Nähte, Technik entfern barer versenkter,
von Kirstcin.251
Naevus, von v. Grabe 2345, Behandlung
von — mit Kolilensäureschnce, von
Straus» 93, Behandlung des —, von
Foveau de Courmelles 1765, — xanthe-
lasmoidcs, von Müller 2336, — anac-
micus, von Fischer 2336, — lichenoides
albus colli, von Fabry. 2336
Nacvuslokalisation, von Pinkus 2336, von
Solger. 2336
Nagelerkrankungen, seltene, von Heller . 676
Nagelextcnsion s. a. Frakturbehandlung.
Nagelextension, von Stein mann 939, von
Kirschner 2068, Codivillaschc — am
Knochen, von Anzoletti 1606, Fraktur¬
behandlung mit —, von Anschütz 1675,
Codivillaschc — bei Knochenbrüchen,
von Hirsehberg. 2291
Nagana s. a. Mäusenagana.
Nagana beim Huhn, von Gocbel ... . 199
Nahningsbedürfnis in den Tropen und in
Europa, von Glogner. 2235
Nahrungs- und Genussmittel, ihre Her¬
stellung und Verfälschung, von Jolles 2229\J
Nahrungsmiltelfälschung, Kampf gegen '
die, im späten Mittelalter, von Wein¬
berg . 2494
Nahrungsmittelkonserven,von MacFadyean 202
Nahrungsmittelkontrolle.998
Nahrungsmittel verkehr, Aufgabe der Me¬
dizinalbeamten beim, von Hobohm . 2024
Naht der Gefässstämme bei Stichver¬
letzungen, von Grasmann.807
Nahtlinien, Versicherung unzuverlässiger,
von König. 2489
Narbenbildung, angeborene, im Gesicht,
von Kalb.1495
Narbenkarzinome, von Eckermann ... 95
Narbenstenosen, Behandlung der schweren,
mittels (lesophagoskopie, von Guisez 467
Narkologie, von Müller.1548
Narkose s. a. Aether, Harnapparat, Rektal¬
narkose.
Narkose, von Verworn 2026, — bei der
Gehurt, von Veit 111, 50 mit bekanntem
Chloroformquantum ausgeführte —,
von Alcock 483, — mit Chloraethyl,
von Guisez 1263, — und Lezithin, von
Nerking 1475, — bei künstlich ver¬
kleinertem Kreislauf, von I lörmann 1503,
2157, Einschränkung der — bei gynä¬
kologischen Encliciresen, von Kroemer
1563, neuer Handgriff für die —, von
Kühl 1738, —per rectum, von Lcgucu,
Morel, Verliac 1765, — in der Geburts¬
hilfe, von Krönig 2137, intravenöso —
mit Aether und Chloroform, von Burk¬
hardt 2385, — in Amerika 2380, Todes¬
fall in der — 2349, offene — mit einem
Chloroform- und Aethergemisch, von
Hewitt und Blumfield. 2548
Narkosekommission, Bericht der, der
American Medical Association . . . 256
Narkosenmaskenkombination,vonFrünkcn-
stein. 1615
Narkosentod, Herzmassage bei, von Rohn 2482
Narkotisieren, Erfahrungen über, von
Frank.1251
Seite
Nasale Operationen, Gefährlichkeit und
Indikationen der, von Kroiienberg . 2284
Nasciturus, Rechtsverhältnisse des, von
Alilfeld.302
Nase, entzündliche Nebcnhöhlenerkran-
kungen der, im Röntgenbild, von
Kuttner 31, Pathologie und Therapie
der entzündlichen Erkrankungen der
Nebenhöhlen der —, von Ilajek 1085,
Nebenhöhlen der — in ihren Bezie¬
hungen zum Sehnerven, von Grant . 1557
Nasenblutungen, Kälteapplikationen auf
den Nacken, von Jurasz . . ... 1783
Nasengliom, von Süssenguth . . . « . . 2389
Nasenleiden und Sympathikus, von Bresgen 2284
Nasennebenhöhlen, Radiogramme der, von
Krotoschiner. . 2035
Nasennebenhöhleneiterungen, Diagnose
und Behandlung der, von Martens . 304
Nasenncbcnhöhlencrkrankungcn, Röntgen¬
photographie bei, von Hecht .... 470
Nasenobstruktioncn, Einfluss der, auf die
Atemerseheinungen, von Lemoine und
Sicur.•.483
Nasenrachenfibromc, Behandlung der, von
Ruprecht. 30
Nasenrachenraum, Gefahren der Tampo¬
nade des, von Mayer . . . .2218
Nasenscheidewand, orale oder nasale Re¬
sektion der, von Kretschmann 461,
Sarkom der —, von Katz 1446, Be¬
handlung der tuberkulösen (»esehwülstc
und Geschwüre der —, von Beese 1557,
Krankheiten der — und ihre Behand¬
lung, von Katz 1745, schwere llftma-
temese durch Läsion der —, von
K Rücker. 2320
hNasenseheidewandtuberkulose, chirurgi-
I ' sehe Behandlung der, von Onodi . . 1859
Nasenschleim, neue, von Zenker .... 1958
Nascnsehleimhaut, Ischämie der konge-
stionierten, durch Kälteeinwirkung auf
die Nackengegend, von Muck .... 1481
Nasenspekula, neue, von Schoencmann . 1395
Nasentuberkulose, Erschein ungsfonnen
k der, von («erst.470
Nastin, ein reaktiver Fettkörper, im Lichte
der Immunitätswissenschaft, von
Much.1825
Natriumsulfit, Gesundbeitsschftdlichkeit
des, von Lehmann und Treuticin . . 575
Naturforscherversammlung s. a. Teil V,
Vereine etc.
Naturforschervcrsammhing in Salzburg . 2039
Naturforschung und Heilkunde, von
Tschirch.1031
Naturgeschichte des Menschen, von
Friedenthal.1248
Naturheilkunde, Professor der. 2275
Naturheilkunst, von Sticker.667
Nauheim, Kindorheilanstalt Elisabethhaus
in.1671
Naunyn B., von Magnus-Levy 1859, —s
70. Geburtstag.1872
Nausea, von Boas. . 1296
Nebennieren, Fortentwicklung jugend¬
licher in die Niere implantierter, von
Neuhäuser 530, Antagonismus zwischen
— und Pankreas, von Ghedini 1572,
antagonistische Wirkung der in den —
enthaltenen Substanzen Suprarcnin und
Cholin, von Lolmiann 1605, — und Sym¬
pathikus, von Watcrmnnn und Smith
* 1605, Regeneration der —, von Carraro
und Kuznitzky 2231, transplantierte—,
von Shiota. 2498
Ncbennicrenblutungen, von Iissauer . . 465
Nebonniercnexstirpatiim, Einfluss der, auf
den Blutzucker, von Porges.166
Nebcnnicrcnfunktion, Storung der, bei In¬
fektionskrankheiten, von Lucksch . . 2830
Nebennierensysteme, Biologie der, von
Poll. 2231, 2330
Nebennierensiibstanz und Rachitis, von
Jovane und Pace.1342
Nebenhöhlen, Diagnostik der Empyeme
der nasalen, von Schcier 987, Behand¬
lung operierter —, von Horn 1395, post-
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Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
LXIV
INHALTS-VERZEICHNIS.
191)9.
Seite
embryonale Entwicklung der — der
Nase, von Frers.1396
Xebenhöhlenorkranku ngen, Diagnostik der,
der Nase und das Röntgenverfahren,
von Herzfeld 987, von Kuttner . . . 987
Xegrische Körperchen s. a. Ganglienzellen.
Xegrische Körperchen, von Schmorl 829,
— bei einem Lyssakranken, von
Austonie.1092
Xephrektomie, doppelte, und Reimplan-
tation einer Niere, von Carrel 356,
— wegen embryonaler sarkomntioscr
Drüsengeschwulst, von Jordan 1976,
Serie von 100 —, von Wildbolz 2391,
bilaterale — bei Tieren in Parabiose,
von Morpurgo.2612
Nephritis, Adrenalinanämio bei, von Bittorf
142, Serumthcrapio der —, von Teissicr
304, Röntgenbestrahlung bei —, von
Len4o 777, prognostische Bedeutung der
Leukozytose bei —, von Rcnon und
Moncany 1053, Kantharidontinktur bei
der — epithclialis, von Lancereaux 1213,
tuberkulöse — nach Angina von
Theodor 1342, aus dem Gebiete der —,
von Casper 2159, — syphilitica im
Frtih8tadium der Lues, von Winkler
2335, Diagnose der —, von Maragliano
2340, chronische — und ihre Bezie¬
hungen zur Arteriosklerose, von Fahr
238*5, — und Entzündung parenchyma¬
töser Organe, von Ribbert 2494, Kolloid-
therapie bei —, von Rassoni und Abbo 2546
Xephrolithotomio oder Pyclotomie? von
Zandek.1198
Nephropexie, von Sonnenschein 2542, neue
Methode der —, von Beck 928, Indika¬
tionen zur —, von Billington .... 2028
Xeraltein, von Gottlieb 2483, Einfluss des
—, auf Puls und Blutdruck, von Astol-
foni.304
Nerven, Radspeichenbau der Markscheide
des, von Paul 29, Beziehungen der
sympathischen — zum zerebrospinalcn
System, von Müller 1095, peripherische
— und Unfall, von Krön 1250, Leistungs¬
geschwindigkeit in den markhaltigen
— von Piper 1652, Geschwülste in den
—, von Ilarbitz 1861, tiefe zuführende
—, von Cherringtön ....... . 1981
Nerven - Anastomosen, von Alessandrini . 1555
Nervehchirurgio, von Bardenheuer ... . 410
Nervenfärbung, Ernstsche, von Ugdulena 1090
Nervenkrankheiten, Behandlung der, mit
einem Gehirnextrakt, von Page 1215,
Gefässerkrankungen bei —, von Pal
2082, Lehrbuch der —, von Oppenheim 980
Nervenlähmungen nach Oberarmverletzun¬
gen, von Mühsam. 89
Nervenleiden, Fabrikarbeit und, von Heilig
675, traumatische —, . 2386
Nervenregeneration, von Perroncito . . . 625
Nervensystem, Pathologie des vegetativen,
von Eppinger und Hess 1193, Technik
der Untersuchung des —, von Spiel¬
meyer 1901, Bau und Verrichtungen
des —, von Edinger 2171, malignes
Gliom des sympathischen —, von
Schilder 2*279, Leitungsbahnen des
sympathischen —, von Michailow . . 2539
Nervenzellen, pathologische Anatomie der,
und Neurofibrillen, von Schütz ... . 681
Nervosität und Erziehung, von v. Strümpell 464
Nervus hypoglossus, isolierte Verletzung
deB, von Wertheim 928, Naht des —
medianus, von Porges.1657
Nesain ..103*2
Nesselraupen, brasilianische, von Bleyer. 731
Netz, Prolaps des, von Stöckel 773, ent¬
zündliche Geschwülste des — nach
Bauchoperationen, von Zesas 1905, Zyste
des —, von Seefisch. 2232
Netzhaut, Pigmentdegeneration der, von
Stock.1564
Netzhautblutungen bei Ausfall der Schild¬
drüse, von Best ; ..418
Netzhauterkrankung, Entstehung der neph-
ritischen, von Leber.5
Netzplastik, von Ncumann. 5
Netztorsion, von Seefisch 1908, vonFinstercr
2074, von Schönholzer 2597, — und
Brucheinklemmung, von Brünig . . .
Neugeborene, Apparat zur Messung der ^
Konfigurabilität der Köpfe lebender,
von Sellhcim 1503, Physiologie und
Technik der natürlichen Ernährung der
— von Jasclike.S
Neuralgie, s. a. Alkoholinjektion.
Neuralgien, Behandlung der, mit Alkohol¬
injektionen, von Mainzer 685, Sauer-
stoffinjektionen bei —, von Gonzälcz \
Neuralgiebehandlung nach Schlösser, von
Reinmöller.1
Neurasthenie, hydriatisehc Behandlung
der, von Fürstenberg 776, Diagnose
der —, von Seif 889, — in iliron ätio¬
logischen Beziehungen zu chronischen
Riiino-Pharvngitiden, von Royct . . .
Neumstheniebegiiff, von Jendrassik ... 5
Neurin, ein Bestandteil der Nebennieren,
von Lohmann.1
Neuritis optica, von Ilorsley 1926, — optica
infolge unstillbarer Metrorrhagien, von
Marek 1297, Behandlung der — optica
bei Turmschädel, von Anton . . . . I
Neuro - Chirurgie, von Oppenheim und
Krause.I
Ncurofibromatosis multiplex, von Delbanco
738, von Ilarbitz.1
Ncurolipomatosis dolorosa, von Umber . .
Neurose, s. a. Rentenneurose.
Neurosen, traumatische und die Unfall-
gesetzgebung, von Ewald 674, meta-
traumatiseho vasomotorisch-trophischo
—, von Gramer 1494, — innerer Organe
und Erkrankungen der Organnerven,
von Schmidt 1625, funktionelle — im
Kindesalter, von Couttsl926, Beziehun¬
gen der vasomotorischen — zu funk¬
tioneilen Psychosen, von Rosenfeld . !
Neurosedat. \
Neurosonlehrc, Sammlung kleiner Schriften
für, von Freud.'
Neuroton .... '
Neutraion bei Hyperazidität und UIcub
ventriculi, von Alexander . \
Neutralrotsalbe, Wirkung einer, auf die
experimentelle Vakzineinfektion, von
Friedberger und Yamamoto.!
Nevraltein, von Artom.!
Növroses, les, von Janet.'
Nickel, hygienische Studien über, — von
Lehmann.
Niederlassung.
Niere, Querzorreissung der, von Friedrich
210, Kollateralkreislauf der -, von
Flörcken 251, Gefässe einseitig kongeni¬
tal verlagerter — und Hufeisennicren
von Meyer 252, Reimplantation einer
—, von Carrel 356, Sarkomatose der —
bei Mediastinaltumor, von v. Werdt 359,
Adenom der — von Horhold 529, Ban¬
dage zur Behandlung der beweglichen
—, von Chlumsky 929, Dystopie der
—■, von Löwit 930, Entkapselung der
— bei Brightscher Nierenentzündung,
von Edebohls 1035,hyaline Degeneration
der Glomeruli der —, von Herxheimer
1090, exstirpierte tuberkulöse —, von
Kümmell 1404, feinerer Bau der —
von Echidua, von Zarnik 1406, Cal-
culosis der —, von Albarran 1705, an¬
geborene Defekte und Lageanomalien
der —, von Mennacher 1748, blutdruck-
steigemdo Substanz der — von Bingel
und Strauss 1854, embryonale Drüsen¬
geschwulst der —, von v. Stubenrauch
1868, Durchgängigkeit der — für Bak¬
terien, von Roliy 1873, einseitige —,
von Lauenstein 1905, Funktion kranker
— von Schlaycr 2184, Untersuchungen
über die Funktion kranker —, von
Schlayer und Takayasu 2201, tuberku¬
löse —, von Jalireiss.
Nierenarterie, Multiplizitfit der, von Seldo-
witsch.
| Nierenbecken, Stichverletzung des, von
Friedrich 210, Einspritzung von Silber-
! lösungen in das —, von Yölcker . .
! Nierenbeckenstein, von Kropeit ....
Nierenblutungen, chirurgische Behandlung
f der essentiellen, von Treplin ....
Xierenchirurgic, von Yoeckler 153, heutiger
»Stand der —.
Nierendefekt, von v. Ilaberer.
| Nierendckapsulation bei Eklampsie, von
j Ziemendorff .
I Nierendiagnostik vermittels Röntgenuntcr-
! Buchung, von Haonisch 475, Bewertung
, des Indigokarmins für die funktionelle
: —, von Roth 935, funktionelle —, von
Öehler.
| Nierenentzündung, Epidemie hfimorrhagi-
| scher, und Scharlachfieber, von Wahrer
! 255, mangelhafte Oxydierung u. ihre Be¬
ziehungen zur —, von Ditmaii u. Welker
Nicrcnexstirpation, von Heinsius ....
Xiercnf&llc, von Wulff.
Nierenfunktion und Prostatektomie, von
Paschkis 935, experimentelle Studien
zur —, von Lichtcnstorn und Katz
Nierenkranke s. Aegypten.
Nierenlager, Blutung in das, von Joseph
Nierenpapillen, Nekrose von, von Stisscn-
ßuth.
Nierenparenchym, eitrige Erkrankungen
des, von Barth und von Frisch . . .
Nieren praparate, von Bach mann ....
Nierenrupturen, von Yoshikawa ....
Nicrenschatton, Aufnahme eines scharf
kontiiriertcn, von »Schilling.
Nicrensequcstcr, von Moos.
Nierenstein, von Schönwerth 211, von
Dietrich 2245, Diagnose und Behänd
lung der — und Uretersteine, von
Thomas 41, Diagnose und chirurgische
Behandlung der —, von Göbell . . .
Nicrensteinkrankheit, Verhütung von Rezi¬
diven der, von Klemperer.
Nierensyphilis in Schwangerschaft und
Wochenbett, von Hirsch.
Nierentätigkeit und funktionelle Diagnostik,
von Oppenheimer.
Nierentransplantation, von Unger ....
l Nierentuborkulose, Erfahrungen über, von
\ Krönlein 298, Spontanheilung der —,
von v. Rihmer 298, Oedema bullosum
der Harnblase bei —•, von Leschnoff
298, Diagnose der —, von Ekehorn 773,
Lokalisationsdiagnose der —, von
Hottinger 935, Tuberkulin gegen —,
voh Pielicke 935, konservative Behand¬
lung der Frühstadien der —•, von Leed-
ham-Green 1705, schwere —, von Baum
1713, operative Behandlung der —, von
Bachmann.
Nierentumor, sarkomähnliche Umwandlung
in einem suprarenalen, von Loening .
Nierenverfettung, Chemie und Mikroskopie
der, von Kuznitzky.
Nierenwassersucht, Pathogenese der —,
von Richter ...
Nierenzellen, intravitale Färbbarkeit der,
von Höher.
Niesswurzsamen, Vergiftung mit unreifen,
von Reinhardt.
Nikotinausschlag, seltener Fall von, von
Näcke.
Nitritvergiftung s. a. Cholera.
Nitritvergiftung nach Bismutum subnitri-
cum, von Kjär.
Nitroglyzerin, Pharmakodynamik des, von
Dmitrenko.
Nobelpreis. 2455,
Nobel-Vortrag, Ehrlichs ....... .
Noma, von Kaspar 890, von Wilke 1052,
Behandlung der —, von Täbrega 198,
— des Ohres, von Homuth.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
LXV
Seite
Nordamerika, chirurgische Keiseeindrücke
aus, von Guleke ...... .2111
Nordscehospital auf Föhr ....... 2455
Novokain s. a. Lumbalanästhesie.
Novokain, von Blondei.1214
Nukleinsäure, immunisierende Wirkung
der, von Parlaveechio.1905
Nnklcinstoff Wechsel, Fermente des, von
Schittenhelm 1604, — bei Ausschaltung
der Leber, von Abderhalden, London
und Schittenhelm. 2537
Nunn t.^254
\\atagmii8, quantitative Messung des ka¬
lorischen, von Kiproff 579, hereditärer
—, von Müller 671, Untersuchung des
kalorischen —, von Freystadtl 2284,
graphische Kurven von —, von Buys
u. Coppez. 2655
Obduktion s. a. Leichen.
Oberarmbruch, Behandlung des suprakon-
dylären, von Coenen 195, Behandlung
des kondvlüren —, von Hilgenreiner
983, Behandlung von — und Schulter
gürtelbrüchen, von Hofmann 2S73,
von Linhart ..... . 2841
( iberflächenwasser aus Hügelgegenden und
die Bleivergiftung, von English . . . 1754
Oberkiefer, temporäre Verschmälerung des,
von Helbing '.*40, Totalexstirpation des
rechten und Resektion des linken —,
von Albricht . . 1859
Oberkieferhöhle, Auskultation der, von
Mink . 2600
Oberkieferhöhlensarkom, von Eberlein . 941
Ober-Medizinalausschus8,Mitgliederdesl59,
Plenarsitzung des verstärkten — 2504, 2671
Oberschenkelbrüche, Heilungsresultate der,
und Unterschenkelbrüche, von Wett¬
stein 412, Behandlung der —, bei Neu¬
geborenen, von Zancarini 2974, von
.Schreiber, 2592, von Helferich . . . 2641
Oberschenkelfraktur, Muskelspannung bei
der Permanentextension der, Zup-
pinger.. .. 2543
Objektträger, einfacher, für Mikrophoto¬
graphie, von Müller.886
Obstipation s. a. Mineralwasserkur.
Obstipation, Ueosigmoidostomie bei chro¬
nischer, von Moulin 730, clironischo
—, von Rindfleisch 881, von Rhode
2671, Lehre von der chronischen habi¬
tuellen —, von Biernacki 1199, Be¬
handlung der spastischen —, von Li-
powski 1306, Beurteilung und Behand¬
lung der chronischen —, von Lipowski 1607
Ochronose, von Landois 575, Pathogenese
der —, von Gross u. Allard.2712
o domina mea, in, von Karillon ... 2648
Odontome, Pathologie der, von Sehloss-
mann..575
Oedern h. a. Gelenke.
' Modern, neurotisches, von Krause 209,
Entstehung der nephritischen —, von
Bence 354, Rolle von Balzen bei Ent¬
stehung von —, von Blum 894, Ein¬
fluss der Kochsalzzufuhr auf die nephri¬
tischen —, von Biooker 1488, chro¬
nisches neurotisches —, von Kalberlah
1974, Behandlung der —, von Rolle-
ston..1980
■H graues s. u. Syphilisbehandlung.
' »elfarbenkopierprozess, von Puys . . .1549
( lesophagoskopie, praktischer Wert der,
von Botella 199, direkte —, von Tilley
1754, — und Bronchoskopie, von Heer¬
bann 1867, Beitrag zur —, von Kölliker 2478
Oesophagus, multiple Zysten des, von
Landois 142, Narbenstriktur des —,
von Trendelenburg 478, künstliche
Verbindung zwischen — und Magen,
von Perthes 478, Varizenbildung im —,
von Jolasse 948, angeborene Atresie
des —, von v. d. Porten 1906, Erwei¬
terungen des —, von Umber .... 2395
Seite
Oesophagusatresie, angeborene, von La¬
teiner .198
Oesophagusdilatation, von Benecke . . . 1209
Oesophaguserwciterung, diffuse, von May 2113
Ocsophagusresektioii, Technik der endo-
thorakalen, von Tiegel ....... 1746
Oesophagusruptur, traumatische, von
Petrin.622
Oesophagussarkome, von Riecke ... 1355
Oesophagusstenose, Schluckgcräusehe bei,
von Schum.1394
Ohr, Untersuchung und Begutachtung der
Verletzungen des inneren, von Heine
413, Bezolds funktionelle Prüfung des
—, von Wanner 455, von Rauch 718,
pathologische Anatomie des — bei
Lues hereditaria, von Asai 868, Fremd¬
körper, Würmer und Insekten im —, von
Dimitriadis 1549, plastische Operation
abstehender —, von Strauss .... 2037
Ohreiterungen, Ohrpinzette und Watte-
rollchen bei, von Sprenger.727
Ohrgeräusche, Klinik, Pathologie und
Therapie der subjektiven, von Hegener 2284
Ohrenheilkunde, Lehrbuch der, von Politzer
191, von Ostmann 2648, drei Vorträge
aus dem Gebiete der —, von Schwartze
1887, 1161, diagnostische Irrt Ürner und
therapeutische Missgriffe in der —, von
Schwartze . ... .1161
Ohrenleiden, Vortäuschung und Uebertrei-
bung von, von Peyser.1807
Ohrtrichter, praktische, von Guttmann . 1750
Oidiurn albicans, von Vasilescu .... 1392
Oleinsäure, Spektralreaktion auf, von
Lifschütz.1603
Olekranonfrakturen, operative Behandlung
der, von Corner.730
Oligohydramnion mit Pes varus congeni-
tus, von Mekerttschiantz.870
Onychogryphosis symmetrica, congenita
et hereditaria, von Koehler.881
Operationen, Funktion des Hamapparates
nach, von Holzbach 302, Vorbereitung
und Nachbehandlung bei chirurgischen
—, von Kummer 1392, dringliche —,
von Lejars.1902
Operations- und Wochenbettbrtiche, ein¬
fache, von Mehlhorn.2178
Operationskurs, Leitfaden für den geburts¬
hilflichen, von Döderlein.1487
Operationslehre, Atlas und Grandriss der
chirurgischen, von Zuckerkandl . . 2487
Operationstechnik, amerikanische .... 2381
Operationstisch, orthopädischer, von Bade 143
Operationstischfrage, von de Quervain . 1195
Ophthalmia, Behandlung der, neonatorum,
von Walker 41, Bericht des Komitees
über die — neonatorum.1926
Ophthalmie Surgery, von Meller .... 620
Ophthalmoblennorrhoea und das Argentum
aeeticum, von Scipiades 358, — neo¬
natorum, von Katzenellenbogen 1146,
Behandlung der — der Neugeborenen,
von Motais 1669, von Spiro . ... 1735
Ophthalmologie, Referat über . 418, 578, *2284
Ophthalmodiaphanoskop, Hertzellsches,
von Fleischer.1157
Ophthalmo Fundoskop, von Baum . . . 2337
Ophthalmomalazie nach Exstirpation des
Ganglion Gasseri, von Sehmidt-Rimpler 1046
Ophthalmoplegie, von Berger 68ö, —
externa bei akuter Polyneuritis, von
Stintzing 1050, familiäre —, von Nazari
und Chiarini 1556, Wichtigkeit der
Myosis für die Diagnose der tabetischen
—, von Pop-Avramescu. 2439
^Ophthalmoreaktion s. a. Tuberkulin. .
>Ophthalmoreaktion, von Wolff-Eisner 734, f
\ — bei Tuberkulose, von Holmes 40,1
Calmettesche — von M'IIutchison 40,1
Kritik der —, von Boral 95, — und ■
Prognosenstollung bei tuberkulösen Er -1
krankungen in der Gravidität, vom
Martin 121, Theorie und Praxis der — ,j
von Köhler 193, Calmettesche —, von j
v. Szaboky 464, — auf Tuberkulin, von;
Aiissot 467, Bedeutung der — für die;
2594
530
• peile
Prognosestellung bei Tuberkulose der
Schwangeren, von Kammer 530, diagno¬
stische Bedeutung der Culmcttcschen ,
—, von Berdjaew 875, — auf Tuber¬
kulin, von Lossaheridsc 875, Chante-
messesehe — bei Typliuskranken, von 1
Beckers 1417. pathologische Anatomie
der —, von Staneuleami und Mihail . 2440
Oppcnheimsche Krankkeit s. a. Myotonia
congenita.
Opsoniertechnik, Vorschläge zur Verein¬
fachung der, von Hoerder ... . 2495
Opsonine, von Beyer 45, von Böhme 1151,
\ — beim Puerperal prozess, von Schi ff-
mann und Kohn 254, — bei Schwan¬
geren und Wöchnerinnen, von Guggis-
Iberg 670, — und Lungentuberkulose,
•von Wolff und Reiter 1497, von
v. Gruber 2548, Wesen und Bedeutung
der—, von Fornet 2548, Wrights Lehre
von der —, von Schmidt
Opsoninbestimmungen, vergleichende, von
Zeissler 193, — bei puerperaler Infek¬
tion, von Heynemann und Barth 196,
Fehlerquellen der — nach Wright, von
Beyer .
Osponingehalt von Exsudaten, von Böhme 1488
Opsoninprüfung bei der Behandlung Tuber¬
kulöser, von Rothschild .734
Opsoninreaktion, von Zeissler. 2237
Opsonintechnik, Anwendung der, in der
Augenheilkunde, von Stock.1564
Opsonintherapie und Diagnostik, von
\ Loreday und Ramsbottom .... 95
hppsoninuntersuchungen betr. die Misch-l
I \ infektion beichron.Lungentuberkulose,!
von Wirths 819, — bei Typhusbazillen¬
trägern, von Gaehtgens 1702, — bei
Mutter und Kind, von Busse .... 2544
Opsonin versuch, Fehlcrgrösse und Fehler¬
quellen im, von Busse. 209, 773
Opsonische Methodik, von Böhme . . . 1488
\ Opsonischer Index s. a. Akne.
^Opsonischer Index, Fehlerquellen bei der
' Bestimmung des, von Strubell und
Felber 1702, Verwertung des —, von
Blumenfeld und Kappel 2081, — und |
Tuberkulosetherapie, von Kössler und 1
Neuman n.2438
Opsonische Wirkung des Normalseruu s,
von Werner-Rosenthal . .
Optikusatrophie, familiäre infantile,
Behr . . • . .
Opto-Sphärometer, von Wolffberg . .
Orbitalerkranknngen, von Krauss . .
Orbitalgeschwülste, Diagnostik der, von
Krauss.
Orbitalnerven, karzinomatöse Infiltration
der Nerven scheiden der, von Kümmell 2660
Ordit-Apparate.1927
Organgrösse, Bestimmung der wahren, von
Reh.2117
Organhämolysine, Natur der, speziell der
Plazenta, von Mohr. . . 2551
Organische Präparate, biologische Methode
zur Bestimmung des Wortes von, von
Piorkowski ..530
Orientierungsstörungen, von Wahle . . . 254
Orientierungsvermögen und Ferngefühl
Blinder, Taubblinder und Sehender, von
Kunz. 2337
Orthodiagraphie s. a. Herzausmessung.
Orthodiagraphie des Herzens und Thorax¬
verschiebung, von Rumpf.992
Ortho-Hypopharvngoskopie, von Schilling 217C
Orthopädische Apparate auf Kosten der
Versicherung 894, — nach Hessing,
von Pfeiffer 944, — in der Kasscn-
praxis, von Schanz 985, 1662, portativer
—, von Vulpius. 2231
Orthopädisch - technische Konstruktion»-
prinzipiell, von Seincledcr.2128
Ortolf von Bayerland, von Klein . 1156, 2243
Ortsärzte, Stellung und Honorierung der,
von Rosner. 29
Ortskrankenkassen, 16. Verbandstag der
Deutschen .... .1716, 1719
Oradon-Essenz.1031
2549
1051
419
1865
424
Difitized b 1
v Google
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
LXVl
Seite
Ossifikationen, traumatische peri- und
parostale, von Pfister 1207, posttrauma¬
tische —, von Pfister.1700
Ossifikationsdefekte, kranielle, Neugebo¬
rener, von Wieland.1969
Ustauxin.1031
Osteoarthritis, Röntgenstrahlenbehandlung
der tuberkulösen, von Freund 94, —
deformans juvenilis, von Matsuoka411,
juvenile — deformans coxae, von Zesas
623. 2710
Osteoarthropathia vertebralis, von Haenel 100
Osteoid, physiologischer, bei Föten und
Neugeborenen, von Wieland .... 1908
Osteoklase als Yorakt der Luxationsbe¬
handlung, von Reiner. 2023
Osteomalazie, von Falk 738, — und De¬
mentia praecox, von Haberkant 35,
— bei Geisteskranken, von Barbo 1197,
Erfolg dos 1. nach Bossi behandelten
Falles von —, von Rebaudi 1341, Be¬
handlung der — mit Adrenalin, von
Stöcker 1667, Behandlung der —, von
Ogata. 2069
Osteomyelitis nach Trauma, von Weigel
315, Folgezustände nach —, von Partsch
883, rarcfizierende —, von Preiser . . 1404
Osteoplastik, von v. Stubenrauch 1868,
Gesetze der freien —, von Axhausen 88
Osteopsathyrosis, idiopathische, von Mat-
suoka.1804
Ostitis fibrQsa, von Anschütz 2088, patho¬
logische Anatomie und Pathogenese
der —, von Konjetzny. 2084
Ostmark s. u. Aerzte.
Otitis, Bakteriologie der, media acuta, von
Mark 146, Knochen Veränderung bei —,
von Marx 1361, — media als Frtih-
symptom und Teilerscheinung von All¬
gemeininfektionen, von Braun . . . 2284
Otologie, sollen, mit Laryngologie von
Einem Lehrer gemeinsam gelehrt wer¬
den? von Lueae 664, — und Laryngo¬
logie oder Oto - Laryngologie ? von
Schwalbe 1297, Referat über — 146,
578, 2284
Otosklerose, Massage bei, von Schw r artze
1057, Behandlung der—, von Schwartze
1056, sog. —, von Manasse.1351
Ovaradentriferrin, von Prochownik . . . 2491
Ovarialgravidität, intraligamentäre, von
Voigt.252
Ovarialkarzinom, von Opitz 1503, von
Schwab 1977, eiähnliche Bildungen in
—, von Schmincke. 30
Ovarialkystom, von Fischer und Flesch
1154, Malignität bei —, von Kurz 261,
stielgedrehtes —, von Schwab . . . 1977
Ovarialorganome, von Daeis . . • ... 929
Ovarialresektion nach Menge, vonZacharias 624
Ovarialtumoren, solide, von Sjövall 774,
bösartiger —, von Savage 1925, Kruken¬
bergscher —>, von Krüger. 2606
Ovarialzyste, von Gleiss 207, von
Hertel.480
Ovariectomia bilateralis, von Fink . . . 1343
Ovarien, multiple Dermoide der, von
Novak 984, Transplantation der —, von
Gramer 1966, Lage Veränderungen der
—, von Stratz. 2595
Ovarientransplantation, von Mauclaire . . 1106
Ovarientumoren, Diagnose von, und ihren
Geburtsstörnngen, von Jolly. 2596
Ovariotomie in der Schwangerschaft, von
Walter 1142, vaginale — während der
Geburt, von Rühl.1805
Ovarium und Osteomalazie, von Cramer 758
Oxalurie und Phosphaturie, von Smith . 40
Oxydasereaktion, von Schultze . . . . 984
Oxydationen nach Leberausschaltung, von
Porges.. . . 1570
Oxyhämoglobin verschiedener Arten, von
Abderhalden und Medigreceanu . . . 1650
Oxyuris vermicularis, von Beneke . . . 1209
Ozaena, Actiologie der, von Eisenlohr 775,
Pathologie und Therapie der —, von
Sehoenemann.1395
Ozet-Biider, von Sarason. 2232
Ozonal. 2234
Pnchymeningitis cervicalis hypertrophica,
von Grund 1853, — spinalis externa
purulenta, von Schick .1860
Pädatrophie, Duodenalgeschwüre bei, von
Helmholz.728
Pagets disease, von Hannemüller u. Landois
195, — morbus, von Volteranni . . . 1092
Panamakanalzone, Jahresbericht der Sani¬
tätsabteilung der.1811
Pankreas s. a. Zuckerkranke.
Pankreas, primäres Sarkom des, von Sehiro-
kogoroff 671, Erkrankung und Behand¬
lung der Erkrankungen des —, von
Walko 786, Erkrankungen des —, von
Kehr 819, Tumor des —, von Körte
881, Funktionsprüfung des —, von ’
Gross 931, Verhalten des —, bei Achylie
und Anazidität, von Ehrmann u. Lederer
1143. gegenseitige Beeinflussung von —
und Nebennieren, von Glaessner u. Pick
1549, quantitative Funktionsprüfung
des —, von Wynhausen 1608, Struktur
und Funktion des —, von Goodall und
Karle 1981, Veränderungen des — bei
Zuckerkranken, von v. ITalasz 2331,
Exstirpation eines Fibroms des —, von
Körte.. 2653
Pankreasaffektionen, funktionelle Diagno¬
stik von, von Schwarz.678
Pankreasapoplexie, Entstehung der, von
Bacmeister. .665
Pankreasatrophie, von Keuthe.145
Pankreaschirurgie, von Rosenbach . . . 1247
Pankroasdiabetes, von Saltykow 2072 ,
Wesen des —, von Hinselmann 2025,
Zuckerausscheidung beim — von Allard
2711, Einfluss der Muskelarbeit auf die
Zuckerausscheidnng beim —, von Seo
2712, Azidose beim —, von Allard . . 2712
Pankreasdrüse, akzessorische, von Nazari 1572
Pankreasektomie, speziell des Pankreas-
kopfes, von Sauvö. . . . 467
Pankreaserkrankungen, Cammidgesche Re¬
aktion bei, von Eichler und Schirokauer
466, Diagnostik der —, von Caro und
Wörner 466, Diagnose der —, von Wyn¬
hausen 1810, Mitteilungen über —, von
Korteweg.1810
Pankreasexstirpation, inkonstantes Auf¬
treten der Glykosurie nach, von Pi y
Sufler und Turrö ..823
Pankreasextrakt, antiadrenalinische Wir¬
kung des, von Ghedivi.1093
Pankreasfunktion und Antitrypsingehalt
des Blutserums, von Schlecht u. Wiens
771, direkte Schätzung der —, von Ein¬
horn ..1389
Pankreasfunktionsprüfung, Methodik der,
von Schlecht.771
Pankreashormon, von Forschbach . . . 2545
Pankreasnekrose, von Krüger 1805, von
v. Stubenrauch 1761, — und chronische
Pankreatitis, von Hess 301, operierte
—, von Enderlen.995
Pankreasreaktion s. a. Cammidgesche R.
PankreaHreaktion, Cammidgesche, von
Roth 355, von Schmidt 739, von Krienitz
1249, von Schümm und Hegler 2054,
Wert undWesen der Cammidgeschen —,
von Schmidt 1803, Brauchbarkeit der
sog. — nach Cammidgc, von Schlimm,
Hegler und Meyer-Wedell . ... 1876
Pankreasaft, Ucbcrtritt von, in den Magen,
von Molnär.355
Pankreassekretion, Prüfung der, und deren
Bedeutung für die Diagnostik, von
Koziczkowsky.1653
Pankreaszystc, von Hagen 784, Inhalt einer
—, von Dorner. 2497
Pankreatitis, Diagnose und Behandlung
der, von Dreesmann 706, akute —, von
Seidel 881, akute hämorrhagische —,
von Seidel 1709, chirurgische Erfah¬
rungen über —, von Haenel 1709, chro¬
nische intustitielle —, von Kirchhoim
1819, Beziehungen zwischen — und
Lithiasis biliaris, von Cnpclli 2281,
Seite
Klinik und Therapie der —, von Al-
brecht. 2331
Panoramenapparate, von Stolze.1549
Pantopon 1032, von Sahli 486, von Rodari 2350
Papille, hereditäre Atrophie der, von Ray¬
mond und König.1213
Papillome, multiple, des Gehirns,von Kölpin 772
Pappatacifieber, von Doerr, Franz u. Taussig 1543
Paraamidobenzoesäureäthylester, weitere
Verwendbarkeit des, von Pinner und
Siegert.1198
Parabiose, von Jehn 1490, von Heyde 2084,
— bei Warmblütern, von Sauerbruch
und Heyde 1490, operativ hergestellte
— zweier Mäuse, von Morpurgo . . . 1572
Parabismuth.1031
Paracelsus s. a. Hohenheim.
Paracelsus und die tartarischen Krank¬
heiten, von Richter. 2242
Paraffinspitze, von Brünings.1147
Parajodphenylarsinsäurc.1032
Parakolibazillenseptikämic, von Kliene-
berger. 2488
Paralyse, akute aufsteigende, von Königer
1506, juvenile —, von Klieneberger
252, von Trapet 772, von Kraepelin
1614, Veränderungen derSpinalganglien
bei Landryscher —, von Schweiger 1806,
Infiltration der Himgefässc bei der
progressiven —, von Weiss 35, pro¬
gressive —, von Kauffmann 352, In¬
filtration der Hirngefässo bei der pro¬
gressiven —, von Weiss 363, progressive
— eines 18 jähr. Mädchens von Flesch
932, Infektion mit Syphilis bei schon
bestehender —, 1159,1160, Bedeutung
der Plasmazellen für die Histopathologie
der progressiven —, von Behr 2024,
Behandlung d. progressiven allgemeinen
— mit Nukleininjektionen, von Donath
2072, Wirkung des Nukleins auf den
Verlauf der progressiven —, von Fischer
2124, Behandlung der progressiven —
durch den Hausarzt, von Pilcz 2231,
Behandlung der progressiven —, von
Wagner v. Jauregg. . . . 2654
Paralytiker, Vergleichung der Himober-
fläche der, mit der von Geistesgesunden,
von Naecke 252, Behandlungsversuche
mit Arsenophenylglvzin bei —, von
Alt 1457, Deszendenz von —, von Ballet 1669
Paralytiker-Kinder, von Herrmann . . . 1525
Parametritis und Paravaginitis posterior,
von Meyer 1436, Diagnose, Aetiologie
und Therapie der sog. — post, chron.
von Fraenkel.2188
Paramyoklonus multiplex, von Pässler 420,
von Stadler 682, — multiplex mit Muskel¬
atrophie, von Stadler.2711
Paranoia? von Schäfer 252, akute —, von
Wilmanns 1255, von Thomson . . . 1655
Paraplegie, totale, beider Beine, von Moritz 2611
Parapsoriasis Brocq, von Verrotti .... 2335
Parasiten, Leitfaden zur Untersuchung der
tierischen, des Menschen und der
Haustiere, von Braun und Lühe 620,
Stilesänd Hassais Katalog derMenschcn-
und Tier—, 1811, protozoischc — im
Blut von Meeresfischen, von Noumann 2389
Parastruma maligna aberrata, von de
Quervain. . 2490
Paratyphöse Infektionen, von Cardueci . 1572
Paratyphus, Mischinfektion an, und Masern,
von Stolkind 574, Bewertung des Be¬
fundes von —, von Mayer 1551, — A,
von Baermann und Eckersdorff . . .2123
Paratyphusbakterien und ähnliche bei ge¬
sunden Menschen, von Htibener . . 2601
Paratyphusbazillen im Transporteis der
Seefische, von Rommeier 1143, — B
im Wasser, von Gähtgens 1496, Befund
von — B bei akuter Gastroenteritis,
von Mayer.*.1569
Paratyphusepidcmien, durch Nahrungs¬
mittel verursachte, von Prigge u. Sachs-
Mücke .1551
Paratyphusfragc, Stand der, von Waldmann 153
Pnratyphusgruppe, Verbreitung der Bazillen
der, von Rimpau.1295
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Original fro-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
LXVII
Seite
Paratyphusinfektion, von Bingel 1425,
von Scheel. 2654
Parathyreoidin gegen Tremor senilis, von
Massaglia.629
Paronchymkropf, traumatische Ruptur
eines, von Kolaczek. 2543
Parese, pseudospastische, von Schlippo
42ü, — der Handmuskeln, von Hoff-
mann.422
Paris, medizinische Reiseeindrücke aus,
von Rossbach. 2272
Parlamente , aus den 873 (Reichstag), 428
(Reichstag), 638 (Preuss. Abg.-H.), 997
(Preuss. Abg.-H.), 1158 (Pr. Herrenhaus),
(Bayr. Landtag).2087, 2142, 2613
Paronvehia syphilitica, von Spiethoff . . 8r~
Parotis, chronische Erkrankungen der, im
Kindcsalter, von v. Reuss. 2388
Parotisschwellung, rezidivierende, von
Clemens 2u5, symmetrische —, von
Göbel 2035, akute —, von Strelitz . . 2596
Parotitis, postoperative, von Orthner 198,
Pankreatitis und Glykosurie im An¬
schluss an epidemische —, von Barbieri
1556, Verhütung der — bei Rektal-
emährung, von Fenwick. 2027
Parovarialzyste, Ruptur einer, unter den
Svmptomen akuter Appendizitis, von
Matti. 2543
Parthenogenesis, künstliche, u. das Wesen
der formativen Reizung, von Loeb . 2077
Pasmis, von Nassauer. 2536
Pathologie, spezielle, u. Therapie der
Haustiere, von Hutyra und Marek 1139,
exotische —, von Laveran. 2076
Pathologisch-anatomisches aus der chirur¬
gischen Praxis, von v. Brunn .... 30
Pathologisch-histologische Untersuchungs¬
methoden, von Sehmorl.352
Patientenfang s. a. Konsultationen.
Patientenfang, unwürdiger . . . 698, 695, 1036
Patientenschacher.998
Patellarfraktur, von Corner.362
Patellarknochen, subkutane Ausreissung
des —, von Reich. 40
Pawlowsche Fistel, Technik der —, von
Jianu.1893
Pechpflaster.1031
Peliosis rheumatica, von v. Jaksch . . . 482
Pellagra, Behandlung der —, mit Atoxyl
und arseniger Säure, von Babes, Vasiliu
und Gheorghus 360, — in Algier, von
Brault.468
Pemphigus vulgaris, von Bruck 826, Reiz¬
versuche bei —, von Reines .... 1091
Pemphigusfrage, von Eitner und Schramek 414
Pendel- und AViederstandsapparate, neue,
von Biesalki.1906
Penis s. a. Geschlechtsglied.
Penis, Karzinom des —, von Trendelen¬
burg 478, Totalentfernung des —, von
Boeckel 1211, Dürcksche Fasern in —,
von Bruegel.2122
Peniskarzinom, von Enderlen.995
Penisodem bei akuter Blennorrhoe, von
Porosz.• . 631
Penoskrotalsuspensorium, von Bergmann 825
Pensionsverein für Witwen und AVaisen
bayerischer Aerzte .... 159, 1359, 2143
Pepsin, elektrolytische Dissoziation und
physiologische A\ r irksamkeit von, und
Tripsin, von Loeb. 2496
Pepsin bestimmung mit Liebmanns Pep-
tometer, von Schröder.1861
Pepsinverdauung, Einfluss einiger Arznei¬
mittel auf die —, von Ascher465, AVftrme- ^
tonung der —, des Eiweisses, von Häri 1604
Pepsin- und Chymosinwirkung, Jdentität
der, von Hammarsten.1604
PerforntioiiHperitonitis, Therapie und Bak¬
teriologie der eitrigen, von Kotzenberg
360, operativ geheilte — bei Typhus,
von Alylvaganam 729, Behandlung der
diffusen —, von Janssen.1258
Perfuratiorium, von Ziegenspeck 784, ver¬
bessertes scherenförmiges —, von
Ziegenspeck. 2567
Pergenol, von Zemik. 2233
Seite
Perhydrolzink bei Ulcus cruris, von Schmitt 790
Periarthritis humeroscapularis, von Zenas 2491
Perikardektomie, experimentelle, von
Parlaveccliio.1492
Perikarditis, operative Behandlung der —,
von Venus 95, — - exsudativa luetica,
von AVacher 254, — purulenta, von
Strauss 2037, — stenocardica, von
Sternberg. 2081
Perikolitis, von Bittorf 819, — sinistra,
von Roberts. 41
Perimeter s. unter Blitzlicht-Perimeter.
Periodenbeschwerden, günstige Beein¬
flussung von, durch Röntgenstrahlen,
von Fränkel.882
Periodizität und Psyche, von Rohm . . 2037
Periostitis luetica, von Port 48 — et Adipo-J
sitis multiplex tuberculosa toxicaj
von Amrein 414, Aetiologie der den¬
talen —, von Mayrhofer ..... 578
Periostknochentransplantationen, erfolg¬
reiche, von Katzenstein. 2605
Periosttransplantation bei der Behandlung
knöcherner Gelenkankylosen, von Hof¬
mann . 34
Perisplenitis, Genese der, chronica, von
Schmincke. 30
Peristaltik des Darmes, von Boese . . . 88 t
Peritonealschwangerschaft, primäre, von
Grönd . ..252
Peritonealsack, Ausschütten des —, von
Kocks. 2387
Peritoneum, Fremdkörperchentuberkulose
des —, von Brandes 301, A T eränderungen
des — in Bruchsäcken, von Moro . 1552
Peritonitis, porforative, bei Ulcus jejuni,
von JankowHki 89, fötale —, von Peiser
194, von Unger 1907, Behandlung der
diffusen eitrigen —, von Guleke 412,
operative Behandlung der eiterigen —,
von Nötzel 880, Adrenalin-Koehsalz-
infusionen bei der Behandlung der —,
von Heineke 910, Therapie der —, von
Latzko 1444, Prophylaxe der —, von
Pfannenstiel 1444, von Hoehne 1444,
operati veBehandlung der puerperalen —
und Pyämie, von Leopold 1444, akute
— in puerperio, von Kritzler 1552, gynä¬
kologische —, von Hagen 1787, chirur¬
gische Behandlung der —, von Dege
1807, Behandlung der allgemeinen —,
von Gerster 2191, intravenöse Koch¬
salzinfusionen bei —, von v. Lichten¬
berg 2484, Diagnose und Prognose der
fortschreitenden —, von Sonnenburg
und Kothe 2489, Behandlung der —,
von Sick 2490, Prophylaxe der post-
operativen, von Hoehne. 2508
Perityphlitis, Aetiologie der, im Kindes¬
alter, von Friedjung 94, Pathologie und
Therapie der —, von Sonnenburg 619,
— und Lungenentzündung, von Pelnar
2120, traumatische —, von Tiegel . . 2388
Perkussion, von Goldscbeider 92, stumme
—, von Herz 142, — der absoluten
HerzdUmpfung, von Schieffer u. AVebcr
192, — der Brustorgane, von Moritz
und Röhl.1246
Perkussionsbefund, typischer, an der hin¬
teren Beckenwand, von Flcsch . . . 2032
Perkussionshammer s. u. Erschütterungs-
hammer.
Permeatie zur Bandyvurmabtreibung, von
Scheltema.1810
Peroxydo und Persalze in der Medizin,
von ßrichta.2183
Peru-Lenicet, von Pullmann. 2454
Perubalsam, Behandlung der Schussver¬
letzungen mit, von Vollbrecht 2541,
bakterienfeindliche Eigenschaften des
—, von Jander. 2541
Perversitäten, Psychologie sexueller, von
Gaupp .1103
Pes equinus congenitus, von Cramer . .2710
Pessar aus biegsamen Metall, von Kroemer 1615
Pest s. a. Bubonenpest.
Pest 66, 111, 160, 216, 264, 375, 431,
487, 543, 592, 639, 695, 743, 895, 952,
Digitized fr
>y Google
Seite
1000,1055, 1112,1160, 1216, 1264,1811,
1360, 1408, 1456, 1518, 1576, 1623, 1671,
1719, 1768, 1824, 1872, 1927, 1984, 2039,
2088, 2143, 2199, 2248, 2296, 2351, 2400,
2455,2504,2559,2615,2672,2716, von Birt
200, Katzen als AYrhiiter der —, von Bu-
chanan 416, Schutzimpfung gegen die
—, von Fornario 469, Uebertragung der
— durch Rattenflöhe, von Ilossack 589,
Prophylaxe der — zu Rio de Janeiro
1146, A'crbreitungsart der —, von Kossel 1559
PcHtbazillus, Erhaltung des, im Körper
der AVanzen, von Jordansky und Klad-
nitsky.469
Petroleumgase, Vergiftung durch .... 1659
Pettenkofer, Max von, von v. Gruber . . 1238
Pfadfinderbuch, von Lion. 2487
PfählungsVerletzung, von AA r eiss .... 538
Pfannenstiel Johannes f, von Cohn . . 1801
Pfannenstielscher Querschnitt, von AVerth 821
Pflegeheim für erblich-kranke Kinder in
Berlin . .. 1408
Pflicht gesund zu sein, von v. Gruber . 2229
Pfortader, thrombotische Obliteration und
kavernöse Umwandlung der, von Risel 2123
Pfortaderthrombose, A 7 encnunterbindung
bei eitriger, nach Appendizitis, von
AVilms 1646, — und Loberaneurysma,
von Bode. 2829
Phagozytin, von Boruttau.1767
Phagozytose und Opsonine, von Kentzler
354, AVirkung der Antipyretica auf dio
—, von Kentzler und von v. Benczur
355, — und Bakterienvernichtung, von
AVerbitzki 1553, Diskussion über — 2549
Phagozytosebeschleunignng und A’erstär-
kung, von Friedberger und Hartoch 2549
Phantomunterricht, Erweiterung des ge¬
burtshilflichen, von Blumreich . . . 2596
Pharmakognosie, Lehrbuch dor,vonKarsten
und Oltmanns . . 2535
Pharmakologie, Referat über, s. u. Pharma¬
zeutische Rundschau.
Pharmakologisches Grundgesetz, neues,
von Jacoby. 89
Pharmakopoe s. a. Companion.
Pharmazeutisches Manual, neues, von
Dietrich.1139
Pharmazeutische Praxis, Hägers Handbuch
der, von Lenz und Arcnds .... 86
Pharmazeutische Rundschau, von AVmckel 409,
1030, 2233
Pharyngitis ceratosa punctata, von Janus-
zkiewiez 465, — exsudativa ulcerosa
meningococcica, von Reiche.1607
Pharyngotomia, Technik der, suprahyoidea,
von Schlesinger.857
Phase I, AVert der, für die Diagnose in
der Neurologie, von Apelt. 2493
Phenol und seine Derivate als Desinfek¬
tionsmittel, von Laubenheiiner . . . 1601
Phenolisation nach Mencierfc, von Strauss 2038
Phenolphthalein, AVirkung des, von Ehr¬
mann und Frankl.257
Phenostal . 304, 1032
Philostratos über Gymnastik, von Jüthner 1803
Phlebektasie, genuine diffuse, der oberen
Extremität, von Bockenheimor . . . 408
Phlebitis, Prophylaxe gegen, lind Embolie,
von Chantcmossc ........ . 891
Phlebosklerose, von Boshowsky . . . 1344
PhloridzinglykoHuric, Beeinflussung der,
durch Indigkarmininjektionen, von
Seelig.800
Phloridzinwirkung, von Grube.1651
Phonasthenie bei Sängern, von Imhofer . 260
Phoncndnskiaskop, von Schmincke ... 28
Phonetische Therapie, von Flatnu . . . 2285
Phosiron. 2234
Phosphatide, von Maelean.1981
Phosphaturie und Entstehung von Plios-
phatsteinen, von Goldhaum.1249
Phosphazid, Romanowskys, von Roma-
nowsky 1344, von Kossowskv .... 1344
Phosphor in der Therapie der Rachitis,
von Selmbad.1193
PhosphorauHschcidiiinr im Harn heim
Brustkind, von Moll. 871, 1607
5*
Original frorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
LXVIII
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
254
583
’B
1193
2240
1343
1658
414
410
885
1549
543
1549
1594
B547
S.340
Phosphorlebortran, neuer, von Schwei «sin-
ger.
Phospbornckrose, von Jordan . .
PhoHphorBiiurestoffWechsel und Kalkstoff
Wechsel heim erwachsenen Menschen
von Oeri .
Phosphorumsatz des wachsenden Organis
mus, von Heubncr.
Phosphor Vergiftung, Zelldegeneration, Ent
Zündung und Neubildung bei der
von Harnack 438, chronische — beim
Kaninchen, von Oliver und Gibson
787, fibrile Temperatursteigerung bei
akuter, von Färber.
Phosphorverwendung, Verbot der, in dei
Ztindbolzindustrie in Österreich .
Phosphorwasserstoff, cholora verdächtige
Todesfälle durch, von Dold und Harris
Phosrachit.
Photographie s. a. Farbenphotographie.
Photographenapparat für Gehirn und Ge-
himschnitte, von Anton . . .
Photographie als Lehr- und Forschungs
gegenständ, von Luther 1549, — in
den Tropen, von Saal ....
Photographieren, Ratgeber für Anfängerim
Photographische Praxis, von Schmidt
Phrenocardie, ist die von Herz beschrie
bene, eine scharf abzugrenzende Form
der Herzneurosen? von Erb 1113, von
Treupel.
\ Phthise s.a. Lungenspitzen, Lungenphthise.
''Phthise, Behandlung der, mit Injektionen
von Sukzinimidquecksilber, von Squire
\ und Kilpatrick.• .
N \ Phthisiognese, von Kretz 317, von Krek.
x Phthisiker, Perlsuchtbazillen im Sputum /
der, von Schröder. 88
Phthysoremid, von Köhler.181
Phymochrom. 2234
Physikalische Grundkräfte, antike Hypo¬
thesen über das Wesen der, von Haas 2241
Physikalische Heilmethoden, methodische
Anwendung der, von Kouindzy . . .
Physikalische Therapie, von Löwenthal .
Physiologie, Jahresberichte über die Fort¬
schritte der, von Hermann 2826, Be¬
richt über neuere deutsche, die ge¬
samte — betreffende Arbeiten, von
Birker. . . 1602, 2495
Physiologische Gesellschaft zu Kiel. . . 240o
Physiologische Methodik, Handbuch der,
von Tigerstedt.. . 666
Physostigmin bei postoperativem Ileus,
von Göth. 92
Pian, mikroskopisches und experimen¬
telles Studium des, von Levaditi und
Natfcan-Larrier.469
Pigmentbildung in vom Körper losgelöster
Haut, von Meirowsky.. 359
Pigmentbildung, postmortale, von König¬
stein . . . . 2305
Pigmentierung, von Preiser 1154, — im
Darm, von Simon.1748
Pikrinsäure, vernarbende Wirkung der,
bei Hornhautläsionen, von Valenti . 1441
Pilokarpin, Einfluss des, auf Harn- und
Speichelsekretionen, von Pasanis . . 1498
Pinselspritze, von Brünings.1447
Piroplasma, Züchtung von, equi, von Mar-
zinowsky.1295
Piroplasmose des Pferdes in Russland,
V von Marzinowsky und Bielitza . . . 1389
quetsche Reaktion, Wert der, von Müller 2436
Pittylen, von Ganz 677, von Haedicke . 1554
Pityriasis rubra Hebrae, von Fabry 631,
von Förster 825, — rubra pilaris, von
Sowinski 676, — versicolor, von Mau 826
Plasmazellen bei den Erkrankungen der
weiblichen Geschlechtsorgane, von Frey 2595
Plazenta, Prolaps der —, von Gans 358, —
succent-uriata, von Rüder 476, Toxiko¬
logie der —, von Lichtenstein 929, —
isthmica, von Bayer 1142, vorzeitige
Lösung der normal inserierten —, von
Kamann 1619, von Scheffen 2393, Gift¬
wirkung der menschlichen —, von
Schenk 2197, Ruptur der — unter der
Geburt, von Scheven. 2448
Seite | Seite
Plazenta praevia, Klinik der, von Krönig870,
Behandlung der —, von FiesHler 164,369,
von Binder 627,von Hammer-schlag 1660,
von Pfannenstiel 1804, von Thies 1805,
von Biehler 2285, von Veit 2491, von
Dührssen 2653, Therapie der — 669, von
Zimmermann 624, von v. Henkel 1293,
Therapie der — und der Eklampsie,
von Baiseh 118, moderne Therapie bei
—, von Hannes 357, Reform der The¬
rapie der —, von Blumreich 530, The¬
rapie und Prognose der —, von Richter
1248, Resultate der konservativen The¬
rapie der —, von Neu 1660, isolierte
Chorionruptur bei — lateralis, von
Büttner 92, Total ex tirpation des ge¬
bärenden "Uterus bei —, von Runge
1701, brauchbares Kennzeichen der —,
von Seilheim 1822, 2177, Metreuryse
bei —, von Krönig 1859, 155 Fälle
von — der Bostoner Gebäranstalt von
Mason 1911, wie sind bei der — die
Erfolge für Mutter und Kind am zweck-
massigsten zu bessern?, von Hannes
2617, 59 Fälle von praevia —, von
Merkel 2666, — praevia isthmica et
cervicalis, von Pankow 2711, manuelle
Lösung der reifen —, von Leo . . . 2711
Plazentarforschung, Technik und Kritik
der, von Liepmann 358, experimentelle
—, von Frankl und Handovsky . . . 1248
Plazentasaft, Giftwirkung des mensch¬
lichen, von Schenk. 2330
Plazentarsyphilis, von Pauli.255
Plazentartoxine, von Frankl.413
Plazentarzyste, seltene Form der, von
Krüger.1088
Plastische Operationen, von Enderlen . . 949
Plattenepithelkrebs von Bach.781
Plattfuse s. a. Fussbeschwerden.
Plattfuss, traumatischer, von Deutsch¬
länder 144, — und Arthropathia psori¬
atica, von Stoffel 854, Heilung des
schweren —, von Reiner 939, nervöse
Störungen nach —, von Muskat 1151,
Beziehungen zwischen Infektion und
—, von Lew}- 1909, Pathogenese des
statisch-mechanischen —, von Giani . 2023
Plattfussbehandlung, Problerhe der, von
Muskat. 304
Plattfussbeschwerden, Behandlung der, von
Schanz.101
| Plattf ussstief el ohne Einlage, von Muskat940,1281
I Plejapvrin-p 410, von Zemik. 2233
I Pleozytose, zerebrospinale, von Kafka . 2668
I Plesch’sche Methode, Kritik der, von Müller 2649
I Plethora, künstliche, und Herzarbeit, von
| Hess.1247
i Pleura, Fibrosarkom der, von Mehrdorf . 465
Pleuraempyeme, Heberdrainage bei, von
Schmidt 752, Sptildrainage nach Saug¬
behandlung des —, von Pust .... 530
Pleuraergüsse, sterile seröse, bei Pleura¬
empyemen und Lungenabszessen, von
Königer 603, Perkussionssymptome bei
—, von Gantz.1392
Plcuraexsudät s. a Troikart.
Pleuraexsudat, von Klemperer 257, Mono¬
nukleose in den — bei Pleura- und
Lungentumoren, von Schlesinger . . 1212
Pleurahöhle, Aufsaugung aus der, von Plate 301
Pleuraresorption, Beeinflussung der, durch
lokale Wärmeentwicklung, von Bittorf
und Steiner.2712
Pleuraverwachsungen, Diagnose und The¬
rapie der, von Rothschild.1682
Pleuritis, traumatische 2386, Autosero-
therapie bei serös-fibrinöser —, von
Schnütgen.197
Plcuritisohe Schwarten, Behandlung der,
mit Fibrolysin, von Schnütgen ... 38
Plexuslähmung, operative, von Barden¬
heuer . 938 1
Pneumatische Erkrankungen,von Grimbach 2540
Pneumaturie, von Sörensen • . ... 2288
Pneumin, Wirkung des, bei Tuberkulose,
von Fischbaum .... .238
Pneumocol. 2234
Pneumokokkenarthritiden, von Zesas . . 2491
2350
777
Seite
Pneumokokkeneiterungen, paraartikuläre,
bei Kindern.2714
Pneumokokkeninfektion, Einfluss der Er¬
kältung in der Pathogenese der, von
Maragiiano 2079, Wirkung der — auf
das Herz, von Kirdlyfi. 2079
Pneumokokkeninfluenza, von Curschmann 377
Pneumokokkenperitonitis, primäre diffuse,
von Robinson 1703, — bei Kindern,
von Carmichael.1926
Pneumokokkus, Biologie des, von Paniehi 2079
Pneumonie, familiäre, von Chauffard und
Widal 2i2, Behandlung der gemeinen
— mit Römer - Pneumnkokkenserum,
von Monti 574, Behandlung der — mit
metallischen Fermenten, von Castellvi
823, kruppöse — der Kinder, von Otten
1495, Abdominalerscheinungen im Be¬
ginn der —, von Glaserfold 1656, peri-
typhlitische Symptome im Beginne der
—, von Melchiorl8<>3, Blutkonzentration
bei —, von Sandelonsky 1854, Natr.
salicvl. bei —, von Wagner 1909, Vak¬
zinebehandlung der —, von Willcox
und Morgan 1979, doppelte — nach
der Entbindung, von Batten 2027, trau¬
matische — 2386, mit Pemphigus kom¬
plizierte —, von Beyer 2494, — Aus¬
sichten einer spezifischen Behandlung,
von Neufeld und Händel. 2549
Pneumonokoniose s. a. Lungenverände¬
rungen.
Pneumothorax, von Lüthje G79, geheilter
innerer — bei Tuberkulose der Lunge,
von Krause 209, Folgezustände des
einseitigen —, von Bruns 818, Behand¬
lung der Lungentuberkulose mit künst¬
lichem —, von v. Muralt. 2581
Pneumothoraxbildung, Nadel zur, von
Saugmann.1140
Pocken, Erkrankungen und Todesfälle an,
in Bayern . 542
Polarwelt und ihre Nachbarländer, von
Nordenskjöld . . 2593
Polikliniken, Erhebung eines Beitrags von
den Patienten in den Universitäts- 308,
deutsche — in Chunking, von Almy
819, Errichtung einer — in Strassburg 2558
Poliomyelitis s. a. Heine-Mcdinsche Krank¬
heit, Kinderlähmung.
Poliomyelitis, von Reichmann 1051, —
acuta, von Savini Castano und Savini
772, von Woiss 1154, von Hochhaus
2353, — anterior acuta, von Hoffmann
422, Epidemie akuter — anterior, von
Wiley und Darden 1093, Prognose der
— anterior acuta, von Berliner 1199,
Behandlung der Lähmungen nach —,
von Lorenz 2083, von Teschner 2083,
bakteriologische Untersuchungsergeb-
nisse bei —, von Potpeschnigg 2124,
Behandlung des Frühstadiums der —
anterior acuta, von Hohmann 2588,
Symptomatologie der — anterior acuta,
von Foerster 2596, experimentelle
Untersuchungen über — anterior acuta,
von Leiner und v. Wiesner. 2653
Poliomyelitisepidemie in Wien 1908/09,
von Neurath. 2026
Polizeiärzte in München.263
Pollutio interrupta, von Näeke.1737
Polyarthritis, rezidivierende tuberkulöse,
von Scliäffer 355, — acuta syphilitica,
von Voss 679, akute kryptogenetische
— gonorrhoica, von Mayer . . . . 2528
Polydaktylie, von Ilöchtlen 74, hereditäre
—, von Manhold. . . 2023
Polygraph, klinischer, von Mackenzie . . 787
Polyhydramnie, einseitige, von Hunziker-
Kramer. 2023
Polyneuritis, von Moritz 2611, — im Kindes¬
alter, von v. Starck 1051, primäre
syphilitische —, von Fragoni 1439,
— degenerativa, von Herzog 1806, —
syphilitica, von Steinert 1838, — galli-
narum und Beriberi, von Maurer . . 2235
Polypen der Portio vaginalis, von Pronai 1805
Polyserositis, von Wiczkowski 931, von
v. Marcnholtz 1702, von Duker 1809,
Digitized b"
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Original fro-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
INHALTS-VERZEICHNIS.
LXIX
1909.
Seite
fibriöso —, von Isler 415, chronische
—, von Loenhardt.2124
Polyzythaemie, von Münzer 925, von
Mainzer 1977, von Senator 2032, —
mit Chorea, von Bardachzi 1343, —
mit Zyanose and Milztumor, von
Müller.1864
Ponsläsion, von Bartels.1513
Portio pyloriea, von Lichtenbeit 727, In¬
karzeration der —, von Labhardt . . .1196
Portopflicht von Pflichtanzeigen über
Krankheits- und Todesfälle . . 640, 2615
Post-partum-Blutungen, Behandlung der,
von Labhardt 1224, Momburgseher
Schlauch bei —, von Kieländer . . . 1552
Postscheck verkehr.694
Praehepatitis tibrinosa et purulenta, von
Kiedcl.1292
Präparate, Gehalt medikamentöser, an wirk¬
samer Substanz, von llarnack 931, —
aus der vergleichend - anatomischen
Sammlung des Altonaer Museums, von
Schmidt . . . .... 2395
Präparierübungen, Anleitung zu, von Rüge 666
Präzipitation im Serum bei Phthise, von
Stoerk . . 481
Präzipitine, von Franceschelli.1294
Präzipitinsera, Gewinnung Organ-spe¬
zifischer, von Grund 2117, von Hecker 2117
Pi äzisionssauger, von Hoerder. 1384
Prag, Studentenfahrt nach.147
Praktikanten, Verzeichnis der zur Annahme
von — berechtigen Krankenhäuser und
Institute. 791, 2615
Praktisches Jahr, Ableistung des, im Aus¬
land 54, Kefonnvorschläge zum—, von
Glaserfeld und Zweig. 2026
Praxis, Zulassung zur Ärztlichen, in Italien
111, im Ausland 111, Verkauf einer ärzt
liehen — 541, 25 Jahre knappschafts-
ärztlicher —- beim Esch weder Bergwerks¬
verein, von Jannes 1434, ärztliche —
und Medizinalgesetzgebung, vonKrohne
1549, — in der Sommerfrische . . . 1824
Praxis verkauf 2613, — eines Zahntech¬
nikers an einen Zahnarzt. 2557
Preis Leuval ... 55
Preisaufgabe. 2039, 2088
Preisausschreiben.2143
Presse, 4. Generalversammlung der Inter¬
nat. Vereinigung der medizinischen . 1456
Primäraffekt auf der Tonsille, von Leder¬
mann 2294, Vereiterung der regionären
Lymphdrüsen bei extragcnitalem —,
von Zieler. 2450
Privatkrankenanstalten, freie Vereinigung
der Inhaber von, in Gross-Berlin . . 591
Privatkrankenkassen, Errichtung von . . 2670
Probeinzision, intrauterine, von Frommer 2121
Processus vermiformis, Haare ira, v. König
833, Pseudoinvaginalion des zystisch
veränderten —, von Schmidt .... 2543
Professoren, Wünsche der ausserordent¬
lichen . 1158
Professortitel 1264, 1311, 1360, 1456, 2296,
2455, Verleihung des preussiachen —
an einen Xaturarzt . . . 2454, 2616, 2672
Projektile, Wirkung moderner, von Rie-
dinger. ... 588
Projodin . 2234
Proktitis, ulzeröse, von Wiesinger . . . 947
Piokto-Perinooplastik, individualisierende,
von Küstner. 1615
Prolapsus ani, Operation des, et recti,
von Bircher . 2595
Prolapsus uteri inversj, vor» Guggisbcrg
358, operative Behandlung komplizierter
—, von Gronarz 1098, — ani et recti,
von Seligmann 1404, Behandlung des
— recti, von F.kehorn 1248, Chinin¬
in jcktionen bei — uteri, von Parsons
1754, Operation des —, von Latzko
2128, von Schaala 2128, plastischer
Ersatz des Sphinkter ani bei — recti,
von Katholicki . . . ..2612
Prolapsusoperationen, von Schauta . . . 2491
Prolapstherapie, von Halhnn.2128
Seite
Promotionsbestimmungen, neue, in
Berlin ..
Propäsin 410, von Stürmer u. Lüders 93,
von Kluger.. . . . .
Prophylaxe, geburtshilfliche antiseptische,
von Fritsch.
Proponal, von Stiefler.
„Pro scuola“ in Mailand.
Prostata, Chirurgie der, von Alexander
299, Reflexneurosen der —, von Porosz
299, Erkrankungen der —, von Wallace
730, entfernte —, von Freyer 1925,
Entfernung der —, von Nicoll .
Prostata!) ypertrophie, von Grunert 473,
von Werther 473, von Schnorl 678,
Behandlung der —, von Hildebrandt
54, von Leser 944, von Desnos und
Minet 1215, Behandlung der — mit
artfremdem Blut, von .Jüngling 251,
wegen — exstirpierte Vorsteherdrüsen,
von Wulft'313, Diagnose und Behand¬
lung der —, von Kevdel 582, operative
Behandlungsmethoden der —, von
Landström 774, Aetiologie der —, von
Rothschild 1097, 1260, Pathogenese
der —, von Runge 1293, — mit Blasen¬
steinen, von Berg 1974, soll man bei
— katheterisieren oder die Prostata
entfernen?, von Herring.
Prostatakonkremente, von Forsch 941,
Röntgenologie der endogenen —, von
Forssell .. . . . .
Prostatakrebs, Frühdiagnose des, von
Moullin. . . . . .
Prostatasarkom, von Cahon 1814, von
k Edington.
| xrostatatuberkulose, primäre, von Wulff
Prostatektomie, von Cahn 773, von Roth¬
schild 1807, — suprapubica extravesi-
calis, von v. Stockum 251, von Kon-
doleon 2004, Wert der verschiedenen
Methoden der —, von Cathelin 298,
transvesikale —, von Brongersma 299,
suprapubisebe —, von Kreuter . . .
Prostatitis chronica cystoparetica, von
Gutmann.
Prostituierte, serodiagnostische Unter¬
suchungen bei —, von Drever und
Meirowsky 2123, unentgeltliche Behand¬
lung von —.
Prostitution s. u. Unzuchtgewerbe.
Prostituiertenuntersuchung, Einfluss der
Aufhebung der polizeiftrztlichen, auf
die Ausbreitung der Syphilis in Frei¬
burg i. B., von Jacobi.
Prostitutionsgesetz, neues, dänisches . .
Protargol, von Freund.
Protozoen und Selbstreinigung, von Stokvis
Protozocninfektioncn, Fortbestehen tro¬
pischer, beim Menschen, von Daniels
Provisionsgeben und Provisionsnehmen
der Aerzte.
Prozess Kastl-Quidde 159, — Fischer . .
Prüfung für den ärztlichen Staatsdienst in
Bayern. 488,
Prüfungsordnung für Kreisärzte 1519,
— für Aerzte, von Burger . . ...
Pruritus s. a. Masturbation.
Pruritus, innere Störungen hei, und Urti¬
karia, von Spicthoff 632, — bei Lymph-
nrienom, von Kol leston 1925, Aetiologie
und Behandlung des — ani, von Toni-
kinson.
Psammom der Arachnoidea des oberen
Dorsalmarkes, von Hertz.
Pseudoappendizitis, von Baginskv . . .
Pseudarthrosen und ihre Behandlung, von
v. Reinhardstoettner 675, Codivillasche
Operation zur Behandlung der —, von
Brade..
Pseudobulbärparalyse, Pathogenese de»*,
von Jakob 1655, — durch Schussver¬
letzung, von Sievern.
Pseudoehancre redue, von Delbanco . .
Pseudodiphtheriebazillen, von Ka ul huch
Preudodysenterie, von Bnennann und
Schaffner.
472
951
530
1092
2340
. 2026
Sette
2599
1170
i
Digitized b"
■V Google
Pseudohermaphroditismus, von Gusseff
1341, — masculinua externus, von
Heinzmann .... .001
Pseudoleukämie, von Josselin de Jong
1809, medulläre —, von v. Domarus
1173, — und Tuberkulose, von Rubino 2546
Pseudoparalysis dolorosa transitoria in¬
fantum, von Tumoweky 1554, — agi-
tans, von Müller de la Fuente . . . 1297
Pseudosimulantin, von Hoehl.1617
Pseudo-Sprossungen der Alkaloide, von
Lecha-Marzo 2182, von Obregön . . . 2182
Pseudotahos, postdiphtheritische, von
\ Roemheld.873
i\Pseiidotubcrkiilose durch Bac. Paratvphi B,
I \ von Dicterlen.1296
■ Psoriasis, familiäre, von Kogon 826, para¬
doxe Salbe bei —, von Dreuw 2399, 2558
Psorospcrmosis follicularis vegetans, von
Rodler 1102, von Pöhlmann 1863, —
Darier, von Hübner. . 1865
: Psyche, gleichzeitige Erkrankung der, und
| des Rückenmarks, von Becker . . . 2493
! Psychiatric und soziale Medizin, von Pick
145, forensische —, von Wevgandt 620,
spezielle gerichtliche —, von Pilcz 666,
Handbuch der gerichtlichen —, von
Hoche 1433, — und Fürsorgeerziehung,
von Schäfer 1554, forensische — in der
Armee, von Mönkemöller 2280, Ein¬
führung in die —, von Becker . . 2385
Psychiatrische Diagnostik, Grundrisse der/
— Rnecke.. . . 463
2026 ! Psychische Funktionen, Lokalisation der,
im Zentralnervensystem, von Winkler
1811, — Grenzzustände, von Pelmann
2487, — Infektion, von Hermkes 1341,
— Therapie in physiologischer Begrün¬
dung, von Kern ...... 2446, 2667
Psychologie, 2. internationaler Kurs der
gerichtlichen, undPByehiatric zuGiessen
109, Abriss der —, Psychiatrie und ge¬
richtliche Psychiatrie, von Dost 818,
— und Heilkunst, von Dubois 1391, ange¬
wandte — in der Medizin, von Shofield 1979
Psychoneurosen s. a. Verdauungsstörungen.
Psychophysische LTntersuchungen mit dem
Galvanometer, von Petorson u. Scripture 2471
Psychoreaktion, s.a.Blut, Kobragift, Geistes¬
kranke, Muchsche Reaktion.
Psychoreaktion, von Much 1001,1046,1055,
Muchsche —, von Bauer IM7, Much-
Holzinannsohe —, von Schultz 1320,
Wesen der sog. —, von Zalociecki . . 1608
Psychosen, pathologische Anatomie der,
von Moriyasu 36, Klassifikation [der
symptomatischen —, von Bonhooffer
38, epileptische — und ihre Behand¬
lung, von Siemerling 93, katatonische —
bei Sinusthrombose, von Stertz 822, —
und Induktionspsychosc, von Kacbigcr
1392, körperliche Storungen hoi funk¬
tionellen —, von Homburger 1437, akut
letal verlaufende —, von Thoma . . . 2230
Psychotherapie, von Stegmann 943, — und
Psychoanalyse, von Juliusburger . 360
Pubiotoinie, Berechtigung der, von Wil¬
liams 255, Erfahrungen der Strassburger
Frauenklinik über —, von Boss . . . 1146
Puerperalfieber, von Deipscr5l4, Diagnose
des —, von Veit 301, 311, bakterio¬
logische Diagnose des —, von Sigwurt
870, von Krönig und Pankow 412, Me¬
thodik der Blutuntersuchung hei —,
von Lauge 1088, Behandlung dos —,
von Zangemeister 1142, von Mayer
1821, von Pinard 2135, von Lutzko 2136,
von Bärsony 2136, von Schinidlechncr
2136, von Keller 2397, bakteriologische
Diagnose des —, von Pankow 1248,
— und der Gesetzentwurf zur Ver¬
hütung und Bekämpfung übertragbarer
Krankheiten, von Ekstein 1341, Be¬
ziehungen der Eihaut- mul Plnzentar-
rctention hei —, von Puppel 1435, in¬
terne Therapie des —, von Walthard
204 i 1441, operative Behandlung des —, von
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1926 |
313 j
2660
631
2670
1104
1203
305
2070
1978
2285
375
1575
1699
1979
2711 |
2398 |
820
2594
738
42
LXX
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Seite
Biimm 1442, lokale Behandlung des —,
von Winter 1442, Bakteriologie des —,
von Baisch 1442, Diagnose und The¬
rapie des —, von Fromme 1448, Bak-
teriotherapie des —, von Robbers 1444,
Indikationsstellung bei d. chirurgischen
Behandlung des —, von Kroemer 1445,
kombinierte aktiv-passive Schutzimp¬
fung und Therapie beim —, von Levy
und Hamm 1728, Prognose des —, von
Bondy 1807, gleichförmige Statistik
des —, von Rissmann . . ... 2491
Puerperalticberfällc, Gesamtstatistik der
operativ behandelten, von Wormser 1443,1965
Puerperale Erkrankungen, Antitrypsinbe-
Stimmungen bei, von Thaler 1445, —
Infektion, Bedeutung des Wannenbades
für die, von Hörmann.1442
Puerperalprozess, Therapie des, von Meissl 146
Puerperalpsychosen, Aetiologie der, von
Regensburg.2713
Puerperium, rationelles Verhalten im, von
Haultain. 2452
Pulpagangrän, rationelle Therapie der, von
Mayrhofer.666
Puls s. a. Kammervonenpuls, Kapillarpuls.
Pulsionsdivertikel des Oesophagus, von
Kayser. 2606
Pulsus alternans, von v. Hoesslin .... 1354
Pulsdruck bei Arteriosklerose, von Kisch 735
Pulsometer, von Fellner.360
Pulsschreibung,Methodik der, von Fleischer 2544
Pulswellenlänge, rhythmische Schwan¬
kungen der, und des Blutdruckes, von
Funke.1152
Punktion, Instrument zur lumbalen, etc.
von Kausch. 38
Pupille, Verengerung einer lichtstarren,
durch Dionmeinstreuungen in das an¬
dere Auge, von Laas.985
Pupillenreaktion, Hessscher Apparat zur
Prüfung der hemianopischen, von
Pondojeff. 2294
Pupillenstarre, katatonische, von Westphal 1296
Pulmonalstenose, Pathologie und Diagnose
der, von Posselt.531
Purgiermittel, subkutane Anwendung von,
von Nicolini.1093
Purinfrcie Diät, von Bryce.416
Purinstoffwechsel, von Landau 1086, von
Ackroyd.1754
Purjodal. 2234
Puro.487
Puroprozess. 2454
Purpura, mechanische und orthostatische,
von Eason 40, — haemorrhagica fulmi-
nans, von Kluger 304, von Ebner 2329,
— mit Nekrosenbildung, von Land¬
wehr 1537, — Honochs, und Darm-
invagination, von Lett 1202, — perni¬
ziöse Anämie undHämophilie, vonLabbe
und Laignet-Lavastine 2081, — fulmi-
nans oder hämorrhagische Sepsis puer-
peralis, von Sachs . . . .2175
Pyämie nach Abort, von Hartog 993, oto¬
gene —, von Haymann 1351, Venen¬
unterbindung bei puerperaler —, von
Antoine.1394
Pyelitis, Diagnose der, von Hartmann 1305,
primäre —, von Saathoff 2283, akute
—, von Mirabeau. 2609
Pyelographie, von Lichtenberg.941
Pyelonephritis, infektiöse, von Ekehorn
774, — u. Zystitis bei Tabes, von Gold¬
schmidt . 43
Pyelotomie, von Rubesch.482
Pyelozystitis des Kindesalters, von Göppcrt 822
Pylorospa8m‘uH,rektaleKochsalzinfuHsionen
bei, der Säuglinge, von Rosenhaupt . 2232
Pylorus s. a. Portio.
Pylorus, Prüfung der Permeabilität des,
von Einhorn 1389, Lage des —, von
Lichtenbeit. 1810
Pyloruskrampf und Fett in der Nahrung,
von Biedert. 2436
Pyloruskrcbs, von Smith ..1981
Pylorusreflex, Diagnose und Klinik des,
von Glücksmann.2182
Pylorusstenose, von Hecker und Pfaundler
Seite
1512, hypertrophische — der Säuglinge,
von Ibrahim 486, Prognoso u. Therapie
der angeborenen spastischen — der
Säuglinge, von v. Starek 1051, hyper-
tropische — im Säuglingsalter, von
Kaspar 1180, — im Säuglingsalter, von
Bernheim-Karrer 1495, von Pfaundler
2652, — beim Säugling, von Ochsenius
und Weber.1617
Pyometra, Plattenepithel bei, von Bondi 35
Pyonephrose, von Völcker 43, tuberkulöse
—, von Loewenhardt. 2658
Pyopneumothorax mit Tuberkelbazillen im
Exsudate, von Novotny.1610
Pyosalpinx, von Rieck 1046, — duplex,
von Schwab.1977
Pyosalpinxerkrankung, Operation der, von
Amberger.821
Pyozyanase s. a. Diphtherie.
Pyozyanase, Behandlung mit, von Weil 90,
— bei der Behandlung von Hals-,
Nasen-, u. Ohrenkrankheiten, von Traut¬
mann . . 581, 682
Pyozyanasebehandlung der Diphtherie, von
Grösz und Bän .... .178
Pyozyaneus, Allgemeininfektion,vonSudeck 1848
Pyramide, Gruppierung dermotoxischer
Bahnen im Seitenstrange der, von Häll-
ström.870
Pyrenolstreit.410
Pyrogalloleinwirkung auf die Haut, von
Kopytowski. 2336
«.
Quackmedizinen, von Mc Walter .... 1980
Quadrizeps, Verlängerung der Sehne des,
von Prampolini .2613
QuadrizepHplastik, von Selberg.1609
QuadrizepHsehne, doppelseitige Zerreissung
der, von Stierlen.672
Qualifikation der approbierten Aerzte in
Bayern .264
Quarzlampe, Behandlung von Hautkrank¬
heiten mit der Kromayerschen, von
Bering 197, Wirkung der Kromayer-
schen —, von Cappelli. 2335
Quecksilber s. a. Hg.
Quecksilber, Resorption und Elimination
des bei Schwefelthermalbädern, von
Schuster 825, gegenseitige Beeinflus¬
sung von — und Schwefel im Orga¬
nismus, von Bruck 1855, atoxylsauros
—, von Miekley 2231, Elimination des
—, von Welander. 2335
Quecksilberbehandlung beim Säugling, von
Lesn6 589, von Comby 1215, neue
Methode der —, von Kaufmann 932,
provokatorische —, von Donath . . . 2390
Quecksilberbestimmung imUrin, vonRatner 630
Quecksilber-Emulsionen, neue Vehikel für,
von v. Leszcynski.630
Quecksilberkur, beste, von Rohde 2334,
Kombination von —, mit Schwefel¬
bädern, von Schuster ...... . 776
Quecksilberlampe, Kromayers, von Jansen 631
Quecksilberlicht in der Dermatologie, von
Reines.1610
Quecksilber-Intoxikation, von Klingmüller 2664
Quecksilbermanometer, verbessertes, zu
Blutdruckbestimmungszwecken, von
Zabel und Schrumpf.1431
Quecksilberoleobrassidat. 2234
Quecksilbcrpräparatc, lokale Verände¬
rungen nach Injektion unlöslicher,
von Dohi ..825
Quecksilborreaktion, hämorrhagische, bei
Frühlues, — von Wachenfeld .... 825
Quecksilberschnupfungskur, von Cron-
quist. 630, 773
Quellstoffe, sind, notwendig ? von Fleisch¬
mann . . 92
Querkolon, Striktor des, von Oestreich . 1656
Querlagen, Mechanik und Therapie der
verschleppten, von Zangemeister . . 924
Querlage, Wendung, Extraktion, von
Schultzo 2329, Behandlung der ver¬
schleppten —, von Herz. 2651
Querschnittsmyelitis, von Hancken . . . 1714
Seite
R.
Rachen, Freilegung von Tumoren im, von
v. Rydygier. 93
Rachendachhypophyse, andere Hypo¬
physen gangresto und deren Bedeutung
für die Pathologie, von Haberfeld . . 2437
Rachongoschwulst, von v. Beesten . . . 2490
Rachenkatarrh, Behandlung des akuten,
von Fein . . .. 2399
Rachenmandeln, anatomische Verschieden¬
heiten der, von Hett 1201, zur Ab¬
tragung der —, von Fein.1895
Rachianästhesie, allgemeine, von Jonnesco 2346
Rachiotom-Rachiotomie, von Küstner . . 1606
Rachitis s. a. Brustkorb, Nebennieren¬
blutung.
Rachitis, von Kassowitz 1294, Beziehungen
des Knochenmarks zum Knochenge-
webe bei —, von Oehme 575, Kalk in der
Pathologie der —, von Schabad 985,
1090, pathologische Anatomie der —,
von Schmorl 1256, Stoffwechsel bei —,
von Rietschel 1303, Klinik der —, von
Brückner 1304, Behandlung der — mit
Lebertran, Phosphor und Kalk, von
Schabad 1489, Veränderungen des
Knochenmarkes bei —, von Marfan,
Baudouin u. Feuillid 1716, Beziehungen
der — zu den hämatopoetischen
Organen, von Aschenhain und Ben¬
jamin . 2649
Rachitistherapie, von Orgler.1088
Rachitische Deformitäten, von Schanz . 1304
Radialislähmung nach Oberarmbruch bei
der Armlösung, von Fürth 1859, Be¬
handlung der primären — bei Ober¬
armbrüchen, von Krabbel . 2542
Radioaktivität und Kropf, von Barlow . 1980
Radioelemente, neue Art der therapeu¬
tischen Anwendung der Umsetzungs¬
produkte der, von Sommer .... 1856
Radiograph, neuer, von Lepper.773
Radiographie zur Diagnose Chirurg. Er¬
krankungen innerhalb des Thorax, von
Ribera y Sans.199
Radiol. 2234
Radiologie, Atlas der normalen, von Hau-
champs, Klynens und Mahaux . . . 463
Radiologisches Institut.1158
Radiolpräparate, von Kernen. 2239
Radiometer, neues, von Sommer 882, Lep-
persches —, von Immelmann .... 882
Radium s. a. Emanationstherapie, Epithel-
krebs, Trinkwasseraktivator.
Radium, Einfluss von, auf die hamsauren
Salze, von Gudzent 1198, — in der
Chirurgie, von Treves 1200, therapeu¬
tische Anwendungsgebiete des —, von
Wickam.1752
Radiumbäder, Emanationsverlust in, von
Wintemitz.2183
Radiumbehandlung, von Lawson und
Davidson 2348, — der bösartigen Ge¬
schwülste, von Caan. 2030, 2147
Radiumemanationen, Behandlung mit, von
Fürstenberg 39, Einfluss der —, auf
den Gesamtstoffwechscl, von Silbergleit
1392, Nachweis der durch Trinken auf¬
genommenen — im Urin, von Laqueur
1856, Messungen von —, von Riedel 1856
Radiumemanationstherapie, physikalische
Grundlagen der, von Kohlrausch und
Nagelschmidt. .... 301
Radiumforschung, britisches Institut für,
283, gegenwärtiger Stand der —, von
Elster 2126, von Brill.2126
Radiumkataphorese, von Kohlrausch und
Radiumstrahlen, von Nahmmacher . . . 366
Radiumtherapie, von Wickham 1979, —
des Karzinons der Brust, von Wickham
und Desgrais 1669, — in der Chirurgie,
von Delbet..1974
Radiusbruch, Verband des, von Teske . 2232
Radiusmissbildung, kongenitale, von v. Surv 531
v. Ranke Heinrich f, von Seitz . 1082
Rankenangiom des Gehirns, von Ranzel 1909
Rankenneurome, von Wegelin.359
□ igitized by
Gck igle
Original frorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
LXXI
1905
Seite
Uattenseuche durch den Bac. enteritis
Gärtner, von Schern.1496
Rauch, Einwirkung von, und Russ auf die
Gesundheit, von Ascher.823
Rauchen s. a. Magensaftfluss.
Rauchplage in den Städten, von Ascher
und Hauser.2140
Uaumdeainfektion, apparatloae, mit Formal*
dehid, von Bochecke 2278, — mit
Formaldehyd • Kaliampermang&natver¬
fahren, von Hannes. . 2611
Ravnaudache Krankheit, von Wandel 209,
von Beck 2392, Prophilaxe und Therapie
drohender Fingergangrän bei —, von
' Noesske .... .2410
Vveaktion, lokale, am Auge nach aublkutaner
Injektion von Alt-Tuberkulin, von
Kupprecht 1663, Wert der Bordelschen
und Pirquetachen —, von Bermbach
Realenzvklopädie,Eulenburga,dergeBamten
Heilkunde. 771, 1169, 2248
Recklinghausen morbus, von Hintz . . . 1808
Rectosanol. . . 1032
Redressionsrahmcn von Wollstein zur
Behandlung schwerer Skoliosen und
Kyphosen, von Wahl ..684
Reflex s. a. Gaumenreflex.
Reflexe, nervöse, von verschiedenen Or¬
ganen auf den Uterus, von Kehrer
1562, — als Hilfsmittel in der Dia¬
gnose von Geisteskrankheiten, von
MacCormac . 1979
Reflexkeme, von Kohnstamm und Hinde¬
lang . •. 1254
Reflexneurosen durch Abnormitäten der
Nase und den Augen, von Ziegler . . 255
Refraktionaanomalien, Aetiologie der, von
Straub . ..1810
Regeneration mit Neubildung von Gefässen
und Haut, von v. Fay Kiss und Minor-
vini.1973
Reglementierung, Reform der. 2087
Reichsümter, Wechsel in den höchsten . 1517
Reichagesundheitsamt, Mitglieder des . . 2851
Reichsratskammer, bayerische. 2454
Reichssanitätsgesetz, Reorganisation des
österreichischen . .. 2285
Reichsstatistik, psychiatrische, von Vocke 1614
Reichstag, aus dem .373
Reichs verband deutscher Aerzte 999, 1169,
1357, Absage an den — .... . 1202
Reichsversicherungsamt 429, Entscheidun¬
gen des — aus dem Jahre 1908, von
Franck. 2385
Reichsversicherungsordnung 840,951,1050,
1111,1310, 1451,1517, 1767, 1872, 2143,
2503, Entwurf der — 742,791, von Scholl
700, 791, — im Aerztetag 1398, 1400,
1407, Resolution des Vereins der Bres¬
lauer Aerzte zur — 988, Geschäftsaus¬
schuss und — 999, Dr. Mugdan zur —
999, Stellungnahme des Leipziger Ver¬
bandes zur — 1158, Hamburger ärztl.
Verein zur — 1159, Stellung des allg.
mecklenburgischen Aerzterveroins zur
— 1215, im B.-V. Nürnberg 1261, baye¬
rische Aerztekammern und — 1263,
Erklärung zur — 1263, Schreiben des
Staatssekretärs d. I. an den Vorsitzen¬
den des Aerztetages betr. — 1868, 1869,
znr Verständigung über die — 1982,
1983, — und soziale Hygiene, von
Hanauer 2000, Denkschrift der med.
Fakultät zu Tübingen zur — .... 2615
Reifezeichen, ein aufgestelltes, von Bauer 1659
Reiseerinnerungen, medizinische, aus
Japan und China, von Fraenkel 400, 488
Reifiestipendien, medizinische, in Bayern 1112
Keiskörperhygrom, von Hirsch 1448, —
der Schultcrschleimbeutel, von Hirsch 2071
Reize, Summation einzeln unwirksamer,
von Steinach 1604, Theorie des elek¬
trischen —, von Nernst.1604
Kcizleitungsfasern, Nachweis von sog., an
der Vorhofkavagrenze, von Thorei . . 890
Beizlei tu ngssystem, Unterbrechung dos,
durch ein im Herzseptum (sitzendes
Gumma, von Fahr ..948
Rektalgonorrhöe, von Eichhorn. 2836
2281
2497
931
1765
Seite
Rektalnarkose, von Dumont .... 93, 2490
Rektumkarzinom, Technik der abdomino¬
perinealen Operation des —, von
MoB/kowioz 881, plastische Verwendung
des Uterus bei Operation des —, von
v. Franquö 1077, Operabilität des —,
von Zimmer.1909
Roktumprolaps, Heilung des, durch Tam¬
ponade, von Sick . 2022
Rekurrens, Atoxylbehandlung des, von
CzerkasHow 875, Behandlung des russi¬
schen — mit Arsazetin, von Iversen 1700
Rekurrenslähmung, Pathogenese und sc-
meiologische Bedeutung der, von
Guder und Dufour.• . . 2179
Remedies, New and non official .... 951
Rengenerin.4UT{
Renoform, von Freund und Redlich . . 410
Rentenbowerber, Begutachtung der, durch \[
die behandelnden Aerzte. 2440
Rentenneurosen, Behandlung und Ver¬
hütung der nichttraumaÜHchen, von
Beyer.104
v. Renvers t. 692
Reptilienniere, Bau der, von Zamik . .2714
Resektion des Gangl. Gasseri, des 2. u. 3.
AHteH des Trigeminus und Unterbindung
der Meiling, med., von Mastrosimono
Respiration, kontinuierliche, ohne respi¬
ratorische Bewegungen, von Meitzer
und Auer.*..
Respirationskalorimetcr in Boston, von
Falter.
Retinitis proliferans, von Harms ....
Retroflexio, Behandlung der, uteri flxata,
von Rindfleisch 80, — uteri in der all¬
gemeinen Praxis, von Henkel 101,
Therapie der — nteri gravidi flxata,
von Henkel 041, operative Behandlung
der — uteri flxata, von Palm 1805,
Operation der komplizierten — uteri,
von Bröse.
Retrofloxionsoporationcn, Technik und
Indikation der, von Sonnenfeld . . .
Retroversio, neue Methode der Ligament¬
verkürzung bei, uteri, von Jeric . .
RetroverHio-flexio,zweckmä88igsteProfixur*
methode bei, von Küstner.
Retropharyngealabszesse, Operation der,
von Rösling.
Rettungs wesen, Vereinheitlichung des
Berliner 98, Neuregelung des Berliner
— 838, — im Bergbau und Tunnelbau,
von Kaupert 932, Aerztevcrein des Ber¬
liner —.
Reversangelegonheit.
Rezept, Fälschung eines.
Rhachian ästhesie, allgemeine, von J onnescu
1393, — zur Anästhesierung sämtlicher
Körperregionen, von Jonnescu . . .
Rhachioklast, neuer, von Küstner . . .
Rhachistovainisierung, Technik der regio¬
nären, von Pop-Avramescu.
Rhachiotom, Küstnersches, von Wernitz
2024, Küstnersches — in der Praxis,
von Küster.
Rhachitis s. a. Rachitis.
Rheumatismus s. a. Zerebralrheum, Gicht,
Myokarditis.
Rheumatismus, Behandlung des chroni¬
schen, mit hoisser Luft und Kata-
phorese, von Bailey 673, Behandlung
des akuten und »ubakuten —, von Lee«
674, — nodosus, von Schmidt 1353, Kreo¬
sot und Tolusäuren bei akuten —, von
May 1980, Behandlung von —, mit
Rubefazientien 2200, Hyperämiebe-
handlung —, von Seifert 2248, von
Wahle.
Rheumatismus watte.1031
Rhein, Berichte über biologische Unter¬
suchungen des —, von Lauterborn
2070, von Marsson. 2070
Rhinitis, Behandlung der atrophica
mit Paraffin, von Garcia 3 Dürre 1499,
Behandlung der — acuta, von Trumpp 2422
Rhinophyma, von Hoffmann 1662, von
Gappisch 1759, operative Behandlung
des —, von Fabry.677
\Ril
1965
822
1089
252
2068
1984
109
741
2658
1615
633
2230
Digitized b"
■V Google
Seite
Rhinoplastik, totale, von Gomoip .... 633
Rhinoreaktion, von Lafite-Dupont und
Molinier . 1055, 1557
Rhinosklerom, Behandlung des mit Rönt-
genstrahlen, von v. Ruediger-Rydygier 253
Rhombus s. u. Extensionsschiene.
Riesenhämangiom, von Grünbaum . . . 685
Riesenwuchs, von Dclbanco 8|4, ange¬
borener, partieller —, von Dreifuss . 2197
Riesenzellensarkom in den Rückenwirbeln,
von Madelung 408, — der Wirbelsäule
von Schümann 479, — in der Wand
eines Ovarialtumors, von Pucher . . 2175
Riga-Fedesche Krankheit, von Abetti, . . 871
v. Rindfleisch, Festschrift für G. E. 29,
von Borst 191, Verzeichnis der wissen-
v schaftliclien Arbeiten von —, . . . . 409
'Rinder- und Menschentuberkelbazillen,
^ von Trommsdorff ..... J .. . . 2604
\Rindertuberkulose, Bedeutung der, für die
\ Infektion im Kindesalter, vpn Hohl¬
feld . 2239
Rinderzucht, Ersatz der, durch Schaf-,
Ziegen- und Pferdezucht behufs Unter¬
drückung der tuberkulöson Infektion
der Menschen, von Mendez.1499
Ring, Meyerscher, von Rüder.476
Ringwurm, Röntgenbehandlung des —,
von Cooper.1979
ippenknorpelanomalien, Freundsche
Lehre von Zusammenhang primärer,
mit Lungentuberkulose und Emphysem,
von Jungmann.1747
Rivaltasche Reaktion, von Romanelli . . 306
Riviera, klimatischer Einfluss der —, auf
die oberen Luftwege, von Mignon . . 987
Robylan. 2234
Robert Koch, Stiftung zur Bekämpfung
der Tuberkulose. 54
Rockefcller-Instituto for Medical Research
in New York. 2323
Rodelverlctzungen, typische, von Fischer 2121
Röhrenknochen, Zysten der langen —,
von Röpke.833
Röntgenatlas, von Leopold 1502, geburts-
hülflicher —, von Leopold und Leise¬
witz . 2827
Röntgenaufnahmen s. a. Wismut.
Röntgenaufnahmen, ungiftiger Ersatz des
Wismut für —, von Lewin 042 ,—in sehr
kurzen Zeiten, von Dessauer 883, ver¬
besserter Verstärkungsschirm für —,
von Rösler.2713
Röntgenaufnahmevorfahren, neueB, von
Dessauer und Wiesner . . . 2208
Röntgenbefund in der Tibia, von Krause 209
Röntgenbehandlung der Hyporidrosis und
Seborrhoea oleosa, von Kromayer 170,
ftuHserliche — innerer Organe, von
Beck.1911
Röntgenbestrahlung, Aetiologie der Früh-
rcaktion nach —, von Schmidt 197,
Wachstumsstörungen nach —, von
För8tcrling882,Gehirnschädigungdurch
—, von Krukenberg.882
Röntgenbilder, von Alexander 941, von
Gocht 941, — bei Osteopsathyrosis und
Chondrodystrophie, von Schmidt 942,
Bestimmung der wahren Grösse von
Organen etc. aus dem Schatten im —,
von Geigel 1040, Identifikation von
Punkten im —, von Levv-Bom 2653,
Doppelanfnahmen von —, von Levy-
Dora. 2653
Röntgendomonstrationen, von Klieneberger 1096
Röntgendermatitis, Fibrolysinpflaster, bei,
von Immclmann . . . . .- 941
Röntgcndosiorung in Theorie und Praxis,
von Kromayer.882
Röntgendurchleuchtungen l>ci Tageslicht
von Davidsohn.’. 93
Röntgenokzcm. 2386
Röntgonhandbuch.1650
Röntgenkarzinom, von Coenen 418, von
Schmidt 530, von Herxhcimor .... 1045
Röntgenkinemntographie, von Groedel 589,
1096, Technik der —, von Grödel . . 627
Rüntgonkurs in Hamburg 895, in Frank¬
furt . 2247
Original fro-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
LXXII
INH ALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Seite
zum
. . . 2385
. . . 2397
1075
280
2487
941
942
882
1205
Röntgenlaboratorium, Vorbereitung
Arbeiten im —, von Harrass
Röntgenluminiszenz, von Bardachzi
Röntgenmomentaufnahmen, von Dessaner
Röntgenogramme, kinematographisch auf¬
genommene, der inneren Organe, von
Kästle, Rieder und Rosenthal ....
Röntgenographie in ihrem photographi
sehen Teil, von Lüppo Cramer . . .
Röntgenpausen, Herstellung von, bei Tages
licht, von Davidsohn. 2545
Röntgenplatten, opake, von Ejikmann 941,
— in Einzelpackung, von Davidsohn
Röntgenröhren, Wolfram für, von Schwarz
Röntgenschädigungen, von Gocht ....
Röntgen-SchnclF und Momentaufnahmen,
von Bardachzi..1306
Röntgenstereogramme, Projektion von, von
Levy-Dorn.
Röntgenstrahlen, Schädigungen durch, ihre
Verhütung, Behandlung und forensische
Bedeutung, von Gocht 18, — im Dienste
der Therapie, von Müller 226, Idiosyn¬
krasie gegen —, von Gocht 577, Tiefen¬
bestrahlung mit —, von Dorn 897, Mes¬
sung der Intensität der —, von Walter
882, Desensibilisierung gegen — und
Radiumstrahlen, von Schwarz 1217, —
und die Aetiologie des Krebses, von
Dieffenbach 1910, — als diagnostisches
Hilfsmittel bei Carcinoma ventriculi, von
Pfahler 1911, Einfluss der — auf das
Lungengewebe, von Wohlauer 2124,
Idiosynkrasie gegen —, ovn Orlowski
2336 — Fortschritte in der Dosierung
der —, von Schwarz 2578, Einwirkung
der — auf den Hoden, von Simmonds 2663
Röntgenstrahlenhärte, Aenderung der, von
Klingelfuss.882
Röntgenstrahlenkrebs, von Rowntree . . 1753
Röntgenstrahlenmessung in der Praxis,
von Davidsohn.303
Röntgentechnik, neueB Messgerät für die,
von Werner 1092, ambulatorische —
in Krieg und Frieden, von Gillet
Röntgentherapie, Handbuch der, von Wet-
terer 140, 141, — in der Gynäkologie,
von Albers-Schönberg 413, 955 , Kom¬
pendium der —, von Schmidt .
Röntgen tief enbestrahlung, Dessauersche,
von Schüler.1702
Röntgentiefentherapie mit Massendosen,
von Köhler.. . . . 2914
Röntgenulcus, von Hübner 424, vonlmmel-
mann 380, Behandlung dos —, von
Immelmann.941
Röntgenuntersuchung des Darmes, von
Groedel 474, stereoskopische — innerer
Organe, von Grunmach 941, — der
Brustorgane und ihre Ergebnisse für
Physiologie und Pathologie, von Arn-
sperger 2021, jetziger Stand der — des
Harnapparates auf Konkremente, von
Immelmann. 2294, 2345
Röntgen Verbrennung, nervöse u.psychische
Störungen nach, von Krause .... 882
Röntgenverfahren in der otiatrischon und
rhinologischen Diagnose, von Jansen 2542
Röteln, systematische Lymphdrüsenscliwel
lungen bei, von Hamburger u. Schey
2809 , Diagnostik der —, von Hilde¬
brandt .
Romanoskopischer Befund, typischer, von
Singer..
Romanowskyscho Färbemetliodc, Verbes¬
serung der, von Joseph . . .
Ronccgno, Quellen von.
Rost, Vorbeugungsmittel gegen, von Viede
bach.
v. Rosthorn Alfons f, von Neu ....
Rotationsgeburtszange, von Jaks . . .
Rotes Kreuz, Hilfeleistung des, bei elemen
taren Ereignissen.
Rotlaufbazillen, Einwirkung normaler Tier¬
sera auf, von Banzhaf 1707, Biologie
des —, von Stickdorn.
Rotz, Diagnose des akuten, von Arzt 361
chronischer —, von Zieler 1407, —
2328
. 1699
2485
39
96
1111
1861
1900
1742
216
2028
Seite i
beim Menschen, von Bernstein und I
Rock Carling..1200
Rückblick und Ausblick, von Wright . . 1979 j
Rückenmark, Physiologie und Pathologie i
der sensiblen Wurzeln des —, von
Bälint 354, extramedullärer Tumor des
—, von Sick 1046, Tumoren des —,
von Meyer 1406, — Stichverletzung
des —, und Leitungsbahnen im —, von
Fabritius. 2493
Rückenmarksanästhesie, von Rehn 528,
— an der Berliner chirurgischen Uni¬
versitätsklinik, von Bier 91, akuter :
Dekubitus infolge — durch Stovain, !
Bilancioni 1556, Erfolge der — bei La-
parotomien, von Seilheim.2137
Rttckenraarkserkrankungen nach Trauma,
von Hellbach.2711
Rückenmarkshäute, diffuse Geschwülste
der weichen, von Strassner.2711
Rttckenmarkstumor, von Ewald u. Winck-
ler 727, intramedullärer —, von Nonne 680
Rückfallfieber s. a. Spirochaete.
Rückfalltieber, von Manteufel 576, Epide¬
miologie des europäischen —, von
Manteufel.577
Rückgratverkrümmungen bei lumbosakra-
len Assimilationswirbeln, von Cramer
143, — bei Tieren, von Härtel . . . 1493
Ruhr, spezifische Therapie der, von Schot-
telius . . 1150
Ruhrkranke, ungewöhnliche Bakterien¬
befunde bei —, von Kuhn und Woithc 2603
Ruhrstämme, Differcntialdiagnose von,
von Mayer. . 1665
Rumpfkompression, Stauungsblutung nach,
von »Schultze. 2651
Rundschau s. a. Teil IV, Journalliteratur.
Rundschau, schweizerische, für Medizin . 1576
Rundzellensarkom, von Wilke 1052, —
des Beckens, von Fischer 1916, — der
mediastinalen Lymphdrüsen, von
Fischer.1917
Runge Max f, von Zinsser.1748
Russelsche Körperchen, von Fick . . . 465ü
Russische Statistik, moderne. 1037 7
Russoschc Reaktion, diagnostische Be¬
deutung der, von Dibailow.1343
S.
Sabromin 410, von Rad.1513
Sachverständige s. a. Gebühren.
Sachverständigentätigkeit, Handbuch der
ärztlichen, von Dittrich.1698
Säugling, Kampfer bei alimentärer In¬
toxikation des, von Würtz 185 , Energie
bedarf der —, von Rosenstem 466,
Nahrungsbedarf künstlich ernährter —.
von Oppenheimer 480, 2492, Konsul¬
tationen für — und Milchküchen, von
Ausset 483, Sterblichkeit der — in
ihrem territorialen Verhalten in Würt¬
temberg, Bayern und Österreich und
die Wehrfähigkeit der Jugend, von
v. Vogl 1192, 1853, Chlorausscheidung
beim —, von Freiberger 1946 , Schädi¬
gung magendarmkranker — durch fett¬
haltige Ernährung, von Neumann 2436,
— Stoffwechsel des — in den ersten
14 Lebenstagen, von Langstein und
Nicmann 2499, Blutkonzentration des
—, von Reiss 2652, der — im Hoch¬
gebirge, von Neumann. 2653
Säuglingsalter, Physiologie des, von
Schlossmann.2185
Säuglingsekzem, Klinik und Therapie des
konstitutionellen, von Feer 118 , diäte¬
tische Behandlung des —, von Witzinger 1609
Säuglingsernährung, von Deutsch 258, von
Borger 1391, ratsamste Methode der
öffentlichen Fürsorge für die —, von
Heubner und Dietrich 1032, Rollo des
Eiweiss in der —, von Grosser 1990 ,
Theorie der —, von Noeggerath 2132,
serologische Untersuchungen zur —,
von Nocggcrath. 2330
Seite
Säuglingsfürsorge, Bericht über die Tätig¬
keit der Zentrale für, in München, von
Groth 98, Ausbildungs- und Fortbil¬
dungskurs in der — in Düsseldorf 543,
moderne —, von Schlesinger 924, von
Steinhardt 1665, — in Bayern 1111,
— in Altona, von Grüneberg 1352, —
und ihre Fortschritte im Jahre 1908,
von Schröder 1391, — in Schwabach
im Jahre 1908, von Raab 1789, — auf
dem Lande und Leichenschau, von
Pittinger 1898, Verein für — im Re¬
gierungsbezirk Düsseldorf .... .2143
Säuglingsfürsorgcbewegung, deutsche, im
Jahre 1908, von Reinach.1245
Säuglingsfürsorgestellen der Stadt Berlin
im Jahre 1907/08, von Tugendreich . 2494
Säuglingsham, Stickstoffverteilung im, von
Vogt. 1436, 1654
Säuglingsheim in München 1055, — in
Regensburg .2615
Säuglingsinagen, Funktionsprüfung des,
von Schütz .. . 94
Säuglingsmilchküchonfrage, von Reinach
und Grimm .... .1194
Säuglingspflege, volkstümliche Vortrags¬
kurse über — in Greifswald 263, Kurse
für —, 639,—im Krankenhaus, von Gewin 1342
Säuglingsschutz, Kongress für, 1396, 1518,
Landeszentrale für —. 2399
Säuglingssterblichkeit und Sommertem¬
peratur, von William 144, — in Breslau
147, Bekämpfung der —, von Meinert
303, Bedeutung sozialer Momente für
die —, von Liefmann 576, — im
Königreich Bayern, von Haermer 871,
— in Frankfurt a. M., von Hanauer
1045, Sommergipfel der —, von Finkei¬
stein 1357, Entbindungsanstalten,
Wöchnerinnen- und Säuglingsheime
als Mittel zur Bekämpfung der - , von
Dietrich, Salge und v. Franqu6 1397,
Herabminderung der — 2139, Still¬
prämien zur Bekämpfung der — 2399,
— im Grossherzogtum Mecklenburg-
Schwerin, von Brüning..2648
tSäuglingstuberkulose, von Aronadc 1803,1
von Mallinckrodt.12390
Säuglings wage, einfache, von Holzapel . 612
Säurebildung im Säuglingsdarm, von Hecht 2132
Sajodin, von Marcantoni.1556
Saitengalvanometer, Modell des Einthoven-
schen, von Westerland. 2495
Sakraltumoren, von Eicke 2069, von Heinz¬
mann . 2797
Salaamkrampf, von Wennagel.1513
Salbe, paradoxe, von Dreuw . . . 2399, 2558
Salbonprobe, Morosche, von Weil . . . 2474
Salbenreaktion, Morosche, von Bullinger
1325, von Determann. 2606
Salbengrundlagen, neuere, in der Augen¬
heilkunde, von Best.884
Salizylsäure, Resorptionsfäbigkeit der Haut
für, von Schumacher 97, Geschicht¬
liches zur Einführung der — in die
Therapie des akuten Gelenkrheumatis¬
mus, von Meitzer . . . .1890
Salicylsäurcbehandlung, Geschichte der,
des Gelenkrheumatismus, von Meitzer 1568
Salizylkonservierung, von Ficker ... .1197
Salipyrin.410
Salmonellagruppe, von Sciffert.1748
Salomonschc Probe, von Goodman . . . 2277
Salpingitis tubcrculosa, von Voigt 300,
Histologie der — gonorrhoica, von
Amersbacli .1552
Saluti sencctutis, von v. Lindheim . . . 1138
Salze, Physiologie der, von Höher . . . 2449
Salzfieber, von Davidsohn und Friedemann
1296, da« sogenannte — und die Chlor¬
ausscheidung beim Säugling, von Frei¬
berger 1949, — bei Kaninchen, von
Davidsolm und Friedemann. 2070
Salzsäure, Vergiftung mit, von Geissler
626, Verhältnis von freier — Gesamt¬
azidität, Pepsin und gelöstem Stickstoff
von Rose .1247
Salzsäuretherapie, von Fuld.894
Digitized b'
■V Google
Original fro-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
LXXIII
8eite
Salzstoffwech.se], innere Sekretion und,
von Faltn, ßertelli, Bolaffio, Rudingcr
und Tedesco.936
Samariterlehrkurse für Acrzte in Berlin . 431
Samenstrang, Thrombose einer Vene des,
von Ransohoff .299
Sammlung für die durch die Katastrophe
in Süditnlicn betroffenen Acrzte und
deren Hinterbliebene 55, 112, 160, 216,
264, 320, 376, 432, 433, 541, 592, 640,
6%, 744, 1000, 1216, 1360, 1408, 1624,
1627, — zwangloser Abliandlungon aus
dem < Telnet der Verdauung»- und Stoff¬
wechsel krankheiten . 808 :
Sanatogen, Fütterung»versuche mit, von
Xerking. 999 '
Sanatorium, how to a adapt, methods to
treatment of consumptives at their ho-
mes, von Knopf 193, Deckereches — in
München 743, —Weisser Hirsch 2155, 2504
Sandfloh, von Füllebom.731
Sanduhrmagen, Diagnose der —, von
Godart-Danhieux. 2655
Sanfelicös Rettung.159
Sanitätsbeamte, englische.364
Sanitätsbericht über die Marineexpeditions-
korps in Südwestafrika 1904/05 und in
Ostafrika 1905 06 141, — über die
K. Deutsche Marine . .. 2067
Sanitätsdienst in Französisch-Westafrika,
von Kermorgant 1261, — im Felde,
von Altgelt . . .. 2431
Sanitätshunde ... 877
Sanitätskolonncn, Unterricht bei den . . 742
Sanitätsoffiziere, Besoldungs Verhältnisse
der .1670
Sanitätspersonal, in München.375
Sanitätsrat, Ausgestaltung des Obersten,
in Oesterreich. 2285
Sanitätswesen, Zentralbehörde des däni¬
schen . . ..1203
•^anitätszustand des deutschen und fran¬
zösischen Heeres 1902—1906, von
Löwenthal.1870
>t. Blasien, Sanatorium in.159
Sano vagin ..1198
Sarkoid, multiples benignes, von Mazza . 631
Sarkom des Femur, von Trendelenburg
478, — der Fussgelenkkapsel, von
Moser 1493, primäre — der Gelenk¬
kapsel, von Hammermüller 1746, —
mit Coleys Fluid behandelt, von Hertel
186t), — der Chorioidea, von Hinshel-
wood 1926, hämorrhagisch-zystisches —
der langen Röhrenknochen, von Na-
kayama 2329, Behandlung von —
mittels bakterieller Vakzine, von Colev
2347, Serumbehandlung inoperabler —,
von Colev 2427, Behandlung der —
mit Bakterientoxinen, von Coley 2547,
lokale Operationsbehandlung kongeni¬
taler —, von Lücke 2595, konservative
Behandlung bei —, von Calamida . . 2612
Satinholzdermatitis, von Wechselmann
1750, von Siegheim .. 2390
Sauerstoff und Muskelbewegungcn als Be¬
handlungsmethoden, von Hill und
Klack 362, Explosionsgefahr der mit —
gefüllten Stahlbomben . 2392 j
Sauerstoffanwendung, Gefahren der ge¬
bräuchlichen, von Rosenthal . . . . 2483
Sauerstoffbäder, Wirkungen verschiedener
Arten von, auf Herzgrösse, Puls und
Blutdruck, von Fucrstenberg und Scholz 1855
>auerMoffi nluilationsmethodc,von Assingcr 2239
Sauerstoff Versorgung und Zirkulation in
ihren kompensatorischen Wechselbe¬
ziehungen, von Plesch.991
Saugbehandlung der Nase, von Wall) 145,
— bei Erkrankungen der Nebenhöhlen
der Nase, von Walb und Horn . . . 470
Saugiuaskc s. a. Lungenkrankheit, Blut.
SuiiL'spekulum zur Bierschen Stauung Ln
der < iynäkologie, von Mayer . . . 464
Srarlatina mitigata, von Benjamin . . 2288
Schädel , Luxation des, als Sektions-
methode, von v. Ilansemann 413, nean-
dertaloider —, von Kellner 537, foren¬
sische Bedeutung der überzähligen
Seite
Knochen des kindlichen —, von Walz
625, Ortsbestimmung von Geschossen
im —, von Braun 931, Rekonstruktion
zertrümmerter — vor der Hauptvcr-
handlung, von Puppe.1966
Schädelbasis, Tumor der, von Flescli . . 304
Schüdelbasisfibrom, operiertes, von Traut¬
mann .634
Schädelbasisfraktur, operativ geheilte, von
Voss.1352
Sehädelbrüchc, Trepanation bei, von
Popescu 533, Mechanik der —, von
Thoma.1493
Schädeldach, Brüche des, von H. u. K. Marx 36
Schädelfraktur, von Merkel 1303, Deckel¬
fraktur des —, von Plagemann . . . 2500
Schädelgrube, Operationen in den hinteren,
von Baisch 411, von Rubritius . 481, 1856
Schädelschüssc, Sektionsbefunde von, von
Benda. 91
Schädelschussverletzungen,penetrierende,
von Luxemburg. 2542
Schädeltrauma und Gohimverletzung, von
Weyert. . 848
Schädelzertrümmerung durch Automobil- •
Überfahrung, von Friedrich.210 ,
Schafpocken, von Paschen.208
Schallempfindungen, von Lucae .... 2284
Schallcitungsapparat des menschlichen
Ohres, von Bczold. . 146
Schallrichtung, Wahrnehmung der, von
Münnich.578
Schamlippe, Anatomie der Zysten der
kleinen, von Bondi.357
, Schanker s. a. Analschanker.
| Schanker, harter, in der Nasenhöhle, von
Menzel.932
Scharlach, von Holzmann 313, — und
Serumreaktion auf Syphilis, von Bruck
und Cohn 38, — und seine Kompli¬
kationen, von Berkholz 358, Behand¬
lung des —, von Milnc 416, Pathologie
und Therapie deH —, von Zanggor 672,
— und Wasscrmannsche Svphilisrcak-
tion, von Holzmann 718, Wassermann-
sche Reaktion bei —, von Fua und
Koch 873, Komplementbindungsreak¬
tion bei —, von Hecht, Lateiner,
Wilenko 873, Bekämpfung des — mit
Stroptokokkenvakzin nach Gabri-
tschewsky, von Rawicz 875, bakteriolo¬
gische und serologische Untersuchun¬
gen bei —, von Schleissner 891, Chlor-
stoffwecksel und Körpergewicht im —,
von Grüner und Schick 1193, Schutz¬
impfungen bei —, von Jemeljanow
1344, von Schamarin 1344, Einfluss
des Moserschcn Serums auf Verlauf
und Ausgang des —, von Fedynski
1346, Hautblutungen bei —, von
Rumpel 1404, histologisches zum —,
von Paschen 1921, Komplementbin¬
dung beim —, von Uffenheimer 2288,
2471, Antistreptokokkenserum bei —,
von Rotschild 2397, Azetonurie bei —,
von Proskauer 2436, Komplementablen¬
kung bei —, von Sommerfeld 2436,
Ansteckungsstadium der —, von
Mateescu. 2439
Scharlachfall, Serumbehandlung eines
mittelschweren, von Baginsky .... 2897
Scharlachfarhstoffe, Anwendung der, und
ihrer Komponenten zur beschleunigten
Kpithelialisierung granulierender Flä¬
chen, von Ilayward . . . .1888
Scharlachfieber, von Preisich ..... . 986
Scharlaehinfektion durchgeheilt entlassene
Kranke, von Preisich ... . . 1391
Scharlachrot mcdicinale 1031, von .Mora¬
wetz 2350, Anwendung von — hei
Augenaffektionen, von Wolfram und
Cords . ... 242
8charlachsalbe, therapeutischer Wert der,
bei Haut- und Geschlechtskrankheiten,
von Auerbach. 2598
Scharlachschutzimpfungeu, gegen die An¬
wendung von, von Strelkow .... 1345
ScharlachHchutzimpfuiigs verfahren, von
Czifeziew. 2333 j
Sötte
Scharlach vakzin, Gabritschewsky’s, von
Dorofejew 1844, — von Zelikin 1345,
— in der Landpraxis, von Smirnow 1345
Scharlach Vakzination, Symptomenkomplcx
bei der, von Wladimirow . . . 1344
Scharlach verlauf vor und nach der Ein¬
führung der Serumtherapie, von Ben¬
jamin .2397
Schaudinn-Medaille.1360
Scheide, Totalprolaps der, und des Mast¬
darms, von Stoeckel.210
Schcidonbildung unter Benützung einer
verlagerten Dünndarmschlinge, von
Mori 413, — nach Häberlin-Mori, von
Mueller. 2075, 2881
Scheidendilatator, neuer, von Oberländer 413
Scheideninlialt Schwangerer, von Zweifel 1293
Scheidenkarzinom, primäres, von Kleinhans 1306
Scheidenpessar, ringförmiges, von Stenzel 2491
Scheidensekret, Mischinfektionsversuche
mit, und Lochialsekret, von Konräd . 1293
Scheidentampons,Herstellungvon,von Cohn 1297
Scheidenverschlusselektrode, von Xenado-
wics. 2075
Scheidenwand, Zerreissnng der hinteren,
während der Geburt, von Rühl . . . 2597
Scheintod, Behandlung des, der Neuge¬
borenen, von Volland.1860
Scheitel lappen, Tumor des, von v. Rad . 2609
Schematismus der Acrzte Bayerns . . . 1575
Schenkelbruch, Radikaloperation des, von
Haus. 2230
Schenkelhalsbruch, Reposition, Retention
und ambulante Behandlung des, von
Lorenz 2127, operative Behandlung der
—, von Borchard . 2490
SchenkelhalBfraktur, Abduktionsbehand-
lang der, von Whitmann. 2491
Schenkelhernie, Radikaloperation der, nach
Roux, von v. Gschmcidler 1609, Radikal¬
operation vou —, von Fabricius 2072,
von Frank ..2178
Schenkung ..1767
Schiedsgericht für Arheitcrversicherung in
Oberbayern.216
Schiefhälse, von Böhm 942, Therapie des
angeborenen —, von v. Frisch 623,
kongenitaler ossärer —, von Böhm 1356,
Entstehung des erworbenen muskulären
—, von Ritter .1495
Schiefnase, operierte, von Marx .... 476
Schielen, Vererbung des, von v. Sicherer 2707
Schiefwuchs, Behandlung des, von Wahl 2127
Schienenhülsenapparat zur Streckung von
Knicgelenkskontrakturen, vonElocsser 1646
Schiffsarzt, der, von Brenning und Oppen¬
heimer .1575
Schiffshygiene, von Titi.2237
Schiffs- und Tropenhygiene, Referat über
199, 731, 2234
Schild, Anbringung eines, an der alten
Wohnung .1054
Schildkrötenaugc, Akkommodation des,
von Heine. 45
Schilddrüse, Transplantation der, mittels
Gefüssnaht, von Stich und Makkas411,
Fermentwirkungen der —, von Meyer
1151, — lind Gehörorgan, von Denker
1349, wirksame Elemente der —, von
Frugoni und Grixoni 1391, Entfernung
der — und Nebenschilddrüsen, von
Rossi 1716, sekretorische Funktion der
Epithelzellen der —, von Casagli 1808,
teilweise Entfernung der —, von Dun¬
hill 2027, Thyreoglolmlingehalt der —,
von Wicner2295, Sarkom und Karzinom
in einer —, von Schone 2388, Erkran¬
kungen der —, Myxoedem und Kreti¬
nismus, von Ewald . ... 2709
Sehilddrüsenapparat, völlige Abtragung des,
von Frouin.1765
Schilddrüsenerkrankungen, Zeichen früh¬
zeitiger, von Murray . . . . 1200
Schilddrüsengewebe, Transplantation des,
von Sermann.573
Sclnlddriiseniinphintation hei Myxoedem
und Kretinismus, von v. Bramann . 2177
Schilddrüsenneoplasmen, Basedowsymp-
tome bei, von Löwv. 2597
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LXXIV
INH ALTS-VERZEICHN IS.
1909.
Seite
Schilddrüsen-Rheumatismus, chronischer,
und Tuberkulose, von Levi und de
Rothschild.1307
Schilddrüsentherapie, kleine Dosen in der,
von Levi und de Rothschild . . 740, 1092
Schilddrüsentransplantation, von Salzer . 729
Schilddrüsenverpflanzungen in verschie¬
dene Organe, von Carraro.1194
Schildkrötenfleisch, Untersuchung des ver¬
fälschten, mit Hilfe spezifischer Sera,
von Yoshinaga. 2526
Schimmelpilze, Bedeutung der, in d. inter¬
nen Medizin, von Hocke.481
Schimmelpilzerkrankungen, Pathologie der,
von Löwen stein.481
Schistomiasis japonica, von Tsuchiya . . 671
Schläfenlappenabszess, von Levv 531, von
Ftirnrohr 1763, otitischer —, von Prey-
sing.1815
Schläfenschuss, rechtsseitiger, von Sievers 1511
Schlaf im Kindesalter und seine Störungen
von Aschaffenburg.1853
Schlafkrankheit, Heilung der, durch Atoxyl,
von Johnston 96, — im Bezirk Misa-
höhe, von v. d. Hellen 200, Verhütung
der —, von Todd 362, Aetiologie der
—, von Kleine 1608, Bericht über die
Tätigkeit der Kommission zur Erforsch¬
ung der —, 2248, von Koch, Beck,
Kleine . 2176
Schlagvolumen und Herzarbeit des Men¬
schen, von Müller 2649, von Bondi
und Müller. ... 2649
Schleimbeutel, primär sklerosierende Tu¬
berkulose der, von Reinhardt .... 928
Schleimbildung im Darm, von Kaaback
und Rosenschein.2123
Schleimhaut, Resorptionsfähigkeit der, des
Uterus und der Vagina, von Falk 413,
Erkrankungen der —, von Morris . . 1979
Schleimhäuten Zündung, fibrinöse, durch
Pneumokokkeninfektion, von Mann . 72
Schlinge, kalte, als Ergänzung zum Ureteren-
zystoskop, von Krömer.930
Schlingentonsillotom, von Brünings . . . 1447
Schluckgeräusche, von Israel-Rosenthal
1891, — und deren Entstehung, von
Quincke.1975
Schluckläbmung, kortikale, von v. Niessl-
Mayendorf.1817
Schlüsselbein, Doppelbruch des r., von
Heinlein.686
Schlussjahre, zwei, klinischer Tätigkeit,
von Küster.1963
Schmerz, Ursachen des, in der Gynäko¬
logie, von Opitz.1563
Schmerzanfälle, abdominale, von Kuttner 868
Schmid, zum Gedenken an Dr. Adolf, von
Reichenhall, von Mayer.189
Scbmierkur, Modifikation der, von Ahrens 630
Schneeblindheit s. a. Auge, Blendung,
Strahlen
Schnittentbindung, Begründung, Technik,
Indikation und Nomenklatur der, von
Seilheim . . . . ‘.1965
Schnüffelkrankheit des Schweines, von
Rehn.575
8chnupfen, Behandlung des akuten, der
Säuglinge, von Schultz 1485, Bakterio¬
logie und Vakzinebehandlung des —,
von Benham 1979, Behandlung des —
und der Influenza, von May .... 2614
Schocksyndrom, eigentümliches, von
Benedikt.1498
Schreibkrampf, Biersche Kur bei, von
Bucciante.2612
Schrotschuss Verletzung des Auges, von
Krukenberg. 2551
Scbrumpfmagen, Diagnostik des, von
Jonas.932
Schrumpfniere, künstliche Erzeugung von,
von Sehlayer 686, — ohne Druck-
Steigerung, von Sehlayer.686
Schüler, hygienische Belehrung der . . 147
Schüttelcxtrakte aus lebenden Bakterien
nach Brieger und Mayer, von Mayer . 1855
Schulärzte und Berufswahl 216, — in Eng¬
land 202, Bericht über die Tätigkeit des
Seit©
— in Schwabmünchen, von Gros 896,
— an Mittelschulen 591, — in Sonders¬
hausen 1767, Notwendigkeit der An¬
stellung von — an Mittelschulen, von
Dörnberger 2141, Bestellung von — an
den österreichischen Lehrerbildungs¬
anstalten . 2441
Schulärztliche Tätigkeit in Berlin 472,
Organisation dos — Dienst, von Cuntz
und Oebbecke.1563
Schule s. a. Unterrichtszeit
Schulhygiene, 3. intornat. Kongress für . 487
Schulkinder, ärztliche Behandlung der, in
England 1253, Sehschärfe bei —, von
Pollock. . 1926
Schulkommission, Bericht der, des Mün¬
chener ärztl. Vereins, von Crämcr . . 2140
Schultern, lose, von Thümer257, Difformität
der —, bei Krctinen, von Bircher . . 574
Schulter-Armlähmung, von Bernhardt . , 1655
Schulterblatthochstand, von Lilienfeld 888,
— und Schicfhals, von Lilienfeld 2023,
angeborener —, von Jünger ..... 2542
Schulterdeformität, Spontangeburt als Ur¬
sache der, von Seilheim. 2074
Schultergelenk, Stauung des, von Jeru¬
salem .1610
Schultergelenksluxation, habituelle, von
Dahlgreen.1610
Schultergürtelbruch s. u. Extensionsschiene
Sehulterlähmung, Heilung der, durch kom¬
binierte Muskeltransplantationen, von
Katzenstein. 2294
Schulterluxation, Reposition der irroponib-
len, mittels Arthrotomie von hinten,
von Madelung 938, Prognose der trau¬
matischen unkomplizierten —, von
Schulz.195
Schulturnen, orthopädisches, von Blencke 2023
Schuss Verletzungen s. a. Bauchschuss Ver¬
letzungen, Kopfschuss, Schädelschüsse,
Schläfenschuss, Schrotschuss Verletzung.
Schussverletzungen deB Auges, von Berlin
307, Infektion der —, von v. Reyher
357, Hirnabszesse nach — im japanisch-
russischen Krieg, von Hashimoto und
Kuroiwa 356, — des Herzens, von Ri-
mann 790, Lungennaht bei —, von Bor-
chardt 821, — des Magens, von Sofo-
teroff 928, — mit dem Ladestock, von
Meissner 1141, Sehstörungen bei — der
kortikalen Sehspäre, von Inouye 1338,
spastische Hemiplegie durch —, von
Moritz 1513, — der Aorta, von Tegeler
1740, Behandlung der — der Lungen,
von Sändor 1860, Behandlung schwerer
— der Lunge mit Naht, von Grasmann
2089, Resektion und zirkuläre Naht der
— brachialis, von Burck 2528, Infek¬
tion der — und ihre Behandlung mit
Perubalsam, von Yollbrecht. 2541
Schutzbrillen aus optischem Glas, von
Axmann.304
Schutzeinrichtungen gegen Verbrennungen
in Braunkohlenbrikettfabriken, von
Neidhart.933
Schutzgebiete, Medizinalberichte über die
deutschen, für 1906/1907 und 1907/1908 2275
Schutzimpfungen in Togo, von Jaff4 . . 819
Schutzpockenimpfung in Bayern i. J. 1909
320, Bericht über die Ergebnisse der
— in Bayern i. J. 1908, von Stumpf . 2985
Schutzstoffe, Erschliessung ergiebiger
Quellen von, von Heim. I
Schwachsinnigenwesen, Kursus für, in
Frankfurt..1159
Schwangerschaft s. a. Ovarialgravidität,
Peritonealschwangerscbaft.
uSchwangerschaft, Gefahren und Behänd-
\ lung der, bei Myom, von Hewetson 40,
\ ausgetragene —, kompliziert mit Krebs,
von Gobiet 804, Komplikation der —,
durch Herzfehler, von Bauereisen 782,
Verdauungsstörung bei —, von Boro-
denko 1250, zufällig veränderte Dauer
der —, von Schatz 1293, Unterbrechung
der — bei zuckerkranken Frauen, von
Offergeld 1554, abdominelle —, von
Seite
Flatau 1920, Berechtigung und Me¬
thode der Unterbrechung der —, von
Fritsch 1967, — und Tuberkulose, von
Bukojemsky 2832, — und Zuckerkrank¬
heit, von Neumann 2345, Pseudotumor
cerebri in der —, von Nolen .... 2653
Schwangerschaftsalbuminurie, Aetiologie
der, von Lichtenstein . .1616
Schwangerschaftsbeschwerden, Wesen der,
und ihre Verhütung, von Diesing . . 2175
Schwangerschaftsruptur, traumatische, des
hochgraviden Uterus, von Ehrendorfer 929
Schwangerschaftstoxikosen, von Fellner 870
Schwangerschaftsunterbrechung durch
Röntgenbestrahlung, von Schmidt . . 1342
Schwarzwasserfieber, von Skelton .... 200
Schwefelwasser-Trinkkuren.318
Schweflige Säuren, gebundene, von Kerp
und Wöhler 2071, — in der Handels¬
gelatine, von Lange. 2071
Schweinepest, von Uhlenhuth, Händel und
Schern . 2551
Schweinepestbazillen in Blut und Gallen¬
blase, von Stammler.1964
Schweinerotlauf, Immunisierung gegen,
von Bassenge.1855
Schweizer Reise- und Kuralmanach, von
Loetscher.868
Schwerhörigkeit und Durchgängigkeit der
Nase bei Schulkindern, von Courtade 108
Schwerkranke, Unterbringung von, nach
§ 25 der Invalidenversicherung, von
Rumpf. 855
Schwielenherz, von Fischer.1917
Schwdmmhosennävus, von Fasal ... 1498
Schwindel, Behandlung des schweren,
und Tinnitus durch Operation, von
Yearsley 96, — der vom Ohr auegeht,
von Syme.1970
Schwindelanfälle, im vorgerückten Alter
auftretende, von Savill. 2547
8copoli und die Cetraria islandica, von
Kronfeld .198
Seborrhoea s. u. Hyperidrosis.
Seborrhoea, Knötchenbildung in den
Haaren bei, capillitii, von Waelsch . 675
Secacornin, von Nava.1555
Sectio alta, Lichthebel bei, von Meißel . 1435
Sectio caesarea s. a. Kaiserschnitt.
Sectio caesarea vaginalis, von Schwab 685,
— mit nachfolgender Totalexstirpation,
von Knoop 1126, — post mortem mit
lebendem Kinde, von Falbing .... 1298
Sedlozon .. 2234
Seekrankheit, von Thoma 2025, Bromural
gegen —, von Perrenon.215
Sehen, einäugiges, von Clausnizer . . . 2338
Sehnenreflexe, diagnostische und pro¬
gnostische Bedeutung der, und Haut¬
reflexe bei Nephritis und Urämie, von
Cursehmann.992
Sehnenscheidensarkome, von Rosenthal . 2543
Sehnentransplantation, von v. Aberle 985,
von Hohmann 1909, freie —, von
Rehn.939
Sehnenverdickung, traumatische, von Palen 1857
Sehnerv, Ausreissung des, aus dem Auge,
von Liebrecht.1567
Sehnervenatrophie, hereditäre familiäre,
von Bach.210
Sehproben und Bestimmung der Seh¬
schärfe, von v. Siklossy. 2338
Sehstörungen nach Blutverlust, von Pröll 1440
8eife, Anw endung der, in der chirurgischen
Behandlung, von Delvez ..1751
Seitenkettentheorie, ist die Ehrlichsche,
mit den tatsächlichen Verhältnissen
W vereinbar? von Bang und Forssmann
1769, Kritiker der — im Lichte ihrer
|experimentellen und literarischen For¬
schung, von Ehrlich und Sachß . . . 2828
Sektion s. u. Leichen.
Sektionstechnik, gerichtliche, von Blumm 1991
Selbstinfektion in der Geburtshilfe, von
Krönig.1968
Selbstmörder, von Brosch.1650
Selbstmorde in Bayern im Jahre 1908
1574, über den —, von Htifler . . . 1205
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1909.
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LXXV
Seite
Selbtftstillen, waa kann der praktische
Arzt zurVerbreitung des, tun ? von Vidal SS
Sclb.stverdauung des Darmes im Magen,
von Hotz .. 2594
Selbstverstümmelung, von Kohlmeyer . 2658
Seminar für soziale Medizin zu Berlin 317, 2400
SenembahgesellBchaft,gesundheitlicheVer-
hältnisse des Arbeiterstandes der, von
Kuenen.829
Senkungsabszesse, Röntgendiagnose und
Behandlung der, von Zander .... 2717
Sennainfuses, Einfluss des, und des Rizi¬
nusöles auf dieVerdauungsbewegungen,
von Magnus .1605
Sensibilität und Sensibilitätsprüfung, von
Head. 3040
Sensibilitätsprüfung, Methoden der, von
Schönborn.1043
Scpsftmie, ätiologische Diagnostik, Prog¬
nostik und Therapie der puerperalen,
von van de Velde.. . 1448, 2122
Sepsis, chirurgische Behandlung der puer¬
peralen, von Macan 361, — durch Bac.
Friedländer, von Wchrsig 872, schwere
—, von Hesse 1392, Behandlung der
beginnenden puerperalen —, von
Queisner 1445, schwerere Formen der
puerperalen — von Wilson 1926, intra¬
venöse Kollargoltherapie bei puerpe¬
raler — und anderen septischen Er¬
krankungen, von Albrecht. 2821
Sepsisformen, von der Mundhöhle aus¬
gehende, von Pässler.992
Serodiagnostik s. a. Syphilis, Wasser¬
inan nsche Reaktion.
Serodiagnostik der Lues, von Hancken 45,
von Ledermann 776, — der Syphilis,
von Beckers 104, Verwendung der —
in der Chirurgie, von Wolfsohn 577,
Wassermannsche — der Syphilis in
ihrer Anwendung auf die Psychiatrie,
von Plaut 1801, — aus klinischen
Gesichtspunkten inkl. Komplement¬
bindungsverfahren, von Kraus 1915,
— am Krankenbett, von Stoerk . . . 2182
Seroreaktion s.a. Syphilis,Wa8sermannsche
Reaktion.
Seroreaktion, Wassermannsche, bei Lues
und anderen Infektionskrankheiten,
von Rolly 82, Mechanismus der —,
der Lues, von Liefmann .... 2881, 2549
Serum, Körpertemperatur nach Injektion
und Reinjektion von artfremden,
von Pfeiffer 146, hämolytische eigen-
hemmendc und komplementäre Eigen¬
schaften des menschlichen —, von
Hecht 351, Dosierung des polyvalenten
— bei Allgemeininfektionen sowie
Augenerkrankungen, von Deutschmann
566, Behandlung eitriger Prozesse mit
antifermenthaltigen —, von Fuchs 574,
Konservierung agglutinierender —,
von Händel und Hüne 577, Konser¬
vierung präzipitierender —, von Wci-
danz 577, Antitoxingehalt des —, von
ltingel 1328, vielfache Bindungseigen¬
schaften des Komplementes einiger —,
von Frugoni und Pisani 1749, Eigen¬
tümlichkeiten des syphilitischen —,
von Elfer 2079, Schutzeffekt des nor¬
malen — gegen die Wirkung mensch¬
lichen Plazentarsaftes, von Schenk2121,
nekrotisierende Wirkung normaler —,
von Uhlenhuth und Haendel . 2230, 2550
Serumanaphylaxie, Spezifizität der, von
Thomsen.1298
Serumantitrypsin, von Meyer. 2231
Senimbehandlung und ihre Gefahren, von
Scheidemandel .... . 2218
Serumdiagnose, Anwendung aktiver Sera
für die — der Syphilis, von Tscherno-
gnbow.2128
Seramdiagnostik, Bedeutung der, für die
hereditäre Lues, von Josef. 2486
Senimfarbenrcaktion zum Luesnachweis,
von Stern.1250
Sermninjektion, Chlorkalzium als Prä-
ventivmittel gegen die nach subkutaner,
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vorkommenden Eruptionen, von Netter
1924, gefahrdrohende Dyspnoe nach
—, von de Besehe.1859
Serumreaktion s. a. Wassermannsche Re¬
aktion.
Serumreaktion, Wassermannsche, Bedeu¬
tung der, für die Differentialdiagnose
der chirurgischen Syphilis, von Baetzner
830, — auf Lues, von Eichelberg 980,
Klausnerscho —, von Kohn.1091
Serumtherapie, obligatorische, von Esch
1292, Resultate der —, von Bourget
2079, — in der Augenheilkunde, von
Römer. 2438
Serumüberempfindlichkeit, von Braun . . 1880
Sexualbetätigung, perverse, von Aron¬
sohn .-.304
Sexualität, infantile, von Marcinowski . 1090
Sexualleben des Kindes, von Moll . . . 1029
Sexuelle Delikte, von Wadholz 2280, —
Not, von Wittels.527
Shanghai, deutsche Medizinschule in . . 1622
Shock, von Köhler.464
Siderosis der Milz, von Fahr.948
Sigmatismus nasalis, von Barth .... 150
Sigmoskopic, von Strauss 253, Indika¬
tionen und Kontraindikationen der —, \
von Strauss. ... 2134 /
Silberkolloid, therapeutische Wirkung von /
elektrischem, von Ruttino.1440
Sinnesorgane, unbewusste Funktion der,
von Nagel 315, Verletzungen der — 2386
Sinusknoten, Blutversorgung des, und
seine Beziehungen zum Atrioventri¬
kularknoten, von Koch . . , . 2382
Siran. 2234
Situs viscerum in versus totalis, von
Schmiedicke 831, von Oeri 2279, —
inversus partialis, von Schelenz . . 985
Skabies, Albuminurie bei, von Boas 418,
Differentialdiagnose zwischen —, Pi¬
tyriasis und Prurigo, von Saidac 533,
praktische Erfahrungen über —, von
Knauer 1027, von Raff 1848, Behand¬
lung der — mit Perugen, von Lip-
schitz. 2390
Skalpierung, von Eichmeyer 257, 2595, von
Petrön 622, Plastik der —, von Ehler
357, vollständige —, von Weigel 784,
Behandlung der —, von Delbet . . 2346
Skelett, das jüngst entdeckte älteste
menschliche, von Reinhardt 810, — der
oberen und unteren Extremität, von
Krause 1192, Belastungsvorhältnisse
am normalen und am pathologisch de¬
formierten — der unteren Extremität,
von Hagen 1858, achondroplastische
—, von Dixon 1981, Fossiles — . . 2143
Skelettmuskel, Fortpflanzungsgeschwindig¬
keit der Kontraktionswolle im, von
Piper. 1652
Skiaskop, von Brand. 818, 882
Skirrhus, von Heinlein.686
Sklera, perforierende Verletzungen der,
und Kornea, von Biller.1657
Skierödem Erwachsener, von Rissoin . . 826
Sklerodermie, von Reitmann 676, — und
Morbus Addisonii, von Lichtwitz 193,
symmetrische —, von Clemens 205, Be¬
ziehungen der —, zur Tuberkulose, von
Reines 1750, — der Lunge und der
Mundschleimhaut, von Kren . . . 2336
Sklerose der Abdominalgefässe, von Ross-
bach 874, tuberöse —, von Vogt 1258,
Bauchdeckenreflex bei der multiplen
—, von Marburg. 2654
Skoliose s. a. Redressionsrahmen.
Skoliose, Kampf gegen die, von Bosse 93,
Korrektionsresultate an schwerer —,
von Schanz 143, schlechter Einfluss der
schwedischen Gymnastik auf die —,
von Clüumsky 144, — nephritischen
Ursprungs, von Zesas . ..1906
Skoliosenbchandlung, Lokalisation der
Umkrümmung und andere Forderungen Jj
in der, von Fränkel 223, Gymnastik
in der —, von Schanz 927, vor und
zurück in der —, von Vulpius . . . 1887
Seit©
Skopolamin, Einfluss des, auf Puls und
Temperatur, von Blisniansky 674, von
Sieber..670
Skopolamin - Aether - Chloroformnarkosen,
von Schoemaker . . 466
Skopolamin-Dämmerschlaf, Wirkung des,
auf das Kind, von Gauss.2137
Skopolamin-Mischnarkose, von Sick . . . 410
Skopolamin-Morphin in der Chirurgie, von
Trancu-Rainer. 2439
Skopolamin - Morphium - Dämmerschlaf in
der Geburtshilfe, von Avarffv . . . 1196
Skopolami n-M orphi ura-Di on i n-In j ektionen
bei chronischen schmerzhaften Er¬
krankungen, von Schlesinger .... 319
Skopolamin-Morphium-Inhalationsnarkose,
von Zadro . 823
Skopolamin-Morphiuminjektionen vor der
Narkose, von Greeve.1925
Skopolamin-Morphium-Narkose, Wirkung
der, auf Herz, Leber und Nieren, von
Nicholson.1911
Skorbut, Aetiologie des, von Halpern 876,
infantiler —, von Lommel 1050, Patho¬
logie und Anatomie des —, von Sato
und Nambu.2122
Skrofulöse, Wesen und Behandlung der, J
von Peters 369, was nennen wir — ?
von Escherich. ... ./ 466
Slavisches Studententum, Zunahme des,
an der Münchener med. Fakultät . . 261
Snell f.1254
Sömmering-Preis.895
Soldatenkost . . 877
Solvosicca ..1032
Sonde zum Tamponieren, von Flatau . . 103
Sonnenlichtbehandlung s. a. Heliotherapie.
Sonnenlichtbehandlung der Kehlkopftuber¬
kulose, von Krauss 868 , von Tillmann 1610
Sonnenbestrahlung, Kuren mit direkter, im
Hochgebirge, von Hallopeau und Rollier 108
Sonnenstrahlen, Erkrankungen durch, und
künstliche Hitze, von Corbusier ... 201
Sophol, von Fculner.1387
Soziale Bestrebungen in Holland .... 1395
Soziale Medizin, Zyklus über, und Hygiene
111, 374, Seminar für — .... 817, 2400
Sozialpolitik, ärztliche.266
Spätapoplexie, Tod durch, als Unfallfolge,
von Frank. 781
Spätlaktation, von Friedjung.357
Spätrachitis, von Looser.1921
Spalthand, beiderseitige, verbunden mit
Syndaktylie, von Herwig .. 1383
Spasmophilie, Einfluss der Ernährungs¬
weise auf die Symptome der, von Risel 1568
Speichelabsonderung,U ntersuchungen über,
von Jappclli ..1604
Speicheldrüsen, Regeneration in den, von
Carraro .... .*747
Speicheltasche, neue, bei Mund-, Hals-,
und Nasenoperationen, von Löwenstein 1885
Speiseröhre,frühzeitige Operation von Pulsa-
tionsdivertikeln der, von Goldmann
983, Indikationen zur Resektion der —,
von Sauerbruch 1492, Erkrankungen der
—, von Kaufmann und Kienbock 2072,
Behandlung der — mittels Schwamm-
sonde, von Benderski 2133, sarkomatöso
Geschwülste der —, von Donath 2123,
Behandlung der Erkrankungen der —,
von v. Merkel 2535, Röntgenbilder zur
Pathologie der —, von Mohr .... 2551
Speiseröhre Verengungen, postdiphtheri-
tisclie, von Davidson.1745
Spektroskop s. a. Yergleichsspektroskop.
Spektroskopie, von Baly 2384, klinische
—, von Schumin. 2384
Spekulum, von Boshouwers 2024, — mit
Fangsieb für Curettagen, von Weiss-
bart. 2788
Spenglersche Behandlung, Resultate mit
der, von v. Szaboky . ..670
Spermatocystitis, Pathologie der, gonor¬
rhoica, von Lewin und Bohm .... 1706
Spermatozoon, zweierlei, von Omelczenko
• g 875, Nachweis der —, von de Domenicis
1296, Nachweis von — in Zeugflecken,
Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
LXXVI
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Seite
von'Baechi 1892, Färbung von — in
8permaflecken, von Baecchi. 2546
Spczialarzt, Bezeichnung als.171
»Spezialarzt frage.147
Spczialelcktroskop für Urethroskopic und
direkte Kystoskopie, von Brünings . . 71
Spezialitäten, Fabrikation von 409, — und
Warenzeichenunternehmen des deut¬
schen Apotheker vereine.997
Spezialmilch mit reduziertem Fettgehalt,
von Brandenburg.1297
Sphinkterbildung bei der Kolostomie, von
Ryall. 2548
Sphygmograph, Leistungen des, von Petter 1603
Sphygmomanometer, Wert des klinischen,
von de Block2656, neuer —, vonWybauw 2656
Spina bifida, chirurgischer Eingriff bei,
von Buccheri. 2023
Spinalanästhesie, von Chiene.1980
Spinalanalgesie, Technik der, von Kader 837
»Spinalganglien des Säuglings, von Zappert 2288
Spinalmeningitis, chronische, von Horsley 1201
Spinalpunktat, Streptokokkenketten in,
von Sachs . .. . 1142
Spinatkonserven, kupferhaltige, von Thicr-
felder und Rubner.3'
Spinnenstich, Erkrankung durch, von Mazza 2181
Spiralbrtiche der Metakarpalknochen, von
Blauei.1141
Spirarsyl bei Rekurrens, von Fraenkel . 1855
»Spirochaeten, Beziehungen der, zum Krebs
der Mäuse, von Gaylord 92, Vorhalten
der — des Rückfallfiebers im Tier¬
körper, von Neumann 477, Uebcrtra-
gung der — durch Zecken und Läuse,
von Neumann 477, — in spitzen Kondy¬
lomen, von Hecht 630, Züchtung der —
pallida, von Schereschowsky 1091,1608,
Uebertragung von — gallinarum und
— Obermeieri, von Schellack 1295,
Morphologie und Systematik der —,
von Schellack 1296, Kultur der — pal¬
lida, von Arnheim 1306, Untersuchung
der — pallida mit dom Tuschverfahren,
von Hecht und Wilenko 1497, Reinzüch¬
tung einer — aus einer syphilitischen
Drüse, von Mtihlens 1608, Züchtung
dor — Duttoni, von Duval und Todd
1754, gezüchtete — pallida, von Schere-
schewsky 2071, — und zwei andere
bei Meerfischen noch unbekannte Blut¬
parasiten, von Neumann 2389, Nachweis
der — pallida mittels des Tusche Ver¬
fahrens, von Frtihwald .... . 2523
Spirochaetenbefunde bei Ulcus tropicum,
von Ziemann .827
Spirosal, von Lehmann 822, von Koch u.
Schulz 1517, — u. Aspirin, von Dengel 823
Spitalärzto,fachärztlicheKonsiliarpraxis der 2441
»Spitzen, Hygiene bei der fabrikmässigon
Erzeugung von Baumwoll- und »Seiden- 2392
Spitzendämpfung, nichttuberkulöse, von
Wolff-Eisner.539
\Spitzentuberkulose, gesetzinüssiges Auf- »
treten von Sekundärerkrankungen bei,/
von Huguenin .. ./ 197
Spitzgoschoss,Wirkung des deutschen 8mm,
von Fessler.1195
Splenomegalie, von Rottig 1046, Diagnose
der malarischen —-, von Kirkovic. 254,
primäre tuberkulöse —, von Ciaccio
1804, primäre —, von Micheli u. Bozzolo
2340, — Typ Gaucher, von Rottig . . 2437
Spondylarthritis ankylopoetica nach Menin¬
gitis epidemica, von Landwehr . . . 1495
»Spondylitis und Hemia lumbalis, von
Saxl 146, operative Behandlung der
Paraplegien bei tuberkulöser —, von
Wassiliew 529, operative Behandlung
der—, von Lange 1817, Deformierungen
des Unterkiefers durch Stützapparate
bei —, von v. Osten-Sacken 2022, Re¬
dressement der —, von Wollenberg
2294, chirurgische Behandlung der —
tuberculosa, von Goldmann .... . 2341
Spontanamputation der Hand, von llüffell 103
Sporotrichose, von de Beurmann und
Gougerot 2346, von Kren und Schramek
2391, — der Knochen und Gelenke, von
de Beurmann, Gougerot und Vaucher
2179, — der Haut, von Arndt .... 2330
Sport 8. a. Herz.
Sport, athletischer, von Brooks 1925, Ein¬
fluss des — auf die Vitalkapazität, von
Frankfurther. 2494
Sprachärztliche Behandlung, Willigkeit
der —, von Fröschels. 2289
Sprache des Kinder und ihre Störungen,
von Maas 527, Bedeutung des Röntgen-
verfahrens für die Physiologie der —,
und Stimme, von Scheier ... . 2285
Sprachführer s. a. France, Italia.
Sprachführer, deutsch-russischer a. russisch-
deutscher, von Jossilewsky . . . 981
Sprachgehör und Hördauer für Stimmgabe¬
töne, von Rhese.146
Sprachstörungen, Uebungstherapie bei,
von Hopmann jr. 210, ungewöhnliche
Form der —, von Raecke 885, — bei
schwachsinnigen Kindern, von Nado-
leczny 1210, was muss der Hausarzt
von den — wissen? von Knopf . .1391
Sprue s. a. Tropendiarrhöe.
»Spucknäpfedesinfektionsapparat, von
Schröder.1032
Sputum, zytodiagnostische Untersuchung
des, zur Frühdiagnose der Lungen¬
tuberkulose, von Eisen und Hatzfeld
300, Stickstoffgehalt des — bei Lungen-
gangrän, von Orszäg 355, tuberkulöses
—, von Bezan^on und de Jong 427,
Nachweis isolierter Flimmerhaare in
—, von Neumann 1605, Färbung der
Tuberkelbazillen und Granula im —,
von Weihrauch 1905, Beitrag zur Ho-
mogensierung des —, von Hammerl
( 1955, Chemie des — Tuberkulöser, von
Prorok 2063, chemische Desinfektion
des tubcrkelbazillenhaltigen —, von
Goilinger.
Sputamdiagnose, von Falk und Tedesko
»Sputumuntorsuchung bei Phthisikern, von
^ Gabrilowitsch 1032, neuere Methoden
der —, von Uhlenhuth.. .
Staatsdienst, Prüfung für den ärztlichen,
in Bayern. 488,
Staatsexamen, medizinisches, in Amerika
Städte s. Geburten.
Ständekammer, Vertretung der Heilkunde
in der Ersten, in Sachsen.
Standesordnung für die preussischen
Aerzte.1717, 1719,
Standes- und Ehrengerichtsordnung, Ent¬
wurf einer, für die Aerzte Bayerns, 484,
816, 2038, von Mayer 492, von Neu¬
mayer 592, 899, von Katz und Dauber
Standes vereine s. a. Teil VI, Vereine und
V ersammlungen.
Standosverein, neuer ärztlicher — in Ham
bürg.
Staphylokokken, Wirkung der Meer¬
schweinchenleukozyten auf, Strepto¬
kokken und Schweinepestbazillen, von
Toyosumi.
Staphylokokkeninfektionen der Haut, von
Mautö 2399, von Varney ....
Staphylokkenopsonine, von Coonen .
»Staphylokokkus, Toxine und Antitoxine
des, pyogenes, von Maldagne . .
Stapliylomykose und Embolie der Art,
mesenterica sup., von Baum . .
Staphylorrhaphie, von Leser ....
Star s. a. Altersstar.
Starbildung nach Kropfoperation, von Purt-
scher..
Starkstrom, Tod durch, 2387, Verletzungen
durch elektrische —, von Rodenw T aldt
Starkstromanlagen, Unfälle in elektrischen,
von Seidel.
Staroperierte, von Wessely.
Starstich, der alte, in moderner Zeit, von
Axenfeld .
Statistik s. a. Hessen.
Status thymico-lymphaticus, von v. Ne unser
Staubbindung auf Strassen durch gewerb¬
liche Abwässer, von Weidert ....
Staubschutzpatronen, Verbesserung der,
von Kriz.1500
2070
1498
1300
1575
184
2558
2028
792
2339
2652
2399
1746
307
1713
1712
1440
626
1500
1405
1564
2033
2281
Stauung s. u. Bierschc Methode, Hyperämie,
Saugbeh andlung.
Stauung, Biersche, von v. Graff 34, Ein¬
fluss kardialer — auf die Blutvcr-
teilung in den Organen, von Tacher
1904, Biersche — bei Streptokokken¬
infektion, von Carl ... .2122
»Stauungsblutungen, von Hiller 1713, —
nach Kompression des Rumpfes, von
Ruppanner.361
Stauungshyperämie bei akut entzündlichen
Prozessen, von Bestelmeyer 153, Be¬
handlung der akuten Otitis media puru-
lenta mit —, von Sehwartze 1017, Be¬
handlung akuter Entzündungen mit
Bierscher —, von Lossen 1195, — naeh
Bier in der Ohrenheilkunde, von Esch-
weiler 1649, neue Theorie der Bierschen
—, von Rubel. 2332
Stauungspapille, von Bordley und Cushing
1035, ödematöse — bei Schädelbruch,
von Liebrecht.1920
»Stauungstherapie, Wirkungsweise der Bier¬
schen —, von Shimodaira 728, — der
letzten zwei Jahre. 2431
Stauungs verfahren,Gefahren des Bierschen,
von Schäfer.1091
Stein s. a. Harnstein, Nierenstein.
Stein, eingeklemmter,im Ureter, von Adrian 2611
Steinbildung in den oberen Hamwegen
nach Verletzung der Wirbelsäule, von
Seefisch 142, — in den Harnwegen nach
Wirbelbrüchen, von Mingramm . . .
Steinkoliken, physikalische Behandlung
der, und verschiedener Leibschmcrzen,
von Benderski.
Steinmetze, Phthise der, von Gulland . .
SteinverschluBs des Choledochus, von
Rissmann.1089
Steisszange, von Eisenstein.358
Sterbekassenverein der Aerzte Bayerns . 639
Sterbetafeln, Vergleich der neuen deut¬
schen und englischen, von Prinzing
Sterblichkeit, Reduktion der, von Parker
1979, — in London im Jahre 1908 1*53,
Wandlungen der — im kulturgeschicht¬
lichen Zusammenhang, von Köhler .
Stereochemie, von Stewart ...... . 867
Nj Stercoskopie und Stereoskop, von Stolze 1549
[^Sterilisation der Körperhöhlen mit heisser
Luft, von Qu4nu 1106, — tuberkulöser
schwangerer Frauen durch die Total¬
exstirpation des graviden Uterus, von
Martin 1229, — chirurgischer Instru¬
mente, von Herzog 1342, — der Ope-
I rationshandschuhe, von Braun 2328,
— bei tuberkulösen Schwängern, von
Scherschewer. 2650
»Sterilisierungsverfahren, neues, von Con-
radi.
Sterilität, medikamentöse Therapie der
infantilistischen, von Bab 2435, Aetio-
logie und Therapie der weiblichen —,
von Runge .2121
»Sternalwinkel, Nomenklatur und klinische
Bedeutung des, von Ebstein .... 2377
Stethoskop s. a. Differentialstethoskop.
Stethoskop mit Muscheln aus elastischem
Gummi, von Froudonthal.373
Stichreaktion s. a. Tuberkulose.
Stichverletzung, von Schumacher 1656,
Naht bei — der Lunge, von Sluckey
529, — der V. femoralis, von Endcr-
len 949, penetrierende —des Abdomens,
von Köppl.1307
Stickstoffminimum, physiologisches, von
Thomas. 2538
Stickstoffsteigerung, prämortale, von
Reicher. ... 926
Stigmata haemorrhagica ventriculi, von
Hagemann .775
»Stillen s. a. Selbststillen.
Stillen, Unfähigkeit zum, von Zander 95,
natürliche Schwierigkeiten beim —,
von Stuhl 1342, Massnahmen zur För¬
derung des —, von Meier und Hofmann
1397, Beziehungen zwischen Körper¬
gewicht und — bei der Arbeiterfrau,
von Tugendreich. 2492
928
2133
1754
2025
2650
1296
Digitized b'
■V Google
Original fro-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909 .
INHALTS-VERZEICHNIS.
LXXVII
Stillfahigkeit der Frauen in den Familien
der Gesellschaft für Kinderheilkunde,
von Meinert-Rietsehel .
Srillenfiihigkeit, von Yidal 1656, von Hegar
Stillunirsnot und .Stilluiigsunfähigkcit, von
Bjelenky.
Stillungsuntahigkeit, von Schultz ...
Stillwille und Stillmöglichkcit in den un¬
teren Volksschichten, von Keller . .
Stimme s. a. Bruststimme,
stimme, Physiologie der, und Sprache, von
vScheier ...
St iimngabclapparut, elektrisch betriebener,
von Gutzmann . . . ..
St i in mgabelcrregor, neuer, von Dölgcr . .
Stimingabeluntersuchungen, neue, und
Methoden der Funktionsprüfung, von
Bär&ny.
Stimmstörungen, Untersuchung und Be¬
handlung funktioneller, von Gutzmann
Stirnhirn, Funktionen des — und Sympto¬
matologie der Stimhimtumoren, von
Mieten» ..
Stirnhirntumor, von Ruckert 1437, Klinik
der —, von Bernhardt und Borchardt
Stirnkopfschmerz, dentaler, von Müller .
Stimhöhleneiterung, von Scheven 1711,
Behandlung der —, von Harmer . .
Stirnhöhlenentzündungen, Komplikationen
der, von Gerber.
StirnhöhlengeschwtilBte, von Ilerzenberg
Stoffwechsel, Pathologie des,bei Psychosen,
von Kauffmann 352, 353, 431, Verlang¬
samung des —, von Staehelin 540, 635,
Einfluss der Ernährung auf den respi¬
ratorischen —, von Schlossmann . .
Stoffwechseluntersuchungen im Fieber und
in der Rekonvaleszenz, von Rolly und
Meitzer 1097, — bei Fieber, Inanition
und kachektischen Zuständen, von
Rolly und Meitzer.
Stomatitis fibrinosa, von Mann 72, Plaut-
Vincentsche —, von Herick ...
Stovainanästhesie, nervöse Akzidentien
nach, des Rückenmarks, von Alessan-
drini.
Strafanstaltsarzt, Stellung und Aufgaben
des, von Pollitz .
Strafanstaltsgefangene, Lebensschicksale
geisteskranker, von Homburger . . .
Strafgesetzbuch, das Tierexperiment im .
Strafprozessordnung, gerichtsürztliche Wün¬
sche zur Reform der, von Strass¬
mann 303, ärztliche Forderungen zur —
und zur Strafgesetzreform, von Wev-
gandt. 1404,
Strafprozessreform, Stellung der Aerzte zur
Strafrecht und Frauenheilkunde, von
Schi ekele . .
Strahlen, Wirkung der ultravioletten, auf
das Auge, von Schanz und Stockhausen
Strangobturation, von Wilms.
Strangulation s. u. Karotis-Intima-Ruptur.
Streikbrecher, Beleidigungsklage wegen des
Ausdruckes.951
Streptokokken, Hämolyse der, von Ltidke
und Polano 7, von Zangemeister 672,
von Zöppritz 1444, — in den Genital¬
sekreten von Schwangeren und Wöch¬
nerinnen, von Fromme 607, — bei
Kinderkrankheiten und ihre Antitoxin¬
behandlung, von Ritter 539, — des
Erysipels, von Hecht und Hulles 1389,
— und Wochenbett, von Zangemeister
1443, hämolytische —, von Bondv 1907,
Differenzierung der hämolytischen —,
von Fromme .
Streptokokkenhftmolyse, von Sachs . .
Streptokokkeninfektion, Einfluss der, auf
das leukozytäre Blutbild beim Affen,
von Zangemeister und Gans 70S, Be¬
deutung der Opsonine bei der puer¬
peralen —, von Martin 1443, puerperale
—, von Weinbrenner.
Streptokokkensepsis, Behandlung der, von
Elsässer ..
Streptokokkensera, von Ritter und Aronson
Streptokokkenvakzin, von Hamm ....
Streptothrixpyümie nach Bronchopneumo¬
nie, von Löhlein.
Stridor congenita», von Forest 1211, Aetio-
logie des — laryngis congcnitus, von
Trumpp.
Striktur ». a. Harnrohren»triktur.
Strontium, Einfluss de», auf die intrauterine
Entwicklung de» Knochensystem», von
Lehnerdt .
Strontiumfütterung an »äugende Tiere, von
Lehnerdt. .
Strophanthin, von Heffter486, Behandlung
mit —, von Fehsenfeld 103, Wirkung
des —, von Crispolti 1809, intravenöse
Injektionen von —, von Pennesi . .
Strophanthininjektionen, von Vaquez und
Lecomte 1307, intravenöse —, von
Catilion 739, von Fleischmann 829,
intramuskuläre —, von Barte . . .
Strophulus, Scheinwerferbestrahlung bei,
von Ruediger.
Strukturen, trajektorielle, von Triepel . .
> Strümpell, Antrittsvorlesung Prof. v. . .
Strumen, tubcrkul« >»e, von Ruppanner 1.59,
' BeeinflmWtfn^weicher — von der Nase
her, von Hoffmann 588, — retropharyn-
gea accessoria vera, von Klaus 928,
Verhalten des Herzens bei —, von
Blauei 1141, — der Zungenbasis, von
Kapis 2083, Sekretion in der —, von
Lobenhoff er 2174, Basedowsymptome
bei — maligna, von Loewy 2182, Rönt¬
genbehandlung bei —, insbesondere
bei m. Basedow», von Holzknecht. .
Strumenoperationen in Amerika ....
j Struwwelpeter-Brunnen in Frankfurt . .
| Strychnin Vergiftung, qualitativer und quan¬
titativer Nachweis der kriminellen, von
Focke..
Studienkostenentschädigung für Militär¬
ärzte in Bayern.
Studienreise, 9. deutsche ärztliche, 264,
1215, 1408, 1518, 1623, 2. ärztliche —
durch Schweizer Kurorte 1263, 1719,
2. österreichische ärztliche — 1360,
deutsche ärztliche — im Jahre 1910
und 1911 .
Studies from the Rockefeller Institute for
Medical Research.
Studium, Zunahme des medizinischen . .
Stummheit, verschiedene Formen der, von
Stern..
Stumpfkarzinome nach Amputation des
Uterus, von Uhl.. . .
Styptol, besondere Wirkung des, von König
Subklavia, Verengerung am Ursprung der
r., durch Arteriosklerose, von Augustin
und Putzurianu.
Subkutin, von Wagner.
Sublimat, hämolytische Wirkung des, von
Dohi.
Sublimatvergiftung, Veränderungen der
Niere nach, von Heineke.
Substanzen in faulem Fleisch mit druck¬
steigernder Wirkung auf Herz und
Uterus, von Dixon und Dale 1980, neue
— aus der Saponin-Digitalingruppe der
Glukoide, von Moore.
Substitol. . . .
Südbahndirektion, Abwehr der Übergriffe
der, gegen die Arzte.
SüsHstoffgesetz.. . .
Suggestion, hypnotische, als Heilmittel,
von Steiner . . . .
Superoxyde, Bedeutung der, für die The¬
rapie und Kosmetik, von Dumstrey .
Suprarenin 1927, physiologische» Ver¬
halten des —, von Abderhalden, Thie»
und Slavu 1605, Verhalten de» Blut¬
druckes nach intravenöser Einverlei¬
bung von —, von Abderhalden und
Müller 1605, Anwendung des —, von
Braun.
Suprarenininjektionen, intravenöse, bei
schweren Herz- und GefäH»kollapsen,
von John.1221,
2287
2129
1859
1090
1091
1250
1351
1127
1350
1448
2285
1105
297
2390
990
2173
1620
2545
1968
1254
639
1508
98
2172
1505
1342
997
»eite i
1443
1389
2492
679
1976
1809
Seite
2706
•67
1390
1553
89
628
1766
1342
191
1111
1907
2278
1663’
412
588
2611
2888
2559
626
894
2501
1872
2450
2289
827
2026
533
1909
926
1089
1980
2234
2285
216
1498
2597
1654
2406
Suprarenin Wirkung, von Dengg.
Suspensorium, neues waschbare» gepolster¬
te», von Schindler.
Sympathiekuren, von Hellwig . . • . .
Sympathikus, Rolle de», in der Patho¬
logie, von Ziehen 535, zentrale Wege
der Pupillenfasern des —, von Tren¬
delenburg und Bumke.1255
Sympathikusaffektionen, okuläre, von
Halben..
SympathikuHgebiet, Schmerzempfindlich
keit deH viszeralen, von Goldscheider
Symphyse, Ruptur der, während der Ge¬
burt, von Scheurer.
Symphy»eotomie in der Schwangerschaft,
von Lehmann.•.929
Synchisis scintillans, von Kottenhahn . . 1513
Syndaktylie, kombinierte, und Polydaktylie,
von Jacobsohn.820
Syphilid, tuberoserpiginöses, von Zieler . 2451
8yphilis s. a. Antigene, Gefässkrisen, Ge¬
heilt, Geistesstörung,GroHshimbefunde,
Himlues, Kaninchen»yphilis, Lues,
Pericarditis, Polyarthriti», Tropensyphi-
lis, Heredo»yphilitiker, Hirnsyphilomc,
Hodensyphilis, Knochensyphili», Lun¬
gensyphilis, Nieren»yphili», Plazentar¬
forschung, Wassermannsche Reaktion.
Syphilis, Bedeutung der serologischen
\ Untersuchungsmethoden für die Patho¬
logie und Therapie der, von Galewsky
42, — beim Kaninchen, von v. Niessen
94, ätiologische Therapie der —, von
Spitzer 145, Serodiagnostik der —, von
Bruns und Halberstädter 253, von
Beckers 651, von Bändel 1513, von
Sonnenberg 1714, von Isabolinsky 1904,
Wert der Spirochaete pallida für Dia¬
gnose und Behandlung der —, von
Harris und Corbus 255, staatliche sero-
diagnostische Untersuchungsanstalt für
— in Wien 256, Mergalbcbandlung der
—, von Lederer 304, Hutchinsonsche
Trias der kongenitalen —, von Hoff-
mann 423, hereditäre — der langen
Knochen, von le Moine und P^nard,
468, für die Praxis geeignete Methode
der Serumdiagnose bei —, von Noguchi
464, — und Nervensystem, von Nonne
526, la —, von Levaditi und Rochd
572, Theorie, Praxis und Resultate der
Serumdiagnostik der —, von Fleisch¬
mann 63' 1, Serumdiagnose der —,
von Hoehne 630, Injektionstherapie
der —, von Volk 630, Heilbehand¬
lung der —, von Brölemann 630, —
unter den Prostituierten, von Papee
630, Heredität bei —, von Linser 686,
— (l’emblee und die Berufssyphilis der
Aerzte, von Waelsch 690, 660, Queck-
»ilberreaktion als Diagnostikum bei —,
von Curioni 730, experimentelle —,
von Wiman 774, Sammelforschung
über —, von Vargas 824, Fazialisläh
mung im Frühstadium der —, von Lo
winsky 825, postkonzeptionelle — und
Wassermannsehe Reaktion, von Wech
selmann 872, vereinfachte Serumdia
gnose bei —, von Tschernogubow 872,
Bedeutung des Atoxyl für die Behänd
lung der —, von Gersehun 876, Dia
gnostik der — hereditaria tarda, von
Foumier 924, — in der Aetiologie de»
Krebses, von Papi an tz 933, heutiger
Stand der Serodiagnowtik der —, von
Donath 946, Bedeutung der Wasser-
mannschcn Serodiagnose der — für
die Praxis, von Kopp 667, Antimon
bei — von Salmon 1106, Inkubation
bei —, von Levaditi und Yamanouehi
1146, — und Anzeigepflicht 1146, Pa¬
thologie der — des Nervensystem»,
von Mott 1200, Diagnose und Therapie
der —, von Abraham 1251, Wasser¬
mannsche Reaktion bei angeborener
—, von Thomsen und Boas 1297,
Bedeutung der Wasserraannschen
Digitized b"
■V Google
Original fro-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
LXXVIII
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Seite
Reaktion für die Behandlung der —,
von Boas 1298, Geschichte der —,
von Kronfeld 1406, provokatorische
Wirkung von Sublimatinjektionen
und deren Beziehungen zur Wasser-
mannschen Reaktion bei —, von
Buschke und Harder 1487, Einfluss
von Heilmitteln der — auf die Im¬
munsubstanzen des Organismus, von
Dohi 1490, Häufigkeit der hereditären
— in Berlin, von Heller 1497, Sero-
diagnostik der — an der Leiche, von
Schlimpert 1505, Modifikationen der
Wassermannsehen Serodiagnostik der
—, von Schlimpert und Voswinkel
1505* Lehre von der Vererbung der
—, von Frankl 1561, Behandlung der
— mit Atoxyl und Arsazetin, von
Welanderl610,Was8ermannscheScrum-
reaktion bei —, von Jundell, Almkvist
und Sandmann 1611, ambulatorische
Behandlung der — in Galizien, von
Kinczenko 1703, Rolle der — bei der
Aetiologie der Dementia praecox, von
Roubinowitsch und Levaditi 1716,
Langbanssche Riesenzellen bei — der
quergestreiften Muskulatur, von Lan-
dois 1746, Wassermannscbe Serum-
reaktion auf —, von Fraenkel 1757,
Behandlung der — mit einer nouen
Arsenverbindung, von Baltzer 1766,
Behandlung der — mit massiven Queck-
silberinjektionen, von Epstein 1869,
Bewertung der Wassermannsehen Re¬
aktion für die Behandlung der —, von
Blank 1908, Vererbung der — auf
Grund serologischer und bakteriologi¬
scher Untersuchungen, von Baisch
1929, Laboratoriumsdiagnose der —,
von Smith 1980, Einfluss der — auf
die Nachkommenschaft, von Graefen-
berg 2023, Autoinokulation und Rein¬
fektion bei —, von Hutchinson 2028,
Serodiagnose der —, von M’ Intosh
2028, — und Tuberkulose, von Grasser
2182, Wirkung des atoxylsauren Queck¬
silbers auf die —, von Miekley 2231,
Frühdiagnose der — mittels Nachweis
der Spirochaete pallida im Dunkelfeld¬
apparat, von Scheuer 2233, amerikani¬
scher Ursprung der—, von Richter 2289,
Dauerbeobachtungen bei —, von Bruhns
und Lumme 2334, Labyrintherkrankung
bei —, von Stümpke 2385, Tätowierung
und —, von Dohi 2335, — und Lepra,
von Frugoni 2335, neue Abortivbe-
handlung der —, von Hallopeau 2350,
Serodiagnose der — in der Augen¬
heilkunde, von Schumacher 2390, Zu¬
sammenhang von Idiotie und —, von
Lippmann 2417, statistische Beiträge
zur hereditären —, von Cassel 2436,
alte — mit Sekundärerscheinungen,
von Zieler 2450, maligne —, von Zieler
2451, — des Kniegelenkes, von Zieler
2451, — in dritter Generation, von Zieler
2451, Wassermannsche Reaktion bei
—■, von Zieler 2451, Diagnose der —
vermittels der Wassermannsehen Reak¬
tion, von StopCzanski 2545, optische
Serodiagnose der —, von Jacobsthal
2607, intramuskuläre Behandlung der
— mit unlöslichen Quecksilberpräpa¬
raten, von Pernet 2548, Behandlung der
— mit Chininprüparaten, von Lenz¬
mann 2653, Vererbung der —, von
Rietschel 2658, —congenita, von Bering 2664
Syphilisätiologie und Syphilisdiagnostik,
von Kolle.861
Syphilisbehandlung mit grauem Del, von
Geyer 191, moderne —, von Lievon . 987
Syphilisfälle, besondere, von Porosz . . 630
Syphilisforschung, Bedeutung der moder¬
nen, von Jadassohn.672
Syphilisimmunität, sog., bei Affen, von
Buschke und Fischer ..822
Syphilisinfektion, extragenitale, von Bett-
mann.1259
Seite
Syphilisnachweis, serologischer, in der
Chirurgie, von Coenen.195
SyphiliHreaktion s. a. Luesreaktion, Wasser-
mannsehe Reaktion, Scharlach, Schar¬
lachreaktion.
Syphilisreaktion, praktische Bedeutung der
Wassermann-, Neisser-, Bruckschen,
von Ilauek 206, Einfluss der Verdün¬
nung des Organextraktes auf die Wasser¬
mannsche —, von Sachs 421, klinischer
Wert der Wassermann-, Neisser-, Bruck¬
schen — von Hauck 1295, von Merz
1297, Weidanzsche Modifikation der
Wassermannsehen —, von Mulzer 1306,
zwei neuere —, von Stühmer 1714,
biologische —, von Browning und
McKenzie 2028, Wassermann-, Neisser-,
Brucksche —, von Reinhart . . . . 2992
Syphilisspirochaete, Nachweis der, mittels
des Burrischen Tusche Verfahrens, von
Hoffmann.1976
Syphilisstellen, verdeckte, von Vörner . . 719
Syphilis Übertragung, Gefahren der, in
modernen Säuglingsstationen, von
Cassel. 2436
Syphilisvirus, Zunahme des Virulenzgra¬
des des, von Mulzer. 2609
Syphilitische Effloreszenzcn, Impfungen
mit, von Sandmann.630
Syphilitische Familien, von Jordan . . . 680
Syphilitische Hautaffektionen, Reaktion
der, gegen Quecksilber, von Welander 2334
Syrgol, 2199, von Kollbrunner. 1924
Syringomyelie, von Mainzer 1977, patho¬
logische Anatomie der gliösen —, von
Lasarew 671, stationäre —-, von Anton
885, — und Hämotomyelie, von Petrin
1495, monoplegische —, von Wimmer
1806, — als Unfallfolgo. 2386
T.
Tabak, Tabakrauch und Tabakrauchen, \
von Lehmann. 676’
Tabellen zu klinisch - bakteriologischen
Untersuchungen für Chirurgen und
Gynäkologen, von Liepmann .... 620
Tabes, Aetiologie der, dorsalis, von Ishihara
42, Einfluss der Frenkelschen Uebungs-
therapio auf die Leitungsgeschwindig¬
keit im peripheren zentripetalen Neuron
bei — dorsalis, von Reilingh 86, —
mit Bulbärsymptomen, von Wagner
145, familiäre und juvenile — mit In¬
fantilismus nach Lues acquisita, von
Stiefler 361, Unempfindlichkeit der
Bizepssehne bei — dorsalis, von Schle¬
singer 872, — dorsalis mit llaemate-
mesis und Herpes zoster atypicus, von
Siding 578, sekretorische Krisen bei —
dorsalis, von de la Camp 994, Zu¬
sammentreffen von — mit organischem
Herzleiden, von Stintzing 1049, fehlende
Druckempfindlichkoit der Sehnen bei
—, von Rowly 1091, — dorsalis im Ge¬
schlechtsleben der Frau, von Peukert
1142,Diagnose der initialen —, von Kann
1391, Atemstörungen bei — dorsalis,
von Eppinger und Hess 1343, rationelle
Behandlung der — dorsalis, von Wil¬
liams 1911, Veränderungen des Blutes
bei — dorsalis, von Orczäg 2082, Fehlen
des Argyllschen Zeichens bei —, von
Ileitz und Haranschipy.2179
Tabesbehandlung, von Williams .... 1925
Tabiker-Kniegelenk, von Deutschlftnder . 1508
Tablettac arthriticae, von Simon . . . 2234
Tachykardie, paroxysmale, von Groedel . 1855
Tachogramm, Arbeit und normales, von
Pletnew.1491
Tätowierungen, Beseitigung von, von Hei¬
di ngsfeld .826
Talsperren, Verwertung von, für die Wasser¬
versorgung, von Graf.1295
Talusfrakturen, von Levy 1296, Operation
wegen —, von Key 1906, subkutane
—, von Kawamura.1906
Seite
Talent, Entwicklungsgeschichte des, und
Genies, von Reibmayr. 31
Tamponade von Uterus und Wandhöhlen,
von Flatau .1552
Tamponadeinstrumentarium, neues, von
Kessler.361
Tanargentan. 2199, 2234
Tarsalgie der Erwachsenen, von Reynier 212
Tartarus, Wirkungen des, depuratus, von
Eichhorst.1574
Taschenbuch für Nervenärzte und Psych¬
iater, von Jankau .. 2593
Taschenlexikon, medizinisches, von Meyer 2173
Taschentuch als Ursache für Erkran¬
kungen der Nase und des Ohres, von
Lake. 471
Taubheit, Entstehung der, infolge ange¬
borener Syphilis, von Mayer 146,
neues Verfahren zur Feststellung ein¬
seitiger —, von Voss 579, — nach
Verletzung des Sacculus endolympha¬
ticus, von Kümmel.1351
Taubstumme, Funktionsprüfungen des Ge¬
hörorgans an, von Alexander und
Mackenzie.146
Taubstummenforschung s. a. Ohr.
Taubstummenforschung, Bezolds, von
Wanner. 45S
Taubstummenunterricht, Bezoldsche Re¬
form des, von Voss. 2284
Taufe, intrauterine, von Ahlfeld .... 781
Taxis s. u. Darm.
Teerbäder, Bereitung von, von Spiegler
94, einfaches Verfahren zur Herstellung
von —von Taege. 714
Technische Neuheiten, von Gillet . . . 1968
Teleangiectasia hepatis disseminata, von
Hedr&n.1090
Telekardiogramm aus vergangener Zeit,
von Pick. 2243
Telephongebtihren, Verteuerung der, von
Hoffmann. 5t4
Teleröntgenographie, von Levy-Dom und
Hessmann. . ..941
Temperatur, Bestimmung des Unterschie¬
des zwischen Rektal- und Axillar-, von
I Erlandsen 417, halbseitig erhöhte —,
J bei Lungenaffektionen, von Schäfer . 1140
Temperaturbeziehungen zwischen Herz und
Lunge, von Exner.985
Temperatursteigerung, Bedeutung der, für
die Antikörperproduktion, von Ltidkc 1246
Temperatursturz, Nachweis des anaphylak¬
tischen, von Pfeiffer.1969
Tendovaginitis crepitans, von v. Frisch . 1492
Terminologie, medizinische, von Guttmann 528
Terpentin-Guajakprobe, von Dreyer . . . 1884
Testament der Frau Franziska Speyer . . 2455
Tetanie, von v. Ilösslin 783, chronische
— im ersten Kindesalter, von Escherieh
94, Beziehungen der — zu den Epithel¬
körperchen und zum Kalkstoffwechs el,
von Mc Callum und Voegtlin 1035,
Studien über —, von Falta und Ru-
dinger 1043, — der Kinder, von
Escherich 1433, — der Kaninchen, von
Haberfeld und Schilder. 2434
Tetaniefrage, von llaberfeld und Schilder 1514
Tetanus, von Grosser 2197, Behandlung
des —, von Pancrazio 305, von Pribram
631, Frühamputationsfrage beim —,
von Hutchings 408, Befunde am Ner¬
vensystem bei —, von Breccia 629,
Prüventivimpfung bei —, von Lang
1036, Behandlung des akuten trauma¬
tischen — mit Magnesiumsulfat, von
Heineck 1093, aktive Schutzimpfung
bei — durch Toxoide, von Löwenstein
1295, Rosescher — infolge von Fremd¬
körpern der Nasenhöhle, von Quadri
1557, — durch Katgut, von Kleinertz
1908, — nach chirurgischen Opera¬
tionen, von Richardson 1970, — nach
Darmoperationen, von Matas 2427,2 mit
Antitoxin Höchst behandelte Fälle
von —, von Simon. 2214
Tetanusgift, Schicksal des, im Verdauungs¬
kanal, von Vincent.469
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Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
LXXIX
Seite Seite
Tetanustherapie, von Malaniuk. 2282 der Behandlung der Gonorrhöe, von
Tetanustodosfall trotz Injektion von Mag- Cohn 1198, — bei Gonorrhöe, von
nesium sulfur., von Netter. 1054 Levin. .1702
Theologie und Geburtshilfe, von Knapp 1802 Tiefenbestrahlungen, von liessmann . . 941
Therapie der < regenwart 159, physikalische Tinea albigena, von Nieuwenhuis .... 675
— in Einzeldarstellungen, von Marcuse Tiere, die giftigen, von Taschenberg . . 1649
und Strasser 407, physikalische — der Tinnitis, nichtoperative Behandlung der,
Hautkrankheiten und der Geschlechts- auriuiu, von Barr. ....... . 1978
krankheiten, von Ullmann 407, Hand- T. ü. A. (Höchst) von Kraus.631
buch der gesamten — in 7 Bänden, Tod durch Erwürgen, von Strassmann 36,
von Penzoldt und Stintzing 1853, en- Revenstorfsches Verfahren zur Fest-
dovenöse —, von Baccelli 1914, — Stellung der Zeit des —, von Doepner
an den Berliner Universitätskliniken, 2279, — Todesart und Todesursache,
von Croner. 1964 von Jores 2279, vom —, von Bloch . 2536
Therapeutique vendrienne, von Deguy . 1487 Todesfälle: Adler 2504, de Almeida-Ma-
Therapeutische Leistungen im Jahre 1908, galhaes 896, Baas 2400, Balch 1928,
von Pollatschck und Nador. 1575 Barbera 431, Barette 743, Betagh 481,
Thermopcnotmtion, von v. Bernd 1387, Boddaert 1928, v. Bollinger 1719, 2038,
von v. Bernd und von Prevss 2391, Bondet 1518, Boursier 544, Brat 875, de
Wirkung der —, von Laqueur 1856, Ver- Britto 1360, Brower 640, Bulmoff 2455,
Wendung von —, von Eitner .... 1860 Bull 640, v. Burnm 640, Calderono 431,
Thermophorapparat, von Stehlik .... 1188 Cambria 431, Chapman 20ö8, Charter
Thennomassageapparat, von Kitaj ... 94 1254, Chovassu 2088, Clark 544, Conner
Thiopinol, von Bäumer.2199 I 896, Coppinger 820, Costa 1264, Cobi)
Thiopinolbäder, Schwefelausscheidg. durch
den Urin nach, von Diesselhorst . . 530
Thiosinamin, von Müller 1263, Injektionen
von —, von Charteris.1980
Thiosinaminwirkung, Analyse der klinisch
beobachteten, von Starkenstein . . . 2668
Thiozon.410
Thorakoplastik, von Grisson 831, von
Gobel 2035, von Kümmell. 2606
Thorakotomie, von Lenhartz.831
Thorax phthisicuB, von Hart und Harras
\ 1085, Luft- und Flüssigkeitsansamndung
im —, von Klieneberger. 2649
Thoraxchirurgie, von Skevos Zervos 2245,
— in Amerika 2382, moderne —, von
Friedrich 2427, heutiger Stand der — 2433
Thoraxfläche, operative Freilegung der
hinteren oberen, von v. Saar .... 820
Thoraxoperation, Freundsche, bei Lungen-
emphysem, von Rath. 2542
Thoraxraum Neugeborener, von Beneke . 1209
Thromhoangiitis obliterans, von Buerger
1094, 1911
Thrombo-Embolie in der Geburtshilfe und
Gynäkologie, von Neu.1444
Thrombophilie, und das Frühaufstehen
der Wöchnerinnen u. Laparotoraierten,
von Mendel . . . . . 2148
Thrombophlebitis, von Kroemer 1502, Aeti-
ologie und Prophylaxe der postopera-
rativen —, von Hell.2711
Thrombose, Häufigkeit der, nach gynäko¬
logischen Operationen und im Wochen¬
bett, von Hofmeier 196, entzündliehe
— des peripheren Venensystems, von
Föraterling 301, — und Embolie nach
Operationen an den inneren Genitalien
•ler Frau, von Sutton 730, — der Pul¬
monalarterien, von Stadeimann 1097,
— und Embolien, insbesondere nach
0{»erationen, von Kelling. 2447
Thyraocain. 2284
Thymus, Funktion der, von Mac Lennan
40, — und Nervensystem, von Basch
726, Druckentwicklung des —, von
iKuiccke 1906, Einwirkung der X-Strah¬
len auf die —. von Aubertin und
Bordet . . . 2120
Thymusdrüse, normale Durchschnittsge-
wichte der menschlichen, von Hammar 626
Thuuusexstirpation l»eim jungen Huhn,
von Basch.368
Thymustod, von Beneke 1209,mechanischer
—, von Lund .197
Thyreoidismus, akuter, von Himmelhoher 1907
riivreoiditis jodicu acuta, von Gundorow 632
Thyreoidosen, Verkümmerung der Augen¬
brauen und Nägel l>ei, von Hoffmann 632
Th yreotomie und Laryngoflssur in Lokal¬
anästhesie, von Fränkel.470
Thyresol, 300, 410, von Hirschberg 727,
von Neuberg 825, von Frank 1310, von
Eisert 1983, — ein neues Sandelholz-
präparat, von Knauth 414, 834, — in
2504, ('risati 488, Cunningham 1408,
Curci 1872, Dell’ Isola 216, Denison
820, Derville 1000, Diakonow 216, Dillon
Brown 896, Dohm 2088, Drapcr 1056,
Dujardin - Beaumetz 1056, Endemann
1408, Engelmann 1112, 1787, de Figuei-
redo Saboia 1000, Fiorentini 488, Flei¬
scher 896, 1285, Fox well 1768, Fraser
1768, Fullerton 1872, Galvagni 952,
Gamgee 840, Gonka 1623, Granier 792,
Guttstadt 1000, Haffter 1768, Hamilton
544, Hardy 896, Hatfield 2560, l laug 840,
Ilaycr 952, v. Hotter 1264, Hotz 896,
Hunt 1768, Jnffö 1928, Jewetzky 1160,
Jordan 2504, Kaether 840, Karl Theodor,
Herzog in Bavern 2560, KatschkowBky
1216, Katz 1984, Klug 1160 Knight 640,
Kolpaktschi 1311, Krauss 2018, Kuffe¬
rath 840, Langerhans 1360, Laqueur 896,
Legge 216, Lindfors 2400, Lingemann
2616, Lombroso 2248, 2845, Lossen 1872,
Lott 1518, Mandalari 431, v.Mangoldt695,
Marini 2504, Marques 320, Martini 2248,
Mayer 2400, May et 2400, Mazzci 431,
Melle 431, Meschede 1672, Meyer 890,
Monti 2352, Mosso 640, Müller 1311,
l850,Natansen 2352, v. Neumayer 1160,
Nowack 55, Nunn 1254, Perl 1824,
Pfannenstiel 1408, 1801, Pickcrt 2455,
Ponzio 431, Porter 1311, Prawossud
544,Frh. v. Preuschen von undzuLieben-
stein 112, Pribytkow 1264, v. Hanke 1056,
1082,Hanneft 320, Heamy 743, v. Henvers
692, 695, Heybnen 896, Heynolds 2352,
Ripamonti 2616, v. Hosthorn 1720, 1800,
Huegenberg 160, Runge 1623, 1748,
ltybalkin 488, Saemiseh 2560, Schicr-
beck 2616, Scott 1623, Scott 1928, Seggcl
544, Sirena 1872, Snell 952, 1254, Stcer
1518, Steven 544, Stubbs 2455, Taylor
1254, Testa431, Thannhoffcr 695, l’Urso
431, Vogl von Fernheim 1623, Wakloy
640, 1254, Wehmer 2352, Wlajew 743,
Woskressensky 840, Jeo 1056, Zinkonc
431, Zopf.1408
Todesfälle, plötzliche, bei Kindern, von
Durlacher 95, plötzliche beim Militär vor-
kominende —, von Passern 1502, plötz¬
liche —, von Busch.1608
ITodesursachen der Kinder während der
[ Geburt, von Stüber.1252
Tone, subjektive, und Geräusche, von
Sehaefcr. 1349, 2284
Togo, Berichte über, von Jaflte.819
Tollenssche Reaktion, von ToIIciih . . . 862
Tollwut s. a. Ganglienzellen, Wut.
Tollwut in Preussen 1902—1907, von
Doebert 1088, feine Veränderungen hei
—, von Jonescu 1909, Parasit der —,
von Negri 2278, Schutzimpfungen gegen
— im Institut Pasteur zu Paris . . . 2087
Tollwutdiagnose, Verwendbarkeit der
bunten Hatte zur, von Hcymunn . . 1295
Tollwutstatistik in Preussen. 2087
8eite
Tondämpfung, Vollkommenheit der, im
menschlichen Ohr, von Hensen . . . 2449
Tonempfindung, zur, ausreichende Anzahl
von Schwingungen, von de Groot . . 2538
Tonometer, verbesserter, von Ehret . . . 1211
Tonreibe, Bezold-Edelmannsche kontinu¬
ierliche, von Kühne.772
Tonsillen, einfache Operation zur Entfer¬
nung der, von Waugh 1971, Lipom
der —, von Pull mann. 2544
Torsionsfraktur, Dislokation der Fragmente
bei, des Unterschenkels, von Schu¬
macher 93, Mechanismus der —, von
Zuppinger. 2543
Toms pulatinus, von Godlee.996
Totalanästhesie, von Jonneseo 1517, —
durch Injektion von Kokain in die
Vene, von Ritter.1968
Totalaufgemeisseltc, sind, kriegsdienst-
tauglich? von Zemann.146
Totalexstirpation bei puerperaler Sepsis,
von Stoeckel 782, Michelsche Klammern
bei der vaginalen —, von Stolz . . . 1495
Totalluxationen des Metatarsus im Lis-
francschen Gelenk, von Schuhmacher 88
Totenschein, unrichtiger.839
Toxämien, Behandlung von, von Dixon . 109
Toxikosen innerhalb Schwangerschaft, Ge¬
hurt und Wochenbett, von Schickclo 1508
Toxinamie, otogene, von Müller .... 1352
Trachea, Osteoplastik bei StenORO der,
von Moskowiez.. . 212
Trachealknrzinomc, primäre, von Kahler .1896
Trachearesektion, zirkuläre, von v. Navratil* 142
Tracheo-Bronchoskopie, von Guisez . . . 2666
Tracheoplastik, von Nowakowski .... 2695
Tracheoskopie, direkte obere, von Brünings 2608
Tracheotomie, Heilwert der, der Kehlkopf-
tuberkulose, von Landwehrmann . . 2284
Trachom s. a. Granulöse.
Trachom, Erreger des, von Greeff 728,
Aetiologie des —, von Halberstädter
und v. Prowazek 1205, von Greeff 1964,
die Auswanderer und das — zu Paris,
von Chantemesso und Valudc 1669,
— in Algerien, vcm Sergent 1753, Vor¬
kehrungen gegen die Einschleppung
von —, von Emmcrt 1808, die von
Prowazeck bei — gefundenen Körper¬
chen und ihr diagnostischer Wert, von
Grüter 1860, Radi um he handlang des
—, von Fortunati. 2598
Trachomerreger, von Stargardt 153, ist der
— entdeckt? von Schinidt-Rimpler . 1580
Trachomkörperchen, von Gutfreund 1438,
2602, von Reis 1438, von Heymann 2123,
diagnostische Verwertbarkeit der Pro-
wazeksrhen —, von Goldberg 1657,
Darstellung der — , von Herzog 1807,
Mikrophotogramme von — von Wolfrum 2037
Trachommaterial der Mnrburgor Augen¬
klinik, von Werner.1865
Tränendrüse, Einfluss des Sympathikus
auf die Funktion der, von Schirmer . 1652
Tränenwege, Pathologie und Therapie der,
von Elschnig . .482
Transhimalaja, von Sven Hedin .... 2593
Transplantation, von Hotz 2390, Resultate
der — von Blutgefässen, Organen und
Gliedern, von ('arrell 256, — lebender
Gefässstückc, von Tietzo 465, — von
Geschwülste u. normalen Geweben, von
Schöne 620, neue Methode viszeraler —,
von Jianu 1393, — der Ovarien, von
Gramer 1615, — von Gefassen und
ganzen Organen, von Borat und Fuder-
len 2022,— toten Knochens von Kausch 2277
TraiiHplantationH«liskussion.939
Transplantationsergehnisse, neuere, von
Jores. 1977
Transplantationsfähigkeit der Knochen,
von Bergemann. 2540
Transportwesen für die Verwundeten, von
(dies.1980
Transsudaten, Unterscheidung der, von
Exsudaten, von Finkeistein .... 875
Traubenzucker, Verhalten und Wirkung
des einverleibten, von 8üssenguth . . 1497
Digitized by Google
Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
LXXX
INHALTS-VERZEICHNIS.
Tremadote, neue, Fasciolopsis Füllebomi,
von Rodenwaldt .827
Tremor, akuter zerebraler, de« Kindes-
alter«, von Forest 1436, von Zappert
1654, Behandlung des — bei m. Par¬
kinson mit Parathyreoidin, vonMarogna 1809
Trendelenburgßche Lungenembolieopera¬
tion, von Läwen und Sievers 142, von
Busch.1608
Trenkle-Stiftung. 2088
Trepanation bei Verletzungen des Schädel
daches, von Kusnetzow.2631
Trepanation«- und Laminektomiezangen,
von de Quervain.1195
Treponema pertenuis, von Asliburn und
Graig ..201
Trichinellen, Verbreitungsart der, von
Stäubli.125
Trichonodosis, von Galewsky.676
Trichinose, von Gaisböck.729
Trichopliytosis, tropische, von Castellani 826
Trichterbecken, kyphotisches, von Stoeckel 1208
Trichterbrust, von Vers6, angeborene und
erworbene —, von Ebstein. 2665
Trigeminus, Durchschneidung der Radix
des, von Doyen.2185
Trigeminusneuralgien, Behandlung der,
mit Alkoholinjektionen, von Ricard
260, Therapie der —, von Fuchs 995,
operative Behandlung der —, von
Hulles 1212, — dentalen Ursprungs,
von Preiswerk 1570, Kalomel bei —,
von Fuchs 1718, Rezidivoperation bei
—, von Btidinger. 2022
Trinitrin, Wirkung des, auf, Blutdruck
und Pulszahl, von Carriön y Garagarza
und Durdn.198
Trinkwasser, Entwurf einer Methode zur
Herstellung von reinem, von Bcmtrop 2601
Trinkwasseraktivator, Kreuznacher, von
Ramsauer.1591
Trinkwasserversorgung im Felde, von
Lannel.876
Tritolum Filicis .. 2234
Trochanter, Abriss des, minor, von Hoch 1195
Troikart, einfacher, zur • Aspiration von
Pleuraexsudaten, von Paysen .... 1558
Trommelfell, Anästhesierung des, von
Tiefenthal 057, was leistet ein künst¬
liches — ?, von Nadoleczny.835
Trommelfellruptur, traumatische, von Veis 47lJ
Tropen, Behandlung und Ernährung der
Kinder in den, von Brown.1978
Tropendiarrhöen, chronische, von Rostoski 866
Troponhygiene, von Nocht 770, von
Mühlens.1607
Tropenklima, Einfluss des, auf die Funk¬
tionen der weiblichen Geschlechts¬
organe, von Routh 732, Einfluss des
— auf die weisse Rasse, von Wicklme
733, Wirkung des — auf das Nerven¬
system des Weissen, von Daeubler .2130
Tropenmedizin, Sonderabteilung für, in der
staatlichen Lehrmittelsammlung in
Berlin . 1927
Troponsyphilis, von Seiffert.2518
Tropische Feldzüge, Hygiene europäischer
Truppen bei, von zur Verth .... 2172
Trunksucht als Todesursache in Basel,
von Pfister 575, Einfluss der Vererbung
auf das Zustandekommen der —, von
Crothers.1979
Trypanosomen, von Ulrich 837, Ent¬
wicklung von — brueei in Glossina
fusca, von Keysselitz und Mayer 199,
Infektionsversuche mit — Brueei durch
Glossina palpalis, von Kleine 672,
neues — aus Menschenblut, von
v. Prowazek 951, Entwicklung von —,
in Glossinea, von Kleine 1193, ein¬
heimische —, von Frank 1560, —
Cruzi, von v. Prowazek 1756, ultra¬
mikroskopische Form im Entwicklungs¬
gang der —, von Bruce und Bateman
2235, experimentelle Uebertragung von
-- auf Meeresfische, von Neumann . 2389
Trypanosomenforschung, neueste Ergeb¬
nisse der, von Ehrlich.828
Trypanosomeninfektion, chemotherapeu¬
tische Versuche bei, von Schilling 731,
diagnostische Bedeutung der Kom-
plcmentbindungsreaktion bei —, von
Manteufel und Woithe.
Trypanosomenkrankheiten, Epidemiologie
der, von Möllers.
Trypano8omiasi8, Wert der Medikamente
bei der, von Ottolenghi 303, Behand¬
lung der menschlichen —, von Broden
und Rodhain 731, — in Deutsch-Ost¬
afrika, von Marschall 828, Uebertrag-
barkeit der — durch den Geschlechts¬
akt, von Kudicka 828, Therapie der —,
von Adler 837, Blut bei der experi¬
mentellen —, von Leger 1752, Behänd
lung der — bei den Pferden, von
Thiroux und Teppaz 1753, Unter¬
suchungen des Liquor cerebrospinalis
bei — der Hunde, von Apelt ....
Tryparosan, von Roehl.
Trypsin, quantitative Bestimmung des,
von Goldschmidt 726, Nachweis des
— in den Fäzes, von Koslowsky 827,
Verhalten des — jenseits der Darm¬
wand, von Bamberg 926, Einfluss in¬
traperitonealer Injektionen von — und
Pankreasgewebe auf Stickstoffausschei¬
dung und Eiweisszerfall, von v. Fürth
und Schwarz.
Trypsininjektionen, erfolgreiche Behand¬
lung maligner Tumoren durch, von
Rossi.
Tsetsefliegen und Trypanosomen, von
Kleine .
Tubage, Kuhnscbe, mit Berücksichtigung
des Ueberdruckverfahrens, von Letsch
Tubargravidität, von Hertel 480, von Grün¬
baum 1920, von Jung 1920, wieder¬
holte —, von Stoeckel 210, von Lampe
1805, Aetiologie, Diagnostik und Thera¬
pie der —, von Fiedler 90, Ausstossungs-
modus der Decidua uterina bei - , von
Engländer.
Tubarschwangerschaft, doppelseitige, von
Labhardt.. .
Tubeneiterungen, von Urbantschitsch . .
Tubenkarzinom, von Baisch 1615, primäres
—, von Benthin . . .
Tubensterilisation, temporäre vaginale —,
von Pfeilsticker ...
Tuberkel der Dura mater, von Fraenkel .
Tuberkel bazillus, Biologie, Morphologie
^ und Systematik des, von Miehe 144,
Virulenz Veränderungen der —, von
Kirdlyfi 354, neue Konstrastfärbung
zur Darstellung intrazellulärer —, im
Auswurf, von Assmann 850, von Russow’
828, Nachweis von — mit Anti formin,
von Seemann 821, Differentialfärbungs-
methode der —, von Gasis 985, gra¬
nuläre Form des —, von Geipel 1154,
Kaninchenpathogenität von —, von
Mictzsch 1340, Bestimmung der Quan¬
tität der — bei Impfversuchen, vonRabi-
nowitsch 1392, nach Ziehl nicht dar¬
stellbare Form des —, von Lieber¬
meister 1554, Zusammensetzung, Ver¬
dauung und Resorption der —, von
London und Riwkind 1604, Beziehungen
der Larven der Bienenmotte zu den —,
von v. Konstantinowitsch 1748, Ver¬
halten der — in verschiedenen Organen
nach intravenöser Injektion, von Neu¬
mann und Wittgenstein 1803, Nach¬
weis der — im Sputum, von Bern¬
hardt 1807, Färbungsmethode der —
nach Dem. Gasis, von Vogt 1848, Art
Verschiedenheit menschlicher und tieri¬
scher —, von Spengler 1855, neue
Methode zum Nachweis von —, von
Uhlenhuth und Kersten 1855, wechsel¬
seitige Uebertragbarkeit der bovinen
und menschlichen —, von Potenger
1910, kombinierte Färbungsmethoden
für —, von Hatano 1968, — im strömen¬
den Phthisikerblut, von Schnitter 1969,
Hinderung des Wachstumes der —,
von Moore und Stenhouse 1981, Bakte-
' riolyse von —, von Deycke und Much
1855 ,Nachweis spärlicher— im Sputum,
von v. Scheven 2026, Nachweis der —
. 577 im strömenden Blute der Phthisiker,
von Lippmaim 2214, nahe Vcrwandt-
1295 schaft der beim Menschen und beim
Rinde vorkommenden —, von Eber
2215, Märchen von dem durch Tuber¬
kulin mobil gemachten —, von Nour-
j ney 2184, latentes Vorkommen der
I Muclischen Form des —, von Wolff
2512, elektrischer Strom zum Nachweis
; von — im Urin, von Russ 2347, granu-
| läre Form der — im Sputum, von
Uosenblat 2521, Nachweis von — im
N Sputum nach Ellermann -Erlandsen,
von Kögel. 1
\Tuberkelbazillenanreicherung mittels An-
2250\ tiformin, von Hüne.
152 \ Tuberkelbazillengehalt desBlutes, Fleisches
und der Lymphdrüsen tuberkulöser
Schlachttiere, von Bongert.
\Tuberkelbazillennachweis, neue Methode
\ des —, von Lange und Nitsche 627,
— im strömenden Blute, von Treupel !
-Tuberkelbazillenpräparate, von Muck . .
^Tuberkulin s. a Alttuberkulin, Arsen-Tuber-
kulin. Salbenprobe, 8albenreaktion.
2537 j Tuberkulin, Intradermoreaktion auf —,
\ von Mantoux 52, therapeutischer Wert
de* —, von Bemheim und Barbier 193,
2282 — im Kampf gegen die Tuberkulose, von
Elkan 197, Unterschied der Wirkung
2438 zwischen Menschen- und Perlsucht —,
von Franke 300, Einfluss von Ver-
4o6 dauungsfermenten auf —, von Pfeiffer
und Trunk 464, therapeutische Ver¬
wendung des — bei der Tuberkulose
der Säuglinge und Kinder, von Schloss-
raann 466, Statistik der Autopsien nach
| Kutireaktion auf —, von v. Pirquet 482,
! innere Anwendung des —, von Krause
771 670, das Kochsche — in der Kinder¬
heilkunde, von Medowikow874, Metho-
1142 den der Behandlung mit —, von Mon-
1352 tenegro 1032, mit Aetherextrakt der Galle
verdünntes—, von Lömoine und Gerard
2023 1212, Verw endung des—in der Chirurgie,
von Philip 1251, 1000 mit—injizierte
1249 Soldaten, von Franz 1554, Einwirkung
2595 von Verdauungsfermenten auf —, von
Pfeiffer und Persch 1808, Hautreaktion
! bei der elektrolytischen Einführung
\ von —, von Winkler 2331, Verwertung
1 der intrakutanen Reaktion auf —, von
Römer und Joseph 2510, mit — komple-
| mentbindende Stoffe im Serum tuber-
I kulöser Kinder, von Fua und Koch
2540, Diagnostik der Tuberkulose durch
i innerliches Einnehmen von —, von
I V Salo .5
Tuberkulinantikörper, Auftreten von, von
I V v Pickort.'
| Vriiberkulinanw-endung, intrakutane zu dia-
1 x gnostischen Zwecken, von Römer 819,
von Mendel 1606, — bei der Phthiseo-
. therapie, von R6non.
\ Tuberkulinbehandlung, von Gabrilowicz
\ 874, von Saathoff 1620, von Schröder
2415, Auswahl von Sanatoriumspatien¬
ten für die —, von Thomson 674, —
, bei chirurgisch Tuberkulösen, von Smith !
* ' Tuberkulinempfindlichkeit, Herabsetzung
. \ der, Tuberkulöser während der Masern,
! von Grüner.
\ | Tuberkulindiagnostik und -therapie, von
; Saathoff . ..1
’ Thberkulindosen, Bezeichnung der, von
Weinberger.!
1 1 Tuberkulinimmunitüt, Prüfung der, von
v Pickert und Löwenstein.
■ ' Tuberkulinprobe, Priquetsche, bei Neuge-
i borenen und ihren Müttern, von Poten
und Griemert . ..
; Tuberkulinreaktion, Hautreaktion, s. a.
, Pirquetsche Reaktion, Salben probe, Sal-
V ' bonroaktion.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
IW.
Inhalts -Verzeichni s. __ ^_ Lxx xi
iil>crkuliiircakti«m, perkutan«', na«h Moro,
von Wotzell 300, konjunktivalc — bei ,
Krebskranken, von Krokicwicz 304, .
Morosche perkutanc — im Kindesaltcr, I
von Mayrhofer 471, —, speziell eine |
Aurikulorcaktion, von Tedeschi 624, j
quantitative Ausführung der kutanen —,
von Ellermann und Erlandsen 627,1298, |
diagnostischer Wert der lokalen —, von !
Wolff-Eisner 631, Calmcttesche —, von i
Heywood 731, — bei Kindern, von !
< iindes und Warschawsky 875,108«, kon-
jiinktioale —, von bald\vin 1035, per-
kutane —, von Moro ll)87, diagnosti- .
scher Wert der v. Pirquetsehen — bei '■
Kindern, von beck 1298, diagnosti¬
sche — auf der Nasenschleimhaut, von
Lafitc - Dupont und Moulinier 1557,
kutane —, von Götzsclie und Pcrtcrsen
1860, kutane — im Kindesaltcr, von
Hellesen 1966, Stoffwechsel versuche bei
der —, von Saathoff 2042, Phosphor-
ausscheidung bei der —, von Zickgraf
N 2488, Sensibilisierung bei der kutanen
\ —, von v. Ellermann und Erlandsen 2540
Tuberkulinresistenz, natürliche, von Piekert 1297
Tuberkulintherapie, von Citron 2397, 2499, 2695
Tuberkulinübcremplindlichkeit, passive ,
Uebcrtragung der, von Ilelmlioltz . . 2230
' Tuberkulin Vaseline zur Anstellung der Kon-
junktivalreaktion, von Wolff-Eisner . 2206
Tuberkulöse, Desinfektion der Wäsche der, ■
von Rocpke und Rasch 1139, Ernäh- ,
rang der —, von Strauss 1300, Blut-
serum der —, von Frugoni 2025, Anti-
pyrese bei —, von Geszti. 2032
Tuberkulöse Herde, Virulenz latenter,
von Schmitz .1747
Tuberkulöse Infektion, frühzeitige Diagnose ;
der, von Calmette .... . . . 1752
Tuberkulöse Kinder, behandlung von, mit
. ‘ hohen Tuberkulindosen, von Fuchs . 2288
Tuberkulose Personen, Massnahmen zur
Isolierung von, voi* bielcfeldt . . . 1803
v Tuberkulöse Veränderungen nach Injektion
von Tebean, von Schreiber.1668
Tuberkulose s. a. J.K., lntestinaltuberkulosc
Fermentbehandlung, Lymphdrüsen,
Lungentuberkulose, Pncumin, Menin¬
gitis, Spitzentuberkulose.
Tuberkulose, Stichreaktion bei der Dia¬
gnose kindlicher, von Hamburger 22,
käsige — des Uterus, der Vagina und
der Adnexe, von Goldschmidt 43, Nach¬
weis der Antigene bei der Komplement-
ablenkung der —, von bauer 71, — und
tuberkulöse Erkrankung, von Meissen
87, Kontaktinfektion bei —, von Prei-
sich und Schütz 145, — im Kindesalter,
von Baltd Lorenzo 198, Schnelldiagnosc
der — bei Meerschweinchenimpfling,
von Fligg 201, Fürsorge für die vor¬
geschrittenen Fälle von —, von v. Leube
355, kongenitale —, von Honjio 355,
Symptomatologie der — dos lleosakral-
gelcnkes, von Stieda 360, — als Kinder¬
krankheit, von Schlossinann 286, von
Hamburger 662, Kampfplan gegen die
—, von Philip 415, bcziehungen zwi¬
schen Menschen- und Kinder- —, von
Römer 423, neuere Medikamente und
Nährmittel zur Bekämpfung der —, von
Schröder 464, Behandlung der — mit
zinksaurein Natron, von Rcynier 482,
Häufigkeit der — am Leichenmaterial
des berliner path. Instituts, von Bcitzke
530, Ifiagnose, Prognose und Therapie
der —, von de la Camp 537, operative
behandlung der — im Schenkelhals,
von Waldenström 623, — des Kindes¬
alters, von Albrecht 628, behandlung
der —, von Krokiewiez 628, — u. Tumor ;
an <lemsell>en Organ, von Franco 671,
alpines oder heimisches Klima für die ,
Früh Stadien der —, von Ewart 673,
Serumdiagnosc und Prognose der —,
von Courmont 730, therapeutische Be¬
einflussung der inneren — durch Tuber¬
kulin etc., von Köhler 736, Tuberkulin
und verwandte Mittel bei chirurgischer '
—, von Lenzinann 736, ambulante spe¬
zifische Behandlung der —, von Wolff ■
777, Mamiorekserum bei chirurgischer
—, von Sonntag 778, Behandlung der
intraperitonealen — mittels Laparo¬
tomie, von Ungar 778, — in der Kap- :
kolonie und Siulwcstafrika, von Kulm ,
820, — in Barcelona, von Casanovas
824, Infektionswege der—, von Esche- •
rieh 873, — des weiblichen Genital- '
systcnis, von Simmomls 947, Einfluss
der nordischen Meere auf die —von
Hennig 1032, Uebertragmig der — durch
die Luft, von Le Noir und Camus 1106,
Präzipitationsuntersuclmngcn bei —,
von v. Szaböky 1139, Agglutinations¬
versuche bei —, von v. Szaböky 1140,
Durchführung der J »csinfektion bei —,
von Kirstein 1149, histologische Er¬
scheinungsformen «1er —, von Lieber¬
meister 1150, primäre — der Nasen¬
rachenschleimhaut, von Merkel 1165,
— in Panama, von brem 1093, Jod bei
chirurgischer, — von Tatchell 1200,
kongenitale —, von Rietschel u. Geipol
1206, von Rietschel 2122, Heliotherapie
bei chirurgischer —, von Monti 1261,
serologische Untersuchungen bei —,
von Eitner und Stoerk 1297, — bei
■ Schulkindern, von Herford 1301, chro¬
nischer Schilddrüsenrheumatismus un<l
—, von Levi und de Rothschild 1307,
adenoide Vegetationen und —, von
Xobecovirt und Aplokuiann 1307, Woh-
nungsdesinfektion hei —, von Rocpke
1341, antitoxische Wirkung des Jods
bei —, von Cnntani 1389, primäre —
in der quergestreiften Muskulatur, von
Robbio 1439, Behandlung der — mit
einem spezifisch wirkcndenJodpräparat,
von Turmann 1532, Entstehung und
Verbreitung der — im weiblichen Geni¬
taltrakte, von blau 1602, Immunität
gegen —durch Tuberkulose, von Römer
1606, spezifische Hilfsmittel in der Dia¬
gnose und Prognose der, von v. Ruck
1606, Häufigkeit der — im Kindesaltcr,
von Hamburger 1610, antagonistische
Therapie der —, von Klebs 1616, pa¬
pilläre — der Portio vaginalis, von
Everling 1655, komplcmentbindendo.
Substanzen bei—, von Laub u. Novotny
1763, spezifische Substanzen in der
Diagnose und behandlung der —, von
Mitulescu 1749, chirurgische Formen
der — des Magens, von Ldriche und
Mouriquand 1761, — derbartholiniscben
Drüse, von Leeene 1752, — der Haut,
von Delbanco 1813, Immunitätsfrage
bei der —, von Beck 1855, Konjunk-
livalroaktion bei —, von Tobiesen 1860,
Medikamente lind Nährmittel für die
behandlung der—, von Schröder 1905,
Sammelreferat über Arbeiten über —,
von Schelblo 1907, — in den rumä¬
nischen Strafanstalten, von Irimescu
1909, Quecksilbcrbehandlung der —,
von Wright 1910,1 fiagnose der — mittels
chemischer Analyse deH Auswurfes,
von Roger und Lcvi-Valensi 1924, —
und Bevölkerungsdichte, von bernheim
und Dieupart 1972, Anzcigcptlicht aller
Formen der —, von Scurficld 1980,
Frühdiagnose und Behandlung der —,
von balmettc 1981, einseitige aszen-
dierende — iin Urogenitalapparat, von
Forkel 2003, — in der Schwangerschaft,
von Rielünder und Mayer 2023, — bei
Minenarbeitern —, von Caryophyllis
2032, physiologische Magcnsäure in «1er
behandlung der —, von Nagel 2032, ,
konservative Behandlung der «’liirur- ;
gischen —, von Klapp 2034, Behänd- j
lung der — der Knochen un«l Weich- |
teile nach Menciere, von Strauss 203H, i
— der Brustdrüse, von Strauss 2086, 1
diagnostischer und prognostischer Wert
Opsoninuntersuchungon bei —, von
Seil«
Eornet und Krccker 2173, wichtigste ]
Ansteckungsweise bei —, von v. Baum¬
gartner 2177, konservative Behandlung \
«ler chirurgischen —, von Klapp 2177, j
Diagnose der — im Laboratorium, von
Levi-Valcnsi 2180, Immunität der Gips-
und Kalkbrenncr gegen —, von Fisac \
2181, Syphilis und —, von Grasser 2182,
— in Japan, von Kitasato 2278, Imp¬
fung der Rinder gegen —, von Rap- '
pclin 2295, Komplementbindungsreak¬
tion bei —, von Koch 2310, operative
Behandlung der — des Dünn- u. Dick¬
darm, von Rubcseh 2328, Bekämpfung
der chirurgischen —, von Hopfenhausen
2332, Röntgenuntersuchung dcrLungen-
spitzen bei -—, von Moses 2393, Ver¬
halten der kindlichen — gegen Tuber¬
kulin, von Engel 2435, Immunitäts-
vorgänge hei —, von Bauer 2435, Pro¬
phylaxe der, von Czerny 2437, — und
Schule, von Meder 2445, Verbreitungs¬
weise und Bekämpfung der —, von
Flügge 2434, Behandlung der — mit
Filtrase, von Rombach 2600, — in den
Volksschulen Düsseldorfs, von Daske
2650, Durchführung der Desinfektion
bei der —, von Kirstein 2650, von
Kirchner 2650, Diagnose der — mittels
der Anaphylaxie, von Roepke u. Busch
2650, traumatische — und die Unfall-
gesetzgebung, von Mosny 2668. Häufig¬
keit der — bei Abkömmlingen von Tuber¬
kulösen und nicht Tuberkulösen, von
Pissavy 2668, Lehrbuch der spezifischen
Diagn«)stik und Therapie der —, von
Bandelier und Röpke. 2709
Tubcrkiiloscärzte-Versammlung . . . 487, 1984
Tul lerkuloseantik«irper, durch Komplement¬
bindung nachweisbare, im Blut von
Phthisikern, von Cohn. 87
Tubcrkulosehehandlung, Fortschritte der,
von Philip 1925, — mit grossen Tuber-
kulindosen, von Neumann. 2397
Tuberkulosebekämpfung in den U. S. von
Amerika, von Hamei.1149
Tuberkuloseformen, Frühdiagnose der ver-
\ schicdenen, von Hennig.1082
Tuberkulosefrage, Beitrag zur, von Schot-
v telius 191, moderne —, von Much . . 1048
Tuberkulosefürsorge in einem Landkreis,
von Romeik. 2493
Tuberkulosehäufigkeit in Kindesaltcr, von
Hamburger und Monti 446, Einfluss
von Notjahren auf die —, von Linden 2331
Tuberkuloseherde, lokale Chininbehand¬
lung der, von Orhan-Bey.1091
Tuberkulose • Immunblutbchandlung,. von
Spengler 2653, Ergebnisse der —, von
Rocpke. 2281
Tubcrkuloscimmunität, von Hamburger
1340, von Römer 1714, Frühdiagnose
und —, von Wolff-Eisner 1386, — und
spezifische Therapie, von Bauer u. Engel 2435
TiiberkuloHC-Imunmopsonino, von Böhme 1117
Tubcrkulosckonferenz, ^internationale 487, 1311
Tuherkuloseraktion mit Kobragift nach
Calmette, von Beyer.1713
Tubcrkuloseserum, intrafokale Anwendung
des Martnorekschen, von S<-hnöllcr . 1731
Tuberkulosestation der Landes Versiche¬
rungsanstalt in Berlin 1036, — in
Kopenhagen .1204
Tubcrknlosestcrbliehkeit, Abnahme der,
von Frankel 2390, von Gottstein . . 2544
Tubcrkulosctliorapio bei der Anwendung
von Marmorecksorum, von Schenker
174, heutiger Stand der spezifischen
—, von Hillenberg.626
Tuberkuloseüberempfindliclikeit, passive
Uebcrtragung der, von Bauer . . . . 1216
Tubcrkuloseuntcrsucliungen im städtischen ;
Gesundheitsamt in Berlin . . . . . . 2440
Tuberkulosevirus, von Weins 476, granu¬
läre Form des — im Lungenauswurf,
von Schultz 1969, Morphologie des —, !
von Weiss 2123, nach Much färbbare «
granuläre Form des —, von Wohrli u.
Knoll. 2650
G
Difitized by
Gck igle
Original From
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
LXXXlt
INHALTS-VERZEICHNIS.
1009.
|Selte
^341
Tuberkulose-Wandermuseum, 639, von
Klehmet.
Tuberoßitas tibiae, Entwicklung der, und
ihre typische Erkrankung in der Adoles¬
zenz, von Bergemann 1248, typische Er¬
krankung der — in der Adoleszenz,
von Schiller 1869, Verdickung der —,
von Hohmann. 2491
Tubertoxyl-Durodenal-Kapseln. 2234
Tumor, von Qppenheim 1306, indirizzo
alla diagnosi dei abdominali, von H
Sacconaghi 190, Statistik über maligne
—, vonForstner 471, Behandlung von —
Röntgen-, Radiumstrahlen u. Cholinin¬
jektion, von Werner 819, — des Ge¬
hirns, von Krause 938, — der bran-
chiogenen Organe, von Mühlhäuser
983, periappendikulüre pseudo-neo¬
plastische —, von Gangitano 1247,
retroperitonealer oophorogener —, von
Pullmann 1247, extraduraler — am
Halsmark, von Bing und Bircher 1493,
Behandlung des — albus mit der Bier-
schen Methode, von Chaput 1516, —
cavernosus hopatis, von Chiari 1615,
tuberkulöse — der Haut, von Heuck
1620, — am Ohrläppchen, von Heuck
1620, operierter Fall von — cerebri, von
Mainzer 1763, chromaffiner — des
Neben nierenmarkes, von Suguki 1908,
Protozoenursprung der malignen —, von
Robertson u. Young 1981, mediostinale
— mit eigenartigen Symptomenkom-
plex, von Blum 2449, isolierter tuber¬
kulöser — des Colon ascendens, von
Ktittner 2489, Behandlung maligner —
mit Röntgenstrahlen, von Iredell . . 2547
Tumorbildung, multiple primäre, von
Sliwinsky.1750
Tumorwachstum, Ernährung und, von
Moreschi.1904
Turmschädel s. a. Neuritis, Turrizephalie.
Turmschädel, von Hirschberg und Grun-
mach 107, von Grunmach.941
Tumbefreiungsatteste, ärztliche.308
Tumkurse, orthopädische in Düsseldorf,
von Blencke. 2491
Turrizephalie, operativer Eingriff bei, von
Yorschütz. 2542
Tuschemethode nach Burri, von Chiari
2397, von Frühwald. 2523
Tuscheverfahren, Burrisches, von Rosen¬
hauer 2394, Burrisches — zur Züchtung
einzelner Keime, von Heller .... 2603
Typhlatonie, von Fischler 2174, — und
ihre Beziehungen zur Appendizitis, von
Fischler.1922
Typhlitis, primäre, von Cordes.1858
Typhus s. a. Abdominaltyphus, Fleckfieber.
Typhus, von Rosin 635, Behandlung und
Prophylaxe des —, von Gordon 42,
Agglutination der Paratyphusbazillen
bei echtem —, von Thies 92, Behand¬
lung des — abdoin. mit Kollargolklys-
men, von Mironescu 93, Blut-, Stuhl-
und Urinuntersuchungen bei — abdomi¬
nalis, von Conradi 145, Physioabdomen
bei — abdominalis, von Toniatti 146, —
und Paratyphus, von Velobra 305,
Widalsche Reaktion, Diazoreaktion und
Leukopenie bei — abdominalis, von
Galli 579, Fälle von —, von Rosin
728, — zu Toulon, von Bertrand 891,
Immunisierung gegen —, von Lüdke
1514, Therapie des —, von Falta 1555,
milchfreie Diät und Enteroklysmen bei
der Behandlung des — abdominalis,
von Kemp 1911, chirurgische Behänd
lung der Darmperforation bei — abdomi¬
nalis, von Patterson 1911, ätiologische
Serumtherapie des — abdominalis, von
Kraus und v. Stenitzer 2232, — abdo¬
minalis und seine Beziehungen zu den
Gallenwegen, von Fraenkel 2435, Bak¬
terie nbef und bei — exanthematicus,
von Pittaluga und Illera 1499, — exan¬
thematicus beim Affen, von Nicolle
1924, bakteriologische Studien bei —
exanthematicus, von Mendoza 2181,
1656
experimentelle Uebertragung des —
exanthematicus durch Körperläuse, von
Nicolle, Cornte und Conseil 2295, Kom¬
plikationen bei — recurrens, von Ale-
xandroff 1392, Mischinfektion mit —
abdominalis und Maltatieber, von
Dreyer 2482, Milztumor im — abdo¬
minalis, von Solaro 2492, Aetiologie
und Prophylaxe des — in Frankreich,
von Vincent 2668, Aetiologie des —,
von Delorme. 2669
I Yyphusagglutination bei Tuberkulose, von I
Kreneker.*1017
Typhusagglutinine, Einfluss von Tempera¬
tur und Alkali auf, und Koliagglutinine,
von Streng.1295
Typhusausbreitung, Art der, in einer Stadt,
von Kavser.1066
Typhusbakterien, Nachweis und Differen-
tialdiagnose der, mittels Malaehitgrün-
Safranin-Reinblau-Nährböden, von Löff¬
ler, Walter, Dibbelt und Wehrlin
Typhusbazillen s. a. Mäusetyphusbazillen.
Typhusbazillen, giftige und immunisierende
Wirkung pepsinverdauter, von Gottstein
32, latenter Mikrobismus der —, von
Lüdke 57, — und Gallenblase, von
Koch 144, Beziehungen zu der — zu
der Gallenblase und den Gallen wegen,
von Chiarolanza 144, Anreicherungs¬
verfahren für —, von Ehrmann und
Friedemann 257, Statistik der Mitagglu¬
tination der — und Paratyphus B-Ba-
zillen, von Schultz 773, Wirkung von
Verdauungsprodukten aus —, von
Matthes 1086, ein nicht bakteriolytisch
wirkendes Schutzserum gegen —, von
Matthes 1086, Nachweis von — in
Faczes, von Werbitzki 1197, — im Er¬
brochenen, von Hoke 1657, biologische
Unterschiede von — und Paratyphus¬
bazillen, von Much. 2662
Typhusbazillenträger, Behandlung der, von
Liefmann 500, Gefährdung des — durch
die eigenen Typhusbazillen, von Kamm
1011, — u. Cholezystektomie, von Loele 1807
Typhusbazillenzüchtung, von Sachs-Müke 1551
Tvphu8bekämpfung im Südwesten des
Reiches, von Klinger.1496
Typhusdiagnose, bakteriologische, von
Wiens.
Typhusendemie, von Huggenberg . . .
Typhusepidemie durch einenBazillenträger,
von Jundell 774, — in Russland 1037,
— durch eine Bazillenträgerin, von
Lumsten und Woodward 1093, — in Alt¬
wasser 1750, — in Marktredwitz 2247,
— in Sachsenhausen. 2291
Tvphusinfektion, fötale, von Gaehtgens
268, — und Typhosimili-Infektion, von
Lucibelli 629, — durch Abortgruben¬
inhalt, von Brückner.1496
Typhusheilserum, Herstellung und Wir¬
kung von, von Lüdke.2182
Typhuskontaktcpidemic, von Meinike und
Schuhmacher.1551
Typhuskranke, Stoffwechseluntersuchun¬
gen, von Rolly und Hörnig 725, all¬
gemeine Beobachtungen an 1500 —,
Paratyphuskranken u. Bazillenträgern,
von Fomet.
Typhusnachweis, vergleichender,
Schumacher.
Typhusreinfektion, von Huismans
Typhusschutzimpfung bei Missionären und
Tropengängern, von Hingston .
Typhusserum, Prüfung des Meyer-Bergell-
sehen, von Hoffmann ....
Typhustaubheit, von Manasse . .
Typhusverbreitung in Allenstein, von Sol
brig.
v
063
197
2604
1550
1856
200
773
2284
1551
ü.
Ueberdruckapparat, Improvisierung eines
Brauerschen, von Eggenberger und
Iselin 1195, Wiederbelebung asphyk-
tischer Neugeborener mit dem —, von
Hoerder.. 2230
Seite
Ueberdruckkammer, neue, von Karewski 426
üeberdrucknarkose s. a. Druckdifferenz¬
verfahren.
Ueberdrucknarkose, von Tiegel 2329, Tiegel-
scher Apparat zur —, von Zoep-
X>ritz.1713
Ueberdruckverfahren, Physiologie des, und
Unterdruckverfahrens, von Dreyer und
Spannaus 194, Bewertung des neuen
—, von Dreyer.941
\JJcberempfindlichkeit, von v. Düngern
1814, spezifische — und Tuberkulose-
immunität, von Römer 87, klimscKe"
—, von Moro und Stheeman 1414, — bei
Psoriasis vulgaris, von Seilei . 1860, 1909
Ueber- und Unterernährung, Vorteile und
Nachteile der, von Kuttner.734
Uebergangsbündel, Physiologie des, am
Säugetierherzen, von Trendelenburg
und Cohn.. .. 2636
Ueberleitungsstörungen, von Rihl .... 32
Ueberschiclitungsproben, Vorrichtung zur
Ausführung von, von Steiner .... 1742
Uebung, Einfluss der, und Gewöhnung auf
den Ablauf reflektorischer und auto¬
matischer Funktionen, von Schenck . 1917
Ulcus corneae rodens, von Weigelin 1157,
— serpens, von Fuchs 145, von Kraus
1102, neuer Dauerkompressions verband
bei — cruris, von Lischke 1328, —
duodeni, von Pewsner 465, — gonorr-
hoicum serpiginosum, von Xvlander
2026, — jejuni pepticum, von Jensen
417, — pepticum jejuni nach Gastroen¬
terostomie, von Rotgans 1811, — jejuni
nach Gastrojejunostomie, von Paterson
2027, Therapie des — molle, von Pollak
1343, — molle des Fingers, von Schonne-
feld 2293, — rodens permagnum, von
Lossen 1085, — der Speiseröhre, von
Lenzmann 1666, — tropicum, von
Keysselitz und Mayer 2234, Resektion
des Magens bei — ventriculi, von
Riedel 881, Behandlung des — ventri¬
culi, von Lichty 1035, Pathogenese und
chirurgische Behandlung des — ventri¬
culi, von Pavr 1261, chirurgische The¬
rapie des — ventriculi, von Clairmont
1293, Verbreitung des — ventriculi
in München und im bayerischen Hoch¬
gebirge, von Crämer 1637,1759, Häufig¬
keit des — rotundum in München, von
Oberndorfer 1040,1759, von v. Sohlem
2486, — ventriculi und Sanduhrmagen,
von Delore und Alamartinc 1751, —
ventriculi perforatum und seine opera¬
tive Behandlung, von Steinthal 2191,
klinisch-statistischer Beitrag zur Kennt¬
nis des — ventriculi in München, von
Kayscr.2515
Umsclilag, bequemer warmer, von Schimmel¬
pfennig .466
Unfall und Nervenkrankheiten, von Fürn-
rohr 785, Beziehungen zwischen —- und.
Geschwülsten, von Gebele .... . 1230
Unfallbegriff, Bestimmung des, von Feil-
chenfeld.674
Unfallchirurgie, operative, von Mühsam . 577
Unfallkongress, 2. medizinischer, in
Rom...427
Unfallkunde, ärztliche, von Bum .... 2647
Unfallnervenkranke, Begutachtung von,
von Auerbach.1750
Unfallsneurosen, Symptomatologie der,
von Schlesinger 1090, Wert der Wasser¬
kuren bei —, von Dans 1856, Ent¬
stehung, Beurteilung und Verhütung
der —, von Sachs.2172
Unfallstatistik, Rythmus in der, von Pie-
raccini und Maffei.1659
Unfallverhütung in Eisenwerken, von
Schutt.933
Unfallverletzte, functionelle Therapie von,
von Bumm 2073, Behandlung von —,
von Vulpius. 2071
Unfallversicherung, private, in Landgemein¬
den, von Schwab 373, aus der —-, von
Bähr 466, Vorschläge zur —, von
Lechleutner. t , 1650
Digitized b'
■V Google
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
INHALTS-VERZEICHNIS.
LXXXII1
Unfall- und Invalidenversicherung in 1908 1
U nfall Versicherungsgesetze, G rundztige
ärztlichen Mitwirken« bei der Aus¬
führung der staatlichen, von Engel . . 1
Unguentum Sebo, von Meyer.
Universität«professoren, neues Gesetz für
die, in Italien.1
Unterarmfrakturen, von Drehmann . . .
Unterbindung der Art. hepalica propria,
von Kehr 237, — der Art. innominata,
von Burns.
Unterernährung, von Kaup.‘
Unterkiefer, Prothesenbehandlung nach
Resektion und Exartikulation des, von
Baranowa. .
Unterkieferresektion, Immediatprothese
nach, von Partsch.
Unterkieferverletzungen, prothetische
Nachbehandlung der, von Hashimoto.
Tokuoka, Kuroiwa und Takushima
Unterleibstyphus in Köln in den letzten
Jahren, von Lolimer.1
Unterricht, klinisch-geburtshilflicher, mit
besonderer Berücksichtigung der anti¬
septischen Massregeln, von Vogel . .
Unterrichtszeit, geschlossene, in den Volks¬
schulen, von Grassmann.
Unterschenkelbrüche, Behandlung der,
von Schrecker.S
Untersuchung, zwei Erleichterungsinittel
der kombinierten, von Sellbeim . . . 1
Untersuchungsamt, Berliner städtisches . 1
Untersuchungsinstitut, physiologisch-che¬
misches, in Xew-York.2
Untersuchungslampen, von Brünings . . 1
Untersuchungsmethoden, neue bakterio¬
logische, von Thilenius 943, Lehrbuch
der klinischen —, von Sahli .... 2
Untersuchungsstellen, bakteriologische,
für ansteckende Krankheiten ....
Unterstützungswesen, ärztliches, und Ver¬
sicherungswesen .1
Unzuchtgewerbe, Segnungen des freien,
von Vorberg 485, von Ehlers .... 3
Urämie, Ursachen der, von Heyde . . .
Urämiegift, von Soetbeer.
Uranoplastik, von Ranzi.1
Ureter, extraperitoneale Implantation des,
in die Blase, von Madlener 465, Aus¬
mündung eines überzähligen — in
die Vulva, von Josephson.1
Ureterchirurgie, von Garrfc 837, 838, von
Latzko.
Ureterdefekte, plastische Deckung von,
von Flörcken.2
Ureterende, zystische Dilatation des veri-
kalen, von Wulff.
Ureterfistel, Nierenexstirpation bei, von
Fritsch.
Ureterimplantation, Technik der, in den
Darm, von Ssizemsky.1
Ureterläsionen, Behandlung unfreiwilliger,
von Kroemer.1
Uretermtindung, doppelte, von Stoeckel .
Ureteroperationen, von Bloch.1
Ureterensteine, von Necker.2
Freieren Verengerung, Diagnose und The¬
rapie der, von v. Ruediger-Rydygier 2
Ureterozystoneotomie nach Boari, von
Montaoro.1
Uretervaginalfistel, Nierenveränderung bei,
von Peiser.
Urethra s. a. Harnröhre.
Urethra, galvanokaustische Eingriffe in
die, von Goldschmidt 107, Histologie
der normalen — und der chronischen
Urethritis, von Hübner 359, Photo-
gramme der — posterior, von Kropeit
Urethritis, Pathologie und Therapie der
chronischen proliferierenden, von
Lohnstein 934, — proliferativa, von
Kropeit. .3
Urethroskop, modifiziertes Valentinösches,
für die weibliche Urethra, von Stoeckel 1
Urethroskopie, von Brünings 75, Spezial-
elektroskop für — und direkte Zysto-
skopie» von Kaufmann . .
Urethrotoxnie, externe, von Posner . . .
Erfn s. au Ham.
Urin, Grünfürbuug des, nach Genuss von
Bonbons, von Schick 372, Vorkommen
von Hefe im —, von Weber ....
Urinoxydasen, von Massaro.
Urinuntersuchung, bakteriologische, von .
Henkel 301, — bei der Frau, von Klein
Urobilin, Vorkommen und Bedeutung des,
von Hildebrandt.
Urogenitale Erkrankungen, Symptomato¬
logie und Diagnostik der, von Blum .
Urogenitalstörungen, Behandlung der, von
Bonnier ..
k Urogenital Therapeutic, von Kreissl . .
Nürogenitaltuberkulose, spezifische Mittel
\ in der Diagnostik und Therapie der,
von Karo.
Urologie und Gynäkologie, von Stoeckel
und Wertheim 934, Referat über — 298,
Urologische Diagnostik, von Wiehe . .
Urticaria pigmentosa, von Delbanco 813,
Aetiologie und Pathogenese der — von
Bruck.1
Uterovaginalprolaps, Aetiologie des, von
Nebesky.!
Uterus s. a. Retroflexio.
Uterus, Macies des, von Voigt 27, 80 Total¬
exstirpationen des myomatösen —, von
Walthard 39, — didelphys, von Hüffel
103, von Krause 1611, sensible Inner¬
vation des —, von Schlesinger 211,
Bakterien des puerpualcn —, von Lea
und Sidebotham 483, myomatöser —,
von Grünbaum 685, totalexstirpierter
—, von Staude 738, Gravidität im kar-
zinomatösen —, von Staude 738, perfo¬
rierter —, von Stoeckel 783, Physiologie
des — und der Ovarien, von Carmichael
787, Bindegewebsfasern in der Schleim¬
haut des —, von Hoermann 929, Hyper-
antiflexio — congenita, von Hegar 1142,
Uebcrgreifen der Adenomvomo des —
auf den Mastdarm, von Sitzenfrey 1436
puerperaler —, von Jung 1506, — mit
Chorionepitheliom, von Jung 1506,Blut¬
augen und Ausfluss aus dem —, von
Theilhaber 1548, Karzinosarkom des
—, von Forssner 2060, Inkarzeration
des retroflektierten graviden —, von
Rosenberger 2069, Sarcoma polyposum
des —, von Becker und Minich 2069,
automatische Bewegung des —, von
Schindler 2121, erweiterte vaginale Total¬
exstirpationen des — bei Kollumkrebs
Von Schauta 2178, extraperitoneale va¬
ginale Exstirpation des karzinomatösen
—, von Rieck 2186, Dauerresultate der
vaginalen Totalcxstirpation des — bei
Kollumkrebs, von Schauta 2192, Per¬
foration des graviden —, von Pick . I
Uterusamputatdon, vaginale, von Wechs-
börg.
Uterusbauchdeckenfistel.
Uterusblennorrhöe, Behandlung der, von
Cronquist..
Uterusblutungen,Ursachen der,von Pankow
2187, 1
Uterusdilatator, neuer, bei Abortbehand¬
lung, von Oberländer. 244,
Uterusexstirpation, abdominale, wegen
Karzinom, von Barth.
Utorusfibrome, rote Degeneration der, bei
Schwangeren, von Sutton.
UteruBgonorrhöe, Behandlung der, von
Csiki und Kugel •.
Uteruskarzinom, sekundäres —, von Offer-
geld 670, Metastasierung beim —, von
Offergeld 195, 2023, Heilbarkeit und
Nichtheilbarkeit des —, von Klein 783,
seltene Metastasen des —, von Offer¬
geld 1142, — am Ende der Schwanger¬
schaft, von Gräfenberg 1143, neues
Verfahren zur Exstirpation des —, von
Zweifel 1648, abdomminale Totalexstir¬
pation des — von Secligmann 1647,
Diphtheriescrum bei —, von Wagner
1909, operative Behandlung des —, von
Scheib 2023, 2068, — und seine Meta¬
stasen in Pleura und Lungen, von Offer¬
geld 2069, Metastasen des — in der
Digitized fr,
Google
Bauchhöhle, von Offergeld 2069, neues
I Verfahren zur Exstirpation des —, von
Wertheim 2070, von Lauenstein 2070,
| Todesfälle nach Palliativeingreifen bei
—, von Zacharias 2175, Hautmetastasen
bei —, von Offergeld 2175, Ergebnisse
der operativen Behandlung des — von
Klein 2175,2186, Statistikderoperativen
Behandlung bei —, von v. Franquö 2277,
— bei Graviden, von Ginsburg . . . !
Uteruskontraktion, von Bell und Hick .
Uteruskrebs, abdominelle Operation des
von Dimer.!
Utcruskrebsoperation, erweiterte abdomi¬
nale, von Wertheim 2192, von de Ott !
Uterusmyom, von Gargisch 51, Einfluss
der — auf die Geburt, von Jacoby 1199,
Pathogenese der —, von Faber 1610,
Stieltorsion bei subserösen —, von
Nordmark.!
Uterusperforation, von Weibel 92, — mit
Metallkatheter bei kriminellen Arbortus,
von v. Valenta .1
Uterusprolaps, seltene Komplikation des,
von v. Roov ..
Uterusruptur, komplette, von Ludwig 1036,
| Behandlung der —, von Petrin 1805,
von Schütte 2175, operative Heilung
I der —, von Solms 1859, Therapie der
—, von Neu 1976, operative Heilung
der — auf vaginalem Wege, von Falk
2175, Aetiologie und Behandlung der
spontanen —, von Landberg 2657,
komplette — der letzten 50 Jahre an der
Münchener Frauenklinik, von Weber \
i Uterusschleimhaut, zyklische Verwandlung
der, von Iwase 251, Drüsenepithelver-
j änderung der — von Schröder ... 5
' Uterusscbnitt, extraperitonealen, von Sell-
heim.]
Uterussonde, elektrohormische, von Schük-
king.
Uterustumoren, Entstehung der, von
Theilhaber.I
Uteruszysten nebBt Korollarien, von
▼. Neugebauer.S
Vagina, fehlerhafte Verwachsungen in der,
von Rissmann 35, Resorptionsfähigkeit '
der Schleimhaut der — und des Uterus,
vqp Iiiguchi 1293, traumatische Epithel-
zysten der —, von RUch.1486
Vaginaefixation, schwere Geburtsstörung
nach, von Knoop . ..1125
Vaginal du sehen mit kohlensäurereichem
Mineralwasser, von Wickhoff .... 94
Vaginale Operationen, Indikation und
Technik der, von Siefart. 2544
Vaginalinhalt bei Schwangeren, von Kehrer 1446
Vaginalstaphylokokkcn, von Jung . . . 1436
Vaginalstenose nach Spontanpartus, von
Samson.726
Vaginismus, von Richelot 212, Behandlung
des —, von Oberländer 413, psychogene
Aetiologie und Psychotherapie des —,
von Walthard .. IÜ8
Vagusreizung, Einfluss der, auf dieSynergie
beider Herzkammern, von Pletnew . . 1651
Vakzinationsbehandlung von Koliinfektion
in den Hamorganen, von Rovsing . . 1861
Vakzine, Verwendung fertiger, in der Be¬
handlung infektiöser Erkrankungen,
von Matthews 97, Untersuchungen über
—, von Czaplewski 1437, Beweglichkeit
der Körperchen der — und der Pocken,
von Volpino 2271, Desinfektion und
experimentelle Therapie bei —, von
Friedberger und Yamamoto. 2651
Vakzinebehandlung in der Chirurgie, von
Pray 40, — bei tuberkulösen Misch¬
infektionen, von Wilkie 361, — infek¬
tiöser Erkrankungen, von Miller 861,
— von 8taphylokokkenleiden, v. Jen een
1298, Ein Jahr —, von White und
Eyre. 2599
Vakzineimmunität, von Süpfle.252
6 *
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
-XXXIV
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Seile
Yakzinekörperchon, Ewingsche Klatsch-
methodo zur Darstellung der, von
Paschen. 2004
Yakzinethorapie, von Strubell 257, von
Wolfsohn 1198, von Reiter 1607, Wright-
sche —, von Strubell 414, 1152, — bei
bakteriellen Erkrankungen der llarn-
organe, von Schneider.934
Vakzineübertragung, Bedeutung der, von
Meyer.1215
Vakzinevirus, experimentelle und morpho¬
logische Studien über das, von Prowazek
und Yamomoto . . . . 2627
Valisan..410
Vaporisation, Bilanz der, von Flatau . . 102
Varikozele, pathologische Histologie und
Klinik der, von Istomin. 2022
Variola verrucosa, von Nobl .... . 986
Variolaübertragung, neue erfolgreiche, auf
das Kalb, von Meder . . . . 810
Variolavakzine, von Voigt. 2026
Varizellen, Augenaffektionen bei, von
Rolleston 731, — gangraenosa, von
Kaspar 890, ätiologischer Zusammen¬
hang der — mit Herpes zoster, von
v. Bokay ..2124
Varizen, venöse Klappenbildung zur Be¬
handlung von, der untern Extremitäten,
von Jianu 532, Behandlung der — des
Beins, von Cotterill 1754, — der vor¬
deren Bauchwand, von Lossen . . . 2541
Vasomotorisches Verhalten, Gegensätze im,
der äusseren Teile des Kopfes und des
übrigen Körpers, von Weber .... 1651
Vegetarier, Eiweissgehalt und Viskosität
des Blutes bei, von Determann . . . 734
Vegetarische Diät s. a. Diät.
Vegetarische Diät, Entfettung durch, von
Albu .2184
Venaesektion, Entlastung des venösen
Systems durch, und Abbinden der
Glieder, von v. Tabora.993
Venen, Druck und Strömung in den, von
Meinertz 938, Stromuhr zur Messung
der Blutvolumina der —, von Burton-
Opitz 1603, Einfluss des intraabdomi-
nalen Druckes auf die Strömung in
den —, von Burton-Opitz 1603, perku¬
tane Umstechung variköser, von Kuzrnik 2245
Vencnanästhesie Biers, von Momburg23''7,
Technik der —, von Härtel. 2654
Venendruckmessung, exakte, von Moritz
und v. Tabora. 993
Venenerweiterungen, Entstehung patho¬
logischer, von Fischer ..... . 2197
Venenpuls, Verhalten des, von Ritd . . 1550
Venenpulsbilder, Identität der, und Oeso-
phagusbikler, von Fredericq.1651
Venenthrombose, Heilung eitriger, von
Wilms. 2073
Venerische Affektionen, Atlas der, der
Portio vaginalis und der Vagina, von
Oppenheim.817
Ventrifixur bei fehlendem Uterus, von
Gerschun 670, — der Lig. rotunda,
von Rissmann.671
Vcntrikelatonio a. Magenatonie.
Ventrikel, klinische Symptome der Hyper¬
trophie des 1., von Kürt.1750
Ventrofixatio, Schwangerschaft und Ent¬
bindung nach der, uteri, von Sinclair
416, — uteri nach Leopold, von
Thom.772
Verätzungen an den Händen der Metall¬
arbeiter, Galvaniseure, Bildhauer, von
Ncugebaucr.826
Verband, feuchter, mit Seifenspiritus, von
Sackur.1301
Ycrbandlchre, von Klausner. 2709
Verbrecher, Unterbringung geisteskranker 429
Verbrennung 3. Grades, von Käppis 948,
Behandlung von —, von Neumayer . 999
Verdauung s. u. Solbstverdauung.
Verdauungsdrüsen s. a. Fischnahrung.
Verdauungsinsuffizienz, schwere, beim
Kinde, von Ileubner. 2240
Verdauungskanal, Querdurchmesser des,
von Jaworski.1249
872
2615
Verdauungsstörungen undPsychorenrosen,
von Flein er.
Verdauungstraktus, Methode Geschwüre
des oberen, zu erkennen, von Einhorn
Vereine s. a. Teil VI, Vereine und Ver¬
sammlungen.
Verein, wissenschaftlicher, der Acrztc, in
Stettin 111, Jahresversammlung dos —
für Psychiatrie 743, 16. Tagung des —
Deutscher Laryngologon 791, — zur
Unterstützung invalider Acrztc in
Bayern 791, Fusion des — für innere
Medizin in Berlin mit der Sektion für
Kinderheilkunde 994, 10. Versammlung
des Deutschen — für Sehulgesund-
heitsptlege in Dessau 10 j 0, — für .Mi¬
krobiologie 1263, — der Spezialärzte für
Beinleiden 1263, Jahresversammlung
des Deutschen — für öffentliche Ge¬
sundheitspflege 1575, 26. Jahresver¬
sammlung dos — gegen den Miss¬
brauch geistiger Getränke 1824, 70jfthr.
Stiftungsfest des — Pfälzer Aerzte 2295,
internationaler — für medizinische
Psychologie und Phyehothcrapie 2559,
— zur Gründung und Unterhaltung
eines Heimes für Frauen und Witwen
deutscher Aerzte in Bad Elster
Vereinigung nordwostdeutschcr Chirurgen
111, Deutsche — für Säuglingsschutz
951, — mitteldeutscher Psychiater und
Neurologen 1824, — nord westdeutscher
Chirurgen in Altona. 2339
Vererbung b. a. Inheritance.
Vererbung, Auslese und Hygiene, von
v. Gr über. 2076,
Verfettung von Magen- und Darmepithel,
von J. u. S. Bondi.1491
Verfolgungswahn, physikalischer, von
Hermann.1197
Vergiftung s. a. Anilin Vergiftung, Atoxyl-
vergiftung, Atropinvergiftung, Aetz-
gift, Benzinvergiftung, Bismuth, Chloro¬
formvergiftung, CO-Vergiftung, Filix-
vergiftung, Fleischvergiftung, IIolz-
mindener Fall, Kohlendunstvergiftung,
Leuchtgas Vergiftung, Lysol Vergiftung,
Xiesswurz, Nitritvergiftung, Petroleum¬
gase, Phosphorvergiftung, Fhosphor-
wasserstoff, Salzsäure, Strychninvergif¬
tung, Veronalvergiftung, Waschblau Ver¬
giftung, Wismutvergiftung, Wurstver¬
giftung.
Vergiftungen mit Bismutum subnitricum,
von Zabel 360, — durch nitrose Gase,
von Holzmann 933, — mit bleihaltigem
Brotmehl in Negenborn, von Niemann,
l294,mikrochcmischerNachwcis von —,
von Lccha-Marzo.1500
Vergleiehsspektroskop, von Bürkor . . . 1096
Verjährung.2616
Verkalkung, Reaktion der pathologischen,
von Chiari. 481
Verletzungen, geformte, von Marx . . . 360
Vcronal, gerichtlicher Nachweis des, von
Panzer 37, Verhalten des — im Körper,
von Fischer und Hoppe .... . 1429
Vcronalnatrium, von Becker 2142, Versuche
mit —, von Becker. 2558
Veronalvergiftung, von Rumpel .... 2395
Verpflanzungen, heteroplnstische, von
Carraro. 2279
Verrenkungen des Mondbeins, vonFinsterer 1435
Verruga peruviana, von Mayer.1757
Versammlungen s. u. Teil VI, Vereine und
Versammlungen.
Versammlung, 56. mittelrheinischer Aerzte
in Darmstadt 743, 1112, — der Vereini¬
gung südwestdeutscher Kinderärzte in
Frankfurt. 2296
Verschüttete, Lebenserhaltung von, von
Silberstern.531
Versicherung, Ausbau der sozialen, in
Oesterreich.1611
Versicherungsanstalten, Heilvcrfahren-
leistungen der deutschen. 2453
Versicherungskas.se für die Aerzte Deutsch¬
lands . .. 543, 2199, 2352
1524
727
MCI
/Vietori
f6/ Vieilla
/ Rai
1706
822
11 %
1350
1350
1855
1096
252S
,1968
190
2155
Vors t i mi 11 ungszust ü nde,arl eriosklerot iscl ie,
von Weber.* .
Verstopfung s. a. Obstipation.
Verstopfung, habituelle, als Todesursache
im Säuglingsalter, von Glaserfeld . .
Vertragskommissionen der Aerztekammer
in Preussen 2029, 2198, Berliner — . 2440
Vertrauensarzt liehe Untersuchungen für
Lebensvorsicherungsgesellschaften . . 2155
Verunglückungen, tödliche, in Bayern 1908 1718
Yerwahrungshaus für insoziale Kranke . 742
Yesikale Retentionen, von Albarran und
Nogues .
Yesikatorblasen, Verwertung von, zu bio¬
logischen Untersuchungen, von Eisen¬
berg ..
Vesikolabinlßstel nach Hebosteotomie,
von Neu .
VesLibularappurat,Uebcrreizung des, durch
Rotationen, von Wittmaak 1349, — und
Gleichgewicht, von Bäränv 1350, Gleich¬
gewichtsstörungen bei doppelseitiger
Zerstörung der —, von Voss .
Vestibulär Endapparat,Differentialdiagnose
der Erkrankungen des, von Ruttin .
Vibrations-Elektrode, von Pototzky . .
Yil »rat ionsgefübl, Unterschiedsempfindlich¬
keit des sogen., von Gutzmann
Yibrationsmassage, Kombination von Fara-
disation oder Galvanisation mit, von
Ilindenberg.. .
Vibrionen im Dünndarminhalt und den
Darmentleerungen, von Rothe und
Mci nicke .
ictoria* Asthmatropfen.j 2234
ieillards, traitö des nialadies des, von
imzier.
Vierzellenbäder, Einfluss der sinusoidalen,
auf die Herzarbeit, von Veiel .
Virusarten, unsichtbare, von Czaplcwskv
1437, mikroskopisch sichtbare, filtrier¬
bare —, von Lipschtitz. 2602
Viskosität des Plasma, von Adam . . . 1149
Viskositätsbestimmung, von Bachmann . 32
Viszeralptose, Bewertung der, als Konsti-
tutionsanormalie, von Albu . 204, 309, 372
Vitalismus und Teleologie in den Natur¬
wissenschaften, von Thöle.1807
Vitien, Diagnose der kongenitalen, von
Plesch.
Vitiligo, von Hesse 2178, Behandlung der
— und Beseitigung entstellender Narben
und Tätowierungen, von Heidingsfeld
Vitralin, von Xvlander 254, — eine des¬
infizierende Anstreichfarbe, von Xv-
lander.
Vogel foder, mikroskopischer Bau der, von
Kockel.1967
Vogelschutz in Krankenanstalten, von
Bruhn. 2161
Volkskraft, Erhaltung der, und Volksge¬
sundheit .2139
Volkskunde, Quellen und Forschungen
zur deutschen, von Blümml.925
Volksmedizin und Aberglaube, von Pa-
chinger. 2243
Volvulus, von Waterhouse 2027, — der
Flexur, von Enderlen 1570, — mit
Hernie, von Knaggs 1753, — bei Me¬
senterium ileocoeeale commune, von
Blocher 1905, — ventriculi und die
Achsendrehung des Magens, von Payer 2174
Vorderarmbrüche, typische, von ptrauss . 2038
Vorderamiknoehcn, angeborene Verwach¬
sung der, von Lieblein. 2491
Vorderarmkontraktur, operative Behand¬
lung der ischämischen, von Nehrkom
Vorhofflimmern und Arhythmie perpetua,
von Rotbberger und Winterberg
Vorhofscheidewand, isolierter Defekt der,
von Popper.931
Vorhofsseptum, Gumma des, von Hand¬
werk . 816
Vortrag Prof. Kleins in Wien.319
Vulva, Haematom der, von Frank 2028,
Nebcnnierengescliwulst der —, von
Gräfenberg. 2122
Vulvakarzinom, von Jung.1919
530
826
576
929
1348
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
LXXXV
Wachstum, Physiologie des, und der Ent¬
wicklung des kindlichen Organismus,
von Karnitzky.196
Wnchstumserkrankungen, von Mühlmann 2388
Wachstumsschmerzen, Pathogenese der
sog., von Coudray.. . 1213
Wunneapplikation, vaginale, mit Hilfe
eines neuen Thermophorapparates, von
Stehlik.1385
Wärmebilanz, menschliche, von Franken¬
häuser . 1855
Würmebildung im Muskel, von v. Frey . 688
Wnrmehirne, von Flatau.104
Warmedauerkompressen. 791
Wurmedurchstmhlung, Verwendung der,
von Klingmüller u. Bering . ... 2071
Wäschereien, Gefahren in den chemischen 1659
Wagner E. L., von Sudhoff.1545
Waisenstift italienischer Aerzte.877
Wa-ka-na.1032
Wuiderholungsstättenaufenthalt, Ergeb¬
nisse der, von Frankenburger .... 368
Waldschutzgesellschaft, von Ewald . . . 107
Wallichs 8'*. Geburtstag. 639, 677
Wandanstricho, desinfizierende, von Sal-
tykow.1295
Wandern, das, von Ravdt und Eckardt . 2277
Wanderniere, Fixation der, und Wander¬
leber mit Magnesiumplatten, von Gobiet
293, — und Trauma, von Bürger 674,
I) fferentialdiagnosc der —, und be¬
weglicher intraabdomineller Tumoren,
von Kmllek 1356, Blutungen bei —,
von Gautier 1705, Diffcrentialdiagnose
der —, von Kmllek.2194
Wandertrieb, epileptischer, von Glas . . 211
Wanderversammlung s. a. Teil VI, Vereine
und Versammlungen.
Wanderversammlung, 34., der südwest¬
deutschen Neurologen und Irrenärzte 695
Wangenplnstik, von Lexer. 2489
Warenhaus, Medizinisches.55, 159
Warzen, Behandlung der, mittels Kelen-
vereisung, von Büdinger.1898
Warzenfortsatz, skarlatinöse Erkrankung
des, und (1er Nasennebenhöhlen von
Riiedi 986, Totalaufmeisselung des —,
(irassmann.1352
Warzenfortsatzentzündungen, vergleichen¬
de bakteriologische Blutuntersuchung
bei, von Leuten . . . . . . . . 2300
Warzenzellen, Diagnose und Behandlung
des Empyems der, von 8cheibe . . . 578
Waschblauvergiftung, von Pribram . . . 1657
Waschmittel, natriumsuperoxydhaltige,von
Pfvl.871
Wasser und Abwasser 319, Apparat zur
< izonierung von —, von Wiener 823,
Hilfsmittel für die hygienische Beur¬
teilung und Kontrolle von —, von
Spitta und Pleissner 1496, Messung und
Registrierung des elektrischen Leit¬
vermögens von —, mit Hilfe von
< ileichstrom, von Pleissner 1496, Reini-
gueg und Sterilisation von — für häus¬
liche und gewerbliche Zwecke, von
Hederich 1658, Injektionen von destil¬
liertem — bei nephrektomierten Tieren,
von Campani und Marchetti .... 2282
Wa^scrapplikationen, Kreislaufwirkung
kalter und warmer, von Müller . . . 735
Wasserleitung s. a. Obertlächenwasser.
Wassennann-Xeisser Brucksehe Reaktion,
Technik der, von Meirowsky 253, Ein¬
wirkung der spezifischen Therapie auf
die —, von Pürckhaucr 698, Sternscho
Modifikation der —, von Meirowsky
1497, praktische Bedeutung der —,
von Jesionck und Meirowsky 2297,
Schwinden der —, von Jaworski und
Lapinski. . 2331
Wassermannsche Luesreaktion, Hechtscho
Modifikation dor —, von König . . . 1750
Wassermann sehe Reaktion, von Löhlein
104, von .Löh lein und Riecke 152, von
Seite
Lesser und Blaschko 426, von Schlim-
pert 1749, Technik und klinische Be¬
deutung der —, von Bauer und Meier
39, klinische Verwertung der —, von
Blaschko 205, 310, — bei aktiven und
inaktiven Sera, —, von Boas 530, —
bei kongenitaler Syphilis, von Thom-
sen und Boas 727, Bedeutung der —
für die Therapie der Syphilis, —, von
Boas 728, Schattenseiten der —, von
Selcrew 876, Theorie und Technik der
—, von Meyer 985, — und ihre Be¬
einflussung durch die Therapie, von
Höhne 1034, Wirkung von Lezithin-
Injektionen auf die —, von Onarelli
1092, Technik und Wesen der —, von
Lesser 1198, Verwendung von syphi¬
litischen Hornhäuten von Kaninchen
zur —, von Simonclli 1439, praktische
Brauchbarkeit der —, von Much I486,
— bei Aortenaneurysmen, von Lanboy
und Paron 1715, Technik der —, von
Finkeistein 1859, von Pobowsky 1860,
Bedeutung der positiven—, von llochne
1863, Tschernugobowsche Modifikation
der —, von Stühmer 1908, Erfahrungen
mit der — in der inneren Medizin,
von Saathoff 1987, — mit Pustclserum
und verschiedenen Körperflüssigkeiten,
von Borelli und Messineo 2079, tech¬
nischer Ausbau dor —, von Müller
2178, — bei Lupus erythematodes, von
Reinhart 2197, — mit künstlichem An¬
tigen, von Eisenberg und Nitsch 2230,
quantitative I femnuingskörperbostim-
mung bei der —, von Zeissler 233'»,
2345, — bei Idiotie, von Kellner, (’lo-
menz, Brückner und Rautenberg 2281,
Blutentnahme zur —, aus der Schleim¬
haut der Nasenscheidewand, von
Muck 2320, — bei Lues, Scharlach und
Malaria, von Oziknawerow 2333, Be¬
deutung der positiven —, von Höhne
2334, — hei Aortenerkrankungen, von
Donath 2390, Sternscho Modifikation
der —, von Klcinsehmidt 2395, 2434,
A 7 erschleierung der — durch Kornple-
mentoidverstopfung, von Wechselmann
2434, — mit Milch, von Thomson 2137,
quantitative Hemmungskörperbestim-
mung bei der —, von Zeissler 2345,
Wesen und Bedeutung der — für Di¬
agnose und Therapie der Syphilis, von
Zieler 2451, positive — der Lumbal-
flüssigkeit bei negativer des Blutes,
von Jacobsthal. 2662
Wasserman nsche Serodiagnose, Bedeutung
der, für die Praxis, von Neisser 1078,
von Kopp.1184
Wasserman nsche Serumreaktion s. a.
Serumreaktion.
Wassormannsche Syphilisreaktion, Bedeu¬
tung der, für die Rhino-Laryngologie,
von Weinstein . . 2123
Wasserstoffsuperoxyd, Einfluss des, auf die
Sekretion des Magens, von Petri 302,
bakterizides Verhalten des —, von
Croncr 1768, — in der kleinen Chirur¬
gie, von Wagner.1909
Wassersucht s. a. Nieronwassersiieht.
Wassersucht, Pathogenese der, von Bence 2189
Wussoruntersuchungsapparut, bakteriolo¬
gischer, von Hilgeimann.528
Wasserversorgung auf dem Lande . . . 1500
Wechselstromapparat, neuer, von Raab 855,
von Richter.1184
Wehrfähigkeit s. a. Säuglinge. I
Wehrfähigkeit der Jugend, von v. Vogl . 1853 j
Wehrpflichtige s. a. Militärtaugliclikeit. !
Wehrpflichtige, Körporbeschaffenheit der
zum einjährig-freiwilligen Dienst berech¬
tigten, Deutschlands, von Nicolai und
Schwioning 2064, Militärtauglichkeit der
zum einjährig freiwilligen Dienst bc- j
rechtigten —, von Schwioning 2271,
von v. Vogl. 2839
Weibliche Helden, v<»n Pinnis.984
Seite
Weinstatistik, amtliche, von Günther . . 2176
Weisser Hirsch, Arztweehsel im . . 2455, 2504
Wendung, äussere, von Labhardt 88 , kom-
~ binierto — und Metreuryse, von Rieck 1552
Weszpnhni, ein Vorkämpfer der pro¬
phylaktischen Immunisierung, von
v. Györy . 2242
Wettmarsch, Untcrsuchungsergcbnisse des
letzten 100 km, von Pfeiffer.1101
White spot disease, von Juliusberg . . . 676
Wiederbelebung von Tieren, von Zeller . 91
Winckelsehc Krankheit, von Franoioni . 1089
Wintersport, Gefahren beim, von Pader-
stein .672
Wirbelbrüche, von Gümbcl . 91
Wirbelsäule s. a. Insufß'cientia, Osteo-
arthropathia.
Wirbelsäule, Luxationsfrakturen der, von
Widmer 95, kongenitale Verkrümmung
der — infolge Spaltung von Wirbcl-
korpern, von Oehlecker 982, chronische
Erkrankungen der *—, von Plate 1508,
Perkussion der —, von de Koriin vi 2032,
Rotation und Torsion der — als Reak¬
tion auf Verbiegung, von Sellheim 2074,
chirurgischer Eingriff bei den Traumen
von — und Rückenmark, von Sencert
2555, Form der —, von Böhm . . . 2609
Wirbelsäulenverlctzungen durch Betriebs¬
unfall, von Redard. 2491
Wirbelsäulenverkrümmungen, Entstellung
der seitlichen, von Muskat.574
Wirbelsä ulen Versteifung, chronische, von
Reichmann . . 1293
Wirbeltrauma, isolierte Bauchdeckenspan-
nung nach, von Baum.728
Wirbelverletzungen, von Berghausen . . 2541
Wismut, Eisen als Ersatz für — hei Rönt¬
genaufnahmen, von Taego 758, 1184,
ungiftiger Ersatz des —, von Alexander 1143
Wismutbohandlung nach E. Beck, von
Rosenbach . . .414
Wismutemulsion, Einspritzungen von, in
dio Gehirnventrikel, von Edingcr . . 1255
Wismutersatz, ungiftiger, von Alexander. 942
Wismutinjektionen, diagnostischer und
therapeutischer Wert der, in Höhlen,
von Don ..1251
Wisniutsubiiitrat, Widerlegung dor Harm¬
losigkeit des, von Lewin. 2233
Wismut Verbindungen und ihre Ersatzprä¬
parate in der Röntgenologie des Magen¬
darmkanals, von Kaestle. . 919
Wismut verdauungsproben,von Schürmayer 942
Wismutvergiftung und ungiftiger Ersatz
des Wismut für Röntgenaufnahmen,
von Lewin. 843
Witterungswechsel, Auftreten von Schmer¬
zen beim, von Miller . . . .802
Witwengabe des Leipziger Verbandes . . 2352
Wochenbett, s. a. Frühaufstohen, Wöch¬
nerinnen, Thrombophilie.
Wochenbett, Diätetik des, von Simon 47,
Liegegymnastik im — und nach gynä¬
kologischen Operationen,von Schücking
92, Thrombose und Frühaufstohen im
—, von Fromme 196, Behandlung der
Bauchdecken im —, von llolzap fei 1019,
1051, örtliche Behandlung der leichteren
Wnndentzündungen des—, vonv. Ilcrff
1628, Ruhe im — oder Frühaufsteher!,
von van de Poll.. 2600
Wochenbettfieber, Retention von Eilniuten
und Plazentarresten als Ursache des
—, von Puppel. 2595
Wochenschutz, von van de Velde . . . 1248
Wochenschrift s. u.Teil IV, Journalliteratur.
Wochenschrift, Jahressitzung der Heraus¬
geber derMünchener medizinischen,999,
ilerausgeherkollcgium der Münchener
medizinischen — 1215, 2295, — für
soziale Hygiene und Medizin .... 1056
Wöchnerinnen, Streptokokken im Frin
von, von Henkel und Heye 92, Früh-
aufstehen der —, von Mayor ... 273
Woohnorinnonheim in 1 lambiirg 2351, —
und Säuglingsheim Nathanstitt in 1 i'irtli 2.*o9
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
LXXXVI
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Wohlfahrtseinrichtungen, ärztliche, in
Oesterreich, von Bensch 62, Zentrali¬
sation der — in Berlin, 2440, — der
Zellstoffabrik Waldhof.
Wohnungselend.. .
Wohnungsdesinfektion mittels Formal¬
dehyd und Kaliumpermanganat, von
\ Kahläne und Strunck.
Wohnungsfrage und Tuberkulosebekämp¬
fung, von Köhler.
Wohnungsfürsorge, kommunale, von
Schatzmann.
Wohnungsnot und Wohnungsreform in
\ München, von v. Gruber . . . / . .
JVohnungsreform u. Tuberkulosebekämp¬
fung, von Köhler..
Wolfsrachen, Operation des, mittels pero¬
raler Intubation, von Kuhn ...
Wortblindheit, von Plate 1154, kongeni¬
tale —, von Plate.
Wundbehandlung, von Cheyne.
Wunde, Schutz der, von König . . . .
Wundheil- und Blutstillungsmittel . . .
Wurmfortsatz s. a. Processus vermiformis.
Wurmfortsatz, Lageveränderung des,
von Janssen 33, primäres Karzinom
des —, von Lindemann 91, wie und
warum man den — zu erhalten suchen
soll, von Keetly 317, Erhaltung und
Verwendung des —, von Keetlcy 780,
Lage des —, von Liertz 982, isolierte
Brucheinklemmung des—,von Schnitzer
1140, Fremdkörper in —, von Ramm-
stedt 1293, Blutungen im kranken —,
von Kretz 1293, — bei Lymphatismus,
von Shiota 1702, Entfernung des —,
von Clogg 1753, Zystenbildung in abge¬
schnürten Resten des —, von v. Stuben¬
rauch 1782, Kasserollesttick im —, von
Zorn 2025, Hydrops des —, von Gold¬
schwend 2654, primärer Krebs des —,
von Mouchet.
Wurmfortsatzdivertikel, erworbene, von
Konjetzny.
Wurmfortsatzentzündung, von Aschoff 525,
Entstehung der—, von Haeberlin 578,
Histologie der —, von Noll 949, das
Segmentäre bei der —, von Brünn. .
Wurmkrankheit, Bekämpfung der, der
Bergleute in Italien.
Wurstvergiftung, schwere, von Hinze . .
Wurzelhautentzündung, chronische, von
Partsch.. . ..
Wut, Immunisierung gegen, von Kra-
juschkin.
Wutfälle, die im Institute Alfonso XIII .
nach Högyes behandelten.
Wutkrankheit, Pathologie der, von Paltauf
Wutschutzabteilung, Tätigkeit der, in
Breslau, von Heymann.
Xanthin, Herzwirkung der Methylderivato
des, von Plavec.306
Xanthom, sarkomatös entartetes, von
Beneke . . . ..1209
Xeroderma pigmentosum, von Kolleckcr
2197, — mit Orbitalgeschwulst, von Ber-
noulli .1663
Xylol, therapeutische Anwendung des,
von Pawlowsky.876
Yaws, Uebertragung von, auf Affen, von
Ashburn und Graig.
Yoghurt, Kritik des, von Rosenberg 2278,
Behandlung der Dyspepsien bei Tuber¬
kulose mit —, von Kraft.
Yoghurtbazillus, Wirkung des, auf den
Bacillus coli, von v. Kern.
Yoghurtmilch, Wirkung des in der, ent¬
haltenen Milchsäurebazillus, und die
therapeutische Verwendung der Yog¬
hurtmilch, von Ohly ..
Zahn in der Kieferhöhle, von v. Wild 103,
Behandlung erkrankter —, von Fischer
527, chemische Untersuchung der —,
von Grassmann.1604
Zahnärzte und Zahntechniker in Oester¬
reich .1611
Zahnärztliche Untersuchungen in der
Baseler Missionsmittelschule zu Bona-
beri, von Hammer.290
Zahnärztliches Röntgeninstitut in Dresden 319
Zahnbelag, pleomorphe fadenbildende Or¬
ganismen des, von v. Beust . . . 2437
Zahnheilkunde, Kursus der, von Cohn
853, deutsche — in Vorträgen, von
Witzei 527, technische —, von Warne-
kros 1448, Ueberführung der — in die
med. Fakultäten. 2503
Zahnkaries, Ursache und Verhütung der,
von Wallace.*. . . 96
Zahnklinik in Hamburg .. 2671
Zahn- und Mundkrankheiten, Lehrbuch
und Atlas der, von Preiswerk .... 722
Zahnpocken, von Reber.1808
Zahnpflege, Deutsches Zentralkomitee zur,
in den Schulen 375, — in den Schulen
in Berlin 472, — und Mundpflege, von
Benninghoven 872, — in den Schulen 997
Zahntechniker und sein Automobil . . . 1147
Zahnzango, neue, zur Extraktion der Mahl¬
zähne des Unterkiefers, von Linhart . 1182
Zahnzyste, von Marx . . 476
Zange, Modifikation der Dahlgren sehen,
von Dahlgren 574, Indikation u. Tech¬
nik der —, von Sellheim 773, tech¬
nisches von der —, von Ziegenspeck
1616, 1966, Wertigkeit der hohen —,
von Miescher. 2069
Zangenindikation, Bedeutung der relativen,
für Unterricht und Praxis, von Fehling 2878
Zangenoperationen, von Kurihara .... 1859
Zeckenfieber, afrikanisches, von Gray 732,
Uebertragung des —, von Leishman . 2236
Zeitschriften s. a. Teil IV, Journalliteratur.
Zeitschrift für Immunitätsforschung und
experimentelle Therapie 111, — für
das gesamte deutsche, oesterreichische
und schweizerische Hebammenwesen
1216, 1576, — für Biologie 1602, —
für Sinnesphysiologio 1602, für all¬
gemeine Physiologie 1602, Biochemische
— 1602, — für biologische Technik
und Methodik 1603, alphabetisches Ver¬
zeichnis der laufenden — in der K.
Hof- und Staatsbibliothek. 2455
Zolle, Partialfunktionen der, von Ehrlich
217, Durchlässigkeit der — für Farb¬
stoffe, von Höher. 2496
Zellmechanik, Grundzüge der, und der
normalen Zellentwicklung, von Fiost . 1244
Zellstofffabrik Waldhof, Wohlfahrtsein¬
richtungen der. 2391
Zelluloid, Verpuffungs- und Verbrennungs¬
produkte von, von Pfyl und Rasenack 2070
Zellulose- u. Hemizelluloseverdauung, von
Lorisch.925
Zementarbeiter, Krankheit der. 2391
Zentralblatt s. a. Teil IV, Journalliteratur.
Zentralblatt für Physiologie.1603
Zentralkomitee, Generalversammlung des
Deutschen, zur Bekämpfung der Tuber¬
kulose . 375, 1000, 1148
Zentralnervensystem, pathologische Ent¬
wicklung des, von v. Leonowa-v. Lange
35, Gewobslücken im —, von Weber
191, konjugale u. familiäre syphilogene
Erkrankungen des —, von Meyer 1655,
Klinik u. Atlas der chronischen Krank¬
heiten des —, von Knoblauch 2327,
Wert der neueren Untersuchungsme-
thoden für die Differontialdiagnose der
Byphilogenen Erkrankungen des —,
von Nonne und Holzmann.2711
Zephalozele, von Kaspar .1518
Zerebralrheumatismus, von Hoppe . . . 304
Zerebrospinalflüssigkeit, Untersuchungder,
nach Nonne-Apelt, von Wirth .... 372
Zerebrospinalmennigitis, akute, von An-
toniu 1910, Folgen der —, von Cohn 145
Zervix, Entzündungen der, von Prandi . 805
Zervixdilatation, von Wendel.2175
Zervixgonorrhöe, Saugbehandlung der, von
Leyberg. 2335
Zervixresektion, supravaginale, von Werth 2277,
2329.
Zeugnisse, Honorierung der ärztlichen 742,
unrichtiges ärztliches — ... 1054, 2143
Ziliarkörpersarkom, von Schreiber ... 587
Zincochinol. 2234
Zink Kupferstückchen,Verhalten metallisch
verbundener, im Gewebe, von v. Baeyer 2417
Zirbeldrüsentumor, von v. Frankl-Hoch-
wart 2083, Diagnose der —, von v.
Frankl-Hochwart. 2493
Zukonoxyd als kontrastbildendes Mittel
in der Röntgenologie, von Kaestle . 2571
Zirkulationsapparat, klinische Bedeutung
der Veränderungen am, von Dietlen . 1904
Zirkulationsstörungen im Mesenterial¬
gebiet, von Niederstem 1493, Patho¬
logie und Therapie der—, in den Mosen«
terialgefässen, von Neumann .... 1859
Zitratblut, von Löning.681
Zoekum, Einklemmung des, von v. Hippel 1392
Zucker s. a. Harnzucker.
Zucker, Reagens auf, im Ilarn, von Weit¬
brecht 410, Bestimmung des — im
Fleisch, von Baur 871, — im Blute
Schwangerer und Gebärender, von
Kaempf 877, Ausscheidung von — im
Harn, von Schöndorff 1651, Menge des
aus Eiweiss entstehenden — bei Dia¬
betes, von Gigon 2174, — bei mus¬
kulärer Ermüdung, von Gradinescu . 2439
Zuckerarten im Harne von Milchkühen,
von Sieg 877, Resorption und bio¬
logisches Verhalten der verschiedenen
— im Dickdamm, von Haldsz .... 2243
Zuckerausscheidung durch die Nieren, von
Litthauer 935, — im Kindesalter, von
Aschenheim. 2241
Zuckerbestimmung mit dem Glukosimeter,
von Zeehandelaar.197
Zuckerbildung in den Puppen, von Krum-
macher und Weinland.1651
Zuckerfabriken, Gewerbehygiene in —,
von Kryz.1500
Zuckergussleber Curschmanns, von Gaz-
zotti .. 2283
Zuckerkranke, Aufnahme von, in Unfall¬
oder Lebensversicherung, von Ebstein
675, Veränderungen des Pankreas bei —,
von Haläsz. 2243
Zuckerkrankheit, frühzeitige Diagnose und
Behandlung der —, von Lauritzen 771,
Behandlung der —, von Rosenfeld . 1197
Zündhölzchenfabrikation, hygienische
Winke zur.1501
Zündhütchenfabrik, auffallende Gewerbe¬
krankheiten in einer — und Patronen¬
fabrik . 2392
Zungenkarzinom, von Küttner 582, Stati¬
stik des —, von Ehrlich.356
Zungenkrebs, Erfolge der Operationen bei,
von Butlin 672, frühzeitiges Operieren
bei —, von Butlin 1054, frühe Diag-
gnose des —, von Butlin.1200
Zungenpapillaren, zystische Degeneration
der fungiformen, von Rehn.927
Zwerclifellhernie, Differontialdiagnose der,
und des einseitigen idiopathischen
Zwerchfellhochstandes, von Königer 282
Zwerchfellruptur, von Wilke. 2665
Zwcrchfcllverwachsungen, von Bassengo 1250
Zwergin, rachitische, von Jung. 2659
Zwillinge, eineiige, von Stoeckel .... 1866
Zwillingsgeburt bei doppeltem Uterus, von
Crarner.2175
Zwillingsschwangerschaft mit heterotopem
Sitz der Früchte, von Leo . . . 889, 1965
Zyankalium, Umsetzung von, von Buttron 2238
Zyankaliumspuren, Nachweis von, in tie¬
rischen Organen, von Thcis. 2238
Zyan Verbindungen, Giftwirkung der als
Düngeretoffo verwendeten, von Stritt . 576
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
LXXXVII
Seite
Zylindrurie im eiweissfreien Harn und
ihre Beziehungen zur chronischen Ob¬
stipation, von Wasserthal.872
Zystektomie, totale, von Legueu .... 260
Zystennieren, von Goldschmidt 43, von
Birchor.298
8eite
Zystitis, Behandlung der, mit Silbervorbin-
düngen, von Fisch.930
Zystizerkus, innere Kur bei, und Echino¬
kokkus, von De Renzi 52, serologischer
Nachweis des —, von Mohr. 2552
Seite
Zystoskopische Befunde, von Falgowski . 936
Zystoskopische Befunde nach gynäkolo¬
gischen Operationen, von Falgowski . 1552
Zystopurin, von Bebert.2177
Zystotherapie s. a. Schutzstoffe.
IV. Journalliteratur.«)
*J Die mit * bezeichneten Zeitschriften werden regelmässig ihrem ganzen Inhalte nach referiert.
Seite
Deutsche Zeitschriften.
Arbeiten aus dem Kaiserlichen Gesund¬
heitsamt* 576, 871, 1295, 1496, 2070, 2176
.V r c h i v, deutsches, für klinische Medizin*
82, 192, 725, 1086, 1246, 1488, 1699,
1854, 1903, 2173,2649, — für klinische
Chirurgie* 88, 355, 528, 927, 982,1247,
1491, 1700,1905, 2540,2594,2660, — für
Gynäkologie * 929,1293,2023,2068,2121,
— für Augenheilkunde 419, — ftirDerma-
tologie und Syphilis 630, 631, 632, 675,
676, 677, 825, 826, 2334, 2335, 2336, —,
Graefes, für Ophthalmologie 2337, —
für Hygiene* 252, 575, 1197, 1294,
1342, 2652,1495,1553, 1747,2070, — fflr
Kinderheilkunde * 574, 624, 1341, 2436,
2492, — für Laryngologie und Rhino«
logie 470, 987, 1556, 2285, — für Ohren¬
heilkunde 146, 2284, — für Orthopädie,
Mechanotherapie und Unfallchirurgie*
623, 1494, 1906, 2710, — für experi¬
mentelle Pathologie 2711, — der Phar¬
mazie 409,410, — für Physiologie 1603,
1605,—für die gesamte Physiologie 1603,
1604, 1605, 1606, 2495, 2496, 2497, 2498,
— für Psychiatrie und Nervenkrankhei¬
ten* 35, 772, 1655, 2493, — für Schiffs-
und Tropenhygiene 199, 731, 732, 951,
1574,2234,2235,—fürVerdauungskrank-
heiten* 302,465,1249, 1388, 2175, 2277,
—, Virchows*, .... 465, 575, 671, 2122
Beiträge, Bruns’, zur klinischen Chi¬
rurgie* 33, 91, 193, 411, 620, 820, 982,
1140, 1434, 1493, 1561, 1745, 1856, 2067,
2328, 2435, 2543, 2710, Hegare — zur
Geburtshilfe und Gynäkologie* 1141,
1858,2069,2711, Zieglers — zur patholo¬
gischen Anatomie und allgemeinen Pa¬
thologie* 252, 575, 621, 984, 1089, 1552,
2437, — zur Klinik der Tuberkulose und
spezifischen Tuberkulose - Forschung •
87, 300 , 818, 1087, 1340, 1606, 1803,
2540, 2650,—zur Anatomie, Physiologie,
Pathologie und Therapie des Ohres, der
Nase und des Halses . . 578, 579, 987, 2284
Berufsgenossenschaft . . . 1622, 1671
Fabrikfeuerwehr 932, 933, 1500, 1501,
1658, 1659, 2391, 2392
F o 1 i a urologica. 298, 1706
Jahrbuch, klinisches*, 193, 528, 819,
1088,1550,1964, 2650, - für Kinderheil¬
kunde* 196, 726, 871,1294, 1495, 1607,
1966, 2122, 2388, 2652
Klinik, medizinische, . 542, 674, 1263,
1310, 1407, 1574. 1718, 2235, 2284, 2614,
—, ophthalmologische.418
Korrespondenzblatt für Schweizer
Acrzle* 39, 196, 361, 531, 627, 672, 773,
872, 986, 1143, 1297, 1392, 1656, 1807,
1860, 1969, 2072, 2390, 2597
Seite :
Mitteilungen aus den <»renzgebieten
der Medizin und Chirurgie* 301, 528,
819, 1292, 1803, 2174, 2435, 2594 j
Monatsblftttor, klinische, für Augenheil- i
künde. 418, 1441, 2337
Monatshefte, therapeutische, 159, 318,
430, 486, 591, 742, 790, 839, 894, 951,
1111,1158,1215,1262,1359, 1407, 1517,
1574, 1671,1767.1927,1983, 2087, 2350, 2558
Monatsschrift für Ohrenheilkunde470,
986, —für Kinderheilkunde* 358,530,
871, 1089, 1294, 1436, 1654, 1907, 2024,
— für Geburtshilfe und Gynäkologie *
357, 870, 1142, 1804, 1907, 2175, 2277,
2329, — für Unfallheilkunde .... 674
Rundschau, gynäkologische* 35, 144,
301, 413, 529, 671, 772, 1089,1142, 1196,
1248, 1341, 1436, 1606, 1654, 1965,
2121, 2388, 2491, 2544, 2651, —, phar
mazeutische, 409, 2233, —, Wiener kli¬
nische . 95, 1199, 1657, 2391
Soziale Medizin und Hygiene* 303,
360, 773, 872, 1249, 2024, 2493
Therapie der Gegenwart . . 839, 1927, 2538
Viertoljalirsschrift für gerichtliche
Medizin und öffentliches Sanität s-
wesen* . . 36, 625, 1032, 1390, 1966, 2279
Wochenschrift, Berliner klinische*,
38, 92, 145, 196, 253, 303, 360, 413,
465, 530, 577, 627, 727, 872, 930, 984,
1034,1090,1197,1250,1296, 1391, 1437,
1496, 1607,1655,1702, 1749, 1807, 1859,
1908,1968,2025,2071,2123, 2177, 2231,
2330, 2389, 2437, 2494, 2545, 2596, 2652,
— Deutsche medizinische*, 38, 93, 145,
197, 253, 303, 360, 414, 466, 530, 578,
627, 672, 728, 773, 822, 872, 931,1034,
1090,1143, 1198, 1250, 1296,1342,1392,
1437.1497, 1553, 1608, 1656, 1702, 1749,
1807,1859, 1908, 1968,2026,2071,2123,
2177,2231, 2281, 2330,2390, 2438,2494,
2546, 2596, 2653, —, Prager medizini¬
sche, 531, 1343, 1657, 2124, —, Wiener
klinische*, 39, 93, 145, 198, 253, 304,
361, 414, 466, 531, 578, 628, 728, 823,
873, 931, 985, 1091, 1143, 1199, 1250,
1297.1343.1488.1497, 1554, 1609,1657,
1702,1750,1808,1860, 1909, 1969,2026,
2072,2124,2178,2282, 2331, 2391,2438,
2495, 2545, 2597, 2653, -, Wiener kli¬
nisch-therapeutische, 304, 1092, 2597,
—, Wiener medizinische*, 93, 414, 932,
986, 1498, 1554, 1609, 2232, 2654, -
fürTherapio und Hygiene des Auges 419,
1440, 1574, Schweizerische —, . . . .
Zeitschrift für klinische Medizin* 86,
354, 1192,1489,1653, 2119, — deutsche,
für Chirurgie* 89, 142, 251, 410, 573,
869, 928, 1194, 1492, 1808, 1905, 2022,
2488, 2541, — für Geburtshilfe und
Seite
Gynäkologie* 195, 251, 670,1088,1435,
1906,2595, — für ärztliche Fortbildung
300, — für Augenheilkunde 418, 1440,
biochemische — 2496, — für Biologie
1604, 1605, — für biologische Technik
und Methodik 1603, 2496, dermatolo¬
gische — 629, 630, 631, 632, 677,
825, 826, 2334, 2335, 2336, — für
diätetische und physikalische Therapie *
801, 926, 1087, 1194, 1387, 1745, 1856,
2230, — für Gewerbehygieno 932, 933,
1500, 1501, 1658, 1659, 2391, 2392, —
für experimentelle Pädagogik 2337, —
für experimentelle Pathologie und The¬
rapie * 925, 1490, 1549, 1855, Frank¬
furter, — für Pathologie* 359, 1747,
2278, — für gynäkologische Urologie
302, 930, 1196, 1552, — für Hygiene
und Infektionskrankheiten* 144, 576,
1295, 1389, 1748, 2278, 2389, — für
Immunitätsforschung und experimen¬
telle Therapie * 1904, 2230, 2434, — für
Laryngologie, Rhinologie und ihreGrenz-
gebiete 986, 2284, — deutsche, für
Nervenheilkunde* 671, 930, 1495, 1806,
2492,2711, — fürOhrenheilkunde u ml für
die Krankheiten der Luftwege 146, 470,
986, 1557, 2284, — für orthopädische
Chirurgie* 143, 622, 928, 2022, 2491,
— für physiologische Chemie 1603,
1604, 1605, 2495, 2496, 2497, 2498,
allgemeine —, für Psychiatrie und psy¬
chisch-gerichtliche Medizin* 252, 82*1,
1197, 2024, 2230, — für TuberkuloBO*
193, 355, 464, 670, 1032, 1139, 1840,
1905, — für Urologie 299, 300, 1705,
1706, — für Yersicherungsinedizin 674,
675, — deutsche militärärztliche 2235,
russische —, für Haut-und Geschlechts¬
krankheiten 876, 2334, — des k. baye¬
rischen statistischen Landesamtes . . 1262
Zeitung, österreichische Aerztezeitung
1674, — Apotheker-Zeitung 2233, —
süddeutsche Apotheker- — 410, — Che¬
miker- — 409, — pharmazeutische —
410, ärztliche Sachverständigen — . 674
Zentralblatt für innero Medizin* 142,
I 771, 1700, 2120, 2174, 2488, 2540, — für
Chirurgie* 92, 251, 357, 464, 574, 622,
726, 870, 983, 1088, 1195, 1248, 1341,
1435, 1606, 1746, 1858, 1964, 2022, 2120,
2230, 2277, 2387, 2490, 2595, 2651, —
für Gynäkologie * 84, 92, 296, 252, 357,
| 412, 464, 529, 574, 623, 670, 726, 771,
410 | 821, 870, 929, 984, 1032, 1089, 1143,
1248, 1294, 1341, 1388, 1436, 1495, 1552,
1606, 1654, 1701, 1747, 1805, 1859, 1907,
1965, 2023, 2069, 2121, 2174, 2329, 2387,
2435, 2491, 2544, 2595, 2651, — für all¬
gemeine Pathologie und pathologische
Difitized by
Gck igle
Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
LXXXV1II
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
Seite
Anatomie 413, biochemisches und bio¬
physikalisches — 1603, 2496, biologi¬
sches — 2496, — dermatologisches 630,
631, 676,677, 825, 8*6, 2334, 2335, 2336,
2337, — hygienisches 542, — für Physio¬
logie 1604,1605,2496, 2497, 2498, — für
die gesamte Physiologie und Pathologie
dos Stoffwechsels 999, — für diegosamte
Thorapio 2199, — für Augenheilkunde 1440
Zentralhalle, pharmazeutische, 791,
1574, 2199,
Zcntralzeitung, allgemeine medizini¬
sche .1054
Zeitschriften in englischer Sprache.
Amerikanische Literatur 254, 1035,
1093,1910; e ngl i sch o Literatur 40,95,
361, 672, 729, 1200, 1251, 1703, 1753,
1969, 2026, 2547, 2598:
American Medicine.1911
Annals of Surgery. 299, 1094
P» r a i n.362
Bulletin, United States Xaval Medical
201, 733
Clinic International. 1035, 1093
Chronicle, Medical ... 95, 361, 362, 731
Journal, American, of Medical Sciences
205, 1035, 1093, 1094, — of the Ameri¬
can Medical Association 254, 255, *035,
1093, 1910, 1911, 1912, American —,
of ObstetricH 255, Boston Medical
and Surgical — 255, 1706, 1911, 1912,
British — of Childrens diseases 1252,
British Medical — 362,415,416,672,673,
674, 729, 1200, 1201, 1703, 1704, 1969,
1970, 1027, 2028, 2598, 2599, Dublin
— of Medical Science 40, 361, 1251,
1754, Edinburgh Medical — 40, 361,
1251, 1754, — of Experimental Medi¬
cino 1035, Glasgow Medical — 40, 361,
730, 1754, — of Laryngology, Rhino-
gology und Otology 987, 1556, Liver¬
pool Modico-Chirurgical —41,731,1252,
New York Medical — 254, 1093, 1910,
1911, — of the Royal Army Medical
Corps 200, 732, 1502, 2235, 2236, 2237,
— of tropical Medicine ... . 200, 732
La ncet, the 96, 299, 416, 417, 729, 730,
1111, 1201,1251, 1753, 1754,1970, 1971,
2026, 2027, 2028 , 2547, 2548 , 259s, 2599
Laryngoscope, the. 1556, 2284
Ophthalmoscope, the.1252
Practitioner, the . . . 862, 416, 781, 1754
Research,Medical 254,1035, 1093, 1910, 1911
Seite
Review, the Birmingham Medical 40, 730,1252
Surgeon, the Military . 201, 733, 101, 1502
Surgery, Gynecology und Obstetrics . 1093
Zeitschriften in französischer Sprache.
Belgische Literatur (306), 2655, fran¬
zösische Literatur (299,430, 467, 1144,
1750, 2178):
Annales de gynlcologic et d’obstctrique
1718, 1752, — de linstitut Pasteur
468, 469, 1146, 1752, 1753, 2180, 2181,
— de maladies des organs genito-uri-
naires 299, 1705, 1706, 1707, — des
maladies de lore-UIe, du larynx, du nez
et du pharynx .1556
Archiv es internationales de lary ngologiö
471, 987,-de pharmacodynamie 3o6,
307, — provinciales de Chirurgie 468,
1144, 1145, 1751, 2180, — de Medäcino
Xavule. . 2237
Bulletin medical 1752, — de l’Aeademie
de Medicine de Belgique 2656, — de
la socictö beige d'otologie 2655, — de
la societe de Sciences naturelles et me-
dicales de Bruxelles. 2656
C uducee, le. 876, 877
Gazette des hopitaux 430,468,1144, 1263,
1752, 2180
Journal medical de Bruxelles 306, 2655, 2656
Po 1 i c 1 i n i q u e, la. 2655
Presse medieale 638, 1055, 1144, 1706,
1752, 2180
Recueil d'Ophthalmologie . . . .419, 2338
Revue de Chirurgie 467, 468, 1145,1751,
2179, 2180, — hebdomadaire de laryn-
gologie, d’otologie et de rhinologic 4 7 0,
987, 1556, — de medecine 476, 1144,
1145,1750, 1751, 2178, 2179, - de thera-
peutique mödico-chirurgicale 486, 1214,
1215, 2350, Scalpel, le. 2656
Holländische Literatur (1809) 2599:
Gonoeskundige Bladen 1809, 1810, 2600
Modisch Weekblad . 2600
Psychiatr. Bladen . 2600
Tydschrift voor Genceskunde 1809,1810,
1811, 2599, 2600, 2601*
Italienische Literatur (305, 628, K92, 1438,
1555, 1808, 2281, 2546):
Gazzetta degli ospedali e delle cliniche
305, 306, 628, 629, 1092, 1093, 1439,
1555, 1556, 1809, 2546
Giern ale di medicina militarc .... 1502
Seite
Morgagni, il 305, 306, 629, 1439, 2282,
2546, 2547
P o 1 i c 1 i n i e o, il 629, 1438, 1439, 1440,
1555,1556, 1808, 1809, 2281, 2282, 2283, 2546
Ras sog na di bactcrio-opo e sicroterapia
del' istituto sieroterapico Milanese 306, 629
Ri forma medica. 629, 1439, 1556
Rivista sperimentale di Freniatria . . 791
Nordische Literatur (dänische 417, 1297,
18* 0, 2283, norwegische 469, 1861, 2654
schwedische und finische 773, 1610):
Archiv, skandinavisches, für Physio¬
logie . 2495, 2497, 2498
llospitalstitcnde . 417, 1297,1860, 2283
Ilygiea . 773, 774, 1610
Nordisk rnedicinsk Arkiv.1610
Xordisk Tidskrift for Tcrapic.1298
No.rsk Magazin for Liigevidenskaben
469, 1861, 2654
Ugeskrift for Läger. 1298, 1861
Rumänische Literatur (532, 1392, 1909,
2438):
Re vista stiintzelor medieale 532,533,1909,
2438, 2439, 2440, — de Chirurgie 532,
533, 534, 1393, 2439
8 p i t a 1 u 1 532, 533, 1392,1393, 1909, 1910, 2439
Russiche Literatur (873, 1343, 2331) :
M e d i z i ii s k o j e < )bosrenije . . . 1346, 2334
P r a k t i c. z e s k v Wratsch. 875, 2333
Russky Wratsch . 873, 874, 875, 1345,
1346, 2331, 2332, 2333
Thorapewticzeskoje Obczrcnio 876, 1346
W r a t s o h f c b u a j a Gaseta 875, 876,1343,
1344, 1345, 2333, 2384
Spanische Literatur (198, 833, 1498,2181):
Boletin del Instituto de Iligiene de
Alfonso XIII (Madrid).2181
(laceta Mddica Catalana (Barcelona) 198,
823, 824, 14 99, 1500
Gaeeta Medica del Sur de Espafia (Gra¬
nada) . 1500, 2182
La Medicina de los Niflos (B) . . . 198, 824
Protoc. Mei.-forensc ..2182
Revista Barcclonesa de las enfermedades
de oido, garganta etc.199
Revista de Ciencias Medien» de Barcelona
824, 1499
Revista de Iligiene y de Tubcrc.2181
Rev. möd. de Sevilla.2181
Revista de Medicina y Cirurgia Prdcticas
(Madrid) 198, 199, 823, 824, 1499, 2181. 2182
El Siglo M4dico (Madrid) 199, 824, 1498,
1499, 2181
V. Aus Kliniken,
Krankenhäusern und Instituten.
a) Deutschland.
Seite
A sehaffenburg: Wissenschaftliches Laboratorium des Yeifa-
werke. 1075
Augsburg: Städtisches Krankenhaus, innere Abteilung .... 802
Beelitz: Lungenheilstätte der Landesvcrsichcrungsanstalt Berlin 658
Berlin: Chirurgische Universitätsklinik .223, 330, 1412, 1836, 2568
— Laboratorium der chirurgischen Universitätsklinik .... 64
— Universitäts-Poliklinik für orthopädische Chirurgie .... 641
— Universität» Frauenklinik der k. Charite .... 121, 1128, 1228
— Universitäts-Kinderklinik der k. Charite.1595
— Bakteriologisches Laboratorium. . . 2485
— Physiologisches Univorsitätsinstitut. . . 2520
— Pathologisches Univcrsilätsinstitut, Expcr. Biolog. Abt. . . 969
— Institut für Infektionskrankheiten, Serologische Abteilung 2417
Seite
Berlin: Pharmakologisches Laboratorium (Prof. Lcwin) .... 643
— Pbotocliemisehes Institut der Technischen Hochschule . . 643
— Städtisches Krankenhaus am Friedrichshain, pathologisch-
anatomische Anstalt. 2226
— — — Physiologisch-chemische Abteilung.2478
— Städtisches-Krankenhaus Moabit, chirurgische Abteilung . 1130
— Rudolf Yirchow-Krankenhaiis, II. innere Abteilung . . 612, 2053
«üjsMf — — II. chirurgische Abteilung. 2226
— — — Bakteriologische Abteilung. 2097
— Städtisches Kaiser- und Kaiserin Friedrich-Kinderkranken¬
haus . 2270
— Ortskrankenhaus für Haut- und Geschlechtskrankheiten . 176
— Prof. Blasehkos dermatologisches Institut . ...... 2006
— Landauselie Frauenklinik, poliklinische Abteilung .... 2479
— I>r. Aluskats orthopädische Anstalt.1281
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS-VERZEICHNIS.
LXXXIX
Seito
Seite
St. Blasien: Kurhaus. 2474
— Luisenheim. 2475
— Chirurgische Universitätsklinik. 276, 1884, 1583, 1883
— Universitäts-Augenklinik . 511
— Dermatologische Universitätsklinik . . .. . 698
— Allerheiügenhospital, chirurgische Abteilung. 28
— Städtisches Wenzel Ilauckc Krankenhaus, chirurgische Ab-
— teilung. 2584
l‘>onn: Medizinische Universitätsklinik. 239, 562
— Chirurgische Universitätsklinik. 897, 1419
— Hygienisches Universitätsinstitut.897
— Pharmakologisches Universitätsinstitut.610
— Friedrich-Wilhelin-Stiftung, gynäkologische Abteilung . 753, 1521
Dort m u n d : Hygienisch-bakteriologisches Institut. 2203
— Städtische Frauenklinik Dudenstift. 2203
— Städtisches Luisenhospital, chirurgische Abteilung .... 2369
— Städtische Krankenanstalten, dermatologische Abteilung 1642,1777
Dresden : Stadtkrankenhaus Friedrichstadt, II. innere Abteilung 2106
— — Pathologisch-anatomisches Institut.446
— Johannstädter Krankenhaus, Anatomie. 2469
— Tierärztliche Hochschule, opsonisches Laboratorium des
Pathologischen Instituts. 2524
— Bakteriologische Untersuchungsanstalt . ..2101
— llcil- und Pflegeanstalt •.2101
— l)r. Weisswangcs Privatklinik ..889
Düsseldorf: Akademische medizinische Klinik. 2259
— Akademische chirurgische Klinik . .. 1268, 1330
— Akademische Klinik für Kinderheilkunde . . . 898, 1218, 1946
— Laboratorium der Klinik für Kinderheilkunde. 71
— Institut für experimentelle Therapie, biochemische Abteilung 1475
Frfurt: Dr. Langcmaks cbirurgische-orthopädische Privatklinik 611
— Chirurgische Universitätsklinik. 1828, 2055
— Universitäts-Frauenklinik. 393, 841, 920
— Hygienisch-bakteriologisches Universitätinstitut. 1
— Pathologisches Universitätinstitut. 1165, 2358
Fs sc n-Ruhr: Heilstätte Holsterhausen . . •.. . . 1532
1 rankfurt: Städtisches Krankenhaus, Medizinische Klinik 1117,
1184, 1326, 1425, 1849, 2565
— — Laboratorium der chirurgischen Klinik.505
— — Frauenklinik.1998
— — Kinderklinik (Annie-Stiftung) ... 1990
— — Dermatologische Klinik ... •. 681, 1695, 2112
— Institut für experimentelle Therapie. 181, 1528, 2529
— Scnckenbergisches neurologisches Institut.505
— Psychologisches Institut der Akademie.2161
— Heiliggeisthospital, innere Abteilung .... . . . 338
Freiburg: Medizinische Universitätsklinik .710
— Chirurgische Universitätsklinik.1820
— Universitäts-Frauenklinik. 265, 2752
— Dermatologische Universitätsklinik. 75, 714, 758, 1184
— Laryngologische Universitätsklinik. 75
— Universitätsä )hrenklinik.657
— Laboratorium der psychiatrischen Universitätsklinik . . . 2256
— Pathologisch-anatomisches Universitätsinstitut .... 964, 2362
— Pharmakologisches Universitätsinstitut.493
— Diakonissenhaus.1285
Hi essen: Universitäts-Poliklinik für Haut- und Geschlechts¬
krankheiten . 2298
Hottingen: Medizinische Universitätsklinik.806
— Univcrsitätsfrauenklinik. . 1780
— Universitätsklinik für psychische und Nervenkrankheiten . 1524
— Stoffwechsollaboratormm.1472
— Pathologisches Universitätsinstitut.167
— I>r. J. Voigts Privatfrauenklinik. 27, 1431
Greifswald: Chirurgische Universitätsklinik.757
— Universitütsfrauenklimk. 71, 161, 843, 1631
— Universitätsaugenklinik.1950
— Pharmakologisches Unviversitätsinstitiit.549
Hagenau: K. Bakteriologische Untersuchungsanstalt.1848
Halle: Universitätsfrauenklinik. 509, 1363, 1949
— Psyc hiatrische Universitätsklinik.1725
— Pathologisches Universitätsinstitut.1644
— Hygienisches Universitätsinstitut.1461
—- Physikalisches Universitätsinstitut.. . . 697
— Chirurgisch-orthopädische Privatklinik von Dr. Gocht und
Dr. Ehehaid . 18
Hamburg: Allgemeines Krankenhaus H.-Eppemlorf . . 1829, 2114
— — Dircktorialabteiiung.1878
— — Medizinische Abteilung.715, 2114, 2166
— — Entbindungsanstalt.182
— — Pathologisch-anatomisches Institut.443
-- — Abteilung für experimentelle Therapie . . . 715, 1001, 1825
— -- Chemisches Laboratorium.. . 612, 1878, 2054
— — Allgemeines Krankenhaus St. Georg . 513, 955, 1848, 2214
— — Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten . . 2092
Hamburg: Hygienisches Institut.238
— Institut für 8chiffs- und Tropenkrankheiten. 2627
Hannover: Krankenhaus I, chirurgische Abteilung.1896
— Dr. Bades orthopädische Anstalt.334
Heidelberg: Medizinische Klinik.904
— Medizinische Universitätspoliklinik. 900, 975
— Chirurgische Universitätsklinik ..439
— Universitätsfrauonklinik. 1384, 2104, 2571
— Univcrsitätskindorklinik. 113, 2047
— Psychiatrische Universitätsklinik.1527
— Dermatologische Universitätsklinik.1273
— Pathologisches Universitätsinstitut.2312
— Radiologisches Universitätsinstitut.1596
— Institut für Krebsforschung.2147
— Biologische Abteilung des Krebsinstitutes .... 1527, 2047
— Professor Vulpiussche orthopädisch-chirurgische Klinik 854,
1065, 1887
Ileilbronn: Städtisches Krankenhaus, innere Abteilung . . . 886
Jena: Chirurgische Universitätsklinik.1585
— Universitätsfrauenklinik.796
Kassel: Elisabethkmnkenhaus.343
Kiel: Chirurgische Universitätsklinik. 1675, 2251, 2419
— Universitätsfrauenklinik. ... 702, 953, 2508
— Hygienisches Universitätsinstitut.1417
— Städtische Krankenanstalt. 551, 652
Köln: Akademie für praktische Medizin.752, 914, 2353
— — Chirurgisch-orthopädische Abteilung.1537
— — Pvschiat rische Klinik . . . . •.. 1591
— Hautabtcilung des neuen Krankenhauses Köln-Kalk . . . 2298
— lbeifaltigkeitskmnkonhaus Köln-Braunsfeld, innere Abteil. 2105
— Städtische Krankenanstalt- Lindenhurg, Psychiatrische Klinik 649
— St. Vincenzhospitol, innere Abteilung.1956
— — Chirurgische Abteilung.804
— K. Impfanstalt.. 810
Königsberg: Medizinische Universitätsklinik.1278
— Medizinische Universitätspoliklinik.378
— Chirurgische Universitätsklinik. 169, 2462
— Univorsitütsfrauenklinik ..793, 858
— Psychiatrische Universitätsklinik. 2222
— Pathologisches Universitätsinstitut.1830
— Universitätspoliklinik für Hals- und Nasenkranke .... 1958
Königsbronn i. \V.: Dr. Wegelos Anstalt für Magenkranke . . 1742
Kol mar: Bürgerspital, innere Abteilung.2316
Landau: K. Bakteriologische Untersuchungsstation. 2583
Leipzig: Medizinische Universitätsklinik . 62, 745, 1800, 1873, 1938
— Medizinische Poliklinik.^ • 1742
— Chirurgische Universitätsklinik. 646, 760, 1994
— Chirurgische Universitätspoliklinik.846
— Universitätsaugenklinik."42
— Dermatologische Universitätsklinik. 2522
— Pathologisch-anatomisches Universitätsinstitut.854
— Hygienisches Universitätsinstitut.1371
Lübeck: Allgemeines Krankenhaus, chirurgische Abteilung 451, 2218
Magdeburg: Krankenanstalt M.-Altstadt, innere Abteilung 1564,
* 1597, 2206
— — Chirurgische Abteilung. 182
— Städtisches Krankenhaus M.-Sudenhurg, chirurgische Abteil. 1177
Mannheim: Städtische Krankenanstalten, Direktorialabteilung
1221, 2408
— Allgemeines Krankenhaus, chirurgische Abteilung .... 2264
Marburg: Medizinische Universitätsklinik. 241, 340, 1003
— Medizinische UniversitätsPoliklinik. 2460
— Universitäts-Frauenklinik.. • • 273, 500
— Institut für Hygiene Jund experimentelle Therapie, experi-
mentello Abteilung..
M ün eh e n : I. Medizinische Universitätsklinik 977, 974,2168, 2216, 2475
— II. medizinische Universitätsklinik 1178, 1987, 2041, 2262, 2515
— Medizinische Poliklinik. "8
— Chirurgische Universitätsklinik. 2420
— Ambulatorium der chirurgischen Universitätsklinik .... 1282
— Orthopädische Universitätspoliklinik ...... .2416, 2508
— Universitäts-Frauenklinik . .. 118, 1929, 2157
— II. gynäkologische Universitäts-Klinik. 2621
—- Universitäts-Kinderklinik . . . 546, 598, 1071, 1414, 2145, 2471
— Universitätsklinik und Poliklinik für Augenkranke . . 298, 847
— Psychiatrische Universitätsklinik.1"81
— Hygienisches Universitätsinstitut ..... . . 1875, 2471
— Tierärztliche Hochsschule, pharmakologisches Institut . . 2576
— Krankenhaus 1. I., Röntgenabteilung des physikulisch-tliera-
peutischen Institutes. . . . ... **”
— Krankenhaus r. I., Röntgenlaboratorium der inneren Ab-
teilung.567
— — chirurgische Abteilung. 807, 918, 1992, 2089, 2707
— — Prosektur.- . . . 1640
— Prinzessin Arnulfhaus für Säuglinge. • • • *‘36
— K. Operationskura für Militärärzte, bakteriologische Abteilung 2618
— (iamisonlazarett. 72,2113
— Dr. Deckers Klinik für Magen-, Darm- und Zuckerkranke . 1790
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Original ffom
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
xc
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
8elte
München: Kuranstalt Neuwittelsbach.1673
— Röntgenlaboratorium der Kuranstalt Neuwittelsbach 1952, 2576
— Dr. Raabs Heilanstalt für Herz- und Nervenkranke . 555, 855
— Dr. Theilhabers Frauenheilanstalt.1272
Neidenburg (Ostpreussen): Johanniter Krankenhaus.1324
Xeunkirchon: Bakteriologische Untersuchungsanstalt . .909, 1318
Nürnberg: Allgemeines städtisches Krankenhaus, Direktorial¬
abteilung .2210
— — Chirurgische Abteilung.1787
— — Pathologisches Institut.2159
— Cnopfsches Kinderspital.1180
— Hygienisch-chemische Untersuchungsstation des k. bayr.
III. Armeekorps. 912, 2526
Recklingshausen: Knappschaftskrankenhaus.1479
Rostock: Universitäts-Augenklinik.1735
Schömberg, Lungenheilanstalt Schwarzwaldheim. 2706
— Psychiatrische Universitätsklinik und Poliklinik.1838
Stettin: Städtisches Krankenhaus, innere Abteilung.277
Strassburg: Medizinische Universitätsklinik. 183, 394, 1361
— Chirurgische Universitätsklinik. 716, 1467, 1838, 2464
— Psychiatrische Universitäts-Klinik. 2630
— Klinik für syphilitische und Hautkrankheiten.718
— Pathologisches Universitätsinstitut.1123
— Universitätinstitut für Hygiene und Bakteriologie 288, 1011, 1066,
1130, 2630
— Bürgerspital, II. medizinische Abteilung.1016, 1535
— — Abteilung für chronische Kranke . 388, 606, 704, 959, 2257
— Säuglingsheilstätte.135
— Dr. Dietlens Röntgenlaboratorium.1467
Stuttgart: Katharinenhospital, Hautabteilung.1846
— Marienhospital, chirurgische Abteilung. 1325, 2162
— Ludwigsspital Charlottenhilfe, chirurgische Abteilung . . . 2528
Tübingen: Medizinische Universitätsklinik. 2155, 2201
— Universität-Frauenklinik.164, 1886
— Universität-Augenklinik.1120
— Anatomisches Laboratorium der Klinik für Gemüts- und
— Nervenkrankheiten. 2051, 2182
Uchtspringe, Heil- und Pfiegeanstalt,. 1457, 1464, 2254
— — Chemisches Laboratorium. 1429, 1459
Warstoin i. W.: Provinzialheilanstalt . . .1841
Weisse nburgA. B.: Säuglingsfürsorgestelle . . ..
Witten: Diakonissenhaus . 1275
Würz bürg’: Medizinische Universitätsklinik . 7, 57, 1313, 1469, 1539
— Chirurgische Universitätsklinik. 1634, 1678, 2365
— Universitäts-Frauenklinik .. 7
— Universitäts-Augenklinik. 2249
— Pathologisches Universitätsinstitut.129
— Pharmakologisches Universitätsinstitut.1678
Athen: Chirurgische Universitätsklinik Aretäion. 2004
Basel: Medizinische Universitätsklinik.907
— Chirurgische Universitäts-Poliklinik.799
— Frauenspital Basel Stadt .... 66, 1224, 1283, 1628, 2355, 2424
Davos-Dorf: Sanatorium I)r. Philippi.710
— Sanatorium Davos-Dorf. 2562
Graz: Chirurgische Universitätsklinik. . .763
— Universitätsklinik für Ohren-, Nasen-, und Kehlkopfkranke 2219
— Hygienisches Universitätsinstitut. .1955
— Allgemeines Krankenhaus.1385
Kyoto: Hygienisches Universitätsinstitut. 2526
Mäh risch-O h trau: Chirurgische Abteilung des Allgemeinen
Krankenhauses.25
Mailand: Städtisches Krankenhaus. 2374
New York: Rockofeller Institute for Medical Research .... 494
Pernitz (Niederösterreich): Sanatorium Wienerwald.658
Pest: Adele Brödy-Kinderhospital, interne Abteilung.179
St. Petersburg. Klinisches Laboratorium des kais. gynäkolo¬
gischen Institutes.2364
— Botkin-Barackenhospital.1933
— Obuchoft'-Männerhospital.1765
— Peter-Paul-Hospital. 2364
Petoemboekan (Sumatra): Zentralhospital. 384, 1169,2319
Prag: Chirurgische Universitätsklinik. 1182, 2641
— Universitätsfrauenklinik. 1415
—- Hygienisches Universitätsinstitut.1415
— Pharmakologisches Universitätsinstitut.1880
Radautz (Bukowina): Allgemeines öffentliches Krankenhaus,
interne Abteilung.243
Rapallo: Professor Gallis Privatklinik für Herz-und Nervenkranke 563
Reichenberg (Böhmen): Dr. Gottsteins orthopädische Heilanstalt 143"
Rio-de-Janeiro: Instituto Oswaldo Cruz, Manguinhos . . . . 645
Stockholm: Seratinenkrankenhaus, Röntgenabteilung.1176
Tandjong Morawa (Sumatra): Hospital.384
Turin: Universitätsinstitut für innere Medizin.497
— Hygienisches Universitätsinstitut.2270
Kiew: Medizinische Universitätsklinik * .1482
Wien I.: Medizinische Universitätsklinik. 257^
— Universitätskindcrklinik. 449, 1072, 1681, 2310
— Universitätsambulatorium für orthopädische Chirurgie ... 137
— Allgemeine Poliklinik, Abteilung für Hydrotherapie und für
Radiologie .171
— Allgemeines Krankenhaus, Abteilung für Haut- und Ge¬
schlechtskrankheiten . 230*2
— — Röntgenlaboratorium.121*
— Kaiser-Franz-Josef-Ambulatorium ..1W1
— Karolinen-Kinderspital. 136*
— Diagnostisch-therapeutisches Institut für Herzkranke . . . 1$99
— Chemisches Laboratorim „Spieglerstiftung“. 230n
VI. Aus Vereinen und Versammlungen.*)
Die mit *) bezeichneten Vereine veröffentlichen ihre offiziellen Protokolle in der M. m. W.
Seite
a) Wissenschaftliche Gesellschaften und Vereine.
i. Deutschland.
Altona: *Aerztlicher Verein. 472, 1301, 1348, 2604
Augsburg: »Aerztlicher Lokal verein. 365, 2342, 2713
Berlin: Verein für innere Medizin 107, 204, 257, 309, 426, 539,
636, 689, 829, 994, 1097
— Verein für innere Medizin und Kinderheilkunde . . 1261,
1356, 1449, 2245, 2294, 2345, 2396, 2446, 2499, 2667
— Medizinische Gesellschaft 107, 155, 204, 309, 372, 426,
481, 539, 588, 636, 688, 950, 993, 1052, 1097, 1205,
1260,1806,1356, 1448, 1616, 2294, 2345, 2397, 2499, 2605,
2609, 2657, 2666
Breslau: Chirurgische Gesellschaft 581, 632, 883, 942, 1301,
1563, 2035
Chemnitz: »Medizinische Gesellschaft 205, 257, 1205, 1302,1564,
1617, 2035
Dresden: »Gesellschaft für Natur- und Heilkunde 42, 100, 150,
366, 420, 473, 582, 678, 779, 829, 883, 942, 1098,
1152, 1205,1256, 1303, 1403, 1505, 1617, 1661, 1709, 2446, 2658
Duisburg: Aerztevorcin. 2552, 2659
Erlangen: »Aerztlicher Bezirksverein .... 205, 780, 1302, 1506
Fr an kl urt a M.: *Aendlicher Verein 43, 103, 161, 258, 310,
474, G79, 830, 943, 1044, 1154, 1618, 1711, 1755, 1916,
1974, 2195, 2291, 2342, 2392, 2448
I Sei«
Frankfurt a. M.: »Wissenschaftliche Vereinigung am städtischen
Krankenhaus . . 421, 679, 1258, 1853, 1862, 2197, 2293, 2661
Freiburg: • Verein Freiburger Aerztc . . 475, 994, 1564, 1662, 2606
Halle: »Verein der Aerzte 310, 367, 679, 885, 945, 1046, 1353,
1507, 1564, 1812, 1976, »1
Hamburg: »Aerztlicher Verein 206, 813, 475, 537, 680, 738,
831, 947, 1046, 1154,* 1259, 1404, 1508, 2197, 2344, 2395,
2606, 2661
— »Biologische Abteilung des ärztlichen Vereins . 207, 314,
I 537, 832, 948, 1047, 1207, 1354, 1508, 1567, 1755, 1813, ^
1920, 2394, 26b2
Heidelberg: »Naturhistorisch-medizinischer Verein48, 422, 476,
584, 1049, 1099, 1259, 1814, 1921,
Jena: »Naturwissenschaftlich-medizinische Gesellschaft209, 680,
, 833, 1049, 1305‘ 2608, 26*>
! Kiel: »Medizinische Gesellschaft . . 103, 1051, 1100, 1712, 2037, 8C&
— »Physiologischer Verein 45,209, 691, 780, 834, 885, 1155, 2449
Köln: »Allgemeiner ärztlicher Verein 210, 1306, 1356, 1814, 1863,
1922, 197b
I Leipzig: »Medizinische Gesellschaft 102, 152, 423, 478, 685,
681, 887, 1101, 1509, 1567, 1758, 1816, 2037, 2665, 2713
I Magdeburg: »Medizinische Gesellschaft .45, 152, 479, 587,
834, 888, 948, 1155, 1568, 1619, 1663, IW
; Marburg: »Aorztlicher Verein210, 423, 781, 1208, 1714,1864, 2084,2491
i München: »Aorztlicher Verein 45, 105, 638, 682, 783, 834, 884,
I 1620, 1715, 1769, 1817, 1867, 2140
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Original From
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
INHALTS« VERZEICHNIS.
XCI
Belte
M önchen: Gesellschaft für Morphologie und Physiologie . . . 995
— »Gynäkologische Gesellschaft 314, 480, 784, 1156, 1511, 1664,
2609, 2713
— Gesellschaft für Kinderheilkunde 46, 259, 480, 684, 1210,
1512, 1869, 2396, 2714
— Laryngo-otologische Gesellschaft. 480, 588, 1102, 1664
— Militärärztliche Gesellschaft.153, 211
Nürnberg: ♦Aerztlicher Verein 47, 106, 685,784, 890, 1512, 1569,
1664, 1762, 1870, 1923, 1977, 2037, 2085, 2500, 2609, 2666, 2714
— »Medizinische Gesellschaft und Poliklinik 315, 868, 685, 785,
1102, 1210, 1665, 1717, 1763, 1818
Rostock: »Aerztlicher Verein . . . 315, 369, 1211, 1764, 1870, 2500
Strassbarg: »Naturwissenschaftlich-medizinischer Verein 48, 153,
211, 315, 482, 835, 1764, 1977
— Unterelsässischer Aerzteverein . . 1103, 1513, 1667, 2396, 2611
Tübingen: »Medizinisch-naturwissenschaftlicher Verein 49, 154,
869, 425, 686, 1103, 1157, 1668, 1765, 1821
Würz barg: Physikalisch-medizinische Gesellschaft 50, 588, 688,
739, 1157, 1306, 1405, 1514, 1667, 2450, 2553
— »Würzburger Aerzteabend. 949, 995, 1570, 2450
2. Ausland.
Ancona: Medizinisch-chirurgische Gesellschaft.2612
Bologna: Medizinisch-chirurgische Gesellschaft.108
Edinburgh: Obstetrical Society. 787, 2452
Ferrara, Akademie für Medizin und Naturwissenschaften . . . 2613
Genua: Medizinische Akademie.1571
Liverpool: Liverpool Medical Institution.212
London: Royal Society of Medicine, Medical Section . 52, 483, 2247
— Surgical Section. 317, 740, 996, 2347
— Clinical Section. 787, 1054
— Obstetrical and gynaecological Section.483
— Pathological Section.787
— Therapeutical und Pharmacological Section.109
— Section of anaesthetics.218, 483
— Aesculapian Society. 157, 787
— Medical Society. 427, 1054
— Society of tropical medicine and hygiene. 427, 589
N eapel: Medizinisch-chirurgische Akademie. 52, 2612
Paris: Academie de medecine 52, 108, 482, 891, 1212, 1261,1669,
1765, 1870, 2346, 2668
— Academie des Sciences . . 156, 950, 1106, 1307, 1765, 1924, 2295
— Soetete de biologio . . . 1716, 1765, 1924
— Societe de chirurgio 212,261, 787,996, 1053,1106,1516, 1571, 1870
— Soci6t6 des chirurgiens de Paris.•.1516
— Soetetö m^dicale des höpitaux 212, 817, 482, 427, 1053,
1212, 1307, 1669, 1765, 1923, 2346, 2668
— Soci£t6, de p4diatrie... 482, 588
— Sociötö de thörapeutiquo. 739, 1307
Pavia: Medico-chirurgische Gesellschaft.1716
Prag: Verein deutscher Aerzte 107, 260, 481, 690, 786, 837, 891,
950, 1053, 1105, 1668, 1923, 1978, 2086, 2197, 2346, 2398
— Wissenschaftliche Gesellschaft deutscher Aerzte in Böhmen
51, 317, 482, 690, 786, 1306, 1406, 1515, 2295, 1397, 2668
Rom: Medizinische Akademie.1571
— Societa Lancisiana...1571
Turin: Medizinische Akademie. 1571, 2612
Wien: k. k. Gesellschaft der Aerzte 61, 155, 211, 260, 640, 689,
890, 1105, 1154, 1212, 1406, 1570, 2451, 2611, 2667
— Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde 316,
372, 481, 950, 1053, 1212, 1261, 1514, 1570
— Medizinisches Doktorenkollegium. 739, 995
b) Wissenschaftliche Versammlungen.
18. Versammlung der Deutschen otologischen Gesellschaft in
Basel .1348
77. Jahresversammlung der British medical Association in
Belfast . . . . v . 1924, 1978
30. Versammlung der Baineologischen Gesellschaft zu Berlin 733, 776
38. Versammlung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie in
Berlin . .. 837, 879, 938
8. Kongress der Deutschen Gesellschaft für orthopädische Chirurgie
zu Berlin.213, 878
5. Kongress der Deutschen Röntgongcsellschaft in Berlin . . 881, 941
2. Tagung der Deutschen tropenmedizinischen Gesellschaft zu
Berlin.•.213, 827
Versammlung der Tuberkuloseärzte in Berlin.1300
Seite
2. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie zu Berlin 636, 984
Deutsches Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose zu
Berlin.1148
56. Versammlung mittelrheinischer Aerzte zuDarmstadt. . . 1558
10. Jahresversammlung des Deutschen Vereins für Schulgesund-
heit8pflego in Dessau .1563
1. deutscher Kongress für Säuglingsschutz in Dresden . . . . 18%
16. Versammlung des Vereins Deutscher Laryngologen in Frei-
burg . 1895, 1446
8. Hauptversammlung des Deutschen Medizinalbeamtonverein zu
Jena . 1669, 2141
Jahresversammlung der Vereinigung süddeutscher Lungenheilan¬
staltsärzte in Kassel . 1981, 2444
2. Tagung der Vereinigung Nordwestdeutschor Chirurgen in Kiel 1504
Jahresversammlung des Vereins bayerischer Psychiater in M ü n ch e n
838, 1106, 1612
22. französischer Chirurgenkongress in Paris .. . 2554
16. Internationaler Aerztekongress zu Pest 1913, 1971, 2030, 2075, 2132
2189, 2243
— Allgemeine Sitzungen.1914, 2030, 2075
— Sektion für innere Medizin 1915, 1971, 2032, 2079, 2132, 2189, 2243
— Sektion für Chirurgie. 1972, 2034, 2134, 2190, 2243
— Sektion für Geburtshilfe nd Gynäkologie .2185, 2192
4. internationaler Kongress der medizinischen Fachpresso zu Pest 1871
2. medizinischer Unfallkongress zu Rom.427
81. Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte zu Salz¬
burg . 1621, 2030, 2073, 2125, 2238, 2287
— Allgemeine Versammlungen.2126
— Gemeinsame Sitzung beider Hauptgruppen.2126
— Gesamtsitzung der medizinischen Hauptgruppo . ... 2127
— Abteilung für innere Medizin, Pharmakologie, Balneologie und
Hydrotherapie. 2182, 2238
— Abteilung für Chirurgie. 2030, 2073, 2127
— Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie . 2074, 2128, 2186
— Abteilung für Kinderheilkunde.2131, 2185, 2239, 2287
— Abteilung für Hygiene und Bakteriologie.2180
— Abteilung für Geschichte der Medizin und der Naturwissen¬
schaften .. 2241, 2289
13. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Geburtshilfe und
Gynäkologie in Strassburg . . . 1441, 1502, 1561, 1615, 1660
Versammlung des Vereins zur Förderung des Deutschen Heb¬
ammonwesens in Strassburg.1255
3. Jahresversammlung der Gesellschaft Deutscher Nervenärzte
in Wien . . 2082, 2194
3. Tagung der freien Vereinigung für Mikrobiologie in Wien 2548, 2602
26. Kongress für innere Medizin in Wiesbaden 590, 892,936,989,1040,
1094, 1149
34. Versammlung des Deutschen Vereins für öffentliche Gesund¬
heitspflege in Zürich .1157, 2141
♦Fränkische Gesellschaft für Geburtshilfe und Frauenheilkunde
102, 583, 1919
»Oberrheinischer Aerztetag. 535, 2341
»Rheinisch-westfälische Gesellschaft für innere Medizin und Nerven¬
heilkunde 786, 777 (zu Duisburg), 1666 (zu Köln), 1819 (zu
Düsseldorf)
34. Wanderversammlung der südwestdeutschen Neurologen und
Irrenärzte zu Baden-Baden .1254
♦Wissenschaftliche Wanderversammlung der Aerzteverein© Duis¬
burg, Mülheim a. d R., Oberhausen und Ruhrort zu Mül¬
heim a. d. R.480
c) Standesvereine.
Aerztekammern, Protokolle der Verhandlungen der bayrischen
vom Jahre 1909 . 2673
Aerztlicher Bezirks verein Fürth . 52, 740
Aerztlicher Bezirks verein Kaiserslautern.427
Leipziger Verband, ausserordentliche Vcrtrauensmänncr-Ver-
sammlung.1157
9. ordentliche Hauptversammlung des — in Lübeck . . 1449
37. Deutscher Aerztetag zu Lübeck . 1157, 1397, 1452
Aerztlicher Bezirksverein München 427, 484, 691, 788, 1359, 2038, 2670
— Abteilung für freie Arztwahl des ärztlichen Bezirksvereins zu
München. 109, 591, 636, 1308, 1981
Neuer Standes verein Münchener Aerzte . . . 260, 690, 788, 1308, 1572
Allgemeine Aerzte Versammlung zu München.1107
Aerztlicher Bezirksverein Nürnberg . . 52, 689, 740, 838, 126J, 1822
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XCTI
INHALTS-VERZEICHNIS.
1909.
VII. Abbildungen und Kurventafeln.
Seite
1 Abbildung za Schmincke, Das Phonendoßkiaskop. 28
1 Abbildung zu Völcker, Ueber Pyonepliroso . 43
1 Abbildung zu Bergei, Fettspaltendes Ferment in den Lympho¬
zyten . G4
3 Kurventafeln zu Mann, Ueber fibrinöse Schleimhautentzöndung
(Stomatitis fibrinosa) durch Pneumakokkeninfektion . . 72
1 Abbildung zu Höchtlen, Ein interessanter Fall von Polydaktylie 74
4 Abbildungen zu Brünings, Ueber ein Spezialelcktroskop für
Urethroskopio und direkte Kystoskopie. 75
2 Abbildungen zu Schade, Beiträge zur Konkremcntbildung . . 77
12 Abbildungen zu Beck und Dohan, Ueber Veränderung der
Herzgrösse im heissen und kalten Bade.171
l Abbildung zu Grösz und Ban, Ueber Pyozyancsebchandlung
der Diphtherie.179
1 Abbildung zu Kehr, Ein einfacher Linsenhaltcr für augenärzt¬
liche Zwecke.189
9 Abbildungen zu Fränkel, Die Lokalisation der Umkrüumiung
und andere Forderungen in der Skoliosenbehandlung . . 223
2 Abbildungen zu Kehr, Ueber die Stillung der Blutung aus der
Art. cystica durch Untersuchung der Art. hepatiea propria 237
1 Abbildung zu Oberländer, Ein neuer Uterusdilatafcor bei Abort¬
behandlung . ..244
5 Abbildungen zu Witzei, Ueber die Schutzarbeit im Bauchraume
und über die funktionelle Behandlung Laparotomierter . 269
12 Abbildungen zu Braeuning, Die Entfaltung des Magens . . 277
-- Abbildungen zu Kästle, Rieder und Rosenthal, Ueber kine-
matographisch aufgenommene Röntgenogramme (Bio-Könt-
genographie) der inneren Organe des Menschen . . . . 280
1 Abbildung zu Königer, Zur Differentialdiagnose der Zwerchfell¬
hernie und des einseitigen idiopathischen Zwerchfellhoch¬
standes (infolge von Zwerchfell-Atrophie).282
7 Abbildungen zu Flesch, Die Plastizität der Lebersubstanz . . 286
1 Abbildung zu Moritz, Wa9 erfahren wir durch unsere klinischen
Blutdruckmessungen beim Menschen?.321
22 Abbildungen zu Bade, Demonstration schwierig zur Heilung
gebrachter Fälle von angeborener Hüftverrenkung .... 334
1 Abbildung zu Sittler, Kongcnitalo Nabelschnurhernie; Spontan¬
heilung .340
1 Abbildung zu Kaupe, Eine Milchpumpen Verbesserung .... 343
1 Abbildung zu Kuhn, Zur Theorie und Praxis des Druckdifferenz¬
verfahrens . 343
1 Abbildung zu Erdt, Bemerkungen zu den Vorschriften für das
Verfahren der Ae rate bei den gerichtlichen Untersuchungen
von Leichen (M. B. vom 7. Juli 1908) . . 350
1 Abbildung, Das Stethoskop mit Muscheln aus elastischem Gummi
von Freudenthal.373
11 Kurventafeln zu Rautenberg, Ueber Synergie und Asynergio
der Vorhöfe des menschlichen Herzens .378
1 Kurventafel zu Jacob, Ein Fall von kruppöser Laryngo-Tracheitis
ohne Löfflersche Bazillen.394
1 Abbildung zu Lechleuthner, Ein Fall von echten Halsrippen 395
1 Kurventafel zu Hamburger und Monti, Die Tuberkulosehäufigkeit
im Kindesalter .449
2 Kurventafeln zu Wanner, Bezolds funktionelle Prüfung des
Ohres und Taubstummenforschung ..455
1 Abbildung zu Tischler, Erworbene Elefantiasis ...... . 461
1 Abbildung zu Schümann, Melanosarkom der Ohrmuschel . . 479
2 Abbildungen zu Plate, Ueber ein neues Verfahren zur Erzeu¬
gung von Hautreizen.513
1 Kurventafel zu von den Velden, Die Verteilung der tödlichen
Krankheiten auf die Lebensalter.520
1 Kurventafel zu Moro, Noda, und Benjamin, Paroxysmale Hämo¬
globinurie und Hämolyse in vitro.545
10 Kurventafeln zu Huismans, Ueber Bradykardie und den Stokes-
7 Kurventafeln und 10 Abbildungen zu Raab, Zur Frage von der
akuten Dilatation des Herzens durch Ucberanstrengung . 555
2 Abbildungen zu Stursberg, Ein Apparat zur graphischen Blut-
druckbestimmung. 562
7 Kurventafeln zu Galli, Das Wesen des Herzalternans ... 563
2 Abbildungen zu Lexer, Zur Behandlung der Knochenbrüche . 593
2 Abbildungen zu Langemak, Ein beweglicher Beleuchtungs¬
apparat . . 611
1 Abbildung zu Holzapel, Eine einfache Säuglingswage .... 612
9 Abbildungen zu Joachimsthal, Ueber Coxa vara-Bildung nach
der Reposition der angeborenen Hüftverrenkung.641
1 Abbildung zu Lewin, Ueber Wismutvergiftung und einen un¬
giftigen Ersatz der Wismuts für Röntgenaufnahmen . . . 643
4 Abbildungen zu v. Prowazek und Beauropaire Aragao, Weitere
Untersuchungen über Chlamydozoen.645
Seite
1 Abbildung zu Versd, Ueber die chronische Dilatation des llick-
darms im höheren Alter.654
1 Abbildung zu Kraus, Zur Technik der Sonnenlichtbehandlung
der Kehlkopftuberkulose.658
1 Abbildung zu Pischinger, Die graphische Darstellung des
Lungenbefundes.659
1 Abbildung zu Axliausen, Ein Instrument zur raschen Anlegung
gesicherter Massenligaturen .. - 662
1 Abbildung zu Wahl, Redressionsrahmen von Wall stein-Engel¬
mann zur Behandlung schwerer Skoliosen und Kyphosen . 684
1 Abbildung zu Grünbaum, Riesenhämangiom. . 685
2 Kurventafeln zu Schrumpf und Zabel, Ueber die auskultatorische
Blutdruckmessung.704
1 Abbildung und 2 Kurventafeln zu Hildebrandt, Ueber Vor¬
kommen und Bedeutung des Urobilins. .710, 763
1 Kurventafel zu v. Lichtenberg, Kasuistischer Beitrag zur Aetio-
logie der postoperativen Lungenkomplikationen.716
1 Abbildung zu Schmidt, Heberdrainage mit Aspiration zur Be¬
handlung tuberkulöser Pleuraempyeme.752
2 Abbildungen zu Nassauer, Die Behandlung des „Ausfluss“ . . 753
2 Abbildungen zu Wittck, Ein neues Instrumentarium zur Lum¬
balanästhesie . 763
3 Kurventafeln zu Zangemeister und Gans, Der Einfluss der
Streptokokkeninfektion auf das leukozytäre Blutbild beim
Affen nebst Bemerkungen über die Untersuchungsmethodo
793, 858
1 Abbildung zu Reinhardt, Das jüngst entdeckte älteste mensch¬
liche Skelett .810
1 Abbildung zu Arnold, Ein aseptischer Höllensteinträger . . . 813
1 Abbildung zu Hering, Ueber den normalen Ausgangspunkt der
Herztätigkeit und seine Aendcrung unter pathologischen
Umständen.845
3 Abbildungen zu Stoffel, Plattfuss und Arthropathia psoriatica 854
3 Abbildungen zu Raab, Ein ncuei Wechselstromapparat . . 855
3 Abbildungen zu Hartung, Ein neuer einfacher Verband für die
Luxatio clavicularis supraacromialis.857
1 Abbildung zu Müller, Künstliche Erzeugung neuer vererbbarer
Eigenschaften hei Bakterien. 885
2 Abbildungen zu Theilhabcr, Neuer Jnstriimcntensterilisations-
apparat.•.889
1 Abbildung zu Theilhabcr, Apparat zur gleichzeitigen Sterilisation
einer grösseren Anzahl eingefädelter Nadeln.889
5 Kurventafeln zu Gigon, Vergleichende Untersuchungen über
die Wirkung von Kohlehydrat und Eiweissnahrting beim
Diabetes mellitus.•..907
3 Abbildungen zu Handwerk, Adam-Stockesscher Symptomen-
komplex: Gumma des Vorhofsseptum.916
2 Abbildungen zu Heinzmann, Ueber einen Fall von Pseudo-
hermaphroditiemus masculinus externus.918
1 Abbildung zu Brand, Skiaskop.‘..952
3 Kurventafeln zu Ehret, Ueber Blutdruck und dessen auskul¬
tatorische Bestimmungsmethode.959
2 Kurventafeln zu Wiens, I. Zur Kasuistik der Kolibakteriämie.
II. Zur bakteriologischen Typhusdiagnose.962
6 Abbildungen zu Oppenheim und Krause, Beiträge zur Neuro-
2 Abbildungen zu Holzapfel, Ueber die Behandlung der Baueh-
decken im Wochenbett und über das Frühaufstehen der
Wöchnerinnen.1019
2 Abbildungen zu Vulpius, Zur Behandlung der Lähmungen an
der oberen Extremität. ... . 1065
4 Abbildungen mit 1 Kurventafel zu Sluka und Zarfl, Ein Fall
von Kala-azar. .1072
1 Abbildung zu Dessauer, Röntgenmomentaufnalimen ..... 1075
1 Abbildung zu Dölgor, Neuerungen auf dem Gebiete der funk¬
tionellen Prüfung des Gehörorganes. . . 1127
3 Kurventafeln zu Kayser, Ueber die Art der Typhusausbreitung
in einer Stadt.. . 1130
2 Abbildungen zu Eorssell, Ueber die Röntgenologie der endo¬
genen Prostatakonkremente. 1176
4 Abbildungen zu Lin hart, Neue Zahnzange zur Extraktion der
Mahlzähne des Unterkiefers.1182
1 Abbildung zu Mathos, Schmerzlose Dammnaht.1183
1 Abbildung zu, Das Kussmauldenkmal.1214
4 Abbildungen zu Schwarz, Ueber Desensibilisierung gegen Rönt¬
gen- und Radium strahlen. 1217
3 Kurventafeln zu Bauer, Die passive Uehcrtragung der Tuber-
kuloseüberempfiiidlichkoit ... 1218
6 Abbildungen zu Gebelc, Beziehungen zwischen Unfall und
Geschwülsten.1230
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1909.
XCII1
INHALTS-VERZEICHNIS.
2 Abbildungen zu Neuinann, Ein billiges uml bequemes Ver¬
fahren zumAufschnoiden von < »ips- und WasHerglnsvorbänden 1235
2 Abbildungen zu Lossen, Narbige Verkrümmung und Versteifung
der linken Hand nach Verbrennung III. Grades; Trans¬
plantation von der Haut des Oberschenkels; Heilung mit
Beweglichkeit der Hand.1236
5 Abbildungen zu Jansen, Ueber die Nutzbarmachung der na¬
türlichen Sehutzkrilfte der Bauchhöhle bei der Behandlung
der Appendizitis und der diffussen Peiforationsperitonitis
1268, 1330
2 Abbildungen zu Muskat, Plattfusssticfel ohne Einluge .... 1281
1 Abbildung zu Labhardt, Beiträge zur Behandlung der Post-partum-
Blutungcn.1283
2 Abbildungen zu Oberst, Ueber Verletzungen durch den elek¬
trischen Strom. 1320
1 Abbildung und 1 Kurventafel zu Bingel, Ueber die Einwirkung
einer intrakutanen Injektion von Diphtherietoxin auf die
Haut, und den Antitoxingehalt des Serums beim Menschen 1326
3 Abbildungen zu Schott, Herzdilatation oder Herztumor? 1327, 1519
6 Abbildungen zu Lehmann, Einige nützliche Heftpflusterverbände 1329
1 Abbildung zu Brüning, Eine einfache Gipsbindcnwiekclmaschine 1329
2 Kurventafeln zu Trautmann, Zur Diagnose der Bleivergiftung
aus dem Blute.1371
1 Abbildung zu Wunder, Wie kann der Arzt im Sprechzimmer
den Salz- und den Hamstoffgehalt des Harns feststellen? . 1374
1 Abbildung zu Mendler, Zur operativen Behandlung der Knochen¬
brüche .•.1382
1 Abbildung zu Herwig, Ein Fall von beiderseitiger Spalthand
verbunden mit Syndaktylie.1383
1 Abbildung zu Hoerrlc, Der Präzisionssauger.1384
1 Abbildung zu Franeke, Erschütteiungs- (Perku.ssions ) Hammer
mit < i u mini finge r zum Aufschlag.1385
4 Kurventafcln und 1 Abbildung zu Bingel, Beiträge zur Kasuistik
der Paratyphusinfektion.1425
1 Abbildung zu Fischer und Hoppe, Das Verhalten des Vcronals
(Veronal-Natriums) im menschlichen Körper.1429
1 Abbildung zu Voigt, Zur Klammernaht.1431
2 Abbildungen zu Zabel and Schrumpf, Ein verbessertes Queck-
silbermanometer zu Blutdruckbestimmungszwecken .... 1431
2 Abbildungen zu Beyer und Wittnebcn, Untersuchungen über
Hemmung der Kobrahämolyse durch das Serum von Geistes¬
kranken und körperlich Kranken.1464
6 Abbildungen zu v. Lichtenberg, Dietlen und Itunge, Biozysto-
grapbie. .1467
1 Kurventafel zu Tintemann, Zur Stoffwecbselpathologie der
Epilepsie.*...1472
2 Abbildungen zu Heermann, Was kann und muss man in kos¬
metischer Hinsicht von der Radikal Operation der chronischen
Mittelohreiterung verlangen?.1479
1 Abbildung zu Federschmidt, Zwei Fälle von Kohlendunstvcr-
giftung in hygienischer und gerichtlich - medizinischer Be¬
leuchtung ..1483
6 Abbildungen zu Betz, Zur Vereinigung der frischen Dammrisse 1533
3 Abbildungen zu Landwehr, Purpura haeraorrbagica fulminans
mit Nekrosenbildung. Ausgang in Heilung.1537
3 Abbildungen zu Paysen, Ein einfacher Troikart zur Aspiration
von Pleuraexsudaten.1533
1 Abbildung zu Sudhoff, Aus Leipzigs medizinischer Vergangenheit 1542
3 Abbildungen zu Puppert, Zur Behandlung des Mastdarmvorfalls
mittels Beckenbodenplastik.1560
1 Abbildung, Das Mikulicz-Denkmal.1573
1 Abbildung zu Meyer, Ueber die Beziehung zwischen den Lipoiden
und pharmakologischer Wirkung.1577
4 Abbildungen zu Coenen, Das Nabelcholesteatom.1583
1 Abbildung zu Thiemann, V-förmige Schlinge der Flcxur . . . 1585
2 Abbildungen zu Wehrsig, Hyperkeratosis subungualis (Unna)
als Röntgen Wirkung ..1644
4 Abbildungen zu Müller, Eine einfache Methode zur Bestimmung
des Tiefensitzes von Fremdkörpern mittels Röntgenstrahlen 1645
1 Abbildung zu Geigel, Ueber Bestimmung der wahren Grösse
von Organen etc. aus der Grösse des Schattens im Röntgen¬
bild .1646
1 Kurventafel zu Groth, Mutterbrust und Karzinom.1647
1 Abbildung und 1 Kurventafel zu v. Hoesslin, Ueber die Ab¬
hängigkeit der Albuminurie vom Säuregehalt des Urins . . 1673
1 Abbildung zu Lossen, Ulcus rodens permagnum.1695
1 Abbildung zu Löwenstein, Eine neue Speicheltasche bei Mund-,
Hals- und Nasenoperationen ..1695
1 Abbildung zu Küstner, Ueber den extraperitonealen Kaiser¬
schnitt, seine Technik and Indikationsstellung.1721
4 Abbildungen zu Anton, Zur Behandlung der Neuritis optica
hoi Turmschädel . 1725
1 Abbildung zu Tegeler, Schussle? letz;.»lg der Aorta mit cinge-
heilter Kugel in der Herzklappe.1740
3 Abbildungen zu Jaks, Die Ilotationsgeburtszangc.1742
1 Abbildung zu Steiner, Eine einfache Vorrichtung zur bequemen
Ausführung von Ueberschichtungsproben.1742
Seit«*
3 Abbildungen zu Fnhry, Ueber die bei Bergleuten in Kohlen¬
bergwerken beobachtete verruköse Form der Hauttuberkulosc 1777
4 Abbildungen zu v. Stubenrauch, Ueber Zystenbildung in ab-
gosehnürten Resten des Wurmfortsatzes.1782
3 Abbildungen zu Lange, Operative Behandlung der Spondylitis 1817
7 Kurventafeln zu Altvater, Ueber klinische Versuche und* Er¬
fahrungen mit Bromglidinc.1838
1 Abbildung zu Pototzky, Die Vibrations-Elektrode.1850
4 Abbildungen zu Sellhcim, Zur Entstehung uml Heilung kom¬
pletter Dammrisse.1886
2 Abbildungen zu v. Lichtenborg, Ueber eine zweckmässige Form
der Behandlung der Kontraktur bei der tuberkulösen 11uft-
golonkscnt/.ündnng.1888
2 Abbildungen zu Fein, Zur Abtragung der Rachenmandel . . . 1895
14 Kurventafeln zu Samajloff und Steshinky, Ueber die Vorhof-
erhebung des Elektrokardiogramms bei Mitralstenose . . . 1942
1 Kurventafel zu Rose, Miliartuberkulose im Wochenbett . . . 1949
4 Abbildungen zu Kaostlo, Ein Beitrag zur Kenntnis der Dermoide
des Mediastinum antieum ..1952
1 Abbildung zu Zenker, Ueber eine neue Nasenschiene .... 1958
5 Abbildungen zu Hcinzmann, Dauerresultate bei Radikaloperation
der Leistenhernien nach Girard.1992
1 Abbildung zu Schümann, Ueber priisenile Gangrän infolge von
Arteriitis obliterans.1994
2 Abbildungen zu Widinor, Neuere Erfolge und Erfahrungen aus
dem Gebiete der Heliotherapie ..2C00
1 Abbildung zu v. Bacyer, Zur Behandlung des Metatarsal-
sehmciv.es . 2002
4 Abbildungen zu Dessauer, Das Klinoskop, ein neuer radfo-
logischer Untcrsiiehungsapparat. 2005
1 Abbildung zu Meyer, Gonorrhöe-Suspensorium mit Tasche . . 2006
2 Kurventafeln zu Saathoff, Tuberkulindiagnostik und Therapie
nebst Stoffwechsel versuchen bei der Tuberkulinreaktion . . 2041
l Kurventafel zu LuHt, Ueber die antiproteolytiscbc Substanz im
Blutserum gesunder und kranker Säuglinge. 2047
3 Abbildungen zu Ziegenspeck, Ein verbessertes seherenfönniges
Perforatori um.•. 2057
1 Abbildung zu Heller und Schultz, Ueber einen Fall hypnotisch
erzeugter Blasenbildung.2112
3 Abbildungen zu May, Ein Fall von diffuser Ocsophngus-
erwoiterung.2113
2 Abbildungen zu Hauptmann, Vikariierende Menstruation in
Form von Lippenblutungen.. . 2114
1 Abbildung zu Müller, Instrument zur Entnahme von Blutproben
für bakteriologische Untersuchungen .... 2115
2 Abbildungen zu Veicl, Der Einfluss der sinusoidalen Vierzellen¬
bäder auf die IIerzarbeit.2155
2 Abbildungen zu Rossbaeh, Ueber einen intraventrikulären Ge¬
hirntumor mit Arcflexio der Kornea.2168
2 Abbildungen zu Bruhii, Vogelschutz in Krankenanstalten . . 2169
1 Abbildung zu Wauer, Assuan, ein idealer Winteraufenthalt,
hauptsächlich für Nierenkranke. 2169
1 Kurventafel zu Sehlayer und Takayasu, Untersuchungen über
die Funktion kranker Nieren . 2201
1 Abbildung zu Brewitt, Zur Frage des Wundschutzes beim extra¬
peritonealen Kaiserschnitt nebst einigen technischen Be¬
merkungen zu dieser Operation. 2218
1 Abbildung zu Andernach, Ein Fall von Hysterie mit Oedöme
bleu und Differenz der Kniephänomene. 2222
8 Abbildungen zu Arndt, Apparat zur selbsttätigen Fixierung und
Einbettung mikroskopischer Präparate. 2226
7 Abbildungen zu Konjetzny, Zur Pathologie und Klinik der er¬
worbenen Wurmfortsatzdivertikel. 2251
12 Kurventafeln zu Hoffmann, Die Arhythmie des Herzens im
Elektrokardiogramm. 2259
l Abbildung und 1 Röntgentafel zu DcsHauer und Wiesner, Ein
neues Röntgenaufnahmeverfahren. 2268
1 Kurventafel zu Herhold, Verschleierung subphrenischer Abszesse
durch sekundär seröse Ergüsse in Bauch- und Brusthöhle 2269
1 Kurventafel zu Jesionek und Meirowsky, Die praktische Be¬
deutung der Wassermann A.-Neisser-Bnieksehen Reaktion 2298
6 Abbildungen zu Hofmann, Rhombus und automatisch wirkende
Extensionsschiene zur Behandlung von Oberarm- und
Schultergürtelbrüehcn. 2373
1 Abbildung zu Zancarini, Zur Behandlung der Obcrschenkelbrüche
hei Neugeborenen. 2874
1 Abbildung zu Blumberg, Exakte Dammnaht ohne Assistenz an
der Wunde .. 2879
3 Abbildungen zu Ilolzknoeht, Die normule Peristaltik des Kolon 2401
3 Abbildungen zu Meyer, Fortschritte im Druckdifferenzvorfahren
für intrathorakalc Operationen.2414
1 Abbildung zu v. Baeycr, Fremdkörper im Organismus. Das
Verhalten von metallisch verbundenen Zink-Kupfcrstückchen
im Gewebe.2416
1 Abbildung zu Noosske, Zur Prophylaxe und Therapie drohender
Fingergangrän bei Rnynaudscher Krankheit.2419
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XCIV
INHALTS-VERZEICHNIS.
1900.
Seite
2 Abbildungen zu Kehr, Zur chirurgischen Behandlung des chro¬
nischen Ikterus .. 2457
2 Abbildungen zu Christen, Frakturbehandlung nach Steinmann
und nach Zuppinger. 2465
1 Abbildung zu Peterson und Scripture, Psychophysische Unter¬
suchungen mit dem Galvanometer. 2476
3 Kurventafeln zu Hering, Ueber das Fehlen der Vorhofzacke
(P) im Elektrokardiogramm beim Irregularis perpetuus . . 2483
2 Abbildungen zu Frühwald, Ueber den Nachweis der Spirochaete
pallida mittels des Tusche Verfahrens . 2523
1 Kurventafel zu Mayer, Akute kryptogenetische Polyarthritis
gonorrhoica. 2526
2 Kurventafeln zu Burk, Schussverletzung der Arteria brachialis.
Resektion und zirkuläre Naht der Arterie. 2528
1 Abbildung zu H^ndenberg, Kombination von Faradisation oder
Galvanisation mit Vibrationsmassage. 2529
8 Abbildungen und 1 Kurventafel zu von Muralt, Die Behand¬
lung schwerer einseitiger Lungentuberkulose mit künstlichem
Pneumothorax. 2561, 2642
Seite
3 Abbildungen zu Schwarz, Ueber Fortschritte in der Dosierung
der Röntgenstrahlen und das einstufige Kalomelradiometer 2578
1 Abbildung zu Frank, Subkutane Verletzung der Vena sub¬
clavia bei Einrichtung einer Klavikularfraktur.25S4
2 Abbildungen zu Neumann, Ein neues Adenotom. 2585
25 Kurventafeln zu Albrecht, Die intravenöse Kollargoltherapie
bei puerperaler Sepsis und anderen septischen Erkrankungen 2621
10 Abbildungen zu v. Prowazek und Yamamoto, Experimentelle
und morphologische Studien über das Vakzinevirus . . . 2627
1 Kurventafel zu Ehlers, Die Segnungen des freien Unzuchts-
gewerbes. 2641
1 Abbildung zu Versö, Fall von kongenitalem Defekt des Herz¬
beutels . 2665
1 Abbildung zu Liepmann, Zur Dyspraxie der Rechtsgelähmten 2667
1 Abbildung zu Heinzmann, Beitrag zur Kasuistik der Sakral¬
tumoren . 2707
1 Abbildung zu Weissbart, Ein Spekulum mit „Fangsieb“ für
Curettagen. 2708
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MÜNCHENER
MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
ORGAN FÜR AMTLICHE UND PRAKTISCHE ÄRZTE.
HERAUSGEGEBEN
VON
O. v. Angerer, Chr. Bäumler, O. v. Bollinger, H. Curschmann, O. Eversbusch, H. Helferich, W.v. Leube,
Mündien. Freiburg i. B. München. Leipzig. München. Eisenach. Würzburg.
G. v. Merkel, J. v. Michel, Fr. Moritz, Fr. v. Müller, F. Penzoldt, B. Spatz, F. v. Winckel.
Nürnberg. Berlin. Strassburg. München. Erlangen. München. München.
REDIGIERT
VON
HOFBAT D* BERNHARD SPATZ
PRAKT. ARZT.
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T. Hälfte (Januar—Juni).
MÜNCHEN
VEBLAG VON J. F. LEHMANN
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1909.
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Die MüucUencr Mciliz. Wochenschrift erscheint wöchentlich im
Umfang von durchschnittlich 6—7 Bogen. * Preis der einzelnen
Nummer aü ~). • i:e 2 ugspreis in Deutschland und Ausland siehe
• • * • unten unter Bezugsbedingungen. • * • •
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Diese Nummer, enthält 86 Seiten Te^t,
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Zusendungen sind zu adressieren f.J’üt di« Redaktion «Arnulf-
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• Inserate und Beilagen an Rudolf J>\pssf ( Pcotftebafltytlta «•«.
Medizinische Wochenschrift.
O.üngeror, Cti.Bäuniier,
München. Frepurg i. B.
No. 1. 5. Januar 1909
ORGAN FÜR AMTLICHE UND PRAKTISCHE ÄRZTE.
kt M „. : Herausgegeben von
v. BtHIiDpsr, H. Curscliinaflfl, H. Mericti, W. v. Leube, ß. v. Merkel, J. v. Michel, P. Peozoldl, H. t. Hanke, 8. Spatz, F.t.Winckel,
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Eisenach. Würzburg. Nürnberg.
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München. München.
4=
Redaktion: Dr. B. Spatz* Arnulfstrasse 26.
Verlag: J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 15 £
\ 56. Jahrgang.
Bezugsbodingtmgen: Die Munclu ner mediz. Wochenschrift kostet im Vierteljahr in Deutschland direkt vom # Verlagf sowie bei allen Posunstalten Amd Buciinandiungen
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, länlen (Frk.\<
Schweiz (Frk. 8.(1
alt:
(Aus der k.
fiiidesaiigelcgenbt&ten Die btellung u.Ho/iopleruug d. Ortsärzte. b. 29.
jeii and Referate i Borst, Festsclirift ftir Georg Eduard v. Rind-
h. Ref.: I’rof. Hauser. S. 29. /
e, Spezielle Diagnose der inneren Krankheiten. Ref.: Dr. Gra^4-
Originalien: Heim, Erschüessui
dem hygienisch-bakteriologisi
Schade, Beiträge zur Koni J
L ü d k e nnd P o1 an o, Uel
zinischen Klinik und aus^__
Wiehern, Ueber \J3euzinvergifii
Leipzig.) S. 11.
Mendel, Die inlravenö^Arsen-TuberkuIinbehandlung. S. 13.
lvrecke, Die chirurgische Behandlung des Morbus Basedovrii. S. 15.
G o c h 1, Die Schädigungen , welche durch Röntgenstrahlen hervorge
werden, ihre Verhütung, Behandlung und forensische Bedeutung. (All
chirurgisch-orthopädischen Privatklinik von Dr. Gocht und Dr. Ehe
in Halle a. S.) :8. 18. t
Hamhurpe r/MJebfcr die Stkjfirea£ti9»- bei der Diagpesb kindlicher Tuber
kulose, fff yf Mr’ 1 ■
Riehl, Mifltro-koptfehe AstltmaBpiralen iin
Polik inik in München.) S.' 2 üJ
Neugebauer, Eine HerziiahtT (Aus^rer chirurgischen^^JrterTang des all-
men Krankenhauses in Mälmafm-Ostrau.) S. 297^“^|
Voigt, Ein Fall von Macie s ut v rr [Aus der Privat-B'rauenklinik Dr. J. Voigt
in Göttingen.) S. 27.
Goldenberg, Uehcr die Fermentbehandlung tuberkulöser Abszesse. (Aus
der chirurgischen Abteilung des Allerheiligenhospitals Breslau.) S. 28.
Schminckc, Das Phonendoskiaskop. (ülustrV 2&
Aerztliche Staiidesangelcgeu^eiten Die Stellung i^Ho/iopferung d. Ortsärzte. S. 29.
Bttoheranzeigcu “ n * A w 1 1 ■£ n ” J ”" fl T3 ’ 1 A
fleisch
▼.Leube. .
mann-München. S. 31. H H H H H H
Reibmayr, Die Entwicklungsgeschichte des Talentes und Genies. Ref.:
Prof. Dr. Bleuler-Burghölzli. S. 31.
K u 11 n e r, Die entzündlichen Nebenhöhlenerkrankungen der Nase im Röntgen-
bild. Ref.: Privatdoz. Dr. Scheibe-München. S. 31.
Lange, Einblicke in die embryonale Anatomie und Entwicklung des Menschen¬
auges. Ref.: Generalarzt Dr. Segge 1-München. S. 31.
Neueste Journalliteratur: Deutsches Archiv für klinische Medizin.
9L Bd.. 3. u. 4. Heft. — Beiträge zur klinischen Chirurgie. 59. Bd., 3. Heft.
Zentralblatt für Gynäkologie. No. 50. — Gynäkologische Rundschau. 23. Heft.
— Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten. 45. Bd., 1. Heft. —
Vierteljahrschrift für gerichtliche Medizin .und öffentliches Sanitäts¬
wesen. 36. Bd., 4. Heft. — Berliner klinische Wochenschrift. No. Cd. —
Deutsche medizinische Wochenschrift. No. 5t u. 62. — Korröspondenzblatt für
Schweizer Aerzte. No.. 23. — Oeslerreichische Literatur. — .Englische
Literatur. — Inauguraldissertationen. 'S. 32. /
Vereins- und Kongressberichto: Gesellschaft fü,r Natur- ui;d Heil-
kundc zu Dresden, 17.Oktober 190&f Dotaonrfrationen. —■ G atl e wsky ,
Ueber die Bedeutung der serotoaricfccn Untersuchungsnurihflfde für die
Pathologie und Therapiri der Syphiffs. S. 42.
Acrztlicher Verein in Frankfurt a. M., 21. Se^emher 1908: Demon¬
strationen. S. 43. . ,
Naturhistorisch-M «fdi z inischerVerei ivku H e l d e 1 b e r g, 3. Nov.
1908: Demonstrationen. — Völcker, Ueber Pyonephrose. S. 43.
Physiologischer Verein in Kiel, 16. Nov. 1908: Heine, Akkommo¬
dation des Schildkrötenaugca. — K ü 1 b 8, Ueber Hautreaktion auf lokale
Reize. S. 45.
Medizinische Gesellschaft zu Magdeburg, 8. Oktober 1908.
Beyer, Ueber Opsonine. — Hancken, Ueber Serodiagnostik d. Lues. S. 45.
A e r z 11 i c h c r V e r eHn M ü n ch e ii,f 14. Oktober 1908: F r e y t a gr ..Ueber
Fortschritte der Aitgculicilkunde inMen letzten 10 Jahren. — Raufkc, Die
Tätigkeit der Mfinchener Ftfrsorgcstellp für Lungenkranke. S. 45*
Münchcner-Gcsedlschaft für Kinderheilkunde,jNovfrnher und
Dezemb. 1908: Trumpp, Erfahrungen mit KlcbrölU»nden*v. Heus-«, ficlpn
entziindongen im Säuglingsalter. — Mennacher, angeborene Defekt
Lageanomalien der Nieren. — Demonstrationen. S. 46.
A er etlicher Verein in Nürnberg, 6. August 1908: Kaspar, Ein
Fan von hypertrophischer Pylorusstenose. — 3. September 1908: Demon¬
ationen. — 17. September 1908: Demonstrationen. — 1. Oktober 1908:
Rad, Myotonie mit sehr ausgedehntem Muskelschwund. — Denionstra-
/
— ^lö. Oktober 19
1 Münch
*rz
r en f-
Tffel, Bemerkuri„'i ii zuin Artikel von
Wochen sehr. No. 38i^s»t9?ßer die Sicherheit
Uiagpiose als Ra§i^Vfi93taler chirurgischer Ein-
des WoöMenhettes. — R e i t z e n s t e i n ,
“■riach den westafrikanischen Inseln. —
Ueber Lysolvergiftti^g. — TT i )| n > iTTTT L i
Veränderungen nach bpuuIVfigiftung. —
haf 1
gr Verein zu Strassburg,
3 in klinischer und forensischer
- Ueber^das Munddach und die
/Jfu hirik e n , 9. Nov.
idlung der
r Ion in Scrniflexion bff lU»il(tj,ent-
'eilbestrebungen in der Behänd
’
haftzuWürzburg,9. Nov. 1908 :
— Faust, Ueber experi-
i derj
Von
ö.f Nov
Ueho^-'i^ä.thologisch-anatomii
Demonstrationen. S. 47,
N a t u r w i s s c n s c h a f 11. - uf c d i z i n i s c h
19. Juni 1908: W o 11 e n bdf g, Das Quej^
Beziehung. — 6. Noveilüfer 1908:.- Fh
Gaumenbildung der aiph®ten Wjrbcltiej
Medizinisch-N a t ur wja s sciiac ‘
1908: Hen'sche n.-“Zur' TKeorie u
Ober- und Unterschenkplbrüche (ExJ
'spannuhg.) — Kola^zek, Nei
eitriger Prozesse. S. 49.
Physikalisch -m.edizin. Gesell
Polano, Ueber Hämolyse der Streptokokken,
mentelle Anämien. S. 50.
AusdcnWienerm<*dizinischenGesollschaften:K. k. Gesellschaft
der Aerzte. S. 51.
Wissenschaft 1. Gesellschaft deutscher Aerzte in Böhmen,
20. November und 4. Dezember 1908. S. 51.
Aus den französischen medizin. Gesellschaften: Acadämie de
mödecine. S. 52.
Aus den italienischen medizin. Gesellschaften. Medizinisch-
chirurgische Akademie zu Neapel. S. 52.
Aus den englischen nyCdizin. Gesellschaften: Royal Society of
Medicinc. Medical Scction. S. 52.
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I. t. Allerer, £h. Stornier, O.T.Bollia}er, D. CDrschmann, H. lelierich, W. ?. Leube,ILr. Merkel, J. r. Hiebei, F.PenzoIdl, B. r. Ranke, B. Spatz, F. r. Riedel,
München. Freiburg u B. München. Leipzig. Eisenach. Würzburg Nürnberg. Berlin Erlangen. München. München. Mönchen.
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
Verlag: J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 15 a.
56. Jahrgang.
No. 1. 5. Januar 1909.
Originalien.
Aus dem hygienisch-bakteriologischen Institut der Universität
N Erlangen.
Erschliessung ergiebiger QueHeirvoirSchutzstofTen.
\ Von L. Heim. I
„Irgendwo müssen sie doch stecken!“ hat sich jeder
gesagt, der Aufschluss haben wollte, woher die im Blute
kreisenden Antikörper stammen, da sie nicht in ihm ent¬
standen sein können. Das taten schon R. Pfeiffer und
Marx (I). Sie haben bei der Cholera und bald darauf hat
A. Wassermann (2) beim Typhus die blutbildenden
Organe, nämlich das Knochenmark, die Miz, sowie das Lymph-
drüsensystem resp. die Thymusdrüse als die Entstehungs¬
orte von spezifisch schutzverleihenden, insbesondere bak¬
teriziden Stoffen ausgegeben. Die von ihm angekündigte Mit¬
telung der gesamten, gemeinschaftlich mit T a k a k i gewon¬
nenen Versuchsergebnisse ist nicht erschienen und n«ur wenige
Untersucher sind jener Frage dann noch nachgegangen. Man
hat ihr wohl nur untergeordnete praktische Bedeutung bei¬
gelegt; bekommt man doch mit dem Blutserum der immuni¬
sierten Tiere spezifische Schutzstoffe verschiedener Art in
grösserer Menge und in einer zur passiven Immunisierung ver¬
wendbaren Flüssigkeit.
Pfeiffer und Marx hatten das Knochenmark, die mesen¬
terialen Lymphdrüsen und die Lungen als mindestens ebenso wirksam
gefunden wie das Blut; die Milz choleraimmuner Tiere erschien sogar
viermal wirksamer als das Serum und achtmal wirksamer als das
Blut und die Schutzstoffe traten in ihr schon zu einer sehr frühen
Zeit nach der Impfung auf, als das Serum noch keine Andeutung
einer spezifischen Veränderung erkennen Hess; wieder andere Organe,
darunter die Muskeln, enthielten erheblich weniger bakterizide
Schutzstoffe als das Blut. Zum Nachweis verrieben sie die Organe
mit Glaspulver in der Reibschale, bis jede Zellstruktur verschwunden
war, stellten mit Bouillon eine Emulsion her, überliessen sie 24 Stun¬
den im Eisschrank der Auslaugung, zentrifugierten dann die körper¬
lichen Teile ab und stellten den Wirkungswert des Extraktes mittels
des bakteriziden Versuches an Meerschweinchen fest.
Deutsch [3] kam mit einem ähnlichen Verfahren zu ähnlichen
Ergebnissen; die lymphoiden Organe schienen ihm wohl in Be¬
ziehung zur Bildung von Schutzstoffen zu stehen, aber welche die
sie bildenden Zellen seien, vermochte er nicht zu erkennen; er ver¬
mutete, dass es Wanderzellen leukozytären Ursprungs wären, die mit
Bakterienprodukten beladen dort die Schutzstoffe bildeten.
Ich habe in neueren Versuchen dargelegt (4), dass man
gegen die Pneumokokkeninfektion bessere Erfolge als mit
Knochenmark oder Serum allein erzielen kann, wenn man den
mit der hydraulischen Presse bei einem Druck von etwa 300
Atmosphären ausgepressten Saft mit dem Blutserum immuni¬
sierter Tiere gemischt vor der Infektion einspritzt. Allein die
Ergebnisse gestalteten sich namentlich bei Einbringung unter
die Haut nicht gleichmässig und oft genug waren Misserfolge
zu verzeichnen. Mannigfache Beobachtungen befestigten
immer mehr meine Ansicht, es müsse lediglich an der unvoll¬
kommenen Aufschliessung liegen, dass die unzweifelhaft im
Organ vorhandenen Schutzstoffe nicht genügend zur Wirkung
gelangten, und ich bin überzeugt, dass dies — wenn man von
den durch unzureichende Immunisierung der organliefernden
Tiere bedingten Mängeln absieht — von allen Versuchen gilt,
die mit zerkleinerten, zerriebenen, ausgelaugten oder aus¬
gepressten Organen angestellt worden sind.
No. 1,
(Nachdruck der Originalartikel ist nicht gestattet.)
51 Tage nachdem Behring seine ersten Heilergebnisse mit
dem Blutserum immunisierter Tiere veröffentlicht hatte, hat Em¬
merich begonnen, von Kaninchen, die mit Schweinerotlaufbazillen
[5] und später von solchen, die mit Pneumokokken [6] längere Zeit
vorbehandelt worden waren, einen Heilsaft zu gewinnen, den er mit
oder ohne Blut von geschützten Tieren zur gleichzeitigen oder nach-
herigen Heilbehandlung infizierter Tiere nicht ohne Erfolg verwendete.
Der Heilsaft wurde in der Weise bereitet, dass das Fleisch und die
Organe nach Zerstückelung in der Fleischhackmaschine bei einem
Druck von 3—400 Atmosphären ausgepresst, die blutigen Flüssig¬
keiten 12 Stunden im Eisschrank gehalten und durch ein sterilisiertes
Chamberlandsches Filter filtriert wurden. Das schwach röt¬
lich gefärbte, völlig klare Filtrat wurde in einem sterilisierten Kölb¬
chen aufgefangen und bis zum Gebrauch im Eisschrank aufbewahrt.
Besonderes Gewicht legte Emmerich auf die Fernhaltung jeder
Verunreinigung, selbst von der Appretur des Presstuches fürchtete
er, sie könnte den Gewebssaft unwirksam machen; durch be¬
ginnende, resp. kurzdauernde Fäulnis wird nach
Emmerichs Ansicht die Heilwirkung des Gewcbs-
saftes vollkommen zerstört. Was im besonderen die Ver¬
suche mit Pneumokokkentieren betrifft, so wurden von 9 infizierten
weissen Mäusen 8 gerettet; sie waren nach der Infektion zweimal
mit zusammen 2,5—4 ccm Heilsaft behandelt worden, nur 1 starb,
die 5 Stunden nach der Infektion bloss einmal 2 ccm eines bereits
trüb (nicht bakterientrüb) gewordenen üewebssaftes bekommen
hatte. Bei Kaninchen waren, wie zu erwarten, viel grössere Gaben
erforderlich. Von 4 Tieren, über die Näheres berichtet ist. kam nur
1 durch, das am meisten, nämlich 28 ccm, Gewebssaft erhalten hatte.
Obwohl Emmerich weitere Versuche, namentlich am Menschen
in Aussicht stellte, hat nichts mehr verlautet. Auch von anderer
Seite ist die Extrakttherapie wohl versucht, aber nicht verfolgt
worden. G. und F. Klemperer [7] haben nur 2 Kaninchen mit
einem ähnlich bereiteten Gewebssaft behandelt und l verlöten, und
Foä [8] kam „aus systematisch durchgeführten Untersuchungen
über die Wirkung der Extrakte von Organen immuner Kaninchen zu
dem Schlüsse, dass kein Organ mehr schützendes oder therapeu¬
tisches Vermögen besitze als das andere, und dass alle Organe zu-
sammengenommen das Blutserum nicht an Wirkung übertreffen“.
Einiges Interesse hat das Jezsche Antityphusextrakt |9, ll)|
wachgerufen, das aus Thymusdrüse, Milz, Knochenmark, Gehirn und
Rückenmark immunisierter Tiere durch Verreibung mit einer Lösung
aus Kochsalz, Alkohol, Glyzerin und etwas Karbol gewonnen wurde:
später wurde noch etwas Pepsin zugegeben, das sich sehr wirksam
erwies, die ganze Masse 24 Stunden auf Eis stehen gelassen und
sorgfältig filtriert. Dieses Extrakt, dessen Herstellung in der Folge
hinsichtlich der Filtrierung etwas vereinfacht wurde, war eine mehr
oder weniger rote, helle, klare, alkalisch reagierende Flüssigkeit,
kam beim Menschen fast ausnahmslos per os zur Anwendung, wurde
im Schweizer Serum- und Impfinstitut in Bern dargestellt und ist
verschiedentlich auf seine praktische Verwendbarkeit geprüft wor¬
den, hat sich aber nicht einzuführen vermocht.
S. Mallannah [11] endlich nahm von pestimmunisierten, mit
Chloroform getöteten Kaninchen Leber, Milz, Lymphdrüsen und
Nebennieren, verrieb sie aseptisch, trocknete sie in dünner Schicht
über Schwefelsäure bei 47° 3—6 Tage lang, zerrieb sie dann im
Mörser, injizierte von dem in warmem, sterilem Wasser aufge¬
schwemmten Pulver 0,1—0,25 g und will damit 50 Proz. und mehr
Heilungen bei pestinfizierten Tieren erzielt haben.
Ich bin nun, um Schutzstoffe aus den Organen heraus-
zubekommen, zunächst so vorgegangen, wie Weichardt (12)
zu tun pflegt, um sein Antikenotoxin aus dem z. B. mit Natron¬
lauge und Wasserstoffsuperoxyd bei Siedehitze behandelten
Eiweiss zu gewinnen. Zu dem Ende wurde der mit der
hydraulischen Presse nach dem E. Büchner sehen Ver¬
fahren hergestellte Prcssaft aus Muskeln und Organen von
Kaninchen, die gegen Pneumokokken immunisiert
worden waren, mit Azetonäther und danach mit reinem Azeton
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No. 1.
verjagt und das wässerige Extrakt
des Azetonrückstandes, jedoch ohne es der ferneren Behand¬
lung nach Weichardt unterworfen zu haben, unmittelbar,
lediglich um einen orientierenden Einblick zu bekommen, auf
seine Fähigkeit, passive Immunität zu erzeugen, geprüft. Das
Ergebnis war aber so eindeutig negativ, dass es sich nicht ver¬
lohnte, den Rückstand weiter zu verarbeiten und etwa noch
mittels der Dialyse zu versuchen, wirksame Stoffe zu erhalten.
Der Umstand, dass durch das nachher zu beschreibende Ver¬
fahren Antistoffe nachzuweisen waren, lässt erkennen, dass
sich die spezifischen Antistoffe auch in jener Beziehung von dem
Antikenotoxin unterscheiden. Ihre Verschiedenheit hät
Weichardt stets betont und ausserdem wiederholt darauf
hingewiesen, dass beide Dinge, spezifische Komponenten und
Antikenotoxin neben einander in einem Serum vorhanden sein
können.
Ueberlegte man die Verhältnisse nach welcher Richtung
immer, stets trat die Folgerung mit zwingender Notwendigkeit
heran, dass die Quelle der im Serum kreisenden Schutzstoffe
in irgend welchen Organen gelegen sein müsse, und dass nur
die bisherigen Verfahren zu ihrer Erschliessung unzureichend
gewesen sind. Demgemäss musste man danach streben, die
Schutzstoffe von den sie einschliessenden Fetten und Eiweissen
möglichst zu befreien.
Das Fett war bereits durch die Ausschüttelung mit
Azetonäther und Azeton beseitigt, es handelte sich nur noch
darum, aus der nach der Trocknung zurückbleibenden !
krümeligen, pulverigen Masse, so gut es gehen wollte, das
E i w e i s s wegzuschaffen. Da durch die verschiedenen
Fällungsverfahren die Antikörper bekanntlich zum grösseren i
Teil mitgerissen werden und die Anwendung einigermassen
hoher Wärmegrade oder von Chemikalien, wie Kalilauge
u. dergl. ausgeschlossen war, blieb als allein aussichtsvoll nur
die Zerlegung des Eiweisses durch Fermen¬
tation übrig. Bei den vorhandenen Mengen von Gewebs-
bestandteilen erschien die Verdauung mit Pepsin in saurer und
Pankreatin in alkalischer Lösung, die übrigens nachher eben¬
falls herangezogen wurde, und deren Erfolge später mitgeteilt
werden sollen, zunächst zu langwierig, dagegen lag bereits
aus den ersten Untersuchungen über das Tetanusantitoxin ein
Fingerzeig vor, indem Behring [13] erwähnt hat, dass es
sogar in faulendem Blutserum noch erhalten bleibt. Es war
demnach wahrscheinlich, dass, wenn man eiweissauflösende
Bakterien auf eine Aufschwemmung des entwässerten und ent¬
fetteten Pressaftes wirken liesse, fäulnisbeständige Schutz¬
stoffe frei werden würden. Da die also behandelten Flüssig¬
keiten für die Vorbehandlung von. Tieren bestimmt waren,
mussten Krankheitserreger vermieden werden, freilich war
dann noch mit den von den Bakterien gelieferten und den bei
der Eiweissspaltung entstehenden giftigen Stoffen zu rechnen,
und es sei gleich vorweggenommen, dass Giftwirkungen nicht
ausgeblieben sind, aber je nach der Art der Fermentation und
der Konzentration der Flüssigkeit verschieden heftig waren.
Im Tierversuch hinderten sie nicht wesentlich, da die
schützende Gabe vielfach unter der tödlichen lag.
Die bakterielle Seite der Frage wird noch weiter zu be¬
arbeiten sein; über meine Beobachtungen wird an« anderer
Stelle berichtet werden, hier nur so viel, dass man unter allen
Umständen auf die Tätigkeit anaerobiotischer Bakterien an¬
gewiesen ist. Unter ihrer Wirkung werden so reichlich Schutz¬
stoffe in Freiheit gesetzt, dass die bisherigen Erfolge der Ver¬
suche, Schutzstoffe aus den Geweben zu gewinnen, tief in den
Schatten gestellt werden.
Wenn die Tiere hinreichend immunisiert gewesen sind und
die Fermentation genügend lange Zeit, die sich von vorn¬
herein nicht genau bestimmen lässt, gewirkt hat, bekommt man
Flüssigkeiten mit grösserem oder geringerem Gehalt an
Schutzstoffen. Nachstehend einige Proben, die nach ver¬
schiedenen Richtungen Auskunft geben: Die Schutzflüssig¬
keiten waren aus einem Gemisch von entfettetem und getrock¬
netem Pressaft aus Muskeln und Organen des Kaninchens 18
zu zwei verschiedenen Zeiten hergestellt und mit 87 und 114
benannt (derartige Zahlen beziehen sich auf die Seiten meiner
Aufzeichnungen, sie sind nicht laufende Nummern von Prä¬
paraten). Die Infektion der vorbehandelten und Kontrollmäuse
hatte mit l:10 3 -Oese Mausblut stattgefunden; die beiden
Kontrollmäuse starben in VA Tagen.
Schutzstoff: Serum
Tod in:
Schutzstoff
fermentiert
Tod in:
0,2 von Kaninchen 18
4 l l* Tagen
0,2 von 114
2 Tage
l\/ 2 Tg.
0,2 „ * 20
4 l l* *
0,2 „
114
4 „
3 1 /* „
0,2 „ * 21
3
0,2 „
114
9 „
7 1 /« „
0,2 Merck: 2 Mäuse
leben.
0,25 „
87
4 „
lebt.
Daraus ist zu
erkennen,
dass
die
Fermentation bald
rascher, bald langsamer zum'Ziele führt, einmal hatte schon
4 tägige Fermentation ein Produkt mit lebensrettender Wirkung
geliefert, ein andermal noch nicht die 9tägige; hier tritt aber
deutlich zu Tage, wie die Wirksamkeit der Flüssigkeit 114 mit
zunehmender Fermentationsdauer gestiegen ist. In späteren
Versuchen ergab sich, dass man die Fermentation 3 Wochen
bezw. so lange fortführen darf, bis fast kein gröberer Boden¬
satz mehr vorhanden ist; dadurch kann eine besser, schon in
der Dosis von 0,1 ccm lebensrettend wirkende Flüssigkeit
erhalten werden.
Das Präparat 87 hatte ungefähr die Wirkung des damaligen
M e r ck sehen Serums (0,1 desselben hatte die Maus noch nicht
zu retten vermocht); es übertraf dagegen den Schutzwert des
Serums des gleichen Kaninchens und auch zweier anderer,
woraus zu schliessen ist, dass das Kaninchen 18, von dem das
Präparat stammte, nicht so hoch immunisiert war, wie das
Merck sehe Serum liefernde Tier. Trotzdem waren aus den
Geweben noch genügend Schutzstoffe zu gewinnen gewesen.
Wäre die Dosis von 114 grösser genommen worden, so
hätte sich wahrscheinlich ein besserer Erfolg ergeben. In
ähnlichen späteren Versuchen hat sich diese Vermutung be¬
stätigt. Bei nicht völlig aufgeschlossenen Schutzstoffen liess
sich durch Steigerung auf 0,4 bis 0,6 ccm dann lebensrettende
Wirkung erzielen.
Wenn auch solche Mengen ein Präparat für die Behandlung
eines grösseren Organismus noch nicht geeignet erscheinen
lassen, so hat sich doch vorläufig gezeigt, dass man mit dem
Verfahren auf dem richtigen Wege ist. Zunächst war zu er¬
mitteln, ob die Herstellung der schutzstoffhaltigen Flüssig¬
keiten nicht vereinfacht werden könne. Die ausschliessliche
Verwendung von Pressäften war zu unwirtschaftlich; es
mussten auch die ausgepressten Gewebsrückstände auf ihren
Gehalt an Schutzstoffen geprüft werden. Darum wurde der
Inhalt der Pressbeutel in einer Fleischhackmaschine zerwirkt
und in einem Mörser zerkleinert. Das viel Sand und Kieselgur
enthaltende Pulver zeigte, nachdem es der Fermentation unter¬
worfen worden war, einen hohen Gehalt an Schutzstoffen und,
wenn man die vielen anorganischen Beimengungen in Betracht
zog, einen den Pressäften gegenüber höheren, ein Beweis
dafür, dass die sehr reichlich in den Geweben enthaltenen
Schutzstoffe nur zum Teil in den Pressaft übergehen.
Während bei den ersten Versuchen Muskeln zusammen
mit den verschiedenen inneren Organen (Lungen, Leber, Milz,
Nieren, Knochenmark, Gehirn und Rückenmark) fermentiert
worden waren, geschah das in der Folge zumeist getrennt.
Schutzstoffe fanden sich hier wie dort, ohne dass sich ein
Unterschied in der Reichlichkeit deutlich erkennen liess. Da
die Muskeln eine einheitlichere Substanz darstellen als die
inneren Organe mit ihren verschiedenen Zellkomplexen und
Enzymen, wurden hauptsächlich jene genommen. Bei den
inneren Organen wäre ferner noch festzustellen gewesen, ob
wohl bestimmte und welche durch einen geringeren oder
höheren Gehalt an Schutzstoffen sich auszeichneten. Der neu
herantretenden Fragen waren aber zu viele, um von einem
einzelnen Untersucher in einem Zuge bewältigt werden zu
können. Zuvörderst galt es, die grundlegenden Tatsachen
sicher zu stellen. Eine der Hauptschwierigkeiten lag darin,
Aufschluss zu gewinnen, unter welchen Umständen die Fer¬
mentation in wünschenswerter Weise vor sich geht und wann
Schutzstoffe in genügender Menge frei gemacht sind. Bald
traf man die Dosis zu hoch (die Schutzstoffe hatten bakteriziden
Charakter), bald zu niedrig, und zu einer genauen Austitrierun?
der allmählich immer zahlreicher werdenden Proben wären
wesentlich mehr Tiere und Hilfskräfte erforderlich gewesen.
Doch glückte es in den verschiedenen Versuchsreihen stets,
einige der fermentierten Präparate so richtig zu dosieren, dass
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5. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
3
die mit ihnen vorbehandelten Mäuse die Infektion überstanden.
Wenn nachher mit dem gleichen Präparat in derselben Dosis
der Versuch wiederholt wurde, konnte man auf sicheren Er¬
folg rechnen, falls inzwischen nicht zu lange Zeit verflossen
war. Es stellte sich nämlich heraus, dass im Verlaufe von
Wochen und Monaten eine Minderung der Schutzkraft eintrat,
die dann durch Steigerung der Dosis ausgeglichen werden
musste. Dies gelang so lange, als die Abnahme nicht zu weit
vorgeschritten war, und das war namentlich der Fall, wenn
(trotz des Zusatzes eines Antiseptikums) nachträglich Bak¬
terienentwicklung in der klaren Flüssigkeit eingesetzt hatte,
es kam aber auch vor, wenn das antiseptische Mittel reichlich
genug genommen worden war; die in der Flüssigkeit vor¬
handenen Enzyme schädigten offenbar mit der Zeit die Schutz¬
stoffe.
Nachdem sich gezeigt hatte, dass der Pressrückstand nicht
minder reichliche Schutzstoffe lieferte als der Pressaft, war zu
erwarten, dass man die Auspressung umgehen könne, was schon
darum wünschenswert erschien, weil sich bei den mancherlei
Handgriffen mehr bakterielle Verunreinigungen einschleichen
konnten. Fleisch und Organe wurden nach Beseitigung des
Wassers und Fettes zerkleinert und dann der Fermentation
unterworfen. Die Zerkleinerung erfolgte in Kugelmühlen, aus
denen nach mehreren Tagen ein feines Pulver erhalten wurde.
Dieses wurde dann wie gewöhnlich etwa im Verhältnisse von
1:10 mit Wasser aufgeschwemmt, mit etwas Bouillon oder
Peptonwasser versetzt und der Fermentation durch Anaerobier
im Brutschrank unterworfen. Das Gleiche geschah auch mit
den Pressrückständen früherer Verarbeitung. In jedem Falle
Hessen sich lebensrettende Präparate gewinnen, wie der nach¬
folgende Versuch an zwei Beispielen zeigt. Das verwendete
Präparat 144 stammte von dem 10 Tage zermahlenen Muskel¬
pressrückstand des Kaninchens 24, No. 203 bestand aus nicht
ausgepressten, sondern lediglich entfetteten und getrockneten
Muskeln (10 g) und Organen (1,12 g) von Kaninchen 22. Beide
Präparate waren 5 Tage fermentiert, dann durch Papier und
Asbest filtriert und mit etwas Phenol versetzt worden. Im
Versuch vom 10. August starb die Kontrollmaus in 51 Stunden
(Dosis 1:10 3 -Oese Herzblut mit 3,8 Kokken im Mf. [4]), im Ver¬
such vom 1. September erst zwischen 86 und 95 Stunden
(Dosis und Kokkenzahl die gleiche; die blutliefernde Maus hatte
über Nacht liegen bleiben müssen):
10. August 0,25 von 144; 2 Mäuse: a) bleibt am Leben, b) stirbt
erst nach V/z Tagen.
1. September 0,3 von 144; 2 Mäuse: a) stirbt am 29. Tag
ohne Kokken, b) stirbt in 14 Tagen; hat in 20 Gesichtsfeldern zu¬
sammen 6 Kokken.
0,5 von 144; 2 Mäuse: bleiben beide am Leben.
0,3 von 203: Die Maus stirbt in 8Vs—9 Tagen mit 2,2 Kokken
im Mf.
0,4 von 203: Die Maus bleibt am Leben.
Die zur Verwendung bestimmte Flüssigkeit gibt, wenn die
Fermentation genügend vor sich gegangen und zur Auf¬
schwemmung nicht zu viel Pepton zugesetzt worden ist, die
Biuretreaktion nur in geringem Grade, ja selbst nur andeutungs¬
weise. Dann wird sie filtriert. Schon durch ein einfaches
Faltenfilter erhält man infolge der schleimigen Beschaffenheit
des Bodensatzes, der die Poren bald verlegt, ein klares wein¬
gelbes oder braunes Filtrat. Allenfallsige Trübungen lassen
sich ohne wesentliche Schädigung der Schutzkörper mit wenig
Alaun (0,2: 100) leicht wegbringen. Zur Beseitigung aller
Keime nahm ich mein bakterienzurückhaltendes Filter aus As¬
best (14). Nachträgliche Entwicklung von Kleinwesen wird
durch ein Antiseptikum, wie Phenol, vermieden; leider ver¬
tragen Mäuse die Einspritzung von 0,5 proz. Lösungen schlecht,
man muss also weniger Phenol zusetzen.
Stellt sich der Gehalt an Schutzstoffen als zu gering heraus,
dann kann man die Flüssigkeit im Vakuum oder in einem Ver¬
dampfungsapparat einengen. Auf diese Weise gelang es z. B.
ein Präparat, das erst in der Gabe von 0,6 ccm lebensrettend
wirkte, schon in einer Menge von 0,1 ccm wirksam zu machen.
Bei der Verdampfung fällt ein Bodensatz aus, der wesentlich
giftiger als die überstehende Flüssigkeit ist; entnimmt man
dann nur von oben, so lassen sich die heftigen toxischen Er¬
scheinungen zum Teil vermeiden. Es müssen aber noch Mittel
und Wege gefunden werden, die Giftstoffe, die teils Abbau¬
produkte des Eiweisses, teils Bakterientoxine sein können,
möglichst zu verhüten oder zu neutralisieren und wegzu¬
schaffen, und ich hoffe, dass dies bis zu einem wünschens¬
werten Grade gelingen wird. Die Fermentation ist zur Ge¬
winnung von Schutzstoffen aus den Geweben keinesfalls zu
umgehen. Selbst sehr fein gepulverte Gewebe, die 2, 4 und
10 Tage in der Kugelmühle zermahlen worden waren, Hessen,
in Aufschwemmungen unter die Haut gegeben, keine Schutz¬
wirkung erkennen.
Aus meinen Untersuchungen geht mit Sicherheit hervor,
dass die Gewebe der gegen Pneumonie immunisierten Tiere
reich an Schutzstoffen sind. Während man seit 10 Jahren mit
A. Wassermann annahm, dass sich die Immunitätsreaktion
in einem Organ, nämlich im Knochenmark, vielleicht höch¬
stens noch in anderen blutbildenden Organen abspiele, obwohl
die Kokken in alle Organe hineingingen, ist nunmehr erwiesen,
dass verschiedene und ausgedehnte Zollgebiete des immuni¬
sierten Körpers schutzstoffhaltig sind, insbesondere war es
wichtig, zu erfahren, dass die Muskulatur reich¬
lich Schutzstoffe enthält, also wahrscheinlich auch
bildet. Es liegt nahe, manche klinische Erscheinungen damit
in Zusammenhang zu bringen. Wie viel Schutzstoffe hat man
nicht bisher achtlos und ungenutzt fortgeworfen, wenn man ein
entblutetes oder spontan gestorbenes Immuntier beseitigte!
Es lohnt sich, diesen Quellen fortan nachzugehen, denn die
durch die Fermentation gewissermassen herausgeschälten und
in Freiheit gesetzten Schutzstoffe können ihre Wirkung sicher
und u «verschleiert entfalten. Wenn auch die erwähnten Er¬
zeugnisse der Fermentation dabei noch stören, hat man doch
schon jetzt aussichtsvolle Ergebnisse; die Folge wird lehren,
ob man die Serotherapie durch die Extrakte aus Zellen,
sagen wir kurz mittels einer Z y t o t h e r a p i e, wird er¬
gänzen und vervollkommnen können und welche Anwendungs¬
gebiete für sie und für eine Zytoserotherapie auch bei
anderen Infektionskrankheiten in Betracht kommen werden.
Literatur.
1. R. Pfeiffer und Marx: Die Bildungsstätte der Choleraschutz¬
stoffe. Zeitschr. f. Hygiene, Bd. 27, S. 272. — 2. A. Wassermann:
Weitere Mitteilungen über „Seitenkettenimmunität“. Berliner klin.
Wochenschrift 1898, No. 10, S. 209. — 3. L. Deutsch: Contribution
ä l’Stude de l’origine des anticorps typhiques. Annales de l’Institut
Pasteur 1899, Bd. 13, S. 689. — 4. L. Heim: Zytoseroprophylaxe
und Pneumonieinfektion. Münch, med. Wochenschr., 1908, No. 38,
S. 1995. — 5. R. Emmerich und O. Mastbaum: Die Ursache der
Immunität, die Heilung von Infektionskrankheiten, speziell des Rot¬
laufs der Schweine und ein neues Schutzvei fahren gegen diese
Krankheit. Archiv f. Hygiene, Bd. 12, S. 275. — 6. R. Emmerich
und A. F o w i t z k y: Die künstliche Erzeugung von Immunität gegen
kruppöse Pneumonie und die Heilung dieser Krankheit. Münch, med.
Wochenschr., 1891, No. 32, S. 554. — 7. G. Klemperer und F.
Klemperer: Versuche über Immunisierung und Heilung bei der
Pneumonieinfektion. Berl. klin. Wochenschr., 1891, No. 35, S. 871.
— 8. Pio Foä: Ueber die Infektion durch den Diplococcus lan-
ceolatus. Zeitschr. f. Hygiene. 1893, Bd. 15, S. 396. — 9. V. Jez:
Ueber Typhusbehandlung (Abdominaltyphus) mit einem Antityphus¬
extrakt. Wiener med. Wochenschr., 1899, No. 8, S. 345. — 10. V.
Jez und F. Kluk-Kluczycki: Zur Therapie des Abdominal¬
typhus mit J e z’ „Antityphusextrakt“. Wiener klin. Wochenschr.,
1901, No. 4, S. 84. — 11. S. Mall an nah: The glandular extract
from immunised animals as a curative agent in plague. The Lancet,
1907, Bd. 1, S. 222 (ref. Münch, med. Wochenschr., 1907, No. 14, S. 688).
— 12. W. Weichardt: Weitere Studien mit dem Eiweissabspal¬
tungsantigen von Ermüdungstoxincharakter (Kenotoxin) und seinem
Antikörper. Aktivierung protoplasmatischer Substanz. Münch, med.
Wochenschr., 1907, No. 39, S. 1914. — 13. Behring: Das Tetanus¬
heilserum und die Bestimmung seines Heilw r ertes. Die Blutserum¬
therapie, 1892, II, S. 13. — 14. L. Heim: Ueber Asbestfilter. Zen¬
tralblatt f. Baktcriol. Beilage zu Abteilung I, Bd. 38, Referate, S. 52.
Beiträge zur Konkrementbitdung.
Von Privatdozent Dr. H. Schade in Kiel.
I.
Zur Entstehung der Harnsteine/)
Die näheren Bedingungen, unter denen es in den Harn¬
wegen zur Steinbildung kommt, sind bekanntlich trotz der
*) Vorgetragen und demonstriert im physiologischen Verein zu
Kiel.
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No. I.
4
schönen und wichtigen Arbeiten von Ebstein 1 ), von
Ebstein und N i k o 1 a i e r -), von Moritz 3 ), von E.
Pfeiffer 4 ) und anderen noch nicht geklärt. 5 ) Nach der
negativen Seite hin muss es als das wichtigste Ergebnis der
zahlreichen bisherigen Untersuchungen in dieser Frage be¬
zeichnet werden, dass in dem Vorgang des Ausfallens der
Harnsalze aus ihrer wässerigen Lösung an sich noch keine
Erklärung für die Eigenarten des Steinbildungsprozesses ge¬
geben ist. Denn wie namentlich durch die Arbeiten von
Ebstein nachgewiesen wurde, ist der Harnstein nicht etwa
ein einfaches Konglomerat von Kristallen, sondern er besitzt
— als ein Produkt der pathologischen Prozesse in Nieren oder
Harnwegen — ein organisches Gerüst eigenartiger Struktur,
welches von den kristallinischen Steinbildnern durchsetzt ist.
Welche besondere Bedingungen nun erfüllt sein müssen, um
einem entstehenden Harnsediment die Veranlassung zu geben,
sich zu jenem bekannten konzentrisch geschichteten, von
organischer Grundsubstanz durchsetzten Gebilde des „Harn¬
steins“ zusammenzulegen, darüber haben uns die Unter¬
suchungen noch keinen befriedigenden Aufschluss liefern
können. Fast alle bisherigen Bearbeitungen dieser Frage ent¬
halten aber die — zumeist stillschweigende — Voraussetzung,
dass im Harn die gelösten Bestandteile als in einfacher wässe¬
riger Lösung befindlich zu betrachten sind. Diese Auffassung
ist indes nach dem heutigen Stande der physikalischen Chemie
zweifellos nicht zureichend. Denn der Harn enthält, zumal
unter pathologischen Umständen, neben den Salzen stets mehr
oder weniger Kolloide (z. B. Urochrom, Schleim, Eiweiss usw.);
er ist keine einfache wässerige Lösung, vielmehr eine Mischung
von kristalloid gelösten und kolloidal suspendierten Bestand¬
teilen.
Diese Beschaffenheit des Harns bedingt aber mit Not¬
wendigkeit wesentliche Abweichungen in den Erscheinungen
der Ausfällung gegenüber den gleichen Vorgängen in der
wässerigen Lösung. Es wird daher nötig sein, diese Besonder¬
heiten beim Studium des Steinbildungsprozesses zu berück¬
sichtigen.
Der ständige Fluss, in dem die Entwicklung des rasch auf¬
blühenden Gebietes der Kolloidforschung sich zur Zeit noch be¬
findet, macht es unmöglich, in der Kürze eine volle Defi-
nierung 6 ) des Begriffes Kolloid den weiteren Ausführungen
vorauszuschicken. Es sei hier nur zur Charakterisierung dieser
Gruppe von Substanzen auf einige der in unserem Zusammen¬
hang wichtigsten Eigenschaften hingewiesen. Ausgesprochene
Kolloide wie z. B. Kieselsäure, Gummi arabicum, Eiweiss,
Schleimstoffe u. a. sind oft derart im Wasser „gelöst“, dass die
einfache Betrachtung keinen Unterschied gegenüber einer
wahren Lösung erkennen lässt. Und doch fehlt diesen „Pseu¬
dolösungen“ so gut wie völlig das fundamentale Merkmal des
osmotischen Druckes, und damit zusammenhängend die Fähig¬
keit, durch semipermeable Membranen zu dialysieren. Ferner
zeigt das Ultramikroskop in ihnen das Vorhandensein zahl¬
loser optisch-inhomogener Teilchen. Schon dies lässt er¬
kennen, dass die Kolloide mit dem „Lösungsmittel“ kein ein¬
heitliches Ganze bilden.
Eine kolloidale Lösung stellt ein zweiphasiges System
dar: eine flüssige Phase, in welcher als zweite Phase das
Kolloid, sei es nun in Tröpfchenform oder in festen Partikelchen,
suspendiert ist. Diese feinste Verteilung bringt eine enorme
Oberflächenentfaltung des kolloidalen Stoffes mit sich. Damit
ist weiterhin die Bedingung gegeben für das Zustandekommen
starker Oberflächenwirkungen. Ganz besonders ist es not-
*) Verhandl. d. Kongresses f. innere Medizin 1883, p. 175, und
ferner W. Ebstein: Die Natur und Behandlung der Harnsteine.
Wiesbaden 1884.
*) W. Ebstein und A. N i c o 1 a i e r: Ueber die experimentelle
Erzeugung von Harnsteinen. Wiesbaden 1891.
3 ) Verhandl. d. Kongresses f. innere Medizin 1896. p. 33.
4 ) Verhandl. d. Kongresses f. innere Medizin 1886, pag. 444.
5 ) Vergl. z. B. Krehl: Pathologische Physiologie, II. Aufl., 1904,
p. 526, oder H. Kümmell: Zeitschr. f. Urologie, II. Bd., 195 (1908).
6 ) Zwecks genauerer Begriffsbestimmung sei u. a. verwiesen
auf A. Müller: Allg. Chemie der Kolloide (Bredigs Handbuch der
angewandten physikalischen Chemie. Bd. 8) und auf Hob er: Physi¬
kalische Chemie der Zelle und der Gewebe, 1906, pag. 197—257.
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wendig, in derartigen kolloidalen Lösungen die adsorptiven
Kräfte 7 ) zu berücksichtigen, zumal dann, wenn neben dem
Kolloid in dem Lösungsmittel noch weitere Substanzen gelöst
enthalten sind.
Fraglos stellt nun der Harn eine solche komplizierte
Mischung von Wasser, Kolloiden [u. a. Urochrom 8 ), Schleim,
ev. Eiweiss usw.] und Salzen dar. Schematisch lassen sich die
Verhältnisse am besten veranschaulichen, wenn man den Harn
als eine Salzlösung betrachtet, welche dadurch modifiziert ist,
dass sie sich in den Zwischenräumen eines mehr oder weniger
zusammenhängenden Gerüstes einer stark verdünnten Gallerte
befindet.
In jedem derartigen zweiphasigen System müssen« sich
unter dem Einfluss der Adsorption charakteristische Schie¬
bungen in den Konzentrationsverhältnissen ausbilden. Ein Teil
der im Wasser gelösten Stoffe wird von der Oberfläche der
kolloiden Phase adsorbiert und dort in erhöhter Konzentration
festgehalten; das Kolloid belädt sich so mit Substanz aus der
Lösung, indem es dadurch gleichzeitig dessen Sättigungsgrad
an gelöster Substanz verringert. Für gut adsorbierbare Stoffe
wird sich daher im allgemeinen durch die Anwesenheit von
leidlich stabilen Kolloiden die Löslichkeitsgrenze merklich nach
oben hin verschoben zeigen müssen.
Betreffs der Harnsäure im Harn ist diese Erscheinung als
„auffallend erhöhtes Lösungsvermögen“ bereits seit langem
beobachtet. Man hatte vielfach nach einer Erklärung gesucht.
Erst G. Klemperer 8 ) und später Determeyer 9 ) konnten
zeigen, dass der Gehalt an kolloiden Substanzen, speziell an
Urochrom es war, der dem Harn im Vergleich zum reinen
Wasser das überlegene Lösevermögen für die — verhältnis¬
mässig gut adsorbierbare — Harnsäure verlieh.
Diese durch Adsorption zustande hommende relative Kon¬
zentrationserhöhung an der Grenzfläche der kolloidalen Phase
muss auch auf die Ausfällungserscheinungen der kristalloid ge¬
lösten Stoffe modifizierend einwirken; denn in einer ungleich-
rnässig konzentrierten Salzlösung wird bei weiterer Steigerung
der Konzentration dort die Ausfällung einsetzen, wo das Maxi¬
mum der Konzentration vorhanden war. In einem zwei¬
phasigen kolloidalen System ist dieser Ort die Grenzfläche der
in der Flüssigkeit suspendierten Kolloidpartikelchen. Die
kristalloids Substanz muss sich daher am Kolloid nieder-
schlagen und dieses beim etwaigen späteren Sedimentieren in
mehr oder weniger inniger Verbindung mit sich niederreissen.
Bei der Instabilität der Kolloide wird aber mit diesem Vorgang
zumeist ein zweiter konkurrieren. Bei einem gewissen Grade
der Beladung des Kolloids mit adsorbierbarer Substanz pflegt
die Grenze der Haltbarkeit der Suspension überschritten zu
werden und das Kolloid beginnt auszuflocken, indem es seiner¬
seits die adsorbierten Kristalloide mitnimmt und sie infolge der
bei der Ausflockung eintretenden Oberflächenverkleinerung auf
einen ungleich engeren Raum zusammenführt. Auch von diesen
Wechselwirkungen, sei es nun in dem einen oder dem anderen
Sinne, geben die Sedimente des Harns Zeugnis. Dies zeigt
die schon erwähnte Tatsache, dass jedem aus dem Harn aus¬
fallenden Konkrement (Ebstein), ja jedem sich absetzenden
Einzelkristall (Moritz), ein Gerüst von „organischer“, d. h.
kolloidal gelöst gewesener Substanz eigentümlich ist.
Ausser diesen allgemeinen Gründen scheint mir besonders
die auffällige Schwerlöslichkeit der einmal entstandenen Harn¬
steine auf eine entscheidende Rolle der Harnkolloide bei der
Genese dieser Gebilde zu verweisen. Der Vorgang der ein¬
fachen Kristallbildung aus einer Lösung ist ohne Ausnahme
stets reversibel, d. h. der Kristall, erhält sich nur in einer
mit dem betreffenden Salz gesättigten Lösung und beginnt, so¬
bald die den Kristall umspülende Lösung durch eine unge¬
sättigte ersetzt wird, mit einer für die jeweilige Substanz
7 ) Zur näheren Orientierung sei hier u. a. auf H. Freundlich:
Ueber die Adsorption in Lösungen, Habilitationsschrift, Leipzig 1906
und auf Bredigs Handbuch der angewandten physikalischen Chemie,
Bd. 7 (A. Müller) pag. 111—142 (1907) verwiesen.
8 ) Ueber die Kolioidnatur desselben vergl. G. Klemperer:
Verhandlungen des XX. Kongresses für innere Medizin.
") Berliner klinische Wochenschrift, 1907, No. 17 (Die Lösungs¬
bedingungen der Harnsäure im Harn).
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UNIVER3ITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
5
charakteristischen Geschwindigkeit sich wieder aufzulösen.
Offenbar ist diese Reversibilität bei den Harnsteinen nur in
einem sehr beschränkten Sinne vorhanden. Denn, wie thera¬
peutisch nur zu bekannt, gehen im allgemeinen die Harnsteine,
auch wenn die sie konstituierenden Salze in dem umspülenden
Harn lange Zeit gute Lösungsbedingungen dargeboten erhalten
(z. B. Uratsteine in ständig alkalischem Urin oder Tripel¬
phosphatsteine in saurem Harn), nur mit unwesentlichen An¬
teilen wieder in Lösung. Dieses Verhalten ist, zumal da gerade
der Tripelphosphatkristall durch eine so Ijohe Lösungs¬
geschwindigkeit ausgezeichnet ist, bei der Aufassung der Harn¬
steine als einfache Kristallbildungen in keiner Weise erklärlich;
die gemeinhin mangelnde Reversibilität des Steinbildungspro¬
zesses gibt daher erneut einen Grund, die Nichtkristalloide
mehr in den Vordergrund des Interesses zu rücken und ihrer
Rolle bei der Genese der Konkremente nachzugehen.
Das „organische Gerüst“ der Harnsteine ist bekanntlich
„eiweissartiger Natur“, d. h. es ist aus Stoffen gebildet, die
vor der Zeit ihres Hineingelangens in das Konkrement nur in
kolloidalem Zustand gelöst gewesen sein können. Bei den
Kolloiden unterscheidet man nur zweierlei Arten des Aus¬
fallens aus der Lösung: 1. die reversible und 2. die irrever¬
sible Gelbildung. Der erstere Vorgang, die reversible
Kolloidfällung, ist ebenso wie die Bildung und Auf¬
lösung eines Kristalls ein umkehrbarer Prozess. Bei un¬
genügenden Lösungsbedingungen fällt das Kolloid aus, vermag
sich aber hernach bei günstiger Gestaltung derselben wieder
zu lösen. Das Verhalten des Schleimes (einer ausgesprochen
kolloidalen Substanz) bei katarrhalischen Zuständen der Blase
oder sonstwo in den Harnwegen kann als Paradigma dieser
Art des Vorganges dienen. Denn häufig zeigt sich der normal
gjeichmässig in dem Harn aufgelöste und dann unsichtbare
Schleim flockig ausgefällt und zu mehr oder weniger massigen
Wolken zusammengeballt (Gelbildung). Wird die Reaktion
des Harnes hernach alkalisch oder werden sonstwie die Be¬
dingungen zur Auflösung günstig, so beginnt die schon ge¬
bildete Wolke sich zu zerteilen und das „Gel“ vermag wieder
mehr oder weniger vollständig unter Aufklärung in kolloidale
Lösung zu gehen. Dieser Vorgang gewinnt für die hier be¬
handelte Frage ein erhöhtes Interesse, wenn sich mit ihm gleich¬
zeitig eine Ausfällung kristalloider Stoffe verbindet. Wenn
auch fast immer die sich absetzende Schleimwolke des Harns
vereinzelte Kriställchen einschliesst, so sei doch hier besonders
an die nicht gerade seltenen Fälle erinnert, in denen der aus¬
gefallene Schleim zystitischer Urine von so zahlreichen Kri¬
stallen (zumeist Phosphaten) durchsetzt ist, dass die ganze
gallertartige Masse schon dem unbewaffneten Auge durch ihr
glitzerndes Aussehen auffällt. Denn diese Befunde geben
Zeugnis davon, dass auch im Harn die oben besprochene
innige Wechselbeziehung zwischen ausfallenden Kristalloiden
und Kolloiden zur Geltung gelangt. Man könnte sogar ver¬
sucht sein, in diesen Gebilden halbflüssige Vorstadien der
eigentlichen Steine zu sehen. Indessen, wie mich eigene Ver¬
suche belehrten, gelingt es auch bei langem Zuwarten nicht,
aus diesem Kristallschleim unter den für den natürlichen Harn
in Betracht kommenden Bedingungen feste steinartige Gebilde
zu erhalten; die Masse schrumpft wohl ein wenig und ballt sich
dabei langsam fester, lässt sich aber selbst nach einem halben
Jahr und darüber noch ohne merkliches Gefühl von Wider¬
stand zerdrücken und durch leichte Bewegungen auseinander
schütteln. Zur Bildung von Harnsteinen ist daher hiermit kaum
ein geeignetes Material gegeben. Wohl aber glaube ich die
sogen. „Hamsäureinfarkte“ in den Nierenausführungsgängen
der Neugeborenen als zu dieser Gruppe der reversiblen Er¬
scheinungen gehörige Bildungen ansprechen zu dürfen. Denn
diese Harnsäureinfarkte sind Niederschläge, welche bei über¬
mässiger Harnsäureausscheidung der Nieren schnell, d. h. in
wenigen Tagen entstehen, welche ferner, wie schon die inten¬
siv gelbe Farbe erkennen lässt, reichlich Urochrom (reversibles
Kolloid; G. K lern pe rer s. o.) als mitgerissene Masse ein-
schliessen und welche endlich im Gegensatz zu den eigentlichen
Hafrnsteinen im Harn selber wieder innerhalb kurzer Zeit in
Lösung gehen können. Man wird daher recht tun, sie als
Mischfällungen von Kristalloiden und Kolloiden zu betrachten,
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bei denen die Kolloidmasse, das Urochrom, lediglich durch die
zu starke Harnsäurebelastung (s. o.) mit niedergeschlagen
wurde und bei denen infolge der Reversibilität der beiden Aus¬
fällungen auch eine glatte Wiederauflösung möglich ist.
Für die Genese der eigentlichen Harnsteine kommt da¬
gegen nur das Gebiet der irreversibel ausfallenden
Kolloide in Betracht, d. h. jener kolloidalen Substanzen, die
bei dem Ausfällungsvorgang solche Veränderungen erfahren,
dass sie im ungelösten Zustand verbleiben. Derartige Stoffe
scheinen — vermutlich nicht ohne Grund — im normalen Urin
zu fehlen. Unter pathologischen Bedingungen liegen dagegen
die Verhältnisse anders; vor allem ist u. a. vom Fibrin, resp.
Fibrinogen, einem charakteristischen Repräsentanten der
Gruppe der irreversiblen Kolloide, für eine Reihe voll Krank¬
heitsprozessen das Vorkommen im Harn sicher erwiesen. Ich
habe daher auch mit diesem Stoff meine Untersuchungen über
die Steinbildungsfrage angestellt. In diesen war es mein Ziel,
den Harnsteinen ähnliche Gebilde experimentell zu erzeugen
und dabei die Bedingungen der Genese näher zu untersuchen.
Methode und Ergebnisse dieser Versuche seien im folgen¬
den in gedrängter Kürze wiedergegeben:
Vorbemerkung: Die äussere Form, in der sich der
irreversible Gerinnungsvorgang beim Fibrinogen vollzieht, das
Erstentstehen von feinsten Einzeltröpfchen, das Konfluieren
derselben zu einem netzartigen Gerüst mit verdickten Knötchen
an den Kreuzungspunkten der Einzelfäden, die späterhin ein¬
tretende Schrumpfung des so entstandenen Gerinnsels, dies
alles ist nicht etwa für das Fibrin eine Erscheinung sui generis,
sondern wird in durchaus gleicher Weise auch bei andern
Kolloiden, so z. B. bei der Gelatine in alkoholhaltigem
Wasser 10 ) als typische Ausfällungsform beobachtet. Der Auf¬
fassung des Fibrins als eines irreversiblen Kolloids stehen
daher, wie auch schon von anderen Seiten betont wurde, keine
Bedenken entgegen.
Methode der Versuche und erstes Ergebnis
derselben.
Zunächst wurde versucht, die gewünschte Kolloidfällung
mit Fibrinogen (Merck) und Fibrinferment (Merck) zu er¬
zielen. Diese Versuche mussten indes aufgegeben werden, da
es nicht gelang, mit den käuflichen Präparaten hinreichend
zusammenhängende und festwerdende Fibringerinnsel ent¬
stehen zu lassen. 11 ).
Mit Rinderplasma (1 Liter frisch gelassenes Blut, sofort mit
10 ccm einer lOproz. Lösung von oxalsaurem Kali (= 1 g pro
Liter Blut) vermischt, konnte leicht ohne Spur von Gerinnung
zentrifugiert und sodann auch in gut brauchbarem Zustande
1—2 Tage bei einer Temperatur von 0° erhalten werden)
wurde dagegen leicht gute Gerinnung erreicht; sie Hess sich
jederzeit dadurch bequem hervorrufen, dass man den in diesem
Plasma enthaltenen gerinnungshemmenden Zusatz von oxal¬
saurem Kali im leichten Ueberschuss mit Chlorkalzium kom¬
pensierte.
Um die Fibringerinnung mit den Kristalloidfällungen zu
kombinieren, wurde folgendermassen verfahren: das Blut¬
plasma wurde bei 37° bis zu gleicher Menge mit frisch gefällten
Salzniederschlägen von Kalziumphosphat, Kalziumkarbonat
oder Tripelphosphat versetzt und zu einer milchartig aus¬
sehenden Flüssigkeit verrührt und sodann dieser Mischung
Chlorkalziumlösung in leichtem Ueberschuss zugefügt. In
1—2 Minuten trat deutliche Gerinnung ein; schon in zirka
5 Minuten war die Masse so fest, dass die benutzten Reagenz¬
gläser ohne Gefahr des Ausfliessens umgestülpt und leicht ge¬
klopft werden konnten. Nach etwa 2 Tagen (Temperatur 40°)
pflegte dieser Sedimentfibrinkuchen derartig konsistent zu sein,
dass er sich in toto als festzusammenhängende Masse heraus¬
schütteln liess. Der Erhärtungsprozess schritt sodann lang¬
sam weiter fort, in seinem Tempo jedoch oft in unaufgeklärter
10 ) Vergl. Höher: 1. c. 1906, pag. 249.
u ) Die Ursache dieser ungenügenden Qerinnung ist — nach den
brieflichen Angaben der Firma E. Merck — in einer mangelhaften
Haltbarkeit der Präparate zu sehen, weshalb sich die genannte
Firma entschlossen hat, vorerst die weitere Herstellung aufzugeben
und jene Präparate aus ihrem Katalog wieder zu streichen.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
6
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
Weise, anscheinend im Zusammenhang mit der von Tier zu
Tier wechselnden Beschaffenheit des Plasmas, variierend. Im
günstigen Falle wurde z. B. in etwa 4 Tagen eine Eindickung
bis zur Konsistenz von hartem Käse beobachtet (Versuch mit
4 g Kalziumphosphat als Brei in 5 ccm Wasser, versetzt mit
5 ccm Plasma). Dabei zeigte sich regelmässig, dass jene
Strecke der geronnenen Masse, welche im Reagenzglas zu
unterst gewesen war und in welcher sich der zugesetzte Salz¬
brei noch vor Eintreten der Gerinnung hatte sedimentieren
können, ungleich viel härter und fester war, als die höher
gelegenen Partien, in denen das Fibrin relativ mehr an
Masse ausmachte. Nach etwa 14 Tagen bis 4 Wochen —
auch nach Grösse und Sedimentgehalt naturgemäss wech¬
selnd — ist die eben erwähnte, der Sedimenthöhe entsprechende
Partie bereits deutlich steinartig geworden: sie fühlt sich aus¬
gesprochen hart an und lässt sich nur noch mit einer gewissen
Mühe zwischen den Fingern zerdrücken, auch beim Auffallen
auf den Tisch gibt sie einen deutlich harten Klang. Die übrige,
vorwiegend aus Fibrinkuchen bestehende Masse hat dagegen
die Konsistenz eines festen, zähen Gummis angenommen. In
8 Wochen, zuweilen allerdings auch erst erheblich später,
zeigte sich bei Aufbewahrung in steriler Salzlösung von 40°
ein derartiges Kalziumphosphatfibringerinnsel in seinem Sedi¬
mentabschnitt schon so sehr erhärtet, dass es ähnlich wie die
frisch der Blase entnommenen natürlichen Harnsteine nur unter
deutlicher Anwendung von Kraft mit dem Messer zerspalten
werden konnte. — Mit Blutserum, d. h. beim Fehlen des Fibrins,
konnten ähnliche Bildungen nicht erhalten werden.
Bestimmung der erforderlichen* Fibrinmenge.
Bei Verdünnung der Blutplasmas mit physiologischer
Kochsalzlösung wurde noch bis zur Mischung von 1 Teil
Plasma zu 10 Teilen Wasser deutlich ein zusammenhängendes
gallertartiges Fibringerinnsel erhalten.
Bei analoger Verdünnung und gleichzeitigem Zusatz eines
frisch ausgeschlemmten Sediments von Kalziumphosphat waren
die Verhältnisse wie folgt geändert: Bis zur Mischung von
1 Teil Plasma mit 4 Teilen (Wasser und Sedimentbrei 12 ) er¬
starrte die Gesamtflüssigkeit noch zur Gallerte und trat gleich¬
zeitig am Boden in der Sedimentschicht eine feste Vereinigung
zu einer steinähnlichen Masse ein.
Bei einem Mischungsverhältnis von 1 Teil Plasma zu
10 Teilen (Wasser und Sedimentbrei) blieb in der Flüssigkeit
jede erkennbare Gerinnung aus; auffallender Weise aber zeigte
es sich nach Tagen, dass trotz dieses scheinbaren Fehlens der
Gerinnung das am Boden abgesetzte Sediment zu einer ein¬
heitlichen festen Masse vereinigt war. Die Erklärung hierfür
liegt offenbar darin, dass das langsam sich absetzende Sediment
die gleichzeitg gerinnenden Fibrinteilchen mitreisst und sich
hernach am Boden' des Reagenzglases mit Hilfe dieses Binde¬
mittels zu einem steinartigen Gebilde zusammenfügt.
Da im Plasma etwa 0,7 bis 1 Proz. Fibrin (L a n d o i s 13 )
enthalten ist, so ergibt sich bei Berechnung aus dem letzten
Versuch, dass bereits bei einem Fibringehalt von 0,07 bis
0,1 Proz. — wahrscheinlich aber auch noch erheblich unter¬
halb dieses Wertes — die Bedingungen gegeben sind, um ent¬
stehende Kristalloidsedimente vermittelst eines organischen
Gerüstes zusammenzuschliessen und so aus dem reversiblen
Prozess der einfachen Salzausfällung einen komplizierten
irreversiblen Vorgang zu machen.
Zugleich aber lehren diese Versuche, dass in einer Flüssig¬
keit, die von einem Gerinnungsvorgang nicht das geringste
sichtbar werden lässt, dennoch Kolloidfällungen vor sich gehen
können, welche für die weitere Gestaltung gleichzeitig vor¬
handener kristalloider Sedimentmassen von ausschlaggebender
Bedeutung sind.
Bei einer Wiederholung der Versuche mit Ersatz der
physiologischen Kochsalzlösung durch neutral reagierenden
Harn wurde das gleiche Resultat erhalten. Auch die Ver-
,2 ) Bei diesem und dem folgenden Versuch war die Menge des
im Sedimentbrei enthaltenen Kalziumphosphats getrocknet ~ 0,5 g;
dabei betrug die Gesamtflüssigkeit (nach der Mischung mit dem
Plasma) 10 ccm.
n ) Landois: Lehrbuch der Physiologie, 1893, pag. 49.
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wendung eines Sedimentbreies von Kalziumoxalat verhinderte,
sofern nur ein leichter Ueberschuss von Kalziumionen durch
Zugabe von Chlorkalzium vorhanden war, nicht den Eintritt
der Gerinnung und das spätere Festwerden.
Befördernde Momente.
Die optimale Konzentration an Fibrin ist nicht präzise be¬
stimmt worden. Ein absolutes Optimum wird auch nicht exi¬
stieren; es kann immer nur ein relatives sein und muss im
Verhältnis stehen zur Masse, resp. zur Oberflächengrösse des
sich bildenden Kristalloidsediments. Bei zu reichlichem Fibrin¬
gehalt wird die Masse statt steinhart nur gummiartig, bei zu
geringem Gehalt erscheint die Bodenmasse mörtelartig
brüchig oder auch ganz locker. Eine angenäherte Orientierung
über die Lage geeigneter Konzentrationen geben die oben mit¬
geteilten Versuche; es ist aber sehr wahrscheinlich, dass bei
geeigneter Auswahl der Bedingungen (geringe Menge an Sedi¬
ment, grosses Flüssigkeitsquantum oder ständige Erneuerung
derselben) auch mit einem Gehalt an Fibrin von 0,07 Proz. noch
nicht die absolute untere Grenze, bis zu der eine Steinbildung
möglich ist, erreicht wurde.
Wärme befördert bekanntlich den Vorgang der Gerinnung
(bis zu 55°); auch die nachherige Schrumpfung und damit das
Hartwerden der Steinbildungen vollzieht sich mit steigender
Temperatur schneller. Während des Schrumpfungsprozesses
geht von dem mitgerissenen Serumeiweiss ein Teil wieder in
die Lösung 14 ), ein Vorgang, welcher das Hartwerden der
Fibrinmasse ebenfalls zu erleichtern scheint. Die obigen Ver¬
suche sind zumeist bei 40 °, also annähernder Körpertemperatur
angestellt worden.
Ein höherer Salzgehalt des umspülenden Wassers wirkt
durch seine wasserentziehende Kraft gleichfalls befördernd
auf die Schrumpfung der Sedimentfibrinmasse.
Besonders beschleunigt aber eine, wenn auch nur leichte
Kompression das Hartwerden der Masse. Um die Verhältnisse
möglichst denen des Körpers anzupassen, wurde das Sediment¬
fibringerinnsel in einer dünnwandigen Gummiblase einem all¬
seitigen Druck von ca. Vso Atmosphäre ausgesetzt, wobei durch
im Gummi angebrachte kleine Löcher für ein ständiges Ent¬
weichen der abgepressten Flüssigkeit gesorgt wurde. Eine
derartige leichte Druckwirkung übte bereits nach X—% Stunde
eine starke und bleibende Beförderung auf den Erhärtungs¬
prozess aus.
Bedeutung der zeitlichen Aufeinanderrfolge
der Niederschläge.
* Wenn der Vorgang der Kolloidgerinnung mit einem deut¬
lichen Abstand zeitlich vorhergeht, d. h. wenn das Fibrin erst
nach bereits erfolgter Ausbildung eines zusammenhängenden
Kuchens in die Lösung mit dem entstehenden Sediment hinein¬
gebracht wird, so kommt es nicht zur Bildung jener kom¬
pakten steinartigen Masse. Das Kristalloidsediment setzt sich
zur Hauptsache nur an die Oberfläche der kolloiden Masse; im
Inneren bleibt diese im wesentlichen unverändert. Die Art
des oberflächlichen Ansetzens ist aber verschieden je nach dem
Festigkeitsgrad, der dem Fibrin zur Zeit des Hineingelangens
in die sedimentierende Lösung eigen ist. Je lockerer noch die
geronnene Masse ist, um so inniger zeigt sich auch die Ver¬
bindung mit dem dazutretenden Sediment. Bei sehr weichen
Gerinnseln finden in der Randzone des Kolloids sogar derartig
intensive Sedimentimprägnationen statt, dass die Oberflächen¬
schicht hernach als harte Schale ihren Fibrinkern umschliesst.
Nimmt man die Reihenfolge der Vorgänge umgekehrt, d. h.
tritt zunächst die Ausfällung des Kristalloids ein, so ist es von
Bedeutung, ob das Sediment noch im amorphen feinstkörnigen
Zustand ist, oder sich bereits in Form mehr oder weniger deut¬
licher Kristalle abgesetzt hat. Denn wenn grössere Kristalle
14 ) Dieses Inlösunggehen von Eiweiss wird leicht dadurch nach-
gew r iesen, dass das umspülende Wasser bei der Kochprobe Trübung,
bei sehr starkem Gehalt sogar flockige Gerinnung zeigt. Beim Tripel¬
phosphat als Sediment im Stein ist dieses anfängliche teilweise Wieder¬
inlösunggehen in gleicher Weise auch für das Salz in erheblichem
Masse zu konstatieren, wenn der Sedimentfibrinstein noch halb weich
in reines Wasser gebracht wird. Alte Tripelphosphatsedimentsteine
sind dagegen auch bei langer Aufbewahrung in Wasser gut haltbar.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
7
zur Ausbildung gelangt sind, so werden diese bei hernach ein-
tretendor Kolloidgerinnung nur als Fremdkörper vom Netz¬
werk des Fibrins umschlossen. Derartige Kolloidgebilde stellen
aber ein von zahlreichen charakteristisch geformten Lücken
durchsetztes Gerüst dar und unterscheiden sich somit durch¬
aus von der organischen Grundsubstanz, die wir bei den Harn¬
steinen vorfinden. Mit feinstkömigen Salzniederschlägen gibt
dagegen auch die nachträglich eintretende Fibringerinnung bei
der üblichen mikroskopischen Untersuchungsweise der Stein¬
gerüste eine als lückenlos sich darstellende Grundmasse.
(Schluss folgt.)
Aus der medizinischen Klinik und aus der Frauenklinik der
Universität Würzburg.
Ueber Hämolyse’der Streptokokken.
Von Privatdozent Dr. L ü d k e und Privatdozent Dr. P o 1 a n o.
Wie die gesamte Bakteriologie, so hat sich auch die
Streptokokkenforschung in zweierlei Richtung bewegt. Seit¬
dem im Jahre 1881 Robert Koch das konstante Vorkommen
der Streptokokken in der Haut erysipelatös Erkrankter fest¬
gestellt hatte, suchte man vor allem auf Grund morphologischer,
kultureller und biochemischer Untersuchungen über die ver¬
schiedenen Arten dieser Bakterien Klarheit zu gewinnen,
zumal sie zunächst für völlig verschiedene klinische Krank¬
heitsbilder ätiologisch in Betracht zu kommen schienen. Nicht
zum wenigsten nach Zuhilfenahme der modernen, sogen, bio¬
logischen Untersuchungsmethoden (Agglutination, Immuni¬
sierung) hat diese Frage durch die Erkenntnis eine gewisse Ver¬
einfachung erhalten, dass — abgesehen von wenigen Aus¬
nahmen (hierher gehören, die obligat anaeroben apathogenen
Streptokoken aus der Scheide Gravider [Menge und Kroe-
n ig], die vielleicht besser als Parapneumokokken [Natvig]
bezeichnet werden) — alle Streptokokken als art¬
gleich zu bezeichnen sind, mögen sie im einzelnen
Fall von einer normalen Schleimhaut, von einer Sepsis, einem
Erysipel, einem Puerperalfieber oder einem Abszess stammen.
Alle ursprünglich auf Grund morphologischer und kultureller
Unterschiede angenommenen Differenzierungsmerkmale haben
durch den Nachweis der enormen Variabilität dieser Bakterien,
sowie durch die Möglichkeit, den Uebergang der einen Art in
die andere nachzuweisen, ihre Beweiskraft verloren (Leh¬
mann und Neumann).
Trotzdem ist mit dieser Vereinfachung nicht allzuviel ge¬
wonnen, da jetzt die zweite, viel schwieriger zu lösende
Frage entsteht, nach der Charakterisierung der
einzelnen zwar artgleichen, aber unter einander bio¬
logisch so ungeheuer differenten Strepto¬
kokkenstämme. In dem einen Fall vegetieren sie als
harmlose Parasiten nicht nur auf der intakten Schleimhaut,
z. B. der Mundhöhle, sondern auch bei 75 Proz. aller Wöchne¬
rinnen in der grossen, zur Infektion besonders prädisponierten
Wunde des puerperalen frisch entbundenen Uterus, ohne irgend
welche Krankheitserscheinungen auszulösen, im anderen Falle
kommt es zur vorübergehenden lokalen Infektion, im anderen
endlich zur tödlichen Allgemeinerkrankung. Da lag der Ge¬
danke nahe, nach Unterschieden zwischen den einzelnen
Stämmen zu forschen, die eine Trennung der harmlosen, aviru-
lenten in die bösartigen, virulenten ermöglichten. Da das Tier¬
experiment hierbei völlig versagt, schien es zunächst einen
gewaltigen Fortschritt zu bedeuten, als im Jahre 1903
Schottmüller, fussend- auf seinen Erfahrungen an dem
reichlichen Material des Eppendorfer Krankenhauses, eine ver¬
hältnismässig einfache Methode ermittelte, die es in jedem
Falle ermöglichen sollte, die Frage nach der Art der vor¬
liegenden Streptokokken und hiermit zugleich nach ihrer kli¬
nischen Dignität zu beantworten. Diese Schott-
mü 11er sehe Methode besteht bekanntlich in der Differen¬
zierung der Streptokokken nach ihrem Wachstum auf blut-
haltigen Nährböden, am einfachsten auf Blutagarplatten (5 Teile
Agar, 3 Teile defibriniertes Menschenblut; im Reagenzglas
wird der auf 45° abgekühlte Agar mit dem Blute gemischt,
hierauf mit dem zu untersuchenden Stamm beschickt und das
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ganze in einer Petrischale ausgegossen). Nach Schott¬
müller lassen sich hierdurch 3 verschiedene, klinisch
differente Arten der Streptokokken erkennen: Der Strepto¬
coccus longus, vor allem charakterisiert durch das stärkere
Hämolysierungsvermögen seiner Stämme, auf der Blutagar¬
platte, ist als die pathogenste Form zu bezeichnen gegenüber
dem harmloseren, meist grünliche Kolonien mit keiner oder
nur ganz geringer Hämolyse bildenden Streptococcus mitior
seu viridus und dem seltenen, beim Wachstum schleimartige
Kolonien bildenden, höchst pathogenen Streptococcus mucosus.
Die Schottmüller sehen Angaben haben von vielen
Seiten eine Nachprüfung erfahren, die zum Teil seine Angaben
bestätigten (z. B. Baumann, Nieter, Gounet u. a.), zum
Teil aber direkt ablehnten (u. a. Beitzke und Rosenthal,
Natvig, Schenk und Scheib). Eine besondere Bedeu¬
tung hat nun in jüngster Zeit diese Frage durch Mitteilungen
aus der Hallenser Frauenklinik gewonnen (Veit und
Fromme), nach denen die Prognose des Puerperalfiebers im
Schottmüller sehen Sinne abhängig gemacht wird von
dem Fehlen resp. Vorhandensein hämolytischer Streptokokken
in dem Uterussekret und im Blute. Eine besondere Be¬
rechtigung schien dieser Standpunkt durch Frommes Unter¬
suchungen zu gewinnen, nach denen die bei normalen Wöch¬
nerinnen gefundenen Streptokokken niemals hämolytisch sind.
Da wir in der Würzburger Frauenklinik nur äusserst spär¬
liches Material von Puerperalfieberfällen zu beobachten Ge¬
legenheit haben, konnte die Prüfung der erwähnten Angaben
sich zunächst nur auf das Verhalten der Streptokokken bei
nichtfiebernden Wöchnerinnen beziehen. Als Ergänzung dieser
physiologischen Verhältnisse glaubten wir bei der fast völligen
Ermangelung von Puerperalfieberfällen äusserst zweckmässig
das reichliche pathologische Material der hiesigen medi¬
zinischen Klinik hinzuzichen zu können, soweit dabei lokale
oder allgemeine Streptokokkeninfektionen in Betracht kommen.
Da es doch von vorneherein als feststehend angenommen
werden muss, dass die Streptokokken in einem Falle von töd¬
lichem Puerperalfieber sich völlig gleich verhalten, wie im Falle
einer extragenitalen tödlichen Sepsis, gewinnen wir durch eine
derartige Verbreiterung des zu untersuchenden Materials
sicherlich nur an Beweiskraft für die daraus abzuleitenden
Schlüsse 0.
Zur Feststellung des Charakters der physiologischer
Weise im puerperalem Uterus vorkommenden Streptokokken
wurden 30 Wöchnerinnen untersucht; alle diese Frauen hatten
bis zum Tage der Sekretentnahme sowie auch hinterher ein
völlig afebriles Wochenbett durchgemacht. Von der Mög¬
lichkeit ausgehend, dass das Phänomen der Hämolyse vielleicht
in der Scheide den Streptokokken infolge veränderter bio¬
logischer Verhältnisse abhanden kommt (bei Schwangeren
wurden in der Scheide nie hämolytische Streptokokken ge¬
funden) haben wir das Sekret am 3.—6. Wochenbettstage
direkt aus dem puerperalen Uterus mittels des Docder-
1 e i n sehen Sondenröhrchens unter den üblichen aseptischen
Kautelen entlehnt. Diese Art des Vorgehens schien uns zu¬
nächst richtiger, als die vielfach sonst empfohlene Entnahme
aus dem hinteren Scheidengewölbe, da es doch die Uterus¬
streptokokken sind, die das Puerperalfieber hervorrufen; eine
biologische Umwertung derselben während ihres Hinauf-
gelangens aus der Scheide in die Gebärmuttenvunde, ist ja
keineswegs unwahrscheinlich. Bei 2 Frauen, die beide sich
am 4. Wochenbettstage befanden, handelte es sich um Retention
grösserer Eihautreste, die bei der Sekretentnahmc mitentfernt
wurden, ohne dass vorher oder hinterher Fieber aufgetreten
wäre. Zur Technik der Weiterbehandlung des Sekretes sei
noch kurz folgendes bemerkt: Einige Platinösen vom Sekret,
das in einem sterilen Reagenzglas aufgefangen war, wurden
J ) Als wir unsere Untersuchungen bereits vollendet hatten, ist in
den letzten Wochen von verschiedener Seite die Richtigkeit der
Fromm eschen Anschauungen bestritten worden (Freymutli.
S i g w a r t u. a.). A. Fromme selber hat seinen ursprünglichen
Standpunkt wesentlich eingeschränkt, auch Heynemann berichtet
aus der Hallenser Klinik über z. T. von Fromme abweichende
Befunde.
Original from
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8
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
auf schwach alkalische Bouillon überimpft, 12—24 Stunden
im Brutschrank gelassen, und dann nach Uebertragung von
einer Oese auf die Blutagarplatte in Petrischalen gegossen.
Bouillon- und Agarkulturen wurden jeweils mikroskopisch
untersucht. Da die Untersuchungen genauer von Herrn
Alphonse in seiner Inauguraldissertation veröffentlicht
werden, teilen wir nur in Kürze die Qesamtresultate mit.
Bei den 30 normalen Wöchnerinnen wurden in 14 Fällen
keine, in 16 Fällen positiv Streptokokken im Uterusinhalt ge¬
funden. Von diesen positiven 16 Fällen wiesen
8 Fälle deutliche Hämolyse auf, in 8 Fällen fand
sich der nicht hämolytische Streptococcus viridus. Der
Streptococcus mucosus konnte niemals nachgewiesen werden.
Wenden wir uns nunmehr dem pathologischen Material zu.
Wir trennen dasselbe wohl zweckmässig in Fälle, bei denen
die Streptokokken aus dem Blute direkt entlehnt wurden
von solchen, die bei lokaler Eiterentnahme die
Bakterien aufwiesen. Zunächst sind hier 2 Fälle von tödlich
verlaufendem Puerperalfieber zu erwähnen. Der erste Fall
wies bei dreimaliger Blutentnahme jedesmal hämolytische
Streptokokken auf; beim anderen blieben trotz dreimaligen
Aderlasses alle Platten steril; im Vaginalsekret fanden sich
nicht hämolytische Streptokokken. Die auf Grund dieses Be¬
fundes gestellte günstige Prognose erwies sich als falsch.
Bei der Autopsie Hessen sich in den parametranen vereiterten
Thromben massenhaft Streptokokken nachweisen.
Die Kenntnis der kulturellen und biologischen Eigen¬
schaften der Streptokokken spielt in der klinischen Praxis der
internen Medizin nur für eine kleinere Anzahl von Infek¬
tionen eine diagnostisch wichtige Rolle. Die exakten Unter¬
suchungen der angewandten Bakteriologie führten zu dem
Resultat .eines weiteren Ausbaues der bakteriologischen
Aetiologie der Pneumonie und Meningitis, indem neben den
anerkannten Erregern dieser Infektionen Streptokokken und
unter diesen differente Arten aufgedeckt wurden. Die Pluralität
der Infektionserreger dieser klinisch einheitlichen Krankheits¬
begriffe blieb somit nicht auf die Keimarten beschränkt, son¬
dern dehnte sich selbst auf verschiedenartige Stämme des¬
selben Erregers aus.
Seit den Publikationen Schottmüllers über die
Aetiologie der Pneumonie und Meningitis wurde von uns ver¬
sucht, mit Hilfe der von Schottmüller angegebenen Ver¬
suchstechnik der Hämolyse auf Blutagarnährböden eine
Differenzierung der Streptokokkenstämme zu erhalten und auf
Qrund von kulturellen Unterscheidungsmerkmalen engere
Beziehungen zwischen Virulenzgrad dieser
differenten Formen und ihrem Hämolysie-
rungsvermögen festzustellen.
Schon die morphologischen und kulturellen Differen¬
zierungsversuche des Diplokokkus der kruppösen Pneumonie
vom Streptococcus pyogenes waren mit grösseren Schwierig¬
keiten verbunden, so dass manche Autoren Pneumokokken
und Streptokokken zu einer gemeinsamen Gruppe vereinigten.
Aehnliche Bestrebungen machten sich bei den Untersuchungen
über die Differenzierungsmerkmale einzelner Streptokokken¬
arten geltend. Während so die einen den Erysipelstrepto¬
kokkus vom Streptokokkus des Puerperalfiebers trennten, von
diesen Stämmen wieder andere durch ihre nur ihnen eigen¬
tümliche Wachstumsform ausgezeichnete Streptokokken ab-
schieden, hielten andere Autoren an der unitarischen Auffassung
der Streptokokken fest.
Schottmüll er hingegen gelang es dann, einzelne
Streptokokken mit typischen Eigenschaften abzusondern.
Eine Uebereinstimmung ist nun bislang insoweit erzielt, als
der von Schottmüller genau beschriebene Streptokokken¬
typus des Streptococcus mucosus wohl allgemein anerkannt ist.
Differenzen bestehen jedoch noch vornehmlich in den An¬
schauungen über die Beziehungen der Züchtungsresultate, der
hämolytischen Eigenschaft der Streptokokken zu ihrem
Virulenzgrade bei den verschiedenen klinischen Erkrankungs¬
formen.
Den morphologischen Differenzierungsmerkmalen wurde
von uns geringere Bedeutung beigemessen, da wir mannigfache
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Uebergänge der charakteristischen Formen in atypische fanden.
Die Wachstumseigenschaften auf verschiedenartigen Nähr¬
böden wurden nur unter den Bedingungen geprüft, die zur
Differenzierung nahe verwandter Bakterienarten zulässig sind.
Es wurden gleichmässig zusammengesetzte Nährböden ver¬
wandt, und die Züchtung erfolgte unter den gewöhnlichen Ver¬
hältnissen, die den natürlichen Wachstumsbedingungen ent¬
sprechen.
Dadurch, dass die Variabilität der Bakterien durch Züch¬
tung auf ungeeignetem Material, unter abnormen Temperatur¬
verhältnissen künstlich gesteigert wurde, erhielt man vielfach
Züchtungsprodukte, die kaum noch Aehnlichkeiten mit der Aus¬
gangskultur besassen. Die Bakterien passen sich der Be¬
schaffenheit des Nährsubstrats an und erleiden unter ungün¬
stigen Wachstumsverhältnissen Modifikationen in ihrem ana¬
tomischen Bau, in ihren biologischen Eigenschaften, die bis¬
weilen nur schwer durch Umzüchtung auf den günstigen Nähr¬
böden die Wiedererlangung ihrer ursprünglichen Eigenschaften
bewirken. Wir suchten uns daher aus praktischen Rücksichten
nur an die Ergebnisse der Züchtungsresultate auf den ge¬
bräuchlichen, anerkannten Nährböden zu halten, um nicht
eventuelle individuelle Differenzen den konstanten Eigen¬
schaften eines Bakterientypus gleichzusetzen.
Von Nährböden kamen zur Verwendung: Bouillon, Agar,
Gelatine und Serumagar. Hauptsächlich wurde jedoch zur
Differenzierung Blutagar und Blutbouillon benutzt.
Nach dem Vorgang von Kerner wurden zu stets gleichen
Mengen schwach alkalischer Bouillon einige Tropfen defi-
brinierten Menschenbluts hinzugefügt und die Blutbouillon mit
dem betreffenden Streptokokkenstamm beschickt. Zur Be¬
stimmung der Intensität des hämolytischen Prozesses wurde
das Schütteln und Mischen des Blutes mit der Bouillon ver¬
mieden. Nach etwa 16—24 Stunden Aufenthalt im Wärme¬
schrank konnte an der rot gefärbten Blutbouillonsäule die
hämolytische Wirkungsintensität abgelesen werden. Daneben
wurden stets Kontrollröhrchen, die Blut und Bouillon allein ent¬
hielten, verwandt.
Bei der Hämolyse der Blutbouillon kommt es auf den
Kochsalzgehalt der Kultur wesentlich an, wie Kerner fest¬
stellte. Der Zusatz von 2 proz. Kochsalz zur Bouillon
schwächte die Lösung beträchtlich ab, während die gewöhn¬
liche Vi proz. kochsalzhaltige Bouillon die Hämolyse deutlich
erkennen liess.
Untersucht wurden im ganzen 31 Fälle von Streptokokken -
erkrankungen und zwar wurden in 23 Fällen die Infektions¬
erreger aus dem Blut gewonnen. 7 von diesen Stämmen
stammten aus Sepsisfällen, 2 wurden von Tuberkulösen im
3. Stadium erhalten, ein Stamm bei Endokarditis, ein weiterer
bei Zerebrospinalmenigitis, 2 bei Chorea minor, 3 wurden im
Blut bei einfacher Angina, 4 bei Scharlach und 3 bei Pneumonie
gezählt.
Es erübrigt noch an dieser Stelle einige Bemerkungen über die
Streptokokkenätiologie in diesen Fällen einzuflechten. Es gelang
uns nur in zwei Fällen schwerster Tuberkulose kurz ante
finem Streptokokken im Blut nachzuweisen, während Jochmann
nur negative Resultate erhielt. In einigen biologischen Blutunter¬
suchungen über die Aetiologie der Endokarditis gelang es nur
einmal einen Streptokokkus, der dem von v. Leyden beschriebenen
Str. gracilis ähnelt, zu züchten. Der Stamm zeichnete sich besonders
durch sein langsames Wachstum, zartes’Aussehen und durch eine
sehr geringe Virulenz aus.
Von einigem Interesse waren die beiden Streptokokkenbefunde
bei Chorea minor. In dem ersten Fall einer schwereren Chorea
waren bei einem 8 jährigen Mädchen rheumatische Beschwerden
den choreatischen Symptomen vorausgegangen. Beim Eintrittsstatus
wurde neben der Chorea eine Endokarditis diagnostiziert. Im
zweiten Falle bei einem 18 jährigen Menschen brach eine schwerste
Chorea im Anschluss an eine Influenza und Angina aus. Die Endo¬
karditis war in diesem Fall nur mässig ausgesprochen. Im erstge¬
nannten Fall trat nach fast vierwöchentlichem Spitalaufenthalt ohne
irgend eine nachweisbare Ursache Fieber ein; bei einer Temperatur
von 39,4 0 C wurde Blut entnommen und auf Agar zahlreiche Strepto¬
kokkenkolonien erhalten. Eine weitere Blutentnahme am dritten Tag
nach Entstehung des Fiebers hatte das gleiche Resultat. Im zweiten
Falle wurden bei 38,7° C Blutplatten gegossen und ebenfalls Strepto¬
kokken in grosser Anzahl gezüchtet. Beide Kranke genasen.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
9
Die Vermutung lag in beiden Fällen nahe, dass eine Allgemein¬
infektion von einem bakteriellen Herd ausgegangen war und die
choreatischen Phänomene nur ein Symptom im Komplex einer septi¬
schen Erkrankung vorstellten. Von Heubner wurde, was von
Q. Söe bereits betont wurde, die Ansicht ausgesprochen, dass wir
in der Chorea eine Art von Aequivalent für die rheumatische Qe-
lenkerkrankung zu sehen haben; wir glauben, dassin einzelnen
Choreaerkrankungen bei positivem b a k t e r i o 1 o g i-
schenBlutbefundehereineseptischeErkrankungs-
form vorliegen kann. Die zuweilen im Verlauf von Chorea
beobachteten Fieberbewegungen wären danach durch eine rezidi¬
vierende Blutinfektion zu erklären.
Einer Erwähnung wert erscheinen mir auch die vier Fälle von
A n g i n a, in denen Bakterien im Blut agnosziert wurden. B u s c h k e
beschrieb vier Anginen ohne Metastasen, in denen einmal Strepto¬
kokken im Blut gefunden wurden. Lenhartz erwähnt ausführ¬
licher drei Fälle von Angina, an die sich eine foudroyante Sepsis
anschloss; in zwei Fällen wurden in der Agone resp. direkt post
mortem Streptokokken, im dritten Fall noch intra vitam die Strepto¬
kokken nachgewiesen.
In meinen 32 Fällen von Angina wurden viermal Bakterien im
Blut gefunden. Die Untersuchung des Tonsillenbelags ergab sowohl
Streptokokken wie Staphylokokken oder beide Arten zusammen. Im
Blut wurde dreimal der Streptococcus pyogenes nachgewiesen, in
zwei Fällen in zahlreichen Kolonien, in einem Fall Staphylococcus
aureus. Nur einer dieser vier Fälle von Angina verlief ohne Kompli¬
kationen, in den übrigen drei konnten Herzgeräusche und Qelenk-
affektionen, die jedoch nach Ablauf der Halsentzündung bald ver¬
schwanden, diagnostiziert werden.
Eine Berechtigung, diese positiven Blutbefunde in schwerer ver¬
laufenden Anginen als Sepsis anzusprechen, liegt jedoch nicht vor.
In einigen Fällen kann die lokale Erkrankung zur allgemeinen Blut¬
vergiftung führen, indem die Bakterien, die wahrscheinlich bei ge¬
steigerter Virulenz auf ungenügend ausgebildete Schutzkräfte treffen,
unter günstigen lokalen Bedingungen der Eintrittspforten ins Blut
einbrechen. Es kommt für die klinische Diagnose Sepsis vor allem
die Möglichkeit einer Persistenz der Bakterien im Blut, einer Ent¬
wicklung und Vermehrungsfähigkeit der Keime, die durch wiederholte
Blutentnahmen festgestellt werden kann, in Betracht.
Unter den drei von Schottmüller in die bakterio¬
logische Aetiologie eingeführten Streptokokkenarten, dem
Strept. mucosus, Strept. Iongus, Strept. mitior, verdient der
Streptococcus mucosus als neue Art besonders
hervorgehoben zu werden.
Allerdings sind schon vor Schottmüllers Publikation
dieser Streptokokkenart ähnliche Stämme beschrieben;
Schottmüller gebührt das Verdienst, die kulturellen Merk¬
male und die klinische Aetiologie dieses Stammes exakt er¬
forscht zu haben.
So beschrieb O r t m a n n einen von ihm als Pneumokokkus be-
zeichneten Streptokokkus, der auf Nährböden Kapseln bildete und auch
sonst Differenzen gegenüber den bekannten Arten aufwies. Babes
berichtete in Influenzafällen über ähnliche Kapselstreptokokken, Bo-
n o m e bei Zerebrospinalmeningitis, B i n a g h i beschrieb einen Strept.
capsulatus. Die Mitteilungen über solche, dem Streptococcus mucosus
ähnliche Stämme sind allerdings häufig zu unbestimmt, um sie mit
diesem Stamm identifizieren zu können. So kann man nach der Be¬
schreibung eines Kapselstreptokokkus von le Roy desBarres und
Weinberg, nach dem Bericht von Lewkowicz, der aus Zere¬
brospinalflüssigkeit und Stuhl einen Kapselstreptokokkus züchtete,
nicht mit Sicherheit entnehmen, ob ein mit dem Strept. mucosus iden¬
tischer Stamm vorlag. Selbst der Name Strept. mucosus wurde be¬
reits von Howard und P e r k i n s angewandt. Es liegen noch
einige weitere Angaben über kapseltragende Streptokokken vor, die
jedoch bestimmtere Anhaltspunkte über eine Identität mit dem
Schottmüller sehen Streptococcus mucosus vermissen lassen.
Aus einzelnen Berichten geht hervor, dass die Untersucher mit dem
Strept. lanceolatus arbeiteten; nur die Angaben von Neumann,
Howard und P e r k i n s lassen entnehmen, dass es sich dabei um
den echten Strept. mucosus handelte.
Es gelang mir, den Streptococcus mucosus in drei Fällen
nachzuweisen: einmal bei kruppöser Pneumonie, einmal in
einem Sepsisfall und einmal bei Zerebrospinalmeningitis. Zur
kurzen Charakteristik der Fälle entnehme ich den Kranken¬
geschichten folgende Auszüge:
I. Pneumonie: Sch. B., 66 Jahre. Wird benommen aufge¬
nommen, nähere Krankheitsangaben fehlen. Zyanose, Dyspnoe, Tem¬
peratur 38,4. Ueber dem rechten Unterlappen ausgedehnte Dämp¬
fung mit Bronchialatmen und feinblasigem Rasseln. Puls klein, un¬
regelmässig, frequent. Exitus nach etwa 48 Stunden. Qbduktion
ergibt hepatisierten rechten Unterlappen. Die Blutplatten (in vivo)
enthielten zahlreiche Kolonien von Streptococcus mucosus.
II. Sepsis: M. Fr., 23 Jahre. Seit etwa 3 Tagen an Angina
mit schweren Fiebererscheinungen erkrankt. Temperatur 40,7. Puls
No. 1.
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frequent, mittelkräftig, regelmässig. Abszedierende Tonsillitis links.
Tonsillenabstrich ergibt Staphylokokken und Streptococcus mucosus
in zahlreicher Menge. Im Verlauf der Erkrankung treten septische
Erscheinungen hinzu: Pneumonie des rechten Unterlappens, Nephritis
hämorrhagica, Endokarditis, ln zwei Blutentnahmen aus der V. me¬
diana wird Streptococcus mucosus in Reinkultur erhalten. Die
Patientin verlässt nach 4 Monaten „gebessert“ das Krankenhaus.
III. Meningitis cereprospinalis: B. Th., 26 Jahre. Erkrankte an¬
geblich plötzlich mit Erbrechen, Nackenschmerz. Wurde bewusst¬
los ins Spital transportiert. Temperatur 39,2. Puls frequent, kräftig.
Herpes lab. et nas. Stärkste Nackenschmerzen. In Blut und Lumbal¬
flüssigkeit Streptococcus mucosus nachgewiesen. Wird nach etwa
1 Monat geheilt entlassen.
Die morphologisch-kulturellen Eigenschaften des in diesen
3 Fällen gezüchteten Streptococcus mucosus entsprachen voll¬
kommen den von Schottmüller gemachten Angaben:
Gram-positive Diplokokken, die in Ketten von 12 und mehr
runden Gliedern Zusammenhängen. Im gefärbten Präparat ist
sehr deutlich eine als Kapsel imponierende Schleimhülle zu
sehen. In Bouillon entsteht eine leichte Trübung; die Diplo¬
kokken bilden meist Ketten. Auf Agar erkennt man einen
schleimig-glänzenden, hellen, fadenziehenden Belag. Bei Um¬
züchtungen blieb die Schleimhülle stets bestehen. Auf Löffler¬
serum entstanden bis linsengrosse, einem Wassertropfen ähn¬
liche, glasige Kolonien. Auf Blutagarplatten war das Wachs¬
tum üppiger als auf gewöhnlichem Agar, nach 2 Tagen trat in
schmaler Zone um die Kolonien eine Aufhellung ein.
Weisse Mäuse, die mit Vio Oese der Serumkultur subkutan
oder intraperitoneal geimpft wurden, starben unter septikämi-
schen Erscheinungen innerhalb 1—3 Tagen. Aus dem Herzblut
und Peritoneum gelang es stets, den Mukosus in Rein¬
kult u r zu züchten.
Streptococcus mitior (viridans) wurde von mir in 5 Fällen
gezüchtet und zwar in einem Fall aus dem Blut bei hochgradiger
Lungenphthise kürzere Zeit vor der Agone, in einem Fall von
unkomplizierter Angina aus dem Blut, in 2 Fällen von Angina,
ferner aus Mandelabstrichen und einmal im Abszesseiter.
Streptococcus Iongus (erysipelatus) wurde in der über¬
wiegenden Mehrzahl der Fälle konstatiert, im ganzen 22 mal.
Allein 6 mal fand er sich im strömenden Blut bei Sepsis, 1 mal
im Blute bei Tuberculosis pulmonum III, 1 mal bei Endo¬
karditis, 2 mal bei Chorea minor, 2 mal im Blute bei Angina,
in 4 Scharlachfällen im Blut, 1 mal im Blut bei kruppöser Pneu¬
monie, 1 mal im Furunkeleiter, 1 mal im Tonsillenbelag bei
Angina, 1 mal im Eiter einer Phlegmone und 2 mal im Empyem¬
eiter.
Prägnantere Unterschiede im Wachstum der drei
Stämme ergaben sich lediglich auf dem Blutagar, der L ö f f -
lerschen Serumplatte, weniger auf Agar; allerdings waren
diese Differenzen nicht durchgehend so deutlich ausgesprochen,
dass wir eine exakte Klassifikation dieser drei Streptokokken¬
stämme durchführen konnten. Das Wachstum in Bouillon, aui
Gelatine liess keine bemerkenswerten Unterschiede erkennen.
Auf Agarplatten ergaben sich Differenzen, da der Strept. mu¬
cosus hier kleine, tautropfenähnliche, klare Kolonien aufwies,
während die beiden anderen Stämme stecknadelkopfgrossc,
graue Kolonien zeigten. Der feuchte, glänzende Belag des
Mucosus war auch auf Gelatine zu konstatieren, wenngleich hier
die Differenzen wenig deutlich erkennbar waren. Durch¬
greifende Unterschiede in jedem Fall waren auch auf Löffler¬
serum nicht ständig nachzuweisen.
Manche Stämme des Str. Iongus näherten sich in einigen
Wachstumseigentümlichkeiten dem Str. mucosus auffallend,
indem sie ebenfalls glänzende, feuchte Kolonien bildeten, die
von Mukosusstämmen nicht deutlich unterschieden werden
konnten. In diesen Fällen war aber, was auch Schuh¬
macher fand, ein Unterschied in der Kapselbildung des Mu¬
kosus gegeben.
Morphologisch und kulturell waren Str. viridans (mitior)
und Str. erysipelatus (Iongus) nicht zu differenzieren, auch
das Wachstum, resp. die Aufhellung des Blutagars
ergab in einzelnen Fällen Uebergänge. Im all¬
gemeinen zeichnete sich jedoch der Mitiorstamm durch die
Grünfärbung der Kolonien auf dem Blutagar aus, während der
Longusstamm eine bis zu einigen Millimetern breite Aufhellung
2
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. I.
f(J
des Nährbodens um die Kolonie erkennen liess. Str. mucosus
wie Str. lanceolatus (= Pneumokokkus) wuchsen stets mit
einer feuchten, grauen Schleimbildung.
Es sollen hier jedoch die Differenzierungsmerkmale der
einzelnen Stämme nicht genauer erörtert werden, da dieselben
zur Genüge bereits besprochen sind. Ueberblicken wir unsere
Züchtungsresultate auf differenten Nährböden, so können wir
am ehesten den Str. mucosus capsulatus vom Str. mitior und
Str. longus differenzieren, wenn wir nur diese drei von
Schottmüller besonders hervorgehobenen Streptokokken¬
stämme ins Auge fassen. Das glasigschleimige und tautropfen-
ähnliche Wachstum, die deutliche Kapselbildung, die meistens
fehlende Hämolyse auf Blutnährböden unterschied diesen
Stamm unverkennbar von den beiden anderen Streptokokken¬
typen.
Eine Umzüchtung eines Stammes in den anderen ist nur bei
Longus- und Mitiorstämmen einigemale geglückt. Bei beiden
Stämmen haben wir öfter U e b e rg ä n g e beobachtet, die
sich nicht allein auf die Veränderung, resp. die fehlende Auf¬
hellung der Blutnährböden, sondern auch auf die übrigen
Wachstumseigentümlichkeiten bezogen. Jedenfalls war es uns
unmöglich, gar zwei differente Formen des Str. erysipelatos,
wie diese Schuhmacher gefunden hatte, zu unterscheiden.
Die Mukosusstämme behielten ständig ihre typischen
Wachstumsformen und morphologischen Qualitäten bei.
Die Untersuchungen über die Hämolyse der Streptokokken
auf Blutagar und in Blutbouillon haben wir zugleich mit der
Angabe der Herkunft des Streptokokkenstammes und der
Schwere des klinischen Krankheitsbildes in der folgenden Ta¬
belle verzeichnet.
Herkunft
:Ausgang
Art der
Haemolyse
©
Diagnose
des
der
Strepto-
auf
in
Stammes
Krankheit
kokken
Blutger.
Blutbouill.
1
Sepsis
a. d. Blut
geheilt
longus
staik
stark
2
79
gestorben
71
3
„
11
79
*
„
n
4
»
schwerster
Verlauf,geh.
mucosus
Grünfärbg.
0
5
*
79
geheilt
longus
stark
stark
6
9
gestorben
1»
schwächer
kaum
7
n
*
stark
stark
8
Tabercul. pulm. III
mitior
Grünfärb?.
0
9
longus
stark
stark
10
Endokarditis
geheilt
n
„
11
Zerebrospinal-
„
mucosus
Grünfärbg.
0
meningitis
12
Chorea minor
longus
stark
stark
13
9
schwach
kaum
14
Angina
mitior
„
schwach
15
%
»
longus
stark
stark
16
„
ff
„
17
Skarlatina
1
18
n
!
gestorben
*
19
geheilt
„
„
20
„
79
„
21
Pnenmonia crouposa
gestorben
mucosus
Grüntarbg.
0
22
yi
9
geheilt
longus
stark
stark
23
79
»
lanceolatus
Grünfärbg.
0
24
Furunkel
j Abszesse v
79
longus
stark
stark
25
Angina
i Mandel-
„
*
26
27
»
| j abstrich
i *
• i»
mitior
Grünfärbg.
0
0
28
Phlegmone
longus
stark
stark
29
Abszess
j Eiter
*
mitior
Grünfärbg.
0
30
Empyem
1 ff
gebessert
longus
stark
stark
31
”
I
1 *
*
In 19 Pneumoniefällen, deren Blut bakteriologisch unter¬
sucht wurde, konnten 10 mal Bakterien nachgewiesen werden,
und zwar in 4 Fällen der Str. lanceolatus, zweimal der Str.
longus, einmal der Str. mucosus und dreimal der Str. mitior.
In der vorstehenden Tabelle haben wir nur 3 Fälle zur ver¬
gleichenden Uebersicht angeführt. Unter diesen 10 Bak¬
teriämien bei kruppöser Pneumonie wurden 6 Todesfälle kon¬
statiert: In allen 4 Fällen, in denen der Fraenkelsche
Diplokokkus aus dem Blut gezüchtet wurde, trat der Exitus ein,
desgleichen» in einem Falle von Bakteriämie mit Str. mucosus
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und einem weiteren mit Str. mitior. Eine Hämolyse sowohl
der Blutbouillon wie der Agarplatten wurde in der Mukosus-
infektion und in den 4 Fällen mit Str. lanceolatus vollkommen
vermisst; in dem Fall von Blutinfektion mit Str. mitior, in dem
der Tod eintrat, wurde eine recht schwache Aufhellung der
Kolorien gefunden. Es scheint uns schon aus dieser Tabelle
nicht angängig, intime Beziehungen zwischen
der Schwere des klinischen Krankheitsbildes
und der Hämolyse der Streptokokken festzu¬
stellen.
Dasselbe Resultat konnten wir auf Grund unserer
Streptokokkenbefunde beiderSepsis erheben. In 5 Fällen
wurden im Blut Longusstämme gefunden, die sämtlich bis auf
einen, der nur eine geringere Aufhellung der Blutagarplatte
bewirkte, starke Lösung herbeiführten. In 4 Fällen trat der
Tod ein, in 2 Fällen Genesung. Beziehungen zwischen
Schwere des Krankheitsbildes und Hämolyse
wurden nicht konstatiert.
In gleicher Weise wurde sowohl in den Fällen, in denen
Streptokokken aus dem Blut wie in andern, in denen aus Eiter
oder Mandelabstrichen Kokken erhalten wurden, eine Beziehung
zwischen Schwiere der Krankheit und Grad der Hämolyse in
Blutbouillon wie Blutagar vermisst. Die vorstehende Tabelle
gibt genügenden Aufschluss.
Damit musste die Annahme, dass Beziehungen zwischen
der Schwere des klinischen Verlaufs der Streptokokken¬
erkrankungen und der Hämolyse auf Blutnährböden bestehen
könnten, fallen gelassen werden.
In abgeschwächten Sepsisformen, ferner bei schwerer
Endokarditis und in Choreafällen, die günstig verliefen, sind
Streptokokken konstatiert worden, die eine starke Aufhellung
des Blutagars und eine burgunderrote Färbung der Blutbouillon
erkennen Hessen. Ebenso kamen in Scharlachfällen Strepto¬
kokkenformen zu Gesicht, die ohne Beziehung zur Schwere des
klinischen Bildes Hämolyse aufwiesen und vermissen Hessen.
Aus Mandelabstrichen und Hautabszessen wurden Strepto¬
kokken gezüchtet, die in Blutnährböden Lösung verursachen,
z. T. nicht lösten, ohne dass Beziehungen zur Schwere des
klinischen Prozesses sich ableiten Hessen. Und endlich wies
die Prüfung der Tierpathogenität einzelner Stämme (auf weisse
Mäuse) darauf hin, dass solche Beziehungen zwischen
G i f t i g k e i t d e s Stammes und Grad der Hämo¬
lyse nicht im mindesten bestehen. Wir können
also auch nicht den Beobachtungen einiger Autoren zustimmen,
die ein hämolytisches Vermögen nur den Streptokokken¬
stämmen zuschreiben wollen, die sich auch für Tiere als
pathogen erwiesen hatten.
Bestätigt konnte hiegegen eine andere Beobachtung
werden, dass die hämolysierenden Stämme, die direkt aus dem
Blut gezüchtet wurden, dann eine stärkere Hämolyse auf¬
wiesen, die geringer ausfiel, sobald einige Ueberimpfungen auf
künstliche Nährböden gemacht waren. Nach der Tierpassage,
die einigemale verwertet wurde, trat dann wieder eine Stei¬
gerung der hämolytischen Kraft ein.
Eine Differenzierung einzelner Streptokokkenarten mit be¬
stimmter ätiologischer Bedeutung lässt sich nach ihrem Ver¬
halten auf Blutnährböden daher, wie unsere, Boxers,
Beitzkes und Rosenthals Untersuchungen ergaben,
nicht durchführen. Weiterzüchtungen einzelner Longusstämme
ergaben zudem analog den Untersuchungen von Beitzke
und Rosen thal zuweilen einen Verlust, oder wenigstens
ein starke Abschwächung der blutlösenden Fähigkeit. Mitior-
stämme wieder wirkten nach einer Tierpassage in mässigem,
aber deutlich erkennbarem Grade hämolytisch.
Ziehen wir demnach das Fazit aus allen von uns ange-
stellten Untersuchungen, so wurden bei Blutuntersuchungen
23 mal Streptokokken gefunden. 17 mal hämolytische, 5 mal
nicht hämolytische. Von den hämolytischen sind 6 Fälle ge¬
storben, 11 geheilt worden. Bei den nichthämolytischen
Streptokokken handelt es sich 2 mal um Str. viridus: 1 Heilung,
1 Exitus, 3mal um Str. mucosus: 2 Heilungen, 1 Exitus.
Bei Lokalentnahme von Sekreten und Eiter wurden 24 mal
Streptokokken gefunden, ohne dass ein Exitus jemals eintrat.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1900.
MUENCHENEft MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
it
In 13 Fällen handelte es sich uni den hämolytischen Strepto¬
coccus longus, 11 mal um den nicht hämolytischen Strepto¬
coccus mitior. Wir sehen also, dass die Anwesenheit
von Streptokokken im Blut die klinische Pro¬
gnose, wie dies ja selbstverständlich ist,
trübt, einerlei, ob es sich um hämolytische,
oder nicht hämolytische Streptokokken han¬
delt; aus dem bakteriologischen Blutbefund
allein aber eine infauste Prognose zu stellen,
erscheint unberechtigt. Der Nachweis von
hämolytischen oder nicht hämolytischen
Streptokokken in Sekreten, Eiter usw. ent¬
behrt jeder prognostischen Bedeutung.
Eine scharfe Trennung von Streptococcus longus und
mitior hat aber nicht nur in klinisch-prognostischer Hinsicht
kdne Bedeutung; infolge der mannigfachen Uebergänge von
stark hämolytischen zu nicht hämolysierenden Stämmen und
umgekehrt (Natvig, Heynemann u. a.) erscheint diese
Trennung der Streptokokkenarten auch wis¬
senschaftlich unhaltbar. Dem Str. mucosus scheint
allerdings eine Sonderstellung zu gebühren, seine Pathogenität
ist aber den gleichen Schwankungen unterworfen, wie die
anderen Streptokokkenstämme.
Fragen wir uns zum Schluss nach der inneren Ursache,
trotz des Fehlschlagens aller bisher gemachten Versuche, aus
Beobachtung der Bakterien Aufschlüsse über ihren Virulenz-
grad zu erhalten. Der Fehler liegt unseres Erachtens im
Ausserachtlassen der Tatsache, dass die Virulenz der
Bakterien einen komplexen Begriff darstellt, der
sich, ebenso wie die Virulenz der Geschwulstzellen (Apolant)
einerseits aus den biologischen Verhältnissen der Bakterien,
andererseits aus den Resistenzverhältnissen des als Nährboden
dienenden Organismus zusammensetzt. Dieser letztere Be¬
griff stellt zur Zeit noch eine inkommensurable Grösse dar, auf
deren Berücksichtigung wir aber von vorneherein verzichten,
wenn wir Bakterien auf künstlichen Nährböden untersuchen.
Dann darf es uns nicht Wunder nehmen, wenn alle theoretisch
gefundenen Unterscheidungsmerkmale, die den Virulenzgrad
der Bakterien festlegen, ohne dem komplexen Begriff der
Virulenz gerecht zu werden, von der praktisch-klinischen Be¬
obachtung als unhaltbar nachgewiesen werden.
Aus der medizinischen Klinik zu Leipzig (Direktor: Geh. Rat
Prof. Dr. Curschmann).
lieber Benzinvergiftung*)
Von Dr. med. Heinrich Wiehern, Assistenten der Klinik.
M. H.! Wenn ich Ihnen unter gleichzeitiger Erwähnung
einiger in der hiesigen medizinischen Klinik beobachteter Fälle
kurz über die bisher in der Literatur niedergelegten Er¬
fahrungen über Benzinvergiftung berichten darf, so ist es wohl
ratsam, einige Bemerkungen über den Giftstoff selbst voran¬
zuschicken. Das Benzin stellt die zwischen 70 und 90 0
siedenden Bestandteile des Petroleums dar und wird daher
auch Petroleumbenzin genannt; es ist also kein chemisch ein¬
heitlicher Körper, sondern ein Gemisch von Kohlenwasser¬
stoffen, das in chemisch reinem Zustande nur Hexan (C«Hu)
und Heptan (CxHie) enthält. Das käufliche Benzin, das ja für
Vergiftungen fast allein in Betracht kommt, enthält daneben
stets Verunreinigungen, wie Pentan, Propylen, Butylen,
Amylen usw. Besonders hervorzuheben ist noch, dass Benzin
nicht mit dem Benzol (C«H«), dessen Kohlenstoffatome be¬
kanntlich nicht ketten-, sondern ringförmig angeordnet sind,
verwechselt werden darf. In früheren Veröffentlichungen sind
diese beiden Stoffe häufig als gleiche Körper angesehen worden;
der Irrtum beruht wohl darauf, dass in anderen Ländern, be¬
sonders in Frankreich, die Begriffe synonym gebraucht werden
und in Deutschland das Benzol zuweilen auch als Steinkohlen¬
benzin bezeichnet wird. Für den Arzt ist die Trennung beider
Begriffe, obwohl die Vergiftungen mit beiden Stoffen sehr ähn¬
liche Erscheinungen hervorrufen, insofern praktisch wichtig,
*) Vortrag, gehalten in der Medizinischen Gesellschaft zu Leipzig
am 10. November 1908.
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als das Benzol offenbar schwerere und anhaltendere Schädi¬
gungen hervorruft, als das Benzin.
Früher hat man das Benzin mehrfach als Arzneimittel
empfohlen und angewendet; die innerliche Darreichung erfolgte
bei Trichinose, Keuchhusten und als gärungswidriges Mittel,
äusserlich wurde es gegen Krätze und zur Desinfektion ge¬
braucht. Zu Vergiftungen scheint die medikamentöse Verab¬
folgung jedoch nicht geführt zu haben; als unangenehme Neben¬
wirkung wurden, wie Lochner [ll] erwähnt, nach Einatmen
von Benzindämpfen bei Keuchusten zuweilen mässige Kopf¬
schmerzen beobachtet. — Während die arzneiliche Verordnung
von Benzin heutzutage wohl kaum mehr in Betracht kommt,
findet das Benzin ja schon lange eine viel ausgedehntere Ver¬
wendung im Haushalt und in Wäschereien, sowie neuerdings
vor allem als Kraftmittel zum Antrieb von Motoren, z. B. in der
Automobilindustrie, und endlich zum Vulkanisieren des Kaut¬
schuks in Gummifabriken. Diese Anwendungsweisen haben
nun wiederholt Gelegenheit zu Vergiftungen durch Benzin ge¬
geben, und es lassen sich dabei je nach Art der Aufnahme des
Stoffes in den Körper 2 Gruppen von Vergiftungen unter¬
scheiden. Entweder wird das Benzin getrunken, also in
den Magen eingeführt, oder es wird in Gestalt von Benzin¬
dämpfen eingeatmet und gelangt somit durch die Lunge
in den Kreislauf.
Wenden wir uns zunächst der ersten Gruppe zu, so sind
die Opfer der Vergiftung hauptsächlich kleine Kinder, die aus
Unverstand oder Neugier in einem unbewachten Augenblick
einen Schluck aus einer im Hause vorrätigen Benzinflasche
trinken. Daneben gibt es Fälle, in denen Erwachsene irrtüm¬
licher Weise oder in selbstmörderischer Absicht Benzin zu sich
nehmen. Drei solcher Selbstmordversuche kamen in unserer
Klinik zur Beobachtung:
Ein 19 jähriges, offenbar leicht erregbares Dienstmädchen trank
eine nicht sicher festgestellte, jedenfalls aber nur geringe Menge
Benzin. Bald darauf musste sic erbrechen, doch konnten, als sie
kurz hinterher ins Krankenhaus eingeliefert wurde, ausser einer nüis-
sigen Herzschwäche keine Krankheitserscheinungen mehr bei ihr
nachgewiesen werden. Der bei sofort vorgenommener Magenspülung
entleerte Speisebrei Hess keinen Benzingeruch mehr erkennen, ln
den ersten drei Tagen nach diesem Vergiftungsversuch wurden im
Urin geringe Spuren von Eiweiss gefunden.
Im zweiten Falle nahm eine 20 jährige Arbeiterin, die im 3. bis
4. Monat gravide war, an einem Sylvesterabend, nachdem sie vor¬
her reichlich Heringssalat gegessen hatte, um 9Va Uhr etwa 100 ccm
Benzin zu sich. Da der schlechte Geruch und Geschmack sie bald
anekelte, steckte sie einen Finger in den Hals und erbrach ziemlich
heftig. Gegen 11 Uhr abends erfolgte erst die Ueberfiihfung ins
Krankenhaus; trotzdem konnte an der Kranken noch ein deutlicher
Benzingeruch — auch aus dem Munde — wahrgenommen werden,
und eine Magenspülung beförderte stark nach Benzin riechende
Reste ihrer Mahlzeit heraus. Die Kranke litt dann kurze Zeit an
mässig heftigen Kopfschmerzen und an einer leichten Herzschwäche,
zeigte aber schon am folgenden Tage keine Vergiftungssymptome
mehr. Der Urin war in diesem Falle von Anfang an frei von patho¬
logischen Bestandteilen.
Während die beiden geschilderten Fälle also sehr leicht und
harmlos verliefen, bot die dritte von uns beobachtete Kranke, eine
21 jährige Schneiderin, vorübergehend doch schwerere Er¬
scheinungen. Sie trank abends 9 Uhr etwa % Liter Benzin, wurde
nach Angabe der Mutter schon bald darauf bewusstlos und befand sich
noch in diesem bedrohlichen Zustande, als sie 2 1 ■ • Stunden später in
das Krankenhaus gebracht wurde. Dort traten einige kurz dauernde,
krampfartige Zuckungen auf. Der Puls war an diesem Abend und
noch am folgenden Morgen bis auf 45 Schläge verlangsamt. Die
Kranke erholte sich allmählich während der Nacht, klagte aber am
Morgen über Kopf- und Halsschmerzen, das Schlingen war erschwert,
und der weiche Gaumen zeigte eine mässige Rötung. Im Urin wurde
nichts Bemerkenswertes gefunden. Nachteilige Folgen hinterliess die
Vergiftung nicht. Es mag nur noch erwähnt werden, dass am 2. Tage
ein typischer, hysterischer Anfall zur Beobachtung kam.
Die Literatur hat mehrere ähnliche Fälle, wie die hier ge¬
schilderten, aufzuweisen; als leichtere Symptome werden da¬
bei gewöhnlich Erbrechen, unangenehmes Aut'stossen, brennen¬
der Magenschmerz, Kopfweh, Schluckbeschwerden und
Schwindelgefühl genannt. Bei Erwachsenen kommt es ziemlich
selten und wohl nur nach Einnahme einer grösseren Menge
des Giftes zu völliger Bewusstlosigkeit, die mit Lichtstarre der
Pupillen und Mydriasis einherzugehen pflegt. Die bei Er¬
wachsenen beobachteten Todesfälle traten stets erst viele
2 *
Original frn-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
Stunden nach Einnahme des Benzins auf und sind wohl nicht
auf die Giftwirkung allein, sondern hauptsächlich auf sekundäre
Erkrankung, z. B. an Schluckpneumonie, zurückzuführen. Im
Gegensatz -dazu genügen bei kleinen Kindern, wie die Mit¬
teilungen von Falk [4], Roth [17], Klare [10], Racine [14],
Z Ö r n 1 a i b [20] u. a. lehren, recht geringe Mesngen (bis zu
15 g) Benzins, um völlige Bewusstlosigkeit, schwerste Herz¬
schwäche, klonische Krämpfe und meist innerhalb einer Stunde
schon den Tod herbeizuführen. Die Sektionsergebnisse solcher
Fälle weisen darauf hin, dass neben der narkotischen Wirkung
als Todesursache auch wohl noch eine lokale Reizung des
Magens und Darms, die zu Gastroenteritis führt, und vielleicht
auch Degenerationsvorgänge an den Nieren in Betracht
kommen (vergl. Reuter [16].
M. H.! In mancher Beziehung interessanter und wichtiger,
als diese Fälle, sind für den Arzt, trotz ihrer Seltenheit, die
durch Einatmen von Benzindämpfen hervorge¬
rufenen Vergiftungen. Bei ihnen haben wir nämlich mit der
Möglichkeit einer gewerblichen Erkrankung zu rechnen, und
gerade die beiden in unserer Klinik beobachteten Fälle bilden
einen Beleg dafür:
Ein 23 jähriger kräftiger Arbeiter sollte in einer hiesigen che¬
mischen Fabrik eine Retorte, aus der etwa 2500 Liter Benzin destil¬
liert werden konnten, reinigen. Nach Angabe des Betriebsleiters war
das Gefäss zu diesem Zweck mit annähernd 400 Liter Wasser ge¬
füllt, enthielt aber noch Reste der früheren Benzinfüllung. Als der
Mann durch die enge, für ihn gerade durchgängige Oeffnung des
Behälters eingestiegen war, wurde ihm sofort schlecht, so dass er
umfiel. Ein herzueilender Arbeiter machte den Versuch ihn heraus¬
zuziehen, konnte ihn aber nicht halten, sondern Hess ihn fallen, so
dass der Vergiftete mit dem Gesicht in die Flüssigkeit eintauchte.
Erst durch weitere Hilfe wurde er aus dieser gefährlichen Lage
befreit und noch in bewusstlosem Zustande dem Krankenhause zu¬
geführt. Schon in einiger Entfernung von dem Kranken war ein
starker Benzingeruch wahrnehmbar. Der Kranke selbst lag bewusst¬
los auf der linken Seite, die Pupillen waren maximal erweitert und
gaben keine Lichtreaktion. Die Arme und Beine waren stark spastisch
kontrahiert, so dass es kaum möglich war, den Kranken auf den
Rücken zu legen. Gleichzeitig bestand schwere Akrozyanose, und
die Haut des Körpers fühlte sich sehr kalt an. Der Puls war kaum
fühlbar, stark irregulär und etwas beschleunigt. Kurz nach der Ein¬
lieferung setzte ein äusserst heftiger Schüttelfrost ein, und der Kranke
erbrach bräunliche Massen, die jedoch kein Benzin enthielten. Nach¬
dem Kamphereinspritzungen und eine Sauerstoffinhalation (30 Liter)
vorgenommen waren, gab er auf Anrufen wieder Antwort, war aber
noch etwas benommen. Erst nach lVa Stunden wurde das Be¬
wusstsein wieder völlig klar, die Herztätigkeit kräftig, die Pupillen¬
reaktion und -weite normal und das Allgemeinbefinden besser. Die
Patellarreflexe hatten anfangs ganz gefehlt, waren später aber etwas
lebhafter als in der Norm. Der Kranke klagte noch bis zum nächsten
Morgen über heftige Kopfschmerzen, die auch an den folgenden Tagen
noch zuweilen wiederkehrten, lieber den Lungen waren in der
nächsten Zeit einzelne bronchitische Geräusche hörbar, die Hals¬
organe blieben mehrere Tage leicht gerötet, und Patient hatte ein
schmerzhaftes Gefühl beim Atmen, „als ob er Schwefelsäure einge¬
atmet hätte“. An der Herzspitze war einige Tage hindurch ein bei
der Aufnahme noch nicht vorhandenes systolisches Geräusch hörbar.
Der zuerst gelassene Urin (600 ccm) hatte ein spezifisches Gewicht
von 1020, enthielt geringe Spuren Eiweiss und war. wie eine genauere
chemische Untersuchung ergab, frei von Benzin; alle später ge¬
lassenen Harnmengen waren völlig normal. Die vollständige Wieder¬
herstellung und Genesung des Kranken von der Vergiftung nahm
etwa zwei Wochen in Anspruch.
Sehr ähnlich verlief der zweite Fall:
Ein 27 jähriger kräftiger Mann hatte morgens in der Benzin¬
vorratskammer einer chemischen Wäscherei die Zuflusshähne zu
öffnen, um das Benzin in die Waschbehälter einfliessen zu lassen.
Es war ihm schon öfter bei feuchtem Wetter in dem ziemlich engen
Raume ein starker Benzingeruch aufgefallen, der wohl durch Ab¬
tropfen kleiner Mengen Benzins aus undichten Stellen der Leitung
entstanden war. An einem solchen feuchten Morgen wurde er nun
um etwa VA Uhr bewusstlos in der Vorratskammer aufgefunden, die
er nach seiner späteren Angabe um 7 Uhr betreten hatte; aus einem
nicht gut verschlossenen Hahne war, wie die Nachforschung ergab,
stetig eine mässige Menge Benzin abgeflossen und in dem Raume
verdunstet. Der Kranke wurde sofort an die freie Luft gebracht,
und der zuerst herbeigerufene Arzt leitete, da die Atmung völlig
stand, sogleich künstliche Respiration ein und gab wegen der be¬
drohlichen Herzschwäche Kampherinjektionen. Nach etwa einhalb¬
stündigen Bemühungen erwachte der Kranke; der Puls blieb aber
noch sehr klein und unregelmässig. Im Krankenhause, wo Patient
um 9 V 4 Uhr ankam, war an ihm schon von weitem ein äusserst
Starker Benzingeruch bemerkbar, und noch etwa 1 Stunde später
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roch der Atem deutlich nach Benzin. Der Kranke lag zusammenge¬
kauert im Bett und hatte fast ununterbrochen heftige Schüttelfröste,
die etwa X A— X A Stunde anhielten und dann erst allmählich schwächer
wurden. Dabei war das Zähneklappern so stark, dass Patient oft am
Sprechen verhindert war. Die Haut des ganzen Körpers war sehr
kalt und die Gliedmassen und das Gesicht zeigten starke Zyanose.
Es bestand keine Herzerweiterung, doch war der Puls anfangs nicht
fühlbar. Das Sensorium war noch leicht benommen; der Kranke gab
sich zwar Mühe auf die an ihn gerichteten Fragen zu antworten,
doch führte er dabei etwas verwirrte Reden. Gleichzeitig warf er
sich unruhig umher, griff oft nach dem Kopf, der stark zu schmerzen
schien, und klagte über Brechreiz und heftigen Durst. Nach Kam¬
pherinjektionen und warmen Einpackungen besserte sich das Be¬
finden. %—1 Stunde nach der Aufnahme betrug die vorher wegen
des Schüttelfrostes nicht messbare Körpertemperatur 38,4°, fiel aber
schon am Abend auf 37,1 0 ab. Der Puls wurde allmählich fühlbar und
besserte sich innerhalb der ersten zwei Stunden wesentlich. Die
Patellarreflexe, deren Prüfung anfangs wegen des heftigen Muskel¬
zitterns unmöglich war, zeigten später eine deutliche Steigerung.
Bis zum Abend erholte sich der Kranke, nachdem er inzwischen
einige Stunden geschlafen hatte, fast vollständig, klagte aber noch
über sehr unangenehme Kopfschmerzen. Auch am folgenden Morgen
hatte er noch ein dumpfes Gefühl im Kopf, „als ob ein Brett davor
wäre“. Erst im Laufe dieses Tages trat vollständige Genesung ein.
Der Urin enthielt, wie noch erwähnt sein mag, am Anfang etwas
Indikan, sonst keine fremden Bestandteile.
M. H.! Mit diesen beiden Krankengeschichten habe ich
Ihnen schon das typische Bild einer Vergiftung durch Benzin¬
dämpfe geschildert. Die wenigen bisher in der Literatur ver¬
öffentlichten Fälle dieser Art, wie sie F 0 u 1 e r t o n T6],
B ü r g i [2] und S i e m 0 n [18] beschrieben haben, zeigten fast
völlig gleiche Erscheinungen und nahmen denselben Verlauf,
wie unsere Fälle. Ich will mich deshalb mit dem Hinweis auf
diese Mitteilungen begnügen, möchte aber als bemerkenswert
hervorheben, dass die Betäubung durch Benzindämpfe offenbar
sehr schnell eintritt und dass die Vergifteten sich daher gewöhn¬
lich nicht mehr in Sicherheit bringen, ja vielleicht nicht einmal
mehr rechtzeitig Hilfe herbeirufen können. Damit stimmt auch
eine Beobachtung unseres zuletzt genannten Kranken überein;
er erzählte uns, vor einiger Zeit habe sich ein Knabe in der
Wäscherei nur für einen kurzen Augenblick über einen offenen
Benzinbehälter gebeugt und sei sofort bewusstlos umgefallen.
Da er sich an der frischen Luft schnell wieder erholt habe, sei
damals ein Arzt nicht mehr herbeigerufen worden.
Wenn demnach bei diesen Vergiftungen die narkotische
Wirkung der Benzindämpfe auch durchaus im Vordergründe
stand, so war doch in unseren und auch in anderen Fällen das
auffälligste und überraschendste Symptom jenes überaus
heftige Muskelzittem; einige Kranke befanden sich längere
Zeit fast ohne Unterbrechung im Zustande eines Schüttelfrostes.
Es ist nicht ganz leicht, für diese Erscheinungen eine bestimmte
Erklärung zu geben; am wahrscheinlichsten ist es wohl, dass
zuerst vasomotorische Störungen, die ja in der Kälte und
Zyanose der Haut deutlich zum Ausdruck kommen, auftreten
und dadurch erst sekundär das Muskelzittern ausgelöst wird.
Mag man nun auch die vorerwähnten Vergiftungen durch
Benzindämpfe schon wegen ihrer geringen Zahl als unglück¬
liche Zufälle bezeichnen, so lässt sich doch nicht leugnen, dass
diese Art der Vergiftung auch als gewerbliche Krankheit eine
Rolle spielen kann. Es genügt dabei darauf hinzuweisen, dass
G a 1 i a n [8] tatsächlich schon eine allerdings sehr leicht ver¬
laufene Massenvergiftung von Fabrikarbeitern mit Benzin¬
dämpfen gesehen hat. Um daher für die Würdigung dieser
Frage die nötigen Grundlagen zu schaffen, sind von mehreren
Forschern, wie Montalti [12], Felix [5], Klare [10],
Weissenberg [19], Dorendorf [3] u. a., Versuche an
Tieren (Hunden, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen) ange¬
stellt worden. Sämtliche Autoren konnten an ihren Tieren
sehr ähnliche Symptome hervorrufen, wie sie am Menschen
beobachtet worden sind, was ich ebenfalls bei einigen an
Kaninchen angestellten Versuchen bestätigt fand. Gerade
jenes auffällig heftige Muskelzittern wird in den Versuchs¬
protokollen, besonders wenn Katzen vergiftet wurden, mehr¬
fach als bemerkenswertes Symptom hervorgehoben. Die
Versuchsanordnung Weissenbergs [19], der Katzen in
einem grossen, von Luft durchströmten Kasten ganz bestimmt
dosierbaren Benzindämpfen aussetzte, kam wohl den auf den
Menschen zutreffenden Verhältnissen am nächsten. Seine nach
Original from
UNIVER3ITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
13
mehrmaliger Vergiftung gestorbenen Tiere zeigten bei der
Sektion Hyperämie des Gehirns und seiner Häute, kleine Er¬
güsse in die serösen Höhlen, geringe Blutungen oder Infarkte
der Lungen und schlaffe Herzmuskulatur. Vom Menschen
liegen bisher keine Sektionsergebnisse vor, da alle Fälle zur
Genesung kamen.
Bei den Tierversuchen schienen die schon einige Male
vorher vergifteten Tiere meist viel später Vergiftungssymptome
zu zeigen, als unter gleichen Bedingungen gehaltene, frische
Tiere. Das legt den Gedanken an eine Gewöhnung der
Tiere an die Benzindämpfe nahe. Ein abschliessendes Urteil
darüber, ob eine solche Gewöhnung wirklich möglich ist, kann
wohl noch nicht gefällt werden. Immerhin berichtete uns aber
einer unserer Kranken, dass die neu in die Wäscherei ein¬
tretenden Arbeiter fast regelmässig durch die Benzindämpfe
an Kopfschmerz, Schwindelgefühl und leichter Benommenheit
litten, nach einigen Tagen aber schon keine Beschwerden mehr
davontrügen, sich also auch „daran gewöhnten“.
Natürlich drängt sich dem Arzte dabei die Frage auf, ob
neben der Gewöhnung auch schon chronische Ver-
giftungen durch Benzindämpfe beobachtet worden sind.
Nach den Mitteilungen Dorendorfs [3] muss diese Frage
bejaht werden; denn er veröffentlicht die Krankengeschichten
zweier Arbeiter, die in Gummifabriken mit Vulkanisieren be¬
schäftigt waren und dadurch schwer erkrankten. Es traten bei
ihnen Parästhesien, leichte Paresen, psychische Depression,
Gliederschmerzen, Magen- und Darmstörungen auf, kurzum
ein der chronischen Schwefelkohlenstoffvergiftung sehr ähn¬
liches Krankheitsbild. Dorendorf glaubt aber mit Sicher¬
heit jede Einwirkung von Schwefelkohlenstoff in diesen Fällen
ausschliessen zu können, da zum Vulkanisieren nur ein Chlor-
schwefel-Benzin-Gemisch verwendet worden war, und bezieht
die Erscheinungen, indem er zugleich überzeugende Kontroll-
versuche an Tieren machte, allein auf die Wirkung des Benzins.
Von R o s e n t h a 1 [15], H e w e 1 k e [9] und Peters [13]
sind übrigens Leute beobachtet worden, die absichtlich,
um sich einen Genuss zu verschaffen, Benzindämpfe in kleineren
Mengen, z. B. aus einer Flasche, einatmeten; sie ver¬
fielen dann in einen Zustand angenehmer Träume. Das von
P e t e r s [13] untersuchte Kind scheint durch diesen Missbrauch
eine schwerere, dauernde Schädigung, nämlich eine retrobul¬
bäre Neuritis mit stark herabgesetzter Sehschärfe und zen¬
tralem Skotom für Rot und Grün, davongetragen zu haben.
Nach solchen Mitteilungen muss zweifellos die Möglichkeit
der Entstehung einer chronischen Benzinvergiftung durch Ein¬
atmen der Dämpfe zugegeben werden. Man wird daher in Zu¬
kunft in allen Betrieben, wo grössere Benzinmengen verdunsten
können, geeignete, hier nicht eingehender zu erörternde V o r -
sichtsmassregeln zum Schutze der Arbeiter treffen
müssen, etwa in gleicher Weise, wie sie Bachfeld [l] für
die Vergiftungen mit Benzolderivaten oder Franke [7] vor
kurzem für das Arbeiten mit Schwefelkohlenstoff angegeben hat.
Die Therapie der akuten Benzinvergiftung hat natür¬
lich neben der Darreichung von Herzmitteln vor allem für mög¬
lichst baldige Entfernung des Giftes aus dem Körper zu sorgen.
Wurde das Benzin getrunken, so ist sofort eine Magenspülung
vorzunehmen; bei der Vergiftung durch Benzindämpfe kommt
wohl die Einleitung künstlicher Atmung in frischer Luft vor¬
wiegend in Betracht. Darüber, wie das Gift aus dem Körper
ausgeschieden wird, sind offenbar experimentelle Unter¬
suchungen noch nicht angestellt worden. Die bisherigen An¬
gaben, dass es als gepaarte Schwefelsäure im Urin erscheint,
beziehen sich wohl sicher nur auf das Benzol und sind fälsch¬
lich auf das Benzin übertragen worden. Es ist anzunehmen,
dass ein grosser Teil des Giftes den Körper in Dampfform
durch die Lungen verlässt; der lange anhaltende Geruch der
Ausatmungsluft nach Benzin scheint mir dafür zu sprechen.
Im Urin ist Benzin bisher nicht nachgewiesen worden.
Literatur.
1) Bachfeld: Vierteljahrschrift f. ger. Med., 1898, 3. Folge,
Bd. 15, S. 392. — 2) Biirgi: Korr.-Bl. f. Schweizer Aerzte, 1906,
S. 350. — 3) Dorendorf: Zeitschr. f. klin. Med., Bd. 43, S. 42,
1901. — 4) Falk: Therap. Monatsh., 1892, S. 323. — 5) Felix:
0. Vierteljahrschr. f. öffentl. Gesundheitspflege, 1872, S. 226. — 6)
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Foulerton: Lancet, 1886, II., S. 865. — 7) Franke: Viertel¬
jahrschrift f. ger. Med., 1906, 3. Folge, Bd. 31, S. 435. — 8) G a 1 i a n:
Spitalul, Bd. 24, 1904 (ref. Schmidts Jahrb.. Bd. 285, S. 159). —
9) He welke: zit. Kobert: Lehrb. d. Intoxikationen, 1906, S. 924.
— 10) Klare: Aerztl. Sachverständigenzeitung, 1907, S. 93. — 11)
Lochner: Bayer, ärztl. Intelligenzbl. 1865 (ref. Schmidts Jahrb.
Bd. 127, S. 55). — 12) Montalti: ref. Virchow-Hirsch Jahresber.,
1890, I., S. 408. — 13) Peters: Vereinsbeil. d. D. m. W., 1900.
S. 249. — 14) Racine: Vierteljahrsschr. f. ger. Med., 1901, S. 63.
— 15) Rosenthal: Zentralbl. f. inn. Med., 1894, S. 281. — 16)
Reuter: Wien. med. W., 1907, S. 426. — 17) Roth: Zeitschr. f,
Medizinalbeamte, 1906, S. 784. — 18) Siemon: Monatsschr. f. Un¬
fallheilkunde, III, 1890, S. 366. — 19) W eissenberg: Inaug.-Diss.
Würzburg 1904. — 20) Zörnlaib: Wiener med. W.. 1906, S. 366.
Die intravenöse Arsen-Tuberkulinbehandlung.*)
Von Dr. Felix Mendel in Essen a/Ruhr.
Die spezifische Behandlung der Tuberkulose
muss nach unseren heutigen Kenntnissen von Infektion und
Heilung darauf gerichtet sein, dem menschlichen Organismus
im Kampfe gegen den zerstörenden Einfluss dieser Krankheit
durch künstliche Vermehrung seiner natür¬
lichen Schutzkräfte zu Hilfe zu kommen. Da aber bei
der Tuberkulose im Gegensätze zu anderen Infektionskrank¬
heiten der Organismus mit dem Fortschreiten der
Krankheit iminermehrdie Fähigkeit einbijsst,
wirksame Schutzstoffe zu bilden, und die Ver¬
suche einer passiven Immunisierung gegen die Tuber¬
kuloseinfektion gescheitert sind, so haben sich bis jetzt alle
spezifisch wirkenden Mittel als unzulänglich zur Heilung
der Tuberkulose erwiesen. Wir müssen deswegen, um uns
einen Heilerfolg zu sichern, gleichzeitig mit der An¬
wendung spezifisch wirkender Bakterienprodukte auf eine
möglichst wirksame Verwertung solcher Heilmittel be¬
dacht sein, welche ohne schädliche Nebenwirkungen die Er¬
nährungsvorgänge im Organismus günstig beein¬
flussen, die vitale Energie der Zellen heben und da¬
durch ihre Wehr - und Widerstandskraft gegen die
eingedrungenen Schädlichkeiten erhöhen.
Aus dieser Ueberlegung heraus möchte ich Ihnen nach
ausreichender Erfahrung zur Behandlung der Tuberkulose die
kombinierte Anwendung von Arsen und Tu¬
berkulin empfehlen, zweier Heilmittel, die, so verschieden¬
artig sie auch ihrer Herkunft und ihrer Wirkungsweise nach
erscheinen, doch in ihrem Zusammenwirken, besonders
in der von mir erprobten Art ihrer Anwendung, die besten
Chancen einer günstigen Beeinflussung des tuber¬
kulösen Krankheitsprozesses bieten.
Man mag über die Wirkungsweise des Koch sehen A 11 -
tuberkulins und seinen Wert als Heilmittel der Tuber¬
kulose geteilter Ansicht sein, so viel kann wenigstens nach
unseren heutigen Erfahrungen als feststehend angenommen
werden, dass es bei konsequenter und zweckentsprechender
Anwendung im tuberkulös infizierten Körper
Schutzstoffe organisiert, welche den Or¬
ganismus im Kampfe gegen die Infektion
unterstützen.
Schon im Jahre 1901 hat Robert Koch 1 ) nachgewiesen,
dass durch Injektion von Tuberkulin (er verwandte zu diesen
Versuchen das T. O.) in fortgesetzt gesteigerter Dosis bei
Tuberkulösen das Agglutinationsvermögen ihres
Serums gegen Tuberkelbazillen beträchtlich erhöht
werden kann und zwar tritt diese Wirkung in ganz über¬
raschender Weise schon nach minimalen Dosen be¬
sonders dann ein, wenn das Tuberkulin durch intravenöse
Injektion direkt der Blutbahn einverleibt wird.
Wenn nun diese Tatsache auch nicht als ein ausreichender
Beweis für den Heilwert des Tuberkulins gelten kann, so ist
doch damit experimentell erwiesen, dass wenigstens einer der
uns bekannten Faktoren, deren Zusammenwirken den kompli¬
zierten Vorgang der Heilung bedingt, durch das Koch sehe
*) Vortrag, gehalten in der Rhein.-Westf. Gesellschaft f. innere
Med. u. Nervenheilk., 29. XI. 08.
*) Rob. Koch: D. med. Wochenschr. 1901, No. 48.
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14
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
Mittel gesteigert, und wo er gänzlich fehlt, sogar künstlich
erzeugt werden kann.
Es muss ferner als feststehend anerkannt werden, dass
durch das Tuberkulin ein entzündungserregender
Reiz auf die Umgebung tuberkulöser Herde
ausgeübt wird, ein Reiz allerdings, der, wenn er einen ge¬
wissen Schwellenwert übersteigt, zum Absterben des Ge¬
webes, zur Nekrose führt, in seinen unteren Grenzen aber
nur eine verstärkte Blutströmung, eine aktive
Hyperämie der perituberkulösen Zone her¬
vorruft.
Diese perituberkulöse Entzündung wollen
wir mit unserer kombinierten Arsen-Tuberkulinbehandlung
ausnutzen, ohne dabei auf die lokale Heilwirkung des
Tuberkulins zu rechnen.
Wir wissen, dass viele Arzneistoffe an denjenigen
Stellen des Organismus, welche sich im Zustande der ent¬
zündlichen Reizung befinden, eine verstärkte Ab¬
lagerung, eine Speicherung erfahren (so z. B. das
Quecksilber und die Jodverbindungen und nach-
gewiesenermassen auch das Arsen) und dass sie an diesen
Stellen infolgedessen auch eine verstärkte Wirkung
ausüben.
Gelingt es also, durch kleinste Tuberkulindosen in der
Peripherie tuberkulöser Herde, die sich normalerweise durch
eine überaus geringe entzündliche Reaktion
auszeichnen, diese in ausreichender Weise zu steigern, so
wird bei gleichzeitiger Injektion von Arsen sich dieses Heil¬
mittel in der perituberkulösen Zone ganz besonders stark
aufspeichern und dadurch auf die am meisten ge¬
fährdeten Zellterritorien einen besonders starken
nutritiven Reiz ausüben, ihre Wehr- und Wider¬
standskraft gegen das tuberkulöse Gift stimulieren
und so dem Fortschreiten des tuberkulösen Zerstörungs¬
prozesses einen wirksamen Wall entgegensetzen.
Als das geeignetste Arsenpräparat muss das A t o x y 1 be¬
zeichnet werden, das in der von mir angewandten 15 p r o z.
Lösung und den mittleren Dosen, die mit 0,05 be¬
ginnen und bis zu 0,3 g pro injectione steigen, niemals
toxische Erscheinungen hervorruft, aber gerade in
der Form der intravenösen Injektion ohne jede
störende Nebenwirkung in ganz hervorragendem Masse seine
kurative Wirkung entfaltet.
Dieselbe Art der Anwendung verdient auch für das
Tuberkulin den Vorzug, weil nach den Ergebnissen der
Koch sehen Untersuchungen gerade die intravenöse
Injektion des Tuberkulins in ganz überraschender
Weise schon in minimalen Dosen die Bildung von Schutz-
stoffen im tuberkulös infizierten Organismus anregt.
Die intravenöse Injektion des Tuberkulin« ist aber auch
deswegen der subkutanen vorzuziehen, weil sie, wie ich das
bereits an anderer Stelle 2 ) bei Besprechung der von mir an¬
gegebenen intrakutanen Tuberkulinreaktion
nachgewiesen, nicht nur Sicherheit der Do¬
sierung und Schmerzlosigkeit in der Anwen¬
dung gewährleistet, sondern auch bei richtiger Technik
jede lokale T u b e r k u 1 i n r e a k t i o n an der In¬
jektionsstelle vermeidet.
Bei der kombinierten Arsen-Tuberkulinbehandlung wird
nun so verfahren, dass der allmählich ansteigenden Atoxyl-
dosis so oft als nötig eine allmählich ansteigende Tuberkulin¬
dosis in der Weise hinzugefügt wird, dass die mit der Arsen¬
dosis gefüllte Spritze noch so viel Teilstriche einer Tuberkulin¬
lösung 1:1000 oder 1:10000 aufnimmt, als Dezimilligramm
oder Zentimilligramm Tuberkulin eingespritzt werden sollen.
Da aber nach den Untersuchungen Kochs die A g g 1 u t i -
n a t i o n nach intravenösen Tuberkulininjektionen erst nach
8 Tagen ihren Höhepunkt erreicht, um dann allmählich ab¬
zufallen, so genügt es, nur alle 8 Tage der alle 2 Tage
injizierten Arsendosis eine allmählich ansteigende Tuberkulin¬
dosis hinzuzufügen, die je nach der Ausdehnung des tuber-
2 ) Felix Mendel: Med. Klinik 1908, No. 12.
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kulösen Prozesses bald mit einem Dezimilligramm, bald mit
einem Zentimilligramm zu beginnen hat.
Im grossen ganzen sind stärkere fieberhafte
Reaktionen zu vermeiden, während mässige, allge-
gemeine Reaktionen mit leichter Fibersteigerung von einigen
Zehntelgrad die Wirksamkeit der Kur erhöhen. Tritt aber
unerwartet und unbeabsichtigt eine starke Fieberreaktion auf,
so verläuft sie ohne schädliche Folgen und ganz in derselben
Art wie bei der subkutanen Tuberkulinbehandlung, wie denn
überhaupt die intravenöse Tuberkulinbehandlung in ihren
lokalen wie allgemeinen Reaktionen sich nur wenig von der
bisher üblichen Tuberkulinbehandlung unterscheidet.
Durch intravenöse Injektion dieser beiden Substanzen,
eines Bakterien Produktes und eines Stoffes
der Chemie, erreichen wir zunächst, dass die spe¬
zifische Wirkung des Tuberkulins, wie aus den
Koch sehen Versuchen hervorgeht, um ein vielfaches ge¬
steigert wird. Gleichzeitig bildet sich um den tuber¬
kulösen Herd infolge der lokalen Tuberkulinreaktion eine
entzündliche hyperä mische Zone, die eine
Speicherung des im Blute zirkulierenden Arsens und
damit eine verstärkte Heilwirkung desselben in
den am meisten gefährdeten Zellterritorien
zur Folge hat. Das Tuberkulin bildet also, um mich der
E h r 1 i c h sehen Ausdrucksweise zu bedienen, gleichsam den
Lastwagen, welcher die ihm anvertraute wirksame
Last (das Arsen) an die am meisten bedrohten Stellen be¬
fördert, gleichzeitig erweckt es im Organismus Schutz¬
kräfte gegen das tuberkulöse Virus, während das Arsen
neben der verstärkten lokalen Heilwirkung auf
den Krankheitsherd noch einen allgemeinen toni-
sierenden Effekt ausübt.
Die kombinierte Arsen tuberkulinbehand-
1 u n g erfüllt also alle Forderungen, welche Ehrlich in
seinen Betrachtungen über die moderne Chemotherapie an ein
ideales Heilmittel gestellt hat. da sie in beiden Medi¬
kamenten diejenigen Faktoren zur Wirkung gelangen lässt,
deren Zusammentritt erst einen Heileffekt ermöglicht:
1. die Verteilung regulierende distributive Stoffe
(Tuberkulin);
2. eine die spezifische Wirkung veranlassende
pharmakophore Gruppe (Arsen und Tuber¬
kulin).
Ich habe die kombinierte Arsentuberkulininjektion bei einer
ganzen Reihe von Tuberkulosen angewandt, insbesondere bei
Lungenerkrankungen 1. und 2. Grades, welche
ohne oder mit ganz geringem Fieber verliefen. Dass wir mit
dieser Behandlungsmethode die Wehrkraft des Orga¬
nismus gegen die tuberkulöse Infektion in wirksamster
Weise steigern, glaube ich daraus schliessen zu dürfen,
dass in der grössten Mehrzahl der behandelten Fälle schon
bald nach Beginn der Kur das Befinden der Kranken
sich sichtlich besserte.
Zunächst steigerte sich der Appetit und damit das
gesunkene Körpergewicht oft in beträchtlichem
Masse schon nach kurzer Zeit; die Nachtschweisse
Hessen nach, der Husten wurde besser und auch die vorher
über den erkrankten Partien vorhandenen Rasselge¬
räusche verminderten sich, der A u s w u r f wurde geringer
und verlor allmählich seinen tuberkulös eitrigen Charakter.
Es wurde also in den meisten Fällen nicht nur eine
Hebung des Allgemeinbefindens, sondern auch
eine Besserung des lokalen Krankheitspro¬
zesses durch unsere Behandlungsmethode erzielt, wenn auch
nicht verschwiegen werden darf, dass eine ganze Reihe an¬
scheinend geeigneter Fälle sich auch dieser Therapie gegen¬
über vollständig refraktär verhielten. — Ich möchte die kom¬
binierte Arsentuberkulinbehandlung gerade den Lungen¬
heilstätten, besonders für die etwas vorgeschrit¬
ten e n F ä 11 e, bei denen die bisherige physikalisch diätetische
Behandlung nicht ausreicht, aufs angelegentlichste empfehlen,
aber ebenso kann diese Behandlungsmethode der Tuberkulose
i auch in der ambulanten Praxis des Arztes bei
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
15
nicht fiebernden Lungenkranken 1. und 2. Qrades erfolg¬
reiche Verwendung finden.
Die chirurgische Behandlung des Morbus Basedowii*).
Von Dr. K r e c k e in München.
M. H.! Das Verständnis für die physiologische Bedeutung
der Schilddrüse und für die Erkrankungen dieses wichtigen
Organes ist in den letzten 20—30 Jahren in ungeahnter Weise
gefördert worden. Wir haben gelernt, dass die Schilddrüse
zu bezeichnen ist als eine Drüse mit sogen, innerer Se¬
kretion und dass sie für den normalen Ablauf vieler wich¬
tiger Lebens Vorgänge von höchster Bedeutung ist. Es bleibt
dabei dahingestellt, ob das Schilddrüsensekret den Bestand des
Gesamtorganismus und die Tätigkeit bestimmter Organe direkt
beeinflusst (innere Sekretion rm engeren Sinne) oder ob es dazu
dient, eine Entgiftung schädlicher Stoffwechselprodukte anderer
Organe herbeizuführen.
Je nachdem die Tätigkeit der Schilddrüse ganz aufgehoben,
vermindert oder gesteigert ist, entstehen sehr merkwürdige
Krankheitsbilder, deren Beziehungen zu einander erst am Ende
des vergangenen Jahrhunderts geklärt worden sind. Nimmt
man beim Menschen die ganze Schilddrüse
weg, so zeigt sich ein ganz bestimmter Symptomenkomplex,
der im wesentlichen in einer Abnahme der geistigen Kräfte,
in einer ödematösen Schwellung der Haut und in einer Störung
des Wachstums besteht. Kocher hat diesen Zustand zuerst
als Cachexia thyreopriva beschrieben. Er ähnelt in
ganz hervorragender Weise dem erst in neuerer Zeit be¬
obachteten Krankheitsbilde des Myxödems und ist deshalb
auch als Myxoedema operativum bezeichnet worden. Dass
beide Krankheiten auf einem Ausfall der Schilddrüse beruhen,
wird am besten dadurch erwiesen, dass sie durch Verab¬
reichung von Schilddrüse zu heilen oder wesentlich zu bessern
sind. In ausserordentlich gesteigertem Masse finden wir die
Symptome beider Erkrankungen bei dem Kretinismus,
der nach allgemeiner Anschauung auf einem Mangel oder einer
kropfigen Entartung der Schilddrüse beruht. Auch der Kre¬
tinismus ist durch die Verabreichung von Schilddrüsensubstanz
unzweifelhaft günstig zu beeinflussen.
Kennen wir auf Grund der drei genannten Krankheitsbilder,
des Myxödems, der Cachexia thyreopriva und des Kretinismus
genau die durch den Schilddrüsenausfall bedingten
Erscheinungen, die noch dazu durch das Tierexperiment in
sehr überzeugender Weise erläutert worden sind, so sind uns
nicht minder bekannt die durch eine übermässige Steige¬
rung der Schilddrüsentätigkeit im Organismus
ausgelösten Störungen. Am einfachsten studieren kann man
diese Störungen bei denjenigen Menschen, denen man, wie das
ja in den letzten Jahren sehr beliebt geworden ist, aus irgend
einem Grunde tierische Schilddrüse verabreicht. (Man nimmt
dabei mit mehr oder weniger Recht an, dass die Schilddrüse
selbst dieselbe Wirkung hat wie das Schilddrüsensekret.) Man
beobachtet bei solchen Menschen, zumal wenn die Schilddrüse
im Uebermass gegeben wird, einen bestimmten Symptomen¬
komplex, der sich im wesentlichen aus Herzklopfen, nervöser
Erregbarkeit, Zittern, Schlaflosigkeit, Hitzegefühl, Abmagerung
zusammensetzt. Nicht unzweckmässig hat man diesen Sym¬
ptomenkomplex als Thyreoidismus bezeichnet. Jedem
beschäftigten Arzte, der dies Krankheitsbild öfters gesehen hat,
muss auffallen, welche Aehnlichkeit dasselbe hat mit den Fällen
von nervösem Herzklopfen, wie sie in so reicher Zahl zumal
im jugendlichen Alter Vorkommen. Die neuere Forschung
nimmt denn auch mehr und mehr an, dass ein grosser Teil
dieser Fälle von nervösem Herzklopfen durch eine übermässige
Absonderung von Schilddrüsensekret bedingt sei, und Fried¬
rich v. Müller hat uns in einem Vortrage vor 2 Jahren mit¬
geteilt, dass nach seiner Erfahrung ein Drittel aller Fälle von
nervösem Herzklopfen zum Hyperthyreoidismus gehört. Die
Erkennung des Hyperthyreoidismus ist leicht in denjenigen
Fällen, in denen eine deutliche Schilddrüsenvergrösserung
•) Vortrag, gehalten im ärztlichen Verein München.
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vorliegt. Beim Fehlen des Kropfes bringt uns nach F. M ü 11 e r
die Verabreichung von Jod auf die richtige Diagnose: das Jod
macht immer eine Vermehrung der Krankheitserscheinungen,
besonders des Herzklopfens und des Zitterns.
Durch die einschlägigen Studien, um die sich vor allen
Dingen bekanntlich Kraus verdient gemacht hat, ist uns ein
ganz neues Verständnis mancher früher höchst unklarer
Krankheitserscheinungen eröffnet, und zumal wir Chirurgen
haben ganz ungemein viel aus ihnen gelernt. Uns schienen
früher die bei Kropf beobachteten Erscheinungen des Gefäss-
und Nervensystems durch eine mechanische Beeinträchtigung
des Vagus und Sympathikus bedingt zu sein. Durch die Be¬
obachtungen von Moebius, Kraus, Müller, Minnich
u. a. haben wir gelernt, einmal, dass die Schädigung des Her¬
zens beim Kropf eine primäre, durch die Uebersekretion von
Schilddrüsensekret zustande kommende ist, und ferner, dass
dieselbe bei weitem häufiger ist, als man früher angenommen
hat. Nach einer Zusammenstellung, die nachträglich Herr
Dr. D ä s c h I e r aus meinen Krankengeschichten gemacht hat,
hat sich ergeben, dass bei 160 zur Operation gekommenen
Kropfkranken in 70 Proz. heftiges Herzklopfen unter den sub¬
jektiven Erscheinungen angegeben worden ist.
Ob der von Kraus eingeführte Name Kropfherz mit
Glück gewählt ist, will ich dahin gestellt sein lassen. Sicher ist,
dass bei der in Rede stehenden Erkrankung die Herzerschei¬
nungen immer nur einen Teil der Symptome ausmachen, und
dass für den Kranken ebenso bedeutungsvoll die übrigen Be¬
schwerden sind, die nervöse Unruhe, das Zittern, das Hitze¬
gefühl, die Schlaflosigkeit. Es wäre demnach vielleicht zweck¬
mässig, mehr allgemein statt von Kropfherz von Thyreoidismus,
von Schilddrüsenvergiftung zu sprechen; das Kropfherz ist nur
ein Teil dieser Erkrankung.
Wie absolut sicher die Schilddrüse als die Quelle aller
dieser Erscheinungen anzusehen ist, ergibt sich aus den gün¬
stigen Erfolgen, die die Wegnahme der vergrösserten Schild¬
drüse bei den betreffenden Kranken gebracht hat. Man ist
immer wieder im höchsten Grade überrascht, zu sehen, wie
nach der Kropfoperation alle die genannten Erscheinungen,
man kann wohl sagen, mit einem Schlage schwinden, wie die
Kropfoperierten schon bei der Entlassung nach 6—8 Tagen
einen viel ruhigeren Eindruck machen, besser schlafen, nicht
mehr zittern und meist niederere Pulszahlen aufweisen.
Von den Zeichen des Thyreoidismus führt uns ein Schritt
weiter zu jener merkwürdigen Erkrankung, die man bei uns in
Deutschland im allgemeinen als Basedow sehe Krank¬
heit zu bezeichnen pflegt. Dass die Basedow sehe Krank¬
heit einzig und allein auf einer Vergiftung mit Schilddrüsen¬
sekret beruht, darüber ist man sich seit den grundlegenden
Moebius sehen Arbeiten in allen wissenschaftlichen Kreisen
ziemlich einig. Durch Schilddrüsenverabreichung lässt sich
zwar im allgemeinen ein typischer Basedow nicht herbei¬
führen. Nur in einem von v. Notthafft beschriebenen Falle,
bei dem in 8 Wochen 1000 Schilddrüsentabletten verzehrt
worden waren, ist es zu ganz typischen Basedowsymptomen
mit Exophthalmus und den übrigen Erscheinungen an den
Augen gekommen. Auch durch die Einpflanzung von frisch
exstirpierten Basedowkröpfen hat man bisher bei Tieren
Basedowerscheinungen nicht hervorrufen können. Die Base-
dowsymptome fügen sich aber so zwanglos an die bekannten
thyreotoxischen Erscheinungen an, dass jede andere Theorie
über die Aetiologie des Morbus Basedowii von vorncherein als
ausgeschlossen gelten muss. Beim Morbus Basedowii sind die
Erscheinungen des Thyreoidismus aufs höchste gesteigert. Im
Vordergründe steht das heftige Herzklopfen. Daran schliessen
sich die mancherlei nervösen Symptome, die Erregung, das
Zittern, die Schlaflosigkeit, die Steigerung des Stoffwechsels,
die Abmagerung, die Störungen der Magen- und Darmtätigkeit,
der Hauttätigkeit, die Verminderung des elektrischen Haut¬
widerstandes, und als charakteristisch kommt schliesslich hinzu
der Exophthalmus mit den Störungen der Lid- und Konvergenz-
bewegungen.
Jedem, der viele Kranke mit Thyreoidismus und mit
Basedow gesehen hat, wird oft die Frage aufsteigen: \\ 0
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
16
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
liegt die Grenze zwischen T h y r eo i d i;s m u s
und Basedow, welches sind die verlässigen Unter¬
scheidungsmerkmale zwischen beiden Erkrankungen, gibt es
Uebergänge von der einen zur anderen?
Die Beantwortung dieser Fragen dürfte im allgemeinen
eine recht schwierige sein. Die grösste Mehrzahl der Autoren
stellt sich auf den Standpunkt, dass der Exophthalmus das
Unterscheidende sei: ohne ausgesprochenen Exophthalmus
kein Basedow. Nun gibt es aber zweifellos schwere Fälle
von Struma, Herzklopfen und nervösen Störungen, die man
kaum mehr in das Gebiet des Kropfes mit Thyreoidismus ein-
schliessen kann. Ständige Pulszahlen von 150 und mehr
Schlägen mit Kropf und nervösen Erscheinungen können nicht
mehr in das Gebiet des einfachen Thyreoidismus einbezogen,
sie müssen als Basedow bezeichnet werden. Nach M o e b i u s
ist das Charakteristikum des Basedow überhaupt die Herz¬
störung, und es fragt sich nur, wo die Grenze beider Er¬
krankungen zu suchen ist. Im allgemeinen dürfte es wohl
richtig sein, wenn man einen Kranken mit ständigen Pulszahlen
über 130, die sich auch bei vollkommener körperlicher Ruhe
nicht verringern, falls im übrigen die charakteristischen
thyreotoxischen Erscheinungen, wenn auch ohne Exophthalmus
bestehen, als Basedowkranken bezeichnet.
Man sieht aus diesen Bemerkungen, dass der Dia¬
gnose „Basedow“ ein gewisser Spielraum ge¬
lassen ist, und man kann sich so erklären, warum bei
manchen Aerzten- der Basedow so ausserordentlich häufig vor¬
kommt. Im allgemeinen kann man nur den Rat geben, bei
fehlendem Exophthalmus mit der Diagnose Basedow möglichst
zurückhaltend zu sein. Wenn mir vor kurzen ein Kollege er¬
zählte, dass er unter etwa 400 Kröpfen mehr als 200 Mal
Basedow gesehen habe, so dürfte dieser Kollege mit der
Basedowdiagnose wohl etwas zu freigebig gewesen sein. Hier
in München scheint der Basedow nicht sehr häufig zu sein.
Ich sehe doch wohl jährlich 200 Kröpfe, von denen ungefähr
50 zur Operation kommen. Unter diesen 200 Kröpfen sind im
Durchschnitt nicht mehr wie 5 Basedowfälle. Es lässt sich
nicht behaupten, dass die Kropfgegend an und für sich zu
Basedow disponiert. Auch von Bern weiss ich, dass dort
Basedowfälle verhältnismässig selten sind; die grosse Zahl
der dort operierten Basedowkranken kommt von auswärts.
Es wäre nun sehr verführerisch für mich, mich noch weiter
mit der Pathologie und Therapie des Morbus Basedowii zu be¬
schäftigen. Von den zahlreichen sich aufdrängenden Punkten
seien nur einige kurz genannt: Die Entstehung des Basedow
durch schwere psychische Erregungen (krystallisierter
Schrecken), die grössere Häufigkeit des Basedow in kropffreien
Gegenden, die Frage des primären und sekundären Basedow,
das Verhalten des Stoffwechsels, die merkwürdigen psychischen
Störungen, die Veränderungen am Nervensystem und an den
Muskeln, das Verhalten der Lympdrüsen am Halse, der Aus¬
gang des Basedow usw. Bei der mir zugemessenen Zeit muss
ich aber darauf verzichten und zu dem Hauptpunkt meines
Themas, zu der Behandlung des Morbus Base¬
dowii kommen.
Dasjenige, was den Basedowkranken zum Arzt führt, ist
in den seltensten Fällen der Kropf. Meistens sind es die
Symptome von Seiten des Herzens und des Nervensystms, in
selteneren Fällen der Exophthalmus. Der Kropf wird oft erst
von dem Arzte bei den Kranken entdeckt. Bei der Art der
wesentlichsten Erscheinungen ist es natürlich, dass man erst
mit rein internen Mitteln gegen die Krankheit vorgeht.
Die Hauptsache wird eine hygienisch-diätetische Behandlung
sein: sorgfältige Ernährung, völlige körperliche und geistige
Ruhe, Badekuren, vorsichtige Gymnastik. Elektrizität und
Hypnose werden dabei mit Vorteil verwendet werden können.
Von Medikamenten ist eine Unsumme empfohlen worden:
Eisen, Arsen, Digitalis, Strophanthus, Konvallaria, Jod, Jodo¬
form, Chinin, Antipyrin, Salizylsäure, Phenazetin, Ergotin,
Veratrin, Akonit, Kanabis, Amylnitrit, Pikrinsäure, Belladonna,
phosphorsaures Natron, Harnstoff (!), Brom. Die grosse
Zahl der Mittel beweist schon, dass auf keines derselben ein
iiehtiger Verlass ist. Man wird im gegebenen Falle immer
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mehrere versuchen. Recht gute Erfolge sind wiederholt mit
dem M o e b i u s sehen Antithyreoidin erzielt worden.
Antithyreoidin ist bekanntlich das Blutserum von Hammeln,
denen die Schilddrüse entfernt ist. Der Gedanke, mit diesem
Blutserum eine Art Neutralisation des Schilddrüsengiftes her¬
beizuführen hat sich als sehr glücklich erwiesen. Wenn auch
eine objektive Besserung manchmal ausbleibt, so geben doch
viele Kranke auf das Bestimmteste an, eine, wenn auch nur
vorübergehende Abnahme ihrer Beschwerden zu verspüren.
In ähnlicher Weise hat man den Basedowkranken auch die
Milch thyreoidektomierter Ziegen verabreicht und hat diese
Milch in Form eines Präparates (Rodagen) in den Handel ge¬
bracht. Die Wirkungen sollen sehr unsicher sein, auch ist das
Präparat recht teuer.
Einige Beobachter haben auch von der Behandlung des
Kropfes mit Röntgenstrahle n< günstiges gesehen. Nach
den schlechten Erfahrungen, die ich selbst mit der Röntgen¬
behandlung des Kropfes gemacht habe, habe ich keine Veran¬
lassung gehabt, diese Versuche weiter fortzusetzen. Der eine
meiner Kranken gibt mit Bestimmtheit an, dass die bei ihm zu¬
erst eingeleitete Röntgenbestrahlung eine erhebliche Verschlim¬
merung der Erscheinungen bewirkt habe.
Auch die Behandlung mit Schilddrüse und
Schilddrüsenpräparaten war eine Zeitlang Mode. Nach dem,
was wir über das W'esen des Basedow wissen, kann man vor
einer solchen Behandlung, die das Krankheitsgift vermehrt, nur
nachdrücklich warnen.
Wenn, wie allgemein zugegeben, das Krankheitsgift in der
Schilddrüse bereitet wird, so ergibt sich für diejenigen Fälle,
die durch innere Mittel nicht gebessert werden, als natur-
gemässeste Behandlung die Wegnahme eines ge¬
nügend grossen Stückes der Schilddrüse.
Es hat lange gebraucht, bis die zuerst von R e h n im
Jahre 1884 empfohlene Strumektomie bei Basedow
sich das Bürgerrecht in der Medizin erworben hat, heute ist
man auch im Lager der Internen von der Berechtigung der
Operation im allgemeinen völlig überzeugt. Eine Frage ist
nur im einzelnen Falle, wann die innere Behandlung ab¬
gebrochen und wann die Operation empfohlen werden soll.
In der Regel wird der Innere sich mehr zurückhaltend, der
Chirurg mehr aktiv verhalten, wobei nicht geleugnet werden
soll, dass sehr viele innere Kollegen mit grossem Eifer schon
frühzeitig die Operation empfehlen. Betonet werden muss
jedenfalls vom rein chirurgischen Standpunkte aus, dass die
Fälle nicht allzu spät in einem elenden Zustande zur Operation
gesandt werden. Je früher die Operation vorgenommen wird,
desto besser werden die Erfolge sein.
Auser der Strumektomie sind auch noch andere Eingriffe
gegen die Basedow sehe Krankheit empfohlen worden, so
die Unterbindung der Schilddrüsenarterien
und die Resektion des Sympathikus. Ich glaube,
dass die Bedeutung dieser Operationen keine besondere ist und
gehe daher hier auf dieselben nicht ein.
Die Gefahr der Strumektomie bei Basedow ist selbst¬
verständlich anders zu beurteilen, wie die der einfachen Kropf¬
operationen. Aus einer Zusammenstellung, die auf meine Ver¬
anlassung Herr Dr. B a e t z aus den Statistiken von Kocher,
Riedel, Krönlein, Kümmel 1, König, Wolff gemacht
hat, ergibt sich, dass auf 188 Operationen 17 Todesfälle
kommen = 9 Proz. Sterblichkeit. Diese Todesziffern sind
natürlich noch viel zu hoch. Unter gewissen Vorsichtsmass-
regeln werden sie sich bestimmt erniedrigen lassen. Kocher
hat in letzter Zeit bei 150 Basedowoperationen nur 2 Todes¬
fälle gehabt.
Was meine eigenen Erfahrungen anbetrifft, so habe ich in
den letzten 3 Jahren im ganzen 17 Fälle von Basedow operiert.
Unter den 17 Kranken befinden sich 19 Frauen und ein Mann.
Bei 13 Kranken bestand ein ganz typischer Basedow mit
Exophthalmus, Herzklopfen, Zittern und der grossen Gruppe
der übrigen nervösen Erscheinungen. Bei 4 Fällen war kein
Exophthalmus vorhanden. Wenn ich sie trotzdem zum
Basedow rechne, so beziehe ich mich auf das oben Mitgeteilte:
der Puls hatte in allen Fällen auch bei Bettruhe eine Frequenz
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
5- Januar 100$. _MUENCHENEft MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
von über 130 Schlägen, erreichte einmal 150 und einmal sogar
180—200 Schläge; ausserdem bestanden in diesen Fällen die
mannigfaltigsten thyreotoxischen Erscheinungen.
Als das regelmässigste Zeichen des Basedow kann auch
ich demnach dieStör.ungen vonSeitendesHerzens
bezeichnen. Alle 17 Kranke klagten über mehr oder minder
heftige Anfälle von Herzklopfen. Der Puls hatte in 14 Fällen
ständig auch in der Ruhe über 100 Schläge und blieb nur in
3 Fällen unter 100; in diesen 3 Fällen war dafür aber ein
typischer Exophthalmus vorhanden.
Eine Vergrösserung des Herzens war 12 mal nachweisbar,
10 mal nach links, 2 mal nach rechts.
Unter den 13 Fällen von Exophthalmus waren 9mal
auch die übrigen Augensymptome, das Q raefesche, das
M o e b i u s sehe und das S t e 11 w a g sehe nachweisbar.
Nervöse Störungen bestanden in allen 17 Fällen.
Alle Kranken klagten über mehr oder minder heftiges Zittern,
das auch bei der objektiven Untersuchung immer deutlich nach¬
weisbar war. Daneben bestanden mehr oder minder häufig
Kopfschmerzen, Schwindel, Hitzegefühl, Heisshunger, Schlaf¬
losigkeit, unruhige Träume, grosse Erregbarkeit, Weinkrämpfe.
Starke Neigung zu Schweissen war in 10 Fällen vorhanden.
beträchtliche Störungen des Verdauungs¬
apparates, Erbrechen, Durchfall wurden 9 mal angegeben.
Alle Kranken klagten über eine beträchtliche Verminderung
oder ein völliges Nachlassen der körperlichen Leistungsfähig¬
keit. Stärkere Abmagerung findet sich 10mal auf¬
gezeichnet, einmal um 40 und einmal um 71 Pfund.
Die Grosse des Kropfes war eine sehr wechselnde,
im allgemeinen aber keine sehr beträchtliche. In 17 Fällen war
die Vergrösserung der Schilddrüse nur auf die eine Seite be¬
schränkt, der kleinste Knoten hatte die Grösse eines kleinen
Hühnereies. Bei 10 Kranken waren beide Schilddrüsenlappen
vergrössert; in dem schlimmsten Falle hatte jeder Lappen die
Grösse einer mittleren Frauenfaust.
Die Operation bestand in 16 Fällen in der einseitigen
Exstirpation des Kropfes. 3 mal erwies sich die einseitige
Operation als ungenügend, und es musste darum nach einiger
Zeit noch die Operation der anderen Seite hinzugefügt werden.
In dem 17. Falle habe ich mich bestimmen lassen, die
Operation der stark vergrösserten Drüse wegen auf beiden
Seiten auszuführen. Dieser Fall ist der einzige gewesen, der
einen tödlichen Ausgang genommen hat, und ich glaube mit
Bestimmtheit, dass die Schwere des Eingriffes in der Haupt¬
sache an dem tödlichen Ausgange die Schuld trägt. Ich habe
mich darüber schon ausführlicher an anderer Stelle geäussert.
Die Veranlassung zu der doppelseitigen Operation gab mir die
starke Trachealstenose, die mir durch die einseitige Operation
nicht genügend beseitigt zu sein schien. Richtiger würde es ge¬
wesen sein, zunächst die einseitige Strumektomie auszuführen
und dann vorerst abzuwarten. Ob allerdings bei diesem Vor¬
gehen der tödliche Ausgang sich hätte vermeiden lassen, ist
fraglich; der Fall war der schwerste aus der ganzen Beob¬
achtungsreihe.
Immerhin mahnt er uns, worauf ja auch Kocher ein¬
drücklich hinweist, bei den Basedowkropf Operationen den
Kranken nicht allzu viel zuzumuten und den Eingriff lieber auf
mehrere Sitzungen zu verteilen. Unter ganz schweren Ver¬
hältnissen dürfte es am geratensten sein, sich zunächst mit der
Unterbindung der zuführenden Arterien zu begnügen.
Die übrigen 16 Kranken haben alle die Folgen der Operation
gut Überständern Nach der Operation trat fast immer eine
leichte Temperatur Steigerung ein, die im schlimm¬
sten Falle 39,4 betrug, wie das ja auch von der einfachen
Kropfoperation bekannt ist. Gleichzeitig damit zeigte sich fast
regelmässig eine bedeutende Zunahme der Pulsfrequenz, nicht
selten bis zu 160 und mehr Schlägen, die uns manchmal rechte
Sorge gemacht hat. Nach einigen Tagen beruhigte sich das
Herz aber in allen Fällen, so dass schon beim Austritt eine
wesentliche Abnahme der Pulszahlen festzustellen war.
Diese beträchtliche postoperative Steige r u ng der
Tachykardie hat von jeher die Aufmerksamkeit der Be¬
obachter erregt. Die meisten sind der Anschauung, dass cs
No. l.
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17
sich dabei um eine beträchtliche Steigerung der Vergiftung
handle, hervorgehend aus der Resorption des in der Wunde
zurückbleibenden, viel Schilddrüsengift enthaltenden Blutes.
Mir will diese Erklärung nicht einleuchten, ich kann vor allen
Dingen nicht verstehen, warum die Resorption dieser Blut¬
gerinnsel mehr Giftwirkung erzeugen soll, als die sonstige
regelmässige Tätigkeit der Drüse. Viel ungezwungener scheint
es mir, die Pulssteigerung auf den starken psychischen Schock,
den die Operation den sehr sensiblen Kranken verursacht, zu¬
rückzuführen. Sieht man doch auch sonst, dass jede auch un¬
bedeutende Erregung den Puls des Basedowkranken beträcht¬
lich in die Höhe treibt. Wie viel mehr muss dies nach einer
Operation der Fall sein, bei der auch ein Gesunder oft eine
hochgradige Störung seines psychischen Gleichgewichtes er¬
leidet, zumal wenn die Operation ohne Narkose vorgenommen
wird. Ganz die gleiche sehr bedeutende Pulssteigerung habe
ich zweimal bei Basedowkranken gesehen, bei denen ein
anderer operativer Eingriff vorgenommen war.
Die Dauer des Anstaltsaufenthaltes bewegte
sich zwischen 7 und 20 Tagen. Das ist etwas mehr wie nach
gewöhnlichen Kropfoperationen, nach denen die Kranken ge¬
wöhnlich schon am 6.—8. Tage entlassen werden. Die Schwere
der Erkrankung und die oft bedeutende körperliche Hinfällig¬
keit machen diese Verlängerung des Aufenthaltes durchaus er¬
klärlich.
Was nun den Erfolg der Kropf Operation bei diesen
16 Basedowkranken anbetrifft, so liegt bei einem Teil der¬
selben die Beobachtung erst so kurze Zeit zurück, dass ich ein
endgültiges Urteil noch nicht abgeben möchte. Die längste
Beobachtungszeit beträgt 3 Jahre, die kürzeste 2 Monate. So
viel lässt sich aber bei aller Vorsicht in der Beurteilung schon
heute sagen, dass alle Kranken bis auf eine mit dem Erfolge
der Operation ganz ausserordentlich zufrieden sind. Bei einer
Umfrage, die ich vor kurzem bei sämtlichen Kranken ver¬
anstaltet habe, haben mir von den 16 15, zum Teil in ganz
überschwänglicher Weise, mitgeteilt, wie ausserordentlich sich
ihr Befinden seit der Operation gebessert habe. 7 bezeichnen
ihr Befinden als sehr gut, 6 als gut und 3 als wesentlich ge¬
bessert. Selbstverständlich dürfen uns die Angaben der
Kranken nicht der alleinige Massstab für die Beurteilung der
Besserung sein. Im wesentlichen wird dieselbe, immer von
der objektiven Untersuchung abhängen.
Das sicherste objektive Zeichen wird immer die Besserung
der Tachykardie sein. Von den 16 Kranken geben 12 an, dass
das Herz ganz ruhig sei und dass der Puls nie über 100 Schläge
hinausgehe. 4 klagen noch in mehr oder -minder heftigem
Grade über Herzklopfen.
Mit dem Herzklopfen haben sich bei diesen 12 Kranken
auch die anderen nervösen Erscheinungen verloren, das Zit¬
tern ist verschwunden, der Schlaf ist ruhig, die Erregung hat
nachgelassen. Der Kopf ist frei, die Neigung zu Schweissen
hat aufgehört, die Magen- und Darmstörungen haben sich ver¬
loren. Von 3 Kranken werden noch mehr oder minder heftige
nervöse Beschwerden geklagt. Dabei ist erwähnenswert, dass
die eine derselben trotz ihrer nervösen Beschwerden jede Nacht
10 Stunden ununterbrochen schläft.
Fast alle Kranken haben eine wesentliche Gewichts¬
zunahme zu verzeichnen. In dem günstigsten Falle beträgt die¬
selbe 37 Pfund.
Was den Exophthalmus anbetrifft, so ist derselbe in keinem
Falle völlig verschwunden. In vielen Fällen ist er entschieden
geringer geworden, vor allen Dingen ist das Unstete des
Blickes beseitigt, aber ganz verschwunden ist der Exophthal¬
mus nicht, auch nicht bei jenen Kranken, die sonst keinerlei
Beschwerden zu klagen haben. Die gleiche Erscheinung wird
auch von anderen Beobachtern berichtet, ein Beweis, dass für
die Heilung des Basedow dessen markantestes Symptom, die
Glotzaugen, nicht in Betracht kommen kann. Bemerkenswert
ist, dass in dem einen Falle der Exophthalmus auf der einen
Seite nahezu verschwunden ist, während er auf der anderen
Seite noch unverändert fortbesteht.
Schon oben‘wurde erwähnt, dass die subjektiven Angaben
der Kranken über die Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit
3
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
18
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
grosse Berücksichtigung bei der Beurteilung der Besserung
verdienen. Zur Würdigung des erzielten Erfolges sind diese
Angaben von grossem Wert, und ich möchte einige Ihnen da¬
rum kurz mitteilen. Ich berücksichtige dabei nur die 11 Kranken
aus den Jahren 1905, 1906 und 1907. Von diesen 11 geben 10
an, dass ihre vollkommene körperliche und geistige Leistungs¬
fähigkeit zurückgekehrt ist. Es befinden sich darunter mehrere
Frauen, die ein sehr grosses Hauswesen mit zahlreichen Kin¬
dern zu versorgen haben; die Arbeit fällt ihnen jetzt ebenso
leicht, wie in früheren gesunden Tagen. Eine Frau schreibt
mir, das sie sich jetzt eigentlich zum ersten Mal seit ihrer Ver¬
heiratung ganz gesund fühlt. Ein junges Mädchen, das im
höchsten Qrade elend und schwächlich war, ist soweit ge-
kräftigt, dass sie im Karneval wiederholt ganze Nächte durch¬
tanzen und einer Meistersingeraufführung vom Anfang bis zum
Schluss stehend beiwohnen konnte. Ein junger Kollege, der
infolge der sehr schweren Erkrankung zum Studieren ganz
untauglich geworden war, ist wieder vollkommen frisch und
arbeitsfähig und hat eben mehrere Abschnitte des Staats¬
examens bestanden. Eine Patientin hat bald nach der Operation
geheiratet, ist im 7. Monat Gravida und frei von allen Be¬
schwerden. Eine andere Kranke mit sehr schwerem Basedow
wurde 2 Jahre nach der Operation schwanger und machte eine
nahezu ungestörte Schwangerschaft durch, stand 9 Tage nach
der Entbindung auf, stillte ihr Kind selbst und fühlt sich durch¬
aus wohl und kräftig.
Im Anschluss daran darf ich noch hervorheben, dass bei
2 Kranken die Menses, die längere Zeit schon ausgeblieben
waren, bald nach der Operation wiedergekehrt sind.
Die 11. von den Kranken hat noch sehr über mangelhafte
Leistungsfähigkeit zu klagen. Das ist eine von denjenigen
Kranken, die noch mancherlei nervöse Beschwerden haben,
bei denen bis jetzt nur eine Besserung zu verzeichnen ist.
M. H.! Bei diesem Stande der Dinge werden Sie mir zu¬
geben, dass an dem Erfolge der Operation in weitaus der Mehr¬
zahl unserer Fälle nicht, zu zweifeln ist. Fast bei allen Kranken
waren vor der Operation schon die mannigfachsten Behand¬
lungsmethoden versucht worden, ohne dass ein Erfolg erzielt
worden wäre. Man kann somit wohl ausschliessen, dass der
Erfolg nach der Operation nur ein zufälliger gewesen sei. Der
Erfolg muss sicher der Entfernung der Schilddrüse zugeschrie¬
ben werden. Der Beweis dafür wird mit Sicherheit auch durch
diejenigen Fälle erbracht, bei denen die einseitige Operation
nicht genügte, um die Erscheinungen zum Verschwinden zu
bringen, und bei denen erst nach der Resektion auch der
anderen Schilddrüsenhälfte Heilung erzielt wurde.
Bedauerlich ist es ja, dass unter den 17 Fällen sich auch
ein Todesfall befindet Dass bei einer so schweren Erkrankung
mit einem gewissen Prozentsatz von Todesfällen gerechnet
werden muss, ist wohl sicher. Aber wir müssen doch ver¬
suchen, die Mortalitätsziffer herabzusetzen. Das wird erstens
dadurch geschehen, dass wir die Kranken nicht allzu spät zur
Operation bringen. Dann haben wir noch etwas anderes in
Betracht zu ziehen. Bei der grossen Mehrzahl der Kranken,
die im unmittelbaren Anschluss an die Operation gestorben
sind, hat man eine persistierende Thymus gefunden,
und es ist wohl kein Zufall, dass man diesen Status thymicus
mit dem tödlichen Ausgang in Verbindung gebracht hat. Der
Rat ist daher durchaus berechtigt, in denjenigen Fällen, wo sich
das Vorkommen einer Thymus nachweisen lässt, durch Per¬
kussion und Palpation, durch Röntgenuntersuchung, sowie
durch Inspektion der Rachenorgane, lieber von der Operation
als aussichtslos abzusehen.
Noch eine Frage sei kurz erörtert: Soll man narko¬
tisieren? Ich bin früher, zumal unter dem Eindruck der
Kocher sehen Berichte, für die Vornahme der Operation ohne
allgemeine Narkose eingetreten. Bei diesen Operationen ohne
Narkose bin ich aber mehr und mehr zu der Ueberzeugung ge¬
kommen, dass das, was man diesen geschwächten und hoch¬
gradig erregbaren Kranken ohne Narkose zumutet, eigentlich
mehr Schaden stiften muss als die Narkose selbst. In letzterer
Zeit habe ich darum fast immer narkotisiert. Und ich freue
mich, bei M o e b i u s dasselbe Urteil über die Narkose anzu-
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treffen. M. hebt mit Recht hervor, dass die Chirurgen im
allgemeinen doch wohl infolge ihrer Gewohnheit so wenig von
dem Grauenhaften ihrer Tätigkeit überzeugt sind, dass sie
damit bei sehr erregbaren Kranken nicht genügend rechnen.
Auch G a r r ö rät zur allgemeinen Narkose, und zwar mit
Aether.
Ein Wort noch über die pathologisch-ana¬
tomischen Befunde an den exstirpierten Kröpfen. Man
hat wiederholt die Anschauung ausgesprochen, dass die Base-
dowstruma durch bestimmte anatomische Veränderungen ge¬
kennzeichnet sei. Das ist zweifellos nicht richtig. Beim
Basedow können sich die mannigfachsten Formen der Schild-
drüsenvergrösserung finden. Verhältnismässig häufig findet
sich aber, worauf schon mehrere Untersucher hingewiesen
haben, eine rein adenomatöse Erkrankung der Schilddrüse.
Auch ich habe diese Form wiederholt nachweisen können. Sie
sehen hier eine typische kolloide Struma von der bekannten
Beschaffenheit. Im Gegensatz dazu zeige ich Ihnen eine Reihe
rein parenchymatöser Kröpfe. Schon makroskopisch fällt ihnen
die gleichmässig gekörnte azinöse Beschaffenheit der Drüse
auf. Mikroskopisch zeigen alle diese Präparate einen rein
adenomatösen Charakter, manchmal mit ausgesprochen papil¬
lärer Wucherung des Epithels, beim völligen Mangel von
Kolloid. G r e e n f i e 1 d hat die Veränderungen nicht unzweck¬
mässig mit denen einer milchenden Brustdrüse verglichen.
Nach meinen Erfahrungen möchte ich glauben, dass diese rein
parenchymatöse Form vor allen Dingen bei dem primären
Basedow vorkommt
Nach dem Vorgänge von K ocher haben wir in der letzten
Zeit auch das Blut der Basedowkranken regelmässig unter¬
sucht Die Untersuchungen sind noch nicht sehr viele, so dass
bestimmte Schlüsse daraus noch nicht zu ziehen sind. Kocher
hat bekanntlich die roten Blutkörperchen meist etwas vermehrt
und die weissen stark vermindert gefunden, ganz besonders
die neutrophilen polynukleären, während die Leukozyten etwas
vermehrt erschienen. In einigen Fällen konnten wir diese
Befunde bestätigen, in anderen konnten wir jedoch nichts
Abnormes finden, und zumal die Verminderung der poly¬
nukleären und die Vermehrung der Lymphozyten nicht nach¬
weisen. Die Untersuchungen sollen fortgesetzt werden.
M. H.! Ich hoffe, dass Sie auch aus meinen bescheidenen
Erfahrungen die Ueberzeugung gewonnen haben, dass die
Kropfexstirpation bei der Basedowkrankheit als ein durchaus
berechtigtes Heilverfahren angesehen werden muss, das eine
völlige Heilung der Erkrankung herbeizuführen im Stande ist
Die inneren Behandlungsmethoden werden dabei immer ihre
Berechtigung behalten. Sie dürfen aber nur so lange ange¬
wendet werden, als sie das Befinden der Kranken zu bessern
vermögen'. Tritt trotz der inneren Behandlung eine zu¬
nehmende Verschlechterung des Zustandes ein, dann soll mit
dem chirurgischen Eingriff nicht lange gezögert werden.
Aus der chirurgisch-orthopädischen Privatklinik von Dr.G o c h t
und Dr. E h e b a 1 d in Halle a. S.
Die Schädigungen, welche durch Röntgenetrahlen her¬
vorgerufen werden, ihre Verhütung, Behandlung und
forensische Bedeutung*).
Von Hermann Gocht in Halle a. S.
M. H.! Wir unterscheiden im allgemeinen die Schädi¬
gungen
1. bei kurzzeitiger, aber zu intensiver,
2. bei chronischer Einwirkung der Röntgenstrahlen.
Im Speziellen betreffen diese Röntgenschädigungen
1. alle Bestandteile der äusseren Haut,
2. von inneren Organen besonders
a) die lymphatischen,
b) die Keimdrüsen,
c) das Nervensystem,
*) Referat, erstattet in den vereinigten Sektionen der Chirurgie,
innere Medizin und Dermatologie der Naturforscher- und Aerzte-
versammlung zu Köln, September 1908.
Original from
UNIVER3ITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
19
3. das Wachstum,
4. die Leben senergie.
Ausserdem sind 5. noch einige Folgekrankheiten
beobachtet.
Ich muss zuerst ganz kurz auf diese Schädigungen eingehen.
1. Aeussere Haut.
a) Die akute Röntgendermatitis entsteht da¬
durch, dass einem umschriebenen Hautbezirk
mit einer einzigen Röntgenstrahlendosis
oder meist mit mehreren im Laufe von Tagen
oder Wochen verabfolgten Röntgendosen
eine für diesen Hautbezirk zu reichliche ab¬
sorbierbare Röntgenlichtmenge einverleibt
wird.
Je nach der Höhe dieser relativen Ueberdosierung kommt
es. nach einer entsprechenden Latenzzeit
Zum Stadium I, welches ohne besondere Entzündungs¬
erscheinungen zum Haarausfall und zu einer event. stärkeren
Pigmentierung führt. Nach einigen Monaten erfolgt Restitutio
ad integrum.
Zum Stadium II, charakterisiert durch Entzüdungs-
erscheinungen (Hyperämie, Temperatursteigerung und Infil¬
tration) der ganzen Haut unter entsprechendem Juckreiz etc.,
Haarausfall, Pigmentierung, Schuppung der Epidermis folgen.
Gelegentlich bleibt eine Hyperpigmentation zurück; im übrigen
erholt sich nach einigen Monaten die Haut wieder vollständig.
Zum Stadium III, in welchem unter heftigen Schmerzen
die gesteigerte Infiltration zur Blasenbildung, zur Exfoliation
unter seröser und eitriger Sekretion für mehrere Wochen
führt. Die Heilung ist in der Folgezeit keine vollkommene.
Es bleiben zurück Pigmentveränderungen, Teleangiektasien,
partieller Haarverlust etc.
Zum Stadium IV, mit schwerer Zerstörung der Haut
und einer resultierenden Ulzeration, die Monate oder Jahre
zur Verheilung braucht. Zurückbleiben schliesslich narbige
Veränderungen, atrophische Hautzustände, Teleangiektasien,
Pigmentanomalien.
b) Die chronische Röntgendermatitis ent¬
steht dadurch, dass bestimmten Hautbezirken (be¬
sonders den Handrücken, Gesicht, vorderer Hals- und oberer
mittlerer Brusthautbezirk) fortgesetzt mit einer ge¬
wissen Regelmässigkeit kleinste Röntgen¬
dosen einverleibt werden, wobei es auch zu
gelegentlichen Ueberdosierungen kommt.
Je nach der Schwere dieses meist langsam fortschreiten¬
den Prozesses konstatieren wir diffuse Rötung und Schwellung
der Haut; im weiteren Verlauf die übermässige Verhornung,
die Hyperkeratose. Die Hautoberfläche wird rauh und hart,
fühlt sich trocken, pergamentartig, spröde und unelastisch an.
Die Haut schuppt sich, ist mehr oder weniger gefaltet, greisen-
artig, leicht rissig.
Ferner stellen sich ein warzenartige, mitunter recht
schmerzhafte und schwielige Verdickungen der Homschicht,
besonders im Bereich des Nagelfalzes und der interdigitalen
Falten. Kompliziert werden diese durch subepidermidale
Abszesse, durch Paronychien und durch hartnäckige Rhagaden.
Die photographischen Reagentien und Manipulationen, des¬
gleichen die häufigen Waschungen und Desinfektionen und die
Gipsarbeit führen zu immer neuen Läsionen.
Weiter kommt es zur Erweiterung der kapillaren Blut¬
gefässe der Haut, zu Kapillarvarizen, Teleangiektasien und vor
allem zu Verkrüppelungen der Nägel, als da sind bei der Nagel¬
platte Atrophie, Verlust des Glanzes, Brüchigkeit, Rauhigkeit,
Dünne, Neigung zu Einrissen, und zu Längsspaltungen. Auf
dem verdickten Teil des Nagelbettes unter dem freien Nagel¬
rande schieben sich abnorme Hornmassen hervor, Entzün¬
dungen der hinteren Nagelfalzpartien führen zu weiteren
Deformationen der Nagelplatten.
Schliesslich bilden sich Exkoriationen und Geschwüre, die
wieder zu Zerstörungen von Sehnen und zu Fingergelenks¬
versteifungen und Kontrakturen führen, ja mitunter zur Ent¬
stehung von Hautkankroiden, von Epitheliomen.
□ igitized by Google
Besonders bei der akuten Röntgendermatitis treten Tem¬
peratursteigerungen (Zellenzerfall, Resorptionsfieber) und aus¬
gedehnte Exantheme hinzu.
Ich gehe nicht weiter auf die Entstehung von Konjunktivitis,
von Laryngitis und sonstigen event. Irritationen der Schleim¬
häute ein und komme zu den Veränderungen an den
2. Inneren Organen.
a) lymphatischen Organen.
Durch Tierversuche ist festgestellt, dass an der Milz
degenerative Veränderungen durch Röntgenbestrahlung ent¬
stehen, die schliesslich zur Schrumpfung des Organs führen;
im Knochenmark gehen die kernhaltigen Zellelemente zu
Grunde, das Lymphdrüsengewebe degeneriert und führt zum
Versiegen der Lymphozytenproduktion und zu einer schliess-
lichen Verödung der Lymphbahnen. Aehnliche Wirkungen der
Röntgenstrahlen zeigen die Darmfollikel.
Besonders im kreisenden Blute werden die weissen Blut¬
körperchen in elektiver Weise zerstört, von den verschiedenen
Leukozytenformen sind die Lymphozyten am wenigsten gegen
Röntgenstrahlen widerstandsfähig.
Dass bei intensiven Dauerbestrahlungen, besonders bei
durch viele Jahre fortgesetzten Röntgenlichtvollbädern auch
beim Menschen Schädigungen vorübergehender oder dauern¬
der Art an den genannten Organen Vorkommen können, dürfen
wir als sicher annehmen.
Die Mitteilungen über Schädigungen der
b) Geschlechtsdrüsen
haben besonderes Aufsehen erregt. Es ist am Tier und am
Menschen absolut erwiesen, dass durch die Einwirkung der
Röntgenstrahlen Sterilität entsteht. Durch Atrophie und De¬
generation des spezifischen Hodenkanälchenepithels geht die
Fortpflanzungsfähigkeit zu Grunde, ohne dass das körperliche
Befinden oder die Kopulationsfähigkeit im geringsten verändert
wäre. Es kommt zuerst zur Oligospermie, zur Nekrospermie
und bei fortgesetzter Röritgeneinwirkung zur vollkommenen
Azoospermie. Die Testikel atrophieren schliesslich in toto.
In den Ovarien tritt zunehmender Schwund der G r a a f -
sehen Follikel und allgemeine Atrophie ein.
Aus einigen Tierversuchen scheint auch hervorzugehen,
dass durch Röntgenbestrahlungen die lebende Frucht in utero
abgetötet werden kann.
Was das
c) Nervensystem
anlangt, so können wir wohl auf dieses die Allgemeinerschei¬
nungen beziehen, die von einzelnen Forschern berichtet worden
sind, meist nach intensiveren Röntgenlichteinwirkungen, so
Kopfschmerzen, Benommensein, Schwindelgefühl (wie beim
Sonnenstich), allgemeines Unbehagen und Schwächegefühl;
vermehrten Speichelfluss, Erbrechen, Durchfall und Schmerzen
im Leib; Herzklopfen, Herzdruck, unregelmässigen Puls,
Atemnot; Schlaflosigkeit. Ich komme später noch einmal kurz
hierauf zurück.
An Tieren sind von verschiedenen Forschern Lähmungs¬
erscheinungen beobachtet worden.
Uebrigens haben viele Beobachter überhaupt niemals, auch
bei einem grossen Krankenmaterial, schädliche Allgemein¬
erscheinungen gesehen.
Wir kommen nunmehr zu den
3. Wachstumsstörungen
infolge von Röntgeneinwirkungen». Es ist durch das Experi¬
ment erwiesen, dass beim jungen, stark wachsenden Säuge¬
tiere erhebliche Wachstumsstörungen hervorgerufen werden
und zwar durch so geringe Röntgenlichtdosen, dass nicht ein¬
mal ein Haarausfall bei den Tieren eintritt. Je jünger die Tiere,
desto stärker ist die Wirkung; sämtliche Körperteile sind der
Störung unterworfen, und zwar wird sowohl das Allgemein¬
wachstum bei Ganz- oder nur Kopfbestrahlungen hintange¬
halten, als Teilstörungen hervorgebracht durch Seiten- oder
Teilbestrahlung. 3 Stunden lange Bestrahlungen nur der
Köpfe von Kaninchen nach 10—20 tägiger Schwangerschaft
führten zu enormen Wachtumsstörungen der Jungen (1:3).
3*
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
20
MÜENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
Beobachtungen ähnlicher Schädigungen an Kindern liegen
erfreulicherweise nicht vor. Immerhin mahnen solche Schädig
gangen zur Vorsicht in der Anwendung der Röntgenstrahlen
bei kleinsten j und kleinen Kindern.
Ich übergehe ein Reihe interessanter Untersuchungen, die
alle Hemmungen an Eiern, an Raupen, an Embryonen durch
Röntgenlicht feststellten und komme zu der Frage nach der
Schädigung für das
4. Leben selbst.
Es ist wiederum durch Tierversuche festgestellt, dass
kleine Säugetiere (Mäuse) unter mehr oder weniger intensiver
Röntgenbestrahlung zu Grunde gehen. Je kleiner und jünger
die Tiere sind, um so empfindlicher sind sie.
Durch die sorgsamen Statistiken über Schädigungen am
Menschen ist aber bisher kein Beweis erbracht für einen durch
Röntgenbestrahlung direkt erfolgten Todesfall.
Zum Schlüsse dieser Ausführungen komme ich nochmals
auf diejenigen nervösen Erkrankungen zurück, die ich als
5. Folgekrankheiten
nach Röntgenverbrennungen der Haut bezeichnen will.
In einem mir bekannt gegebenen Fall ist es nämlich zu
einer ca. 10tägigen echten Psychose gekommen, in
einem zweiten Falle zu einer sehr schweren trau¬
matischen Ne.urose.
Beide Fälle haben zu einem gerichtlichen Nachspiel ge¬
führt.
M. H.! In ganz kurzen Zügen habe ich die hauptsäch¬
lichsten und bekannten Röntgenschädigungen skizziert. Dabei
dürfen wir nicht ausser acht lassen, dass der Begriff der
Röntgenschädigung ein relativer ist.
Ein Patient, bei dem durch Ueberdosierung ein nicht ge¬
wollter teilweiser Ausfall des Haupt- oder Barthaares hervor¬
gerufen ist, kann eventuell zeitweise in seinem Berufe oder
gesellschaftlich mehr geschädigt sein, als ein anderer mit einer
Röntgendermatitis II. oder III. Grades.
Wir fragen nun allgemein: Bei welchen Personen und
unter welchen Verhältnissen kommt es zu Schädigungen?
Es ist absolut sicher, dass in der Hauptsache und am inten¬
sivsten geschädigt worden sind die Aerzte und In¬
genieure mit ihrem Hilfspersonal, welche zuerst
ohne und später mit Kenntnis der Gefahren am Ausbau der
Röntgentechnik und am Röhrenbau gearbeitet haben.
Weniger zahlreich und vor allem weniger intensiv sind die
Schädigungen, welche Patienten davongetragen haben.
Die Schädigungen, welche sich die Pioniere der
Röntgen Wissenschaft in unermüdlicher Arbeit zu¬
gezogen haben, sind hauptsächlich die chronischen Röntgen-
dermatifiden und die Sterilität. Jeder von diesen hat zu
ungezählten Malen Röntgenlichtvollbilder genommen; immer
wieder wurde der eigene Körper und besonders der Hand¬
rücken zu Demonstrationszwecken hergegeben. Tausende
von Malen wurde bei Aufnahme der Patienten gerade das
eigene Abdomen voll den Röntgenstrahlen ausgesetzt.
Bei Zusammenkünften auf Kongressen sehen wir die dele-
•tären Folgen an den Händen der Röntgenmeister, und Kinder
sind in Röntgenehen eine Seltenheit.
Dagegen treten die Schädigungen bei unseren P a t i e n -
ten in den Hintergrund. Bei diesen handelt es sich neben
den oben angedeuteten Nachkrankheiten fast ausnahmslos um
akute und lokale Röntgenschädigungen der Haut, meist an
Körperteilen, die im Gegensatz zu den Händen verdeckt wer¬
den können, die ferner zur täglichen Arbeit nicht unbedingt
notwendig sind.
Unsere Patienten sind geschädigt worden
1. bei der Röntgenog.raphie, indem früher bei
schwer darstellbaren, voluminösen Körperteilen (Schulter,
Kopf, untere Rumpfhälfte) zu lange Expositionszeiten notwendig
wären, weil Bilder misslangen und zu häufig .wiederholt werden
mussten;
.2. bei der Röntgenoskopie, indem Durchleuchtungen
einmalig oder mehrmalig zwecks Diagnose zu lange ausgedehnt
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wurden, weil besonders interessante Röntgenbefunde immer
wieder zwecks Demonstration durchleuchtet wurden;
3. bei der Röntgentherapie, weil den kranken oder
benachbarten Hautbezirken ebenfalls eine zu grosse Röntgen¬
lichtdosis zugemutet wurde.
Aus alledem ergibt sich, dass mit einer fortschreitenden
Erkenntnis der Schädigungen und ihrer Ursachen auch ihre
Verhütung im weitesten Sinne Fortschritte machen musste.
Und dies ist tatsächlich der Fall. Die Röntgenschädi¬
gungen gehören heute zu den Seltenheiten,
sie lassen sich bis zu einem gewissen Grade
vermeiden.
Dies gewährleistet allerdings früher und jetzt nicht der
Besitz eines guten Röntgeninstrumentariums. Die Röntgen^
kunst in ihrer weitverzweigten Anwendungsweise setzt sich
zusammen aus Erfahrung, Erfahrung und nochmals Erfahrung.
Jeder Arzt, der die Röntgenstrahlen in irgend einer Rich¬
tung verwendet, muss sich mit der Röntgentechnik genau ver¬
traut machen und die biologischen Eigenschaften des Röntgen¬
lichtes kennen; er muss die üblichen Schutzmassregeln ver¬
wenden und die Eigentümlichkeiten der Hautreaktionen zu be¬
urteilen verstehen.
Ganz besonders ist dies in der Röntgentherapie der Fall,
wo ja so häufig bewusst und absichtlich eine Reaktion ersten
und zweiten Grades in einem Hautbezirk, aber nicht mehr, zur
Heilung hervorgerufen und event. unterhalten werden soll.
Damit wollen wir ganz kurz der Dosierungsfrage näher
treten, denn die Schädigung ist abhängig
1. von der Röntgenlichtmenge, welche einem be¬
stimmten Gewebebezirk zugeführt wird,
2. von der Empfindlichkeit dieses Gewebebezirkes.
Nun bestehen zweifellos Empfindlichkeitsunterschiede bei
verschiedenen Personen und an verschiedenen Hautbezirken
und Geweben.
Das ist aber auch der Fall gegenüber jedem inneren Medi¬
kament. Der eine bekommt schneller Jodschnupfen als der
andere, dieselbe Menge Jodtinktur, äusserlich aufgetragen, ruft
bei einem Kind stärkere Reizerscheinungen hervor als bei
einem Erwachsenen.
Trotzdem muss es immer betont werden, dass die Emp¬
findlichkeit gegen Röntgenlichtmengen im grossen und ganzen
eine entsprechend gleichmässige ist.
Doch nehmen wir Rücksicht auf das Alter und Geschlecht,
die Entwickelung und den Ernährungszustand; schwächlichen
Individuen geben wir entsprechend kleinere Dosen, desgleichen
Patienten, deren Haut nach der Anamnese überhaupt besonders
empfindlich ist gegen äussere Reize (Sonne, Hitze); ferner sind
die Beugeseiten der Glieder meist leichter reizbar, als die
Streckseiten; kurz, wir passen uns den individuellen und ört¬
lichen Verhältnissen, wie mit jedem Medikament, so auch mit
den Röntgen dosen an.
Besonders muss im Auge behalten werden, dass das junge,
in energischem Wachstum begriffene Gewebe röntgenempfind¬
licher ist, desgleichen Gewebe, welches sich schon durch
Röntgeneimvirkung oder durch irgend andere Gründe in einem
Reizzustand befindet.
Viel bedeutsamer ist indessen die Frage nach der Röntgen¬
lichtmenge, welche einem Gewebsteile einverleibt werden darf
und soll. Sehr sorgsame Untersuchungen haben hierüber zu
einem gewissen Ziele geführt.
Diese Röntgenlichtmenge ist abhängig
1. von der Qualität und von der Quantität der
Röntgenstrahlen, und 2. von der Entfernung
zwischen Röntgen Strahlenquelle (Fokus der
Röntgenröhre) und bestrahltem Gewebebezirk.
Die Qualität der Strahlen entspricht dem jeweiligen Gas¬
inhalt, und Gasgemisch und der Belastung der benutzten Röhre.
Die Quantität entspricht ausserdem in der Hauptsache der
Bestrahlungszeit und der Grösse des bestrahlten Bezirkes.
Wir müssen uns also zunächst klar sein über die Qualität
der ausgesandten Röntgenstrahlen und darüber, welche Quali¬
tät für den gegebenen Fall die therapeutisch gewünschte ist.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909. _lAUENCHfflER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT. 21
Eine gasreiche Röntgenröhre sendet bei richtiger Be¬
lastung die sogenannten weichen Röntgenstrahlen aus; sie
sind wenig durchdringend und entfalten eine besondere Ober¬
flächenwirksamkeit.
Eine gasarme Röntgenröhre sendet dagegen harte
Röntgenstrahlen aus; diese sind stark durchdringend und besser
geeignet für Tiefenwirksamkeit.
Dazwischen gibt es entsprechende Abstufungen.
Wollen wir also mehr oberflächlich wir¬
ken, so verwenden wir eine gasreichere
Röhre, bei notwendiger Tiefenwirkung eine
gasärmere Röhre.
So werden wir meistens zu therapeutischen Massnahmen
eine gut geteilte, kräftig leuchtende Röhre mittleren Evaku-
ationsgrades verwenden, die bei gut angepasster Stromzufuhr
Röntgenstrahlen mittlerer Weiche gibt.
Die Dosis aus solcher Röhre für eine gewollte Leistung
auf einen bestimmten Qewebebezirk hängt nun, wie oben ge¬
sagt, weiter ab von der Entfernung und von der Zeit, und zwar
ist die projizierte Wirksamkeit proportional der Zeit und um¬
gekehrt proportional dem Quadrat der Entfernung.
Und während die ganze Intensität einer härteren Strahlen¬
gattung bei gleicher sekundärer Stromstärke viel grösser ist,
als die einer weicheren, ist die Oberflächen Wirksamkeit bei
der weicheren Strahlengattung eine grössere, weil diese Wir¬
kung zugleich umgekehrt proportional ist der Penetrationskraft.
Aus allen diesen Komponenten sind von sorgsamen Beob¬
achtern an der Hand von Messmethoden die für gewisse ge¬
wollte Effekte geeigneten Röntgendosen, Normaldosen be¬
rechnet worden.
Wir haben mm direkte Messmethoden, bei denen
man die Röntgenstrahlenwirkung, in jeder beliebigen Zeit
summiert, direkt misst durch den Grad einer von der¬
selben Strahlenwirkung hervorgerufenen anderen chemischen
Wirkung.
Auf diesem Prinzip beruhen das Chromoradiometer Holz¬
knecht, und die Dosimeter von Freund, von Sabou-
raud-Noirö und von Schwarz, die Seleninstrumente etc.
Ferner haben wir indirekte Messmethoden, bei
denen nicht eine Wirkung der Röntgenstrahlen selbst, sondern
vielmehr eine mit ihrer Erzeugung in unmittelbarer Verbindung
stehende Erscheinung der Messung unterworfen wird.
Auf diesem Prinzip beruhen unter anderem die Wärme¬
messmethoden nach Köhler und nach Walter, ferner die
Milliampöremetermethode.
Die Kommission zur Festsetzung fester Normen für die
Messung der Intensität der Röntgenstrahlen in der deutschen
Röntgengesellschaft hat sich nicht entschlossen können, eine
bestimmte Methode zu empfehlen, und befürwortet: Bei jeder
Messung sollen Daten angegeben werden, die die Stärke der
Röntgenstrahlen charakterisieren.
Die Intensität soll in der Weise angegeben werden, dass
die Dosis reproduzierbar ist.
Alle gangbaren Messmethoden, sowohl die direkten als
auch die indirekten können dafür gebraucht werden.
Wenn also ein Arzt für jede Bestrahlung seine Strahlen¬
härte mittelst einer Härteskala bestimmt und notiert, ferner
die Entfernung zwischen Fokus und Hautfläche, dazu die
Expositionszeit, so ist eine spätere Reproduzierbarkeit ge¬
währleistet.
Der Arzt muss nur die entsprechenden Dosen auf Grund
der obigen Ausführungen kennen, er muss seine Röhre mög¬
lichst konstant erhalten, die Röhrenhärte wiederholt während
einer Bestrahlung prüfen.
Es ist sicher, dass unter Beobachtung aller hier geschil¬
derten Momente auch bei Verwendung der gut wirkenden
mittelweichen Röntgenstrahlen, deren Beschaffenheit man
kennt, ein gewollter Effekt in der Haut schnell, selbst in einer
Sitzung zu erreichen und eine Schädigung ziemlich sicher zu
vermeiden ist.
Ein Haarausfall und ein vorübergehendes Erythem, die ja
beide unter Umständen z. B. im Gesicht, am Kopf eine
Schädigung bedeuten können, werden allerdings gelegentlich
unterlaufen, ohne dass den Arzt eine Fahrlässigkeit träfe.
Zu erwähnen wäre noch, dass wir bei gewollten Tiefen¬
wirkungen härtere Röntgenstrahlen verwenden, grössere Ent¬
fernung wählen, Bestrahlung von verschiedenen Seiten, mit
gleichzeitg verschiedenen Röhren.
Ausserdem ist festgestellt, dass eine Röntgenstrahlung
durch Absorption in einem bestimmten Stoffe die Fähigkeit
erlangt, gerade denselben Stoff relativ am besten zu durch¬
dringen.
Wenn man also bei der Bestrahlung tieferer Organe die
darüberliegende Haut vor Verbrennung schützen will, lässt
man die Röntgenstrahlen zunächst durch einen dieser Haut
möglichst ähnlichen Stoff hindurchgehen; z. B. Saffian -
1 e d e r oder am richtigsten Menschenleder.
Wenn ein Forscher berichtet, dass ihm unter etwa 1500
Behandlungen mit fast 12 000 Einzelbestrahlungen nur 3 unbe¬
absichtigte schwerere Dermatitiden passiert sind, so ist dies
jedenfalls ein Beweis, bis zu welcher Sicherheit Dosierungen
vorgenommen werden können.
AusseF der genauen entsprechenden Dosierung, mit der die
meisten Therapeuten eine leichtere oder stärkere Dermatitis
zum Zwecke der Heilung erzeugen oder längere Zeit unter¬
halten, sind zu beobachten die sonstigen Schutzmassregeln,
wenn auch ausgesprochen werden muss, dass sich mit
einer absoluten Sicherheit schädliche Rönt¬
gen Verbrennungen nicht vermeiden lassen.
Die übrigen Schutzmassregeln beziehen sich einerseits auf
den Patienten, andererseits auf die Aerzte, Ingenieure und das
sonstige Hilfspersonal.
In der Hauptsache bestehen diese Slchutzmass-
nahmen in der Verwendung von Bleimate¬
rialien, die geeignet sind, die Röntgenstrahlenwirkung auf
einen gewissen Bezirk zu beschränken und die übrigen Teile
des Untersuchten und den Untersucher vor der Röntgenein¬
wirkung möglichst zu schützen.
Entweder wird zu diesem Zweck die Röntgenröhre mit
einer Schutzkappe umgeben, oder in einem mit Bleischutz
armierten Kasten untergebracht, so dass die Strahlen nur in
der einen Richtung und mittelst aufgesetzter Ansatzstücke in
entsprechend verkleinerter Flächenausdehnung austreten
können.
Oder der Patient wird durch Bleifolien soweit abgedeckt,
dass nur der zur Therapie notwendige Körperbezirk unbedeckt
bleibt.
Es ist erwiesen, dass Bleifolien in der Dicke von 0,25 bis
0,5 mm zum Schutz genügen. Sehr empfehlenswert ist der
Gummischutzstoff (Müller und Traun- Hamburg), eine
homogene durch und durch gummiartige Masse, in welcher
das Blei in Form des elektrisch nicht leitenden Oxydes zu
75 Proz. enthalten ist.
Für kleinere, besonders Gesichtsmasken ist das von mir
erprobte Trilbi (Dentaldepot Jaroslawski, Berlin, Pots¬
damerstrasse), eine knetbare, gut formbare Masse, empfehlens¬
wert.
Auf meine Weckuhr (Max Kohl- Chemnitz), die auf eine
bestimmte Minutenzahl eingestellt, weckt, und gleichzeitig den
primären Strom unterbricht, will ich hierbei auch hinweisen.
Der Arzt und das Personal bedürfen indessen eines noch
sorgsameren Schutzes. Sie müssen immer so stehen, dass sie
sich hinter der Antikathode befinden; dieser Zweck wird noch
mehr dadurch erreicht, dass man die Röhre um ihre Längs¬
achse von sich wegdreht.
Ausserdem schützen sich die Untersucher besonders bei
Durchleuchtungen durch Umhängen von Bleigummischürzen,
durch Aufsetzen von Bleiglasbrillen, durch Bleihandschuhe,
durch Stanniolkopfkappen. Der Leuchtschirm ist mit einer
Bleiglasplatte abgedeckt.
Die Beurteilung der Röhre darf niemals mit der Hand
vorgenommen werden, sondern durch die entsprechenden
Härteskalen etc.
Möglichst zu empfehlen ist ferner, dass sich Arzt und Per¬
sonal in einem eigens konstruierten Bleihäuschen aufhalten,
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22
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. I.
von dem aus nach erfolgter Einstellung die Röntgenröhre über¬
wacht und betrieben wird. Bleiglasfenster ermöglichen die
stetige Kontrolle. So sind auch alle vagabundierenden Rönt¬
genstrahlen für die Untersucher unschädlich gemacht. Die
Türen werden am besten ebenfalls mit Blei röntgendicht ge¬
macht, ein Bleiglasfenster in der Tür ist sehr praktisch.
Dass wir uns bei Durchleuchtungen und bei Röntgenauf¬
nahmen, besonders bei notwendigen Wiederholungen genau
unterhalb der Maximaldosen mit den Röntgenlichtmengen
halten, ist selbstverständlich. Es soll deshalb jeder Aufnahme
eine recht sorgsame Lagerung, Fixierung und Vorbereitung
vorausgehen, so dass Wiederholungen möglichst unnötig
werdem
Dass auch bei der Röhrenfabrikation ein entsprechender
Schutz gegen die Röntgenstrahlenwirkung für das Personal
angewandt werden muss, soll noch besonders betont werden.
(Schluss folgt.)
Ueber die Stichreaktion bei der 'Diagnose kindlicher
Tuberkulose.
Von Privatdozent Dr. Franz Hamburger, Abteilungs¬
vorstand an der allgemeinen Poliklinik in Wien.
Es wird heute mit Recht und fast allgemein anerkannt,
dass die von v. P i r q u e t [l] erfundene Kutanreaktion ein
unendlich wichtiges Hilfsmittel für die Tuberkulosediagnose
im Kindesalter ist. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass
die positive Kutanreaktion das Vorhandensein eines tuber¬
kulösen Herdes beweist Die wenigen bekannten negativen
Sektionsbefunde bei positiver Kutanreaktion können gegen¬
über der grossen Anzahl positiver Sektionsbefunde bei posi¬
tiver Kutanreaktion nicht ins Gewicht fallen. Man wird vorder¬
hand wohl den schon für die Koch sehe Allgemeinreaktion
gebrauchten. Satz auch für die Kutanreaktion anwenden dürfen:
Wenn nach positiver Reaktion der Sektionsbefund negativ ist,
so sage man nicht „hier ist keine Tuberkulose“, sondern, „hier
wurde kein tuberkulöser Herd gefunden“.
Eine weitere für die Diagnose wichtige Frage ist: lässt die
negative Kutanreaktion eine Tuberkulose ausschliessen? Da
haben wir nun zu unterscheiden zwischen aktiver und inaktiver
Tuberkulose. Vielfach wird angenommen, dass jeder Fall von
aktiver Tuberkulose mit Ausnahme von miliarer oder sonst
stark vorgeschrittener Tuberkulose, sowie von. Meningitis
tuberculosa die Kutanreaktion gibt, während Fälle inaktiver
Tuberkulose wenigstens zum grossen Teil positive Reaktion
auf die Kutanapplikation nach v. Pirquet zeigen.
Ich habe in einer früheren Arbeit gezeigt, dass eine nicht
unbeträchtliche Anzahl scheinbar inaktiver Tuberkulose keine
primäre Kutanreaktion geben [2], und v. P i r q u e t hat in einer
seiner letzten Publikationen mitgeteilt, dass die meisten der
primär negativen inaktiven Tuberkulosen bei zweiter Kutan¬
applikation nach einer Woche die Reaktion positiv werden
lassen („sekundäre Reaktion“ v. P i r q u e t s) [3]. Hier interes¬
sieren uns nun die Reaktionsverhältnisse bei Fällen inaktiver
Tuberkulose nicht weiter.
Dagegen ist die Beantwortung der Frage von Bedeutung:
„Können wir bei negativer Kutanreaktion das Vorhandensein
einer aktiven Tuberkulose ausschliessen?“ Auf diese
Frage kann ich auf Grund meiner diesbezüglichen klinischen
Erfahrungen antworten: Weitaus die meisten Fälle aktiver
Tuberkulose im Kindesalter geben, wenn es sich nicht um
allgemeine oder sehr vorgeschrittene Tuberkulose handelt,
positive Kutan reaktion. Nur selten begegnet man Fällen aktiver
Tuberkulose mit negativer Kutanreaktion“. Dass es aber doch
ab und zu solche Fälle gibt, halte ich für sehr wichtig zu
wissen. Man kann eben im konkreten Fall nicht mit völliger
Sicherheit aktive Tuberkulose ausschliessen, wenn die Kutan¬
reaktion negativ oder zweifelhaft ist. In solchen Fällen
schliesst man dann zweckmässig eine Tuberkulininjektion an
und achtet in den nächsten Tagen auf eventuelle Stich reaktion,
wie dies von Reuschel [4] und von [2] mir empfohlen
wurde. Man kann nach meiner Erfahrung in jedem Fall von
negativer Kutanreaktion unbedenklich 0,1 mg bis 1 mg inji-
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zieren, ohne stärkeres Fieber zu bewirken. Nur ist dabei zu
beachten, dass die Injektion innerhalb der nächsten 2 bis
3 Tage geschieht, weil später unter Umständen durch die vor¬
ausgegangene Kutanapplikation eine Steigerung der Empfind¬
lichkeit schon eingetreten und dann eine Injektion schon von
Allgemeinerscheinungen gefolgt sein kann.
Es soll nun im folgenden an der Hand einschlägigen
Materiales gezeigt werden, dass die Kutanreaktion, wenn auch
recht selten, so doch ab und zu in Fällen aktiver Tuber¬
kulose ausbleibt und so unter Umständen irreleiten kann.
Hat man in einem konkreten Fall auf Grund rein klinischer
Untersuchung und Erfahrung Verdacht auf Tuberkulose, so soll
man eben bei negativer Kutanreaktion eine Tuberkulininjektion
anschliessen und auf eventuelle Stichreaktion achten.
Es folgen Beispiele:
Fall 1. Johann G., 21 Monate alt, am 23. XI. 07 wegen Ver¬
dacht auf Hodentuberkulose aufgenommen. Es bestand damals eine
seit 3 Wochen beobachtete Schwellung des rechten Hodens. Eine
ambulatorisch vorgenommene Kutanapplikation von konzentriertem
Tuberkulin ergab ein negatives Resultat. Trotzdem bleibt die Dia¬
gnose Hodentuberkulose die wahrscheinlichste. Kutanreaktion vom
25. und 26. XI. negativ. Am 25. XI. Injektion von 1 mg Kochs Alt¬
tuberkulin. 26. XI. Stichreaktion stark positiv. Temp. 37,5!! Im
Anschluss daran wird die die Kutanreaktion vom 29. XI. sehr stark
positiv.
Es handelte sich in diesem Fall um ein gesundes, kräftiges
Kind, wo von einer Kachexie oder einem vorgeschrittenen
Tuberkuloseprozess nicht die Rede sein konnte.
Fall 2. Max A., 6 Monate alt. Wegen Diarrhöen, Husten und
Gewichtsabnahme aufgenommen. Status praesens 16. I. 08. Hoch¬
gradig abgemagert. Haut trocken, weist ziemlich zahlreiche hanfkorn¬
grosse blaurote Infiltrate mit Neigung zu zentralem Zerfall auf
(Tuberkulide). Lungenschall rechts hell; 1. h. u. und 1. v. o. undeut¬
liche Dämpfung. Ueber beiden Lungen ziemlich reichliches bron-
chitisches Rasseln. L. h. Knistern, wenig ausgesprochenes Bronchial¬
atmen, deutliche Bronchophonie. L. v. o. auskultatorische Infiltra¬
tionserscheinungen wenig ausgesprochen. Reichlicher lockerer
Husten.
Diagnose: Tuberkulose.
16.1. Kutanreaktion negativ.
18.1. Kutanreaktion negativ.
18.1. Injektion von 0,01 mg Tuberkulin.
19.1. Stichreaktion stark positiv.
Das Kind starb erst 3 Wochen später. Ich glaube hier waren
die Resorptionsbedingungen für das Tuberkulin von der Kutanwunde
aus sehr schlechte wegen der auffallend trockenen, schlecht durch¬
bluteten Haut. Dieselbe Ursache war wohl für den negativen Aus¬
fall der Kutanreaktion im folgenden Fall massgebend.
Fall 3. Josef B., 12 1 /« Jahre alt, aufgenommen wegen chro¬
nischem Gelenkrheumatismus, vielleicht tuberkulösen Charakters
(Poncetsche Form). Kutanreaktion vom 2. XI. und 7. XI. nega¬
tiv. 5. XI. 07. Injektion von 1 mg Karl Spenglers humanem
Tuberkulin (nach meiner Erfahrung äquivalent ca. 0,1 mg Kochs
Alttuberkulin). 6. XI. Starke Rötung an der Injektionsstelle
50X25 mm; keine sichere Infiltration. 6. XI. Injektion von Karl
Spenglers humanem Tuberkulin in der Menge von 10 mg.
7. XI. An der Injektionsstelle vom 5. XI. (1 mg) heute deutliche In¬
filtration, an der vom 6. XI. sehr starke Stichreaktion und Tempera¬
tursteigerung auf 38,6! Kutanreaktion vom 12. XI. ist nun auch
positiv.
Während man auf Grund der Kutanreaktion sich hätte ver¬
anlasst fühlen können, den tuberkulösen Charakter der Gelenks¬
erkrankung auszuschliessen, war durch die positive Stich¬
reaktion die Möglichkeit, dass es sich da um eine tuberkulöse
Erkrankung handelte, nicht von der Hand zu weisen. Freilich
war keineswegs bewiesen, dass hier der Tuberkelbazillus der
ätiologische Faktor war; denn es konnte sich immerhin um
einen „chronischen Rheumatismus“ bei einem Individuum mit
einem inaktiven tuberkulösen Herd handeln.
Fall 4. Karl W., 7 1 /« Jahre alt, wegen Verdacht auf Spitzen¬
tuberkulose aufgenommen. Anamnese ergibt: Mutter des Pak seit
längerer Zeit lungenkrank, vor 2 Monaten Hämoptoe. Pat. leidet
seit einigen Wochen an starkem Husten des Morgens. Appetit gut,
keine Abmagerung, keine Nachtschweisse. Untersuchung ergibt
leichte Dämpfung über der r. Spitze. Atmung vesikulär. Hier und
da grobes Rasseln. Kein Fieber. Klinische Diagnose: Spitzentuber¬
kulose? Kutanreaktion vom 8. I. negativ, vom 10. I. fraglich.
12. I. Injektion von 0,01 mg Alttuberkulin. 13.1. Leichte, kaum merk¬
liche Rötung und Infiltration von Erbsengrösse, der Spritzenspitze ent¬
sprechend. 14. I. Eben merkliche Infiltration von 10 mip Durch¬
messer. 15.1. Ebenso. 17.1, Eben merkliches diffuses Infiltrat.
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5. Januar 1909.
MUENCtfENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
Schon am 13. I. war 0,1 mg Tuberkulin injiziert worden. 14. I.
Stichreaktion in Form geringer Rötung und Schwellung von 10 mm
Durchmesser. 15.1. Ziemlich beträchtliche Rötung, starke Infiltration
40 mm lang, 30 mm breit, sehr druckempfindlich.
Durch diese Reaktion war die Anwesenheit eines tuber¬
kulösen Herdes bewiesen, der tuberkulöse Ursprung der Er¬
krankung wahrscheinlich gemacht. Die Kutanreaktion vom
29. I. fiel positiv aus. In diesem Fall handelte es sich um eine
relative geringe Tuberkulinempfindlichkeit, wie aus dem Er¬
gebnis der Stichreaktion hervorgeht. Pat. befindet sich jetzt
nach *A Jahren völlig wohl und hat, nachdem eine Periode von
nicht unbeträchtlicher Abmagerung eingetreten war, wieder
zugenommen.
Ich führe gleich einen zweiten Fall von Spitzentuberkulose
mit negativer Kutanreaktion an.
Fall 5. Anna Sehr., 14 Jahre alt, wegen Bluthusten aufge¬
nommen.
Status praesens: 1. VII. 08. Mässig gut genährt, mittelgross, gra¬
ziler Knochenbau. Keine stärkeren Drüsenschwellungen. Stärkere
Schweissekretion an den Füssen und in den Achselhöhlen. Lungen¬
schall rechts überall etwas gedämpft (altes operiertes ausgeheiltes
metapneumonisches Empyem vor 10 Jahren), lieber der linken
Spitze Dämpfung, Bronchialatmen und klingendes Rasseln. Im blutig-
eitrigen Sputum keine Tuberkelbazillen. Temp. subfebril 37—38°.
2. VII. Kutanreaktion vom 30. VI. und 1. VII. negativ. Injektion
von 0,1 mg Tuberkulin.
3. VII. Stichreaktion positiv: Rötung und Schwellung mittleren
Grades in einem Ausmass von 30X15 mm. Keine stärkere Tem¬
peratursteigerung. Die Kutanwunden zeigen heute schwache Re¬
aktion. Ob diese spät auftretenden Kutanreaktionen unter dem Ein¬
fluss der Stichreaktion entstanden waren, lässt sich natürlich nicht
entscheiden. Man sieht diese Erscheyiung gar nicht so selten, dass
ursprünglich negative Kutanimpfungen positiv werden während der
Entwicklung einer Stichreaktion. Es könnte sich gewiss auch um eine
einfache „Spätreaktion“ gehandelt haben.
Fall 6. Franz P., 4 Monate alt, wegen Tuberkulose (klinisch
diagnostiziert) aufgenommen.
Status praesens vom 14. V. 08. Blasses, ziemlich beträchtlich ab¬
gemagertes Kind. Haut trocken, da und dort von hanfkorngrossen,
leicht elevierten, blassroten, z. T. zentral gedeihen Effloreszenzen
(papulösen Tuberkuliden) besetzt. Links vorne oben leichte Dämpfung
mit verschärfter Atmung. Metallisch klingender Husten, v. P i r -
a u e t sehe Reaktion vom 13. V. negativ. Am 15. V. Injektion von
O.lmg Tuberkulin. 16. V. deutliche Stichreaktion: Rötung und In¬
filtration 25X25mm messend. Keine Temperatursteigerung. Kutan¬
reaktion vom 19. V. positiv! Exitus am 28. V. Sektion: Tuberkulose.
Genaueres Sektionsprotokoll fehlt.
In diesem Fall war die negative Kutan reaktion wohl auf
die Kachexie des Kindes zurückzuführen. Trotzdem war die
Kutanreaktion unter dem Einfluss der Tuberkulininjektion noch
9 Tage vor dem Tod positiv geworden.
Fall 7. Josef W.. 2 Jahre alt, wegen klinisch diagnostizierter
Bronchialdrüsentuberkulose aufgenommen.
Status praesens vom 1. IV. 08: Entsprechend gross, reichliches
Fettpolster, schlaffe Muskulatur. Keine Rachitis. In der linken Supra-
klavikulargrube 1 haselnussgrosse, 2 erbsengrosse mit einander ver¬
wachsene Drüsen. Links hinten oben bis zum Angulus scapulae
Dämpfung: sehr leichte Dämpfung linksvorne oben, Atmung daselbst
sehr verschräft bis bronchial. Häufiger klingender Husten. Atmung
exspiratorisch verlängert, erschwert, pfeifend. Diagnose: Tuberkulose
der linksseitigen Bronchialdrüsen. Kutanreaktion vom 1. IV. negativ.
6. IV. Injektion von 0.1 mg Tuberkulin. 7. IV. deutliche Stichreaktion
in Form geringer Rötung, deutlicher Infiltration 25X20. 8. IV. Tem¬
peratu rsteigerung 38,2. Das Kind wird über Verlangen der Eltern
entlassen.
Fall 8. Josef F.. 14 Monate alt, wegen Conjunctivitis eczema-
tosa und fieberhafter Bronchitis aufgenommen.
Status praesens vom 18. I. 08: Entsprechend gross, mittelkräftig,
gut genährt. Temperatur bei 39°. Umgebung der Nase gerötet.
Deutliche Rachitis. Conjunctivitis eczematosa und Blepharitis links.
Nase schleimig-eitrig fliessend. Lungenschall überall hell: Bronchiti-
sches Rasseln über beiden Lungen. Diagnose: Skrofulöse. Kutan¬
reaktion vom 17. I. und 19. I. negativ. 18. I. Injektion von 0.00001
und 0 000001 me Tuberkulin an zwei verschiedenen Stellen. 19. T.
keine Stichreaktion. Injektion von 0,001 mg Tuberkulin. 20. I. Stich¬
reaktion nositiv: leichte Rötung und Infiltration von 6 mm Durch¬
messer. Kutanreaktion vom 28. I. deutlich positiv. Pat. wird am
8. II. gebessert entlassen, erkrankt bald darauf zu Hause an Me¬
ningitis tuberculosa und stirbt im Karolinenkinderspital. Herr Pri¬
marius Knoenfelmacher war so freundlich, mir mitzuteilen,
dass die am 19. II. vorgenommene Sektion Meningitis tuberculosa
und subakute miliare Tuberkulose ergab.
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Aus den mitgeteilten Fällen geht hervor, dass unter Um¬
ständen die Kutanreaktion bei bestehender aktiver (nicht stark
vorgeschrittener oder allgemeiner) Tuberkulose negativ sein
und so die Beurteilung des betreffenden Falles beeinträchtigen
kann. In solchen Fällen spricht dann die Stich ¬
reaktion das entscheidende Wort.
Solche Fälle sind aber zweifellos relativ selten und ich
hielte es für ganz falsch, die Kutanreaktion deswegen zu
Gunsten der Stichreaktion zu verlassen. Die Kutanreaktion
hat vor allem den Vorteil, dass ihre Anwendung nie auf Wider¬
stand von seiten der Patienten oder der Mütter stösst, was bei
der Injektion sehr oft der Fall ist
Dass unter Umständen die Stichreaktion auch bei aktiver
Tuberkulose versagt, zeigt folgender Fall, der einzige von mir
bisher beobachtete Fall negativer Stichreaktion bei aktiver
Tuberkulose.
Fall 9. Ladislaus P., 4 Jahre alt, wegen Lymphdrüsentumoren
aufgenommen.
Status praesens vom 4. XII. 07: Entsprechend gross, von kräftiger
Konstitution, abgemagert, blass. Temperatur 38,5°. Im Bereich der
linken Axilla schmerzhafte Vorwölbung, welche sich flacher bis zur
Klavikula fortsetzt. Sie besteht aus einzelnen bis überpflaumengrossen
rundlichen, gut abgrenzbaren und verschieblichen Knoten von teils
härterer, teils sukkulenter Konsistenz. Lungenschall hell. Atmung
vesikulär. Kutanreaktion vom 4. XII. und 5. XII. negativ. Stich¬
reaktion auf 0,1 mg vom 5. XII. negativ. Die Folgen einer Injektion
von 1 mg konnten nicht beobachtet werden, weil Pat. gleich nach
dieser Injektion auf Wunsch der Eltern entlassen werden musste. Die
histologische Untersuchung von probeweise inzidierten Lymohdrüsen-
stückchen ergab „die von Sternberg beschriebene, eigenartige
Tuberkulose des lymphatischen Apparates“ (Befund von Herrn Dr.
Rach).
In diesem Fall hat also auch die Stichreaktion versagt.
Vielleicht wäre übrigens die Stichreaktion nach Injektion von
1 mg positiv gewesen. Unter einer sehr grossen Anzahl von
Tuberkulosen war dies der einzige Fall von negativer Stich¬
reaktion, die zweifellos die feinste aller Tuberkulinreaktionen
ist, wie aus den Arbeiten von R e u s c h e 1 und von mir her¬
vorgeht und wie seither auch von Schütz und V i d e k y [5]
berichtet worden ist. Ich will auch hier ausdrücklich bemerken»
dass bisher in allen zur Sektion gekommenen Fällen mit posi¬
tiver Stichreaktion auch tuberkulöse Veränderungen bei der
Autopsie gefunden werden konnten 1 ). Mit anderen Worten:
Die Stichreaktion weist mit Sicherheit auf einen tuberkulösen
Herd hin.
Für die Ueberlassung des Materiales — die Fälle stammen
mit Ausnahme von No. 5 und 6 aus der Universitäts-Kinder¬
klinik — sage ich meinem früheren Chef Herrn Hofrat
Escherich meinen besten Dank auch an dieser Stelle.
Literatur.
1. v. Pirquet: Berliner klin. Wochenschr., 1907, No. 20. —
2. F. Hamburger: Wien. klin. Wochenschr., 1908, No. 12. —
3. v. Pirquet: „Tuberkulosis“, 1908. —4. Reuschel: Münch,
med. Wochenschr., 1908, No. 7, 8. — 5. Schütz und Videky:
Wien. klin. Wochenschr., 1908, No. 37.
Aus der k. med. Poliklinik in München (Vorstand: Prof.
R. M a y).
Makroskopische Asthmaspiralen im Auswurf.
Von Dr. M. R i e h 1.
In No. 46 und 47 1906 dieser Wochenschrift habe ich
„makroskopische Asthmaspiralen“ im Auswurf
von Kranken beschrieben, die an dem auf vereinzelte grössere
Bronchien und deren nächste Umgebung lokalisierten „iso¬
lierten Bronchialasthma“ leiden. Ich teilte damals mit, dass
ich über die chemische Zusammensetzung des Auswurfs bei
Riesenspiralen, sowie über die aus den mikroskopischen
Schnittpräparaten erhaltenen Ergebnisse später berichten
würde. Seit dieser Zeit konnten wir nur einen Krankheitsfall
derselben Art bei unserem Krankenmaterial finden. Diese Tat¬
sache scheint für eine relative Seltenheit der Erkrankung zu
*) Nur in einem Fall war der makroskopische Lymphdrüsen-
befund auf Tuberkulose nur „verdächtig“. Mikroskopische Unter¬
suchung wurde nicht vorgenommen.
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
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sprechen. Den 4 bereits veröffentlichten Krankengeschichten
füge ich. heute die der neuen Patientin hinzu.*)
Fall V. Helene Pfl., Weissnäherin, 33 Jahre alt, Hauptbuch.
No. 3105, 1908.
8. IV. 08. Anamnese: Die Kranke gibt an, seit Ende März
an Husten, Appetitlosigkeit und Mattigkeit, sowie hie und da auf¬
tretendem Fröstelgefühl zu leiden. Der Auswurf, der manchmal ge¬
ringe Blutspuren zeigt, löst sich nur sehr spärlich. Bei Wind, be¬
sonders aber bei Witterungswechsel bekommt die Patientin gewöhn¬
lich Anfälle von Atemnot. Während vor einigen Tagen noch 5 bis
6 Durchfälle vorhanden waren, treten dieselben jetzt nur 2—3 mal
täglich auf.
Stuhl sonst regelmässig, besonders nach Aufregungen öfter, ca. 3
bis 4 mal eintretende breiige oder wässerige Entleerungen. Menses
sind bis jetzt noch niemals erfolgt; zu bestimmten Zeiten eines jeden
Monats krampfartige Leibschmerzen. Virgo.
Bis zu ihrem 16. Lebensjahr war die Patientin nur einmal (an
Gelbsucht) erkrankt. 1891 verzogen ihre Eltern von einem Dorf bei
Landshut a. I. nach München. Seit dieser Zeit fühlte sich die Pa¬
tientin nicht mehr wohl, litt häufig an Mattigkeit, Stechen auf der
Brust und zähem Auswurf. Zu diesen Beschwerden traten späterhin
Durchfälle, derentwegen die Patientin 1898, 1899 und 1900 jedesmal
auf ca. 3 Wochen das Krankenhaus München 1. I. aufsuchen musste.
Seit 1902 in poliklinischer Behandlung. 1902 Lungenentzündung,
späterhin noch dreimal Influenza.
Eltern: Vater lebt, gichtleidend; Mutter mit 49 Jahren an Mast¬
darmkrebs gestorben. 5 Geschwister leben und sind gesund; keines
von ihnen hat ein ähnliches Leiden wie die Patientin. 10 Ge¬
schwister starben, angeblich fast alle an Lungenentzündung.
Status praesens: Kleine, schwächliche Person in stark redu¬
ziertem Ernährungszustand. Schleimhäute blass. Zähne gut er¬
halten. Zunge leicht belegt, Rachen frei. Haut weiss. Keine Drüsen¬
schwellungen. Keine Oedeme. Struma.
Lungen: Thorax schmalbrüstig, Habitus phthisicus. Ex¬
kursionen, besonders auf der linken Seite, sehr gering. Beim Atmen
hört man vereinzelte, pfeifende Geräusche.
Grenzen: Rechts vorne unten unterer Rand der 6.' Rippe,
wenig verschieblich. Hinten unten beiderseits zwischen 11. und 12.
Brustwirbel, fast nicht verschieblich.
Perkussion: Links hinten oben leichte Schallverkürzung;
geringe Verstärkung des Stimmfremitus gegenüber der anderen Seite,
Schmerzempfindlichkeit bei Fingerdruck. Ueber den übrigen Teilen
beider Lungen voller sonorer Perkussionsschall.
Bei der Auskultation hört man über beiden Lungen zahl¬
reiche schnurrende und pfeifende Geräusche, die über der Tracheal-
teilung und in der Gegend der grossen Bronchialäste sehr laut sind.
Nur mühsames Inspirium am inneren linken Skapularrand in der Höhe
des 4. Brustwirbels. An diese Stelle verlegt die Patientin ihre
stechenden Schmerzen beim Atmen. Links vorne unter der Klavi-
kula schnurrende Rhonchi.
Herz: Nach rechts nicht verbreitert, nach links etwas die
Mammillarlinie überragend. Spitzenstoss nicht fühlbar. Herztöne rein,
laut; Aktion etwas vermehrt. Puls 90, ziemlich klein, unregelmässig,
inäqual.
Abdomen: Nicht aufgetrieben oder druckempfindlich. Leber,
Milz ohne Befund; Harn: R. s., 1010, E. —, Z. —; Temperatur (anal):
37,4° C. Hochgradige Hypoplasie des Qenitalsystems: geringe Mons-
behaarung, hypoplastische Vulva und Vagina. Uterus vom Rektum
nur als dünner Strang zu tasten. Mammae ebenfalls ganz unent¬
wickelt.
Nervensystem: Linke Pupille nach innen und oben ver¬
zogen, dadurch leicht oval. Beide Pupillen reagieren träge auf
Lichteinfall. Patellarreflexe beiderseits nicht auslösbar. Periost¬
reflexe etwas gesteigert. Alle sonstigen Reflexe sowie Sensibilität
intakt.
Diatgnose: Asthma bronchiale. Infiltr. ap. pulm. sin. inv.
Hypoplasie der Oenitalorgane. Struma. Unterernährung.
Therapie: Morphium. Jodkali. Feuchte Einwicklungen.
11. IV. 08. Bedeutende Besserung des Allgemeinbefindens. Die
Schweratmigkeit ist fast ganz geschwunden.
25. IV. 08. Sputum von sehr glasiger, zäher, hühnereiweiss¬
artiger Konsistenz. Keine Curschmann sehen Spiralen; keine
Charcot-Leyden sehen Kristalle. Keine TB. Massenhaft
*) Während der Drucklegung dieser Arbeit fanden wir makro¬
skopische Asthmaspiraten auch im Auswurf einer uns seit Jahren be¬
kannten Hysterischen, die an Enteritis membranacea leidet und jüngst
an asthmatischen Anfällen akut erkrankte. Schon seit längerer Zeit
klagte die Patientin (Anna B., Hptb. No. 873'1908) über anfallsweise
auftretende Beklemmungen auf der Brust, die sich öfter zu grosser
Atemnot steigerten und meist mit stechenden Schmerzen in der Mitte
des Rückens verbunden waren. Während die Perkussion keinen
objektiven Befund ergab, konnte man bei der Auskultation im linken
Oberlappen häufig ein Vesikuläratmen hören, das von „flatternden“
Geräuschen begleitet war.
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eosinophile Zellen, Fettsäurenadeln, Myelin, vereinzelte rote Blutkör¬
perchen, Herzfehlerzellen.
Blutbefund: 75 Proz. Hb. 3 027 000 rote, 7800 weisse Blut¬
körperchen. Prozentische Zusammensetzung: 79 Proz. polymorph¬
kernige Leukozyten, 7 Proz. Lymphozyten, 10 Proz. Uebergangs-
formen, 3 Proz. eosinophile, 1 Proz. Mastzellen.
27. IV. 08. Gestern Abend abwechselnd Frost- und Hitzegefühl.
1 Stunde später starke Brech- und Würgneigung, durch die eine
ca. 15 cm lange Riesenspirale entleert wurde. Dieselbe hat einen
deutlich sichtbaren Zentralfaden und löst sich wie bei den früheren
Fällen in vereinzelte Schleimfäden auf. Heute gleicht die Atmung
der einer Asthmakranken (Orgelpfeifen).
Perkussion: Ohne Befund.
Auskultation: Zahlreiche Rhonchi verschiedenster Qualitäten.
Ueber dem rechten Lungenhilus verschärftes Atmen.
Die Röntgenoskopie ergibt eine sehr starke Verästelung
der Bronchien, sichtbar selbst bis in die Unterlappen.
Blutbefund: 75 Proz. Hb. 3 027 000 rote, 6000 weisse Blutkörper¬
chen. Prozentische Zusammensetzung: 71 Proz. polym. Leukozyten,
20 Proz. Lymphozyten, 7 Proz. Uebergangsformen, 2 Proz. eosinophile
Zellen.
30. IV. 08. Die Kranke war seit 2—3 Tagen infolge grosser
Atemnot wieder bettlägerig. Heute Morgen bemerkte Patientin, dass
sie wieder einen grösseren Teil Auswurf ausgehustet hatte. Im fast
reinglasigen Sputum, das leicht rötlich von Blut tingiert ist, eine
ca. 8 cm lange Spirale mit deutlichem Zentralfaden. Mikroskopisch:
Ansätze zu kleinen Asthmaspiralen, keine Charcot-Leyderi¬
schen Kristalle.
3. V. 08. Bei der Röntgenoskopie zeigt sich ein auffallend deut¬
licher Schatten in der Gegend des linken Bronchus, der Stelle, die die
Patientin immer als besonders schmerzhaft bezeichnet. Es scheint,
als ob nach heftigem Hustenlassen der Schatten viel dünner geworden
wäre und sich nach aufwärts und abwärts verlängert hätte.
4. V. 08. Gestern Abend sehr starkes Kopfweh. Stechen in der
Herzgegend, das fast unerträglich war, und grosses Angstgefühl.
Schwere Atemnot, Sterbegedanken. Uebelkeit und Brechgefühl.
9 Uhr abends Abgang einer ca. 15 cm langen Spirale mit deutlich
sichtbarem Zentralfaden. Objektiver Befund heute negativ.
14. V. 08. Seit heute Morgen 10 Uhr heftige Schmerzen in der
Herzgegend und rechts hinten oben über dem rechten Bronchus.
Grosse Mattigkeit und auffallende Schweratmigkeit. Hustenreiz, doch
kein Auswurf. Puls: 100, regelmässig, äqual. Atmung: 24. Temp.
(anal): 37,7° C.
Perkussion: Ohne besonderen Befund.
Auskultatorisch hört man hinten über der Trachealteilung, beson¬
ders nach dem Husten, vereinzelte schnurrende Rhonchi und weiches
Atmungsgeräuch, ähnlich feinstem Knisterrasseln.
Bei der Röntgendurchleuchtung ergibt sich wieder, besonders
über dem linken Bronchus, ein ausgeprägter, deutlich sichtbarer
Schatten, der in der letzten Zeit weniger zu bemerken war.
Blutbefund: Hb. 75 Proz. 3 650 000 rote, 6000 weisse Blutkörper¬
chen. Prozentische Zusammensetzung: 64 Proz. polym. Leukozyten,
19 Proz. Lymphozyten, 11 Proz. Uebergangsformen, 3 Proz. eosino¬
phile und 3 Proz. Mastzellen.
19. V. 08. Frösteln, Hitzegefühl, Brechneigung, Schmerzen in der
Herzgegend. Patientin fühlt nach ihrer eigenen Aussage die Spirale
in der Luftröhre sich bewegen, doch vermag sie dieselbe trotz stärk¬
ster Anstrengung nicht auszuhu$ten. Perkussion und Auskultation wie
14. V. 08.
27. V. 08. Nach ihrem letzten Besuch in der Poliklinik entleerte
Patientin zu Hause ungemein viel Auswurf derselben Beschaffenheit
wie immer, doch konnte sie denselben nicht zur Untersuchung
bringen.
Heute Uebergang zu wärmerer Aussentemperatur. Neuerdings
Fiebererscheinungen. Temp. (anal) 38,5° C. Sputum schaumig, sehr
zäh, ohne Spiralen. Keine TB.
8. IX. 08. Patientin klagt über Nachtschweisse, starke Ver¬
schleimung, mangelhafte Expektoration. Temp. (anal) 38,2° C.
Objektiv: Beim Stehen hängt die linke Seite etwas herab. Die linke
Lungenspitze ist besonders hinten sehr schmerzempfmdlich. Links
hinten oben leichte Schailverkürzung, rauhes Exspirium neben der
Wirbelsäule. Vorne abgeschwächtes Inspirium.
12. IX. 08. Starke Schmerzhaftigkeit links, infraklavikulär. Spu¬
tum wie immer beschaffen, keine Riesenspiralen.
18. IX. 08. Stechen auf der linken Seite. Durchfälle. Auswurf
nicht charakteristisch. Tct. Op. Tct. Val.
23. X. 08. Patientin war 4 Wochen in ihrer Heimat zum Land¬
aufenthalt. Das Befinden war die ganze Zeit über gut, die Atmung
besser.
Seit ihrer Rückkehr, die bei Witterungsumschlag stattfand, aber¬
mals die alten Beschwerden. -
Ein Vergleich dieser Krankengeschichte mit den 4 früheren
Fällen lässt klar erkennen, dass es sich bei all diesen Patienten
um ein- und dieselbe, wohl charakterisierte Krankheitsform
handelt. Im Grossen und Ganzen habe ich den in meiner ersten
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Arbeit niedergelegten Anschauungen nichts Wesentliches hin¬
zuzufügen.
Das Sputum war von derselben, gläsig-zähschleimigen
Konsistenz. Wenn auch die Spiralen nicht dieselbe Länge er¬
reichten, wie in den früher veröffentlichten Fällen, so betrug
deren Grösse zumeist doch ca. 15 cm mit deutlich sichtbarem
Zentralfaden und typisch um ihn gelagerter Mantelsptrale.
Mikroskopisch kleine Asthmaspiralen fehlten; höchstens waren
Ansätze zu solchen zu bemerken. Auch Charcot-Ley-
d e n sehe Kristalle konnte ich nicht finden. Auffallend dagegen
war auch in diesem Fall das massenhafte Vorhandensein
eosinophiler Zellen im Auswurf. Die Schnittpräparate
der Spiralen, die nach zwei verschiedenen Härtungsmethoden
angefertigt sind, lassen deutlich zwei Zonen erkennen. Eine
äussere, die maschenförmig das Ganze umgibt, wie gefärbter
Schleim aussieht und fast gar keine Kernbildung aufweist Hie
und da finden sich kleine Inselchen von zahlreichen blauen,
rundlichen Kernen eingestreut. Scharf von dieser rnantel-
förmigern äusseren Zone, die durch die Härtungsflüssigkeit
stark zusammengeschrumpft ist, grenzt sich der Zentralfaden
ab, der durch die reiche Zellinfiltration sofort ins Auge fällt.
In manchen Präparaten ist die Mantelspirale nicht gleichmässig
rund um den Zentralfaden gelagert, sondern hat, vermutlich
unter dem Einfluss der Härtungsflüssigkeit, verschiedene bald
flachere, bald tiefere Einschnürungen erfahren, wodurch die
Schnittfläche das Aussehen eines vielblätterigen Kleeblatts an¬
genommen hat. Aus demselben Grund ist auch der Zentral¬
faden auseinandergedrängt und verzweigt sich strahlenförmig
in die Maschen der Mantelspirale.
Der früheren Mitteilung entgegen traten in diesem letzten
Fall Rhonchi der verschiedensten Art auf, besonders kurz vor
dem Ausstossen der grossen Spiralen.
Zweifellos ist im Fall V der linke Bronchus der Hauptsitz
der Erkrankung. Dafür spricht einmal die bei allen Anfällen
geäusserte Angabe der Patientin, dass sie Schmerzen stechen¬
der Natur gerade an der Stelle empfindet, die dem Sitz des
linken Bronchus entspricht, fernerhin die Tatsache, dass bei
der Röntgendurchleuchtung sich an dieser Stelle zur Zeit der
Anfälle ein deutlich sichtbarer Schatten nachweisen Hess, der
nach den Anfällen fast gar nicht zu bemerken war und einmal,
wie es schien, durch forcierte Hustenstösse, in seiner Form
sich veränderte (Obstruktionsatelektase?).
In keinem der von uns bis jetzt beobachteten Fälle liess
sich röntgenoskopisch eine auffallende Veränderung der
Bronchialdrüsen nachweisen. Wenn auch zugegeben werden
muss, dass in späteren Stadien die Tuberkulose zu dem
Asthmaleiden sich hinzugesellen kann, so ist dies bei Beginn
des Leidens sicher nicht der Fall. Immer wieder machen wir
die Beobachtung, dass die von uns beschriebene Art des
Bronchialasthmas ausschliesslich bei neuropathischen Indi¬
viduen sich findet.
Aus der chirurgischen Abteilung des allgemeinen Kranken¬
hauses in Mährisch-Ostrau.
Eine Herznaht.
Von Dr. Friedrich Neugebauer, Primararzt.
Krankengeschichte:
Franz H., Auf.-P. 2506/1907, 21 J., Pferdeknecht, erhielt am
23. September 1907, etwa um 3 Uhr morgens, gelegentlich eines Rauf¬
handels einen Messerstich in die Brust. Er sank soiort bewusstlos
zusammen und wurde in das vom Tatorte etwa eine halbe Stunde
entfernte Krankenhaus geführt.
Er langte hier bewusstlos an. Sein Aussehen war anämisch,
Radialpuls nicht tastbar, Karotispuls äusserst schwach.
Ueber dem linken 3. Rippenknorpel, in der Gegend des Sternal-
randes befindet sich eine V/s cm lange, einen Vs cm weit klaffende,
geradlinige, scharfrandige Schnittwunde, welche schräg von rechts
oben nach links unten verläuft. Dieselbe blutet nicht; im Grunde der¬
selben sieht man Muskulatur.
Die Herzdämpfung reicht von der linken Mammillarlinie bis zur
Mitte des Sternums.
Eine Viertelstunde später war die Herzdämpfung sowohl nach
rechts als nach links verbeitert. Ueber diesem typisch geformten
dreieckigen Dämpfungsbezirk hört man sehr leise Herztöne ohne Ge¬
räusche.
No. 1,
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Eine halbe Stunde nach der Einbringung führt der diensthabende
Arzt eine Punktion des Herzbeutels mittels dünner Kanüle im 4. Inter¬
kostalraum knapp am Sternalrande aus und entleerte dabei einige
Kubikzentimeter venösen Blutes. Daraufhin rötete sich das Gesicht,
der Kranke kommt zu Bewusstsein, die Atmung wird regelmässiger.
Der Verletzte antwortet nun auf Fragen über den Unfall und
klagt dabei über Druckgefühl auf der Brust. Der Radialispuls ist
nicht fühlbar.
Desinfektion der Wunde und deren Umgebung. Wegen grosser
Unruhe 0,01 Morphin. Eisbeutel auf die Brust.
Die Besserung des Befindens nach der Punktion war aber nur
eine rasch vorübergehende. Um 8VI* Uhr vormittags ist weder Radial-
noch Karotispuls tastbar. Der Kranke ist sehr somnolent, nur schwer
zu einer Aeusserung zu veranlassen und zeitweilig sehr unruhig. Es
besteht schwere Zyanose, die Lippen sind blaugrau. Die Herz¬
dämpfung hat sich weiter vergrössert, sie überschreitet das Sternum
nach rechts in der Höhe des 5. Interkostalraumes um mehr als
2 Querfingerbreite, links bis an die vordere Axillarlinie reichend.
Spitzenstoss weder sichtbar, noch fühlbar. Herztöne leise, dumpf.
Keine Geräusche.
Die linke Thoraxhälfte bleibt beim Atmen zurück, Perkussions¬
schall dort heller als normal, trommelartig, in den untersten, seitlich
zugänglichen Partien scheint jedoch Dämpfung zu sein. Auskulta¬
tionsbefund negativ. Da man das Aufsetzen vermeiden will, kann
ein Lungenbefund der hinteren Partien nicht aufgenommen werden.
Der Befund der rechten Lunge ist normal. Im Harne weder Ei-
weiss noch Zucker.
Wegen grosser Unruhe und zur Vermeidung einer Exzitation in
der Narkose werden abermals 0,01 Morphin subkutan verabfolgt.
9 Uhr vormittags Chloroformnarkose (B i 11 r o t h s Mischung).
Im 3. linken Interkostalraume wird senkrecht auf die Sternallinie
ein 9 cm langer Schnitt durch Haut und Muskulatur geführt, senk¬
recht auf diesem stehend ein 8 cm langer, in der Mitte des Brust¬
beines verlaufender Schnitt bis auf den Knochen. Die dadurch ge¬
bildeten Haut-Muskel-Periostlappen werden nach links oben bezw.
links unten teils mit dem Raspatorium, teils mit dem Messer zurück¬
gelegt. Der 3., 4. und 5. linke Rippenknorpel werden mit dem Re¬
sektionsmesser knapp am Sternum durchtrennt. Die Rippen werden
jetzt vorsichtig gehoben und mit scharfen Haken seitlich abgehalten.
Die Vasa mammaria kommen dabei in grosser Ausdehnung zu Ge¬
sicht, bleiben aber unverletzt. Die vorliegenden Gewebe sind allent¬
halben blutdurchtränkt und eine Unterscheidung der Schichten un¬
möglich. Man erkennt auch die linke Pleura nicht, weil die Atmung
sehr oberflächlich ist und die linke Lunge wahrscheinlich gar nicht
atmet. Da die so geschaffene Oeffnung zu wenig Einblick zu ge¬
währen scheint, wird mit der L u e r sehen Zange vom Sternum
etwa die Hälfte seiner Breite im Bereiche der durchschnittenen
3 Rippen abgetragen. Beim ganzen bisherigen Eingriffe war keine
einzige Unterbindung nötig.
Jetzt wird möglichst medial zwischen 2 Hakenpinzetten mit
dem Messer in die Tiefe gegangen und dabei der Herzbeutel eröffnet.
Nun schiesst etwa in Fingerdicke ein Strahl sehr dunklen Blutes
hervor. Die stossweise Entleerung scheint synchron den Herzpul¬
sationen zu erfolgen. Ungeachtet der mächtigen Blutung wird der
Herzbeutel rasch nach unten und oben etwa in einer Ausdehnung von
7 cm geschlitzt. Nun wird das ganze Operationsfeld durch eine mäch¬
tige dunkle Blutwelle überflutet. Ein grosser angedrückter Mull¬
tupfer schafft etwas freien Blick und in diesem Augenblicke entdeckt
man einen Schlitz in der Herzwand, dessen Lippen mit einer starken
Hakenpinzette sofort erfasst und vorgezogen werden. Die Herz-
wunde selbst scheint im Augenblicke des Sichtbarwerdens nicht ge¬
blutet zu haben.
Die ausserordentlich unruhige, zappelnde Herzbewegung er¬
schwert die vorzunehmende Naht sehr. Es werden 4 Seiden-
knopfnähte angelegt. Die Herztätigkeit war unterdessen ruhiger
und regelmässiger, der Radialpuls unmittelbar nach der Naht in der
Frequenz von 120 gut fühlbar geworden. Die Zyanose war ver¬
schwunden, das Aussehen des Kranken mit einem Schlage ein zu¬
friedenstellendes. Jetzt wurde es offenbar, dass die Schwere des
Zustandes viel weniger von der Anämie als von der Stauung ver¬
anlasst war.
Der Schnitt sass in der vorderen Wand der rechten
Kammer und hatte eine Länge von l'/s cm und die Richtung von
links oben nach rechts unten, wie der Einstich in der Haut.
Nach der Naht fingen die Stichkanäle, obwohl keine sichtbaren
Gefässe verletzt worden waren, nicht unbeträchtlich zu bluten an, so
dass noch eine ausgreifende Naht zur Stillung derselben gemacht
werden musste.
Das noch immer reichlich im Herzbeutel angesammelte Blut wird
mit Gazestreifen sorgfältig ausgetupft, die Herzbeutelwunde durch
Katgutnaht bis auf eine Lücke für einen Gazestreifen und ein Drain
verkleinert. Desgleichen werden alle Weichteile nach Zurücklage¬
rung der Rippen bis auf die Drainlücke vereinigt.
Am Nachmittage des Operationstages befindet sich der Kranke
subjektiv wohl, nur die Atmung — 28 in der Minute — ist mühsam.
Temp. 38,0° C. Puls 112, klein, aber regelmässig. Grosses Durst¬
gefühl: Wein, schwarzen Kaffee.
4
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
26
MIJENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
In der Nacht für kurze Zeit Schlaf. 24. X. früh: Temp. 36,6° C.
Puls 96, unregelmässig, klein. 9 Uhr früh: 0,02 Koffein subkutan.
10 Uhr: 2 Spritzen Digalen. 11 Vs Uhr vormittags: Puls 72, regel¬
mässig.
Der Kranke wird im Bette aufgesetzt. In der linken Pleurahöhle
wird ein Flüssigkeitserguss festgestellt, welcher einen Dämpfungs¬
bezirk bis über den Skapularwinkel hinauf erzeugt. Der Pneumo¬
thorax fast geschwunden. Rechts hinten unten verschärftes Atmen.
ln der Nacht auf 0,01 Morphin guter Schlaf.
25. IX., früh 7 Vs Uhr: Temp. 37,6° C. Puls unregelmässig, leicht
unterdrückbar. Atmung mühsam. Auf Koffein und Digalen erholt
sich der Puls.
12 Uhr mittags: Verbandwechsel. Lösen des Drainagestreifens mit
Wasserstoffsuperoxydlösung und Entfernung desselben. Darauf entleert
sich in den Herzpulsationen entsprechenden Stössen reichlich klares
Serum. Darauf bessert sich der Puls sofort. Einführen eines Drain¬
rohres durch dieselbe Lücke. In den untersten Lungenpartien beider¬
seits Atmen von bronchialem Beiklange. Inf. Ipecacuanhae. Auf
Sennaklysma Stuhl.
26. IX. früh: Temp. 37,9° C, Puls 108, Atmung freier. Abends
Temperatur 38,6° C.
27. IX. früh: Temp. 36,5° C, Puls 109. Nachmittags Temp.
38,5°, Puls 116. Der Puls ist immer noch klein, leicht unterdrückbar
und in seiner Intensität schwankend.
28. IX. früh: Temp. 37,8° C. Die Dämpfung in den linken hin¬
teren unteren Lungenpartien noch unverändert. Beiderseits Bron¬
chitis. Beim täglichen Verbandwechsel entleert sich immer noch
klares Serum aus dem Herzbeutel. Subjektives Befinden gut.
29. IX. Temp. früh 36,7° C, abends 38° C. Von diesem Tage
an blieb die Frühtemperatur normal; die Abendtemperatur überstieg
nie mehr 37,5° C.
2. X. Bei der Auskultation über dem Herzen hört man weiche
perikarditische Reibegeräusche. Der Puls ist noch immer frequenter
als normal und etwas unregelmässig.
10. X. Die Sekretion aus der Wunde ist sehr geringfügig. Puls
seit einigen Tagen regelmässig, kräftig, von normaler Frequenz (72).
23. X. Wunde völlig verheilt. Patient geht einher ohne jegliche
Beschwerden. Die Untersuchung des Herzens ergibt einen völlig nor¬
malen Befund.
12. XI. Geheilt entlassen.
Der Kranke kehrte bald nach seiner Entlassung zu seiner früheren
Beschäftigung zurück und als ich etwa 2 Monate nachher ihn auf¬
suchen wollte, war er leider weit weg verzogen. Seine Umgebung
versicherte mir aber, dass er die schwere Arbeit, z. B. das Satteln
der Pferde, ohne jede Beschwerde geleistet und sich anderwärts zu
demselben Dienste verdungen habe. Seinen Kameraden habe er ver¬
sichert, dass er sich völlig gesund fühle.
Die Zeichen eines linksseitigen Pneumothorax, das Er¬
gebnis der Probepunktion, die unter unseren Augen wachsende
Herzdämpfung Hessen im Zusammenhänge mit der Oertlichkeit
der Verletzung und dem schweren Allgemeinzustande des
Kranken keinen Zweifel über die Art der Verletzung. Als ich
ihn um ^9 Uhr vormittags, also 5Vs Stunden nach der Ver¬
wundung, zu Gesicht bekam, war er moribund zu nennen;
selbst der Karotidenpuls war nicht mehr fühlbar. Das Be¬
finden hatte sich in der Zu Wartezeit verschlechtert. Aussicht
auf Hilfe versprach hier allein noch der Versuch eines chirur¬
gischen Eingriffes.
Dass die Herzwunde perforierend war, schien nach allem
sicher zu sein. Die Besichtigung der Wunde des Herzbeutels
und der Herzoberfläche Hess nirgends ein Gefäss finden,
welches diese enorme Blutung in den Herzbeutel und, wie wir
erst in den nächsten Tagen feststellen konnten, in die linke
Pleurahöhle und ins Mediastinum erklärt hätte. Und doch
blutete die Herzwunde im Augenblick des Sichtbar- und Er¬
fasstwerdens nicht. Offenbar war sie unter der tamponieren¬
den Gewalt des mächtigen Hämatomes zur Verklebung ge¬
kommen.
Wenn man diesen Eingriff zum erstenmal am Lebenden
macht, ist man überrascht von der Schwierigkeit der örtlichen
Orientierung am Herzen. Die ersten Anhaltspunkte dafür gab
mir ausser der Farbe des ergossenen Blutes die Naht, mit
welcher die tiefer mitgefasste Wand mit Leichtigkeit zu falten
war. Der linke Ventrikel konnte es daher nicht sein, gegen
die Vorhöfe sprach die Grösse der vorliegenden Wand.
Der Grund dieser Zweifel lag in der Art der Freilegung
des Herzens, welche nur einen Teil seiner Oberfläche zur An¬
schau brachte. Durch eine plastische Operation mit grossem,
das ganze Herz mit pinem Schlage freilegendem Deckel würde
man allerdings dieser Verlegenheit überhoben werden. Zur
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genaueren Ortsbestimmung ahmte ich deshalb die Verletzung
am Kadaver nach und fand, dass sie etwa in der Mitte der
rechten Kammerwand gesessen habe.
Die Drainage wurde durch Drain und Streifen bewerk¬
stelligt, welche an der Stelle der Operationsöffnung, also keines¬
wegs am tiefsten Punkte des Herzbeutels, aus demselben
herausgeleitet wurden. Das Drain war offenbar zu dünn und
hat nicht lange funktioniert. Denn als am 2. Tage post operat.
eine bedrohliche Verschlechterung des Pulses eine Nachschau
nötig machte, entleerte sich nach Entfernung des Streifens eine
grosse Menge seröser Flüssigkeit in Stössen, der Herzaktion
entsprechend. Nach dieser Entlastung besserte sich der Puls
sofort.
Diese Erfahrung steht demnach im Gegensätze zu
Rehns 1 ) Tabelle 2 nach welchem alle drainierten
Fälle extrapleuraler Herzverletzungen starben. Trotzdem
würde mich dieselbe veranlassen, in künftigen Fällen ein
solches Sicherheitsventil zu unterhalten, doch nach Rehns
Vorschläge am tiefsten Punkte und ohne verstopfenden Gaze¬
streifen.
Es ist eine Tatsache, dass nur ein Teil, ja sogar nur der
kleinere Teil der Herzverletzungen sofort erliegt. Die meisten
leben noch Stunden, ja selbst tagelang weiter. So lebte z. B.
ein Kranker F i n c k h s mit Revolverschuss des rechten Ven¬
trikels und linken Vorhofes und gleichzeitigen Gehirnschusses
16 Stunden; ein Kranker K r ö n 1 e i n s mit Durchbohrung des
rechten Ventrikels, des Septum ventriculorum des linken Ven¬
trikels und der Aorta noch 6 Tage. R e h n operierte seinen
ersten Fall nach 48 Stunden, seinen zweiten nach 9 Stunden.
Dass auch recht ausgedehnte Trennungen der Wand eine
längere Lebensdauer haben können, beweist dieser letzt¬
genannte Fall, bei welchem die Wand der rechten Kammer
einen 4 cm langen Schlitz trug.
Ein kleiner Teil der Verletzten überwindet das Trauma
und seine Folgen. G. Fischer 2 ) hat die Zahl dieser Ueber-
lebenden auf Grund einer grossen Statistik von 452 Fällen auf
10 Proz. berechnet.
Diese Zahlen sind eine Mahnung, dass man sich durch das
relative Wohlbefinden Herzverletzter nicht zum Warten ver¬
leiten lassen darf und- eine Rechtfertigung der schweren, zur
Rettung solcher J^enschen unternommenen Operationen.
Eben bei der Herznaht ist der Vorwurf zu raschen Darauf¬
gehens von Chirurgen selbst erhoben worden. Wenn auch der
Wamungsruf F. Frankes 3 ) für allzu hitzige Daraufgänger
völlig seine Berechtigung hat, so gehen doch seine Schluss¬
folgerungen zu weit und richten dadurch Verwirrung an.
Wenn man den Schlussatz dieser Ausführungen allein zu
Gesicht bekommt („Ich glaube durch meine Aus¬
führungen bewiesen zu haben, dass ein
grosser Teil der Herzverletzungen sicherer
und schonender durch die Punktion allein als
die Operation gerettet werden kan n“) vermutet
man dahinter eine Reihe eigener Erfahrungen über zweifellose
Herzverletzungen. Franke kann diese umstürzenden Ideen
jedoch nun auf einen einzigen Fall gründen, für welchen ein
Beweis einer Verletzung des Herzens durchaus fehlt.
Dieser Verletzte (es handelt sich nicht etwa um eine Nadelstich¬
verletzung, sondern um eine durch ein Schlächtermesser) geht nach
der Verletzung selbst zum Arzte und wird dann nach Hause ent¬
lassen. Im Laufe des Tages stellen sich Atembeschwerden ein, wes¬
halb nachts die Ueberfiihrung ins Krankenhaus erfolgt. Etwa 24 Stun¬
den nach der Verletzung wurde ein linksseitiger Pneumothorax fest¬
gestellt. Die Herzdämpfung war nach rechts und links etwas ver¬
breitert, die Töne leise zu hören, der Spitzenstoss, wenn auch nicht
deutlich, zu fühlen. Der Puls war gleichmässig, regelmässig,
mittelkräftig. 2 Tage nach der Verletzung war er kleiner und be¬
schleunigter, aber noch immer regelmässig. Die Herzdämpfung stark
vergrössert. Jetzt wurden 300 ccm Blut entleert, worauf Heilung
eintrat.
Es ist gewiss unzulässig, w’enn auf dieser Grundlage
die Behauptung gewagt wird, dass durch die Punktion „ein
*) L. Rehn: Zur Chirurgie des Herzens und des Herzbeutels.
Archiv für klin. Chir., Bd. 83, pag. 763.
*) Langenbecks Archiv, Bd. IX. pag. 571.
3 ) Deutsche med. Wochenschrift, 1907, No. 38.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909. _ MUEt-lG fi gNER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT. _27
grosser Teil der Herzverletzten sicherer ... als durch
Operation gerettet werden kann“ und damit die geleistete Ar¬
beit und Hilfe bei einem grossen Teile von wirklichen Durch¬
bohrungen der Herzwände als übereilt und unnötig hingestellt
wird.
Diese in ihrer konservativen Tendenz zu weit gehende
Auffassung hat ihre Quelle in der unrichtigen Voraussetzung,
dass man beim Hämatoperikard nach Herzverletzungen
,,m i t der Punktion bei einiger Vorsicht keinen
Schaden anrichten kan n.“ Ich glaube, dass dieser
Satz im Sinne einer Therapie bei der Mehrzahl derjenigen,
welche verletzte Herzen operiert haben, keine Zustimmung
finden wird. Bei einem Loche in der Herzwand, besonders in
den dünnen Wänden des rechten Herzens und der Vorhöfe
würde in den meisten Fällen das durch Punktion entleerte Blut
raschestens wieder nachgefüllt werden. Die weitere Fristung
des Lebens wird hier wie auch bei den Gefässverletzungen
von der Natur selbsttätig eingeleitet durch die Herabsetzung
des Blutdruckes und das Hämatom.
Die grösste Zahl der in die Hände des Chirurgen ge¬
langenden Herzblutungen sind auf diese Weise zum Stehen
gebracht. Gleich wie man das Aneurysma spurium der
Arterien nicht ausräumen darf, ohne auf deren Unterbindung
im selben Augenblicke vorbereitet zu sein, darf man die Ent¬
leerung des Hämatoperikards nicht wagen, ohne die Frei¬
legung des Herzens sofort folgen lassen zu können.
Wurde nach Freilegung des Herzens das Hämatom aus¬
geräumt, so pflegte gewöhnlich die Herz wunde wieder zu
bluten. Manchmal bekommt man sie jedoch — wie in unserem
Falle — noch verklebt zur Naht.
Wie lange aber hätte diese Ruhe bei steigendem Blutdrucke
angedauert?
So lange man diese Frage für den einzelnen Fall nicht be¬
antworten kann, darf man die Punktion 4 ) nicht als hinhaltende
Behandlung empfehlen. Sie wäre nichts anderes als ein Ver¬
lust von Zeit und Kraft.
Eine Punktion besonders mit einem grösseren Instrumente,
wie ein Troikart, kann zudem einem Hämatome einen Abfluss
ins Mediastinum, die Pleurahöhle oder nach aussen eröffnen,
so dass die eingeleitete Entlastung schrankenlos vor sich ginge.
Sow r ohl für die Scheinwirkung der Punktion auf die Besse¬
rung des Allgemeinbefindens, als in Bezug auf die zuletzt er¬
wähnte Möglichkeit und die intensive Neigung schon genähter
Herzwunden zum Nachbluten nach Wiederherstellung des
Blutdruckes enthält die Krankengeschichte unseres Falles An¬
deutungen.
An dem bewusstlos eingebrachten Manne wird zu dia¬
gnostischen Zwecken mit dünner Kanüle eine Probepunktion
ausgeführt. Die Wirkung derselben ist überraschend und kann
nicht auf die wenigen durch die P r a v a z sehe Spritze ent¬
leerten Tropfen, sondern auf eine recht ergiebige, bei dem
grossen Drucke durch die Stichöffnung ins Mediastinum er¬
folgte Entlastung des Herzbeutels bezogen werden. Diese Ent¬
lastung hielt aber nur kurze Zeit an.
Als nach der Entleerung des Herzbeutels sich der Zustand
mit einem Schlage zum Besseren gewendet hatte, fingen die
Stichkanäle der Naht recht lebhaft zu bluten an, obwohl keine
sichtbaren Gefässe des Perikards verletzt waren. Die bluten¬
den Stichkanälc mussten übernäht werden.
Die Folgerungen daraus für den Fall der Unterlassung der
Naht bedürfen keiner Erörterung.
Die ausgedehnten, zur Freilegung des Herzens erfundenen
plastischen Operationen, nach welchen Sternum samt Rippen
bald nach rechts, bald nach links oder nach oben mit der fast un¬
ausweichlichen Sicherheit der Eröffnung einer, mit der Möglich¬
keit der Verletzung beider Pleurahöhlen aufgeklappt wurden,
haben allerdings auch mutigen Chirurgen eine grössere Zu¬
rückhaltung auferlegt.
Darüber sind wir nun hinaus, seitdem R e h n durch seine
jüngsten Vorschläge 5 ) auch für die Zaghafteren eine Brücke
geschlagen hat.
4 ) Franke verstärkt dieselbe noch durch eine Aspirations¬
spritze oder Dieulafoy.
5 ) 1. c.
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Ich bin nach diesen Vorschriften vorgegangen. Die Frei¬
legung des Herzens hat sich damit in einer überraschend
leichten und glatten Art vornehmen lassen: Nicht nur keinerlei
Kollision mit den Mammariagefässen, nicht nur keine Ver¬
letzung der linken Pleura, es konnte sogar vermieden werden,
dass die vom Trauma dort gesetzte, unterdessen verklebte
Lücke wieder aufgerissen wurde. Der ganze Eingriff erforderte
keine einzige Unterbindung.
Aus der Privat-Frauenklinik Dr. J. Voigt in Göttingen.
Ein Fall von Macies uteri.
Von J. Voigt.
Die instrumentellen Perforationen des Uterus sind keines¬
wegs besonders selten und können unter Umständen auch dem
Erfahrenen einmal passieren; eine Prädisposition zu derartigen
Verletzungen ist bekanntlich durch die Weichheit der Mus¬
kulatur des puerperalen Uterus gegeben. Es kann jedoch eine
abnorme Mürbigkeit des ganzen Organes bestehen, ohne dass
puerperale Verhältnisse vorliegen; dieselbe wird als Macies
uteri bezeichnet. Ob dieser Zustand tatsächlich selten ist,
oder ob derartige Fälle aus einem Gefühl der Unsicherheit
heraus nicht bekannt gegeben werden, ist nicht zu entscheiden.
Abgesehen von einer Mitteilung B ü r g e rs liegen * meines
Wissens keine Veröffentlichungen hierüber vor. Es ist deshalb
die Beobachtung einer derartigen Veränderung der Uteruswand
interessant genug, um eine Beschreibung derselben gerecht¬
fertigt erscheinen zu lassen, obgleich eine histologische Unter¬
suchung des ganzen Organs nicht möglich war, da der Uterus
der Frau erhalten blieb.
Eine sehr korpulente Patientin von 42 Jahren kam mit der
Klage über starken Ausfluss und unregelmässige Blutungen, die seit
einigen Monaten beständen, zur Untersuchung. Die Anamnese, sowie
die äussere Untersuchung ergab nichts Besonderes. Herz und Nieren
waren gesund. Bei der kombinierten Untersuchung fand sich der
Uterus retroponiert, etwas retrovertiert, von weicher Konsistenz
und etwas grösser als normal; die Portio war frei von Geschwürs¬
bildung. An den Adnexen waren gröbere Veränderungen nicht
durchzutasten. Der Befund gab keine Erklärung für die unregel¬
mässigen Blutungen, welche den Verdacht auf das Bestehen einer
malignen Neubildung erwecken mussten. Die Patientin wurde des¬
halb zur Dilatation und Austastung des Uterus in die Klinik aufge¬
nommen. Die Zervix war so weit, dass zwei mittelstarke Laminar¬
stifte ohne Schwierigkeit eingelegt werden konnten; nach 24 Stunden
war dieselbe für einen Finger bequem durchgängig geworden. Die
Austastung der Uterushöhle in ruhiger Narkose liess keine Ver¬
dickung oder Rauhigkeit der Wandungen erkennen, nur fiel es auf,
dass nach dem linken Tubenwinkel zu die gegenüberliegenden Flächen
miteinander verklebt schienen und bei vorsichtigem Andrängen des
Fingers leicht voneinander wichen, so dass man in einen spalt¬
förmigen Raum in der Uteruswand gelangte. Man hatte bei der
Leichtigkeit, mit welcher die Wandung bei dem durchaus schonen¬
den Vordringen des Fingers auseinanderwich zunächst das Gefühl,
als gelangte man in einen präformierten Hohlraum, doch erkannte
man mit Befremden, dass nur eine ganz dünne Membran den Finger
von der Peritonealhöhle trennte und dass dieser sich zugleich dicht
unter den Bauchdecken befand. Der nächste Gedanke war der, dass
ein intramuraler Abszess durch den andrängenden Finger eröffnet
worden sei, doch sprach die Form und Art des Zustandekommens
dieses Spaltraumes dagegen, auch war es nicht möglich auch nur
eine Spur von Eiter oder Gewebstrümmern zu gewinnen; schliess¬
lich gab auch der fieberfreie Verlauf vorher wie nachher keinen An¬
halt dafür.
Von einer Ausschabung oder Ausspülung wurde zunächst Abstand
genommen und der Uterus nur lose mit Jodoformgaze tamponiert;
als diese nach 24 Stunden entfernt wurde, war sie kaum durchfeuchtet,.
Irgendwelche Störung im Befinden der Patientin war nicht zu be¬
merken, Puls und Temperatur blieben normal. Da es aber darauf
ankam, das Bestehen einer malignen Neubildung mit Sicherheit aus-
schliessen zu können, wurde 14 Tage später, nach nochmaliger
Dilatation, vorsichtig eine Ausschabung des Uterus vorgenommen;
es wurden dabei Schleimhautfetzen in mässiger Menge zu tage ge¬
fördert. Die mikroskopische Untersuchung zeigte das Bild einer «läs¬
sigen interstitiellen Endometritis, ausserdem an der Basis der Schleim¬
haut reichliche Muskelfasern; für puerperale Verhältnisse oder eine
maligne Neubildung sprach nichts.
Es musste also eine abnorme Morschheit der Uteruswandung an¬
genommen werden, welche vielleicht mit der starken Adipositas des
ganzen Körpers in Zusammenhang stand. Die dadurch bedingte Aen-
derung der Ernährung der Schleimhaut dürfte wohl das Bild der inter¬
stitiellen Endometritis verursacht haben. Die weitere Behandlung
musste das Ziel haben, einen normalen Tonus der Muskulatur wieder
4*
Original frn-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
28
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
herzustellen und die Regeneration einer normalen Schleimhaut her¬
beizuführen, und bestand in täglichen heissen Scheidenspülungen und
Ergotindarreichungen, sowie mehrfachen Aetzungen der Uterus¬
schleimhaut mit 30 proz. Formalinlösung. Der Uterus nahm darauf¬
hin seine normale Grösse und Konsistenz an und der Ausfluss ver¬
schwand. Die Patientin ist nun 9 Monate nach Abschluss der Behand¬
lung in Beobachtung, ohne dass sich wieder irgendwelche Störungen
gezeigt hätten, so dass man jetzt wohl von einer Heilung, sprechen
kann.
Aus der chirurgischen Abteilung des Allerheiligenhospitals
Breslau (Prof. Dr. T i e t z e).
Ueber die Fermentbehandlung tuberkulöser Abszesse.
Von Dr. Theodor Goldenberg, Sekundärarzt.
Vorläufige Mitteilung.
Die Publikation von Joch mann und B a e t z n e r in
No 48, 1907 d. Wochenschr. gibt mir Veranlassung, bereits jetzt
vorläufig über Versuche zu berichten, mit denen ich beschäftigt
war und die ich in letzter Zeit wieder aufgenommen habe, um
tuberkulöse Abszesse mit Fermenten zu behandeln. Ich will
auf die theoretischen Grundlagen dieser ganzen Frage an dieser
Stelle nicht näher eingehen. In der oben zitierten Arbeit finden
sie sich in grossen Zügen angegeben. Wir wissen, dass der
tuberkulöse Eiter hauptsächlich aus Lymphozyten besteht, die
keine Fermentträger darstellen. Wir wissen ferner aus den
grundlegenden Untersuchungen von Heile 1 ), dass die guten
Resultate der Jodoformglyzerinbehandlung lediglich darauf zu¬
rückzuführen sind, dass durch Auftreten von Leukozyten und
von diesen gelieferten proteolytischen Leukozytenfermenten der
schwer resorbierbare tuberkulöse Eiter resp. die tuberkulösen
Granulationen verdaut und somit zur Resorption gebracht
werden.
Unmittelbare Veranlassung zu meinen Versuchen waren
die allerdings nach der entgegengesetzten Richtung hin ab¬
zielenden Experimente von Müller und P e i s e r 2 ), die
durch Anhäufung von Leukozytenfermenten in heissen Ab¬
szessen übergrosse verdauende resp. gewebseinschmelzende
Tätigkeit derselben dadurch erfolgreich zu bekämpfen, dass
nach vorheriger Entleerung des Abszesses Aszites- resp.
Hydrozelenflüssigkeit etc., also Antifermente (Stern und
Eppen stein 3 ) in dieselben injiziert wurden. Es lag nahe,
dem tuberkulösen Abszess, der ja leukozyten- und fermentarm
ist, auf die entgegengesetzte Weise, also durch Fermentein¬
spritzung beizukommen.
Ich habe nun nicht das fertige Ferment in den Abszess in¬
jiziert, sondern ich suchte, auf Grund der experimentellen
Untersuchungen Heiles, der beabsichtigte, Gelenkver¬
steifungen zu verdauen und dadurch wieder beweglich zu
machen, das Ferment in dem Abszess gewissermassen in statu
nascendi kontinuierlich wirken zu lassen. Es wurde eine
Lösung von Na-Nuklein (Böhringer -Mannheim-Waldhof)
injiziert, um eine Leukozytose in dem tuberkulösen Abszess
herbeizuführen. Geraume Zeit später wurde der so vor¬
behandelte Abszess einer intensiven Röntgenbestrahlung aus¬
gesetzt.
Gleich der erste Fall bot einen eklatanten Erfolg. Es
handelte sich um einen tuberkulösen Weichteilabszess an der
Aussenseite des Oberschenkels, der früher längere Zeit ver¬
geblich mit Jodoforminjektionen behandelt worden war und
der durch drei derartige Sitzungen völlig zum Ausheilen ge¬
bracht wurde. Die betreffende Stelle ist heute bei einer Nach¬
untersuchung in keiner Weise von der gesunden Seite zu unter¬
scheiden.
Ich bin in meinen letzten Versuchen zu einem anderen
leukotaktischen Mittel übergegangen, zu den Silbersalzen. Da
ich vom Argentum nitricum zu starke Reizwirkungen und Ei¬
weissfällungen erwartete, bediente ich mich Silbereiweissver¬
bindungen und zwar des Protargols. Diese Injektionen wurden
abermals mit Röntgenstrahlen kombiniert.
Stärkere Schmerzen oder Reizwirkungen sah ich bisher
nie. Inwieweit diese modifizierte Behandlung mir Heilungen
M Heile: Chirurgenkongress 1905.
2 ) Müller und Peiser: Diese Wochenschrift 1908, No. 17.
geben wird, darüber kann ich heute noch nicht berichten. In
diesen Fällen traten ebenso wie in dem ersten häufig nach
der Röntgenbestrahlung Temperaturerhöhungen (bis zu 39°)*)
auf, die bei einfacher Injektion fehlten (Fermentwirkung oder
Resorption von Toxinen?) Mit fertigem Ferment habe ich
bisher nie behandelt. Die Versuche von Jochmann und
Baetzner nach dieser Richtung hin scheinen ja für den
Wert dieser Methode ein gewichtiges Wort zu reden. Ob
praktisch die oben angeführte kombinierte Injektions-Röntgen¬
behandlung weitere Erfolge aufzuweisen haben wird, darüber
kann ich mir heute noch kein abschliessendes Urteil bilden.
Jedenfalls erschienen mir die theoretisch-wissenschaftlichen
Gesichtspunkte derselben im Zusammenhang mit den Erfolgen
der von Jochmann etc. angewandten direkten Ferment¬
behandlung wert, kurz an dieser Stelle mitgeteilt zu werden.
Weitere Einzelfragen harren meines Ermessens auf diesem Ge¬
biete ebenfalls noch ihrer Erledigung, z. B. das Studium der
Resorption tuberkulöser Abszesse vor und mit fortschreitender
Fermentbehandlung (Traubenzuckerversuch oder dergleichen^.
Vielleicht lassen sich Hand in Hand mit dem Abbau des tuber¬
kulösen Materials Beschleunigungen der Resorption nach-
weisen und damit Anhaltspunkte für den Fortschritt der Heilung
erhalten.
Das Phonendoskiaskop*). Q
Von Dr. med. R. Schmincke in Rapallo.
Eine Vorrichtung, welche gestattet, gleichzeitig die Bewegungen
des Herzens mit Röntgenstrahlen zu sehen und die Herztöne zu hören,
habe ich mit dem Namen „Phonendoskiaskop“ bezeichnet. Es be¬
steht das Phonendoskiaskop,
wie aus nebenstehender Ab¬
bildung ersichtlich ist, aus einem
mit Bleiglas überdeckten Platin-
zyanürschirm, in dessen Mitte
ein Phonendoskop eingefügt ist.
In das Glas eingeätzt ist weiter
ein Zentimetermass, das ge¬
stattet, die Grösse der Exkur¬
sionen derHerzränder zu messen.
Wenn man einen Röntgen¬
schirm und eine Auskultations¬
vorrichtung zur gleichzeitigen
Beobachtung der Herzbewe¬
gungen und Auskultation der
Herztöne getrennt anwendet, so ergeben sich grosse technische
Schwierigkeiten, die mich veranlassten, diese Vorrichtung hersteilen
zu lassen.
Indem ich mir weitere Veröffentlichungen über den diagnosti¬
schen Wert der Phonendoskiaskopie Vorbehalte, möchte ich vor¬
läufig auf zwei Tatsachen aufmerksam machen, die sich
mit dem Phonendoskiaskop leicht anstellen lassen. Man kann ein¬
mal mit der Vorrichtung die Herztöne an der Stelle auskultieren, wo
man im Schattenbild die betreffenden Auskultationsstellen sieht und
dann in Fällen, in denen es zweifelhaft ist, ob man den ersten oder
zweiten Ton hört, die Entscheidung treffen, welches der 1. oder
II. Herzton ist; dasselbe gilt von den Herzgeräuschen.
Man wird also die Trikuspidalklappe am Uebergang des rechten
Atriums in den rechten Ventrikel, die Pulmonalklappe über der Arteria
pulrnonalis und die Aortenklappe rechts unterhalb des Aortenbogens
auskultieren. Bei der Auskultation der Mitralklappe an der Herz¬
spitze ist daran zu denken, dass die Herzspitze seitlich ausserhalb
der Herzspitze im Schattenbilde liegt und dieses um so mehr, je ge¬
wölbter der Thorax ist, da ja der Herzschatten auf eine Tangential¬
ebene zur Brustwand projiziert wird. Man auskultiert also die
Mitralklappe etwas ausserhalb der Herzschattenspitze; in Fällen, in
denen der Herzstoss palpatorisch nachzuweisen ist, natürlich an
dieser Stelle.
Um phonendoskiaskopisch zu entscheiden, welches der erste
oder zweite Herzton ist, muss man wissen, mit welchen Bewegungs¬
phasen des Herzschattenbildes die Töne zusammenfallen. Beim lang¬
sam pulsierenden normalen Herzen kann man beobachten, dass der
I. Herzton mit der grössten Exkursion des Randes des linken Ven¬
trikels oder einem für das Auge kaum wahrnehmbaren Moment
später, also dem Beginn der Kontraktion zusammenfällt und der II.
Herzton gleichzeitig mit der äussersten Bewegung des Ventrikel-
3 ) cf. Eppenstein: Diese Wochenschrift 1906, No. 45.
*) Nachtrag bei der Korrektur: Ich sah solche Temperaturen
jetzt auch vor der Bestrahlung, ohne dass eine Infektion gesetzt wor¬
den war.
*) Zu beziehen durch Max Kohl, Chemnitz, Adorferweg.
Digitized by L^ouQie
Original ffom
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909.
MUENCt^NER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
29
randes nach der Körpermitte, also der stärksten Kontraktion des Ven¬
trikels oder vielleicht auch einen kaum wahrnehmbaren Moment
später, also dem Beginn der Dilatation hörbar ist. Als ich zum ersten
Male dieses Phänomen beobachtete, nahm ich an, dass es sich bei
dem Zusammenfällen der grössten Exkursion des linken Ventrikel¬
randes mit dem I. Herztöne und natürlich auch dem Herzstosse um
eine Seitwärtsbewegung der Ventrikel handelte, durch die eine schein¬
bare Vergrösserung des linken Ventrikels zu stände käme. Erst bei
seitlicher Durchleuchtung des Hundethorax und bei Beobachtung der
Herzbewegung in tiefster Exspiration sah ich deutlich, dass von einer
seitlichen Verschiebung des gesamten Herzens im Schattenbilde keine
Rede sein konnte, sondern dass die Exkursionen der Ventrikelränder
nur durch die Kontraktion und Dilatation des Herzens zu Stande
kamen. Vorliegende Beobachtung nun deckt sich etwa mit der
M a r t i u s sehen Auffassung des sogen. Herzspitzenstosses. Mar-
t i u s hat bekanntlich festgestellt, dass die Zeit des I. Herztones
und des Spitzenstosses mit der Zeit zusammenfällt, in der der
maximal erweiterte Ventrikel bei noch geschlossenen Klappen das in
ihm befindliche Blut unter höheren Druck setzt.
Für Fälle, in denen man im Zweifel ist, ob der gehörte Ton
der I. oder II. Herzton ist, ist jedenfalls daran festzuhalten, dass
der I. Herzton zeitlich etwa mit der grössten Erweiterung, der
II. Herzton mit der grössten Verkleinerung der Ventrikelschatten zu¬
sammenfällt.
Aerztliche Standesangelegenheiten.
Die Stellung und Honorierung der Ortsärzte.
Auf der 5. Vertrauensmännerversammlung des Leipziger Ver¬
bandes am 8. November 1908 in Leipzig, hat Dr. K. R o s n e r von
Stuttgart ein Referat erstattet über die Stellung und Honorie¬
rung der Ortsärzte, welches von allgemeinem Interesse ist.
Einleitend umgrenzt der Vortragende den Begriff des Ortsarztes,
dessen charakteristisches Merkmal die vertragsmässige Verpflichtung
ist, gegen ein festes Qehalt den Ortseinwohnern jederzeit Hilfe zu
leisten und zwar unter Anrechnung sehr niederer Sätze, ohne Unter¬
schied für Wohlhabende und wenig Begüterte. Die Eigenschaft eines
Distriktsarztes ist nur die Erweiterung des Begriffes Ortsarzt. Das
Wesen der Orts- und Distriktsärzte entspricht meistens einem Mono¬
polisierungssystem und steht somit dem jetzt allgemein anerkannten
Prinzip der freien Arztwahl entgegen. So erhebt sich die Frage,
ob die Einrichtung der Ortsärzte, besonders aber diejenige der Di¬
striktsärzte, heute überhaupt noch zeitgemäss ist. Um hierüber ein
zutreffendes Urteil zu gewinnen, beabsichtigt der L. V. vorbereitende
Erhebungen anzustellen, um das Zahlen- und Verbreitungsverhältnis
der ortsbesoldeten Aerzte festzustellen und durch eine Umfrage über
die gegenwärtige Lage der Ortsärzte die erforderlichen Unterlagen
zu gewinnen. R. verkennt die Schwierigkeiten nicht, welche Gleich¬
gültigkeit, Aengstlichkeit, falsche Scham und wohl auch Furcht vor
Konkurrenz diesem Unternehmen entgegenstellen, hält es jedoch trotz
alledem für notwendig, dass der L. V. den Versuch macht, die
bessernde Hand an die Zustände des Gemeindearztwesens zu legen,
weil der ganze Stand darunter Not leidet; auch ist sich R. von vorn¬
herein klar darüber, dass die Früchte der darauf verwendeten Mühe
nur langsam ausreifen werden. Er schlägt zu diesem Behufe die Ein¬
richtung einer Zentrale für Ortsärzte in Leipzig vor,
welche mit den lokalen Organisationen in steter Verbindung zu stehen
hätte.
Zum Beweise der Notwendigkeit des Eingreifens der Organi¬
sation in die Zustände der Ortsärzte, führt R. die Zuschrift eines
ortsärztlichen Kollegen an, der die Aufrollung dieser Frage von seiten
des L. V. mit Freuden begrüsst und die bekannten Missstände beklagt,
als da sind grosse Mühewaltung bei geringer Entlohnung, aufreibende
Tätigkeit in Vorpostenstellung bei Tag und Nacht, Mangel auch der
bescheidensten Sonntagsruhe und Abhängigkeit von der Gemeinde.
Es ist zweifellos, dass ein vorhandener Notstand die Behandlung der
Frage erfordert und grossenteils ein kräftigerer Rückhalt der Or¬
ganisation gewünscht wird. Nur eine mächtige Organisation, die
auch Gegenströmungen im eigenen Lager zu überwinden vermag, ist
dieser schwierigen Aufgabe gewachsen, welcher der einzelne meistens
machtlos gegeniibersteht. R. führt dann die Tätigkeit der Vertrags¬
kommissionen in Nassau an. Den ausgesprochensten Monopolbetrieb
stellen die sogen. Haus- oder Familienverträge in Baden dar, wo die
ärztliche Behandlung bei jeglichem Bedarf zu jeder Tages- und Nacht¬
zeit, von gewissen seltenen Leistungen abgesehen, gegen ein Jahres¬
honorar von 4 bis höchstens 6 Mark pro Familie am Wohnsitz des
Arztes übernommen wird, für umliegende Orte ebenso, aber mit Be¬
schränkung auf regelmässige Besuchstage. Zum Abschlüsse des Ver¬
trages der im Wettbewerb angebotenen Arzthilfe ladet dort die Orts¬
glocke des Polizeidieners ein, „der Herde ein liebliches Geläut“.
R. gibt zu, dass die Armut gewisser Gegenden die Anstellung
von Ortsärzten rechtfertigt, hält jedoch für die Mehrzahl wohlhaben¬
der Gemeinden die Bezahlung der Einzelleistung nach
der Gebührenordnung für angebracht. Das Wartegeld der
Distriktsärzte ist nach R. gänzlich ungenügend, schon der Fuhrkosten
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wegen, ganz abgesehen von der körperlichen Anstrengung und dem
Zeitverluste des Arztes. Das Wartgeld sollte doch zum allermindesten
die Selbstauslagen des Arztes decken. Mehr noch als durch die An¬
stellung von Ortsärzten wird durch den Monopolbetrieb des Distrikts¬
arztwesens die freie Arztwahl zurückgedrängt, und zwar nicht nur
bei der Privat-, sondern auch bei der Kassenpraxis, welche dem
Distriktsarzte fast ausnahmslos zugewiesen wird.
Durch das Wartegeld sicherten sich die Gemeinden die gebotene
Arzthilfe für die Armen und verbilligten zudem diese Hilfe auch für
die Privatpraxis durch vertragsmässige Umgehung der Gebühren¬
ordnung. Obendrein fand auch noch zum Teil um die Wartegelder
ein hässlicher Unterbietungskampf statt. Nachdem nun infolge der
Ausbreitung des reichsgesetzlichen Versicherungswesens in vielen
Gegenden ein Bedürfnis zur Aufstellung oder Beibehaltung von Orts¬
und Armenärzten nicht mehr vorhanden ist, wäre in solchen Ge¬
meinden die Honorierung nach der Gebührenordnung unter Wegfall
aller Vertragsfesseln erreichbar. Mit Recht frügt R., wozu besteht
eine staatliche Gebührenordnung für die Aerzte, wenn diese nicht
den nämlichen Gebrauch davon machen wie die Rechtsanwälte und
Notare von ihrer Gebührenordnung? Ueberlegt man, welche be¬
deutende Erhöhung die Kassenhonorare durch den L. V. erfuhren, und
welche Summen den Aerzten vorher entgangen waren, so lässt sich
unschwer statt des bisherigen Honorarausfalles der Landärzte eine
der aufreibenden Tätigkeit derselben angemessene Erhöhung in
sichere Aussicht stellen, wenn die Organisation eingreift und den
bisherigen Betrieb ändert. Dieser Entgang an Honoraren der land-
ärztlichen Privatpraxis bedeutet in seiner Häufung eine ebensolche
wirtschaftliche Schädigung des ganzen Aerztestandes, wie seinerzeit
bei den Kassen. Die sattsam bewiesene Humanität der Aerzte bürgt
dafür, dass einem ländlichen Notstände volles Verständnis entgegen¬
gebracht wird, aber die Ausbeutung der ärztlichen Arbeitskraft sollte
beseitigt werden.
Zur Verbilligung der Arzthilfe im Einzelfall bei Besserung des
Honorars und freier Arztwahl tritt R. für vollständige Trennung
von Arzthonorar und Reisekosten auch in der Privat¬
praxis ein, welche letzteren von einem Interessenverbande aufzu¬
bringen oder von Zuschusskassen zu ersetzen wären. Von den ärzt¬
lichen Standesvereinen fordert R., dass sie die weitere Aufstellung
von Ortsärzten und den Abschluss von Arztverträgen an unge¬
eigneten Orten verhindern, überhaupt sollte der Abschluss eines
Ortsvertages nur mit Genehmigung der Aerzteorganisation gestattet
sein. Die freie Arztwahl ist überall zuzulassen, das Wartegeld ev.
prozentualiter durch die Aerzteorganisation zu verteilen.
Die Zeit dürfte nicht mehr ferne sein, in welcher sämtliche
Verhandlungen, welche die Ortsärzte betreffen, nicht mehr zwischen
dem einzelnen Arzte und der Gemeindeorganisation, sondern nur noch
zwischen dieser und der Aerzteorganisation stattfinden, namentlich
für den Vertragsabschluss. Zur Beilegung von Streitfällen zwischen
Arzt und Gemeinde ist die Errichtung einer staatlichen Beschwerde¬
instanz mit angegliedertem Schiedsgericht anzustreben. Für die ärzt¬
lichen Lokalvereine erwächst die wichtige Aufgabe der Einsetzung
von Kommissionen für die Verträge der Ortsärzte ihres Bezirkes.
Wägt man die Vorteile und Nachteile einer vertragsmässigen
Besoldung der Aerzte nach jeder Hinsicht ab, so überwiegen die
Nachteile in entscheidender Weise. Zum Abschlüsse seines syste¬
matisch aufgebauten und logisch folgerichtigen Vertrages präzisiert
R. auf Grund seiner bisher gewonnenen Einsicht in die Verhältnisse
der landärztlichen Praxis die dargelegten Ausführungen in einer zu¬
sammenfassenden Aufstellung von 10 Thesen. Dr. G.
BOcheranzeigen und Referate.
Festschrift für Georg Eduard v. Rindfleisch. Unter
Mitwirkung ehemaliger und jetziger Assistenten, Studien¬
genossen, befreundeter Fachkollegen und Verwandter v.Rind-
f 1 e i s c h s, herausgegeben von Dr. Max Borst, Professor
an der Universität Würzburg. Mit 21 Tafeln und 38 Ab¬
bildungen im Text. Leipzig, Verlag von Wilh. Engel-
mann, 1907.
1. Dr. Wilh. Ebstein, Professor in Göttingen: Knochengerüst
eines missgestalteten Daumens. Mit .1 Textfiguren.
In dem vom Verf. beschriebenen Falle handelt es sich um eine
Verdoppelung des Knochens der 2. und eine tiefe Spaltung des
Knochens der 1. Phalanx des rechten Daumens. Die doppelte Knochen¬
anlage ist von einer gemeinsamen Weichteilhülle mit leicht missbilde-
tem Nagel umgeben.
2. Dr. Ernst Paul: Der Radspeichenbau der Markscheide des
Nerven. Mit 13 Textfiguren und 1 lithogr. Tafel.
Bei der Untersuchung verschiedener Nerven des Frosches und
des Menschen, welche mit Sublimat oder Zenkerlösung gehärtet und
nach den Methoden von Heidenhain und Hansen und M a 1 -
lory IN gefärbt waren, fand E. exquisit radiäre Streiiung der Mark¬
scheiden. Um den Achsenzylinder herum waren in dieser Anordnung
feine Stäbchen, wie die Speichen eines Rades, zu erkennen. Wurde
die Konservierung erst später vorgenommen, so beobachtete man
Original frorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
30
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
eine mehr gitterförmige Anordnung der sonst radiär gestellten
dunklen Linien. Aehnlich verhielt sich die Markscheide des zentralen
Nervenendes, nachdem der Nerv 3 Tage zuvor durchschnitten war;
noch grössere Veränderungen zeigte die Markscheide im peripheri¬
schen Ende des durchschnittenen Nerven. Auch bei Einführung von
Nervenstücken in den Lymphsack des Frosches ging die Radspeichen¬
figur mehr oder weniger verloren. Wurden die Nerven frisch in
Trypsin gelegt, so erfolgte völlige Zerstörung des Bildes, wodurch
bewiesen ist, dass die beschriebenen Figuren von Neurokeratin ge¬
bildet werden. Dagegen tritt die Radspeichenfigur ganz besonders
deutlich hervor, wenn die Nerven vor der Trypsinwirkung in Sublimat
oder Alkohol gehärtet waren. Ernst ist der Ansicht, dass es sich
bei m Radspeichenbau nicht etwa um ein Kunstprodukt handelt, son¬
dern dass er vielmehr bereits dem lebenden Nerven zukommt und
dass daher sein Verhalten von Wichtigkeit ist für die Beurteilung
feiner Nervenveränderungen.
3. Dr. Otto v. F r a n q u 6, Prof, in Qiessen (ehemaliger Assistent
am pathologischen Institut zu Würzburg im Sommer 1890): Leber
Myoma sarcomatodes parametrii und Myoma malignum parametrii
post Myoma malignum uteri. Mit 1 Textfigur.
Der 1. Fall betrifft ein wahrscheinlich von der tiefen Becken¬
faszie und vom Periost des rechten Schambeines ausgegangenes
typisches Myosarkom mit ausgesprochener Umwandlung der Muskel¬
fasern in Sarkomzellen. Im 2. Fall handelt es sich um einen rezidi¬
vierenden, im Parametrium diffus ausgebreiteten Tumor mit stark
zystischer Erweichung, welcher sich bei der mikroskopischen Unter¬
suchung als ein ausschliesslich aus wohlentwickelten glatten Muskel¬
fasern bestehendes Myom ohne scharfe Abgrenzung gegen das
Beckenbindegewebe erwies.
4. Dr. Johann Orth, Professor in Berlin (ehemaliger Assistent
am pathologischen Institut in Bonn, vom 1. I. 1870 bis 1. IV. 1873):
Altes und Neues über Lungentuberkulose. Mit 4 Textfiguren.
Orth bespricht zunächst die käsige bezw. die tuberkulöse
Pneumonie und wendet sich gegen die Behauptung v. Baumgartens,
nach welcher jede tuberkulöse Pneumonie mit spezifisch tuberkullöser
produktiver Entzündung verbunden sein soll. Es dürfte wohl we¬
nige Pathologen geben, welche nicht auf Grund ihrer eigenen Unter¬
suchungen mit Orth vollständig darin übereinstimmen, dass bei
der Lungentuberkulose sehr häufig rein exsudativ-entzündliche Pneu¬
monien auftreten, welche in den Anfangsstadien sich in nichts von
der gewöhnlichen fibrinösen Pneumonie unterscheiden, welche aber
in Verkäsung übergehen und deren ganz entschieden tuberkulöser
Charakter dadurch begründet ist, dass sie durch den Tuberkelbazillus
oder dessen Gifte hervorgerufen werden.
Ferner bespricht O. ausführlich die Tatsache, dass die bei der
Lungentuberkulose zu beobachtenden Knötchen nicht einheitlicher
Natur sind, sondern bekanntlich teils interstitiell gelagerte Granu¬
lationstuberkel, teils aber miliare pneumonische Infiltrate darstellen.
Ob es notwendig erscheint, aus diesem Grunde die bisher allgemein
gebräuchliche Bezeichnung Miliartuberkulose fallen zu lassen und
dafür nur von einer disseminierten metastatischen Lungentuberkulose
zu sprechen, möchte Ref. dahingestellt sein lassen, zumal doch die
beiden Knötchenformen, sowohl die interstitiellen tuberkulösen Gra¬
nulationen, als auch die miliaren pneumonischen intraalveolären Ex¬
sudate auf embolischen Ursprung zurückgeführt werden können. Es
genügt zu wissen, dass makroskopisch eben überhaupt nicht zu ent¬
scheiden ist, welche Form der beiden Knötchen vorliegt.
Die Tatsache, dass bei akuter Miliartuberkulose der Lungen die
Knötchen in den oberen Lungenabschnitten meistens grösser sind als
die in den unteren Lungenabschnitten und häufig schon verkäst er¬
scheinen, während letztere noch grau sind, führt auch Orth auf
eine grössere Disposition des Gewebes der oberen Lungenabschnitte,
insbesondere der Lungenspitzen für die Entwicklung der Tuberkulose
zurück.
Orth bemerkt bei dieser Gelegenheit mit Recht, dass auf diese
Tatsache nicht von Ribbert (1900), wie von vielen irrtümlicher
Weise angenommen wird, sondern von ihm selbst (1885 und 1887)
zuerst mit Ausführlichkeit hingewiesen worden ist.
Ebenso hat auch Orth längst vor R i b b e r t auf die Bedeutung
von Intimatuberkeln kleiner Lungenarterien für die Verbreitung der
Tuberkelbazillen in der Lunge aufmerksam gemacht. Im Gegensatz
zu Ribbert ist iedoch Orth der Meinung, dass diese Tuberkulose
kleiner Lungenarterien nur für eine lokalisierte, nicht aber für die
allgemeine Miliartuberkulose der Lungen von Bedeutung ist.
Endlich wendet sich Orth mit Schärfe gegen die Behauptung
Aufrechts und v. Behrings, dass die Lungentuberkulose im
Wesentlichen eine Tuberkulose der Endarterien sei, eine Behauptung,
welche übrigens wohl von keinem Pathologen jemals ernst genommen
worden ist.
Ob die Lungentuberkulose häufiger durch Inhalation oder durch
Verschleppung von Bazillen auf dem Blutwege zustande kommt, lässt
Orth dahingestellt. Jedenfalls kann die auch bei der akuten Miliar¬
tuberkulose zum Ausdruck gelangende stärkere Disposition der
Lungenspitze nicht als ein Beweis für die aerogene Infektion der
Lunge betrachtet werden. Auch die von Birch-Hirschfeld
und Schmorl beschriebenen Fälle von scheinbar primärer Tuber¬
kulose von Spitzenbronchien vermag Orth nicht als beweiskräftig
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anzuerkennen, da auch diese Fälle sehr wohl als sekundäre Bron¬
chialtuberkulose gedeutet werden können, welche sich an eine
primäre Verschleppung von Bazillen in die Bronchialwand auf dem
Blutwege angeschlossen hat.
5. Dr. Alexander Schmincke, derzeitiger I. Assistent am
pathologischen Institut zu Wiirzburg: a) Zur »Genese der sogen. Peri¬
splenitis chronica; b) Ganglienzellen neben kleinen Gallengängen in
der menschlichen Leber. Mit 1 Tafelfigur; c) Zur Frage der eiahn-
llchen Bildungen in Ovarlalkarzinomen. Mit 4 Tafelfiguren.
a) Verf. glaubt, dass die Perisplenitis chronica, welche sich durch
starke, knorpelähnliche Verdickungen der Milzkapsel auszeichnet und
nicht selten mit Verunstaltung des Organs verbunden ist, auf Grund
der Beobachtung eines ähnlichen Falles bei einem 3 Jahre alten Kinde
auf Entwicklungsstörungen zurückgeführt werden können.
b) In einem Schnitte einer chronischen Stauungsleber fand
Schmincke eine grössere Ganglienzelle.
c) Verf. hält die Entwicklung eiähnlicher uhd follikelähnlicher
Gebilde aus krebsigem Ovarialepithel für Ovarialkarzinom in ge¬
wissem Grade spezifisch. Sie ist bedingt durch die Abstammung der
Krebszellen von Ovarialzellen, wenn auch diese pathologisch ver¬
ändert sind.
6. Dr. Gustav Fütterer, Professor in Chicago (ehemaliger
Assistent am pathologischen Institut zu Würzburg vom Sommer 1884
bis Sommer 1889): Ueber experimentelle Erzeugung von Magenge¬
schwüren und über Schleimhautwucherungen an deren Rändern. Mit
23 Figuren auf 5 Tafeln.
F ü 11 e r e r erzielte durch Resektion von Magenschleimhaut¬
stückchen und gleichzeitig erzeugte Anämie bei Kaninchen Geschwüre,
welche sowohl hinsichtlich ihres anatomischen und mikroskopischen
Verhaltens, als auch in ihrem chronischen Verlauf und der Art der
Narbenbildung sich durch nichts von chronischen Magengeschwüren
des Menschen unterscheiden Hessen. Besonders interessant waren
die an den Geschwürsrändern zu beobachtenden Drüsenwucherungen,
welche in einzelnen Fälllen auch die Muscularis stark durchsetzten,
so dass mikroskopisch geradezu das Bild eines Karzinoms vorlag.
Bezüglich der Pathogenese des chronischen Magengeschwürs
hält Fütterer auf Grund seiner Versuche neben Zirkulationsstö¬
rungen aus verschiedenen Ursachen eine gleichzeitig vorhandene
Anämie von grösster Bedeutung.
7. Dr. Max Ruprecht, Arzt in Bremen: Elektrolyse, Galvano¬
kaustik und Totalexstirpation im Wettbewerb bei der Behandlung
einiger Nasenrachenfibrome. Mit 3 Textfiguren.
R. berichtet über 3 Fälle von Nasenrachenpolypen, welche er
teils elektrolytisch und galvanokaustisch, teils durch Totalexstirpation
beseitigte. Sämtliche 3 Fälle betreffen kavernöse Fibrome; der 3. Fall
war mit Fibroma oedematodes kombiniert.
8. Dr. Karl Rindfleisch, Frauenarzt in Gera: Beitrag zur
Behandlung der RetroBexio uteri Hxata. Mit 1 Textfigur.
R. beschreibt ein von ihm konstruiertes Instrument zur mechani¬
schen Behandlung der Retroflexio uteri fixata. Er hat damit bis
jetzt 12 Fälle behandelt und sehr befriedigende Resultate erzielt.
9. Dr. Walter v. Brunn, Arzt in Rostock: Pathologisch-ana¬
tomisches aus der chirurgischen Praxis.
Im ersten vom Verf. beschriebenen Falle handelt es sich um
einen 27 jährigen Mann, welchem von einem Mädchen eine Stopf¬
nadel in die Harnröhre eingeführt worden war; diese hatte 2 V 2 Jahre
gelegen und in der Nähe des Skrotalansatzes ein Divertikel der
Harnröhre und eine derbe entzündlich-fibröse Geschwulst erzeugt.
Der 2. Fall betrifft einen 30 jährigen Mann, welchem ebenfalls
von einem Mädchen eine Nähnadel in den Oberschenkel bis auf das
Periost eingestossen worden war und ihren Sitz gerade zwischen
Art. und Vena femoralis hatte. In beiden Fällen trat nach Ent¬
fernung des Fremdkörpers völlige Heilung ein.
Im 3. und 4. Fall handelt es sich um Nackenfurunkel, welche
Metastasen in einem Fussgelenk, bezw. in der Nierengegend ver¬
ursacht hatten. Beide Fälle wurden durch Operation geheilt, wobei
im ersten Falle auch die Bier sehe Stauung mit zur Verwendung
gelangte.
10. Dr. Max Borst, Professor in Göttingen, jetzt in Würzburg
(ehemaliger Assistent am pathologischen Institut zu Würzburg vom
Sommer 1894 bis Sommer 1904): Weiterer Beitrag zur Frage der
Regeneration Im Gehirn. Mit 2 Figuren auf 1 lithographischen Tafel.
Borst führte, wie bei seinen früheren, den gleichen Gegen¬
stand betreffenden Versuchen, kleine feinporöse Zelloidinstückchen
in das Gehirn der Versuchstiere ein. Es ergab sich dabei eine von
der Pia und den Gefässen ausgehende bindegewebige Einkapselung
und Durchwucherung der Fremdkörper. In dem neugebildeten Binde¬
gewebe fanden sich nach 106—180 Tagen als zellige Elemente teils
Fibroblasten, teils Zellen vom Typus der kleineren und grösseren
Lymphozyten und der mononukleären Leukozyten, ferner Plasma¬
zellen und Riesenzellen. Zwischen den lympho- und leukozytoiden
Zellen fanden sich so viele Ucbergänge, dass Borst diese Zellen
nach dem Vorgänge Zieglers und M a x i m o w s unter dem Namen
Polyblasten zusammenfasst. Borst leitet alle diese Zellen von
Adventitiazellen der Gefässe ab.
Auch eine stärkere Gliawucherung findet statt, so dass an ein¬
zelnen Stellen umfangreiche rein gliöse Narben auftreten können.
Original from
UNIVERSITT OF CALIFORNIA
Ä. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
31
Auch in die Poren des Fremdkörpers dringt die Gliawucherung vor,
doch scheint hier ein grosser Teil wieder zu gründe zu gehen.
Aehnlich verhalten sich die Nervenfasern, welche entschieden
ebenfalls in Wucherung geraten, aber wieder zurückgebildet werden.
An den Ganglienzellen konnten nur regressive Veränderungen wahr¬
genommen werden.
11. Dr. Hugo Ribbert, Professor in Bonn: Ueber Embolie.
R i b b e r t unterzieht den Begriff des Embolus in seinem Ver¬
hältnis zu autochthoner Thrombose oder sekundärer Thrombenbildung
im Anschluss an Embolie einer kritischen Betrachtung. Die von
ihm entwickelten Anschauungen durften von keinem Pathologen be¬
stritten werden und man kann wohl annehmen, dass die von Rib¬
bert beanstandeten Fälle Oestreichs, Litten s, Schmorls
und anderer von den betreffenden Autoren selbst nicht als reine
Embolien, sondern als Embolien mit einschliessender Thrombose auf¬
gefasst worden sind.
Ferner wendet sich R. gegen die bisherige Auffassung der retro¬
graden Embolie, nach welcher der Embolus durch eine einmalige
völlige Umkehrung des Venenstromes plötzlich rückwärts bis in die
Organe geschleudert werden soll. In klarer und überzeugender
Weise zeigt R., dass eine solche Annahme aus mechanischen Gründen
unmöglich ist und dass retrograde Embolie nur durch ruckweise
Rückwärtsbewegung kleinerer Partikel zu stände kommen kann,
an welche sich, wenn sie festgelegt sind, eine sekundäre Thrombose
anschliessen kann.
12. Dr. Georg Rindfleisch, Augenarzt in Weimar: Ueber
das rekurrierende Erbrechen der Kinder.
Rindfleisch berichtet über einen Fall von rekurrierendem
Erbrechen bei einem 12 jährigen Kinde und bespricht im Anschluss
daran kurz die bis jetzt beobachteten ähnlichen Fälle. Hauser.
(Fortsetzung folgt.)
Spezielle Diagnose der inneren Krankheiten. Ein Hand¬
buch für Aerzte und Studierende. Nach Vorlesungen be¬
arbeitet von Dr. W. v. L e u b e, Professor der medizinischen
Klinik und Oberarzt am Juliusspital in Würzburg. 2. Band.
7. vollständig umgearbeitete Auflage. Mit 78 Abbildungen.
Leipzig, Verlag von F. C. W. V o g e 1, 1908. 692 Seiten. .
Wir haben den ersten Band dieser Auflage des bekannten
Lehrbuches vor 3 Jahren an dieser Stelle besprochen. Wenn
das Erscheinen des 2. Bandes dieser vorliegenden 7. Auflage
sich etwas mehr hinausgeschoben hat, so erscheint das erklär¬
lich angesichts des ungewöhnlich grossen Zuwachses, den
grosse Teile der Pathologie und besonders auch der klinischen
Diagnose in den letzten Jahren erfahren haben. Wir denken
dabei zum Beispiel an die grossen Fortschritte in der klinischen
Hämatologie, an eine Reihe neuer diagnostischer Methoden
betreff der Infektionskrankheiten, an die Wandlung vieler An¬
schauungen betreff der Pathologie des Stoffwechsels. Diesen
Umwälzungen in seinem seit Jahren hoch angesehenen Lehr¬
buch gerecht zu werden und dasselbe in eine Frontlinie mit dem
heutigen Stande medizinischer Wissenschaft zu bringen, hat
v. L e u b e sein Werk in einer Reihe von Kapiteln nicht nur
umfassenden Umarbeitungen und Ergänzungen unterzogen,
sondern einige grössere Teile auch völlig neu bearbeitet, zum
Beispiel das Kapitel der Blutkrankheiten, des Diabetes mellitus,
der Alkaptonurie, der Lehre von der Malaria etc. Innerhalb
der einzelnen Kapitel wird auf die möglichst eingehende Be¬
rücksichtigung der Differentialdiagnose vom Verf. das grösste
Gewicht gelegt, wobei die ausserordentlich grosse klinische
Erfahrung desselben überall zur Geltung kommt. Der 2. Band
umfasst speziell die Diagnose der Krankheiten des Nerven¬
systems, des Blutes und Stoffwechsels, sowie die Infektions¬
krankheiten, und bringt am Schluss ein ausführliches Sach¬
register. Grassmann - München.
Dr. Albert R e 1 b m a y r: Die Entwicklungsgeschichte des
Talentes und Genies. 2 Bände. (515 und 448 Seiten.) Mit
3 Karten; historischen, genealogischen und statistischen Be¬
legen. München, J. F. Lehmann, 1908.
Der Fortschritt eines Kulturvolkes beruht auf den Talenten
und Genies, die es hervorbringt. Es sind zu unterscheiden die
„primären 41 Talente des Herrschens, der Kriegskunst, der
Religion, des Rechts, der Medizin und des Handels, von den
„sekundären“ der Poesie, Rhetorik, der bildenden Kunst,
Musik, Philosophie und Wissenschaft. {Die Technik kommt
hier zu kurz.) Die Grundlage der Züchtung von Talent und
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Genie bildet die Sesshaftigkeit, verbunden mit Ackerbau und
Handel. Das Talent ist stets das Züchtungsprodukt einer In¬
zuchtahnenreihe von mehreren Generationen, während das
Genie gewöhnlich das Produkt einer Mischung zweier ver¬
schiedener Inzuchtahnenreihen darstellt. Eine besonders wich¬
tige Rolle spielt die Vermischung mit altem Kulturblut. Des¬
halb haben die Griechen Genies nur hervorgebracht in den Ge¬
genden, die früher bereits eine Kultur hatten, und deshalb
sind fast alle deutschen Genies vor der Reformation der ehe¬
maligen Grenzzone gegen das römische Reich entsprossen.
Durch Inzucht können sich zunächst nur „primäre“ Genies ent¬
wickeln (Sparta); entstehen daselbst später hervorragende
Geister, so haben sie einen ausgesprochen nationalen Charakter
(Zone zwischen Rhein, Limes und Elbe). Ganz ungünstig für
die Produktion von Talenten ist die fortlaufende Blutmischung
(Unteritalien seit der Griechenzeit bis jetzt, Rom seit dem Ver¬
fall bis jetzt; die letztere Stadt hat die hervorragenden Männer
nur verbraucht, aber keine erzeugt).
Dies diejenigen Resultate der Arbeit, die sich in einem
kurzen Referate anführen lassen. Das Werk enthält aber noch
eine Menge von anderen Ideen, die die Beachtung im höchsten
Grade verdienen. Aber auch die Prüfung. Ein grosser Teil
der Arbeit ist deduktiv gehalten; der zweite Band, der einen
grossen Teil der Beweise bringen sollte, enthält statt dessen
viel mehr Aussprüche grosser Männer, die zwar für die Psycho¬
logie des Genies von Interesse sind, aber nicht als Belege für
die aufgestellten Behauptungen gelten können. Auch begegnen
dem Verf. in Nebensachen Versehen, wie eine teilweise Ver¬
wechslung der Willensfreiheit mit den Grenzen des Könnens.
Mag aber auch jeder Leser eine Menge von vorläufigen Ein¬
wendungen zu machen haben, das Werk bietet uns eine grosse
Zahl fruchtbarer Ideen zur Prüfung und zwar Ideen aus einem
Gebiete, das die Lebensfragen der modernen Kulturvölker be¬
handelt. Und einen Teil der Resultate darf man jetzt schon als
Wahrheiten behandeln und beherzigen, so wenn Verf. ausführt,
wie das wirkliche Glück der Menschen von der Erfüllung der
sozialen und hygienischen Pflichten abhänge.
Bleuler- Burghölzli.
Prof. A. Kuttner -Berlin: Die entzündlichen Neben¬
höhlenerkrankungen der Nase im Röntgenbild. Mit 20 photo¬
graphischen Tafeln. Berlin, und Wien, Urban und Schwar¬
zenberg, 1908. Preis 20 M.
Kuttner weist mit Recht darauf hin, dass das Röntgen¬
bild zwar in der Diagnose der Nebenhöhleneiterungen uns zu
unterstützen vermag, dass es aber auch leicht zu falschen
Schlussfolgerungen verführt; in dubio entscheide stets die
klinische Untersuchung. Der positive Ausfall ist allein für sich
nicht beweisend, da Verdunkelung ohne jede Erkrankung und
insbesondere auch nach Heilung einer Eiterung sich zeigen
kann. Dagegen hat der Verfasser bei hellem Bild niemals eine
ernste Erkrankung nachweisen können. Für die Keilbeinhöhle
ist das Verfahren vorläufig noch nicht zu verwerten.
Während bei der Kieferhöhleneiterung die elektrische
Durchleuchtung ähnlich brauchbare Bilder liefert, wie die
Röntgenphotographie, ist die letztere in der Diagnose der
Stirnhöhlen- und Siebbeinzelleneiterung entschieden überlegen.
Die Aufnahmen sind meist im sagittalen Durchmesser ge¬
macht worden und gut gelungen. Scheibe.
O. Lange: Einblicke in die embryonale Anatomie und
Entwicklung des Menschenauges. Mit einem Atlas von
33 Tafeln. Wiesbaden 1908. J. F. B e r g m a n n. Preis 22 M.
Die nach eigenen Präparaten des Verf. dargestellten Ab¬
bildungen geben ein übersichtliches Bild der Entwicklungs¬
stufen des Menschenauges und zeichnen sich dadurch aus, dass
nur für die frühesten Entwicklungsstufen Präparate von Tier-
embryoiien benützt, vom Stadium der Entwicklung der sekun¬
dären Augenblase ab ausschliesslich Abbildungen, von Prä¬
paraten menschlicher Embryonen entnommen, dargeboten
werden. S e g g e I.
Original from
UNIVERSUM OF CALIFORNIA
32
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
Neueste Journalliteratur.
Deutsches Archiv für klinische Medizin. 94. Band,
3. u. 4. Heft.
14) E. Grafe und W. R ö h m e r: lieber das Vorkommen hämo¬
lytisch wirkender Substanzen im Mageninhalt und ihre Bedeutung für
die Diagnose des Magenkarzinoms. II. Mitteilung. (Aus der med.
Klinik zu Heidelberg.)
Von 103 Fällen Magengesunder und Magenkranker (vorwiegend
Frauen) hämolysierten sämtliche sicheren Karzinome (21), zum Teil
ausserordentlich stark. Bei 24 Ulzera fand sich in 6 besonders
schweren Fällen eine schwache Hämolyse. Von 46 Magenkranken,
die weder an Ulcus noch an Karzinom litten, hämolysierten 9. Ge¬
meinsam war diesen Fällen eine erhebliche Gastroptose, sowie, dass
wahrscheinlich Darm- und Pankreassaft in den Magen zurückgeflossen
war. Pankreas- und Darmsaft enthalten ein ziemlich starkes, äther¬
lösliches Hämolysin, so dass die hämolytische Untersuchung des
Magensaftes nicht mehr eindeutig ist, wenn grössere Mengen von
jenem zurückfliessen. Diese Fehlerquelle lässt sich durch quanti¬
tative Trypsinbestimmung im Einzelfalle aufdecken.
15) E. Gottstein (weiland): Ueber die giftige und immuni¬
sierende Wirkung pepsinverdauter Typhusbazillen. (Aus der Aka¬
demie für praktische Medizin zu Köln, Abteilung Matth es.)
Durch Pepsinverdauung abgetöteter Typhusbazillen lässt sich ein
für Meerschweinchen, Kaninchen und Ziegen mehr oder weniger gifti¬
ger Körper: Fermotoxin hersteilen. Das Fermotoxin wirkt bei intra¬
venöser, intraperitonealer und subkutaner Injektion; es ruft bei Ka¬
ninchen eine Leukopenie hervor. Mit Fermotoxin vorbehandelte
Meerschweinchen sind gegen tödliche Dosen des Giftes und lebender
Typhusbazillen geschützt. Die aktive Immunität mit Fermotoxin vor¬
behandelter Meerschweinchen ist keine bakteriolytische oder bak-
feriotrope.
16) J. Ri hl: Klinischer Beitrag zur Kenntnis der Ueberleitungs-
störungen von der Bildungsstätte der Ursprungsreize zum Vorhof.
(Aus der propädeutischen Klinik der deutschen Universität in Prag.)
(Mit 10 Kurven.)
Im vorliegenden Falle liess sich auf Grund gleichzeitiger Auf¬
nahme des Arterien- und Venenpulses das Vorkommen von Kammer¬
systolenausfällen mit und ohne Vorhofsystolenausfällen nachweisen.
Beim Vagusdruck konnte man auch zur Zeit regelmässiger Herztätig¬
keit Kammersystolenausfälle und Vorhofstillstände, die wahrscheinlich
durch Vorhofsystolenausfälle bedingt waren, auslösen. Während der
beim Vagusdruck auftretenden langen Kammerstillstände kam es un¬
abhängig von der Vorhoftätigkeit zu Kammerkontraktionen, die wohl
als automatische aufzufassen sind.
17) Aufrecht: Neue Beweise für die vaskuläre Entstehung
der Lungenschwindsucht. (Mit Tafel III, IV.)
Die Lungentuberkulose bezw. die Lungenschwindsucht entsteht
nur auf dem Blutgefässwege. Die zur Endausbreitung der Pulmonal¬
arterie geführten Tuberkelbazillen verursachen eine durch Zellver¬
mehrung sich kund tuende Wandverdickung der terminalen Gefäss-
zweige mit nachfolgender Nekrose des peripherisch gelegenen Ge¬
webes, oder sie werden aus dem von ihnen durchsetzten Gefäss, also
seitlich herausbefördert und führen zur Bildung von Granulations¬
herden in der Nachbarschaft, welche weiterhin durch die nächst¬
gelegenen Bronchiolen in die Luftwege durchbrechen. Von den auf
solche Weise entstandenen Herden können die Bazillen in die be¬
nachbarten Alveolen gelangen und zu umschriebenen desquamativ¬
pneumonischen Prozessen führen (chronische Lungentuberkulose)
oder es können Tuberkelbazillen bei grossen Mengen einesteils die
Wanderkrankung der Gefässe mit den hier geschilderten Folgen ver¬
ursachen, andernteils bis zu den Alveolen bezw. den Alveolar-
epithelien gelangen, somit gleichzeitig käsige Tuberkel und desqua¬
mativ-pneumonische Prozesse zuwege bringen.
18) Fr. R o 11 y und Meitzer: Experimentelle Untersuchungen
über die Bedeutung der Hyperthermie. (Aus der medizinischen Klinik
zu Leipzig.)
Pneumokokken und Streptokokken, die im Reagenzglase bei er¬
höhter Temperatur leicht geschädigt werden, entwickeln sich im
Tierkörper bei höheren Temperaturen gut; das gilt wohl auch für
alle anderen pathogenen Mikroorganismen. Was den Einfluss der
Temperatur auf die Resistenz der Tiere gegenüber bakteriellen In¬
fektionen anlangt, so liess sich mit Sicherheit weder ein günstiges,
noch ein ungünstiges Ergebnis feststellen. Bei einem langsam ein¬
schleichenden, den natürlichen Erkrankungsverhältnissen näher kom¬
menden Infektionsmodus ergab sich bei der Mehrzahl der Tiere ein
günstiger Einfluss der erhöhten Körpertemperatur. Der Alexingehalt
des Blutserums wird durch die Fiebertemperatur nicht wesentlich
alteriert, dagegen wächst die Phagozytose der Menschenleukozyten
bis zur Bruttemperatur bezw. noch bis zu 40° C. Bei mit tödlichen
Toxindosen vergifteten Tieren lässt sich keinerlei Einfluss der Tem¬
peratur feststellen. Dagegen wird die Produktion der Agglutinine
und Bakteriolysine bei der Mehrzahl der Versuchstiere gefördert.
Durch das Fieber entstehen wohl Gewichtsverlust und Abnahme des
Hb-Gehaltes des Blutes, eine sichere, intensive Schädigung der inne¬
ren Organe (Leber, Nieren, Milz, Muskeln, Herz) war nicht fest¬
zustellen .
19) F. L o m m e 1: Zur Physiologie und Pathologie des Flimmer¬
epithels der Atmungsorgane. (Aus der med. Klinik zu Jena.)
Die Flimmerbewegung des Epithels der Atmungsorgane stellt
normalerweise nicht nur eine nebensächliche Hilfsvorrichtung der
Reinigung der Luftwege dar, sondern darf wohl als die wesentlichste,
diesem Zweck dienende Einrichtung gelten. Nicht nur die Beförde¬
rung der dünnen, normalerweise vorhandenen Schleimschicht und
der kleinen in ihr eingebetteten Stäubchen, kann die Cilientätigkeit
leisten, sondern auch grössere Schleimklumpen, Blutgerinnsel von
Erbsengrösse werden dadurch rasch gegen den Kehlkopf zu be¬
fördert. Durch die Inhalationsnarkose (Chloroform, Aether) erfolgt
keine wesentliche Beeinträchtigung der Flimmertätigkeit. Die Nar¬
kosenpneumonien dürften eher durch Kreislaufstörungen, vermehrte
Schleimproduktion bei geschwächter Hustentätigkeit, Bakterien¬
embolien etc. bedingt sein. Bei akuter, experimenteller Bronchitis
(Tracheitis, Bronchitis) findet sich zwar eine Verlangsamung der
Schleimströmung, die jedoch grossenteils auf eine Vermehrung der
Schleimproduktion beruht; die Mehrzahl der Flimmerzellen bleibt
dabei erhalten. Jedenfalls ist die lebhafte Blutversorgung und Er¬
nährung der Flimmerzellen für die Ausgleichung schädlicher Ein¬
wirkungen von Bedeutung. Erkältung, Röntgenstrahlen, nervöse Ein¬
wirkung (Vagusdurchschneidung) hatten keinen nachweisbaren Ein¬
fluss auf das Flimmerepithel, ebensowenig Morphium- bezw. Jod¬
intoxikation. Dagegen setzte eine akute Alkoholvergiftung die Trans¬
portfähigkeit des Epithels wesentlich herab, bezw. hob sie stellen¬
weise ganz auf, vielleicht bedeutungsvoll für die häufigen Lungen-
und Bronchialerkrankungen der Potatoren.
20) E. Masing: Zur Leukanämiefrage. (Aus der Dorpater
med. Klinik.) (Mit Tafel V.)
Im vorliegenden Falle handelt es sich um eine schleichend be¬
ginnende, zum Schluss stürmisch verlaufende Blutkrankheit, bei der
sich leukämoide Prozesse mit hämolytischer Anämie kombinierten.
21) R. Chiarolanza: Experimentelle Untersuchungen über
die Bestimmung der Trockenrückstände des Blutes und das Verhalten
des Blutes bei Wasserzufuhr durch den Verdauungskanal. (Aus der
inneren Abteilung des städtischen Krankenhauses Charlottenburg-
Westend.)
Die Versuchsanordnung von P1 e h n, sowie seine Methode der
Bluttrocknung (siehe dieses Archiv, Bd. 91, p. 1) sind fehlerhaft. Es
lässt sich technisch exakt nachweisen, dass das Wasser vom Darm
mit grösster Geschwindigkeit in das Blut gelangt. Die Wasser¬
zunahme im Blute beginnt wenige Minuten nach der Wassereinfuhr,
besonders beim Hungertier. Die Wasserzunahme im Blute steigt pro¬
portional der Wasserzufuhr, die Blutverdünnung hält über V 2 Stunde
an. Beim Menschen kommt dabei in Betracht, dass der Zeitpunkt
des Uebertritts von Wasser in das Blut in erster Linie von der Funk¬
tion des Pförtners abhängt. 20 ccm physiologischer Kochsalzlösung
waren schon 19 Minuten nach der intravenösen Injektion aus dem
Blute verschwunden.
22) W. Hess: Die Viskosität des Blutes bei Gesunden. (Aus
der Universitätsklinik in Zürich.)
Die Viskosität ist abhängig vom Lebensalter, beträgt in den
ersten Lebensjahren 2,0, steigt dann rasch, um im 10. Lebensjahre
zwischen 3,6 und 4,7 zu schwanken, im folgenden Dezennium beträgt
der Mittelwert 4,43 für männliche, 4,22 für weibliche Personen.
Für Männer beträgt zwischen dem 36. bis 50. Lebensjahre der Mittel¬
wert 4,91, um dann mässig zu fallen bei Frauen, bei denen die Werte
stets etwas niedriger sind, erfolgt nach dem 50. Jahre noch ein
leichter Anstieg. Die Viskosität des Blutes ist ein relativ sehr kon¬
stanter Faktor, so dass bei Männern Werte, die 4,3—5,3, bei Frauen
3,9—4,9 übersteigen, als pathologisch anzusehen sind. Unter nor¬
malen Verhältnissen beträgt das Verhältnis Hämoglobin:Viskosität
ca. 19.
23) E. Bachmann: Die klinische Verwertung der Viskositäts¬
bestimmung (an Hand von 400 Bestimmungen). (Aus der med. Klinik
der Universität Zürich.)
Pneumonie und Meningitis, die meist mit Leukozytose verlaufen,
liefern erhöhte Viskositätswerte, während der mit Leukopenie ver¬
laufende Typhus niedrige Werte ergibt. Die chronische interstitielle
Nephritis liefert niedrige Werte bei hohem Blutdruck (Hydrämie?).
Bei Hemiplegien fand sich, dass die Patienten mit niedrigen Werten
quoad vitam eine gute Prognose verdienen, während die hohen Werte
mit Wahrscheinlichkeit einen letalen Ausgang erwarten lassen.
25) O. D a v i d: Ueber den Farbstoff- und Eisengehalt des Blutes.
(Aus dem Laboratorium der med. Universitätsklinik Bonn.) (Mit
Tafel VI.)
Hunde scheinen bei eisenarmer Ernährung ein Blut zu be¬
kommen, dessen Fe-Gehalt mehr herabgesetzt ist, als der Hb-Menge
entsprechend wäre; dabei tritt nach Aderlässen keine Regenera¬
tion ein.
Blei in grösseren Gaben scheint bei Kaninchen Farbstoff- und
Fe-Gehalt des Blutes gleichmässig herabzusetzen; dagegen wird
bei geringeren Dosen anscheinend ein eisenarmer Farbstoff gebildet.
Die Chlorosen scheinen sich von den sonstigen Anämien durch
den im Verhältnis zur Farbstoffmenge öfters erhöhten Fe-Gehalt des
Blutes zu unterscheiden. B a m b e r g e r - Kronach.
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Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
33
Beiträge zur klinischen Chirurgie, red. von P. v. Bruns.
59. Bd. 3. Heft. Tübingen, Lau pp, 1908.
Aus der Königsberger Klinik schildert Ad. Ebner ein verein¬
fachtes Operationsverfahren des Nabelbruches. Er gibt eine kurze
Uebersicht der bisherigen Methoden nach Championniöre,
K e e n und Condamin, v. Bruns, Biondi, Mayo, Skato-
lani, Salitscheff, Karewski etc. und findet bezüglich der
Dauererfolge keinen grundlegenden Unterschied zwischen den mehr
konservativen Methoden mit Erhaltung der Bruchpforte und den
neuerdings mehr empfohlenen totalen Omphalektomien, er sieht viel¬
mehr die Hauptbedeutung in der Art und Technik der angewandten
Verschlussnaht. Die zahlreichen Methoden der Muskelplastik ver¬
wirft E. im allgemeinen, da die Muskellappen durch trophoneurotische
Vorgänge atrophieren und eventuell die Stichkanäle erhöhte Möglich¬
keit von Rezidiven bedingen können, aber auch gegen die Faszien¬
plastiken, die allerdings durch breitere Berührungsflächen günstigere
Heilresultate geben, spricht die relative Umständlichkeit der Methode,
die erhöhte Infektionsgefahr. L e x e r suchte durch ein einfaches,
wenn angängig mit Erhaltung des Nabelringes ausführbares Verfahren
gleichen Erfolg zu erzielen, ohne die Patienten längerer Narkose,
erhöhter Infektionsgefahr auszusetzen, wie dies bei den Methoden der
5 etagigen Längsnaht oder den verschiedenen Arten der gekreuzten
Nahtmethoden und plastischen Verfahren der Fall ist. E. sieht in
der hauptsächlich von Bier und Rotte r geübten Raffnaht, durch
die nach Art der Lembertnaht eine Vorstülpung der Faszienschicht
nach innen und somit breitere Berührung und Entspannung erzielt
wird, einen wesentlichen Vorteil, nur sollte keine einseitige Verteilung
der angreifenden Kräfte in senkrechter oder querer Ebene stattfinden;
er sieht vielmehr in der Tabaksbeutelnaht das beste Mittel, die ge¬
samten Bauchdecken heranzuziehen. Das von L e x e r seit über
8 Jahren mit bestem Erfolg geübte Verfahren besteht danach in
Anlage einer Tabaksbeutelnaht durch die ganze Bauchwand exkl.
Haut, so dass sie seitlich die beiden Rekti mehrfach mitfasst, dann
Ausführung einer Peritoneum und Faszie gleichzeitig fassenden Ver¬
schlussnaht, wonach erst die vorher gelegte Tabaksbeutelnaht zu¬
sammengezogen wird, dann Anlegung einer Raffnaht der vorderen
Rektusscheiden ober- und unterhalb der zusammengezogenen Tabaks¬
beutelnaht und Verschlussnaht der Haut.
Das Verfahren ist somit nicht als einschichtiges Verfahren an¬
zusehen, es gibt aber bei möglichster Vereinfachung der Technik und
Abkürzung der Operation resp. der Narkosedauer genügende Ueber-
sichtlichkeit des Operationsfeldes und möglichste Gewissheit gefahr-
und störungslosen Wundverlaufs, gewährleistet gutes Heilergebnis.
Vor allem fällt durch Erhaltung der Bruchpforte der Kampf mit den
prolabierenden Darmschlingen fort, die Methode kann auch von weni¬
ger geübten Operateuren ausgeführt werden, und auch die Möglich¬
keit, dass der Draht zerreisst oder Fremdkörperbeschwerden macht,
kommt nach den Erfahrungen in L e x e r s Klinik nicht in Betracht.
In den Fällen, wo es tatsächlich einmal zum Auseitern der Darm¬
schlingen käme, ist durch die vorausgegangene entzündliche Reizung
und Neubildung von Narbengewebe es schon zur Bildung einer er¬
heblich verstärkten Narbe gekommen und die einfache Schlinge macht
in der Regel geringere Beschwerden als die zahlreichen Silberdraht¬
nähte, z. B. bei Witze 1 s oder Baracz’ Methode. E. glaubt mit
diesem Verfahren die Indikation der Operation des Nabelbruchs wei¬
ter stellen zu dürfen, als dies Kocher. Garre tun, da die Methode
auch bei älteren Leuten wegen der denkbar geringen Anforderungen,
die sie an die Widerstandskraft stellt, ausgeführt werden kann; er
empfiehlt das einfache und gefahrlose, grösstmöglichc Sicherheit des
Dauererfolgs bietende Verfahren, in dem er eine wertvolle Be¬
reicherung und Ergänzung des bisher geübten Methoden sieht, allen
Chirurgen angelegentlichst zur Nachprüfung.
Aus der Züricher Klinik gibt E. D. Schuhmacher einen Bei¬
trag zur Kasuistik der Totalluxationen des Metatarsus im Lls-
f r a n c sehen Gelenk (dorso-laterale Luxation) und schildert nach
Anführung kurzer statistischer Daten eine durch Sturz mit dem Pferd
erlittene Luxation im Lisfrancsehen Gelenk, die sich nach
20 Stunden nicht mehr reponieren liess und deren Reduktion opera¬
tiv erst nach Resektion der Basis des Metatarsus II und Exstirpation
des 1. Keilbeines gelang.
Aus der gleichen Klinik behandelt C. Schlatt er die Frage:
Unvollständige Abrissfrakturen der Tuberositas tiblae oder Wachs-
tumsanomallen? Er findet durch 6 neue Beobachtungen, die er näher
mitteilt, seine schon früher vertretene Ansicht, dass partielle Frak¬
turen der Tibiaepiphyse Vorkommen, bestätigt, und zwar zuweilen,
ohne dass ein bestimmtes Trauma vorausgegangen oder ohne dass
unmittelbar nach einem vorausgegangenen Trauma erhebliche Funk¬
tionsstörung vorliegt, das Röntgenbild ist dabei zweifellos wertvoll,
aber nur im Verein mit anderen übereinstimmenden klinischen Sym¬
ptomen und zur Sicherung der Diagnose, es kann auch vollständige
Fraktur der Spina tibiae ohne jede Verlagerung Vorkommen, wofür
Schl, einen Fall als Beispiel anführt. Bei jüngeren Individuen sitzt
die Fraktur mehr gegen die Spitze hin, oberhalb des unteren Knochen¬
kerns, bei älteren, bei denen der Epiphysenfortsatz härter geworden,
ist eher eine Abhebung des ganzen Fortsatzes mit Bruch an seiner
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oberen Basis zu erwarten. Bezüglich der Therapie empfiehlt Schl,
immobilisierenden Verband.
Peter J a n s s e n berichtet aus der chirurgischen Klinik der Aka¬
demie in Düsseldorf über eine Lageveränderung des Wurmfortsatzes,
welche Appendizitis vortäuschen kann, indem er 2 Fälle von Lagerung
in den Proc. ileocoecalis superior mitteilt, die zu schmerzhaften Sen¬
sationen (ähnlich der Gallenblasenkolik bei über deren Hals ziehenden
strangförmigen Verwachsung) führte.
R. Stumpf gibt aus dem Karl-Olga-Krankenhaus in Stuttgart
einen Beitrag zur Magenchirurgie, indem er die diesbezüglichen Er¬
fahrungen der Hofmeister sehen Abteilung, die auch, wie Miku¬
licz und K r ö n 1 e i n, die Indikationsbreite für die Resektion zu
erweitern bestrebt sind, schildert und das vom März 1903 bis Oktober
1907 beobachtete Material (49 Fälle, wovon 44 operiert wurden), be¬
züglich Alter, Diagnose, Operation etc. bespricht. Es wurden 21 Re¬
sektionen (47,7 Proz.), 16 Gastroenterostomien (36,1 Proz.) ausgeführt.
Kontraindikationen gegen die Resektion waren: Unmöglichkeit, den
Tumor vom gesunden abzugrenzen und genügend zugänglich zu
machen, untrennbare Verwachsungen mit Leber, Pankreas und Kolon,
Metastasen in Leber und Peritoneum parietale oder weitausgedehnte
Drüsenmetastasen sowie schlechter Allgemeinzustand; Aszites, Drüsen
am Pfortaderstamm und an den Mesenterialgcfässen retroperitoneale
Drüsen, Verwachsungen mit Leber und Pankreas boten keine abso¬
lute Kontraindikation. Von 45 operierten Fällen Hofmeisters
starben 5, d. h. nur 11,1 Proz., je 4 Proz. an Peritonitis und Pneu¬
monie. Von den 21 Resektionen starben 2 (9,5 Proz.). Die Technik
anlangend wurde fast ausschliesslich nach Billroth II mit der Modi¬
fikation von Krönlein-Mikulicz operiert; St. bespricht die be¬
treffenden Fälle. Von den nicht resezierten 23 Fällen, für die St. ins¬
gesamt 13 Proz. Operationsmortalität berechnet, fallen auf die Gastro¬
enterostomie 16 (9 mal Retrocol. nach v. Hacker, 3 mal Antecol.
ant.) mit 18,7 Proz. Mortalität, da natürlich hier die ungünstigeren
Fälle vorwalten; des weitern werden 6 Fälle von Jejunostomie und
eine segmentäre Resektion bei Sarkom (das gelegentlich einer Chole-
lithiasisoperation an der Rückseite der grossen Kurvatur als nuss-
grosser Tumor entdeckt und exzidiert wurde) besprochen. Im 2. Teil
bespricht St. die gutartigen Magenaffektionen. Die Indikation zur
Operation bei Magenulcus sieht St. in dem offenen, unkomplizierten,
durch innere Behandlung nicht zu heilenden Ulcus, in der durch ein
offenes Geschwür oder Narbe und Adhäsionen hervorgerufenen Py¬
lorusstenose, in dem kallösen und penetrierenden sowie perforiertem
Ulcus, ferner bei Karzinomverdacht und bei kleineren, durch ihre
Häufigkeit bedrohlichen Blutungen. Die Mortalität operierter benig¬
ner Magenaffektionen berechnet St. nach Hofmeisters Fällen
auf 10,3 Proz. und werden die Fälle der Reihe nach im Vergleich
mit den Erfahrungen anderer Autoren besprochen; wegen gutartiger
narbiger Pylorusstenose hat Prof. Hofmeister in den letzten
Jahren 11 mal Gastroenterostomie, 5 mal Pyloroplastik, 4 mal Py-
lorusresektion ausgeführt, die bezüglich der operativen Erfolge etc.
tabellarisch zusarnmengestellt werden. Zum Schluss seiner Arbeit
empfiehlt St. bezüglich des Karzinoms in diagnostisch zweifelhaften
Fällen das Hauptgewicht auf die Abmagerung zu legen und bei an¬
haltender Gewichtsabnahme auch bei sonst unsicheren Symptomen
die Probelaparotomie zu machen, bei langsam wachsenden Karzi¬
nomen gibt auch die Gastroenterostomie gute Resultate, bei rasch
wachsenden Tumoren aber ebenso, wie auch die Jejunostomie nur
Erleichterung der Beschwerden, keine Lebensverlängerung. Oft
geben die Karzinome mit langer Beschwerdezeit vor der Operation
bessere Dauerresultate, als frühzeitig zur Operation kommende Fälle,
die häufig zu den rasch wachsenden Tumoren gehören. Bezüglich
des Ulcus ergibt beim unkomplizierten offenen Ulcus dessen Exzision
und Anlegung einer Gastroenterostomie gute Resultate, bei gutartiger
Pylorusstenose gibt die Resektion sehr gute Dauerresultate, während
Gastroenterostomie und Pyloroplastik bei 33 Proz. der Fälle ver¬
sagen. beim perforierten Ulcus ventr. et duodeni wurde bei 50 Proz.
der Fälle mit Erfolg operiert.
Aus dem Kantonsspital zu Münsterlingen berichtet Emil Baer
über die Resultate der AppendlzitlsbehandluiiK am genannten Spital
innerhalb der Jahre 1900—1907. Von dem Gesichtspunkt ausgehend,
dass die Beteiligung der Chirurgie an der Appendizitisbehandlung einen
Beitrag zum Kulturzustand der betreffenden Gegend gibt und dass
die betreffenden Fälle nicht nach systematischen Prinzipien, sondern
von verschiedenem Standpunkt aus betrachtet wurden und ein gegen¬
seitiges Abwägen der einzelnen Methoden möglich machen, schildert
B. die in den Jahren 1900—1907 operierten 438 Fälle (darunter 217
im Anfall, 209 im Intervall operierte) bespricht Aetiologie. Vor¬
kommen. Disposition etc., bakteriologische Befunde und geht auch
auf die 43 intern behandelten Fälle näher ein. Die Frühoperation hat
von 4 im Jahre 1903 eradatim zugenommen (29 im Jahr 1907) und an
Popularität bei Publikum und Aerzten gewonnen und wird prin¬
zipiell jetzt in allen Fällen vorgenommen, in denen die Svmotome
bei der Aufnahme nicht deutlich im Abklingen sind. Bei der Opera¬
tion wurde 15 mal App. Simplex. 66 mal Aon, destructiva konstatiert
und 6 mal wurde helles klares Serum (trübes Frühexsudat) gefunden,
26 mal triibseröscs, solches mit eitrigem Kern 12 mal, 17 mal stinken¬
der Eiter, und 3 mal lag eine abgekanselte Abszesshöhle vor. Auch B.
ist der Ansicht, dass sich Peritonismus und bakterielle Peritonitis
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
34
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
anfangs nicht scharf unterscheiden lassen. Temperatur und Puls
geben nur sehr ungenügenden Aufschluss über das Stadium der Er¬
krankung, selbst bei App. gnngr. fand sich 9 mal der Puls unter 100.
Die Spannung der Bauchdecken hat sich als zuverlässigstes Symptom
erwiesen, sie fehlte nur wo eine Appendizitis ohne Beteiligung des
Peritoneums vorlag; u. a. teilt B. auch mehrere Fehldiagnosen
(Pneumonie, Tubargravidität, beginnende Peritonitis tub.) mit, in den
5 Fällen wurde durch das aktive Eingreifen nicht geschadet, 2 mal
entschieden genützt. Die Mortalität der Frühoperation berechnet sich
auf 4,89 Proz., und werden die letal verlaufenen Fälle näher an¬
geführt, nur in 2 Fällen wurde der Prozess durch die Operation
nicht coupiert. nur 2 mal wurden ernstere Störungen des Verlaufes
beobachtet. Heilung per primam gelang 14 mal bei fehlendem oder
klarem Exsudat, 31 mal wurde prima Heilung bis auf die Drainstelle
beobachtet, 21 mal erfolgte die Heilung per granulationem. Auch die
Intermediäroperationen (3. bis 5. Tag) mit 13,8 Proz. Mortalität wer¬
den des näheren besprochen, bei denen der Wundverlauf natürlich
nicht so günstig sich gestaltet, als bei der Frühoperation (nur 3 mal
Primärheilung bis auf die Drainstelle), ebenso dann die Operation im
Spätstadium (von 3 an Perit. diffusa Leidenden starben 8, bei um¬
schriebener Bauchfellerkrankung 4), auch von diesen werden eine
Anzahl Fehldiagnosen (Ileozoekaltuberkulose, Tumor coeci, Ileus)
näher angeführt, die Mortalität wird bei 217 Operationen auf 10,9 Proz.
berechnet, und betont B., dass zugunsten möglichst frühzeitiger
Operation neben der grösseren Malignität der spät auftretenden Peri¬
tonitiden auch die grössere Gefährlichkeit der Spätoperation bei um¬
schriebener Eiterung spricht. Bezüglich der Technik verwendet
Brunner Zwirn zur Versorgung des Stumpfes, während das Mesen-
teriolum mit feinem Jodkatgut abgebunden wird, letzteres dient auch
zur Naht des Peritoneums und der Muskulatur, während für die
Faszie häufiger Zwirn im Gebrauch ist, die Hautwunde mit Klammern
geschlossen wird, wenn die Spannung nicht zu gross. Zur Eröffnung
von Douglasabszessen bedient sich Br. eines langen Troikarts nach
vorhergegangener Probepunktion, die Kanüle bleibt mit Faden ver¬
sehen liegen und wird mittelst Heftpflasterstreifen an die Haut der
Glutäalgcgend fixiert. Zum Schluss bespricht B. die 209 Intervall¬
operationen (187 mit akuten Attacken. 16 als chronische Formen und
0,47 Proz. Mortalität. 1 mal Pneumonie), in %. der Fälle fanden sich
noch Reste des Exsudates, das in 67 eitriges war. in 48 durch Abszess¬
eröffnung entleert worden war, von zarten Strängen bis zu dicken
Schwarten und Verbackungen, 14 mal war der Wurm nicht aufzu¬
finden, 5 mal blieb die Resektion eine partielle, auch der postoperative
Verlauf war einige Male gestört (ein Fall von Nachblutung aus der
A. mesenterioli, der zur Sepsis und ausgedehnter Phlegmone führte,
wird näher angeführt) und lassen die häufigen Wundinfektionen ver¬
muten, dass die Keime von einem Herd in die Wunde gelangen. Zum
Schluss schildert B. kurz das von Brunner geübte Vorgehen bei
der Appendektomie.
Aus der Grazer Klinik gibt M. Hofmann weitere Unter¬
suchungen und Erfahrungen über Periosttransplantation bei Behand¬
lung knöcherner Gelenkankvlosen und teilt diesbezügliche Tierexperi¬
mente und Krankengeschichten betreffend Ellbogen-, Knie-, Schulter-
und Interphalangealgelenkoperation mit. sowie eine Operation wegen
nach Operation rezidiviertem Brückenkallus zwischen und Radialis
und Ulna. In allen Fällen hat die Periosttransplantation auf die wun¬
den Resektionsflächen der Gelenkenden genügt, um neuerliche An-
kylosierung zu hindern, in keinem Fall kam es zu Sclilottergelenk und
muss man annehmen, dass das Periost durch Resorntions- und Appo¬
sitionsvorgänge an der Knochenoberfläche eine besonders rasche
Anpassung der neuen Gelenkkörper an ihre Funktion in hohem Masse
begünstigt (wie die Röntgcnbildcr zeigen), worin H. einen Haupt¬
vorzug der Pcriosttransplnntationen vor der Interposition anderer
lebender Gewebe sieht. Zur Entahme des Periostes eignet sich am
besten die vordere Tibiafläche.
Aus der chirurgischen Klinik und dem hygienischen Institut zu
Innsbruck gibt E. v. G r a f f klinische und experimentelle Beiträge
zur Bi ersehen Stauung und berichtet in seiner Arbeit des Näheren
über ca. 200 Fälle, sämtliche mit Saug- oder Staubehandlung und
bakterieller Untersuchung derselben, und über eine Reihe von zur
Klärung strittiger Fragen unternommener experimenteller Unter¬
suchungen.
Während mit der Saugbchandlung fast durchgehends aus¬
gezeichnete Erfolge erzielt wurden, sind bei der Stauung, die
nach den B i e r sehen Vorschriften ausgeführt wurde, Misserfolge
nicht selten gewesen, v. Gr. berichtet zuerst über die Behandlung
der Furunkel mit Saugbehandlung, bei der er meist Inzision ersparte,
bloss die nekrotische Haut an der Kuppe entfernte und bei denen
er 1 Stunde 5 Minuten mit Pausen von 2—4 Minuten Saugbehand¬
lung durchführte. Fr hebt die gute schmerzlindernde Wirkung durch
rasche gründliche Entleerung hervor. Meist war in 7—8 Tagen Hei¬
lung erzielt, nur einmal sah er bei zu kleiner Saugplatte Zunahme
der Infiltration. Bei schweren Gesichtsfurunkeln zieht auch v. Gr.
breite Spaltung vor. Ebenso werden die Resultate bei Karbunkel,
bei Mastitis, Abszessen und Bursitis besprochen. Bei Osteomyelitis
motiviert v. Gr. seinen ablehnenden Standpunkt durch Mitteilungen
aus der Literatur und Anführung eines letal verlaufenen Falles von
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Osteomyelitis tibiae. Bei den Phlegmonen, d. h. den diffusen Ent¬
zündungen des Unterhautzellgewebes ohne primäre Tendenz zu um¬
schriebener Abszessbildung sah v. Gr. im allgemeinen günstige Re¬
sultate der Staubehandlung, nur einmal sah er Thrombose der oberen
Femoralis, die wohl bei ausgiebiger Spaltung und Ruhigstellung nicht
eingetreten wäre. Von 4 Sehnenscheidenphlegmonen gelangten 2 zur
Heilung mit voller Funktion, 2 zeigten trotz energischer Nachbehand¬
lung schlechte Resultate; auch hier befürwortet v. Gr. genügende
Inzisionen. Die Ergebnisse der bakteriellen Untersuchung anlangend
fand v. Gr. Staphylococcus pyog. aur. in 65 Proz., Streptokokken in
11 Proz., Mischinfektionen in 24 Proz. der Fälle. Die Grundsätze der
Innsbrucker Klinik fasst v. Gr. dahingehend zusammen, dass die
Saugbehandlung in allen geeigneten Fällen (Furunkel, Karbunkel,
Lymphdrüsenvereiterung, umschriebene Mammaabszesse) anzuwen¬
den ist, die Staubehandlung für infizierte Wunden und Zellgewebs¬
entzündungen jeder Art, sowie Sehnenscheidenentzündungen in Be¬
tracht kommt, während bei progredienten Eiterungen, die unter der
Stauung nicht innerhalb weniger Tage zurückgehen, sowie allen, in
denen sich trotz Stauung ein Fortschreiten des Prozesses zeigt, die
Stauung unverzüglich wegzulassen und breit zu inzidieren sei. Bei
Fällen mit bedenklichen septischen Allgemeinerscheinungen sollte die
Stauung nicht angewendet, sondern primär für ausgiebige Entleerung
des Eiters gesorgt werden. Im zweiten, experimentellen Teil seiner
Arbeit bespricht v. Gr. 1. Versuche über die bakterizide Wirkung der
Stauung, 2. Versuche über die antitoxische Wirkung derselben (wo¬
bei er verschiedene Toxine heranzog) und 3. Versuche über Stau¬
ödem mit Leukozyten und fasst seine Resultate dahin zusammen,
dass im Stauungsblutserum des Menschen keine bakteriziden Stoffe
gegen Staphylokokken und Streptokokken nachweisbar sind, auch im
Stauödem gesunder oder erkrankter Extremitäten nicht, dass die
Stauung durch Erschwerung der Resorption die Wirkung der töd¬
lichen Dosis von Tetanus- und Diphtherietoxin bei Versuchstieren ver¬
zögert. ohne den Tod selbst verhindern zu können und dass das
Stauödem des Kaninchens, obgleich selbst nur wenig bakterizid, be¬
fähigt ist die Phagozytose in sehr hohem Grade zu befördern und
so eine Verminderung der Kolonienzahl zu bewirken. Sehr.
Zentralblatt für Gynäkologie. No. 50. 1908.
Fr. Cohn-Kiel: Inwieweit ist die Herstellung voller Genital¬
funktion bei Gynatreslen durch abdominale Operation möglich?
Das konservativste abdominale Verfahren bei Gvnatresien, das
ausser normaler Menstrualfunktion auch die Möglichkeit einer gefahr¬
losen Konzeption und Geburt bietet, ist das von Pfannenstiel
angegebene. Hierbei wird nach Durchtrennung des Peritoneum zwi¬
schen Blase und Uterus und nach Ablösung der hinteren Blasenwand
der vom aufgeschnittenen Uteruskavum aus eröffnete Zervikalkanal
in eine Oeffnung der Vagina eingenäht. C. berichtet über einen sol¬
chen Fall, den Pf. vor 7 Jahren in Breslau operiert hatte, und der
im Mai 1907 zur Geburt kam. Geburt und Wochenbett verliefen
spontan und ohne Störungen: das Kind gedieh gut.
Nach C. ist dieser Fall die erste nach abdominaler Atresie-
operation beobachtete Geburt.
Hammerschlag -Königsberg i. Pr.: Zur Indikation und
Technik des suprasymohysären Kaiserschnittes.
H. berichtet zunächst über 3 Fälle von suprasymohysärem
Kaiserschnitt, die für Mütter und Kinder (einmal sogar Zwillinge)
glücklich verliefen. Indikation war zweimal Eklampsie und einmal
vorausgegangene Vaginofixur des Uterus.
In ihren Indikationen konkurriert die Operation mit dem klassi¬
schen Kaiserschnitt, dem vaginalen Kaiserschnitt und der Hebo¬
steotomie. Den beiden letztgenannten Operationen, glaubt H.. wird
der sunrasymphvsäre Kaiserschnitt einen Teil ihres Terrains nehmen.
Der klassische Kaiserschnitt bleibt für den praktischen Arzt und für
das Operieren an der Toten vorzuziehen.
E. Kahn-Wilna: Ein Beitrag zum suprasymphysärem Kaiser¬
schnitt.
Kasuistische Mitteilung über eine 38jähr. VT. Para mit rachiti¬
schem, allgemein verengtem, plattem Becken (Conj. d. 9. Conj. v.
7 cm). Viermal war die Perforation gemacht, einmal der klassische
Kaiserschnitt, der ein lebendes Kind brachte. Bei der 6. Geburt
machte K. die suorasvmphvsäre Operation nach Frank-Seilheim
mit Hautfaszienschnitt nach Pfannenstiel. Dabei heftige ar¬
terielle Blutung. Lebendes Kind. Wochenbett durch Fieber gestört:
schliesslich Heilung.
M. Stolz-Graz: Zur Technik der Lamlnariadllatation.
Zwei Gefahren bietet die Laminariadilatation:
I. Der Stift kann in den Uterus schlüpfen,
2. der gequollene Stift kann nicht wieder entfernt werden.
St. bespricht die verschiedenen Vorschläge, die von Oross-
mann, Asch, Schaeffer und Knapp dagegen gemacht wor¬
den sind und die er verwirft. Er empfiehlt
ad 1. Stifte mit scheibenförmiger Verbreiterung eines Endes;
ad 2. gleichzeitig 2 möglichst starke Stifte einzuführen, nach¬
dem vorher der Halskanal und innere Muttermund ohne Narkose bis
auf Hegarbougie No. 6—8 erweitert worden ist. Beim Entfernen
zieht man einen Stift nach dem anderen heraus.
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
35
Schlüter -Stettin: Ein Fall von doppelseitiger sekundärer Er¬
krankung der Bartholin sehen Drüse an Karzinom.
Die primäre Affektion sass im Uterus, der durch Totalexstirpation
entfernt wurde Pat. starb ein halbes Jahr später.
J af f e-Hamburg.
Gynäkologische Rundschau. Jahrgang II. 23. Heft.
Josef Bon di-Wien: Ueber das Vorkommen von Plattenepithel
bei Pyometra. (Aus der Frauenabteilung und dem pathologischen
Institut der Wiener allgemeinen Poliklinik.) Mit 2 Figuren.
Das Vorkommen von Plattenepithel im Uteruskörper mit Aus¬
nahme von Neubildungen ist bisher noch nicht allgemein anerkannt,
obgleich die Analogie anderer Hohlorgane, wie Gallenblase und Ure¬
thra, diese Möglichkeit zulässt. Verf. beschreibt zwei Fälle von
Pyometra (23 und 24 jähr. Nullipara, beide mit Uterus duplex, erstere
mit gleichzeitiger Pyokolpos lateralis; Inzision, Ausschabung, Tam¬
ponade), in denen sich eine ausgedehnte Plattenepithelbildung im
Uteruskörper und in der Zervix, zum Teil kontinuierlich, zum Teil
von Zylinderepithel unterbrochen, vorfand. An manchen Stellen be¬
steht ausgesprochene Verhornung, Malignität ist auszuschliessen.
Verf. glaubt durch seine Befunde als sicher festgestellt zu haben, dass
bei Pyometra ausgedehnte Plattenepithelbildungen ohne Malignität
Vorkommen, so dass bei der Deutung analoger Befunde bei Pyometra
grosse Vorsicht am Platze ist.
Paul Ri ss mann-Osnabrück: Ueber einige fehlerhafte Ver¬
wachsungen In der Vagina und im Introitus vaglnae. Mit 2 Figuren.
Im Puerperium können gelegentlich wundgewordene Schleim¬
hautflächen sich aneinanderlegen und verwachsen: hierdurch kommt
es zur Entstehung von Pseudoligamenten, welche unter Umständen
eine Verlagerung des Uterus zur Folge haben. Mitteilung von
2 Fällen: 36 jährige Mehrgebärende mit einer bandartigen Verwach¬
sung zwischen Portio vaginalis und linkem Scheidengewölbe, Retro-
flexio uteri; 29 jähr. I. Para, kleinfingerdicker Strang im vorderen
Scheidengewölbe, welcher den Uterus in Retroflexionsstellung hält.
In beiden Fällen Aufrichtung des Uterus nach Durchschneidung der
Brücke.
Ausserdem werden die ausserhalb des Puerperiums entstandenen
Verwachsungen der Portio mit dem Scheidengewölbe und die im
Scheideneingange sitzenden Verwachsungen kurz besprochen.
Paul K u 1 i g a - Düsseldorf: Ueber die Beeinflussung entzünd¬
licher Erkrankungen der weiblichen Genitalien und Ihrer Nachbar¬
schaft durch Behandlung des Darmkanals. (Aus der akademischen
Frauenklinik in Düsseldorf.)
Verf. hält die Abtastung des Rektums von der Vagina aus für
einen integrierenden Bestandteil einer genauen gynäkologischen Un¬
tersuchung. In dem von ihm untersuchten Material von 133 Fällen
entzündlicher Qenitalerkrankungen fand er 39 mal eine Druckempfind-
lichkeit des Rektum. 14 mal eine solche des Kolon. Die Behandlung
bestand in Oeleinläufen (Olivenöll). soviel die Patientinnen über Nacht
zu halten im stände waren. Die Resultate waren befriedigend.
Oskar N e b e sk y - Innsbruck: Ueber einen Fall von zentralem
Dammriss. (Aus der k. k. Universitäts-Frauenklinik Innsbruck.) Mit
1 Figur.
Mitteilung eines Falles von zentralem Dammriss bei einer 28 jähr.
I. Para, Geburt in Hinterhauptslage; über die Grösse des Kindes ist
nichts angegeben. Besprechung der Aetiologie dieser Verletzung.
Demetrio G a 1 a 11 i - Wien: Ueber Nabelversorgung. (Aus dem
Kaiserin Elisabeth-Wöchnerinnenheim „Lucina“, Wien.)
Empfehlung eines Nabelverbandes mit Bolus alba; Anwendung
des Verbandes bei 200 Kindern, Abfall des Nabelschnurrestes in den
ersten 6 Tagen in 82,5 Proz., in den ersten 8 Tagen in 100 Proz.
A. Rieländer - Marburg.
Archiv ffir Psychiatrie und Nervenkrankheiten. 45. Bd.
1. Heft. 1909.
Joh. Haberkant: Osteomalazie und Dementia praecox. (Hier¬
zu 3 Abbildungen.)
In 2 Fällen von katatoner Form der Dementia praecox, im An¬
schluss an ein Puerperium entstanden, entwickelte sich ganz allmäh¬
lich die Osteomalazie nach jahrelangem Bestehen der Psychose mit
osteomalazischen Lähmungen mvopathischen Ursprungs.
Aus dem aus der Literatur gesammelten Material von 34 Fällen
echter Osteomalazie bei Psychosen ergibt sich zum mindesten soviel
mit Sicherheit, dass die Osteomalazie ausser bei den angeborenen
geistigen Schwächezuständen am häufigsten bei der Dementia praecox
auftritt. Interessant sind die verschiedenen Theorien der Aetiologie
der Osteomalazie, die in der Arbeit zusammengestellt sind.
Es scheint nicht ausgeschlossen, dass der osteomalazische Stoff¬
wechsel in der Aetiolgie der puerperalen Katatonie vielleicht eine
Rolle spielt.
K. G e h r y: Zur Histopathologie der tuberkulösen Meningitis.
(Aus der Pflegeanstalt Rheinau.) Hierzu Tafel I.
Bei der tuberkulösen Meningitis finden sich als typisch spe¬
zifische, völlig den Tuberkeln in anderen Organen gleichstehende,
miliare Knötchen in der Pia. welche die Pia durchbrechen und auf
die Hirnrinde übergreifen können.
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Die Pia reagiert auf den Reiz der Tuberkelknötchen mit Wuche¬
rungserscheinungen am Bindegewebe und an den Gefässen. Sie zeigt
Infiltration mit Lymphozyten, Plasmazellen und mit grossen, runden,
aus dem fixen Bindegewebe wahrscheinlich abstammenden, bis jetzt
nur bei der tuberkulösen Meningitis in gleicher Form gefundenen,
protoplasmareichen Zellen.
Die Rindengefässe zeigen vielfach Zustände wie bei der progres¬
siven Paralyse: Erweiterung der adventitiellen Lymphscheidcn und
Lymphozyten- und Plasmazellcninfiltration. Die Endothelzellen sind
teilweise stark vermehrt und vergrössert. Keine Gcfässvermehrung.
Die Ganglienzellen sind nicht erheblich vermindert. Die Haupt¬
veränderungen bestehen in partieller und totaler Chromatolyse.
Manche Zellen erscheinen in ihrer Schnittfläche mit intensiv blau
fingierten Chromatinkörnern und -schollen übersät und haben solche
in ihren perizellulären Räumen liegen.
Die Neuroglia zeigt hauptsächlich progressive Veränderungen,
indem viele Ganglienzellen vergrössert sind und einen mehr oder
weniger plasmareichen, gut färbbaren Leib besitzen (Spinnenzellen).
Andeutungsweise kommen Gliarasen vor.
Alle die genannten Veränderungen sind streng an das Auftreten
von Tuberkeln gebunden. Wo diese fehlen, ist das Gewebe normal.
Das ist das für die tuberkulöse Meningitis Charakteristische.
O. v. Leonowa-v. Lange: Zur pathologischen Entwick¬
lung des Zentralnervensystems. Das Verhalten der Rinde der Sulci
calcarinl in einem Falle von MIkrophthalmia bilateralls congenita.
(Neue Beiträge.) Hierzu Tafel II.
In der Calcarinarinde ist im vorliegenden Fall die Zahl der Ner¬
venzellen reduziert und der Zelleib verkleinert; besonders hervor¬
zuheben ist der Ausfall der Nervenzellen in der 4, Schichte (helle
Streifenschicht mit zerstreuten Neuroblasten) nach des Verf.s Ein¬
teilung der Calcarinarinde. Die Einzelheiten und die Schlussfolge¬
rungen müssen im Original nachgelesen werden.
W. Holz m an ii: Blutdruck bei Alkoholberauschten. (Aus der
psychiatrischen Klinik in München.) Hierzu Abbildungen im Text.
Die bei seinen Untersuchungen von Berauschten gefundenen inter¬
essanten Resultate fasst Verf. in folgenden Sätzen zusammen: „Die
lähmende Wirkung des Alkohols verursacht Nachlassen der Herz¬
kraft, Herabsetzung der tonischen Erregung der den Herzschlag ver¬
langsamenden Vagusfasern wie der getässverengernden Nerven.
Bei einem Teil der Berauschten entspricht der durch Alkohol
erzeugten psvchomotorischen Erregung eine Reizung der den Herz¬
schlag beschleunigenden und der gefässverengernden Nerven neben
obigen Lähmungserscheinungen. Aus diesen Alkoholwirkungen er¬
geben sich: Absinken des systolischen Druckes, Erhöhung oder Er¬
niedrigung des diastolischen Druckes. Verkleinerung des Pulsdruckes.
Erhöhung der Pulsfrequenz, Verminderung der Körncrtcmneratur
und Verlangsamung der Blutströmungsgeschwindigkeit, d. i. Ver¬
schlechterung der Blutvcrsorgung der Gewebe.“
Sam Weiss: Ueber die Infiltrationen der Hirmrefässe bei der
Degressiven Paralyse. (Aus der psychiatrischen Klinik in Frei¬
burg i, B.)
An 14 Paralytikerhirncn wurden die Gcrüssinfiltrationen stu¬
diert.
Die Zellinfiltrationcn der Hirngefässe bei der progressiven Para¬
lyse finden sich in der Rinde zahlreicher als im Mark und am stärk¬
sten ausgeprägt in den mittleren, unregelmässigen und grossen Pvra-
midenzellenschichfen der Rinde. Zentral- und Frontalwindung weisen
die meisten, die Okzinitalwindimg die geringsten Infiltrate auf. Die
Ausbreitung und Stärke der Infiltrate lassen keinen Schluss auf die
Dauer des Krankheitsprozesses zu. Zwischen den klinisch nuftreten-
den Anfällen und den sich post mortem findenden Gcfüssimiltrationeii
scheint ein gewisser Zusammenhang zu bestellen. Das neben den
zeitigen Infiltraten sich findende Pigment fehlt nur bei sehr gering¬
gradigen Zellansarmnlungen und findet sich häufiger in den iahrelang
dauernden älteren Fällen von Paralyse: eine Beziehung zu den para¬
lytischen Anfällen hat es nicht.
A. .1. J u s c h t s c h c n k o: Ueber die Oxydatlonsnrozesse Im
Organismus der Geisteskranken und die Giftigkeit de« Harnes der¬
selben. (Aus dem chemischen Laboratorium des Institutes für c\-
Derimentelle Medizin und dem Krankenhaus des Kaisers Alexander III.
in Udiclnaia.)
Die Untersuchung der Oxvd'öionsprozessc im Organismus nach
der Methode von N c n c k i und Sieber ergab bei allen untersuch¬
ten Geisteskranken eine Störung der Oxvdation (von Benzol), uml
zwar bei melancholischen Zuständen in der Reeel eine Absch'vächuny,
bei Katatonikern. Paralytikern und einem an degenerativer Psychose
leidenden Kranken eine Zunahme der Ovvdationsnrnyesse. Bei
Besserung des Krarikhcitsnrozesses vermindert sich die Störung:
wieder, manchmal sogar bis zur Norm. Der Koeffizient der Oxvda-
tionsenereie (nach Prof. P o e h 1) war bei der Mehr/nM d*‘r mit er¬
suchten Kranken mehr oder weniger vermindert. Die Toxizität des
Harns wurde in 6 Fällen geprüft.
W. Plönies: Gesteigerte Rcflexerregbarkelt und Nervosität
ln Ihren ätiologischen Beziehungen zu den funktionellen Störungen
und Reizerschelniingen der Magenläsionen, mit Berücksichtigung des
Einflusses der Anämie und Unterernährung.
Passt nicht in den Rahmen eines kurzen Referates.
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
36
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT,
No. 1.
Ra ecke: Katatonie Im Kindesalter. (Aus der psychiatrischen
und Nervenklinik der Universität Kiel.)
Auf Grund von vorliegenden 10 interessanten Beobachtungen
von Katatonie bei Kindern formuliert Verf. folgende Sätze:
„Die Katatonie tritt auch im Kindesalter auf, vor allem im Alter
vom 12. bis 15. Jahre, und weicht hier in ihren Hauptzügen nicht
von der Katatonie der Erwachsenen ab.
ln der Regel lässt sich eine angeborene psychische Minder¬
wertigkeit als Grundlage nachweisen, auf welcher sich die Psychose
entwickelte, während äussere Ursachen keine wesentliche Rolle
spielen.
Manche sog. „Imbezille mit katatonen Symptomen“ mögen schon
in der Kindheit einen Anfall von Katatonie durchgemacht und dabei
ihre Geistesschwäche ganz oder zum grössten Teile erworben haben.
Das Bestehen einer imbezillen Grundlage hat auf das äussere
Krankheitsbild und auf die Prognose der Katatonie keinen merklichen
Einfluss."
R. Moriyasu (Japan): Beiträge zur pathologischen Anatomie
der Psychosen. (Aus der psychiatrischen und Nervenklinik in Kiel.)
Eine Reihe von Gehirnen von Dementia-senilis- und Delirium-
tremens-Fällen wurden nach der bekannten Fibrillenmethode (B i ei¬
se Ti o w s k y) untersucht.
„Bei der Dementia senilis sind die Neurofibrillen in allen Re¬
gionen der Hirnrinde mehr oder weniger stark vermindert, besonders
stark in der hinteren Zentralwindung. Von allen Kategorien der
Fasern sind die dickeren Fasern stärker ergriffen im Gegensatz zu der
progressiven Paralyse. Die Ganglienzellen haben meist gut erhaltene
äussere Form, während die intrazellulären Fibrillen stark zerstört
sind und der Kern sich intensiv schwarz gefärbt hat und wesentliche
Veränderungen zeigt. Es ist charakteristisch, dass in denselben Prä¬
paraten erkrankte Ganglienzellen mit normalen Zellen abwechselnd
vorhanden sind. Im allgemeinen ist die Veränderung bei der senilen
Demenz schwächer als bei der Paralyse.
Beim Delirium tremens sind die extrazellulären Fibrillen diffus
in der Harnrinde gelichtet; aber im allgemeinen sehr geringfügig.
Die Ganglienzellen sind meist ziemlich gut erhalten und die intra¬
zellulären Fibrillen geben klare Bilder. Die Zellverändcrung zeigt
keine Charakteristika für das Delirium tremens. Im Grundgewebe
und in den Gefässscheiden findet sich viel Blutpigment."
Glasow: Beitrag zur Kasuistik der Hirngeschwüiste. (Aus
der K. psychiatrischen und Nervenklinik der Universität Kiel.)
Nach kurzem Bericht über die bei Hirntumoren vorkommenden
nervösen und psychischen Störungen werden 5 Fälle von Hirn-
geschwiilsten ausführlich beschrieben und besprochen. Was die
Lokalisation anlangt, so handelte es sich einmal um einen Tumor des
Thalamus opticus, einmal um einen, der den Nucleus caudatus. die
innere Kapsel und den Nucleus lentiformis ergriffen hatte, zweimal
um Kleinhirntumor, einmal um einen des Schläfenlappens.
E. Meyer: Die Prognose der Dementia praecox.
Die Prognose der Dementia praecox ist ernst, aber keineswegs
absolut ungünstig, in einem erheblichen Bruchteil der Fälle — nach
des Verf.s Erfahrungen x h — V\ der Katatoniegruppe, über V« der Ge¬
samtfälle — tritt Wiederherstellung für Jahre ein. Die Arbeit bringt
zahlreiche interessante und wertvolle klinische Beobachtungen mit
Katamnesen.
Kurt G o 1 d s t e i n: Einige Bemerkungen über Aphasie im An¬
schluss an Moutiers „L’aphasle de Broca“. (Aus der psych¬
iatrischen Universitätsklinik zu Königsberg i. Pr.)
Referate.
Notiz über den VII. internationalen Kongress für Kriminal¬
anthropologie. Germanus F1 a t a u - Dresden.
Vierteljahrschrift für gerichtliche Medizin und öffentliches
Sanitätswesen. XXXVI. Bd. 1908. 4 . Heft.
1) Ein Beitrag zur Fäulnis der Lungen Neugeborener. Von
Dr. C. R ü t s (Gerichtlich-medizinisches Institut der Universität
Greifswald.)
Die vielen Einwendungen, die im Laufe der Zeit gegen die Be¬
weiskraft der Lungenschwimmprobe ins Feld geführt wurden, haben
Verf. veranlasst, eingehende Untersuchungen über diesen Gegenstand
anzustellen; solche Versuche wurden gemacht an menschlichen Föten,
soweit solche zur Verfügung standen, und an einer noch grösseren
Zahl von Tierföten und zwar teils an der Luft, teils im Wasser, teils
in der Erde.
Das Ergebnis war, dass trotz starker Ausfaulung unter 66 Ver¬
suchen nur 7 mal die Lungen mit subpleuralen Bläschen versehen an¬
getroffen wurden. Meist waren dieselben auf die einzelnen Lungen¬
abschnitte verteilt von Stecknadelkopf- bis Erbsengrösse, nur in einem
Falle war der ganze Unterlappen direkt iibersät mit kleineren oder
grösseren blasigen Abhebungen. Nach dem Anstechen der
Fäulnisblasen gingen die Lungen regelmässig im
Wasser unter. In den sämtlichen übrigen Fällen waren die
Lungen stets im Gegensätze zu den stark gefaulten Bauchorganen
noch relativ frisch und von fötalem Aussehen; sie zeigten keine Spur
von Fäulnisblasen und gingen prompt im Wasser unter.
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Zeigt eine Lunge eine reichliche Anhäufung von Fäulnisgasen im
Gewebe und unter der Pleura und eine positive Schwimmfähigkeit,
so muss den Gerichtsarzt dieser Befund in der Annahme, dass das
Kind gelebt bezw. geatmet hat, bestärken; selbstverständlich muss
auch noch die übrige Beschaffenheit der Lungen kritisch gewürdigt
werden.
2) Beiträge zum Magnetismus. Von Dr. G e y e r - Zwickau.
In dem Artikel ist ein Gutachten v. Nussbaums veröffentlicht,
welches dieser im Jahre 1890 in einer Klagesache eines Lehrers
wegen einer Forderung für magnetopathische Behandlung abgegeben
hatte.
v. Nussbaum stellte in dem Gutachten folgende Sätze auf:
1. Ein tierischer Magnetismus, welcher grosse Kraft besitzt, so
dass das Berühren mit den Händen oder das Magnetisieren schon
vieles leistet, existiert bestimmt.
2. Der tierische Magnetismus ist bis jetzt nur von ganz wenigen
wissenschaftlich Gebildeten studiert worden, weshalb man dessen
Kräfte noch recht wenig kennt; er wurde fast nur von Laien zu Heil¬
zwecken lukrativ ausgeniitzt.
3. Von gerichtsärztlicher Seite muss daher jedes Urteil noch mit
grosser Sorgfalt abgegeben werden.
Der Verfasser tritt diesem Standpunkte v. Nussbaums ent¬
gegen, dessen Gutachten immer noch von Magnetopathen ausgenützt
wird und weist unter Anführung verschiedener gerichtlicher Urteile
darauf hin, dass wir es bei den Vertretern des Magnetismus in der
Mehrzahl der Fälle mit reinen Schwindlern zu tun haben, andernfalls
mit geistig minderwertigen Menschen, welche mangels genügender
Kenntnisse und mangels genügenden Urteils nicht imstande sind,
über den von ihnen getriebenen Hokuspokus sich ein gesundes Urteil
zu bilden.
3. Die Eklampsie der Schwangeren und Gebärenden in ge¬
richtsärztlicher Beziehung, mit Verwertung eines einschlägigen Falles.
Von Dr. Schröder -Altona.
Ein 21 jähriges Dienstmädchen wurde beschuldigt, ihr unehe¬
liches Kind nach der Geburt getötet zu haben. Das Kind wurde in
ein Handtuch eingeschlagen tot aufgefunden; die Nachgeburt lag
im Zimmer.
Das Mädchen hatte am Morgen gearbeitet und wurde später
in bewusstlosem Zustande auf dem Boden angetroffen, und bekam,
zu Bette gebracht, im Laufe des Tages wiederholt Krampfanfälle mit
Bewusstseinsverlust. In den freien Intervallen erklärte sie, nicht ge¬
boren zu haben, als sie wieder vollständig bei Bewusstsein war,
räumte sie ein, dass sie geboren hätte, und zwar bereits in der Nacht,
aas Kind wäre tot zur Welt gekommen, sie hätte es ins Unterbett
gelegt, Licht hätte sie dabei nicht angezündet. Das Kind sei zu Boden
gefallen und bald darauf sei ein Anfall cingetreten.
Es war nun die Frage zu prüfen, ob die Kindsmutter dem neu¬
geborenen Kinde die bei der Sektion festgestellten Schädelver¬
letzungen beigebracht und ob sie das im Zustande der Bewusstlosig¬
keit getan habe.
Verfasser erklärt, man müsse hier mit der Möglichkeit rechnen,
dass das Kind durch Aufstossen des Kopfes im eklamptischen Anfall
umgekommen sei. Er nimmt nämlich an, dass, wie schon anderwärts
festgestellt wurde, die Gebärende in der Bewusstlosigkeit sich hin-
und herwarf und mit dem Gesäss auf den Rand der Bettstelle fiel,
wobei die Schädelverletzungen verursacht wurden. Ferner ist die
Möglichkeit zuzugeben, dass, wenn die Angeschuldigte wirklich selbst
das Kind getötet haben sollte, dies in einem Zustande von Bewusst¬
losigkeit geschah, in welchem ihre freie Willensbestimmung aus¬
geschlossen war, so dass sie für die Handlung strafrechtlich nicht ver¬
antwortlich gemacht werden kann, so wenig wie man einen Epilep¬
tiker für eine ganz kurz vor einem Anfall begangene strafbare Hand¬
lung verantwortlich machen würde.
4 ) Tod durch Erwürgen oder gewaltsames Anfassen am Halse.
Von F. Strassmann.
Es wird die Frage erörtert, ob einmaliges kurzes gewaltsames
Anpacken des Halses, ohne dass die Absicht der Tötung, speziell des
Erwürgens besteht, den sofortigen Tod eines Menschen bewirken
kann. Verfasser knüpft an einen von Brouardel beschriebenen
Fall an und kommt nach Darstellung eines selbst beobachteten Falles
— es handelte sich um eine Prostituierte, welche tot im Bette liegend,
das Gesicht mit einem Kissen bedeckt, aufgefunden wurde — zu dem
Schlüsse, dass unter verschiedenen Umständen eine auch nur kurz¬
dauernde Luftabsperrung verbunden mit Erregung der Halsnerven
plötzlichen Tod — wahrscheinlich durch Herzlähmung — bedingen
kann. Zu prüfen werde noch sein, ob diese Wirkung an eine be¬
stimmte Disposition gebunden ist.
Bei der Sektion wurde eine Einknickung des linken oberen
Schildknorpelhornes am Kehlkopfe, Blutung in die Umgebung des
Bruches und in die Scheide der gerissenen Blutgefässe des Halses links
gefunden, der Täter, welcher sich nach längerer Zeit freiwillig stellte,
gab an, er habe die Prostituierte mit der linken Hand am Halse ge¬
fasst und sie ordentlich geschüttelt, nicht um sie zu töten, sondern
ihr nur einen Denkzettel zu geben, weil sie ihm die Geldbörse zu
stehlen versuchte.
5) Zur Lehre von den Brüchen des Schädeldaches. Von Dr.
H. Marx und Karl Marx.
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909._MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT._ 37
Die beiden Verfasser — ein Gerichtsarzt und ein Regierungs-
baumeister beschäftigen sich mit der Ergründung der Ursache, warum
das an einem Punkte angegriffene Schädeldach an der Innentafel
früher bricht als an der Aussentafel.
Es werden zunächst die bisher vorgetragenen Anschauungen
über diesen Gegenstand, die Erklärungen E. v. Bergmanns, Pal¬
tau f s, Puppes und I pse ns kritisiert und dann die bei den
eigenen Versuchen, die Mechanik der Eormveränderungen des Schä¬
dels bei Lochbrüchen klarzulegen, gewonnenen Resultate mitgeteilt.
Nach diesen sind die mechanischen Verhältnisse, die sich bei Ent¬
stehung von Lochbrüchen abspielen, dem Gesetze von der Erhaltung
der Energie unterworfen. Das Schädeldach setzt der angreifenden
Kraft Widerstand entgegen, wodurch ein Verlust an kinetischer Ener¬
gie erzeugt wird. Diesem Verlust an Energie (Arbeitsvermögen) ist
äquivalent — wenn wir von der geringen, für Wärmeerzeugung als
Folge der Reibung aufgewendeten Arbeit absehen — die im Innern
des Schädeldachs vor sich gehende Formveränderung. Die Form¬
veränderung ist wie jede andere Arbeit ein Produkt aus Kraft und
Weg. Die Kräfte sind die im Material auftretenden Spannungen,
die das Bestreben haben, die einzelnen Moleküle gegeneinander zu
verschieben.
Bezüglich der eingehenderen Erklärungen über die Einzelheiten
dieser Vorgänge muss auf das Original verwiesen w r erden.
6) Zum gerichtlichen Nachweis des Veronals. Von Th. Pan¬
zer-Wien.
Panzer veröffentlicht das Ergebnis seiner Untersuchungen
über den Nachweis von Veronal in Leichenteilen nach dem Ver¬
fahren von Stas-Otto, wie es zur Abscheidung von Pflanzen¬
alkaloiden verwendet wird. Es gelang noch auf diese Weise 0,05 g
Veronal in 500 g Leichtenteilen durch einige Reaktionen nachzu¬
weisen. Diese Empfindlichkeit dürfte für die Praxis genügen. Der
. Gehalt von 0,05 g Veronal in 500 g Leichenteilen würde, gleichmässige
Verteilung des Giftes im ganzen Körper vorausgesetzt, einer Menge
von 7 g Veronal für eine 70 kg schwere Leiche entsprechen, eine
Dosis, welche, wenn sie überhaupt tödlich wirkt, jedenfalls an der
unteren Grenze der tödlichen Dosis steht.
7) lieber die gerichtsärztliche Bedeutung der epileptischen
Dämmerzustände. Von Dr. T ö b b e n.
Verf erörtert an der Hand einer ausserordentlich reichhaltigen
Literatur die Symptomatologie der epileptischen Dämmerzustände,
auf die Tatsache hinweisend, dass es sich dabei hauptsächlich um
Störungen der Empfindungen, der Vorstellungen, der Affekte oder der
Ideenassoziation handelt; in vielen Fällen sind die Halluzinationen das
herrschende Symptom, sie sind auch vielfach Ursache der epilepti¬
schen Angst.
Die präepileptischen Geistesstörungen erhalten durch das Vor¬
wiegen schwerer Angstaffekte, durch Halluzinationen und Wahn¬
vorstellungen ein besonderes Gepräge; die postepileptischen Dämmer¬
zustände zeigen vielfach Varianten, sie sind teils leichterer, teils
schwerer Natur, letztere meist durch massenhaft auftretende Halluzi¬
nationen gekennzeichnet, charakteristisch für die epileptischen Angst¬
delirien ist die Halluzination des konzentrischen Anrückens grosser
Volksmassen.
Die strafbaren Handlungen, die in solchen Dämmerzuständen
von Epileptikern begangen werden, sind verschiedener Art, vielfach
zeichnen sie sich durch blinde, sinnlose Gewalttätigkeiten aus sowohl
gegen die eigene als auch gegen fremde Personen, ein Epileptiker
überfiel oft Menschen und zerfleischte und ass sie.
In der sehr ausführlichen Abhandlung werden eingehend die
einzelnen Verhältnisse bezüglich Zurechnungs- und Dispositionsfähig¬
keit, sowie bezüglich des Einflusses epileptischer Geistesstörung auf
die Ehescheidung besprochen.
8) Tödliche Magenblutung bei subkutanem Trauma der Magen¬
schleimhaut und gleichzeitigem Magengeschwür. Von Dr. Mayer-
Simmern.
Ein 41 jähr. Mann starb unter den Erscheinungen einer inneren
Blutung, nachdem er 7 Tage zuvor von einer Kuh zu Boden gestossen
und am rechten Knie verletzt und gegen die rechte Seite und den
linken Arm gestossen worden sei, worauf alsbald Erbrechen von
Massen geronnenen Blutes auftrat. Die Sektion ergab in der Magen¬
schleimhaut einen 2 cm langen, 1 cm hohen elliptisch geformten Sub¬
stanzverlust, der mit strahligen Bindegewebszügen durchzogen ist,
in demselben ein freiliegendes Gefäss; in der Schleimhaut stellenweise
nicht abstreifbare Blutergüsse.
Verf. bespricht nun die Frage, ob es Blutungen aus der un¬
veränderten Schleimhaut des Magens gibt und kommt zu dem Schluss,
dass im vorliegenden Falle eine solche Blutung die Todesursache war,
er führt aber auch die Anschauung Ungers an, dass die tödliche
Blutung hier nicht aus der unveränderten Schleimhaut gestammt habe,
sondern dass das Geschwür die Quelle derselben war.
II. Oeffentliches Sanitätswesen.
1) Kupferhaltige Spinatkonserven. Von Prof. Thierfelder
und Prof. Rubner.
Es handelt sich um ein Gutachten der kgl. wissen¬
schaftlichen Deputation für das Medizinal wesen
über die Zulässigkeit von Kupfer bei der Herstellung von Gemüse¬
konserven.
§ 1 des Gesetzes vom 5. Juli 1887 rechnet Kupfer zu den ge¬
sundheitsschädlichen Farben, welche zur Herstellung von Nahrungs¬
und Genussmitteln nicht verwendet werden dürfen; in Preussen erfuhr
das Verbot eine gewisse Einschränkung, weil nach den Unter¬
suchungen im kaiserlichen Gesundheitsamte den Kupfersalzen eine ge¬
ringere Giftigkeit zukommt als man früher annahm; in Oesterreich
ist der Verkehr mit Gemüsekonserven, welche einen höheren Kupfer¬
gehalt als 55 mg in einem Kilogramm Gesamtkonservenmasse auf¬
weisen, verboten.
Das Gutachten stellt sich auf den Standpunkt, dass zwar wäs¬
serige Kupferlösungen mit einem Gehalt von 10—30 mg Kupfer in
hinreichender Verdünnung meist wirkungslos sind, dass aber solche
mit einem Gehalt von 50—100 mg Kupier Uebelkeit, Brechreiz und
in der Regel Erbrechen hervorrufen. Durch gleichzeitige Einfuhr
von Speisen werde allerdings die Wirkung herabgesetzt, doch konnte
Lehmann in Würzburg in einem Selbstversuch feststellen, dass ein
Gericht grüner Erbsen, welches 120 mg Kupfer enthielt, heftige Uebel¬
keit und zweimaliges starkes Erbrechen zur Folge hatte. Weit ernster
erscheine aber die Gefahr, welche der Gesundheit aus einem über
Wochen und Monate sich erstreckenden täglichen Genuss grösserer
Mengen eines so stark kupferhaltigen Gemüses droht.
Die bei Tierversuchen durch länger fortgesetzte Zufuhr von
Kupferverbindungen erzeugte Vergiftung zeigt sich in Eiweissaus¬
scheidung im Harne, Gewichtsabnahme und Veränderung der Organe,
speziell der Leber und der Niere, beim Menschen seien zwar der¬
artige chemische Vcrgiftungserscheinungen noch nicht festgestellt
werden, doch ist deshalb nicht auszuschliessen, dass der Mensch
nicht ebenfalls einer solchen chronischen Kupfervergiftung zugäng¬
lich ist.
In den Gutachten werden deshalb die zur Untersuchung vor¬
gelegten Spinatkonserven, welche bis zu 128 mg und 275 mg
Kupfer im Kilogramm enthielten, als geeignet bezeichnet, die mensch¬
liche Gesundheit zu schädigen (vergl. 1907, S. 2071).
2. Ueber die Wirkung des elektrischen Hochspannungsstromes
vom gerichtsärztlichen Standpunkt. Von Dr. T r e m b u r.
Die ausführliche Arbeit, der ein reichhaltiges Literaturverzeichnis
angegliedert ist, behandelt die verschiedenen Umstände, welche bei
der Einwirkung elektrischen Hochspannungsstromes auf den mensch¬
lichen Körper berücksichtigt werden müssen.
Es wird darauf hingew iesen, dass die Frage nach der Gefährlich -
keitsgrenze eines Stromes nicht so ganz einfach beantwortet wer¬
den kann, dass neben Spannung, Stärke, Einwirkungs¬
dauer des Stromes, Stromrichtung, Stromdichte,
Widerstand, derjeweiligeZustanddesBetroffene n
berücksichtigt werden muss.
Eine besondere Beachtung verdienen die lokalen äusseren Ver¬
änderungen, die mitunter einen ganz spezifischen Charakter zeigen,
ja als für elektrische Starkstromwirkung pathognomonisch ange-
sprochen w r erden können. Die lokalen Symptome konnten sein: 1.
Brandwunden und verbrennungsühnliche Veränderungen der Haut,
2. mechanische Gewcbstrennungen in Form von Durchlöcherungen
und Zerreissungen der Haut, 3. Blutaustritte und Sugillationen,
4. Oedeme, 5. Haarversengungen, 6. die spezifisch elektrischen Haut¬
veränderungen; w'as letztere anlangt, so treten an den Uebergangs-
stellen knorpelartige oder stearinartige, homogene, w'cisse, glänzende
Gewebsveränderungen auf, in denen jegliches Empfindungsvermögen
erloschen ist. Nach und nach werden diese Hautveränderungen trüber
und scholliger, um sich schliesslich als zusammenhängende Platte ab-
zustossen. Die Neubildung an dieser Stelle ist ein Narbengewebe.
Nach den Frühsymptomen können noch eine Reihe von Ver¬
änderungen hervorgerufen werden, die erst Tage, Wochen, Monate,
ja selbst Jahre nach Eintritt des Unfalls manifest werden, namentlich
nervöse und funktionelle Störungen, teils mit, teils ohne Verände¬
rungen im Gebiete des peripheren und zentralen Nervensystems.
Ueber das Wesen des elektrischen Todes gehen die
Anschauungen noch auseinander, einzelne suchen die Ursache des
Todes in Hämorrhagien in der Medulla oblongata, andere in Zer¬
störung und Zerreissungen des Gewebes und dadurch bedingter Hem¬
mung der lebenswichtigen Zentren des Nervensystems.
Die Aufgaben des Gerichtsarztes haben sich darauf
zu richten, 1. bei den mit tödlichem Ausgange einhergehenden Un¬
fällen die wirkliche Todesursache und den ursächlichen Zusammen¬
hang nachzuweisen, 2. bei den nichttödlichen Unfällen die vorhandenen
Verletzungen festzustellen, Wesen und Ursache derselben zu begrün¬
den und die Folgen zu beurteilen.
3. Fürsorge für krampfkranke schulpflichtige Kinder. Von Dr.
Rieh. Sartorius.
Nach einer Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der Epi¬
leptikerfürsorge wird statistisches Material über die Zahl der Epi¬
leptiker und der Anstaltsbedürftigen unter denselben, namentlich der
nichtschulfähigen, d. h. anstaltsbedürftigen Kinder besprochen. Dem¬
nach ist etwa die Hälfte aller krampfkranken Kinder entweder w*egen
Geistesschwäche oder gehäuften Anfällen oder Geisteskrankheit als
nicht schulfähig zu betrachten.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
88
MUENCHENER MEDIZINISCHE .WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
Verl, vertritt die Forderung \V i 1 d e r in u t h s, Epileptiker aller
Kategorien, heilbare und unheilbare, geistig normale und nichtnormale.
Erwachsene und Kinder, in dem Rahmen einer grossen gemeinsamen
Anstalt, die unter ärztlicher Leitung steht, zu vereinigen. Es müssten
folgende Abteilungen vorhanden sein: 1. Eine Abteilung für jugend¬
liche unterrichtsfähige Kranke, 2. für gewerblich beschäftigte Kranke
mit Trennung der Erwachsenen und Halberwachsenen in besonderen
Gebäuden, 3. Oekonomiegebäude für Kranke die in der Landwirt¬
schaft beschäftigt werden, 4. eine Abteilung für idiotisch-epileptische
Individuen, 5. eine Irrenabteilung, 6. ein Krankenhaus mit Fflege-
abteilung für körperlich Sieche und Räume für akute Kranke.
Spaet-Fiirth.
f Berliner klinische Wochenschrift. No. 51. 1908.
V lj Bonhoeffer -Breslau: Zur Frage der Klassifikation der
symptomatischen Psychosen.
Im Anschluss an die Vorstellung dreier Fälle sog. symptoma¬
tischer Psychosen, nämlich zweier Psychosen im Anschluss an
Urämie und eines Falles von K o r s a k o w scher Psychose, wahr¬
scheinlich nach Typhus, erörtert Verf., welcher die K r a e p e 1 i n sehe
Einteilung dieser Krankheitszustände nicht als ganz zutreffend an¬
sieht, eine nach den Symptomen ausgeschiedene Klassifikation. Er
unterscheidet einfache Delirien, halluzinoseartige Zustandsbilder,
einen epileptiformen Typus, ferner Zustände von Stupor und Amcntia.
Andere Typen ergeben sich nach Massgabe des Verlaufes dieser
Psychosen. Die Auffassung führt dahin, nicht psychische pathogno-
monische Einzeltypen für jedes infektiöse oder toxische Agens zu
finden, sondern exogene psychische Schädigungstypen festzustellen.
2) L. B r i e g e r und J. Trebing - Berlin: Ueber die Kachexie¬
reaktion, insbesondere bei Krebskranken.
Die Verfasser studierten zur weiteren Verfolgung des Wesens
der von ihnen gefundenen Kachexiereaktion den Einfluss des Pan¬
kreatins bei operierten und nicht operierten karzinomatüsen Personen.
Bei 5 solchen Karzinomatüsen gelang es ihnen auch, durch Pankreatin
den anfänglich hohen antitryptischen Titer dauernd auf die Norm
herunterzudrücken. Nach Erfahrungen an weiteren 5 Kranken scheint
die antitryptische Reaktion als Gradmesser der Kachexie angesehen
werden zu können. Ferner werden die Untersuchungsergebnisse an
einer grösseren Zahl weiterer Fälle, darunter auch Sarkomkranken
mitgeteilt. Die Erhöhung des Antifermentgehaltes des Blutes bei
Kaciiektischcn steht wohl in Beziehung zum vermehrten Organ¬
eiweissumsatz bei diesen Krankheiten.
3) E. Stadelmann -Berlin: Zur Diagnose der Meningitis
carclnomatosa.
Verf. hat die Punktionsflüssigkeit bei karzinomatösen Erkran¬
kungen seröser Häute untersucht. Bei einem 64 jährigen Mann mit
Magenkarzinom, welcher auch meningitische Erscheinungen darbot,
ergab die Untersuchung der Lumbalfliissigkeit sog. Karzinomzellen
(runde Zellen mit einem grossen Kern). Die Sektion ergab ausser
dem Magenkrebs in der Tat auch eine Meningitis carcinomatosa, be¬
sonders arn linken Kleinhirn. Eine ähnliche Beobachtung ist von
K r ö n i g mitgeteilt worden.
4) H. W e n d e 1 s t a d t - Düsseldorf: Ueber Versuche mit neuen
Arsen Verbindungen gegen Trypanosomen bei Ratten und dabei be¬
obachtete Erblindungen.
Der Verf. teilt Versuche an Tieren mit, bei denen die von Ehr¬
lich neu angegebenen Arsenverbindungen in Anwendung gebracht
wurden. Bei mehreren Versuchstieren wurde Erblindung infolge Ver¬
änderung des Sehnerven festgestellt. Die besten Erfolge gegen die
Naganaerkrankungen der Tiere wurden mit dem Ehrlich sehen
Arsenophenylglyzin (Vakuumpräparat) erzielt.
C. Bruck und L. Cohn-Breslau resp. Posen: Scharlach und
Serumreaktion auf Syphilis.
37 Seren von 28 Scharlachkranken wurden in den verschieden¬
sten Zeiträumen des Verlaufes untersucht. Die verschiedenen Ex¬
trakte verhielten sich dabei in hohem Masse verschieden in der Weise,
dass ein Scharlachserum mit einem Extrakt positiv reagiert, mit
mehreren anderen aber nicht, während Luessera ausnahmslos mit
allen reagieren. Es treten bei der Scharlacherkrankung Stoffe im
Serum auf, welche mit gewissen Substanzen in Organextrakten eine
Komplementbindung verursachen. Der Wert der Wassermann-
N e i s s e r - B r u c k sehen Reaktion für die Syphilisdiagnose wird
durch die Scharlachbefunde in keiner Weise gemindert.
6) S c h n ü t g e n - Berlin: Ueber pleurltlsche Schwarten und
Ihre Behandlung mit Fibrolysln.
Verf. bespricht zunächst die bisher zur Resorption pleuritischer
Schwarten gebräuchlichen Massnahmen, unter welchen er dem
Schöpfradventilator von G e i g e 1 und Mayr einen besonders wirk¬
samen Einfluss zuerkennt. Die Erfahrungen mit Eibrolysininjektionen
gingen dahin, dass in mehr frischen Fällen eine Verminderung der
Schwartenmassen mit Abnahme der subjektiven und objektiven
Krankheitserscheinungen, mchreremalc eklatant, erfolgte, während in
veralteten Fällen kein so ersichtlicher Effekt zu verzeichnen war.
7) A. V e h I i n g - Edmundsthal: Beitrag zu den Ergebnissen der
Behandlung der Lungentuberkulose mit der Kuhn sehen Lungensaug¬
maske.
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In 15 Fällen von Lungentuberkulose trat unter dem Gebrauch der
Maske eine Besserung der Kurzatmigkeit ein, ein Fall von bron¬
chialem Asthma vertrug die Maske schlecht. Ein auffallender Einfluss
auf den Hustenreiz konnte nicht festgestellt werden, dagegen zeigte
sich häufig eine Zunahme der roten Blutkörperchen, sowie eine Ver¬
besserung des neutrophilen Blutbildes. Ein wesentlicher klinischer
Erfolg bei den 15 Fällen blieb aus. Den Wert der Lungensaugmaske
sieht Verf. besonders in der Erziehung zum richtigen Atmen, in der
Kräftigung der Atemmuskulatur, in der Einwirkung auf den Atmungs¬
modus und damit auf die vermehrte Durchblutung, besonders der
Lungenspitzen, sowie in dem Einflüsse auf die Blutelemente. Verf.
rät, die Maske bei Anämischen mit Verdacht auf Tuberkulose mög¬
lichst lang, etwa ein Jahr lang, anwenden zu lassen.
^ Dr. Grassmann -München.
( Deutsche medizinische Wochenschrift. 1908. No. 51.
\l) A. P1 e h n - Berlin: Die Behandlung des akuten Gelenkrheu¬
matismus.
Schluss folgt.
2) Ludwig Hofbauer - Wien: Zur Frage nach der Entstehung
der Lungenblähung.
Bei Vertiefung der Atmung bleibt von der vermehrten Inspira¬
tionsluft ein Teil auch am Ende der Ausatmung in der Lunge zurück,
der inspiratorischen Zwerchfellsenkung folgt keine entsprechende
exspiratorische Zwerchfellhebung. Dies liess sich pneumographisch,
röntgenoskopisch und spirometrisch nachweisen und zwar auch bei
bewusstlosen Patienten mit Cheyne-Stokesscher Atmung. Die
Vermehrung der Restluft entspricht also einem leichten Grad von
Lungenblähung.
3) G. J o a c h i m - Königsberg: Die Lähmung des linken Vorhofes
bei Mitralfehlern.
Oesophagogramme von 4 kombinierten Mitralfehlern, bei welchen
die präsystolische Verstärkung des diastolischen Geräusches fehlte,
zeigten keinerlei Andeutung einer Vorhofskontraktion.
4) I. M. W o 1 p e - Berlin: Ueber Steigerung der Sekretion und
der Azidität des Magensaftes während der Menstruation.
Während der Menstruation fand Verf. in einer Reihe von Fällen
sowohl Hyperchlorhydrie als auch allgemeine Hyperazidität; es wird
mehr Magensaft als in der Norm produziert, offenbar infolge rein
reflektorischer nervöser Reize. Die motorische Tätigkeit war dabei
deutlich herabgesetzt. Schon vorhandene Hypersekretion steigerte
sich während der Menses zu echter Gastrosukkorrhöe. Magenunter¬
suchungen zur Zeit der Menses können also trügerische Resultate
geben. Patientinnen mit Ulcus ventriculi sollen zur Zeit der Men¬
struation strenge Ulcusdiät einhalten wegen Gefahr der Hämatemesis.
5) James F r ä n k e 1 - Berlin: Die Bedeutung des federnden Fixa¬
tionsverbandes in der Klumpfussbehandlung.
Die Wirkung einer Heusn ersehen Stahldrahtspirale wird auf
die in korrigierendem Sinne angelegten Heftpflasterstreifen über¬
tragen. Der Verband dient zur Nachbehandlung. Soll das Kind
laufen, so kommt über den federnden Fixationsverband ein Schalen¬
gipsverband mit Entlastungsbügel.
6) H e y d e - Marburg: Zur bakteriellen Aetiologie und Klinik des
Hirnabszesses.
Bei dem beschriebenen Fall fanden sich in dem durch Trepanation
(vorher Hirnpunktion) freigelegten, sehr grossen Hirnabszess zunächst
rein anaerobe Bakterien, später kamen Staphylokokken hinzu. Die
Anaerobier waren anscheinend von einer subakut verlaufenen Darm¬
affektion aus embolisch verschleppt worden. Die klinischen Sym¬
ptome werden besprochen.
7) W. K a u s c h - Schöneberg: Ein Instrument zur lumbalen
Punktion, Infektion und Druckmessung und ein Verfahren der letz¬
teren.
An die mit 2 Ansätzen versehene Hohlnadel wird ein kurzer
Gummischlauch mit gläsernem Steigrohr angesteckt und mit Koch¬
salzlösung gefüllt. Nach Herstellung der Kommunikation misst man
die Höhe des Manometerstandes über der Einstichstelle.
8) W. Tomaschewski-St. Petersburg: Erfahrungen auf
dem Gebiete der Medullaranästhesle.
Das ungefährlichste Mittel schien Tropakokain zu sein. Wichtig
ist die Technik der Injektion unter Vermeidung aller antiseptischen
oder sonst reizenden Mittel. Bei richtiger Ausführung werden Puls
und Atmung nicht beeinflusst. In 60 Proz. der Fälle fanden sich
vorübergehend kleinste Spuren Eiweiss im Urin. Bedeutendere Hoch¬
lagerung erwies sich als unnötig, wenn nicht oberhalb der Leisten¬
gegend operiert wurde.
9) A. Kotschenreuther -Witten (Ruhr): Ein seltener Fall
von Herzverletzung.
Nach Stoss durch Eisenstange gegen die linke Brustseite ohne
äussere Beschädigung Herzstörungen, nach einem halben Jahre unter
Stauungserscheinungen Exitus. Bei der Sektion fand sich eine grosse
breite Wunde im Septum des vergrösserten Herzens.
10) H. A po 1 an t-Frankfurt: Zur Nomenklatur der epithelialen
Mäusetumoren.
Auseinandersetzung mit Orth und v. Hansemann.
11) M. S e m o n - Danzig: Schwarzes Kolostrum.
44 jährige Frau sondert seit erstem Wochenbett vor 18 Jahren
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
39
bei jeder Menstruation aus der einen Brust helles, aus der anderen
eigenartig schwarzes Sekret ab. Verf. nimmt eine zelluläre Ano¬
malie an.
12) A. v. Kirchbauer-Nürnberg: lieber Coryfin und seine
Anwendung.
Aethylglykolsäureester des Menthols, Anwendung bei Katarrhen
der oberen Luftwege (Inhalation), ferner als Aufpinselung bei Neu¬
ralgien.
13) Viktor B o c k - Charlottenburg: Ein einfaches Verfahren zum
Absaugen der Muttermilch.
Weithalsige Flasche wird durch kochendes Wasser erwärmt
und dann nach Art eines Schröpfkopfes auf die Brustwarze aufgesetzt.
No. 52. 1) Th. Rumpf-Bonn: Ueber die Behandlung der
Herzkrankheiten mit oszillierenden Strömen.
Vortrag auf der Naturforscherversammlung 1908, ref. Münch,
med. Wochenschr., 1908, No. 41, Seite 2157.
2) A. P1 e h n - Berlin: Die Behandlung des akuten Gelenkrheu¬
matismus. (Schluss.)
Nach seiner Erfahrung an über 300 Kranken ist Verfasser über¬
zeugt, dass Salizyl, in ausreichender Menge gegeben, ein spezifisches
Heilmittel für die weitaus meisten Fälle von akutem Gelenkrheuma¬
tismus ist. Von 319 herzgesund aufgenommenen Rheumatikern be¬
kamen nur 2 Klappenfehler; beim einen war das strenge Salizylregime
nicht durchgeführt worden, beim andern noch nicht zur Wirkung ge¬
kommen. Salizyl ist kein Herzgift, die eventuelle Nierenreizung ist
unbedenklich. Versagte Salizyl bei hartnäckigen oder verschleppten
Fällen, so bewährte sich intramuskuläre Injektion von Chinin -f* Anti-
pyrin oder intravenöse Kollargolinjektion (Technik!). Die physi¬
kalische Therapie bewährte sich nur als unterstützender Faktor.
3) Kromay er-Berlin: Multiple subkutane Elektrolyse, ein
narbenloses Zerstörungsverfahren, Insbesondere für Haare.
Die elektrolytische Subkutannadel hat einen isolierenden Lack¬
überzug, welcher nur die Spitze frei lässt. Eine Nadel, bezw.
mehrere gleichzeitig werden tief unter die Haut eingeführt. Verf.
übt das näher geschilderte Verfahren seit 3 Jahren mit gutem Erfolg.
Die Haare werden sicher, rasch, dauernd und ohne Narbe entfernt.
4) Alfred Fü rstenberg-Berlin: Ueber die Behandlung mit
Radiumemanationen.
Trinkkuren mit künstlich emanationshaltig gemachten (Radiogen-)
Wässern waren wirksamer als emanationshaltige Bäder und zwar be¬
währten sie sich bei chronisch-rheumatischen und chronisch-gich¬
tischen Affektionen, kaum bei Neuralgien, Ischias.
5) Arthur Hartmann -Berlin: Eine einfache Inhalationsmaske.
Dünnmaschiges Drahtnetz in Drahtrahmen, mit Gummibändern
am Kopf befestigt. Das Medikament wird auf das Netz aufgepinselt.
6) M. Picke rt und E. L ö w e n s t e i n - Beelitz: Eine neue
Methode zur Prüfung der Tuberkulinimmunität. Vorläufige Mit¬
teilung.
Es zeigte sich, dass das Serum tuberkulöser Individuen, welche
eine Immunität gegen höhere Dosen von Tuberkulin und auch von
Bazillenemulsion erlangt haben, die spezifische Wirkung des Tuber¬
kulins auf die Haut Tuberkulöser (v. Pirquetsche Reaktion) auf¬
zuheben bezw. abzuschwächen vermag. Die Neutralisationsgrenze
scheint für verschiedene Individuen eine verschiedene zu sein.
7) J. G. Sleeswyk-Brüssel: Ueber die angebliche bakterio-
lytische Eigenschaft des Lezithins und über die Immunisierung mittels
Lezithln-Typhustoxine.
Bei Nachprüfung der Untersuchungen von Bassenge fand
Verf., dass die bakterizide Wirkung gewisser Lezithinkochsalzemul¬
sionen gegenüber Typhusbazillen nur bei saurer Reaktion stattfindet,
also nicht dem Lezithin als solchem zukommt. Das mittels solcher
Lezithinaufquellungen gewonnene Typhustoxin verursachte intra¬
peritoneal bei Meerschweinchen nach 24 Stunden nur eine lokale Im¬
munität.
8) F. Vay-Suez: Ueber die Immunisierende Wirkung von Le¬
zithinauszügen aus Pestbazillen.
1 proz. und 10 proz. Lezithinemulsionen agglutinieren Pestbazillen
nach einigen Stunden, vermindern auch ihre Färbbarkeit, vermögen
aber keine grösseren Mengen toxischer Substanzen aus ihnen frei
zu machen, die in den wässerigen Extrakt übergehen. Der immuni¬
satorische Effekt ist gering.
9) Ferdinand B1 u m e n t h a 1 - Berlin: Ueber den Nachweis und
den Gang der Ausscheidung des Atoxyls im Harn.
Bemerkungen zu dem Aufsatz von Lockemann und Paucke
in No. 34 der gleichen Zeitschrift.
10) J. J a n k o w s k i - Riga: Perforatlve Peritonitis bei einem
Ulcus Simplex des Jejunum.
Die Sektion legte den Schluss nahe, dass das Ulcus durch Zirku¬
lationsstörungen infolge von Verwachsungen des Netzes mit der Dünn¬
darmschlinge entstanden war.
11) v. Zumbusch-Wien: Neuere Fortschritte der Dermato¬
logie und Syphilislehre.
12) Wilhelm Sternberg -Berlin: Der Appetit.
Nach Ansicht des Verf. ist der Sitz des Appetits nicht der Magen,
sondern der Rachen, Appetitlosigkeit ist bedingt durch den Wider¬
stand, den der Racheneingang dem Bissen entgegensetzt.
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13) Walter P u s t - Stettin: Ueber Wundbehandlung mit Gips.
Auf die Wunde kommt zunächst Gaze und Binde, darüber Gips,
zu oberst Watte. Die Gipswatteschicht wird öfters erneuert.
14) E. Oberndürifer- Berlin: Zur Frage der Einrichtung
besonderer Verpflegungsklassen in den Berliner städtischen Kranken¬
häusern.
Ergebnisse einer grösseren Umfrage.
R. G r a sh c y - München.
Korrespondenzblatt für Schweizer Aerzte. XXXVIII. Jahr¬
gang. No. 23. 1908.
M. Walthar d-Frankfurt a. M.: Ueber die primären Ope¬
rationsresultate und die Dauererfolge nach 80 abdominalen Total¬
exstirpationen des myomatösen Uterus. (Nach einem Vortrag, ge¬
halten auf der Versammlung des medizinisch-pharmazeutischen Be¬
zirksvereins Bern, 28. IV. 08.)
Die Zusammenstellung beweist die Vortrefflichkeit der Methode
nach beiden Richtungen und ihre Durchführbarkeit bei den ver¬
schiedensten. Komplikationen. Die Gesamtmortalität beträgt nur
1,02 Proz. Keine Nachblutung, kein Ileus. Die Dauererfolge sind sehr
günstig sowohl für die Arbeitsfähigkeit als auch nach den hauptsäch¬
lich zur Operation führenden Symptomen (Blutungen, Störungen der
Harnwege, Schmerzen der Genitalorgane, psychoneurotische Erschei¬
nungen). Betreffs der letzteren kommt Veri. zu dem Schluss, dass cs
sich bei den „Ausfallserscheinungen“ in der Regel um indirekte Folgen
der Operation oder um fortgesetzte Alterationen bei psycho-neuro-
tischen Individuen handelt.
Kurt Kohl mann - Bern: Ueber den Aderlass. (Schluss.)
Der Aderlass findet neuerdings auf Grund klinischer Erfahrungen
und experimenteller Untersuchungen ein grosses Anwendungsgebiet:
besonders bei Lungenstauungen (Herzalterationen, Pneumonie, Lun¬
genödem) und Intoxikationen (Urämie und Eklampsie), aber auch bei
Stauungen im Pfortadergebiet, bei vermehrter Blutmenge, Hitz-
schlag, sogar unter Umständen bei Blutkrankheiten und zur Erzielung
von Immunisierung. Durch den Aderlass sinkt die Blutviskosität, was
hauptsächlich bei lokalen Hemmungen wichtig ist und die Diurese
anregt. Technisch empfiehlt sich Infusionsnadel und Schlauch.
v. V o o r n v e 1 d - Davos-Platz: Zur Kasuistik der Appendizitis.
Courvoisier: Dr. Th. Lotz.
Nekrolog auf den am 25. X. gestorbenen hochverdienten Physi¬
ker in Basel. P i s c h i n g e r.
Oesterreichische Literatur.
Wiener klinische Wochenschrift.
No. 51. R. Bauer -Wien lind G. Meier-Berlin: Zur Technik
und klinischen Bedeutung der Wassermann sehen Reaktion.
Schlussätze auf Grund von 381 Untersuchungen: Die Serodia¬
gnostik auf Lues mittels der Komplementbindungsmethode nach
Wassermann, Bruck und N e i s s e r ist ein zuverlässiges, wert¬
volles diagnostisches Hilfsmittel. Ausser bei Lepra kommt die Re¬
aktion nur bei luetischen Krankheiten vor. Zur Erzielung einheit¬
licher Resultate ist eine genaue Einhaltung der vom Wasser¬
mann sehen Laboratorium angegebenen Versuchsanordnung un¬
bedingt notwendig. Die Ausflockungsmethoden haben zwar hohes
wissenschaftliches Interesse, vorerst aber können sie nicht die Kom-
plementbindungsmethode ersetzen.
O. Bail und K. T s u d a - Prag: Versuche über Isolierung des
Immunkörpers aus normalem Serum.
Zahlreiche Versuche Hessen erkennen, dass man durch Behand¬
lung normalen Rinderserums mit Choleravibrioncn oder mit
Vibrionensubstanz in Gestalt von Extrakten und durch geeignete
Digestion der sensibilisierten Vibrionen und der erhaltenen Präzipitate
Flüssigkeiten mit spezifisch (wenn auch nicht absolut spezifisch) bak-
teriolytischen Eigenschaften erhält. Alles Nähere ist im Original ein¬
zusehen.
G. Singer-Wien: Ueber einen typischen romanoskoplschen
Befund.
Verf. schildert eingehend die Befunde, welche die mit Unrecht
angestrittene spastische Obstipation begleiten. Mittels der „Romano-
skopie“ lässt sich der tastbare Kolospasmus auch sichtbar machen
und oft eine schraubenförmige Einziehung des Lumens mit Wulstung
der umgebenden Schleimhaut oder eine wechselnde ringförmige Kon¬
traktion und Erschlaffung der Darmwand beobachten. Der Ver¬
schluss des Darmes ist oft so hoclrgradig, dass er auch durch Luft¬
einblasung kaum zu überwinden ist. Auch der prompte Erfolg der
antispasmodischen Behandlung spricht für das Bestehen einer Krampf-
stenose.
J. B o e s e - Wien: Ein Beitrag zur Aetiologle der akuten Appendi¬
zitis.
Fall eines 8 jährigen, an Appendizitis mit nachfolgendem sub¬
phrenischen Abszess gestorbenen Mädchens. Die bakteriologische
Untersuchung des Falles ergab im Inhalt der Appendix und im Ab¬
szesseiter Staphylokokken (ein ziemlich seltener Befund) und überein¬
stimmend damit in einer bestehenden Hautaffektion an den Fingern
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
4u
MÜENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
(Impetigo contagiosa) den bei dieser Erkrankung oft schon be¬
obachteten Staphylococcus pyogenes aureus. Es kann daher wohl
angenommen werden, dass durch wiederholte, von den Fingern
ausgehende Infektionen eine Enteritis und Appendizitis entstanden ist.
M. Re ich-Wien: Ein Fall von subkutaner Ausrelssung des
Patellarknochens.
Die Verletzung entstand bei einem Schüler durch das Turnen.
Bei Intaktbleiben des Patellarknochens und des Ligam. patell. propr.
erfolgte eine Kontinuitätstrennung des Kniestreckapparates im Bereich
des distalen Ansatzes der Patella, eine medial 2 cm und lateral 3 cm
lange Einreissung der Vastussehne. Die Patella war aus den be¬
deckenden Hüllen, dem Knorpel und dem sehnigen Ueberzug heraus¬
gerissen. Die operative Behandlung, Resektion der abgesprengten
Knorpelteile, Reposition der Patella und Naht der Risse führte zur
vollen Heilung. Irgend eine besondere anatomische Disposition für
die eigenartige Verletzung war nicht zu finden.
B e r g e a t - München.
Englische Literatur.
Walther Q. Smith: Oxalurie und Phosphaturie. f(Dublin Jour¬
nal of Med. Science, August 1908.) /
Die Arbeit ist vorwiegend chemischer Natur. Oxalurie wird mit
einer vorwiegenden Fleischdiät behandelt, sowie mit der Ver¬
abreichung grosser Mengen von Wasser, ausserdem gebe man Ma¬
gnesiumsalze. Bei der Phosphaturie sind besonders CaO-reiche
Nährungsmittel zu vermeiden, besonders also Milch und Eigelb, man
verordne Eiweiss, Fleisch, Kartoffeln und Brot; als Medikament ver¬
schreibe man Acid. citricum und saures Natriumphosphat (NaHa PO«).
Reginald Holmes: Die Ophthalmoreaktion bei Tuberkulose.
(Ibid.)
Verf. fand bei den verschiedensten Arten der Tuberkulose die
Ophthalmoreaktion als ein wertvolles, wenn auch kein unfehlbares
Hilfsmittel; man darf höchstens 1 proz. Lösungen verwenden.
George B. M’H u t c h i s o n: Die C a I m e 11 e sehe Ophthalmo¬
reaktion bei Tuberkulose. (Ibid., Juli 1908.)
Von 51 klinisch als tuberkulös diagnostizierten Fällen reagierten
43 positiv, von 35 auf Tuberkulose verdächtigen 27; von 60 klinisch
nicht tuberkulösen Fällen reagierten 6 positiv. Verf. hält die Methode
für einfach, harmlos und ziemlich sicher im Erfolg. Eine etwa ent¬
standene Konjunktivitis behandelt man mit Borwasser.
H. M. W. Pray: Vakzinebehandlung in der Chirurgie. (Edin¬
burgh Medical Journal, August 1908.)
Verf. wendet sich zuerst gegen W r i g h t und seine Schüler,
die verlangen, dass man Vakzinetherapie nur unter steter Kontrolle
des opsonischen Index treibt. Er hält diese Bestimmungen für über¬
flüssig, ja für wertlos; man hat in der genauen klinischen Beob¬
achtung den besten Massstab für die Dosierung der Vakzine. Bei
Tuberkulose wendet er l h ooo—V mo mg Tuberkulin an (T. R.) und zwar
macht er die Einspritzungen in 3—6 wöchentlichen Zwischenräumen.
Bei ungefähr 200 Tuberkulösen sah er 6 mal eine Verschlechterung
nach der Einspritzung (wobei natürlich nicht ohne weiteres feststeht,
dass dieselbe durch die Einspritzung bedingt ist). In der grossen Mehr¬
zahl der Fälle erzielte er Besserungen oder Heilungen; je früher die
Behandlung beginnt, um so sicherer der Erfolg. Bei auf Tuber¬
kulose verdächtigen Individuen (tuberkulöser Habitus), bei denen
kein Herd nachzuweisen war, brachten „prophylaktische“ Impfungen
mit T.R. oft überraschende Besserung des Allgemeinbefindens. Be¬
sonders gute Erfolge erzielt man z. B. mit der frühen Behandlung
skrofulöser Lymphdrüsenschwellungen. Während der Behandlung
muss der erkrankte Körperteil ruhig gestellt werden; nach Opera¬
tionen darf ebenfalls nicht geimpft werden. Die guten Erfolge der
Bier sehen Stauung oder der Saugbehandlung sind auf Autoinoku¬
lation zurückzuführen. Was die Behandlung anderer Krankheiten
angeht, so ist es z. B. sehr vorteilhaft vor Operationen zu inokulieren,
um schon bestehende Entzündungen zu vermindern oder um Ent¬
zündung zu verhüten. Er spritzt z. B. vor Mundoperationen bei Er¬
wachsenen 250—500 Millionen Staphylokokken und 150—250 Millionen
Streptokokken ein und zwar etwa 1 Woche vor der Operation. Er
glaubt durch 1 oder 2 derartige Impfungen septische Pneumonien
verhindern zu können. Bei allen Operationen, bei welchen infolge
von Diabetes, Altersschwäche oder sonstigen Ursachen das Auftreten
einer Infektion zu befürchten ist, wendet er prophylaktisch diese Imp¬
fungen an. ‘Bei Operationen an den Gallenwegen, dem Darm oder
am Urogenitalsystem spritzt er ausserdem noch 200 Millionen Koli-
bazillen prophylaktisch ein. Er glaubt, dass diese Impfungen vom
grössten Nutzen sind.
John Eason: Mechanische und orthostatische Purpura.
(Ibidem.)
Etwa 34 Prozent aller zur Beobachtung kommenden Fälle von
Purpura haben eine unbekannte Aetiologie. Es ist möglich, dass
Purpura eine mechanische Ursache haben kann: a) wenn die vaso¬
motorische Kontrolle der Blutzufuhr zu den Kapillaren fehlt oder
wenn sie nicht genügt um die Kapillarwand vor zu grossem Seiten¬
druck zu schützen wie bei der Bier sehen Saughyperämie z. B.
oder b) wenn der rückläufige Druck sehr hoch ist, besonders wenn
Neigung zu ungenügender vasomotorischer Kontrolle besteht. In
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einem grossen Teil der auf unbekannter ätiologischer Basis ent¬
stehenden Purpurafälle beruht die Krankheit wahrscheinlich auf me¬
chanischen Ursachen, wie Verf. in dieser Arbeit zu zeigen versucht.
Verf. fordert zu weiteren Studien über den Seitendruck in den
Kapillaren bei gesunden und kranken Individuen, in der Ruhe und in
der Tätigkeit auf, wobei man die Methode von Kries anwenden
könnte. Es unterliegt keinem Zweifel, dass diese Fälle am schnellsten
durch Bettruhe gebessert werden.
R. Cr anston Low: Herpes tonsurans und Favus. (Ibidem.)
Bei Herpes tonsurans versucht Verf. zuerst abendliches Ab¬
bürsten des kurzgeschorenen Kopfes mit Seifenspiritus und nach-
herige Applikation einer Salbe, die aus Hydrarg. praec. alb. und Sulph.
praecip. besteht. Tritt, wie so häufig, keine HeUung ein, so wird die
Röntgenbehandlung eingeleitet. Der Kopf wird.in 12 Distrikte geteilt
und jeder Distrikt wird mit einer mittelweichen Röhre (6 Zoll ent¬
fernt von der Antikatode) 20 Minuten lang bestrahlt; man braucht
dazu 2 bis 3 Sitzungen an aufeinanderfolgenden Tagen. Meist ge¬
nügt eine einmalige Bestrahlung, doch nicht immer und muss dann
nach 3 Wochen die Behandlung wiederholt werden; einzelne Fälle
werden 4 mal bestrahlt. Die Haare fallen meist nach 3 Wochen aus
und wachsen nach 6—8 Wochen wieder. Verfährt man vorsichtig
und bestrahlt nicht länger als 20 Minuten, hat man keine Alopezie
zu fürchten. Viel schwieriger und unsicherer im Erfolg ist die Be¬
handlung des Favus; hier muss man häufiger bestrahlen, durchschnitt¬
lich dauert die Behandlungszeit bis zur Heilung 11 Monate; leider
brechen die Eltern der Kinder meist die Behandlung zu früh ab. Die
Kinder bleiben ungeheilt, können die Schule nicht besuchen und
bleiben deshalb ohne jede Erziehung.
A. N. M. Gregor: Extremitätengangrän nach Pneumonie.
(Glasgow Medical Journal, August 1908.)
Verf. bespricht genau die Entstehung dieser sehr seltenen Kom¬
plikation und gibt die Krankengeschichten von 2 Fällen, die in der
Glasgow Royal Infirmary beobachtet wurden. Gute Literatur¬
übersicht.
Alex MacLennan: Experimentelle Untersuchungen über die
Funktion der Thymus. (Ibidem.)
Die Thymus ist wahrscheinlich eine Lymphdrüse, doch gehört
sie zu den wichtigen Drüsen, deren innere Sekretion die verschie¬
denen Funktionen des Körpers regulieren. Die Drüse ist eine akzes¬
sorische, d. h. ihre Funktion kann durch andere Drüsen übernommen
werden. Gleichzeitige Entfernung der Milz und der Thymus endet
stets im Tode des Versuchstieres. Entfernung der Thymus führt nicht
zu Vermehrung adenoiden Gewebes an anderen Körperteilen. Die
Funktion der Drüse ist temporär, sie atrophiert mit zunehmendem
Wachstum nach der Pubertät beim Menschen; es gibt aber Fälle von
kongenitalem Mangel der Drüse. Die Thymus und die Thyreoidea
hängen entwicklungsgeschichtlich, anatomisch und physiologisch eng
zusammen. Zuweilen ist die Thymus beim Menschen fest mit der
Schilddrüse verwachsen resp. sie bilden ein zusammenhängendes
Organ. Experimente haben gezeigt, dass nach Entfernung der
Schilddrüse die Thymus für den Organismus überflüssig ist; nach Ent¬
fernung der Thymus genügt ein geringer Rest der Schilddrüse. Man
findet bei gewissen Fällen von Morbus Basedowii, dass Operationen
an der Schilddrüse von sofortigem Tode gefolgt sind, in diesen Fällen
findet man bei der Sektion eine vergrösserte Thymus. Eine ver-
grösserte Thymus kann den Tod bei dem sog. Status lymphaticus
verursachen und nach Entfernung der Thyreoidea gibt die ver¬
grösserte Thymus Anlass zu denselben Bedingungen, die den sog.
Thymustod verursachen. Der Verf. empfiehlt deshalb in Fällen von
Basedow, bei denen man die Schilddrüse entfernen will, zuerst die
Thymus freizulegen und sie prophylaktisch zu entfernen, wenn sie
vergrössert ist. Bei Laryngismus stridulus gibt die Entfernung der
Thymus gute Erfolge, und zwar handelt es sich dabei nicht um die
Entfernung eines mechanischen Hindernisses, sondern um die Be¬
seitigung der inneren Sekretion der Thymus. Bei Kretins sollte man
ebenfalls die Thymus entfernen, da dadurch die zum normalen Leben
notwendige Menge von Schilddrüsensaft geringer gemacht wird. Vor
Narkosen sollte man alle Kinder auf ihre Thymus untersuchen, findet
man eine (bei der Exspiration besonders bemerkbare) Vorwölbung
in der Inzisura sterni und besteht dabei Husten, so sei man äusserst
vorsichtig mit der Narkose.
Ch. Green Cumston: Der dyspeptische Typus der Appendi¬
zitis. (Birmingham Med. Review, Juli 1908.)
Verf. glaubt, dass zahlreiche Fälle von chronischer Appendizitis
unter dem Bilde der chronischen Dyspepsie verlaufen und Jahre lang
als solche behandelt werden. Es besteht Appetitmangel und Ab¬
neigung gegen die Nahrung, vor allem gegen Fleisch. Zwingen die
Kranken sich zum Essen, so tritt schmerzhafte Diarrhöe auf. Der¬
artige Patienten leben oft nur von Milch und Eiern. Man findet
Schmerzen im Epigastrium und Druckempfindlichkeit über dem
McBu rney sehen Punkt, zuweilen besteht hier auch eine fühlbare
Verdickung, die dem Appendix entspricht. Solche Kranke sind nur
durch die Entfernung des Wurms zu heilen.
John T. Hewetson: Die Gefahren und die Behandlung der
Schwangerschaft bei Myom. (Ibid., August 1908.)
Verf. rät mit Operationen zu warten, bis das Kind lebensfähig
ist, die Frau aber ständig unter Aufsicht zu haben. Wird eine Opera-
Qriginal fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909.
41
MUENCI^SEJ^EDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
tion schon frühzeitig unabweisbar, so gehe man so Konservativ als
möglich vor, da selbst bei multiplen Myomen die konservative Ent¬
fernung der Tumoren allein die Schwangerschaft nicht notwendiger¬
weise unterbricht. Im späten Stadium mache man den Kaiserschnitt
und entferne den Uterus supravaginal, diese Operation gibt bessere
Erfolge als die Panhysterektomie.
J. Lloyd Roberts: Perlcolitis slntstra. (Liverpool Medico-
Chirurg. Journal, Juli 1908.)
Verf. beschreibt diese noch wenig beachtete Krankheit genau.
Sie ist das Qegenstück zur Perityphlitis auf der rechten Seite. Man
hat über der Häufigkeit der Appendizitis vielfach vergessen, dass
es auch eine Perityphlitis gibt und dass eine analoge Affektion in der
Flexura sigmoidea nicht selten ist. Verf. bespricht nur die Fälle, in
denen die Entzündung der Darmwand von innen nach aussen fort¬
schreitet. Die Entzündung ist manchmal eine sehr leichte, in anderen
Fällen kommt es zu starker Verdickung der Darmwand, zu Ver¬
wachsungen mit umliegenden Geweben, zur Bildung von Abszessen
und zur allgemeinen Peritonitis mit oder ohne vorhergegangene
Perforation des Darmes. Diese Kranken haben alle lange an Kon¬
stipation gelitten, ihr Stuhl ist hart, aus kleinen Ballen bestehend
und oft mit Schleim bedeckt. Sie klagen über Schmerzen in der lin¬
ken Seite, die beim Liegen auf der Seite schlimmer werden. Man
fühlt gewöhnlich die Flexur und das Colon descendens verdickt und
tixiert. Die Kranken sehen schlecht aus, klagen über Appetitmangel,
gelegentlich Uebelkeit, Kopfschmerzen und häufig über Puls¬
beschleunigung und geistige Depression. Selbst nach völliger Ent¬
leerung des Dickdarms fühlt man die Flexur, und zwar entweder als
einen harten Zylinder, der einen kleineren Durchmesser als ein nor¬
males Kolon zu haben scheint, oder als ein verdicktes flaches Band.
Im ersteren Falle handelt es sich um die spastische, im letzteren um
die atonische Form der Kolitis. In den meisten dieser Fälle findet
man anatomisch ein abnorm kurzes Mesenterium, was vielleicht zu
Knickung des Darms und nachfolgender Verstopfung führt. Verf.
sah 9 Fälle, davon 6 zwischen dem 21. und 26. Lebensjahr. Die Be¬
handlung der Frühfälle besteht in täglich gemachten hohen Einläufen
unter gleichzeitiger Verabfolgung von milden Abführmitteln. Ist der
Darm gründlich entleert, so beginnt man mit grossen Darmspülungen
mit schwachen Lösungen von Kal. permang.. Borsäure oder Argy-
den atonischen Fällen sind oft operative Eingriffe nötig. Diese
Behandlung ist besonders erfolgreich bei der spastischen Form; bei
den atonistischen Fällen sind oft operative Eingriffe nötig. Diese
können bestehen in Lösungen von Adhäsionen oder auch in Resektion
des erkrankten Darmstückes. Hat sich bereits eine starke An¬
schwellung gebildet, so liegt die Verwechslung mit malignen Tu¬
moren nahe und diese Fehldiagnose ist sicherlich oft gemacht wor¬
den. Solche Schwellungen verschwinden oft unter Diät, Bettruhe
und Einreibungen von grauer Salbe. Bei 2 Fällen des Verf.s kam es
zur Abszessbildung, hier muss natürlich inzidiert werden. Ebenso
sind aile Fälle von Tumorbildung zu Iaparotomieren, die nicht bald
besser werden.
A. C. Ransome: Die Behandlung der Colitis mucosa. (Ibid.)
Verf. bespricht die verschiedenen Behandlungsmethoden der
Colitis mucosa und gibt den Vorzug der v. Noorden sehen Diät
und Massage (grosse Mengen schwer verdaulicher, stark zellulose-
reicher Nahrung). Diese Behandlung muss aber in der Klinik durch¬
geführt werden. Ist dies nicht möglich, so kann man den Kranken
nach Plombifcres schicken, wo er mit äusserst voluminösen Darm¬
spülungen und Massage behandelt wird. Dies ist aber weniger er¬
folgreich.
A. Gordon G u 11 a n : Zur Behandlung des Morbus Basedowil.
(Ibid.)
Verf. hat seit 1905 14 Fälle mit Rodagen oder Thyreoidektin
(aus dem Blute thyreoidektomierter Tiere bereitetes Pulver) be¬
handelt und gibt kurze Krankengeschichten aller Fälle. Er ist mit
den Erfolgen der Behandlung sehr zufrieden und glaubt, dass Miss¬
erfolge hauptsächlich auf zu geringe Dosierung zurückzuführen sind.
C. Thurstan Holland: Die Röntgenbehandlung des Morbus
Basedowil. (Ibid.)
Verf. hat die Bestrahlung bei 20 Fällen versucht und glaubt zu¬
weilen sehr gute Erfolge erzielt zu haben. Leider kommen die
meisten Fälle viel zu spät zur Behandlung; Frühfälle sind aber sicher
sehr geeignet für die Röntgenbehandlung.
George A. Grace-Calvert: Zur Behandlung der Hämoptoö.
(Ibid.)
Verf. hält für das beste Mittel bei Hämoptoe das Amylnitrit,
das er in Ampuillen mit sich trägt, die 3 Tropfen enthalten. Die
Hämoptoe wird gewöhnlich sofort nach der Einatmung gestillt. Ist
der Kranke sehr aufgeregt, so kann man nachher noch Morphium
subkutan geben. Man muss nur dem Kranken vor der Einatmung
sagen, dass er wahrscheinlich ein schweres Gefühl im Kopf spüren
wird, Verf. selbst hat 23 Fälle mit bestem Erfolg behandelt und
ausserdem weitere 170 aus der Literatur gesammelt. 3 bis 6 Tropfen
genügen, grössere Dosen sind überflüssig. Das Mittel sollte an erster
Stelle bei allen schweren Blutungen versucht werden.
G. Lissant Cox: Zur Diagnose des perforierten Magengeschwürs.
(Ibid.)
Verf. legt grosses Gewicht auf die Anamnese mit der Geschichte
yorhergegangener Ulcussymptome. Die Perforatoi n erfolgt fast
immer plötzlich während der Arbeit. Der Initialschmerz ist sehr
heftig, von einmaligem Erbrechen und Kollaps gefolgt. Der Kranke
sieht schwer krank aus, ist blass, hat einen rapiden, kleinen Puls
und subnormale Temperatur. Die Schmerzen liegen im Epigastrium
resp. in der oberen Hälfte des Abdomens; hier besteht Rigidität, ex¬
treme Härte der Bauchwand und grosse Druckempfindlichkeit, nach
einiger Zeit treten Symptome von freier Flüssigkeit in der Bauch¬
höhle auf und die Leberdämpfung verschwindet.
W. Thilwall Thomas: Die Diagnose und Behandlung der
Nieren- und Uretersteine. (Ibid.)
Seit Vervollkommung der Röntgentechnik ist es gelungen, bedeu¬
tend früher diese Steine zu erkennen und sie zu entfernen, ehe sie
zu Pyelitis oder Hämaturie geführt haben. Verf. hat in den letzten
Jahren 33 Fälle operiert, 1 Fall starb an Pneumonie, bei 3 Fällen
musste die Niere sofort entfernt werden, bei 1 eine Woche später
wegen starker Blutung; bei 2 Kranken mussten die Nieren nach län¬
gerer Zeit wegen schwerer Veränderungen noch entfernt werden.
Tiefsitzende Uretersteine bei der Frau werden von der Vagina, beim
Mann vom Damm aus entfernt. Manchmal muss man beim Mann
gleichzeitig die Bauchhöhle öffnen, um den Stein nach abwärts zu
drängen, da man ihn sonst nicht vom Damme aus erreichen kann.
G. P. N e w b o 11: Die Chirurgie des Leberechinokokkus. (Ibid.)
Verf. legt die Zyste frei und tamponiert beim Fehlen von Ver¬
wachsungen die Bauchhöhle gut ab. Dann aspiriert er den Inhalt.
Nach teilweiser Entleerung zieht er die Zyste vor die Wunde, in¬
zidiert sie und entfernt die Tochterzysten. Die Ränder der Zysten¬
wand werden unter allmählicher Entfernung der Tamponade an die
Bauchwunde genäht: dann wird die Zyste leicht tamponiert. Bei
sehr tiefliegenden Zysten tamponiert er rund herum, inzidiert, er¬
weitert die Oeffnung mit der Kornzange und führt eine Drainageröhre
ein. Die Heilung ist langsam, aber sicher, während die Enukleation
der Zysten eine beträchtliche Mortalität aufweist.
T. G. B u s h n e 11: Die Verwandtschaft zwischen Blutkrank¬
helten und Sarkom. (Ibid.)
Verf. gibt einige Krankengeschichten, aus denen er zu beweisen
sucht, dass die Drüsenvergrösserungen und die viszeralen Ablage¬
rungen bei Leukämie nahe mit dem Lymphosarkom verwandt sind
und dass Pseudoleukämie und Lymphadenom den Charakter der bös¬
artigen Neubildungen zeigen. Bei der Leukämie hat man die Lympho¬
zyten als Elemente von malignem Charakter zu betrachten. Beim
Sarkom der Lymphdriisen und bei Sarkomatosis kann das Blut be¬
stimmte und charakteristische Veränderungen in den Leukozyten
zeigen. Zwischen Leukämie und Sarkom ist keine feste Grenze zu
ziehen.
Owen T. Williams: Die Aetiologie der Appendizitis. (Ibid.)
Unter gewissen pathologischen Umständen bilden sich im Darm
Kalziumseifen, die, wenn sie im Ueberschuss gebildet werden, zur
Entstehung von Darmsand führen und Darmkoliken verursachen. Zu¬
weilen kommt es dabei auch zur Entstehung einer Colitis mucosa.
Dieselben Veränderungen können auch im Wurmfortsatz vor sich
gehen, nur sind sie hier gefährlicher, da die neugebildeten Körper
weniger leicht ausgeschieden werden können; es kommt dadurch zur
Appendizitis. Die Ursache dieser pathologischen Veränderungen ist
wahrscheinlich ein Ueberschuss von gesättigten Fetten in der Nah¬
rung, der zur Bildung von überfetteten Kalziumseifen in der Mukosa
und Submukosa führt. Diese überfetteten Seifen sind viel schwieri¬
ger resorbierbar und bleiben als Fremdkörper im Darmlumen liegen.
A. Nimmo Walker: Die Behandlung der Ophthalmia neona¬
torum. (Ibid.)
Neben freier Drainage und häufiger, gründlicher Auswaschung
des Eiters legt Verf. grosses Gewicht auf frühzeitige Operation. So¬
bald die Kornea beginnt trüb zu werden oder zu ulzerieren beginnt,
führt er die Kerotomie aus. Ein zweischneidiges, schmales Messer
wird an der Grenze zwischen Sklera und Kornea eingestochen, bis
die Spitze in der vorderen Kammer erscheint. Diese .Punktionen
macht er rund um die Hornhaut, und zwar darf bei schweren Fällen
die Brücke, die zwischen den einzelnen Stichöffnungen stehen bleibt,
nicht breiter sein, als die Stichöffnung selbst; in leichteren Fällen
kann sie zwei- oder dreimal so breit sein. Bei vorsichtig ausgeführ¬
ter Operation fliesst kein Kammerwasser ab, die vordere Kammer
bleibt völlig erhalten, die Kornea hellt sich sehr rasch auf. Stets
sehe man darauf, dass der Kräftezustand des Kindes erhalten bleibt,
am besten stillt die Mutter das Kind.
L. B. Rawling: Die Behandlung des Leistenhodens. (Prac-
titioner, August 1908.)
Verf. konnte 120 Fälle von Kryptorchismus nachuntersuchen, die
während der letzten 5 Jahre im Bartholomews Hospital in London
zur Beobachtung kamen. Die Affektion betraf 63 mal die rechte,
50 mal die linke und 7 mal beide Seiten. In 30 Fällen kamen die Kran¬
ken zum Arzt wegen chronischer oder häufig rezidivierender Schmer¬
zen, in 9 Fällen bestanden mehr oder weniger heftige Torsions¬
erscheinungen. In mehr als 75 Proz. der Fälle bestand gleichzeitig
eine Hernie. 100 Fälle wurden operiert. Bei 29 Fällen, die nach
längerer Zeit nachuntersucht wurden, fand man nur 4 mal den bei
der Operation ins Skrotum verlagerten Hoden noch dort, in allen
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
42
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
übrigen Fällen war er wieder hinaufgerutscht. Verf. ist ein Gegner
der Methode, bei der der Hoden nach Operation der Hernie in die
Bauchhöhle verlagert wird, da ein solcher Hoden kein Sperma mehr
produziert. Er empfiehlt bei einseitigem Kryptorchismus bis zum
7. Jahre abzuwarten. Ist der Hoden dann nicht herabgestiegen, so
operiere man. Man legt das Organ in ganzer Ausdehnung gut frei,
verschliesst dann den Processus vaginalis und versucht nun, den
Hoden ins Skrotum zu verlagern. Bietet dies Schwierigkeiten dar,
so entferne mail den Hoden. Bei doppelseitigem Krvntorchismus
operiert er ebenfalls nach dem 7. Lebensjahre. Kr beseiVrt die Her¬
nien und versucht dann die Hoden in das Skrotum einzuimhcn. Ge¬
lingt dies nicht leicht, so lässt er sie im Leistenkanal. Kin solcher
Kranker hat leidlichq Chancen sich fortzupflanzen, wenn er sich früh¬
zeitig verheiratet.
A. Knyvett G o r d o n: Zur Behandlung und Prophylaxe des
Typhus. (Ibid.)
Verf. gibt Typhuskranken in den 24 Stunden 54 Tropfen des
medizinischen Izalöls: Das Mittel wird gut vertragen und auch für
längere Zeit nicht ungern genommen. Ks beeinträchtigt in keiner
Weise den Appetit, vermehrt nicht die Peristaltik, sondern beseitigt
gewöhnlich schon bestehende Diarrhöen. Es wirkt diaphoretisch und
diuretisch. hilft also, die Toxine auszuscheiden. Sind im Urin Bazillen
der Koli-Typhus-Gruppe vorhanden, so verschwinden sie gewöhnlich
bald nachdem man Izal gibt und kommen auch nicht wieder, wenn
das Mittel längere Zeit genommen wurde. Die Mortalität wird bei
Izalgebrauch verringert, und ganz besonders, wenn das Mittel von
Anfang an genommen wurde. Sehr wichtig ist auch die Desinfizierung
des Urins, da dadurch die Weiterverbreitung stark verhindert wird.
Man gibt eine Emulsion von Izal in Mucilago Tragacanthi (3 Tropfen
Oel auf 30,0 Emulsion); hiervon gibt man 4 Esslöffel zweistündlich am
Tage und vierstündlich nachts; nach jeder Dose wird Wasser ge¬
trunken.
(Schluss folgt.)
Inauguraldissertationen *).
Tai-ichiro Ishihara: Zur Aetiologie der Tabes dor¬
sal i s. Eine statistische Studie. München 1908. 36 Seiten. Ishi¬
hara hat am neurologischen Institut in Osaka 141 Tabeskranke
— 128 Männer und 13 Frauen — behandelt, davon sollen 129 (91,5
Proz.) Syphilis iiberstanden haben. Verf. weist darauf hin. dass die
Syphilis, wenigstens in Japan, die wichtigste Ursache der Tabes ab¬
gibt. Bei Dementia paralytica hat er in 59 Proz. aller Fälle Syphilis
in der Anamnese gefunden; in mehreren Fällen hat sich Tabes im
Verlaufe der Dementia paralytica entwickelt, das umgekehrte Ver¬
halten wurde sehr selten beobachtet. Die Zeit, welche zwischen
syphilitischer Infektion und Beginn der Tabes liegt, ist nach den
vorliegenden Ergebnissen etwas länger als gewöhnlich angegeben
wird, indem die kürzeste 4Va und die längste 29 Jahre betrug. 15
bis 20 Jahre nach der syphilitischen Infektion kommen die meisten
Tabesfälle zum Vorschein; dementsprechend fällt das prädisponierte
Alter in die Zeit vom 40.—50. Jahr. Verf. hat die Tabes dorsalis
in den höheren Ständen und bei Städtern häufiger angetroffen als in
niederen Volksschichten und bei Dorfbewohnern. 74 Proz. seiner
Fälle betrafen Kaufleute, 10 Proz. Landleute. Bei Frauen wird in
Japan Tabes mehr in höheren, Dementia dagegen mehr in niederen
Ständen angetroffen. Fritz L o e b.
Franz Kaulbach:ZurFragederPscudodiphtherie-
b a z i 11 e n. Leipzig 1908. 40 Seiten.
Zur Frage der Pseudodiphtherie lässt sich gegenwärtig folgendes
sagen: 1. Diphtherie- und Pseudodiphtheriebazillen sind bisher in man¬
chen Fällen weder durch die Kultur, noch durch den Tierversuch
genügend sicher zu trennen. Dies gelingt aber stets durch ihr
spezifisches Verhalten gegenüber den gegen sie gebildeten Anti¬
körpern. In dieser Hinsicht lässt sich die Agglutination für die Praxis
diagnostisch verwerten bei Benutzung eines entsprechenden hoch¬
wertigen Serums. 3. Dieses spezifische Verhalten zeigt einwandfrei,
dass es sich um zwei verschiedene Arten handelt. 4. Es scheint, als
ob diese Verschiedenheit sich auch im Verhalten auf Traubenzucker¬
nährböden zeigt, was jedoch erst noch weiter zu prüfen ist. Es
wäre das sehr willkommen zur Klarstellung vereinzelter unsicherer
Fälle, namentlich so lange es ein Agglutinationstrockenserum für Diph¬
therie im Handel noch nicht gibt. 5. Im Uebrigen reicht jedoch für
die ausserordentlich überwiegende Mehrzahl der Fälle die heute üb¬
liche Art der Untersuchung (Löfflerplatte, Neisserfärbung) zur sicheren
Diagnose völlig aus. Fritz Loeb.
) Zusendung von Dissertationen an die Adresse der Redaktion.
München, Arnulfstrasse 26, erbeten. Besprechung Vorbehalten.
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Vereins- und Kongressberichte.
Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden.
(Offizielles Protokoll.)
III. Sitzung vom 17. Oktober 1908.
Vorsitzender: Herr S c h m o r 1.
Herr Bergmann (als Gast): Demonstration der Wasser-
mann-Nelsser-Brucksehen serologischen Untersuchung bei
Lues.
Herr Galewsky: Demonstration: a) Hydrca vaccinilcrczc.
b) Epidermolysis bullosa hereditaria.
Herr Galewsky: Ueber die Bedeutung der serologischen
Untersuchungsmethode für die Pathologie und Therapie der Syphilis.
Galewsky bespricht einleitend die grossen Fortschritte, die
die Luesdiagnostik durch die Entdeckung der Spirochaete pallida
gemacht hat und die sie von der Ausarbeitung der Wassermann-
Neisser-Bruck sehen Methode zu erwarten hat. Der Vor¬
tragende berichtet eingehend über die Art der Reaktion die Spezi-
fizität derselben und den Wert der Probe fiir die Pathologie und
Therapie der Lues. Er erwähnt insbesondere an der Hand seiner
untersuchten Fälle die Wichtigkeit der Probe für die Ammenunter¬
suchungen, für Mutter und Kind, für einzelne innere luetische Erkran¬
kungen (luetische Nephritis, beginnende Tabes etc.) und bespricht ein¬
gehend die Wichtigkeit der Probe für bestimmte Untersuchungen auf
den Grenzgebieten zwischen Lues und anderen Krankheiten (Iritis.
Keratitis, Karzinom etc.). Vortragender hält zum Schlüsse die W a s-
sermann-Neisser-Bruck sehe Probe für spezifisch für Lues;
er steht auf dem Standpunkt, dass die positive Reaktion nur eine kon¬
stitutionelle, aber keine Organdiagnose ist, glaubt, dass der negative
Befund nichts besage, und dass im allgemeinen serologischer Befund.
Spirochätenuntersuchung (wo möglich) und vor allem der klinische
Befund Hand in Hand gehen müssten, und von Fall zu Fall zu ent¬
scheiden hätten.
Diskussion: Herr R o s t o s k i weist darauf hin, dass bei
Tabes, progressiver Paralyse und Syphilis des Zentralnervensystems
der Liquor cerebrospinalis noch positives Resultat gebe, wenn die
Reaktion im Serum undeutlich oder negativ sei. Allerdings verfüge er
auch über einige Beobachtungen von negativem Resultat mit dem
Liquor von Syphilis des Zentralnervensystems.
Herr Rietschel: Die Probe ist für die Ammenuntersuchung
sehr wichtig, sie ist deshalb im Dresdener Säuglingsheim eingeführt
worden. Er berichtet über einen Fall, in dem die klinisch gesunde
Amme das gestillte Kind infizierte. Auch betr. des C o 11 e s sehen Ge¬
setzes hat die Probe Bedeutung: Bewiesen ist noch nicht, dass die
Mutter erkrankt ist, wenn das Kind Symptome zeigt. Bei einem
7 jährigen Knaben mit progressiver Paralyse fiel die Probe positiv aus
trotz Fehlens aller klinischen und anamnestischen Symptome.
Herr Wert her: Für die Verwendung der Reaktion in der
Praxis kann nicht genug betont werden, dass der negative Ausfall
keinerlei diagnostische Schlüsse erlaubt.
Bei dem positiven Ausfall ist stets zu bedenken, dass die Kom¬
plementbindung nicht anzeigt, dass der Serumgeber noch Spiro¬
chäten hat, sondern nur, dass er noch Antikörper hat. Mit anderen
Worten: nicht, dass er auf jeden Fall noch Syphilis hat und noch
nicht geheilt ist, sondern nur: dass er einmal infiziert gewesen ist.
Bei der Verwertung für die Therapie ist in jedem Falle die gleich¬
zeitige Berücksichtigung des ganzen klinischen Bildes unerlässlich.
Herr Stegmann: Bei Tabes werden stets einige Fälle von
negativer Reaktion bleiben, also Lues muss nicht vorausgegangen
sein. Betreffs der spezifischen Behandlung ist zu sagen, dass Tabiker
mit positiver Reaktion mit Hg behandelt werden sollen; bei Paralyse
wird nach wie vor Hg zu vermeiden sein, weil es hier doch öfters
den Verlauf beschleunigt hat.
Herr Bergmann: Bei Paralyse ist der positive Ausfall häu¬
figer als bei Tabes.
Herr Schlimpert hat nach Vakzination bei einem sicher
Nichtsyphilitischen positive Reaktion gefunden: also ist der Vakzine¬
erreger -vielleicht dem Syphiliserreger verwandt.
Herr Oppe: Solange positive Reaktionen ohne Syphilis Vor¬
kommen, ist die Methode gerichtlich unbrauchbar.
Herr Schmorl fragt, ob Kontrolluntersuchungen bei Rekurrens
gemacht worden sind. Manchmal dringen Spirochäten aus der Mund¬
höhle in den Organismus ein, was vielleicht positive Reaktion er¬
geben kann. Die Reaktion ist auch für die pathologisch-anatomische
Diagnose von Wichtigkeit.
Herr Rietschel betont nochmals die Wichtigkeit der Methode,
deren Wert auch nicht durch einige positive Ergebnisse bei an¬
geblich nicht vorhandener Lues geschmälert würde. Hier sind viel¬
leicht neben falschen Diagnosen, Versuchsfehler, Verunreinigungen
des Serums, Bakterienwirkungen etc. anzuschuldigen. Ihre Anwen¬
dung in der Gerichtspraxis wird sich erst im Laufe der Jahre heraus-
stellen.
Herr Galewsky hält daran fest, dass die Methode eindeutig
und einwandsfrei ist. Ueber Rekurrens und andere Spirochäten liegen
noch keine Untersuchungen vor. Die Untersuchung ist z. B. auch
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5. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
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wichtig bei der Frage der Hg-Behandlung von luetischen Nephritikern.
Die Ammenuntersuchung wird doch durch die Probe auf festere Füsse
gestellt. Er wünscht für Dresden eine offizielle Stelle, wo die Probe
zuverlässig ausgeführt werden kann.
Herr R o s t o s k i glaubt, dass die Frage noch nicht entschieden
ist, ob das Serum von Leprakranken eine Wassermannsche
Reaktion gibt oder nicht.
Herr Galewsky: Diese Untersuchungen sind noch unge¬
nügend.
Herr Schmor 1 hat im Sinne des Wunsches von Herrn Ga¬
lewsky schon einen Antrag an den Stadtrat gestellt.
Herr Rostoski und Herr R i e t s c h e 1 teilen mit, dass auf
der II. inneren Abteilung des Friedrichstädter Krankenhauses und
im Säuglingsheim die Probe ausgeführt wird.
Aerztlicher Verein in Frankfurt a. M.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 21. September 1908.
Herr Goldschmid: Demonstrationen aus dem pathologischen
Institut.
1. Gallertkarzinom der Gallenblase mit der Serosa des Colon
transversum verwachsen. Cholelithiasis. Lebermetastasen. Meta¬
stasen in einem Ast der Vena portae. 53 jährige Frau.
2. Käsige Tuberkulose des Uterus, der Vagina und der Adnexe.
Alte Lungentuberkulose. Näheres wegen der nur zum Teil gestatteten
Sektion nicht bekannt. Darmtuberkulose. 61 jährige Frau.
3. Miliartuberkulose, ausgehend von Intimatuberkel einer Vena
suprarenalis bei käsiger Tuberkulose der Nebennieren. Wandständige
Thromben der linken Herzkammer. 48 jähriger Lehrer.
4. Zerfallendes Carcinoma colli uteri. ßlasenscheidenfistei.
Membranöse Zystitis. Aufsteigende Pyelonephritis. Nierenabszesse.
44 jährige Frau.
5. Pyelonephritis und membranöse, eitrige Zystitis bei Tabes dor-
salis eines 72 jährigen Mannes. Im gleichen Fall beginnende arterio¬
sklerotische Atrophie der Nieren.
Zum Vergleich eine typische glatte und eine granulierte genuine
Schrumpfniere.
6. Beiderseitige Zystennieren eines 49 jährigen Schlossers. (Kli¬
nisch Stauungsnephritis.) Mesaortitis ascendens luetica. Multiple
Embolien, ausgehend von Thrombose beider Femoralarterien. Fett¬
herz mit wandständigen Thromben. Aortenweite an den Klappen 9,5,
an der Teilungsstelle 4,5 cm. Erörterung über die Theorien der
Genese der Zystenniere.
7. Dilatiertes verfettetes Herz, bei Meningitis eines 30 jährigen
Mannes.
Naturhistorisch-Medizinischer Verein zu Heidelberg.
(Medizinische Abteilung.)
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 3. November 1908.
Herr Bett mann: Krankendemonstrationen. Mycosis fungoi-
des. Sekundäre Hautsarkomatose. Pemphigus.
Diskussion: Herren Krehl, Menge, Völcker, Jor¬
dan, B e 11 m a n n.
Herr Völcker: Ueber Pyonephrose.
Der Vortragende zeigt ein ausserordentlich grosses Exemplar
einer Pyonephrose vor, deren Exstirpation ihm mit Erfolg gelungen
ist. Es handelte sich um die rechte Niere eines 59 jährigen Mannes,
welcher in einen Eitersack von 30 X 22 X 18 cm Ausdehnung um¬
gewandelt war, und bespricht im Anschluss daran das Thema der
Pyonephrose im allgemeinen. Zunächst betont er, dass das Wort
Pyonephrose nicht glücklich gewählt ist, indem Erkrankungen dar¬
unter zusammengefasst werden, welche genetisch nicht gleich¬
bedeutend sind, indem eine eitrige Infektion entweder in einer bis
dahin gesunden oder in einer schon hydronephrotischen Niere Platz
greift. In dem ersten Falle sind die schliesslichen Veränderungen
nur auf den Eiterungsprozess, im letzteren zum guten Teil auf die vor¬
ausgegangene aseptische Dilatation zurückzuführen. Israel schlug
vor, die letzteren als falsche Pyonephrosen und die ersteren als
echte Pyonephrosen zu bezeichnen. Küster schlägt vor, man
solle den Nierenabszess, das Empyem des Nierenbeckens und die
vereiterte Hydronephrose unterscheiden, und A 1 b a r r a n möchte
am liebsten den Namen Hydronephrose fallen lassen und statt dessen
Uronephrosen, Uropyonephrosen und Pyonephrosen auseinander¬
halten. Die echte Pyonephrose ist meistens das Endstadium einer
infektiösen Pyelonephritis, an welcher sich häufig mehrere Bakterien¬
arten beteiligen, wahrscheinlich ausser den bekannten ab und zu
auch anaerobe, deren Kenntnis noch sehr gering ist. Während die
Tuberkulose und die Staphylokokkeninfektion der Niere, auch ab und
zu andere diffuse bakterielle Entzündungen der Niere auf hämato¬
genem Wege zustande kommen, entsteht die akute Pyelonephritis
meist auf aszendierendem Wege. Ein Typus dieser Fälle ist die
Pyelonephritis der Graviden, welche man in allen Stadien und in
allen Heftigkeitsgraden zu Gesicht bekommt, und welche auch einen
verschiedenen Ausgang nimmt, zum Teil spontan ausheilt, zum Teil
schwere lebensbedrohende Komplikationen macht. Bei Männern fin¬
det man ähnliche Formen, seltener ab und zu bei instrumenteilen In¬
fektionen bei gleichzeitig bestehenden Hindernissen, z. B. Prostata¬
hypertrophie, ab und zu auch nach Blasenoperationen. Man fragt
sich natürlich nach den Gründen, warum das Eindringen von Ent¬
zündungserregern in die Harnröhre manchmal nur eine Bakteriurie
fast ohne Abscheidung von Eiterzellen, ein andermal eine eitrig
Zystitis und manchmal diese schweren Formen der Pyelonephritis
hervorruft. Dabei mögen viele Gründe mitspielen, welche wir nicht
kennen, welche in der speziellen Widerstandsfähigkeit der Nieren,
in der Virulenz der Entzündungserreger, in der Intaktheit des musku¬
lösen Apparates und der Intaktheit der Blutzirkulation begründet
sind. Zum Teil spielen aber Abflusshindernisse mechanischer Art
eine grosse Rolle, wie z. B. der Druck des schwangeren Uterus usw.
Auch eine schlaffe Sekretion der Nieren mag vielleicht disponierend
sein für aszendierende Infektionen irgendwelcher Art. Vortr. hatte
oft Gelegenheit bei Patienten mit allgemeiner Erschlaffung des Unter¬
leibes mittels Chromozystoskopie die träge Funktion der Nieren zu
beobachten. Auch Erschlaffungszustände der Blase mit mangelhafter
Entleerung, ferner Prolaps der äusseren Teile, wobei der Blasen¬
boden und der unterste Abschnitt der Ureteren mit herabgezerrt wird,
mag begünstigend wirken. Der Vortr. konnte mehrfach bei zysto-
skopischen Untersuchungen sehen, dass bei solchen deszendierten
Blasen die Uretermündungen dauernd offen stehen, und einigemale
konnte er auch sehen, wie kleine Brockel, welche in der etwas trü¬
ben Blasenfüllungsflüssigkeit herumschwammen, bei Atembewegungen
in die Ureteröffnungen hineinaspiriert wurden. Bei Männern ist cs be¬
sonders die chronische Gonorrhöe und die chronische Prostatitis,
welche eine dauernde Anwesenheit von Entzündungserregern im
Harntrakt vermitteln und die Gelegenheit zu aszendierenden Pro¬
zessen schaffen. Auch Nierensteine führen gelegentlich zu echten
Pyonephrosen, aber im ganzen ist das nicht sehr häufig. Bekannt
sind auch die sekundären Steinbildungen in pyonephrotischen Nieren.
Im Gegensatz zu den echten Pyonephrosen stehen die falschen,
die Uropyonephrosen oder eitrigen Sacknieren. Sie entstehen aus
schon vorher dilatierten Nieren, durch sekundäre Einwanderung von
Infektionserregern, also aus Hydronephrosen. Für die Entstehung
einer Hydronephrose ist im allgemeinen ein inkompletes Hindernis für
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44
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
den Urinabfluss anzunehmen, entweder angeborenes Hindernis, wie
z. B. Duplizität der Ureteren, anormale Mündung, anormale Länge,
anormale Blutgefässe, anormale Einmündung, Klappenbildung, Im¬
perforation, oder erworbene Hindernisse, wie Wanderniere, Ureter¬
senkungen, Kompression durch Narbe nach Operationen, entzündliche
Prozesse etc. Bei den echten Pyonephrosen entstehen meistens viel-
kämmerige Eiterhöhlen, welche in derbe bindegewebige Schwarten
eingebettet sind, bei den falschen Pyonephrosen grosse Säcke mit
einem einzigen oder mit mehreren frei kommunizierenden Hohl¬
räumen. Der Vortragende demonstriert drei durch Operation ge¬
wonnene Präparate, zuerst eine echte Pyonephrose, welche aus einer
Graviditätspyelitis hervorgegangen ist, dann eine beginnende Pyo-
nephrosenbildung in einer schon vorher gesenkten und dilatierten
Niere und drittens den obenerwähnten kolossalen Eitersack. Was
die Diagnose der Pyonephrose betrifft, so ist dieselbe nicht immer
ganz leicht. Bei offenen Pyonephrosen, welche dem Urin Eiter bei¬
mischen, ist die Diagnose betr. den Sitz der Eiterung durch Zysto-
skopie gewöhnlich leicht zu stellen, dagegen kann man sich in diesen
Fällen leicht über den Grad der Vereiterung der Niere täuschen.
Sieht man bei der Zystoskopie, dass aus dem Ureter eine dicke
Eiterwurst heraustritt, so wird man geneigt sein, anzunehmen, dass
die Niere nur noch Eiter, aber keinen Urin mehr produziert, doch hat
der Vortragende auch in solchen Fällen gesehen, dass der Zustand
der Nieren ein weit besserer war, als man vermutet hätte. Wird
von der erkrankten Seite kein reiner Eiter, sondern eitriger Urin
ausgestossen, so kann man sicher sein, dass man es noch nicht
mit einer Pyonephrose zu tun hat, sondern dass noch viel gesundes
Nierenparenchym vorhanden ist. Bei den vollständig geschlossenen
Pyonephrosen hat man manchmal absolut keine pathologischen Be¬
funde im Urin und der Vortragende hat schon Fälle gesehen, in
welchen die behandelnden Aerzte im Laufe der Beobachtung in
der zunehmenden Klärung des Urins ein Symptom von Besserung
der Krankheit sahen, während darin in Wirklichkeit eine Verschlech¬
terung ausgedrückt war, indem das Abnehmen des Eiters auf einen
zunehmenden Verschluss der Niere zurückführte. Fehlen Urinver¬
änderungen, so ist es manchmal nicht leicht, sich darüber klar zu
werden, von welchem Organ die Geschwulst die man (im Hypo-
chondrium) fühlt, ausgeht. Auch in dem Falle der vorgezeigten über¬
grossen Pyonephrose hatten die behandelnden Aerzte zwischen
Leberzysten, Pankreaszysten, Echinokokkus geschwankt. Man
konnte aber durch die Beziehungen des Tumors zum Kolon und
durch die Möglichkeit der Abgrenzung von der Leber die Diagnose
mit ziemlicher Sicherheit auf eine Nierenaffektion stellen, so dass
der Pat. nicht einmal zystoskopiert zu werden brauchte.
Der Vortragende macht auf ein Symptom aufmerksam, welches
zur Entscheidung der Differentialdiagnostik zwischen Nieren- und
Lebertumor ihm charakteristisch zu sein scheint, nämlich die Ver¬
schiebung des Nabels auf die Seite. Durch die Beziehungen der
Leber zum Lig. teres und zum Nabel, nehmen grosse Lebertumoren
den Nabel mit zur Seite, so dass die Linien Spina ant. sup.—Nabel
zwischen rechts und links erhebliche Differenzen zugunsten der rech¬
ten Seite zeigen. Bei Nierentumoren fehlt dieses Symptom. Man
findet es überhaupt nur bei sehr grossen Tumoren, aber gerade hier
ist es angenehm, weil diese grossen Tumoren wegen der Unmöglich¬
keit exakter Palpation schwierig zu diagnostizieren sind.
In therapeutischer Hinsicht spielt die Prophylaxe eine grosse
Rolle, indem man bakteriellen Infektionen der Harnwege Beachtung
schenkt und je nach der Ursache ihrer Entstehung in frühen Sta¬
dien behandelt. Bei der Pyelitis der Schwangeren führt sehr häufig
eine konservative Behandlung zum Ziel und der Vortragende hat auch
schon schwere Fälle ohne Operation ausheilen sehen. Nur bei be¬
ginnender Urämie ist einzugreifen und dann scheint die Unterbrechung
der Schwangerschaft einem Eingriff in die Niere vorzuziehen zu sein.
Handelt es sich um eine ausgebildete Pyonephrose, so ist mit
konservativen Mitteln meist nichts mehr zu erreichen. Man hat
früher vielfach dafür plädiert und auch heute finden sich noch
Stimmen dafür, dass man bei einer Pyonephrose zuerst die Niere
spalten und Zusehen soll, ob sie nicht nach der Spaltung ausheilt,
um sie, wenn das nicht der Fall sein sollte, in einer zweiten Sitzung
zu exstirpieren. Das dürfte nach vielfachen Erfahrungen nicht rich¬
tig sein. Gewöhnlich sind diese pvonephrotischen Eitersäcke mehr-
kämmerig, dann ist es nicht möglich, alle Buchten ausreichend zu
drainieren oder sie sind einkämmerig, dann sind sie meistens gross
und bilden nach der Eröffnung eine grosse Höhle, die sehr wenig Nei¬
gung zur Ausheilung, dagegen sehr viel Neigung zu sekundären
septischen Infektionen hat. Wie Israel an Hand seiner Statistik
nachweist, kann man durch die zweizeitige Operation eine Anzahl
Patienten verlieren, die man mit einer einzeitigen gerettet hätte.
Die Operation lässt sich selbst bei grossen Tumoren im wesent¬
lichen retroperitoneal ausführen, man findet aber meistens sehr aus¬
gedehnte schwartige Verwachsungen und es kann eine Verletzung des
Peritoneums auch dem Geübten leicht passieren. Wenn man den
Fehler rechtzeitig bemerkt, so hat es keine üblen Folgen. Man
muss nur dafür sorgen, dass das Peritoneum nicht mit Eiter be¬
sudelt und nach der Exstirpation der Niere sorgfältig abgeschlossen
wird. In dem Falle der vorgezeigten grossen Niere, musste V. den
Peritonealüberzug scharf von der Fettkapsel der Niere trennen und
in einem anderen Falle sogar die Leber mit dem Messer von der
Niere lostrennen. Nach vollendeter Exstirpation hat man eine grosse
Wundhöhle vor sich, welche retroperitoneal liegt und in welche man
zur Ausfüllung Tampons und zur Ableitung Drainröhren einlegt.
Diskussion: Herr Neu: Wohl das wichtigste ätiologische
Moment stellt die Aszension von der Blase aus dar, zu
dessen Beweis Präparate von 2 Fällen mit höchst interessantem
klinischem Verlaufe demonstriert werden. Es scheint die Pyo¬
nephrose doch nicht s o häufig, wie Herr V ö 1 c k e r anzunehmen ge¬
neigt ist, das Endstadium der akuten Pyelonephritis
der Graviden darzustellen; in den weitaus meisten Fällen ist
diese Erkrankung ein passagerer Zustand, der nach der Entbindung
von selbst bald auszuheilen pflegt. In der Bewertung des mecha¬
nischen Einflusses (Druck der schwangeren Gebärmutter
auf die Ureteren) auf die Entstehung der Graviditätspyelitis müsse
man wohl immer noch zurückhaltend sein. Auch was die ätio¬
logischen Beziehungen von Splanchnoptose zur Pyelonephritis
bezw. Pyonephrose angeht, auf die Herr V ö 1 c k e r die besondere
Aufmerksamkeit lenkt, so scheint, bei der Häufigkeit der Splanchno¬
ptose, ein gewisses Missverhältnis zu der Frequenz der in Rede
stehenden Nierenerkrankung nicht verkennbar zu sein. Der kon¬
servativeren Therapie der Pyelonephritis soll doch auch
das Wort geredet werden. Man kann mit ihr recht schöne Erfolge
erzielen. Wenigstens kommt man in der weitaus grössten Zahl ohne
Nierenbeckenwaschung, ohne endoureterale Eingriffe und ohne Unter¬
brechung der Schwangerschaft aus.
Der klinische Verlauf in den Fällen der demonstrierten
Präparate war kurz folgender:
1. 34 Jahre altes Fräulein. Totalexstirpation wegen doppel¬
seitiger Adnextumoren (Indikation zum Eingriff: starke irreguläre
Blutungen und Schmerzen). Blutstillung auf der linken Seite wegen
der weitgehenden Verwachsungen und Verkürzungen schwierig.
Nahtmaterial für die Partienligaturen im Bindegewebsabschnitt:
Seide. Postoperativer Verlauf ungestört (rechtzeitige Entlassung).
Etwa 1 Monat später Wiedereintritt in die Klinik wegen Fieber,
Schmerzen im Unterleib, Incontinentia urinae. Eine Fistel zunächst
nicht zu konstatieren, der rechte Ureter prompt arbeitend, der linke
insuffizient (bei der Chromozvstoskopie zunächst nur ein feiner,
schwach blauer Strahl); linksseitiges walnussgrosses Stumpfexsudat.
Im Verlaufe der weiteren Beobachtung: Fieberattacken mit fieber¬
freien Intervallen abwechselnd: unfreiwilliger Abgang von Urin. End¬
lich liess sich zystoskopisch feststellen: linke Uretermündung liegt
tot; Abgang des Harnes aus der Scheide (was ursprünglich nicht
sicher zu erweisen war). Am 86. Tage des klinischen Aufenthaltes
und nach bis dahin konservativ geübten Massnahmen Nephrektomie
mit weitgehender Ureterresektion. Glatte Heilung, rechte Niere voll¬
kommen suffizient. Präparat: linke Niere mit dilatiertem Nieren¬
beckenboden und oberem Ureterabschnitt. Die Niere ist vergrössert,
zeigt unregelmäsige Ausbuchtungen, enthält Eiter. Mikroskopische
Diagnose: Pyonephritis; Nephritis chronica interstitialis purulenta.
2. Präparat aus der Privatklientel von Herrn Prof. Menge
(Erlanger Klinik): Jungverheiratete Frau, erstes Kind, operative Ent¬
bindung. Wochenbettfieber. Nach und nach entwickelt sich ein
grosses parametranes Exsudat. Konservative Behandlung durch den
Hausarzt. Abszedierung des parametranen Prozesses, Durchbruch
des Abszesses nach der Blase. Temperaturabfall. Nunmehr über
Monate dauernde chronische Blaseneiterung, fortwährend Blasen¬
spülung; Pat. kommt sehr herunter. Schliesslich Einweisung in die
Klinik mit der Diagnose: Eitrige Parametritis mit Durchbruch in
die Blase und Blaseneiterung. Hochgradige Anämie und Unter¬
ernährung. Das Genitale weist bei der bimanuellen Untersuchung
einen vollständig normalen Befund auf, nur auf der linken Seite
verkürztes Parametrium. Druckunempfindlichkeit, gute Beweglich¬
keit. Zystoskopisch: dicker Eiterstrahl aus dem linken Ureter, be¬
sonders bei bimanuellem Druck auf die Niere. Nach einiger Zeit
Nephrektomie; stumpfe Auslösung der Niere unter grösster Vorsicht
von hinten her. Die Niere wird unverletzt entwickelt, ein Teil des
Ureters in continuo entfernt. Primäre Heilung. Präparat: pyo-
nephritischer Sack mit vollkommener Vernichtung des Nieren¬
parenchyms. In der Rekonvaleszenz war der Urin noch einige Tage
triib, klärte sich aber auf. Pat. beim besten Wohlbefinden in auf¬
blühendem Allgemeinzustand entlassen.
Die beiden Fälle lehren, wie wichtig die Berücksichtigung para-
metraner Erkrankung bei der Beurteilung aszendierender Prozesse
ist. Schon frühzeitig verraten sich solche Einflüsse von Bindegewebs¬
erkrankung auf die Nierentätigkeit durch Eiweissausscheidung, wie
das schon früher von N. andernorts betont wurde. Für die Ge¬
nese der Pyelonephritis bezw. Pyonephrose bei
Frauen ist daher früher überstandene Bindegewebs¬
erkrankung, ob puerperaler oder operativer Ab¬
kunft, grössere Beachtung zu schenken.
An der Diskussion beteiligen sich ferner die Herren: Menge,
L. Arnsperger, R. O. Neumann, Jordan, Völcker.
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5. Januar 1900.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
45
Physiologischer Verein in Kiel.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 16. November 1908.
Herr Heine hat im Anschluss an die bekannten Unter¬
suchungen Beers die Akkommodation des Schildkrötenauges
quantitativ festzustellen versucht. Ueber Wasser ist Emys
europea etwa normalsichtig. Unter Wasser wird das Tier zu¬
nächst stark übersichtig, da die Hornhautwirkung ausgeschaltet
wird. Der Hornhautradius ist 2—3 mm gross, im Mittel viel¬
leicht 2,5, wodurch also eine Hyperopie von 100 D bedingt
würde. Diese kann das Tier durch die Akkommodation decken
und sich ausserdem dann durch noch weiter gehende Akkom¬
modation hochgradig kurzsichtig machen. In diesem Zustand
über Wasser gebracht, würde sie etwa 150 D akkommodative
Myopie haben, d. h. von einem 6—7 mm vor dem Auge be¬
findlichen Gegenstand würde bei einer Achsenlänge des Auges
von 6—7 mm ein gleichgrosses umgekehrtes Netzhautbild ent¬
stehen. Dass wirklich eine so grosse Akkommodationsbreite
besteht, lässt sich auf folgende Weise zeigen: Versenkt man
den isolierten Bulbus unter Wasser und schneidet den hinteren
Augenpol ab, so kann man ein Mikroskop auf das umgekehrte
Netzhautbildchen einstellen. Um die Lichtstrahlen nicht wieder
in Luft gelangen zu lassen, taucht man das Objektiv in das
Wasser ein. Reizt man nun faradisch, so verkleinert sich die
hintere Brennweite der Linse von ca. 8 mm auf 3,5 mm. Es
bedeutet dies eine Refraktionszunahme von 125 D auf 285 D,
also eine Zunahme um 160 D Akkommodation. Die verstärkte
Brechung kommt zustande durch höchstgradige Wölbungs¬
zunahme der vorderen Linsenfläche, deren Radius sich von 6
auf fast 0,6 mm verkleinert. Es muss also — wenn der sagit-
tale Durchmesser der Linse — je nach der Augengrösse —
1,5—3 mm beträgt, eine Art Lenticonus anterior entstehen. Die
hintere Fläche der Linse bleibt fast unverändert. Der Mecha¬
nismus der Akkommodation geschieht — analog der des
menschlichen Auges — nach der H e 1 m h o 11 z sehen Theorie.
Der intraokulare Druck steigt nicht bei der Akkommodation.
Auch ist die Akkommodation von der Iris unabhängig. Die
gegenteiligen Ansichten v. Pflugks (Vortrag, Ostern 1908 in
Paris gehalten) scheinen dem Vortragenden nicht bewiesen.
Die oben geschilderten Versuche werden demonstriert.
Herr Kalbs: Ueber Hautreaktion auf lokale Reize.
K. spricht über die Reaktion der Haut auf lokale mecha¬
nische oder thermische Reize, speziell über die lokale auf
Druck entstehende Gänsehaut. Er sah diese in mechanisch
oder thermisch gereizten Bezirken intensiver wie in der Um¬
gebung. Eine allgemein stärkere Reaktion boten oft die Leute,
deren Haut durch natürliche oder künstliche Reize (Schwitzen,
Waschungen) geübt war.
Medizinische Gesellschaft zu Magdeburg.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 8. Oktober 1908.
Vorsitzender: Herr Hirsch.
Herr Beyer: Ueber Opsonine.
'r—^ Herr W. Beyer spricht über „Opsonine“. Nach einer
' kurzen historischen Uebersicht über die Lehre von der
Immunität und Phagozytose schildert er die Technik der
Opsoninbestimmung wie sie am W r i g h t sehen Laboratorium
in London geübt wird, und erörtert die technischen Schwierig¬
keiten der Beurteilung der Präparate und die in der Methode
begründeten Fehlerquellen. Die Opsonine würden von den
meisten als spezifische Produkte anerkannt, woraus ihr Wert
für die Diagnose folge. Nicht bewiesen sei dagegen eine
notwendige Parallelität von Phagozytose und Immunität bezw.
Heilung. Als Führer bei therapeutischen Inokulationen speziell
bei der Tuberkulinkur sei die Methode zu umständlich und
auch nach dem Urteil ihrer Urheber durch die allgemeinen
klinischen Methoden ganz gut zu ersetzen. Schliesslich berührt
Vortr. die bei der Lungentuberkulose vorkommenden „Auto¬
inokulationen“ und deren theoretische und praktische Be¬
deutung.
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Herr Hancken: Ueber Serodiagnostik der Lues.
Vortragender berichtet über 96 von ihm in der Krankenanstalt
Altstadt mit Hilfe der Wassermann sehen Reaktion untersuchte
Fälle, nachdem er vorher das Wesen und den klinischen Wert der
Komplementablenkungsmethode besprochen hat.
Von den 96 Fällen waren sicher nicht luetisch 22, sie alle
waren negativ. Von 34 sicher luetischen Fällen reagierten 26 posi¬
tiv, bei 2 Fällen war der Ausfall zweifelhaft und 6 negativ. Ein Teil
dieser stand am Ende der Behandlung und war klinisch geheilt. Von
40 latenten Luetikern und diagnostisch unsicheren waren 9 positiv,
29 negativ und 2 zweifelhaft.
Der Vortrag wird in erweiterter Form anderweit erscheinen.
Diskussion: Herr Schild erkennt die Wassermann*
sehe Komplementbindungsmethode als eine geniale Entdeckung von
grossem wissenschaftlichen Interesse und hervorragender wissen¬
schaftlicher Bedeutung an. Ihre Spezifität stehe ausser jedem
Zweifel. Bezüglich der praktischen Verwertbarkeit der Methode
warnt er jedoch vor zu grossen Illusionen. Positive Ergebnisse könn¬
ten wohl gelegentlich zu diagnostischen Zwecken verwendet wer¬
den, aber die negativen Resultate seien doch auch bei sicher voraus¬
gegangener Lues so häufig, dass ihnen, auch abgesehen von Fehler¬
quellen, nur ein geringer praktischer Wert beizumessen sei. Und
was ferner die wichtigste Frage, die des Ehekonsenses, betreffe, so
könne auch hier das serodiagnostische Ergebnis durchaus nicht
allein massgebend sein. Man könne nicht ohne weiteres jedem
positiv Reagierenden das Heiraten verbieten und man könne erst recht
nicht jedem negativ Reagierenden ohne weiteres die Ehe gestatten.
Sorgfältige Untersuchung und mehrjährige Beobachtung sei in dieser
Beziehung auch heute noch der massgebendste Faktor.
Herr Schreiber betont den diagnostischen Wert der Methode
speziell für die innere Medizin und Nervenheilkunde.
Aerztlicher Verein München.
(Eigener Bericht.)
Sitzung vom 14. Oktober 1908.
Herr Q. Frey tag: Ueber Fortschritte der Augenheilkunde in
den letzten 10 Jahren.
Wie auf allen Gebieten der Medizin, so hat sich auch in der
Augenheilkunde im letzten Dezennium ein ausserordentlich reges
Leben betätigt. Hier kann nur auf einige wichtigere und zudem
für den Praktiker ergiebigere Fragen eingegangen werden.
Vortr. reicht zuerst einige, allgemeineres Interesse bietende Er¬
scheinungen des Büchermarktes herum und demonstriert einige
diagnostische Hilfsmittel (Roths Astigmoskop, Hess’ binokulare
Lupe, den elektrischen Augenspiegel W o 1 f f s und das Werk Dim¬
mers über Photographie des Augenhintergrundes u. anderes).
Von den zahllosen neueren Medikamenten können nicht
einmal die Namen alle aufgezählt werden. Erwähnt wird nur das
Atoxyl, das seiner schädigenden Wirkung auf den Sehnerven wegen
besser nicht verordnet wird, ferner die von Adam empfohlene Bleno-
lenizetsalbe zur Behandlung der Augengonorrhöe der Erwachsenen,
drittens das D i o n i n, das in seiner lymphtreibenden Wirkung viel¬
fach zur Aufhellung von Hornhauttrübungen und zur Behandlung ent¬
zündlicher Prozesse, deren Schmerzhaftigkeit es lindert, verwendet
wird.
Die grossen Fortschritte der Bakteriologie und Serum¬
forschung haben sich auch in der Augenheilkunde fühlbar ge¬
macht. Vorzüglich informiert hierüber das Buch von A x e n f e 1 d.
Die Hornhaut hat die Forschung stark beschäftigt. Für das
Ulcus serpens wurde der Pneumokokkus als typischer Erreger
von Gasparrini und gleichzeitig von M o r a x und A x e n f e 1 d
festgestellt, doch kommt nach A x e n f e 1 d auch zuweilen der Diplo-
bazillus vor, der dann Zinktherapie erfordert.
Für die Behandlung des typischen Pneumokokkengeschwürs hat
Römer ein Serum hergestellt. Nach langen und schwierigen Ver¬
suchen ist jetzt ein namentlich für die prophylaktische Be¬
handlung unreiner Augenverletzungen durch den praktischen
Arzt empfehlenswertes Präparat entstanden. In der Behand¬
lung des ausgebrochenen Ulcus serpens scheint es die bis¬
herigen Methoden nicht immer entbehrlich zu machen. Die
Römer sehe Forderung der Propaganda für die prophylaktische
Verwendung des Serums seitens der praktischen Landärzte ist aufs
Wärmste zu unterstützen.
A x e n f e 1 d empfiehlt auch prophylaktische Anwendung bei
Staroperationen, da, wo zahlreiche Pneumokokken im Bindehaut¬
sekret sind oder wo der Allgemeinzustand elend ist.
Das Behring sehe antitoxische Diphtherieserum hat
sich in der Augenheilkunde bei Conjunctivitis diphtheritica sehr be¬
währt.
Das Hefeserum Deutschmanns darf wohl nicht so opti¬
mistisch beurteilt werden wie von seinem Erfinder, doch scheinen die
bisherigen Erfahrungen immerhin weitere Versuche damit zu recht-
fertigen. Die theoretische Grundlage für die Serumwirkung ist aller¬
dings bislang unbefriedigend.
Original frorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
46
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. I.
Die zur Aufhellung von Hornhauttrübungen seit den
80 er Jahren bekannte und ihrer Gefahren wegen wieder aufgegebene
Jequiritytherapie hat Römer durch sein genau dosierbares Abrin¬
präparat „Jequiritol“ in rationelle Bahnen gelenkt. ZurKupierung etwa
doch zu stark gewordener Jequiritol-Ophthalmien dient sein konjunkti-
val oder besser subkutan applizierbares Jequiritolserum. Durch das
Römer sehe Verfahren sind namentlich der trachomatöse Pannus
ausserordentlich stark und andere gefässhaltige Trübungen erheblich
aufzuhellen, am wenigsten gefässarme Trübungen. Kontraindiziert ist
das Mittel gewöhnlich bei frischen Hornhautprozessen.
In der Pathogenese und Therapie der so verderlichen Netz¬
hautablösung sind unsere Fortschritte immer noch relativ gering.
Die Statistiken über Heilungen mit einem bestimmten Verfahren sind
skeptisch zu beurteilen, da auch viele Spontanheilungen Vorkommen.
Von neueren Verfahren mögen erwähnt werden die Deutsch¬
mann sehe Netzhautdurchschneidung und seine Injektionen von tieri¬
schem Glaskörper. Die erste Operation muss jedenfalls bei vielen Fällen
sehr oft wiederholt werden, um einen auch dann noch häufig genug
problematischen Erfolg zu geben. Die Glaskörperinjektionen macht
D. nur, wenn das erste Verfahren dauernd ohne Erfolg blieb. Es ist
nach anderweitigen Erfahrungen vor den Injektionen zu warnen.
Leopold Müller hat bei myopischer Netzhautablösung den
ganzen Bulbus durch Ausschneiden eines rhombischen Stückes der
Sklera verkleinert und so Wiederanlegung erzielt. Die Operation
ist technisch sehr schwierig, aber reizvoll und verdient in geeigneten
Fällen wohl Beachtung.
Im Allgemeinen ist unsere Therapie bei Netzhautablösung auf
die bekannten friedlichen Massnahmen, allenfalls Ablassen der sub-
retinalen Flüssigkeit und subkonjunktivale Injektionen angewiesen.
Auf die mannigfachen Fortschritte in der Kenntnis des Glau¬
koms kann, soweit es sich um Theoretisches handelt, hier nicht ein¬
gegangen werden. In der Therapie haben uns besonders folgende
neue Verfahren beschäftigt:
1. Die Sympathikusresektion von A b a d i e bezw. Jonnesco.
2. Die Resektion des Ganglion ciliare von R o h m e r.
3. Die Zyklodialyse von Heine.
4. Die zystoide Vernarbung.
Die Resektionen leisten, besonders bei Gl. Simplex und chroni¬
cum gelegentlich Gutes, die Zyklodialyse scheint nicht die Erwar¬
tungen zu erfüllen. Als im Prinzip gesund müssen die verschiedenen
Verfahren zur Herbeiführung einer zystoiden Vernarbung angesehen
werden.
Für die Behandlung der Myopie kann die durch die Unter¬
suchungen von C. H e s s und Heine festgestellte Tatsache zu gründe
gelegt werden, dass der intraokuläre Druck während der Akkommo¬
dation nicht steigt. Es fällt somit das wesentlichste Moment gegen
die Vollkorrektion. Diese empfiehlt sich auch schon wegen des dabei
grösseren Leseabstandes, der der allzustarken Konvergenz entgegen¬
wirkt, die (zusammen mit der vorhandenen Disposition) durch den
dabei auf den Bulbus wirkenden Druck der äusseren Augenmuskeln
als die Myopie begünstigend angesehen werden muss.
Die bisherigen Versuche mit Stauungs- bezw. Saug¬
hyperämie am Auge haben ergeben, dass die Halsstauung jeden¬
falls unschädlich ist, eine Erhöhung des intraokularen Druckes tritt
dabei nicht ein, bei Saugung am Bulbus steigt anfänglich der
Druck erheblich. Die Füllung der intraokularen Gefässe wird be¬
merkenswerterweise durch beide Verfahren nicht beeinflusst.
Das Röntgenverfahren ist wichtig geworden für die
Diagnose von Tumoren und intraokularen bezw. intraorbitalen Fremd¬
körpern. Auch therapeutisch wurden die X-Strahlen, besonders bei
Karzinomen und bei Gliom mit günstigem Erfolge angewandt.
Die Uviollichtbehandlung kommt namentlich für äussere
Augenerkrankungen in Betracht. Beachtenswert sind die günstigen
Erfahrungen Hertels bei Ulcus serpens.
Auch das Radium wurde schon therapeutisch gegen Epitheliom,
Skleritis und Trachom benutzt.
Näher auf die Tuberkulin-Ophthalmoreaktion ein¬
zugehen kann ich mir angesichts der zahlreichen Besprechungen der
Sache in der letzten Zeit ersparen. Ich halte die Anwendung wegen
der nicht zu leugnenden Gefährdung der Augen im Allgemeinen für
nicht empfehlenswert.
Die aus Obigem wohl erkenntliche Befruchtung, die zwischen den
einzelnen Disziplinen der Medizin in letzter Zeit in bemerkenswertem
Masse stattgefunden und auch die Augenheilkunde eingeschlossen hat,
erscheint mir ein gutes Omen dafür, dass die allzustarke spezialistische
Strömung, die eine Zeit lang herrschte, allmählich wieder mehr der¬
jenigen Platz machen werde, die in der Betonung des Zusammen¬
hanges der Krankheitsäusserungen das Ideal der ärztlichen Betätigung
sieht.
Herr K E. Ranke: Die Tätigkeit der Münchener Für¬
sorgestelle für Lungenkranke. (Der Vortrag erscheint in dieser
Wochenschrift.)
Diskussion: Herr F. May gibt eine eingehende Uebersicht
über die Tätigkeit der Münchener Fürsorgestelle, die sich seit dem
vorigen Jahre mächtig vergrössert hat. So fanden während der
Monate Januar bis inkl. September 1908 statt: 1492 Hausbesuche der
Fürsorgeschwester, 1824 Besuche in den Sprechstunden, 185 Des¬
infektionen von Wohnungen durch die städtische Desinfektionsanstalt.
An Milch wurden 5123,5 Liter abgegeben. Auf Kosten der Fürsorge¬
stelle waren in den beiden gleichfalls dem Vereine zur Bekämpfung
der Tuberkulose gehörigen Anstalten untergebracht: 1. in der Frauen¬
erholungsstätte in Holzapfelskreuth 29 Erwachsene mit 767 Verpflegs¬
tagen, 60 Kinder mit 2119 Verpflegstagen; 2. in der Josefine Abel-
schen Kindererholungsstätte 10 Vollzöglinge mit 756 Verpflegstagen,
14 Halbzöglinge mit 1417 Verpflegstagen, 8 teils Voll-, teils Halb¬
zöglinge mit 843 Verpflegstagen. Kinder mit offener Tuberkulose
wurden in die Frauenerholungsst ittt eingewiesen. Die Resultate
waren auch in schwereren Fällen auffallend gute, namentlich wenn die
Patienten den ganzen Sommer in der Anstalt blieben. In der Kinder¬
erholungsstätte, die nach Form der Waldschule betrieben wurde, und
in der auch 18 Betten vorhanden sind, wurden nur Prophylaktiker,
Skrofulöse und Kinder mit geschlossener (Anfangs-)Tuberkulose auf¬
genommen. Die von Ranke hervorgehobene Abnahme der Tuber¬
kulosesterblichkeit in England wurde schon gelegentlich des Beginnes
der Heilstättenpropaganda allerseits betont und dabei namentlich auf
die schon damals in England bestehenden Anstalten für Lungenkranke
hingewiesen.
Herr Fr. Müller: An den Erfolgen, über welche Herr Ranke
berichtet, berührt das Eine besonders sympathisch, dass sie ganz durch
private Initiative erreicht sind und dass darauf verzichtet worden
ist, den offiziellen Apparat der Verwaltungsbehörden und der Polizei
in Anspruch zu nehmen. Auf diesem Wege der privaten Organi¬
sation ist auch in anderen Ländern und insbesondere in Amerika im
Kampf gegen die Tuberkulose schon Grosses geleistet worden. Ich
nenne hier vor allem das Henry Phipps-Institut in Philadelphia und
Baltimore. Es ist in der letzten Zeit viel darüber diskutiert wor¬
den, ob für die Tuberkulosefälle eine Anzeigepflicht eingeführt wer¬
den soll, ähnlich der Anzeigepflicht, welche auch bei einigen an¬
deren kontagiösen Krankheiten besteht. Eine solche Anzeigepflicht
einzuführen hat nur dann einen Sinn, wenn sie mit praktischen
und obligatorischen Massnahmen zur Bekämpfung der Krankheit ver¬
bunden wird. Als solche kommt aber eigentlich nur die Desinfektion
der Wohnungen im Falle des Todes und des Wohnungswechsels in
Betracht.
Herr Grassmann möchte dem Vereine zur Bekämpfung der
Tuberkulose 2 Anregungen in prophylaktischer Hinsicht geben. Be¬
züglich der Beseitigung bazillenhaltigen Staubes stellt das häufig un¬
besonnte, schlecht gelüftete und mit dem Schmutz ausgeklopfter
Möbel tagtäglich sich füllende Treppenhaus einen bisher vernach¬
lässigten Teil des Hauses dar. Es würde sich empfehlen, gerade auch
für Anbringung von Spucknäpfen in den Treppenhäusern mehr Sorge
zu tragen, als bisher, da die Inhalationsgefahr bei der vertieften
Atmung, welche das Treppensteigen erfordert, im Stiegenraume eine
erhöhte ist. — Ferner schlägt Gr. vor, die Reinlichkeit der Strassen
bezüglich der Sputa, an denen sich infolge des Mangels von Spiel¬
plätzen spielende Kinder leicht infizieren können, gerade in den
grossen Städten möglichst zu steigern. Da das Ausspucken einer Re¬
flexbewegung gleichkommt, so kann es nicht einfach durch Vor¬
schriften beseitigt werden. Man muss daher dafür sorgen, dass die
Passanten sich des Sputums in einer Weise entledigen können, dass
es nicht schaden kann. Es dürfte technisch nicht schwer sein, in
allen kanalisierten Strassen die auch jetzt schon sehr zahlreich vor¬
handenen Einlaufstellen für das Regen- und Strassenspritzwasser als
Abwurflöcher für Sputa benützbar und insbesonders auch kenntlich
zu machen. Die Anbringung eines Pfeiles oder ähnlichen Zeichens auf
den Trottoirs würde dafür genügen. Da diese öffentlichen Strassen-
spucknäpfe ohnehin immer durchgespült würden, wäre diese Einrich¬
tung mit nicht zu hohen Kosten verbunden und könnte sich allmählich
einbürgern.
Münchener Gesellschaft für Kinderheilkunde.
(Eigener Beriefet)
Sitzungen vom November und Dezember 1908.
Am 13. November teilte Herr Trumpp seine Erfahrungen mit
Klebrollbinden-v. Heuss mit, einem klebenden, porösen, elastischen, be¬
quem modellierbaren, luftdurchlässigen, sterilisierbaren, durch die
Besonderheit der Masse durchaus reizlosen Bindenmateriale, welches
er bei Nabelstumpf, Nabelhernien, Impfschutz, Distorsions- und Frak¬
turverband, bei Diastasen und lineären Wunden erprobt hat.
Diskussion: Herr v. Heuss jun. bestätigt im einzelnen die
Angaben, Herr Pfaundler wendet sich gegen Geheimmittelcharak¬
ter und bemängelt den Geruch, Herr Rommel beanstandet einen
Teil der gewählten Indikationen.
Herr Trumpp sprach an der Hand des schon Februar 1907 vor¬
gestellten Falles von Septikopyämie eines Säuglings über Gelenks¬
entzündungen im Säuglingsalter, unterstützt durch Röntgenbilder und
Photographien. Zusammenfassung des klinischen Bildes, Berücksichti¬
gung der Pneumokokkenarthritis, der gonorrhoischen und tuberku :
lösen Gelenksentzündungen dieses Alters mit ausgesprochenen Be¬
sonderheiten. Wichtig sind die durch Deformitäten, Wachstums¬
hemmungen usw. auftretenden, namentlich aber die erst zur Zeit der
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5. Januar 1909 .
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
47
Belastung des Gelenkes durch Destruktionsluxation erscheinenden
Spätstörungen; erwähnt einen unaufgeklärten, vielleicht auf
Tuberkulose beruhenden Fall nach Trauma im 14. Monat, dessen
Bild auffallend an die Köhler sehe Affektion erinnert.
Diskussion: Herr Pfaundler hat im abgelaufenen Jahre
2 Fälle von einschlägigen Gelenkerkrankungen bei Säuglingen von
4 und 6 Monaten beobachtet; das Röntgenbild des zweiten erweckte
den Eindruck der Osteochondritis syphilitica. — Herren Ibrahim,
Klar.
Herr Mennacher spricht über angeborene Defekte und Lage-
anomalien der Nieren.
Am 18. Dezember stellte Herr Nadoleczny in Anlehnung
an seinen Vortrag in der Märzsitzung ein 13 jähriges Mädchen mit
vollständig adenoidem HabUus ohne jede Hyperplasie der Rachen¬
mandeln vor.
Herr Pfaundler stellte vor: 1. einen 7jährigen Knaben mit
der typischen Trias: Turmschädel, Exophthalmus, Sehnervenatrophie.
Pathogenese, Ursachen der Augenmuskelstörungen. 2. 12 jährigen
Knaben mit echter Fr ied ref c h scher Ataxie. Bericht über 4 ein¬
schlägige an der Klinik beobachtete andere Fälle. 3. 8 jährigen
Knaben mit progressiver Muskeldystrophie (hypertrophischer Typus).
Erörterung des elektiven Verhaltens benachbarter Muskeln im
zeitlichen Befallenwerden, Atrophie und Hypertrophie: ferner der Lor¬
dose. 4. 5 jähriger Knabe mit typischem Mongoloid.
Der Rest der Tagesordnung wurde zugunsten einer anschliessen¬
den nicht offiziellen Besprechung der Münchener Kinderärzte vertagt.
Spiegclberg -Zell b. Fbenhausen.
Aerztlicher Verein in Nürnberg.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 6. August 19Q8.
Vorsitzender: Herr B a nd e I.
Herr Kaspar: Ein Fall von hypertrophischer Pylorus¬
stenose. (Der Vortrag erscheint in dieser Wochenschrift.)
Sitzung vom 3. September 1908.
Vorsitzender: Herr Goldschmidt.
Herr Tho ref: Pathologisch-anatomische Demonstrationen.
Sitzung vom 17. September 1908.
Vorsitzender: Herr Goldschmidt
Herr Thorei: Pathologisch-anatomische Demonstrationen.
Herr Schlesinger demonstriert einen Patienten mit grossem
Papillom des Pharynx, das von den Gaumenbögen bis zur Epiglottis
reicht.
Sitzung vom l. Oktober 1908.
Vorsitzender: Herr Gold Schmidt.
Herr v. Rad: Demonstration und Besprechung eines Falles von
Myotonie mit sehr ausgedehntem Muskelschwund.
Es handelt sich um den bereits mehrfach vorgestellten und be¬
schriebenen Fall R.
Herr T h o r e I: Pathologisch-anatomische Demonstrationen.
Sitzung vom 15. Oktober 1908.
Herr Thorei: Bemerkungen zum Artikel von Rovsing in
der Münch, med. Wochenschr. No. 38: „Ueber die Sicherheit der histo¬
logischen Geschwulstdiagnose als Basis radikaler chirurgischer Ein¬
grille“.
Vortragender führt aus, dass die Arbeit von Rovsing zu ein¬
seitig gehalten ist, indem derselbe nur die Schattenseiten der Stück¬
chendiagnose betont, aber nicht die Vorteile des Verfahrens berück¬
sichtigt hat. Unter Anführung einer grösseren Anzahl von Beispielen
aus der Praxis wird gezeigt, mit wie grossen Schwierigkeiten unter
Umständen eine Diagnose aus Auskratzungen etc. verbunden ist und
mit welchen Fehlerquellen und Täuschungen man bei der Beurteilung
solcher Präparate zu rechnen hat. Vortragender empfiehlt, dass man
sich in allen nicht absolut sicheren Fällen, schon der persönlichen
Verantwortlichkeit halber, möglichst reserviert verhält, und betont
zum Schluss, dass die Stückchendiagnose trotz vieler, ihr unverkenn¬
bar anhaftender Mängel innerhalb der ihr gezogenen Grenzen auch
in Zukunft trotz der pessimistischen Auffassung von Rovsing als
ein in vielen Fällen unerlässliches und die klinische Diagnose unter¬
stützendes Hilfsmittel die ihr gebührende Stellung bewahren wird.
Herr Simon: Zur Diätetik des Wochenbettes.
Vortragender bespricht zunächst die Mängel der bisherigen
vorwiegend passiven Wochenbettsbehandlung, bei der mög¬
lichst lange völlige Bettruhe für das Wichtigste gehalten wurde.
Als Folgen davon sind zu betrachten: Erschlaffung der Mus¬
kulatur der Bauchdecken sowie des Beckenbodens mit den
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Folgezuständen: Entcroptcsis, Obstipation, Descensus vaginae,
Retroflexio, ferner häufig die im Wochenbett auftretenden
Thrombosen mit Emboliegefahr. Durch den Vorgang K ü s t -
ners und Krönigs angeregt, hat Vortr. seit 2 Jahren be¬
gonnen, in der Privatpraxis, sowie im Wöchnerinnenheime
bei ca. 800 Wöchnerinnen eine aktivere Behandlung anzu¬
wenden und damit sehr befriedigende Resultate erzielt. Die
Wöchnerinnen bleiben 3 Tage völlig zu Bett, dürfen aber, wenn
nötig, zum Urinieren aufstehen. Wenn am 4. Tage ein fieber¬
loser Wochenbettsverlauf zu konstatieren ist, dürfen die Frauen
eine Stunde ausser Bett, am 5. Tage 2 Stunden usf. Gleich¬
zeitig werden täglich zweimal gymnastische Uebungen zur
Kräitigung der Bauchmuskulatur ausgeführt: Aufrichten von
der Horizontalebene zur Sitzstellung, Rumpfbeugungen und
-drehungen etc. Eine gutsitzende Leibbinde ist nötig. Ein
Nachteil wurde bei keiner Frau konstatiert; am 10. Tage sind
die Wöchnerinnen viel besser erholt, als bei der alten Methode,
der Bauch ist besser zurückgebildet. Die Morbidität ist ge¬
sunken, infolge des besseren Lochialabflusses; Thrombosen,
Embolie, Phlebitis wurde nicht beobachtet. Als Kontraindi¬
kation gegen frühes Aufstehen gelten Fieber, Verdacht auf In¬
fektion, grosse Dammrisse, hochgradige Schwäche.
Frühaufstehen ist nicht gleichbedeutend mit früh wieder
arbeiten; daher nur ratsam, wenn Kontrolle möglich.
Herr Reitzenstein: Von der ärztlichen Studienreise
nach den westafrikanischen Inseln.
Sitzung vom 5. November 1908.
Vorsitzender: Herr Goldschmidt.
Herr Prof. Joh. Müller: Ueber Lysolvergiftung.
Herr Johannes Müller bespricht die Pathologie der
Lysolvergiftung auf Grund von 4 kürzlich beobachteten
Fällen und 10 weiteren in den letzten Jahren im Nürnberger
Krankenhaus behandelten Fällen. Von diesen betrafen 10 Ver¬
giftungen Mädchen und Frauen, 4 Männer. Fast stets handelte
es sich um Selbstmordversuche bei neuropathischen Individuen.
Es starben 2 Frauen und 1 Mann. Lysolvergiftungen infolge
unvorsichtiger therapeutischer Anwendung, welche früher
öfter vorkamen, ereignen sich jetzt kaum noch. Der Ausgang
einer Lysolvergiftung hängt ab von der aufgenommenen
Menge, von dem Applikationsort, von dem Alter des Ver¬
gifteten und von der eingeschlagenen Therapie.
Die tödliche Dosis für Erwachsene wird öfter auf 50 bis
60 ccm angegeben, doch genügen schon viel geringere Mengen
zur schweren Vergiftung, bei Kindern wenige Gramm. Ein
24jähr. Reisszeugmacher hatte nur 20—30 ccm zu sich ge¬
nommen, war doch schon nach 15 Minuten vollkommen be¬
wusstlos und starb, obwohl ein Teil des Lysols wieder er¬
brochen wurde. Die Todesursache war allerdings nur indirekt
das Lysol, direkt eine komplizierende Pneumonie.
Der Applikationsort spielt eine Rolle insofern, als Ver¬
giftungen bei Aufpinseln auf die Haut, Uterusspülungen und
Darmklysmen der Therapie weniger zugänglich sind als
stomachale Intoxikation. Nach Linkes Tierversuchen
wirken rektal einverleibte Lysolmengen weit giftiger als per
os gegebene, wohl wegen der rascheren Resorption. Die
Intoxikation per os ist besonders gefährlich bei leerem Magen.
Ferner erliegen ältere Personen der Vergiftung besonders leicht.
Die Aetzwirkungen in Mundhöhle, Speiseröhre und Magen
bei stomachaler Vergiftung sind meist nicht bedeutend; die
Kranken klagen über Brennen und Erbrechen manchmal. Sehr
rasch macht sich dann die narkotische Wirkung der Kresole
geltend durch Eintreten einer schweren Gehirnlähmung. Die
in solchem Zustand dem Krankenhaus zugeführten Patienten
machen den Eindruck von Sterbenden. Die Atmung ist
stertorös, von Trachealrasseln begleitet, die Gesichtsfarbe
blasszyanotisch, die Extremitäten sind kühl und völlig schlaff,
die Pupillen eng, reagieren schwach oder gar nicht, Korneal¬
und Patellarreflexe sind aufgehoben, Harn und Kot gehen ab.
Die Herztätigkeit ist sehr frequent, der Puls klein und weich.
Charakteristisch sind der Lysolgeruch der Atemluft und bräun¬
liche, glänzende Aetzstreifen, welche sich von den Mund¬
winkeln zum Kinn und Hals herunterziehen.
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
Eine zielbewusste Therapie wirkt selbst bei diesen an¬
scheinend verlorenen Fällen noch lebensrettend. Am wichtig¬
sten sind Anwendung von Exzitantien und die Magenspülung.
Letztere befördert auch nach Stunden noch ansehnliche Mengen
Lysol heraus, da der Magen an und für sich schlecht resorbiert
und der Uebertritt in- den Darm meist durch Pyloruskrampf
verhindert wird. Vielleicht bewirkt auch das Ausfällen der in
Seife gelösten Kresole durch die abgesonderte Magensalz¬
säure eine Verlangsamung der Resorption. Als Spülmittel
empfiehlt sich zunächst Wasser, darauf Milch, die in ihren Fett¬
tröpfchen ein gutes Lösungsmittel für Kresole darstellt. Al¬
kohol in Form von Darmklysmen ist nicht nur ein vortreffliches
Exzitans, sondern kann auch zur Verdrängung der Kresole
aus der Nervensubstanz beitragen. Die Kranken erwachen oft
erst nach Stunden aus dem Koma.
In vielen Fällen sind die zurückbleibenden Verdauungs¬
störungen auffallend gering. Schwere Stenosen wie nach
Säure- oder Laugenverätzung kommen vor, bilden aber Aus¬
nahmen. Wie ein im Nürnberger Krankenhaus beobachteter
Fall zeigt, können Vergiftungen tödlich verlaufen, ohne dass am
Verdauungsapparat Veränderungen nachweisbar sind. In der
Regel können die Kranken nach einigen Tagen wieder essen,
wenn auch zunächst noch Appetitlosigkeit und Magendrücken
bestehen. Untersuchungen der Magenfunktionen bei drei Ver¬
gifteten ergaben normale Motilität, aber bedeutende Verringe¬
rung oder völliges Versiegen der HCl-Abscheidung, die auch
nach 3 Wochen noch nicht wieder normal wurde. Pepsin und
Labferment blieben stets nachweisbar. Es handelt sich also
um eine toxische Schädigung der Magenschleimhaut, welche
näher beobachtet werden soll.
Eine weitere Gefahr bei Lysolvergiftung besteht in der
Pneumonie. Fieberhafte Bronchitis nach initialer subnormaler
Temperatur beobachtet man fast regelmässig, welche von
einigen Autoren auf die Ausscheidung der Kresole durch die
Atmungswege zurückgeführt wird. Eine wichtige Rolle spielt
aber jedenfalls in der Aetiologie der Pneumonie die Aspiration
von Mageninhalt bei dem Würgen und Erbrechen während
des Koma, was durch den Nachweis von Muskelfasern,
Pflanzenzellen, Milch in bronchopneumonischen Herden bei
zwei Fällen Revenstorfs und einem Falle des Vortragen¬
den bewiesen wird.
Sehr auffallend sind die Veränderungen des Harns, der wie
bei Karbolvergiftung eine grünlich-schwarze Farbe annimmt,
die nach Baumann und P r e u s s e auf die Anwesenheit
von Oxydationsprodukten des Hydrochinins beruhen. Wich¬
tiger ist das Verhalten der Aetherschwefelsäure und der Gly-
kuronsäure, welche beide durch Paarung zur Entgiftung der
Kresole beitragen. Als Hauptort der Paarung ist nach allge¬
meiner Anschauung die Leber anzusehen, welche nach den
Untersuchungen Blumenthals auch die grösste Kresol-
menge enthält. Schon sehr bald nach eingetretener Vergiftung
zeigt der Harn eine Linksdrehung durch Glykuronsäure, die
im normalen Harn fehlt oder nur in Spuren nachweisbar ist.
Bei zwei schweren Fällen des Vortragenden betrug die Links¬
drehung gleich 3,9 resp. 2,7 Proz. Traubenzucker; schon nach
1 Vi —2 Tagen verschwindet die Glykuronsäure wieder. Aehn-
lich gestaltet sich das Verhalten der gepaarten Schwefelsäure,
welche im ersten Falle 0,92 g zu 1,63 g Gesamtschwefelsäure,
im zweiten 1,34 zu 2,44 pro die betrug. Ob die Paarungsvor¬
gänge durch Zufuhr von Schwefesäure in Gestalt des schwefel¬
sauren Natrons oder durch Einverleibung von Traubenzucker,
der durch Oxydation leicht in Glykuronsäure übergeht, unter¬
stützt werden können, ist noch ungewiss, die therapeutische
Anwendung dieser Mittel aber jedenfalls zu versuchen. Als
sonstiges Antidot kommt noch die Calcaria sacharata in Frage,
welche mit Phenol unlösliche Verbindungen eingeht, in Apo¬
theken aber meist nicht vorrätig gehalten wird.
Eine Albuminurie und Nephritis ist nach den Erfahrungen
des Vortragenden selten.
Der Lysolharn gibt eine sehr auffallende Reaktion, welche
zuerst durch Baumgarten und Kaminer beschrieben
wurde. Er färbt sich bei Zusatz von Salzsäure oder Schwefel¬
säure blau, bei Zusatz von Natronlauge rot. Die betreffende
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Substanz gehört anscheinend zu den Farbstoffen, denn der mit
Tierkohle behandelten Harn gibt die Reaktionen nicht, und sie
wird im Körper gebildet, denn das Lysol als solches gibt die Re¬
aktion ebenfalls nicht. Weitere Untersuchungen darüber sind
im Gange.
Schliesslich wird die Frage berührt, ob bei Lysolvergiftung
nicht auch die Kaliseife im Lysol eine Rolle spielt. Seifen
wirken nach den Versuchen J. Munks bei intravenöser Ap¬
plikation giftig durch Lähmung des Herzens und des Zentral¬
nervensystems. Der auffallende Befund einer fehlenden Blut¬
gerinnung bei einer an Lysolvergiftung rasch Verstorbenen
erweckt den Verdacht, dass es durch Aufnahme der Seife in
die Blutbahn zu einer Ausfällung der Kalksalze und dadurch
zu einem Unterbleiben der Blutgerinnung gekommen ist.
Herr Behrendes: Ueber pathologisch-anatomische Verände¬
rungen nach Lysolvergiftung.
Herr Berendes berichtet näheres über den Befund der im
Krankenhause zur Sektion gekommenen Lysolvergiftung. Ausser
Aetzschorfen am Mundwinkel und an den vorderen Teilen der Brust
fand sich zunächst eine nicht sehr ausgiebige Verätzung im unteren
Drittel des Oesophagus mit trübgrauer, pergamentartiger Epithel¬
nekrotisierung vor; die intensivsten Veränderungen zeigte der Magen;
derselbe war vollkommen in seinen sämtlichen Abschnitten verätzt
und wies bei lederartiger Konsistenz seiner Wand eine ganz unregel¬
mässig geschwürsartig arrodierte, hellbraunrot verfärbte, gequollene
und verdickte Innenfläche mit stellenweise noch locker anhaftenden
trübgrauen Epithelmembranen auf, die in grossen, unregelmässigen
Fetzen abgehoben waren. Aehnliche, wenn auch geringere Aetzbe-
zirke fanden sich auch im Anhangsteil des Duodenum vor. Da sich
im Magen noch reichlicher lysolhaltiger Magenbrei vorfand, nimmt
Vortr. an, dass ein Teil dieser intensiven Verätzungen wohl als eine
kadaveröse Nachätzung aufzufallen ist. In den Lungen bestand eitrige
Bronchitis mit vereinzelten Bronchopneumonien und wurde in den
Bronchien mikroskopisch Mageninhalt nachgewiesen. Die Leber wies
mikroskopisch keine Verändeerungen auf, ebenso wie in den Nieren
nur das gewöhnliche Bild der parenchymatösen Degeneration mit
terminealer Stauung vorhanden war. Auffallend war zum Schluss,
dass sich in sämtlichen Gefässen nur flüssiges Blut und nirgends ein
Blutgerinnsel fand.
Herr Port demonstriert die Röntgenbilder von Periostitis luetica
an Schlüsselbein, Spina Scapulae, Humerus, Ulna und Radius der
linken Seite bei einem 15 jährigen hereditär-syphilitischen Kinde, das
sonst keine Zeichen von Lues aufwies. Jodkali brachte vollkommene
Heilung.
Herr Hagen demonstriert gleichfalls mehrere Röntgenbilder
von luetischen Knochenerkrankungen.
Naturwissenschaftl.-medizinischer Verein zu Strassburg.
(Medizinische Sektion.)
(Bericht des Vereins.)
Sitzung vom 19. Juni 1908.
Herr Wollefiberg: Das Querulieren kl klinischer und
forensischer Beziehung.
Sitzung vom 6. November 1908.
Herr Fuchs: Ueber das Munddach und die Gaumen¬
bildung der amnioten Wirbeltiere.
Der Vortragende beschränkt sich auf die Darstellung der
Verhältnisse am Munddactoe der Säuger, rezenten Krokodile
und Schildkröten (spez. Cheloniden). Er gibt zunächst einen
kurzen historischen Ueberblick über die bisherigen Anschau¬
ungen, erläutert die Begriffe primäres Munddach, primitiver
und sekundärer Gaumen, primäre und sekundäre Choane auf
Grund der embryonalen und erwachsenen Verhältnisse beim
Säugetier (Beispiel: Mensch und Hund). Er weist darauf hin,
dass bei den rezenten Krokodilen und den Cheloniden eine dem
sekundären knöchernen Gaumen der Säuger ähnliche Bildung
längst bekannt sei und dass die herrschende Ansicht dahin gehe,
diese Bildungen zu homologisieren; es hätten also die rezenten
Krokodile und Cheloniden einen dem sekundären Gaumen der
Säuger homologen sekundären Gaumen und sekundäre
Choanen, wie diese.
Der Vortragende prüft diese Anschauung auf Grund der
Ergebnisse seiner über diese Frage angestellten, in der Zeit¬
schrift für Morphologie und Anthropologie (Band XI, 1908)
niedergelegten Untersuchungen. Er legt dabei das Haupt¬
gewicht auf die Entwicklung der betreffenden Teile.
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5. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
49
Das Studium der Entwicklungsgeschichte lehrt nun, dass
die Vorgänge, welche bei den Säugern, Krokodilen und
Cheloniden die Bildung des sogenannten sekundären Gaumens
hervorrufen, in. den 3 Gruppen durchaus verschieden sind.
Am ähnlichsten sind sie noch bei Säugern und Krokodilen;
doch machen sich auch hier bereits von allem Anfänge an
grosse Unterschiede geltend, die der Vortragende im Einzelnen,
an der Hand von Abbildungen, nachweist und erläutert.
So gehen die weichen Gaumenfortsätze, welche natür¬
lich in beiden Gruppen zuerst auftreten, von ganz verschiedenen
Stellen der medialen Seiten der Oberkieferfortsätze aus.
Und während sie bei den Krokodilen von vornherein direkt
medialwärts verwachsen, wachsen sie bei den Säugern zu¬
nächst jederseits seitlich von der Zunge nach abwärts und
klemmen die Zunge zwischen sich. Erst später erheben sie sich
dann über die Zunge und sind nun medialwärts gerichtet, um
sich in der Medianlinie aneinander zu legen und mit einander
zu verschmelzen. Dabei trennen sie den oberen Teil der pri¬
mitiven Mundhöhle von dieser ab; er kommt als Ductus naso¬
pharyngeus zur Nasenhöhle, während der Rest, der unterste
Teil, der primitiven Mundhöhle zur sekundären* Mundhöhle
wird. Der Zusammenhang zwischen Ductus nasopharyngeus
und sekundärer Mundhöhle wird durch die sekundäre Choane,
die keine genetischen Beziehungen zur primitiven Choane hat,
gebildet.
Auch bei den Krokodilen entsteht ein Ductus naso¬
pharyngeus als Abkömmling der primären Mundhöhle und
seine Ausmündung in die sekundäre Mundhöhle geschieht eben¬
falls durch die von der primitiven Choane gänzlich unab¬
hängige sekundäre Choane. Aber die Art und Weise, wie der
Ductus nasopharyngeus entsteht, ist namentlich in den vorderen
Abschnitten ganz verschieden von den betreffenden Vorgängen
bei den Säugern; das gleiche gilt für die Zerlegung des ur¬
sprünglich einheitlichen Duktus in 2 nebeneinandergelegene
Gänge.
Auf Grund' dieser Verhältnisse kommt der Vortragende zu
dem Schlüsse, dass der sekundäre Gaumen der Krokodile dem
der Säuger nicht direkt homolog ist. Das ist auch nicht zu
verwundern; denn da die Säugerverhältnisse phylogenetisch
sicherlich gänzlich unabhängig von den Krokodilverhältnissen
entstanden sind, so ist es verständlich und von vornherein zu
erwarten, dass die genetischen Vorgänge nicht durchweg gleich
verlaufen, sondern vielfach verschieden sind, und dass somit
nur äusserst ähnliche, aber nicht völlig gleiche Bildungen
vorliegen.
Die Hartgebilde (Knochenfortsätze), welche in beiden
Gruppen sich in den weichen Gaumen vorschieben und den
harten sekundären Gaumen bilden, gehen von den Maxillaria,
Palatina und eventuell noch Pterygoidea aus und dürften ein¬
ander entsprechen.
Gänzlich abweichend von den Vorgängen bei Krokodilen
und Säugern sind die Vorgänge, welche bei den Cheloniden
den sogen, „sekundären Gaumen“ hervorbringen. Hier ver¬
wachsen nämlich, im Anschlüsse an den primitiven Gaumen,
einfach die Ränder der beiden primitiven Choanen miteinander,
also jederseits der vom Oberkieferfortsatze gebildete laterale
Rand mit dem vom Nasenseptum gebildeten medialen Rande.
Eine Zerlegung der Mundhöhle, wie bei Krokodilen und
Säugern, findet dabei nicht statt und kann überhaupt nicht
stattfinden. Die primitiven Choanen werden grösstenteils ver¬
schlossen und nur ihre kaudalen Abschnitte bleiben erhalten
als die definitiven (bisher „sekundär“ genannten) Choanen.
Diese haben also, im Gegensatz zu den sekundären Choanen
der Krokodile und Säugetiere, genetische Beziehungen zu den
primitiven Choanen, sind kaudale Reste derselben. Der Vor¬
tragende schlägt daher vor, sie nicht mehr als sekundäre
Choanen zu bezeichnen, sondern als Choanae reliquae. Die
Mundhöhle wird also nicht zerlegt, sie bleibt zeitlebens primär.
Ductus nasopharyngei wie bei Krokodilen und Säugern werden
nicht gebildet.
Das Vomerpolster (bezw. Nasenseptum) bleibt das ganze
Leben am Munddache sichtbar. Das Munddach ist also das
ursprüngliche primäre Munddach mit einer durch die genannte
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Verwachsung der Oberkieferfortsätze mit dem Nasenseptum
gegebenen Abänderung. Dieser Verwachsung folgen später
auch die betreffenden Knochen, die in den Oberkieferfortsätzen
entstehenden Maxillaria und der im Nasenseptum entstehende
Vomer, indem sie auch ihrerseits eine Strecke weit mit ein¬
ander verwachsen und so jene charakteristische Abänderung
am primären Munddache bilden, die man bisher als „sekun¬
dären Gaumen“ der Schildkröten bezeichnete. Diese Bildung
ist aber von dem sekundären Gaumen der Krokodile und
Säuger durchaus verschieden, ist überhaupt kein sekundärer
Gaumen, sondern das ursprüngliche Munddach der Amnioten
in allerdings etwas abgeänderter Form. Der Vortragende
schlägt daher für diese Bildung die Bezeichnung Tegmen oris
primarium commutatum (eventuell Palatum vomero-maxillare)
vor. Für den sekundären Gaumen der Krokodile und Säuger,
der ein gegenüber dem primären Amniotenmunddach (Tegmen
oris primarium) durchaus neues Munddach darstellt, schlägt
er die Bezeichnungen: Tegmen oris secundarium s. Palatum
secundarium s. Palatum palatino-maxillare vor. Dabei ist zu
beachten, dass genetisch das Palatum secundarium Croco-
dilium und das Palatum secundarium Mammalium verschieden
sind.
Die primären Choanen, wie sie den Embryonen aller
Amnioten zukommen und bei vielen Reptilien (Rhyncho-
cephalen, Saurier) dauernd vorhanden sind, bezeichnet der
Vortragende als Choanae primariae; die Choanen der Chelo¬
niden, als kaudale Reste dieser Choanae primariae, Choanae
reliquae, und die, den Choanae primariae gegenüber, voll¬
ständig neue Bildungen darstellenden hinteren Oeffnungen der
Ductus nasopharyngei der Krokodile und Säuger Choanae
secundariae.
Diskussion: Herren Morgenstern. Chiari, Fuchs,
v. Recklinghausen, Ewald, Chiari, Fuchs.
Medizinisch-Naturwissenschaftlicher Verein Tübingen.
(Medizinische Abteilung.)
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 9. November 1908.
Vorsitzender: Herr Seilheim.
Schriftführer: Herr Fleischer.
Herr Henschen: Zur Theorie und Praxis der Ex¬
tensionsbehandlung der Ober- und Unterschenkelbrüche (Ex¬
tension in Semiflexion bei Muskelentspa<nnung).
Die Behandlung der Knochenbrüche an der unteren Ex¬
tremität, besonders derjenigen des Femur, ist bisher noch ein
offenes Problem; zu seiner Lösung müssen neben der Empirie
auch die Ergebnisse der physiologisch-mechanischen Analyse
herangezogen werden. Die beste Annäherung an eine solche
Lösung gibt zurzeit das Bardenheuer sehe Extensions¬
verfahren, da die Erfahrung die Dauerextension in ihren viel¬
fachen Variationen als bestes und zuverlässigstes Retentions¬
mittel bestätigt hat. Die Fundamente dieses Behandlungs¬
planes sind: frühzeitige, starke Längsstreckung mit Anwendung
hoher Gewichte (30—70 Pfund), direkter und indirekter (ab¬
hebelnder) Querzug, rotierende Extension, frühzeitige Auf¬
nahme der gymnastischen Behandlung. Dass die Methode aber
in vielen Händen versagt und auch dem extensionsgewandten
Techniker oft versagen muss, liegt zum Teil in gewissen physio¬
logisch-mechanischen Unrichtigkeiten des Verfahrens be¬
gründet. Im Bardenheuer sehen Extensionsplan ist die
alte hippokratische Strecklagerung des Beines prinzipiell bei¬
behalten; da aber das proximale Fragment namentlich am
Oberschenkel durch eine mächtige Muskel- und Bänderver¬
kettung zwangsmässig festgehalten ist, ist es anatomisch und
mechanisch zweckmässiger, das bewegungsfreie distale Bruch¬
stück, dessen Achsenstellung beliebig beherrscht und variiert
werden kann, dem proximalen entgegen zu führen und gegen¬
über zu stellen, es konaxial in dessen Achsenrichtung einzu¬
stellen. Die Wahl und Orientierung der Extensionsachse nach
diesem prinzipiellen Gesichtspunkt erfolgt aber noch aus einer
tieferen, muskelphysiologischen Notwendigkeit heraus. Unsere
korrektiven Extensionszüge müssen, wenn der Einfluss der
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50
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. I.
Schwere ausgeschaltet ist, eine Trias innerer Dislozierungs¬
kräfte überwinden: die nur in der Frühphase der Fraktur
Einfluss gewinnende aktive Kontraktionstätigkeit der Muskeln
— die elastische Spannung aller elastischen (nicht muskulären)
Weichgewebe — namentlich aber die elastische Spannung und
spätere narbig-nutritive Verkürzung der Muskelstränge; erstere
ist eine reine Funktion der passiven Dehnung der Muskeln. Die
sogen, zwei- und mehrgelenkigen Muskeln spielen dabei im
physiologisch-mechanischen Getriebe die entscheidende Rolle.
In welcher Stellung besteht nun kleinstmögliche Weichteil-
und Muskelßpannung? Durch statisch-geometrische Kon¬
struktion, durch muskelmechanische Analyse wie aus unmittel¬
barer Beobachtung am Lebenden lässt sich nun nachweisen,
dass es für jede Extremität eine mittlere neutrale
Stellung geben muss, in der sich die Spannungen aller in
und an ihr wirkenden Muskeln Gleichgewicht halten, sofern
die Schwere kompensiert ist und nicht durch aktive Muskel¬
tätigkeit äquilibriert werden muss. Diese physiologischen
Gleichgewichtslagen, die Stellungen der Spannungsminima,
welche als die natürlichen, physiologischen Ex¬
tensionslagen (Behandlungslagen) anzusprechen sind,
fallen im ganzen zusammen mit den sogen. Bequem- oder
Ruhelagen. Da die Anatomen letztere, häufig mit den sog.
Mittellagen identifizieren, tut man gut, nach folgenden De¬
finitionen zu unterscheiden: 1. diegeometrischeMittel-
1 a g e eines Gelenkes als jene, bei welcher der Bewegungs¬
umfang nach beiden Seiten der gleiche ist; der Begriff der
„Mittellage“ ist diesen geometrisch (phoronomisch) bestimmten
Stellungen zu reservieren; 2. die Schmerzstellungen,
Beugehaltungen entzündeter Gelenke, bei denen mehr¬
fache, nicht bloss muskuläre Vorgänge mitspielen und die
geometrische Mittellage nur eine kürzer oder länger inne¬
gehaltene Durchgangsphase zu einer subextremen Flexion ist;
3. die eigentlichen Ruhelagen. Da im Bauplan
unserer Glieder den mehrgelenkigen Muskeln nach Zahl wie
nach physiologischer Bedeutung die Hauptrolle zufällt, ist die
Neutral- oder Ruhelage eines Gelenkes von der
eines 2., 3. ev. noch mehrerer anderer abhängig. Indem in der
physiologischen Gleichgewichtslage die Muskeln nur etwa um
50 Proz. ihrer natürlichen Länge gedehnt sind, bleibt uns in
dieser Lage noch die Hälfte der überhaupt möglichen Dehnungs¬
strecke für die Extension geöffnet, womit eine wirkungssichere
Extension überhaupt erst möglich wird. In Strecklagc bilden
Bizeps-Semitendinosus-Semimembranosus plus Wadenmuskeln
ein straffgespanntes zweigliedriges Muskelband, das in
dieser Stellung überhaupt schon nahe der Grenze seiner
physiologischen Dehnungsmöglichkeit angelangt ist, sich auch
durch brutale Zugdosierung nicht sehr viel weiter mehr dehnen
lässt.
Von einschneidender Bedeutung sind auch die beson¬
deren und eigenartigen Ausdehnungsver¬
hältnisse der quergestreiften Muskeln. Während
sonst in der ganzen Festigkeitslehre des Mechanikers das sog.
Hookesche Gesetz gilt, wonach die Veränderung (Verlänge¬
rung) der deformierenden Zugkraft direkt proximal geht, folgen
die Muskeln (Venen und Sehnen) der Hookeschen Regel
nicht (A. v. H a 11 e r, E. W e b e r, G. W e r t h e i m, T r i e p e 1):
Die Ausdehnbarkeit nimmt mit zunehmender Belastung immer
mehr ab; grössere Belastung wird demnach in einem gewissen
Teil des Dehnungsfeldes kaum noch eine Verlängerung, noch
weitere Steigerung sogen, bleibende Aenderung und schliess¬
lich Zerreissung bewirken. Diese Tatsache ist nicht nur für
die gewöhnliche Arbeit der Muskeln hochbedeutsam, sobald
hohe statische Beanspruchung an sie herantritt, das Verhalten
des passiv gedehnten Muskels, dessen Verlängerungen bei
gleichmässigem Anwachsen des Zuges immer kleiner werden,
ist zugleich von fundamentaler Bedeutung für die Theorie
und Lehre der Extension. Angenommen, dass 10 kg der
Grenzwert ist, der überhaupt noch eine merkliche Verlängerung
des Muskels zu erwirken vermag, so muss jedes weitere Be¬
lastungsmehr bis 20, 30 und mehr Kilogramm wirkungslos
bleiben. Eine bedeutende Ucberdosierung über
den noch wirk u n g s m ö g 1 i c li e n Grenzwert
hinaus hinterlässt am faszial-muskulären
Weichteilapparat in Form einer dauernden
Verlagerung der natürlichen Länge blei¬
bende Spuren; die heutige physiologisch¬
mechanische Lehre von der Rolle der Muskel¬
hemmung bei der Hemmung der Gelenk¬
bewegungen beweist, dass Schlottergelenke
nach Extensionsbehandlung Folgen einer
solchen artefiziellen Muskelschädigung sind.
Die Anwendung hoher Gewichte wird unnötig, sobald wir
bei abgespannten Muskeln, i. e. in Semiflexion, extendieren
und gleichzeitig eine Reibung des Extensionsbeines durch Sus¬
pension in Spanntüchern oder Trikotschlauch (Hängematte¬
extension) ausschalten.
Die Längsstrecke soll als Frühextension in
den ersten 3 Tagen angelegt werden, während die Querzüge,
welche als reine Hebelzüge die konaxiale Stellung der Frag¬
mente zu sichern haben, erst zugesetzt werden, wenn die
Längsextension das volle Ausmass ihrer Wirkung erreicht hat.
Zum Schluss demonstriert Vortragender in gedrängter
Uebersicht die verschiedenen technischen Möglichkeiten und
Methoden, mit welchen sich die postulierte Kombination
von D a u e r e x t e n s i o n mit der muskelentspan¬
nenden Beugelage („Semiflexion“) realisieren lässt:
Aequilibrialmethode von M o j s i s o v i c z; Wage- oder Hebel¬
schwebe von Middeldorpf; Zugverband von Lorinser;
Methoden von Hennequin; Schwebeschiene von Brown
(Surgery, Gynecology and Obstetrics, Mai 1908, pag. 531);
Beugeextension mit Hilfe der direkten Nagelextension von
Steinmann; Hängemattenextension nach Hinsehen
(Beitr. z. klin. Chir., Bd. 57); automatische Apparatpermanent¬
extension nach Z u p p i n g e r, deren Wirkungsweise an Phan¬
tommodellen erklärt wird.
Herr Kolaczek: Neue Heilbestrebungen in der Be¬
handlung eitriger Prozesse. (Ist als Originalartikel in No. 51
dieser Wochenschrift erschienen.)
Physikalisch-medizinische Gesellschaft zu Wfirzburg.
(Eigener Bericht.)
Sitzung vom 9. November 1908.
Herr Polano: Ueber Hämolyse der Streptokokken.
(Erscheint unter den Originalien an anderer Stelle dieser
Nummer.)
Herr Faust: Ueber experimentelle Anämien.
Der breite Bandwurm des Menschen — Bothriocephalus
latus — verursacht im Darm manchmal eine schwere Anämie,
ganz nach Art der sogen, „perniziösen Anämie“. Die Kranken
werden sehr blass und gehen, sich selbst überlassen, dem
sichern Tode entgegen. Es erfolgt daraus, dass die Ursachen
dieser schweren Erscheinungen sicherlich auf das Vorkommen
und die unter gewissen Umständen erfolgende Resorption ge¬
wisser Stoffe aus dem Parasitenorganismus zurückzuführen sind.
Die chemische Untersuchung einer bedeutenden Menge
lufttrockener Botriozephalussubstanz ergab:
| Phosphorhaltige Substanz: Lezithine
Actherlösliche/Substanz Fetts#uren 'palmiUn-ltea-
f 8 " 1 roz# I rinsäure
' Cholesterin.
Asche 5,81
Albumin 26,20
Aetherunlösliche Substanz Globulin 10*48
= 63 Proz. 42,49
Gerüstsubstanz?
Wasser = 25 Proz.
Nachdem durch Experimente festgestellt worden war, dass
die in dem Botriozephaluslipoid an Cholesterin esterartig ge¬
bundene Oelsäure diejenige Substanz ist, auf welche die hämo¬
lytische Wirkung allein zurückgeführt werden kann, wurde
durch Tierversuch festgestellt, ob die Cholesterinester der Fett¬
qualitativ :
Kalzium
Magnesium
Kalium
Phosphorsäure
Eisen (wenig)
Natrium ) >j,
Schwefelsäure \’°
Kieselsäure £
Chlor J s»
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Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
51
säuren vom Darm aus resorbiert werden und in welcher Form
die blutkörperchenzerstörende Substanz in das Blut gelangt.
Es gelang der Nachweis, dass unter normalen physiologischen
Bedingungen, wenigstens beim Hunde, Oelsäure oder ölsaures
Natrium vom Darm aus zur Resorption gelangt. Die nächste
Aufgabe war daher das Studium der Oelsäurewirkung bei fort¬
gesetzter Verfütterung grösserer oder kleinerer Mengen der¬
selben.
Die Versuche über die Wirkungen der per o s oder
subkutan einverleibten Oelsäure erstreckten sich auf Hunde
und Kaninchen und zeigten einwandfrei, dass die hämo¬
lytische Wirkung der Oelsäure im Organis¬
mus genannter Tiere ebenso zustande kommt, wie bei den
Vorversuchen mit den verschiedensten Blutarten ausserhalb
des Organismus im Reagenzglase.
Es ergab sich z. B. bei einem etwa 2 Jahre alten kräftigen
Foxterrier, der vom 10. Oktober 1907 bis zum 18. Mai 1908
allmählich steigend 5,0 g bis 20,0 g Oelsäure puriss. mit Milch
gemischt durch die Magensonde erhielt, dass trotz Zunahme
des Körpergewichtes und trotz des guten Ernährungszustandes
der Hämoglobingehalt konstant abnahm und die
Zahl der roten Blutkörperchen nach starken
Schwankungen schliesslicheine bedeutende Verminderung
erfuhr.
Subkutane Einverleibung von ölsaurem Na¬
trium führte bei Kaninchen rasch zu beträchtlicher Abnahme
der Zahl der roten Blutkörperchen und des Hämo¬
globingehaltes.
Bei diesen Versuchen, bei denen es sich im Gegensatz zu
den vorhergegangenen um eine akut verlaufende An¬
ämie handelte, konnten die blutbildenden Organe den plötzlich
an sie gestellten Anforderungen infolge des raschen Ueber-
ganges der Oelsäure in das Blut nicht genügen; es erfolgte
daher im einen Versuchsfalle der letale Ausgang nach 12 Tagen,
in dem anderen Falle innerhalb 22 Tagen Abnahme des Hämo¬
globingehaltes um fast 50 Proz.
Aus den Wiener medizinischen Gesellschaften.
(Eigener Bericht.)
K. k. Gesellschaft der Aerzte.
Dr. Je hie: Die lordotteche Albuminurie.
Statt der Bezeichnung „orthostatische Albuminurie“ gebraucht
der Vortragende nunmehr die der „lordotischen“, wie sie von Esche-
r i c h vorgeschlagen wurde, nachdem sich in einer grossen Reihe
mannigfach variierter Versuche immer wieder gezeigt hatte, dass das
ursächliche Moment der Albuminurie nicht das orthostatische (auf¬
rechte Körperhaltung oder das Aufrichten des Körpers aus der hori¬
zontalen in die vertikale Lage) ist, sondern dass die Körperhaltung
resp. die damit verbundene Lordose im Lendenteile bei den
„Orthostaten“ die Albuminurie bedinge. Solche Kinder sind sämtlich
mit einer pathologischen Lordose behaftet. Und das Leiden betrifft
hauptsächlich Kinder, weil während der Zeit des raschen Körper¬
wachstums die Widerstandskraft der Wirbelsäule eine geringe, die
Disposition zu einer pathologischen Lordose eine grosse ist.
Der Vortragende führt zur Stütze seiner Theorie die nach¬
folgenden Beobachtungen an: Korrigiert man die bestehende Lor¬
dose, so tritt trotz orthostatischer Körperhaltung keine Albuminurie
auf, so lange der Kranke die korrigierte Körperhaltung einhält; ander¬
seits kann man in horizontaler Körperlage die Eiweissausscheidung
hervorrufen, wenn man bei ihm künstlich eine entsprechende und
extreme Lordose erzeugt. Lässt man einen „Orthostaten“ aufrecht
knien oder stramm militärisch stehen (stärkeres Hervortreten dieser
Lordose), so tritt auch eine vermehrte Eiweissausscheidung auf. was
auch das häufigere Vorkommen der lordotischen Albuminurie bei
Kadetten, Soldaten etc. erklärt. Durch künstliches Lordosieren kann
man auch bei normalen Kindern eine Albuminurie provozieren, was
nur beweist, dass normale Kinder im gewöhnlichen Stehen keine
Disposition für diese pathologische Lordose besitzen. Diese Lordose
schafft eine mechanische Stauung im Gebiete der unteren Hohlvene,
von den Nieren abwärts, auf welche Stauung die Nieren mit einer
Albuminurie antworten, was der Vortragende noch mit einer Reihe
von weiteren Versuchen an Kindern begründet. Auch die Schwan¬
kungen der Eiweissausscheidungen im Laufe des Tages werden ent¬
sprechend erklärt. Die Therapie wird in erster Linie solche Kinder
allgemein zu kräftigen, sodann die pathologische Lordose durch
Turnen, Mieder etc. künstlich zu korrigieren sich bemühen, wodurch
man auch die Albuminurie beseitigen wird.
In der Diskussion sprach sich Prof. C h v o s t e k aut Grund
neuerer Versuche abermals gegen die Bedeutung der Lordose als
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ursächliches Moment der orthostatischen Albuminurie aus. Privat¬
dozent Dr. v. Stejskal hält wohl die Lordose für einen jener
Faktoren, welcher die sogen, orthostatische Albuminurie auslösen
könne, führt aber aus, dass man es hier wahrscheinlich mit einer
abnormen Innervation der Nierengefässe zu tun habe, welche es
bedinge, dass die im Liegen noch suffiziente Niere beim Stehen des
Kranken abnorme Durchlässigkeit besitze. Prof. P a 1 bestätigt auf
Grund seiner eigenen Versuche (sein Assistent Dr. Horner fand
unter 59 daraufhin Untersuchten bei 28 Albuminurie in der J e h 1 e -
sehen Position) die Richtigkeit der Angaben J e h I e s, er möchte aber
den Vorgang nicht so einfach als venöse Stauung erklären. Pri¬
marius Dr. Knöpfelmacher kann zwar die Angaben J e h 1 e s
nach eigenen Beobachtungen vollauf bestätigen, möchte aber neben
dem in solchen Fällen zweifellos erforderlichen Momente der lor¬
dotischen Körperhaltung doch noch eine besondere Disposition zur
Eiweissausscheidung annehmen. Hofrat Prof. Escherich führte
aus, dass die Entdeckung J e h 1 e s inzwischen vielfach bestätigt
wurde und betonte besonders, dass es nur das mechanische Moment
sei, welches in solchen Fällen die Albuminurie bedinge. Das sei auch
in praktischer, diagnostischer und therapeutischer Hinsicht sehr wich¬
tig und darum habe man es hier mit einem bedeutenden Fortschritt
zu tun. Prof. Tandler bemerkte, dass ihm beim Anblicke der
drei demonstrierten Knaben die Idee gekommen sei, dass durch die
pathologische Lordose eine abnorme Längsspannung der Aorta her¬
vorgerufen werden müsse. Wenn das richtig sei, dann müsse der
Puls in der Art. femoralis verschwinden oder mindestens bedeutend
schwächer werden, wenn das Kind mit pathologisch-lordotischer
Wirbelsäule steht. Das habe er tatsächlich gefunden; im Momente,
in welchem die pathologische Stellung der Lendenwirbelsäule eintritt,
verschwindet der Femoralispuls. Das w'ürde beweisen, w r enn es sich
in weiteren Versuchen als richtig herausstellt, dass der Stellung der
Wirbelsäule ein gewisser Einfluss auf das Gefässystem zukomme.
Dr. O. v. Frisch: Eingeheilte Fremdkörper.
Vortr. stellte aus der Klinik v. Eiseisbergs einen Mann vor.
der vor ca. 3 Wochen gefallen war und sich dadurch, dass er eine
Pfeife im Munde hatte, eine Verletzung an der Zunge zuzog. Tags
darauf konsultierte er einen Arzt, der eine Schwellung der Zunge
konstatierte. Der Schmerz und die Schwellung schwanden, es blieb
aber eine harte Stelle zurück, etw-a haselnussgross, druckempfind¬
lich. Als man jetzt eine Probeinzision machte, stiess man auf einen
Fremdkörper, auf das aus Horn gedrechselte Mundstück .einer Bauern¬
pfeife, weiches leicht entfernt wurde. Der Fall zeigt einmal, wie ein
solcher Fremdkörper ohne sichtbare Narbe und Eiterung in der Zunge
einheilen könne, er fordert aber auch auf, bei zweifelhaften Tu¬
moren vorerst eine Probeinzision zu machen.
Bei diesem Anlasse erinnerte Stabsarzt Dr. Fein an seine Be¬
obachtung. Er sah bei einem Manne an der rechten Seite des
Gaumensegels eine Schwellung und Ulzeration, entfernte von dort ein
ca. 4 cm langes Mundstück einer hölzernen Zigarrenspitze, welche er
sich vor 13 Jahren in den Mund gestossen hatte. Auch hier war der
Fremdkörper eingeheilt, ohne besondere Beschwerden zu verur¬
sachen.
Wissenschaft!. Gesellschaft deutscher Aerzte in Böhmen.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 20. November 1908.
Herr Luksch: Demonstration von bakteriologischen Wand¬
tafeln.
Herr Pohl: Ueber die Eskalation von Alkoholen.
Der Vortragende stellte sich die Frage, zu ermitteln, w'arum ein
und derselbe tertiäre Alkohol vom Kaninchen, nicht aber von Hund
und Mensch an Glykuronsäure gepaart wird. Als Versuchssubstanz
diente Amylenhydrat. Eine Zersetzung der einmal eingetretenen Bin¬
dung an Glykuronsäure findet nicht statt. Zeitliche Unterschiede in
der Bildung der Glykuronsäure bestehen nicht. Die Tiere, die tertiäre
Alkohole nicht paaren, exhalieren dieselben zum grossen Teile. Der
Hund exhalierte 55 Proz., das Kaninchen bloss 17,3 Proz. des dar¬
gereichten Alkohols; es bestehen somit bloss quantitative Unter¬
schiede. (Ausführliche Mitteilung im Archiv für experimentelle Pa¬
thologie und Pharmakologie 1908, Festschrift für S c h m i e d e b e r g.)
Herr Klein haus demonstriert einen geheilten Fall von tians-
peritonealem Kaiserschnitt.
Herr Gross bespricht einen Fall von Eklampsie und Blasen¬
mole.
Unterbrechung der Schwangerschaft wegen Eklampsie. Die
Ausräumung des Uterus förderte den frischen. 16 cm langen Fötus
und eine partiell in Blascnmole unigew'andelte Plazenta zu tage.
31 Stunden post partum erlag die Patientin ihrem Leiden. Die Sek¬
tion ergab den für Eklampsie typischen Leberbefund und chronischen
Morbus Brightii.
Sitzung vom 4. D e z e m her 1908.
Herr Garkisch demonstriert:
a) ein kleinkindskopfgrosses, submuköses, spontan ausgeschie¬
denes Uterusmyom; die histologische Untersuchung einer durch Pcs-
sardruck verdickten Stelle zeigte: mächtige Plattenepithelschichte,
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
52
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
deren äusserste Lagen verhornt sind, sehr deutliche Basalzellen¬
schicht, von welcher nach innen zu in ein äusserst kernarmes Binde¬
gewebe zahlreiche „Papillen“ einstrahlen.
b) ein mannskopfgrosses retroperitoneales Liposarkom.
Herr Hugo Prlbram: Einfluss der Röntgenstrahlen auf die
verschiedenen Formen von Leukämie.
Der Verf. referiert über seine gemeinsam mit Dr. R o t k y ge¬
machten Beobachtungen an 6 Fällen von Leukämie.
1. Hämatologisch: a) Myeloide Leukämie: Immer Leukozyten¬
sturz, nach einiger Zeit Rezidiv. Nach den ersten Bestrahlungen
(im Gegensatz zur lymphatischen Leukämie) erst Leukozytenver¬
mehrung bei gleichmässiger Leukozytenverteilung, dann Sinken, wo¬
bei vorwiegend die pathologischen Formen abnahmen. Zur Norm
kehrte das Blut nie zurück. Die Knochenbestrahlung ist weniger
wirksam als die Milzbestrahlung, das Rezidiv ist weniger zu be¬
einflussen als die primäre Erkrankung, b) Chonische lymphatische
Leukämie: Durch Bestrahlung der Drüsen wurden auch nicht direkt
bestrahlte Drüsen reduziert. Starker Leukozvtensturz ohne prozen¬
tuale Verschiebung der einzelnen Formen. Die polynukleären neu¬
trophilen Zellen wurden auf den 16. Teil der Normalzahl reduziert,
ohne dass der Gesamtorganismus geschädigt wurde, c) Akute lym¬
phatische Leukämie: erfolglos.
2. Chemisch: Stickstoff, Phosphorsäure, Harnsäure und Purin¬
basen vermehrt während des Leukozytenabfalles.
3. Klinisch: a) Schädigungen: geringe Hautaffektionen (Silber¬
platte von Jaksch); einmal Pleuritis und Nephritis, vielleicht be¬
dingt durch die Bestrahlung, b) Nutzen: Besserung des Blutbildes.
Zurückgehen der intumeszierten Organe, Gewichtszunahme, Besse¬
rung des Allgemeinbefindens, Hinausschieben des Rezidivs, aber nie
vollständige Heilung. Rotky-Prag.
Aus den französischen medizinischen Gesellschaften.
Acadgmle de m6declne.
Sitzung vom 27. Oktober 1908.
Die Intradermoreaktion auf Tuberkulin.
Um die Injektion (von Vioomg einer 1 :5000 Tuberkulinlösung)
schmerzlos zu machen, kann man nach Mantoux - Cannes noch eine
geringe Menge Kokain oder Stovain (1,0 :200,0) zusetzen. Von
91 Tuberkulösen haben alle reagiert, von 250 Individuen, die frei von
Tuberkulose schienen, haben 129 positiv reagiert. Die positiven
Reaktionen sind sehr selten im ersten Lebensjahr und nehmen an
Häufigkeit mit dem Alter zu: auif 6 Erwachsene 5 Reaktionen, was di.e
Häufigkeit der latenten Tuberkulose beweist. Alle Kranken, welche
auf die Kutiprobe reagieren, reagieren auf die Intradermoinjektion:
viele Tuberkulöse, welche nicht auf erstere reagieren, reagieren auf
die Intradermoinjektion. Letztere muss also an Stelle der Ophthalmo¬
reaktion treten. Die positive Intradermoreaktion bedeutet einfach das
Vorhandensein eines tuberkulösen Herdes im Organismus, was beim
Säugling z. B. von grossem Wert ist. Die negative Intradermo¬
reaktion hingegen ermöglicht beinahe mit Sicherheit eine tuberkulöse
Affektion auszuschliessen. Ausser kachektischen und moribunden In¬
dividuen reagieren jedoch nicht Masern-, vielleicht auch Blattern¬
kranke und Geimpfte auf die Intradermoinjektion. Dieselbe kann auch
zur Behandlung der Tuberkulose mit Tuberkulin benützt werden, die
Hautreaktion wird auch über die Empfänglichkeit des Individuums
Aufschluss geben.
Aus den italienischen medizinischen Gesellschaften.
Medizinisch-chirurgische Akademie zu Neapel.
Sitzung vom 28. Juni 1908.
De Renz 1, der Kliniker Neapels, hält bei Zystizerkus und
Echinokokkus eine innere Kur nicht für wirkungslos. Er will in
4 Fällen einen hindernden Einfluss auf die Entwicklung der Parasiten
von Ol. aether. filicis maris bemerkt haben.
Rubinato: Anatomisch-klinische Betrachtungen über Be¬
ziehung zwischen Diabetes mellitus und Langerhanssehe Inseln.
Weitgehende Veränderungen des Pankreas durch Entzündung
wie Neoplasmen fand R. verbunden mit unbedeutenden, kaum wahr¬
nehmbaren Veränderungen der Langerhans sehen Inseln; in
solchen Fällen war es nicht zum Diabetes gekommen. Dagegen fand
er bei Diabetikern diese Inseln erheblich verändert durch hyaline,
fettige degenerative Sklerose, während das übrige Pankreas gesund
erschien.
Dies würde für die Hypothese von Laguesse sprechen, wel¬
cher annimmt, dass nur diese Inselchen, welche mit einem feinen
Nerven- und Gefässnetz ausgerüstet und den Glomerulis der Niere
vergleichbar sind, zum Diabetes in Beziehung stehen. Dieselben son¬
dern ein Produkt ab, welches die Umwandlung des Zuckers regelt
und, solange sie funktionsfähig bleiben, erfolgt auch bei entzündlichen
und neoplastischen Zuständen des Pankreas kein Diabetes.
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Aus den englischen medizinischen Gesellschaften.
Royal Society of Medlcine. Medical Section.
Sitzung vom 27. Oktober 1908.
Endemischer Kretinismus in den Tälern des Gilgit und Tschitral.
R. McCarrison hat während seines Aufenhalts in Indien
203 Fälle von Kretinismus gesammelt. Aus seinen diesbezüglichen
Beobachtungen zieht er etwa die folgenden Schlüsse: Ein Zusammen¬
hang mit Struma ist insofern nachweisbar, als bei den Eltern von
Kretins ungemein häufig Kropf nachzuweisen ist. Bei der vor¬
liegenden Serie konnte bei 86 Proz. der Fälle festgestellt werden, dass
die Mutter an Kropf litt, und bei 40 Proz. wurde dies Leiden beim
Vater beobachtet. Dagegen war nicht zu erweisen, dass das Akqui¬
rieren eines Strumas Kretinismus für das betreffende Individuum im
Gefolge habe. Zwar wurde mit grosser Häufigkeit Struma bei den
Kretins (44 Proz.) konstatiert, doch war mit grosser Regelmässigkeit
zu erkennen, dass die Schwellung erst im späteren Verlauf nach voll¬
ständiger Entwicklung der Erscheinungen des Kretinismus hervor¬
trat. Bei den in einem strumareichen Distrikt sich neu niederlassen¬
den Einwanderern findet man gewöhnlich erst in der zweiten oder
dritten Generation Kretins, nachdem vorher bei den Aszendenten
Struma sich entwickelt hat. Es werden (in den in Rede stehenden
Landstrichen) mehr männliche als weibliche Individuen von dem
Leiden ergriffen. Die Schilddrüse zeigt fast immer dabei adenoma¬
töse oder zystische Veränderungen. Redner deutet das Kropfleiden
als eine durch Infektion entstehende Krankheit, welche durch heredi¬
tär übertragene Beeinträchtigung des Thyreoidstoffwechsels beim
Kinde zum Kretinismus führt; die gleiche Wirkung können noch
andere Erkrankungen und auch psychische Erregungen der Mutter
während der Gravidität im Gefolge haben. Es sind 2 Formen von
Kretinismus zu unterscheiden: 1. die gewöhnliche, myxödematöse
Form und 2. der neurotische Typus mit zerebraler Diplegie. Die
letztere ist anderswo noch nicht beschrieben und umfasst die höchsten
Grade des Leidens mit Paresen, Tremor, spastischen Lähmungen, ge¬
steigertem Kniereflex, Anästhesien und analogen Störungen. Unter
den 203 Kranken boten 87 Proz. mehr oder minder ausgesprochene
Taubstummheit dar. In therapeutischer Beziehung hält Redner am
meisten von der Darreichung der Schafsschilddrüse.
V. H o r s 1 e y empfiehlt das operative Einsetzen von normalem
Thyreoidgewebe zur Behandlung des Kretinismus. Er hat gelegent¬
lich bei der Ausschälung eines Adenoms der Schilddrüse dem Patien¬
ten ein kleines Stück normaler Drüsenmasse entnommen und auf den
Kretin übertragen, was sich ihm als ungefährlich und erfolgreich er¬
wies.
J. Berry führt aus, dass den Parathyreoiddrüsen die gleichen
Funktionen zukommen, wie der eigentlichen Schilddrüse.
Aus Ärztlichen Standesvereinen.
Aerztliche Bezirksvereine Nürnberg-Fürth.
Gemeinsame Sitzung.
Nach kurzer Diskussion wird mit allen gegen eine Stimme be¬
schlossen, den neuen Direktiven des Leipziger Verbandes vom 7. De¬
zember 1908 Folge zu leisten. Die Mitglieder sind ebenso strenge
verpflichtet, die neuen wie die alten Massregeln einzuhalten. Unsere
bereits am 2. XII. 08 zur Durchführung der Kampfbestimmungen ein¬
gesetzte Kommission wird auch mit der Durchführung der neuen be¬
traut. Da man sich der Ansicht nicht verschliessen konnte, dass in
einzelnen Fällen Konflikte äusserer und innerer Natur für den Arzt
aus der Einhaltung der neuen Direktiven sich ergeben können, so
wird beschlossen, dass die Kommission von der Ausführung der
Bestimmungen für den einzelnen Fall, in dem sie angerufen wurde,
den Kollegen entbinden könne.
Der ärztliche Bezirksverein hatte mit den Kaufmannskassen einen
Vertrag abgeschlossen, der in einzelnen Teilen günstiger für die
Aerzte war, als der Tarifvertrag des Leipiger Verbandes. Der
Verein erklärt sich zur Erzielung einer Einheitlichkeit bereit, unter
Einhaltung der vierteljährlichen Kündigungsfrist auf seinen Sonder¬
vertrag zu verzichten, und wird sich dem gemeinsamen Tarifvertrag
anschliessen.
Nürnberg, 22. XII. 08. Dr. M a i n z e r.
Verschiedenes.
Die ärztlichen Wohlfahrtseinrichtungen in Oesterreich.
In der Prager medizinischen Wochenschrift, 1908, Bd. XXXIII,
S. 577 u. f. gibt Dr. Liebitzky -Aussig eine Uebersicht über die
ärztlichen Wohlfahrtseinrichtungen in Oesterreich und Deutschland,
aus der nachfolgendes weitere Kreise interessieren dürfte.
Oesterreich verfügt „dank dem hellseherischen Geiste“ Gerhard
van Swietens, des berühmten Leibarztes der Kaiserin Maria
Theresia, z. T. bereits seit der Mitte des 18. Jahrhunderts über ver-
schiedentliche, allerdings wesentlich auf Wien und Prag beschränkte,
Fürsorgeinstitute:
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UMIVERSITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
53
1. Die Wiener Witwen- und Waisensozietät, gegründet 1758;
Vermögen 6261837 Kronen; Ende 1907: 449 Mitglieder und 195 be¬
zugsberechtigte Witwen und Waisen.
2. Das Pensionsinstitut des Wiener medizinischen Doktoren¬
kollegiums; gegründet 1777; Vermögen 1 726 713 Kronen.
3. Das Unterstützungsinstitut eben desselben Kollegiums für hilfs¬
bedürftige Mitglieder (bis 800 Kronen zahlend).
4. Die Witwen- und Waisengesellschaft des Prager medizinischen
Doktorenkollegiums: 95 Mitglieder, Vermögen 636 778 Kronen.
5. Das Witwen- und Waiseninstitut des Sanitätspersonals in Vor¬
arlberg, gegründet 1847, 15 Mitglieder mit 29 Anteilen mit 56 989 K.
Vermögen und 8 bezugsberechtigte Witwen.
Neuen Antrieb und weiteren Umfang erhielten die Fürsorge¬
bestrebungen auch in Oesterreich erst durch das Inslebentreten der
Aerztekammern (1893) übrigens aber entsprechend dem vorgeschil¬
dert Vorhandenen anders wie bei uns in Deutschland: weit mehr und
erfolgreicher im Sinne der Versicherung als der Unter¬
stützung. „Man war sich bewusst, dass die Kammern berufen
sein würden, das ärztliche Wohlfahrtswesen in grosszügiger und ein¬
heitlicher Weise auszubauen“ und erörterte die Aufgabe alsbald von
dem Gesichtspunkt: „ob obligatorisch oder fakultativ“, ja zwei Kam¬
mern fassten sogar wagemutig den Entschluss einer obligatorischen
Versicherung, und eine dritte setzte sie ohne weiteres ins Werk.
Aber das Kammergesetz erwies sich als nicht ausreichend, sie wurden
„von der Regierung strikte abgewiesen“ und die begeisterte Be¬
wegung einer gemeinsamen und grosszügigen Aktion auf dem Gebiete
des ärztlichen Fürsorgewesens fand so leider auch in Oesterreich
ein vorzeitiges Ende. Uebrigens aber — wie schon gesagt — doch
nicht ohne einige Nachwirkungen, mit denen uns Oesterreich auch
heut noch überlegen ist.
Denn unentmutigt durch diesen Misserfolg ist man erstens, wie
wir in Deutschland, zu einem, wenn zwar auch sehr bescheidenen
(30—50 Kronen), so doch allenthalben kammerseitig geordneten Unter¬
stützungswesen gelangt, ja Oesterreich besitzt sogar uns voraus ein
Witwen- und Waiseninstitut mit staatlicher Subvention, in welches
jeder Arzt 2 Kronen jährlich steuern muss, dem fast alle Aerzte¬
kammern korporativ angehören, die entweder den Beitrag kassieren
oder selbst tragen. Man hat zweitens — und das haben wir
auch erst noch zu machen — bei 5 Aerztekammern ärztliche Kranken¬
kassen begründet, am erfolgreichsten innerhalb der Deutschen Sek¬
tion der Aerztekammer in Böhmen, deren Krankenkasse 580 Mitglieder
und ein Vermögen von 130 000 Kronen aufweist, demnächst aber:
in Mähren mit 139 Mitgliedern und 30 900 Kronen Vermögen, in Triest
mit 162 Mitgliedern und 2000 Kronen Vermögen, in Steiermark mit
141 Mitgliedern und 6966 Kronen Vermögen und in Galizien mit 187
Mitgliedern und 4600 Kronen Vermögen.
Dieser Anregung folgend hat auch der Zentralverein tschechi¬
scher Aerzte in Böhmen, Mähren und Schlesien eine besondere Kran¬
kenkasse geschaffen mit z. Z. 454 Mitgliedern und 72 000 K. Vermögen
und endlich besteht in Wien seit dem Jahre 1892 eine siebente
und letzte Krankenkasse: der Krankenverein der Aerzte Wiens mit
548 Mitgliedern und 139 000 K. Vermögen, so dass alles in allem bei
einer Zahl von etwa 12 000 Kollegen das Gesamtvermögen der öster¬
reichischen ärztlichen Fürsorgeeinrichtungen heute 12—13 Millionen
Kronen beträgt, und 2211 Aerzte, d. h. fast ein Fünftel der Gesamtheit
in 7 ärztlichen Krankenkassen mit insgesamt 284 560 Kronen Vermögen
inkorporiert sind, während Deutschland wie bekannt nur über eine
ärztliche Krankenkasse für die Aerzte Deutschlands, in
welcher nach 21 jährigem Bestehen von insgesamt ca. 30 000
deutschen Kollegen doch nur 1044 versichert sind, verfügt.
Man hat drittens unter dem Namen „Wohlfahrtsverein für
Hinterbliebene der Aerzte Oesterreichs“ dortselbst eine Sterbekasse
auf Gegenseitigkeit begründet, die es nach 8 jährigem Bestände auf
908 Mitglieder gebracht hat und ein Sterbegeld von 1800 Kronen
zahlt,die allerdings bisher nicht obligatorisch ist,aber von Liebitzky
Kern als der hoffnungsvolle erste Schritt zu einer allgemeinen öster¬
reichischen Sterbekasse und Reliktenversorgung mit obligatorischem
Beitritt angesehen werden möchte.
Er schlägt vor, dass 1. jeder der 12 000 österreichischen Aerzte
pro Todesfall eine Krone zu zahlen habe, 2. die Aerztekammern aus
ihren Unterstützungskassen Grundbeiträge geben, 3. durch einen Auf¬
ruf an die begüterten Kollegen ein Wohltätigkeitsfonds geschaffen wer¬
den solle, der für die unbemittelten Mitglieder die Beitragszahlung
zu übernehmen hätte, und sieht in dieser obligatorischen allgemeinen
Sterbekasse mit mindestens 12 000 Kronen Sterbegeld das erste er¬
reichbare und gleichzeitig auch zunächst ausreichende Ziel einer des
Namens würdigen Standesfürsorge.
Betreffs der deutschen ärztlichen Fürsorgeeinrichtungen ist L.
bewusstermassen nicht vollständig und erwähnt beispielsweise weder
die grösste und älteste unserer Unterstützungskassen: Die Preussi-
sche Hufelandstiftung noch die grossen Sterbekassen Sachsens. Aber
seine vollste Anerkennung findet die sächsische Fürsorge in Gestalt
der obligatorischen Witwen- und Invalidenversorgung, sowie die
Krossartigen und alten Fürsorgeeinrichtungen Bayerns und vor allem
und zuletzt die Versicherungskasse für die Aerzte Deutschlands in
Berlin, die er als das Muster einer ärztlichen Fürsorgeanstalt ansieht,
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und von der in Deutschland doch leider nach wie vor das böse Wort:
„nullus propheta in patria“ gilt.
Wir aber fügen hinzu quo usque tandem! und überlassen
gern die Ergänzung dieses ciceronianischen Wortes denjenigen unter
den Lesern dieser Zeitschrift, die durch das Vertrauen der deutschen
Aerztewelt die Macht und doch wohl auch die Aufgabe haben, hier
Wandel zu schaffen. B e n s c h - Berlin.
Die geschlossene Unterrichtszeit ln den Volksschulen«
Aus dem Berichte über die 4. Sitzung der Kgl. Lokalschul¬
kommission München vom 3. Dezember 1908 (vergl. Münchener Ge¬
meindezeitung No. 99) geht hervor, dass die Vereinigung der Ober¬
lehrer Münchens an die Kgl. Lokalschulkommission den Antrag ge¬
stellt hatte, es möge die Schulbehörde der Frage der geschlossenen
Unterrichtszeit dadurch näher treten, dass sie für die Sommermonate
Mai, Juni und Juli Versuche mit der Einführung der sog. geschlossenen
Unterrichtszeit für die Volksschulen anstellen lassen möge. Gegen¬
über diesem Anträge hatte der Ausschuss der Schulkommission be¬
antragt, dass bei den gegenwärtigen Schuiverhältnissen der Gross¬
stadt und bei den staatlich vorgeschriebenen Lehrplanaufgaben vor¬
läufig überhaupt von der Einführung der geschlossenen Unterrichts¬
zeit abzusehen sei. Der Begründung, welche Herr Stadtschulrat
Kerschensteiner diesem letzteren Antrag gab, schloss sich die
Schulkommission bei der Abstimmung mit allen gegen 9 Stimmen an,
so dass also damit die Frage der Einführung der geschlossenen Unter¬
richtszeit für alle oder auch für Teile der hiesigen Volksschulen in
ablehnendem Sinne entschieden ist. Diese Sachlage darf wohl auch
das Interesse ärztlicher Kreise für sich beanspruchen. Man wird von
vorneherein erwarten, dass der um den modernen Ausbau unseres ge¬
samten städtischen Schulwesens so hoch verdiente Stadtschulrat
Kerschensteiner nur unter dem Gewichte sehr triftiger Gründe
sich zu der Stellungnahme gedrängt glauben konnte, die völlige Ab¬
lehnung obigen Antrages der Oberlehrervereinigung zu befürworten.
In der Tat wurden gegen eine allgemeine Einführung der ge¬
schlossenen Unterrichtszeit für die hiesigen Volksschulen eine An¬
zahl schwerwiegender Gründe sowohl vom Herrn Referenten als von
den Diskussionsrednern angeführt (grössere Ermüdbarkeit der Volks¬
schulkinder gegenüber den Mittelschulkindern, Notwendigkeit der Ge¬
währung längerer Pausen und damit erheblicherer Ausfall an Unter¬
richtszeit, Schwierigkeiten in der Erreichung der gegenwärtigen
Lehrziele, Bedenken bezüglich der Versorgung der Kinder ausserhalb
der Schule etc.). Diese Gründe sind gewiss alle ernster Erwägung
wert. Nur in einem und gerade sehr wichtigen, ja in gewisser Hin¬
sicht ausschlaggebenden Teile seiner Beweisführung gegen die Zweck¬
mässigkeit des geschlossenen Unterrichts an den hiesigen Volks¬
schulen köpnen wir dem Herrn Referenten nicht beipflichten. Er
gibt zu, dass in den meisten englischen Städten, London aus¬
genommen, die grossen Massen der Arbeiterfamilien ausserhalb der
Stadt in Einfamilienhäusern wohnen, so dass das Kind nach Beendi¬
gung seiner vormittägigen Schulzeit nicht bloss aus den Gefahren des
Grossstadtlebens herauskommt, sondern auch in den allermeisten
Fällen, wenn auch nicht die Eltern, so doch eine hygienische Wohnung
vorfindet. Nach einer Anerkennung der Tätigkeit einer Art Knaben¬
horte in England, der sog. Boy-Brigades fährt Herr Stadtschulrat
fort: „Wenn wir in München einmal so weit gekommen sein werden,
dass unsere Wohnungsverhältnisse für die Minderbemittelten sehr viel
bessere sind als heute, dann wird auch dieses schwere Bedenken
(die Verwahrlosung der Kinder ausserhalb der Grossstadtschule) sehr
viel leichter überwunden werden können. Aber gerade hierin fehlt
es noch sehr stark. Auch ist die ganze Bevölkerung noch viel zu
wenig an die geschlossene Arbeitszeit gewöhnt und es scheint mir
doch bedenklich, wenn die Schule damit den Anfang macht, während
es zweifellos umgekehrt sein sollte.“ Nun muss man aber dieser Dar¬
legung gegenüber doch sagen: Wie und wann können die Wohnungs¬
verhältnisse für die Massen unserer Arbeiter besser werden und sie
eventuell auch einmal in Einfamilienhäusern wohnen, wenn nicht
gerade auch von Seite der Schule durch die Einführung des nur ein¬
maligen Schulweges die Möglichkeit aufgemacht wird, dass die Ar¬
beiterfamilien aus dem Innern der Grossstadt und auch aus den Vor¬
stadtvierteln wirklich auf das freie Land hinaus ziehen? Denn un¬
zweifelhaft bildet doch der Zwang, die Kinder täglich zweimal in die
Schule hin- und herschicken zu müssen, einen wichtigen Grund, dass
die betreffenden Eltern der Vorteile besserer und gesünderer Woh¬
nungen ausserhalb des eigentlichen Stadtbereichs sich nicht teilhaftig
machen können. Die Volksschule sollte sich also unseres Erachtens
gerade in dieser Frage nicht ganz auf den Standpunkt des Abwartens
stellen, denn in der Institution der geschlossenen Unterrichtszeit hat
sie unstreitig ein Mittel in der Hand, die immer dringlicher werdende
Wohnungsfrage einen Schritt vorwärts bringen zu helfen. Im all¬
gemeinen stehen wir auch auf dem Standpunkte, dass es mindestens
sehr verfrüht, vielleicht überhaupt unpraktisch und in vieler Hinsicht
sogar bedenklich wäre, gegenwärtig die geschlossene Unterrichts¬
zeit etwa für alle Volksschulen Münchens einrichten zu wollen.
Darin stimmen wir unserem ausgezeichneten Stadtschulrat unbedingt
bei. Aber sollte sich in der Tat nicht von Seite der Stadtgemeinde
aus wenigstens die Möglichkeit eröffnen lassen, dass vorläufig ein
mehr oder minder kleiner Teil unserer Arbeiter- sowie der übrigen
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
54
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
Bevölkerung ihre Kinder in eine Volksschule mit geschlossener Unter¬
richtszeit senden können, wenn in der Tat schon das Bedürfnis dazu
vorhanden ist? Da es sich im allgemeinen doch um Kinder handeln
würde, welche ihren Schulweg mittels der Eisenbahn erledigen, so
wäre doch der Vorschlag erwägenswert, vielleicht 2—3 in der Nähe
des Haupt- resp. des Ostbahnhofes gelegene Schulen mit Parallel¬
klassen, welche geschlossene Unterrichtszeiten haben, auszustatten.
In diese Klassen könnten dann die Kinder der schon weit ausserhalb
der Stadt wohnenden oder auf Grund dieser Einrichtung hinaus¬
ziehenden Bevölkerung aufgenommen werden. Wahrscheinlich würde
sich in dieser Beschänkung die Einrichtung ähnlich bewähren, wie es
bei den Mittelschulen zutraf. Die weitere Entwicklung könnte man
dann getrost dem wachsenden Bedürfnisse selbst überlassen. Jeden¬
falls würden wir einen von Herrn Stadtschulrat Kerschen¬
ste i n e r mit gewohntem Organisationstalent und Wohlwollen für
alle modernen Forderungen unternommenen Versuch im Interesse der
Bevölkerung warm begrüssen. Wenn es noch gestattet ist, auf die
in den Ausführungen des Herrn Stadtschulrates erwähnte segens¬
reiche Institution der Boy-Brigades die Sprache zu bringen, so
könnte es nur auf das dankbarste unterstützt werden, wenn eines
Tages auch hier in München etwas Aehnliches ins Leben gerufen würde,
was eine Beaufsichtigung der Kinder ausserhalb der Schule durch
gebildete Menschen gewährleistet. Je mehr unsere Stadt wächst, je
mehr die früher nicht gefährdeten Spielplätze für unsere liebe
Strassenjugend zusammenschmelzen, je dichter und gefährlicher der
Strassenverkehr wird, desto dringender macht sich in der Tat die
Notwendigkeit geltend, in der vom Herrn Stadtschulrat angeführten
Richtung auch hier in München etwas zu tun und ich wüsste nicht,
wer häufiger als gerade die Aerzte in die Lage käme, eine ähnliche
Einrichtung wie die Boy-Brigades herbeizuwünschen. Es müssen sich
auch bei uns eines Tages Menschen zusammentun — München ist ja
eine Pensionopolis mit Tausenden unbeschäftigter Damen und
Herren — um einen besseren Schutz der Jugend ausserhalb der
Schule und ausserhalb der Mauern des Hauses zu organisieren. Hier
wäre eine Gelegenheit, einen wirklich notwendigen und gemeinnützi¬
gen Verein ins Leben zu rufen, um unsere Grossstadtjugend vor
schweren körperlichen und sittlichen Gefahren besser zu schützen.
Dr. Grassmann -München.
Ableistung des praktischen Jahres im Auslande.
Nach „Aerztll. Taschenkalender“ des L. V. kommen für Medi¬
zinalpraktikanten, welche einen Teil ihrer Praktikantenzeit im Aus¬
land verbringen wollen, z. Z. folgende Anstalten in Betracht:
1. Deutsche 'Heilstätte in Davos
(Schweiz).
2. Deutsches Hospital inILondon.
3. Evangelisches Hospital in St.
Petersburg.
4. Deutsches KrankenhJin Neapel.
5. Deutsches Hospital in Rom.
6. Deutsches Hospital in Konstan¬
tinopel.
7. Kinderhospital Marien-Stift in
Jerusalem.
8. Deutsches Johanniter-Hospital
in Beirut.
9. Deutsches Hospital in Alexan¬
drien.
10. Diakonissen-Hospital Viktoria
in Kairo.
11. Deutsch.HospitalinNew-York.
12. Deutsches Hospital in Phila¬
delphia.
13. Deutsches Hospital in Buenos-
Aires (Argentinien).
14. Deutsches Hospital in Val*
paraiso (Chile).
15. } Deutsches Marine-Hospital in
Yokohama (Japan).
Nach § 5 der Anweisung über das praktische Jahr wird die Be¬
schäftigung an einer dieser Anstalten ausnahmsweise und höchstens
bis zur Gesamtdauer von 6 Monaten für das praktische Jahr an¬
gerechnet. Gesuche sind vor dem Beginne der Beschäftigung bei der
Zentralbehörde, in deren Gebiete der Kandidat die ärztliche Prüfung
bestanden hat, einzureichen.
Therapeutische Notizen.
In einem Aufsatz „Falsch deklarierte Arzneimittel“
zieht Thoms (Ther. Monatsh. 12, 08) sehr energisch gegen die
Arzneimittelmischer zu Felde, welche unter neuen Phantasienamen
Gemische von altbekannten Arzneimitteln in den Verkehr bringen.
Als solche Mittel führt Th. auf: Jodvasogen, Aspirophen, Zitrokoll,
Formurol, Eston, Epileptol, Phagozytin, Neu-Sidonal, Kephaldol,
Arhovin, Jodofan, Pyrenol. Th. verlangt ein gesetzliches Verbot,
Arzneimittel unter einer der wirklichen Beschaffenheit nicht ent¬
sprechenden Bezeichnung in den Verkehr zu bringen. Er fordert die
Errichtung einer amtlichen Prüfungsstelle, welche die Kontrolle der
Fabrikangaben über chemische Zusammensetzung, Prüfung und Do¬
sierung neuer Arzneimittel übernimmt. Kr.
Für die Behandlung der Prostata 'Hypertrophie empfiehlt
H i 1 d e b r a n d t - Berlin als Normalverfahren den regelmässigen
aseptischen Katheterismus, daneben natürlich die gewöhnlichen hygie¬
nisch-diätetischen Massregeln. Kommt man damit nicht zum Ziele,
so wird die Drüse entfernt, am besten durch die transvesikale Opera¬
tion. Bei wenig widerstandsfähigen Patienten begnüge man sich mit
der Zystotomie. (Ther. Monatsh. 12, 08.) Kr.
Tagesgeschichtliche Notizen.
München, 2. Januar 1909. *)
— Die Hoffnung, dass die letzten Tage des alten Jahres in dem
Konflikt mit den Lebensversicherungsgesell¬
schaften doch noch den Friedensschluss bringen möchten
und dass die deutschen Aerzte befreit von dem Alp dieses Kampfes
in das neue Jahr würden eintreten können, hat nicht getäuscht. Am
28. v. Mts. fanden unter dem Vorsitze des Präsidenten des Kais. Auf¬
sichtsamtes für Privatversicherung, Geh. Ober-Reg.-Rat Grüner,
in Berlin Verhandlungen zwischen den streitenden Parteien statt,
die zu einer Einigung führten. Näherer Bericht darüber folgt unten.
Neben einer Aufbesserung der Honorare, die in ihrer Gesamtwirkung
über die der gescheiterten Vereinbarung vom 4. Dezember noch
etw r as hinausgehen dürfte, betreffen die erzielten Errungenschaften auch
eine Vereinfachung des Staffeltarifes und eine gerechtere Verteilung
des Honorars. So fällt der höchste Staffelsatz von 20 M. für Zeugnisse
für Versicherungen im Betrage von 20 000 M. an weg; alle Zeugnisse
für Versicherungen über 6000 M. werden mit 15 M. honoriert: es
erhalten also auch Zeugnisse für Versicherungen von 5001 bis 6000 M.
statt 15 M. (Danziger Satz) nur 12 M. Dagegen werden alle ver¬
trauensärztlichen Zeugnisse bis 6000 M. mit 12 M. (Danziger Satz
bis M. 5000 10 M.), die sog. kleinen Atteste für Volksversicherungen
bis zur Höhe von 2000 M. mit 6 M. (bisher 5 M.) honoriert. Für
die hausärztlichen Zeugnisse (Danziger Sätze 5, 7.50 und 10 M.) wird
einheitlich M. 7.50 vergütet. Der Vertrag ist für 10 Jahre unkünd¬
bar; dann läuft er auf je 3 Jahre mit 1 jähriger Kündigungsfrist
(früher jährlich kündbar) weiter. Wenn also auch das durch den
Friedensschluss Erzielte hinter den Forderungen des Münsterer
Aerztetages noch erheblich zurückbleibt, so hat man doch bei der
bekannten Zähigkeit und Festigkeit der ärztlichen Unterhändler die
Ueberzeugung, dass zurzeit mehr nicht zu erreichen war, wenn man
nicht anderweitige Schädigungen, wie z. B. die Einschränkung der
ärztlichen Untersuchung überhaupt, riskieren wollte. Es ergibt sich
aber auch, dass auch die Kommission des Aerztevereinsbundes ihre
Pflicht schon getan und das mögliche erreicht hatte und dass der
Danziger Aerztetag übel beraten war, als er die langwierige, ge¬
wissenhafte Arbeit seiner Kommission über den Haufen warf und
mit Davidsohn „keine Furcht kennend“ den „frisch-fröhlichen
Kampf“ heraufbeschwor. Nun, der Kampf ist durchgekämpft: frisch¬
fröhlich war er nicht, und alle sind wohl froh, dass er vorüber ist.
Am meisten Ursache dazu haben die Berliner Schürer des Brandes,
die, von ihren eigensten Leuten schmählich verlassen, sich in einer
üblen Situation befanden.
Interessant und lehrreich w^ar der Kampf nach den verschieden¬
sten Richtungen. Namentlich für die Beurteilung der Festigkeit und
Schlagfertigkeit unserer Organisation hatte er den Wert einer Probe¬
mobilmachung. die mit Ehren bestanden wurde. Auch manche un¬
erfreuliche Nebenerscheinung hat der Kampf im Gefolge gehabt. Da¬
von wird später zu reden Gelegenheit sein. Heute möge nur die
Freude über den errungenen Erfolg und den wiederhergestellten
Frieden zum Ausdruck kommen, wie nicht zuletzt der Dank an unsere
Führer, die eine ungern übernommene Aufgabe unter schwierigen
Verhältnissen und unter Leistung einer enormen Arbeit zu einem
ehrenvollen Ende geführt haben.
— Aehnlich wie mehrfach in Deutschland haben sich jetzt auch
die Assistenzärzte der schweizerischen Kranken¬
häuser zusammengeschlossen, um gemeinsam eine Verbesserung
ihrer Lage zu betreiben. Die Assistenten von Bern und Basel haben
bereits Eingaben an ihre Behörden gemacht, in denen die Berechti¬
gung eines solchen Verlangens zur Genüge dargelegt wird. Es wird
betont, dass der Assistenzarzt nicht nur um seiner Ausbildung willen
im Spital ist, er gehört vielmehr zum Aerztepersonal, er ist ein un¬
entbehrlicher Mitarbeiter seines Oberarztes, der an verantwortungs¬
voller Stelle eine grosse positive Arbeit zu leisten hat. Wenn man
die lange Dauer und die hohen Kosten des Studiums bedenkt, das
Vorbedingung für eine solche Stellung ist, so ist die Forderung einer
angemessenen Entlohnung für die geleistete Arbeit gewiss nicht von
der Hand zu weisen. In der Schweiz sind aber die Besoldungsver¬
hältnisse der Assistenzärzte ganz kläglich; sie erhalten durchschnitt¬
lich nur 600—800 Fr. nebst freier Station, ja in den Berner Kliniken
erhalten die ersten Assistenten (!) nur .500 Fr. und freie Station. Ge¬
fordert werden jetzt von den Basler Assistenzärzten: 1. Anfangsgehalt
von Fr. 1500 nebst freier Station; 2. jährliche Steigerung um Fr. 200
bis Fr. 2100; 3. die Anrechnung auswärtiger Dienstzeit; 4. das Recht,
die ordentlichen Militärdienste ausserhalb des Urlaubs zu absolvieren;
5. Unfall- und Haftversicherung seitens der Anstalt. Die Vorschläge
der Berner Assistenten lauten ähnlich. Wir hoffen, dass diese ge¬
rechten Ansprüche baldige Berücksichtigung finden, ähnlich wie das
auch in Deutschland allenthalben der Fall war.
— Der Vorstand der Robert Koch-Stiftung zur Bekämpfung der
Tuberkulose hat sich am 17. v. Mts. in folgender Weise konstituiert:
*) Die Nummer musste mit Rücksicht auf den Feiertag am 6. ds.
schon heute abgeschlossen werden. Red.
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Gck igle
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
5. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
55
Nach § 4 der Satzung gehören ihm an: Robert Koch, ferner der
Präsident des Kaiserlichen Gesundheitsamtes Geh. Ober-Reg.-Rat Dr.
ßumm, der Direktor des Institutes für Infektionskrankheiten Geh.
Ober-Med.-Rat Prof. Dr. G a f f k y, als Vertreter des Kaisers Gen.-
Arzt. Dr. v. 11 b e r g, als Vertreter des Deutschen Zentralkomitees
zur Bekämpfung der Tuberkulose Geh. Med.-Rat Prof. Dr. B. Frän-
k e 1, als Vertreter des Reichsausschusses für das ärztliche Fortbil¬
dungswesen Geh. Med.-Rat Prof. Dr. v. R e n v e r s, als Vertreter des
Deutschen Aerztevereinbundes San.-Rat Dr. Mugdan. Durch Koop¬
tation wurden zugewählt: Staatsminister Dr. v. Studt, Wirkl. Geh.
Ober-Reg.-Rat Dr. F. Schmidt, Prof. J. Schwalbe und Frau
Anna vom Rath. Zum Vorsitzenden wurde Exz. v. Studt, zum
Schriftführer J. Schwalbe gewählt.
— In einer im preussischen Kultusministerium unter Vorsitz von
Exz. v. Leyden und Geh. Obermedizinalrat Dr. Kirchner statt¬
gehabten Vorstandssitzung des Deutschen Zentralkomitees
für Krebsforschung wurde nach Erledigung geschäftlicher An¬
gelegenheiten hauptsächlich die Errichtung der „Ernst v. Leyden-
Stiftung“, mit deren weiterer Einrichtung der Vorstand des Zentral¬
komitees betraut worden war, besprochen. Zunächst wurden die
Namen der Persönlichkeiten festgestellt, welche gemeinsam mit dem
Gesamtvorstand des Zentralkomitees den Arbeitsausschuss für die
Leyden-Stiftung bilden sollen. Das Schriftführeramt der Stiftung
übernimmt der Generalsekretär des Zentralkomitees. Diese bezeich-
neten Herren sollen zum Eintritt in die Stiftung eingeladen und hierauf
ein Aufruf an die Oeffentlichkeit zur Gewinnung von Geldmitteln für
die Leyden-Stiftung gerichtet werden, welche der Erforschung und
Bekämpfung der Krebskrankheit dienen soll.
— Preis Leuval. Herr Baron de L e u v a 1 hat anlässlich
des III. otologischen Kongresses ein Kapital von 3000 Frcs. gestiftet,
dessen vierjährige Interessen (400 Frcs.) als Preis einer in den letzten
Jahren erschienenen Arbeit auf dem Gebiete der Anatomie, Physiologie
oder Pathologie des Gehörorgans durch die in Bordeaux ernannte
Jury zuerkannt wird. Die konkurrierenden Arbeiten sind bis Ende
Februar 1909 an den Präsidenten der Jury, Prof. A. Politzer, I.
Gonzagagasse 19, in Wien einzusenden. Die Publikation des Urteils der
Jury und die Verabreichung des Preises wird beim VIII. internatio¬
nalen otologischen Kongress in Ofen-Pest im Jahre 1909 erfolgen. Die
Mitglieder der Jury sind: Prof. Dr. A. Politzer, Präsident der Jury,
Dr. B e n n i - Warschau, Dr. Gel 16- Paris, Prof. Urban Prit-
c h a r d - London, Prof. K i r c h n e r - Würzburg, Prof. Grazzi-
Florenz, Prof. M o u r e - Bordeaux, Prof. B ö k e - Ofen-Pest.
— Im November 1908 wurde in Kopenhagen die „Dänische
medizinische Gesellschaft“ gegründet. Die erste Sitzung
wurde am 2. Dezember gehalten. Prof. Hirschsprung wurde
zum Ehrenmitglied ernannt; der Oberarzt des Königin-Louisen-Kinder-
spitals, Dozent S. Monrad, wurde zum Vorsitzenden, der Privat¬
dozent Dr. Adolph H. Meyer zum Schriftführer erwählt.
— Der 2. Kongress der Deutschen tropenhygieni¬
schen Gesellschaft findet in der Woche vor Ostern 1909 in
Berlin statt.
— Der 26. Kongress für innere Medizin findet vom
19.—22. April 1909 in Wiesbaden statt unter dem Präsidium des Herrn
Schultze -Bonn. Das Referatthema, welches am ersten Sitzungs¬
tage: Montag, den 19. April 1909 zur Verhandlung kommt, ist: Der
Mineralstoffwechsel in der klinischen Pathologie. Referent: Herr
Magnus-Levy -Berlin. Hierzu findet statt ein Vortrag des Herrn
Widal-Paris: Die therapeutische Dechloruration. Am dritten
Sitzungstage: Mittwoch, den 21. April 1909 wird Herr He ad-London
einen Vortrag über Sensibilität und Sensibilitätsprüfung halten.
— Von der schon früher angekündigten „Monatsschrift
für die Ph y s i k a 1 i sc h - d i ä t e t i s c h e n Heilmethoden
in der ärztlichen Praxis“ (Neue Folge der Winternitz-
schen Blätter für klinische Hydrotherapie), redigiert von Dr. J. Mar-
cuse in Partenkirchen-München und Dr. A. St r asse r - Wien,
liegt jetzt das 1. Heft vor. Den reichen Inhalt bilden Arbeiten von
Winternitz, v. N o o r d e n, B a e 1 z, M. Herz, G r o e d e 1 II
und III, Strasse r, Roemheld, Marcuse und Bircher-
B e n n e r, auserdem zahlreiche Referate aus dem Gebiet der physi¬
kalischen und diätetischen Heilmethoden.
— Der erste Teil des Hauptkataloges der Firma Medizini¬
sches Warenhaus, A.-G., Berlin NW, Karlstrasse 31 ist er¬
schienen. Die Liste enthält eine Zusammenstellung aller für die
Gesundheits- und Krankenpflege in Betracht kommenden Gegenstände.
Das über 1200 Abbildungen enthaltende Werk wird Interessenten
auf Verlangen kostenlos übersandt.
— Cholera. Russland. Nach den amtlichen Ausweisen vom
12. und 19. Dezember sind in den beiden letzten Berichtswochen
315 (156) bezw. 178 (67) Fälle gemeldet.
— Pest. Türkei. In Bagdad sind vom 6. bis 13. Dezember
4 Personen an der Pest erkrankt. — Aegypten. Vom 12. bis 18. De¬
zember sind an der Pest 10 Personen erkrankt (und 5 gestorben). —
Japan. Vom 10. Oktober bis 15. November sind auf der Insel Awaji
16 Erkrankungen (und 12 Todesfälle) an der Pest vorgekommen, in
der Stadt Nischinomiya 6 (10). In Hiogo wurden, wie nachträglich
bekannt gegeben wird, Anfang Oktober 7 Pestfälle festgestellt. Osaka
soll von der Seuche verschont geblieben sein.
Digitized by Google
— In der 51. Jahreswoche, vom 13. bis 19. Dezember 1908, hatten
von deutschen Städten über 40 000 Einwohner die grösste Sterblich¬
keit Boxh.-Rummelsburg 31,5, die geringste Osnabrück mit 5,7 Todes¬
fällen pro Jahr und 1000 Einwohner. Mehr als ein Zehntel aller Ge¬
storbenen starb an Scharlach in Königshütte, an Masern und Röteln
in Hof, Thorn, an Diphtherie und Krupp in Erfurt, Linden, Müiheim
a. Rh., an Keuchhusten in Miilheim a. Rh. V. d. K. G.-A.
(Hochschulnachrichten.)
Berlin. Wie verlautet, ist der Privatdozent und Leiter des
Ambulatoriums für Sprachstörungen an der hiesigen Universität.
Dr. med. Gutzmann, zum Titularprofessor ernannt worden.
Breslau. Wie wir hören, ist dem ordentlichen Professor und
Direktor der psychiatrischen und Nervenklinik an der Universität
Breslau, Medizinalrat Dr. med. Karl Bonhoeffer, der Charakter
als „Geheimer Medizinalrat' verliehen worden, (hc.)
Marburg. Der Privatdozent Dr. Ferdinand Sauerbruch,
Oberarzt der chirurgischen Klinik und Leiter der chirurgischen Poli¬
klinik der Universität Marburg, erhielt den Professortitel.
Zürich. Herr Dr. Rud. H ö b e r, Assistent am physiologischen
Institut (Prof. Gaule) und Privatdozent für Physiologie hat seine
Entlassung genommen und siedelt nach Kiel in gleiche Stellung über.
(Vergl. vor. No. unter Kiel.)
(Todesfälle.)
In Dresden starb unerwartet der Stadtbezirksarzt Prof. Dr.
Nowack, Lehrer der Anatomie an der Akademie der bildenden
Künste.
Korrespondenz.
Aufruf.
Unser römischer Mitarbeiter. Herr Prof. G a 11 i, fügt einem in
unserer nächsten Nummer zu veröffentlichenden „Römischen Brief“,
in dem er ausführlich über neue, wenn sie sich bestätigen sollten,
epochemachende Forschungen des Prof. Sanfelice in Messina
über Pathogenese und Heilung maligner Tumoren berichtet, folgende
Nachschrift bei, die wir, um Verzögerung zu vermeiden, heute
schon bekannt geben:
„Was sind Hoffnungen, was sind Entwürfe,
Die der Mensch, der flüchtige Sohn der Stunde.
Aufbaut auf dem bezüglichen Grunde?“
Eben, als ich den Brief zur Post geben will, kommen die
Schreckensnachrichten aus Sizilien. Man sagt, Messina sei zerstört;
und der Mann, der die besten Jahre seines Lebens in aufreibenden
Studien verbracht hat, um seinen Mitmenschen eine von den vielen
Qualen der Welt zu erleichtern, was ist aus ihm geworden? Lebt
er noch, wird es ihm vergönnt sein, sein Lebenswerk gekrönt zu
sehen? Aber was ist der einzelne in diesem übergrossen Unglück,
das eine ganze Nation darniederwirft? Wie können wir noch weiter
versuchen gegen Krankheit und Unheil zu kämpfen, wenn die Natur
mit einem Schlag alle unsere Mühen zu nichte macht? Italien und
die Italiener sind ja leider daran gewöhnt, dass von Zeit zu Zeit ge¬
rade die lachendsten, entzückendsten Gegenden von den unheimlichen
Naturgewalten heimgesucht werden, aber diesmal scheint der Schlag
doch noch schwerer zu sein, wie alle vorhergegangenen. Man spricht
von Zehntausenden von Opfern; obdachlos, hilflos irren Tausende und
Abertausende umher, die nicht nur Hab und Gut, sondern auch die¬
jenigen verloren haben, die ihnen auf der Welt die Liebsten waren.
Aber wir dürfen uns nicht mutlos miissigen Klagen hingeben,
denn diese Armen brauchen Hilfe, rasche, ausgiebige Hilfe, wenn das
Unglück nicht immer weitere Kreise ziehen soll. Die deutsche Nation
hat in zahllosen Fällen ihren Edelsinn und Opfermut bewiesen und
sich nie kleinlich gegen fremdes Unglück abgeschlossen und deshalb
wage ich es auch, mich direkt an die deutschen Kollegen zu wenden
und sie zu bitten, ihr Scherflein beitragen zu wollen, damit wenigstens
den betroffenen Aerzten schnell geholfen und sie in die Lage versetzt
werden, ihren unglücklichen Landsleuten nützlich und behilflich zu
sein. Prof. G a 11 i.
Wir geben der Bitte unseres verehrten Mitarbeiters Raum mit
dem aufrichtigen Wunsche, dass sie bei den deutschen Aerzten
Widerhall finden möge. Bei dem unermesslichen Unglück, das über
Süditalien gekommen ist, nach Kräften zu helfen, ist jedem Deutschen
ein Bedürfnis. Die Aerzte werden dabei nicht Zurückbleiben. Es
ist berechtigt, wenn sie sich dabei in erster Linie ihrer notleidenden
Kollegen erinnern. Wir erklären uns gerne bereit. Gaben entgegen¬
zunehmen und weiter zu befördern. Redaktion.
Es zeichnen: Prof. Galli M. 25.—, die Herausgeber der Miinch.
med. Wochenschr. M. 300.—, Geheimrat v. W i n c k e I M. 25.—,
Dr. B. Spatz M. 25.—.
Bekanntmachung.
Am 28. Dezember 1908 haben unter dem Vorsitz des Präsi¬
denten des „Kaiserl. Aufsichtsamtes für Privatversicherung“, Wirkl.
Geh. Ober-Reg.-Rat Grüner, in Berlin Verhandlungen stattgefun¬
den, die zu einer Einigung geführt haben.
Original from
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 1.
56
Das Ergebnis der Verhandlungen wurde in folgendem Be¬
richte niedergelegt:
Berlin-Wilmersdorf, 28. XII. 08.
Zwischen den Vertretern des „Leipziger Verbandes“ und des
„Verbandes Deutscher Lebensversicherungsgesellschaften“ ist heute
ein Einverständnis über folgende Punkte erzielt worden:
1. Beide Teile erklärten, dass kein Arzt gemassregelt werden soll,
der sich an Hand des Kampfes auf die Seite des Gegners ge¬
stellt hat. Der „Leipziger Verband“ wird dahin zu wirken
suchen, dass seitens der Aerzteschaft in gleicher Weise ver¬
fahren wird.
2. Der zwischen dem „Leipziger Aerzteverband“ und dem »Ver¬
band Deutscher Lebensversicherungsgesellschaften“ abzu-
schliessende Vertrag soll bis 31. XII. 1918 unkündbar laufen.
Eine Kündigung kann frühestens für diesen Zeitpunkt erfolgen
und muss dann spätestens am 31. XII. 1917 bewirkt sein. Er¬
folgt bis zu diesem Zeitpunkt eine Kündigung nicht, so läuft der
Vertrag immer je 3 Jahre weiter, bis er mit einjähriger Frist
auf den Schluss einer dreijährigen Periode gekündigt wird.
3. Als Honorar soll gezahlt werden:
a) für das sog. „kleine Aufnahmeattest“, das nur bei
Versicherungen bis M. 2000 Anwendung finden darf M. 6.—.
b) bei der „grossen Lebensversicherung“ für Auf¬
nahmeuntersuchung mit Zeugnis, einschliesslich Deklaration B:
bis M. 6000 .M. 12.—,
darüber .M. 15.—.
c) für „h a u s ä r z 11 i c h e Z e u g n i s s e“ . . . . M. 7.50.
4. Die im früheren Vertrage vorgesehene „ständige Kommission“
ist sofort wieder zu bilden. Jede Vertragspartei wählt drei
Mitglieder und einen Stellvertreter. Der Vorsitz soll alter¬
nieren. Die Kommission hat spätestens im Januar 1909 ihre
Tätigkeit zu beginnen und bis längstens 1. IV. 09 den Vertrag
fertig zu stellen.
5. Dieses Abkommen tritt in Kraft und die Feindseligkeiten wer¬
den auf beiden Seiten eingestellt, sobald der „Verband Deut¬
scher Lebensversicherungsgesellschaften“ die verbindliche Er¬
klärung abgibt, dass während der Vertragsdauer mit keinem
Arzte geringere Honorarsätze oder pauschalierte Vergütungen
verabredet werden.
6. Die nicht dem „Verband Deutscher Lebensversicherungs¬
gesellschaften“ angehörigen, von diesem aber bisher vertre¬
tenen Gesellschaften sollen berechtigt sein, diesem Abkommen
bis zum 15. I. 1909 beizutreten. Der „Verband Deutscher
Lebensversicherungsgesellschaften“ wird diese Gesellschaften
dem „Leipziger Verband“ unverzüglich benennen.
Zusatz zu Punkt 5 der Vereinbarungen:
Die Vertreter des „Lebensverbandes“ erklärten zur Abgabe
einer Erklärung, wie sie in Punkt 5 der Vereinbarungen vorge¬
sehen ist, nicht berechtigt zu sein, holten aber sofort die Zu¬
stimmung ihres Verbandes ein.
Damit sind die Vereinbarungen vom 28. Dezember für beide
Parteien bindend geworden.
Alle Kampfmassregeln gegen die Versicherungsgesell¬
schaften werden demgemäss ab 29. Dezember 1908 ohne Aus¬
nahme aufgehoben.
Für das Ausstellen von Zeugnissen kommen nur noch folgende
Sätze in Betracht:
1. Hausärztliche Zeugnisse (ohne Rück¬
sicht auf die Höhe der Versicherungssumme) M. 7.50
2. Vertrauensärztliche Zeugnisse
a) für Versicherungen im Betrage b i s zu M. 6000 M. 12.—
b) für Versicherungen über M. 6000 M. 15.—
3. Zeugnisse für sog. Volksversicherungen sog.
„Kleine Atteste“ (für Versicherungssummen bis
zur Höhe von M. 2000) M. 6.—.
Verband der Aerzte Deutschlands z. W. i. w. I.
Der Vorstand:
I. St.: Kuhns, Generalsekretär.
Personalnachrichten.
(Bayern.)
Auszeichnungen: der Verdienstorden vom hei¬
ligen Michael 2. Klasse: dem zweiten Präsidenten des Baye¬
rischen Landwirtschaftsrates Geh. Hofrat Universitätsprofessor
Dr. Heinrich Ritter v. Ranke; der Verdienstorden vom
heiligen Michael 4. Klasse: dem ordentlichen Professor an
der Universität München Dr. Emil K r a e p e 1 i n, dem Direktor der
Untersuchungsanstalt für Nahrungs- und Genussmittel in München
Prof. Dr. Rudolf Sendtner; der Titel und Rang eines
Medizinalrates: dem Bezirksarzt in Mindelheim Dr. Peter
N o d e r, dem Landgerichtsarzt in Bayreuth Dr. August W e i s s, dem
Bezirksarzt in Würzburg Dr. Franz Ed uard H o f m a n n, dem Be-
Vcrtaf von 1 . r. Lehm tun in München.
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zirksarzt in München Dr. Moritz Henkel; derTitel und Rang
eines Hofrates: den ausserordentlichen Professoren an der
Universität Würzburg Dr. Georg Matterstock, Dr. Wilhelm
Kirchner, den praktischen Aerzten: Bahnarzt Dr. Joseph Point-
m a y r in Fürstenzell, Bezirksamt Passau, Krankenhaus-Oberarzt
Dr. Andreas Kraus in Regensburg, Bahnarzt Dr. Friedrich Hoff-
mann in Augsburg, Dr. Joseph D e c k e r in München, dem Brunnen¬
arzt Dr. Felix Sauer in Bad Steben, Dr. Eugen Koziczkowsky
in Bad Kissingen, Dr. Siegfried F1 a t a u in Nürnberg, Augenarzt
Dr. Ernst Mayr in Augsburg, Dr. Karl U h 1 in München, Dr. Aloys
Braun in München, Augenarzt Dr. Franz Gresbeck in München;
der Titel eines Brunnenarztes: dem prakt. Arzt Dr. Wil¬
helm Scheibe in Bad Steben; das Prädikat „Exze 11 en-z“:
dem ordentlichen Professor an der Universität München Geheimen
Rat Dr. Adolf Ritter v. B a e y e r, dem ordentlichen Professor an der
Universität München Geheimen Rat Dr. Wilh. Konrad Roentgen;
der Titel und Rang eines K. Geheimen Rates: dem Pro¬
fessor an der Universität München Obermedizinalrat Dr. Otto Ritter
v. B o 11 i n g e r, zurzeit Rektor, dem Professor an der Universität
München Obermedizinalrat Dr. Jos. Ritter v. Bauer.
Zu Assistenten mit Beamteneigenschaft in etatsmässiger Eigen¬
schaft wurden ernannt:
an der Universität München: der Prosektor am Histo¬
logisch-embryologischen Institute in München Dr. A. B ö h m, der Assi¬
stent 1. Kl. am Physiologischen Institute München Dr. M. Crem er,
Privatdozent mit Titel und Rang eines ausserordentlichen Professors,
der Prosektor und Assistent 2. Ordnung am Pathologischen Institute
München Dr. H. D ü r c k, Privatdozent mit Titel und Rang eines
ausserordentlichen Professors, der Prosektor und Assitent 1. Ordnung
4 n der Anatomischen Anstalt in München Dr. H. Hahn, der Assi¬
stent 2. Ordnung am Medizinisch-klinischen Institute in München Dr.
L. Lindemann, Privatdozent, der Assistent 2. Ordnung am Phar¬
makologischen Institute der Universität München Dr. A. Jodlbauer,
Privatdozent mit Titel und Rang eines ausserordentlichen Professors,
und der Apotheker am Reisingerianum in München Jos. Pichler.
an der Universität Würzburg: der Prosektor und
Assistent 1. Ordnung am Anatomischen Institute der Universität Würz¬
burg Dr. J. S o b o 11 a, Privatdozent mit Titel und Rang eines ausser¬
ordentlichen Professors, der Assistent 2. Ordnung an der Chirurgi¬
schen Klinik Dr. L. B u r c k h a r d t, Privatdozent mit Titel und Rang
eines ausserordentlichen Professors, der Assistent 2. Ordnung am
Hygienischen Institute H. Lang, der Prosektor und Assistent 1. Ord¬
nung am Pathologischen Institute Dr. A. S c h m i n c k e, Privatdozent,
der Assistent 2. Ordnung an der Psychiatrischen Klinik Dr. M.
Reichardt, Privatdozent, und der Assistent 2. Ordnung an der
Frauenklinik Dr. O. P o 1 a n o, Privatdozent.
an der Universität Erlangen: der Assistent 1. Ord¬
nung am Physiologischen Institute der Universität Erlangen Dr. Oskar
Schulz, Privatdozent mit Titel und Rang eines ausserordentlichen
Professors, der Assistent 2. Ordnung am Anatomischen Institute der
Universität Erlangen Dr. Arn. Spuler, Privatdozent mit Titel und
Rang eines ausserordentlichen Professors, der Assistent 2. Ordnung
am Pathologisch-anatomischen Institut Dr. Herrn. Merkel, Privat¬
dozent.
Amtsärztlicher Dienst.
Erledigt: die Landgerichtsarztsstelle in Nürnberg. Bewerber
um dieselbe haben ihre vorschriftsmässig belegten Gesuche bei der
ihnen Vorgesetzten K. Regierung, Kammer des Innern, bis zum
15. Januar 1909 einzureichen.
Uebersicht der Sterbefälle in München
während der 51. Jahreswoche vom 13. bis 19. Dezember 1908.
Bevölkerungszahl 556 000.
Todesursachen: Angeborene Lebensschw. (1. Leb.-M.) 15 (9 1 ).
Altersschw. (üb. 60 Jahre) 9 (3), Kindbettfieber — (-), and. Folgen d.
Geburt 1 (-), Scharlach 7 (3), Masern u. Röteln 5 (1), Diphth. u.
Krupp 4 (2), Keuchhusten 1 (1), Typhus — (—), übertragb.Tierkrankh.
— (—), Rose (Erysipel) — (1), and. Wundinfektionskr. (einschl. Blut-
u. Eitervergift.) 2 (l), Tuberkul. d. Lungen 19 (27), Tuberkul. and.
Org. 2 (3), Miliartuberkul. — (—), Lungenentzünd. (Pneumon.) 15 (15),
Influenza 1 (1), and. übertragb. Krankh. — (2), Entzünd, d. Atmungs¬
organe 10 (4), sonst. Krankh. aerselb. 2 (4), organ. Herzleiden 22 (5)),
sonst. Kr. d. Kreislaufsorg, (einschl. Herzschlag) 9 (8), Gehirnschlag
10 (8), Geisteskrankh. — (2), Fraisen, Eklamps. d. Kinder 1 (8), and.
Krankh. d. Nervensystems 6 (4), Magen- u. Darm.-Kat, Brechdurchfall
(einschl. Abzehrung) 14 (24), Krankh. d. Leber 3 (3), Krankh. des
Bauchfells 1 (3), and. Krankh. d. Verdauungsorg. 4 (3), Krankh. d.
Harn- u. Geschlechtsorg. 6 (4), Krebs (Karzinom, Kankroid) 27 (17),
and. Neubildg. (einschl. Sarkom) 4 (3), Selbstmord 3 (2), Tod durch
fremde Hand — (—), Unglücksfälle 3 (—), alle übrig. Krankh. 9 (9).
Die Gesamtzahl der Sterbefälle 215 (195), Verhältniszahl auf
das Jahr und 1000 Einwohner im allgemeinen 20,1 (18,2), für die
| über dem 1. Lebensjahre stehende Bevölkerung 16,2 (12,8).
*) Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die Fälle der Vorwoche,
— Druck von B. MOhlthelen Buck- und Kunstdruckcrel A.Q.. München.
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Die Münchener Medlz. Wochenschrift erscheint wöchentlich im
JjESSL'™ ^discfanmiich §-7 Bogen. * Preis der einzelnen
Nummer HO J. . Bezugspreis m Deutschland und Ausland siehe
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JJiese Nummer enthält 66 Selten Text.
Zusendungen sind zu adressieren: Für die Redaktion Arnulf-
stresse 26. Bureauzeit der Redaktion von 8*/.—1 Uhr. • Für
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Medizinische Wochenschrift.
ORGAN FÜR AMTLICHE UND PRAKTISCHE ÄRZTE.
Herausgegeben von
s&s 1 »sr tt a r i ss* m-®**
No. 2. 12. Januar 1909.
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
Verlag: J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 15 a.
- Jahrgang.
Belgien (Frk. 8.08), Dänemark (Kr. 6.07), Italien (Frk. 8.68) Luxemburg iMk 6 S2» der ® ezu K durch die Postämter in
iT^n.ot 1 ' Russ, * nd: in s,idten «ff
Inhalt:
Origmalien: L ü d k e, Ueber den latenten Mikrobismus der Typhnsbazillen (Aas
d« medizinischen Klinik in Würzburg.) S. 67. ^
K & /i 80r i man I \. 8c . h ? S 1 eroreaklio n bei Lues u. anderen Infektions-
krankheden. (Aus der medizinischen Klinik zu Leipzi®.) S 62
° dl- 8 k i Fe . t ! ß P aI . lcn ^ es Ferment in den Lymphozyten. (Aus dem Laboratorium
i u K? j chirurgischen Universitätsklinik Berlin.) (Illustr.) S. 64
Hove 7nr *JÄ|«äS ere W * n< J? n "- ( Aus dem Frauenspital Basel-Stadt.) S. 66.
H PiHsaÜon und Verwendung der Gummihandschuhe. (Aus der
I nnersiläts-brauenklinik zu Greifswald.) S 71 v
ddr e T^^lL?* n «^J eis , d l r Anti ? en ® bei der Komplementablenkung
in Düffldorf) S 11“ dem Uboralormm der Klinilt »t Kinderheilkunde
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u r- n ^ U i n i ° kok 1? ni ^ kt,on ' ( Aus <*• h Gamisonlazarett München.) (Illustr.) S 72
Höcht len, Em interessanter Fall von Polydaktylie. (Illustr.) S. 74
D e i n Spezialelektroskop für Urethroskopie und direkte
i-u der Jaryngologischen und der dermatologischen Univer-
sitätsklmik in Freiburg i. Br. (Illustr.) S. 75.
r * i ? ® ?. ur K™krementbildung. (Illustr.) (Schluss.) S. 77.
Ä WSÄ3M3S, rÄÄÄt
f ÄSe°. s'T'trfehÄ" ^ tldinifc von Ur üocbt u " d r »' Ehe bald
G roi h’ pr . akt v.-4 rzt , z " r v e rbrei| un* des Selbsletillens tun ? S. 83
. Mtaehen lW6 tm r SSS*”^' 1 det Z * mrato fUr SäugtingsfUraorge in
Bucheranzeigeii und Referate: Szymonowioz, Lehrbuch der Histologie und
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K rur e r dL!ÄSR2W! n iH 1 ' L)anne u - Gallenabsonderung nach Fettdarreichung,
v •; : ,» r,v ’a t dozent Dr. kerschensteiner. S. 85.
Veit. Handbuch der Gynäkologie. Rcf.: Dr. Ja ff<5-Hamburg. S. 85.
und «W PuÄ ChCn fv: Vnat r ie n £ d Entwicklungsgeschichte der Eihäute
SSLÄKJSS^a b ,anderer Berücksichtigung des Menschen. Ref..
Pnvatdozent Dr. A. R 1 e 1 ä n d e r - Marburg. S. 85.
Dr R Unf il ,C l urch «frische Starkströme. Ref.: Privatdozent
c»r. n. lt ras ne y -München. S. 8o.
"MÜnchen^S b 8« h der ^ harmaze,,tischen Praxis. Ref.: Dr. M. Winckcl-
Weressajew, Meine Erlebnisse im russisch-japanischen Krieg. Ref.-
Dr. G r a s s m a n n - München. S. 86.
Aeueste JournaHiteratur: Zeitschrift für klinische Medizin. 66. Bd..
i-.,i p ' u~ Beiträge zur Klinik der Tuberkulose und spezifischen Tuber-
kotose-Forechung 1J. Bd 2 Beft - Archiv für Win. Chirurgie. 88. Bd ,
p , e J - “ Be«t»ph® Zeitschrift für Chirurgie. 95. Bd.. 1. u. 5. Heft. —
fiir ( Mrnriie k S 18C ao n Ehirurgie. 59. Bd., Snpplementheft. — /.enlralblatt
roi Ctur nrye. Ko. 60 m 52. - ZentralblaU für Gynäkologie. No. 51. -
vhrifi* hTm** W ® cbenscbr ‘ ft - No. 52. - Deutsche mediz. Wochen-
s brift. No. 53. —- Korrespondenz bl att für Schweizer Aerzte. No. 24 —
dwXui'a's ? 1 "'' “ Englische Literatur. (Schluss.) - Inaugural-
Auswärtige Briefe: Berliner Brief. S. 98
Römische Briefe. S. 9«.
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Bedeutung für die Praxis. S. 107.
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A tw‘“ Cha n r Ver r n „ i ? Frank , fur ‘ a M - 6. Oktober 1908 : Dcmonatra-
Niere” ~p ?' * h e 1 * n P eb » r «!“, de “ Blutdruck steigernde Substanz in der
Niere. — r lesch. Die Plastizität der Leber. S. 103.
Medizinische Gesellschaft in Kiel, 5. Dezember 1908: Hoppc-
be y 1 er Diagnose der Aortenaneurysmen. — Fehsenfcld. Zur Behand¬
lung mit Strophanthin. — Beckers, Zur Serodiagnostik der Syphilis. —
Hoppc-Seyl er. Die verschiedenen Arten von Lungenerweitemng, besonders
das komplementäre (vikariierende) Emphysem. — Demonstrationen. S. 1U3
M edizin ische Gesell sc h aft zuLeip zig, 27. Oktober 1908: Löh lein
Wassermannsche Reaktion. — Riecke, Ueber die Bedeutung der
W assermann sehen Seroreaktion filr die Klinik. S. 104.
Aerztlicher Verein München, 28. Oktober 1908. Demonstration. —
Krecke Die chirurgische Behandlung der Ba sedowsehen Krankheit —
Durck, Untersuchungen über den normalen und pathologischen Bau des
peripherischen Nervensystems. S. 105.
Aerztlicher Verein in Nürnberg, 19. November 1908: r. Rad
Leber psychischen Infantilismus. — Strauss, Ueber Peritonitis bei ein¬
geklemmten, brandigen Brüchen. S. 106.
Verein Deutscher Aerzte in Prag, 27. November 1908. S. 107
m6dccine fra s n i^ Si8Chen mediZin ‘ ÜeSel,SChaften: Acad<Smie d <*
Aus den italienischen medizin. Gesellschaften: Medizinisch¬
chirurgische Gesellsc haft zu Bologna. S. 109.
Aus den englischen medizin. Gese 11schaften : Royal Societv of
Mediane, Therapeutieal and Pharmacological Section. S. 109. *
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ehre der Aerzte — vor Gericht. — Die Aerzte Deutschlands im Jahre 1908
Iherapeutische Notizen: Narkose bei der Geburt. S. 110.
Tagesgeschichtliche Notizen: Zulassung zur Praxis in Italien. — Bestimmungen
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ORGAN FÜR AMTLICHE UND PRAKTISCHE ÄRZTE
Herausgegeben von
0. v. Aigerer, Ch. Monier, 0. t. lollioger, B. Cnrschmaon, I. lelferich, V. r. Leabe,IL r. lerkel, J. t. Hebel, F.Peozoldt, ILt. Ranke, I. Spatz, F.r.Viockel,
München. Freiburg u B. München. Leipzig. Eisenach. Würzburg Nürnberg. Berlin Erlangen. München. München. München.
No. 2. 12. Januar 1909.
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
Verlag: J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 15 a.
56. Jahrgang.
(Nachdruck der Originalartikel ist nicht gestattet.)
den Hinzutritt von Keimen infolge mangelhafter Asepsis der
Umtersuchungstechnik ausschliesst.
Originalien.
Aus der medizinischen Klinik in Würzburg.
Ueber den latenten Mikrobismus der Typhusbazillen.
Von Privatdozent Dr. Hermann L ü d k e.
Unter dem latenten Mikrobismus versteht man die Vege¬
tation lebensfähiger Keime im tierischen Organismus, ohne dass
die Anwesenheit der Bakterien sich in den klinischen Mani¬
festationen einer spezifischen Infektion äussert. Im weiteren
Sinn würde unter den Begriff des latenten Mikrobismus noch
die Latenz von Keimen in krankhaft verändertem Gewebe, wie
im Tuberkel, Qumma, Abszess oder in Granulationen, fallen.
Die Möglichkeit einer langjährigen Latenz von Bakterien im
pathologischen Gewebe ist durch Tierexperiment und klinisch¬
pathologische Beobachtung hinreichend erwiesen.
Dagegen ist die Frage des latenten Mikrobismus im ge¬
sunden oder anscheinend gesunden Organismus noch Gegen¬
stand lebhafter Diskussion. Während auf der einen Seite die
Frage durch den Nachweis von virulenten Infektionserregern
in Geweben und Gewebsflüssigkeiten als vollkommen gelöst
betrachtet wird, verteidigt man im andern Lager die Theorie
von der völligen Keimlreiheit des intakten Organismus.
Erst die bakteriologischen Untersuchungen der letzten
Jahre brachten eine Reihe von Belegen für die Theorie des
latenten Mikrobismus. Erwähnen wollen wir nur die Latenz
von Typhusbazillen in der Gallenblase, im Darm bei vollständig
gesunden Bazillenträgern, das Vorkommen pathogener Diph¬
theriebazillen, von Streptokokken und Pneumokokken in der
Mund- und Rachenhöhle, von Meningokokken im Nasenrachen¬
raum Gesunder. Bedeutungsvoller noch sind- die Befunde von
pathogenen Keimen in den innern Organen.
Der springende Punkt in der Diskussion für oder wider
die Theorie des latenten Mikrobismus lag zunächst in der
differenten Auffassung über die Pathogenität der im Organismus
entdeckten Keime. Wollte man den Begriff auf avirulent ge¬
wordene Bakterien ausdehnen, so bedürfte die Frage keiner
weiteren Erörterung.
Wir kennen nun zahlreiche Beispiele von Typhusbazillen¬
trägern, in denen diese gesunden Personen pathogen wirkende
Keime auf ihre Umgebung übertrugen. Aehnliche Verhältnisse
liegen bei der Uebertragung der Diphtheriebazillen von Gesun¬
den aus vor.
Für die Möglichkeit einer Latenz von pathogenen Keimen
im unveränderten Qewebe sprechen eine Reihe von patho¬
logischen und bakteriologischen Untersuchungen. Dürck [l]
fand auf der inneren Oberfläche der Lungen gesunder, frisch
geschlachteter Haustiere Staphylokokken, Streptokokken,
Diplococcus pneumoniae, Baz. Friedländer, B. coli und
Sarcinearten, Andere Autoren, wie M a n f r e d i [2], P e r e z
13] und K ä 1 b 1 e [4] stellten ausgedehnte Untersuchungen über
den Keimgehalt in Lymphdrüsen frisch getöteter, normaler
Tiere an, in denen ebenfalls pathogene Keime nachgewiesen
wurden. Entsprechende Befunde erhielten Q u e n s e l [5],
Rogozinsky [6] und W rozek [7] und Selter [8].
Allerdings muss betont werden, dass sowohl die bakterio¬
logische Untersuchung frisch entnommener Organe wie die
Uebertragung von Organteilchen auf Impftiere zuweilen nicht
No. 2.
Der Keimgehalt des Lymphdrüsensystems beim Menschen
wurde von H e s s [9] einer exakten* Prüfung unterzogen. Ver¬
wandt wurden hierzu Leichen, die in den Hals- und Brust¬
organen und im Bereich des Darmtraktus keine frischen krank¬
haften Veränderungen zeigten und Lymphdrüsen, die sich bei
mikroskopischer Untersuchung als normal erwiesen. In einem
Teil der Fälle gelang es Hess, durch bakteriologische Unter¬
suchung in den tieferen Partien der Tonsillen, in den Hals-,
Bronchial- und Mesenterialdrüsen die Anwesenheit von
pyogenen Kokken und Kolibazillen nachzuweisen. Ich erinnere
weiter an die Untersuchungen, die Tuberkelbazillen besonders
bei Kindern in Drüsen nachwiesen, ohne dass Spuren von patho¬
logischen Veränderungen zu konstatieren waren.
Auf den Lymphwegen gelangen die aus dem Darm trans¬
portierten Keime in die Lymphdrüsen, so dass man fast von
einer physiologischen Infektion vom Darm aus sprechen
könnte. Solche latent bleibenden Drüseninfektionen können bei
Gelegenheit einer traumatischen Einwirkung zur Entstehung
von Abszessen, von traumatischer Osteomyelitis Anlass geben.
Nach diesen mannigfachen einwandfreien Untersuchungen,
die Bakterienbefunde in Geweben des gesunden Organismus
ergaben, kann die Anschauung von der Keimfreiheit des in¬
takten Körpers nicht mehr aufrecht erhalten werden.
Klinische Wichtigkeit besassen die Untersuchungen,
die eine Latenz von Keimen in Geweben und Gewebsflüssig¬
keiten nach dem Ueberstehen einer Infektion erwiesen. Eine
Reihe von Mitteilungen liegt bereits vor, die im Sinne eines
latenten Mikrobismus nach Infektionen sprechen. Wir wollen
hier von der Latenz der Tuberkelbazillen im Gewebe, ferner
von den Bazillenträgern, die in ihren Dejektionen Keime aus-
scheiden, absehen und zunächst die Dauer der Latenz
von Keimen im strömenden Blut ins Auge fassen.
Bei Tieren, die mit differenten Infektionserregern geimpft
sind, gelingt es leicht, die Latenz der Keime im kreisenden Blut
zu studieren. So soll V. cholerae 20—40 Minuten nach der
Impfung schon aus dem Blut einzelner Versuchstiere ver¬
schwinden, B. pyocyaneus nach 6 Stunden, B. typhi etwa
nach 24 Stunden. Pneumokokken wurden noch wochenlang
im Blut der infizierten Tiere nachgewiesen; 10—13 Tage nach
der Inokulation lassen sich noch Tetanussporen im Kreislauf
konstatieren. Nach Bruce [10] wiesen von 80 vollkommen
gesunden Negrn 23 (29 Proz.) in ihrem Blut das Trypanosoma
gambiense auf.
Zahlreich sind die Faktoren, die die Latenz der Keime im
strömenden Blut begünstigen, aber in ihrem Wesen noch nicht
hinreichend aufgeklärt. Eine mehr oder minder ausgeprägte
Anpassungsfähigkeit der Bakterien muss als eine der ersten
Bedingungen für ihre Persistenz anerkannt werden. Die La¬
tenz der Erreger im Blut ist so kürzer bemessen bei den Tieren,
die von Natur aus einer bestimmten Infektion gegenüber
refraktär sind. Das Verschwinden der Keime aus dem Blut
steht ferner in direkter Beziehung zur Menge des Infektions¬
materials. Die individuell verschieden ausgesprochene Schutz¬
kraft trägt wesentlich zum raschen oder langsamen Ver¬
schwinden der Bakterien aus dem Blut bei.
X
Difitized by
Gck igle
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
Die Frage, wie lange die einem Tier in den Kreislauf
injizierten Bakterien im Blut nachweisbar sind, ist experimentell
nur in einer kleinen Zahl exakter Arbeiten in Angriff genommen
worden. An Stelle eingehender Untersuchungen finden wir
theoretische Auseinandersetzungen über die Ursachen des
Verschwindens der Keime aus dem Blut, über die mutmass¬
lichen Wirkungskräfte der Schutzstoffe, über gesteigerte oder
abgeschwächte Virulenz der Bakterien. Die ersten experimen¬
tellen Untersuchungen v. F o d o r s [ll] zeigten, dass Bakterien
wie B. termo, B. subtilis und B. megatherium wie die Sporen
des letzteren, einem lebenden Tiere ins Blut gebracht, meist
schon nach 4 Stunden aus dem Blut verschwinden. Wysso-
kowitsch [12] bestätigte danach diese Untersuchungen und
fügte hinzu, dass die Keime, nachdem das strömende Blut als
steril befunden war, noch in den Organen, besonders der Milz,
Leber und dem Knochenmark nachzuweisen waren.
Ich habe vor längerer Zeit diese Experimente einer ge¬
nauen Nachprüfung für die Latenz der Typhus¬
bazillen im strömenden Blut unterworfen und bin
zu folgenden Ergebnissen gelangt. Ein kleinerer Teil dieser
Untersuchungen musste bereits anderen Experimenten zur Er¬
läuterung vorausgeschickt werden *).
Gleichschweren Meerschweinchen wurde unter Vermei¬
dung jeder Verunreinigung mit sterilisierter Glasspritze 1 ccm
Kochsalzaufschwemmung einer Vio-Oese Typhusagarkultur
intravenös injiziert. In verschiedenen Zeitintervallen nach der
Einspritzung wurden die Tiere mittels eingesetzter steriler
Kanüle aus der Karotis entblutet. Zu etwa je 3 ccm flüssigen,
auf 45° C abgekühlten Agars wurde je 1 ccm Blut hinzu¬
gesetzt, die Blutagarröhrchen durch Schütteln sorgfältig ge¬
mischt und Platten gegossen. Nach 48stündigem Aufenthalt
im Wärmeschrank wurden die aufgegangenen Kolonien iden¬
tifiziert. Die für die Bestimmung von Typhusbazillen erforder¬
lichen kulturellen und biologischen Proben wurden zu diesem
Zweck verwandt.
Tier
No.
Menge des ;
Injektions-
materiais
Entblutung am
Resultat:
67
Vio Oese
3. Tag n. d. Injektion
Auf 4 Platten 24 Kolon.
H5
6. „ „
0
41
8. *
0
106
6. *
0
89
d
5. *
Auf 4 Platten 5 Kolon.
in
7. „
0
123
6. „
0
12
4. „
Auf 4 Platten 21 Kolon
103
8. „ »
Auf 4 Platten 12 Kolon
118
3. *
Auf 4 Platten 40 Kolon
50
0
1. .
Auf 4 Platten 13 Kolon
40 i
»
3. .
0 (!)
77
p
5. *
Auf 4 Platten 2 Kolon.
Aus dieser Tabelle lässt sich das Ergebnis entnehmen, dass
die Keimzahl im strömenden Blut sich von Tag zu Tag ver¬
ringert, bis vom 6. Tage ab nach erfolgter In¬
jektion keine Typhusbazillen mehr im Blute
nachzuweisen sind. Selbstverständlich bezieht sich
dies Resultat lediglich auf die hier verzeichnte Methodik, die
Vio-Oese als Injektionsmaterial, eine subletale Dosis, ver¬
wandte.
Mit einem Kolistainm, dessen Virulenz dem Typhusstamm
etwa entsprach, wurden bei Injektionen von ebenfalls Vio-Oese
dieselben Ergebnisse erzielt.
Zeitliche Differenzen stellten sich heraus, wenn eine
grössere Dosis des Injektionsmaterials verwandt wurde.
(Vergl. Tabelle auf nebenstehender Spalte.)
Wurde 1 Oese Typhuskultur intravenös injiziert, so waren
noch am 8. Tag nach der Einspritzung vereinzelte Typhus¬
kolonien auf den Platten aufgegangen, ebenso nach der In¬
jektion von K Oese. Nach Einverleibung von Vs Oese waren
noch am 6. Tag Bazillen zu entdecken.
In der Hauptsache stimmten meine Erhebungen- mit denen
von Schwarz [13] überein, der bei ähnlicher Versuchs-
*) Erscheint im Archiv für klinische Medizin.
technik den 6.-8. Tag als Grenzwert eruierte. Nicht in jedem
Fall war bei noch so exakter Durchführung der stets gleichen
Versuchstechnik ein mit der Gesamtheit der Versuche über¬
einstimmendes Resultat zu erhalten; in einem Fall war (No. 40)
bei Verwendung von Vio-Oese Typhuskultur bereits am 3. Tag
nach der Einspritzung das Blut steril.
Tier
No.
Menge des
Injektions¬
materials
Entblutung am
Resultat:
15
V/r, Oese
8. Tag
n. d. Injektion
0
21
Va „
6.
ff
Auf 4 Platten 7 Kolon.
24
V* *
6.
19
Auf 4 Platten 28 Kolon.
108
1 ,
7.
Auf 4 Platten 10 Kolon*
18
1 ,
4.
n
Auf 4 Platten 42 Kolon]
32
'it ’
8.
n
*
Auf 4 Platten 3 Kolon]
145
\ : 2 „
8.
Auf 4 Platten 10 Kolon*
116
1 * 1
8.
9
9
Auf 4 Platten 16 Kolon'
Abgesehen von der Menge des Injektionsmaterials ist die
Quantität des auf Bazillenbefunde untersuchten Blutes
von Wichtigkeit für die Bestimmung des Grenzwertes, an dem
die Keime aus dem Kreislauf verschwinden. Die obigen Er¬
gebnisse wurden bei Verwendung einer erheblichen Blutmenge
von etwa 4—7 ccm Blut erhalten. Heck [30], der etwa 0,5 bis
1,0 ccm Blut zu ähnlichen Untersuchungen benutzte, fand bei
nicht immunisierten Meerschweinchen, die intraperitoneal mit
Typhuskeimen infiziert waren, schon negative Befunde
6 Stunden nach der Injektion.
Fodor und Wyssokowitsch benutzten bei ihren
Versuchen nur einzelne Blutstropfen zur Aussaat. Ich entnahm
in einer kleineren Versuchsreihe unter möglichster Asepsis
das Blut einer Ohrvene'mittels eingesetzter steriler Kanüle.
Stets wurden so auf etwa 3 ccm flüssigen, auf 45° C abge-
kühlten Agar je 5—7 Tropfen Blut gerechnet.
Tier
No.
Menge des
Injektions¬
materials
Entblutung am
Resultat:
23 |
*/ io Oese
3. Tag n. d. Inj.
0
28
Nach 12 St. *
Auf 4 Platten 2 Kolon.
144
Nach »/* St. w
Auf 4 Platten 114 Kolon.
60
Nach 3 St „
0
34
Nach 1 St. „
Auf 4 Platten 6 Kolon.
45
i *
Nach 2 St. * ;
0
Hier variieren- die Bakterienbefunde stärker wie in der
vorausstehenden Tabelle. Doch konnte im allgemeinen aus
diesen Versuchen, im ganzen 12, geschlossen werden, dass
die zur Untersuchung verwandte Blutmenge
eine wesentliche Rolle bei der Beurteilung
des Keimgehalts im strömenden Blut spielt.
Der Grenzwert liegt bei dieser Versuchsmethodik etwa zwi¬
schen %—1 Stunde, d. h. %—1 Stunde nach erfolgter Ein¬
spritzung sind in etwa 5 Tropfen Bluts, die einer oberflächlich
gelegenen Vene entnommen werden, keine Bakterien mehr im
Blut zu finden. Mit den Fodor sehen Experimenten* und den
von Schwarz stimmen diese Versuche im allgemeinen
überein. Doch scheinen mir für exaktere Untersuchungen über
die Latenz der Keime im Blut diese Versuche, die eine ge¬
ringe Blutmenge aus oberflächlichen Gefässen entnommen be¬
rücksichtigen, nicht geeignet.
Als absolute Grenzwerte wird man auch die bei Ver¬
wendung grösserer Blutquantitäten erhaltenen Zeitpunkte nicht
ansprechen können, da selbst bei vollständiger Entblutung der
Tiere noch eine gewisse Blutmenge in den Kapillargebieten
retiniert wird. Zudem sind die Fehler, die durch die ver¬
schiedene Zahl der Keime bei der injizierten Bakterienmenge
und durch die Methode der Ueberimpfung und Bakterien¬
zählung bedingt sind, für die Feststellung absoluter Grenz¬
werte hinderlich,
Aehnliche Versuche wurden bei Kaninchen unternommen
und konstatiert, dass vom 5.—6. Tage ab die Typhusbazillen
bei Verwertung grosser Blutmengen im Blut nicht mehr nach¬
zuweisen waren. Das Verschwinden der Keime aus dem
strömenden Blut ist nun nicht, wie Wyssokowitsch an¬
nahm, auf rein mechanischem Wege allein erfolgt. Ein grös-
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Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
12. Januar 1909.
muenchener medizinische Wochenschrift.
59
serer Anteil der injizierten Mikroben wird im Blut direkt durch
die Antikörper des Blutserums aufgelöst, ein kleiner Teil ver¬
lässt duTch die Exkrete den Organismus und eine Anzahl von
Bakterien wird von den mobilen Zellen des Bluts, den Phago¬
zyten, aufgenommen. Demnach verschwindet nur ein gewisser
Bruchteil von Keimen auf rein mechanischem Wege durch Ab¬
filtrieren in den Organen aus dem strömenden Blut.
Aus diesen Untersuchungen über die Dauer des Verweilens
der Bakterien im Blut geht jedenfalls hervor, dass die
Bakterien sich noch lange Zeit im Blute hal¬
ten können und dass die Anzahl der ins Blut injizierten
Keime in vielen Fällen für den Zeitpunkt des Verschwindens
der Erreger aus dem Blut massgebend ist.
Das Vorkommen von pathogenen Keimen im strömenden
Blut beim Menschen, speziell von Typhusbazillen 1 , ist bekannt.
Ich konnte in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle in der
ersten Woche des Typhus in 95 Proz. die spezifischen Keime
im Blut nachweisen; in den nächstfolgenden Wochen wurde
der Nachweis dann spärlicher. In der zweiten Typhuswoche
gelang mir der Bazillennachweis im Blut noch in etwas über
50 Proz. der Fälle, in der dritten Woche nur i.och in 18 Proz.
und in der vierten* noch in nicht ganz 10 Proz. Hervorgehoben
muss werden, dass die Bakteriämie in schwer ver¬
laufenden Fällen sich über Wochen er¬
strecken kann, dass in leicht verlaufenden
Typhuserkrankungen bei niederen Tempera¬
turgraden die Bakteriämie nur von kurzer
Dauer zu sein pflegt oder gar fehlen kann.
Aehnliche Befunde wurden von mir in Sepsis- und
Pneumoniefällen erzielt.
Im Typhus rezidiv treten dann die Keime aufs neue von
den Organdepots aus in die Blutbahn über, was ich bei sechs
Rezidiven viermal konstatieren konnte.
Ein Bazillenbefund im kreisenden Blute konnte auch in
Erkrankungsfällen von mir diagnostiziert werden, in denen eine
Bakteriämie meist vermisst oder zum wenigsten angezweifelt
wurde. So wurden in 32 Fällen von einfacher Angina viermal
Bakterien im Blut nachgewiesen und zwar dreimal der Strepto¬
coccus pyogenes, in einem Fall Staphylococcus aureus. Des¬
gleichen wurden von mir im Blut bei an hochgradiger Lungen¬
phthise leidenden Individuen in 3 Fällen von 14 die Tuberkel¬
bazillen im ßlut gefunden. Diese bakteriologischen Blutunter¬
suchungen deckten die Uebergänge einzelner Infektionen zur
septischen Allgemeinerkrankung auf, indem sie zeigten, dass
die Mehrzahl der Infektionskrankheiten mit einer Blutinfektion
verläuft.
Schwere der Infektion, des klinischen Symptombildes und
Grad und Dauer der Bakteriämie pflegen im allgemeinen in
einem gewissen Parellismus zu verlaufen. In leichten, kaum
mit Temperaturanstiegen einhergehenden Infektionen — so bei
der Ruhr, dem Darmkatarrh — wurden von mir niemals Bak¬
terien im Blut nachgewiesen. Dass jedoch auch infieber¬
losen Zuständen Bakterien im Blut kreisen
können, bewiesen mir zwei Typhusfälle.
1. F. Oe., Student, 22 Jahre, macht einen Typhus durch, der in
Kontinua bis 40°, doch ohne Komplikationen günstig verläuft. Ent¬
fieberung nach 2Vs Wochen. Bei zweimaliger Blutentnahme während
der Kontinua werden Typhusbazillen, auf 3 Platten 18, resp. 7 Ko¬
lonien, im strömenden Blut nachgewiesen. Dritte Blutentnahme zwei
Tage nach der Entfieberung bei 37,3° C. Auf 3 Platten gehen
2 Kolonien auf, die sich bei der Identifizierung als Typhuskeime er¬
weisen.
2) K. Kö., Kaufmann, 21 Jahre, macht einen mittelschweren
Typhus durch, der in Kontinua bis 40° C in fast zwei Wochen zur
Genesung führte. Bei der Blutuntersuchung während der Kontinua
fanden sich Typhusbazillen im Blut, auf 3 Platten 10 Kolonien. Eine
zweite Blutentnahme wurde am Tage nach der Entfieberung bei
36,7° C gemacht. Auf 5 Platten geht eine typische Typhuskolonie
auf. Die Bazillen wurden kulturell und biologisch als Typhusbazillen
erkannt. — In sechs weiteren Fällen, bei denen direkt nach der Ent¬
fieberung das Blut bakteriologisch untersucht wurde, fiel der Befund
negativ aus.
Solche Fälle, in denen bei Fieberlosigkeit Bazillen im
Blut nachgewiesen werden können, sind sehr selten. Con-
r a d i [14] und Gildemeister [15], sowie S t ü h 1 e r n [16]
und L e s i e u r [17] teilten einzelne Fälle mit, in denen im Blut
bei normaler Temperatur ein positiver Bazilienbefund erhoben
wurde. Conradi gelang es sogar, schon während der In¬
kubationszeit, und zwar 4 Tage vor der Erkrankung, aus dem
Blut die Typhuserreger zu züchten. Ein* entsprechender Fall
von Fieberlosigkeit und Streptokokkensepsis mit Kokken¬
reichtum des Blutes wurde von Künzel [18] mitgeteilt. Im
allgemeinen müssen wir jedoch daran- festhalten, dass mit dem
Sinken der Temperatur auch die Bakterien aus dem Kreislauf
verschwinden.
Das Blut ist aber nur vorübergehend Träger der Infektions¬
erreger. Nach dem Passieren des Blutes setzen sich die Keime
nach und* nach in den* Organen* fest. Sehen wir von der La¬
tenz der Tuberkelbazillen im Gewebe ab, so finden wir bereits
eine Reihe von Untersuchungen über den latenten Mikrobismus
in den Körperorganen verzeichnet. T a r o z z i [19] behauptete,
dass er eine Latenz der Typhusbazillen von 3'A Monaten in
den inneren Organen beobachtet habe. Einen ähnlichen laten¬
ten Mikrobismus dürfen wir nach Experimenten von
Marie [20] bei dem noch unbekannten Erreger der Rabies
annehmen. Ebenso sprechen die posttyphösen suppurativen
Knochenentzündungen, in denen Typhusbazillen in Reinkultur
gefunden werden, für einen- latenten Mikrobismus der Typhus¬
bazillen im Gewebe. Im allgemeinen treten diese Eiterungs¬
prozesse erst lange nach der Typhusinfektion, oft erst nach
Monaten auf. Ob nun die Auffassung, dass der Typhus als
eine Blutinfektion und die Darmerscheinungen als sekundär
anzusehen sind, zu Recht besteht oder die Ansicht, dass Re¬
zidive oder posttyphöse Prozesse durch Metastasen entstehen,
das Richtige trifft, jedenfalls beobachten wir auch hier häufiger
die klinischen- Folgen des latenten Mikrobismus.
Wir kommen zum Nachweis der Typhusbazil¬
len in den Organen. Diese Untersuchungen waren mit
ungleich schwierigerer Technik verbunden als die bakterio¬
logischen Blutuntersuchungen. Vor allem war dabei die Ein¬
haltung strengster Asepsis geboten, um nicht durch Ver¬
unreinigung verwischte Bilder zu erhalten. Untersucht wurde
der Bakteriengehalt der Milz und des Knochenmarks bei Meer¬
schweinchen. Nach der Entblutung der Tiere wurde die Milz
mit sterilen Instrumenten herausgenommen und mit 1 bis
2 ccm Bouillon fein zerteilt.
Das Knochenmark wurde nach der von Schwarz an¬
gegebenen Technik gewonnen. Ein Femur wurde aseptisch
aus seinen Gelenken enukleiert, vom Periost entkleidet und
mit der L u e r sehen- Zange wurden die beiden* Epiphysen¬
enden abgebrochen. Das Diaphysenmark wurde danach in
2—3 ccm Bouillon aufgeschwemmt. 1 ccm dieser Emulsion
wurde zu 3 ccm auf 45°C abgekühltem, flüssigem Agar gebracht
und Platten gegossen. Ich gebe einen Auszug aus den Ver¬
suchsprotokollen wieder.
Tier
No.
Injek¬
tions¬
dosis
Entblutung am
Resultat
a) Milz | b) Knochenmark
Meerschw.
84
1 ioOasp
8. Tag n.d. Inj.
Auf 4 PI. 22 Kol.
Auf 4 PI. 4 Kol.
11
10. „
17 Kolon.
0
117
„
17. „
0
0
6
10. „
3 Kolon.
0
43
Kaninchen
l *
12. *
14 Kolon.
14 Kolon.
106
| W
12. „ l
0
0
43
14. „
0
0
14
i *
«. „
31 Kolon.
60 Kolon.
46
i Iß
16. .
I 0
0
Ich musste diese Untersuchungsreihen bald abbrechen.
Dennoch kann man auch aus diesen relativ spärlichen Unter¬
suchungen den Schluss ziehen, dass vom 10. Tage nach der
intravenösen Injektion von */»o- Oese Typhuskultur der Befund
von Bazillen in Milz und Knochenmark immer spärlicher wird,
um vom Beginn der dritten Woche etwa ab einer Keimfreiheit
dieser Gewebe Platz zu machen. Ergänzt werden diese Befunde
durch ausführlichere Untersuchungen von Schwarz, der
neben der Agarkultur auch Schnittpräparate aus den Geweben
anfertigte und die Inguinal- und Haislymphdrüsen noch berück¬
sichtigte. Im grossen und ganzen stimmen beide Unter-
1 *
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Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
60
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
suchungsreihen ziemlich überein, so dass ich berechtigt zu sein
glaube, zu bestimmten Schlüssen zu gelangen. Schwarz
fand, dass die Milz bei Injektionen von Vs—24-Oese sich erst
vom 14. Tage ab vollständig keimfrei erwies. Wenn auch die
Keimzahlen in den einzelnen Versuchen erheblichere Schwan¬
kungen zeigten, so war doch die Tendenz einer allmählichen
Abnahme unverkennbar. Die Befunde in den Lymphdrüsen
waren recht unregelmässige. Die Bakterienbefunde im
Knochenmark schüessen sich denjenigen in der Milz an. In
einem Fall fand ich noch am 12. Tage nach der intravenösen
Injektion der Typhusbazillen diese im Mark, in anderen war der
Befund bereits am 10. Tage negativ. Schwarz bezeichnet
den 14. Tag nach der Injektion als den ungefähren Grenzwert
für den Nachweis der ins Blut gebrachten Typhusbazillen. Je
nach der Quantität des injizierten Bakterienmaterials schwankt
auch hier wieder dieser Grenzwert in etwas weiteren Grenzen,
ebenso ist die gefundene Keimzahl von der Menge der Bakterien
abhängig. Dass überdies auch der Virulenzgrad des Typhus¬
stammes in dieser Beziehung eine gewisse Rolle spielen kann,
ging aus einem Vergleich meiner und der Schwarz sehen
Befunde hervor. Ich erreichte mit Vio-Oese meines Typhus.-
stamms den Grenzwert, den Schwarz sowohl für den Blut-J
wie den Organnachweis der Keime meist mit Vß-Oese erlangte.
Diese Versuche führten danach zu dem Ergebnis, dass zu
einer Zeit, in der das Blut als steril anzusehen ist, noch infek¬
tionsfähige Keime in grösserer Zahl in Milz und Knochenmark
nachzuweisen sind. Die vom 8. Tage nach der Injektion aus
den Organen gezüchteten Keime erwiesen sich nicht bloss als
entwicklungsfähig, sondern auch für die Laboratoriumstiere
virulent.
Die Frage: Werden die Bakterien aus dem Kreislauf in die
Organe eingeschwemmt — ist bereits von Wyssoko-
witsch in bejahendem Sinne beantwortet worden. Dafür
sprechen auch die Befunde weit grössererKeimzahlen,
die in den Geweben festgestellt wurden. Schwarz ge¬
lang es, den experimentellen Beweis hiefür zu führen, indem
er 25 Minuten nach der Infektion im Blut eine bedeutende Ver¬
minderung der Bakterien, in der Milz eine weit grössere Keim¬
zahl als im Blut konstatierte. Alle diese Versuche beziehen
sich auf den Nachweis der Typhusbazillen im strömenden Blut
bei Meerschweinchen und Kaninchen; wie die analogen Ver¬
hältnisse bei Verwendung anderer Bakterienarten und anderer
Tiere liegen, müssen weitere Versuche erst lehren.
Ausser den Gewebszellen beteiligen sich die Leukozyten
an der Aufnahme der Keime. Im Innern der Leukozyten, die
den Transport der aufgenommenen Bakterien übernehmen
können, findet dann die Zerstörung der Infektionserreger oder
wenigstens eine Abschwächung ihrer Virulenz statt. Vielfach
können jedoch widerstandskräftige Keime lange im Innern des
Blutkörperchens am Leben und virulent bleiben, so speziell
Tetanussporen. Die Spirillen des Rekurrensfiebers sind
wiederholt in den Leukozyten gefunden worden, aus denen sie
nach dem Schwund der Antikörper im Blutserum wieder in
die Blutbahn zurückgelangen können.
In unmittelbarem Zusammenhang mit den Untersuchungen
über den latenten Mikrobismus steht die Frage nach der Ver¬
mehrung der Keime in den Organen und Ge¬
websflüssigkeiten. Auf experimentellem Weg lässt
sich diese Frage schwerlich lösen. Denn immer kann in den
Fällen, in denen bei wiederholten bakteriologischen Blut¬
untersuchungen eine Steigerung der Bakterien¬
zahlen aufgedeckt wurde, der Einwand gegen die Annahme
einer Vermehrung im Blut geltend gemacht werden, dass von
den lokalen Organdepots aus eine vermehrte Zufuhr der Ba¬
zillen stattgefunden hat. Klinische Beobachtungen, die durch
wiederholte bakteriologische Blutuntersuchungen gestützt
werden, könnten noch am ehesten für eine solche vorüber¬
gehende Keimvermehrung im Blut sprechen. In den Fällen, in
denen die Schwere der Infektion das Symptombild beherrscht,
in denen wiederholte Blutentnahmen eine rapide Steigerung der
Keimzahl aufweisen, ist man vielleicht berechtigt, an die Mög¬
lichkeit einer solchen Vermehrung zu denken. Der Mangel
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an Antikörpern wird in diesen Fällen für die Keimvermehrung
bedeutungsvoll sein.
Während ihres latenten Daseins im lebenden tierischen
Organismus weisen die Bakterien Veränderungen mor¬
phologischer und physiologischer Natur auf,
so dass deutliche Unterschiede zwischen den „Tierbazillen“ und
■den „Kulturbazillen“ erkennbar sind. Anatomische Modi¬
fikationen im Bau, in der Lagerung der Bakterien sind schon
im mikroskopischen Präparat sichtbar. Im strömenden Blut
lassen sich die Keime mikroskopisch allerdings nur in seltenen
Fällen nachweisen. Unter 14 Typhuskranken, deren Blut zu
verschiedenen Zeiten der Erkrankung untersucht wurde, konnte
ich nur einmal die Erreger im Blut mikroskopisch konstatieren,
während bei der kruppösen Pneumonie die spezifischen Kokken
relativ häufiger im Blutausstrich entdeckt werden konnten.
Tuberkelbazillen wurden im Blut mittelst des mikroskopischen
Nachweises von mir niemals im Blut entgegen den positiven
Befunden von Liebmann [21] gefunden.
Die im Blutausstrich nachgewiesenen Pneumokokken,
die auf dem Blutagar in zahlreichen Kolonien aufgingen, wiesen
deutliche Abweichungen von ihrer normalen Form auf: Das
Protoplasma einzelner Kokken war nur schwach tingiert und
schien aufgequollen. Auch die im mikroskopischen Präparat
entdeckten Typhusbazillen zeigten unverkennbare Verän¬
derungen, indem kürzere Stäbchen und dicke Körnchenformen
gefunden wurden. Alte Laboratoriumsstämme, die in die
Peritonealhöhle von Kaninchen übertragen wurden, zeigten bei
nicht abgeschwächter Vitalität ähnliche Veränderungen. Diese
meist schlecht färbbaren Involutionsformen sprechen für die
Einwirkung der bakteriziden Substanzen auf die ins Blut ein¬
gedrungenen Keime. Auch scheinen mir diese im mikro¬
skopischen Bild konstatierten Modifikationen im Bau der Bak¬
terien zu beweisen, dass durch die Wirkung der Schutzstoffe
das Wachstum auf künstlichen Nährböden gelegentlich ge¬
hemmt sein kann. Ebenso wie bei den Typhusbazillen gelang
es mir zuweilen Dysenteriekeime zu finden, die ihre Stäbchen¬
form verloren hatten und in Kokkenform auftraten. Am deut¬
lichsten ausgeprägt sind die anatomischen Veränderungen der
Milzbrandbazillen, die sich mit dicken Schleimkapseln mit be¬
sonderen färberischen Eigenschaften im tierischen Körper um¬
geben. Ausser einer Reihe selten vorkommender Keime, die
Kapseln im Tierkörper produzieren, ist noch die Kapselbildung
bei einzelnen Streptokokkenformen erwähnenswert.
Eingehender studiert wurden die physiologischen Ver¬
änderungen, die die Keime im Kontakt mit den tierischen
Gewebssäften eingehen. Zunächst zeigen die aus dem
Tierkörper gezüchteten Bazillen eine grös¬
sere Widerstandskraft gegen die verschie¬
denen Aeusserungen der Serumaktivität. Da¬
mit ist jedoch, wie Bail bemerkt, nicht ausgeschlossen, dass
auch Typhusbazillen, die lange im tierischen Organismus ver¬
weilt haben, noch der Phagozytose unterliegen, sowohl in vitro
wie in der Meerschweinchenbauchhöhle, wo selbst bei schwer¬
ster Infektion die spärlich vorhandenen Leukozyten noch als
Phagozyten wirken können.
Auch von klinischer Seite liegen einige Untersuchungen
über die erworbene Unangreifbarkeit der Bakterien im Orga¬
nismus vor und es scheint, dass frisch aus dem Menschen ge¬
züchtete Typhusbazillen noch tiefergehend in ihren physio¬
logischen Funktionen modifiziert werden, als die Tierversuche
ergaben. Zu den Angaben Friedbergers und More¬
schis [22], Besserers und J a f f e s [23] über widerstands¬
kräftige Typhusstämme kann ich einen Beitrag liefern.
Der Typhusstamm wurde aus den Fäzes einer Kranken erhalten,
die vor ungefähr einem halben Jahre einen mittelschweren Ab¬
dominaltyphus überstanden hatte und das Krankenhaus infolge von
kolikartigen Schmerzen in der Gallenblasengegend wieder aufsuchte.
Auf Drigalskiplatten wurden aus dem Stuhl typische Typhuskolonien
mit allen kulturellen Eigenschaften dieser Keime gezüchtet. Mittelst
eines hochwerten Immunserums vom Pferd und von mehreren Ka¬
ninchen wurde dieser Stamm gut agglutiniert. Ebenso gelang es,
mit diesem Stamm ein hochwertiges bakterizides Immunserum zu
gewinnen. Die mit echten Typhusstämmen immunisierten Meeer-
schweinchen erwiesen sich als immun gegen diesen Stamm. Dagegen
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
12 Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
war eine lytische Wirkung im Pfeiffer sehen Versuch nur in einer
Konzentration von 1 :20 noch eben deutlich zu erkennen.
Es musste danach dieser Stamm bei einer Bazillenträgern, die
sich als resistent gegenüber der bakteriziden Wirkung des Immun-
serums erwies, Veränderungen eingegangen sein, die durch das lange
Verweilen im Darm vielleicht erklärt werden konnte. Die Möglich¬
keit, dass die Aviditätsverhältnisse des Rezeptorenapparates des
Stammes modifiziert waren, lag nahe.
Die praktische Folgerung, die sich aus diesem Beispiel er¬
gibt, ist die, dass die bakterizide Serumprüfung allein bei
einem negativen Ausiall kaum geeignet sein kann, die Dia¬
gnose Typhus zu fixieren, dass das kulturelle Verfahren, die
Agglutinationsreaktion bei solchen serumfesten Stämmen zur
Diagnose mit herangezogen werden muss.
Wir haben zwischen einer längerwährenden erworbenen
Widerstandsfähigkeit gegen die aktiven Substanzen des Serums
zu unterscheiden und einer vorübergehenden. Die letztere
Eigenschaft tritt weit häufiger in Erscheinung, wie die Unter¬
suchungen lehrten. Frisch aus dem menschlichen Körper ge¬
züchtete Bakterien werden öfter nicht von spezifischen Immun-
seris agglutiniert, während bei Laboratoriumsstämmen in hohen
Verdünnungsgraden eines passenden Serums Agglutination ein-
tritt. Nach einigen Uebertragungen der frisch gezüchteten
Stämme auf künstliche Nährböden verlieren diese ihre
Inagglutinabilität. In Uebereinstimmung mit den Unter¬
suchungen von Stern und Körte [24], Eppe n stein [25]
und Eisenberg [26] habe ich ebenfalls solche serumfeste
Typhusbazillen nachweisen können.
Diese serumfesten Mikroben sind jedoch nicht als Dege¬
nerationsformen zu bezeichnen, sondern die Virulenz dieser
Stämme ist gegenüber älteren Laboratoriumskulturen ge¬
steigert, wie Jürgens [27] nachweisen konnte. Jürgens
konstatierte bei einem im Rezidiv gezüchteten Typhusbazillus
eine höhere Virulenz als bei dem aus der ersten Erkrankung
erhaltenen Stamm.
Eine ähnliche Anpassung wie an die bakteriziden Kräfte
des Blutserums erfahren die eingedrungenen Keime auch an
die Phagozyten.
Wir sind danach zu der Annahme berechtigt, dass die Bak¬
terien neben anatomischen Modifikationsprozessen im tierischen
Organismus auch physiologische Veränderungen durchmachen,
die im wesentlichen in einer Anpassung an den infizierten
Körper bestehen. Die Bedeutung dieser erworbenen Resistenz
der Bakterien im Tierkörper für den latenten Mikrobismus ist
unschwer zu erkennen. Durch die Auslese und Bildung wider¬
standsfähiger Bakterienrassen im infizierten Organismus sind
die Bedingungen für ein latentes Verweilen der Keime im
Körper im wesentlichen gegeben.
Verwunderlich auf den ersten Blick erscheint das
Nebeneinanderbestehen von hoher Schutz¬
kraft der Qewebssäfte und der Keime im
selben Organismus. Entweder genügt also die Bak-
terizidie der Säfte während der Latenzzeit der Keime nicht, um
eine vollkommene Bakterienvernichtung zu bewirken, oder die
Anpassungsfähigkeit der Bakterien an den infizierten Organis¬
mus ist so hoch entwickelt, dass ein Gleichgewichtszustand
geschaffen wird. Bakteriengehalt des Blutes und gleichzeitiger
Antikörperbefund ist irr typhösen Erkrankungen meist neben¬
einander zu finden. Bei vergleichenden Untersuchungen über
den Keimgehalt des Blutes bei Typhuskranken und die Ag¬
glutinationskraft des Serums stellte sich heraus, dass in der
Mehrzahl der Fälle beim Abfall der Bakterienzahl aus dem
strömenden Blut der Agglutinationswert anstieg. Ich führe
zum Belege einige Beispiele an:
1. H. Barbara, 35 Jahre, Köchin. Schwerer Typhus, kom¬
biniert mit Lungentuberkulose. Exitus nach 14 Tagen vom Beginn
der ersten Krankheitserscheinungen. Erste Blutentnahme am 7. Tage
der Erkrankung bei 39,7° C. 42 Typhuskolonien aus 10 ccm Blut
gezüchtet. Agglutinationswert des Serums 1 :20 negativ. Zweite
Blutentnahme am 12. Krankheitstage bei 40° C. Keine Typhusbazillen
in 10 ccm Blut (!), Agglutinationswert des Serums 1 :200 positiv. In
diesem Falle trat der Tod bei erhöhtem Agglutinationswert des Blut¬
serums und Fehlen der Bazillen im Blut ein; ein Beweis dafür, dass
bei Typhus der Exitus durch eine Endotoxinämie ohne Bazillen¬
befund im strömenden Blut eintreten kann.
2) K. Karl, Kaufmann, 22 Jahre. Mittelschwerer, unkomplizierter
Typhus. Geheilt nach fünf wöchentlichem Verlauf. Erste Blutent-
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61
nähme am 7. Tag nach Beginn der Erkrankung. In 10 cm Blut wer¬
den 24 Keime nachgewiesen; Agglutinationstiter 1:20 negativ.
Zweite Blutentnahme am 11. Tag nach dem Krankheitsbeginn. In
10cm Blut keine Typhusbazillen; Agglutinationswert 1 :2000 stark
positiv.
Im ganzen wurden so 17 Typhusfälle untersucht. Und mit
Ausnahme von 2 Fällen wurde stets bei einem Sinken
der Bakterienzahlen im Blut ein Ansteigen
des Agglutinationswertes, in einzelnen Fällen, in
denen der bakteriolytische Titerwert geprüft wurde, auch
mit dem Fallen der Bakterienzahl eine Erhebung der Bakterio-
lysinkurven festgestellt. Untersuchungen, die S t ü h 1 e r n
über diesen Gegenstand anstellte, kamen zu dem gleichen Er¬
gebnis.
Wir sind gewohnt, die Schutzkraft des Organismus nach
dem Grad der durch die künstliche Impfung oder Infektion er¬
worbenen Immunität, die wir durch quantitative Austitrierung
des Serums messen, zu bewerten. Wir verfügen jedoch in der
quantitativen Auswertung der Antikörper der Serums über
einen unvollkommenen Masstab zur Beurteilung des immuni¬
satorischen Effekts. Denn wir kennen Infektionen, in denen
trotz ausgesprochener Immunitätsreaktion nach Wochen noch
Rezidive eintreten und andere, in denen bei niederem Anti¬
körperwert die Krankheit günstig verläuft oder bei hoher
Schutzkraft der Exitus eintritt.
Wassermann hat darauf aufmerksam gemacht, dass
auch bei niederem Titerstand des Serums eine latente Immuni¬
tät vorhanden sein kann, die auf einer Umstimmung der Ge¬
webe beruht, durch die diese befähigt sind, im Falle der In¬
fektion die erforderlichen Antikörpermengen rascher und in
grösserer Quantität zu bilden, als dies der normale Organismus
vermag. Für eine solche zelluläre Immunität sprechen die
noch wenig zahlreichen Versuche, die eine Regeneration der
dem Serum verloren gegangenen Antikörper durch chemische
und thermische Reize erzeugen konnten.
Auffallend ist der Befund von Keimen in Milz und Knochen¬
mark, der noch bis zu zwei Wochen nach der intravenösen In¬
jektion der Typhusbazillen erhoben werden konnte, in Be¬
ziehung zur Bildung der Antikörper in diesen Stätten ihres Ur¬
sprungs. Während im strömenden Blut wenige Tage nach der
Bakterieneinverleibung noch keine Antikörper nachgewiesen
werden können, besitzt der Extrakt aus diesen Geweben be¬
reits einen relativ erheblichen Antikörpergehalt. Wir haben
also die überraschende Tatsache zu verzeichnen, dass in- den
Organen, in denen die Bildung der Schutzstoffe im wesentlichen
vor sich geht, die Keime am längsten latent bleiben können.
Mit dem Nachweis einer starken Bakterizidie des Blutes lässt
sich dieser latente Mikrobismus schwer verneinen; die durch
experimentelle Belege gestützte Annahme einer erworbenen
Serumfestigkeit der latenten Mikroben macht jedoch das
Nebeneinanderbestehen von lebenden Keimen und hoher
Serumaktivität begreiflich. Andrerseits lässt der Nachweis
eines latenten Mikrobismus der Typhusbazillen in den Ge¬
weben den Schluss zu, dass die definitive Vernichtung der
Keime in den Organen selbst zustande kommt.
Jedenfalls ist auf Grund der Beobachtungen und Unter¬
suchungen über den latenten Mikrobismus die Folgerung ge¬
rechtfertigt, den Begriff der Immunität weiter zu fassen und
vor allem nicht die erworbene Schutzkraft des Organismus
nach den bakteriziden Titerwerten als absoluten Massen zu
bewerten. Ueber die Grenzen der Wirkungsmöglichkeit der
Schutzstoffe produzierenden Zellen, über die Qualität der
Arbeitsleistung lassen sich nur Vermutungen aussprechen.
Der latente Mikrobismus führt zu einem Gleichgewichts¬
zustand im infizierten Organismus, in dem die Serumaktivität
mit der erworbenen Serumfestigkeit der Keime um die Herr¬
schaft streiten. Schw indet die Serumaktivität rascher,, so ist
die Möglichkeit eines Rezidivs gegeben. Ueber die Ursachen
des Uebertritts der Keime aus ihren Organdepots in die Blut¬
bahn wissen wir w T enig. In die Organe eingcschw emmt können
sie mit dem Blutstrom ins kreisende Blut zurücktransportiert
werden, sobald ein Reiz die Organe trifft. Wenn auch nach
Untersuchungen von H e 11 y nicht von einem Rücktransport
der Keime aus der Milzpulpa in die Gefässe —- wenn man nicht
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62
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
ein Durchwachsen der Bakterien in die Kapillaren oder einen
Leukozytentransport annimmt — die Rede sein kann, aus den
Kapillaren« des Marks, der Leber könnten die Typhusbazillen
w r ieder in den Kreislauf gelangen. Die Bakteriämie mit ihren
klinischen Symptomen tritt danm wieder in den Vordergrund
und beherrscht das Krankheitsbild.
Diese Fälle einer von den Organ depots
der Keime ausgehenden Sepsis stelle ich den
Fällen der kryptogenetischen Sepsis ent-
g e g e n, die von unbemerkt bleibenden äusserlichen Haut- und
Schleimhautläsionen oder von Abszessen in den Organen und
inneren Entzündungsprozsessen ausgeht. In den Organen, spe¬
ziell in Mark, Lymphdrüsen, Milz und Leber, können die Keime
ein latentes Dasein fristen, ohne zu Entzündungsprozessen zu
führen. Ursachen für den Rücktransport ins Blut können
Traumen, Hyperämien der Organe, interkurrente Erkrankungen
ausmachen. Wie mir eigene Untersuchungen bei Tieren
bewiesen, vermögen länger währende Temperatursteigerungen
einen erneuten Uebertritt der Typhuskeime aus den Organ¬
depots ins strömende Blut zu veranlassen, nachdem dies zu¬
vor mit Sicherheit als keimfrei befunden war.
Im 1 anderen Fall gehen die latenten Keime ihrer Anpas¬
sungskraft verlustig und verschwinden allmählich aus ihren
Organdepots.
Wir nehmen an, dass das längere Persistieren der Bak¬
terien in den Organen mit einer Abschwächung der Virulenz
verbunden ist. Dafür sprechen die Befunde, die eine Ab¬
schwächung der Virulenz der mit Impfmaterial inokulierten
Keime fanden, wenn infiziertes Drüsengewebe verimpft wurde.
Schliesslich werden die Keime in den Geweben durch aktive
Tätigkeit der Zellen selbst vernichtet. Dagegen scheint der
Uebertritt der Erreger ins Blut mit einer Erhöhung der Viru¬
lenz meist verbunden zu sein. Saprophyten erlangen so, wenn
sie in an Blut immer reicheren Nährböden kultiviert worden
sind, eine pathogene Wirkung. In Kollodiumsäckchen, die in
die Peritonealhöhle von Meerschweinchen gebracht waren,
wurden einzelne Saprophyten, wie Vincent [29] fand, pa¬
thogen. Ebenso gelang es, Typhusbazillen, B. coli, Staphylo-
coccus aureus und B. prodigiosum durch Serumzüchtung in
ihrer Virulenz zu steigern. Typhusbazillen, die ich in einem
Rezidiv züchtete, zeichneten sich analog dem Befunde im
Jürgens sehen Fall durch eine erheblichere Virulenz im Ver¬
gleich zu den während der ersten Krankheitsepoche isolierten
Bazillen aus.
Literatur.
1) D ü r c k: Münch, med. Wochenschr., 1904, No. 26. — 2) M a n-
fredi: Zeitschr. f. Hygiene, Bd. XXX, 1899. — 3) Perez: Baum-
gartens Jahresbericht 1897. — 4) K ä 1 b 1 e: Münch, med. Wochenschr.
1899, No. 19. — 5) Quensel: Zeitschr. f. Hygiene, 1902, Bd. XL.
— 6) Rogozinsky: siehe Hess. — 7) Wrozek: Virchows
Archiv 1904. — 8) Selter: Zeitschr. f. Hygiene, Bd. L1V, 1906. —
9) Hess: Zentralbl. f. Bakteriol., 1907, Originalbd. XLIV, H. 1. —
10) Bruce: Zit. bei Koch: Deutsche med. Wochenschr., 1904, pag.
1708. — 11) Fodor: Archiv für Hygiene, 1886, Bd. IV. — 12)
Wyssokowitsch: Zeitschr. f. Hygiene, 1886, Bd. I. — 13)
Schwarz: Zeitschr. f. Heilkunde, 1905. Bd. XXVI. — 14) Con-
radi: Deutsche med. Wochenschr., 1906, No. 2. — 15) Gilde¬
meister: Hygien. Rundschau 1907. — 16) Stühlern: Zentralbl.
f. Bakter., 1908, Bd. XLVII, H. 3. — 17) Lesieur: Zentralbl. f.
Bakt. Ref. 08, Bd. XLII, H. 4/6. — 18) Künzel: Münch, med.
Wochenschr. 1906. — 19) Tarozzi: Zentralbl. f. Bact., Orig., Bd.
XL. — 20) Marie: Compt. Rend. T. LXII. — 21) Liebmann:
Berlin, klin. Wochenschr. 1891, No. 16. — 22) F r i e d b e r g e r
und Mo re sc hi: Berl. klin. Wochenschr. 1905. — 23) Besserer
und J a f f e: Deutsche med. Wochenschr., 1905, No. 51. — 24) Ster n
und Körte: Berl. klin. Wochenschr. 1904. — 25) Eppe n stein
und Körte: Münch, med. Wochenschr., 1906. — 26) Eisenberg:
Zentralbl. f. Bakt., Bd. XL. — 27) Jürgens: Berl. klin. Wochenschr.,
1905. — 28) Helly: Zieglers Beiträge, 1903, Bd. XXXIV. — 29)
Vincent: Ann. de Einst. Past. 1898. — 30) Heck: Zeitschr. f.
Hygiene, 1907, Bd. 56.
Aus der medizinischen Klinik zu Leipzig.
Die Was8ermann$che Seroreaktion bei Lues und
anderen Infektionskrankheiten 1 ).
Von Prof. Dr. Fr. R o 11 y, Assistent der Klinik.
An der mediz. Klinik zu Leipzig wurde die Wasser-
m ann sehe Reaktion bis jetzt bei 25 Luetikern, 17 Tabikern,
2 Paralytikern, 1 Patienten mit hereditärer Lues ausgeführt.
Unter den 25 Luetikern befanden sich 4 im ersten, 13 im
zweiten und 8 im dritten Stadium. Das Serum dieser 45 Patien¬
ten zeigte nur zweimal negative, bei allen anderen dagegen
traten positive Reaktionen auf (d. i. 95,5 Proz. positive Re¬
aktionen). Bei diesen 43 positiv reagierenden Fällen handelte
es sich 40 mal um komplette Bindung und 3 mal um das Auf¬
treten einer nur teilweisen Bindung des Komplements; die
letzteren 3 Untersuchungen müssen jedoch als sicher positiv
deswegen bezeichnet werden, weil die Bindung deutlich er¬
kennbar war. Negative Wassermann sehe Reaktion ergab
das Serum von 1 Tabiker und 1 rezenten Lues, bei welch
letzterem Fall nur eine Sklerose und noch keine allgemeinen
sekundären Erscheinungen vorhanden waren.
Bei zahlreichen anderen Patienten, bei welchen keine Lues
in der Anamnese nachzuweisen war, und welche an anderen
Affektionen wie Unterleibstyphus, Pneumonie, Karzinom etc.
litten, war die Reaktion stets eindeutig negativ, dabei ist aller¬
dings zu bemerken, dass Patienten mit Skarlatina nicht unter¬
sucht wurden. Nur in einem Falle schien anfangs eine positive
Reaktion bei einem Typhuskranken zu bestehen, allein die
Anamnese ergab, dass der Pat. früher eine Orchitis und
Zystitis durchgemacht hatte und bei der genauen Untersuchung
wurden an den verschiedensten Stellen (Ellenbogenbeuge etc.)
kleine, nicht schmerzhafte Drüsen gefunden, so dass dieser
Patient wohl als sicher luetisch anzusehen ist.
Die Reaktion 2 ) wurde in der Weise angestellt, dass das zu unter¬
suchende Serum in der Menge von 0,2 und 0,1 (d. h. 1 resp. Vs ccm
einer Verdünnung von 1:5) mit 0,2 und 0,1 ccm Antigen und ausser¬
dem 1 ccm eines 10 fach verdünnten Komplementes in ein Röhrchen
zusammengegeben wurde.' In ein 2. Röhrchen kam 1 ccm einer
5 proz. Hammelblutkörperchenaufschwemmung, welche mit 0,2 und
später 0,3 ccm einer 100 fachen Verdünnung des Ambozeptorserums
vermischt war. Beide Röhrchen wurden 1 Stunde lang in den Brut¬
schrank gestellt, alsdann zusammengegossen und darauf diese
Mischung wieder für 1—1VL* Stunden der Brutwärme ausgesetzt.
Hiernach wurden 12—24 Stunden lang die Röhrchen in den Eis¬
kasten gebracht und das Resultat notiert.
Als Kontrollen wurden bei allen Versuchen folgende (6) an¬
gestellt:
1. wurde in einer Versuchsreihe anstatt des zu prüfenden Serums
sicher luetisches Serum gesetzt, es musste in diesem Falle eine kom¬
plette Bindung des Komplementes eintreten.
2. wurde in einer weiteren Versuchsreihe an Stelle des zu prü¬
fenden Serums sicher normales Serum angewandt, es musste hier
natürlich Hämolyse sich zeigen.
3. durfte das Serum ohne Antigen in der ein- bis zweifachen
Dosis keine Komplementhemmung und
4. ebenso das Antigen ohne Serum in der ein- und zweifachen
Menge keine Komplementhemmung zeigen.
5. musste bei jeder Untersuchung in einem Vorversuche das
hämolytische System geprüft werden, d. h. es musste die die Ham¬
melblutkörperchen völlig lösende Dosis in unseren Versuchen bei
Verwendung von 0,1 ccm Komplement bei 0,001—0,0005 ccm Ambo¬
zeptorserum gelegen sein. In dem eigentlichen Versuch wurde als¬
dann jedesmal das hämolytische System einer nochmaligen Prüfung
unterzogen.
6. durfte die NaCl-Lösung die Hammelblutkörperchen nicht auf-
lösen.
Nur bei Anwendung dieser 6 Kontrollen bei jedem einzelnen
Versuche ist es möglich, eindeutige und sichere Resultate zu erzielen.
Die Darstellung der einzelnen zu den Reaktionen nötigen Stoffe
geschah auf folgende Art und Weise:
Das Blut des Patienten wurde mittels einer sterilen L u e r sehen
Spritze aus der Armvene entnommen, zentrifugiert, das-Serum steril
abpipettiert; letzteres wurde inaktiviert (eine halbe Stunde auf 56°
erhitzt) und sodann möglichst bald untersucht.
*) Diskussionsbemerkungen über eigene Untersuchungen in der
Leipziger med. Gesellschaft zu dem Vortrag von L ö h 1 e i n und
R i e c k e über das gleiche Thema.
2 ) Fr. Wolinsky wird in einer demnächst erscheinenden
Dissertation noch ausführlich über die vorliegenden Untersuchungen
berichten.
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12. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
63
Das Antiken wurde aus der Leber eines luetischen Fötus
gewonnen. Diese Leber wurde mittels einer feinen Hackmaschine
zerkleinert, sodann mit 10 Teilen absoluten Alkohol versetzt, dann
24 Stunden lang in einem Schüttelapparat geschüttelt, darauf filtriert
und dieses Filtrat im Eisschrank aufbewahrt.
Dieses so -gewonnene Antigen hatte folgende Eigen¬
schaften: 1. gab es in der oben genannten Menge (0,2 und
0,1 ccm) in den Versuchen, aber auch noch bei einer geringeren
Menge (0,05 ccm) mit 0,1 ccm sicher luetischen Serums an¬
gewandt komplette Hemmung und 2. mit normalen Serum (0,2)
versetzt komplette Hämolyse; 3. ergab das Antigen in einer
Dosis von 0,5 ccm ohne Serumzusatz noch Hämolyse; eine
Komplementbindung trat erst bei einer Menge von 0,7 ccm
durch das Antigen allein auf.
Mit diesem Antigen wurden die meisten der erwähnten
Untersuchungen angestellt. Nachdem es alsdann ca. 6 Wochen
im Eiskasten gestanden hatte, wurde es unbrauchbar, insofern
nun bei Ausführung der Versuche mit sicher luetischem Serum
in den angegebenen Mengenverhältnissen keine Bindung des
Komplements, dagegen eine solche bei Zusatz von sicher nor¬
malem Serum eintrat.
Ein derartiges Vorkommnis zeigt wieder recht deutlich,
wie enorm vorsichtig man bei diesen Untersuchungen Vor¬
gehen muss und wie bei jedem neuen Versuche die genannten
Kontrollen ausgeführt werden müssen.
Als Komplement wurde in allen Versuchen je 1 ccm eines
10 fach verdünnten frischen Meerschweinchenserums angewandt,
die 5 p r o z. Hammelblutkörperchenaufschwemmung
wurde in der Weise gewonnen, dass defibriniertes frisches Hammel¬
blut mit physiologischer Kochsalzlösung dreimal gewaschen und
zentrifugiert und schliesslich mit der 20 fachen Menge des ursprüng¬
lichen Blutquantums mit physiologischer Kochsalzlösung verdünnt
wurde.
Das Ambozeptorserum lieferte ein Kaninchen, welches in
bestimmten Intervallen vorher subkutan mit Hammelblut behandelt
worden war. Eben noch vollkommene Hämolyse trat bei Bestim¬
mung des Titers dieses Ambozeptorserums bei einer Menge von
0,001 ccm auf. Bei unseren Experimenten murde anfangs die doppelte
(0,002), später die dreifache Dosis (0,003) genommen.
Zu allen unseren Versuchen haben wir als Antigen das
alkoholische Extrakt eines sicher syphilitischen Fötus ange¬
wandt. In einer weiteren Versuchsreihe stellten wir uns nun
die Aufgabe, zu prüfen, ob und in welchem Masse ein auf die
gleiche Weise bereitetes Leberextrakt eines sicher nor¬
malen Fötus mit spez. Serum Komplement zu binden im¬
stande sei. Und zwar untersuchten wir mit einem solch nor¬
malen Leberextrakt 15 Fälle (5 Tabes, 8 Lues und 2 progr.
Paralyse), deren Sera mit luetischem Leberextrakt sämtlich
komplette Bindung bei gleichzeitiger Untersuchung ergaben.
Es zeigte sich bei diesem Versuch, dass komplette Bindung
bei 10 Fällen vorhanden war, bei den übrigen 5 jedoch war
keine Bindung zu erkennen. Wir müssen demnach auf
Grund dieser Versuche dem syphilitischen
Leberextrakt als Antigen bei den Wasser-
mannschen Versuchen unbedingt den Vor¬
zug g e b e n«, da bei Anwendung des normalen Leberextraktes
die syphilitischen Sera nur in 66 Proz., bei Anwendung des
syphilitischen Leberextraktes dagegen in 100 Proz. in den an¬
geführten Versuchen positiv reagierten.
In einer weiteren Versuchsreihe suchten wir der Frage
näher zu treten, ob bei anderen Infektionskrankheiten (Unter¬
leibstyphus und Tuberkulose) das Serum dieser Patienten mit
dem betr. Antigen (Typhusbazillen- und Tuberkelbazillen¬
extrakt) komplementbindende Eigenschaften besitzt, und ob es
vielleicht durch derartige Untersuchungen möglich ist, eine
Diagnose der betr. Krankheiten zu stellen.
Das Typhusantigen wurde zu diesen Versuchen nach der
Vorschrift von L e u c h s in der Weise gewonnen, dass K o 11 e-
sche Schalen mit Typhusbazillen geimpft und alsdann 24 Stunden
lang bei 37° gehalten und darauf mit je 5 ccm destilliertem
Wasser abgeschwemmt wurden. Die so erhaltene .Bazillen¬
emulsion wurde 24 Stunden lang bei 60° gehalten und dann
weitere 24 Stunden im Schüttelapparate bei Zimmertemperatur
geschüttelt. Darauf wurde dieselbe 2 Stunden lang mit der
elektrischen Zentrifuge zentrifugiert, die über dem Sediment
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stehende Flüssigkeit abpipettiert, mit 0,5 proz. Phenol versetzt
und im Eisschrank aufbewahrt.
Es zeigte sich, dass 0,2 ccm einer 10- und 100 fachen Ver¬
dünnung dieses Typhusantigens mit 0,1 ccm sicher typhösen
Serums Bindung des Komplements und mit 0,2 ccm eines sicher
normalen Serums (d. h. von einem Patienten, welcher noch
nie an Unterleibstyphus erkrankt war) Hämolyse gaben;
0,5 ccm dieses Antigens waren für sich allein (d. h. ohne Serum)
nicht imstande, die Hämolyse zu hemmen.
Mittelst dieses Typhusbazillenextraktes wurde das Serum
von 10 Typhuspatienten auf Komplementbindung auf die ge¬
wöhnliche Art untersucht. Die Sera dieser 10 Typhuskranken
agglutinierten Typhusbazillen sämtlich in sehr hoher Konzen¬
tration (1:800 und mehr), es konnte aber bei diesen 10 Unter¬
suchungen nur dreimal eine komplette Bindung konstatiert
werden, dagegen trat bei 7 eine Hämolyse auf.
Als Tuberkuloseantigen zur Untersuchung der spezifischen
Bindung mit Seris von tuberkulösen Patienten wurden 0,5 ccm
einer fünffachen Verdünnung von „Alttuberkulin Koch“ an¬
gewandt. Mit dieser Menge wurden die Sera von 8 Tuber¬
kulösen, welche dem 1., 2. und 3. Stadium angehörten unter¬
sucht Unter gleichzeitiger Beobachtung der nötigen Kon¬
trollen konnte nur 3 mal eine komplette, 3 mal eine schwache
und 2 mal eine sehr schwache Komplementbindung konstatiert
werden. Ja es schien sogar, dass den tuberkulösen Seris bei
der Anstellung der Reaktion hier jede Spezifität fehlte, inso¬
fern zu gleicher Zeit angestellte Kontrollen mit Seris von
Typhus- und Lueskranken ebenfalls Komplementbindung, welch
letztere manchmal noch stärker als bei Serum von den Tuber¬
kulösen war, ergaben.
Wir glauben somit, dass, wie bei Unter¬
leibstyphus ebenso auch bei der Tuberkulose
durch die Ausführung solcher Komplement¬
bindungsuntersuchungen in Bezug auf die
Diagnostik dieser Erkrankungen nicht viel
gewonnen-sein wird. Wir standen deswegen und auch
wegen der Unsicherheit in der Deutung der Versuchsergebnisse
bei Tuberkulösen von weiteren derartigen Experimenten ab.
Die Schlüsse, welche wir aus unseren Untersuchungen
ziehen können, sind folgende:
1. Normale (d. h. sicher nicht luetische)
Patienten, wenn sie auch an anderen Krank¬
heiten (Typhus, Tuberkulose etc.) leiden, geben
die spez. Wassermannsche Reaktion nicht.
2. Bei Lues, hereditärer Lues, Paralyse,
Tabes wird die Wassermannsche Reaktion
in einem hohen Prozentgehalte (95,5 Proz.)
positiv gefunden.
3. Das alkoholische Extrakt einer lue¬
tischen Leber ist bei den Versuchen dem¬
jenigen von nicht luetischen Lebern als An¬
tigen vorzuziehen, insofern das erstere in
einem höheren Prozentsätze bei Lues, Tabes
und Paralyse positive Reaktionen gibt als
dasjenige einer nicht luetischen Leber.
4. Bei Unterleibstyphus und Tuberkulose
w erden die Untersuchungen auf Komplement¬
bindung bei Anwendung von Typhusbazillen -
und Tuberkelbazillenextrakt als Antigen
zur Stellung der Diagnose in der Klinik keine
besondere Bedeutung erlange n, weil einer¬
seits positive Resultate nur in einem Teil
der Fälle erzielt werden, resp. dieselben
schwankend oder schwer zu beurteilen und
öfter nicht spezifisch (Tuberkulose) sind,
andererseits w'ir weit bessere und einfachere
diagnostische Hilfsmittel zur Erkennung
dieser Krankheiten besitzen.
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64
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
Aus dem Laboratorium der Kgl. chirurgischen Universitäts¬
klinik Berlin (Dir.: Geh. Rat Prof. Dr. Bier).
Fettspaltendes Ferment in den Lymphozyten.
Von Dr. S a 1 o B e r g e 1 in Hohensalza.
Es kann als zweifellos betrachtet werden, dass die weissen
Blutkörperchen im Organismus schon in physiologischen und
besonders in gewissen pathologischen Zuständen wichtige
Funktionen zu erfüllen haben. Auf die verschiedenartigen Zu¬
stände, bei denen physiologisch eine Vermehrung der Leuko¬
zyten eintritt, will ich hier nicht weiter eingehen ; nur gewisse
Erscheinungen bei der sogen. Verdauungsleukozytose möchte
ich etwas näher betrachten. Es ist ja bekannt, dass während
der Verdauung eine Vermehrung der weissen Blutkörperchen
eintritt (Virchow, Molescho-tt, Hirt, Hoffmeister).
Ueber den Sinn dieser Erscheinung ist man sich nicht so recht
im Klaren. Sind die weissen Blutkörperchen Transporteure
für die resorbierte Nahrung, oder benutzen sie diese nur für
sich selbst als Nährmaterial, oder unterstützen sie etwa die
Magen-Darmverdauung, indem sie die aufgenommenen Nah-
rungspartikelchen in bestimmter Weise chemisch umzuwandeln,
zu verdauen und für sich und den Körper assimilationsfähig zu
machen vermögen? Interessant sind in dieser Beziehung die
Versuche, bei denen Tiere mit einseitiger Nahrung gefüttert
wurden. Es hat sich da herausgestellt, dass bei reiner Ei¬
weissfütterung eine beträchtliche Vermehrung der poly¬
nukleären Leukozyten stattfindet (P o h 1, B u r i a n- und Schur
u. a.); bei gemischter Kost soll im wesentlichen ebenfalls eine
Steigerung der mehrkernigen Zellen beobachtet werden und
bei Fütterung mit Kohlehydraten und besonders mit Fetten die
Zahl der Lymphozyten eine bedeutende Steigerung erfahren
(Erdely, Rosenthal und Grüneberg). Diese Unter¬
suchungen sind in allen ihren Punkten allerdings noch nicht
völlig sichergestellt und auch nicht ohne jeden Widerspruch
geblieben (K e u t h e). Soviel scheint indessen festzustehen,
dass deutliche Unterschiede in dem Auftreten der verschiedenen
Arten von farblosen Blutzellen sich zeigen, je nach der che¬
mischen Beschaffenheit der zugeführten Nahrung.
Die Vermutung liegt jedenfalls nahe, dass der Zusammen^
hang zwischen dem jedesmaligen Auftreten von massenhaften
mehrkernigen Leukozyten während der Verdauung eiweiss¬
reicher Kost darin zu suchen ist, dass eben diese weissen Blut¬
körperchen eine Einwirkung auf Eiweissubstanzen ausüben,
eine chemische Verwandtschaft zu Eiweissstoffen haben, eine
verdauende Funktion verrichten. Für diese Annahme spricht
sehr viel Wahrscheinlichkeit, da doch in den polynukleären
Leukozyten ein eiweissspaltendes Ferment mit Sicherheit nach¬
gewiesen ist (Müller und J o c h m a n n). Es bestehen also
ähnliche Beziehungen zwischen den polynukleären Leukozyten
und den Eiweisskörpern, wie zwischen den eiweissverdauen-
den Fermenten des Magens, Darmes, der Bauchspeicheldrüse
und dem Eiweiss.
Unter pathologischen Verhältnissen sieht man bei infek¬
tiösen Entzündungen und bei fieberhaften Allgemeinterkran¬
kungen meist eine sehr beträchtliche Leukozytose sich ent¬
wickeln. Alles spricht für die heute wohl auch allgemein an¬
erkannte Anschauung, dass diese Hyperleukozytose bei Infek¬
tionskrankheiten mit Recht als eine heilsame Reaktion des
Körpers gegen die eingedrungene Schädlichkeit anzusehen ist,
insofern als die Leukozyten, bezw. ihre Fermente, imstande
sind, allein oder in Gemeinschaft mit anderen Substanzen des
Blutes die Krankheitserreger chemisch so zu verändern, dass
sie ihre Giftwirkung einbüssen. Bei der Mehrzahl der Infek¬
tionskrankheiten findet man eine Steigerung der neutrophilen
Leukozyten, bei manchen Krankheitszuständen sind die
eosinophilen vermehrt, bei wieder anderen Erkrankungen findet
man eine ganz bedeutende Zunahme der Lymphozytenanzahl.
Diese Befunde sind nicht zufällig und schwankend, sondern
für die verschiedenen Erkrankungsformen geradezu typisch;
so ist für Syphilis (Virchow, B i e g a n s k y, Rille,
Becker), Tuberkulose, — besonders um den erkrankten
Herd, — bestimmte Stadien des Typhus abdominalis (Naegeli),
Morbus Basedowii (Kocher, Caro, Gordon und J a g i c),
Lepra usw. eine Lymphozytenvermehrung charakteristisch.
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Wenn auch über die chemische Zusammensetzung der ver¬
schiedenen Bakterienarten nicht sehr viel bekannt ist, so weiss
man doch, dass die meisten von ihnen ei weissartiger Natur
sind, und es liegt auch hier die Vermutung nahe, dass die
schädigende, die antitoxische und bakterizide Einwirkung der
Leukozyten als eine Art von Verdauung aufzufassen ist. Denn
es darf wohl als erwiesen gelten, dass die Wirksamkeit
der weissen Blutkörperchen auf ihren fermentativen Eigene
schäften beruht, sei es, dass diese Fermente normalerweise
wie Drüsensekret von den weissen Blutkörperchen in die um¬
gebende Flüssigkeit ergossen werden und dort ihre Wirksam¬
keit entfalten, sei es, dass sie schon in dem Zelleibe selbst sich
äussert oder dass das Ferment erst beim Zerfall der Leuko¬
zyten frei und wirksam wird, sei es, dass erst durch ein
Zusammenwirken dieser Leukozytenfermente mit anderen
Substanzen die zerstörende Wirkung auf die Krankheitserreger
zustande kommt. Wenn auch die bakterizide Wirkung der
Leukozyten sich in der rein proteolytischen nicht erschöpft,
so bildet diese jedenfalls einen wesentlichen Bestandteil der¬
selben.
Ebenso wie im Magendarmkanal die Sekrete der ver¬
schiedenen Verdauungsdrüsen eine spezifische Einwirkung
ausüben auf die verschiedenen Nahrungsmittel je nach ihrer
chemischen Konstitution, wie also Eiweiss durch andere Ab¬
sonderungsfermente verdaut wird, als Kohlehydrate oder
Fette, oder wie für einzelne Substanzen die kombinierte
Wirkung mehrerer Fermente notwendig ist, um eine völlige
Verdauung herbeizuführen, ebenso mag die Einwirkung der
durch chemische Eigenart differenten weissen Blutkörperchen
auf die chemisch verschiedenen Bakteriengattungen zu deuten,
die spezifische Beeinflussung zu erklären sein.
Wenn man sich einerseits die Beobachtung vor Augen
hält, dass bei der Zuführung fettreicher Nahrung eine auf¬
fallende Vermehrung der Lymphozyten beobachtet wird, wenn
man ferner vom biologischen Gesichtspunkte aus das Auf¬
treten zahlreicher Lymphozyten bei Tuberkulose und besonders
im Tuberkel sich vergegenwärtigt, in dem Zusammenhänge da¬
mit, dass einerseits der Tuberkelbazillus eine fettartige Sub¬
stanz enthält (Ha m m e rs ch 1 a g, R u p p e I, S a t a), anderer¬
seits vielleicht mit Recht auch die Lymphozytose als eine Ab¬
weh rmassregel, den Lymphozytenwall um den Tuberkel als
ein Schutzmittel des Körpers auffasst, liegt da die Vermutung
sehr fern, dass die Lymphozyten vielleicht imstande wären,
Fett zu lösen? Sollte es nicht möglich sein, dass, wie die
mehrkernigen weissen Blutkörperchen infolge des in ihnen
enthaltenen eiweisslösenden Fermentes auf bestimmte eiweiss¬
artige Bakterien verdauend einzuwirken vermögen, ebenso die
Lymphozyten ein fettspaltendes Ferment enthalten, und infolge
dieser ihrer Eigenart gegen Bakteriengattungen bestimmter
chemischer, fettartiger Konstitution gerichtet seien?
Die Frage sollte nun experimentell in Angriff genommen
werden, ob tatsächlich die Lymphozyten ein fettspaltendes
Ferment besitzen.
Als lymphozytenhaltige Substanzen wurden verwandt:
1. tuberkulöser Eiter, 2. das Exsudat, das sich nach sub¬
kutaner Injektion reichlicher Mengen, 1—2 ccm, Alttuberkulin
Koch nach einiger Zeit bei Meerschweinchen an Ort und
Stelle bildete, sowie Milzbrei dieser Tiere. Dieses Exsudat
enthält ausser der zum Teil hämorrhagischen Flüssigkeit meist
ziemlich beträchtliche, jedenfalls gegenüber den polynukleären
relativ vermehrte Mengen Lymphozyten, 3. Milzbrei, 4. Lyrnph-
drüsenbrei.
Als Reagentien für diese Körper wurden benutzt Fett¬
substanzen zum Teil in fester Form, um ev. ähnlich wie bei
der proteolytischen Fermentwirkung der Leukozyten Ver-
dauungs- und Auflösungserscheinungen beobachten zu können,
teils neutrale flüssige Fette, um ev. Abspaltung von Fettsäuren
konstatieren zu können. In die erstere Rubrik fallen die Unter¬
suchungen, bei denen lymphozytenhaltiges Material auf Platten
gebracht wurde, die ausgegossen waren mit einer Schicht von
Stearin, Palmitin, weissem, gelbem Wachs und Kombinationen
dieser Substanzen untereinander und zum Teil noch mit wasser¬
freiem Lanolin und Olein.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
12. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
Als Reagentien für die zweite Gruppe von Versuchen dienten
neutrales, selbstbereitetes Butterfett, Mandelöl, Knochenöl,
Olivenöl und 4 proz. Lezithinlösung. Ferner wurde eine Reihe
von Versuchen derart angestcllt, dass man in nicht zu enge
Kapillaren flüssiges, gelbes Wachs aufsteigen liess und in er¬
kaltetem Zustande aseptisch in die Bauchhöhle oder Unterhaut
von Kaninchen und Meerschweinchen brachte und die Wir¬
kungen beobachtete.
Als bestes Reagens für die Gruppe der festen Fette erwies
sich gelbes Wachs mit einem Schmelzpunkte von 63—64°,
das auf Platten ausgegossen war; von flüssigen Fetten er¬
schien am geeignetsten neutrales Butterfett und Knochenöl.
Die Versuche wurden nun derart gemacht, dass man
tropfenweis tuberkulösen Eiter, Exsudatfliissigkeit nach Tuber¬
kulininjektionen, Milz- und Lymphdrüsenpressaft bezw. Brei
in gewissen Abständen von einander auf die mit den festen Fett¬
substanzen beschickten Platten brachte und sie bei etwa 52°
24 Stunden im Brutschrank stehen liess.
Es stellte sich durch vielfache Versuche heraus, dass all
diese genannten Substanzen auf Platten, die mit Stearin aus-
gegossen- waren, keinerlei Vertiefungen oder dergl. machten,
sondern einfach antrockneten. Ebenso wenig vermochten sie
auf Tripalmitin Verdauungserscheinungen hervorzurufen. Da¬
gegen erwies sich das gelbe Wachs mit einem Schmelzpunkt
von 63—64° als recht geeignet für die Anstellung derartiger
Versuche.
Wurde Material, das vorwiegend Lymphozyten enthielt,
also insbesondere tuberkulöser Eiter, auf Wachsplatten bei 52°
in den Brutofen gestellt, so
zeigten sich anscheinend
charakteristische Verände¬
rungen auf der Platte (siehe
Abb.), indem nämlich oft
schon nach mehreren Stun¬
den — meist wurde aller¬
dings erst nach 24 Stunden
kontrolliert — sich ziemlich
starke kraterartige Vertie¬
fungen bildeten, die, oft noch
getrennt durch einen schma¬
len Hof, von einem erhabenen,
wallartig aufgeworfenenRand
umgeben waren. Es hatte
gewöhnlich den Anschein, als
ob das gelbe Wachs von dem Material wie angefressen sei,
als ob letzteres sich in das Wachs eingebohrt, es verflüssigt
und beiseite gedrängt hätte, ohne aber selbst von einer Schicht
Wachs bedeckt zu sein. Ich betone diesen letzten Punkt des-
v/egen besonders, weil zur Kontrolle auf die Wachsplatte ge¬
brachte, schwerere indifferente feste Körper öfter, besonders
bei etwas höheren Temperaturen, wie in das Wachs einge¬
sunken, wie eingetaucht erschienen, derart, dass sie auch auf
der Oberfläche von einer Wachsschicht umgeben waren, und
ohne dass sie eine Dellen- und Wallbildung zeigten. Zur
weiteren Kontrolle wurden auf die Wachsplatte u. a. physio¬
logische Kochsalzlösung, Kaninchenserum, rote Blutkörper¬
chenaufschwemmung, Tuberkulin, Lezithin, Fibrin, Amylum,
Trypsin usw. gebracht, die aber nur einfach eintrockneten, ohne
die charakteristischen Befunde zu hinterlassen. Vollblut hin¬
gegen von Menschen zeigte geringgradige Einsenkung mit
manchmal etwas aufgeworfenen Rändern, was auch nicht
wundernehmen kann, da ja das normale Blut ebenfalls Lympho¬
zyten bezw. ein fettspaltendes Ferment enthält.
In einem Falle von gemischtzeiliger, vorwiegend aber
lymphatischer Leukämie, konnte man mit dem Blute auf einer
Wachsplatte charakteristische Dellenbildung mit wallartiger
Erhebung am Rande erzeugen.
Gewöhnlicher Kokkeneiter zeigte in vielen Fällen keine
weiteren Veränderungen, er trocknete einfach an, in einigen
anderen Fällen hingegen trat doch eine leichte oberflächliche
Dellenbildung auf, ohne dass aber gerade diejenigen Verände¬
rungen sich bildeten, auf die anscheinend der charakteristische,
unterschiedliche Wert zu legen ist, der aufgeworfene wallartige
No. 2.
Digitized by
Gck igle
65
Rand um die stärkere Vertiefung. Ich möchte aber trotzdem
vorläufig die genannten Veränderungen noch nicht für spe¬
zifisch gegenüber tuberkulösem Eiter hinstellen, da ja in etlichen
Fällen auch anderer Eiter andeutungsweise ähnliche, wenn auch
nicht so charakteristische Veränderungen hervorruft. Es be¬
darf jedenfalls noch weiterer Untersuchungen und verbesserter
Methoden, um absolut Sicheres aussagen zu können.
Lymphdrüsen- und Milzpressaft sowie das Exsudat, das
sich nach Einspritzungen starker Tuberkulindosen bildete,
zeigten Veränderungen, die denen sehr ähnlich waren, welche
tuberkulöser Eiter verursachte. Die Vertiefungen waren aber
meist nicht so stark und die Ränder nicht so sehr aufgeworfen,
wie bei tuberkulösem Eiter.
In einer anderen Reihe von Versuchen wurde lymphozyten¬
haltiges Material mit neutralem Butterfett, 4 proz. Lezithin¬
emulsion, Knochenöl und Mandelöl, die mit ‘/io Normalnatron¬
lauge und Aether ausgeschüttelt waren, zusammengebracht und
teils bei 37°, teils bei 53—54° 24—48 Stunden im Brutofen
unter mehrmaligem Umschütteln stehen gelassen. Zur Kon¬
trolle, dass nicht etwa durch Zersetzung die Fettsäurebildung
entstand, wurde manchmal etwas 2 proz. Karbolsäurelösung
dem zu prüfenden Gemisch hinzugesetzt, meist wurden gleich¬
zeitig Proben des reinen neutralen Fettes mit in den Brut¬
ofen gestellt und später auf ihre Reaktion hin geprüft
Den deutlichsten Ausschlag nach 24—48 ständiger Ein¬
wirkung des lymphozytenhaltigen Materials gaben neutrales
Butterfett, dann neutrales Knochenöl, sehr gering oder negativ
waren die Reaktionsunterschiede bei neutralem Mandelöl und
der 4 proz. Lezithinemulsion. Gemische von tuberkulösem
Eiter von Koxitis, Empyem und kalten Abszessen — der Eiter
selbst reagierte natürlich nicht sauer — mit neutralem Butter¬
fett wurden stets nach 24 ständigem Verweilen im Brutofen
sowohl bei 37°, als auch bei 53—54° sauer. Die Kontroll-
proben des reinen Butterfettes blieben neutral. Ebenso ver¬
wandelte der tuberkulöse Eiter die Reaktion des neutralen
Knochenöls nach 24 ständigem Verbleiben im Brutofen bei 37°
und 53" in eine saure, die zwar etwas schwächer war wie die
des Butterfettes, aber immerhin ganz deutlich erkennbar. Die
Reaktion des Mandelöls erlitt durch tuberkulösen Eiter keine
Veränderung. Tuberkulinexsudat kehrte die Reaktion des neu¬
tralen Butterfettes und Knochenöles in eine saure um, aller¬
dings nicht sehr stark. Milzbrei, zusammengebracht mit
Butterfett, wurde bei 37° nach 24 Stunden in geringem Grade
sauer, die Reaktion wurde noch 48 Stunden stärker, ohne dass
die Kontrollproben des reinen Butteriettes eine saure Reaktion
zeigten. Milzbrei mit Mandelöl liess keine Veränderung der
neutralen Reaktion herbeiführen, weder nach 24 noch nach
48 Stunden.
Es erhellt aus diesen Untersuchungen, dass die Wirk¬
samkeit des fettspaltenden Fermentes nicht an die lebenden
Lymphozytenzellen gebunden ist, da das Ferment nicht bloss
bei 37°, sondern auch bei 53—54°, wo das Protoplasma der
Zelle abgetötet ist, noch in derselben Weise seine Wirksamkeit
entfaltet.
Genaue quantitative Bestimmungen wurden leider nicht
gemacht, nur insofern, als man aus der stärkeren oder ge¬
ringeren Rotfärbung von blauem Lackmuspapier die stärkere
oder geringere Säurcbildung erkennen konnte.
War auch durch diese Versuche der Nachweis gelungen,
zum mindesten sehr w ahrscheinlich gemacht, dass die Lympho¬
zyten fettspaltende Fähigkeiten besitzen, so wollte ich noch
experimentell festzustcllen suchen, ob, und wenn möglich, wo¬
durch Fettsubstanzen, in die Unterhaut bezw. in die Bauchhöhle
von Tieren eingeführt, gespalten werden können. Zu diesem
Zw ecke liess ich in nicht zu enge Kapillaren, in Teile der be¬
kannten U-förmigen Röhrchen, siedendes, gelbes Wachs ein-
ziehen, erstarren, und führte diese unter aseptischen Kautelen
tief unter die Haut und in die Bauchhöhle von Kaninchen und
Meerschweinchen ein.
Nach 24 bezw. 48 Stunden wurden die Kapillaren entfernt
und insbesondere die Enden untersucht. Der Befund w ar nicht
ganz konstant. Manchmal zeigte sich schon nach 24 Stunden
ein Teil des Wachses an den offenen Kapillarenden ge-
2
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
MÜENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
schwunden und durch eine grauweisse oder weissgelbliche
Masse ersetzt, manchmal dauerte es 48 Stunden und noch
länger, bis ähnliches beobachtet wurde. Die mikroskopische
Untersuchung der in den Endstücken befindlichen Masse ergab
neben Resten von Wachs ein mehr oder minder reichliches
Vorhandensein von meist einkernigen weissen Blutkörperchen,
und, was interessant erschien, in etlichen Präparaten das Vor¬
handensein grosser Mengen von Fettsäurenadeln.
Es ist also auch hier eine Verdauung der fettartigen Sub¬
stanz eingetreten, und das Vorhandensein ziemlich reichlicher
Mengen von Lymphozyten spricht dafür, dass diese die Ur¬
sache für die Fettspaltung abgaben. Nachdem nun der Nach¬
weis erbracht war, dass die Lymphozyten fettspaltende Eigen¬
schaften besitzen, konnte man mit einer gewissen Berechtigung
die zahlreiche Ansammlung dieser Lymphozyten um die eine
fettartige Substanz enthaltenden Tuberkelbazillen, die wall¬
artige Einschliessung und Umgrenzung des Tuberkels in ge¬
wissem Sinne als eine heilsame Reaktion des Körpers auffassen,
die zunächst eine teilweise Auflösung der Krankheitserreger
verursachen könnte.
Erst nachdem das Fettspaltungsvermögen der Lympho¬
zyten festgestellt ist, gewinnt ferner die Beobachtung an Be¬
deutung, dass auch das Serum Luetischer ein höheres Fett¬
spaltungsvermögen besitzt, als normales, und dass der Qrad
dieses lipolytischen Vermögens anscheinend parallel geht mit
dem Grade der erzielten Immunität (C i t r o n und Reich e r).
Es ist ja eine allgemein anerkannte Tatsache,dass bei der Syphilis
eine bedeutende Vermehrung der Lymphozyten zu konstatieren
ist, eine Beobachtung, die ohne Zwang sehr wohl dahin gedeutet
werden kann, dass erstens die Lymphozyten die Produzenten
des fettspaltenden Fermentes sind und zweitens, dass die
Lymphozytose eine, wenn auch nicht ausreichende Reaktions¬
erscheinung, so doch ein Heilbestreben des Organismus gegen¬
über der Krankheit darstellt. Es ist ja auch in neuester Zeit
sehr wahrscheinlich gemacht worden, dass das Syphilisantigen
lipoide Substanzen enthält.
Aehnliche Beobachtungen sind auch beim Typhus gemacht
worden. Bei dieser Erkrankung sind bekanntlich die mono¬
nukleären Leukozyten vermehrt, und auch hier ist eine Stei¬
gerung des Fettspaltungsvermögens des Serums gefunden
worden (P r i b r a m). Sollte möglicherweise auch der Typhus¬
erreger zu fettartigen Substanzen in Beziehung stehen?
Die gewonnene Erkenntnis des Fettspaltungsvermögens
der Lymphozyten hat nicht bloss rein wissenschaftliches
Interesse, sondern verspricht auch eine hohe praktische Be¬
deutung zu gewinnen, wenn es gelingt, jene Vorgänge der
Natur zu unterstützen, die mit höchster Wahrscheinlichkeit als
heilsame aber unzureichende Reaktionserscheinungen an¬
gesehen werden können, nämlich die Ansammlung der Lympho¬
zyten um den erkrankten tuberkulösen Herd zu fördern,
Granulations- und Bindegewebsneubildung zu erzeugen.
Nachdem wir wissen, dass den Lymphozyten die Eigen¬
schaft innewohnt, Fett zu spalten, und dieses Fett einen Teil
der Giftsubstanz der Tuberkelbazillen darstellt, können wir
uns vorstellen, dass die reaktive Ansammlung von Lympho¬
zyten um den Erkrankungsherd eine Folge der chemischen
Verwandtschaft zwischen Tuberkelbazillus und Lymphozyt,
ein Resultat der chemotaktischen Reizwirkung zwischen den
fetthaltigen Tuberkuloseerregern und den fettspaltenden ein¬
kernigen weissen Blutkörperchen ist.
Es ist allerdings nicht anzunehmen, dass damit allein das
Krankheitsgift unschädlich gemacht wird und es lässt sich zur
Zeit nicht übersehen, ob nicht z. B. das junge Keimgewebe oder
auch die polynukleären Zellen ebenfalls einen schädigenden
Einfluss auf das Krankheitsgift auszuüben imstande sind, und
inwieweit das Fibringerinnsel, das in dem Tuberkelknötchen
abgelagert ist, den Reiz für die Bindegewebsneubildung und so¬
mit für die Vernarbung abgibt. Denn wenn eine Spontanheilung
eines tuberkulösen Herdes zustande kommt, so geschieht das
nur durch bindegewebige Vernarbung. Fibrin ist aber im¬
stande, diese Bindegewebsneubildung hervorzurufen (Bergei).
Jedenfalls ist ein Weg vorgezeichnet, mit dessen Hilfe die
Möglichst gegeben ist, teilweise wenigstens die Krank¬
Digitized by Google
heitserreger abzuschwächen. Tatsächlich ist auch im tuber¬
kulösen Gewebe Antituberkulin gefunden worden, das wahr¬
scheinlich von dem umgebenden Lymphozytenwall her¬
stammt. Ein schädigender Einfluss der Lymphdrüsen auf
Tuberkelbazillen ist ja auch beobachtet worden (Bartel und
Neumann).
Auch hier gilt es, wie bei so vielen pathologischen Pro¬
zessen, die Heilbestrebungen der Natur gegenüber den Schäd¬
lichkeiten richtig zu erkennen und dort, wo sie unzulänglich
sind, nach Möglichkeit zu unterstützen.
Aus dem Frauenspital Basel-Stadt (Dir.: Prof O. v. Her ff).
Die äussere Wendung.
Von Privatdozent Dr. Alfr. Lab har dt, Oberassistenzarzt
cer Knnik.
Wenn Hegar UJ die heutige Entwicklungsstufe der Ge¬
burtshilfe als die „operative Aera“ bezeichnet, so hat er damit
unbedingt recht, auch wenn Andere das Gegenteil behaupten
Die Chirurgie spielt eine immer grösser werdende Rolle bei
den entbindenden Verfahren und bald würde, wenn es so
weiter ginge, Keiner mehr Geburten leiten können, der nicht
ein Chirurg und zwar noch ein gut geschulter wäre. Man
denke nur an den vaginalen Kaiserschnitt, an die Hebosteo¬
tomien, an die weitgesteckten Indikationsgrenzen für den
klassischen Kaiserschnitt; neuerdings will Krönig [2] nach
amerikanischem Vorbilde auch die Placenta praevia mit dem
Kaiserschnitt behandeln.
Zugegeben auch, dass in einem oder anderem Falle durch
diese chirurgischen Massnahmen ein Kind gerettet worden ist,
so fragt es sich doch, ob nicht dafür die Mütter durch die
Encheirese schweren und vielleicht dauernden Schaden er¬
litten haben. Und das ist tatsächlich der Fall, das werden
sogar die Anhänger der operativen Richtung anerkennen
müssen. Ich nenne nur ein Beispiel: Mit welcher Emphase ist
die Hebosteotomie aufgenommen und verkündet worden und
jetzt, nach einer kurzen Reihe von Jahren, ist infolge der
traurigen gemachten Erfahrungen ihr Stern schon sehr im
Sinken begriffen und es wird nicht lange dauern, so wird sie
nur noch als ein nicht gerade glänzendes Blatt in der Geschichte
der Geburtshilfe figurieren; höchstens wird dieser Eingriff noch
zu den Notoperationen gerechnet werden können.
Die operative Richtung hat aber noch einen wesentlichen
Nachteil; sie eignet sich fast nur für die sogen. Anstalts¬
geburtshilfe; was soll draussen der praktische Arzt anfangen
mit diesen grossen Operationen, die er nicht ausführen kann?
Bedenken wir wohl, dass die grosse Mehrzahl der Frauen zu
Hause und nicht in einer Anstalt niederkommt; nach den Be¬
dürfnissen der Majorität aber sollte sich unsere Kunst und
Wissenschaft richten, also nach denjenigen der praktischen
Aerzte. Vielleicht wird eine Zeit kommen, wo die Mehrzahl
der Frauen in Gebäranstalten niederkommen wird — und dies
wäre in mancher Beziehung zu wünschen — dann kann eine
Anstaltsgeburtshilfe das Massgebende sein. Aber heutzutage
hat der klinische Lehrer noch wesentlich auf die Verhältnisse
des praktischen Arztes Rücksicht zu nehmen und namentlich die
Methoden auszuprobieren und zu lehren, die für ihn passen;
dabei soll nicht gesagt sein, dass er sich nicht die Errungen¬
schaften der Wissenschaft zunutze machen soll. Mit Rücksicht
aber auf die zukünftigen praktischen Aerzte ist die geburts¬
hilfliche Therapie nicht zu erschweren, sondern zu erleichtern,
um so mehr als diese Forderung im Einklänge steht mit
unseren anti- resp. aseptischen Prinzipien. Je einfacher eine
Methode, um so eher eignet sie sich für den praktischen Arzt,
und um so eher gibt sie uns die Garantie für einen günstigen
Verlauf von Geburt und Wochenbett.
In der Erkenntnis, dass in der Geburtshilfe das Einfachste
auch das Beste ist, hat es sich die Basler Klinik unter der
Leitung von Herrn Prof. v. H e r f f zur Aufgabe gemacht,
unter Reduzieren der grossen Operationen auf ein Mindestmass,
einfache, wenig eingreifende und dabei doch sichere Verfahren
anzuwenden und zu empfehlen.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
12. Januar 1900.
MüEMCHEKER MEDMgCHE WOCHENSCHRIFT.
Statt der stets verletzenden Zangenoperationen suchen wir,
wo irgend möglich, mit dem K r i s t e 11 e r sehen und v. R i t -
gen sehen Handgriff, event. mit Episiotomie auszukommen.
Statt der Hebosteotomien suchen wir durch Einleitung der
künstlichen Frühgeburt mittels des einfachen Blasenrisses die
schweren Geburten zu umgehen. Statt der nicht immer ge¬
fahrlosen Armlösung bei Beckenendlage suchen wir nach
M u e 11 e r die Extraktion ohne Armlösung auszuführen. Mit
diesen einfachen Verfahren erzielen wir einerseits keine
schlechteren Resultate als die Anhänger der operativen Rich¬
tung und andererseits lernen die Studenten Methoden, die sie
jederzeit und auch unter ungünstigen äusseren Bedingungen
in ihrer Praxis als Aerzte werden ausführen können.
Aus diesen Gründen wird auch bei der Behandlung der
Querlagen im Frauenspital Basel-Stadt ein möglichst schonen¬
des und einfaches Verfahren angewendet in den Fällen, wo es
zulässig und ausführbar ist: die äussere Wendung, d. h. die
Herstellung der Längslage durch äussere Handgriffe. Sie ist
durchaus keine neue Operation, sondern mindestens schon
ein Jahrhundert lang im Gebrauch. Sie wurde 1807 [3, 4] von
Wiegand empfohlen; vielleicht war sie schon vorher da
und dort ausgeübt worden, allein es gebührt doch Wiegand
das Verdienst, sie publiziert und ausgearbeitet zu haben. Trotz¬
dem sie nun seit jener ersten Empfehlung gewiss vielfach und
mit Erfolg ausgeführt worden ist, so scheint sie mir noch lange
nicht den ihr zukommenden Platz in der Reihe der geburtshilf¬
lichen Operationen einzunehmen. Gewiss hätte mancher Ge¬
burtshelfer sich und namentlich der Patientin eine innere
Wendung ersparen können, wenn er vorher den Versuch ge¬
macht hätte, das Kind durch äussere Handgriffe in die richtige
Lage zu bringen. Wohl gelingt es nicht jedesmal damit zum
Ziele zu kommen, allein der Versuch ist ja ganz unschädlich
und so sollte meines Erachtens kein Geburtshelfer mehr an
eine innere Wendung aus Querlage gehen, ohne vorher die
äussere Wendung versucht zu haben — vorausgesetzt, dass die
noch zu erwähnenden Bedingungen erfüllt sind. Die Literatur
über die äussere Wendung ist keine sehr grosse; tatsächlich
war auch den äusserst präzisen Vorschriften, wie sie Wie¬
gand gegeben hatte, nicht mehr viel Neues hinzuzufügen;
so wurden im Laufe eines Jahrhunderts nur wenige und un¬
bedeutende Modifikationen des ursprünglichen Verfahrens an¬
gegeben. Auch kasuistische Zusammenstellungen sind nur sehr
spärlich vorhanden. Darin sind aber alle Autoren, meist auch
die Verfasser von Lehr- und Handbüchern einig, dass die Me¬
thode nicht ihrer Dignität entsprechend gewürdigt wird. — Ich
unterlasse es hier, eine Aufzählung aller einschlägigen Schriften
zu geben und möchte nur neben den Publikationen von Wie¬
gand selbst, auf die Arbeiten von E s t e r 1 e [5], Schrä¬
der [6], L i n d f o r s [7] und Aronowitsch [8] hinweisen,
Wichtigere Momente aus der Literatur sollen weiter unten an
den gegebenen Stellen berücksichtigt werden.
Die Vorteile der äusseren Wendung gegenüber der inneren
liegen auf der Hand: zunächst, und das ist wohl das Wichtigste,
erspart man sich das Eingehen in den Uterus. Sämtliche
Statistiken haben gezeigt, dass, je tiefer man mit der Hand in
den Genitaltraktus eindringen muss, um so gefährlicher ein
Eingriff wird, durch die Gefahr der Infektion; da die innere
Wendung zu denjenigen Operationen gehört, bei denen man
am tiefsten einzudringen hat, so ist auch die entsprechende
Morbidität eine relativ hohe. Gelingt es jedoch durch äussere
Handgriffe eine Schädellage herzustellen, so wird die Morbidität
gleich sein, wie bei normalen Geburten.
Ein weiterer Vorteil ist der Wegfall der Narkose; so
minimal bei geübter Narkosentechnik die Gefahr des Ein-
schläferns sein mag, so wird es trotzdem nie gelingen, die
Chloroform- resp. Aethervergiftungsgefahr ganz zu eliminieren.
Und gerade für die Privatpraxis, wo als Narkotiseur oft die
Hebamme funktionieren muss, wo der Arzt mit der Operation
beschäftigt oft dem Verlauf der Narkose seine Aufmerksamkeit
entziehen muss — gerade da ist der Wegfall der Narkose zu
begrüssen. Ich meinesteils gestehe, dass mir jede Narkose ln
der poliklinischen Praxis, so oft ein ungeübter Student nar¬
kotisiert, etwas unheimlich ist und wo ich sie irgendwie um*
Digitized by Google
6?
gehen kann, so tue ich es gerne. — Nun gibt es allerdings Fälle,
wo ohne Narkose die äussere Wendung auch nicht gelingt, so
bei straffen oder sehr dicken Bauchdecken, bei Schmerzhaftigkeit
der ganzen Prozedur (die allerdings selten ist) und schliesslich
bei sehr intensiver Wehentätigkeit, wo jede Berührung des
Leibes eine Kontraktion des Uterus veranlasst. In solchen
Fällen wird man sich wie zur inneren Wendung vorbereiten
und desinfizieren und sodann nach Einleitung der Narkose mit
einem sterilen Tuch die äussere Wendung nochmals versuchen,
bevor man zur inneren übergeht; das Verfahren ist ähnlich
wie bei der Retentio placentae, wo man auch nach eingeleiteter
Narkose noch einmal die Expression des Fruchtkuchens ver¬
sucht, bevor man ihn manuell löst.
Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der äusseren Wen¬
dung ist der, dass man meistens eine Schädellage aus der
Querlage hersteilen kann. Die Schädellage ist und bleibt die
Normallage, diejenige, die für Mutter und Kind die besten
Chancen gibt. Bei der inneren Wendung nehmen wir die
sekundäre Beckenendlage wohl in den Kauf — sie ist ja nicht
direkt als pathologisch zu betrachten, aber sie ergibt für das
Kind bei weitem nicht eine so günstige Prognose quoad vitam
und quoad Integrität der einzelnen Körperteile. Auch kommt
bei der inneren Wendung auf den Fuss noch die Gefahr der
Asphyxie des Kindes durch Störung des Plazentarkreislaufes
und durch vorzeitige Ablösung der Plazenta hinzu — ein Punkt,
der bei Herstellung einer Schädellage gänzlich vermieden wird.
Leider gelingt es aber in einem kleinen Prozentsatz der Fälle
nicht durch äussere Handgriffe eine Schädellage herzustellen,
dagegen ist es aber möglich, eine Beckenendlage zu bekommen;
wir bedauern es, aber immerhin besser eine Beckenendlage
durch äussere als durch innere Handgriffe. Selbst wenn man
noch nachträglich einen Fuss herunterholen muss, so sparen
wir uns doch, wie bereits erwähnt, das tiefe Eingehen mit der
Hand in den Uterus. Uebrigens sind, wie wir später sehen
werden, die Fälle von äusserer Wendung auf den Steiss selten.
Als letzter Vorteil der äusseren Wendung ist noch hervor¬
zuheben, dass wir in jeder Geburtsperiode dieselbe ausführen
können. Wohl mag es wünschenswert sein, dass der Mutter¬
mund schon in Kleinhandtellergrösse eröffnet sei, aber die
äussere Wendung gelingt ebenso gut auch bei geschlossenem
Muttermund. Wir haben sie in einer Reihe von Fällen als
Vorakt zur künstlichen Frühgeburt mit dem Blasenriss aus¬
geführt und zwar mit Erfolg — also zu einer Zeit, wo noch
gar keine Wehen vorhanden waren. Sie bietet also dem prak¬
tischen Arzte eine Zeitersparnis, indem er nicht wie bei der
inneren Wendung auf einen bestimmten Zeitpunkt zur Aus¬
führung derselben warten muss; ausserdem kann nach Her¬
stellung der Kopflage der Arzt die weitere Leitung der Geburt
meistens der Hebamme überlassen und braucht nicht den
Moment der Extraktion am Bett der Patientin abzuwarten —
und das bedeutet für den beschäftigten Arzt auch einen nicht
unwesentlichen Vorteil.
Allein neben diesen unverkennbaren Vorzügen der äusseren
Wendung dürfen eine Anzahl von Nachteilen nicht mit Still¬
schweigen übergangen werden. Der wesentlichste besteht
wohl darin, dass die Methode leider nicht überall anwendbar
ist, wie z. B. die innere Wendung, sondern dass ihr Gelingen
an eine Reihe von Bedingungen geknüpft ist, die unten auf¬
gezählt werden sollen. Es ist das sehr zu bedauern angesichts
der guten Resultate der Methode, aber es verhält sich eben
damit, wie mit der Expression der Plazenta; auch sie gelingt
nicht in allen Fällen und muss etwa durch die manuelle Lösung
ersetzt werden. Aber wie es keinem rechten Geburtshelfer
einfallen wird, die Plazenta manuell zu lösen, ohne vorher den
Crödö versucht zu haben, so sollte auch keine innere Wendung
aus Querlage vorgenommen werden, ohne vorangegangenen
Versuch der äusseren.
Ein fernerer Nachteil ist die Möglichkeit des Vorfalles der
Nabelschnur oder kleiner Teile; allerdings kann man durch
richtige Impression des Kopfes nach H o f m e i e r und P.
Müller und durch langsames Abfliessenlassen des Frucht¬
wassers die Gefahr des Vorfalles sehr vermindern, allein es
kann der Kopf wieder abweichen und so doch noch der ge-
2 *
Original from
UNIVERSITV OF CALIFORNIA
68
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2 .
fürchtete Nabelschnurvorfall entstehen. Da muss man sich
eben nachträglich noch zur inneren Wendung entschliessen, und
da das Fruchtwasser bereits abgegangen ist, so ist die innere
Wendung vielleicht etwas schwieriger als wenn man sie gleich
von vornherein gemacht hätte, besonders wenn sich der Nabel¬
schnurvorfall bei noch engem Muttermund ereignet. Allein
dieser üble Zufall ist bei richtiger Ausführung der äusseren
Wendung selten, wir erlebten den Nabelschnurvorfall unter
63 äusseren Wendungen 5 mal; das darf man schon in den
Kauf nehmen, wenn man durch die äussere Methode dafür fast
60 innere Wendungen sich ersparte.
Die Indikation zur äusseren Wendung ist gegeben bei jeder
Quer- oder Schieflage, bei der keine drohende Gefahr für
Mutter oder Kind eine Beschleunigung der Entbindung er¬
heischt. Wäre dies der Fall, so wäre wenigstens eine äussere
Wendung auf den Kopf aus leicht ersichtlichen Gründen unan¬
gebracht. Anders verhält es sich aber mit der äusseren Wen¬
dung auf den Steiss, die auch in Fällen von Gefahr und not¬
wendiger Eile ausgeführt werden kann, wobei nachträglich
ein in den Muttermund eingestellter Fuss heruntergezogen
werden müsste. Man kann sich so eventuell leicht eine Nar¬
kose ersparen, da man ja nicht mit der Hand in den Uterus
eingehen und erst noch den Fuss in irgend einer Seite des
Uterus suchen muss.
Die Bedingungen zur äusseren Wendung sind von den ver¬
schiedenen Autoren verschieden formuliert worden, und es sind
zum Teil Bedingungen gefordert worden, deren Vorhandensein
sicherlich nicht notwendig ist. Die wesentlichste Bedingung
ist zunächst ein genügendes Durchfühlen der Frucht, damit man
ihre beiden Pole richtig erfassen und an den gewollten Ort
bringen kann. Dieses richtige Durchfühlen ist abhängig von
der Frucht selbst, indem nur bei lebendem oder erst kurz
verstorbenem Kinde der Körper desselben eine genügende
Straffheit hat, um durchgefühlt zu werden. Dieser Turgor ist
aber auch notwendig, um die Frucht wenden zu können, und
damit sie in der gegebenen Lage bleibe; ein totes Kind ist zu
matsch und haltlos, als dass es um eine transversale Achse
gedreht werden könnte. Ein lebendes Kind gibt dem Uterus
die Form und dieser wiederum erhält es in seiner Lage; ein
totes Kind aber nimmt die Lage ein, die ihm der Uterus gerade
gibt und da der Uterus mit flüssigem oder weicherem Inhalt
(totes Kind) kugelig ist, so besteht schon a priori keine be¬
sondere Neigung zu Längslage, wenn nicht vor dem Tode des
Kindes ein Teil desselben bereits im Becken feststand.
Weiterhin ist aber ein genaues Durchfühlen der Frucht
abhängig vom Zustand der Bauchdecken der Mutter: sind diese
zu dick oder zu straff, so kann man das Kind nicht mit genü¬
gender Deutlichkeit fühlen und es kann unter solchen Um¬
ständen schon die äussere Erkennung der Lage chwierig, ja
unmöglich sein. Wie die Bauchdecken, so sind auch die Uterus¬
wände von einiger Bedeutung; wenn der Uterus sich zu häufig
kontrahiert oder überhaupt in einem Zustand von Dauerkon¬
traktion sich befindet, so dürfte eine äussere Wendung auf grosse
Schwierigkeiten stossen. In solchen Fällen kann die Narkose
von grossem Vorteil sein, indem sie die Hindernisse von
Seiten der Mutter, also die Wehentätigkeit und die Straffheit
der Bauchdecken ausschaltet.
Eine fernere Bedingung ist eine genügende Beweglichkeit
des Kindes, also womöglich das Erhaltensein der Blase; da
gerade bei Querlagen beim Mangel eines vorliegenden Teiles mit
dem Blasensprung sehr viel Fruchtwasser abgeht, so ist meistens
nach dem Wasserabgang eine äussere Wendung nicht mehr
möglich. Immerlin haben wir einzelne Fälle aufzuzählen, wo
uns die Wendung auch nach Abfluss des Wassers noch gelang;
man muss annehmen, dass in diesen Fällen immer noch ge¬
nügend Flüssigkeit vorhanden war, um dem Kinde eine gewisse
Beweglichkeit zu gestatten. Im grossen ganzen ist eine etwas
übernormale Menge von Fruchtwasser eher erwünscht; dass
sie tatsächlich die äussere Wendung erleichtert geht daraus
hervor, dass in 10 von unseren 63 Fällen die Bemerkung
Hydramnion figurierte. Der Zusammenhang ist der folgende:
Frauen mit Hydramnion neigen zu Querlagen und bei Hydram¬
nion ist wiederum die äussere Wendung relativ leicht. „So
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hat die gütige und sorgsame Natur allenthalben dem Schlimmen
und Bösen auch immer das Gute beigesellt, dem Minus das
Plus, der niederbeugenden Furcht die aufrichtende Hoffnung,
dem heftigen Schmerz die lindernde Bewusstlosigkeit, der zer¬
störenden Krankheit die heilende Kraft“ sagt Wiegand.
Was nun die höheren Grade von Hydramnion betrifft, so
bezeichnet sie L i n df o r s als eine Kontraindikation gegen die
äussere Wendung, da einerseits die Kindsteile nicht recht
durchgefühlt werden können und da andererseits die Gefahr
des Nabelschrrurvorfalles hier besonders gross ist. Ich erblicke
in dem Hydramnion durchaus keine Kontraindikation, nur muss
man in etwas modifizierter und namentlich sehr vorsichtiger
Weise Vorgehen: die Blase wird in diesen Fällen mit einer
Stricknadel oder spitzen Sonde zuerst gesprengt, natürlich
ausserhalb der Wehe; dann lässt man äusserst vorsichtig und
unter zeitweiligem Verhalten der Oeffnung das Wasser langsam
abfliessen. So kommt schliesslich ein Moment, wo man die
Kindsteile gut fühlt und bei dem reichlichen Wasser gut wenden
kann. Erst wenn dies geschehen ist, lässt man den Rest des
Fruchtwassers abfliessen.
Das mangelhafte Durchfühlen und die ungenügende Be¬
weglichkeit der Frucht sind diejenigen Faktoren, die bei Zwil¬
lingsgeburten beim 1. Zwilling eine äussere Wendung unmöglich
machen; dagegen ist der zweite Zwilling dieser Operation,
wenn er in Querlage Hegt, sehr wohl zugänglich; wir haben
unter unseren Fällen eine ganze Reihe solcher Wendungen.
Zwillinge sind ja klein und nach der Geburt des ersten sind die
Uteruswände meist ziemlich schlaff, so dass sie wohl äussere
Manipulationen am zweiten Zwilling zulassen.
Eine weitere Bedingung ist nach fast allen Autoren, ein
Becken, das nicht sehr verengt sein darf, man solle da eher
innerlich auf den Fuss wenden. Wir können uns von dem viel
gerühmten Vorteil der Beckenendlage bei engen Becken nicht
überzeugen und sind daher auch Gegner der prophylaktischen
Wendung. Die Schädellage ist auch bei engen Becken sicher¬
lich die Normallage; denn hier hat der Kopf Zeit, konfiguriert
zu werden und langsam durch das Becken zu gehen. Bei
Beckenendlage aber muss der unkonfigurierte grosse Kopf in
kürzester Zeit durch das Becken gerissen werden und das kann
meines Erachtens nicht anders als zum Nachteil von Mutter
und Kind geschehen. Mag auch der nachfolgende Kopf „wie
ein Keil“ ins Becken eintreten, dadurch werden seine Durch¬
trittsebenen um kein Haar kleiner; sie können nur kleiner
werden durch eine langsame Konfiguration, wie bei der
Schädellage. Wir sind der Ansicht, dass die Schädellage auch
beim engen Becken für Mutter und Kind noch die günstigste
Prognose gibt und erblicken daher in der Beckenenge eher
eine Indikation als eine Kontraindikation zur äusseren Wendung
auf den Kopf. Geht die Geburt in Schädelage nicht, so wäre
sie gewiss auch in Beckenendlage nicht gegangen.
Dagegen ist eine weitere Bedingung für die äussere Wen¬
dung auf den Kopf die Abwesenheit von Momenten, die eine
rasche Beendigung der Geburt erheischen, wie z. B. Eklampsie,
schwere Erkrankung der Mutter, drohende Asphyxie des
Kindes; hier ist die Wendung auf das Beckenende indiziert, sei
es durch äussere Handgriffe mit nachheriger Extraktion am
heruntergeholten Fuss, sei es durch die innere Wendung.
Wenn Lindfors[7] als fernere Bedingung das Vorhanden¬
sein von guten Wehen erfordert, so können wir an Hand
unserer Erfahrung sagen, dass dieselben nicht absolut not¬
wendig sind. Es ist ja wohl günstig, wenn bald nach der
äusseren Wendung der Kopf durch die Wehentätigkeit in das
Becken hinuntergetrieben wird, man riskiert dann keinen Nabel¬
schnurvorfall mehr. Allein es geht auch ohne Wehen: wir
haben in 12 von unseren 63 Fällen die äussere Wendung als
Voroperation zur Einleitung der künstlichen Frühgeburt aus¬
geführt, zu einer Zeit also, wo sicher noch gar keine Wehen¬
tätigkeit vorhanden war; 9 Kinder kamen lebend zur Welt,
1 starb an Asphyxie, ein anderes ebenfalls an Asphyxie, nach¬
dem man nachträglich wegen wieder entstandener Querlage
die innere Wendung noch hatte ausführen müssen; ein drittes
endlich starb an Nabelschnurvorfall. Bei einem anderen Kinde
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
12. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
69
ereignete sich auch ein Nabelschnurvorfall; es wurde innerlich
gewendet und kam später lebend zur Welt.
An der früher von ihm gestellten Forderung, der Mutter¬
mund müsse mindestens für zwei Finger durchgängig sein, hält
v. H e r f f [9] heutzutage nicht mehr fest; die äussere Wendung
kann zu jeder Zeit der Geburt ausgeführt werden, mag der
Muttermund eng oder weit sein.
So bleiben von eigentlich notwendigen Bedingungen zur
äusseren Wendung nur recht wenige übrig, und damit wird
das Kontingent der Fälle, in welchen die Operation möglich
ist, wesentlich grösser.
Zur Ausführung der äusseren Wendung lagern wir die
Patientin in Rückenlage, um gut zu allen Partien des Abdomens
zukommen zu können. Wiegand und auch noch Spiegel-
bergu. a. empfehlen die Seitenlage und wollen dadurch schon
spontan bis zu einem gewissen Grade die Längslage hersteilen.
Mir scheint, man könne äussere Eingriffe nur in Rückenlage
der Patientin richtig ausführen.
Die Technik der äusseren Wendung ist eine äusserst ein¬
fache und um so leichter, je schlaffer Bauchdecken und Uterus¬
wände sind. Man erfasst mit je einer Hand jeden Pol der
Frucht und dreht nun das Kind um eine sagittale Achse, die
etwa den Nabel der Mutter treffen würde so lange, bis der
eine Pol, also meistens der Kopf, in selteneren Fällen der Steiss
über dem Beckeneingang steht. Da man beim Fassen und
Weiterschieben der Pole auch die Uteruswand mitfasst, so
müssen abwechslungsweise jeweilen die Hände einen Moment
wieder den gefassten Teil loslassen, damit die Uteruswand nicht
gezerrt werde. Im Augenblick, wo die eine Hand loslässt, hält
die andere den Kindskörper in der bereits erreichten Lage fest.
So wird nach und nach jeder Pol etwas weiter geschoben,
bis die Längslage erreicht ist. — Gelingt die äussere Um¬
drehung ohne Narkose nicht, so scheint mir ein weiterer Ver¬
such in Narkose notwendig, bevor man zu inneren Eingriffen
übergeht. Man wird sich also wie zur inneren Wendung des¬
infizieren und entweder einem Assistenten den Versuch der
äusseren Umdrehung in Narkose überlassen oder ihn selbst mit
einem sterilen Tuch oder in sterilen Handschuhen versuchen.
Erst wenn auch in Narkose die äussere Wendung nicht gelingt,
erst dann ist der Uebergang zu inneren, resp. kombinierten
Handgriffen indiziert.
Vorausgesetzt nun, die äussere Wendung sei gelungen, so
besteht weiterhin die wichtige Aufgabe, die erhaltene Lage bei¬
zubehalten. Dies geschieht oft von selbst — wie bei der
Selbstwendung — namentlich in den Fällen, wo keine grosse
Fruchtwassermenge vorhanden ist, welche dem Kinde eine zu
grosse Beweglichkeit und die Rückkehr zur Querlage er¬
möglicht. Meist wird man daher besser tun, die Querlage
wenigstens durch entsprechende Binden zu erhalten, wenn man
cs nicht vorzieht, noch sicherer zu gehen, indem man den
Blasenstich ausführt. Als Bindenfixation benützt man am
ehesten Handtücher; man bildet aus nicht zu kleinen Hand¬
tüchern Pelotten und legt sie rechts und links neben den
über den Beckeneingang eingestellten Teil, also meist den
Kopf. Die beiden Pelotten werden durch ein weiteres als
Leibbinde dienendes Handtuch in ihrer Lage fixiert. Man tut
gut, diese Leibbinde etwas straff anzuziehen; sie erfüllt dann
den doppelten Zweck, die Pelotten zu fixieren und einen et¬
waigen, bei engem Becken und Schlaffheit der Bauchdecken
vorhandenen Hängeleib aufzurichten.
Besser als durch Binden allein, wird die Querlage noch
fixiert durch Sprengen der Blase, denn durch den Ablauf des
Fruchtwassers wird dem Kinde die Möglichkeit genommen,
seine Lage im Uterus zu ändern. Zugleich wird auch der vor¬
liegende Teil ins kleine Becken dirigiert — und das ist es eben,
was gewünscht wird. Nun hat man früher eine gewisse Furcht
vor dem vorzeitigen Blasensprung gehabt, indem man nament¬
lich annahm, dass die Eröffnung der unteren Gebärmutter¬
abschnitte durch den vorderen Teil nicht so günstig geschehe
als durch die Blase und dass das Kind eher in Gefahr komme.
Diese Furcht ist unberechtigt, wenigstens zum grössten Teil;
denn einerseits ereignet sich der vorzeitige Blasensprung nicht
selten spontan und trotzdem verläuft die Geburt ganz normal
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und oft noch besonders rasch. Andererseits hat die Methode
Scheel der Einleitung der künstlichen Frühgeburt durch
Blasenstich, durch die ausgezeichneten Erfolge im Baseler
Frauenspital an mehr wie 100 Fällen bewiesen, dass die Ge¬
fahren des vorzeitigen Blasensprunges bei weitem nicht so
gross sind, wie man früher annahm.
Das einzige, worauf genau zu achten ist, das ist, dass im
Moment des Blasensprunges wirklich der Kopf oder der Steiss
über dem Beckeneingang stehe und dass das Fruchtwasser
nicht zu rasch abfliesse. Wir benützen daher einen Blasen¬
stecher in der Art einer Stricknadel, um nur ein kleines Loch
zu machen, lassen dann das Wasser langsam, unter steter Kon¬
trolle des vorliegenden Teiles mit dem Finger, abfliessen. Auch
tut man gut, den Blasensprung nicht im Moment einer Wehe,
sondern ausserhalb derselben zu sprengen, damit eben das
Wasser nur langsam abfliesse und nicht im mächtigen Strahl,
der etwa eine Nabelschnurschlinge oder einen kleinen Teil mit-
reissen könnte. Bei der künstlichen Frühgeburt wird man eine
grössere Oeffnung machen, am besten mit Hilfe eines Blasen¬
stechers (nach Art einer Kugelzange, Modell v. Herff).
Ist die Blase gesprengt oder auch nur der vorliegende Teil
durch Binden fixiert, so ist es am besten, wenn die Frau zu¬
nächst die Rückenlage beibehält, bis wenigstens ein Segment
des Kopfes eingetreten ist. Auch ist häufiges Heben des
Beckens, z. B. zur Benützung eines hohen Geschirres, mög¬
lichst zu vermeiden, damit nicht bei der Beckenhochlage der
Uterus mitsamt dem Kindeskörper kopfwärts und vom Becken¬
eingang weg, sinke. Jedenfalls tut man gut, nach jeder solchen
Bewegung die Geradlage des Kindes zu kontrollieren.
Nach den eben entwickelten Prinzipien sind im Frauen¬
spital Basel vom 1. April 1901 bis Ende Oktober 1908 unter der
Leitung von Herrn Prof. v. H e rf f 49 äussere Wendungen aus¬
geführt worden; im gleichen Zeitraum wurden in der geburts¬
hilflichen Poliklinik 14 äussere Wendungen vorgenommen, so
dass wir zurzeit über 63 Fälle verfügen.
Nun ist es zunächst von Interesse, zu erfahren, in welchem
Verhältnis zu den Querlagen überhaupt die äussere Wendung
möglich ist. Wir hatten in dem angegebenen Zeitraum 225 Quer¬
lagen zu behandeln; davon 63 äussere Wendungen = 28 Proz.
Diese Rechnung bedarf aber noch einer Modifikation, denn in
einer Anzahl von Fällen war eine äussere Wendung ausge¬
schlossen wegen Placenta praevia; in einigen weiteren Fällen
fand die Entwicklung des Kindes aus Querlage nach dem Modus
der Selbstentwicklung und des Partus conduplicato corpore
statt. Diese Fälle müssen aus der Berechnung ausgeschaltet
werden, denn es ist klar, dass bei denselben nicht einmal der
Versuch einer äusseren Wendung gemacht werden konnte.
Nach Abzug dieser 40 Fälle bleiben noch 185 übrig, die für die
äussere Wendung in Betracht kamen; sie gelang in 35 Proz.
der Fälle, d. h. in mindestens jedem dritten unkomplizierten
Fall von Querlage kann die innere Wendung durch die äussere
ersetzt werden; vielleicht Hesse sich sogar noch mehr er¬
reichen, namentlich wenn man etwas früher zur betreffenden
Geburt kommt. Da jedoch in unserer Klinik die überwiegende
Mehrzahl der Frauen kreissend eintreten, sehr oft schon mit
gesprungener Blase, so ist in manchen Fällen der günstige Zeit¬
punkt schon vorüber — auch in der Poliklinik wurden wir oft
zu spät gerufen.
In 7 Fällen war das Wasser im Moment der äusseren
Wendung bereits abgeflossen und zwar 4 mal kurz vorher
(einige Minuten), je 1 mal vor 11, 24 und 90 Stunden. Daraus
ergibt sich, dass mit dem Abfluss des Fruchtwassers noch nicht
jede Aussicht auf Gelingen der äusseren Handgriffe ver¬
schwindet, sondern dass auch dann noch ein Versuch gerecht¬
fertigt ist.
Nach der Anzahl ihrer Geburten verteilen sich unsere
63 Patientinnen wie folgt:
12 VI
7 i
XI
1
II 10 VII
3 1
XIII
2
III 10 | VIII
8
XV
1
IV 8 IX
2
XVI
1
V 6 1 X
Das Prävalieren der Mehr-
2 ;
und Vielgebärenden hängt mit
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.'
No. 2 .
76
den bekannten ätiologischen Momenten der Querlage zu-
sammen.
44 von unseren Patientinnen befanden sich am Termin der
Gravidität, während es sich bei 19 um Frühgeburt handelte.
In 13 Fällen war es der 2. Zwilling der äusserlich ge¬
wendet wurde.
Ueber die Kindeslagen vor der äusseren Wendung gibt die
folgende Tabelle Aufschluss: _
dorsoanterior
dorsoposterior
unbestimmt
I. Querlage . . .
17
3
11
II. Querlage . . .
11
5
14
II. Steisslage . . .
—
—
2
In 51 Fällen wurde auf den Kopf, in 12 Fällen auf den Steiss
gewendet.
Wichtig ist nun die Grösse des Muttermundes im Moment
der Ausführung der Wendung; sie verhielt sich wie folgt:
Geschlossen.3
Für den Finger durchgängig 16
1 Frs.-Stück gross.1
2 Frs.-Stück gross.3
5 Frs.-Stück gross.12
Klein-Handteller gross ... 1
Handteller gross.5
vollständig.22
Aus dieser Zusammenstellung erhellt, dass man zu jeder
Zeit der Geburt die äussere Wendung mit Erfolg vornehmen
kann, speziell also auch in einem Moment, wo andere Methoden
der Wendung noch nicht ausführbar sind. Aus diesem Grunde
ist auch die äussere Wendung schon für Querlagen in den
letzten Wochen der Gravidität empfohlen worden. Ich kann
mich dieser Empfehlung nicht anschliessen und möchte wie
Hodge [10] davon abraten. Denn 1. kann jede Querlage spontan
verschwinden durch Selbstwendung, 2. dürfte es schwer sein,
die gewendete Frucht in ihrer Lage zu erhalten, wenn die Frau
noch herumgeht und arbeitet; auch Binden, sogar die von
P i n a r d empfohlene „ceinture entocique“ vermögen wohl
kaum die Geradelage zu erhalten, in den Fällen, wo sie nicht
von selbst entsteht; 3. müssen die Frauen unter beständiger
Kontrolle sein, was höchstens bei Anstaltspatientinnen durch¬
führbar ist. — Angesichts dieser Gründe möchte ich von der
Schwangerschaftswendung widerraten und einfach empfehlen,
dass sich solche Frauen, bei denen in den letzten Wochen
eine Querlage konstatiert wurde, im frühesten Beginn der
Geburt in ärztliche Behandlung begeben, damit die Lage dia¬
gnostiziert und nötigenfalls bald die äussere Wendung
eventuell mit Blasenstich ausgeführt werde, damit nicht das
Wasser abgehe vor der Wendung der Frucht.
Zur Fixation des Kopfes, resp. des Steisses, haben wir
meist sofort im Anschluss an die äussere Wendung den Blasen¬
stich ausgeführt, mochte der Muttermund sein wie er wollte;
in 12 Fällen diente er ausser der Fixation des Kopfes noch zu¬
gleich zur Einleitung der künstlichen Frühgeburt wegen
Beckenenge. Die folgende Tabelle gibt eine Uebersicht über
das Verhalten der Blase in unseren 63 Fällen:_
Aeussere Wendung
auf
den Kopf |
den Steiss
Blasenstich sofort nach der Wendung . .
Erst Blasenstich, dann Wendung (Hydram-
38
6
2
Blase früher, spontan gesprungen ....
5
c
Spontaner Blasensprung später . ...
4
3
I 1
Künstlicher Blasensprung später.
2
Was nun den weiteren Verlauf der Geburt anbelangt nach
Ausführung der äusseren Wendung, so ist im Allgemeinen zu
bemerken, dass nach dem Blasensprung, wie dies gewöhnlich
der Fall ist, zunächst eine mehr oder weniger lange Zeit die
Wehen schwächer wurden, um später wieder kräftiger einzu¬
setzen. Bei den künstlichen Frühgeburten dauerte es einige
Mal mehrere Tage bis die Wehentätigkeit in Gang kam.
Was den übrigen Verlauf und die eingetretenen Kom¬
plikationen betrifft, so gibt die folgende Uebersicht darüber
Aufschluss:
I. Nach äusserer Wendung auf den Kopf: (51 Fälle)
lebend |
o
Ursache des AbsterbensJ
a) Spontan in Hinterhauptslage . . .
34
2
/ IX Foetus sanguinolent.
\ 1X Nabelschnur Vorfall
b) Kolpeurynter weg. Wehenschwäche
2
c) Forceps wegen drohender Asphyxie
d) Spontan in Vorderhauptslage . . .
1
2
Asphyxie sub partu
e) Spontan in Gesichtslage.
1
f) Handvorfall, spontan zurück . . .
1
g) Armvorfall, Reposition.
1
h) Fussvorfall, daher innere Wendung
i) Nabelschnurvorfall, dah. inn. Wend.
1
’
4
k) Abweichen des Kopfes, dah. äussere
Wendung auf den Steiss ....
1) Abweichen des Kopfes, dah. innere
1
iTrichterbecken, Asphyxie
sub. partu. Perforation u.
1 Kranioklasie.
Wendung nach 4 Stunden . . .
1
Summa
|47j4
II. Nach äusserer Wendung auf den Steiss:
(12 Fälle) Spontanverlauf oder mit Extraktion
lebend ... 9
tot.3 Asphyxie sub partu
Zu der obigen Uebersicht ist zu bemerken, dass nach
äusserer Wendung auf den Kopf in 10 Fällen von 51 Kompli¬
kationen auftraten, die auf die Operation selbst zurückzuführen
sind, in Form von Vorfällen und von Abweichen des Kopfes.
— Nur ein einziges Mal führte eine solche unangenehme Kom¬
plikation, nämlich der Nabelschnurvorfall zum Tode des Kindes.
Das Resultat ist somit ein ausserordentlich günstiges. Bei der
Berechnung der kindlichen Mortalität nach äusserer Wendung
auf den Kopf, muss der eine Fall, in welchem es sich um ein
vor der Wendung bereits abgestorbenes Kind (Foetus san-
guinolentus) handelte, ausscheiden; es bleiben demnach noch
50 Fälle, von denen 3 Kinder starben = 6 Proz. kindliche
Mortalität. Vergleicht man dieses Resultat mit dem bei innerer
Wendung wegen Querlage erzielten, so ergibt sich für das
letztere nach der Berechnung von Chwiliwitzki [ll] aus
dem Frauenspital Basel-Stadt eine kindliche Mortalität von
18,4 Proz., also 3 mal mehr. Alter berechnet 25,5 Proz.,
Stumpf sogar 38,5 Proz.
Nun wird man allerdings mit einigem Recht einwenden,
dass es gerade die günstigen Fälle sind, welche zur äusseren
Wendung kamen, diejenigen Fälle, die auch bei der inneren
Wendung eine günstige Prognose gegeben hätten; denn die
schlechten Fälle, die verschleppten, diejenigen, wo infolge des
Blasensprunges das Kind schon gelitten hat, kommen für die
äussere Wendung gar nicht mehr in Betracht. Dieser Punkt
muss ganz entschieden berücksichtigt werden, denn er beein¬
flusst wesentlich die Resultate in günstigem Sinne.
Bezüglich der kindlichen Mortalität ist der springende
Punkt bei der äusseren Wendung die Herstellung der Kopflage,
nicht etwa die Vermeidung eines inneren Handgriffes — das
letztere ist namentlich für die Mutter wichtig. Wie sehr günstig
die Herstellung einer Kopflage wirkt, das ergibt sich daraus,
dass bei äusserer Wendung auf den Steiss die Resultate für das
Kind sich nicht bessern, im Vergleich zu der inneren Wendung
— die Beckenendlage wird stets für das Kind die ihr anhaften¬
den Gefahren beibehalten. Von den 12 auf das Beckenende ge¬
wendeten Kindern starben 3 = 25 Proz. Das ist sogar sehr
hoch; allein die kleinen Zahlen sind ja nicht absolut mass¬
gebend; immerhin scheinen sie zu beweisen, dass die äussere
Wendung auf den Steiss bei weitem nicht den guten Erfolg hat,
wie die äussere Wendung auf den Kopf. — Nimmt man alle
äusseren Wendungen (auf den Kopf und auf den Steiss) zu¬
sammen, so ergibt sich eine Gesamtmortalität von 9,6 Proz.
Die Wochenbettsmorbidität ist entsprechend dem geringen
Eingriffe eine sehr günstige. Es wurden im Ganzen 10 Fieber¬
fälle beobachtet = 16 Proz., davon sind 3 als extragenitaler
Natur (Mastitis incip., Influenza, T. pulm.) auszuscheiden,
bleiben 7 genitale Fieberfälle = 11 Proz., also nicht mehr
als die Gesamtmorbidität durch Genitalerkrankungen im
Frauenspital Basen-Stadt 1902—1907; ein sehr beachtenswerter
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Gck igle
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
12. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
n
Erfolg, wenn man bedenkt, dass man es in den Fällen äusserer
Wendung auschliesslich mit pathologischen Geburten zu tun
hat. Von den 7 Fieberfällen entfallen 2 auf die 12 äusseren
Wendungen auf den Steiss, 5 auf die 51 äusseren Wendungen
auf den Kopf. 6 von den Temperatursteigerungen sind durch
Resorption bedingt; dabei handelte es sich in 4 Fällen um
einmalige, in 2 Fällen um zweimalige Erhöhung über 38,0,
jedoch nie über 39,0 °. Der 7. Fall betrifft die einzige seit 1901
auf ca. 8500 Frauen an Bakteriämie verstorbene Wöchnerin.
Der Fall ist in seiner Entstehung völlig unaufgeklärt und steht
jedenfalls zur äusseren Wendung in keinem Verhältnis, sondern
es ist wohl anzunehmen, dass es sich hiebei um eine Auto¬
infektion handelte.
Angesichts solcher Resultate darf die äussere Wendung bei
Querlagen Jedem, der Geburtshilfe treibt, warm empfohlen
werden. Kann aus Querlage ein Kind äusserlich auf den Kopf
gewendet werden, so bedeutet das für Mutter und Kind einen
ausserordentlichen Vorteil; gelingt bloss die Wendung auf den
Steiss, so ist das zwar für das Kind kein besonderer Vorteil,
wohl aber für die Mutter, da der intrauterine Eingriff wegfällt.
Wer wollte eine leichtere Operation für eine schwerere unter¬
lassen; die wahre Geburtshilfe ist nicht nur da, um Operationen
auszuführen, sondern auch um die schonendste Art der Ent¬
bindung zu finden. —
Literatur.
1. He gar: Die operative Aera in der Geburtshilfe. Hegars
Beiträge zur Geburtshilfe und Gynäkologie, Bd. 12, 1908. — 2. Krö-
nig: Zur Behandlung der Placenta praevia. Zentralblatt für Gynä¬
kologie, 1908, No. 46. — 3. Wiegand: Ueber die Wendung durch
äussere Handgriffe. Hamburger Magazin für die Geburtshilfe, 1807.
— 4. Derselbe: Von einer neuen Methode die Kinder zu wenden
und ohne grosse Kunst und Gewalt auf die Welt zu befördern. Drei
den medizinischen Fakultäten in Paris und Berlin übergebene Abhand¬
lungen. Hamburg 1812.— 5. Ester le: Beobachtungen über die
äussere Wendung. Annal. univers. April 1859. Ref. Schmidts Jahr¬
bücher 1859, pag. 76. — 6. Schräder: Beitrag zur Ausführung der
Wendung durch äussere Handgriffe allein. Berliner klin. Wochen¬
schrift 1890, No. 17. — 7. Lindfors: Die Wendungsonerationen in
Winckels Handbuch der Geburtshilfe. Wiesbaden 1906. — 8. A r o n o-
witsch: Ueber den Wert der äusseren Wendung auf den Kopf
bei Querlage. Diss. Bern 1892. — 9. v. H e r f f: Geburtshilfliche Ope¬
rationslehre. Berlin 1894. — 10. Ho d ge: A System of obstetrics.
Philadelphia 1866. — 11. Chwiliwitzki: Wendung und Extraktion
und ihre Ergebnisse für Mutter und Kind im Frauenhospital Basel-
Stadt. Diss. Basel 1906.
Aus der Universitäts-Frauenklinik zu Greifswald (Professor
Henkel).
Zur Sterilisaftation und Verwendung der Gummihandschuhe.
Von Dr. Heye, Assistenzarzt der Klinik.
Schon lange bevor die Herren Dr. F i e s s 1 e r und
Dr. Y. I w a s e in No. 33 dieser Wochenschrift (Jahrg. 1908)
ihre Veröffentlichung über die Sterilisation und Verwendung der
Gummihandschuhe brachten, haben wir uns mit derselben
Frage beschäftigt. Ich kann mich heute, anlehnend an die Ver¬
suche und Erörterungen obiger Herren, kurz fassen.
In der hiesigen Universitäts-Frauenklinik werden bei der
Sterilisation der Gummihandschuhe nur noch die von W a I b
in Nürnberg hergestellten Handschuhgestelle von Flat au
benutzt.
Das Verfahren ist sehr einfach und sicher: nach Reinigung
der Handschuhe mit Lysolwasser werden dieselben auf die
Drahtgestelle gezogen, getrocknet und eingepudert.
Mehrere Paare zusammen, lose in ein Tuch eingeschlagen,
werden sie für 40—50 Minuten in den Dampfsterilisator (104°)
gebracht, hierauf 20—30 Minuten in dem Heissluftsterilisator bei
120—130° getrocknet und mit dem sie einhüllenden Tuche ge¬
brauchsfähig in den Operationsaal gebracht.
Dieses Verfahren hat sich als in jeder Hinsicht einwands¬
frei erwiesen: erstlich hat sich ein nennenswerter Nachteil für
die Haltbarkeit und Elastizität des Materials nicht gezeigt, zum
andern sind die Drahtgestelle so geschickt gearbeitet, dass die
Handschuhe leicht auf- und abgestreift werden können, eine
Zerreissungsgefahr tritt dabei nicht ein; drittens ist das Zu¬
sammenkleben der Handschuhe völlig ausgeschlossen und
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schliesslich genügt diese Art der Sterilisation allen Anforde¬
rungen, da der strömende Dampf inwendig bis in die Finger¬
kuppen leicht und ungehindert Vordringen und dort wirken
kann.
Dieses Verfahren bietet somit neben der absoluten Sicher¬
heit in der Sterilisation den Vorzug grösster Einfachheit, denn
man kann zum Sterilisieren die in jeder Klinik vorhandenen und
üblichen Einrichtungen benützen und zweitens leuchtet es ohne
weiteres ein, dass die Wirkung des strömenden Dampfes bei
völlig entfalteten Handschuhen grösser und intensiver sein muss
als bei zusammengelegten, wobei es kaum von grosser Wich¬
tigkeit sein dürfte, ob dieselben geknickt oder nicht ge¬
knickt sind.
Des weiteren beschäftigte uns die Frage, ob auch der durch
langes Liegen in Flüssigkeiten gequollene Gummihandschuh
genügenden Schutz gegen das Durchwandern von Handkeimen
bietet.
Die Versuche haben wir auf folgende Weise angestellt: wir
haben mehrere grosse E r 1 e n m e y e r sehe Glaskolben von
1 Liter Inhalt sterilisiert und mit 750 g steriler Bouillon gefüllt;
in diese Bouillon wurde je ein nach unserem, oben angegebenen
Verfahren sterilisierter Handschuh getaucht, dessen 4. und
5. Finger straff über eine unserer stärksten Uterusglaskanülen
gespannt waren. (Die Kanülen haben einen Umfang von
5,8 ccm), d. h. also, die beiden Finger blieben während der
ganzen Versuchsdauer in einer dauernden Spannung. Das
offene Ende der Handschuhe wurde nun nach aussen um den
Kolbenhals geschlagen, mit einem sterilen Faden fest um¬
schnürt, das Handschuhinnere dann mit 200 g einer 24 stündigen,
virulenten hämolytischen Streptokokkenbouillon gefüllt. Der
Kolben wurde danach 24 Stunden im Brutofen einer Temperatur
von 37° ausgesetzt.
Ich muss bemerken, dass ich mich bei meinen Versuchen
aus dem Grunde der Streptokokkenkulturen bedient habe, weil
es sich ja im allgemeinen bei allen ernsteren Infektionen um
Streptokokken handelt
Nach 24 Stunden war die Stammbouillon in sämtlichen
Kolben steril geblieben, wie mir die bis 72 Stunden nach Be¬
ginn der Versuche fortgesetzt gemachten Untersuchungen be¬
wiesen, so dass ich die reichlichen Bouillonmengen für ander¬
weitige Untersuchungszwecke ohne Nachteil benutzen konnte,
während der Inhalt der Handschuhe diffus getrübt war; die
ausserdem nach Schottmüller angelegten und mit einer
einzigen Oese versetzten Blutagarplatten zeigten nach 10 Stun¬
den ausgesprochene Hämolyse.
Der Handschuhgummi selbst war sehr gequollen,
weich und undurchsichtig, durch sorgfältige Behandlung je¬
doch gewann er bald seine ursprüngliche Elastizität wieder
und die Handschuhe sind jetzt noch (nach Wochen) im Ge¬
brauche.
Kurz, diese Versuche zeigen, dass die Gummihandschuhe
auch im gequollenen, weniger elastischen und sogar gespannten
Zustande eine grosse Sicherheit gegen Durchlässigkeit von
Streptokokken auch bei längerem Gebrauche bieten.
Dieses Experiment beweist zur Genüge, dass wir erstens
die Gummihandschuhe absolut sicher sterilisieren können und
zweitens, dass eine Durchlässigkeit gegenüber Streptokokken
auch unter ungünstigen Voraussetzungen nicht besteht.
Aus dem Laboratorium der Klinik für Kinderheilkunde in
Düsseldorf (Dir.: Prof. Schlossmann).
Ueber den Nachweis der Antigene bei der Komplement¬
ablenkung der Tuberkulose. /
Von Dr. J. Baue r, Assistenzarzt.
Durch alle Tageszeitungen ging jüngst die aus Paris ge¬
drahtete Nachricht, dass es Marmorek gelungen sei, eine
Methode zu finden, mit Hilfe deren man aus dem Blute eines
Menschen die Diagnose Tuberkulose zu stellen ohne weiteres
imstande sei. Bald darauf folgten eingehendere Berichte, die
mitteilten, dass das Marmorek sehe Tuberkulosescrum
mit dem Serum eines tuberkulösen Menschen vereinigt die
Bordet-Gengousche Komplementablenkungsreaktion gäbe.
Original from
UNIVERSUM OF CALIFORNIA
72
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
Nun wäre ja eine Laboratoriumsmethode zum Nachweis
der Tuberkulose wohl von grossem wissenschaftlichen Inter¬
esse, aber keine welterregende Sache, nachdem wir seit Jahren
das Koch sehe Tuberkulin besitzen und durch die Tuberkulin¬
reaktion jederzeit feststellen können, ob ein Mensch tuberkulös
infiziert ist. Denjenigen; Kliniken, die, wie die Schloss-
m an n sehe, prinzipiell die Tuberkulindiagnostik sich zu nutze
gemacht haben, ist wohl seit Jahren kein Fall von Tuberkulose
entgangen. Ueberdies haben wir seit über Jahresfrist durch
v. Pirquet die lokale Anwendung des Tuberkulins kennen
gelernt. Wir sind dadurch nicht nur in der Klinik, sondern
überall, in der Poliklinik, in der Sprechstunde in der Lage, die
Diagnose auf tuberkulöse Infektion zu stellen.
Wie steht es nun mit dem Tuberkulosenachweis auf sero¬
logischem Wege. Von Wassermann und Bruck wissen
wir, dass gewisse tuberkulinisierte Phthisiker Antituberkulin
in ihrem Blute haben, aber auch, dass der Antikörpernachweis
nicht konstant ist. C i t r o n fand wohl zuerst bei unbehandelten
Tuberkulösen Antikörper gegen Tuberkulin im Blutserum, und
von einer Anzahl Forscher wurde dieser Befund bestätigt.
Aber alle Untersucher fanden das Antituberkulin nur in einem
gewissen Prozentsatz der Patienten. Ich selbst konnte diese
Befunde bestätigen und dazu zeigen, dass sich bei allen Tuber¬
kulösen, wenigstens Kindern, durch Tuberkulininjektionen ein
Antikörpergehalt des Blutserums herstellen lässt, voraus¬
gesetzt, dass man hoch genug immunisiert. Ich habe weiter¬
hin den Immunitätsgrad quantitativ gemessen. Es gelang mir
bisher nicht, normale Menschen so hoch zu immunisieren, dass
sie Antituberkulin bildeten, offenbar weil ich nicht wagte, so
hohe Dosen Tuberkulin, wie hierzu nötig sind, zu injizieren;
denn beim gesunden Kaninchen konnte ich durch Immunisieren
mit Tuberkulin Antikörper gegen Tuberkulin erzeugen.
Unter den verschiedenen Seren, die ich auf ihren Anti¬
körpergehalt gegenüber Tuberkelbazillenpräparaten unter¬
suchte, befand sich auch das Marmorek sehe Tuberkulose¬
serum; ebenso benutzte ich dieses Serum, um eventuell Tu¬
berkelbazillenstoffe im Serum tuberkulöser Menschen nach¬
zuweisen, also zu dem Versuch, der von Paris aus in die Tages¬
zeitungen lanziert wurde. Dieser Versuch fiel mit
dem Serum von 10 sicher tuberkulösen Kin¬
dern durchaus negativ aus. Das konnte aber
nicht wundernehmen; denn wenn ich selbst
reine Tuberkelbazillenderivate nahm, fand
ich keinen in Reaktion tretenden Antikörper¬
bestand des Marmorekserums. Und mehr von
Tuberkelbazillenstoffen als in diesen Präparaten konnte man
ja auch im Serum eines Patienten nicht erwarten.
Ich führe zum Beweise hier eine Kurve an.
Tabelle 1.
Hämolytisches System: 1 ccm einer 5 proz. Hammelblutkörper¬
aufschwemmung — 0,00025 Ambozeptor vom Kaninchen ( - 2Vz fache
der minimalen löslichen Dosis) — 0,1 ccm Meerschweinchenserum.
Es wurde geprüft: Absteigende Reihe von M a r m o r e k schem
Tuberkuloseserum gegen
Menge des
Marmorek-
a) Tuberkulin
b) Bazillen- 1
Emulsion !
c) Kochsalz-
serums
in ccm
Kochii 0,02
(Höchst) 0,2
lösung 0,2
0,5
I
j
l
0,25
e
0,1
0,05
S 1 C
3 Q 5
; idem.
idem.
0,025 j
0,01 1
i
0 !
>
Kontrollen: 1,0 ccm Marmorekserum hemmte an sich die Hämo¬
lyse nicht; ebensowenig das zweifache beider Tuberkelbazillen¬
präparate.
Nun könnte man gegen diese Versuche nur einen Einwand
machen, nämlich den, dass mittels des Marmorekserums ein
tuberkulöses Antigen nachgewiesen wurde, das im tuberkulösen
Organismus wohl, aber nicht in den geprüften Präparaten sich
befände. Dagegen spricht aber, abgesehen von meinen er¬
wähnten Versuchen mit dem Serum Tuberkulöser, auch der
Umstand, dass diejenigen Phthisiker, die spontan Tuberkulose¬
antikörper bilden, auch Antikörper gegen die genannten
Bazillenpräparate besitzen.
Es ist hier wohl der Ort, darauf hinzuweisen, dass der
Antigengehalt verschiedener Tuberkelbazillenpräparate nicht
ein identischer ist. Ich führe zum Beweise Versuche mit dem
Serum zweier tuberkulöser Kinder an, von denen das eine
(E., Knochentuberkulose) mit Tuberkulin behandelt worden ist,
das andere (v. H., Lungentuberkulose) mit Tuberkelbazillen¬
emulsion.
Tabelle 2.
Hämolytisches System: s. Tabelle 1. Es wurde geprüft: Ab¬
steigende Reihe von Tuberkulin (Koch) gegen
Menge des
Tuberkulin
in ccm
a) Serum E.
0,2 ccm
b) Serum v. H.
0,2 ccm
c) Kochsalz¬
lösung
I 0,2 ccm
0,05
0
1
« 0.
0
kompl. Hämol.
0,025
1 0
mässige
«fl
„
0,01
! 0
-3.’ komplette
c
K
0,0025
stark
E '
£
r
0,001
komplette
:C3
ZC : ”
■d
ZC
„
0
komplette
»
Kontrolle: 0,1 ccm Tuberkulin hemmte die Hämolyse nicht. Die
beiden Sera verstärkten in der benutzten und der doppelten Menge
die Hämolyse vermöge eigenen Ambozeptorgehaltes.
Tabelle 3.
Hämolytisches System: s. o. Geprüft wurden absteigende
Mengen von Bazillenemulsion mit
Menge der
Baz.-Em.
a) Serum E.
b) Serum v. H.
c) Kochsalz¬
lösung
in ccm.
0,2 ccm
1 0,2 ccm
0,2 ccm
0,5
0
1 1
0,25
0
•s
0,1
komplette
| 1
0
■ komplette
•d
> XZ
0 1 S5 kompl. Hämol.
» *5!
0 £
komplette J g „
Kontrollen: 1,0 Bazillenemulsion hemmte die Hämolyse nicht.
Die Sera E. und v. H. förderten die Hämolyse.
Aus Tabelle 2 und 3 geht hervor, dass Tuberkulin
und Bazillenemulsion gemeinsame Antigen¬
gruppen besitzen, dass sie aber auch beide
eigenen antigenen Charakter haben.
Kind E., mit Tuberkulin vorbehandelt, reagierte mit Tuber¬
kulin weit stärker als Kind v. H., das mit Bazillenemulsion
behandelt worden war; und umgekehrt weit schwächer als
dieses mit Bazillenemulsion. Auf diese Frage gehe ich näher
ein in einer Arbeit, die demnächst erscheint und sich mit den
Fragen der Tuberkuloseimmunität des breiteren beschäftigt.
Ebensowenig aber wie mit Marmorekserum, war es mir
möglich, mit einem meiner hochwertigen Tuberkuloseantiseren
Tuberkuloseantigen im Blute Tuberulöser zu finden.
Wenn wir bedenken, welche kleinen Mengen von Tu-
berkelbazillenstoffen wir mit dem Blutserum des Patienten
in das Reagenzglas bringen, müssen wir im allgemeinen schon
aus theoretischen Gründen auf den Antigennachweis
zu diagnostischen Zwecken verzichten. Zahl¬
reiche Experimente haben diese Ueberlegung bestätigt.
Aus dem K. Garnisonlazarett München.
Ueber fibrinöse Schleimhautentzündung (Stomatitis
fibrinosa) durch Pneumokokkeninfektion.
Von Stabsarzt Dr. Mann.
In die Pathogenese der sog. „aphthösen Erkrankungen der
Mundschleimhaut“ wurde zuerst durch die Untersuchungen
*) Den Antigennachweis in tuberkulösen Exsudaten hat Meyer
(Deutsche med. Wochenschrift, 1908, No. 20) vergebens versucht.
Ferner verneint neuerdings Cohn (Brauers Beiträge zur Klinik der
Tuberkulose, Bd. XI) im Gegensatz zu Bruck und Lüdke die
Möglichkeit des Antigennachweises im Serum des Tuberkulösen.
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12. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
73
E. Fraenkels 1 ) Klarheit gebracht, welcher nachwies, dass
,,es sich bei aphthösen Belägen an der Mundschleimhaut um eine
mit Abtötung des Epithels, wie bei kruppös-diphtheritischen
Veränderungen an anderen Schleimhäuten, einhergehende
Bildung eines fibrinösen Exsudates handelt“.
Schon früher hatte H e n o c h *) die aphthöse Erkrankung der
Mundschleimhaut als Stomatitis fibrinosa bezeichnet, ohne jedoch den
pathologisch-anatomischen Nachweis dafür erbracht zu haben.
E. Fraenkel fand in den aphthösen Belägen von 3 Kranken
den Staphylococcus pyogenes citreus und flavus. Eine Uebertragung
der Krankheit in die Mundhöhle von Kaninchen und Meerschwein¬
chen durch Kulturaufschwemmungen von Staphylococcus pyogenes
citreus gelang nicht.
Obwohl Fraenkel die Entstehung der Stomatitis fibrinosa
durch die genannten Mikroorganismen als unentschieden angesehen
wissen will, betrachtet er es doch als „feststehend, dass Mikro¬
organismen an der Genese der aphthösen Herde partizipieren und
dass möglicherweise gewisse der bislang bekannten Formen der
Eiterkokken die Rolle der Krankheitserreger spielen.“
Neumann -Wien 3 ) beschreibt einen eigenartigen Fall von
fieberhafter Stomatitis aphthosa und Colpitis aphthosa, einhergehend
mit Konjunktivitis und einem Erythem an den Beinen mit Bläschen¬
bildung. Die Krankheit dauerte ca. 4 Wochen. An mikroskopischen
Durchschnitten wurden Kokken im Gewebe gefunden. Angelegte
Kulturen „bestätigten das Vorhandensein mehrerer Arten von Kokken,
deren Uebertragung auf Tiere keinen positiven Erfolg ergeben hatte.“
S t o o s *) fand als vermutlichen Erreger der Stomatitis aphthosa
den Diplo-Streptokokkus.
Im Jahre 1892 demonstrierte N e u m a n n - Wien 5 ) einen zwei¬
ten, seinem zuerst beschriebenen gleich gearteten Krankheitsfall, eben¬
falls mit einem dem Erythema multiforme ähnelnden Hautausschlage
vergesellschaftet.
Weiterhin beschreibt derselbe Autor®) einen Fall von Stomatitis
aphthosa, einhergehend mit einer Hauteruption (serös-eitrige Bläs¬
chen) und weisslich gelbem Belage der Augenlider. N e u m a n n
sieht die die Aphthen begleitenden Exantheme als sekundäre Infek¬
tionsexantheme an, hervorgerufen durch die Infektionskeime, welche
der Entstehung des eigentlichen Krankheitsprozesses (Aphthen) zu¬
grunde liegen.
Erwähnt sei ausserdem noch, dass auch von anderen Autoren 7 )
(Christlieb, Matzenaue r, Ehrmann) bei sog. Stomatitis
aphthosa auch Aphthen am Genitale beobachtet wurde.
T. Fischer 8 ) beschreibt einen Fall von bösartiger Stoma¬
titis, verbunden mit Fieber, Heiserkeit, Husten, starker Salivation
und Foetor ex ore, die „beim ersten Anblick eine ernste Diphtherie
vortäuschte und gleichzeitig an nahezu allen von aussen her zu¬
gänglichen Schleimhäuten entzündliche Veränderungen zeigte“. Als
mutmasslicher Krankheitserreger ergab sich bei diesem Falle ein bis¬
her noch nicht beschriebenes Stäbchen, das wahrscheinlich sowohl
den intensiven Foetor ex ore „als auch die Krankheit in ihrem ganzen
Umfange bedingte und dazu die eigentümliche Eigenschaft zeigte,
unter aöroben Verhältnissen Fäulnis zu verursachen“.
Fischer bemerkt jedoch, „dass in mehreren Präparaten aus
Rachen- und Mundhöhle bei verschiedener Färbeweise Bilder von
Diplokokken erhalten wurden.“
Von ausländischen Autoren, die derartige Krankheitsfälle be¬
schrieben, sei W. Pasteur*) erwähnt, welcher bei einem 3 Y 2 jähri¬
gen Kinde, das später an Bronchopneumonie starb, eine diphtherie-
ähnliche Pneumokokken-Angina beobachtete. Im gangränösen Be¬
lage der Tonsillen, des Gaumens und der Uvula fand sich der Diplo-
coccus pneumoniae.
Den aus der Literatur bekannten Fällen von sog. Stomatitis
fibrinosa (sive aphthosa), kompliziert mit entzündlichen Ver¬
änderungen an anderen Scheimhäuten und mit Hautexanthem
(Neumann, Fischer), vermag ich nun 3 weitere klinisch
gleich geartete Krankheitsfälle an die Seite zu stellen, welche
in den Jahren 1905 und 1907 im Garnisonlazarett München
beobachtet wurden.
Der erste Fall betraf einen Infanteristen P., welcher am 27. II. 05
auf der Station für Augenkranke zuging.
Der Kranke gab an, am 21. II. 05 mit Schüttelfrost, „Brennen der
Augen“, Husten und Schluckbeschwerden erkrankt zu sein. Bei der
*) Virchows Archiv, 113. Bd. H. 3.
*) He noch: Vorles. über Kinderkrankheiten und Fraenkel
in Virchows Archiv, 113. Bd., Heft 3.
*) Archiv f. Dermatol, u. Syphilis, XXI. Jahrg., 1889, 5. Heft.
•) Zitiert nach Seifert im Handbuch d. Therapie inn. Krankh.
von Penzoldt u. Stintzing, 3. Aufl., 1902.
Ä ) Wiener klin. Wochenschr. 1892, No. 8.
•) Archiv f. Dermatol, u. Syphilis, XXXVI. Bd., 3. Heft.
7 ) Zitiert nach S e i f e r t im Handbuch von Penzoldt u. Stintzing.
8 ) Zeitschr. f. Hygiene u. Infektionskrankh., 49. Bd., 3. H., 1905.
•) Lancet, 27. Mai 1905, zitiert nach Schmidts Jahrbuch, Bd. 292,
S. 52 u. 53.
No. 2.
Aufnahme wurde folgender Befund erhoben: Die Lidbindehäute beider
Augen sind von einer milchig-weissen, undurchsichtigen Auflagerung
bedeckt, welche den Intermarginalteil etwas überragt. Die Aug¬
apfelbindehäute sind nur leicht vermehrt gerötet, jedoch ohne Auf¬
lagerung. Die Periaurikulardrüsen sind nicht geschwellt. Die Mund¬
schleimhaut zeigt mit zahlreichen Unterbrechungen die gleichen Be¬
läge wie die Bindehäute. Dabei sind die Mandeln, welche stellen¬
weise, wie auch der Rachen die gleichen Auflagerungen zeigen, nicht
vermehrt getötet und geschwellt. Es besteht starker Foetor ex ore
und vermehrter Speichelfluss. Die Unterkieferdrüsen sind leicht ge¬
schwellt und etwas druckempfindlich. Die Stimme ist heiser. Ueber
beiden Lungen sind katarrhalische Geräusche zu hören. Der Aus¬
wurf ist schleimig-eitrig und zeigt geringe blutige Beimengungen.
In demselben wurden aus kleineren Bronchien stammende Fibrin¬
bäumchen aufgefunden. An der Nasenschleimhaut sind ebenfalls,
aber nur wenige, weissliche Auflagerungen zu bemerken. Der Harn
ist frei von Eiweiss und Zucker. Die Körpertemperatur beträgt 40,3 °.
Die auf den Lidbindehäuten locker aufsitzenden Auflagerungen
Hessen sich leicht als zusammenhängende Häutchen abzlehen; die
darunter zum Vorschein kommende Schleimhaut war stark blutüber¬
füllt und aufgelockert, blutete jedoch nicht. Das gleiche Verhalten
zeigte die Mundschleimhaut nach Abheben der Auflagerungen. Nach
Ablauf einiger Tage war die Mund- und Rachenschleimhaut mit einem
feinen schleierartigen Belage bedeckt, der an der Wangenschleim¬
haut zu einer Membran verdickt war; auch die Lippen waren mit
demselben Belage bedeckt. Die Glans penis war hoch gerötet, die
Harnröhrenschleimhaut war entzündlich geschwellt.
Aus dem weiteren Verlauf des Krankheitsfalles, dessen Tem¬
peraturkurve hier eingefügt sei (Temperaturkurve I), sei erwähnt.
dass die von der Lidbindehaut abgehobenen Pseudomembranen als¬
bald durch neugebildete ersetzt wurden. Stellen der Mund¬
schleimhaut, die von Auflagerungen frei wurden, neigten zu Blu¬
tungen. Aus der Nase wurde blutig-eitriges Sekret ausgeschnaubt.
Ferner wurde an der Haut des Rumpfes und der Beine ein knöt¬
chenförmiger Ausschlag von hochroter Farbe wahrgenommen, der
auf Fingerdruck verblasste. An den Handtellern, Fussrücken und
Fussohlen beiderseits trat ein dem beginnenden Pemphigus acutus
ähnelnder Hautausschlag auf, der nach dem Eintrocknen noch längere
Zeit lebhaften Juckreiz hinterliess.
Während der Krankheitsdauer war zu wiederholten Malen die
Diazoreaktion positiv ausgefallen. Milzschwellung wurde nicht be¬
obachtet. Die Dauer der Erkrankung, die durch immer wieder
neu auftretende Auflagerungen auf der Mundschleimhaut in die Länge
gezogen wurde, erstreckte sich über 2 Monate und machte durchaus
den Eindruck einer septischen Erkrankung.
Der zweite Fall betraf einen Reiter S., welcher am 30. III. 05
mit Fieber, Husten, Halsschmerzen, Speichelfluss und starkem Durst¬
gefühl erkrankte. Bei der Lazarettaufnahme ergab sich folgender
Befund: Die Lidränder beider Augen sind verklebt und mit eitrigen
Borken besetzt; die Lidbindehäute sind stark gerötet und mit Blut
überfüllt. Die Lippen sind borkig belegt. Es besteht starker Fötor
ex ore und Speichelfluss; die Stimme ist heiser. An den Zungen¬
rändern finden sich weissliche, in Gruppen stehende Auflagerungen;
desgleichen an der Wangenschleimhaut und am harten Gaumen, be¬
sonders zahlreich an den Gaumenbögen und an der Uvula. Die Man¬
deln sind frei. Auf beiden Handrücken (besonders linkerseits) und in
der rechten Kniegegend sind mehrere von hellrotem Hofe umgebene,
mit wasserhellem Inhalte gefüllte, linsengrosse Bläschen wahrzu¬
nehmen. Ueber beiden Lungen bestehen die Zeichen des akuten
Bronchialkatarrhs. Die Milz ist nachweisbar nicht vergrössert. Der
Harn ist frei von Eiweiss und Zucker. Körpertemperatur
morgens 38,2®.
Im weiteren Verlauf der fieberhaften Erkrankung (siehe Tem¬
peraturkurve II) war die Mundschleimhaut fast in ihrer ganzen Aus¬
dehnung bis auf wenige stark gerötete, blutüberfüllte Lücken von
weisslichem glasigem Belage bedeckt, die Zunge förmlich wie mit
einem Zuckergusse überzogen. Die Lidbindehäute waren von weiss-
lichen, den Lidrand etwas überragenden Pseudomembranen bedeckt,
die Augapfelbindehäute und die Hornhaut waren frei.
In den ersten Tagen der Krankheit zeigte sich die äussere Harn¬
röhrenmündung von einem weisslichen Pfropf verlegt, die ganze
Eichel von einer dünnen, weisslichen Pseudomembran überzogen, wel¬
che sich zum Teil leicht ablösen liess, ohne eine blutende Wund¬
fläche zu hinterlassen. An dem linken Handteller traten einige
linsengrosse, derbe, hochrote Knoten ohne Bläschenbildung auf. Die
3
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14
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2 .
Unterkieferdrüsen waren geschwellt. Nachweisbare Milzvergrösse-
rung und positive Diazoreaktion wurde nicht wahrgenommen.
Die Beläge stiessen sich allmählich von den Schleimhäuten ab,
ohne Narben zu hinterlassen; der Bläschenausschlag trocknete ein.
Nach Verlauf von etwa 3 Wochen waren alle Krankheitserschei¬
nungen geschwunden.
Der dritte Fall betraf einen Fähnrich L., welcher anfangs Juli
1907 mit Heiserkeit, mässigem Hustenreiz und Bindehautkatarrh er¬
krankte. Temperatur 38,0°. Bei diesem Kranken waren bei der
Aufnahme die Augenbindehäute intensiv gerötet, die unteren Lider mit
gelblich schmierigem Belage bedeckt. Die Lippen waren borkig i
belegt. Fs bestand starker Fötor ex ore. An der Schleimhaut des 1
harten Gaumens, an umschriebenen Stellen der Wangen- und Lippen¬
schleimhaut waren schmutzige Beläge sichtbar; die Mandeln und die
Rachenschleimhaut waren frei. Ueber beiden Lungen war rauhes
Atemgeräusch, begleitet von vereinzelten Rasselgeräuschen festzu¬
stellen.
Im weiteren Verlauf der Krankheit zeigte sich die gesamte Mund- I
Schleimhaut von einer dicken hellen Fibrinmembran ausgekleidet.
Der Kranke hatte ziemlich schweres Krankheitsgefühl. Die Höchst¬
temperatur betrug 39,3° (siehe Temperaturkurve III). Die Milz war
nachweisbar nicht vergrössert. Der Harn war frei von Eiweiss und
Zucker. Ein Hautexanthem wurde bei diesem Kranken nicht be¬
obachtet.
Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass die soeben be¬
schriebenen Krankheitsfälle in den wesentlichsten Symptomen
mit den von den eingangs erwähnten Autoren veröffentlichten
(insbesondere Neumann und Fischer) übereinstimmen.
Es handelt sich sicherlich um ein feststehendes Krankheits¬
bild, in dessen Pathogenese durch das Ergebnis der bakterio¬
logischen Untersuchung der mitgeteiltcn 3 Fälle einige Klarheit
gebracht werden dürfte.
Durch die bakteriologische Untersuchung, welche im
K. Operationskurs für Militärärzte durch Oberstabsarzt Prof.
Dr. Dieudonne ausgeführt wurde, wurde folgendes fest¬
gestellt:
Bei Fall 1 (Inf. P.). Am 27. II. 05 im Abstrich aus Mundhöhle
und Bindehaut mikroskopisch Diplokokken mit Kapsel, kulturell Diplo¬
kokken mit Kapselbildung; im Auswurf mikroskopisch Pneumo¬
kokken und grosse Stäbchen.
Am 1. III. 05 im Mandelabstrich und in Membranen aus der Binde¬
haut mikroskopisch Diplokokken mit Kapsel und Streptokokken von
auffallender Grösse; kulturell Pneumokokken und Streptokokken von
gewöhnlicher Grösse.
In Bouillon, der steril aus einer Armvene ent¬
nommenes Blut z u g e s e t z t war, wuchsen ketten¬
förmig an ge ordnete Diplokokken.
Bei Fall 2 (Reiter S.). Am 2. IV. 05 im Harnröhrensekret Diplo- |
kokken; am 3. IV. 05 im Ausstrich aus Mund- und Rachenhöhle kul- |
turell Diplokokken.
Am 4. IV. 05 in Blutbouillon (2 ccm Blut auf 180 ccm
Bouillon) Diplokokken mit Kapsel.
Bei Fall 3 (Fähnrich L.). Am 10. VII. 07 im Rachensekret
kulturell Diplokokken und Staphylokokken; im Abstrich aus dem
Augensekret auf Löfflerserum spärliches Wachstum von Diplokokken.
Am 12. VII. 07 im Rachensekret mikroskopisch Diplokokken und
Staphylokokken, im Augensekret kulturell Pneumokokken. Eine an¬
gelegte Blutbouillon blieb steril. Auf Aszitesagar (m i t s t e r i 1
entnommenem Blute beschickt) wuchsen Diplo¬
kokken mit Kapsel.
Es ist gewiss auffallend, dass die Infektionserreger, welche
im Blute nachgewiesen worden sind, in Fall 2 und 3 die näm¬
lichen waren. Sie wurden als Pneumokokken angesprochen.
Mit Rücksicht auf die übereinstimmenden klinischen
Symptome darf man wohl die im Blute von Fall 1 nach¬
gewiesenen kettenförmig angeordneten Diplokokken ebenfalls
als Pneumokokken ansprechen.
Erwähnenswert ist bei Fall 1, dass wiederholte Ein¬
spritzungen von Pneumokokkenserum Römer auf der Höhe
der Krankheit jedwede günstige Beeinflussung des Krankheits-
verlautcs vermissen iicssen. Die Behandlung war im übrigen
bei allen 3 Fällen eine symptomatische.
Noch einmal kurz zusammengefasst, bestand bei den im
Garnisonlazarett beobachteten 3 Krankheitsfällen klinisch
wie bakteriologisch eine so weitgehende
Uebereinstimmung, dass man wohl berechtigt
ist, von einem durch Pneumokokkeninfektion
des Blutes hervorgerufenen typischen Krank¬
heitsbilde zu reden.
In den von den oben erwähnten Autoren (insbesondere
Neu rn a n n und Fischer) mitgeteiltcn Fällen, die klinisch
mit den oben beschriebenen übereinstimmen, ist von einer
bakteriologischen Untersuchung des Blutes nichts erwähnt.
Ich zweifle nicht daran, dass der von Oberstabsarzt Prof.
Dr. Dieudonne erhobene bakteriologische Blutbefund bei
klinisch gleichgearteten Erkrankungen weiterhin bestätigt
werden wird.
Ein interessanter Fall von Polydaktylie.
Von Dr. H ö c h 11 e n in Blieskastel.
Polydaktylie, d. h. das Vorkommen überzähliger, teils rudimen¬
tärer, teils völlig ausgebildeter Finger oder Zehen, ist im allgemeinen
keine grosse Seltenheit. In der weitaus grösseren Mehrzahl der
Fälle aber sitzt das überzählige Glied, wenn es vollständig ausge¬
bildet ist, mit seiner Phalanx dem Metakarpal- (resp. Metatarsal-)
Knochen eines benachbarten Fingers (resp. einer Zehe) auf, seltener
dagegen sind die Fälle, in denen das überzählige Glied sich in einen
eigenen Metakarpal- (resp. Metatarsal-) Knochen fortsetzt, ja sogar
eigene Karpal- (resp. Tarsal-) Knochen hat.
Da ich nun gelegentlich der Untersuchung einer Unfallverletzten
am linken Fuss der betr. Person das Vorhandensein von 8 Zehen
konstatierte, liess ich eine Röntgenphotographie anfertigen, um das
Verhalten der völlig ausgebildeten 3 überzähligen Zehen zum MitteJ-
fuss und der Fusswurzel klarzustellen.
Das Röntgenbild lässt nun vor allem erkennen, dass jede der
3 überzähligen Zehen ihren eigenen Metatarsalknochen hat. Dem-
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.faimar 1000.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
75
entsprechend hat auch die mit dem Metatarsus in Verbindung
stehende Reihe der Fusswurzelknochen insofeme eine Bereicherung
erfahren, als die Zahl der diese Reihe bildenden Knochen um ein
viertes Os cuneiforme vermehrt ist. Die Insertion der 8 Metatarsal-
kriochen an den 5 Fusswurzelknochen ist nun folgende: Am Os
cuboideum inseriert wie normaler Weise der 5. und 4. Metatarsal¬
knochen, am ersten Ös cuneiforme der 3. und am zweiten Os cunei-
iorme der 2. Metatarsalknochen, beides entspricht ebenfalls der
Norm. Nun lässt aber das Röntgenbild zwischen dem 2. und 3. Os
cuneiforme einen deutlichen Spalt erkennen, und das Köpfchen des
1. Metatarsalknochens, das normaler Weise ganz mit dem 3. Os
cuneiforme in Gelenkverbindung sein sollte, berührt nur mit der
Aussenseite seiner Gelenkfläche das 2. bezw. 3. Os cuneiforme,
während an diesem letzteren der Metatarsalknochen der ersten über¬
zähligen Zehe ganz und der der zweiten überzähligen Zehe zur Häifte
inseriert, während die andere Hälfte sowie der Metatarsalknochen
der dritten überzähligen Zehe sich an dem überzähligen 4. Os cunei-
forrne ansetzen.
Dem überzähligen 4. Os cuneiforme muss sich aber nun auch das
Os scaphoideum anpassen, und so zeigt das Bild sehr schön, wie das
Os scaphoideum anstatt 3 Facetten deren 4 zur Verbindung mit den
Keilbeinen hat.
Interessant ist, dass die 3 überzähligen Zehen an Grösse nach der
lateralen Seite abnehmen, so dass die erste überzählige an Grösse
der 2., die zweite überzählige der 3. und die dritte überzählige der
4. Zehe entspricht. Die grosse Zehe unterscheidet sich nur durch ihre
Kürze von den übrigen Zehen, dagegen ist ihr Umfang und ihr Nagel
nicht wie sonst grösser als bei den übrigen Zehen.
Als Grund der Missbildung gab die betr. Person an, ihre Mutter
hätte sich während der Schwangerschaft versehen an einem Marien¬
bild, das die Maria darstellt, mit beiden Füssen auf einer Kugel
stehend.
Aus der laryngologisclren und der dermatologischen Uni¬
versitätsklinik in Freiburg i. Br.
Ueber ein Spezialelektroskop für Urethroskopie und
direkte Kystoskopie*).
Von Privatdozent Dr. med. et phil. W. Brünings.
Es kann meines Erachtens als ausgemacht gelten, dass man
sich bei der okularen Untersuchung röhrenförmiger
Körperhöhlen, der „Syringoskopie“, wie ich sie im Gegensatz
zur Betrachtung blasenförmiger Organe, der „Kysto¬
skopie“, genannt habe, am besten einer „Aussenlampe“ be¬
dient. Ich verstehe darunter jene Gattung von Beleuchtungs¬
vorrichtungen, welche als Stirnlampen oder als feste
sogen. Elektroskope das Licht nach möglichst exakter
Parallelisierung von aussen her in das Rohr werfen. Sie stehen
im Gegensatz zu den „Innenlampen“, den in das Beobachtungs¬
rohr eingeführten oder am eingeführten Rohrende befestigten
Mignonglühbirnen.
Die Gründe für die syringoskopische Ueberlegenheit der
Aussenlampe habe ich a. a. O.**) ausführlich dargelegt. Hier
können sie nur ganz kurz gestreift werden:
1. Das Licht der frei brennenden Innenlampen nimmt mit
dem Quadrat der Entfernung ab. Die Helligkeit der be¬
leuchteten Organwand ist deshalb eine sehr ungleichmässige,
weil ihre Hauptrichtung bei der Syringoskopie in der Ver¬
längerung des Rohres liegt. Das parallelisierte Licht der
Aussenlampen gibt dagegen eine praktisch vollkommen gleich-
mässige Tiefenbeleuchtung.
2. Der von der Innenlampe beanspruchte Raum geht für
Operations- und Gesichtsfeld verloren, was besonders bei der
engen Harnröhre die Untersuchung sehr beeinträchtigt. Das
Aussenlicht gestattet die Ausnutzung des vollen Rohrlumens.
3. Die Innenlampen müssen im Gegensatz zur Aussenlampe
äusserst klein sein, wodurch sie sehr betriebsunsicher werden.
Weitere Störungen pflegen durch Beschmutzung oder Be¬
feuchtung durch Sekret und Tupfer oder gar durch Zerbrechen
*) Das Instrument, welches durch das liebenswürdige Entgegen¬
kommen des Herrn Prof. J a c o b y seit etwa einem Jahr in der
hiesigen dermatologischen Universitätsklinik erprobt werden konnte,
hatte ich auf dem diesjährigen Dermatologenkongress in Frankfurt
zur Demonstration angemeldet, welche wegen Zeitmangel nicht statt¬
gefunden hat. Zu der vorliegenden Publikation veranlasst mich der
Aufsatz des Herrn Kaufmann in No. 43 dieser Wochenschrift und
der Umstand, dass das Instrument inzwischen in den Handel ge¬
laugt ist.
•*) Verh. d. Vereins südd. Laryngologen, Wiirzburg 1908.
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bei instrumentellen Ei.'.griffen zu entstehen. Sie vertragen
endlich das Sterilisieren schlecht, was bei der infektiösen Harn¬
röhre in besonderem Masse erforderlich ist.
Wenn trotz dieser und einiger anderer Gründe immer
wieder Syringoskopie mit Innenlampen erfunden und empfohlen
werden, so kann der Grund nur in praktischen Mängeln der bis¬
herigen Aussenlampen liegen. Das ist in der Tat der Fall.
Die Stirnlampen sind für den allgemeinen Gebrauch zu unhand¬
lich und die vorhandenen Elektroskope sind, besonders für
operative Aufgaben, in hohem Masse ungeeignet. Das trifft,
wie wir sehen werden, namentlich für das bekannte Kasper-
sche Elektroskop zu.
Ich habe mich bei dieser Sachlage schon vor Jahren um
die Konstruktion eines guten Elektroskopes bemüht. Das In¬
strument hat in seiner ersten Form als „Spezialelektroskop für
Bronchoskopie“ eine sehr rasche Verbreitung in mehreren
Hundert Exemplaren gefunden, so dass ich von verschiedener
Seite aufgefordert wurde, das Prinzip durch geeignete Modi¬
fikationen auch für andere Syringoskopien verwertbar zu
machen. Das ist bisher in der Form eines „Universalelektros-
kops“ und des hier zu besprechenden „Spezialelektroskops für
Urethroskopie“ geschehen.
Die wesentlichste Neuerung bei meinen Elektroskopen liegt
in einer mehr oder weniger grossen Entfernung der
Lampe vom oberen Rohrende derart, dass in dem
entstehenden Zwischenraum Operationsinstrumente frei ein¬
geführt und bewegt werden können. Bei dem Spezialelek¬
troskop für Bronchoskopie ist dieser Abstand durch einen
besonderen Mechanismus variabel gemacht und die Lampe
kann ausserdem durch Druck auf den Griff zur Seite bewegt
werden. Bei dem hier beschriebenen Urethroskop konnte den
sehr viel einfacheren Aufgaben eines solchen Instrumentes ent¬
sprechend, dieser ganze komplizierte Mechanismus fortfallen,
so dass sich die Lampe in einem fixen Abstand von etwa 8 cm
befindet.
Der von mir eingeführte Lampenabstand ist der einzige
brauchbare Weg, auf dem Elektroskope zu operativen Zwecken
geeignet gemacht werden können. Er wurde durchführbar
auf Grund einer neuen Lampenkonstruktion und
eines Brenners, mit deren Hilfe sich nahezu
parallelstrahliges und mit der Ro.hrachse
genau zusammenfallendes Licht von sehr
grosser Helligkeit aus grösserer Entfernung
in das Rohr projizieren lässt. Ich lasse eine kurze
Beschreibung des Instrumentes folgen:
1. Der Brenner (x, Fig. 1) ist aus Kohleglühfaden gefertigt,
weil bei diesem- die „relative Helligkeit“, d. h. die auf die Längen¬
einheit des Fadens entfallende Kerzenzahl, am grössten ist. Der
lange, auf Stromökonomie berechnete Glühdraht der verschiedenen
Metallfadenlampen gibt wohl eine grosse Gesamtkerzenzahl, doch
kann von dieser zur Erzeugung von Parallellicht, auf das es bei der
Röhrenbeleuchtung allein ankommt, nur ein sehr kleiner Bruchteil
ausgenutzt werden. Denn die zur Parallelisierung dienenden Kon¬
densatoren liefern nur von einer annähernd punktförmigen Licht¬
quelle, welche sich in ihrem Brennpunkt befinden muss, annähernd
paralleles Licht. Es kommt deshalb alles darauf an, die Helligkeit
in einem Punkte möglichst zu steigern. Ich habe dieses Ziel
nach vielen Versuchen mit einem Kohlefadenbrenner erreicht, bei
dem sich 3 dicke, kurze Stäbchen in einem Punkte kreuzen, so dass
hier eine dreifache nutzbare Helligkeit entsteht. Die Glühstäbe dieses
„Dreifaden-Projektionsbrenners“ sind hintereinander geschaltet, so
dass die Lampe mit etwa 10 Volt, bei vorgeschrittener Abnutzung bis
zu 16 Volt belastet werden kann.
2. Als Kondensator dient die Halbkugellinse a in Schnecken¬
gangfassung, welche durch Drehen an dem Zahnring z mehr oder
weniger weit von dem Sternbrenner entfernt wird. Das projizierte
Lichtbild besteht dabei aus 3 sich kreuzenden Bändern mit einem
sechseckigen Mittelfeld von dreifacher Helligkeit (Fig. 2).
Durch Drehen des Kondensatorringes z wird dieses Mittelfeld kleiner
oder grösser (Fig. 3). Die günstigste Stellung ist die, bei welcher
sein Durchmesser demjenigen des Rohrlumens gleichkommt. Diese
Einstellung wird bei heruntergeklapptem Spiegelträger unter Be¬
obachtung der Helligkeit am Rohrende vorgenommen (s. Gebrauchs¬
anweisung).
3. Als Reflektor dient der zentral durchbohrte Planspiegel b.
Er ist in dem Spiegclträger v um zwei zueinander senkrechte Achsen
drehbar angebracht, so dass er nach Art eines Mikroskopiespiegels so
eingestellt werden kann, dass die parallelen Lichtstrahlen jeweils
genau mit der Rohrachse zusammenfallen. Die Spiegeleinstellung
3*
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No. 1
76
wird durch Drehen der Stellschrauben g und h bewirkt. Sie ist
absolut notwendig, weil sonst wegen der unvermeidlichen Ab¬
weichungen der einzelnen Brenner die Lichtstrahlen, wie bei den bis¬
herigen Elektroskopen, unter schrägem Winkel auf die Rohrwand
treffen, so dass nur der reflektierte Rest an das Rohr¬
ende gelangt. Bei dem Prinzip des Lampenabstandes würde
das Licht natürlich zum Teil überhaupt an dem Rohr vorbeifallen.
Der Reflektor lässt sich zum Zweck der Reinigung, zur etwaigen
Einführung gerader langer Instrumente etc. hochklappen (in der Figur
punktiert). Beim Herunterdrücken schnappt er federnd wieder in
die eingestellte Lage ein.
Fig. 2. Fig. 3.
4. Der Griff des Instrumentes ist aus leichtem Metallrohr. Die
Beobachtungsrohre haben die üblichen Dimensionen. Sie werden
ohne Schrauben einfach in den Griffring k eingesteckt und durch
eine Nute in ihm drehbar festgehalten, so dass das Elektroskop von
den Rotationen des Rohres unabhängig ist. •
Die Stromzuführung geschieht durch ein aseptisches
Kabel, welches an den Lampenkopf in einer federnden Steckdose an¬
gesteckt wird (in der Figur nicht sichtbar), welche gleichzeitig durch
einfache Drehung als Schalter wirkt.
Ueber die Vorzüge -des neuen Instrumentes
kann ich mich nach dem bisher Gesagten kurz fassen. Den
mangels eines guten Elektroskops bisher fast ausschliesslich
gebrauchten Innen lampen ist es weit überlegen
1. durch gleichmässige, von Sekret, Blut,
Tupfern etc. ganz unabhängige Beleuchtung,
2. durch Freigab« des ganzen Rohrlumens
für Licht, Auge und Instrumente, 3. durch Be¬
triebssicherheit und Asepsis. Den vorhandenen
Elektroskopen 1. durch eine um mindestens
das 9 f a c h e gesteigerte Helligkeit, 2. durch
die Möglichkeit ungehindert zu tupfen, ope¬
rieren etc., 3. durch Schutz des Beleuchtungs¬
apparates gegen Verunreinigung, 4 . durch
Leichtigkeit und bequeme Handhabung.
In der hiesigen dermatologischen Universitätsklinik wurde
das Instrument in der Regel in Verbindung mit einem Fern¬
rohr angewendet, dessen Gebrauch für manche Aufgaben- von
Vorteil sein kann. Mir selbst fehlen Erfahrungen darüber,,
doch will ich die Einrichtung kurz besprechen, zumal sie in
No. 43 dieser Wochenschrift von Kaufmann als etwas an¬
geblich Neues beschrieben wurde. 1 )
Optische Systeme vom Typus des Newton sehen Fern¬
rohres, wie sie bei der Kystoskopie zum Zweck der
G esichtsfelderweiterung verwendet werden, sind
bei der Syringoskopie zwecklos, da hier das Gesichtsfeld durch
die Weite des röhrenförmigen Organes begrenzt wird. Es
kann sich demnach hier nur um Vergrösserungs-
g 1 ä s e r handeln zum Zweck genauerer Detailbetrachtung.
Derartige Gläser müssen für grosse Gegenstandsweite be¬
rechnet und am äusseren Rohrende befestigt sein, damit die
an sich schon starke subjektive Perspektive der Röhrenbilder
nicht gesteigert wird. Geeignet sind also: für kürzere Ent¬
fernungen und schwache Vergrösserungen Lupen. Für
stärkere Vergrösserungen: das mikroskopische Sy¬
st e m, am besten mit bildaufrichtendem P o r r o sehen Prisma,
und ein für kurze Gegenstandsweiten berechnetes Galilei-
sches Fernrohr.
Das letztere Instrument ist weitaus am handlichsten und,
bei geeigneter Berechnung, auch am lichtstärksten. Meinem
bronchoskopischen Instrumentarium 2 ) habe ich ein Galilei-
sches Fernrohr beigegeben, welches bei 2—4 maliger Ver-
grösserung auf Gegenstandsweiten von 18—50 cm eingestellt
werden kann. Das in Verbindung mit dem Spezialelektroskop
für Urethroskopie gebrauchte Glas hat gleiche Konstruktion
und Vergrösserung, doch brauchte die Einstellung naturgemäss
nur zwischen 10 und 20 cm Gegenstandsweite variabel zu sein*.
Das Fernrohr (s. Fig. 4) wird» mittels eines drehbaren
Bügels auf das Elektroskop gesteckt und kann für gewöhnliche
Betrachtung leicht zur Seite gedreht werden. Die Einstellung
erfolgt durch Drehen des in Schneckentrieb verschieblichen
Okulars. Lichtstärke und Ausbreitung der Tiefenschärfe sind
vollständig ausreichend.
Zum Schluss füge ich eine kurze Gebrauchsanwei¬
sung an:
1. Das Elektroskop wird (nach festem Einschrauben des Bren¬
ners!) mit der zunächst auf schwach gestellten Strom¬
quelle (Rheostat, Transformator, rotierender Umformer, Akkumu¬
lator) verbunden und die Lichtstärke bei hochgeklapptem
Spiegelträger soweit gesteigert, dass das auf eine weisse
Fläche geworfene Lichtbild sich der weissen Farbe nähert.
Genauere Angaben lassen sich hierüber natürlich nicht machen, doch
reicht eine mittlere Belastung des Brenners bei seiner grossen Licht¬
stärke auch für Fernrohrvergrösserung vollständig aus. Durch zweck¬
mässigen Gebrauch des Ausschalters lässt sich die Lebensdauer des
Brenners so verlängern, dass man mit dem gleichen Exemplar über
100 Endoskopien ausführen kann.
2. Nach Regulierung der Lichtstärke, die sich bei
Benutzung des gleichen Rheostaten leicht ein für allemal an diesem
markieren lässt, folgt die Zentrierung des Lichtes. Man setzt dazu
das eingesteckte Rohr bei heruntergeklapptem Spiegelträger auf eine
helle Fläche, so dass das Lichtbild auf ihr sichtbar wird. Falls es
nicht konzentrisch mit dem Rohrende zusammenfällt, lässt man es
durch Drehung der Stellschraube g (Fig. 1) und durch Drehung des
Spiegelträgers nach Lösung der Schraube h solange auf der hellen
Fläche wandern, bis dies der Fall ist. Diese Einstellung sollte vor
J ) Das Kaufmann sehe Glas habe ich inzwischen geprüft. Es
besitzt nur etwa die halbe Vergrösserung des meinigen und eine so
geringe Schärfenausdehnung, dass ich es schon aus diesem Grunde
nicht empfehlen kann.
a ) Verh. d. Vereins siidd. Laryngologen, Wiirzburg 1907, Inter¬
nationaler Laryngologenkongress, Wien 1908.
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12. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
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jedem Gebrauch des Instrumentes kurz kontrolliert werden, jedenfalls
aber immer, wenn ein neuer Brenner eingeschraubt ist.
3. Die optimale Kondensierung des Lichtes wird
ebenfalls auf der zur Zentrierung benutzten hellen Fläche ausgeführt,
indem man den Kondensatorring solange dreht, bis das aus dem
schräg gehaltenen Rohrende austretende Licht am hellsten erscheint.
Wenn man sich mit dem Instrument einigermassen vertraut ge¬
macht hat, können diese 3 Einstellungen, bei denen immer die gleiche
Reihenfolge einzuhalten ist, in weniger als 1 Minute ausgeführt
werden.
Bei ungenügender Helligkeit kontrolliere man zuerst die Zen¬
trierung oder Kondensierung des Lichtes, danach die Reinheit von
Spiegel und Kondensator. Erst wenn hier kein Fehler
v o r 1 i e g t steigere man vorsichtig die Stromstärke. Zu achten ist
auch darauf, dass der Rand des Spiegelloches durchaus schwarz ist,
weil hier sonst störende Reflexe entstehen. Wenn nötig, ist mit etwas
Tusche oder Tinte nachzuhelfen. Es ist selbstverständlich, dass man
das Zimmer zur Endoskopie soweit als tunlich verdunkelt.
Zur Einführung des Rohres wird das F.lektroskop am besten ab-
genommen. Als Mandrin halte ich genau passende flexible Bougies
für empfehlenswert, doch können auf Wunsch auch die sonst üblichen
Mandrins geliefert werden*). Bei der Untersuchung hält man den
bügelförmigen Griff des Instrumentes am besten nach oben gerichtet,
so dass austretende Flüssigkeit nicht an ihm entlang laufen kann.
Tupfer, Sonden, Brenner und andere Operationsinstrumente sol¬
len so lang sein, dass ihr seitlich abgebogener Griff sich etwa in der
Mitte des Abstandes zwischen Rohr und Lampe befindet, wenn sie bis
ans Rohrende eingeführt sind. Sie können dann vollständig
frei gehandhabt werden.
Zum Schluss bemerke ich noch, dass das hier beschriebene
Elektroskop zweifellos auch für die diagnostische und operative
direkte Kystoskopie beim Weibe das beste Beleuchtungs¬
instrument ist. Kommen noch andere Endoskopien (Rektum,
Speiseröhre, Vagina etc.) in Frage, so ist mein etwas anders
konstruiertes „Universalelektroskop“ vorzuziehen, an welches
sich auch Rohre für Urethroskopie ansetzen lassen.
Beiträge zur Konkrementbildung.
Von Privatdozent Dr. H. Schade in Kiel.
(Schluss.)
Nähere Struktur der Sediment-Fibrin steine.
Die Oberfläche der Sedimentfibrinsteine entspricht der
Wandbeschaffenheit des Qefässes, in welchen die Gerinnung
sich vollzieht; sie ist glatt bei Versuchen in gläsernen Be¬
hältern. Wird aber ein Sedimentfibringerinnsel, noch bevor
eine stärkere Schrumpfung eingetreten ist, aus dem Glas,
in dem es entstand, herausgenommen und freiliegend in Wasser
(oder Salzlösung) hineingebracht, so erfährt die Oberfläche
während des langsam vor sich gehenden Schrumpfungspro¬
zesses noch weitere Veränderungen. Die glatte Fläche wird
allmählich mehr oder weniger rauh, von zementartiger Be¬
schaffenheit oder von einem Aussehen, als wenn die Ober¬
flächenschicht aus zahlreichen kleinen, festaufgeklebten, un¬
regelmässig kugeligen Gebilden entstanden wäre; auch kann
die Oberfläche durch nachträglich aus der Masse heraus¬
wachsende Kristalle (z. B. bei Tripelphosphat bis zu 1—2 mm
Grösse beobachtet) eine spitzige Beschaffenheit annehmen oder
bei minder deutlich einsetzender Kristallbildung einem wirr
verflochtenen Maschenwerke gleichen.
Im Zusammenhang mit den hier beschriebenen Aende-
rungen vollzieht sich auch eine deutliche Umwandlung der
inneren Masse. In den ersten Tagen ist das Gerinnsel völlig
homogen, fest gekäster Milch vergleichbar. Allmählich wird
die Schnittfläche ungleichmässiger, zunächst nur mit feinster
Körnung leicht rauh. Bei 4 —6 Wochen langer Aufbewahrung
unter Wasser findet man häufig (besonders schön bei Tripel-
phosphatsteinen) deutliche Strukturbildungen der inneren
Masse: der Querschnitt legt ausgesprochene Gerüstbildungen
frei; meist unregelmässig gelagerte Balken- durchziehen das
Feld und schliessen oft mit klarer Flüssigkeit gefüllte Lücken
zwischen sich ein; in den Balken selbst oder an kompakteren
Stellen* sieht man ferner dabei gelegentlich die Bildung deut¬
licher Kristalle. Bei der Entstehung dieses Gerüstwerkes ist
*) Die Endoskope etc. werden hergestellt durch F. L. Fische r,
Instrumentenfabrik, Freiburg im Breisgau.
lft ) Kolloidzeitschrift I, pag. 365, 1907.
offenbar sowohl das sedimentierte Salz als auch das Frbrin be¬
teiligt. Denn nach Auflösen des Sediments in* säurehaltigem
Formol zeigt die Testierende organische Grundsubstanz noch
deutlich die gleiche Struktur. Dabei ist charakteristisch, dass
auch hier, ebenso wie es R. E. Liese gang 15 ) bei den
Niederschlagsbildungen in Gelatine beobachtete, allemal dort
das Fibrin am dichtesten angehäuft lag, wo das Sediment sich zu
Balken oder ähnlichen festen Bildungen zusammengezogen
hatte. Das Fibrinbild ist nicht etwa das Negativ der Sediment¬
orientierung, sondern es ist — ebenso wie zumeist bei den
natürlichen Harnsteinen — in der räumlichen Anordnung mit
der Struktur des Sediments identisch.
Die näheren Bedingungen und Verhältnisse dieser sekun¬
dären Umbildungen, bei denen offenbar die Schrumpfung des
Kolloids und das Kristallisationsbestreben des Sediments die
Hauptrolle spielen, sind nicht von mir untersucht worden. Nur
will es mir scheinen, dass im allgemeinen bei grossem Sedi¬
mentgehalt und geringer Menge des Kolloids die Kristallbildung,
bei umgekehrtem Verhältnis das Entstehen amorpher maschiger
Strukturen begünstigt war.
Eine deutliche Schichtenbildung, zumal eine solche von
konzentrischer Anordnung, habe ich bei den bisher beschrie¬
benen schnell und einzeitig entstandenen Sedimentfibrin¬
fällungen nicht beobachtet 16 ).
Frage der Schichtenbildung.
Bei schubweise mehrfach wiederholter Sedimentfibrin¬
fällung ergibt sich die Schichtung des erhaltenen Gebildes als
notwendige, fast selbstverständliche Folge.
Diese Befunde der Schichtung lehnen sich eng an manche
auch sonst aus der Pathologie bekannte Beispiele an, in
denen sich das Fibrin in geschichteten Zonen niederschlägt,
teils in Gestalt mehrschichtiger reiner Fibrinablagerungen (so
in Pleura- und Peritonealhöhle 17 ), teils auch durchsetzt von
korpuskulären Einschlüssen (z. B. mit Erythrozyten durch¬
mischt beim „geschichteten Thrombus“). Ueberdies ist das
schichtweise Absetzen durchaus nicht eine dem Fibrin allein
zukommende Erscheinung; diese Eigenart des Sedimen-
tierungsvorganges ist vielmehr dem Fibrin mit manchen
anderen Kolloiden organischen und anorganischen Ursprungs
gemeinsam. Als Beleg seien hier zwei Bildungen der anorga¬
nischen Natur in photographischer Wiedergabe beigefügt 18 ):
Auch diese Schichtsteine, welche in ihren Formen mit den
Sedimentfibrinsteinen und den natürlichen Harnsteinen eine ge¬
wiss überraschende Aehnlichkeit aufweisen, sind aus wässe¬
riger Lösung heraussedimentiert Gerade weil sie in ihrem
Aufbau mit dem sonst im Mineralreich Ueblichen so sehr kon¬
trastieren, ist es doppelt interessant, dass sich bei ihnen wieder¬
findet, was wir in den vorstehenden Versuchen bei den Sedi¬
mentfibrinsteinen als das eigentlich Formgebende erkannt
1Ä ) Betreffs der Möglichkeit, dass auch in einzeitig entstandenen
Gallertbildungen durch nachträglich entstehende Kristalloidnieder-
schläge ausgesprochene Schichtenbildungen zustande kommen können,
sei auf die interessanten Arbeiten R. E. Liesegangs („Ueber
chemische Reaktionen in Gallerten. 4 , Düsseldorf 1898, und ferner Kol¬
loidzeitschrift II, pag. 70—75, 1907) verwiesen. Die von diesem For¬
scher erhobenen und in der letztgenannten Arbeit z. T. photographisch
wiedergegebenen Befunde geben sicherlich zu denken, ob nicht auch
an natürlichen Harnsteinen — abgesehen von den durch die schub¬
weise Entstehung bedingten Schichtenbildungen (s. u.) — noch Schich¬
tungen durch sekundäre Diffusionsvorgänge oder dergl. entstanden
sein könnten.
17 ) So konnte Verf. ein etwa hühnereigrosses Gebilde, welches
sich als freier Körper in der Bauchhöhle vorfand (aus der Privat¬
klinik des Herrn Geheimrat Neuber -Kiel) demonstrieren, bei dem
sich um einen nekrotischen Kern (wahrscheinlich abgeschnürte epi-
ploische Zotte) in vielfachen, äusserst schmalen, konzentrischen
Schichten ein insgesamt 2—2,5 cm dicker Fibrineiweissmantel ge¬
bildet hatte.
1Ä ) Die Originale dieser Präparate stammen aus dem minera-
logisch-petrographischen Institut der Universität Kiel, und sei daher
für die gütige Ueberlassung derselben dem Direktor des Institutes,
Herrn Professor Dr. Wülfing, auch an dieser Stelle bestens ge¬
dankt. Sachlich sei hier angefügt, dass die Ursache für die eigen¬
tümliche Form dieser anorganischen Schichtsteine auch dem Fach¬
mineralogen noch unbekannt gewesen ist, und dass bei den vor¬
handenen Erklärungsversuchen der kolloidale Charakter des einen
Teiles der Steinbildner bislang keine Berücksichtigung gefunden hat.
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78
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
haben, nämlich der Gehalt an kolloider Substanz. So bestehen
die im mikroskopischen Bilde gut kenntlichen konzentrischen
Schichten« der einzelnen kleinen Brauneisensteinoolithe (Ei-
steinchen) neben den spärlich mitgerissenen Karbonaten in der
Hauptmasse aus konzentrisch niedergeschlagenem Eisenoxyd¬
hydrat, bekanntlich einem der charakteristischen und bestunter¬
suchten anorganischen Kolloide.
Fig. 1.
(Vergrösserung 1 : 100.)
Brauneisenstcin-Oolithe aus Lothringen.
(Sogenannter „Rogenstein“.)
(Mikroskopisches Bild eines Dünnschliffes.)
Während somit diese Oolithe bei ihrem geringen Gehalt
an mitgerissenen Kristalloiden ein anorganisches Pendant zur
Schichtbildung der reinen Fibrinniederschläge darstellen
können, geben für die komplizierten Sedimentfibrinsteine die
Pisolithe aus den Quellen von Karlsbad, Vichys etc. eine gute
Parallele. Denn diese Pisolithe (Erbsensteine) bestehen gleich
den genannten organischen Schwestcrgebilden aus einer innigen
Mischung von kolloidalen Substanzen (neben kleineren Mengen
von Eisenoxydhydrat namentlich Kieselsäure 10 ) mit relativ
reichlichen Kristalloiden (namentlich Kalziumkarbonat). Auch
die Bildung dieser Schichtsteine geschieht unter ähnlichen Be¬
dingungen, wie wir sie bei unseren obigen Versuchen benutzten,
sie wird dadurch bewirkt, dass das aufbauende Material (Kol¬
loide und Kristalloide) beim Zutagetreten der Quelle infolge
Entweichens der Kohlensäure ziemlich gleichzeitig zur Aus¬
fällung gelangt und sodann beim weiteren Sedimentierungs-
In ) Kieselsäure löst sich bekanntlich im Wasser nur in kolloidaler
Form (Ostwald: Grundlinien der anorganischen Chemie, 1904.
pag. 437—440). Auch für die Qucllwässer, speziell für solche mit
Kohlensäuregehalt, steht es fest, dass, wenn sie Kieselsäure enthalten,
diese nur kolloidal gelöst sein kann (vergl. Deutsches Bäderbuch 1907.
pag. XLIII [P a u 1] und LIX [G r ü n h u tl), ferner v. K o r ä n y i und
Richter: Physikalische Chemie und Medizin, Bd. II, 1908, pag. 283
und 285). Lieber die nähere Struktur des Kieselgels siehe Bredigs
Handbuch der angewandten physikalischen Chemie, Bd. 7 (A. Mül¬
ler), pag. 91—92, 1907).
Vorgang im Quellbecken an den durch den Sprudel aufge-
wirbclten 1 Granit- oder Quarzstückchen geeignete Zentren zum
gleichmässigen Ansatz findet.
Dabei ist es wegen der Analogie zu unseren obigen Beob¬
achtungen beim Fibrin von besonderem Interesse, hier hervor¬
zuheben, dass auch bei diesem Ausfällungsvorgang das Kolloid,
die Kieselsäure, aus der verdünntesten Lösung heraus in dem
Erbsenstein zu einer ganz auffälligen Anreicherung gebracht
werden kann: aus einer Quelle, die wie der Karlbader Sprudel
0,032 Proz. Kalziumkarbonat und nur 0,0071 Proz. Kieselsäure
enthält, können feste Sedimente entstehen, die auf 100 Teile
Kalkkarbonat bis zu 52 Teile Kieselsäure enthalten. Dement¬
sprechend gelingt es, wie mich Versuche überzeugten, auch
leicht, aus dem Karlsbader Erbsenstein beim Auflösen des
Kalksediments durch Säuren eine ansehnliche Menge der
gallertartigen Kieselsäure als Restbestand zu erhalten 70 ).
Für die Frage der Entstehung der Harnsteine lässt sich
das Gesamtergebnis dieser Versuche dahin zusammenfassen,
dass es gelingt, durch die kombinierte Ausfällung von kristal¬
loiden und kolloiden Substanzen Gebilde zu erhalten, die in
Form und Aufbau dieselben Eigentümlichkeiten aufweisen,
welche wir als die charakteristischen Besonderheiten der
Harnsteine kennen. Unter den Kolloiden ist dieser Nachweis
zunächst für das Fibrin erbracht worden; cs konnte aber ge¬
zeigt werden, dass andere Kolloide, selbst anorganischer Natur,
mit sedimentierenden Kristalloiden die gleichen Bildungen her¬
vorzubringen imstande sind, so dass den oben angeführten
Sedimentfibrinversuchen zugleich der allgemeine Wert eines
Paradigmas zukommt.
Es stellt sich nun die Fiage zur Prüfung, ob die natürlich
im Harn vorkommenden Steine mit den hier künstlich er¬
haltenen Gebilden nur mehr zufällig die äussere Form und die
Art des Aufbaus gemeinsam haben oder ob dieser Formver¬
wandtschaft auch eine verwandte Genese zu Grunde liegt.
Schon der Umstand, dass alle für die künstliche Entstehung
der Steine erforderlichen Vorbedingungen sich in den Harn¬
wegen, speziell im Nierenbecken und in der Blase, realisiert
finden, scheint sehr für die gleiche Art der Genese zu sprechen.
Eine solche Auffassung liegt um so näher, als nachgewiesener-
massen schon ganz minimale Mengen von Kolloid (z. B.
0,07 Proz. Fibrin) ausreichen, so dass sogar dann noch „Stein¬
bildung“ im Sediment erfolgen kann, wenn in der Flüssigkeit
nichts von einer Gerinnung bemerkbar ist. Diese — an sich
sicherlich schon recht wahrscheinliche — Theorie des Stein¬
bildungsprozesses ist aber auch direkten Beweisen zu¬
gängig. Aus pathologischen Befunden weiss man, dass
das Steinbildungsmaterial sich vorübergehend statt in festem
Zustande in Form einer noch plastischen, zementähnlichen
Masse vorfindet. Der plastische Zustand ist aber reinen kri¬
stalloiden Sedimenten niemals eigen; er ist vielmehr, wie
namentlich die neueren Untersuchungen an Ton, Lehm, Zement
und ähnlichen Stoffen ergeben haben 21 ), stets ein Charakte¬
ristikum dafür, dass fein verteilten Kristalloiden kolloidale
Stoffe untermengt sind. Ausserdem sind aber in der patho¬
logischen Literatur, obwohl sicherlich nicht mit speziellem
Interesse nach dieser Richtung hin geforscht wurde, doch
einige Fälle verzeichnet, in denen als „Abarten“ Uebergangs-
formen von den Sedimentkolloidstcincn zu mehr oder weniger
reinen Kolloidgerinnungen beobachtet wurden, so in den Ar¬
beiten von Küster 22 ) und Mora witz und Adrian 23 ) u. a.
Besonders aber sei hier auf die interessanten Mitteilungen von
Peipers 24 ) verwiesen, in denen bei einem Fall von
Schrumpfniere als „besondere Formen von Nierensteinen“ eine
™) Beispiel: Zu einer „Erbse“ des Karlsbader Erbsensteines
wurde gerade so viel verdünnte Salzsäure zugegeben, dass die Säure
vom Karbonat des Steines noch eben neutralisiert werden konnte.
Sodann wies die entstehende neutrale Lösung neben reichlich ge¬
löstem Kalziumsalz einen deutlichen gallertigen oder weich krümeligen
Niederschlag von Kieselsäure auf.
21 ) Vergl. z. B. Kolloidzeitschrift I. 42, 77—80 (1906); II. 178 (1907).
") Deutsche Chirurgie, 52 b, 1896—1902, pag. 401—404.
Mitteilungen aus den Grenzgebieten der Medizin und Chi¬
rurgie, XVII, pag. 579 (Zur Kenntnis der sogen. Eiweisssteine etc.).
24 ) Münchener medizinische Wochenschrift, 1894, pag. 531.
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sehr bemerkenswerte Reihe jener Uebergangsformen be¬
schrieben worden ist: es fanden sich bei einem und demselben
Patienten 1. normal aussehende feste Steine; 2. ein noch pla¬
stischer Stein (4:3:1,5 cm) von derartig weicher Konsistenz
dass mit dem Fingernagel ohne Mühe Substanz sich abschaben
Hess; 3. „fibrinartigweiche“, zusammengeballte Eiweissge-
gerinnsel von hellziegelgelber Farbe; 4. ein Gebilde mit einem
geschichteten harten Stein als Kern (7:11 mm) und einem sich
peripher ansetzenden, ebenfalls geschichteten, fast sediment¬
freien Eiweissmantel. — Wir sehen somit, wie durch das Vor¬
handensein der Uebergangsformen die Verbindung hergestellt
wird zwischen den reinen Eiweisssteinen, den Mischformen,
den noch plastischen Steinen und den festen, eigentlichen
„Harnsteinen“, und wir sind berechtigt, gerade in diesen die
Zwischenstufen repräsentierenden Bildungen den Beweis da¬
für zu erblicken, dass auch die Harnsteine nach ihrer Genese
— durchaus im Sinne der allgemeineren Anschauung von
Ebstein — als Sedimentkolloidsteine zu betrachten sind.
Diese Entstehungsart der Sedimentkolloidsteine wirft zu¬
gleich Licht auf die vielfach diskutierte Rolle der Fremdkörper
bei der Bildung der Steine. Die Bedeutung eines den Stein
erzeugenden Kristallisationskernes kann ihnen entgegen den
gelegentlich geäusserten Annahmen der Autoren sicherlich
nicht zukommen; denn einmal ist die Auslösung der Kristalli¬
sation nur in übersättigten Lösungen möglich und auch dann
geschieht sie immer nur durch streng spezifische Kerne, derart,
dass eine Lösung einzig und allein durch einen Kristall von
der Art der gelösten Substanz, nicht aber durch beliebige
fremde Stoffe zum Auskristallisieren veranlasst wird. Die
Fremdsubstanz wird vielmehr dadurch zum Zentrum der stein¬
bildenden Ausscheidungen, dass in den Harnwegen die aus¬
fallenden Massen durch die relativ grosse Oberflächenspannung
an der Grenzfläche von Fremdkörper zu Harn in dieser Grenz¬
schicht angehäuft werden — eine Erscheinung, die uns auch
sonst, z. B. an Kolloiden beim Absetzen des Blutfibrins (an den
Stab, der das Blut rührt!) als gesetzmässiger Vorgang bekannt
ist. Diese Auffassung entspricht gut den Beobachtungen der
Pathologie : „fremde Körper können Kerne von Harnsteinen
werden, wofern ausser ihnen ein entzündlicher Prozess von
einer gewissen Intensität vorhanden ist, wodurch das Material
zuin Aufbau des organischen Gerüstes der Harnsteine ge¬
liefert wird; beim Fehlen eines solchen entzündlichen Pro¬
zesses tritt keine Steinbildung, sondern höchstens eine gering¬
fügige Inkrustation des Fremdkörpers („Ueberrindung“) ein“
(Ebstein * 5 ).
Mit dieser allgemeinen Aufklärung der Genese der Harn¬
steine ist aber noch nichts darüber ausgesagt, welchem Kolloid
nun im Harn die wichtige Rolle der Steinbildners zufällt. Eine
sichere Entscheidung auf diesem Gebiet ist indes zur Zeit sehr
schwierig; denn die chemische Konstitution der organischen
Grundsubstanz der Harnsteine ist bei dem Mangel an Ueber-
einstimmung aller detaillierteren Resultate kaum weiter ge¬
klärt, als dass man ihr insgesamt einen eiweissartigen („protein-
artigen“) Charakter zuschreiben kann. Auch die Färbe-
inethoden einschliesslich der W c i g e rt sehen Fibrinfärbung
(Blaufärbung bei Behandlung mit Anilinwasser, Gentiana-
violett und Jod) lassen hier im Stich. Denn einmal ist keine
derselben für Fibrin spezifisch, selbst die Weigertsche
Färbung kommt bekanntlich nach O. Lu barsch u. a. auch
sonstigen fädigen und hyalinen Substanzen zu. Und umgekehrt
hat Th. Burmeister 20 ) gefunden, dass dem Fibrin im Harn
die Färbbarkeit schon in kurzer Zeit Verloren gehen kann; so
Hessen sich künstlich hergestellte fibrinhaltige Exsudate in den
Glomeruluskapseln und Harnkanälchen schon bei sofortiger
Anfertigung der Präparate nicht mehr nach Weigert färben.
Um so weniger wird sich daher bei den zumeist recht alten
organischen Ablagerungen in den Harnsteinen der negative
Ausfall dieser Färbungen gegen, oder der positive für das Vor¬
handensein des gesuchten Fibrins verw erten lassen. Trotzdem
aber möchte ich es als nicht unwahrscheinlich bezeichnen, dass
auch in den Harnwegen das Fibrin bei dem Steinbildungs-
Ä ) W. Ebstein: Die Natur und Behandlung der Harnsteine,
Wiesbaden, 1884, pag. 119.
M ) Virchows Archiv 137, pag. 442.
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Prozess häufig seinen Anteil hat Wie oben gezeigt werden
konnte, genügen von dieser Substanz schon die allergeringsten
Mengen, um die Steinbildung zustande kommen zu lassen.
Minimale Spuren von Fibrin dürften aber in pathologischen
Harnen häufig vorhanden sein. Denn wie namentlich die
neueren Untersuchungen der Pathologie lehren, finden Fibrin¬
ausscheidungen wenigstens in geringem Grade bei fast allen
Entzündungen statt, abgesehen von den spezifisch fibrinösen
Entzündungen besonders auch bei vielen eitrigen, hämor¬
rhagischen und nekrotisierenden Prozessen, so dass bei der¬
artigen Erkrankungen der Nieren oder Harnwege auch die Ge¬
legenheit für das Hineingelangen von Fibrin in den Harn
gegeben sein muss. Extreme Fälle dieser Art, d. h. solche mit
derartig hohem Fibringehalt, dass der Harn spontan gallert¬
artige Gerinnung zeigt, sind wegen ihrer grossen Auffälligkeit
schon seit langem bekannt. Sie sind als Fibrinurien beschrieben
und kürzlich von K u t n e r 27 ) in einer Zahl von 13 zusammen¬
gestellt. Unter diesen sind 2 Fälle, bei denen gleichzeitig das
Vorhandensein von Harnsteinen sicher festgestellt wurde.
Während zumeist die Fibringerinnung in klarem Urin vor sich
ging und dementsprechend das Gerinnsel frei von Kristallen
w ar, berichtet Quincke * 8 ), der übrigens ausser den ge¬
nannten Fällen mehrfach Fibrinurien bei Schrumpfniere fest¬
stellen konnte, über Beobachtungen, bei denen sich die von
mir untersuchte Kombination von Kristalloid- und Kolloidaus-
fällung im natürlich gelassenen Urin wiederfindet. Quincke
selbst schreibt von einem solchen Harn: „er liess oft schon
nach kurzer Zeit ein Sediment von Tripelphosphatkristallen
fallen, die von dem Fibrinnetz eingeschlossen wurden“ oder
er berichtet: „In dem hellen, dünnen Urin bildeten sich am
Boden des Glases spärliche, lockere Flocken, die mikroskopisch
feinkörnige oder feinfaserige Beschaffenheit zeigten und die
etwa vorhandenen morphotischen Bestandteile, oft auch Tripel¬
phosphatkristalle einschlossen; letztere verliehen den Flocken
ein dichteres, weissliches, recht eigentümliches (!) Aussehen“.
Offenbar handelt es sich in allen diesen Fällen, zumal im Ver¬
hältnis zum vorhandenen Sediment, um sehr hochgradige
Fibrinbeimengungen, derartig dass sie nach unseren obigen
Versuchen einer Steinbildung nicht mehr günstig sein können;
trotzdem aber will mir jene Quincke sehe Beobachtung,
eben weil sie für das tatsächliche Vorkommen der kombinierten
Kristalloid- und Kolloidgerinnung in pathologischen Harnen
ein Beispiel gibt, in diesem Zusammenhang recht bemerkens¬
wert erscheinen. Geringe Grade der Fibrinbeimengungen
zum Harn sind dagegen früher sehr selten beobachtet, wie bei
der Schwierigkeit des sicheren Nachweises dieser Substanz
leicht erklärlich. Die neueren, mit verbesserter Methode vor¬
genommenen Untersuchungen am Harneiweiss machen aber
das häufige Vorkommen kleiner Mengen von Fibrin in hohem
Masse wahrscheinlich; denn die analytische Scheidung der
Harneiw r eisskörper hat ergeben, dass diese Beimengungen zur
Hauptsache dem Blutserum entstammen und dass sie gleich
diesem — mit stets wechselndem Betrag der Einzelanteile —
aus Albumin und Euglobulin resp. Fibrinogen bestehen (Fr.
Müller 20 ), K r e h 1 *°). Bei dieser Sachlage erscheinen aber
die Verhältnisse in pathologischen Harnen den Bedingungen
unserer oben mitgeteilten Versuche derart genähert, dass es
nicht abzuweisen sein wird, dem Fibrin auch im Harn eine
sehr wichtige Rolle als Steinbildner zuzusprechen. Keinenfalls
aber dürfen wir auf der anderen Seite in dieser Substanz das
einzige Baumaterial der organischen Grundsubstanz des Harn¬
steines erblicken. Denn schon bei unseren obigen Stein¬
bildungsversuchen, die wir mit dem Zusatz von Rinderplasma
anstellten, fand sich in den ausgefallenen Sedimentkolloid¬
massen nicht etwa nur reines Fibrin, sondern beigemengt oder
mitgerissen auch andere Eiweissubstanz (s. Anmerkung 14).
K ) Hersch-Ber Kutner: Ueber Fibrinuric. Inaugural¬
dissertation, 1907, Berlin.
w ) Deutsches Archiv für klinische Medizin, Bd. 79, 1904,
(Quincke).
*•) Fr. Müller: Mitteilungen aus der medizinischen Klinik zu
Wiirzburg 1885 (vergl. Stähclin: Münchener medizinische Wo¬
chenschrift, 1902, No. 34.
;l °) Krehl: Pathologische Physiologie, 1904. pag. 509—510.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
80
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
Noch mehr aber spricht die Beschaffenheit der bei „Fibrin^-
urie“ auftretenden Gerinnsel (s. o.) für eine verschiedene
uml kompliziertere Zusammensetzung der organischen Grund¬
substanz in den Harnsteinen: auch diese Pendants zum orga¬
nischen Steingerüst bestanden nicht immer ausschliesslich aus
Fibrin; so wurde in ihnen u. a. Paraglobulin (Senator) oder
ein vom Fibrin abweichender, nicht näher definierbarer Ei¬
weisskörper (B a u m ü 11 e r) als Hauptsubstanz und ferner
Schleim (J a k s c h) oder Nukleoalbumin (Klein) als Bei¬
mengung konstatiert 31 ). Wie demnach auch die Zusammen¬
setzung des steinbildenden organischen Materials sein mag,
immer muss ein für die Verhältnisse des Harns irreversibles
Kolloid die führende Rolle innehaben; für ein solches aber ist
das Fibrin unter allen bekannten Harnbestandteilen zurzeit der
prägnanteste und zugleich der am häufigsten vorkommende
Repräsentant.
Abgesehen von dem theoretischen Interesse, welches
die Aufklärung der Genese der Harnsteine bietet, haben die
vorstehenden Untersuchungen auch deshalb eine Bedeutung,
weil sie die Ziele unseres therapeutischen Handelns ver¬
schieben und erweitern. Denn offenbar hat die bisherige Be¬
kämpfungsweise der Steinleiden in den Harnwegen — wenig¬
stens theoretisch — zu einseitig die Lösungsverhältnisse der
Kristalloide berücksichtigt. Fraglos ist und bleibt dieses Ziel
ein. richtiges. Aber man hat dabei bislang übersehen, dass
Kristalloidausfällung und Steinbildung prinzipiell verschiedene
Vorgänge sind. Denn der Kristalloidgries an sich wird niemals
zum Stein; er steht hinsichtlich seiner Bedeutung für den Stein¬
bildungsprozess in Parallele zu dem irreversiblen Gerinnsel
von organischer Substanz; sie beide sind unerlässliche und
daher gleich wichtige Einzelkomponenten des Steins; ein
solcher aber kann auch beim Vorhandensein sonstiger geeigneter
Bedingungen- (s. o.) nur dann aus ihnen entstehen, wenn die
Bildung beider einigermassen zu gleicher Zeit und am gleichen
Orte vor sich geht. Demgemäss muss für die Prophylaxe und
für die Therapie neben dem alten Ziel, die Lösungsbedin¬
gungen für die Kristalloide günstig zu gestalten, die weitere
gleichwertige Aufgabe erwachsen, die steinbildenden Kolloide,
sei es nun Fibrin oder sonst eine Substanz, am Ausfallen zu
verhindern. Auch diese neue Aufgabe scheint nicht unerfüll¬
bar. Denn Kolloidfällungen lassen sich bekanntlich durch die
— im Harn einer therapeutischen Regulierung zugängige —
Elektrolytzusammensetzung, oft auch durch Spuren anderer
mehr spezifischer Substanzen 32 ) in hohem Masse beeinflussen;
der Gerinnung des Harnfibrinogens im speziellen würde z. B.
schon eine ausgesprochen alkalische Reaktion des Harns erfolg¬
reich entgegenwirken 33 ). Systematische Untersuchungen in
dieser Richtung wären sehr erwünscht. Es besteht die Aussicht,
auf diesem Wege bisherige Widersprüche zwischen Praxis und
Theorie zu klären und dadurch der Therapie, besonders viel¬
leicht gerade bei Anwendung der bewährten Mineralwässer,
präzisere Indikationen zu schaffen.
Die Schädigungen, welche durch Röntgenstrahlen her¬
vorgerufen werden, ihre Verhütung, Behandlung und
forensische Bedeutung.
Von Hermann Gocht in Halle a. S.
(Schluss.)
Ist nun trotz aller Schulung und Vorsicht eine Röntgen¬
verbrennung der Haut entstanden, so tritt an uns die Frage
heran, mit welcher Behandlung können wir am besten helfen^
Leider besteht besonders bei der chronischen Röntgen-
31 ) Literatur siehe Kutner: I. c., pag. 12, 13, 14, 34.
32 ) Für das Studium dieser Frage sei besonders auf die ausser¬
ordentlich interessanten Untersuchungen von K. Spiro: Ueber die
Beeinflussung der Eiweisskoagulation durch stickstoffhaltige Sub¬
stanzen (Zeitschr. f. physiologische Chemie, Bd. 30, pag. 182—192,
1900) verwiesen. Besonders aber wird es sich empfehlen, Stoffe wie
Piperazin und ähnliche, von denen in der Praxis Erfolge angegeben
werden, auf eine etwaige Fähigkeit der Beeinflussung von Kolloid¬
gerinnungen hin zu prüfen.
33 ) Vergl. z. B. Landois: 1. c., pag. 51.
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dermatitis der Satz zu Recht, dass die Prophylaxis alles, die
Therapie bisher nichts leistet. Die Therapie ist, darin herrscht
Uebereinstimmung, eine symptomatische, und zwar in
schonendster Weise.
Ich werde mich in der Hauptsache mit der Behandlung der
chronischen Röntgendermatitis beschäftigen, da diese auch
die Behandlung der akuten Formen bis zu einem gewissen
Grade in sich schliesst.
Der Röntgengeschädigte soll zunächst temporär oder für
immer das Zusammentreffen mit Röntgenlicht vermeiden.
Beim Patienten ist die Forderung leicht zu erfüllen, beim
Röntgenuntersucher und bei dem sonstigen Röntgen- und
Röhrenpersonal aber schwer. Der Beruf kann in den wenigsten
Fällen gewechselt werden.
Jedenfalls soll derjenige, der die ersten Spuren einer
chronischen Verbrennung an sich fühlt und sieht, heute sofort
Einhalt tun. Pausen in der Röntgentätigkeit wirken anfänglich
ganz besonders günstig, längeres Aussetzen ist auch bei
höheren Graden der Verbrennung nützlich und oft notwendig.
Ist ein absolutes temporäres Fernbleiben- von der Röntgen¬
arbeit nicht möglich, so sind alle die oben genannten Schutz¬
mittel mit der striktesten Sorgfalt eifczuhalten, so dass das
Baden in ganzen Röntgenlichtfluten und das Einschieben ein¬
zelner Teile in die intensiven Röntgenstrahlenfelder absolut
vermieden wird.
Mit dieser Röntgenlichtenthaltsamkeit muss Hand in Hand
gehen eine möglichste Ausschaltung aller mechanischen Reize
am Orte der Erkrankung. Berührung der Hände mit den
photographischen Entwicklern und Fixierbädern ist strengstens
zu vermeiden, ebenso mit den üblichen desinfizierenden Lö¬
sungen, wie Sublimat, Karbol, Lysol etc.; Aether und Alkohol
reizen sehr, selbst übermässig häufiges Waschen, desgleichen
kräftiges Bürsten, Reiben, vor allem schadet aber Gips.
Ausserdem werden meist die direkten Einwirkungen des Sonnen¬
lichtes nicht vertragen. Während von vielen Seiten warme
und heisse Bäder wegen ihrer energisch aufquellenden Wir¬
kung auf die Hornzellen und trocknes Eiweiss überhaupt ge¬
schätzt werden, haben diese meinen eigenen Röntgensünden nie
gut getan. Im Gegensatz zu den Berichten anderer habe ich
immer kaltes Wasser vorgezogen, besonders nachdem, wie in
den meisten Fällen, so auch bei mir Ekzem hinzugetreten war.
Ganz eigenartig gestalteten sich bei mir die Einwirkungen des
kalten Seewassers. In den ersten Tagen vermehrtes
Jucken und geringe Steigerung der Reizerscheinungen, danach
ein ganz entschieden günstiger Einfluss.
Dagegen sind feuchte impermeable Umschläge
allseitig anerkannt mit ihren aufquellenden und das Jucken
und die Schmerzen beseitigenden Eigenschaften. Mir hat stets
das Bleiwasser am wohlsten getan, essigsaure Tonerdelösung
nicht ganz so gut; reizend wirkten selbst ganz schwache
Höllensteinlösungen. Das Auflegen von Salbenmullen und
Guttaperchapflastermullen wirkt durch das Zurückhalten des
Hautdunstes ebenfalls aufqueliend und wird vielseitig in dem
Sinne angewandt. Ich selbst habe dem das gewöhnliche
englische Pflaster vorgezogen. Die Wirkung des
Pflasters ist dabei eine dreifache: es wird ein Abschluss ge¬
geben gegen die Luft, es werden durch das Bekleben äussere
Reize und besonders die Bewegungs- und Zerrungsreize fern¬
gehalten, ausserdem findet eine gewisse, aber nicht so hoch¬
gradige Aufquellung statt, weil etwas Hautdunst entweichen
kann. Und dies schien mir subjektiv und objektiv günstig.
Das englische Pflaster ist in seiner Wirkung ähnlich dem
natürlichen dünnen Schorf. Ausserordentlich empfehlenswert
ist aber bei den Nagelveränderungen der Schutz durch den
Zinkoxydpflastermull.
Unter den Glyzerin Präparaten ist zu empfehlen
Kaloderma, meiner Haut war noch dienlicher Ka 1 ophan
(T romsdorff -Erfurt).
Kokainlösungen oder -Salben sind wegen der gefäss-
lähmenden Eigenschaften dringend zu widerraten, ebenso wird
gewarnt vor Orthoform und Anästhesin.
Soda-, Pottasche- und Seifenzusätze zu Bädern und Um¬
schlägen werden ebenfalls empfohlen, ferner Fette und Schmier-
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12. Januar 1909._ MüENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT. _ 81
mittel überhaupt; „sie erhöhen die Elastizität und den Wasser¬
gehalt der Hornschicht und verhindern damit Rhagadenbildung;
sie ersetzen gleichzeitig den Verlust des fettigen Sekrets der
Talgdrüsen und Knäueldrüsen“.
Ausserordentlich heilend und schätzend hat sich bei mir
der Teer bewährt 1. als Teerseife, 2. in Verbindung mit
anderen Substanzen als Hautüberzug.
Die Teerseifenwaschungen habe ich täglich mehrmals vor¬
genommen; die nassen Hautpartien wurden mit der Seife ein¬
gerieben, teilweise durch Wasservermehrung verschäumt und
dann nur vorsichtig unter Wasser abgespült, so dass noch
reichlich Teerseifenteile auf der Haut zurückblieben, und nur
leicht abgetrocknet.
Den Hautüberzug verwandte ich nach folgender Zu¬
sammenstellung:
Hydrargyri sulfurati 1,0
Sulfuris praecipitati 10,0
Lianthral. 10,0
Ung. Casein, ad 100,0
(Dr. K u 1 i s c h - Halle a. S.) Speziell diesen Schwefel-Teer¬
überzug muss ich warm empfehlen. Er wirkt wie jeder Haut¬
überzug plus der Teerwirkung; denn Lianthral ist ein durch
Benzol gereinigtes Steinkohlenteerpräparat, das sich in fetten
Oeien, Alkohol oder Aether gut löst.
Zum Aufträgen hat sich mir bewährt ein etwa 1 cm breiter,
ziemlich harter Malpinsel. Ueber dem konsistenten Mittel
lasse ich in der Büchse stets eine minimale Schicht Wasser
stehen und entnehme nun durch Reiben mit dem Pinsel die
Schutzmasse so konzentriert, als ich will. Mitunter mache ich
den Ueberzug auf der Hautoberfläche dick und dunkelbraun,
ein andermal ganz dünn, so dass er kaum zu konstatieren ist,
je nachdem ich eben entsprechend den Keratosen, der Trocken¬
heit und den Einrissen energischer wirken will.
Dieser Teerschwefelüberzug muss auf das wärmste
empfohlen werden, sowohl seiner ausgesprochenen Heil¬
wirkung wegen, als auch wegen der ausserordentlichen Be¬
quemlichkeit des Applizierens und der Haftbarkeit auf der Haut.
Steigert sich die Brüchigkeit der Haut besonders im Be¬
reich der dorsalen Fingergelenkspartien, so ist eine gewisse
Ruhigstellung dieser Hautpartien und ev. des Gelenks not¬
wendig. Englisches Pflaster ist für das erstere oft schon ge¬
nügend, das letztere erreichte man durch zirkuläres Umlegen
von schmäleren oder breiteren Zinkpflasterstreifen. Immer
lege ich etwas Gaze oder noch besser Watte direkt auf die
gereizten Stellen. Eine gewisse Kompression ist mir dabei
auch günstig wirkend erschienen.
Von weiteren Medikamenten werden alle reduzierenden,
wie Ichthyol, gescheut, von den oxydierenden die Chlormittel;
dagegen hat sich das 30proz. Wasserstoffsuper¬
oxyd (Merck) zum Aetzen der Warzen und der Hyper-
keratosen des Nagelbetts gut bewährt. Desgleichen die Ver¬
wendung von Natronsuperoxydseife (M i e 1 c k) besonders bei
Schwielenbildung im Bad; die Haut soll dann mit dem Schaum
gerieben werden, bis Schmerzhaftigkeit eintritt. Die H e b r a -
sehe Salbe wird allseitig empfohlen.
Unter den weiteren schälenden Mitteln wird noch be¬
sonders die Salizylsäure angewandt (U n n a), in Form von
überfetteter Salizylseife bei den Bädern und als Salizyl-
Cannabis-Pflastermull gegen Warzen und Schwielen, als Arsen-
Salizylsäure-Pflastermull bei sehr harten Warzen.
Darüber habe ich keine eigenen Erfahrungen, doch möchte
ich in Uebereinstimmung mit anderen empfehlen, die warzigen,
schwieligen Verdickungen und die harten kleineren, der Haut
gleichsam eingelagerten Hyperkeratosen stets auch mechanisch
anzufassen. Es kommen in Betracht Abschabungen mit dem
Messer, mit Bimstein und mit Feile, vor allem auch der kleine
scharfe Löffel. Mit diesen lassen sich viele festumschriebene
Keratosen wiederholt herausheben, so dass sie schliesslich
verschwinden.
Zum Geschmeidighalten der Haut werden allgemein mit
Vorteil verwandt Salben mit Lanolin oder Olivenöl als Grund¬
lage mit Zusatz von Wachs.
No. I.
Adipis lanol. anhydr. 7,0
Cerae flavae 3,0 (Unna)
Sind nun die Schädigungen so weit fortgeschritten, dass
geschwürige Prozesse resultieren, so kommen neben den ge¬
schilderten schonenden therapeutischen Massnahmen noch
weitere in Betracht.
Durch Pinselung mit schwacher Jodtinktur werden even¬
tuell kleinere Ulzerationen mit geringer Heilungstendenz
schneller zur Heilung gebracht (Albers-Schönberg),
ferner durch Pinselung mit Eosinlösung (Hahn). Durch Ver¬
eisungen sind gleichfalls kleinere Ulzerationen geheilt worden
(A r n i n g).
Ferner durch die Applikation von Salizyl-Cannbis-Pflaster-
mull. Ist unter demselben eine Heilungstendenz eingetreten
mit guter Granulationsbildung, so soll die Heilung bei offener
Behandlung oder unter Zinkoxyd-Pflastermull oft überraschend
schnell von statten gehen (U n n a).
Trotzen die Ulzerationen, desgleichen Rhagaden den ge¬
nannten Massnahmen, so sind dringend energischere chirur¬
gische Massnahmen zu empfehlen. Der scharfe Löffel tritt in
sein Recht; so habe ich mir manche Warze und auch manches
Geschwür unter Vereisung ausstechen lassen und mit so¬
fortigem Verschorfen durch den Lapisstift zum Verschwinden
gebracht.
Grössere Ulzerationen werden exzidiert und durch die
Naht geschlossen, soweit das die Brüchigkeit des Gewebes
gestattet, oder durch Transplantation von Hautlappen oder nach
T h i e r s c h gedeckt. Desgleichen müssen speckige Beläge
und sonstige Zerstörungsprodukte im Bereich der Geschwüre,
die keine Tendenz zur spontanen Abstossur.g zeigen, operativ
entfernt w r erden.
Zur Ausführung operativer Massnahmen sehen wir uns
besonders deshalb in vielen Fällen gedrängt, weil die Gefahr
der Entwicklung von Kankroiden besteht. Dass aus diesem
Grunde Fingerglieder und Hände haben geopfert werden
müssen, ist bekannt.
Nur darauf möchte ich schliesslich noch hinweisen, dass
wdr in unserer Behandlung stets bei allen schwereren Schädi¬
gungen in der Nähe der Gelenke mit zu lange dauernder Ruhig¬
stellung vorsichtig sein müssen im Hinblick auf die Entstehung
von Kontrakturen, wenn solche auch nicht immer zu vermeiden
sind.
Sie sehen aus diesen Ausführungen, dass von einer eigent¬
lichen Therapie der Röntgenschädigungen keine Rede ist. Arzt
und Patient müssen sich mit einer grossen Portion Geduld
wappnen.
So komme ich nunmehr zu der forensischen Be¬
deutung. Sie alle wissen, dass eine Reihe von unbeab¬
sichtigten Röntgenschädigungen die Gerichte beschäftigt haben
und noch beschäftigen. Die Anklagen werden erhoben wegen
fahrlässiger Körperverletzung; bei eventueller Verurteilung des
Arztes werden Schadensersatzansprüche gemacht.
Ich selbst bin in 5 solchen Fällen als Gutachter tätig ge¬
wesen.
In dem ersten Fall aus dem Jahre 1898 war eine Röntgenver¬
brennung erfolgt im Anschluss an eine Röntgenaufnahme von 25 Mi¬
nuten dauernder Expositionszeit. Patient liess die Anklage erheben,
indem er ausführte: „Während ich im April und Mai 1898 in 36
Sitzungen an ebensoviel Tagen während 25—40 Minuten ohne Be¬
nachteiligung meiner Gesundheit mit Röntgenlicht bestrahlt worden
bin, hat diese eine Röntgenaufnahme am 8. Juli eine schwere Haut¬
entzündung hervorgerufen. Folglich muss bei dieser Aufnahme eine
Fahrlässigkeit vorliegen, sei diese in der Handhabung oder in dem
Zustande der Apparate zu suchen.“
Die Anklage war mit der Voruntersuchung erledigt. Da¬
mals mit Recht, denn unsere Kenntnisse über die schädigende
Wirkung waren noch minimal geklärt.
Die kritische Beurteilung dieses Falles vom geklärteren
Standpunkte trifft Holzknecht richtig mit folgenden Aus¬
führungen:
Es darf nicht befremden, dass die in Wiesbaden ausgefiihrte
therapeutische Röntgenbestrahlung trotz der 36 langdauernden
Sitzungen keine Hautreaktion zur Folge gehabt hat. So schlecht wie
die Indikationsstellung war eben auch die Bestrahlungstechnik, welche
übrigens dazumal noch weniger entwickelt war als die Aufnahms¬
technik. Es gibt Zustände der Röntgenröhren, welche verschieden
4
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82
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
wirksames Licht in so verschiedener Menge liefern, dass unter sonst
gleichen Verhältnissen die Bestrahlung mit der einen in fünf Minuten
eine nennenswerte Röntgenreaktion, mit der anderen in 100 und mehr
Stunden keine solche erzeugt. Dazwischen alle Zwischenstufen. Ohne
instrumenteile Bemessung kann deshalb nur nach der eingangs be¬
sprochenen Methode Kienböcks und seiner Nachfolger eine unge¬
fähr richtige Beurteilung dieser Zustände erzielt werden. Trotz
mangelnder äusserlicher Zeichen einer Veränderung sind nun
diese 36 Sitzungen offenbar doch nicht ohne Wirkung ge¬
blieben, und diese Veränderung ist nach Ablauf eines
Monats, also zur Zeit, als Prof. H. die diagnostische Aufnahme
machte, nicht etwa schon zurückgebildet gewesen. Vielmehr wissen
wir heute, dass bei einer Dosis, welche an der betreffenden Stelle
eben noch keine sichtbare oder eine ganz minimale, nur bei
grosser Aufmerksamkeit erkennbare Veränderung setzt, die Latenz¬
zeit der Reaktion vier Wochen und darüber erreicht, während
den durch absolute Ueberdosierung hervorgerufenen schweren Reak¬
tionen eine auf einige Tage beschränkte Latenzzeit eignet. Der bis
zur Grenze der sichtbaren Reaktion vorgereizten Haut wurde nun
bei der diagnostischen Aufnahme eine Lichtmenge appliziert, welche
zwar für eine Aufnahme ziemlich hoch, aber durchaus nicht imstande
wäre, für sich allein eine Reaktion hervorzurufen. Zur vorausgehen¬
den addiert, vermochte sie das.
Heute würde meines Erachtens einer solchen Anklage
stattgegeben werden müssen. Denn es ist sicher dem Patienten
aus Unkenntnis damals durch die mittelweichen Strahlen mit
grosser Oberflächenwirksamkeit und 25 Minuten langer Ein¬
wirkung eine um vieles zu grosse Ueberdosierung zugemutet
worden, besonders unter Berücksichtigung der zahlreichen
vorausgegangenen Bestrahlungen mit ihrer versteckten kumu¬
lativen Wirkung.
Der zweite Fall betraf ein junges Mädchen, welches durch einen
Stich mit einer Häkelnadel in den Mittelfinger der linken Hand eine
eigenartige seltene Erkrankung auf tropho-neurotischer Basis akqui¬
riert hatte; 48Tage nach der Verletzung und der inzwischen eingesetz¬
ten und fortgeschrittenen Erkrankung wurde eine Röntgendurchleuch¬
tung von Va—1 Minute Dauer vorgenommen, wobei von der Oberfläche
der Röhre ein elektrischer Funke in die Hand gesprungen sei. Als
nachträglich eine immer zunehmende Verschlimmerung des Leidens
eintrat, schoben die Angehörigen dasselbe auf diese Durchleuchtung
und den übergesprungenen Funken und es wurde Anklage gestellt
wegen fahrlässiger Körperverletzung.
ln einem ausführlichen Gutachten resümierte ich zum Schluss.
Sowohl auf Grund einer persönlichen Untersuchung als auch auf
Grund der in den Akten nicdergelegten Aufzeichnungen über die
Erkrankung ist es sicher, dass bei der Patientin sich im Anschluss
an den Nadelstich vom 7. Oktober 1903 die seltene Raynaud sehe
Erkrankung entwickelt hat. Dafür spricht vor allen Dingen das so¬
fortige Einsetzen schwererer Symptome im Anschluss an die an
sich unbedeutende Verletzung.
Die Erkrankung der Patientin kann unter keinen Umständen auf
die Röntgendurchleuchtung und das Ueberspringen eines Funkens bei
derselben zurückgeführt werden. Die Erkrankung der Patientin ist
vielmehr eine Folge des Nadelstiches auf tropho-neurotischer Basis.
In diesem an sich traurigen Falle wurde mit Recht die
Klägerin kostenpflichtig abgewiesen; sie ist dann bald ihrer
Erkrankung erlegen.
Der dritte Fall betraf eine Patientin, die wegen einer Krebs¬
erkrankung an der linken Brust häufig bestrahlt worden war; die
Krebsknoten wurden beseitigt, doch trat eine vorübergehende
schwerere Röntgendermatitis ein, deren Verheilung lange Zeit in An¬
spruch genommen hatte. Schliesslich war eine gute und vollkommene
Vernarbung eingetreten.
Patientin erhob nun Klage wegen fahrlässiger Körperverletzung,
durch die Röntgenverbrennung und die Röntgenbehandlung überhaupt
sei eine vollkommene Zerrüttung ihres Nervensystems erfolgt.
Mein Gutachten führte damals im Wesentlichen zum Schlüsse
aus:
Ich bin überzeugt, dass die schweren nervösen Symptome keines¬
wegs der Röntgenbehandlung zur Last gelegt werden dürfen, sondern
ihre absolut ausreichende Erklärung finden in dem bestehenden Krebs-
leiden. Und ich betone, dass, wie aus meinem Untersuchungsbefunde
ersichtlich ist, die Patientin tatsächlich durch die sorgsame Behandlung
der beklagten Aerzte von einer grossen Anzahl von Krebsknoten
der Haut und des Unterhautzellgewebes befreit worden ist.
Auch in diesem Falle wurde die Klägerin kostenpflichtig
abgewiesen.
In dem vierten Falle hatte ein Arzt eine Dame wegen Hyper-
trichosis am Kinn durch viele Monate behandelt 1 ). Nach mehreren
früheren, schwächeren Reaktionen trat nach der letzten Sitzungs¬
reihe eine Reaktion des ganzen Gesichtes und eine solche dritten
Grades auf der Brust ein. Als dieselbe nach 5 Monaten zwar im
Gesicht, nicht aber an der Brust geheilt war, erstattete die Patientin
*) Referiert nach Holzknecht.
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Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Körperver¬
letzung. Es lagen nun drei Gutachten vor: Vom Gerichtsarzt Dr.
S. in H., vom Medizinalkollegium in H. und von der Kgl. wissen¬
schaftlichen Medizinaldeputation in Berlin.
Das Gericht verurteilte den Arzt zu 300 M. Geldstrafe. Die
Punkte der Anklagebegründung: mangelhafte Information der Patientin
über die möglichen Folgen der Behandlung, sowie angeblich mangel¬
hafter Schutz der nicht zu bestrahlenden Körperpartien, Hess das Ge¬
richt fallen, erachtete jedoch eine fahrlässige Körperverletzung da¬
durch begründet, dass der Arzt die Bestrahlung fortsetzte, als sich
Röte schon gezeigt hatte. Das Gericht urteilte also im Sinne der
schuldbaren Ueberdosierung.
Gegen dieses Urteil wurde Revision eingelegt. Ich habe selbst
auf Grund des umfangreichen Aktenmateriales die Daten zu einem
Gutachten ausgearbeitet, und bin zu dem Schlüsse gekommen, dass
den Arzt ein Verschulden nicht treffe. Denn im Jahre 1899 waren
unsere Kenntnisse, den Schutz der gesunden Haut und die Ueber¬
dosierung betreffend, noch nicht genügend geklärt und allgemeiner
feststehend.
Zu welchem Ende dieser langwierige gerichtliche Prozess ge¬
führt hat, ist mir nicht bekannt geworden.
Der fünfte Fall betrifft einen Patienten, der an einer ganz über¬
mässigen Schweissekretion, einer Hyperidrosis der Handflächen litt.
Die Röntgentherapie hatte nach einer grossen Zahl von Sitzungen
zu ausgedehnten Ulzerationen der beiden Handflächen geführt. Der
Patient klagte wegen fahrlässiger Körperverletzung.
In meinem Gutachten kam ich zu dem Resultat, dass den Arzt ein
grobes Verschulden nicht treffe, allerdings hätte er nach dem Ein¬
setzen stärkerer entzündlicher Reizerscheinung mit der Röntgen¬
therapie aufhören sollen.
Ueber den Ausgang dieses Prozesses bin ich noch nicht orientiert.
Aus diesen mir genauer bekannten und aus den sonstigen
in der Literatur niedergelegten Fällen müssen wir unter sorg¬
samster Würdigung aller vorausgegangenen Ausführungen eine
Reihe von wichtigen Schlüssen bezüglich der
rechtlichen Seite bei Anklagen nach Röntgen¬
schädigungen ziehen:
1. Nur unter ärztlicher Verantwortung dürfen die Röntgen¬
strahlen zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken An¬
wendung finden.
2. Der Arzt, welcher mit Röntgenstrahlen arbeitet, muss
die dem heutigen Stande dieser Spezialwissenschaft ent¬
sprechenden prophylaktischen Massnahmen kennen, er muss
die Dosierungfrage genau studieren und stets die unumgänglich
notwendige Vorsicht nach allen Richtungen hin anwenden.
3. Der Arzt soll seinen Patienten darüber aufklären, dass
trotz aller Vorsicht gelegentlich Ueberdosierungen Vorkommen,
zumal wenn er eine gewisse Reaktion I. oder II. Grades ab¬
sichtlich hervorrufen und unterstützen muss.
4. Es ist notwendig, die Patienten vor der Röntgenunter¬
suchung oder Behandlung zu befragen, ob sie bereits mit
Röntgenlicht in Berührung ^gekommen sind; eventuell wann und
wie oft; ob ihre Haut an sich sehr empfindlich ist etc.
5. Da es gelegentlich dem Arzt als gravierend ausgelegt
worden ist, wenn er während der Behandlung das Röntgen¬
zimmer verlässt, so muss ausdrücklich konstatiert werden, dass
hieraus ein besonderes Verschulden nicht abgeleitet werden
darf. Unsere heutigen Apparate und Röhren arbeiten bei den
kurzen Expositionszeiten, die wir im allgemeinen auch für die
Röntgentherapie brauchen, genügend gleichmässig.
6. Bei Anklagen, die vermeintliche oder wirkliche Röntgen¬
schädigungen betreffen, ist es dringend zu befürworten, dass
zur Begutachtung Aerzte herangezogen werden, die selbst
anerkannte Röntgenfachleute sind. Jedenfalls müssen die betr.
Gutachter mit der Wirkungsweise der Röntgenstrahlen und
mit den biologischen Eigenschaften derselben aufs genaueste,
möglichst aus eigener Erfahrung vertraut sein.
7. Und zum Schluss soll noch besonders betont werden,
dass bei dem heutigen Stande der Röntgentechnik Röntgen¬
schädigungen bei Patienten zu den Seltenheiten gehören und
immer mehr gehören werden. Die Hauptleidtragenden, die
zum grossen Teil dauernd und schwer durch Röntgenstrahlen
geschädigten sind nicht die Patienten, sondern die um den Aus¬
bau der Röntgenkunde hochverdienten Ingenieure, Aerzte und
ihre Helfershelfer.
Original from
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12. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
83
Was kann der praktische Arzt zur Verbreitung des
Selbststillens tun?
Erfahrungen aus der Säuglingsberatungsstunde
vbn Dr. V i d a 1 in Darmstadt.
Freudig zu begrüssen ist es, dass in No. 47 dieser Wochenschrift
Herr Medizinalrat Dr. W a 1 c h e r einmal ganz energisch gegen das
alte Vorurteil von der Unfähigkeit der Mütter, ihre Kinder zu stillen,
zu Felde zieht.
Obwohl von kinderärztlicher Seite dieses Thema schon wieder¬
holt behandelt ist, so ist doch die Kenntnis von der wirklichen Still¬
fähigkeit unter den praktischen Aerzten noch sehr wenig verbreitet,
und fortwährend muss man von Müttern hören, dass sie ihren Säug¬
ling auf Anraten des Arztes abgestillt haben. Es dürfte deshalb nicht
überflüssig sein, die seit 3 Jahren gemachten Erfahrungen aus meiner
nach dem Vorbilde von B u d i n und Oppenheimer eingerichte¬
ten Säuglingsberatungsstunde mitzuteilen.
B u d i n hatte bekanntlich in Paris die Einrichtung getroffen, dass
alle in seiner Anstalt zur Welt gekommenen Kinder einer ständigen
wöchentlichen Kontrolle unterstellt wurden, wodurch es ihm gelang,
dem Selbststillen eine ungeahnte Verbreitung zu geben und die Sterb¬
lichkeit auf ein ganz geringes Mass zu reduzieren. Seinem Beispiele
ist in Deutschland Oppenheimer gefolgt und hat energisch der¬
artige Consultations de nourissons befürwortet. Obwohl nun in den
letzten Jahren zahlreiche Säuglingsfürsorgestellen aus dem Boden
geschossen sind, so haben doch nur wenige nach dem Vorbilde von
B u d i n in der Ueberwachung gesunder Säuglinge ihre Hauptaufgabe
gesehen.
Die meisten Säuglingsfürsorgestellen sind zu Polikliniken für
kranke, schon mehr oder weniger geschädigte Säuglinge geworden.
Und doch haben alle Aerzte, welche eine Ueberwachungsstunde im
Sinne der französischen Consultations de nourissons geleitet haben,
die Erfahrung gemacht, dass sich wirklich grosse Erfolge nur auf
diesem Wege erzielen lassen.
Es genügt keineswegs, wenn in den Entbindungsanstalten den
Frauen der Wert des Selbststillens beigebracht wird, da die guten
Ratschläge des Arztes bald paralvsiert werden durch noch bessere
von Müttern. Orossmüttern und Nachbarinnen, die ihre Kinder auch
nicht gestillt haben, aber nicht verraten, dass in der guten alten Zeit
30 Proz. ihrer Säuglinge gestorben sind. Bei manchen Frauen muss
man Woche für Woche mit unermüdlicher Qeduld die gleichen Be¬
denken entkräften. Ja, ich habe es erlebt, dass Mütter, die ein
Kind glänzend selbst gestillt hatten und sehr einsichtig schienen, beim
zweiten den Einflüsterungen der Nachbarinnen erlagen und wieder an
das Märchen von dem Nahrungsmangel glaubten.
Sehr interessant sind diese Säuglingsüberwachungsstunden da¬
durch, dass sie genaue Einblicke in die Gründe des Nichtstillens ge¬
währen. die keineswegs, wie so oft angenommen, in Vergnügungs¬
sucht. Eitelkeit und Bequemlichkeit wurzeln. Im Gegenteil muss man
unseren deutschen Müttern das ehrenvolle Zeugnis ausstellen, dass
sie meistens keinen sehnlicheren Wunsch kennen, als ihren Säugling
gedeihen zu sehen. Gerade die übergrosse Aengstlichkeit bringt
ihnen Verderben. Immer wieder und wieder hört man die Bemer¬
kung: ..Herr Doktor.-ich habe nicht genug Milch, ich muss die Flasche
zugeben, das Kind hat nicht genug, denn es schreit so viel. 4 * Vor
allen Dingen wird bei Müttern und Aerzten noch viel zu viel Gewicht
auf das Geschrei der Kinder gelegt und dieses als Zeichen des Hun¬
gers genommen, während doch oft die grössten Schreier die stärk¬
sten Gewichtszunahmen aufweisen, und das Geschrei gerade ein
Zeichen zu reichlicher Nahrungsaufnahme sein kann. Nicht genug
kann man die Mütter darauf hinweisen. dass das einzige Anregungs¬
mittel für die Milchabsonderung der Saugakt des Kindes ist, und dass
es darum nichts Gefährlicheres gibt als die anscheinend so harmlose
und einfache Beikost. Nimmt man dem Kinde durch die Beikost den
besten Hunger, so fällt auch das stärkste Anregungsmittel für die
Milchsekretion weg und die Beikost ist gewöhnlich der Anfang vom
Ende des Selbststillens.
Leider ist die Bedeutung dieses Punktes in früheren Zeiten
selbst von erfahrenen Pädiatern viel zu wenig gewürdigt, die froh
waren, durch das ..allaitement mixte 44 die ausschliessliche Kuhmilch¬
ernährung zu umgehen. Die erste Flasche sollte dagegen gefürchtet
werden wie eine Krankheit, und nur nach längerer Beobachtung und
genauer Prüfung mit der Wage dazu geraten werden.
Mir ist in drei Jahren in der Ueberwachungsstunde nur ein ein¬
ziger Fall vorgekommen, in welchem ich selbst einer Mutter er¬
klären musste, dass sie nicht genug Milch hätte und die Flasche zu¬
geben müsste, ein neuer Beweis für die auch von anderer Seite
gefundene Tatsache, dass eine Unfähigkeit, die Kinder 9 Monate zu
stillen, im Sinne Bunges gar nicht existiert. Es ist nur die Kennt¬
nis der nötigen Technik verloren gegangen. Im selben Masse wie
diese Kenntnis Hebammen und Aerzten mehr in Fleisch und Blut über¬
gehen wird, werden sich die Zustände bessern.
Allerdings ist zurzeit das einzige Mittel, den sich immer wieder¬
holenden Fehlern der Mütter entgegenzutreten, die ständige Ueber¬
wachung eines jeden Säuglings von der Geburt bis zum Ende des
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ersten Jahres, die natürlich bei dem grösseren Teil der Bevölkerung
nur eine unentgeltliche sein kann. Während unter den regelmässig
zur Kontrolle gebrachten Kindern die Sterblichkeit gleich Null war,
habe ich nur zu oft die Beobachtung machen müssen, dass gestillte
und gut gediehene Säuglinge, deren Mütter aus Gleichgültigkeit oder
noch schlimmeren Gründen der Beratungsstelle fern blieben, sehr
bald abgestillt wurden und zum Teil starben. Im Gegensätze hier¬
zu kam es häufig vor, dass Säuglinge, deren zahlreiche ältere Ge¬
schwister wegen sog. Milchmangels nicht gestillt wurden, leicht und
sicher an der Mutterbrust gediehen. Diese sind am interessantesten,
weil sie einen glänzenden Beweis liefern für die Unrichtigkeit der
Annahme einer zunehmenden Stillunfähigkeit. Ich führe nur 2 der
prägnantesten Beispiele an:
Frau G. hat 9 Kinder nicht gestillt wegen „Milchmangels“, da¬
von starben 7 an Brechdurchfall in zartem Alter. Das zehnte ge¬
deiht glänzend an der Mutterbrust, obwohl die Frau schwächlich ist
und in den ärmlichsten Verhältnissen lebt; von Nahrungsmangel kann
keine Rede sein, wie die Wage ausweist, obwohl die Mutter immer
wieder Bedenken äussert.
Frau R. hat 6 Kinder gehabt, die sämtlich 5 Monate lang gut ge¬
diehen, solange sie gestillt wurden; dann gab sie angeblich unter Zu¬
stimmung des Arztes Kraut, Kohl und Kartoffeln, worauf die Kinder
alle sehr bald starben. Das 7. Kind wird 9 Monate gestillt und ge¬
deiht prächtig.
Ausser dem „Milchmangel 4 ist der häufigste Grund für das Ab¬
stillen die Furcht, dass die Frau zu sehr ausgesogen werde. Wie
unbegründet diese, auch von Aerzten vielfach geteilte Ansicht ist, be¬
weisen 2 Fälle, in denen die Mutter unter der Geburt durch ge¬
waltige Blutverluste die höchsten Grade der Anämie erreichte; früher
sah man hierin eine strenge Indikation zum Abstillen. In den beiden
beobachteten Fällen waren nach 9 Monaten Mutter und Kind blühende
Erscheinungen geworden, ein Beweis für die auch von Walcher
aufgestellte Behauptung, dass das Stillen vielfach den Stoffwechsel
der Mutter günstig beeinflusst.
Noch einige Punkte möchte ich erwähnen, welche die natürliche
Ernährung oft beeinträchtigen.
Zunächst kann das erste Anlegen recht schwierig sein, und gar
manches Mal verliert die Hebamme viel zu früh die Geduld. Es
gelang mir kürzlich ein Kind noch mit Erfolg an die Brust zu bringen,
welches 8 Tage nicht hatte saugen wollen. Gibt man in solchen
Fällen aus Furcht vor unzureichender Ernährung die Flasche, so
gewöhnen sich die Kinder an diese bequemere Nahrungszufuhr und
saugen nachher an der Brust nicht mehr.
Vielfach wird auch von den Hebammen, wenn anfangs die Milch¬
sekretion gering ist, einfach behauptet: „Ihre Milch reicht nicht aus.
Sie müssen die Flasche zugeben. 44 Ob das richtig ist oder nicht, dar¬
über machen sie sich wenig Gedanken. Leider fehlt den Müttern
offenbar vollständig das Schätzungsvermögen für die Menge der
sezernierten Milch, denn oft erweist die Wage eine reichliche Milch¬
menge. wo die Mütter einen Mangel vermuteten.
Auch die „zu dünne“ Beschaffenheit der Milch, die von erfahrenen
Forschern gar nicht zugegeben wird, spielt leider in der Praxis noch
eine verhängnisvolle Rolle. Täglich kann man hören, dass dieser
oder jener Arzt gesagt hat: Ihre Milch ist „nichts nutz“.
Oppenheimer hat zuerst in Deutschland auf die Wichtig¬
keit der Ueberwachung gesunder Säuglinge hingewiesen und die
Aerzte aufgefordert, recht zahlreich derartige Beratungsstellen ein¬
zurichten. Leider ist nur von wenigen Kollegen bekannt geworden,
dass sie dem Rufe gefolgt wären. Und doch gibt es kaum ein Ge¬
biet ärztlicher Tätigkeit, das so lohnend wäre.
Wer in der Ueberwachungsstunde unter blühenden Säuglingen
die freudestrahlenden Gesichter der Mütter sieht, die sich schon re¬
signiert daran gewöhnt hatten, die meisten ihrer Lieblinge nur zu
gebären, um sie bald wieder zu verlieren, der wird sich entschädigt
sehen für manche Undankbarkeit im Berufe. Und nebenbei ist diese
Art der Prophylaxe einfacher und wirksamer als die kostspieligsten
Säuglingsheime und Milchküchen.
Bericht Ober die Tätigkeit der Zentrale fUr Säuglings-
. fUrsorge in München 1906/1908.
Im Aufträge des Arbeitsausschusses der Zentrale erstattet von
Dr. Alfred G r o t h.
Die Gründung der Zentrale für Säuglingsfürsorge in München
hat ihren Ausgangspunkt in einer am 18. März 1905 stattgehabten
Sitzung der Kommission für Arbeiterhygiene und Statistik der Ab¬
teilung für freie Arztwahl genommen, in welcher A. Groth (Säug¬
lingssterblichkeit und Säuglingsfürsorge, Bericht der Kommission für
Arbeiterhygiene und Statistik der Abteilung für freie Arztwahl
1904/1906) und K. Oppenheimer (Ueber Säuglingsfürsorge mit
besonderer Berücksichtigung des Krippenwesens I. c.) den Antrag:
stellten, mit sämtlichen hiesigen Vereinen, die sich Kinderschutz und
Kinderfürsorge zum Ziele gesetzt haben, in Verbindung zu treten,
um einen Zusammenschluss aller dieser Vereinigungen zum Zwecke
gemeinsamen Wirkens anzubahnen.
4 *
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
84
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
Nach mehreren kleineren Vorbesprechungen hielt ein mit der
Durchführung dieser Aufgabe betrauter Ausschuss am 11. November
1905 eine Sitzung ab, zu welcher eine Anzahl von Kinderärzten und
andere Persönlichkeiten, die sich für Säuglingsfürsorge interessierten,
geladen wurden, um unter diesen eine völlige Klarlegung der ge¬
wollten Ziele herbeizuführen. Der Vorschlag der Gründung einer
Zentrale fand hier vor allem die lebhafte Zustimmung seitens des
Vereins für Volkshygiene und der Gesellschaft für Kinderheilkunde,
so dass die Einberufung einer konstituierenden Sitzung für den 20. De¬
zember 1905 beschlossen wurde. Der Einladung leisteten eine grosse
Zahl von Münchener Vereinen Folge und nach einem von Prof. K
Se i t z erstatteten Referat über die von der Zentrale durchzuführen¬
den Massnahmen wurde die Gründung der Zentrale für Säuglings¬
fürsorge in München einstimmig beschlossen.
In den Jahren 1906 1908 hat die Zentrale für Säuglingsfürsorge
einer Reihe von Fragen ihre Aufmerksamkeit gewidmet und die¬
selben zu einer befriedigenden Lösung gebracht. Ihr beratendes und
ausführendes Organ ist ein von der Mitgliederversammlung ernannter
Arbeitsausschuss, der sich aus der Vorstandschaft und einer grösseren
Anzahl von Mitgliedern zusammensetzt.
Das Erste, womit sich die Zentrale beschäftigte, war die Er¬
richtung einer Geschäftsstelle, in welcher über alles, was mit Säug¬
lingsfürsorge in München zusammenhängt, Aufschluss erteilt werden
sollte. Diese Geschäftsstelle wurde an die der Zentrale für Kranken¬
fürsorge angegliedert, entsprach aber wie es scheint keinem sehr
dringenden Bedürfnis. Ihre Inanspruchnahme war wahrscheinlich in¬
folge der genügend grossen Anzahl sonstiger auskunftgebenden Stellen
nur eine geringe. Ihr blieb daher in erster Linie die Aufgabe, die
Vermittlung unentgeltlicher ärztlicher Behandlung und Pflege bei der
von F. Salzer eingeleiteten Bekämpfung der Augeneiterung der
Neugeborenen zu übernehmen.
In sehr erfreulicher Weise entwickelten sich die Beratungsstellen
für unbemittelte stillende Mütter. Ihre Errichtung war gerade für
München eine ausgesprochene Notwendigkeit und ihre Bedeutung für
die Wiederaufnahme der Brusternährung seitens der unbemittelten
Mütter eine so wertvolle, dass hierin wohl mit der beste Erfolg
der Tätigkeit der Zentrale gesehen werden darf. Es bestehen nun¬
mehr 20 Beratungsstellen in München, die sich teilweise eines sehr
grossen Besuches erfreuen. Im ersten Jahre ihrer Tätigkeit, vom
1. Mai 1906 bis 30. April 1907, waren 1151 Kinder den Beratungs¬
stellen zugegangen mit durchschnittlich 6.5 Konsultationen auf das
einzelne Kind. Genauere Angaben über die Ergebnisse und Erfolge
der Münchener Beratungsstellen während dieses Jahres finden sich
in einem von K. Oppenheimer veröffentlichten Berichte (Mün¬
chener medizinische Wochenschrift 1908. No. 4). In diesen Beratungs¬
stellen gelangen die vom Stadtmagistrat bewilligten Stillprämien aus
der Hirsch sehen Stiftung zur Verteilung. Im ersten Jahre wurden
758 Stillprämien im Gesamtbeträge von M. 13 860. im zweiten Jahre
767 Stillprämien mit einem Aufwand von M. 13 430 gewährt. Diese
Stillprämien waren, und das scheint das wichtigste Ergebnis zu sein,
nachweisbar tatsächlich im stände, nicht nur eine Einleitung der
Brusternährung, sondern auch deren monatelange Durchführung unter
ständiger ärztlicher Kontrolle zu ermöglichen.
Eine weitere Aufgabe, mit welcher sich der Arbeitsausschuss
im Anschluss an ein von J. Meier über die Regelung des Kost¬
kinderwesens erstattetes Referat beschäftigte, war die Koststellen¬
vermittlung. Auf Anregung der Zentrale unterziehen sich nunmehr
dank dem Entgegenkommen der Kgl. Staatsregierung und des Stadt¬
magistrates München nicht nur das Münchener städtische Arbeitsamt,
sondern die Arbeitsämter in Bayern überhaupt der Aufgabe, Kost¬
stellen unentgeltlich zu vermitteln. Es ist hier besonders dankbar zu
gedenken der verdienstvollen Mitarbeit des Herrn Inspektors Hart¬
mann, der sich um die Organisation dieses Arbeitszweiges be¬
sonders bemüht hat. Nach den Angaben, die allmonatlich über die
Tätigkeit des Arbeitsamtes in der Tagespresse gemacht werden, ist
wenigstens in München die Inanspruchnahme in dieser Richtung eine
sehr rege geworden. Für die Zukunft ist daraus zu erhoffen, nach¬
dem einmal die Koststellenvermittlung eine amtliche geworden ist,
dass auch die dringend notwendige ärztliche Beaufsichtigung amt-
licherseits eine bessere wird.
Ein besonderer Fortschritt konnte darin gefunden werden, dass
der Stadtmagistrat dem Arbeitsausschuss das ehrende Anerbieten
gemacht hat, ihn in allen die Säuglingsfürsorge betreffenden, gemeind¬
lichen Fragen als begutachtendes Organ zu hören. Als solches hat
der Arbeiterausschuss zunächst Stellung genommen gelegentlich einer
an den Stadtmagistrat gerichteten Anfrage der Kgl. Kreisregierung
von Oberbayern, in welcher Weise die auf Oberbayern entfallende
Summe von 2000 M. aus der Stiftung Sr. Kgl. Hoheit des Prinz¬
regenten Verwendung finden soll. Es wurde dem Stadtmagistrat der
Vorschlag gemacht, in seiner Antwort sich dahin zu äussern. dass
der Betrag am besten auf eine gründliche und ausgiebige Agitation für
rationelle Säuglingsernährimg und -pflege auf dem Lande, u. zw. durch
Schaffung einer kleinen Wanderausstellung und durch Abhaltung von
Wandervorträgen, verwendet würde. Leider hat dieser Vorschlag
nur zum Teil den gewünschten Erfolg gehabt.
Weiterhin hatte sich der Arbeitsausschuss mit der Verteilung des
gemeindlichen Zuschusses zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit
Digitized by Google
zu beschäftigen. Er hat beschlossen, den Stadtmagistrat zu ersuchen,
die ganze Summe von jährlich M. 5000 den hiesigen 5 Milchküchen,
und zwar auf 4 Jahre, zu überlassen. Ausschlaggebend war biefür
die finanzielle Notlage fast sämtlicher Milchküchen Münchens und
die unter den heutigen Verhältnissen nicht zu bestreitende Notwendig¬
keit einer gedeihlichen Wirksamkeit derselben. Ein Referat von
O. R e i n a c h über die Reform der Säuglingsmilchküchen hatte neben
einigen für die Leiter derartiger Anstalten gültigen Grundsätze vor
allem die Notwendigkeit einer sicheren, finanziellen Grundlage be¬
tont, wie sie nunmehr durch die gemeindliche Beihilfe einigermassen
gewährleistet ist. Es verdient hier besonders hervorgehoben zu
werden, dass gerade die mit Säuglingsmilchküchen verbundenen Be¬
ratungsstellen die längste Stilldauer ihrer natürlich genährten Kinder
aufweisen können. An dieser Stelle darf nicht unterlassen werden,
das äusserst wertvolle, von den städtischen Behörden stets bewiesene
Wohlwollen und Eingehen auf die Wünsche der Zentrale, namentlich
seitens der Vertreter der Stadt, Rechtsrat G. W ö 1 z 1, M. d. R. t und
Rechtsrat G. Hörburger, ganz besonders zu betonen.
Der wichtigste und in seinen Folgen anscheinend segenreichste
Schritt, den der Arbeitsausschuss der Zentrale getan hat, war die
Abfassung einer eingehenden und wohlbegründeten Eingabe an die
hohen Häuser des Landtages um staatliche Abhilfe gegen die Säug¬
lingssterblichkeit in Bayern. Die Vorgänge, die sich bei und nach
der Beratung des Antrages Grandinger in der Kammer der Abge¬
ordneten abspielten, sind bekannt, und es genügt daher die Konsta¬
tierung, dass die zur staatlichen Abhilfe gegen die Säuglingssterb¬
lichkeit in Bayern bestimmten M. 50 000 gelegentlich der Besprechung
der Eingabe der Zentrale vom Landtage genehmigt wurden. Hervor¬
zuheben ist dann weiterhin, dass das Kgl. Staatsministerium des
Innern die Uebersendung der Eingabe neben anderem damit beant¬
wortete, das es bei der im vorigen Jahre eingeleiteten staatlichen
Förderung der Säuglingsfürsorge auch die hierfür von der Zentrale
aufgestellten Grundsätze würdigen werde. Ausserdem hat das Kgl.
Staatsministerium des Innern eine von der Zentrale eingerichte Bitte
dahin verbeschieden, das es im Bedarfsfälle den Arbeitsausschuss als
beratendes Organ in Fragen der staatlichen Säuglingsfürsorge bei¬
ziehen und zu den Sitzungen desselben einen Vertreter abordnen
werde. Auf Grund dieser Zusage wurde am 19. Dezember 1908 die
Umwandlung der Zentrale in eine über das ganze Königreich sich er¬
streckende Organisation als eingetragener Verein beschlossen.
Während des Bestehens der Zentrale wurden auch des öfteren
grössere und kleinere Notizen in der Tagespresse gebracht, um so
für ihre Ziele Verständnis zu erwecken und auch durch meist kurze
und leicht verständliche Anweisungen über Milchbehandlung während
der Sommermonate in den Münchener Tagesblättern Belehrung und
Aufklärung zu verbreiten.
Das Letzte, was die Zentrale geleistet hat, ist die Beschickung
der Ausstellung über Ernährungswesen im Arbeitermuseum in Mün¬
chen. Es wurden dort in erster Linie die grossen Vorteile der natür¬
lichen und die mitunter erwachsenden grossen Schwierigkeiten einer
rationellen künstlichen Ernährung sowie die schädlichen Folgen einer
irrationellen künstlichen Ernährung in möglichst einfacher Weise
durch Ausstellung von Photographien, Präparaten, graphischen Dar¬
stellungen und sonstigen Gegenständen zu erläutern gesucht.
Vorschläge von O. Rommel zur Reform des Ammenwesens,
welche eine gleichmässige Berücksichtigung der Interessen sowohl
der Ammen und Ammenkinder wie auch der vermittelnden Anstalten
und der Ammensuchenden bezwecken, stehen noch zur Beratung.
Bacheranzeigen und Referate.
L. Szymonowicz: Lehrbuch der Histologie und der
mikroskopischen Anatomie, mit besonderer Berücksichtigung
des menschlichen Körpers einschliesslich der mikroskopischen
Technik. 2. Auflage, unter Mitarbeit von R. Krause. Würz¬
burg. Kurt K a b i t z s c h (A. S t u b e r), 1909. 519 S. 201 Illu¬
strationen im Text und 125 auf Tafeln. Preis 15 M., geb.
17 M.
Die zweite Auflage des Lehrbuches von Szymonovicz
erscheint unter der Mitarbeit von K. Krause nicht un¬
wesentlich vermehrt. Der Umfang des Buches ist immerhin
ein bedenklich grosser geworden; handlicher wird es auf diese
Weise nicht. Es scheint aber dem Ref. auch ganz überflüssig,
die Dicke eines solchen Lehrbuches dadurch zu vergrössern,
dass Teile der deskriptiven Anatomie (Nerven- und Blut¬
gefässversorgung der einzelnen Organe) mit aufgenommen
worden sind. Im übrigen ist die textliche Darstellung eine
durchaus zweck entsprechende, die Ausdrucksweise klar und
leicht verständlich. Ausser vielen in den Text gedruckten Ab¬
bildungen sind mehrere neue Tafeln in Lithographie hinzu¬
gekommen, die — wie die früheren — sehr lobenswert sind.
Letzteres kann nicht von allen Abbildungen des Buches be-
■ hauptet werden, auch nicht von manchen der im Autotypie-
Qriginal from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
12. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
85
verfahren hergestellten Tafeln (z. B. XXXII). Verhältnismässig
wenige Abbildungen stellen menschliche Präparate dar, die
meisten sind der tierischen Histologie entnommen.
S o b o 11 a - Wiirzburg.
Prof. Dr. med. Georg Köster: Fettresorption im Darme
und Gallenabsonderung nach Fettdarreichung. Leipzig, Verlag
von Dr. Werner Klinkhardt, 1908. 98 Seiten mit 6 Tafeln.
Die Art der Fettresorption im Darme und der Mechanismus
der Gallenabsonderung sind noch keineswegs genügend ge¬
klärt. Die Koste rsehen Untersuchungen bedeuten einen
wesentlichen Schritt vorwärts und sind nicht bloss theoretisch
interessant, sondern auch praktisch wichtig. Zum Nachweis
des Fettes in den Darmwänden bediente sich Köster bei
den verschiedenen Versuchen der histologischen Methode.
Man kann mit dieser zwar die Menge des resorbierten Fettes
nur sehr ungenau schätzen, ist aber in der Lage, noch Spuren
von Fett nachzuweisen, die sich einer chemischen Analyse
völlig entziehen. Die Versuche mit Oeleinläufen ergaben, dass
das Oel nach 7—8 Stunden bis zur B a u h i n sehen Klappe vor¬
gedrungen war, höher aber niemals. Nur grosse Flüssigkeits-
klystiere unter hohem Druck können die Ileozökalklappe über¬
winden. Der Dickdarm des Hundes und der Katze besitzt eine
ganz überraschende Fähigkeit Fett zu resorbieren. Schon der
Mastdarm unmittelbar über dem After nimmt in ausgezeichneter
Weise Oel auf. Eine Vermehrung der Gallensekretion tritt
nach Oeleinläufen nicht auf, das Oel ist kein Cholagogum; doch
macht sich insofern eine Wirkung bemerklich, als nach Oel-
klystieren sehr rasch eine Entleerung der Gallenblase eintritt.
Brachte Köster in abgebundene Darmschlingen Fett, Seifen¬
lösungen, ölsaures Natron (Eunatrol), so konnte er prinzipielle
Unterschiede in der Resorption an den histologischen Bildern
nicht feststellen, was dafür spricht, dass die Fette vor der Re¬
sorption gespalten, in löslicher Form aufgenommen und in der
Darmschleimhaut in Neutralfett zurückverwandelt worden.
Am raschesten wird Neutralfett resorbiert, weniger rasch
Eunatrol, am langsamsten Seife.
Die Resorptionsverhältnisse im Dickdarm sind ganz ähn¬
liche, eine Fettresorption im Magen kann nicht festgestellt
werden. Das Sekret der Bauchspeicheldrüse ist, wie Exstir¬
pationsverhältnisse ergaben, zur Fettresorption unbedingt nötig,
nicht aber die Galle. In praktischer Hinsicht ergibt sich aus
Kösters Versuchen, dass die Oelkur bei Gallensteinkranken
berechtigt ist, da das Oel die Entleerung der Gallenblase an¬
regt, dass das Oel zweckmässigerweise rektal einverleibt wird,
Mengen von 40—45 g öfters, dass das Eunatrol keinen Vorzug
vor einer einfachen Oelemulsion hat. Man nimmt am besten
Olivenöl und physiologische Kochsalzlösung mit 1 proz. Soda¬
zusatz zu gleichen Teilen. Da das Oel vom Dickdarm so gut
resorbiert wird, empfiehlt es sich auch als Zusatz zu Nähr-
klystieren. Die Fettaufnahme kann durch Beigabe von 0,3 bis
0,5 Pankreon Rhenania noch vergrössert werden.
Kerschensteine r.
J. Veit: Handbuch der Gynäkologie. 2. Aufl. Wies¬
baden 1908. J. F. B e r g m a n n. 3. Bd., 2. Hälfte und 4. Bd.,
1. Hälfte. 400 und 549 Seiten. Preis 10.80 M. und 16.60 M.
Das gross angelegte Werk geht nunmehr auch in der neuen
Auflage seinem Ende entgegen. Die vorliegende 2. Hälfte des
3. Bandes schliesst diesen ab und enthält ausschliesslich die
Besprechung des Uteruskarzinoms nebst dem in gewissem
Sinne hierher gehörigen malignen Chorionepitheliom, in deren
Bearbeitung sich 5 Autoren geteilt haben. Winter, Sar-
w e y und Veit haben wieder, wie früher, die Anatomie des
Carcinoma uteri, Uteruskarzinom und Schwangerschaft, und
das maligne Chorionepitheliom behandelt. An Stelle From¬
meis hat K o b 1 a n c k die Aetiologie, Symptomatologie, Dia¬
gnostik und Radikalbehandlung des Gebärmutterkrebses, ferner
F. Fromme an Stelle Gessnersdie palliative Behandlung
des inoperablen Karzinoms bearbeitet. Dieser Band stellt somit
eine Monographie über den Uteruskrebs dar, die den jetzigen
Standpunkt der Gynäkologie gegenüber diesem Leiden in er¬
schöpfender Weise behandelt. Der umfangreichste und auch
inhaltlich wertvollste Teil dieses Bandes ist der von Kob-
Digitized by Google
1 a n c k bearbeitete Abschnitt, der zwar der Disposition
der F r o m rp e 1 sehen Arbeit in der 1. Auflage gefolgt ist, aber
im übrigen ein völlig selbständiges Werk ist und worin auch die
Literatur der letzten 10 Jahre in vollstem Masse berücksichtigt
wird. Veits Auffassung des Chorionepithelioms hat sich seit
seiner früheren Arbeit vollständig zu gunsten der Marchand-
schen Anschauung geändert. Er hat daher auch dem betr. Ab¬
schnitt den jetzigen Namen, statt des früheren „Deciduoma
malignum“ gegeben. Die Bearbeitung dieses Abschnittes ist in
entsprechendem Sinne wesentlich geändert worden.
Die erste Hälfte des 4. Bandes enthält die Erkrankungen
des Eierstockes und des Nebeneierstockes, die wieder von
Pfannenstiel, aber unter Mitwirkung von Kroemer.
bearbeitet sind Letzterer hat die Kapitel Anatomie und Histo¬
logie der ovulogenen Neubildungen, die stromatogenen Neu¬
bildungen und die Kombinationsgeschwülste übernommen. Der
Band ist nicht nur doppelt so umfangreich, wie der ent¬
sprechende Abschnitt der 1. Auflage, sondern hat auch eine
sehr wertvolle Bereicherung der Abbildungen erfahren. Die Ab¬
bildungen im Text sind um über 100 neue vermehrt worden, und
an Stelle der einen Tafel in der 1. Auflage sind jetzt 10 Tafeln
beigefügt. Letztere, durchweg in den natürlichen Farben aus-
geführt, sind von hervorragender Schönheit und entsprechen
allen Anforderungen, die wir jetzt an die Wiedergabe mikro¬
skopischer Bilder zu stellen gewöhnt sind. Aber auch inhalt¬
lich darf dieser Band als ein völlig neues Werk bezeichnet
werden, das überall auf der Höhe der Zeit steht und für jeden
Gynäkologen ein unentbehrliches Hilfsmittel für sein Studium
und seine Praxis darstellt. J aff e-Hamburg.
Otto Grosser- Wien: Vergleichende Anatomie und
Entwicklungsgeschichte der Eihäute und der Plazenta mit be¬
sonderer Berücksichtigung des Menschen. Lehrbuch für
Studierende und Aerzte. Verlag von Wilhelm Braumüller,
Wien und Leipzig, 1909. Preis 10 Mk. Mit 210 Abbildungen im
Text und 48 Abbildungen auf 6 chromolithographierten Tafeln.
314 Seiten.
Der Verf. hat sich der Mühe unterzogen, eine zusammen¬
hängende Darstellung der Entwicklung der Eihäute und
Plazenta speziell für den Menschen zu geben. Nicht zu um¬
gehen war hierbei ein Zurückgreifen auf die bezüglichen Ent¬
wicklungsvorgänge beim Tiere. Sowohl der Anatom wie der
Gynäkologe und jeder Forscher, der über das zur Zeit viel
betretene Gebiet der Plazenta arbeiten will, wird das Buch als
eine willkommene Erscheinung begrüssen, da er hier das sonst
recht verstreute Material zusammengefasst findet. Die Dar¬
stellung sowie die Ausstattung des Buches muss eine vorzüg¬
liche genannt werden, die hervorragenden Abbildungen von der
Hand des bekannten Wiener Künstlers B. K e i 1 i t z unter¬
stützen das Verständnis in ausgezeichneter Weise.
A. Rieländer -Marburg.
E. D. Schumacher -Zürich: Unfälle durch elektrische
Starkströme. Wiesbaden 1908, Bergmanns Verlag. Preis
geh. 2 M.
In dieser 83 Seiten umfassenden Monographie wird alles,
was bis jetzt über den Einfluss starker elektrischer Ströme auf
den animalischen Organismus bekannt ist, zusammengcstellt
und vom praktischen Gesichtspunkt aus betrachtet. Die mög¬
lichen Entstehungsarten des „elektrischen Unfalls“ werden
systematisch erörtert und durch Fälle belegt, welche der Autor
aus Schweizer Krankenhäusern und aus der Literatur sam¬
melte. Die Erfahrungen grosser Elektrizitätsunternehmungen
und Unfallversicherungsgesellschaften wurden mit verwertet,
Gerichtsakten dienten zur Unterlage für die Behandlung der
forensisch-medizinischen Fragen. Den Ergebnissen der ex¬
perimentellen Forschung stellt der Autor die klinischen Er¬
fahrungen und pathologisch-anatomischen Befunde gegenüber,
behandelt auch die Gesichtspunkte, die sich aus allem für die
Hilfeleistung bei elektrischen Unfällen ergeben. Demjenigen,
welcher einen einschlägigen Fall nach den verschiedensten
Richtungen klären und studieren will, wird das Buch ein will¬
kommener Führer sein. R. G r a s h e y- München.
• Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
86
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
Hägers Handbuch der pharmazeutischen Praxis. Er¬
gänzungsband, bearbeitet von W. Lenz und G. Arends.
Verlag von Jul. Springer, Berlin 1908. 820 Seiten. Preis
15 Mark.
Der „alte Hager“ hat wieder einmal eine Auferstehung
gefeiert. Das Werk, welches im Jahre 1878 zum ersten Male
erschien, wurde nach Hägers Tod von den bewährten
Meistern der Pharmazie, Fischer und H a r t w i c h, neu
bearbeitet. Seit der Zeit sind 8 Jahre verflossen, un-d es war
wohl notwendig, dass die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser
Zeit in einem Ergänzungsband nachgetragen wurden. Da nicht
nur die rein pharmazeutischen, sondern auch solche Fragen
Beantwortung fanden, die den Arzt angehen, z. B. neuere
Arznei und diätetische Mittel, pharmakognostische, medi¬
zinische, chemische, physiologische und biologische Unter¬
suchungen, so wird der Ergänzungsband auch in der medi¬
zinischen Welt manchen Freund finden.
Dr. M. W i n c k e 1.
Meine Erlebnisse im russisch-japanischen Krieg von W.
Weressajew. Stuttgart, Verlag von Robert Lutz, 1909.
4. Auflage. Uebersetzt von L. Meerowitsch und Dr. J.
B ü r 1 i. 393 Seiten.
Man kann wohl sagen, dass kein Land der Erde so viel
Talente, ja Genies besitzt, um seine eigenen Leiden zu be¬
schreiben, als das heilige Russland. Unter die Männer, welche
in diese Reihe treten, muss künftig jedenfalls auch Weres¬
sajew gezählt werden. Während sein erstes sehr bekannt
gewordenes Buch „Bekenntnisse eines Arztes“ gerade dem
Arzte selbst durchaus nicht überall volle Sympathien abnötigen
konnte, wird nach der Lektüre des vorliegenden Werkes ge¬
rade auch der ärztliche Leser dem russischen Kollegen mit
umso grösserer Aufrichtigkeit das Zeugnis geben, dass er sich
anschickt, unter die wirklich bedeutenden russischen Schrift¬
steller gezählt zu werden. Es ist bei Weressajew längst
nicht mehr die offenbar in der russischen Natur steckende
Fähigkeit, die vielen traurigen Zustände seines Vaterlandes mit
beinahe instinktiver Schärfe zu erfassen und mit grosser
Geschicklichkeit zu beschreiben. Nein, hier ist mehr; denn die
Schilderungen aus den Kriegserlebnissen des Verfassers können
sich in manchen Stücken der Meisterschaft von Zola an die
Seite steilen, so getreulich geben sie Erlebnisse, Stimmungen,
Ereignisse der einfachsten Art bis zu den erschütterndsten
Kriegsgeschehnissen wieder. Was Weressajew speziell
über die Organisation des russischen Feldsanitätswesens, das
offenbar von einem geradezu gigantischen Bureaukratismus
beherrscht wird, aus seinen Erlebnissen zu erzählen hat, ist im
höchsten Grade besonders für den ärztlichen Leser packend.
Unmögüch können alle die Hindernisse, welche einer wirklich
hilfreichen Betätigung des Kriegssanitätswesens in diesem ver¬
hängnisvollen Kriege im Wege standen, die unglaublichen
Missgriffe einer Verwaltung, die Verwirrung der Führung, die
Einflüsse des Maitressentums etc. aber auch die Aeusserungen
der russischen Volksseele besonders in dem Debacle am
Schlüsse des Krieges mit grösserer Anschaulichkeit und ern¬
sterer Eindrucksfähigkeit geschildert werden, als dies von
Weressajew geschehen ist.
Grassmann - München.
Neueste Journalliteratur.
Zeitschrift für klinische Medizin. 66. Band. 5. u. 6. Heft.
20) Goldscheider: Zur Lehre vom Muskelsinn.
Die Lehre des Verfassers, dass die Empfindung passiver Be¬
wegungen durch die Gelenksensibilität vermittelt werde, wurde von
Reichhardt auf Grund von Versuchen, die mit dem Riege r-
schen Apparat angestellt waren, bestritten. Da jedoch bei der
Riege rsehen Versuchsanordnung die Fehlerquellen viel grösser
sind als bei der seinerzeit vom Verfasser angewendeten, so beweisen
die Resultate Reichhardts nichts gegen die Lehre des Verfassers;
sie sind vielmehr durch die Empfindungen der bei dem R i e g e r sehen
Apparat nötigen aktiven Haltung des Gliedes und die ebenfalls in der
unvollkommenen Versuchsanordnung begründeten störenden Neben¬
empfindungen und Nachwirkungen zu erklären. Einen weiteren Be¬
weis für die Richtigkeit seiner Lehre ergaben dem Verfasser zwei
Versuche mit Kokainanästhesie am Zeigefinger nach der Oberst¬
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sehen Methode; am Zeigefinger wurden die Bewegungen und
Streckungen des Nagelgliedes gegen das mittlere Glied immer
schwieriger erkannt, bei völliger Anästhesie Exkursionen bis zu 25°
und darüber nicht mehr empfunden, während die für diese Be¬
wegungen in Betracht kommende Muskulatur völlig normal war, da
die Kokainwirkung streng auf den Zeigefinger lokalisiert war.
21) S. Bernstein, C. Bol aff io und v. Westen rijk:
Ueber die Gesetze der Zuckerausscheidung beim Diabetes mellitus.
IX. Mitteilung. (Aus der I. med. Klinik in Wien.)
Die Verfasser stellten an einem 33 jährigen Diabetiker der
schwersten Form eine über 8 Wochen sich erstreckende fortlaufende
Stoffwechseluntersuchung an, welche in Perioden mit sehr variierter
Zufuhr von Eiweiss, Fett und Kohlehydraten zerfiel. Der Patient be¬
fand sich immer hart an der Grenze des Komas und reagierte auf
jede Kohlehydratbeschränkung mit Benommenheit, Müdigkeit und
Schlafsucht; der höchste Wert von Azeton im Tage wurde zu
15 g, von Oxybuttersäure zu 60 g gefunden. Haferkur hatte
das erste Mal eine günstige Wirkung auf die Ketonurie. Der Fall
zeigte alle die Erscheinungen, welche in den früheren Mitteilungen
als vereinzelt bei den verschiedenen Fällen vorkommend geschildert
wurden, vereinigt; es fand sich nämlich Ueberwiegen der Eiweiss¬
empfindlichkeit über die Kohlehydratempfindlichkeit, Steigerung der
Zuckerausscheidung und des Quotienten D : N durch Zufuhr von Fett
im Hunger, die Erzielung enormer Quotienten D : N durch exor¬
bitante Fettzufuhr (10,7). Der Quotient D :N war in einer 37 tägigen
Periode so hoch, dass er sich nicht mehr aus dem Eiweissumsatz er¬
klären Hess. Bei verhältnismässig niederer Eiweisszufuhr und nied¬
rigem Kalorienumsatz trat enorme N-Retention auf, N-Gleichgewicht
war bei niedriger Eiweisszufuhr, niedrigem Kalorienumsatz und gleich¬
zeitig hohem Quotienten D * N zu beobachten, ferner niedrige Hunger¬
eiweisszersetzung trotz hohem Quotienten D : N, schlechte Ver¬
wertung der Lävulose trotz guter Assimilation.
22) W. F a 11 a: Ueber die Gesetze der Zuckerausscheidung beim
Diabetes mellitus. X. Mitteilung. (Aus der I. med. Klinik in Wien.)
Der Verfasser rekapituliert die Ergebnisse der in den früheren
Mitteilungen veröffentlichten Untersuchungen und formuliert dann
folgende Gesetze: 1. Es besteht eine Proportionalität zwischen
Zuckerwert der Nahrung und Zuckerausscheidung, vorausgesetzt,
dass die Aenderungen im Zuckerwert der Nahrung nicht zu gross
sind. 2. Diese Proportionalität wird gestört und damit das Aus¬
nützungsvermögen geändert, wenn der Zuckerwert der Nahrung für
längere Zeit stark erhöht oder vermindert wird. Die Annahme einer
Zuckerbildung aus Fett ist nicht zu umgehen. Der experimentelle
Diabetes nach Pankreasexstirpation beim Hund unterscheidet sich in
wesentlichen Punkten vom genuinen menschlichen Diabetes: bei der
Unzulänglichkeit des pathologisch-anatomischen Befundes ist dem¬
nach eine Erkrankung des Pankreas oder auch nur eine funktionelle
Störung desselben nicht als die alleinige Ursache der genuinen
diabetischen Stoffwechselstörung zu betrachten. Zwischen dem Pan¬
kreas, das von autonomen Nerven beherrscht wird einerseits, und
den vom sympathischen Nervensystem beherrschten Nebennieren
(chromaffines System) und Schilddrüse andererseits, auf welche auch
von gewissen Zentren des Hirnstammes Erregungen übertragen
werden, besteht ein Antagonismus, eine gegenseitige Hemmung. Die
Reizung des sympathischen Nervensystems in den genannten Drüsen
führt zu einer Mobilisierung der Kohlehydrate, während die Reizung
der autonomen Nerven des Pankreas die für die Kohlehydratver¬
brennung nötige innere Sekretion des Pankreas erregt. Bei den
Glvkosurien werden zu grosse Mengen von Kohlehydraten mobilisiert,
beim genuinen Diabetes lässt die kompensatorische Steigerung der
inneren Sekretion des Pankreas nach und macht einer Verminderung
der inneren Sekretion Platz; es überwiegen dann die sympathischen
Impulse über die autonomen. Während bei dem experimentellen
Pankreasdiabetes die Steigerung der Kohlehydratmobilisierung passiv
ist. ist sie beim menschlichen Diabetes aktiv und steht bei den
schwersten Fällen ganz im Vordergrund, während die innere Sekretion
des Pankreas nie völlig ausgeschaltet ist. da immer noch erhebliche
Mengen von Zucker verbrennen: das Pankreas zeigt auch in den
schwersten Fällen noch seinen regulatorischen Einfluss auf den Ei¬
weiss- und Fettumsatz. Mit dieser Anschauung über das Wesen des
menschlichen Diabetes ist auch eine Brücke zwischen den bekannten
Minkowski sehen und den Pflüger sehen Anschauungen ge¬
wonnen.
23) De Vries Reil in gh: Ueber den Einfluss der Frenke I-
schen Uebungstherapie auf die Leitungsgeschwindigkelt Im peri¬
pheren zentripetalen Neuron bei Tabes dorsalis. (Aus der med.
Klinik zu Gi öningen [Abteilung für physikalische Therapie.!)
Der Verfasser kommt bei seinen Untersuchungen an einen
Tabiker, bei welchem durch die Frenke Ische Uebungstherapie
wesentliche Besserung erzielt wurde, zu folgenden Schlüssen. Die
Störung der Leitungsgeschwindigkeit betrifft das periphere zentripetale
Neuron; die verschiedenen Empfindungsqualitäten haben verschiedene
periphere zentripetale Bahnen. Uebung kann die verzögerte Leitungs¬
geschwindigkeit bei Tabes dorsalis wieder vergrössern. Die Uebung
betrifft das periphere Neuron. Das Gefühl für die Lage und die Be¬
wegungen der Beine, die Kontrolle der Bewegungen wird durch
Uebung gebessert.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
12 . Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
87
„ 2*). Bence: Oie Verteilung des Stickstoffes im hyper¬
trophischen Herzmuskel. (Aus dem diagnostischen Institut der
Universität in Pest.)
Der Verfasser suchte die Frage, ob die Veränderungen im Herz¬
muskel bei verschiedenen Herzerkrankungen mit den pathologischen
Druck Verhältnissen im Zusammenhang stehen und deshalb gleich-
rnässig verteilt sind oder ob sie sich unabhängig von den mechanischen
Verhältnissen entwickeln und dann ungleichmässig verteilt auftreten,
durch getrennte Stickstoffbestimmung der Muskulatur des linken
Ventrikels, des Septums und des rechten Ventrikels zu entscheiden.
Die Versuche ergaben, dass in den funktionell zusammengehörigen
Teilen des Herzens die gleichmässige Verteilung des Stickstoff-
gehaites auch während der Entstehung der Hypertrophie unverändert
bleibt. Diese Verteilung bleibt auch nach Erschöpfung des Herz¬
muskels also nach den mit Erlahmung verbundenen Gewebsver¬
änderungen ungestört. Also wird die Herzhypertrophie und die
darauffolgende Erlahmung durch die Veränderung der mechanischen
Verhältnisse verursacht. Die Erschöpfung des Herzmuskels ist von
einer Abnahme des perzentuellen Stickstoffgehaites begleitet. Dio
isolierte Hypertrophie beider Herzhälften ist ein Beweis für ihre funk¬
tionelle Selbständigkeit. Die 2 Kammern beteiligen ich im Verhält¬
nis ihrer Teile an der Bildung des Septums.
25) W. Obrastzow-Kiew: Ueber die Perisigmoiditiden und
die Beckenformen der Appendizitis. (Zu einem kurzen Referat nicht
geeignet.)
26) N. van Westenrijk: Ueber die Beziehungen der Ton¬
methode der Bestimmung des Maximal- und Minimalblutdrucks zu
den übrigen Methoden und über die Bedeutung dieser Grössen. (Aus
der Klinik Janowskis an der militär-medizinischen Akademie in
Petersburg.) Zu einem kurzen Referate nicht geeignet.
27) ) A. Magnus Levy -Berlin: Ueber europäische Chylurie.
Bei einem 51 jähr. Manne bestanden seit 6 Jahren Beschwerden
beim Urinieren mit milchig trüber Beschaffenheit des Nachturins,
zeitweisem Abgang von Gerinnseln durch die Harnröhre und ein leichter
Diabetes. Die Glykosurie verschwand sofort bei Entziehung der
Kohlehydrate, gegen welche die Toleranz alsbald sehr beträchtlich
anstieg. Der Harn zeigte häufig Gerinnsel, manche Portionen er¬
starrten völlig zu einer Gallerte. Das Mikroskop zeigte im milchig
getrübten Harn nur Fettstaub, keine Fettkügelchen, und Lymph-
kürperchen, keine Zylinder, keine sonstigen organisierten Elemente,
keine Parasiteneier, keine Embryonen. Das Aetherextrakt des Harns
enthielt neben Neutralfett kleine Mengen Seifen; Cholestearin und
Lezithin wurden nachgewiesen, das Blut war normal. Nur der Harn,
der nach dem Liegen entleert wurde, also gewöhnlich der Nachtharn,
war chylös. Liegen am Tage und Schlafen in sitzender Stellung
kehrte das Verhalten um. Der Fettgehalt war von der Nahrung ab¬
hängig. Der • Eiweissgehalt, Fibrinogen, Globulin und Albumin blieb
auch nach völliger Entziehung des Fetts aus der Nahrung. Leuzin
und Tyrosin waren nicht nachweisbar. Die Zystoskopie zeigte, dass
nur aus dem rechten Ureter chylöser Harn entleert wurde. Die
Analyse des durch den Luyssehen Separator getrennt aufge¬
fangenen Harnes ergab im Harn der rechten Seite 0,358 Proz. Ei-
weiss N, 0,27 Proz. Nichteiweiss N; 0,84 Proz. NaCl; im Harn der linken
Seite, 0,77 Proz. Nichteiweiss N und MO Proz. NaCl. Daraus er¬
gibt sich, dass das Sekret der rechten Seite aus 35 Proz. Harn und
65 Proz. Chylus bestand; ferner, dass der Chylus 0,6 Proz. NaCl,
3,45 Proz. Eiweiss und 2,8 Proz. Fett enthielt, während nach Munk
und Rosenstein Chylus überhaupt 0,58—0,60 Proz. NaCl und
3—^3,5 Proz. Eiweiss enthält. Die Streitfrage, ob die Chylurie durch
eine abnorme Kommunikation zwischen Lymph- und Harnwegen oder
durch Sekretion aus dem Blut zustande kommt, ist für den vor¬
liegenden Fall jedenfalls nach der ersten Richtung zu beantworten,
da nur die eine Niere den chylösen Hamausschied und nur bei liegen¬
der Körperhaltung —. Aber auch für die übrigen Fälle von
Chylurie ist das Zustandekommen durch direkten Chyluszufluss in die
Harnwege zu erklären. Denn das angebliche Fehlen von Stoffen, die
im Chylus Vorkommen, hat sich bei genaueren neueren Unter¬
suchungen nicht bestätigt. Lymphkörperchen, Chotestearin und
Lezithin sind gefunden worden, die Traubenzuckermenge des Chylus
ist an und für sich so gering 0,1—0,4 Proz., so dass sie dem Nach¬
weis im Harn sich leicht entziehen kann. Gerinnselbildung ist auch
beim Chylus selbst nicht immer zu beobachten. Die Klappen der
Chylus- und Lymphgefässe können ebenso gut inffizient werden
wie Venenklappen. Die Sektion hat bei einzelnen Fällen sehr stark
erweiterte Chylusgefässe ergeben. Die Beimengung erfolgt wahr¬
scheinlich im Nierenbecken. Die Chylurie kann dauernd oder vor¬
übergehend verschwinden durch Ausbildung von Kollateraien und
etwaige nachfolgende Verlegung derselben. Für den Wechsel mit
der Körperlage sind die Verhältnisse des hydrostatischen Druckes
massgebend. Die Beschaffenheit des chylösen Harns wird voll¬
ständig durch die Beimengung von Chylus erklärt. Die Menge des
beigemischten Chylus berechnet sich aus der Eiweissmenge zu 100
bis 333 ccm Chylus, bei einigen Fällen bis zu 800—1000 ccm
entspricht also völlig den zu erwartenden Zahlen; der Fett¬
gehalt des chylösen Harnes wechselt danach, ob mehr Chylus
oder mehr Lymphe dem Harn beigemischt wird. Die Aetiologie der
europäischen Chylurie ist völlig dunkel. Der Zusammenhang mit
Diabetes ist vielleicht durch Lymphstauung im Pankreasgebiet zu er¬
klären. Die Behandlung ist eine rem symptomatische, hauptsächlich
gegen die Harnentleerungsbeschwerden durch Bildung von Gerinnseln
gerichtet. Genuss von Fett braucht nicht eingeschränkt zu werden,
da durch vermehrte Fettausscheidung die Gerinnselbildung nicht be¬
günstigt wird.
28) Th. Brugsch: Das neutrophile Blutbild bei Infektions¬
krankheiten. Schlusserwlderung gegen Ar net h.
Polemisch, zu einem kurzen Referate nicht geeignet.
Lindemann - München.
Beiträge zur Klinik der Tuberkulose und spezifischen
Tuberkulose-Forschung. Herausgegeben von Prof. Ludolph
Brauer. Band XI. Heft 2.
P. Römer-Marburg: Spezifische Ueberempffndlichkeit und \
Tuberkuloseimmunität. , '
Verfasser beginnt mit der Darstellung der Ueberempfindlichkeit
gegenüber bazillären Giften und stellt u. a. fest, dass nicht zuerst
Rieh et („Anaphylaxie“), sondern v. Behring schon 11 Jahre
vor dem französieren Autor gezeigt bat, dass es hn Verlauf immuni¬
sierender Behandlung mit Diphtheriegift und Tetanusgift zum Auf¬
treten einer spezifischen Giftüberempfindlichkeit bei den verschieden¬
sten Tierarten kommt. — Weiter behandelt er das Kapitel der
Ueberempfindlichkeit gegen Serumeiweiss und sonstige Eiweissstoffe
(v. Pirquet und Schick u. a.) und führt aus, dass es bei Men¬
schen und Tieren nach Injektion eines (an sich nicht toxischen) art¬
fremden Eiweisses (Serum, Milch) und Reinjektion desselben eben¬
falls zum Phänomen der Ueberempfindlichkeit (unter starken toxischen
Erscheinungen) kommt; diese Ueberempfindlichkeit kann auch passiv,
d. i. durch Uebertragung des Serums eines überempfindlich gemachten
Organismus auf einen normalen erzeugt werden. Auch durch wieder¬
holte Injektion von Bakterien und Infektionsstoffen unbekannter Art
(Pocken, Vakzine) kommt es zur Ueberempfindlichkeit gegen dieselben.
Was die Theorie der Ueberempfindlichkeit anbetrifft, so kommt Ver¬
fasser nach Kritik der Ansichten anderer Autoren zu dem Schluss,
dass im Blutserum (nicht in den Zellen) gelöste Reaktionsprodukte
die Ursache der Ueberempfindlichkeit sind; dieselben wirken wahr¬
scheinlich in spezifischer Weise auf die empfindlichen Körperzellen
ein. Nachdem R. ausgeführt hat, inwiefern Ueberempfindlichkeit und
Immunität zwei sich nicht entgegenstehende Phänomene sind, zeigt
er an der Hand instruktiver Kurven, wie sich Ueberempfindlichkeit und
Tuberkuloseimmunität zu einander verhalten: bei tuberkuloseimmuni¬
sierten Tieren kommt es sofort nach der Injektion von Tuberkel¬
bazilien zur (überempfindlichen) Fieberreaktion, die Tiere bleiben
aber gesund; bei nicht immunisierten Tieren tritt auf dieselbe Re¬
aktion erst nach einem Inkubationsstadium Fieber und dann Er¬
krankung (Miliartuberkulose) und Tod ein. Weitere Versuche
(v. Behring, Verfasser, Siebert) zeigen, dass chronische
(artifizielle) Tuberkulose in der Tat vor (letal wirkender) Reinfektion
schützt, also immunisiert. Im folgenden setzt sich Verfasser mit den
Ergebnissen v. Pirquets (Allergie) und Wolff-Eisners
(prognostische Bedeutung der Ueberempfindlichkeit bei Ophthalmo¬
reaktion) auseinander. R. schliesst mit der Ueberlegung, dass die
durchgemachten leichten Infektionen mit Tuberkelbazillen bei
der Mehrzahl der Menschen (Naegeli) vielleicht durch die er¬
worbene Ueberempfindlichkeit einen gewissen Schutz vor der Er¬
krankung bedeute. Trotzdem betont Verfasser natürlich die Not¬
wendigkeit der prophylaktischen Tuberkulose- und Bazillenbekämp¬
fung nach allen Richtungen, vor allem in den Wohnungen und in der
Familie zur Verhütung der Säuglingsinfektion.
Sigismund Cohn: Ueber die durch Komplementbindung nach- \
weisbaren Tuberkuloseantikörper Im Blut von Phthisikern.
Verfasser hat das Verhalten der Wassermann-Bruck-""
sehen Reaktion (unter L. Michaelis) an einer grossen Reihe von
Tuberkulösen und Gesunden geprüft und kommt zu folgenden
Schlüssen: Es ist mittels dieser Methode möglich, tuberkulöse Anti¬
stoffe in menschlichen Seris nachzuweisen. Die Reaktion ist streng
spezifisch und beruht nicht auf Summation. Antituberkulin kommt
auch im Serum nicht mit Tuberkulin vorbehandelter Tuberkulöser vor.
Alle Kranken mit spontan entstandenem Antituberkulingehalt des
Serums sind offene Phthisen des II. und III. Stadiums, sowohl leidlich
günstige, wie rasch progredierende Fälle. Bei Miliartuberkulose ist
das Antituberkulin nicht konstant. Trotz hohen Antituberkulingehalts
des Blutes kann Ueberempfindlichkeit gegen Tuberkulin bestehen,
trotz fehlendem Antituberkulm relative Unempfindlichkeit. Die kom-
plemefitbindenden Tuberkuloseantikörper sind von den Tuberkulose-
agglutininen verschieden.
E. Meissen: Tuberkulose und tuberkulöse Erkrankung.
Da einerseits die klinische Erfahrung lehrt, dass die tuberkulöse ,
Erkrankung gerade bei der Infektion besonders Ausgesetzten
(Aerzten, Wärterinnen, Kurortbevölkerung) relativ selten ist. andrer¬
seits anatomisch feststeht, dass 60—90 Proz. der Menschen ein¬
mal mit Tuberkulose infiziert worden sind (N ä g e l i u. a.), muss man
die Begriffe tuberkulöse Infektion und Erkrankung scharf
auseinanderhalten; die letztere folgt auf die erstere erst aus Anlass
besonderer Schädigungen (Abstammung, allgemeine und spezielle
Noxen). Diese Auffassung erklärt manche Vorgänge, bei denen der
reine kontagionistischc Standpunkt nicht ausreicht, die Entstehung
der gewöhnlichen Formen der Phthise, die Lehre von der tuberkulösen
Disposition, von der Heilung der Tuberkulose, die Abnahme der
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Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
88
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
Tuberkulosemortalität in einigen Ländern, wo eben nicht die Infek¬
tionsgelegenheiten, sondern die Erkrankungen zurückgehen u. a. m.
G. Schröder: Ueber das Vorkommen von Perlsuchtbazillen im
Sputum der Phthisiker und ihre Bedeutung für die Therapie der chro¬
nischen Lungentuberkulose.
Sch. prüfte die C. Spengler sehen Untersuchungen nach, nach
denen in ca. 70 Proz. der Phthisiker Spenglers der Typus humanus
und bovinus symbiotisch Vorkommen sollen (in dieser Symbiose sah
Spengler bekanntlich etwas Nützliches und baute darauf seine
Therapie auf). Sch. fand nun unter 1U0 Eällen nach der Spengler-
schen Methode 11 mal „Perlsuchtbazillen“. Diese Sputa erwiesen
sich aber fast stets avirulent gegen Kaninchen, die nach allgemeiner
Erfahrung nach wirklicher Perlsuchtsinfektion stets an foudroyanter
Miliartuberkulose sterben. Also kann die C. Spengler sehe Me¬
thode der Differenzierung der menschlichen und Rinderbazillen nicht
stimmen. Die Klassifizierung der Phthisiker nach Art der Erreger
(nach C. Spengler) lässt Sch. nicht gelten, ebensowenig seine An¬
schauungen über den (günstig wirkenden) Symbiotismus der vec-
schiedenen Bazillen beim Menschen.
N. Ph. Tendeloo: Die Bedeutung der Atmungsgrösse für die
Entstehung und die Ausdehnung bezw. Heilung der Lungentuberkulose.
W. A. Freund hat bekanntlich vorgeschlagen, beim Habitus
phthisicus (mehr aus prophylaktischen Gründen) die erste Rippe,
deren Knorpel bei dieser Deformität stets zu kurz sei, zu mobilisieren,
um so eine bessere Durchlüftung der Lungenspitze herbeizuführen.
Seidel hat diese Chondrotomie nun auch für aktive Lungenspitzen¬
katarrhe, die der internen Behandlung trotzten, empfohlen. T. iiihrt
nun aus, dass die Operation als Vorbeugemittel rationell sei,
wenn sie auch einstweilen irreal bleiben müsse. Als kuratives
Mittel ist sie zu verwerfen: denn der so herbeigeführte Grad der
Mehrbewegung der Lungenspitze mit seiner Vermehrung von Blut-
und Lymphzirkulation würde wirken wie eine Massage eines peri¬
pheren an Tuberkulose erkrankten Gliedes, also verschlim¬
mernd. Absolute Ruhigstellung (Rubel) wirkt tuberkulosefeind-
lich, ebenso ein sehr viel höherer (in den Spitzen nicht zu erreichen¬
der) Grad von Aktivierung bezw. Durchlüftung der Lunge, der zur
Rarifizierung des Gewebes, zum Emphysem führt.
O. Roepke: Die diagnostische und prognostische Bedeutung
der Konfunktivalreaktlon.
Polemik gegen Wolff-Eisners Ausführungen in diesen Bei¬
trägen Bd. X, H. 2. Auf Grund neuer Prüfungen an 13S Fällen des
ersten, 81 Fällen des zweiten und 62 Fällen des dritten Stadiums,
sowie 19 klinisch Nichttuberkulösen kommt R. wieder zu dem Schluss,
dass der Konjunktivalreaktion weder eine diagnostische noch pro¬
gnostische Bedeutung zukomme. Hans Curschmann -Mainz.
Archiv für klinische Chirurgie. 88. Band, 1. Heft. Berlin,
H i r s c h w a 1 d, 1908.
1) Schloffer -Innsbruck: Ueber chronisch entzündliche
Bauchdeckentumoren nach Hernienoperationen. (Mit 4 Textfiguren.)
Vortrag auf dem 37. Chirurgenkongress. Referat s. No. 20 dieser
Wochenschrift 1908.
2) Axhausen: Die histologischen und klinischen Gesetze der
freien Osteoplastik auf Grund von Tierversuchen. (Pathologisches
Institut des Krankenhauses Friedrichshain und chirurgische Klinik der
Charite in Berlin.) (Mit 4 Tafeln.)
Verf. berichtet über eine grosse Anzahl schöner und mit ausser¬
ordentlicher Sorgfalt angestellter Tierversuche, durch welche er die
durch die neueren therapeutischen Erfolge aufgerollte Frage von dem
Schicksal des transplantierten Periost- und Knochengewebes ent¬
scheiden wollte; die Versuche sind an Ratten, Kaninchen und Hunden
angestellt. Das Resultat der Versuche läuft im allgemeinen darauf
heraus, dass die Barth sehe Lehre von der histologischen Gleich¬
wertigkeit jeglichen knöchernen Implantationsmaterials und die An¬
schauung, dass alle Teile desselben zu gründe gehen, nicht richtig
ist, sondern dass die alte Olliersche Lehre von der Ueberlegen-
heit periostgedeckten lebenden Knochens gegenüber dem periostlosen,,
dem toten und dem mazerierten Knochen zu Recht besteht.
Im einzelnen ergaben die Versuche folgendes: Transplantiertes
Knochengewebe verfällt in der Regel, auch wenn es von lebendem
Periost und Knochenmark umgeben ist, der Nekrose; der nekrotische
Knochen wird aber, wenn in der Umgebung ossifikationsfähiges Ge¬
webe vorhanden ist, alsbald durch lebendes Knochengewebe ersetzt.
Transplantiertes lebendes Periost und Knochenmark besitzt in hohem
Masse die Eigenschaft des Ueberlebens und die Fähigkeit, neuen
Knochen zu bilden, wenn die äusseren Bedingungen dafür günstig
sind. Neben der Integrität der betreffenden Zellen spielt dabei eine
grosse Rolle die Qualität der Gewebsflüssigkeit des Mutterbodens;
diese ist am günstigsten bei der Uebertragung auf das gleiche Indi¬
viduum und noch immer günstig bei der Uebertragung auf ein arideres
Individuum derselben Spezies, aber fast gleich Null bei der Ueber¬
tragung auf eine andere Spezies. Ferner ist die Erhaltung von Periost
und Mark um so ausgedehnter und sicherer, die Knochenbildung
um so reichlicher, je leichter die Gewebsflüssigkeit der Umgebung
an die Periost- und Markzellen herankoninien kann.
In praktischer Beziehung folgt aus diesen Tatsachen, dass leben¬
der artgleicher periostgedeckter Knochen desselben Individuums
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jedem anderen Implantationsmaterial weit überlegen ist. Mazerierte
und ausgekochte Knochenstücke sind als das ungeeignetste knöcherne
Implantationsmaterial anzusehen und können nur als letzter Ausweg
in Betracht kommen, da bei der Verpflanzung derselben eine knö¬
cherne Verbindung sehr häufig ausbleibt. Periostgedeckte Stücke von
Röhrenknochen sind wegen der besseren Knochenneubildung periost¬
gedeckten Schädeldachstücken bei weitem vorzuziehen. Anhaftende
Muskulatur selbst in dünner Schicht macht das Ueberleben des Peri¬
ostes fast stets unmöglich, beeinträchtigt es jedenfalls ausserordent¬
lich. Verletzungen des Periostes, z. B. durch absichtlich angelegte
Längsschnitte sind im Gegenteil günstig, weil jede Verletzung günstige
Bedingungen für das Eindringen der ernährenden Gewebsflüssigkeiten
schafft. Die Ueberpflanzung geschlossener Röhrenknochenstücke ist
nicht zu empiehlen, weil es in diesem Falle nur zu sehr geringer
Knochenneubildung vom Knochenmark aus kommt. Längs halbiert
oder wandständig mit Eröffnung der Markhöhle resezierte Knochen¬
stücke sind den geschlossenen Röhrenstücken überlegen. Die Ein¬
pflanzung soll unmittelbar der Entnahme des Knochens folgen. Auch
Knochenstücke von toten Individuen der gleichen Spezies stellen ein
vorzügliches Implantationsmaterial dar, wenn die Entnahme innerhalb
der ersten 12—24 Stunden nach dem Tode erfolgt. Auch beim Fehlen
einer primären Heilung brauchen implantierte Knochenstücke keines¬
wegs entfernt zu werden. Man kann die natürliche Sequestrierung
abwarten, die sich hier genau wie beim lebenden Knochen abspielen
kann.
3) Jacobsthal: Ueber Fersenschmerzen. (Chirurgische Poli¬
klinik in Jena.) (Mit 21 Textfiguren.)
Unter 42 von dem Verfasser beobachteten Fällen von Fersen¬
schmerzen waren die verschiedensten Erkrankungen und Krankheits¬
ursachen vertreten. Er beobachtete Kontusionen des Kalkaneus und
der Achillessehne, teilweise Zerreissungen, Verknöcherung und Fi¬
brome der Sehne, mehrere Fälle von Entzündung der Bursa sub-
achillea und mehrere Erkrankungen der Kalkaneusepiphyse, 6 Fälle
von Spornbildung auf der Sohlenseite des Fersenbeines, endlich
7 Fälle von Schmerzen ohne anatomischen Befund. Die Fälle von
Spornbildung an der Sohlenseite, von Exostosenbildung am hinteren
Ende und die Fälle von Bursitis beruhten nicht auf einheitlicher
ätiologischer Grundlage; die grosse Häufigkeit der Entstehung dieser
Erkrankungen nach Gonorrhöe konnte J. nicht bestätigen. Die Epi¬
physenerkrankungen beruhten wahrscheinlich auf derselben Ursache
wie die bekannten Erkrankungen der Tub. tibiae.
4) Hashimoto, Tokuoka, Kuroiwa und Takushima:
Ueber die prothetische Nachbehandlung der Unterkiefer Verletzungen.
(Aus dem russisch-japanischen Kriege 1904/05.) (Mit 5 Textfiguren.)
Verfasser empfehlen zur Beseitigung der Deformitäten des Kiefers
nach Substanzverlusten die Behandlung mit Prothesen in folgender
Weise: Freilegung der Knochenwunde durch Schnitt nach Lis-
f r a n c, Entfernung alles vereiterten nekrotischen Knochengewebes,
Abschabung und Glättung der Knochenenden, Beseitigung der Dis¬
lokation und der Deformität, dann provisorische Verbindung der beiden
Knochenenden durch eine spangenförmige Aluminiumschiene, die mit
Silberdraht befestigt wird. Nach einigen Monaten Entfernung der
Schiene und Anlegung einer zweiten aus Kautschuk bestehenden
Schiene, die in den Mund zu liegen kommt und mittels ringartiger
Ansätze an den Zahnkronen oder am Alveolarfortsatz befestigt wird.
Diese zweite Schiene ist vom Zahnarzt anzufertigen. Endlich nach
vollständiger Heilung der Wunde und Erreichung der definitiven Ver¬
hältnisse Anfertigung eines künstlichen Gebisses. Die Verfasser hatten
Gelegenheit, die Methode 14 mal bei Verwundeten anzuwenden. Sie
sind mit den Erfolgen sehr zufrieden, trotzdem die Operation in der
Regel erst 2—3 Monate nach der Verletzung ausgeführt werden
konnte Ist die Knochenwunde im Zustande der Eiterung, so kann
man durch Extraktion der freien Fragmente und Glätten der Knochen¬
enden in der geschilderten Weise der Eiterung Einhalt tun und die
Schienenbehandlung anwenden.
5) Goldschwend: Operations- und Dauererfolge beLmaligner
Geschwulstbildung des Magens. (Städtisches Krankenhaus in Linz.)
(Mit 2 Textfiguren.)
Statistischer Bericht über 179 Operationen, darunter 59 Fälle
von Magenresektion mit 35,5 Proz. Mortalität und 106 Fälle von
Gastroenterostomie mit 33 Proz. Mortalität. Ein Fall von Total¬
exstirpation des Magens wegen Karzinom verlief ebenfalls tödlich.
Die mittlere Lebensdauer nach der Resektion betrug 15 Monate
20 Tage, nach der Gastroenterostomie 6 Monate 10 Tage. Von den
Resezierten sind 5 über 3 Jahre rezidivfrei und gesund, der älteste
davon seit 8 Jahren.
Die Methode nach B i 11 r o t h II ergab die besten Resultate.
6) E1 g a r t - Brünn: Amputatlo humeri osteoplastica et anti*
brachü tenoplastica. (Mit 6 Textfiguren.)
Verf. hat versucht, bei einem Fall von Amputation des Oberarms
den Stumpf zur Bewegung der Finger der künstlichen Hand zu be¬
nutzen. Er verwendete zu diesem Zwecke die Rotation des Stumpfes,
deren Uebertragung auf die Prothese er in der Weise erzielte, dass
er durch Spaltung des Knochenendes des Stumpfes auf einige Zenti¬
meter in der Längsrichtung und seitliche Verschiebung der Stücke eine
breite Knochenplattc in dem Stumpfende erzeugte, die im stände war.
die Drehbewegungen des Humerus auf eine umgelegte Manschette
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12. Januar 1909.
JWJENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
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und von da aus mittels Zugvorrichtungen auf die Finger zu über¬
tragen. Genaueres über die Konstruktion der Prothese und die
Wirkungsweise muss aus den Abbildungen des Originales ersehen
werden.
Ferner berichtet Verf. über mehrere Versuche der Bildung von
Sehnenschlingen am Vorderarmstumpf, die ihm aber noch keine
grossen Erfolge ergeben haben.
7) Th eile: Zur Kenntnis der ßbroeplthelialen Veränderungen
der Brustdrüse. (Chirurgische Abteilung des Spitals in La-Chaux
de Fonds.) (Mit 2 Tafeln.)
Das Fibroadenom, das Cystosarcoma phyllodes und die Mastitis
chronica cystica bilden zusammen eine Gruppe von Erkrankungen
der Brustdrüse, welche von denselben elementaren histologischen
Veränderungen ausgehen, und die sich nur durch die mehr oder
weniger ausgesprochene Abgrenzung und durch das vorwiegende
Wachstum des Bindegewebes in den einen, des Epithels in den an¬
deren Fällen unterscheiden. Der ursprüngliche Prozess ist weder
unter die Entzündung, noch unter die Geschwulstbildung einzureihen,
sondern als Degenerationsform sui generis, kurz gesagt, als fibro-
epitheliale Degeneration aufzufassen. Auf dieser Grundlage kann
sich durch einseitige Wucherung der einen Gewebskomponente oder
durch stetige, örtlich begrenzte Wiederholung desselben Gewebs-
komplexes eine wirkliche Geschwulst herausbilden, die man dann
als Fibroadenoma phyllodes, Fibrosarcoma phyllodes, papilläres Fibro¬
adenom bezeichnen wird. Für die Aetiologie spielen funktionelle
Einflüsse und frühere Infektion nur eine geringe Rolle. Nicht selten
reichen die ersten Anfänge der Erkrankung schon in das Pubertäts¬
alter zurück. Die frühesten Anfänge der malignen Entartung lassen
sich klinisch nicht nachweisen. Es ergibt sich hieraus, dass alle um¬
schriebenen Formen ohne weiteres operiert werden sollten. Eine
abwartende Behandlung unter regelmässiger Kontrolle ist nur bei
den diffusen und besonders den beidseitigen Formen erlaubt und auch
hier nur unter der Bedingung, dass keinerlei klinische Anhaltspunkte
für Bösartigkeit bestehen. Die histologische Untersuchung des Prä¬
parates sollte sehr sorgfältig vorgenommen werden, da das Karzinom
nur auf eine umschriebene Stelle beschränkt sein kann. Aus diesem
Grunde ist es auch nicht statthaft, den Operationsmodus von dem
Ergebnis einer Probeexzision abhängig zu machen.
8) Kreuter: Zur Aetiologie der kongenitalen Atresien des
Darms und Oesophagus. (Chirurgische Klinik in Erlangen.)
Kr. betont gegenüber widersprechenden Behauptungen anderer
Autoren, dass alle kongenitalen Stenosen und Atresien des mensch¬
lichen Oesophagus und des Magendarmkanals auf embryonale Ob¬
literationsvorgänge zurückzuführen sind, entsprechend den in seinen
früheren Arbeiten gemachten Ausführungen.
9) Scheuermann: Ein aus Zentralnervengewebe bestehender
Tumor sacralis congenitus. (Chirurgische Klinik in Kopenhagen.)
Kasuistische Mitteilung und kurze Besprechung der Pathogenese
der Sakraltumoren. H e i n e k e - Leipzig.
Deutsche Zeitschrift für Chirurgie. 95. Bd. 1. u. 5. Heft
November. 1908.
Eduard Sonnenburg zur Feier seines 60. Geburts¬
tages am 3. November 1908. Gewidmet von Freunden und
dankbaren Schülern.
1) Goldscheider -Berlin: Zur Frage der Schmerzempflnd-
lichkeit des viszeralen Sympathikusgebietes.
Eine Erklärung der Schmerzempfindlichkeit des viszeralen Sym¬
pathikusgebietes hat von der Tatsache auszugehen, „dass die vis¬
zeralen Nerven im gewöhnlichen (normalen) Zustande selbst für starke
Reize schmerzunempfindlich sind, unter besonderen (krankhaften) Be¬
dingungen schmerzempfindlich werden“.
Die Schmerzempfindlichkeit im Sympathikus „beruht auf einer
Umstimmung, welche durch krankhafte Reizungen hervorgebracht
wird und wahrscheinlich im wesentlichen an spinale sensible Nerven¬
zellen gebunden ist“.
2) Martin Jacoby: lieber ein neues pharmakologisches Grund¬
gesetz. (Aus dem städtischen Krankenhaus Moabit-Berlin.)
Ausgehend von der Tatsache, dass in die Gelenke von mit
Staphylokokken infizierten Tieren viel mehr Salizylsäure geht als in
normale Gelenke, stellt J. folgendes Grundgesetz auf: „Ein Arznei¬
mittel folgt in normalen und erkrankten Organismen eigenen Ver¬
teilungsgesetzen“.
Die durch dieses Gesetz erklärte Tatsache, dass Jod in tuber¬
kulösem und karzinomatösem Gewebe sich nach Einführung in den
Organismus in grösserer Menge nachweisen lässt, als in gesunden
Organen, die ev. ganz frei davon sind, eröffnet neue therapeutische
Ausblicke.
3) Albert Schütze: Erkrankungen der Aorta, Tabes dorsalis und
Lues. (Klinisch-experimenteller Beitrag zur Wassermann sehen
Serumreaktion.) (Aus dem städtischen Krankenhaus Moabit-Berlin.)
Es ist S. gelungen von 12 Fällen 11 mal luetische Reaktions¬
substanzen in dem Blutserum von solchen Individuen nachzuweisen,
bei welchen „entweder eine Komplikaton von Erkrankungen der Ge-
fässe, namentlich der Aorta mit Tabes, auch im Stadium des Beginns
oder eine Erkrankung der Gefässe allein vorlag.
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4) Canon-Berlin: Ueber die Frage der hämatogenen Infektion bei
Appendizitis und Cholezystitis.
Zusammenfassende Darstellung der Befunde und Ansichten für
und wider die „hämatogene Infektion“ bei der Epityphlitis.
Anwesenheit von pathogenen Keimen im Blute, analoge lokale
Infektionen, Befund von nichtdarmpathogenen Bakterien im Appendix¬
eiter, Auftreten der Erkrankung nach Karbunkel etc.; mykotische
Embolien im Wurmfortsatz sind Gründe für das Vorkommen der
hämatogenen Infektion, die häufiger ist als im Allgemeinen ange¬
nommen wird.
Ob die Diagnosenstellung „hämatogen“ oder „enterogen“ mög¬
lich und klinisch verwertbar ist. wird die Zukunft lehren.
Bei der Typhus-Cholezystitis kommen wahrscheinlich beide In¬
fektionswege in Frage (je nachdem mehr der Darm oder das Blut
Sitz der Erkrankung ist). Die Koliinfektion der Gallenblase erfolgt
i. a. nur auf dem Darmweg; die Infektion durch andere Bakterien
hauptsächlich auf dem Blutweg.
5) Heinrich Strohe-Köln: Appendizitis und Unfall.
In 2 Fällen schloss sich an ein Trauma (Sturz aus etwa 10 m
Höhe) bei jungen Leuten eine Appendizitis an, die zur Operation kam.
Für den ersten Fall nimmt Str. an, dass durch eine strangförmige
Verwachsung infolge Verletzung des parietalen Peritoneums eine Ein¬
schnürung und Gangrän des Prozessus hervorgerufen wurde.
Im zweiten Fall bildete sich nach Str. Ansicht eine Verwachsung
zwischen verletztem parietalem Peritoneum und der Appendix. In¬
folge Abreissens des Peritoneums an der Verwachsungsstelle bildete
sich ein sekundärer peritonitischer Abszess, der später gespalten
wurde.
6) Paul Tschmarke-Magdeburg: Kasuistischer Beitrag aus dem
Gebiete der Herniologie.
1. Hernia encystica.
2. Ovarium als Inhalt eines Leistenbruchs neben einer Darm¬
schlinge.
3. Doppelseitiger enormer Bruch bei einem 2 jährigen Kinde.
Wurmfortsatz im linken Leistenbruche.
4. Der gangränöse Processus vermiformis als einziger Inhalt
einer Schenkelhernie.
5. Ein Fall von Reposition en bloc.
6. Hernia obturatoria incarcerata.
Stumpfe Erweiterung des einschnürenden Ringes an einem
Schnitt parallel dem Lig. Pouparti, Befreiung des Darmes durch vor¬
sichtigen Zug. Der Bauchschnitt ist der Herniotomie von aussen
vorzuziehen. Literatur.
7) R. Mühsam: Beitrag zur Kenntnis der Nervenlähmungen nach
Oberarmverletzungen. (Aus der chirurgischen Abteilung des städti¬
schen Krankenhauses Moabit.)
M. beschreibt zunächst 6 primäre Lähmungen des N. radialis
nach Oberarmfrakturen.
Im Gegensatz zu Borchard redet er der frühzeitigen Opera¬
tion auch bei stumpfer Kontinuitätstrennung des Nerven das Wort.
Die Wiederherstellung der Funktion pflegt auch bei frühzeitig
operierten Fällen nicht sehr rasch einzutreten.
In einem Falle von Radialislähmung ohne Fraktur wurde an der
Stelle der Quetschung ein Neurofibrom exstirpiert.
Es folgt die Beschreibung eines Falles von Nervenlähmung in¬
folge periostitischer Wucherungen; Neurolyse und Unterpolstern eines
Trizepsmuskellappens mit gutem Erfolge.
2 Fälle von typischer ischämischer Muskelkontraktur am Vor¬
derarm, verbunden mit Medianus- und Ulnarislähmung nach Fractura
supracondylica humeri wurden mit geringem Erfolge operiert.
Zum Schluss bringt M. die Krankengeschichte dreier Patienten
mit Nervenlähmung nach einer Schulterverletzung.
8) Albr. Schwarz: Ueber traumatische subkutane Rupturen
des Magendarmkanals. (Aus der chirurgischen Abteilung des Kran¬
kenhauses Huyssens-Stiftung, Essen-Ruhr.)
In den mitgeteilten Fällen handelte es sich 3 mal um Berstungs-
rupturen, 10 mal um Quetschungsrupturen, 1 mal um eine Abrissruptur.
Aus der Symptomatologie werden hervorgehoben: die Bewusst¬
losigkeit, Pulsalteration, kostaler Atmungstypus, Schmerz, der aber
nicht immer an der Stelle der Verletzung lokalisiert ist, Erbrechen;
das Hartmann-T rendelenburg sehe Symptom (tetanische
Bauchmuskelspannung) wird als eines der zuverlässigsten geschildert.
Nachweis von Luft in der Bauchhöhle und Nachweis eines freien Er¬
gusses entweder durch Blutung oder durch Austritt von Kot und
Speisebrei hervorgerufen, machen die Diagnose zu einer sicheren.
Später findet man das Bild der Peritonitis.
Von Komplikationen fanden sich 1 mal ein kleiner Leberriss,
2 mal Mesenterialrisse. 3 mal Kontusionen anderer Darmschlingen,
2 mal Kontusionen der vorderen Bauchwand, 2 mal Blutungen aus
grossen Gefässen.
Erwähnung eines Falles von Diabetes, der sich nach einer Bauch -
kontusion rapid verschlimmerte, so dass Exitus im Koma eintrat.
Unter 50 Fällen von Bauchkontusionen fanden sich in 46 Proz.
schwere intraabdominelle Verletzungen. 10 mal betraf die Ruptur
das Ileum.
Bei diagnostizierter Darmperforation muss sofort operiert werden.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
Bei ausgedehnter Verunreinigung des Peritoneums wurde reich¬
lich mit Kochsalz gespült, sonst trocken ausgetupft.
Stets wurde tamponiert, vor der Operation und als Nachbehand¬
lung wurde von der Magenspülung reichlich Gebrauch gemacht.
Das Resultat der 14 Fälle ist 35,7 Proz. Heilung, 64,3 Proz. Todes¬
fälle.
9) Georg Schwalbach -Berlin: Postoperative Magendarm-
blutungen, speziell nach Appendizitisoperationen.
30 Fälle mit 2 eigenen Beobachtungen von blutigen Stuhlent¬
leerungen nach Appendizitisintervalloperationen.
Auffallend häufig ist das Auftreten bei Kindern, die Blutungen
entstehen infolge von Thrombosen in Netz und Mesenteriolum.
Hämorrhagien, Ulzerationen und Erosionen wurden in Magen und
Darm gefunden. „Die Prognose ist ernst, die Behandlung sympto¬
matisch.“
10) Stabsarzt Dr. Zimmer: Lieber Automobilverletzungen.
(Aus der chirurgischen Abteilung des städt. Krankenhauses Moabit.)
Von den 80 Fällen handelte es sich nur in 15 um leichtere Ver¬
letzungen. 10 Fälle kamen ad exitum (Schockwirkung, innere Ver¬
letzungen). Auffallend ist die grosse Zahl von Schädelbasisfrakturen,
die Hämatome sind oft sehr ausgedehnt; weitausgedehnte Hautunter¬
minierung und Taschenbildung charakterisieren die Weichteilver¬
letzungen. Zum Schluss bringt Z. 2 Fälle von sog. typischer Chauffeur¬
verletzung (Bruch des unteren Radiusendes, entstanden durch Rück¬
schlag der Kurbel des Automobilmotors).
11) Lorenz Fiedler: Beitrag zur Aetiologie, Diagnostik und
Therapie der Tubargravidltät. (Aus dem städtischen Krankenhaus
Moabit [II. Chirurg. Abteilung].)
Die 82 Frauen, aus den letzten 4V* Jahren, bilden 2,3 Proz. der
3500 gynäkologisch behandelten Frauen.
Aetiologisch spielen gonorrhoische oder puerperale Infektionen,
zuweilen Traumen eine Rolle.
Aeltere Multiparae werden am häufigsten befallen.
Die Urobilinurie ist ein wichtiges diagnostisches Kennzeichen.
Die Tubenrupturen überwiegen in Verf.s Statistik gegenüber
den Tubenaborten.
Die Behandlung ist eine operative (auch bei abgekapselter
Hämatocele retrouterina.
Die Drainage der Bauchhöhle empfiehlt sich nicht.
12) v. Renvers: Das Hypophrenium und seine chirurgische
Bedeutung.
Das Ligamentum Suspensorium hepatis teilt das Hypophrenium
in eine rechte und linke Hälfte.
Die Erkrankungen des rechten Hypophreniums sind entweder
durch Erkrankungen der Leber bedingt (Lebereiterung, Echinokokkus)
oder aber — infolge der breiten Verbindung mit dem übrigen Peri¬
toneum — Teilerscheinungen einer allgemeinen Peritonitis.
Im linken, nur durch das Foramen Winslowii zugänglichen Hvper-
phrenium spielen sich von Anfang an unter dem Bilde der abge¬
kapselten Peritonitis verlaufende, vom Magen, Pankreas, Milz oder
Leber ausgehende Prozesse ab; es ist der „klassische Sitz des Pyo-
pneumothorax subphrenicus“ (gashaltige Eiterung infolge Perforation
eines lufthaltigen Organs).
Die kostale Atmung, Hineinwölben des Zwerchfells in die Brust¬
höhle (Röntgenbild), Beteiligung des benachbarten Pleuraraums,
Hineinragen des unteren Leberrandes in die Bauchhöhle, Fühlbar¬
werden des linken Leberlappens, Tiefstand des Magens weisen auf
ein hypophrenisches Exsudat hin, dessen Perforation in den Pleura¬
raum immer unter stürmischen Erscheinungen erfolgt.
Ansammlung von Luft und Flüssigkeit im subphrenischen Raum
zeigt alle physikalischen Zeichen des Pyopneumothorax.
Der Kontrast zwischen dem schweren Krankheitsbild und dem
fast negativen Befund bei der ersten Untersuchung ist dem Verf.
bei akuten Erkrankungen des Hypophreniums aufgefallen. Sorg¬
fältige Anamnese klärt die Situation.
Bei erkannter Eiterung unter dem Zwerchfell ist der chirurgische
Weg zu beschreiten.
13) Emil Weil: Zur Behandlung von Infektionskrankheiten,
speziell der Diphtherie, mit Pyozyanase. (Aus dem städt. Kranken¬
haus Moabit-Berlin.)
In vitro konnte W. durch kleine Dosen Pyozyanase grosse Men¬
gen von Diphtheriebazillen im Wachstum hemmen und abtöten.
In manchen Fällen von Diphtherie wurde eine schnellere Auf¬
lösung der Beläge beobachtet, „septische“ Fälle blieben unbeeinflusst.
Die Heilserumbehandlung soll in keinem Falle unterbleiben.
Bei mit Einsprayung von Pyozyanase behandelten Abszessen und
Phlegmonen sah man eine schnellere Reinigung der Wundflächen.
Nach subkutaner Injektion von Pyozyanase bei Erysipelen, puer¬
peraler Sepsis etc. stellten sich Kopfschmerzen, Uebelkeit und Schüt¬
telfröste ein.
14) L. Z u n t z: Ueber den Einfluss der Kastration auf den respira¬
torischen Stoffwechsel. (Aus der Chirurg. Abteilung des städt. Kran¬
kenhauses Moabit und dem tierphysiol. Institut der Landwirtschaftl.
Hochschule zu Berlin.)
Eine Anzahl von Untersuchungen an ovariektomierten Frauen
zeigten dem Verf., dass die von Loewy und Richter an einem
Hunde festgestellte Tatsache der Herabsetzung der Verbrennungs-
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Vorgänge nach der Kastration in einzelnen Fällen auch beim Men¬
schen vorkommt jedoch handelt es sich nicht um ein in allen Fällen
zutreffendes Gesetz.
Eine Steigerung der Verbrennungsvorgänge durch Oophorindar-
reichung konnte in keinem Falle festgestellt werden.
Eine bereits von Loewy und Richter benutzte kastrierte
Hündin zeigte auf Darreichung frischer Oophorintabletten eine ge¬
ringe Reaktion.
15) R. Kot he: Dünndarminvaginatlon durch Einstülpung eines
Meckel sehen Divertikels. (Aus der Chirurg. Abteilung des städi.
Krankenhauses Moabit.)
2 Fälle, von denen der erste (23jähr. Mann) mit Erfolg mittels
Resektion operiert wurde. Mit den eigenen 28 Fälle. In fast der
Hälfte der Fälle finden sich Geschwlilstchen an der Spitze des Diver¬
tikels, die für die Einstülpung verantwortlich zu machen sind.
Falls der Allgemeinzustand es nur irgend zulässt, soll man
resezieren.
16) O. H i 1 d e b r a n d - Berlin: Ischämische Muskelkontraktur
und Gipsverband.
In einem Falle von suprakondylärer Oberarmfraktur (8 jähriges
Kind), die lediglich mit einfachem Schienenverband behandelt war.
kam es zu einer ischämischen Muskelkontraktur.
Die Operation wies eine Zerreissung der A. cubitalis nach, ausser¬
dem einen in Narbengewebe eingebetteten N. medianus.
Ischämische Muskelkontrakturen kommen demnach nicht nur
nach Gipsverbänden vor, eine Ansicht, die immer mehr durchdringt.
In einem zweiten Falle von suprakondylärer Fraktur setzte stets
bei rechtwinkliger Beugestellung im Ellbogen der Radialispuls aus.
Die Operation, 4 Wochen nach der Verletzung, zeigte, dass
A. cubitalis und N. medianus durch das nach vorn gerückte Bruchstück
getrennt waren, zugleich hatte eine Kompression stattgefunden.
Wäre im vorliegenden Falle nach der allgemeinen Regel des
rechtwinkligen Verbandes verfahren worden, so wäre eine ischämi¬
sche Muskelkontraktur die Folge gewesen.
Wichtigkeit der Kontrolle des Ulnar- und Radialispulses hei
Kindern.
Vermeidung jedes festen Verbandes bei Fehlen des Pulses oder
bei schwerer Fühlbarkeit. Tritt bei Beobachtung dieser Vorsichts-
massregel trotzdem eine ischämische Muskelkontraktur ein, so ist die
primäre Gefässverletzung die Ursache.
17) Prof. G. K1 e m p e r e r - Moabit-Berlin: Zur Verhütung von
Rezidiven der Nierensteinkrankheit.
Kl. empfiehlt reichliche Flüssigkeitszufuhr, im übrigen nach der
Art der Konkremente verschiedene Diätetik.
18) A. Hermes: Magenvolvulus bei Sanduhrmagen. (Aus der
I. Chirurg. Abteilung des Rudolf-Virchow-Krankenhauses.)
Der Fall betrifft eine 70 jährige Frau-mit Sanduhrmagen, dessen
pylorischer Teil sich um seine Achse gedreht hatte und durch einen
12 cm langen, 5 cm breiten Schlitz in dem ausserordentlich dehnbaren
Mesokolon hindurchgetreten war, so dass er in der unteren Bauch¬
höhle vollkommen frei zutage lag. Durch Abwärtsziehen des Quer¬
kolon, Indiehöhedrängen des Tumors mit der anderen Hand lässt sich
der normale Situs wieder herstellen.
Wegen zunehmenden Kollapses Anlegung einer Witzelfistel an.
pylorischen Teil. Heilung.
19) Paul Goedecke -Berlin: Beitrag zur Kenntnis der latenten
Appendizitis mit Ileuserscheinungen im jugendlichen Alter.
In den angeführten Krankengeschichten traten „aus voller Ge¬
sundheit heraus meist plötzlich beginnend mehr oder weniger heftige
Erscheinungen von seiten des Magens oder Darmes auf, die den Ein¬
druck eines ganz akuten Ileus machen.“
Die objektive Untersuchung ist recht ergebnislos, zuweilen be¬
steht leichter Meteorismus; der MacBumeysehe Punkt und
dessen weitere Umgebung ist schmerzlos.
Bei der Operation finden sich: Umschlingung einer Dünndarm¬
schlinge durch den langen Wurmfortsatz, Umschlingung des Zoekum
mit Adhäsionsbändern zum Dünndarm, häufig Taschenbildung durch
einzelne oder doppelte breite Adhäsionsblätter zwischen Wurmfort¬
satz, Zoekum und Dünndarm. Der Erfolg der Operation war immer
ein guter.
20) Max Cohn: Ueber Missbildungen an der oberen Extremität.
(Aus dem Röntgeninstitut des städtischen Krankenhauses Moabit.)
12 Fälle von Missbildungen der oberen Extremität mit guten
Röntgenbildern.
21) ) Federmann -Berlin: Ueber einen operativ geheilten Fall
von Dermoidzyste im Mesenterium des Dünndarms.
Die 25 jährige Patientin hatte Anfälle von exzessiven Schmerzen
in der Oberbauchgegend, die nach Rücken und Schulter ausstrahlten,
verbunden mit Meteorismus und Obstipation sowie Atemnot. Bei der
Untersuchung fand sich ein zitronengrosser, glatter, praller Tumor
links unter dem Rippenbogen, sehr beweglich.
Bei der Operation fanden sich 2 Dermoidzysten zwischen den
Blättern der Flexura duodenojejunalis. Teils stumpfe, teils scharfe
Auslösung. Literatur.
22) A. v a n H u e 11 e n: Weitere Erfahrungen über die Wirksam«
keit des Antituberkuloseserum Marmorek. (Aus dem städtischen
Krankenhaus Moabit.)
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12 . Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
91
Portsetzung der früher (Deutsche Zeitschrift für Chirurgie, Bd. 84,
S. 1) mitgeteilten Beobachtungen.
Die subkutane Serumapplikation ist, wenn auch besonders bei
Erwachsenen zuweilen von unangenehmen Nebenerscheinungen ge¬
folgt, wirkungsvoller wie die rektale Applikation.
Die Fälle für Serumbehandlung müssen ausgesucht werden.
Gewichtszunahme, Besserung des Appetits, Nachlassen der Schmer¬
zen, Sekretverringerung, Schluss von Fisteln werden als Frfolge der
Behandlung geschildert.
Zum Schluss 3 Krankengeschichten (Peronäusselmenscheiden-
liygrom, Hüftabszess und Spina ventosa fistulosa), die die günstige Be¬
einflussung durch das Serum belegen.
23) August Bier: Das zurzeit an der Berliner chirurgischen Uni¬
versitätsklinik übliche Verfahren der Rückenmarksanästhesie.
B. benutzt als Anästhetikum jetzt stets Tropakokain in der Nor¬
maldosis von 0,05 g (Maximäldosis 0,06 g) und zwar wiederum mit
Suprareninzusatz.
Die Lösung muss isotonisch sein und darf mit Alkali nicht in
Berührung kommen. Verwendung von Tuben aus alkalifreicm Je¬
nenserglas, die 1,25 ccm 5 proz. Tropakokainlösung mit Zusatz von
0,000125 g des Nebennierenpräparates enthalten (Pohl, Danzig) oder
von 0,05 Tropakokain und 0,0001 g Suprarenin enthaltenden Tabletten
(Dönitz), die in Liquor cerebrospinalis aufgelöst werden.
Die Lösung und das Instrumentarium sollen Körpertemperatur
haben (Thermophorkasten nach Dönitz).
Es wird zwischen 1. und 2. oder zwischen 2. und 3. Dornfortsatz
der Lendenwirbelsäule und zwar langsam eingespritzt, nachdem
Liquor in raschen Tropfen abgeflossen ist.
Durch Variation der Lösungsflüssigkeitsmenge und durch Beckcn-
hochlagerung wird eine verschieden hohe Anästhesie erzielt.
Bei strenger Einhaltung der Technik sind Versager und Nach-
erscheintingen ausserordentlich selten.
Bei aufgeregten Peisonen, Nieren- und Blasenoperationen. Mast¬
darmexstirpationen und Appendektomien wird mit Skopomorphin (sub¬
kutan) kombiniert.
Mit Anästhesien, die Nierenoperationen und Appendektomie ge¬
statten, begnügte sich B. im allgemeinen, es gelingt aber die Anästhesie
ev. so weit zu treiben (Ansaugen von viel Liquor, Beckenhochlage¬
rung). dass an Mammae und Armen operiert werden kann.
Die Patienten, bei denen unter Rückenmarksanästhesie Mast¬
darmexstirpationen gemacht wurden, waren nach Biers Beobach¬
tung viel besser wie die in Allgemeinnarkose operierten. Von Gynä¬
kologen wurde das Gleiche bezüglich der F reund - Werthei ru¬
schen Operation mitgeteilt.
Zum Schluss Mitteilung eines einzigen Todesfalles (bereits in
Bonn) bei normaler Tropakokaindosierung.
24) Oelsner und Kroner: Experimentelles und Technisches zur
Lumbalanästhesie. (Aus der chirurgischen Abteilung des städtischen
Krankenhauses Moabit und aus der I. inneren Abteilung des städtischen
Rudolf Virchow-Krankenhauses.)
Verf. erzeugten bei Hunden durch Applikation von eiskalter phy¬
siologischer Kochsalzlösung auf das freigelegte Rückenmark nach
einer mehrere Minuten dauernden Hyperästhesie ein Stadium starker
Hypästhesie. Beim Menschen zeigte sich nach Injektion von kalter
Kochsalzlösung nach Lumbalpunktion in einzelnen Fällen eine stärkere
Beeinflussung der Berührungs- und Schmerzempfindlichkeit.
25) A. Westphal: Beitrag zur Kenntnis der Kleinhirnbrücken¬
winkeltumoren und der multiplen Neurofibromatose. (Aus der psy¬
chiatrischen Klinik in Bonn.)
An 2 Fällen von Tumoren des Kleinhirnbrückenwinkels (1 iso¬
lierter Tumor, 1 Tumor als Teilerscheinung einer multiplen Neuro¬
fibromatose) zeigt W., dass diese Tumoren psychisch durch eine
stürmisch „unter dem Bilde eines Delirium acutum verlaufende Psy¬
chose“ charakterisiert sein können, während körperlich artikula-
torische Sprachstörung, Fazialislähmung, Fehlen der Patcllarreflexe
als auffallendste Krankheitserscheinungen hervortreten.
26) C. Ben da: Einige interessante Sektionsbefunde von Schä¬
delschüssen. (Aus dem pathologischen Institut des städtischen Kran¬
kenhauses Moabit.)
Im ersten Falle (Schläfenschiiss mit peripherer Optikus- und
Okulomotoriuslähmung) zeigte die Sektion einen im wesentlichen exta-
kraniellen Verlauf des Schusses.
Der tödliche Ausgang war eine Folge der Wundinfektion, die zur
V erjauchung der Wundränder und einer Fortleitung der Infektion auf
die Meningen und die Hirnoberfläche geführt hatte.
In 2 anderen Fällen handelt es sich um Präparate von günstigen
Ausgängen von Schädelschüssen.
Im 2. Fall beschreibt B. eine Schussverletzung des rechten Stirn¬
lappens in Verbindung mit der Nasenhöhle, es war fast zur spontanen
Heilung gekommen.
Im 3. Fall fand B e n d a vollkommene Vernarbung nach Hirn¬
verletzung durch Streifschuss und Sprüngen im Orbitaldach.
Die durch den komplizierten Verlauf bedingte Sekretstauung
bedingte im 1. Falle die tödliche Meningitis.
27) H. K o h 1: Beitrag zur Kenntnis der Bauchschussverletzimgen
des Friedens. (Aus der chirurgischen Abteilung des städtischen Kran¬
kenhauses Moabit.)
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11 Fälle von Bauchschussverletzungen: einer nicht perforierend,
Heilung ohne Operation desgl., 2 wahrscheinlich perforierende Schüsse
ohne Organverletzung. 6 Fälle von Bauchschuss mit Organverletzung
wurden sämtlich operiert (4 geheilt, 2 gestorben). 2 Fälle von Brust-
Bauchschussverlctzungen starben, einer operiert, einer unoperiert.
28) Theodor (lümbel: Ueber Wirbelbrüche mit besonderer Be¬
rücksichtigung einiger seltener Formen. (Aus der I. chirurgischen Ab¬
teilung des städtischen Rudolf Virchow-Krankenhauses.)
Die Brüche betrafen den lumbosakralen Teil der Wirbelsäule in
2 Fällen, die Lendenwirbelfortsätze in 2 Fällen, die Halswirbelsäule in
3 Fällen, darunter ein Fall von Bruch des Bogens des Epistropheus
mit Absprengung eines Teiles des linken Querfortsatzes mit Ausgang
in Heilung. Interessant im letzten Falle ist das Auftreten von Par-
ästhesien in den oberen Zervikalsegmenten, ähnlich den W i 1 m s -
H e a d sehen „hypcralgetisehen Formen nach Kopfschüssen“.
29) Aug. Lindemann: Das primäre Karzinom des Wurm¬
fortsatzes. (Aus der I. chirurgischen Abteilung des Rudolf Virchow-
Krankenhauses.)
Bei einem 18 jährigen Mädchen, das im Intervall operiert wurde,
fand sich am distalen Ende des Processus vermiformis ein kleinerbsen¬
grosser Knoten, der sich bei der mikroskopischen Untersuchung als
„Carcinoma Simplex“ des Wurmfortsatzes erwies. Literatur.
30) O. Z e 11 e r - Berlin: Versuche zur Wiederbelebung von
Tieren im Bild arterieller Durchströmung des Herzens und der ner¬
vösen Zentralorgane.
Nach guter zusammenfassender Darstellung der Theorien der
Blutgerinnung, die im Original nachzulesen ist, beschreibt Z. zunächst
Wiederbelebungsversuche nach Entblutung am Hund. Es wurde in
3 Fällen die intravenöse Transfusion von Blut, das einem anderen
peptonisierten Hunde (vgl. Einleitung) entzogen war, angewandt, in
einem Falle bekam der Hund das eigene, vor der Entblutung durch
Peptonisierung ungerinnbar gemachte Blut zurück; in allen 4 Fällen
Erholung der Tiere, in 3 Fällen Dauererfolg.
Aus Versuchen, in denen die Verblutung und Kochsalzdurchspü¬
lung des Gefässystems bis zu völligem Erlöschen der sichtbaren Le¬
benszeichen getrieben wurde, geht hervor, dass die arterielle Durch¬
strömung, das Herz des Hundes wieder zum Schlagen zu bringen,
im stände ist.
Die Wiederbelebung der nervösen Zentralorgane, insbesondere
des Atemzentrums und des Blutdruckzentrums gelingt nur, wenn die
arterielle Durchströmung spätestens wenige Momente nach dem Herz¬
stillstand einsetzt.
„Für den unmittelbaren Erfolg der Wiederbelebung mittels zentri¬
petaler arterieller Transfusion ergab sich beim Hunde kein augen¬
fälliger Unterschied zwischen defibriniertem Blut, Pepton- und Hiru¬
dinblut. Die besten Dauererfolge wurden mit Peptonblut erzielt.
Sodann teilt Z. Versuche zur Wiederbelebung von mittels Chloro¬
form getöteten Tieren mit. Die intravenöse Infusion sauerstoffhaltiger
Salzlösung vermochte nur geringe Herzaktion anzuregen. Die ar¬
terielle Durchströmung mit sauerstoffgesättigter Locke scher Flüs¬
sigkeit vermochte in einem Falle für kurze Zeit kräftige Herzaktion
und auch spontane Atmung anzuregen.
Das durch den Aderlass entleerte und in Hirudinlösung aufge¬
fangene, dann mit Sauerstoff gesättigte eigene Blut arteriell trans-
fundiert, regte nur mehr schwache Herzschläge an.
Die Wiederbelebungsgrenze ist meist kurz, auf wenige Minuten
beschränkt.
Durch Verbesserung der Methodik werden sich Luft- und Gas-
embolien vermeiden lassen (neuer Transfusionsapparat im Bau).
Zum Schlüsse schildert Z. die Methodik der zentripetalen Sauer¬
stoff und Locke sehe Flüssigkeit enthaltenden Bluttransfusion beim
Menschen im Falle einer Chloroformlähmung des Herzens.
H. Flörcken-Wiirzburg.
Beiträge zur klinischen Chirurgie, red. von P. v. B r u n s.
59. Bd. Supplementheft.
Jahresbericht der Heidelberger chirurgischen Klinik pro 1907.
Der Jahresbericht pro 1907 ist durch ein Vorwort Prof. N a -
raths eingelcitet, in welchem er die zunehmende Entwicklung der
betreffenden Klinik (weiteres Anwachsen der Patientenzahl, Zunahme
der operativen Eingriffe) hervorhebt und kurz auf die Ausübung dev
Asepsis und speziell die Zunahme der lokalen Anästhesien eingeht.
Der Jahresbericht ist von Fr. Arnsperger redigiert, der über die
stationäre Klinik im allgemeinen Teil berichtet. Die A\nzahl der ver¬
pflegten Kranken betrug 3017, die Zahl der Operationen 1936. V«>n
Narkosen treffen auf Chloroform 194, Billrothmischung 639. Aether 4(hS.
Lokalanästhesien wurden 426. Lumbalanästhesien 106 mal angewandt.
Colrners berichtet über die Röntgenabteilung (1632 Aufnahmen).
Krall berichtet kurz über die 124 Todesfälle (4,11 allgemeine Mor¬
talität), darunter 15 Verletzungen, 17 Tuberkulosen, 38 Tumoren),
ln der üblichen topographischen Einteilung wird über das grosse Ma¬
terial im speziellen Teil Bericht erstattet von den DDr. B a i s c h
Colrners, Hirsche!. N a s t - K o 1 b, Simon, v. Lichten-
b e r g. Daniel, R o i t h und Arnsperger; es seien nur kurz
die 148 Falle von Appendizitis (18 Frühoperationen, 37 im Anfall
13 Abszessinzisionen, 55 Intervalloperationen), die 265 Hernien (igo
Qrigft sl from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
92
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
Leistenhernien, 35 Schenkelhernien, 13 Nabelhernien, 9 epigastrische
Brüche), die 112 Erkrankungen der Leber und des Pankreas (63
Qallensteinoperationen mit 6 Todesfällen), die 21 Mastdarmkarzi¬
nome etc. erwähnt, um auf die in dem Jahresbericht niedergelegten
reichen Erfahrungen und interessante Kasuistik hinzuweisen. R o i t h
berichtet kurz über die ambulatorische Klinik (8927 Patienten, 1420
operative Eingriffe, 837 Lokalanästhesien, 49 Narkosen). Sehr.
Zentralblatt für Chirurgie. No. 50 und 52.
No. 50. Fr. Kuhn-Kassel: Die Abstufung der Resorbierbarkeit
ein Wesentliches in der Katgutfrage.
K. betont, dass man das Katgut mit Rücksicht auf seine Re¬
sorbierbarkeit verwenden müsse, dass für tiefere Nähte und Unter¬
bindungen an einem Katgut festgehalten werden müsse (K. Steril-
katgut) das mit Jod präpariert, schwer löslich, reizlos, nicht imbi-
bierbar ist und deshalb keine Eiterung veranlasst; besonders bei ver¬
senkten Nähten, Bruchoperationen etc. würde gewöhnliches Katgut
oder Kumolgut, das sich in 8—10 Tagen auflöst, ein weiches Gebilde
darstellt und Sekretion bewirkt, höchst riskant sein, zumal zu Beginn
der Heilung muss dieses Material sehr störend wirken.
No. 52. H. Turne r - St. Petersburg: Zur operativen Behand¬
lung veralteter Kniescheibenbrüche mit grösserer Diastase der
Fragmente.
T. spaltete in einem Fall 2 Monate alter Patellarfraktur mit 7 cm
Diastase das dicke Lig. patellae in frontaler Ebene, verlängerte den
Lappen nach unten durch Ablösung des Periostes von der Tibia,
klappte ihn nach oben, präparierte ihn gegen die Bruchfläche des
unteren Fragmentes hin los und befestigte ihn mit Seidenknopfnähten
unter einer periostalen Brücke des oberen Fragmentes, die von
2 Querschnitten aus in einer Breite von 1—P/acm geschaffen wurde.
T. raffte auch den insuffizienten Reservestreckapparat mit einigen
Nähten zusammen. Der Kranke wurde nach 1 Monat mit fast nor¬
maler Streckfähigkeit entlassen. Sehr.
Zentralblatt für Gynäkologie. No. 51. 1908.
R. C h r o b a k - Wien: Zur Frage der Erweiterung der Gebär¬
mutter.
Bemerkungen über den Gebrauch der Laminariastifte, zu kurzem
Referat nicht geeignet.
R. J o 11 y - Berlin: Zur Technik der Kranioklasie und Extraktion.
Die Extraktion gelingt bei grossem Missverhältnis zwischen Kopf
und Becken mit dem Kranioklasten oft nicht. Hier wird von Ols-
hausen das Drehen des Instrumentes während der Traktion emp¬
fohlen. Aber auch dann gelingt das Entwickeln der Schultern in
vielen Fällen nicht. Die von Phenomenoff angegebene Durch¬
schneidung der Schlüsselbeine — Kleidotomie — lässt oft im Stich.
Für solche Fälle empfiehlt J. die Anwendung des Schlüssel¬
hakens oder eines anderen stumpfen Hakens, der ihm in 3 Fällen
gute Dienste leistete. Kleidotomie oder andere schneidende Eingriffe
sind dabei überflüssig; die Schulter folgt leicht ins Becken herein,
und die Extraktion, die vorher dem stärksten Zuge spottete, gelingt
jetzt ohne Mühe.
M. Henkel und H e y e - Greifswald: Ueber das Auftreten von
Streptokokken im Urin von Wöchnerinnen, zugleich ein Beitrag zur
Bakteriologie des Urins.
Die häufigste Ursache einer Zystitis im Wochenbett dürfte im
Katheterismus zu suchen sein. Aber auch ohne denselben kommen
Fälle von Zystitis vor, die zum Teil noch aus der Zeit der Gravidität
stammen, zum Teil aber spontan im Wochenbett erst entstehen. Verfi.
konnten wiederholt im puerperalen Urin, der steril aufgefangen war,
Streptokokken nachweisen, ohne dass klinisch irgendwelche Sym¬
ptome Vorlagen. Es scheint festzustehen, dass der blosse Nachweis
spezifischer Mikroorganismen allein nicht von entscheidender Be¬
deutung ist und dass noch ein Etwas hinzukommen muss, um die
Bakterien so virulent zu gestalten, dass, sie krankmachend wirken
können.
Zum Schluss folgt ein Fall von Streptokokkenurin im Wochen¬
bett, wo erstere sich als hämolytisch erwiesen und von einer alten,
aber rezidivierenden Endokarditis herriihrten.
Lajos G 6 1 h - Klausenburg: Physostigmin bei postoperativem
aseptisch-paralytischem Ileus.
Drei Fälle von postoperativem Ileus, die nach den Vorschlägen
von Arndt und Vogel (1904) mit Physostigmin, salicyl. subkutan
behandelt und geheilt wurden. Die Dosis betrug 0,002, auf ein-
oder zweimal gegeben. Die Diagnose wurde aus den bekannten alar¬
mierenden Symptomen bei völlig reiner, nicht klebriger und feuchter
Zunge gestellt. G. schreibt dieser Beschaffenheit der Zunge einen
hohen differentialdiagnostischen Wert zu.
Schücking -Pyrmont: Liegegymnastik im Wochenbett und
nach grösseren gynäkologischen Operationen.
Sch. empfiehlt zur Thrombosenprophylaxe, ferner bei Anämie
und Herzschwäche im Puerperium, vorsichtige Uebungen der gesam¬
ten Körpermuskulatur, in der Rücken-, Seiten- und Bauchlage, und
unter Kontrolle der Pulsfrequenz und des Blutdruckes. Besonderer
Wert wird dabei auf die Uebung der Brust- und Bauchmuskulatur ge¬
legt. Bei genügender Vorsicht gelingt es, die Pulsfrequenz konstant
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oder nur um ein Geringes vermehrt, den Blutdruck aber mindestens
auf gleicher Höhe zu erhalten, während nach dem Aufsitzen oder Aui-
stehen der Patientinnen fast immer eine Steigerung der Pulsfrequenz
und ein Sinken des Blutdruckes nachzuweisen ist.
No. 52, 1908.
W. Weibel- Wien: Zur Frage der Uterusperforation.
Zwei instruktive Fälle. Im 1. kam eine 26 jährige Frau mit dem
Verdachte des Bestehens einer ektopischen Schwangerschaft in die
Klinik. Die explorative Kolpoköliotomie ergab Eiter in der Appendix¬
gegend, die Laparotomie einen abgekapselten Peritonealabszess mii
einem Gummikatheter als Inhalt. Pat. bekam später noch
eine Darmfistel und einen Pleuraabszess, genas aber schliesslich. Den
Katheter hatte eine Hebamme zum Zwecke des Aborts in den Uterus
gebracht, den sie dabei perforierte; es stellte sich später heraus, dass
Pat. überhaupt nicht gravid gewesen war. Der Fremdkörper hatte
3 Wochen im Abdomen gelegen.
Im 2. Falle wollte ein Arzt nach Abort die retinierte Plazenta mit
der Kornzange herausholen, perforierte, ohne es zu merken, den
Uterus und riss Stücke des Dickdarms nebst dessen Mesenterium
heraus. Es fehlte schliesslich ein 3 Querfinger breites Stück des
Colon sigmoideum. Durch die Darmnaht gelang es, die Pat. zu heilen.
O. Büttner- Rostock: Isolierte Chorionruptur bei Placenta
praevia lateralis.
Bei einer 31 jährigen IV. Para war im Anfang der Geburt eine
Placenta praevia gefühlt worden, beim Fortschreiten der Geburt je¬
doch nicht mehr. Nach Beendigung der letzteren fand sich ein iso¬
lierter Riss des Chorion, den B. als Ursache des Verschwindens der
PI. praevia anspricht, indem sie sich mit dem geplatzten Chorion
zurückgezogen hatte, und zur Rissstelle heraus der Ammoniak sich
vorwölbte.
R. Silbermann -Prag: Fragliche Entstehung eines isolierten
Hymenrlsses.
Ein 8jähr. Mädchen war eine Treppe herabgefallen, hatte einen
Schädelbruch bekommen und starb bald darauf. Bei der Sektion
fand sich u. a. auch ein Riss des Hymens, den die Obduzenten
möglicherweise mit einem Sittlichkeitsdelikt zusammenbringen woll¬
ten. S. weist nach, dass die Verletzung durch direkte Gewalt,
sc. durch eine Eisenkuppe am Geländer, zustande gekommen war.
C. Fleischmann -Wien: Sind Quellstoffe notwendig?
Gegenüber v. Herff, der vor kurzem (cf. ds. Bl. No. 45, pa£.
2340) obige Frage direkt verneinte, tritt F. unter gewissen Umständen
für die Quellstifte ein. Sie sind den Hegarstiften überlegen bei der
Dilatation eines graviden (behufs Einleitung eines Abortes) oder
puerperalen Uterus (Zum Zwecke der Entfernung zurückgebliebener
Eihautreste p. abort.). Kontraindiziert fand sie F. nur dann, wenn
eine sehr rasche Erweiterung der Zervix nötig war oder wenn der
Uterus infektiöses Sekret enthielt. Vielfach kombinierte er beide
Stifte, zuerst Dilatation mit H e g a r bis etwa No. 9, dann Laminaria,
dann wieder H e g a r bis No. 20.
Schücking -Pyrmont: Die elektrothermische Uterussonde.
Sch. wahrt sich gegenüber S e i t z die Priorität als Erfinder
der elektrothermischen Uterussonde. J a f f e - Hamburg.
f Berliner klinische Wochenschrift. No. 52. 1908. .
\ 1) G. Klemperer -Berlin: Zur Behandlung der perniziösen
Anämie.
Vergl. Referat S. 2630 der Münch, med. Wochenschr. 1908.
2) H. R. G a y 1 o r d - Buffalo: Die Beziehung von Spirochäten
zum Krebs der Mäuse.
Von 48 zur Untersuchung gelangten primären Mäusetumoren
fanden sich bei 40 eine grosse Anzahl von Spirochäten im Rand¬
gewebe der Tumoren. Als untersucht wurde, wie oft Spirochäten bei
krebsfreien Mäusen Vorkommen, ergab sich ein Verhältnis von
ca. 70 Proz. Bei Menschen mit Brustkrebsen fanden sich in der
Nachbarschaft der Tumoren nie Spirochäten. Eine ätiologische Be¬
ziehung zwischen Spirochäten und Krebs besteht im allgemeinen nicht.
3) M. Katzenstein -Berlin: Ueber funktionelle Heilung der
Serratuslähmung durch Operation.
Vergl. Bericht der Münch, med. Wochenschr. 1908, S. 2629.
4) J. T h i e s - Charlottenburg: Agglutination der Paratyphus¬
bazillen bei echtem Typhus.
Bei einem zur Sektion gelangten Typhuskranken, dessen Organe
reichlich echte Typhusbazillen enthielten, verlief die Gruber-
W i d a 1 sehe Reaktion für den Eberth-Gaffky sehen Bazillus
negativ, dagegen gegenüber dem Bacillus paratyphus B positiv. Für
die Praxis geht daraus hervor, dass die Diagnose auf Typhus nicht
auf den negativen Ausfall genannter Reaktion aufgebaut werden darf,
5) H a e b e r 1 i n - Wyk-Föhr: Blutbefunde an der Nordsee.
Nach einer Zusammenstellung der Anschauungen einer grossen
Reihe von Autoren über den Einfluss des Seeklimas auf das Blut be¬
richtet Verf. über seine eigenen Untersuchungen an 105 Kindern und
11 Erwachsenen, welche alle die Erscheinungen sekundärer Anämie
darboten. In allen Fällen wurde eine Zunahme des Hämogiobin-
gehaltes beobachtet. Die meisten Fälle zeigten auch ein kontinuier¬
liches Ansteigen der roten Blutkörperchen. Bemerkenswert ist, dass
die Blutuntensuchungen in den Herbstmonaten eine stärkere Zunahme
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
\L Januar 1900._ MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT._93
des Hämoglobins nachwiesen als in den anderen Kurmonaten. Im
ganzen geht aus den Beobachtungen, welche durch Mitteilung von
Krankengeschichten illustriert sind, hervor, dass selbst in sehr hoch¬
gradigen Fällen von Blutarmut der Aufenthalt an der See durchaus
günstige Erfolge zu bewirken vermag.
No. 1, 1909.
1) E. Siemerling -Kiel: Epileptische Psychosen und ihre Be¬
handlung.
Verf. gibt im ersten Teile seines Artikels die Darstellung der kli¬
nischen Bilder der verschiedenen Arten epileptischer Seelenstörungen,
von denen er unterscheidet: 1. Die epileptischen Affektstörungen.
2. Die epileptische halluzinatorische Verwirrtheit, Stupor und De¬
lirien. 3. Paranoide Zustände. 4. Traumhafte Dämmerzustände. Für
diese genannten Gruppen geht Verf. auf die Symptomatologie des
Näheren ein, sowie auch auf die Differentialdiagnose gegenüber an¬
deren psychischen Krankheitsbildern. Die Therapie dieser Psychosen
muss vor allem eine prophylaktische sein, indem die Anfälle bekämpft
werden, z. B. durch Entziehung des Alkohols, lacto-vegetarische Diät,
Regelung der ganzen Lebensweise. Brom ist auch für die epilep¬
tischen Seelenstörungen das hauptsächliche Mittel. Reichlicher Was¬
sergenuss beim Einnehmen des Medikamentes ist empfehlenswert. Die
Opiumbromkur nach Flechsig eignet sich nicht für geisteskranke
Epileptiker mit psychischen Degenerationserscheinungen und Neigung
zu akuten Störungen.
2) A. Fränkel -Berlin: Ein weiterer Beitrag zur Lehre von
der Bronchiolitis obliterans fibrös» acuta.
Vergl. Referat hierüber Seite 2692 der Münch, med. Wochenschr.
1908.
3) W. Bokelmann: Klinische und private Geburtshilfe.
Verf. führt aus, dass die Praktiker unter den Geburtshelfern sich
gewiss nicht gegen die Ausführung der neuen chirurgisch-geburts¬
hilflichen Operationen an sich wenden, deren Wert für einzelne Fälle
sie vollkommen anerkennen. Bedenklich müsse ihnen aber die über¬
aus grosse, einer sachlichen Kritik nicht immer standhaltende Aus¬
dehnung erscheinen, welche auch diese neuen Technizismen gefunden
haben. Er erläutert dies näher an den Erfolgen der bisherigen Ge¬
burtshilfe betreff der Placenta praevia. B. kann nicht zugeben, dass
bei rationeller Therapie die Verblutungsgefahr eine so riesige ist,
wie von manchen Seiten behauptet wird. Er selbst hat unter
ca. 50 Fällen dieser Art keinen Verblutungstod bei seiner bisherigen
nichtchirurgischen Behandlungsweise der Placenta praevia erlebt.
4) F. W. E d r i d g e - Green: Die Wahrnehmung des Lichtes und
der Farben.
Die Ausführungen des Artikels eignen sich nicht zu kurzer
Wiedergabe ihres wesentlichen Inhaltes, so dass auf das Original ver¬
wiesen wird.
5) A. Neumann -Berlin: Pseudomyxoms perltonel ex processu
vermlformi.
Vergl. Referat hierüber Seite 2630 der Münch, med. Wochen¬
schrift 1908.
6) A. S i e g m u n d - Berlin-Wilmersdorf: Eine ungewöhnliche
Verkrümmung und Versteifung im Knie, durch Operation geheilt.
Bei einem 13 jährigen Jungen, dem früher die Gelenkkapsel und
die Knorpel und Bänder des linken Kniegelenkes nebst der Patella,
wahrscheinlich wegen Tuberkulose, exzidiert worden waren, ent¬
stand später eine hochgradige Abbiegung des Beines im Knie, so dass
Ober- und Unterschenkel einen Winkel von 100° bildeten. Die vom
Verf. vorgenommene Operation, welche in Exzision eines knöchernen
Keiles bestand, führte zu einer Geraderichtung des Beines, natürlich
mit entsprechender Verkürzung.
7) Th. Mir önescu -Bukarest: Die Behandlung des Typhus
abdominalis mit Kollargolklysmen.
Verf. hat neben 17 anderen, mit kaltem Wasser behandelten
Typhusfällen 17 weitere mittels 1—2 mal täglich vorgenommener
Klysmen von je 5 g Kollargol behandelt. Die Fieberdauer war bei
diesen letzteren Fällen 10—15 Tage geringer als bei ersteren, ferner
trat bei den Kollargolfällen keine Darmblutung ein, ebenso auch kein
Todesfall, während bei den anderen Fällen 4 Todesfälle sich er¬
eigneten. Die Kombination der Wasser- mit der Kollargolbehandlung
dürfte sich am meisten empfehlen.
8) B. Bosse-Berlin: Der Kampf gegen die Skoliose.
Verf. gibt zunächst eine Statistik der Krüppelkinder in Deutsch¬
land, sowie Angaben über die Häufigkeit der Skoliose. Hinsichtlich
des Einflusses der Schule wird die Ansicht angeführt, dass dieselbe
nicht der Sündenbock ist. Es wird auf angeborene Verhältnisse spe¬
ziell die sog. „numerische Variation“ des Wirbelskelettes hingewiesen.
C h 1 u m s k y hat unter 500 Skoliosen bei noch nicht ganz 80 Fällen
feststellen können, dass sie auf schlechte gewohnheitsmässige Körper¬
haltung zurückzuführen war. Der wichtigste Faktor für die Ent¬
stehung der Skoliose in der Jugendzeit ist zweifelsohne die Rachitis.
„Wenn“, führt Verf. an, „die moderne Schule bestrebt ist. neben ihren
wissenschaftlichen Zwecken reichlich für körperliche Betätigung von
Kindesbeinen an zu sorgen, dann erübrigt sich meines Erachtens, die
Einrichtung teurer Skoliosenschulen“. Wichtig ist natürlich vor allem
die Frage der richtigen Ernährung der Kinder.
Grassmann - München.
(Deutsche medizinische Wochenschrift. No. 53. 1*806
Hj-Gustav T r e u p e 1 - Frankfurt a. M.: Die Behandlung des
Asthma bronchiale. (Klinischer Vortrag.)
Verf. hebt besonders den Wert der psychischen Disziplinierung
und systematischen Uebungstherapie hervor. Narcotica sollen nur
ein Notbehelf sein.
2) Cornelius -Berlin: Der objektive Nachweis der subjek¬
tiven peripherisch-nervösen Beschwerden.
Die Realität der geäusserten Schmerzen prüft Verf. durch Auf¬
suchen der sensiblen Nervenpunkte. Die auch therapeutisch bedeut¬
same Nervenpunktmassage erfordert einen sehr feinen Gefühlssinn
und jahrelange Uebung. Verf. erörtert die interessanten Beziehungen
zwischen peripheren Nervenpunkten.und zentralen Störungen bezw.
Neurosen.
3) Ernst Mayer- Köln: Zur Behandlung schwerer Kinderläh¬
mungen.
Vier Fälle von Sehnenplastik, welche Verf. auf der Naturforscher¬
versammlung 1908 demonstrierte.
4) E. Oberndörffer -Berlin: Fortschritte ln der Behandlung
der Nervenkrankheiten.
Uebersichtsreferat.
5) Attilio A sc a r e 11 i - Rom (Berlin): Der Nachweis von Blut¬
spuren mittels der Benzidinprobe in forensischer Beziehung.
Nach den von Verf. angestellten vergleichenden Versuchen ist
die Benzidinprobe nach der positiven und nach der negativen Seite
sehr zuverlässig und ist den anderen Methoden überlegen.
6) S. Aufrecht und Fr. S i m o n - Berlin: Ueber Nährwert
und Ausnutzung roher und weichgekochter Hühnereier.
Ernährungsversuch an einem Menschen. Die Ausnützung des
Stickstoffes war bei Ernährung mit Fleisch und mit hartgekochten
Eiern annähernd gleich, mit weichgekochten und rohen Eiern aber
besser als mit Fleisch. Verf. befürworten eine ausgiebige Verwen¬
dung der Vogeleier in der Krankenkost und in der eigentlichen Volks¬
ernährung.
7) M. Stürmer und R. L ü d e r s - Hamburg: Propäsin, ein
neues, sehr starkes Lokalanästhetikum.
Anwendung als schmerzlindernde Salbe (auch bei Pruritus) und
als Pastillen bei schmerzhaften Munderkrankungen.
8) Arthur S t r a u s s - Barmen: Die Behandlung der Naevi mit
Kohlensäureschnee.
Mit der von Pusey empfohlenen Behandlungsmethode hatte
Verf. sehr schöne Erfolge. (Abbildungen.)
9) Felix Davidsohn -Berlin: Röntgendurchleuchtungen bei
Tageslicht unter vollkommenem Strahlenschutz für Arzt und Pa¬
tienten.
Teilung des Zimmers durch eine Scheidewand, durch deren
Glasfenster der Arzt in ein dicht anliegendes Kryptoskop sieht, an
welches der im hellen Raum befindliche Patient gestellt wird.
10) Franz Z e r n i k - Steglitz: Neue Arzneimittel, Spezialitäten
und Geheimmittel. (Fortsetzung.)
11) F. Prinzing - Ulm: Die Aerzte Deutschlands im Jahre 1908.
Statistik. R. Grashey - München.
Korrespondenzblatt für Schweizer Aerzte. XXXVIII. Jahr¬
gang. No. 24. 1908.
F. Dumont -Bern: Die Rektalnarkose. (Mit Bild.)
Die Methode verdient, nicht zu allgemeiner Anwendung, aber bei
Operationen an Hals und Kopf, event nach anfänglicher Inhalations¬
narkose, volle Beachtung. Der Patient muss darmgesund und durch
Darmentleerung gut vorbereitet sein und genaue Dosierung, Ver¬
meiden von Eindringen flüssigen Aethers ist nötig. Einfacher Apparat.
4U Operationsberichte erläutern dies.
Ad. S c h 1 ä f 1 i: Hebosteotomie und künstliche Frühgeburt. (Aus
dem Frauenspital Basel-Stadt [Dir. Proi. Dr. v. Her ff), nach einem
in der Med. Gesellschaft Basel gehaltenen Vortrag.)
Verf. hat in einer Statistik über 701 Fälle nachweisen können,
dass die Hebosteotomie vielfach sofortige und spätere Schädigungen
herbeiführt und dass die künstliche Frühgeburt, event. mit H e r f f s
Blasensprenger, sich wesentlich günstiger verhält. Nur die Kinder¬
sterblichkeit ist bei ersterer Methode etwas geringer. Die Hebosteo¬
tomie soll nur eine Notoperation sein.
E. D. Schumacher: Bemerkungen zu einer typischen nach¬
träglichen Dislokation der Fragmente bei den Torsionsfrakturen des
Unterschenkels. (Aus der Chirurg. Universitätsklinik Zürich. Dir.
Prof. K r ö n 1 e i n.)
Verf. erklärt und illustriert das Zustandekommen der Dislokation
und weist auf die Bedeutung richtiger Extensionsbehandlung hin.
Pischinger.
Österreichische Literatur.
Wiener klinische Wochenschrift.
No. 52. A. v. Rydygier jun.-Lemberg: Eine neue Methode
zur Freilegung der Tumoren im Rachen (Tonsille, Zungenwurzel,
Gaumenbogen, welcher Gaumen und Rachen wände).
Verf. gibt einen Ueberblick über die zahlreichen Operations¬
methoden und empfiehlt selbst die Operation von zwei Schnitten aus
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2 .
vorzunehmen, deren einer vom Processus mastoideus bis herab zum
Sternum entlang dem Muse, sternocleidomastoideus, der andere quer,
etwa senkrecht zu dem ersteren, von der Mitte des grossen Zungen-
beinhornes bis zum Sternocleidomastoideus reicht. So lässt sich durch
das Zurückschlagen zweier Lappen ein grosses Operationsfeld frei-
legen und mit Durchschneidung der Zungenbeinmuskeln sich der Zu¬
tritt zu dem ganzen Pharynx von der Schädelbasis bis zum Aditus
laryngis und zur Nasenrachenhöhle bahnen. Von grossem Vorteil ist
dabei auch die Freilegung der grossen Qefässe und die Möglichkeit,
das dieselben umgebende lockere Gewebe mit den Lymphdriisen aus¬
giebig zu entfernen. Nach dieser Methode wurden zwei Fälle operiert
ohne präventive Tracheotomie und ohne die Rose sehe Lage mit
herabhängendem Kopf.
A. v. H a 1 a s z - Ofen-Pest: Primäres Sarkom der Bauchspeichel¬
drüse.
Genaue Beschreibung eines Falles, der sich den 23 aus der
neueren Literatur bekannten anschliesst.
L. Wechsberg -Wien: Vaginale Uterusamputation.
W. berichtet über zwei Fälle vaginaler Uterusamputation, wie sie
Freund in der Münch, med. Wochenschr. 1903, No. 4, beschrieben
hat; das eine Mal handelte es sich um einen myomatüsen Uterus,
das andere Mal um eine Frau mit Prolapsbeschwerden, wo bei der
vorderen Kolpotomie der hervorgezogene Uterus viel zu massig war,
um in toto eingenäht zu werden. Angesichts der Komplikationen,
welche die Keilexzision bei solchen stark vergrösserten metritischen
Uteris oft nach sich zieht, wurde die Uterusamputation vorgezogen.
L. v. Mayersbach - Graz: Die weibliche Eplspadie und ihre
Behandlung.
Betrachtung über die Entwicklungsgeschichte der Epispadic und
die Operationsmethode. Beschreibung eines operierten Falles.
E. Spiegler -Wien: Eine neue Formel zur Bereitung von
Teerbädern.
Verf. empfiehlt folgende Verordnung:
I. Ol. rusci 100, Ammon, pur. liq. 20. Mindestens ä Stunde
umzurühren.
II. Gelatina animal, alb. 10, Aq. fort. 50. Im Wasserbad völlig
zu lösen.
III. Natr. carbon. crystall. 10, Aq. font. 50. Warm zu lösen.
II. und III. werden gut gemischt, die lauwarme Mischung zu I.
hinzugefügt und bis zum Stocken gerührt. Zum Gebrauch wird die
gelatinöse Masse in warmem Wasser gelöst und in das Bad gerührt.
M. Wickhoff -Johannisbrunnen: Ueber Vaginalduschen mit
kohlensäurereichem Mineralwasser.
W. empfiehlt die Spülungen mit kohlensäurehaltigem Mineral¬
wasser, am besten in entsprechenden Kurorten, für leichte Fälle von
Deszensus und Prolaps, chronische Metritis. Ektropium und Vaginal¬
katarrhe. Die Applikation geschieht zunächst in erwärmtem Zu¬
stande später bei Zimmertemperatur der Spülflüssigkeit. Der Erfolg
besteht in der Kontraktion und strafferen Wandbeschaffenheit der
Vagina, Schwinden des Ausflusses, Abnahme des Volumens un 1 der
Beweglichkeit des Uterus, Hebung des subjektiven Wohlbefindens.
Wiener medizinische Wochenschrift.
No. 41. F. H u 11 e r - Wien: Die Anwendung der Lokalanästhesie
bei der Operation adenoider Vegetationen.
Zur Anästhesierung bedient sich H. nach vorheriger Bepinselung
der Gegend des oberen Choanalrandes der Injektion von etwa 1 ccm
einer 5proz. Auflösung von /LEucain in 0,8proz. Kochsalzlösung mit
geringem Adrenalinzusatz. Die Injektion geschieht mittels einer unter
Leitung des Auges eingeführten knieförmigen Kanüle, die im Bereich
des obersten Teiles der adenoiden Wülste knapp unter und hinter
dem Choanenbogen in einiger Entfernung vom Septum eingestochen
wird. Dieses Verfahren ist bei Erwachsenen und bei Kindern bis
herab zu 4—5 Jahren gelungen.
No. 41/42. E. R e d 1 i c h - Wien: Zur Kenntnis der psychischen
Störungen bei den verschiedenen Meningitisformen.
Betrachtungen über 133 Meningitisfälle, von denen 114 tuber¬
kulöser, 19 anderer, eitriger Natur waren. Es ist demnach vor¬
wiegend die langsamer verlaufende tuberkulöse Meningitis, welche zu
psychischen Störungen führt. Die statistischen Erhebungen und ge¬
naueren Krankheitsschilderungen verschiedener Formen können hier
nicht wiedergegeben werden; wichtig ist der Einfluss des chronischen
Alkoholismus, wodurch der Verlauf oft das Bild des Delirium tremens
bietet oder in anderer Weise kompliziert wird. Für die Diagnose der
Meningitis ist jedenfalls nicht das psychische Verhalten, sondern
somatische Symptome, eventuell erst das Ergebnis der Lumbalpunk¬
tion charakteristisch.
No. 43. N. v. W e s t e n r i j k-Petersburg: Apparat zur Be¬
stimmung des Blutdruckes im ganzen Kreisläufe der oberen Ex¬
tremität. Universales Sphygmomanometroskop.
Beschreibung des Aparates.
J. Fl e sch-Wien: Verbale Alexle mit Hemlchromatopsle.
Krankengeschichte eines Falles.
No. 45. J. Schütz: Ueber Funktionsprüfung des Säuglings¬
magens.
Verf. glaubt an Stelle der bisherigen Methodik, Nachweis bezw.
Bestimmung freier Salzsäure, Gesamtsalzsäure, Gesamtazidität, der
Milchsäure zwei fruchtbarere Gesichtspunkte setzen zu können: die
Bestimmung der für die Motilität des Magens bezeichnenden Menge
des Verdauungsrückstandes nach bestimmter Zeit und die Bestimmung
der die Intensität fermentativer Spaltungen im Magenlumen anzeigen¬
den Azidität des Aetherextraktes. Weitere Untersuchungen werden
Vorbehalten.
No. 44,45. U. Melzi und A. C a g n o 1 a - Mailand: Ueber vier
Fälle von Laryngo-Trachealstenose, die mittels Laryngo-Tracheo-
stomle geheilt wurden.
Vier Krankengeschichten mit eingehender Beschreibung der Ope¬
rationstechnik. Die günstigen Erfolge an bisher 37 Fällen geben der
Laryngo-Tracheostomie bei der Behandlung laryngotrachealer Ste¬
nosen den Vorzug vor der Laryngotomie.
No. 43/45. L. Freund-Wien: Die Röntgenstrahlenbehandlun^,
tuberkulöser Osteoarthritiden.
Nach eigenen (an 9 hier beschriebenen Fällen) und fremden
Erfahrungen kommt der Röntgenbestrahlung in vielen Fällen dieser
Art eine günstige, häufig sogar heilende Wirkung zu. Nach Eintritt
der entzündlichen Hautreaktion wird die Eitersekretion dünner und
spärlicher, schliessen sich die Fisteln, schwindet die Schwellung und
der Schmerz; bei alten Versteifungen tritt bisweilen auch eine Locke¬
rung und Besserung der Beweglichkeit ein. Die besten Aussichten
bestehen bei oberflächlich gelegenen kariösen Herden kleiner Knochen
und Gelenke mit möglichst geringer Beteiligung der Synovialis und
ohne Eiterretention, kurz bei den für konservative Behandlung über¬
haupt geeigneten Fällen. Bezüglich der Technik kann hier nur her¬
vorgehoben werden die Verwendung harter Röhren (Härtegrad 6 nach
Benoist-Walter oder 8 nach Walters Platinskala). Die
Wichtigkeit eines ausgesprochenen Bestrahlungserythems, die Nach¬
behandlung mit Röntgenstrahlen, die Unterstützung durch chirurgische
Eingriffe.
No. 46/47. v. Niessen - Wiesbaden: Syphilis beim Kaninchen,
erzeugt mit der Reinkultur des Kontagiums.
Nach v. N. ist der Syphiliserreger ein reiner Myzet mit sehr
regem Formenwechsel und die Spirochaete nur eine seiner Wuchs¬
formen. Mit einer in der 25. Generation fortgezüchteten, nur aus
Kokkobazillenformen bestehenden, spirochätenfreien Kultur hat Verf.
an Kaninchen durch subkutane Injektion Hautaffektionen erzielt, wel¬
che typischen Syphilischarakter zeigten.
No. 47. K. Friedjung - Wien: Zur Aetiologie der Perityphlitis
im Kindesalter.
F. stimmt der Auffassung H o e n c k s und anderer bei, welche
manche Perityphlitisfälle auf eine Influenzainfektion zurückführen.
Er hat bei der Untersuchung influenzakranker Kinder wiederholt eine
Druckempfindlichkeit im rechten Hypogastrium gefunden, die in der
Regel mehr oder weniger bald wieder verschwand; mehrere von
diesen sind im Laufe der Zeit wegen Perityphlitis operiert worden.
Vielleicht besteht zwischen beiden Affektionen ein Zusammenhang.
No. 47. A. S c h ö n f e 1 d - ßriinn: Katatonie nach Trauma.
Beschreibung zweier Krankheitsfälle, welche zeigen, dass Kata-
tone Symptome nicht nur bei der sekundären, sondern auch bei der
primären traumatischen Psychose bald nach der Verletzung das
Krankheitsbild beherrschen können und als unmittelbare Folge der
auf den Schädel einwirkenden Verletzung aufgefasst werden müssen.
No. 47/48. T. T s u n o d a - Kyoto: Durch Distomum Wester-
manni erzeugte Hirnerkrankung mit dem Symptomenkomplex des
Hirntumors.
Das Distomum W. ist in Japan sehr verbreitet. Es sind auch
bereits einige Fälle berichtet worden, wo im Leben verschiedene
Hirnsymptome hervortraten und bei der Sektion Erweichungsherde im
Gehirn, erfüllt mit reichlichen Distomumeiern gefunden wurden; es
war anzunehmen, dass die Muttertiere in der Lunge sassen und deren
Eier auf embolischem Wege ins Gehirn gelangten. Verf. selbst be¬
schreibt hier einen Fall, der nur in einem Fall O t a n l s ein Gegen¬
stück hat, wo das Distomum selbst die entzündlichen Erweichungs-
herde in dem Grosshirn erzeugt hatte.
No. 49. Th. E s c h e r i c h: Ein Fall von chronischer Tetanie im
ersten Kindesalter.
Bei dem 14 Monate alten Kinde besteht die Tetanie in dem
klassischen Symptomenbild nach T rousseau seit dem 3. Lebens¬
monat und zwar nicht intermittierend, sondern als nahezu unver¬
änderter chronischer Zustand. Es ist das Bild wie bei der postopera¬
tiven Tetanie. In der Literatur ist ein gleicher Fall nicht verzeichnet
und seine Bedeutung liegt in der Existenz einer dauernden, konsti¬
tutionellen, von äusseren Einflüssen unabhängigen Form der Tetanie
im Kindesalter. Mit besonderem Nachdruck betont E. die Schädigung
der Epithelkörperchenfunktion; in Fällen wie dem vorliegenden hat
diese Schädigung einen solchen Grad erreicht, dass es besonderer aus¬
lösender Momente nicht bedarf.
No. 49. J. Kita j-Wien: Ein Thermomassageapparat für den
praktischen Arzt
Der Apparat besteht in einer aus Metall gefertigten Walze, welche
mit Wasser von entsprechender Temperatur gefüllt wird und mit
einem Griff versehen ist und auch an die elektrische Leitung ange¬
schlossen werden kann (FJektromassage). Mit Wasser gefüllt ist die
Metallrolle 1 Pfund schwer, übt also bei der Anwendung auch einen
ziemlichen Druck aus. Die Verwendbarkeit bei Neuralgien, Lumbago,
Herzneurosen, Obstipation etc. ist eine sehr vielseitige.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1 2 . Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
95
Wiener klinische Rundschau.
No. 38. W. H e s s - Zürich: Der Einfluss warmer Bäder auf die
Viskosität des Blutes.
Bei 82 Bädern zu 35° ergab sich 60 mal eine Herabsetzung,
12 mal eine Erhöhung der Viskosität des Blutes. Die Abnahme betrug
im Durchschnitt 4,44 gegen 4,55, also 2,4 Proz., ist also praktisch von
geringerer Bedeutung. Zurückzuführen ist sie wohl auf vaso¬
motorische Vorgänge, von denen nur fraglich ist, ob sie das ganze
oder nur das periphere Qefässystem betreffen.
No. 37/38. E. B 1 a 11 n e r - München: Ueber ein neues Haut¬
phänomen bei Säuglingen.
Bei einer Reihe von atrophischen, unter 1 Jahr alten Kindern
der Pfaundler sehen Klinik, wovon 6 genauer geschildert werden,
sah Verf. nach leichter Berührung oder Reibung mit der Hand eine
eigentümliche Zusammenziehung der schlaffen Haut an der unteren
Extremität der betreffenden Seite, welche Pfaundler als Cha¬
grinlederhautphänomen bezeichnet. Zwischen unregelmässigen Run¬
zeln und Grübchen und Falten entstehen dabei bisweilen auch an
Urtikaria erinnernde Quaddeln. Das Phänomen ist mit der Cutis
anserina nicht identisch, kommt vielmehr bisweilen neben dieser vor;
es ist sehr vergänglich, fehlt bei gesunden Kindern und verschwindet
oft mit dem Eintritt besserer Ernährungsverhältnisse. Gleich der
Cutis anserina bedarf dieses Phänomen noch sehr der exakten Be¬
obachtung namentlich hinsichtlich seiner Abhängigkeit von den Inner¬
vationsgebieten.
No. 39/40. A. Eckermann -Leipzig: Ueber Narbenkarzinome.
Ein Ueberblick über die vorhandenen Publikationen zeigt die
nicht allzugrosse Häufigkeit der Narbenkarzinome. Aus der Klinik
Trendelenburgs beschreibt E. 5 Fälle, je 2 nach Lupus und nach
Verbrennung, einen bisher vereinzelt dastehenden nach Frost¬
gangrän.
H. B o r a 1 - Gardone-Riviera: Beitrag zur Kritik der Ophthalmo¬
reaktion.
B. beschreibt 2 Fälle, von denen der eine, nach der Cal-
m e 11 e sehen Originalvorschrift behandelt, heftige Lokal- und All¬
gemeinerscheinungen, der andere ein durch eine Woche anhaltendes
Rezidiv der lästigen Reaktionserscheinungen zeigte.
Trotzdem will B. nicht auf die Reaktion verzichten, aber nur eine
frischbereitete 1 proz. Lösung des Alttuberkulin Koch zulassen und
mit dieser Reaktion sollen erst noch ausgedehnte Versuche an grossen
Krankenanstalten ausgeführt werden.
No. 41/43. P. Z a n d e r - Berlin: Wie viele unter 1000 Wöch¬
nerinnen sind unfähig zu stillen und welches sind die Ursachen?
Die Zusammenstellungen aus der Münchener geburtshilflichen
Klinik (1905—07) ergeben, dass 94,7 Proz. der Wöchnerinnen inner¬
halb der ersten 7 Tage stillten, 5,3 nicht stillten, 1,4 Proz. an Milch¬
mangel litten. Gegenüber einer Zusammenstellung von 1895 bedeutet
dies eine Abnahme der Stillenden um Vs Proz.
No. 44,45. E. Venus-Wien: Die operative Behandlung der
Perikarditis.
Aus 178 operierten Fällen der Literatur berechnet V. 56 Proz.
Todesfälle, 4 OV 2 Proz. Heilungen, 3’1> Proz. Besserungen. Daraus
ergibt sich nun der relativ günstige Erfolg der operativen Behandlung,
es wären aber die einzelnen Operationsmethoden und die Aetiologie
der Perikarditis auf das genaueste zu berücksichtigen. Bei serösem
oder hämorrhagischem Ergüsse wird zunächst die Punktion, bei eitri¬
gem Ergüsse die breite Eröffnung durch Rippenresektion nach vorher¬
gegangener Probepunktion angezeigt sein. Die Punktion ist ange-
zeigt bei Lebensgefahr, Bedrängung des Herzens und der Lunge durch
das wachsende Exsudat und bei mangelnder Rückbildung grosser
Exsudate. Die Wahl der Punktionsstelle hängt von der Besonderheit
des Befundes ab.
'.'ach der Perikardiotomie empfehlen sich vorsichtige Ausspü¬
lungen der Perikardialhöhle und ausgiebige Drainage.
No. 46. C. W i d m e r - Zofingen: Zwei Luxationsfrakturen der
Wirbelsäule ohne Markläsion.
Zwei Eisenbahnverletzungen. Die eine ging in Heilung aus, der
andere Fall starb an hypostatischer Pneumonie. Das Rückenmark
"’ar durchaus unverletzt, wie auch die Dura mater und die longi¬
tudinalen Ligamente. Die Festigkeit dieser Ligamente trägt viel zu
dem glücklichen Verlauf solcher Frakturen bei, ebenso die Vermei¬
dung von Belastung, durch die oft erst nachträglich die Totalluxation
der Wirbelsäule und die Markverletzung erfolgt. Daher ist alles Auf-
richten der Kranken von Anfang an zu vermeiden.
No. 46/48. Durlacher - Ettlingen: Ueber plötzliche, durch
Obduktionsbefund nicht mit Sicherheit erklärliche Todesfälle bei Kin¬
dern und ihre forensische Bedeutung.
D. beschreibt eingehend hier einen solchen forensischen Fall
eines plötzlich erstickten Kindes, wo der sicher nicht gewaltsame Tod
■’. lc h nur mit einer starken Thymusschwellung in Verbindung bringen
liess.
No. 49/51. S. Ferenczi - Ofen-Pest: Ueber Aktual- und
Psychoneurosen im Lichte der Freud sehen Forschungen und über
die Psychoanalyse.
Betrachtungen über die Freud sehe Lehre mit Analyse
mehrerer Krankheitsfälle im Sinne Freuds.
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No. 52. J. S a d g e r - Gräfenberg: Die Hydrlatik bei Masern.
Verf. tritt für eine tätige Hydrotherapie der Masern ein. Bei
unkomplizierten Fällen soll sie in Form von kalten Abwaschungen eine
wohltätige allgemeine Tonisierung und eine Abkürzung des Prozesses
bewirken, event. sogar bei den noch nicht befallenen den Ausbruch
der Masern verhindern. Bei vollentwickelter Erkrankung können
hydrotherapeutische Prozeduren alle Krankheitserscheinungen mil¬
dern (Abreibungen, Waschungen, Umschläge). Bei schweren Fällen
eventuell mit zerebralen oder pneumonischen Erscheinungen werden
wiederholte Wickel und Halbbäder von 22—25° und Uebergiessungen
empfohlen. Bei Anzeichen von Herzschwäche zieht L. den mehr ge¬
bräuchlichen heissen Bädern ein ganz kurz (ca. 3 Sekunden) dauern¬
des Eintauchen in ein Bad von 10—13° mit nachfolgender trockener
Ganzreibung weitaus vor. Bei Krupperscheinungen empfiehlt er
gleichfalls allgemeine Bäder oder Packungen und lokal kaltnasse Um¬
schläge ohne impermeable Bedeckung.
No. 49,52. W. Müller- Dresden: Zur pathologischen Anatomie
der Friedreich sehen Ataxie.
Den eingehenden Erörterungen liegt ein, von Zahn bereits in
der Münch, med. Wochenschr. 1901 No. 42 und 43 beschriebener, in¬
zwischen zur Obduktion gelangter Fall zugrunde, ln dem genauen
Obduktionsbefund sind besonders die Veränderungen des Grosshirns
von Bedeutung: Das fast völlige Fehlen der Markscheiden im Gross¬
und Kleinhirn und eine beträchtliche, wahrscheinlich sekundäre
Gliose. Bisher sind die Befunde des Grosshirns bei der Fried-
reich sehen Krankheit stark vernachlässigt worden und cs entsteht
die Frage, inwieweit Grosshirnveränderungen dem Krankheitsbilde
derselben zugehören oder nicht und ob es sich dabei nicht um eine
Erkrankung des gesamten Nervensystems handeln kann.
Bergeat - München.
Englische Literatur.
(Schluss.)
G. E. Loreday und A. Ramsbottom: Die Opsonintherapie
und Diagnostik. (Med. Chronicle. Juni und Juli 1$H)8.)
Die Verfasser geben genaue Krankengeschichten aller von ihnen
behandelten Fälle. Es wurden von 22 mit Tuberkulin unter steter Kon¬
trolle des opsonischen Index behandelten Drüsenfällen gebessert resp.
geheilt 20; in den 2 nichtgebesserten Fällen waren die Drüsen schon
verkäst. In solchen Fällen muss die Behandlung kombiniert werden
mit einer kleinen Inzision und Auslöffelung des käsigen Inhaltes. Han¬
delt es sich um Drüsen, bei denen es schon zu bedeutender Ent¬
wickelung von fibrösem Gewebe gekommen ist, so ist wenig von der
Tuberkulinbehandlung zu erwarten in Bezug auf die Verkleinerung
der Drüsen; die Tuberkulinbehandlung beseitigt aber häufig die ent¬
zündlichen periadenitischen Verwachsungen und macht die Drüsen
beweglicher, so dass sie leichter entfernt werden können. Selbst
sehr lange bestehende Fälle (12 Jahre) werden oft durch das Tuber¬
kulin geheilt; am besten reagieren die Fälle, bei denen der opsonische
Index schon vor der Behandlung ziemlich normal ist. (Diese Fälle
sollten doch nach W rights Ansicht kein Tuberkulin brauchen.
Ref.) Von 9 Fällen von tuberkulöser Zystitis wurden 6 wesentlich
gebessert und zwar sowohl allgemein als auch lokal, in einem Falle
wurde nur das Allgemeinbefinden gebessert, 2 Fälle zeigten keinerlei
Besserung. Meist bemerkt man bei diesen Fällen zuerst eine Ver¬
mehrung des Körpergewichtes, dann hören die Schmerzen beim Was¬
serlassen auf und schliesslich verringert sich die Häufigkeit des
Wasserlassens. Die Behandlung muss lange fortgesetzt werden
(3—4 Monate) ehe Besserung zu verzeichnen ist. Von 7 Fällen von
Knochentuberkulose zeigte nur 1 keine bedeutende Besserung. Ferner
wurden noch 3 Fälle von Lupus (1 gebessert), 2 Fälle von tuber¬
kulöser Iritis (1 gebessert); 1 Fall von Peritonitis (gebessert) und
1 Fall von Fistel (nicht gebessert) behandelt. Die Menge des je¬
weilig verwendeten Tuberkulins (T.R.) richtete sich nach dem opsoni¬
schen Index. Man wählte die Dose, die die kleinste negative Phase
und die höchste und am längsten andauernde positive Phase gab. Im
allgemeinen haben die Verfasser nach und nach immer kleinere Dosen
gegeben; doch muss man sich durchaus nach den individuellen Ver¬
schiedenheiten der einzelnen Kranken richten. Von 6 Fällen von
Furunkulose wurden alle durch Impfungen mit Staphylokokkenvakzine
geheilt (1 bis 3 Impfungen); nur 1 Fall rezidivierte nach 5 Monaten.
Ein Fall von Fistel nach Laparotomie heilte nach einer Einspritzung,
ein Fall von Vereiterung des Kniegelenkes (Fremdkörperverletzung)
heilte nach mehreren Einspritzungen, ein Fall von Eiterung in einem
Amputationsstumpf ist noch unter Behandlung und macht gute Fort¬
schritte. In einem Fall von Osteomyelitis und Pyämie wurde eine
Vakzine aus den aus dem Eiter gezüchteten Streptokokken bereitet,
der Kranke schien sich zu bessern, dann trat eine Sekundärinfektion
mit Pyozyaneus ein und ehe hieraus eine Vakzine bereitet werden
konnte, starb der Kranke (wahrscheinlich dürfte er trotz der Bes¬
serung seinen Streptokokken erlegen sein. Ref.). Die Vcri. glauben,
dass die Bestimmung des opsonischen Index auch eine grosse dia¬
gnostische Bedeutung hat. Wichtig ist eine beträchtliche Fluktuation
des opsonischen Index (mindestens um 0,4) in zweifelhaften Fällen vor
und nach Anstrengungen oder Massage des affizierten Körperteils.
Ein zu hoher (1,4) oder ein zu niedriger Index (0,6). Auch ein
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%
MUENCHENEft MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT-
No. 2.
Unterschied von mindestens 0,3 in den opsonischen Indizes des Blutes
und der Gewebsflüssigkeiten (z. B. Aszites oder Eiter). Bei tuber¬
kulösen Fällen ist wichtig, wenn das auf 60° C erhitzte Serum noch
eine merkliche opsonische Kraft (0,3) für 10 Minuten beibehält. Die
Arbeit ist recht interessant und wert im Original gelesen zu werden.
J. Sim Wallace: Zur Ursache und Verhütung der Zahnkaries.
(Lancet, 12. September 1908.)
Verf. führt die Häufigkeit der Karies auf unsere unzweck¬
mässige Lebensweise zurück. Besonders sind es Zucker und Stärke,
die zwischen den Zähnen hängen bleiben und durch ihre Gärung
Karies erzeugen. Der Zucker ganz besonders formt infolge einer
Fermentwirkung eine gummiartige Masse, die nicht nur selbst an den
Zähnen hängen bleibt, sondern auch sonstige Speisereste hier fest¬
hält. Der Zucker verhindert die Speicheltätigkeit und versorgt die
säurebildenden Mundbakterien mit einem leicht gärenden Material.
Aehnliches gilt von der Stärke. Eine gute Prophylaxe muss schon
beim Säugling beginnen. Es ist ganz fehlerhaft Säuglingen vom
9 Monat Brot und Mehlarten in der Milch aufzuweichen, sie schlucken
diese weichen Speisen einfach ungekaut herunter und verlieren da¬
durch den automatischen Mechanismus, durch welchen solide Nah¬
rung so lange im Munde zurückgehalten werden sollte, bis sie durch
gründliches Kauen und Einspeichelung für den Schluckakt vorbereitet
ist. Man muss deshalb dem Kinde, sobald man überhaupt die reine
Milchnahrung aufgibt, ein Stück gerösteten Brotes mit Butter geben,
an dem es kauen kann. Nach 2 Monaten gebe man Zwiebäcke und
kleine Mengen gekochten Fisches und Geflügels. Ist das Kind
2 1 /a Jahre alt, so kann es die gewöhnliche Nahrung eines Erwachsenen
essen. Erwachsene sollten während des Essens nicht trinken und
nach jeder Mahlzeit frisches Obst, am besten einen Apfel, essen, das
reinigt die Zähne ausserordentlich. Vegetarianer haben meistens
schlechtere Zähne als Fleischesser. Findet man Karies an den Milch¬
zähnen, so müssen sie plombiert werden, hat die Karies schon die
Pulpa ergriffen, so müssen die befallenen Zähne und die ihnen geg.en-
überstehenden des anderen Kiefers extrahiert werden. Verf. hat
oft alle 8 Molarzähne entfernt und nur den besten Erfolg davon ge¬
habt. Diese Behandlung wird auch im Royal Dental Hospital geübt.
A. Gamgee: Die Behandlung des chronischen Morphinismus.
(Ibidem.)
Verfasser wendet sich sehr scharf gegen die englische Methode
der Morphiumentziehungskur, die darin besteht, dass man dem Kran¬
ken plötzlich und vollständig alles Morphium entzieht. Es kommt bei
dieser Kur nicht nur zu den schwersten Ausfallserscheinungen, son¬
dern auch fast immer zu Rezidiven. Prophylaktisch ist zu bemerken,
dass der Morphinismus in sehr zahlreichen Fällen durch den Arzt her¬
vorgerufen wird, der in leichtsinniger und unbedachter Weise seinen
Kranken das Mittel verschreibt. Man sollte niemals einem Kranken
länger als 21 Tage hintereinander das Mittel geben; muss ein Kran¬
ker fortgesetzt Narkotika haben, so wechsle man häufig mit dem
Mittel. Bei der plötzlichen Entziehung kommt es zu schwerer Schlaf¬
losigkeit, zu grosser Unruhe, zur Ausbildung maniakalischer Sym¬
ptome und nicht zu selten zum Selbstmordversuch. Ausserdem wer¬
den die schwersten kardialen Dyspnoen und Anorexie sowie Er¬
brechen beobachtet. Man entziehe also langsam und bekämpfe die
grosse Unruhe und Schlaflosigkeit mit kleinen Morphiumdosen per
os, sowie mit protrahierten, warmen Bädern und Veronal. Die Herz¬
beschwerden werden am besten durch Digitalis und subkutane
Strychnininjektionen bekämpft. Die Magenbeschwerden weichen am
besten Magenspülungen und grossen Dosen von Bismuth. carbon.
(5,0 pro dosi). Bei Kombination von Kokainismus und Morphinismus
entziehe man das Kokain plötzlich, beginne aber erst mehrere Tage
später mit der langsamen Entziehung des Morphiums. Die plötzliche
Kokainentziehung ruft höchstens Schläfrigkeit und Schwächegefühl
hervor.
C. E. Walker: Die Wirkung zweier Sera auf den bei Mäusen
vorkommenden Krebs. (Ibid.)
Verf. stellte zwei Seren dar, indem er Ratten mit dem Press¬
saft von den Hoden von Mäusen einspritzte. Das erste Serum wurde
von Ratten gewonnen, die 5 Wochen lang zweimal wöchentlich mit
dem Hodenextrakt gespritzt worden waren, das zweite Serum
stammte von Ratten, die 8 Wochen lang in dieser Weise behandelt
worden waren. Die später mit diesem Serum behandelten Mäuse
litten an Implantationskrebsen (der ursprüngliche Tumor stammte von
Ehrlich). Von 743 Kontrollmäusen, die nicht mit Serum behandelt
wurden, schwanden in 2 Fällen die Tumoren spontan, indem sie
schrumpften und abfielen. Bei 7 von 10 Mäusen, die mit Serum be¬
handelt wurden, das 14 Tage nach der letzten Hodensafteinspritzung
von der Ratte gewonnen war, wurden die Tumoren plötzlich gan¬
gränös, bei 1 trocknete der Tumor ein und fiel ab. Bei weiteren 10
mit demselben Serum behandelten Mäusen trocknete der Tumor in
7 Fällen ein und fiel ab. Bei mit Serum (das 8 Tage nach der letzten
Einspritzung gewonnen war) behandelten Mäusen wurde der Tumor
sehr hyperämisch, bei zur Kontrolle mit normalem Rattenserum be¬
handelten Mäusen war dies nicht der Fall. Bei den mit Serum be¬
handelten Mäusen wuchsen die Tumoren stets viel langsamer, als bei
Mäusen, die mit normalem Rattenserum behandelt wurden. Verf.
glaubt, dass das Serum von Ratten, die längere Zeit mit dem leben¬
dige Hodenzellen von Mäusen enthaltenden Pressaft behandelt wur¬
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den, Stoffe enthält, die eine spezifische Wirkung auf die Zellen dieses
Ehrlich sehen Mäusetumors ausübt.
C. O. H a w t h o r n e: Die zerebralen und okularen Kompli¬
kationen der Anämie und ihre Beziehungen zur Thrombose. Lancet,
19. Sept. 1908.)
Verf. sucht nachzuweisen, dass eine Anzahl oft beängstigender
Symptome bei schwer anämischen Personen auf Thrombosen in den
Venen zurückzuführen sind. Treten die Thrombosen in den intra¬
kraniellen Venen und Blutleitern auf, so wird nicht selten die Fehl¬
diagnose auf Hirntumor oder Meningitis gestellt. Diese Fälle gehen
nicht selten in völlige Heilung über. Es kommt dabei zuweilen zu
doppelseitiger Neuritis optica und zu Lähmungen einzelner Augen¬
muskeln. Auch die Neuritis optica beruht in diesen Fällen auf Throm¬
bose. Verf. gibt einige sehr interessante Krankengeschichten, die im
Original nachzulesen sind.
E. B. L e e c h: Der medizinische Ausblick auf die Erfolge der
Gastroenterostomie. (Ibid.)
Verf., ein Internist, hat 128 Fälle von Gastroenterostomien, die
von verschiedenen Chirurgen der Manchester Royal Infirmary ope¬
riert wurden, später nachuntersucht. Es handelte sich um 79 Fälle
von nicht bösartigem Magenleiden und um 46 Fälle von Krebs. Es
ist interessant, dass bei 10 Fällen, die während der Operation als
Krebs diagnostiziert worden waren, die spätere Beobachtung ergab,
dass es sich um ein gutartiges Ulcus gehandelt hatte, bei 3 Fällen
war die umgekehrte falsche Diagnose gemacht worden. Die hintere
Anastomose wurde in der grossen Mehrzahl der Fälle gemacht,
und hat Verf. den Eindruck, als ob manchmal zu spät operiert wor¬
den sei. Von den gutartigen Fällen wurden 47 Proz. von allen Be¬
schwerden befreit, 21 wesentlich gebessert, 9 Proz. nicht gebessert,
23 Proz. starben innerhalb der ersten 2 Monate nach der Operation.
(Diese hohe Mortalität ist sicherlich auffallend und steht im Wider¬
spruche zu den Erfahrungen anderer Chirurgen, wie z. B. des Reier.,
der die Mortalität der Gastroenterostomie bei gutartigen Magen¬
affektionen auf höchstens 3 Proz. ansetzen möchte.) Von den nicht
geheilten oder gebesserten Fällen litten 10 an andauernden Schmer¬
zen, 8 an Erbrechen, 2 an Tabes (diese hätte man nicht operieren
dürfen. Refer.), je einer an Wiederkäuen und Oesophagusstriktur.
Von den wegen Krebs gastroenterostomierten Fällen lebten 32 Proz.
in gebessertem Zustande länger als 2 Monate nach der Operation:
22 Proz. lebten ungebessert länger als 2 Monate, 46 Proz. starben
in weniger als 2 Monaten nach der Operation. Es waren also nur
etwa 32 Proz. der Fälle „der Mühe wert“ gewesen. Die längste
Lebensdauer nach einer Gastroenterostomie wegen Krebs betrug
30 Monate. Im allgemeinen sind die Chirurgen mehr und mehr von
der Vornahme der Operation bei malignen Fällen zurückgekommen.
Verf. möchte auch nach dem Resultat seiner Nachuntersuchungen die
Operation bei malignen Fällen nur selten vorgenommen sehen, bei
nicht malignen Fällen dagegen soll sie immer gemacht werden, wenn
die interne Behandlung versagt. (Refer. hat eine Anzahl von Leuten
operiert, die mit grosser, von aussen fühlbarer Geschwulst in ganz
schlechtem Zustande zur Operation kamen und bei denen es sich
erst lange nach der Operation herausstellte, dass der vermeintliche
Krebs doch etwas Entzündliches war; er möchte deshalb raten, in
allen Fällen, in denen Pylorusstenose besteht und der Kranke kräf¬
tig genug scheint, die Operation zu überstehen, dieselbe vorzu¬
nehmen.)
T. Arnold J o h n s t o n: Ein Fall von Heilung der Schlafkrankheit
durch Atoxyl. (Ibid.)
Es handelte sich um einen Europäer, der die Krankheit an der
Goldküste bekam und im September 1907 in die Bradford Infirmary
aufgenommen wurde. Er wurde vom 25. September bis 2. Oktober
mit täglich steigenden Dosen von Atoxyl behandelt und vom 5. Okto¬
ber an mit Atoxyl und Sublimat. Am 1. Tage wurden 16 Tropfen
einer gesättigten wässrigen Atoxyllösung intravenös eingespritzt, an
den folgenden 3 Tagen je 32 Tropfen, vom 6. Tage an wurden
3 Tage lang je 32 Tropfen einer 2 proz. Sublimatlösung intramuskulär
eingespritzt; nach einer kurzen Zwischenpause wurde der 8 tägige
Behandlungszyklus wiederholt. Der Kranke genas vollkommen und
ist seit 6 Monaten völlig gesund geblieben.
Macleod Y e a r s 1 e y: Die Behandlung des schweren Schwindels
und Tinnitus durch Operation. (Ibid.)
Verf. empfiehlt, bei schweren Fällen zuerst die radikale Mastoid-
operatiop zu machen und im Anschluss daran nach Entfernung der
Gehörknöchelchen mit Einschluss des Stapes das Promontorium frei¬
zulegen, die Kochlea aufzumeisseln und gegen das Vestibulum zu
vorsichtig auszuräumen. Dann wird der äussere Canalis semicircu-
laris eröffnet und der hintere Kanal ebenso behandelt. Letzterer wird
bis zum Vestibulum verfolgt und dieses mit einem feinen Löffel aus¬
geschabt. Schliesslich werden alle diese Gebilde mit 2 proz. Forma¬
linlösung ausgetupft. Verf.s Fall wurde völlig geheilt. F.r ist der 8.,
der bisher operiert wurde; die Erfolge sind ausgezeichnet.
F. H. Joseph: Eine Verbesserung der Romanowskysehen
Färbemethode. (Ibid.)
Lösung I wird bereitet, indem man 1,0 Methylenblau (Grüb¬
ler) in 100,0 Aqu. dest. löst; nach 24 Stunden giesst man die über¬
stehende Flüssigkeit ab und fügt zu 90,0 der Flüssigkeit 10,0 einer
1 proz. wässrigen Lösung von Natr. hydrat. Die Mischung wird im
Qrifinal from
UNIVER3ITY OF CALIFORNIA
12. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
97
Wasserbade für 36 Stunden auf 55—60° C erwärmt. Lösung II be¬
steht aus 1,0 Eosin (Grüblers gelbes), das in 5,0 Alcoh. absol.
gelöst wird und dem 95,0 Aqu. dest. zugefügt werden. 35,0 der
Lösung I werden mit 50,0 Methylalkohol (Merck) gut geschüttelt;
dann fügt man 30,0 der Lösung 11 hinzu und bringt das Ganze mit
Methylalkohol auf 350,0. Diese Lösung kann sofort benutzt werden
und hält sich mehrere Monate lang. Das zu färbende Präparat wird
1 Minute in der unverdünnten und 3 Minuten in der mit dem zwei-
bis vierfachen Volumen Wasser verdünnten Lösung gefärbt und dann
20 Sekunden lang mit destilliertem Wasser abgespritzt. Zum Färben
von Trypanosomen etc. verlängere man die Färbung auf 10 bis
20 Minuten.
John Matthews: Ueber die Verwendung von fertigen Vak¬
zinen in der Behandlung infektiöser Erkrankungen. (Lancet, 26. Sept.
1908.)
Die Arbeit verdient besondere Berücksichtigung, da sie von
einem der Mitarbeiter W rights geschrieben ist. Es ist interessant,
zu hören, dass W r i g h t in seiner Poliklinik im St. Marys Hospitale
die meisten Fälle jetzt lediglich unter Kontrolle der klinischen Sym¬
ptome mit Vakzine behandelt, und dass er die Bestimmung und stete
Kontrolle des opsonischen Index jetzt nur noch für Ausnahmcfällc
fordert. Auch verlangt er nicht mehr, dass für jeden Kranken eine
Vakzine aus den von ihm beherbergten Bakterien dargestellt wird,
sondern er beschränkt sich meistens darauf, ein Aussti ichpräparat zu
machen, dasselbe zu färben und daraus die bakteriologische Diagnose zu
stellen. Er verwendet dann die den gefundenen Bakterien entsprechen¬
den Vakzinen, die im grossen in seinem Institut hergestellt werden.
Bei Tuberkulose verwendet er T. R. (Höchst). Bei Akne, Furunku¬
lose etc. gibt er zuerst 50 Millionen Staphylokokken und steigert
wöchentlich bis zu 500 Millionen. Handelt es sich bei dem Kranken
um einen grossen Furunkel, der aussieht, als ob er doch zur Reife
kommen würde, so gibt er soiort 500 Millionen; dies führt zu einer
starken negativen Phase, der Furunkel kommt rasch zur Reife und
entleert sich spontan oder durch Schnitt. Eine Woche später gibt
man 100 Millionen und steigt dann wöchentlich um 50 bis 100 Mil¬
lionen, bis 500 Millionen erreicht sind. Viele chronische Ekzeme
werden durch langsam steigende Einspritzungen von Staphylokokken
und innerliche Verabreichung von Kalksalzen rasch geheilt. Bei pri¬
mären lokalen Streptokokkeninfektionen beginne man mit sehr kleinen
Dosen der Streptokokkenvakzine, ebenso bei Gonorrhöe und beson¬
ders bei gonorrhoischer Arthritis. Bei zu grossen Dosen kommt es
zu stärkerer Schwellung und Schmerzhaftigkeit. Bei chronischer
nicht gonorrhoischer Urethritis ist es am besten, eine Vakzine aus
den Bakterien des Harnsäuresekrets zu bereiten. Die negative Phase
wird durch stärkere Sekretion angezeigt, und man darf dann nicht
mit der Dosis in die Höhe gehen. Bei lokalisierter Tuberkulose (z. B.
bei einem kräftigen Erwachsenen mit einer tuberkulösen Drüse) darf
man mit relativ grossen Dosen von Tuberkulin beginnen, d. h. mit
: «so«» bis Vioooomg. Ist aber der geringste Verdacht auf Phthise vor¬
handen, so beginne mit Vaoooo mg und steigere nur mit der grössten
Vorsicht. Hat man mit Visooo begonnen, so spritze man alle 10 Tage;
beim 3. Mal steigere man langsam und fahre so fort, bis man 1 .,hk>
bis 1 4000 mg erreicht. Höhere Dosen sind, wenigstens während der
ersten 6 Monate der Behandlung gefährlich. Nur sehr selten steigert
Verf. die Dosis bis auf V2000 mg. Bei Urogenitaltuberkulose geht er
nie über \&ooo mg hinauf. Bei Phthise und tuberkulöser Peritonitis
darf man V'aooo mg nur selten überschreiten. Bei Kindern variieren
die Dosen zwischen V25000 und l U 000. Die prophylaktische Impfung
gegen Typhus besteht in einer Anfangsdosis von 1000 Millionen
Typhusbazillen. 10 Tage später gibt man eine zweite Einspritzung
von 2000 Millionen Bazillen. Bei der Behandlung von Fisteln, Ab¬
szesshöhlen etc. muss man immer darauf sehen, dass die Wände gut
von Blut durchspült werden. Dies erreicht man durch die Durch¬
spülung der Fistel mit einer 4 proz. Salz- und einer 1 proz. Natr.-
citric.-Lösung in sterilisiertem Wasser. Dies führt zu starker Durch¬
blutung der erkrankten Gewebe, indem die verstopften Lymphbahnen
wieder frei werden. Koliinrektionen dürfen nur mit für jeden Fall
speziell bereiteten Vakzinen behandelt werden.
J. P. zum Busch- London.
Inauguraldissertationen *).
Georg Schumacher hat an der medizinischen Veterinärklinik
in Giessen Untersuchungen über die Resorptions-
Fähigkeit der tierischen Haut für die Salizylsäure
und ihr Natriumsalz angestellt, die auch für die Humanmedizin
von Interesse sind. Er fand die intakte Haut des Pferdes, Rindes,
Hundes und Kaninchens für die Salizylsäure sowohl in Salbenform als
in alkoholischer Lösung permeabel. Natrium salicylicum wird weder
in Salbenform, noch in spirituöser Lösung von der intakten Haut ge¬
nannter Tiere resorbiert. Die resorbierte Salizylsäure erscheint,
wenn sie in Zusammensetzung mit Adeps suillis und Lanolin als
Salbe oder in alkoholischer Lösung appliziert wird, durchschnittlich
nach 2 Stunden schon im Harn. Die Ausscheidung der Salizylsäure.
*) Zusendung von Dissertationen an die Adresse der Redaktion.
München, Arnulfstrasse 26, erbeten. Besprechung Vorbehalten.
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in Salbenform appliziert, hält ungefähr zwei Tage lang an. Wird die
Salizylsäure in spirituöser Lösung auf die Haut gebracht, so geschieht
ihre Eliminierung schneller. Die geringste Menge der in Salbeniorm
eingeriebenen Salizylsäure, die sich noch im Harn nachweisen lässt,
beträgt beim Kaninchen 0,2, beim Hund 0,3, beim Rind 0,3, beim
Pierd 0,5 g; in spirituöser Lösung beim Hund 0,15, beim Rind 0,15,
beim Pferd 0,5 g. (Giessen 1908.) Fritz L o e b.
Neu erschienene Dissertationen.
Universität Berlin. Dezember 1908.
Lichtenstein Mieczislaw: Ueber Autointoxikationen bei Haut¬
krankheiten.
Zuckerstein -Wischtynetzkaja, Frau Caja: Welche Re¬
sultate ergibt das M ii 11 e r sehe Gewichtsverfahren?
Schuppius Richard; Klimatische Einwirkungen im Lichte der
Statistik.
Wetzel Ernst: Ueber Prostatahypertrophie und ihre Behandlungs¬
methoden.
Becker Karl: Ein Fall von Kankroid der Lidhaut auf dem Boden
eines subkutanen Fibroms. — Ein Beitrag zur Kenntnis der Augen¬
lidtumoren.
Priese Max: Ueber die Einwirkung periodisch erzeugter Dyspnoe
auf das Blut. — Experimentelle Untersuchungen im Anschluss au
Kuhns Berichte über seine Lungensaugmaske.
Seldowitsch David: Beitrag zur Frage über das Auftreten der
Alopecia syphilitica.
Silbersiepe Fritz: Beitrag zum Studium der Keratitis paren-
chymatosa auf luetischer Basis. — Unter Zuhilfenahme der Was-
serman n sehen Reaktion.
Warnekros Kurt: Ueber die Funktion des M. constrictor pha-
ryngis sup. bei der Sprache unter normalen und pathologischen
Verhältnissen.
Universität Erlangen. Dezember 1908.
Jebe Matthias: Ueber einen Fall von Echinococcus multilocularis
bei gleichzeitigem Carcinoma recti.
Ochs August: Digitale Stellungskorrektur bei tiefem Querstand, bei
Vorderhauptslage und hinterer Hinterhauptslage.
Federschmidt Hermann: Zur Aetiologie der traumatischen Me¬
ningitis.
Bachmann Robert: Ueber Mesenterialtumoren und einen Fall von
multiplen Fibromen des Mesenteriums.
Takeo Tai: Ueber den Wert und die Wirkung des Hanfmchls in
der Behandlung der Rachitis.
Kaspar Karl: Erfahrungen mit der v. Pirquetschcn Tuber¬
kulinimpfung am Kind.
Universität Freiburg. Dezember 1908.
Alexander v. Rothe: Ueber ein mannskopfgrosses Myom der Harn¬
blase.
Walter Kauert: Der vor- und frühzeitige Blasensprung. Aetiologie.
Therapie und Prophylaxe mit klinischen Untersuchungen über 40U
Fälle aus der Universitäts-Frauenklinik Freiburg i. Br.
Willy Kettner: Ueber OKI Myomoperationen. Aus der Univer¬
sitätsfrauenklinik Freiburg i. Br. (Krönig). (Oktober 1904 bis
Dezember 1906.)
Sam Weiss: Ueber die Infiltrationen der Hirngefässe bei der pro¬
gressiven Paralyse.
Georg Gaabe: Der Gallertkrebs der Brustdrüse.
Ernst Schwab: Technik und Indikationen der künstlichen Sterili¬
sation der Frau.
Dr. Erich Bracht: Ueber Rechtslagerung der Aorta. Ein Beitrag
zu den Missbildungen des Aortenbogens.
Wilhelm Saurborn: Ueber feuchte und trockene Asepsis bei Lapa¬
rotomien.
Otto Veit: Ueber Sympodie.
Universität Königsberg. Juli 1908.
S a n d e 1 o w s k y Isidor: Ueber die Beziehungen der kartilaginäi en
Exostosen zu den multiplen Enchondromen.
Powels Arthur: Chorea und Geistesstörung.
Pensky Erich: Innere Einklemmungen nach Gastroenterostomie.
August 1908.
Döhrer Heinrich: Ueber die Behandlung eingeklemmter Hernien.
Landau Isaak: Ein Fall von kongenitaler Kommunikation zwischen
Blase und Uterus mit starker Dilatation der letzteren durch Atresia
vaginae et urethrac bei einem Neugeborenen.
Bromberg Alexander: Beiträge zur Pathologie und Therapie der
Sklerodermie im Anschluss an 4 Fälle.
Steinberg Heinrich: Kasuistischer Beitrag zur Lehre der Darm-
invagination.
September 1908.
Schiller Arnim Friedrich Maximilian: Ueber intratracheale
Strumen.
Siebert Hans: Multiple primäre Karzinome auf gleichem Boden.
Berg Johanna: Zur Aetiologie der angeborenen Klumphand.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
98
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
Oktober 1908.
Bortz Lasar: Spätresultate der Wendungen.
Beck Richard: Beiträge zur Lehre der idiopathischen Hautatrophie.
Börnstein Felix: Ueber traumatische Arytänoidknorpelaffektionen.
Kurze Mitteilungen über Larynxdurchleuchtung.
Re hm Artur: Ueber einen Fall von doppelseitig operierten sub¬
phrenischen Abszessen.
November 1908.
Carl Walther: Experimente über B i e r sehe Stauung bei Strepto¬
kokkeninfektion am Kaninchenohr.
Universität München. Dezember 1908.
Be n gl i des Jean: Ueber die in den Jahren 1902—1906 in der Kgl.
Universitäts-Frauenklinik und der Kgl. Hebammenschule zu
München eingeleiteten künstlichen Frühgeburten.
Alberti Otto: Zur Kasuistik der Mediastinaltumoren.
Weidenpesch Paul: Die Amputation nach Q r i 11 i.
Wetze 11 Friedrich: Beiträge zur perkutanen Tuberkulinreaktion
nach M o r o.
Bachhammer Hans: Ueber ein luetisches Aneurysma der Brust¬
aorta mit Perforation nach aussen und innen.
Klein Friedrich Clemens: Ein Fall von syphilitischer Rektumstenose.
Euler Paul: Ein Fall von primärer Intestinaltuberkulose bei einem
3% jährigen Kinde, wahrscheinlich durch Fütterungsinfektion be¬
dingt.
Dusch 1 Josef: Zur Therapie der Leukämie durch Röntgenstrahlen.
Brauer August: Die Frühoperation der Appendizitis unter Berück¬
sichtigung des Materials der Münchener chirurgischen Klinik von
März 1904 bis März 1908.
Osborne Walter: Ueber beri-beri-artige Erkrankungen aus
Afrika. Ein Beitrag zur Aetiologie der Segelschiff-Beri-Beri.
Universität Strassburg. Dezember 1908.
Boss Karl: Die Erfahrungen der Strassburger Universität-Frauen¬
klinik über Pubiotomie.
Gruss Joseph: Zwei Fälle von foetalem Aszites.
Kühlmann Alfred: Beitrag zur Frage der Ammonshornverände¬
rungen bei Epilepsie.
Universität Tübingen. Oktober 1908.
Wolff Paul: Ein Fall von Zystadenokarzinom des Hodens bei einem
23 jährigen Manne.
November 1908. Nichts erschienen.
Dezember 1908.
Götz August: Untersuchung von Tränendrüsen aus verschiedenen
Lebensaltern. (Aus der Tübinger Universitäts-Augenklinik.)
Schnitzer Klemens: Ueber isolierte Brucheinklemmung des Wurm¬
fortsatzes.
Auswärtige Briefe.
Berliner Brief
Stellung der Aerzte zur Strafprozessreform. — Vereinheitlichung
des Berliner Rettungswesens. — Unwürdiger Versuch zur Verbilligung
ärztlicher Behandlung.
Anlässlich der Tagung der deutschen Landesgruppe der „Inter¬
nationalen Kriminalistischen Vereinigung“ fand eine Versammlung
statt, in der die Herren Le p p m a n n - Berlin und Aschaffen¬
burg- Köln über die Stellung der Aerzte zur Strafprozessreform
berichteten. Herr Leppmann sprach über die Forderungen, welche
vom ärztlichen Standpunkte aus einerseits zur Wahrung der Standes¬
würde und zur Erfüllung der Sachverständigenaufgaben, anderseits
zum Schutze der natürlichen Schutzbefohlenen der Aerzte, nämlich
der Kranken, gestellt werden müssten. Es ist oft darüber Klage ge¬
führt worden, dass die Richter nicht selten über ein ärztliches Gut¬
achten einfach hinweggehen, und demzufolge ist der Wunsch aus¬
gesprochen worden, dass das Gutachten bindend sein solle; von einer
solchen Forderung müssten wir aber Abstand nehmen, da die freie
Beweiswürdigung des Richters in keiner Weise beeinträchtigt wer¬
den dürfe. Dagegen müsste alles geschehen und im Gesetze festgelegt
werden, was geeignet ist, dem Sachverständigen seine Aufgabe zu
erleichtern. Dahin gehört vor allem, dass er das Recht habe, An¬
träge auf Einsichtnahme in die Akten zu stellen, ferner auf Ver¬
nehmung von Zeugen und Beschuldigten, auf Herbeischaffung von
Auskünften und sonstigem Material, das ihm zur Vorbereitung seines
Gutachtens nötig erscheine, und auf Verbringung eines Beschuldigten
in eine Irrenanstalt zur Untersuchung des Geisteszustandes. Es hat
sich vielfach der Brauch eingebürgert, dass ein von dem Angeschul¬
digten oder seinem Vertreter geladener Sachverständiger schlechter
behandelt wird, als der vom Gericht geladene; das ist ein unhaltbarer
Zustand, es müsste für alle gleiches Recht bestehen; insbesondere
muss ihnen über die Person und die Sache, die begutachtet werden
soll, jede gewünschte Auskunft gegeben und sowohl im Vor- und Er¬
mittlungsverfahren wie in der Hauptverhandlung in gleicher Weise
Gelegenheit gegeben werden, das Gutachten vorzubereiten. Un¬
nötige Unbequemlichkeiten und Störungen in ihren sonstigen Beruis-
pflichten erwachsen den als Sachverständige fungierenden Aerzten
vielfach dadurch, dass sie länger an Gerichtsstelle festgehalten wer¬
den, als im Interesse der Sache nötig ist, d. h. bei der Erörterung von
Dingen, die für die Gestaltung des Gutachtens ganz unerheblich sind.
Darum soll der Vorsitzende das Recht haben, die Sachverständigen
zeitweilig zu beurlauben; es geschieht jetzt lediglich aus dem Grunde
nicht, weil man fürchtet, damit einen Revisionsgrund zu schaffen.
Auch die Bestimmungen über sachverständige Zeugen sollen fallen,
sie dienen nur dazu, um auf Kosten der Sachverständigen Geld zu
sparen, und führen zu ewigen Reibereien zwischen Aeizten und Rich¬
tern. Wenn ein Arzt nur über Wahrnehmungen, die er gemacht hat,
vernommen werden soll, so soll er als Zeuge geladen werden; ver¬
langt man von ihm aber ein Urteil, so soll er als Sachverständiger ge¬
laden werden. Von besonderer Bedeutung sind die Forderungen, die
zum Schutze von Zeugen, Beschuldigten und Verurteilten erhoben
werden müssen. Wer einmal als Angeklagter vor Gericht gestanden
hat, erleidet, auch wenn er freigesprochen wird, fast immer schweren
Schaden an Leib und Seele. Dem Freispruch haftet gar zu leicht das
Odium an, dass er aus Mangel an Beweisen erfolgt ist, und die
monatelangen Aufregungen sind imstande, den Betroffenen körperlich
schwer zu schädigen und seine bürgerliche Existenz zu untergraben.
Es ist daher zu verlangen, dass in Fällen, wo eine Anklage auf einem
Sachverständigenurteil basiert, z. B. bei Kindesmord oder bei Kunst¬
fehlern von Aerzten, dem Angeschuldigten das Recht zustehen solle,
schon vor Eröffnung des Hauptverfahrens ein anderes Gutachten zu
verlangen, da die Anklage dadurch vermieden werden kann. Aber
auch schon das Erscheinen vor Gericht als Zeuge kann mit gesund¬
heitlichen Schädigungen aller Art verbunden sein. Zeugen sind bei
dem jetzigen Zustande stets in Gefahr, dass durch allerlei Fragen,
z. B. solche, die die Glaubwürdigkeit in Zweifel ziehen sollen, auch
der kleinste, längst vergessene Makel ihrer Vergangenheit vor aller
Oeffentlichkeit in strahlendste Beleuchtung gesetzt wird, ja sogar,
dass der Glaube an einen gar nicht bestehenden Makel wachgerufen
wird. So ist es leicht erklärlich, dass nicht nur in weiten Kreisen
eine starke Abneigung dagegen besteht, als Zeuge vor Gericht zu er¬
scheinen, sondern dass auch der Gedanke daran, diese Pflicht erfüllen
zu müssen, mit Aufregungen und Angstzuständen verbunden ist, die
besonders bei Nervösen, bei Diabetikern und bei Tuberkulösen schwe¬
ren Schaden im Gefolge haben. Und gar zu oft stellt sich schliess¬
lich heraus, dass die Betreffenden eigentlich gar nichts von Belang
auszusagen haben. Es soll daher bei erheblicher und dringlicher Ge¬
sundheitsgefahr das Erscheinen vor Gericht unterbleiben dürfen, und
bei geringerer Gefahr soll der Richter abwägen, ob das Zeugnis wich¬
tig genug ist, um die Gefahr heraufzubeschwören. Schliesslich ist
auch auf den schädlichen Einfluss Rücksicht zu nehmen, den die
Untersuchungshaft auf das Nervensystem und auch auf organische
Krankheiten, besonders die Tuberkulose, ausübt; sie soll daher noch
mehr als in dem Entwurf vorgesehen ist, eingeengt werden, und es
soll geprüft werden, ob etwa sich zeigende gesundheitliche Schäden
nicht im Missverhältnis stehen zur Schwere der Straftat und zum
Zweck der Haft. Auch soll unter den Gründen, die zur Aussetzung
der Strafhaft führen, die besondere Gefährdung der Gesundheit oder
bestehende Kränklichkeit angeführt werden.
Herr Aschaffenburg besprach die auf psychiatrischem Ge¬
biete liegenden Forderungen, die in wissenschaftlichen Gesellschaften
zwar schon ausgiebig erörtert sind, in dem Entwurf aber fast ganz
fehlen. Dahin gehört die Art der Vereidigung; sie soll nicht vor, son¬
dern nach der Aussage erfolgen. Denn wenn z. B. einem Zeugen
während der Vernehmung einfällt, dass er einen Punkt nicht ganz ge¬
nau berichtet hat, so fürchtet er sich, im Hinblick auf den bereits ge¬
leisteten Eid, seine Aussage zu korrigieren, wird ängstlich und sagt
überhaupt nicht mehr klar aus. Ferner soll die Vereidigung nicht
davon abhängig sein, ob dem Zeugen die Bedeutung des Eides klar
ist, sondern davon, ob er imstande ist, richtig zu beobachten und das
Beobachtete richtig wiederzugeben. So kann z. B. ein geisteskranker
Querulant die Bedeutung des Eides sehr genau kennen und doch eine
objektiv unwahre Aussage machen, weil sie eben ein Produkt seiner
Wahnvorstellungen ist. Im Zusammenhang damit steht die Forde¬
rung, dass die Möglichkeit gegeben werden soll, Zeugen psychiatrisch
zu untersuchen; allerdings kann eine solche Massregel leicht miss¬
braucht werden, sie wird daher auf lebhaften Widerspruch bei den
Juristen stossen; und deshalb soll sie auch nur für ausserordentliche
Fälle verlangt werden, z. B. bei Personen, welche sexuelle Ver¬
brechen anzeigen, denn solchen Anzeigen liegen sehr häufig Wahn¬
vorstellungen zugrunde. Die Beobachtung auf den Geisteszustand in
Irrenanstalten ist nur bis zur Höchstdauer von 6 Wochen gestattet,
in manchen Fällen genügt das nicht, wie Aschaifenburg durch
ein Beispiel aus der eigenen Erfahrung beweisen konnte; es muss
daher Vorsorge getroffen werden, dass die Beobachtung auch über
diese Zeit hinaus ausgedehnt werden, und dass bei Obergutachten
eine neue Beobachtung in einer Irrenanstalt vorgenommen werden
kann. Der Redner bemängelte sodann die Art und Weise, wie die
Akten der Voruntersuchung zustande zu kommen pflegen. Die Proto¬
kolle werden von untergeordneten Beamten aufgenommen und in
direkter Rede abgefasst; dabei kommt es vor, dass den Beschuldigten
Aeusserungen in den Mund gelegt werden, die sie vermöge ihres
Geisteszustandes niemals getan haben können. Es sollen daher nur
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12. Januar 1909.
muenchener medizinische wochenschrut.
99
wörtlich gefallene Aeuserungen in direkter Rede aufgenommen und
die Fragestellung hinzugefügt werden. Die Zeit, welche Straf¬
gefangene in Irrenanstalten zubringen, wird in Preussen — im Gegen¬
satz zu der in anderen Krankenanstalten verbrachten Zeit — nicht auf
die Strafhaft angerechnet; man fürchtet, dass sonst zu oft Geistes¬
krankheit simuliert werden würde. Diese Besorgnis ist aber ganz un¬
begründet, da es nur ganz ausserordentlich selten Vorkommen kann,
dass ein Geistesgesunder eine Geisteskrankheit erfolgreich simuliert.
Anderseits kann durch diese Bestimmung die Haft auf die doppelte
Zeitdauer verlängert werden. Das erfreulichste an dem Entwurf
ist die Einführung der Jugendgerichtshöfe, nur wünscht Aschaf-
f e n b u r g, dass bei ihnen auch Frauen als Schöffen fungieren. Er
sieht in den Jugendgerichtshöfen den Anfang einer auf modernen
und humanen Grundsätzen ruhenden Strafrechtspflege, welche nicht
der Bestrafung, sondern der Heilung und Genesung verbrecherischer
Naturen dienen soll.
In der Diskussion wies Herr Sommer darauf hin, dass die
Juristen auch in den wichtigsten psychiatrischen Fragen ausgebildet
sein müssten; wenn das der Fall wäre, sei es gleichgültig, ob der
Staatsanwalt oder der Untersuchungsrichter die Voruntersuchung
führt, jeder von ihnen müsste imstande sein, auf die etwa auftauchen-
den psychiatrischen Fragen zu achten.
Das Berliner Rettungswesen, das in seiner dreiteiligen Gestalt
als Rettungswachen, Unfallstationen und Sanitätswachen zu mancher¬
lei Wirren und Missständen Anlass gegeben hatte, geht nunmehr,
nachdem vor etwa Jahresfrist die Stadt die Rettungswachen über¬
nommen hat, allmählich einer Vereinheitlichung entgegen. Den Sani¬
tätswachen, als der ältesten der drei Einrichtungen, soll ihr histo¬
risches Recht auf Fortbestehen gewahrt bleiben, sie werden unter
Beibehaltung ihres Namens mit den anderen Instituten vereinigt.
Zwischen dem Aerzteverein der Rettungsgesellschaft und dem Kura¬
torium der Unfallstationen sind auf Veranlassung der städtischen Be¬
hörden Verhandlungen in die Wege geleitet, die bezwecken, dass der
erstere Verein den Dienst auf den Unfallstationen organisiert, vor¬
läufig allerdings in einer Form, der noch viel von den Schlacken des
ehemals verpönten Unfallstationswesens anhaftet. Immerhin sind
diese Verhandlungen als ein Fortschritt zu begrüssen, denn wenn
sie zum Ziele führen sollten, so wäre der erste Schritt zur einheit¬
lichen Organisation des Berliner Rettungswesens getan.
Als vor einiger Zeit der Versuch gemacht wurde, sog. Mittel¬
standskassen zu gründen, d. h. den mehr oder weniger wohlhabenden
Leuten auf Kosten der Aerzte die ärztliche Behandlung zu verbilligen,
da scheiterte dieser Versuch an der einmütigen Ablehnung der Aerzte,
und man liess keinen Zweifel daran, dass ein solches Bestreben als
ungehörig betrachtet wurde. Auch dass bestehende Einrichtungen
dieser Art bei Vereinigungen von dem Mittelstände angehörigen Per¬
sonen (Verein junger Kaufleute, Bankbeamtenverein) einen Unfug be¬
deuten und nur deshalb geduldet werden, weil sie nun einmal nicht
sogleich aus der Welt geschafft werden können, wurde mit aller
Deutlichkeit ausgesprochen. Dabei ist zu beachten, dass nicht nur
eine Anzahl von Aerzten zu sehr niedrigen Honorarsätzen verpflichtet
sind, sondern dass das gleiche auch für eine Reihe bekannter Autori¬
täten und Professoren der Fall ist. Weit über diesen Zustand hinaus¬
zugehen versuchte nun der Berliner Lehrerverein, eine die wirt¬
schaftlichen Interessen ihrer Mitglieder bei Einkäufen aller Art ver¬
tretende Vereinigung, indem er sich mit einer Naivetät, die eigent¬
lich nur euphemistisch als solche bezeichnet werden kann, mit einem
gleichen Ansinnen an eine Anzahl von Professoren wendet. Er
wünscht, seinen Mitgliedern, aus deren Kreisen „tagtäglich aus allen
Teilen Deutschlands Anfragen von Patienten nach namhaften Autori¬
täten einlaufen, Ermässigungen bei hervorragenden Aerzten zu er¬
wirken“. Ueber diesen Wunsch brauchte man sich vielleicht noch
nicht gerade aufzuregen; es wird aber in dem Anschreiben ganz un¬
verhüllt zum Ausdruck gebracht, dass den Professoren etwas zu¬
gemutet wird, was des Schleiers der Dunkelheit bedarf. Denn es
heisst darin weiter, dass die Patienten „zur strengsten Diskretion,
auch dem Hausarzt gegenüber“ verpflichtet werden, dass die Mit¬
glieder in das ihnen überreichte Verzeichnis der billigen Professoren
keinem Lokalarzt Einsicht gestatten dürfen, und dass sie bei keinem
der konsultierten Aerzte sich auf einen anderen, von dem Verein vor¬
geschlagenen Arzt berufen dürfen. Wir wollen zur Ehre der „her¬
vorragenden Aerzte“, die mit dem Anschreiben bedacht wurden, an¬
nehmen, dass sie darauf die gebührende Antwort gegeben haben. Es
ist aber doch ein eigentümliches Zusammentreffen,« dass zu derselben
Zeit, wo unsaubere Beziehungen zwischen Professoren und Konsul¬
tationsbureaus aufgedeckt werden, eine wirtschaftliche Vereinigung
es wagt, deutschen Professoren ganz unverblümt zu sagen: „Tut nur
getrost, was ihr anständigerweise nicht tun dürft, es soll es ja nie¬
mand erfahren“. Mit Befriedigung sieht man, dass das Ansehen der
Aerzte wieder langsam zu steigen beginnt, mit Bedauern aber, dass
das des deutschen Professors im Sinken begriffen ist; und es konnte
auch nicht anders kommen, nachdem es Brauch geworden ist. diesen
einst so hochangesehenen Titel allzu freigebig auszustreuen. M. K.
Römische Briefe.
(Eigener Bericht)
Rom, Ende Dezember.
Die Frage der ausländischen Aerzte ln Italien. — Eine bedeut¬
same Entdeckung über den Krebs.
Der Ministerpräsident hat der Abgeordnetenkammer einen Gesetz¬
entwurf vorgelegt, durch welchen, wenn er, wie es den Anschein hat,
zur Annahme gelangt, die seit langem schwebende Frage der ausländi¬
schen Aerzte in Italien endlich ihre Lösung fände. Bekanntlich kann
jeder fremde Arzt, den es danach gelüstet, ohne irgendwelche
nennenswerte Schwierigkeiten in Italien Praxis ausüben. Allerdings
bestimmt ein Passus unseres Sanitätsgesetzes, dass jeder Arzt, der
sich in einer Gemeinde niederlasen will, bei der Behörde die Di¬
plome etc. vorlegt, welche ihn zur Ausübung der ärztlichen Praxis
berechtigen und des weiteren existiert eine Vorschrift, wonach der
ausländische Arzt nur bei Ausländern seine Praxis ausüben dürfte.
Aber das sind so die gewöhnlichen Vorschriften mit den bekannten
Hintertürchen; und in Wirklichkeit kamen die tollsten Dinge vor. Man
erzählt von ausländischen Aerzten, die überhaupt auf keiner ernstzu¬
nehmenden Universität promoviert hatten, und zahlreich sind jene, die
sich durchaus nicht auf die Praxis bei den Ausländern beschränken,
sondern auch sehr fleissig italienische Patienten behandeln. Der
Kampf, den die italienischen ärztlichen Vereine und verschiedene Ab¬
geordnete seit Jahren führten, um diese Gesetzesverletzungen zu ver¬
hindern, ja, um ohne weiteres allen Aerzten die Ausübung der Praxis
zu verbieten, die Angehörige eines Staates sind, welcher den italie¬
nischen Aerzten nicht die gleichen Rechte zugesteht, hat ja schon
mannigfaches Echo in der ausländischen Presse gefunden und end¬
lich ist es ihm auch gelungen, den passiven Widerstand zu brechen,
den unsere Regierung so lange entgegensetzte. Jeder rechtlich Den¬
kende wird ohne weiteres zugeben, dass der italienische Standpunkt
völlig gerechtfertigt ist, und von den fremden Regierungen hat z. B.
England auch schon Parität der Behandlung der italienischen Aerzte
zugesagt. Der Bildungsgrad unserer Aerzte steht zurzeit zweifels¬
ohne auch im Durchschnitt durchaus nicht unter dem Niveau der
ausländischen Aerzte, und zahlreich sind jene, welche die
eine oder andere oder auch mehrere fremde Sprachen voll¬
ständig beherrschen, längere Ausbildungsreisen gemacht haben
und sich daher dem ausländischen Kranken gegenüber sowohl
sprachlich als wissenschaftlich tadellos benehmen können.
Die fremden Aerzte in Italien verletzen daher auch unser Selbstgefühl,
um so mehr, behaupten die Vorkämpfer in dieser Frage, als die
wissenschaftlichen Qualitäten so manchen fremden Arztes, der hier
Praxis ausübt, auch unter dem Mittel steht.
In dem jetzt vorgelegten Gesetzentwurf sucht man der Frage
der fremden Aerzte sozusagen durch den Flankenangriff beizu¬
kommen, indem man den verschiedenen Aerzteverbänden, die schon in
allen Provinzen bestehen, die aber bis jetzt rein privater Natur sind
und daher keinerlei Zwang ausüben können, einen legalen Charakter
gibt, wie ihn schon die Verbände der Advokaten besitzen. Jeder
Arzt, der nicht von irgend einer öffentlichen Administration abhängt,
muss sich dann im Verband eintragen lassen, widrigenfalls ihm die
Ausübung der Praxis untersagt wird.
Da sich aber nur jene Aerzte einschreiben lassen können, welche
die Approbation einer italienischen Universität oder derjenigen eines
anderen Landes besitzen, das den italienischen Aerzten Gleichberechti¬
gung gewährt, so sind von vornherein alle Ausländer (mit Ausnahme
der Engländer) ausgeschlossen. Das Gesetz nimmt auch keinerlei
Rücksicht auf die zahlreichen ausländischen Aerzte, die schon jetzt in
Italien ansässig sind und von denen doch nur ein verschwindender
Bruchteil die Examen an einer italienischen Universität nachgeholt
hat. Im Interesse dieser Kollegen ist es zu wünschen, dass ihre
Landesregierungen, besonders auch Deutschland, dem der grösste Teil
der durch das neue Gesetz bedrohten Aerzte angehört, dem Beispiel
Englands folgen und die Gleichberechtigung anerkennen. Das wäre
jedenfalls für alle Teile die einfachste und angenehmste Lösung.
Eine hochbedeutsame Mitteilung hat vor einigeii Tagen der
Prof. S c 1 a v o über die Experimente und Studien gemacht, die Prof.
Sanfelice von der Universität Messina ausfiihrte und die ihn,
wie es scheint, zu einer Entdeckung von höchster wissenschaftlicher
und sozialer Bedeutung gebracht haben. Es ist dem Prof. San¬
felice, der an der genannten Universität den Lehrstuhl für Hygiene
inne hat und der sich seit 15 Jahren mit besonderem Eifer und Inter¬
esse mit den bösartigen Tumoren beschäftigt, gelungen, deren Ur¬
sachen zu erklären, sie bei Hunden zu erzeugen und die Heilung zu
erzielen. Bei Untersuchung der Gärungen wollte er versuchen, ob
einige von den Keimen, die er isoliert hatte, imstande seien, eine
pathogenetische Wirkung auszuüben, und tatsächlich gelang es ihm
durch Injektion dieser Keime auf Tiere in einem Fall wirkliche
Tumoren an verschiedenen Teilen des Körpers hervorzurufen. Da¬
durch wurde die Aufmerksamkeit des Professors auf jenen Keim ge¬
lenkt, den er nach den Eigentümlichkeiten seiner Form und seiner Wir¬
kung: „Saccharomyces neoformans“ nannte. Die weiteren
Tierexperimente Hessen die neubildende Wirkung dieses Keimes
immer klarer hervortreten und er konnte späterhin auch in mensch¬
lichen Tumoren, die von Prof. Sanfelice und nachher anderen
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Gck igle
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
100
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
studiert wurden, nachgewiesen werden. Dieser Befund war aber
durchaus kein gleichmässiger, so dass man in jenem Stadium der
Untersuchungen zwar schon behaupten konnte, dass der „Saccharo¬
myces neoformans“ irgendwelchen Anteil an der Entstehung der Tu¬
moren habe, es aber durchaus nicht möglich war, festzustellen, dass
seine Wirkung konstant sei oder dass er einen hervorragenden
Anteil an der Entstehung der malignen Tumoren beim Menschen
habe. Auch beim Tierexperiment erzeugt der Saccharomyces neo¬
formans nicht immer Tumoren, sondern es kommt vor, dass er sich
im ganzen Körper ausbreitet und einen invasierenden Charakter an¬
nimmt, ganz ähnlich jenem, den auch einige andere, infektiöse Keime
aufweisen.
In dieser ersten Periode der Untersuchungen war es also Prof.
S a n f e 1 i c e wohl gelungen, eine Reihe neuer Tatsachen von wissen¬
schaftlich grossem Interesse ans Licht zu bringen, aber es war wenig
oder nichts gefunden worden, was die Aussicht auf eine, für den Men¬
schen nützliche, praktische Anwendung geboten hätte. Erst als Prof.
S a n f e l i c e sich auch mit den Ausscheidungsprodukten des
Saccharomyces neoformans, d. h. mit seinem Toxin zu beschäftigen
begann, kam er auf Beobachtungen, die ihn mit grossen Schritten dem
ersehnten Ziele näherten. Vor allem machte er die- Beobachtung,
dass das Toxin auch für sich allein jenen Prozess der Zellwucherung
auslösen kann, welcher zur Bildung der Tumoren führt; und dass es,
wenn diese Tumoren sich gebildet haben, durch Uebertragung eines
Teilchens derselben auf gesunde Tiere gelingt, auch bei diesen Tu¬
moren, mit dem gleichen Charakter der zuerst erzeugten, hervor¬
zurufen. Durch mikroskopische Untersuchung sind in diesen Tumoren
keinerlei Parasiten nachzuweisen, und dies ist ein Punkt von grosser
Wichtigkeit, denn dadurch wird es erklärlich, warum auch in vielen
spontanen Tumoren keine Keime aufzufinden sind. Man muss an¬
nehmen, dass sie sich in einem Winkel des Körpers eingenistet haben
und von dort aus das Toxin verbreiten, das, wie nun erwiesen ist,
auch für sich allein Tumore hervorrufen kann. Nachdem es auf diese
Weise Prof. Sanfelice gelungen war, festzustellen, dass die Tu¬
moren eine Folge der Vergiftung durch die Ausscheidungsprodukte
eines bestimmten Parasiten seien, begann er seine Studien aus dem
rein wissenschaftlichen auf das praktische Gebiet zu verlegen und
versuchte ein Gegengift zu erzeugen, welches es ermöglicht, die
Wirkung der Toxine in den Wucherungen zu neutralisieren. Und
wirklich gelang es ihm, durch Injektion einer entsprechend modi¬
fizierten Dosis Toxin des Saccharomyces neoformans von etlichen
Tieren ein Serum zu erhalten, welches zweifelsohne prophylaktische
und heilkräftige Wirkung auf die experimentellen Tumoren ausübt.
Durch die Wirkung dieses Serums wird der Einfluss der Toxine
in den neugebildeten Zellen ausgeschaltet und sie werden allmählich
von den Geweben, in denen sie sich eingenistet haben, durch eine
Reihe von degenerierenden Prozessen, die alle von Sanfelice
sehr genau verfolgt und studiert wurden, aufgezehrt, um schliesslich
ganz zu verschwinden.
Aber nun blieb immer noch die Hauptfrage zu lösen, nämlich die,
ob auch die spontanen Tumoren durch das Serum so leicht zu be¬
einflussen seien, wie jene auf experimentellem Weg erzeugten. Mit
sehr lobenswerter Vorsicht suchte Prof. Sanfelice die Lösung
dieser Frage nicht gleich direkt durch Behandlung krebskranker Per¬
sonen zu erreichen, sondern er schlug den unangenehmeren und be¬
schwerlicheren Weg ein und verschaffte sich erst mühsam genug ein
reiches Studienmaterial, indem er von allen Seiten krebskranke Hunde
zusammensuchen liess. Die Erfolge, die er mit seinen Seruminjek¬
tionen bei diesen erzielt hat und die sehr genau und gewissenhaft
nachgeprüft wurden, bestätigen vollauf die Hoffnungen des genialen
Gelehrten, der seine Entdeckungen nur seiner eisernen Ausdauer zu
danken hat, denn er musste seine Studien bisher unter den denkbar
widrigsten Umständen und mit geradezu lächerlich beschränkten Mit¬
teln ausführen. Erst jetzt, nachdem die Kunde dieser so überaus
wichtigen Entdeckungen ins Publikum gedrungen ist, sind ihm von
einem reichen Mäcen 100 000 Lire zur Verfügung gestellt worden, um
eine Klinik für arme, krebsleidende Frauen zu gründen, denn nun¬
mehr sind die Untersuchungen auf einem Punkt angelangt, welche die
Versuche mit dem Serum an kranken Menschen nicht nur gestatten,
sondern sogar zur Pflicht machen. Und so steht zu Hoffen, dass es
dem Gelehrten mit Hilfe weiterer Unterstützungen, die ihm in Aus¬
sicht gestellt wurden, gelingt, möglichst bald greifbare, direkte
Früchte seiner Mühen zu ernten und die Menschheit durch seine
Entdeckung wieder von einer Geisel zu befreien, die lange und schwer
genug auf ihr gelastet hat.
Vereins- und Kongressberichte.
Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden.
(Offizielles Protokoll.)
IV. Sitzung am 28. Oktober 1908.
Vorsitzender: Herr S c h m o r 1.
Herr Hans Haenel: Osteoarthropathia vertebralls.
Es handelt sich um einen 52 jährigen Offizier a. D., der seit
Anfang der 90 er Jahre an Tabes leidet, seit 1904 ataktisch ist, seit
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ca. 5—6 Jahren keine nennenswerte Verschlechterung, im Gegenteil
Abnahme der lanzinierenden Schmerzen beobachten konnte. Seit
Anfang ds. Js. traten dagegen neue Schmerzen anderen Charakters
auf, neuralgieartig, im Kreuz, Gesäss, Leistengegend bis in den Hoden
ausstrahlend. Zugleich bemerkte Pat. eine Schwäche im Rücken, der
Oberkörper sank nach vorn über, die Schmerzen traten auch im
Sitzen und besonders bei Erschütterungen (Fahren) auf, nötigten Pat.
zu vielem Liegen. Die Untersuchung zeigt ausser den klassischen
tabischen Symptomen eine Kyphose der Lendenwirbelsäule, der Ober¬
körper erhält dadurch eine nach vorn geneigte, fast abgeknickte
Haltung; er erscheint im Verhältnis zur gesamten Körperlänge zu
kurz, der Rippenbogen besonders längs dem Darmbeinkamm abnorm
genähert; Messung ergibt, dass P?t. 6 cm an seiner ursprünglichen
Körperlänge verloren hat. Die Darmfortsätze der Lendenwirbel sind
nur undeutlich abzutasten, neben ihnen fühlt man in der Muskel¬
masse des Erector trunci harte knöcherne Gebilde. Druck- oder
Klopfempfindlichkeit fehlt, bei den sehr beschränkten aktiven und pas¬
siven Bewegungen fühlt man in der Tiefe Knirschen und Reiben.
Das linke Bein ist 2—2,5 cm dünner als das rechte, die elastische
Erregbarkeit links quantitativ herabgesetzt, qualitativ normal. Im
Röntgenbild erkennt man, dass der 4. und 5. Lendenwirbel zu einer
Masse zusammengeschmolzen sind, die auf der linken Seite schmäler
ist als auf der rechten. Ebenso ist der Raum zwischen V. Lenden¬
wirbel und Sakrum obliteriert, die übrigen Intervertebralscheiben
erscheinen verschmälert und z. T. undeutlich. Die Querfortsätze sind
auffallend hell und blass, von ihrer Basis gehen knollige, dicke und
feste Knochenmassen aus, die die Zwischenwirbelsäule überbrücken,
z. T. auch in sonderbaren Haken und Zacken frei von den Wirbel¬
körpern abstehen. Es bestehen also, genau wie bei den Arthropathien
peripherer Gelenke, atrophische und hypertrophische Knochenprozesse
nebeneinander, z. T. überwiegen deutlich die der letzteren Art. ln
Fürnrohrs Monographie über die Röntgenstrahlen im Dienste der
Neurologie sind ähnliche Bilder beschrieben. Therapeutisch war
hier eine Behandlung durch Schutzkorsett angezeigt, die den Gang
besserte und die neuralgiformen Schmerzen in der Gesäss- und Lei¬
stengegend zum Verschwinden brachte.
Diskussion: Herr Rostoski erinnert daran, dass er im
Jahre 1900 einen Fall von Steifheit der Hals- und Brustwirbelsäule
beschrieben hat. Der 24 jährige Mann wies zu gleicher Zeit Ver¬
steifungen verschiedener peripher gelegener Gelenke (Hand- und
Fussgelenke) auf, während bei der Spondylose rhizomilique (Pierre
Marie) neben der Lenden- und Brustwirbelsäule die Schultergelenke
erkranken. Sektionsbefunde waren damals noch nicht bekannt, die
Röntgenplatte liess keine Veränderungen erkennen, doch musste ätio¬
logisch der akute bezw. chronische Gelenkrheumatismus in Betracht
kommen, an dem Patient früher schon erkrankt war, und in dessen
Verlauf er einen Herzfehler akquiriert hatte.
Inzwischen hat Rostoski in Dresden 2 weitere Fälle von
Steifheit der Wirbelsäule beobachtet. Von dem einen liegt
ein Sektionsbefund vor. Der 48 Jahre alte Patient hatte
seit seiner Kindheit oft an Gelenkrheumatismus gelitten, das letzte Mal
im Jahre 1906. An diese letzte Attacke hatte sich eine immer stärker
werdende Steifigkeit der ganzen Wirbelsäule mit Unbeweglichkeit der
Hüftgelenke angeschlossen. Die übrigen Gelenke waren frei. Der
Tod erfolgte an einer Lungentuberkulose. Eine intra vitam vorge-
nommene Röntgenaufnahme gab keinen Aufschluss über den Grund der
Versteifung. Der Sektionsbefund und namentlich die Röntgenauf¬
nahme der herausgenommenen und der Länge nach durchsägten Wir¬
belsäule wiesen knöcherne Verbindungen zwischen den Gelenkfort¬
sätzen und eine Verknöcherung einer Zwischenwirbelscheibe der
Brustwirbelsäule nach. Während also in diesem Fall wieder die
Noxe des Gelenkrheumatismus ätiologisch in Betracht kommt, ist die
Ursache in einem zweiten Falle nicht so klar. Der 43 Jahre alte
Patient hatte beim Militär Gonorrhöe. Schon vor 10 Jahren bekam er
einen steifen Hals, der aber nach 2 Jahren wieder gut beweglich war.
Seit 4 Jahren leidet er nun neuerdings an Schmerzen und zunehmender
Steifigkeit im Bereich der ganzen Wirbelsäule. Alle übrigen Gelenke
des Körpers sind schmerzlos und frei beweglich. An der Wirbel¬
säule sind nirgends Knochendeformitäten fühlbar, die Röntgenplatte
gibt keinen Aufschluss.
Herr A. Schanz: Meine Herren! Nur ein paar Worte, um
Ihnen an dem Fall, den Herr H ä n e 1 berichtet hat, das Krankheits¬
bild zu zeigen, über welches ich dann zu sprechen gedenke: Das Bild
der Insufficientia vertebrae.
Der Patient d*es Herrn H ä n e 1 hatte Druck- und Klopfschmerzcn
an der Wirbelsäule und ausstrahlende Beschwerden. Diese Erschei¬
nungen sind zum guten Teil durch ein Stützkorsett gehoben worden.
Dieses Korsett hat natürlich keinen Einfluss haben können auf das
ursächliche Leiden (die tabische Erkrankung der Wirbelsäule), son¬
dern es konnte das Korsett nur eine Verminderung der Be¬
lastung der Wirbelsäule herbeiführen. Daraus ist zu
schliessen, dass diejenigen Erscheinungen, welche
mit der Anwendung des Korsettes verschwunden
sind, bedingt sind, durch die Belastung oder rich¬
tiger durch eine Ueberlastung der Wirbelsäule.
Durch die tabische Erkrankung ist die Tragfähigkeit der Wirbelsäule
herabgesetzt, die normale Körperlast bedeutet jetzt eine Ueberbe-
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12. Januar 1909. _ MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT. _ - Vlf)l
lastung und diese Ueberbelastung bedingt das Beschwerdebild der
Insufficientia vertebrae.
Herr Q. Schmorl: Die klinisch als Versteifung der Wirbelsäule
sich bemerkbar machende Erkrankung ist anatomisch keine ein¬
heitliche Affektion. Es verbergen sich darunter zwei anatomisch voll¬
ständig von einander verschiedene Prozesse. In einer Reihe von
Fällen ist die Versteifung die Eolge einer Spondylitis deformans, in
einer anderen die einer Spondylitis ankylopoetica. Die erstere findet
sich als zirkumskripte Erkrankung bei älteren Personen gar nicht
selten und kann, wenn sie sich über grössere Abschnitte der Wirbel¬
säule erstreckt, zu einer vollständigen Versteifung der Wirbelsäule
führen. Sie ist auf eine Degeneration der Bandscheiben zurückzu¬
führen und anatomisch dadurch charakterisiert, dass sich an den
Vorder- bezw. an den Seitenflächen der Wirbelkörper entsprechend
ihrem oberen und unteren Rand Wucherungen von Knochensubstanz
finden, welche die Bandscheiben überbrücken und miteinander ver¬
schmelzend kleinere oder grössere Abschnitte in einen starren Kno-
chenstab verwandeln können (Demonstration einschlägiger Fälle an
anatomischen Präparaten und Röntgenplatten). Bei der anderen Form,
der Spondylitis ankylopoetica, kommt es zu einer Ankylosierung der
kleinen Wirbelgelenke. Bei der Genese dieser Form spielen, wie
E. F r ä n k e 1 besonders betont hat, mitunter traumatische Einwir¬
kungen (Fall auf das Gesäss etc.) eine Rolle, was bei der Beur¬
teilung derartiger Fälle stets im Auge zu behalten ist. Bei der Ent¬
stehung der Spondylitis deformans, die als Alterserkrankung anzu¬
sehen ist, kommen Verletzungen kaum in Frage.
Herr Hecker hat in seiner Anstalt noch keinen solchen Fall
bei Tabes gesehen. Von Spondylarthritis ankylopoetica hat er 2 be¬
obachtet.
Herr A. Schanz: Herr Schmorl hat uns gesagt, dass in
einem gegebenen Fall die nach einem Unfall auftretenden Beschwer¬
den an der Wirbelsäule nicht auf den Unfall zurückgeführt werden
konnten, weil die anatomische Untersuchung der Wirbelsäule Spuren
eines stattgehabten Bruches nicht erkennen Hessen. Diese Beweis¬
führung halte ich nicht für schlüssig. Wir finden sehr häufig Wirbel¬
säulen, welche nach Unfällen schmerzempfindlich werden und ver¬
steifen, ohne dass Spuren einer Fraktur nachweisbar wären. Diese
Patienten können in hohen Graden an ihrer Erwerbsfähigkeit ge¬
schädigt werden, und ich halte es für einen Fehlschluss, wenn man
dann im gegebenen Fall den Zusammenhang mit dem Unfall ver¬
neint, weil es nicht möglich ist, die Spuren einer anatomischen Ver¬
letzung nachzuweisen. Wir kennen die Pathologie der Wirbelsäule
noch viel zu wenig, um behaupten zu können, weil wir nichts finden,
ist nichts vorhanden. Ich will Ihnen dafür, dass es an der Wirbel¬
säule noch recht vieles zu finden gibt, nur ein Beispiel anführen:
Lange in Kopenhagen hat vor einigen Jahren mit Wirbeln
Druckversuche gemacht. Er hat verschiedenartige Wirbel in den
Maschinen, in welchen die Techniker die Festigkeit von Bau¬
materialien u. dergl. prüfen, gedrückt. Zufällig kam er dabei in den
Besitz eines Wirbels von einem jugendlichen Bauarbeiter, welcher an
Folgen eines Sturzes vom Gerüst gestorben war. Der Wirbel er¬
schien vollständig intakt. In der Druckmaschine zeigte er aber eine
ganz bedeutende Veränderung seines Verhaltens gegenüber der Norm.
Die Tragfähigkeit des Wirbels war ganz ausser¬
ordentlich vermindert.
Derartige Befunde zeigen uns, dass wir mit unserem Urteil doch
sehr vorsichtig sein müssen, auch dort, wo wir anatomische Läsionen
nicht nachweisen können. Denn dass eine solche Verminderung der
Tragfähigkeit des Knochens, wie sie in diesem Fall nachgewiesen
worden ist, nicht ohne Bedeutung für die Funktion der Wirbelsäule
sein kann, ist doch selbstverständlich.
Herr L o t z e berichtet über 2 Fälle von Verstellung der Lenden¬
wirbelsäule.
Herr H. H ä n e 1 ergänzt noch die Krankengeschichte des ein¬
gangs besprochenen Patienten. Was die Beschwerden des Patienten
betrifft, so meint er, dass dieselben doch lokal veranlasst waren.
Herr A. Schanz: Insufficientia vertebrae und Skoliose.
Schanz schliesst an seinen Vortrag vom 17. April 1907 an.
Er hat damals über eigentümliche Schmerzzustände an der Wir¬
belsäule berichtet, für welche er die Bezeichnung „Insufficientia
vertebrae“ vorschlug. Man findet in den Gezeichneten Fällen
Klopfschmerzen in der Dornfortsatzreihe und Druck¬
schmerzen an den zugänglichen Wirbelkörpern.
Lieblingsstellen für diese Schmerzen sind die Höhe der Schulter¬
blättermitte und die Lendenwirbelkörper. Mit diesen Erscheinungen
an der Wirbelsäule sind sehr häufig ausstrahlende Be¬
schwerden verbunden, welche in der Form von Brustschmerzen,
von Unterleibsschmerzen, Verdauungsstörungen, Ischias u. dergl. auf-
treten, und welche in ihrer Lokalisation mit der Höhe des schmerz¬
haften Abschnittes der Wirbelsäule übereinstimmen. Schanz führte
das Entstehen dieser Beschwerden zurück auf ein Belastungsmissver¬
hältnis an der Wirbelsäule. Wenn die Wirbelsäule durch Belastung
übermässig in Anspruch genommen wird, oder wenn die Tragfähig¬
keit derselben unter die Norm sinkt, so entsteht ein Belastungsver¬
hältnis, dies führt zur Erzeugung von Reizerscheinungen an der Wir¬
belsäule. Deren Ausdruck sind die geschilderten Symptome. Die
Beschwerden sind dementsprechend zu beseitigen
durch Ausgleichung des B e 1 a s t.u ü'&srü i $'sV.fe/b &Tt.-
n iss es. Dieses geschieht wieder am schnellsten und sichersten
durch Anlegung eines Stützkorsettes.
Bei seinem obengenannten Vortrag hatte Schanz ausgeführt,
dass man erwarten müsse, das Beschwerdebild der Insufficientia
vertebrae auch regelmässig bei der Skoliose zu finden; denn diese
Deformität wird ja auch besonders von Schanz auf die Wirkung
eines Belastungsmissverhältnisses an der Wirbelsäule zurückgeführt.
Schanz suchte die Erklärung dafür, dass man bei der Skoliose das
Bild der Insufficientia vertebrae nicht beobachte, in einem Vergleich
mit den Plattfussbeschwerden und dem Plattfuss. Er sagte, ebenso
wie es eine Eigentümlichkeit der Plattfussbeschwerden ist, ohne das
anatomische Bild aufzutreten und am ausgebildeten Plattfus zu fehlen,
so kann aus uns ebenso unbekannten Gründen die Insufficientia verte¬
brae entstehen, ohne dass sich eine Skoliose ausbildet, und es kann
eine Skoliose entstehen, ohne dass das Bild der Insufficientia verte¬
brae deutlich wird.
Diese damals vorgetragenen Anschauungen korrigiert Schanz
heule, indem er berichtet, dass man in jedem Fall von Sko¬
liose auch das Beschwerdebild der Insufficientia
vertebraenachweisenkönne. Es ist ein Irrtum, wenn man
allgemein annimmt, dass die Skoliose eine ohne Beschwerde ent¬
stehende Deformität sei. Untersucht man Skoliosen, welche
im Stadium der Entstehung oder der Verschlimme¬
rungsind, so findet man an der Wirbelsäule aus¬
nahmslos Schmerzstellen, und zwar entweder Klopfschmer¬
zen in der Dornfortsatzreihe, oder Druckschmerzen an den Wirbel¬
körpern, oder beides vereint. Die Schmerzen finden sich regelmässig
an denjenigen Stellen, an welchen die Hauptkrümmungen der skolio-
tischen Verbiegung entstehen. Ihr Grad ist ein Messer für die
Schwere des skoliosierenden Prozesses. Je heftiger diese Schmerzen,
in um so schnelleren Fortschritt befindet sich die Skoliose und umge¬
kehrt. Auch die ausstrahlenden Beschwerden finden sich bei diesen
Fällen ganz regelmässig. Ein Teil derselben sind die sog. Interkostal¬
neuralgien der Skoliosen. Es ist auffällig, dass man diese Beschwer¬
den bisher noch nicht gekannt hat. Die Ursache dafür liegt an ge¬
wissen Eigentümlichkeiten des Materials.
Der Befund des Beschwerdebildes der Insufficientia vertebrae
und Skoliose hat auch für die Therapie grosse Bedeutung. Schanz
hat in seinem früheren Vortrag ausgeführt, dass die Patienten mit
höheren Graden der Insufficientia vertebrae gymnastische Kuren nicht
vertragen. Das gilt auch für die Fälle, in welchen die Skoliose mit
höheren Graden jenes Beschwerdebildes verbunden ist. Alle Sko¬
liosenpatienten, welche heftigeren Klopf- und
Druckschmerz an der Wirbelsäule haben, vertra¬
gen gymnastische Kuren schlecht! Erst nachdem es mit
geeigneten Mitteln gelungen ist, diese Empfindlichkeiten herabzu¬
setzen, kann man, und zwar ganz vorsichtig, mit Gymnastikkuren
beginnen.
Herr A. Schanz: Fortschritte in der Behandlung der Insuf-
fictentia pedls (Plattfussbeschwerden).
Das Beschwerdebild der Insufficientia pedis kommt zu stände,
wenn der Fuss über die ihm eigentümliche Tragfähigkeit belastet
wird. Dieses Belastungsmissverhältnis führt, wenn es lange genug
spielt, zur Bildung des anatomischen Bildes des Plattfusses. Man
nennt daher die in diesem Falle auftretenden Beschwerden Plattfuss¬
beschwerden. Um zu kennzeichnen, dass die Beschwerden nicht von
dem anatomischen Bild, sondern von der Existenz eines Belastungs¬
missverhältnisses abhängig sind, hat Schanz die Bezeichnung In¬
sufficientia pedis vorgeschlagen.
Diese Beschwerden müssen sich beseitigen lassen, wenn es ge¬
lingt, das Belastungsmissverhältnis auszuschalten. Die einfach¬
sten Mittel zudiesemZwecksind mechanische Vor¬
richtungen, welche geeignet sind, dem Fuss den¬
jenigen Teil der Last abzunehmen, welcher die
Ueberlastung bedingt. Für die meisten Fälle kommen die
sog. Plattfusseinlagen dafür in Frage. Diese Einlagen er¬
reichen in der grossen Ueberzahl der Fälle sofortige Beseitigung aller
Beschwerden. Es bleiben aber eine Anzahl von Füssen übrig, bei
denen die Einlage zwar gute Dienste erweist, aber doch die sonst
erzielte volle Wirkung nicht erreicht. Eine bestimmte
Klasse von Fällen ist darunter charakterisiert durch Beschwer¬
den, welche im Vorderfuss liegen. Diese Patienten haben
druckempfindliche Stellen unter dem 2., 3. oder 4. Metatarsalköpfchen,
oder sie haben Schmerzen im Grosszehenballen, oder Schmerzen in
den Zehengelenken, oder schmerzhafte Hühneraugen. Sehr häufig
findet man bei diesen Fällen Halux valgus verschiedenen Grades
ausgebildet und eineWerbreiterung des Vorderfusses.
Die geschilderten Fälle nehmen insofern eine Sonderstellung ein.
als bei ihnen das Eindrücken des Fussgewölbes weniger
die Längswölbung, sondern vielmehr die Q u e r w ö 1 b u n g des
F u s s e s betrifft. Die Annahme, dass jene Beschwerden von einem
Eindrücken der Querwölbung herrühren, wird bestätigt durch einen
therapeutischen Versuch. Wenn man nämlich die Quer¬
wölbung wieder auf ihre Höhe bringt, und auf der¬
selben gespannt hält, so verschwinden die Be¬
schwerden momentan. Als Hilfsmittel zu diesem Experiment
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No. 2 .
' Braucht'ntan nichts -weiter als einen Heftpflasterstreifen. Man drückt
den Vorderfuss leicht zusammen, setzt den Heitpflasterstreiien auf
der Mitte des Fussrückens an, führt ihn zum Kleinzehenballen, unter
der Fussohle durch zum Grosszehenballen wieder auf den Fussrücken
zurück und wiederholt diese Tour noch einmal mehr fersenwärts zu.
Ist dieser Pflasterstreifen unter richtiger Spannung angelegt, so
bietet er eine momentane bedeutende Erleichterung. Lässt man ihn
längere Zeit tragen, so bekommen die Füsse meistens ohne weitere
Massnahmen wieder ihre normale Leistungsfähigkeit.
Um die Wirkung des Verbandes mit der der Einlage zu ver¬
binden, hat S c h a n z eine neue Konstruktion gemacht. Er modelliert
den auf einem Sandsack in Korrektion gebrachten Fuss ab und lässt
auf das Modell eine aus hartem Leder und Stahlschienen zusammen¬
gesetzte stützende Einlage arbeiten, die in ihrem Sohlenteil die Längs¬
wölbung des Fusses stützt, und durch zwei seitlich heraufgreiicnde
Backen die Querwölbung zusammenhält.
Verband und Einlage werden demonstriert.
Fränkische Gesellschaft für Geburtshilfe und Frauen¬
heilkunde.
(Offizielles Protokoll.)
XX. Sitzung am 24. Oktober in Erlangen.
Herr Flatau: Die Bilanz der Vaporisation.
Auf Grund seiner 10 jährigen Erfahrungen freut der Vortragende
sich, dass er nicht nur in seinen eigenen Beobachtungen, sondern
auch in den massgebenden Arbeiten anderer Autoren der letzten Zeit
den Standpunkt fixiert findet, den er schon in seiner ersten Studie
über die pathologisch-anatomische und klinische Wirkung der Vapori¬
sation vor vielen Jahren festgelegt hat.
Das Feld, das die Dämpfung des Uterus wirklich noch behaupten
kann, ist die Behandlung klimakterischer Blutungen, deren nicht
maligne Natur sichergestellt ist. Vaporisationen im nicht klimak¬
terischen Alter werden nur Ausnahmsoperationen bei strengster In¬
dikation sein können. Der Erfolg einer sicheren Verödung des
Kavum ist nur bei einer soliden Technik garantiert. Verfasser be¬
schreibt seine Methode, die durch gleichzeitige Drainage des Uterus
die sonst fast regelmässig auftretenden Temperatursteigerungen zu
vermeiden imstande ist.
(Die Arbeit soll in extenso im Archiv f. Gynäkol. veröffentlicht
werden.)
Diskussion: Herr Polano fragt, ob stärkere Temperatur¬
steigerungen nach Drainage des vaporisierten Uterus aufhören, was
vom Vortragenden bejaht wird.
Herr H o f m e i e r zieht die vaginale Totalexstirpation in schwe¬
ren Fällen der Vaporisation vor.
Herr Jung: Beiträge zur operativen Geburtshilfe.
Vortragender berichtet über 13 einschlägige Fälle, welche seit
dem 1. April 1908 an der Erlanger Frauenklinik von ihm resp. seinen
Assistenten operiert worden sind, und zwar handelt es sich um
5 klassische Kaiserschnitte, 4 Hebosteotomien, 2 Colpohysterectomiae
vag. ant. und 2 suprasymphysäre extraperitoneale Kaiserschnitte.
Die Indikation zu den beiden Hysterectomiae vag. ant. war einmal
schwere Pyelitis mit hohem Fieber im 8. Monat der Gravidität, das
andere Mal die Unmöglichkeit, bei starker Blutung den Fötus von
6 Monaten durch den mit Hegarstiften dilatierten Zervikalkanal zu
entwickeln. Beide Mütter genasen glatt, auch die Pyelitis heilte aus;
das Kind in letzterem Fall, das 2250 g wog, starb nach 3 Tagen.
In allen übrigen Fällen handelte es sich um enge Becken, und
zwar sämtlich von plattrhachitischer Form. Alle diese Mütter ge¬
nasen von der Operation und wurden gesund entlassen. Von den
11 Kindern wurden 10 lebend entlassen, eines, mit suprasymphysärem
extraperitonealen Kaiserschnitt asphyktisch entwickelt, war zwar
wieder belebt worden, starb aber 20 Stunden nach der Geburt,
voraussichtlich an den Folgen der Asphyxie. Die Sektion ergab
kein eindeutiges Resultat.
Die 5 klassischen Kaiserschnitte wurden 2 mal wegen engem
Becken 2. Grades und 3 mal wegen engem Becken 3. Grades aus¬
geführt; in 2 Fällen war schon 1, in 1 Fall 2 Kaiserschnitte voraus¬
gegangen. In letzterem Fall war die Tubensterilisation gemacht,
doch waren beide Tuben vollkommen wegsam. Auch jetzt wurde
die Tubensterilisation wiederholt, unter der Resektion von je 2 cm
aus jeder Tube und Versenkung der Stümpfe unter das Peritoneum.
In allen Fällen wurde der Längsschnitt sowohl durch die Bauchdecken
als im Uterus ausgeführt, da Vortragender in früherer Tätigkeit nach
querem Fundalschnitt 2 spontane Uterusrupturen operativ zu be¬
handeln hatte.
Von den 4 Hebosteotomien wurden 3 bei engem Becken 2., eine
bei engem Becken 1. Grades gemacht. Bei letzterem sowie bei 2
von den anderen Fällen war lange vergebliche Geburtsarbeit die
Indikation; in 1 Fall drohende Asphyxie des Kindes. Bei letzterer
Frau wurde sofort mit hoher Zange das lebende Kind entwickelt, in
2 weiteren Fällen erfolgte 2—3 Stunden nach der Hebosteotomie
spontane Geburt; 1 mal musste nach 24 Stunden vergeblichen War¬
tens das lebende Kind mit Zange entwickelt werden.
Die beiden suprasymphysären extraperitonealen Kaiserschnitte
wurden bei engem Becken 2. Grades gemacht, welche beide nach
mehrtägigem Kreissen und mehrfachen Untersuchungen ausserhalb
der Klinik eingeliefert wurden, und die zwar nicht fieberten, bei
denen aber die Asepsis des Genitalkanals nicht mehr vollkommen
gesichert erschien. In beiden Fällen gelang es mit einiger Mühe,
das Peritoneum von der 'Blase und dem unteren Uterussegment ab¬
zuschieben; in beiden Fällen entstanden dabei Einrisse im Peritoneum,
welche aber sofort vernäht wurden, so dass die Operation tatsäch¬
lich extraperitoneal beendet werden konnte. Die Kinder wurden
beidemale auf einem eingeführten Zangenblatt mit ziemlicher Mühe
entwickelt, sodann der Uterus verschlossen und die Bauchnaht ge¬
macht. Beidemale war durch die Bauchdecken der Längsschnitt an¬
gewendet worden, doch wird Vortragender in Zukunft auch bei nicht
einwandfrei aseptischen Fällen den Faszienquerschnitt anwenden, da
er glaubt, dass dieser bei den an sich schon so sehr komplizierten
Wundverhältnissen keine wesentliche Erhöhung der Komplikationen
darstellt.
Vortragender erörtert dann seinen Standpunkt gegen¬
über der Behandlung der Geburt bei engem Becken in
eingehender Weise. Er lehnt für schwer infizierte Palle
alle grösseren operativen Eingriffe ab, und wird in solchen,
auch vor der Perforation des lebenden Kindes nicht zurück¬
schrecken. Klassische Kaiserschnitte und Hebosteotomien sollen für
sicher aseptische Fälle reserviert werden; bei zweifelhafter Asepsis
ist der suprasymphysäre extraperitoneale Kaiserschnitt anzuwenden.
Für die Praxis hält Vortragender auch die künstliche Frühgeburt
in manchen Fällen für ein gutes Verfahren, wie er überhaupt zwischen
der Geburtshilfe der Klinik und der des praktischen Arztes einen
wesentlichen Unterschied für unerlässlich hält.
Diskussion: Herr Hofmeier zieht den Bauchdeckenlängs¬
schnitt dem Faszienquerschnitt wegen der einfacheren Wundverhält-
nisse bei ersterem vor. Die Gefahr einer zweiten Entbindung nach
suprasymphysärem Kaiserschnitt hält er nach den Frank sehen Er¬
fahrungen für keine sehr grosse.
Herr Polano: Ueber Hämolyse der Streptokokken. (Der
Vortrag ist in No. 1 dieser Wochenschrift erschienen.)
Herr Reinecke: Ueber operative Erfolge beim Kollnm-
karzlnom.
Vom Januar 1889 bis Dezember 1907 kamen in der Würzburger
Frauenklinik im ganzen 526 Kollumkarzinome zur Beobachtung. Da¬
von waren
operabel 215
inoperabel 311
woraus sich ein Operabilitätsprozent von 40,76 Proz. ergibt
Abdominale Totalexstirpationen nach Freund-Wertheim
wurden 66 ausgeführt vaginale Totalexstirpationen 142 und hohe
Portioamputationen 6.
Seit Ausführung der abdominalen Totalexstirpation ist das Opera¬
bilitätsprozent ständig gestiegen und erreichte in den Jahren 1903
bis 1907 50 Proz.
Die primären und Dauererfolge der vaginalen Totalexstirpationen
(für die Dauerresultate eine fünfjährige Rezidivfreiheit vorausgesetzt):
Primäre Todesfälle bei 142 Operationen ereigneten sich 18 = 12,67
Prozent.
Für die Berechnung der Dauerheilungen kommen nur 120 Fälle
in Betracht (alle bis 1903 operierten). Nach Abzug von 16 primären
Todesfällen, ferner 8 Verschollenen und 3 interkurrent Gestorbenen
bleiben 93 Fälle.
Hiervon waren 31 rezidivfrei, darunter Fälle bis zu 17 Jahren.
Es bekommen Rezidiv 62, Dauerheilung 33,33 Proz.
Abdominale Totalexstirpationen kommen 66 in Betracht mit einer
primären Mortalität von 21,21 Proz.
Für die Dauerresultate kommen 27 in Betracht. Nach Abzug der
primären Todesfälle (7) 20. Rezidivfrei 7. Rezidiv 13. Dauerheilung
35 Proz.
Hohe Portioamputationen 6 mit keinem primären Todesfälle.
Dauerheilung 80 Proz.
Die Dauerheilungen sämtlicher Fälle zusammengefasst, ergibt
35,6 Proz. Die definitive Heilungszahl, die Winter sehe Zahl A
— 10,52 Proz., bei S c h a u t a 12,6 Proz., bei Stauda 23 Proz., bei
Wertheim 24 Proz.
Die Dauererfolge sind demnach seit Ausführung der abdominalen
Totalexstirpation nach Freund-Wertheim noch nicht wesent¬
lich besser geworden, wobei nicht verkannt werden soll, dass aller¬
dings das Operabilitätsprozent gestiegen ist, und die Operation noch
in der Ausbildung begriffen ist.
Diskussion: Herr Jung bittet den Vortragenden um Aus¬
kunft darüber, welche Erfahrungen die Würzburger Klinik mit der
längere Zeit vor der Operation durchgeführten Präparation der Kar¬
zinome gemacht hat. Bekanntermassen stehen sich in dieser Be¬
ziehung zwei verschiedene Richtungen gegenüber, die eine lässt das
Karzinom überhaupt völlig unangetastet, die andere legt Wert auf
tage-, ja wochenlang vorhergehende Vorbereitung. Die Erlanger
Klinik hat bisher von einer Vorbereitung überhaupt abgesehen und
wird hierin bestärkt durch mehrere in jüngster Zeit gemachte Er¬
fahrungen. In einem Fall wurde bei einem beginnenden Portio*
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12. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
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karzinom zur Sicherung der Diagnose ein kleiner Keil aus der Zervix
exzidiert; es schloss sich an diesen Eingriff sofort hohes Fieber an,
das in ausgesprochenen pyämischen Charakter überging und nach
etwa 3 Wochen den Tod herbeiführte. Die Sektion ergab als direkte
Todesursache eine von dem Karzinom her fortgeleitete Peritonitis. In
einem zweiten Falle war schon ausserhalb der Klinik von der Portio
einiges Material abgeschabt und im Erlanger pathologischen Institut
als Karzinom diagnostiziert worden. Infolgedessen wurde in der
Klinik selbst das Karzinom gar nicht mehr berührt und die Patientin
zur Operation vorbereitet. Da am Morgen des Operationstages
hohes Fieber auftrat, wurde der Eingriff zunächst unterlassen. Pa¬
tientin ging aber nach 4 Tagen an einer ausgesprochenen Pneumonie
zugrunde. Die Sektion ergab einige vollkommen vereiterte kar-
zinomatöse Lymphdrüsen rechts an der Iliaka, von denen aus meta¬
statisch die Pneumonie entstanden war. Diese Erfahrungen werden
Jung bestimmen, wie bisher die Karzinome möglichst in Ruhe zu
lassen um einer Verbreitung der in ihnen immer enthaltenen In¬
fektionskeime vorzubeugen.
Herr Engelhorn berichtet über die Dauererfolge der von
Prof. Menge an der Erlanger Klinik operierten Kranken.
Herr Hofmeier hebt nochmals die auch aus der Statistik
des Vortragenden sich ergebende Unerklärbarkeit der Dauererfolge,
z. B. nach schweren Nachblutungen, hervor.
Herr Rein ecke: Die Erfahrungen mit einer gründlichen Vor¬
bereitung des Karzinoms sind an keiner Klinik durchaus gute. Einige¬
male trat im Anschluss an die Vorbereitung leichtes Fieber auf,
so dass die Operation um einige Tage verschoben werden musste.
Herr Engelhorn demonstriert ein Präparat von Ovarial¬
schwangerschaft
Herr Fla tau zeigt 1. eine neue, praktische Sonde zum Tam¬
ponierten (Fabr. W a 1 b - Nürnberg), 2. eine vaginale Wärmebirne
(S tanger in Ulm fabr.).
Herr Hüffell demonstriert 1. ein 14 Tage altes Kind mit Spon¬
tanamputation der linken Hand, welche als Rudiment am Stumpfe
hing, 2. ein 14 tägiges Kind, das am 2. Tag an schwerem Blut¬
erbrechen erkrankte und bei welchem die zweimalige Gelatineinjektion
erst das Erbrechen zum Stehen brachte. Ursache des Blutbrechens
nicht aufgeklärt.
Herr Zoepprltz zeigt einen Uterus dldelphys. Das Leichen¬
präparat stammt von einer 25 jährigen Nullipara. Es wurde bei ihr
eine rechtsseitige Hämelytrometra vaginal entleert. 3 Wochen nach
der Eröffnung Exitus an Peritonitis. Bei der Obduktion fand sich
eine frische eitrige zirkumskripte Peritonitis um eine rechtsseitige
Hämato-pyo-salpinx, alte peritonitische Verwachsungen hauptsächlich
im Bereich der Appendix, Uterus didelphys und ein Totaldefekt der
rechten Niere und ihres Ureters.
Herr Rosenfeld demonstriert mehrere durch Operation ge¬
wonnene myomatose Uteri.
Herr Simon zeigt einen abdominal entfernten Uterus mit manns¬
kopfgrossem Zervixmyom.
Aerztlicher Verein in Frankfurt a. M.
(Offizielles Protokoll.)
Ordentliche Sitzung vom 5. Oktober 1908
abends 7 Uhr im Hörsaal des Dr. Senckenbergischen
Bibliothekgebäudes.
Vorsitzender: Herr E d i n g e r.
Schriftführer: Herr Cahen-Brach.
Herr Qoldschmid: Demonstrationen aus dem pathologischen
Institut.
Diskussion: Herr Siegel.
Herr v. Wild: Demonstrationen.
1. Zahn, als freier Körper in einer vereiterten Kieferhöhle ge¬
funden.
40 jährige Frau. Vor 3 Jahren Extraktion des kariösen Molaris
III rechts versucht. Bald danach Naseneiterung. Anbohrung der
Kieferhöhle durch die Alveole mol. III (auswärts). Spülung.
Juni 1908. Patientin sehr heruntergekommen, fiebert öfters, auch
jetzt, fötide Eiterung. Breite Eröffnung der Kieferhöhle von der
Fossa canina, Extraktion des Zahnes, der in Qranulationen einge¬
bettet im medialen hinteren unteren Winkel der Höhle liegt. Eine
Wurzel ist abgesprengt, der Zahn wurde offenbar bei der ver¬
suchten Extraktion in die Kieferhöhle eingestossen und hatte hier die
Eiterung veranlasst.
2. Hülle eines Weizenkorns, mit besonders langen Borstenhaaren,
als Fremdkörper aus dem Mittelohr extrahiert.
45 jähriger Mann wird Dezember 1906 wegen akuter Psychose in
die hiesige Irrenanstalt eingeliefert. Wahrscheinlichkeitsdiagnose
Paralysis, Fieber — Otit. med. pur acut., seit ca. 6 Wochen bestehend.
Operation des Proc. mast. Entleerung eines extraduralen Abszesses.
Nach der Operation dauert der maniakalische Erregungszustand noch
14 Tage an; Patient reisst die Verbände ab etc., dann stuporöses
Stadium. Allmählig normales psychisches Verhalten. Die Ohr¬
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eiterung dauert nach 8 Wochen noch massig an, während die Opera¬
tionswunde geschlossen ist. Perforation nicht zu sehen. Eines Tages
kann an einem, am Boden des Qehörganges sichtbaren Borstenhärchen
die Weizenhülle durch das Mittelohr extrahiert werden.
Es handelt sich um eine besondere Weizenart, die in der Heimat
des Patienten, im Innern von Nordamerika, vorkommt. Die Hüllen
haben die Eigenschaft, sich durch die Borstenhaare und Widerhacken
durch die Kleider hindurch fest in die Haut zu verankern.
v. W. erwähnt einen zweiten Fall seiner Beobachtung von
schwerer Psychose bei otitischer intrakranieller Eiterung. Auch hier
dauernde Heilung nach operativer Entfernung eines haselnussgrossen
Cholesteatoms aus der hinteren Schädelgrube.
3. Lungensequester. 2Vs auf 1% auf 1cm Durchmesser.
80 jähriger Mann. März 1908 akut fieberhaft erKrankt. H. U.
beiderseits Bronchopneumonie, mässig hohe Continua remittens, sehr
reichlich fade, nicht fötid riechendes, eitriges Sputum, ca. Vs Liter
täglich; in demselben keine Tuberkel- und keine Influenzabazillen,
reichlich Eiterzellen und Alveolarepithelien. In der vierten Krank¬
heitswoche wird das demonstrierte Stück Lunge ausgehustet. Von
da ab schnelle Besserung; nach weiteren 5 Wochen völlige Heilung.
Physikalischer Befund so gering, dass es zweifelhaft blieb, welcher
Lunge das ausgehustete Stück angehörte.
4. Kurzer Bericht über einen Fall von Darmtntussuszeption bei
einem 30 jährigen Kranken mit Ausgang in Heilung nach Abstossung
eines 15 cm langen, doppelten Darmstückes, des untersten Teiles
des Ileums (Präparat z. Z. in der Anatomie nicht auffindbar).
Herr Bingel: lieber eine den Blutdruck steigernde Sub¬
stanz in der Niere.
Der Vortragende berichtet über Untersuchungen, die er
in Gemeinschaft mit Herrn Eduard Dr. S t r a u s s ausgeführt
hat. Der Pressaft verschiedener Organe wurde in die Blut¬
bahn des Kaninchens eingespritzt. Es zeigte sich, dass ab¬
gesehen von der Nebenniere konstant nur der Pressaft der
Niere die Fähigkeit hat, den arteriellen Blutdruck zu steigern.
Die durch Nierenpressaft hervorgerufene Blutdrucksteigerung
beträgt 40—60 mm und kehrt erst nach etwa Y Stunde zur
normalen Höhe zurück. Sie ist also wesentlich verschieden
von der durch Adrenalin hervorgerufenen Steigerung. Durch
Behandlung des Pressaftes gelang es etwa 96 Proz. der in ihm
enthaltenen stickstoffhaltigen Substanz zu entfernen, ohne die
steigernde Wirkuug zu beeinträchtigen.
Herr M. Flesch: Die Plastizität der Leber. (Erscheint
in extenso in der Münch, med. Wochenschrift.)
* ii
Medizinische Gesellschaft in Kiel.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 5. Dezember 1908 in der städtischen
Krankenanstalt.
Herr Hoppe-Seyler spricht über die Diagnose der
Aortenaneurysmen mit besonderer Berücksichtigung der
auskultatorischen Phänomene. (Wird ausführlicher in dieser
Wochenschrift erscheinen.)
Herr Fehsenleid: Zur Behandlung mit Strophanthin.
F. berichtet über die therapeutische Wirksamkeit des durch
Albert F r ä n k e 1 1906 in die intravenöse Digitalistherapie
eingeführten Strophanthins und erläutert diese in 3 Fällen an
der Hand von Kurvenzeichnungen, die er über Beschaffenheit
von Puls, Herzkontraktionen, Urinmenge vor und nach der
Strophanthininjektion gemacht hat.
Selbst in Fällen von schwerster Herzinsuffizienz ist oft
unmittelbar im Anschluss an die Injektion ein günstiger Effekt
zu konstatieren. Der beschleunigte Puls wird langsamer, regel¬
mässiger, die Atmung freier und bei allgemeinem Hydrops setzt
oft in wenigen Stunden eine mächtige Diurese ein.
Das Strophanthin wirkt wie die Digitalispräparate nur
auf das Myokard ein. Darum versagt es oft, oder es ist seine
Wirkung nur gering in solchen Fällen, bei denen noch andere
Komponenten ausser der Herzinsuffizienz Ursache der Kreis¬
laufsstörungen sind, z. B. bei Nephritiden und Infektions¬
krankheiten.
Was die Dosierung anlangt, so soll wegen der kumulieren¬
den Wirkung des Strophanthins nicht mehr als 1 mg innerhalb
24 Stunden injiziert werden. Sollte nach den ersten 24 Stunden
eine 2. Injektion notwendig sein, so genügt Y mg bis höchstens
wiederum 1 mg.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
104
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
Bei Ausführung der Injektion hat man darauf zu achten,
dass man auch wirklich intravenös und nicht etwa subkutan
injiziert, da bei Austritt von Strophanthinflüssigkeit in das
Gewebe Gangrän entstehen kann. .
Herr Beckers: Zur Serodiagnostik der Syphilis.
B. berichtet über die Erfahrungen, die im Krankenhaus mit der
serologischen Syphilisreaktion nach der Bauer sehen Modifikation
gemacht wurden. Zugleich teilt er die Resultate einer systematischen
serologischen Untersuchung aller Prostituierten, wie sie ins Kranken¬
haus eingeliefert wurden, mit. (Erscheint ausführlicher in dieser
Wochenschrift.)
Herr Hoppe-Seyler bespricht die verschiedenen
Arten von Lungenerweiterung, besonders das komplementäre
(vikariierende) Emphysem.
Als charakteristisch wird gewöhnlich die Verschiebung der
unteren Lungengrenzen angesehen und die Vergrösserung des
Lungenvolumens. Man muss dabei aber berücksichtigen, dass
bei schwer arbeitenden Leuten, bei solchen, die mit erheb¬
lichen Lasten etc. stark steigen müssen, eine Vergrösserung
der Lunge sich entwickelt, die durchaus keinen krankhaften
Zustand darstelit, sondern zweckmässig ist. Eine solche Lunge
enthält konstant mehr Luft, die Alveolarwände sind gut ent¬
faltet, ihre Kapillaren gestreckt; die Aufnahme des Sauerstoffs,
Abgabe der Kohlensäure ist daher erleichtert. Dabei findet ein
guter Luftwechsel durch kräftige In- und Exspiration statt.
Also darf man aus dem tiefen Stand der unteren Lungengrenzen
und der Erweiterung des Thorax noch durchaus nicht
schliessen, dass ein krankhafter Zustand vorliegt. Dagegen
stellt das Emphysema substantivum einen solchen dar. Es geht
mit Starre der Thoraxwand, Verknöcherung der Rippen¬
knorpel (Freund) — weswegen man auch deren Durchtren¬
nung schon ausgeführt hat — Atrophie der Alveolarwände, Bil¬
dung grosser Blasen, besonders in den hinteren unteren und
vorderen Lungenrändern, einher. Hier besteht eine mangel¬
hafte Exspiration infolge Ueberdehnung der Lungen und ge¬
ringerer Elastizität ihrer Wandungen. Ursache: chronische
Bronchitis, Asthma etc.
Das Altersemphysem oder die senile
Lungenatrophie geht gewöhnlich mit starrem, aber
flachen, oft auch kyphotischem Thorax einher. Das Volumen
ist gering, die Lunge dehnt sich nicht mehr so gut aus und
sinkt nicht so gut zusammen, die unteren Grenzen stehen tief,
gewöhnlich auch die oberen. Der Thorax ist dabei im ganzen
aber beschränkter an Raum als bei Jugendlichen.
Das komplementäre Emphysem entspricht eher
einer Hypertrophie, wie sie auch an anderen Organen eintritt
bei Ausfall von Teilen derselben. Die Lunge wird grösser, die
Alveolen werden weiter, aber sie zeigen dabei gute Erweite¬
rung bei Inspiration, wenn auch immer ein grösseres Volumen
Luft in ihnen zurückbleibt. Das ist aber, wie das natürliche
Volumen pulmonum auctum schwer arbeitender Menschen
zeigt, ein zweckmässiger Vorgang. Es wird dies am vor¬
gestellten Kranken, sowie an photographischen Aufnahmen des
Situs der Brustorgane bei Fällen von einseitiger Schrumpfung
der Lunge infolge chronischer Pneumonie, Phthise, Aktino-
mykose erläutert.
Will man die Leistungsfähigkeit der Lungen eines Men¬
schen beurteilen, so muss man sich nicht irre führen lassen
durch Tiefstand der unteren Lungengrenzen und Zunahme des
Thoraxumfanges. Diese können auch etwas durchaus zweck¬
mässiges sein. Besonders das komplementäre Emphysem ist
wichtig. Die Erweiterung der intakten Lungenpartien muss bei
Ausfall eines Teiles des Lungengewebes befördert werden.
Man muss sie dann aber vor Schädlichkeiten, Katarrhen,
Pneumonien, Ueberdehnung etc. schützen. Bei der Behandlung
chronischer Krankheiten der Lunge muss man also oft mehr
sein Augenmerk auf den Schutz der intakten, als auf die kaum
noch zu erzielende Besserung der erkrankten Teile richten.
Herr T o 11 e ns:
1. Vorstellung eines Falles von Mikulicz scher Krankheit.
Der Fall ist verhältnismässig früh, wenige Tage nach Beginn
des Leidens, zur Behandlung gekommen. Deutlich ausgeprägte, sym¬
metrische Schwellung der Speicheldrüsen, sowohl der Farotiden, als
auch der Sublinguales und Submaxillares, die als dicke Wülste vor
den Ohren resp. unter dem Kinn und auf dem Boden der Mundhöhle
hervortreten. Besonders rechts ist die stark geschwollene Tränen¬
drüse als bohnengrosser Körper über den knöchernen Rand der
Orbita hervortretend deutlich zu fühlen. Zugleich besteht eine auf¬
fallende Schwellung der Ober- und Unterlider sowie der Lvinph-
driisen am Kieierwinkel und im Nacken. Eine Schwellung sonstige:
Lymphdriisen ist nicht nachzuweisen. An eine Mitbeteiligung des
Pankreas lassen Klagen des Patienten über Spannung Im Leibe den¬
ken, ohne dass gröbere Veränderungen nachzuweisen wären. Inf
Blute besteht eine Vermehrung der Leukozyten auf 13 000. Anzeichen
von Tuberkulose oder von Syphilis liegen nicht vor. Die zuletzt ein¬
geschlagene Therapie bestand in der Darreichung von Arsenpräpa¬
raten; und es haben die Lymphdriisenschwellungen begonnen, sicii
zuriiekzubilden. Die Speicheldrüsenveränderungen bestehen nodi
fort.
2. Demonstration von Anguillulae stercorales, die sich dauernd
im Stuhle eines Mannes nachweisen liessen, der seit Jahren nach län¬
gerem Aufenthalte in Ostindien an hartnäckigen Durchfällen leidet.
Es handelt sich um eine etwa 0,2 mm lange, glashelle, äusserst be¬
wegliche. dem Ankylostomum duodenale nahestehende Wurinart, die.
im Duodenum und oberen Dünndarm sich vermehrend, den ganzen
Darm bewohnt und diese hartnäckigen Diarrhöen zu verursachen
scheint. Eier des Parasiten findet man nicht im Stuhle, vielmehr
entwickeln sich bereits in den oberen Darmabschnitten Embryonen
aus ihnen. Die bisher eingeschlagene Therapie, Extract. filicis, Kalo-
mel, auch das am meisten empfohlene Thymol, w r ar bisher nicht von
dauernder Wirkung. Wohl verschwanden die Anguillulae zum Teil
aus den Fäzes, zum Teil waren sie bewegungslos, also abgetötet.
Aber nach Aussetzen des Mittels erschienen sie bald in alter Leb¬
haftigkeit wieder. Erfolg dürfte vielleicht eine noch energischere
Anwendung des Thymols — bis 14 g täglich wurden in anderen
Fällen gegeben — haben.
An die Sitzung schliesst sich noch die Besichtigung des neti-
erbauten einstöckigen Infektionspavillons von 42 Betten an, welcher
es gestattet, 4 verschiedene Krankheiten nebeneinander zu isolieren,
und zw'ar in der Weise, dass je nach der Zahl der von einer Infek¬
tionskrankheit befallenen Insassen Abteilungen von 2 bis 19 Betten
geschaffen werden können. Jede der 4 Abteilungen enthält einen
Bauteil mit den nötigen Nebenräumen (Bad, Teeküche, Klosett. Des¬
infektionsraum etc.), an den sich die anstossenden Krankenräume
in grösserer oder geringerer Zahl angliedern lassen
Medizinische Gesellschaft zu Leipzig.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 27. Oktober 1908.
Vorsitzender: Herr Curschmann.
Schriftführer: Herr Dumas.
Herr Löh lein erläutert in historischer Darstellung das
Prinzip der Wassermann sehen Reaktion und erörtert der.
heutigen Stand der Diskussion darüber. L. hat, um sich ein
eigenes Urteil in der Frage zu verschaffen, im Laufe des Som¬
mers an 150 Seris, die teils von Patienten des Herrn Prof.
R i e c k e, teils von dem Leichenmaterial des Pathologischen
Institutes stammten, die Reaktion angestellt und zwar unter
genauer Befolgung der Vorschriften, die Wassermann zu¬
letzt (Wiener Kongress) gegeben hat. Als „Antigen“ wurden
fast ausschliesslich alkoholische Extrakte heredo-syphilitischer
Föten verwandt (nur anfangs ein wässeriges Extrakt, das Herr
Dr. G. Meier liebenswürdigerweise zur Verfügung gestellt
hatte). L. ist von der klinischen Bedeutung der Reaktion, die
ja nahezu allgemein anerkannt ist, überzeugt, er hat aber ebenso
wie zahlreiche andere Autoren in einer kleinen Anzahl vor.
Fällen positiven Ausfall der Probe gesehen, in denen klinisch
und anatomisch kein Anhaltspunkt für akquirierte oder heredi¬
täre Lues zu finden war.
Die Reaktion kann auch für den pathologischen Anatomen
ein diagnostisches «Hilfsmittel werden, wie von Fraenkel
und Much, Pick und Proskauer u. a. betont worden
ist. Auch L. erhielt in je einem Falle von Tabes und Paralyse
und in 3 Fällen von schwieliger Aortitis (1 Fall mit sogen.
Orchitis fibrosa combiniert) positive Resultate, während
Sera von Leichen mit den verschiedensten anderen Sektions¬
befunden negativ reagierten. In 3 Fällen bekam L. aber
promptes positives Resultat der Reaktion ohne Anhaltspunkte
für syphilitische Infektion (ein Fall von paradiphtherischen Läh¬
mungen, ein Fall von Karzinose, ein Fall von tuberkulöser
Meningitis bei käsiger Tuberkulose der Halslymphdrüsen). -
L. möchte bei aller Anerkennung des klinischen Wertes der
bedeutungsvollen neuen Methode deren Verwendbarkeit be-
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Go. igle
Original frorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
12. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
105
sonders für pathologisch-diagnostische Zwecke nicht über¬
schätzt sehen. So wenig den negativen Ausfall der Wasser¬
mann sehen Probe der Kliniker verwerten kann, kann ihn
der Anatom verwerten. Bei der Bewertung sero-diagnosti¬
scher Resultate für die Aetiologie von bestimmten typischen
Organveränderungen (E. Fraenkel: Orchitis fibrosa!) han¬
delt es sich, so wie die Dinge tatsächlich liegen, bestenfalls um
statistische Beweisführung, und demgemäss muss hier¬
für allermindestens das Prinzip der „grossen Zahlen“ berück¬
sichtigt werden. — Die Bau e rsche Diagnose ist für leichen¬
diagnostische Zwecke nicht verwertbar, weil sie die Entnahme
der Blutproben im nüchternen Zustand zur Voraussetzung hat.
Herr R i e c k e spricht über die Bedeutung der Wasser¬
mann sehen Seroreaktion für die Klinik. (Erscheint als Ori¬
ginalartikel.)
Aerztlicher Verein München.
(Eigener Bericht.)
Sitzung vom 28. Oktober 1908.
Herr Mennache demonstriert ein 10monatliches Kind mit
Ekzema gangraenosum. Die tiefgreifenden, bis markstückgrossen,
besonders an der Qesässgegend und beiden Unterschenkeln lokalisier¬
ten Geschwüre haben sich binnen 48 Stunden aus missfarbig-blauen
Pusteln entwickelt. Ebensolche Pusteln waren anfangs auch auf
der oberen Körperhälfte, doch heilten diese ohne Geschwürsbildung
mit bräunlichen Restpigmentationen ab.
Herr K r e c k e: Die chirurgische Behandlung der B a s e -
dowsehen Krankheit. (Der Vortrag ist in No. 1 d. W. er¬
schienen.)
Diskussion: Herr R. v. Hösslin: Wenn ich mich anfangs,
als die chirurgische Behandlung des Morbus Basedowii bekannt ge¬
worden war, etwas skeptisch gegen diese neue Therapie mit ihrer
hohen Mortalität verhalten habe, so geschah dies besonders des¬
wegen, weil ich nicht nur formes frustes und leichte Formen dieser
Krankheit, sondern auch ganz schwere Fälle bei der bekannten ver¬
schiedenartigen internen und physikalisch-dätetischen Therapie in
Genesung ausgehen sah. Im Laufe der Jahre erlebte ich aber doch
auch mehrere Todesfälle, einen bei der sehr akut verlaufenden Er¬
krankung eines nach Stuprum von Morb. Basedowii befallenen jungen
Mädchens, einen bei einer älteren Dame; vor allem jedoch musste ich
die Erfahrung machen, dass in mehreren Fällen, nach einer schein¬
baren Besserung oder Heilung immer wieder Rezidive eintraten, die
den Lebensgenuss der Kranken stark reduzierten und zu chronischem
Siechtum führten. Wenn in so lange beobachteten Fällen eine Opera¬
tion wesentliche Besserung oder Heilung herbeizuführen imstande
wäre, würde dies in hohem Grade für die Brauchbarkeit der chirur¬
gischen Behandlung sprechen. Ich hatte nun Gelegenheit, zwei sol¬
cher hartnäckiger Fälle von Morbus Basedowii Herrn Dr. Krec k e
zur Strumektomie zu überweisen. Bei der einen Kranken hatte die
Krankheit schon 1898 begonnen und mehrere Jahre angedauert. Eine
ganz kleine Partie im Gebirg hatte 1902 nach kurzem Wohlbefinden
ein Rezidiv erzeugt, das mit kurzen Unterbrechungen bis Ende 1906,
zu welcher Zeit die Operation ausgeführt wurde, andauerte. Die
Pulsfrequenz betrug 90—130, dazwischen auch tachykardische Anfälle
bis 180. Die Operation wurde sehr gut vertragen, last unmittelbar
nach derselben zählte ich einen Puls von 72—78. Die Patientin wurde
nach der. Operation gravid, gebar ein gesundes Kind und stillt es bis
heute. Ich erhielt erst vor wenigen Tagen gute Nachricht über ihr
Befinden, so dass der Fall als Dauerheilung angesehen werden kann.
Eine andere Patientin, die schon seit dem Jahre 1901 an sich
immer wiederholenden, wochenlangen Anfällen von Herzklopfen ge¬
litten hatte, behandelte ich in den Jahren 1905 und 1906 an ziemlich
schwerem Morb. Basedowii. Sie hatte in diesen Jahren dauernd einen
Puls um 160 herum, dazwischen noch schwere Anfälle von paroxys¬
maler Tachykardie — 240. Im Mai 1906 entschlossen wir uns zur
Operation und es trat im Anschluss daran eine sofortige Besserung
ein. Im Sommer des Operationsjahres war die Kranke noch für
2 Monate in meiner Behandlung wegen einer schweren Herzinsuffi¬
zienz, die sich nach einer Peumonie eingestellt hatte. Die Patientin
erholte sich auch von dieser ernsten Erkrankung und ist seitdem ge¬
sund geblieben. Ich sah sie zuletzt mit einem Puls von 78 und aus¬
gezeichnetem Allgemeinbefinden.
Eine dritte Kranke, die ich vor 10 Jahren an Basedow scher
Krankheit mit Erfolg behandelte, hatte auch nach der Heilung immer
von Zeit zu Zeit wieder beschleunigten Puls und verschiedene ner¬
vöse Symptome — auch in diesem Fall ist das Befinden seit der
Strumektomie ein viel besseres. Es ist begreiflich, wenn ich durch
die guten Resultate, welche ich von der operativen Behandlung in so
schweren und lang beobachteten Fällen sah, von meinem Misstrauen
gegen die chirurgische Behandlung bekehrt bin, und auf dem Stand¬
punkt stehe, dass man die leichten Fälle intern behandeln soll —
in den schweren Fällen aber nicht zu lange Zeit abwartet, bis man
sie dem Chirurgen übergibt. Vor allem muss eine sehr lange Dauer
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der Krankheit, die einem chronischen Siechtum gleichkommt, uns ver¬
anlassen, die Strumektomie zu empfehlen.
Ich möchte nun noch einige Bemerkungen über den Zustand
machen, von dem Herr K r e c k e als Thyreoidismus sprach, und zwar
über diejenigen Fälle, welche nicht nach Schilddrüsengenuss ent¬
stehen, sondern nach dem Gebrauch von Jodpräparaten. Ich habe
im Laufe der letzten Jahre eine Reihe von Fällen gesehen, in welchen
nach Jodgebrauch lange dauernde Tachykardie, Abmagerung und
Tremor entstand. Ich sah diese Zustände nie auftreten, wenn wegen
einer luetischen Erkrankung grosse Gaben Jod gegeben wurden, son¬
dern nach Jodpräparaten, die gegen eine Struma oder gegen interne
Erkrankungen in verhältnismässig kleinen Dosen verordnet wurden.
Wiederholt sah ich diese Krankheitszustände sich erst entwickeln,
nachdem die Jodmedikation bereits längere Zeit ausgesetzt war. In
einzelnen von diesen Fällen liess sich eine Struma überhaupt nicht pal-
pieren, in anderen dagegen ist eine Struma noch deutlich nachweis¬
bar. In letzteren Fällen möchte ich auch bei grosser Hartnäckigkeit
der Beschwerden eine operative Behandlung empfehlen. So be¬
handle ich im Augenblick einen Kranken, der im Frühjahr 1908 im
Anschluss an eine Jodbehandlung seiner Struma starke Herzpalpa¬
tionen bekam, die jetzt nach halbjähriger Dauer sich eher gesteigert
haben, so dass ich z. B. in den letzten Tagen schwere tachykardische
Anfälle mit ganz unregelmässiger Arrhythmie beobachtete. Bei der
bisherigen Erfolglosigkeit der internen Therapie möchte ich auch
diesen nach Jodgebrauch entstandenen Fall dem Chirurgen zuführen.
Herr G i 1 m e r.
Herr Fr. Crämer: Damit Sie sehen, m. H., dass auch ohne
Operation selbst schwere Fälle von Basedow völlig heilen können,
will ich ihnen über 2 Fälle berichten, die ich zu beobachten Gelegen¬
heit hatte. In dem ersten handelte es sich um eine schwere Erkran¬
kung; die Patientin war völlig abgemagert, unstillbares Erbrechen
machte fast jede Ernährung unmöglich, die Beine waren geschwollen,
der Kräftezustand ein äusserst elender. Da bei der Kranken alle
Mittel, die sonst bei Basedow zur Anwendung kommen, schon ver¬
sucht waren, und zwar ohne jeden Erfolg, so musste ich einen Ver¬
such mit einem anderen Mittel machen. Ich hatte damals — es war
vor etwa 12 Jahren — bei Reizzuständen der Verdauungsorgane,
bei habituellem Erbrechen etc. das von G. S 6 e auf dem internatio¬
nalen Kongress in Berlin empfohlene Extr. Cannab. indic. butyr.
mehrfach versucht nach der Formel Extr. Cannab. ind. butyr. 0,75,
Aether 10,0, DS. 3 mal täglich 10 Tropfen auf nassem Zucker zu
nehmen. Ich hatte mir dieses Mittel durch Herrn Apotheker Bren¬
ner (Bonifazapotheke, hier) aus der Pharmacie central kommen
lassen und verwende es seither häufig mit sehr gutem Erfolg.
Dieses Mittel nun versuchte ich bei der armen Kranken, und siehe da,
es trat bald eine Beruhigung ein. der Appetit stellte sich ein, die
Kräfte hoben sich und nach einer Reihe von Monaten verschwanden
alle Symptome des Basedow. Einen zweiten Fall von Basedow be¬
obachtete ich bei einer nahe Verwandten, einem Mädchen von
16 Jahren. Auch dieser Fall war recht schwer. Auf Extr. Cannab.
trat bald eine bedeutende Besserung ein, das Mädchen erholte sich
nach mehrmonatlichem Gebrauch des Mittels vollständig und ist zur¬
zeit ganz gesund, was sie am besten daraus ersehen können, dass
sie sich jetzt verlobt hat. In einigen anderen Fällen erzielte ich mit
dem gleichen Mittel ebenfalls recht günstige Erfolge, doch konnte
ich die betreffenden nicht genauer kontrollieren, weil sie auswärts
wohnten. Da es sich bei dem M. Basedow um eine Hyoersckretion
der Schilddrüse handelt, das Extr. Cannab. auf solche Reizzustände
günstig einwirkt, so kann es sich wohl kaum um einen Zufall handeln.
Ich würde Ihnen dankbar sein. m. H., wenn Sie in geeigneten Fällen
einen Versuch mit diesem Mittel machen wollten, es ist zum Min¬
desten unschädlich, auch wenn es wochenlang ununterbrochen ge¬
nommen wird.
Herr Perutz berichtet genauer über die von Herrn Gilmer
angeführten drei Fälle, bei denen ein voller Erfolg durch die operative
Entfernung der Struma nicht erzielt wurde. Die Patientinnen, von
denen eine kurz nach der Operation und einige Monate später, die
anderen 1 % resp. 2Vs Jahre nachher beobachtet und behandelt wur¬
den, gaben wohl eine wesentliche Besserung zu, klagten aber immer
noch über Wallungen, Schweisse, Zittern, Unruhe und allgemeine
nervöse Beschwerden. Die Pulsfrequenz war gesunken, bewegte sich
aber bei der Frau meist noch um 120 Schläge. In einem
der Fälle war der Exophthalmus zurückgegangen, dagegen litt die
Kranke an Zuständen von periodischem Erbrechen, gepaart mit Mi¬
gräne, und an gelegentlichen krisenartigen Durchfällen. Solche Be¬
obachtungen und auch die als formes frustes bezeichneten Krank¬
heitsbilder lassen doch die Frage auftauchen, ob die z. Z. herrschende
Anschauung, die Basedow sehe Erkrankung lediglich auf eine
Hyperfunktion der Schilddrüse zurückzuführen und dementsprechend
zu behandeln, nicht eine zu einseitige ist. Die früher geltende, auch
von Eulenburg und Guttmann im Archiv f. Psychiatrie 1868
vertretene Ansicht, dass die Ursachen dafür in einer Erkrankung
oder Reizung des ganzen sympathischen resp. vasomotorischen Ner¬
vensystems zu suchen seien, scheint in befriedigenderer Weise den
hier beobachteten Erscheinungen gerecht zu werden. Bei dem In¬
teresse, das sich der Pathologie des Sympathikus jetzt zuwendet,
wird sie sich gewiss wieder mehr Beachtung verschaffen. Vom
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
106
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
Standpunkt dieser Auffassung aus ist die Störung in den vaso¬
motorischen und sekretorischen Apparaten als das primäre und die
vermehrte Blutzufuhr, das Wachstum und die Hyperfunktion der
Schilddrüse als das sekundäre anzusehen. Wird nun dieses Organ
entfernt und damit auch die für den Körper schädlichen Folgeerschei¬
nungen der Hyperthyreoisis beseitigt, so kommt allerdings eine
wesentliche Komponente des Krankheitsbildes in Wegfall und zu¬
gleich wird dadurch der Circulus vitiosus durchbrochen. So sehen
wir erhebliche, an Heilung grenzende Besserung manchmal zustande
kommen. Immerhin ist aber auch damit zu rechnen, dass die tiefere,
das Leiden bedingende, konstitutionelle Störung auf diese Weise
nicht ganz behoben werden kann und demzufolge, wenn auch in
vermindertem Masse, wie gezeigt wurde, weiter wirkt.
Bezüglich der inneren Therapie weist Redner daraufhin, dass er
bei drei Fällen, wo heftige Durchfälle im Vordergrund standen, durch
Arsendarreichung und Milchdiät mit späterem Uebergang zu einer
vegetarischen Ernährung Günstiges gesehen hat.
Herr Bickart: Die trefflichen Ausführungen des Herrrn Dr.
K r e c k e und insbesondere auch die ad oculos demonstrierten, leben¬
den Beispiele von dem glänzenden Erfolg der chirurgischen Therapie
bei Morb. Basedow möchten es beinahe als Unterlassungssünde er¬
scheinen lassen, wenn nicht jeder einigermassen widerspenstige Fall
von Basedow dem Operateur zugewiesen würde. Allein schon die
verschiedenen Herren Diskussionsredner haben uns gezeigt, dass die
chirurgischen Erfolge beim Basedow nicht durchwegs so günstige
sind und dass auch der internen Therapie hier immer noch ein
Plätzchen an der Sonne gebührt. Ich darf hierbei wohl auch an die
von der Medizinischen Klinik in diesem Jahre veranstaltete Rund¬
frage erinnern, wobei zahlreiche Autoren, und zwar solche von bestem
Klang, sich durchaus ablehnend gegen die chirurgische Therapie des
Basedow verhielten. Ja selbst in den Reihen der Chirurgen ist man
sich nicht einmal über das Vorgehen gegen den Basedow einig
und während die meisten Operateure der auch von Herrn Dr. Kr ecke
empfohlenen Strumektomie das Wort reden, ist von anderer Seite,
namentlich von Frankreich aus, die Sympathikusresektion als sehr
erfolgreich bezeichnet worden. Und in der Tat hat auch die Sym¬
pathikustheorie des Basedow, von der Herr Dr. P e r u t z schon
sprach, sehr vieles für sich, namentlich da man durch Reizung des
Svmpathikus im stände ist, ein dem Basedow ähnliches Krankheits¬
bild zu erzeugen. Wenn wir also den Chirurgen auch unsere Ba¬
sedowkranken überweisen, so sind wir wieder vor das Dilemma ge¬
stellt, ob wir die Struma oder den Sympathikus angreifen lassen
sollen.
Es ist überhaupt merkwürdig, dass, so viele therapeutische Mass-
nachmen auch gegen den Basedow empfohlen wurden, so viele Er¬
folge auch berichtet werden, die der eine mit Serum, der andere
mit Chinin und der dritte chirurgisch erreicht.
Wenn auch meine Erfahrung nicht allzu ausgedehnt auf diesem
Gebiete ist, so kann ich vielleicht doch auch ein Wort hier mit¬
sprechen nach den zahlreichen Beobachtungen, die ich an der Klinik
des verstorbenen Mendel in Berlin zu machen Gelegenheit hatte.
Und ich muss sagen, dass ich in der Tat ganz vortreffliche und auch
andauernde Erfolge von Höhenkur, Ruhe, vegetarischer Kost und
Arsenik dort gesehen habe. Dass andererseits die chirurgische
Therapie auch nicht immer Dauererfolge zu verzeichnen hat. bewies
wieder ein jüngst veröffentlichter Basedowfall, der von Mikulicz
operiert worden war, rückfällig wurde und dann nach Anwendung
von Chinin und anderen internen Massnahmen sich wesentlich bes¬
serte. Ich glaube also, dass die operativen Massnahmen beim
Basedow — ohne ihre günstigen Erfolge zu verkennen — erst da ein¬
zusetzen haben, wo alle internen Massnahmen bereits vergeblich
versucht worden sind.
Herr Kr ecke (Schlusswort): Es wäre gewiss sehr ver¬
führerisch, auf die Theorien über die Aetiologie der Basedow¬
schen Krankheit noch näher einzugehen. In meinem hauptsächlich
der Behandlung der Krankheit gewidmeten Vortrage habe ich ge¬
glaubt davon abstehen zu dürfen. Es ist mir wohl bekannt, dass von
einigen Autoren immer noch an der nervösen bezw. sympathischen
Theorie festgehalten wird, und dass daraufhin auch die Resektion
des Sympathikus wiederholt ausgeführt worden ist. Zweifellos hat
aber diese Operation bei weitem nicht den Dauererfolg gehabt wie
die Schilddrüsenexstirpation, und darum habe ich auch eine nähere
Besprechung dieser Operation nicht für erforderlich gehalten. Fest¬
gestellt muss jedenfalls werden, dass nahezu alle Autoren, die über
grössere chirurgische Erfahrung verfügen, mit der Exstirpation die
besten Erfahrungen gemacht haben, und dass auch diese Erfahrungen
in einfachster Weise mit der Scnilddrüsentheorie in Einklang gebracht
werden können. In welcher Weise die verhältnismässig ungünstigen
Erfahrungen des Kollegen G i 1 m e r gedeutet werden können, ist mir
nicht erklärlich. Selbstverständlich kommen auch bei der Strumek¬
tomie Misserfolge vor, ein derartiges Prozentverhältnis ist mir aber
sonst nirgends aufgestossen.
Ich brauche nicht noch einmal betonen, dass es mir ferne liegt
die innere Behandlung der Basedowschen Krankheit vollkommen
zu verwerfen. Ich habe das auch in meinem Vortrage deutlich
genug ausgesprochen. Ich habe selbst eine Reihe von Bascdow-
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fällen gesehen, die zum Zwecke der Operation zu mir kamen, und
denen ich zunächst eine interne Behandlung anempfohlen habe. Das
muss aber doch noch einmal mit aller Entschiedenheit betont werden,
dass dort, wo unter einer länger dauernden inneren Behandlung ein
entschiedener Misserfolg eingetreten ist, unbedingt die chirurgische
Behandlung einzusetzen hat.
Was die von Herrn v. H ö s s 1 i n angezogene Frage des Thyreni-
dismus anbetrifft, so habe ich auch diese nicht ausführlich berück¬
sichtigen können. Erwähnen möchte ich aber doch noch, dass ich
wiederholt bei solchen Zuständen von Thyreoidismus oder Kropfherz
mit ganz ausgezeichnetem Erfolge die Strumektomie vorgenommen
habe. Ich hätte es früher selbst nicht für möglich gehalten, dass
schwere Herzstörungen, die ganz den Eindruck einer Myokarditis
erwecken, allein durch Uebersekretion von Schilddrüsensaft bedingt
werden könnten und bin durch die vorzüglichen Erfolge der Strum-
ektomie bei solchen Zuständen wiederholt höchst überrascht worden.
Viele schwere Herzstörungen haben sich nach der Exstirpation nicht
nur von grossen, sondern auch von ganz kleinen Kröpien vollkommen
verloren. Manche Patienten, die jahrelang unter der Diagnose
„Herzmuskelentzündung“ behandelt worden waren, sind durch die
Strumektomie von ihrem Leiden vollkommen geheilt.
Herr Dürck: Untersuchungen über den normalen und
pathologischen Bau des peripherischen Nervensystems. (Er¬
scheint in Zieglers Beiträgen- zur patholog. Anatomie.)
Vorstandswahl: 1. Vorsitzender für 1909: Prof. Friedrich
v. M ü 11 e r.
Aerztlicher Verein in Nürnberg.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 19. November 1908.
Vorsitzender: Herr Goldschmidt.
Herr v. Rad: Ueber psychischen Infantilismus.
Es handelt sich um ein 21 jähriges Mädchen israelitischer Kon¬
fession, dessen Vater, ein kleiner Handelsmann, den Eindruck eines
Potators und auch sonst recht eigentümlichen und aufgeregten Men¬
schen machte. Er gab stärkeren Alkoholgenuss ohne weiteres zu.
stellte jedoch jedwede erbliche Belastung mit Geistes- oder Nerven¬
krankheiten in seiner oder seiner Frau Familie bestimmt in Abrede.
In der Familie der letzteren seien mehrere Fälle von Lungentuber¬
kulose vorgekommen, auch sei seine Frau im vorigen Jahre dieser Er¬
krankung erlegen. Pat. ist das jüngste von 5 Geschwistern, die
alle gesund sein sollen. Ueber die Entwicklung der Pat. liess sich
folgendes ermitteln: Die Geburt ist rechtzeitig und leicht erfolgt, Pat.
hat wie andere Kinder zur rechten Zeit laufen und sprechen ge¬
lernt, auch ist die Zahnentwicklung normal vor sich gegangen. Als
Kind war Pat. anfangs geistig gut veranlagt gewesen, hatte kleine
Gedichte leicht auswendig gelernt und für die kindlichen Spiele gutes
Verständnis gezeigt. Von Kinderkrankheiten machte sie Masern.
Mumps und Scharlach durch und war von jeher stets sehr blutarm
gewesen. In der Schule hatte sie gut und leicht gelernt und ordent¬
liche Noten bekommen. Sie war stets brav und fleissig und hat
früher nichts Auffallendes gezeigt. Etwa um das 10.—11. Lebensjahr
herum ist sie in ihrer geistigen Entwicklung stehen geblieben, sie ist
nicht mehr gewachsen; auch fiel ihr andauernd kindliches Verhalten
auf. Während sie leichtere Arbeiten gut verrichten konnte, war sie
zu allen etwas schwierigen Verrichtungen nicht mehr zu gebrauchen.
Sie wird als fleissig, brav und willig geschildert, doch habe ihr
jede Ausdauer bei der Arbeit gefehlt. Sie beschäftigte sich am
liebsten mit dem Lesen von Kindergeschichten, vergnügte sich gern
mit Mädchen die viel jünger waren als sie. Oft sei sie sehr ängst¬
lich, wolle nicht allein nachts im Zimmer sein, zeige grosse Furcht
bei Gewittern. Zeitweise sei sie ohne Grund verstimmt, klage oft
auch über allerlei Beschwerden, die sie aber bald wieder vergessen
habe.
Die Menstruation ist bisher noch nicht aufgetreten. Die Unter¬
suchung ergab folgenden Befund: Kleine Statur, Grösse lm 52cm.
Kopf klein, Umfang 52ciü, sehr graziler Körperbau, mässiger Er¬
nährungszustand, Stimme auffallend hoch, Zahnwechsel vollendet,
Schilddrüse nicht vergrössert, Mammae sehr gering entwickelt, kind¬
liche Beckenform, Achselhaare und Pubes sehr gering vorhanden.
Bezüglich des psychischen Zustandes ist folgendes hervorzuheben:
Pat. zeigt ein ruhiges, freundliches Benehmen, ist gut orientiert, bei
der Untersuchung ist sie ängstlich, drängt auf baldigen Abschluss
derselben. Die Antworten erfolgen zögernd und zagend. Die Prü¬
fung der Schulkenntnisse, des Gedächtnisses, der Merkfähigkeit und
des Rechenvermögens ergibt ein gutes Resultat. Kombinationsauf¬
gaben werden gut gelöst, ebenso Unterschiedsfragen, über Geld-.
Gewichts- und Zeitmasse ist sie gut orientiert, das Urteil ist kindlich
unreif. Die Beschreibung konkreter Dinge fällt ihr sehr schwer. Bei
der Intelligenzprüfung ist sie sehr ängstlich, ob die Antwort recht sei.
sie habe nichts mehr lernen können, da sie immer gleich Kopfweh
bekommen habe. Das Schamgefühl ist so gut wie gar nicht ent-
Qriginal fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
12. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
107
wickelt, sie entkleidet sich ganz unbefangen, lässt sich ohne jedes
Sträuben und ohne sichtliche Erregung untersuchen.
Es handelt sich hier um einen Fall von dystrophischem Infantilis¬
mus (type Lorrain). Die Pat. hat sich bis zum 10. Jahr normal ent¬
wickelt, dann erst setzte die krankhafte Störung ein und es kam zum
Stillstand in der geistigen und körperlichen Entwicklung. Aetiologisch
kommen in Betracht die tuberkulöse Belastung, der Potus und die
psychopathologische Konstitution des Vaters.
Herr Strauss: Ueber Peritonitis bei eingeklemmten,
brandigen Brüchen.
Der Vortragende geht davor, aus, dass sich im allgemeinen
die Prognose der nicht abgegrenzten, eitrigen Bauchfellent¬
zündung unter dem Einflüsse zielbewusster chirurgischer und
Allgeineinbehandlung im Laufe des letzten Jahrzehntes wesent¬
lich gebessert hat. Diese Tatsache, die für die Peritonitiden
verschiedenster Aetiologic zutrifft, hat für die Peritonitis bei
eingeklemmten, brandigen Brüchen keine Geltung. Eine Durch¬
sicht von 544 gangränösen Hernien, die in 20 grösseren Sta¬
tistiken niedergelegt sind, ergab 278 Todesfälle, d. i. 51,5 Proz.
Mortalität. In insgesamt 147 Fällen war bei der Operation
bereits Peritonitis vorhanden, die in 140 Fällen den tödlichen
Ausgang bedingte. Es fällt nun auf, dass eine Trennung der
einzelnen Fälle in solche der antiseptischen (1880—1894) und
aseptischen Aera (1895—1906) eine Besserung der Mortalität
im allgemeinen von 64,9 auf 44,9 Proz. ergibt, während die
Peritonitismortalität keine entsprechende Besserung ersehen
lässt (von 99 auf 93,5 Proz.), obwohl sich die Peritonitis vor
allem bei jüngeren Individuen findet. Der Vortragende weist
darauf hin, dass auch diese traurige Mortalitätsziffer einer
Besserung zugänglich ist und empfiehlt hiezu neben einer inten¬
siven Allgemeinbehandlung (Ganzpackungen, Adrenalin-Koch¬
salzinfusionen) vor allem die Entlastung des durch die Ein¬
klemmung und' Kotstauung geschädigten Darms. Der Anus
praeternaturalis soll nur in Ausnahmefällen angelegt werden;
die Resektion des Darms weit im Gesunden muss die Regel
sein und soll in einigermassen verdächtigen Fällen nach dem
Vorgehen Friedrichs durch eine Enteroanastomose er¬
gänzt werden. Diese vereinigt eine proximal von dem ein¬
geklemmten und resezierten Darm gelegene Schlinge mit einem
distal gelegenen Darmabschnitt und entlastet so den durch die
Einklemmung und Kotstauung geschädigten Darm, während
gleichzeitig die Kotpassage erleichtert wird.
Berliner medizinische Gesellschaft
(Eigener Bericht.)
Sitzung vom 6. Januar 1909.
Herr Ewald setzt die Prinzipien der Waldschutzgesellschaft
auseinander, bespricht die drohenden Waldverwüstungen in der Um¬
gebung Berlins und beantragt die Absendung zweier Deputierten zu
dem zweiten Waldschutztag.
(Wird ohne Diskussion angenommen.)
1. Herren J. Pirschberg und Grunmach: (Jebcr den
Turmschädel, mit Projektionen.
Ein 18 jähr. Mädchen aus gesunder Familie litt an Krämpfen; bis
zum 5. Jahr waren die Schädelknochen offen. Es besteht eine Seh¬
störung, bedingt durch unvollständige entzündliche Sehnervenatrophie.
Die Ursache liegt in einem Turmschädel. Im allgemeinen überwiegt
bei dieser Anomalie das männliche Gechlecht.
Die Ursache der Sehnervenatrophie liegt wahrscheinlich in einer
Reizung der Hirnhäute und in dem von dem wachsenden Gehirn aus¬
geübten Druck. In früh zur ärztlichen Kenntnis kommenden Fällen
soll man Trepanation versuchen.
Herr Grunmach beschreibt die zur Röntgenographie ange¬
wandte Technik und demonstriert die Röntgenbilder zweier Turm¬
schädel.
Diskussion: Herr Heubner berichtet über eine Beobachtung
betreffend Kombination von Turmschädel und Erblindung und Gehör¬
störung bei 2 Geschwistern; ein drittes der Geschwister zeigte Mikro-
melie infolge Chondrodystrophie.
Herr Holländer regt an, die neue Inkaschädelsammlung rönt¬
genologisch zu untersuchen; bekanntlich haben die Inkas Turmschädel
und sind häufig blind dargestellt. Es kommen weiter bei ihnen
zahlreiche prähistorische Trepanationen vor.
Herr H. Goldschmidt: Galvanokaustischc Eingriffe ln die
Urethra.
Vortr. demonstriert eine Reihe von Photogrammen, die er von
der hinteren Harnröhre am Lebenden aufgenommen hat; es wird auf
diese Weise die Möglichkeit zu operativen Eingriffen an dieser schwer
zugänglichen Stelle gegeben. Speziell erfolgreich ist die urethrale
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Exstirpation (durch Galvanokaustik, Elektrolyse etc.) von Prostata¬
lappen, welche in die Urethra hineinragen. Eine Modifikation der
Bottinischen Operation durch Inzision der Seitenlappen der Pro¬
stata kann endourethral unter Kontrolle des Auges leicht vorge¬
nommen werden. Die Wirkung ist auf Narbenschrumpfung zu be¬
ziehen.
Diskussion: Herr Ernst R. W. Fra n k: Das Instrument des
Herrn Goldschmidt erlaubt fast schmerzlos die hintere Urethra
zu besichtigen und therapeutisch zu beeinflussen.
W o 1 f f - E i s n e r.
Verein für innere Medizin zu Berlin.
(Eigener Bericht.)
Sitzung vom 4. Januar 1909.
Herr Kraus: Die Methoden zur Bestimmung des Blutdruckes
am Lebenden und ihre Bedeutung für die Praxis. (Referat.)
K. erklärt die Methoden zur Blutdruckbestimmung vom Gesichts¬
punkte des Praktikers. Beim Kranken kann der Blutdruck nicht wie
beim Versuchstier direkt in der Arterie gemessen werden, man muss
sich daher indirekter Methoden bedienen, die nicht exakte, sondern
Annäherungswerte geben. Er unterscheidet je nach der Wirkungsart
und Konstruktion der angegebenen Instrumente zwei Methoden, die
des völligen Verschlusses der Arterie und die der entspannten Wand.
Von systolischem und diastolischem Blutdruck zu sprechen, hält er
für nicht zutreffend und wählt daher dafür die Bezeichnung „maxi¬
maler und minimaler Blutdruck“. Die Instrumente von Uskoff und
v. Recklinghausen geben übereinstimmende Resultate; der eine
die Werte in Quecksilber, der andere in Wasserdruck. Lagewechsel
und andere Faktoren verändern den Blutdruck. Die Blutdruckbestim¬
mungsmethode hat eine Bedeutung für den Praktiker, der zwar die
Methoden nicht selbst beherrschen kann, doch imstande sein muss,
aus den ihm mitgeteilten Kurven diagnostiche Anhaltspunkte zu ent¬
nehmen. Die heute geübte Schätzung des Blutdruckes durch das
Pulsfühlen ist eine sehr subjektive Methode. Vortragender bespricht
dann die klinische Bedeutung der Hyper- und Hypotonien (Blut¬
drucksteigerung und Herabsetzung). Dauernde Hypertonie findet man
bei Polyglobulie, interstitieller Nephritis, Morbus Basedow. Vorüber¬
gehende Hypotonie besteht bei Schmerzen, bei körperlicher Arbeit,
bei neurasthenischen Darmaffektionen, bei Angina pectoris, bei Ge-
fässkrisen, nach Alkoholvergiftung, u. U. nach Anwendung von Ex-
zitantien und endlich nach dem kohlensauren Bad, besonders bei
Individuen, welche kohlensaure Bäder schlecht vertragen. Dauernde
Hypotonie findet man bei manchen Herzkranken, bei Addison, bei
Kollapszuständen, bei vasomotorischen Neurosen. Der Blutdruck ist
kein absoluter Massstab für die Leistungsfähigkeit des Herzens; man
muss ausserdem den Widerstand im Kreislauf, spez. im arteriellen
System in Betracht ziehen. Zur Feststellung der Herzarbeit sind
noch andere Methoden erforderlich: die Messung der Blutströmung
mit der Kries sehen Flammentachygraphie. Von Bedeutung ist die
Messung des Schlagvolumens des Herzen mit der neuen P1 e s c h -
sehen Methode. Die Untersuchungen mit diesen Methoden haben
das interessante Resultat ergeben, dass der Organismus durch Re¬
gulierung des Schlagvolumens dafür Sorge trägt, dass genügende
Mengen Sauerstoff den Geweben zugeführt werden.
Diskussion: Herr C i t r o n projiziert einige Instrumente, wel¬
che zur Messung des Blutdruckes im Organismus dienen.
Herr P1 e s c h gibt eine ausführliche Beschreibung der von ihm
angewandten Methode zur Bestimmung des Schlagvolumens des Her¬
zens, die von Kraus sehr warm empfohlen worden ist. Sie beruht
darauf, dass er den Patienten Kohlenoxyd einatmen lässt und den
Kohlenoxydgehalt in einzelnen Blutproben bestimmt. W.-E.
Verein Deutscher Aerzte in Prag.
(Eigener Bericht)
Sitzung vom 27. November 1908.
Herr Münzer berichtet über 2 Fälle von einseitiger Lateral¬
sklerose.
Herr Dexter demonstriert 2 aus Obersteiermark stammende
kretlnistiscfae Hunde. Zur Sicherung der Diagnose „endemischer Kre¬
tinismus“ hält Vortr. an folgenden Hauptforderungen fest: 1. müssen
die Tiere aus erwiesenen Kretinismusdistrikten stammen. 2. müssen
sie die für diese Krankheit typischen Wachstumsstörungen und 3.
auch solche des psychischen Verhaltens aufweisen. Unter diesen Vor¬
bedingungen findet man, dass das meiste, was bisher unter diesem
Namen publiziert worden ist, nichts mit Kretinismus zu tun hat.
Es ist zwar sicherlich der echte endemische Kretinismus auch bei
Tieren schon gesehen worden, wie aus gelegentlichen Bemerkungen
aus der Fachliteratur hervorgeht. Exakt beweisende Untersuchungen
liegen aber nur sehr wenige vor. Neben der von C e r 1 e 11 i und
Perusini berichteten Fällen aus dem Veltlin sind nur noch die von
v. Wagner beobachteten bekannt geworden. Das eine der vor¬
gewiesenen Tiere wurde wegen seiner schon in früher Jugend er¬
kannten psychischen Eigentümlichkeit aufgezogen. Sie besteht in
einer beträchtlichen Minderleistung alles dessen, was man beim
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
108
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 2.
normalen Hunde als individuelle Instinktplastizität, als seine „gei¬
stige“ Fähigkeit aufzufassen pflegt. Sein Gebahren ist in vielen
elementaren Dingen mehr oder weniger normal. In vielen anderen
wieder reagiert er mit einer für die Apathie charakteristischen
Seichtheit und Verspätung der Reizbeantwortung. Am Tiere selbst
fällt auf: die Kürze und Plumpheit der Beine und des Rumpfes,
ein nur unbedeutender Kropf, dicke, namentlich am Halse beson¬
ders mächtige myxomatöse Hautwülste, kegelförmiger, kurzer Schä¬
del und auffallende Verlangsamung des Gesamtstoffwechsels. Aehn-
Iiche Eigentümlichkeiten weist auch der 2. Hund auf. Man eruiert
eine stark hervortretende Verlangsamung aller Assoziationen bei
ausserordentlicher Seichtheit des Empfindungslebens. Alle Sinnes¬
reaktionen geschehen träge oder bleiben ganz aus. Der Hund er¬
scheint dem oberflächlichen Beobachter taub und blind, ohne es
aber wirklich zu sein, wie das psychologische Examen zur Ge¬
nüge ergibt; Körperbau ähnlich wie oben. Das bleibende Gebiss
war mit einer 4 monatlichen Verspätung neben dem Milchgebiss er¬
schienen, so dass die Kiefer doppelte Zahnreihen tragen. Im ganzen
macht das Tier wegen seiner ungeschickten, tölpelhaften Be¬
wegungen und den trägen und mangelhaften Sinnesperzeptionen den
Eindruck eines ganz jungen, noch im Säuglingsalter stehenden Hun¬
des. Seine hohe, welpenhafte Stimme, das noch vorhandene Milch¬
gebiss und die Körpergestalt mit dem grossen Kopfe bestärken eine
solche Annahme auf das Entschiedenste. Erst wenn man sjch das
wirkliche Alter des Tieres vor Augen hält, stösst man auf den durch
normale Zustände nicht erklärbaren Widerspruch. Hinsichtlich der
Störungen der Sinnesempfindungen weigert sich der Vortr. sie als
partiell organisch bedingt anzuerkennen, wie solches bei der Be¬
urteilung der kretinistischen Taubheit des Menschen vielfach an¬
gegeben wird. Solange uns nicht gegenbeweisende, materielle Be¬
funde zur Verfügung stehen, müssen wir eine allgemeine Per¬
zeptionsherabsetzung auf allen Sinnesgebieten bei vermutlicher In¬
taktheit der peripheren Sinnesflächen als Ausdruck der dominieren¬
den apathischen Gemütsstimmung voraussetzen.
Die psychischen Abnormitäten beherrschen nach dem, was wir
heute über kretinistische Hunde wissen können, das Krankheitsbild
so sehr, dass sie zu den hervorragendsten Anomalien gezählt werden
müssen; v.-Wagner nennt sie deshalb die Hauptverschiedenheit
von der Norm. Er hat dieses Kennpierkmal, das in der Literatur als
Torpor, Sopor, Stupidität, Verblödung etc. angesprochen worden ist,
auch psychiatrisch gewertet und es zusammenfassend als Apathie
charakterisiert, die in verschiedener Tiefe und Kombination auf¬
tauchen kann. Als pathognomonisch möchte Vortr. diesen stets zu
eruierenden Bewusstseinszustand nur deshalb nicht ansehen, weil
wir zurzeit die symptomatischen Verblödungszustände und andere,
diesen ähnliche Prozesse beim Hunde noch zu wenig kennen. Vor¬
läufig bleibt uns aber neben der Aberration des individuellen Ge-
bahrens noch die Berücksichtigung des körperlichen Zustandes und
der Fallsprovenienz zur Diagnose unerlässlich.
0. Wiener.
Aus den französischen medizinischen Gesellschaften.
Acadgmie de m6decine.
Sitzung vom 3. November 1908.
Behandlung der Frakturen des Oberschenkelhalses mit Metallnägeln
ohne Arthrotomie.
Pierre D e 1 b e t bespricht diese Behandlungsart unter Vorstel¬
lung von 4 geheilten Fällen. Die Retention der Schenkelhalsfraktur
mit Nägel und Schrauben hat den grossen Vorteil, die Konsolidierung
zu sichern, indem es den Kranken möglich ist, aufzustehen; und es ist
bekannt, welch schwere Komplikationen längere Bettruhe bei alten
Leuten verursacht. D. gelingt es nach seinen Experimenten an der
Leiche und mittels eines speziell konstruierten Apparates leicht,
einen Nagel oder eine Schraube durch den Oberschenkelhals durch¬
zuführen und ihn im Kopf festzuhalten. Lokalanästhesie mittels Sto-
vain, in die Frakturstelle und die Inzisionsstelle hinein ausgeführt, ge¬
nügt vollkommen und könnte so diese ganze Operation zur sog.
kleinen Chirurgie gezählt werden. Die Schrauben werden trotz
ihrer Länge und ihres Umfanges vollkommen gut vertragen, einige
Patienten haben sie bereits seit 4, 8 und 15 Monaten und hätten es
nicht gemerkt, wenn man es ihnen nicht gesagt hätte. An Röntgen¬
bildern kann man das mechanische Resultat der Operation sehen und
die Patienten können über das funktionelle selbst urteilen (die Mehr¬
zahl können gehen, Treppen steigen usw. und bedürfen nur eines
Stockes als Stütze).
Sitzung vom 17. November 190S.
Zur medizinischen Behandlung der Beckenaffektionen.
In Fällen von Beckeninfektion mit bedrohlichen Erscheinungen,
welche den gewöhnlichen Behandlungsarten trotzen und Operation zu
erheischen scheinen, kann aus verschiedenen Gründen dieselbe doch
nicht ausführbar sein; ebenso gibt es bei „nervösen Arthritikern“
Fälle von Gebärmutterkongestion, von Dysmenorrhöe, von Gebär-
mutterkatarrh, Hämorrhagien usw., ohne dass eine Infektion oder
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eine nennenswerte anatomische Veränderung vorhanden wäre. Für
solche Fälle, die meist ohne Erfolg mit Injektionen von 1—2 Litern
heissen Wassers behandelt werden, empfiehlt R i c h e 1 o t ausgiebi¬
gere Anwendung heissen Wassers, und zwar in Form der Injektionen
und der Duschen. Um gute Resultate zu erzielen, müssen erstere
in der Menge von 80—100 Liter (Scheidendusche von L u x e u i 1) und
letztere in 2 Arten, als allgemeine und als perigastrische Dusche an¬
gewandt werden, dazu bedarf es aber einer speziellen Veranstaltung
resp. ganz spezialistischen Einrichtung. Diese Schwierigkeit der An¬
wendung wäre aber kein Grund, den Wert dieser Heisswasserbehand¬
lung ausser Acht zu lassen. Dieselbe bewirkt bei den Beckeninfek¬
tionen oft unerwartete, völlige Resolution und bei der Art der
obengenannten Kongestionszustände beinahe stets Besserung des All¬
gemein- wie Lokalbefindens. R. führt als Beleg eine Reihe sehr über¬
zeugender Beobachtungen an.
Sitzung vom 24. November 1908.
Schwerhörigkeit und Durchgängigkeit der Nase bei den Schulkindern.
Courtade hat diesbezüglich 475 Schulkinder im Alter von
9—18 Jahren während der Monate Juni und Juli, wo Entzündungen
der Atmungswege und der Nase am seltensten sind, untersucht und
kam dabei zu folgendem Ergebnis: 1. In s /s der Fälle geschah die
Respiration ausschliesslich durch die Nase, und zwar gleichmässig
durch beide Nasenhälften; in Vs der Fälle war Ungleichmässigkeit
vorhanden und in V» war die Nase nicht genügend durchgängig
und die Betroffenen genötigt, teilweise durch den Mund zu atmen.
2. Von 400 Schulkindern hatten nur 191 normales Gehör, gering¬
gradige Schwerhörigkeit 59 und Schwerhörigkeit verschieden höherer
Grade 150 Kinder. 3. Einfluss der Atmungsstörungen
auf die Entstehung der Schwerhörigkeit: während die
Schwerhörigkeit bei ungefähr der Hälfte der Individuen, die normaler¬
weise durch die Nase atmen, vorhanden ist, konstatiert man sie bei
5 /b der Fälle, wo die Kinder durch den Mund atmen. 4. Verhält¬
nis zwischen Schulnoten und Schwerhörigkeit: bei
den Kindern mit normalem Gehör oder geringem Grade von Schwer¬
hörigkeit ist die Fortgangsnote eine viel bessere als bei den schwer¬
hörigen. 5. Die Art der Atmung hat auch einen Einfluss auf das
Allgemeinbefinden: ist dieselbe bucconasal, so wird das Allgemein¬
befinden in 2 a der Fälle als schlecht oder zweifelhaft bezeichnet
während bei jenen mit rein nasaler Atmung dieses Verhältnis weniger
als die Hälfte P/i«) ist; dies macht einen Unterschied von mehr als
V* zu ungunsten der bucconasalen Atmung.
Die Kuren mit direkter Sonnenbestrahlung im Hochgebirge.
Es ist bekannt, dass das Sonnenlicht eine tiefgehende Wirkung
auf die Ernährung hat, es wirkt bakterientötend, oxydierend, redu¬
zierend, schmerzstillend, sklerogen; die Blasen-Hautentzündung,
welche es hervorrufen kann, macht in den Bergen bald einer Pigmen¬
tierung, die mulattenähnlich ist, Platz. Hallopeau und Roliier
erklären diese Wirkung der Sonnenstrahlen für viel intensiver im
Gebirge wie im Flachland: die Atmosphäre absorbiert wenigstens
25 Proz. des Lichtes, wodurch meist die Erscheinungen der Tuber¬
kulose, in günstigstem Sinne beeinflusst und geheilt werden. Diese
Wirkung ist eine konstante für alle Arten von Tuberkulose der wenig
tiefliegenden Teile und auch die Regel für alle tiefliegenden Fälle
von Tuberkulose, vorausgesetzt, dass keine infizierte Fistel vorhan¬
den ist. Die Expositionsdauer des nackten Körpers gegen das Sonnen¬
licht sei anfangs eine kurze und kann ausgedehnt werden, sobald die
Pigmentierung sich eingestellt hat. (Berichterstatter demonstrieren
zum Beweise ihrer mitgeteilten Ansichten eine grosse Anzahl von
Photographien.)
Aus den italienischen medizinischen Gesellschaften.
Medizinisch-chirurgische Gesellschaft zu Bologna.
Sitzung vom 13. Juni 1908.
M a r t e 111: Ueber Albuminurie orthostatlca.
Zwei Schwestern von 13 und 18 Jahren boten während der
Scharlachrekonvaleszenz Albumen im Urin, so oft sie aus der liegen¬
den Stellung in die aufrechte übergingen. Bis zur zweiten Stunde, in
welcher sie in der aufrechten Stellung blieben, erreichte der Eiweiss¬
gehalt ein Maximum von 1—2 Prom., dann verminderte er sich lang¬
sam und verschwand vollständig, beim Liegen oft auch einige Stun¬
den früher. Während der aufrechten Stellung boten beide Mädchen
ferner beträchtliche absolute und relative Oligurie, Verminderung des
Gesamtstickstoffs, der Chlorüre, der festen Residuen und der kryo¬
skopischen Werte. Phloridzin-Injektionen brachten bei aufrechter
Stellung Glykosurie zustande. Bei Bettlage war es nicht möglich,
durch Injektionen von Eiweiss zweier Eier, auch nicht durch In¬
halation von 4 Tropfen Amylnitrit Albuminurie zu erzeugen. Da¬
gegen blieb die Albuminurie bei aufrechter Stellung die gleiche, auch
wenn der Blutdruck durch Einfuhr von 2 mg Adrenalin erhöht wurde.
M. glaubt als Ursache ausser einer familiären Disposition, eine Läsion
durch Scharlachgift zugleich mit venöser Stase bei verlangsamtem
Kreislauf annehmen zu müssen. Hager- Magdeburg.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
12. Januar 1909.
NV\3Ö40j^5B-_MEDlZINISCttE WOCHENSCHRIFT.
109
Aus den englischen medizinischen 6®*®^®chaflen.
Royal Society o! Medicine, Therapeutlcal and Pharmacologlcal
Section.
Sitzung vom 3. November WS-
Die Behandlung von Toxämien.
W. E. D i x o n hat an Tieren, vorwiegend Katzen, eine Serie
von Beobachtungen nach der Injektion von verschiedenen Toxinen
angestellt. Zunächst wurde das Gift der Kobra untersucht, welches
in erster Linie durch Lähmung des Atmungszentrums wirkt. Sobald
sich die Giftwirkung geltend gemacht hat, erweisen sich Medika¬
mente wie Kokain. Koffein, Zyansäure u. a. wirkungslos. Wenn nun
dieses Toxin der Hauptsache nach durch Vereinigung mit der Nerven-
substanz seine Wirkung äussert, so muss wohl, argumentierte D.,
eine Neutralisierung desselben durch Kombination mit Nervengewebe
zu ermöglichen sein. In der Tat ergab es sich, dass eine Mischung
von Zerebrin und Kobratoxin keine Störung der Respiration hervor¬
brachte. Bei einem anderen Experimente wurden Katzen grosse
Dosen von Diphtherieserum injiziert und auf diese Weise eine vaso¬
motorische Lähmung und intensive Dilatation im Splanchnikusgebiet
erzeugt. Nachdem verschiedene Medikamente ohne Erfolg ange¬
wendet worden waren, wurden grössere Mengen Salzlösung intra¬
venös injiziert, worauf sofort der Blutdruck stieg und die Herzaktion
sich besserte. D. empfiehlt bei diphtherischen Toxämien einen aus¬
giebigeren Gebrauch von intravenösen Injektionen von Salzlösungen
zu machen.
J. Fawcett wendet hiergegen ein, dass in der Praxis bei
schwerkranken Diphtheriekindern die Durchführung solcher Injek¬
tionen auf zu grosse Schwierigkeiten stosse. Die Verabreichung von
grossen Dosen Strychnin beim Status diphthericus ist nach seinen
Erfahrungen auch nicht so ungefährlich, wie von mancher Seite be¬
hauptet worden ist.
J. G. Duncanson hat bei akuter Alkoholintoxikation mit
Krämpfen günstige Wirkungen von intravenösen Injektionen gesehen.
Die Wirkungsweise der saünischen Abführmittel.
A. F. Hertz hat im Verein mit anderen Kollegen Unter¬
suchungen angestellt, aus denen sie entnehmen, dass salinische Ab¬
führmittel ihre Wirkung erst nach der Resorption durch das Blut
entfalten. Nachdem dieselben aus dem Magen und Dünndarm resor¬
biert sind, reizen sie das Nerven- und Muskelsystem des Kolons zu
stärkerer motorischer und sekretorischer Tätigkeit. Ein salinisches
Abführmittel wirkt unter normalen Umständen in anderthalb Stun¬
den. Dagegen gelangt der Mageninhalt erst in 4 Stunden bis zum
Zoekum, wie man durch die Röntgenstrahlen nach Verabreichung
von Bismut nachweisen kann. Bei einem Patienten mit einer eben
oberhalb des Blinddarms gelegenen Darmfistel war nachzuweisen,
dass die Fortbeförderung des laxierenden Salzes nicht rascher als
diejenige des Bismuts vor sich geht. Ferner war zu konstatieren,
dass in den auf das Purgiermittel erfolgten wässrigen Stühlen nur
sehr wenig von dem Salze enthalten war; die grössere Mehrheit
war in den festen Stühlen des folgenden Tages enthalten.
A. R. C u s h n y vermag die Beobachtungen des Vorredners
nicht in Uebereinstimmung zu bringen mit der Tatsache, dass die
intravenöse Injektion salinischer Abführmittel keine laxierende Wir¬
kung hervorruft.
W. E. D i x o n hat in zahlreichen Fällen Bittersalz in kleinen
Dosen beim Menschen intravenös injiziert; grosse Gaben wirken
toxisch auf das Herz ein, und die kleinen Dosen erwiesen sich stets
als wirkungslos auf den Stuhlgang. Er sehe nicht ein, weshalb es
unmöglich sein sollte, dass die wässrigen Bestandteile des Inhalts des
Darmkanals nicht in einer halben Stunde den Trakt passieren können
sollten.
Zweiter internationaler Kurs der gerichtlichen Psychologie
und Psychiatrie
zu Giessen vom Dienstag den 13. bis Sonntag den 18. April 1909.
Stundenplan.
Die Vorträge werden im Hörsaal der Klinik für psychische und ner¬
vöse Krankheiten (Frankfurter Strasse 99) gehalten.
Dienstag den 13. April. 9—10 Uhr. Dannemann:
Der angeborene Schwachsinn als kriminogener Faktor. — 10—11 Uhr.
Sommer: Der Ausdruck psychischer Zustände in morphologischen
und motorischen Formen. Anlage, Reiz und Reaktion im Gebiete der
normalen Psychologie, Psychopathologie und Kriminalpsychologie. —
11—12 Uhr. Aschaffenburg: Die sozialen Ursachen des Ver¬
brechens. — 12—1 Uhr. Mittermaier: Der Schuldbegriff. —
4—5 Uhr. Aschaffenburg: Die individuellen Ursachen des Ver¬
brechens. — 5—6 Uhr. Mittermaier: Der Begriff der Gefährlich¬
keit des Verbrechers.
Mittwoch den 14. April. 9—10 Uhr. D a n n e m a n n: Die
erworbene Geistesschwäche und ihre Beziehungen zur Kriminalität.
— 10—11 Uhr. Sommer: Die Bedeutung der morphologischen Ab¬
Digitized by Google
normitäten. Lombrosos Lehre vom geborenen Verbrecher. —
11— 12 Uhr. Aschaffenburg: Die Psychologie des Verbrechers.
— 12—1 Uhr. Mittermaier: Einteilung der Verbrecher nach
Schuld und Gesinnung. — 4—5 Uhr. Dannemann: Die Wahn¬
vorstellung als Kausalmoment antisozialer Handlungen. — 5—6 Uhr.
Sommer: Demonstrationen.
Donnerstag den 15. April. 9—10 Uhr. Dannemann*.
Periodische Geistesstörungen und ihre Beziehungen zum Strafrecht.
— 10—11 Uhr. Sommer: Kriminalpsychologie und Familien¬
forschung. — 11—12 Uhr. Aschaffenburg: Verminderte Zurech¬
nungsfähigkeit und temporäre Unzurechnungsfähigkeit. — 12—1 Uhr.
Mittermaier: Die einzelnen Klassen der Verbrecher unter Be¬
rücksichtigung der Schuldfrage. Jugendliche. Gewohnheitsver¬
brecher. Unverbesserliche. — Nachmittags findet ein Ausflug zur Be¬
sichtigung einer Strafanstalt statt.
Freitag den 16. April. 9—10 Uhr. Dannemann: Die
Geistesstörungen im Strafvollzug. Die Versorgung der gefährlichen
Geisteskranken. — 10—11 Uhr. Sommer: Die strafrechtliche Hand¬
lung als Form der Ausdrucksbewegung. Determinismus und Strafe.
— 11—12 Uhr. Aschaffenburg: Die Kriminalität der Jugend¬
lichen und ihre Bekämpfung. Jugendgerichtshöfe und Zwangs¬
erziehung. — 12—1 Uhr. Mittermaier: Der Einfluss der Ge¬
sinnung auf die Strafe. — 4—5 Uhr. Achaffenburg: Die psycho¬
physiologische Wirkung des Alkohols. Die klinischen Formen des
Alkoholismus. Seine strafrechtlichen und sozialen Beziehungen. —
5—6 Uhr. Mittermaier: Das System von Strafen und sichern¬
den Massnahmen, speziell das Gefängniswesen.
Samstag den 17..April. 9—10 Uhr. Dannemann: Die
forensische Bedeutung der Simulation geistiger Störung. — 10—11 Uhr.
Sommer: Die Ausdrucksbewegungen bei Epilepsie, Hysterie und
Alkoholismus. — 11—12 Uhr. Aschaffenburg: Die Gutachter¬
tätigkeit. Technik des Gutachtens. — 12—1 Uhr. Mittermaier:
Das Gefängniswesen mit Rücksicht auf die Gesinnung des Täters. —
4—5 Uhr. Dannemann: Die Wahl des Vormundes im Hinblick auf
die Prophylaxe der antisozialen Betätigung Geisteskranker und
Geistesschwacher. — 5—6 Uhr. Sommer: Demonstrationen.
Sonntag den 18. April. 9—10 Uhr. Dannemann:
Psychiatrische Wünsche bei der Ausbildung der Polizei- und Straf¬
anstaltsbeamten. — 10—11 Uhr. Sommer: Psychologie der Aus¬
sage und Tatbestandsdiagnostik. — 11—12 Uhr. Aschaffenburg:
Sexuelle Psychopathologie und ihre forensische Beurteilung. --
12— 1 Uhr. Mittermaier: Entlassung und Fürsorge für Ent¬
lassene. Strafersatzmittel. — Nachmittags findet eine Besichtigung
der neuen Irrenanstalt in Giessen statt.
Die Begriissung findet am Montag den 12. April, abends von
8V2 Uhr ab, im Hotel Grossherzog von Hessen, Bahnhofstrasse (Ecke
der Westanlage) statt.
Folgende Hotels gewähren den Kursteilnehmern volle Pension
inkl. Zimmer: Grossherzog von Hessen (7 M.), Kühne (5.50—6JD0 M.),
Viktoria (6 M.), Schütz (5.50—6.00 M.), Prinz Karl (7 M.), Prinz
Heinrich (Zimmer mit Frühstück 2.50 M., Mittagessen von 1.30 M. an).
Privatwohnungen werden gern besorgt (Preis 2—3 M. inkl.
Kaffee).
Teilnehmerkarten zu 20 M. am Empfangsabend oder in der Klinik.
Prof. Dr. Sommer.
Aus Ärztlichen Standesvereinen.
Abteilung für freie Arztwahl des ärztlichen Bezirksvereins
München.
Ausserordentliche Mitgliederversammlung vom
30. Dezember 1908.
Der Vorsitzende, Herr F. Bauer, gibt zunächst bekannt, dass
von den 49 Mitgliedern, die mit dem Revers im Rückstand waren,
38 nachträglich unterschrieben haben und dass die übrigen 11 nach
dem Beschluss der letzten Versammlung aus der Mitgliederliste ge¬
strichen werden müssen. Ferner teilt er ein von verschiedenen
Kollegen unterzeichnetes Schreiben mit, in welchem gegen die Art
der Ausführung der Reversangelegenheit Protest eingelegt wird.
Herr Lukas nimmt in längeren Ausführungen zu diesem Pro¬
teste Stellung. Er warnt vor der Ausführung des Beschlusses der
letzten Mitgliederversammlung und hält das ganze Vorgehen für eine
Satzungswidrigkeit, da in den Satzungen kein Paragraph enthalten sei,
einen Kollegen wegen Nichtunterzeichnung des Reverses einfach zu
streichen, und da den Betroffenen die Möglichkeit genommen sei,
Rekurs zu ergreifen. Durch das Vorgehen der Versammlung sei der
Revers null und nichtig gemacht, da er erzwungen werde. Ein er¬
zwungener Revers verstosse nämlich, wie er von juristischer Seite
gehört habe, gegen die guten Sitten. Mit dem Beschlüsse habe man
beabsichtigt, die Kollegen, die unbequem seien, aus der Abteilung zu
beseitigen. (Der Vorsitzende weist diese Behauptung zurück.) Der
Redner ersucht zum Schluss die Versammlung nochmals, den Be¬
schluss der vorigen Sitzung rückgängig zu machen; er und seine
Freunde würden sich nicht zwingen lassen.
Herr Hecht meint, der Beschluss sei eine blosse Formsache,
während die ganze Angelegenheit von der Gegenseite persönlich auf¬
gefasst werde. Es sei ein völliges Verkennen der Sachlage, man habe
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110
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
niemand hinausdrängen wollen, es sollten bloss allen bei gleichen
Rechten auch gleiche Pflichten auferlegt werden.
Auch Herr P e r u t z verwahrt sich gegen die Auffassung, dass
man jemand habe hinausdrängen wollen. Der Redner wundert sich
über die heutigen Worte des Herrn Lukas, der früher sich bereit
erklärt habe, den Revers des Aerztevereinsbundes zu unterschreiben.
Herr Lukas erwidert darauf, dass er am 15. Dezember wohl
gewillt gewesen sei, den Verpflichtungsschein zu unterschreiben, am
nächsten Tage aber sei er anderer Meinung geworden, als er ge¬
sehen habe, wie man mit dem Standesverein umgegangen sei.
Uebrigens habe er mit 4 Herren bereits im Februar 1906 den Aerzte-
vereinsbundsrevers unterschrieben mit dem Vorbehalt, dass der in
dem Revers erwähnte Konflikt der Zustimmung des N. St.-V. bedarf.
Herr S i e b e r t hält im Gegensatz zu Herrn Hecht die Sache
nicht für eine blosse Formalität, sondern für ein ungemein wichtiges
Ereignis. Mit dem in Rede stehenden Beschluss werde nämlich das
Prinzip der freien Arztwahl, das Koalitionsrecht der Aerzte, durch¬
brochen, wenn nämlich die Aerzte eines anderen Standesvereins nicht
den Befehlen ihres Vereins, sondern dem Zwange der Abteilung unter¬
liegen sollen.
Herr v. D e s s a u e r ist ebenfalls der Meinung, dass man sich mit
dem Beschluss gegen den § 30, Absatz 4 der Statuten verfehlt habe,
da die Berufungszeit nicht gewahrt worden sei. Es sei gefährlich,
den Beschluss aufrecht zu erhalten. Das ganze Vorgehen sei doktrinär
und von der Vorstandschaft von parteipolitischen Gesichtspunkten aus
in Szene gesetzt.
Der Vorsitzende und Herr R e h m weisen den letzten Vorwurf
energisch zurück. Herr R e h m erklärt weiter, dass er die ganze
Sache inauguriert habe, als einige Mitglieder des „Neuen Standes¬
vereins“ den früheren Revers gekündigt und ihre Bereitwilligkeit ge-
äussert hätten, den Verpflichtungsschein des Aerztevereinsbundes zu
unterzeichnen. Damals habe er geglaubt, dass ein diesbezüglicher Be¬
schluss des Standesvereins vorliege, Er könne versichern, dass ab¬
solut keine Rede davon sein könne, verschiedene Herren aus der
Abteilung hinauszudrängen. Er bitte dringend, das ehemalige Vor¬
haben, den Revers zu unterschreiben, auch auszuführen.
Auch Herr Ebstein erklärt, man habe weder animos gegen
einzelne Kollegen, noch nach politischen Gesichtspunkten gehandelt.
Die Minorität müsse sich einer Organisation fügen. Herrn S i e b c r t
erwidere er, dass Organisation und persönliche Freiheit sich nie ganz
vereinigen lassen. Das sei bedauerlich, aber in der ganzen Welt sei
das so.
Herr Neustaetter entwickelt historisch die Entstehung der
verschiedenen Reverse. Nach den Satzungen gäbe es keine „Strei¬
chung“, es gäbe nur Ausschluss mit Berufung. Ausserdem heisse es
nur, „zur Aufnahme“ sei es nötig, die betreffende Bedingung zu er¬
füllen; es sei unberechtigt, die Aufgenommenen nachträglich hinaus¬
zuwerfen.
Hi)rr P e r u t z fragt, warum die Herren nicht in der letzten
Versammlung ihre Reden gegen den Antrag gehalten hätten. Die
heutige Opposition sei durch die Sitzung des Leipziger Verbandes vom
15. XII. hervorgerufen worden, wie Lukas selbst zugegeben habe.
Das müsse festgenagelt werden.
Herr Bauer versichert ebenfalls nochmals, der Antrag sei
nicht eingebracht worden, um unbequeme Kollegen zu beseitigen, son¬
dern im Gegenteil, um die Organisation lückenlos zu schliessen. Das
neue Krankenversicherungsgesetz sei bereits eingerelclit, daher müss¬
ten in einer so wichtigen Sache die Reihen fest geschlossen sein.
Die Organisation breche zusammen, wenn der Beschluss wieder auf¬
gehoben werde. Die Vorstandschaft habe alle Säumigen noch eigens
telephonisch gebeten, den Revers zu unterschreiben; das sei doch
guter Wille. Entgegen der Behauptung des Herrn Lukas könne er
mitteilen, dass der Revers vom Rechtsbeistand der Vorstandschaft
als juristisch gültig erklärt worden sei.
Die Debatte für und gegen den Beschluss ging noch eine geraume
Zeit weiter. Zugleich erfolgte bei dieser Gelegenheit eine gründliche
Aussprache über die immerwährenden Dissidien zwischen dem „Neuen
Standesverein“ und dem „Bezirksverein“. Nach den Ausführungen
der verschiedenen Redner lägen die Ursachen in zwei Haupt¬
momenten, erstens in steten Missverständnissen und zweitens in der
Unvereinbarkeit zweier prinzipieller Standpunkte. In rein sachlichen
Gründen würden meist persönliche Spitzen gesucht, dadurch die
Missverständnisse. Die beiden sich gegenüberstehenden prinzipiellen
Standpunkte beständen darin, dass die Mitglieder des Standesvereins
der Ansicht seien, dass es falsch und unrecht sei, eine Minorität zu
vergewaltigen, anstatt vor Ausführung einer Aktion mit ihr zu einem
Einvernehmen zu gelangen, während die Anhänger des Bezirksvereins
die Auffassung hätten, dass eine Minorität sich den Beschlüssen der
Majorität fügen müsse, um so mehr, als ihr durch das Proportional¬
wahlsystem Gelegenheit geboten sei, durch Entsendung eines Ver¬
treters in die Vorstandschaft ihren Anschauungen energischen Aus¬
druck zu verleihen. Als ein gangbarer Weg zu einem Ausgleich
wurde von verschiedenen Seiten angeregt, die „Abteilung für freie
Arztwahl“ künftig als selbständigen Verein umzugestalten und so auf
einen neutralen Boden zu stellen.
An der im Ganzen mehr als 3 Stunden dauernden Debatte be¬
teiligten sich die Herren Grünwald, Nassauer, Stroebel,
Thombanssen, Einhorn, und wiederholt die Herren H ö f 1 -
mayr, Lukas, Siebert, Bauer, Ranke und Ebstein.
No. 1 .
Von den 4 eingelaufenen Anträgen der Herren Joos, Grün¬
wald, Lukas und Ranke wird der G r ii n w a 1 d sehe — die Ver¬
sammlung erteilt der Vorstandschaft Indemnität dafür, dass sie den
Beschlüssen der letzten Versammlung noch nicht Geltung verschafft
hat und ermächtigt sie, die Durchführung dieser Beschlüsse zunächst
nicht vor dem 1. Februar zu erwirken — mit allen gegen 6 Stimmen
bei 3 Stimmenthaltungen angenommen.
Der 2. Punkt der Tagesordnung — 2 Anträge der Vorstandschait
auf Aenderung des § 5, 6 und 40 der Satzungen — wird auf Antrag
des Herrn Joos auf die nächste Sitzung verschoben, um den Funkt
3 — Berufung eines Kollegen gegen die auf Antrag der Honorar¬
kommission von der Vorstandschaft ausgesprochene 3 monatliche Sus¬
pension — mit der nötigen Gründlichkeit erledigen zu können.
Nach langer ausführlicher Besprechung dieser Angelegenheit wird
die Suspension vom Plenum mit 49 gegen 28 Stimmen, bei 8 Stimmen¬
enthaltungen, aufrecht erhalten.
Schluss der Sitzung nach V?2 Uhr.
Präsenzziffer 128 Mitglieder. A. Loeh.
Verschiedenes.
Ehrengerichtshof, freie Arztwahl und Freizügigkeit
Den Bestrebungen der Aerzte, durch Zusammenschluss die Nach¬
teile unbeschränkter Konkurrenz zu beseitigen, ist eine gefährlicher
Gegner erstanden. Gerade die Organisation, die an höchster Stelle
berufen ist, den Schutz der Standesehre zu wahren, der Ehrengerichts¬
hof, droht dem ärztlichen Stande die Waffe zu entwinden, die zur¬
zeit allein verfügbar ist, um die schweren, der Standesehre in hohem
Masse abträglichen Missstände zu beseitigen, welche das Abhängigkeits-
Verhältnis der einzelnen Aerzte von den Krankenkassenverwaltungen
aller Art mit sich bringt. Jeder, der sich um die Anstellung bei einer
monopolisierten Kasse beworben hat, kennt diese Missstände. Mögen
sie auch bei dem einzelnen nach Jahren ungestörter ärztlicher Tätig¬
keit in Vergessenheit geraten sein, dem ärztlichen Nachwuchs bleibt
dieses kaudinische Joch nicht erspart. Mag man sonst über Vorteile
und Nachteile der freien Arztwahl denken wie man will, dass die
Anmeldung zum Beitritt zur Organisation nicht nur bequemer, son¬
dern auch der Standesehre zuträglicher ist als der Weg durch über¬
füllte Kassenlokale, darüber wird doch wohl Einigkeit unter den
Aerzten bestehen. Dass daher gerade ein ärztlicher Ehrenrichter
dem System der organisierten freien Arztwahl von vornherein den
Vorzug geben wird, dass auch die Mitglieder des Ehrengerichtshoies
im Herzen und mit dem Verstand diesem System zugeneigt sind, das
ist in hohem Grade wahrscheinlich. Um so betrübender ist es, dass
gerade sie die Wege zu sperren drohen, die zur Erreichung dieses
Zieles gangbar sind, noch betrübender, dass ein logischer Fehlschluss
sie dazu veranlasst.
Auf welchem Wege die freie Arztwahl erreichbar ist, das ist
bekannt. Vorbedingung ist die Einigkeit der in Betracht kommenden
Aerzte. Diese würde genügen, wenn auch die Kassenverwaltungen
diesem System geneigt wären. Da das nicht der Fall ist, kommt
noch eine zweite Bedingung hinzu: Es dürfen nicht auswärtige Aerzte
der Kasse ihre Dienste zur Verfügung stellen. Man hat nun solche
„Egoisten“ vor das Ehrengericht gestellt, und die verschiedensten
Ehrengerichte haben sie wegen Verletzung der Standesehre ver¬
urteilt. Der Ehrengerichtshof hat diese Urteile umgestossen. Und
warum? Man höre und staune: Weil man nicht zulassen könne,
dass die Freizügigkeit des Aerztes, die ihm gesetzlich gewährleistet
sei, beschränkt werde. Eine solche Beschränkung aber liege in der
Verpflichtung, sich nicht am bestimmten Ort niederzulassen.
Hier liegt nun der Fehlschluss! Wodurch wird denn wohl im
Deutschen Reiche in erster Linie die Freizügigkeit beschränkt? Man
frage nur diejenigen Aerzte, die vor der Niederlassung stehen! Wo¬
nach erkundigen sie sich in erster Linie? Nach den kassenärztlichen
Verhältnissen. Hätten wir im ganzen Reiche freie Arztwahl, so wären
in der Tat die Vorbedingungen zur gesetzlich gewährten Freizügig¬
keit erfüllt. Ohne diese steht sie nur auf dem Papier. Ich möchte wohl
wissen, wie ein Arzt, besonders ein Spezialarzt, es wagen sollte, sich
in einer der grossen Industriestädte, oder auch z. B. in Dresden nie¬
derzulassen, wenn er nicht durch „Konnexionen“ Aussicht hat, bei
den Knappschafts- bezw. der zentralisierten Ortskrankenkasse anzu¬
kommen. Wenn also der Ehrengerichtshof für die Durchführung
des § 1 des Gesetzes über die Freizügigkeit Sorge tragen will — man
kann zweifelhaft sein, ob das in erster Linie oder überhaupt zu seinen
Aufgaben gehört — so hat er alle Veranlassung, nicht die Mittel zu
unterbinden, welche zurzeit allein in Betracht kommen, um die Vor¬
bedingung einer realen, nicht papierenen Freizügigkeit, das ist die
freie Arztwahl, zu schaffen.
Ob die Hoffnung zu kühn ist, dass der Ehrengerichtshof diesen,
wie mir scheint klaren und logischen Folgerungen sich anschliesst?
Dr. Pa d e r st e i n-Berlin.
Standesehre der Aerzte — vor Gericht.
Ich war vor das Amtsgericht München I als Sachverständiger
vorgeladen. Nach Erledigung meiner Aufgabe frug mich der Amts¬
richter, welche Gebühr ich beanspruche. Da die Angelegenheit (Fahrt
zum und vom Justizpalast eingeschlossen) 5 /« Stunden meiner Zeit in
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12 . Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
111
Anspruch nahm, verlangte ich 10 Mark. Der Herr Amtsrichter be¬
deutete mir darauf, dass ihm das zuviel erscheine. Ich sagte da¬
gegen, ich sei nicht hergekommen um aus der Sache einen Handel
zu machen. Der Herr'Amtsrichter erwiderte dem Sinne nach: „Wir
zahlen 2 M. die Stunde — weisen Sie dem Herrn Doktor
4 M. an!“ Ich war einen Moment sprachlos vor der Noblesse und
dem Taktgefühl des Herrn Amtsrichters — er hatte die ganze An¬
gelegenheit vor Kläger und Beklagtem resp. deren Vertretern erörtert
— dann verzichtete ich auf die mir bewilligten 4 Mark.
Dr. med. F. Hüttenbach.
München-Schwabing.
Die Aerzte Deutschlands Im Jahre 1908.
Einer Zusammenstellung der „Deutschen medizinischen Wochen¬
schrift“ (1908, No. 53) entnehmen wir, dass am 1. November 1908
die Zahl der Aerzte in Deutschland 31 640 (gegen 31 416 im Vorjahre)
betrug. Die Zunahme der absoluten Zahl der Aerzte war also nur
22 4; jedoch sind hier schon in kurzer Zeit bedeutend höhere Ziffern
zu erwarten, nachdem im Prüfungsjahr 1906/07 zwar nur 553 Appro¬
bationen erteilt wurden, aber 1038 Studenten der Medizin die ärztliche
Vorprüfung bestanden.
Die Zahl der
Aerzte in
den einzelnen
Landes-
teilen verteilte sich
w r ie folgt:
Preussen .
. .19 130
Braunschweig . . .
. . 265
Bayern .
. . 3487
Thüringen .
. . 706
Sachsen .
. . 2 298
Anhalt.
. . 150
Württemberg . . . .
. . 1043
Waldeck .
. . 50
Baden .
. . 1263
Beide Lippe . . . .
. . 77
Hessen .
. . 747
Lübeck .
. . 79
Beide Mecklenburg .
. . 362
Bremen .
. . 198
Oldenburg .
. . 165
Hamburg.
. . 721
Elsass-Lothringen
i .... 903
In den Gressstädten kamen auf je 10000 Einwohner Aerzte:
in Wiesbaden 25,8, München 15,8, Strassburg 14,2, Kiel 13,1, Gross-
Berlin 12,3, Frankfurt a. M. 12,1, Halle a. S. 11,8, Karlsruhe 11,7, Bres¬
lau 11,6, Königsberg 11,2, Posen 11,1, Hannover 10,9, Kassel 9,8, Dres¬
den 9,8, Köln 9,7, Stuttgart 9,6, Leipzig 9,4, Stettin 8,7, Danzig 8,7,
Braunschweig 8,5, Düsseldorf 8,4, Aachen 8,3, Magdeburg 8,2, Ham¬
burg 7,8, Erfurt 7,5, Nürnberg 7,5, Bremen 7,1, Mannheim 7,0, Altona
6,1, Dortmund 6,0, Krefeld 5,7, Elberfeld 5,7, Bochum 5.4, Barmen 5,3,
Plauen 4,8, Chemnitz 4,8, Essen 4,5, Gelsenkirchen 4,2, Duisburg 3,0.
356 Gemeinden sind ohne Arzt aufgeführt; hievon waren
KM) nur zur Zeit des Abschlusses noch nicht besetzt, von den übrigen
256 waren 182 schon länger ohne Arzt, in 63 Orten ist die Stelle
seit 1906 nicht mehr besetzt.
Die 55 Aerztinnen verteilen sich fast ganz auf die Gross¬
städte, in Berlin sind 17, in Breslau 5, in Frankfurt a. M. 4, in
München 3, in Hamburg und Dresden je 2.
Das Spezialistentum hat weitere Fortschritte gemacht,
zumal in den Grossstädten, in denen sich die Zahl der Spezialisten
um 9 Proz. (von 4004 auf 4375), die der übrigen Aerzte nur um 4 Proz.
vermehrte. Auch in den Industriestädten in Sachsen, Rheinland und
Westfalen nahm der Prozentsatz wesentlich zu. Von den einzelnen
Spezialfächern zeigten die grösste Zunahme die Psychiatrie, Nerven-
und Kinderheilkunde, Chirurgie und Orthopädie.
Therapeutische Notizen.
Hinsichtlich der Narkose bei d-er Geburt warnt Veit
( Ther ; Mon.-He-fte 11, 1908) vor der unterschiedslosen Anwendung
des Skopolamimiämmerschlafes. Angezeigt ist derselbe nur bei
neurasthentschen Frauen; der Arzt muss dann ständig dabei bleiben.
Hegen Ende der Eröffnungsperiode empfiehlt sich mehr eine kleine
Morphiuminjektion. Chloroformnarkose empfiehlt sich dann, wenn die
Keimung des Hymensaumes abnorm grosse Schmerzen macht. Kr.
Tagesgeschichtliche Notizen.
München, 11. Januar 1909.
— In 11 a 1 i e n wird demnächst ein Gesetz durch die Volksver-
tretung angenommen werden, das für die zahlreichen in Italien ohne
italienisches Diplom praktizierenden deutschen Aerzte einen schweren
* chlag bedeutet (s. den Röm. Brief, S. 99 d. No.). Die Ausübung
der ärztlichen Praxis soll in Zukunft von der Eintragung in
die schon bestehenden provinziellen Aerzteverbände abhängig ge¬
macht werden. Nur Aerzte aber, die in Italien approbiert sind oder
ln einem Lande, das italienischen Aerzten Gleichberechtigung ge-
Y a}lr t. können diesen Verbänden beitreten. Damit würde also den
deutschen Aerzten an der Riviera, am Gardasee, in Rom etc. das
Kecht, bei ihren Landsleuten zu praktizieren, genommen. Soweit
dieses Gesetz, wie es scheint, rückwirkende Kraft besitzen, also auch
wiche Aerzte betreffen soll, die schon seit vielen Jahren in Italien
ansässig sind, bedeutet es eine grosse Härte. Soweit sie neu sich
diederlassende Aerzte betrifft, kann die Massnahme nicht als un-
xerecht bezeichnet werden. Denn Deutschland sperrt sich ja gegen
ausländische Aerzte ebenfalls streng ab. Sowohl Im Interesse der
ln ,ta ‘ienischen Kurorten praktizierenden deutschen Aerzte, wie nicht
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minder in dem unserer dort Heilung suchenden Landsleute, wäre
es daher gelegen, wenn die deutsche Regierung baldigst ein Gegen-
seitigkeitsvcrhältnis mit Italien, betr. die Niederlassung der beider¬
seitigen Aerzte anbahnen würde, ähnlich wie es zwischen England
und Italien bereits besteht. Aber nicht nur mit Italien, auch mit
England, dessen Kolonien deutschen Aerzten jetzt verschlossen sind,
sollte ein solches Abkommen getroffen werden. Bei der in Bälde
zu erwartenden starken Zunahme der deutschen Aerzte ist die Er¬
leichterung der Niederlassungsmöglichkeit im Auslande ein dringendes
Bedürfnis.
— Für den Abschluss von Reziprozitätsverträgen zur gegen¬
seitigen Anerkennung der ärztlichen Diplome tritt auch Prof. .).
Schwalbe ein in seinen soeben in 2. Auflage erscheinenden „B e -
Stimmungen über die Zulassung zur ärztlichen
Praxis im Auslände“ (Verlag von G. Thieme in Leipzig.
Preis M. 3.50), die bei dieser Gelegenheit lebhaft empfohlen seien. Das
Werkchen enthält die Niederlassungsbedingungen für wohl sämtliche
Länder der Erde und ist daher unentbehrlich für alle, die den Wunsch
hegen, als Arzt ins Ausland zu gehen. Die Auskünfte stammen meist
von deutschen Konsulaten und Kollegen und können als zuverlässig
betrachtet werden. Dass die meisten mit dem Reirain schliessen
„ein Bedürfnis für die Niederlassung eines deutschen Arztes besteht
nicht“, braucht deshalb für einen unternehmenden jungen Kollegen
kein unbedingter Abhaltungsgrund zu sein.
— Ein kurzfristiger Zyklus über die soziale Me¬
dizin und Hygiene (mit besonderer Berücksichtigung der so¬
zialen Gesetzgebung und der Jugendfürsorge) wird unter Fördeiung
des „Reichsausschusses für das ärztliche Fortbildungswesen“ vom
„Zentralkomitee für das ärztliche Fortbildungswesen in Preussen“ in
Verbindung mit dem Berliner „Seminar für soziale Medizin“ vom
17.—30. April in Berlin veranstaltet werden. Die Teilnahme an
diesem Zyklus steht jedem deutschen Arzte, ebenso den Medizinal¬
praktikanten, unentgeltlich frei; es wird lediglich eine Einschieib-
gebühr zur Deckung der sächlichen Unkosten erhoben. Durch diesen
Zyklus wird allen deutschen Aerzten Gelegenheit gegeben, sich über
die wichtigsten einschlägigen Gebiete innerhalb einer verhältnis¬
mässig kurzen Zeit theoretisch und praktisch zu unterrichten. Das
Programm wird in nächster Zeit veröffentlicht werden.
— Der Wissenschaftliche Verein der Aerzte in
Stettin feierte vor kurzem sein 50jähriges Jubiläum (1858—1908).
Aus diesem Anlasse hat der Verein eine Festschrift heraus¬
gegeben, in der die Geschichte des Vereins, seine Tätigkeit auf
wissenschaftlichem wie auf sozialem Gebiet und die Entwicklung der
medizinischen Anstalten und Krankenhäuser in Stettin in den letzten
50 Jahren geschildert werden. Welch reges wissenschaftliches Leben
im Verein immer geherrscht hat, geht aus den Gedenkblättern hervor,
die die Festschrift den hervorragenden verstorbenen Mitgliedern
widmet. Wir begegnen da Namen wie Brand, dem Begründer der
Badebehandlung des Typhus, den Chirurgen Schuchardt,
Maske, Hans Schmid u. a., deren Namen noch heute in der
Wissenschaft unvergessen sind.
— Man schreibt uns aus Hamburg: Eine Vereinigung
nordwestdeutscher Chirurgen ist hier in der Bildung be¬
griffen. Auf Anregung von Prof. Kümmell - Hamburg und Prof.
König- Altona haben die dirigierenden Chirurgen von Hamburg.
Altona und Umgebung nach Zustimmung der Chirurgen von Kiel,
Rostock, Bremen und Lübeck sich zu diesem Zwecke vereinigt, um
eine Besprechung rein chirurgischer Fragen in grösserem Umfange
zu ermöglichen, als dies in den ärztlichen Vereinen und selbst auf
den grossen Spezialkongressen möglich ist. Durch die Abhaltung der
Sitzungen in den Krankenhäusern wird die Demonstration der Patien¬
ten wesentlich erleichtert werden. Es sollen an wechselndem Ort
vorläufig 3 Versammlungen im Jahr stattfinden, die erste schon am
23. Januar d. J. im Eppendorfer Krankenhause unter dem Vorsitz
von Prof. Kümmell. Es handelt sich um eine ähnliche Veieinigung.
wie die Wanderversammlung der südwestdeutschen Neurologen, der
Verein süddeutscher Laryngologen, die Vereinigung westdeutscher
Hals- und Ohrenärzte u. ä.
— In Kopenhagen wmrde eine Dänische pädiatrische
(nicht medizinische, s. vor. No.) Gesellschaft gegründet.
— Im Verlag von Gustav Fischer in Jena beginnt zu er¬
scheinen : „Zeitschrift für Immunitätsforschung und
experimentelle Therapie. Unter Mitwirkung vieler Fach¬
männer herausgegeben von E. Friedberger - Berlin, R. Kraus-
W i e n, H. Sachs- Frankfurt a. M. und P. Uhlen huth - Berlin.
Die neue Zeitschrift erscheint in zwangloser Folge; der Preis ist 18 M.
für den Band von 50 Druckbogen. Das vorliegende, 170 Seiten starke
Heft enthält 12 Originalarbciten und eine Einführung von P. Ehr¬
lich, in der er die Berechtigung und Notwendigkeit eines besonderen
Organes der Immunitätsforschung und die Ziele der neuen Zeitschrift
darlegt.
— Cholera. Britisch-Ostindien. In Kalkutta starben vom
29. November bis 5. Dezember v. J. 9 Personen an der Cholera.
— Pest. Türkei. In Bagdad sind vom 14.—20. Dezember v. J.
2 Personen an der Pest erkrankt und 2 gestorben. — Britisch-Ost¬
indien. Während der 3 Berichtswochen vom 8.—28. November 1908
sind in ganz Indien 6920 Erkrankungen und 5210 Todesfälle an der
Pest zur Anzeige gelangt. — Hongkong. Vom 1.—14. November
v. J. wurden in Viktoria 2 tödlich verlaufene Pestfälle festgestellt.
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112
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
Korrespondenz.
— In der 52. Jahreswoche, vom 20.—26. Dezember 1908, hatten
von deutschen Städten über 40 000 Einwohner die grösste Sterblich¬
keit Boxhagen-Rummelsburg mit 29,0, die geringste Deutsch-Wilmers¬
dorf mit 3,9 Todesfällen pro Jahr und 100 Einwohner. Mehr als ein
Zehntel aller Gestorbenen starb an Scharlach in Königshütte, Zabrze,
an Masern und Röteln in Gera, Thorn, an Diphtherie und Krupp in
Borbeck, Hamm, Linden, Magdeburg, an Keuchhusten in Hof.
V. d. K. G.-A.
(Hochschulnachrichten.)
Berlin. Der Privatdozent für Ohrenheilkunde an der Berliner
Universität Dr. med. Gustav Brühl ist zum Titularprofessor er¬
nannt worden, (hc.)
Breslau. Als Privatdozent für Chirurgie habilitierte sich
Dr. med. August Most aus Breslau. Habilitationsschrift: „Ueber
die Entstehung, Verhütung und Behandlung der Halsdrüsentuberku-
lose mit besonderer Berücksichtigung ihrer Chirurgie“. Antritts¬
vorlesung: „Ueber neuere Bestrebungen in der chirurgischen Behand¬
lung der Lungentuberkulose“.
F r e i b u r g i. Br. Dem Privatdozenten und ersten Assistenten
an der Augenklinik, Dr. Wolfgang Stock, wurde der Titel ausser¬
ordentlicher Professor verliehen.
Göttingen. Der Privatdozent für Anatomie und Abteilungs¬
vorsteher am anatomischen Institut der Universität Göttingen,
Dr. med. Friedrich Heidereich, wurde zum ausserordentlichen
Professor ernannt, (hc.)
Greifswald. Dem Privatdozenten für innere Medizin an
der hiesigen Universität Dr. med. Siegfried Weber ist der Titel
„Professor“ verliehen worden. — Der Oberarzt der Universitäts-
Frauenklinik Dr. P. Esch hat sich mit der Arbeit „Ueber die Krämpfe
der Neugeborenen“ und der Antritssvorlesung „Zur Behandlung der
puerperalen Infektionen“ am 14. Dezember 1908 als Privatdozent für
das Fach der Geburtshilfe und Gynäkologie eingeführt.
Kiel. Der Privatdozent Prof. Dr. med. Paul D o e h 1 e, dem
im Oktober v. J. die neubegründete Abteilungsvorsteherstelle am
pathologischen Institut übertragen wurde, ist zum auserordentlichen
Professor ernannt worden.
Leipzig. Hofrat Wilhelm Pf aff, Direktor der technischen
Abteilung einschl. der Orthodontie am zahnärztlichen Universitäts¬
institut in Leipzig, wurde zum etatmässigen a. o. Professor in der
medizinischen Fakultät daselbst ernannt, (hc.)
Tübingen. Am 1. I. 09 ist die neue Universitäts-Augenklinik,
die in den letzten 2 Jahren erbaut wurde, bezogen worden. — Dem
Direktor der medizinischen Klinik, Prof. Dr. Ernst R o m b e r g, wurde
vom König von Württemberg das Ehrenkreuz des Ordens der Würt-
tembergischen Krone verliehen, mit welchem der persönliche Adel
verbunden ist. (hc.)
Cagliari. Dr. C. Sacerdotti wurde zum ausserordent¬
lichen Professor der allgemeinen Pathologie ernannt.
Chicago. Der Adjunkt-Professor am Rush Medical College
Dr. J. G. Wilson wurde zum Professor der Ohrenheilkunde an
Northwestern University Medical School ernannt.
Cincinnati. Dr. J. H. L a n d i s wurde zum Professor der
Hygiene an Miami Medical College ernannt.
C1 e v e 1 a n d. Der Adjunkt-Professor der Bakteriologie
Dr. R. G. P e r k i n s wurde zum Adjunkt-Professor der Pathologie
und Hygiene an Western Reserve University Medical College er¬
nannt.
Dorpat. Dr. Schirokoroff habilitierte sich als Privat¬
dozent für pathologische Anatomie.
Kasan. Der Privatdozent an der militärmedizinischen Aka¬
demie zu St.Petersburg Dr. Th. Tschistowitsch wurde zum
ausserordentlichen Professor der pathologischen Anatomie ernannt.
L o u i s v i 11 e. Dr. C. W. F i e 1 d wurde zum Professor der
pathologischen Anatomie, Bakteriologie und Hygiene ernannt.
Neapel. Dr. C. C i a n c i habilitierte sich als Privatdozent
für Materia medica und experimentelle Pharmakologie.
NewOrleans. Dr. Ch. W. D u v a 1 wurde zum Professor der
pathologischen Anatomie an der Tulane-Universität ernannt.
Palermo. Dr. L. Philippson wurde zum ausserordent¬
lichen Professor der Dermatologie und Syphiligraphic ernannt.
Parma. Dr. E. F e r r o n i wurde zum ausserordentlichen Pro¬
fessor der Geburtshilfe und Gynäkologie ernannt.
St. Petersburg. Dr. N. M. Kakuschkin habilitierte sich
als Privatdozent für Geburtshilfe und Gynäkologie am medizinischen
Institut für Frauen.
Prag. Der Privatdozent der Augenheilkunde an der tschechi¬
schen medizinischen Fakultät Dr. W. M a t y s erhielt den Titel eines
ausserordentlichen Professors.
Rom. Dr. A. Ze r i wurde zum ausserordentlichen Professor
der medizinischen Semiotik ernannt.
Wien. Die Privatdozenten der inneren Medizin DDr. Fr. K o -
väcs. Fr. Obermayer und J. Pä 1 erhielten den Titel eines
ausserordentlichen Professors.
(Todesfälle.)
In Wiesbaden ist der a. o. Professor für Gynäkologie an der Uni¬
versität Greifswald, Geh. Medizinalrat Dr. Franz Frhr. v. Preu-
schen von und zu Liebenstein im Alter von 64 Jahren ge¬
storben. (hc.)
Aufruf an die deutschen Kollegen.
Die letzten definitiven Nachrichten aus dem Erdbebengeb!;:
zeigen leider, dass die anfänglichen Schätzungen durchaus nicht über¬
trieben waren, sondern dass die Gewalt und Ausdehnung der Kata¬
strophe alle menschliche Einbildungskraft übertrifft. Zwei der
schönsten italienischen Städte sind vernichtet, zwei vollständige Pro¬
vinzen sind von einer Stunde zur anderen aus dem Wohlstand i:.>
tiefste Elend geschleudert worden. Die wenigen Ueberlebenden be¬
sitzen nichts mehr, als die grauenvolle, unauslöschliche Erinnerung
an jene Schreckensnacht und an die Lieben, die ihnen auf sok: i
entsetzliche Weise entrissen wurden. Die ungeheure Katastrophe ha 1
alle Bemühungen um den Fortschritt und die Kultur brutal unter
brochen, alle bisher erzielten Früchte zerstört und Unteritalien ml:
einen Schlag um Dezennien zurückgeschleudert. Kein menschliche*
Gemüt wird diesem Unglück gleichgültig gegenüberstehen können,
alle zivilisierten Völker werden und müssen dazu beitragen, der
unberechenbaren Schaden wenigstens einigermassen auszugleicher..
Italien macht übermenschliche Anstrengungen, um so schnell u
möglich die erste, dringendste Not zu lindern, der Wettbewerb alle;
ist geradezu grossartig. Ich selbst habe arme Leute aus dem Volke.
Mägde und Arbeiter ihren bescheidenen, sauer verdienten Beitrag ab-
geben sehen.
Auch in zahlreiche Familien von Aerzten hat die Katastrophe
Trauer und Unheil gebracht; Witwen und Waisen beweinen den.de;
ihre Stütze und Halt war. Das Institut für Aerztewaisen in Perugia
verfügt nur über beschränkte Mittel und wird wenig für die jetzt
Betroffenen tun können. Und deshalb wende ich mich an die deut¬
schen Aerzte, damit sie helfen, das Los einiger dieser Unglücklichen
zu erleichtern. Möge keiner sein Herz und seine Börse verschliessen.
denn je grösser die Zahl der Geber ist, — und sei die einzelne
Gabe auch noch so klein — desto mehr kann geholfen werden, l'nd
Italien, das schon durch so viele freundschaftliche Bande mit Deutsch
land verbunden ist, wird durch ein neues, inniges Band der Dankbar¬
keit mit der erlesenen Schar der deutschen Aerzte verbunden werden.
Die einlaufenden Gelder werden vorläufig in Verwahrung de*
Herrn Hofrat Dr. Spatz bleiben, und dann seinerzeit, wenn der ins
Auge genommene Zweck der Sammlung mit Sicherheit erreicht wer¬
den kann, zu gunsten der Bedürftigen verwendet werden.
Rom, den 4. Januar 1908.
Prof. Giovanni Galli. |
Sammlung für die durch die Katastrophe in Süditalien be¬
troffenen Aerzte und deren Hinterbliebene.
Uebertrag: M. 375.0, Geheimrat v. B o 11 1 n g e r - Münche:
M. 20.—, Dr. Hecht- München M. 20.—, Dr. R. Spatz- München
M. 5.—, Frau A. H.-München M. 10—, M. C. L. M. 44.— (55 Lire), l
Dr. K r e c k e - München M. 20.—, Hofrat Schreiber - Augsburt
M. 25.—, Generalarzt S e g g e 1 - München M. 10.—, Dr. E. in H.
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fenheimer - München M. 2.—, Privatdozent Dr. M e r k e 1 - Er- 1
langen M. 8.—, Frau Dr. J. M. 5.—, H. J. M. 5.—, Verleger J. F. Leh- i
mann- München M. 25.—, F. S. M. 10.—, Dr. M. Karger- Berlin
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Rostock M. 5.—, Bezirksarzt Dr. S p a e t - Fürth M.-10.—, Dr. S tern-
München M. 10.—, Dr. O. R o m m e 1 - München M. 10.—, Prof. Z i n n -
Berlin M. 5.—, Prof. Kehr- Halberstadt M. 50.—, Privatdozent
Dr. D i e 11 e n - Strassburg M. 5.—. Summe M. 790—.
Uebersicht der Sterbefälle in München
während der 52. Jahreswoche vom 20. bis 26. Dezember 1908.
Bevölkerungszahl 556 000.
Todesursachen: Angeborene Lebensschw. (1. Leb.-M.) 9 (15!
Altersschw. (üb. 60 Jahre) 3 (9), Kindbettfieber — (—), and. Folgend.
Geburt — (1), Scharlach 6 (7), Masern u. Röteln 5 (5), Diphth. u-
Krupp 4 (4), Keuchhusten 1 (1), Typhus — (—), übertragb. Tierkrankh.
— (—*), Rose (Erysipel) 1 (—), and. Wundinfektionskr. (einschl. Blut-
u. Eitervergift.) 2 (2), Tuberkul. d. Lungen 34 (19), Tuberkul. and
Org. — (2), Miliartuberkul. — (—), Lungenentzünd. (Pneumon.) 18 (15).
Influenza 1 (1), and. übertragb. Krankh. 3 (—), Entzünd, d. Atmung?*
organe 3(10), sonst. Krankh. derselb. 3 (2), organ. Herzleiden 26(22).
sonst. Kr. d. Kreislaufsorg, (einschl. Herzschlag) 9 (9), Gehirnschlag
9 (10), Geisteskrankh. 3 (—), Fraisen, Eklamps. d. Kinder 4 (1), and.
Krankh. d. Nervensystems 3 (6), Magen- u. Darm.-Kat, Brechdurchfall
(einschl. Abzehrung) 24 (14), Krankh. d. Leber 2 (3), Krankh. des
Bauchfells 1 (1), and. Krankh. d. Verdauungsorg. 4 (4), Krankh. d.
Harn- u. Geschlechtsorg. 5 (6), Krebs (Karzinom, Kankroid) 13 (27).
and. Neubildg. (einschl. Sarkom) 5 (4), Selbstmord — (3), Tod durch
fremde Hand — (—), Unglücksfälle 6 (3), alle übrig. Krankh. 6 (9)-.
Die Gesamtzahl der Sterbefälle 213 (215), Verhältniszahl aut
das Jahr und 1000 Einwohner im allgemeinen 19,9 (20,1), für die
über dem 1. Lebensjahre stehende Bevölkerung 14,5 (16.2).
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ORGAN FÜR AMTLICHE UND PRAKTISCHE ÄRZTE.
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Mönchen. Freiburg i. B. München. Leipzig. Eisenach. Würzburg. Nürnberg. Berlin. Erlangen. München. München. München.
No. 3 19. Januar 1909.
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
Verlag: J. F. Lehmann, Paul Hevsestrasse 15 a.
56. Jahrgang.
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I n h a I t:
Originalien: Feer, Zur Klinik und Therapie des konstitutionellen Säuglings¬
ekzems. (Aus der Heidelberger Universitäts-Kinderklinik,) S. 113.
B a i s c h , Die Therapie der Placenta praevia und der Eklampsie. (Aus der
kgl. Universitäts-Frauenklinik München.) S. 118.
Martin, Die Ophthalmoreaktion und die Prognosenstellung bei tuberkulösen
Erkrankungen in der Gravidität. (Aus der Universitäts-Frauenklinik der
kgl. Charite.) S. 121.
H a r t. Die Disposition der Lungenspitzen zur tuberkulösen Phthise und das
Lokalisationsgesetz des ersten ^tuberkulösen Lungenherdes. S. 123.
Btirker, Ueber den Nachweis des Hämoglobins und seiner Derivate durch
Hämochromogcnkristalle und den im violetten oder ultravioletten Teile des
Spektrums dieser Farbstoffe gelegenen Absorptionsstreifen. S. 126.
Stoeber, Experimentelle Untersuchungen über die Erzeugung atypischer
Epithelwucherungen. (Aus dem pathologischen Institut der Universität
\Viirzburg.) S. 129.
Seif fort. Ueber den Bordetschen Keuchhustenbazillus. (Aus dem kgl.
Institut für experimentelle Therapie in Frankfurt a. M.) S. 131.
Lotseh. Zwei Fälle von Lungennaht wegen schwerer Blutung. (Aus der
chirurgischen Abteilung der städt. Krankenanstalt Magdeburg-Altstadt.) S. 132.
Wiirtz, Ueber Anwendung von Kampfer bei alimentärer Intoxikation des
Säuglings. (Aus der Säuglingsheilstätle zu Strassburg.) S. 135.
Ehstein, Ueber Erfahrungen mit Medinal (Schering). S. 136.
Werndorff, Ueber Almalein. (Aus dem k. k. Universitälsambulatorium für
orthopädische Chirurgie des Regierungsrat Prof. Dr. Adolf Lorenz in Wien.)
S. 137.
Wyss, Akute posttraumatische Dupuytrensche Fingerkontraktor. S. 138.
Nahm, Ueber den habituellen Icterus gravis der Neugeborenen. S. 139.
Mayer, Zum Gedenken an Dr. Adolf Schmid von Reichenhall. S. 139-
Mcheranzeigcn und Referate: Jung, Beiträge zur frühesten Eieinbettung heim
menschlichen Weibe. Ref.: Privaldozent Dr. G. Schickele -Strassburg
i. Eis. S. 140.
Breuer und Freud, Studien über Hysterie. Ref.: Prof. Dr. Bleuler-
Burghölzli. S. 140.
Wetterer, Handbuch der Röntgentherapie. Ref.: Privatdozent Dr. G r a s h e y -
München. S. 140.
Sanitätsbericht über die Marineexpeditionskorps in SUdwestafrika 1904 05 und
in Ostafrika 1905/06. Ref.: Marinestabsarzt Dr. zur Verth-Berlin. S. 141.
Peters. Die angeborenen Fehler und Erkrankungen des Auges. Ref.:
Generalarzt Dr. S e g g e 1 - München. S. 141.
S c h n i r e r und V i e r o r d t, Enzyklopädie der praktischen Medizin. Ref.:
Dr. Grass mann-München. S. 141.
Gaupp, Grundriss der Anatomie für Künstler von Matthias Duval. Ref.:
Prof. Sobotta-Würzburg. S. 141.
Neueste Journalliteratur: Zentralblatt für innere Medizin. No. 1 u. 2.
— Deutsche Zeitschrift für Chirurgie. 94. Bd., 5. u. 6. Heft. — Zeitschrift
für orthopädische Chirurgie 22. Bd., 1. bis 3. Heft. — Gynäkologische
Rundschau. Heft 24. — Zeitschrift für Hygiene und Infektionskrankheiten.
62. Bd., 1. Heft. — Berliner klinische Wochenschrift. No. 2. — Deutsche
medizinische Wochenschrift. No. 1. — Oesterreichische Literatur. — Otologie.
— Inauguraldissertationen. S. 142.
Aiswärtige Briefe: Breslauer Briefe. S. 147. — Pariser Briefe. S. 148.
Vereins- nnd Kongressberichte: Berliner medizinischeGesellschaft,
13. Januar 1909: Demonstrationen. — Posner, Untersuchungen über die
GenitaJsekrcte des Mannes. — Dührssen und Solms, Die Anwendung
des vaginalen Kaiserschnittes bei engem Becken mit Demonstration eine r
Wöchnerin und am Projektionsapparat. S. 155.
Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden, 7. No¬
vember 1908: Böhmig, Schläfenlappenabszess. — Demonstrationen. —
H a e n e 1, Ueber den harten Gaumen- und den Schlundrellex. — S t r u b c 11,
Ueber elektrokardiographische Untersuchungen zur Physiologie und Palho-
logie des Herzschlags. S. 150.
Aerztlicher Verein in Frankfurt a. M., 19. Oktober 1908: Demonstra¬
tionen.— Roehl, Ueber Tryparosan. — Neissor, Ueber Keuchhusten.
S. 151.
Medizinische Gesellschaft zu Leipzig, 10. November 1908: Demon¬
strationen. — Lange, Tuberkulinbehandlung. — Wiehern, Ueber Benzin¬
vergiftung. S. 152.
Medizinische Gesellschaft zu Magdeburg, 22. Oktober 1908:
Demonstrationen. — Voeckler, Einiges ans dem Gebiete der Nicren-
chirurgie. — Müller, Ueber Abort. S. 152.
Militärärztliche Gesellschaft München, 22. Oktober 1908: De¬
monstration. — v. Heuss, XXXV. Zusammenkunft der Ophthalmologischen
Gesellschaft in Heidelberg im August 1908. — Selling, 80. Versammlung
deutscher Naturforsher und Aerzte in Köln im September 1908. — 19. No¬
vember 1908 : Demonstrationen. — Mandel, Lumbalanästhesie. — W a 1 d -
mann und Fürst, Epidemiologisches und Klinisches zum gegenwärtigen
Stand der Paratyphusfrage. S. 153.
Naturwissenschaftlich -medizinischer Verein zu Strass¬
burg. 20. November 1908: Stargardt, Ueber Trachomerreger. —
v. Tahora, Begriff und Wesen der nervösen Dyspepsie. S. 153.
Medizinisch -Natur wissenschaftlicher Verein Tübingen.
23. November 1908: v. Grützner, Physiologie des Kinematographen. —
Demonstrationen. — Bürker, Ueber Hämochromogenkristalle und den
Violettstreifen im Sputnm des Hämoglobins und seiner Derivate. S. 154.
Aus den Wiener medizinischen Gesellschaften: K. k. Gesell¬
schaft der Aerzte. S. 155.
Aus den französischen medizin. Gesellschaften: Acadömie des
Sciences. S. 156.
Ausdenenglischen medizin. Gesellschaften: Aesculapian Society.
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Behandlung der Blutkrankheiten. — Therapie des Keuchhustens. S. 157.
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Beleidigungsprozess Kast-IJuiddc. — Prof. Sanfelice. — Koch-Stiftung. —
Schenkung, — Kongressnachrichten. — Literarisches. — Ferienkurse. —
Bädernachrichten. — Cholera. — Pest. — Mortalität in Deutschland. —
Hochschulnachrichten: Hamburg, Kiel, Köln; Pavia, Wien. —
Ruegenberg. S. 160.
Sammlung für die durch die Katastrophe in Sttditalicn be¬
troffenen Aerzte und deren Hinterbliebenen. S. 160.
Statistik: Generalkrankenrapport über die K. Bayer. Armee für den Monat No¬
vember 1908. — Mortalität in München. S. 160.
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München. Freiburg L & München. Leipzig. Eisenach. Würzburg Nürnberg. Benin Erlangen. München. München. München.
No. 3. 19. Januar 1909.
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
Verlag: J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 26.
56. Jahrgang.
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Aus der Heidelberger Universitäts-Kinderklinik.
Zur Klinik und Therapie des konstitutionellen Säuglings¬
ekzems.
Von Prof. E. Feer.
Das chronische Ekzem zeigt sich am häufigsten in den
ersten Lebensjahren und besonders beim Säuglinge. Es ge¬
winnt hier für den Arzt um so grössere Bedeutung, als es sich
gerade in der zartesten Altersstufe gegenüber der üblichen rein
lokalen Behandlung oft äusserst hartnäckig und rebellisch er¬
weist und dadurch nicht nur für den Patienten und seine
Pfleger, sondern auch für den Arzt zu einer schweren Plage
wird.
Unter dem Einflüsse der modernen Dermatologie (Hebra)
ist das Ekzem im Gegensatz zu früheren Zeiten allzusehr als
reine Hautkrankheit aufgefasst worden und hat man die beim
Kinde viel wichtigeren inneren Ursachen aus den Augen ver¬
loren oder doch viel zu wenig eingeschätzt. Bei unbefangener
Beobachtung ergibt sich beim Kinde aber leicht, dass Schäd¬
lichkeiten, welche die Haut treffen, eine nebensächliche Rolle
spielen und nur da zu einer wirklichen Ekzematisation führen
• können, wo eine schlummernde Disposition vorliegt. Viele der
sogen, akuten Ekzeme sind in Wirklichkeit als Derma-
titen aufzufassen. Auch der gewöhnliche Intertrigo in¬
folge der Irritation durch Schweiss, Urin, Kot, gewinnt nur dort
einen selbständigen Ekzemcharakter, wo er mit einer vor¬
handenen Anlage zu Ekzem zusammentrifft Das sogenannte
skrofulöse Ekzem, das mehr ältere Kinder befällt, sich
mit Vorliebe im Gesicht um Mund, Nase, Augen, Ohren fest¬
setzt und das mit den gleichzeitigen chronischen Katarrhen der
Nase und der Bindehaut und den häufigen Phlyktänen am Auge
die skrofulöse Physiognomie bedingt, wäre besser als
tuberkulöses Ekzem zu bezeichnen. Handelt es sich
dabei doch um Individuen mit latenter oder offenkundiger
Tuberkulose, bei denen wir bis jetzt noch nie eine positive
Tuberkulinreaktion der Haut vermisst haben.
Das eigentliche echte chronische Ekzem des jungen Kindes
beruht unzweifelhaft auf einer Konstitutionsstörung. Wir
müssen auch die dabei auftretenden Bakterien (meist Staphylo¬
kokken), die ihm häufig einen impetiginösen Charakter ver¬
leihen, als sekundäre Infektion auffassen, wenn sie auch
die Krankheit in ihrem Verlauf und Ausgang wesentlich beein¬
flussen können.
Die Kenntnis der Konstitutionsstörung als Ursache des
Ekzems und ihre hohe Bedeutung ist bei den Kinderärzten nie
verloren gegangen, wenn auch ihr Wesen sehr verschieden
gedeutet wurde.
Sehr zutreffend drückt sich Henke (Handbuch der Kinderkrank¬
heiten, 1809) dahin aus: Der Milchgrind entsteht nach J. P. Frank
von einem Ueberiluss der Nahrungsstoffe, durch Uebermass und zu
nahrhafte Beschaffenheit der Milch. Jörg (Handbuch der Kinder¬
krankheiten, 1826) sah den Milchschorf am häufigsten bei vollsaftigen,
dicken Säuglingen mit der lymphatischen Konstitution; er sucht die
Ursache in einer zu reichlichen und üppigen Ernährung der Kinder.
Später hat B o h n mit Nachdruck auf Fettsucht und Ueberfiitterung
neben Konstipation als Ursache hingewiesen. Französische Autoren
(Comby u. a.) sprechen die vorliegende Diathese z. T. als Arthritis¬
mus oder Neuroarthritismus an und betonen, dass sich bei den Eltern
und in der Familie oft sonst Ekzem, Gicht, Fettsucht, Asthma, Neuro-
No. 3.
Digitized by Google
(Nachdruck der Originalartikel ist nicht gestattet.)
pathien etc. vorfindet. Sicher daran ist, dass oft eine hereditäre Quote
von Seiten neuropathischer oder früher ebenfalls ekzembehafteter
Eltern vorliegt. Der Beweis ist aber bis dahin noch ausstehend, dass
es sich bei den Ekzemkindern um eine harnsaure Diathese *) handelt.
Verf. hat 1904 das Kinderekzem als Dyskrasie bezeichnet und an den
Sektionsbefunden vieler sog. Ekzemtode zeigen können, dass bei
Ekzem häufig ein ausgesprochener Status lymphaticus zu gründe liegt;
auch auf den wenig beachteten nahen Zusammenhang mit asthmati¬
scher Bronchitis und adenoiden Vegetationen hingewiesen.
1905 hat Czerny unter der Bezeichnung exsudative Dia¬
these eine grosse Anzahl von Affektionen zusammengefasst (Ekzem,
Strophulus infantum, gewisse Formen von Intertrigo und Vulvitis,
Landkartenzunge, (asthmatische) Bronchitis, Adenoide, rezidivierende
Anginen), und in meisterhafter Weise ihre gemeinsame Grundlage und
ihre Beeinflussbarkeit durch die Ernährung nachgewiesen. Die neuro-
pathische Anlage erklärt er als sehr wichtig.
Die exsudative Diathese, die vieles umfasst, was man früher als
nichttuberkulöse Skrofulöse bezeichnete, ist mit einer Störung des
Fettstoffwechsels verknüpft. In ihrem Wesen ist sie noch dunkel,
aber doch viel besser umschrieben und fassbar als der vage Neuro¬
arthritismus. Nach meiner persönlichen Auffassung besitzt die ex¬
sudative Diathese sehr nahe Beziehungen zum Status lymphaticus
(Pa 1 tau f-Es ch e r i c h)), der sich durch pastösen Habitus und
Hyperplasie des gesamten lymphatischen Apparates (Lymphdrüsen,
Milz, Thymus, Gaumen-, Rachenmandeln etc.) und durch Neigung zu
plötzlichem Tode charakterisiert, und deckt sich zum Teil mit diesem.
Auch H e u b n e r, der den Status lymphaticus Lymphatismus nennt,
ist dieser Ansicht, wogegen Czerny nur angibt, dass exsudative
Diathese und Status lymphaticus kombiniert Vorkommen können. Er
legt besonderes Gewicht auf die erst sekundäre Anschwellung der
Lymphdrüsen bei der exsudativen Diathese.
Soviel ist sicher, dass das Kinderekzem hauptsächlich
durch zwei Momente beeinflusst wird, eine angeborene Anlage
und durch die Ernährung, wobei oft das eine, oft das andere Mo¬
ment überwiegt. Eine positive hereditäre Belastung im oben
erwähnten Sinne ist häufig nicht nachzuweisen, wir müssen
aber oft eine angeborene Anlage annehmen, da nur ein Teil
der Kinder auf die gleiche Ernährung an Ekzem erkrankt.
Meine Beobachtungen veranlassen mich, seit langem zwei
Formen von Ekzem zu unterscheiden, die auch in ihrem
Verlauf und in ihrer Beeinflussbarkeit wesentliche Differenzen
bieten. In der deutschen Literatur sind meines Wissens diese
Unterschiede nicht oder nur ungenügend berücksichtigt.
Wie ich erst kürzlich fand, hat aber Marfan 2 ) schon vor
vielen Jahren 2 Formen aufgestellt, die in den meisten Punkten
mit meiner Einteilung übereinstimmen.
Die eine Form ist das nässende, krustöse Kopf¬
ekzem. Es handelt sich meist um fette oder pastöse, oft
blühende Kinder. Im Laufe der Krankheit kann das Fettpolster
allerdings auch erheblich abnehmen. In der Regel nimmt der
Ausschlag seinen Ausgang vom starken Gneis des Schädels
und führt rasch zu einer nässenden, dickborkigen, eitrigen, zu¬
sammenhängenden Decke des behaarten Kopfes und zu einem
nässenden oder auch krustösen Ausschlage der Wangen
mit Verschonung der Nase, des Mundes, der Konjunktiven.
Stets sind behaarter Kopf 3 ), Wangen und Ohren am meisten
ergriffen bei diesem typischen „M i l c h g r i n d e“, wie
der treffende Volksausdruck heisst. Oft beschränkt sich
der Ausschlag auf die benannten Stellen oder beteiligt
*) Vergl. Gocppert: Jahrb. f. Kinderheilk., Bd. 51.
*) Marfan: Les 6cz6mas des nourissons. Semaine m£dicalc
1894.
3 ) Bei sorgfältiger Entfernung des Gneises kann zwar auch die
Ekzematisation hier ausbleiben.
1
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
U4
MüENCrifiNetJ MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
noch Hände und Vorderarme durch Kontaktinfektion.
Die Haut des Rumpfes und der Extremitäten bleibt dabei ge¬
wöhnlich glatt und geschmeidig. Der Ausschlag kann aber
mit der Zeit auch Hals und Arme, Rumpf und Beine beteiligen,
aber in weniger starker Form, als papulös-pustulöses Ekzem
oder in zerstreuten, nässenden oder fettig borkigen Feldern.
Relativ oft stellt sich Intertrigo der Qenitokruralfalten oder
Gelenkbeugen« ein. Stets ist aber der Kopf am meisten befallen
oder war ursprünglich am meisten befallen und beherrscht das
klinische Bild. Die Schuppen sehen und fühlen sich oft trocken,
fettig an. Das Jucken ist gewöhnlich nicht allzu heftig.
Diese Form von Ekzem entwickelt sich vorwiegend
bei überfütterten, häufig konstipierten Kin¬
dern, mit gesundem Magendarmkanal. Relativ oft handelt es
sich um Brustkinder, speziell auch um Ammenkinder der
Privatpraxis. Am meisten sieht man allerdings in Gegenden,
wo wenig gestillt wird, diesen Milchgrind bei künstlich ge¬
nährten Säuglingen, die sehr viel Kuhmilch erhalten, oft mit
Zufütterung von Brei, Eiern, Fleischbrühe. Man bezeichnet
diese Form des Ekzem auch als seborrhoisches
Ekzem; es nimmt fast regelmässig den Ausgang von
der Seborrhöe des Kopfes. Die Ueberfütterung ist gewöhnlich
sehr ausgesprochen. Die familiären Verhältnisse lassen oft
hereditäre Momente vermissen. Die Heilung macht sich sehr
oft spontan am Ende des ersten Lebensjahres, beim Uebergang
zu gemischter fester Kost, bemerkbar, wenn dabei die Milch¬
zufuhr eine erhebliche Einschränkung erfährt.
Die zweite Form bezeichne ich wie Marfan als disse-
miniertes trockenes Ekzem. Man trifft es fast ausschliess¬
lich bei künstlich genährten Säuglingen oder noch später. Ueber¬
fütterung ist öfters, aber durchaus nicht immer vorausgegangen.
Die Kinder sind blass, welk, mager. Es besteht oft eine chro¬
nische Ernährungsstörung, die zu Gewichtsabnahme oder doch
zu ungenügender Körperzunahme führt. Bisweilen ist eine
chronische Darmstörung vorhanden, wobei Diarrhöe und Ver¬
stopfung abwechseln können. Meteorismus ist häufig.
Dieses Ekzem ist im ganzen viel unscheinbarer als in der
ersten Form. Es besteht aus zerstreuten trockenen, roten,
schuppenden, infiltrierten Inseln, auch aus kleinen papulösen,
pustulösen Herden, die über den ganzen Körper zerstreut sein
können. Die Neigung zum Nässen ist nicht stark, es besteht
keine Tendenz zur Bildung von dicken, fettigen Krusten. Häufig
kommt es zur Bildung von Rhagaden und Schrunden. Oft ist
das Gesicht die Ausgangsstelle und mit dem Hals am meisten
beteiligt. Rumpf und Extremitäten sind aber gewöhnlich in
Mitleidenschaft gezogen. Der behaarte Kopf ist wenig er¬
griffen, jedenfalls nicht in grossen,zusammenhängenden Flächen.
Intertrigo der Gelenkbeugen zeigt sich oft. Der Ausschlag ent¬
wickelt sich langsam, juckt stark und ist ungemein hartnäckig.
Comby bezeichnet ungefähr diese Form als gichtisch.
Eine unrichtige oder übermässige Ernährung fehlt oft; die an¬
geborene Anlage muss demnach sehr stark sein. Marfan
sieht diese Form besonders bei unregelmässiger Ernährung
mit schlechter, nicht sterilisierter Milch und spricht von Auto¬
intoxikation seitens des Darmes. Nach meiner Beobachtung
entwickelt sich aber dieses Ekzem auch bei sorgfältiger Er¬
nährung und bei unzersetzter Milch.
Es lassen sich durchaus nicht alle Ekzeme in diese zwei
Grundformen einreihen, welche nur die Endtypen einer un¬
unterbrochenen* Reihe darstellen. Es gibt oft Uebergänge und
Mischformen vom seborrhoischen Milchgrind der Ueber-
fütterten zu den trockenen disseminierten Ekzemen, die mit
chronischen Ernährungsstörungen einhergehen. Häufig geht
z. B. die erste Form im Laufe der Zeit oder bei eintretender
Ernährungsstörung in die zweite Form über. Eine gewisse
Wilkür ist nicht zu vermeiden, wenn man alle Fälle in diese
zwei Formen ein reihen will.
Die Behandlung des Säuglingsekzems ist eine
schwierige Aufgabe, so dass viele Aerzte darauf verzichten
und lieber die Spontanheilung abzuwarten. Das Publikum hat
eine verbreitete Scheu vor der äusseren Behandlung der Kopf-
ekzeme, in der Furcht vor üblen Zufällen, die wohl ihre Ur¬
sache haben muss. Bei Inangriffnahme von starken Kopf¬
ekzemen habe ich selbst öfters, auch bei schonendem Vorgehen,
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unangenehme Fieberanfälle, auch Konvulsionen eintreten sehen.
Nicht selten stellt sich dabei aus gutem Befinden heraus ganz
plötzlicher Tod ein unter dem Bilde des Herztodes oder mit
Dyspnoe, hohem Fieber und Intoxikationserscheinungen. Ich
habe selbst schon eine ganze Reihe solcher „Ekzemtode“
beobachtet und vor 5 Jahren unter Heranziehung der Literatur
leicht ca. 30 Fälle zusammenstellen können 4 ).
Eine Anzahl der Ekzemtode beruht auf septischer Infektion
(B e r n h e i m u. a.), vielleicht auch auf Intoxikation von seiten
der Bakterienstoffwechselprodukte. Aber auch da, wo eine
postmortale Bakteriämie zu berechtigen scheint, einen sep¬
tischen Tod anzunehmen, ist das Plötzliche und Unerwartete
des Exitus, das Fehlen von Anzeichen der Gefahr in den vor¬
hergehenden Tagen, der Mangel von Symptomen, die an Sepsis
denken Hessen, doch sehr auffallend und überraschend. Sehen
wir doch gerade sonst bei Säuglingen sehr oft ein klinisch wohl
erkennbares Bild von Sepsis. Jene Fälle, wo schon einige
Tage gestörtes Allgemeinbefinden, fieberhafte Temperaturen.
Albuminurie bestand, zähle ich nicht zu den Ekzemtoden.
Meiner Ueberzeugung nach kann sich der eigenartige Tod
nur durch den Einfluss der Konstitutionsanomalie erklären, did
bei der Sektion häufig ausgesprochenen Status lymphaticus er¬
gibt, dessen hervorstechende Eigenschaft eben die Neigung zu
plötzlichem, scheinbar unmotiviertem Tode bildet. Mikrobielle
Einflüsse kann ich hier nur als unterstützendes Moment an¬
erkennen, die den Umsturz des labilen Organismus ausgelöst
haben. Es sei hier daran erinnert, wie rasch und unerwartet
Kinder mit Status lymphaticus auch im Beginn von Infektions¬
krankheiten (z. B. Diphtherie, Scharlach) oft erliegen. Die
Konstitutionsanomalie erklärt es, dass der Ekzemtod bei den
allerverschiedensten Anlässen eintreten kann, bei rascher
Lösung starker Krusten, Anwendung irritierender Salben, in
heissen Wickeln, erst nach Abheilung des Ekzems, mit oder
ohne Fieber etc. Wie vorsichtig man sein muss, einen plötz¬
lichen Tod bei Ekzem einfach auf Sepsis zurückzuführen,
geht u. a. aus noch nicht veröffentlichten Untersuchungen in
meiner Klinik (Dr. Müller) hervor, die bei Kindern mit im-
petiginösem Ekzem öfters zahlreiche Staphylokokken im Urin
nachweisen konnte, die bei «der Abheilung verschwanden.
Diese Fälle zeigten keine Albuminurie und ungestörtes Allge¬
meinbefinden.
Ueber sogen. Metastasen des Ekzems fehlt mir
Erfahrung; dagegen habe ich schon öfters beobachtet, wie beim
Ausbruch einer asthmatischen Bronchitis das Ekzem zurück¬
trat und umgekehrt, wie auch Perioden von Asthma und
Ekzem abwechselten.
Die äussere und medikamentöse Behandlung will
ich hier nur kurz berühren, da ihre Grundzüge bekannt sind und sie
sich von derjenigen beim Erwachsenen nur durch viel vorsichtigeres
und milderes Vorgehen unterscheidet. Sie tritt an Wert gegenüber
der diätetischen Behandlung, besonders beim Kopfekzem, sehr in den
Hintergrund und versagt häufig total, sofern nicht gleichzeitig eine
Ernährungstherapie vorgenommen wird. Dagegen kann sie doch den
Erfolg der Ernährungstherapie bedeutend unterstützen, sei es auch nur
durch die Abhaltung äusserer Schädlichkeiten, so dass man sie nicht
vernachlässigen darf.
Wir kommen an der Klinik mit relativ einfacher Therapie aus.
Das Erweichen der Borken oder Krusten geschieht am besten durch
Verband mit Oel oder Vaselin, flav.; worauf sie sich in den nächsten
Tagen mühelos entfernen lassen. Bei schweren Kopfekzemen muss
man hiebei sehr schonend vorgehen und die Entfernung erst allmählig,
im Verlauf von 2—4 Tagen, vornehmen, um üble Zufälle und Eieber
zu vermeiden. Bei starkem Nässen erweisen sich hernach Umschläge
mit stark verdünnter essigsaurer Tonerde während 1—3 Tagen nütz¬
lich zur Beseitigung der Entzündung. Sodann Einstreichen mit Zink-
paste (Zinc. oxyd. Amyli aa 25,0, Vaselin flav. 50,0) und festsitzender
Verband, Qesichtsmaske. Leichte Stellen werden nur gepudert (Zinc.
oxyd. 30,0, Tale. 70,0). Das Kratzen wird durch Festbinden der Ex¬
tremitäten, ev. Blechärmel, verhindert. Tägliche Erneuerung der
Paste. Diese Pastenbehandlung genügt oft vollständig zur Abheilung.
Bei zögernder Heilung setzt man der Paste 5—10 Proz. Naftalan,
1—3 Proz. Tumenol (Jucken), 1—5 Proz. Lenigallol (hartnäckiges
Nässen), 2—5 Proz. Schwefel oder Thigenol (seborrhoische Form».
*/»— 2 Proz. Salizylsäure (trocken, infiltriert) etc. zu. Beim Aufhören
des Nässens wirkt auch Zinköl gut (Zinc. oxyd. Olei oliv. äa). Salben
verwenden wir oft nach Aufhören des Nässens mit Vorteil JUngt.
Zinci.; Bismuth. Zinc. äa 2,0, Ungt. simpl., Ungt. lenient. äa 20,0
*) Korrespondenzblatt für Schweizer Aerzte, 1904.
Original fro-m
UNIVER3ITY OF CALIFORNIA
19 . Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
IIS
(Ne iss er); Borsalbe 5proz.; Ungt. lenient., Lanolin aa. Bei
trockenen, hartnäckigen Ekzemen setzt man der Paste 0,1—0.5—1
Proz. Olei Rusci oder Olei Cadini zu. Auch die Lassar sehe Salbe
wirkt hier oft günstig: Hydrarg. sulfurat. rubr. 1,0, Sulfur. 10—20,0,
Vaselin, flav. ad 100,0.
Bei disseminiertem Ekzem sind oft Schwefelbäder (30 bis
50 g Schwefelleber) vorteilhaft, hernach Paste, Salbe oder Puder.
Bei sehr hartnäckigen, trockenen Ekzemen glaube ich oft von
kleinen Dosen Liq. arsen. Eowl. (1 Tropfen pro die beim älteren
Säugling, 2—4 bei älteren Kindern) guten Erfolg, besonders auch
gegen das Jucken gesehen zu haben.
Hartnäckige Obstipation, die sich diätetisch nicht beseitigen
lässt, behandle ich mit ab und zu verabfolgten vegetabilen Abführ¬
mitteln (Pulv. Liquir. compos.; Aufguss von Sennablättern). Den
früher sehr beliebten Abführmitteln ist eine gewisse Wirkung nicht
abzusprechen.
Den wirksamsten Einfluss auf das Ekzem gewinnen wir
durch die Ernährungstherapie, welche allein häufig
schon zur Heilung genügt und bei beginnendem Ekzem oft eine
stärkere Entwicklung (Krustenbildung, Impetiginisation) ver¬
hindert.
Wie schon Bohn, dann französische Autoren und in letzter
Zeit besonders nachdrücklich Czerny hervorgehoben hat,
ist hier knappe Ernährung und Reduktion der
Milch die Hauptsache. Es gilt dies in erster Linie für
das Kopfekzem, das relativ gut zu beeinflussen ist.
Man lasse Brustkinder höchstens 5mal täglich,
eventuell nur kurze Zeit, anlegen und ersetze schon vom
3. Monat an eine Mahlzeit durch Schleim, sofern die Re¬
duktion der Frauenmilch allein nicht zum Ziele führt. Fran¬
zösische Autoren empfehlen den Stillenden, Alkoholika, Kaffee,
Gewürze, viel Fleisch zu vermeiden und ausgiebige Körper- |
bewegung vorzunehmen. Ich habe mich nicht überzeugen
können, dass diese Verordnungen von wesentlichem Einfluss
sind.
Bei künstlich genährten Säuglingen reduziere man die
Nahrungsvolumina auf das nötige Minimum, da ich öfters be¬
obachtet habe, dass allzu grosse Flüssigkeitsmenge an sich un¬
günstig wirkt. Die tägliche Milchmenge lasse ich je nach dem
Alter auf X A — 'A—A Liter heruntersetzen. (Auch völlig gesunden
Säuglingen, wo keine exsudative Diathese, auch kein Verdacht
einer Anlage hierzu vorliegt, lasse ich nie über 800 g Milch im
Tage geben und vermindere diese im Anfang des 2. Jahres auf
höchstens 500 g und sehe nur Vorteil hiervon.) Als Zusatz gibt
man Schleim- oder Mehlabkochungen und Zucker. Ergibt sich
nach 8—14 Tagen nicht ein deutlicher Erfolg, so vermindere ich
die Milch noch mehr, unter gleichzeitiger Vermehrung der
Kohlehydrate, wo dies angeht. Bei dieser Diät erfolgt die Hei¬
lung häufig unerwartet schnell in 8—14 Tagen oder doch in
3—6 Wochen, auch da wo die Patienten vorher oft monatelang
von tüchtigen Hautärzten rein äusserlich ohne Erfolg be¬
handelt worden waren. Dabei ist man allerdings meist darauf
angewiesen», auf Wochen hinaus auf Körperzunahme zu ver¬
zichten, bei sehr fetten Kindern noch viel länger, oder gar die
Nahrung so knapp zu bemessen, dass ein Rückgang des Ge¬
wichtes von 5—10 Proz. und mehr sich einstellt. Dies ist aber
bei fetten Kindern ohne jeden Nachteil; ich habe auch späterhin
nie einen Schaden feststellen können infolge der milcharmen,
mehlreichen Kost.
Nach dem 4. Lebensmonat macht sich die Behandlung
relativ leicht, da man hier schon reichlich Mehlabkochung oder
Gries geben kann, daneben kaffeelöffelweise frische rohe
Fruchtsäfte. Im zweiten Halbjahr fügt man dann mit Nutzen
etwas feinzerriebenes gekochtes Obst zu (Aepfel, Birnen etc.),
möglichst wenig gesüsst (event. Saccharin), besser noch in
rohem Zustande, wo es ertragen wird, daneben etwas Kar¬
toffeln und grünes Gemüse, durch ein feines Sieb gepresst.
Führt diese Ernährungsweise in 3—4 Wochen nicht zur
Heilung oder hervorragender Besserung, so vermindere ich die
Milch noch mehr und scheue mich nicht, im 2. Halbjahr die
Milch für 2—4 Wochen ganz auszusetzen und nur Kohle¬
hydrate (Mehl, Gries, Zwieback), Obst und Gemüse zu geben 5 ).
So heilen oft noch sehr renitente Fälle und bleiben später auch
bei Wiederzufuhr der Milch gut. Statt Vollmilch verwende
5 ) Es ist auffällig, wie stark blühende Kopfekzeme oft in we¬
nigen Tagen abheilen, wenn man nach einem Theetag mit Rizinusöl
nichts wie Schleim gibt.
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ich oft auch entrahmte Milch (0,1—0,3 Proz. Fett) in
grösseren Mengen mit deutlichem Nutzen; andere empfehlen
Buttermilch (z. B. W ü r t z), Moll alkalisierte Buttermilch.
Vom zweiten Jahr an macht sich die Ernährung leicht, da
man hier mit X A—U Liter Milch im Tage nebst Kohlehydraten,
Obst und Gemüsen, Kastanien, Nüssen gut auskommt, resp.
ohne Bedenken lange Zeit rein vegetabil ernähren kann. Etwas
Fleisch kann man vom 3.—4. Jahr an gewöhnlich ohne Schaden
zulegen. Streng zu vermeiden sind in jedem
Alter Eier, eine Forderung, die Czerny mit Recht als
besonders wichtig hinstellt, nach meinen Erfahrungen auch
Fleischbrühe, wogegen kleine Zulagen von Kochsalz
bei vorwiegender Mehlernährung nöthig werden.
Nach der Heilung des Ekzems ist die knappe, milcharme
Kost noch monatelang, selbst jahrelang fortzusetzen 6 ). Die
Nahrungsmenge muss aber so bemessen werden, dass ein hin¬
reichendes Gedeihen dabei stattfinden kann. So gelingt es fast
stets, Rezidive zu verhüten oder doch auf unbedeutende kleine
Eruptionen zu beschränken.
Die beschriebene Kost bewährt sich besonders auch bei
dem so lästigen Lichen scrophulus. Hier ist der Schaden von
übermässiger Milchnahrung, Eiern und Fleischbrühe nach
meinen Beobachtungen oft sehr auffällig, ebenso der Nutzen
vegetabiler Kost.
Viel schwieriger ist im allgemeinen das disseminierte
Ekzem der Magern zu beeinflussen, am schwersten die
Formen, wo keine Ueberfütterung vorliegt. (Es gibt viele
exsudative Kinder, die auch bei Ueberfütterung mager bleiben
oder mager werd-en, wie beim Milchnährschaden.) Hier ist
! offenbar die krankhafte Diathese viel stärker wie beim Kopf¬
ekzem und knappe Diät mit starker Milchbeschränkung nicht
so wirksam. Im allgemeinen gelten aber die gleichen Prin¬
zipien wie für das Kopfekzem. Bei starker Abmagerung oder
gar Kachexie ist jedoch eine Unterernährung nicht erlaubt,
dagegen Bevorzugung der Kohlenhydrate auf Kosten der Milch
oft nützlich. Je nach der vorhandenen Diathese äussert sich
eben Milchüberfütterung oft als Milchnährschaden, oft als
exsudative Diathese. Auf die Behebung der Ernährungsstörung
heilen viele Fälle, meist aber viel langsamer, wie beim blühen¬
den, seborrhoischen Kopfekzem. Eventuell hervortretende
Darmstörungen sind nach den gewöhnlichen Regeln zu behan¬
deln, wobei ich von Darmspülungen (R e y) keine besondere
Wirkung sah. Eine Anzahl Fälle sind auf keine Weise zu be¬
einflussen, auch nicht durch rein vegetabile Diät und ziehen sich
noch über Jahre hin (s. No. 8 der Kasuistik am Schlüsse).
Bei den Schwierigkeiten, welche das Säuglingsekzem der
Heilung häufig noch bietet, war es sehr zu begrüssen, als
F i n k e 1 s t e i n vor Jahresfrist eine neue aussichtsreiche
diätetische Behandlungsmethode angab und zur Nachprüfung
empfahl. 7 )
F i n k e 1 s t e i n gelangte zur Ueberzeugung, dass die
Molkensalze der Kuhmilch das Ekzem ungünstig beeinflussen,
wogegen eine fett- und eiweissreiche, aber gleichzeitig salz¬
arme Milch günstig sei. Durch Pfcgnin- oder Labzusatz labt er
die Milch aus, zu dem gewaschenen Kaseinfettgerinnsel wird
ein Fünftel der Molke zugesetzt, mit Haferschleim auf das
ursprüngliche Quantum aufgefüllt. Pro Liter Zusatz von 20 bis
40 g Rohrzucker. Mit dieser Suppe wurden. 5 Fälle von schwe¬
rem Ekzem in kurzer Zeit, spätestens in 3 Wochen geheilt.
Wir haben nun die neue Methode in meiner Klinik an 11 *)
Fällen sorgfältig nachgeprüft. Die F i n k e 1 s t e i n sehe Suppe
wurde meist gern genommen (Zusatz von 30 g Zucker pro
Liter) und gut ertragen. Sie wurde gewöhnlich mindestens
3 Wochen lang verabreicht. Ueble oder bedrohliche Zufälle
wurden nie wahrgenommen, wie sie von anderer Seite ver¬
einzelt berichtet wurden. In einem Falle musste die Nahrung
wegen eintretender Diarrhöe ausgesetzt werden (No. 20).
Von den 10 übrigen Fällen wurden 2 geheilt (Kopfekzeme)
(No. 1, 4), 2 gebessert (disseminierte) (No. 9, 10), 6 blieben
ungeheilt (1 Kopfekzem, 5 disseminierte) (No. 2, 3, 5—8). Die
®) Verf. kennt einen Erwachsenen, der bei stärkerem Milchgenuss
regelmässig Gesichtsekzem bekommt.
7 ) Medizinische Klinik, No. 37, 1907.
*) Anmerkung bei der Korrektur: Ein weiterer Fall
von leichtem disseminiertem Ekzem ist seither bei F. gut abgeheilt.
i*
Origiral fror
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
116
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
Resultate sind somit nicht besonders günstig gewesen, wobei
allerdings in Betracht gezogen werden muss, dass die meisten
Fälle eben zu der schwer beeinflussbaren disseminierten Form
gehörten.
Die Erfolge der übrigen Beobachter sind ebenfalls geteilt,
vorwiegend aber gut.
In Breslau 8 ) berichtete Finkeistein über 10 Fälle ohne Miss¬
erfolge, Klotz über 12 Fälle ohne Misserfolg, der 13. Fall heilte
nicht. Czerny und Verf. hatten damals nur Misserfolge. Späterhin
hatte ich, wie angegeben, auch gute Erfolge und fasste mein Urteil “)
so zusammen, dass ich die Finkeisteinsuppe als nützlich erklärte
beim Kopfekzem, ohne besonderen Erfolg beim disseminierten Ekzem.
Es hat sodann Finkeistein 10 ) sich auch dahin geäussert, dass
Erfolge nur bei fetten Kindern (die offenbar meinem Kopfekzem
entsprechen) zu erwarten sind und nicht bei konstitutionell Magern
und Ernährungskranken (disseminierte Form). Finkeistein
nimmt an, dass bei Ekzem eine Störung des Mineralsalzwechsels zu
Stande komme und überschüssige schädliche Salze in Blut und Lymphe
zirkulieren, die eben zu Ekzem führen. Gibt man nun Fett und salz¬
arme Kost, so werden diese Salze durch das Fett gebunden und un¬
schädlich gemacht. Dies kann aber nur da geschehen, wo die Fett¬
resorption ungestört ist (fette Kinder), wogegen ein Nutzen nicht
zu erwarten ist, da wo der Fettstoffwechsel gestört ist (konstitutionell
Magere und Ernährungsgestörte). Er stützt sich hiebei auf Stoff¬
wechselversuche von L. F. Meye r.
Ueber gute Erfolge mit Finkeistein scher Suppe haben noch
berichtet Langstein (auch einige Misserfolge), Heubner,
B en dix 10 ), Mendelsson 11 ); keine wesentliche Besserung sahen
Würtz, Spiethoff 12 ) und kürzlich W i t z i n g e r 13 ).
Ein abschliessendes Urteil steht also bis dahin noch aus.
Nach Fink eiste in und nach meinen Angaben ist ein bedeuten¬
der Erfolg nur bei den Kopfekzemen zu erwarten. Soweit aus
den Angaben zu ersehen ist, scheinen auch die übrigen Beob¬
achter ihre Erfolge meistens bei solchen Kindern gehabt zu
haben, also in Fällen, bei denen man nach meiner Erfahrung
auch bei der oben beschriebenen Diät meist in wenigen Wochen
Heilung erzielt. Es wäre noch zu prüfen, ob vielleicht der
Finkeistein sehen- Suppe in den ersten Lebensmonate.n
ein Vorteil zusteht, wo Mehlnahrung nur in sehr bescheidenem
Masse erlaubt ist.
A priori dürfen wir m. E. den schädlichen Einfluss der
Kuhmilchsalze an sich nicht allzu hoch anschlagen. Sieht man
doch nicht selten die stärksten Kopfekzeme bei ausschliesslicher
Ernährung mit Frauenmilch eintreten, deren Salzgehalt fast
nur ein Viertel so gross ist wie derjenigen der Kuhmilch. Da¬
gegen spricht auch das Verhalten vieler Ekzeme bei Er¬
nährung mit Kuhmolke. Ich habe früher schon aus¬
gezeichnete Resultate von entrahmter Milch bei Ekzem ge¬
sehen (mit Zusatz von Mehl und Zucker), also bei einer fett¬
freien, sehr salzreichen Kost, (andere bei Buttermilch), wo¬
nach es mir nicht recht verständlich erscheint, dass die Molken¬
salze ein Hauptträger des schädlichen Agens sein sollen.
Um ins Klare zu kommen, habe ich nach der Veröffentlichung
der Finkeiste in sehen Methode viele Ekzeme systematisch
mit Molke (unter Zusatz von Mehl undZucker) in grossen Mengen
ernährt, also gerade nach dem entgegengesetzten Prinzip.
Um überhaupt ein Urteil über den Wert oder Unwert der
verschiedenen Ernährungsarten zu erzielen, habe ich eine An¬
zahl Ekzeme in der Klinik (die ambulanten Fälle berücksichtige
ich nicht wegen der unkontrollierbaren Fehlerquellen und
Täuschungen) abwechselnd während einiger Wochen mit
Finkeisteinmilch, Molke, knapper Milchdiät, vegetabiler Kost
etc. ernährt. Npr so können wir wirklich Einblick gewinnen
in die Leistungsfähigkeit der verschiedenen Ernährungsarten,
wenn wir sie an den gleichen Individuen ceteris paribus,
d. h. auch ohne Aenderung der lokalen Behandlung prüfen. In
diesen Fällen wurde auch auf innere Medikation z. B. Arsen
verzichtet, um nicht noch einen weiteren unbekannten Faktor
hineinzutragen. Ausserordentlich wichtig ist fernerhin in pro-
8 ) Freie Vereinigung für wissenschaftliche Pädiatrie, 29. März
1908.
9 ) Versammlung der südwestdeutschen und niederrheinisch¬
westfälischen Kinderärzte, 3. Mai 1908.
10 ) Gesellschaft der Chariteärzte, 4. Juni 1908, ref. Monatsschr. f.
Kinderheilk., Bd. VII, S. 222.
J1 ) Deutsche medizinische Wochenschrift, 15. Oktober 1908.
n ) Ibidem, S. 1190, 1908.
1:; ) Münchener medizinische Wochenschrift, 1908, S. 2467.
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gnostischer Hinsicht der Charakter des Ekzems im oben ent¬
wickelten Sinne, ein Moment, das viele Beobachter in der Be¬
urteilung der Heilerfolge nicht oder doch nicht genügend
würdigen.
Unter 8 Fällen, die wir mit Molken behandelten *), wurde
ein Kopfekzem (No. 11) geheilt, 2 Kopfekzeme, die vorher schon
mit Finkeistein scher Suppe geheilt oder doch nahezu ge¬
heilt wurden (1,4), blieben geheilt, resp. wurden ganz gut.
1 disseminiertes Ekzem wurde geheilt (12), 2 disseminierte
Ekzeme wurden gebessert (5,10), eines davon wurde vorüber¬
gehend durch Finkeistein anfänglich verschlechtert (10).
2 disseminierte Ekzeme blieben ungeheilt (7,8), Finkeistein
war hier gleichfalls ohne Wirkung.
Die Molke hat uns also mindestens ebenso gute Resultate
gebracht 14 ), wie die Finkeistein sehe Kost und hat im
Ganzen merkwürdigerweise die gleiche Wirkung gezeigt, d. h.
Fälle, die mit Finkeistein scher Kost geheilt wurden,
blieben geheilt auch bei Molke; was die eine dieser Nahrungs-
arten nur besserte, heilte auch die andere nicht ganz; da wo die
eine versagte, versagte auch die andere.
Bei Fütterung mit Molke in sehr kalorienarmer Nahrung
sieht man oft einen Anstieg des Körpergewichtes erfolgen, den
man nur als Wasser- und Salzretention bei gleichzeitigem
Substanzverlust des Körpers deuten kann. Daraus darf man
wohl entnehmen, dass eine Salzstauung im Organismus, wenn
sich eine solche im Sinne von Finkeistein bei Ekzem öfters
herausstellen sollte, keine ausschlaggebende, sondern nur eine
untergeordnete Rolle spielt. Die Stoffwechseluntersuchungen
von L. F. Meyer gestatten auch noch kein definitives Urteil
hierüber. Jedenfalls sind die Verhältnisse bei der exsudativen
Diathese sehr kompliziert und muss der Mineralstoffwechscl
hiebei, der gegenwärtig auch von Dr. B r u c k an meiner Klinik
untersucht wird, noch eingehend in seiner Bedeutung studiert
werden.
Die guten Resultate der Finkeistein sehen Suppe
einerseits, der Molke andererseits kann ich mir nur so erklären,
dass die Molken nicht in sich allein das schädliche Prinzip ent¬
halten, sondern dass die Vereinigung von reich¬
lichen* Molkensalzen und reichlich Fett zu¬
sammen die Schädigung hervorbringen, also
die Milch als Ganzes.
Soweit meine Beobachtungen bis jetzt ein Urteil erlauben,
kann ich nicht sagen, dass die günstig beeinflussbaren Ekzem¬
fälle unter Finkeisteinsuppe oder Molke deutlich rascher heilen
wie bei der sonst wirksamen Ernährungstherapie.
Es bleibt noch unklar, worin der Nutzen der verschiedenen
Ernährungsarten eigentlich beruht: Da wo Ueberfütterung be¬
stand, kommt zweifelsohne der knappen Ernährung, resp. der
vorübergehenden Unterernährung eine hohe Bedeutung zu.
Bei Finkeisteinsuppe, auch ohne dass der häufige Gewichts¬
abfall eintritt, mag eine Unterernährung gewisser Funktionen
von Belang sein, resp. der Mangel an gewissen Salzen, ebenso
mag bei der Molkenernährung die Unterernährung, die auch
ohne Gewichtsabfall besteht, resp. die Einseitigkeit der Nahrung
wirken. Daneben, müssen wir aber eine gewisse spezifische
Schädigung durch die reichliche animalische Kost annehmen.
Das Resultat der Ernährungstherapie lässt sich nach
unseren Beobachtungen folgendermassen zusammenfassen:
miieharme, sehr knappe Diät, mit Zugabe von Mehl,
mit Ausschluss von Ei, und Fleischbrühe, gibt beim Kopf-
ekzem meist sehr gute, rasche Heilerfolge. Bei älteren Säug*
lingen und in den folgenden Jahren empfiehlt sich möglichst
Zugabe von Obst und Gemüse, eventuell rein vegetabile Kost.
Beim disseminierten Ekzem sind die Erfolge viel weniger
sicher. Die Ernährung mit Finkeisteinsuppe, ebenso aber auch
mit Molke, heilt in gleicher Weise besonders Kopfekzeme; ein
Vorteil dieser Methoden vor der Ernährungsart mit sehr
knapper Zufuhr von Vollmilch und Ergänzung durch Mehl und
Vegetabilien ist bis jetzt nicht erwiesen.
*) Anmerkung bei der Korrektur: 2 weitere Fälle von
leichtem und schwerem Kopfekzem bei milchüberfütterten Säuglingen
sind bei Molke glatt abgeheilt.
14 ) W i t z i n g e r sah bei Molkenernährung einen Fall heilen
3 andere sich wesentlich verschlimmern.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
117
Zum Schluss gebe ich noch eine kurze Uebersicht unserer
seit letztem Jahr stationär behandelten Ekzemfälle und ihrer
diätetischen Therapie.
I. Mit Finkeisteinsuppe und Molke ernährt:
1. K. K., 8 Mon. 14. III. Hatte Vollmilch. Nässendes Ekzem
an {jesicht und Kopf seit 14 Tagen. Verstopft. 6,6 kg. Heilt beim
Ausbruch einer Meningitis cerebrospinalis rasch ab. — 7. IV. 6080 g.
Wieder starkes Nässen. 800 g F i n k e 1 s t e i n. — 13. IV. Nässt
nicht mehr. — 23. IV. Geringes Nässen wieder. — 29. IV. Fast ganz
geheilt. 5820 g. — 3. V. 800 g Molke, 40 Rohrzucker, 40 Kufeke,
200 Haferschleim. — 10. V. Gesicht leicht nässend. — 25. V. Ganz
abgeheilt. 6250 g. — 9. VI. Wieder leichte Stellen im Gesicht
(nach Zulage von 100 g Rahm seit 2 Tagen). — 14. VI. Ganz geheilt
bis auf unbedeutende Stellen. 6300 g.
2. E. D., 9 Mon. Seit dem Alter von 4 Wochen borkigen Aus¬
schlag auf Kopf und Wangen. Hat /i Liter Milch. 25. IX. 5370 g.
Stuhl gut. 700g Finkeistein. — 3. X. Nässen weniger. —
11. X. Nässen noch stark. — 15. X. 800 Finkeistein. — 18. X.
Fast ganz entsalzene Milch. — 20. X. Nässt wenig mehr. — 22. X. Seit
einigen Tagen Spasmus glottidis. 4810 g. Wieder Zusatz von V»
Molke. — 24. X. Wieder stärkeres Nässen der Extremitäten. 400
Milch, 500 Haferschleim, 40 Nährzucker. — 28. X. Verschlimme¬
rung. 5120 g. — 30. X. 500 entrahmte Milch, 400 Hafer¬
schleim, 40 Nährzucker. — 4. XI. 200 Milch. — 6. XI. 300 Milch. —
8. XI. Zulage von 100 M a 1 z s u p p e. — 12. XI. Bis auf Rötung der
Haut abgeheilt. 4560 g.
3. R. St., 12 Mon. Gicht in der Familie. Ausschlag seit dem
3. Monat. Stark überfüttert, über 1500 Milch, 70 g Mehl, 1 Ei täglich.
2. XII. 07. 8600 g. Schweres Ekzem des Kopfes, dickborkig nässend,
an Rumpf und Extremitäten infiltriert. 500 Milch, 500 Schleim,
15 Rohrzucker, 20—30 Gries, Kartoffel, Apfelmus. — 13. XII. 8000 g.
Wesentlich besser. 700 Finkeistein, 5 Zwieback. — 22. XII.
Neue Krusten auf Kopf. — 25. XII. 07, 2. I. 08. und 6. I. 08. Neue
nässende Stellen. 8390 g. — 11. I. Recht ordentlich, Ohrmuschel und
Ellbogen noch nässend. 8410 g. — 14. I. 500 Milch, 500 Schleim,
Gries-, Apfel-, Kartoffelbrei. — 20. I. Ueberall besser. — 10. II. Ge¬
heilt, Haut überall glatt. 8840 g. Ist bei 300—400 Milch und vege¬
tabiler Kost gut geblieben. (Juli 1908.)
4. Fr. K., 4 Mon. Vs Milch. Mit 6 Wochen Ausschlag, nässend,
auf Kopf, Gesicht, Hals, Genitokruralfalten. — 22. I. 3430 g. 450
F i n k e 1 s t e i n, 300 Haferschleim, 20 Rohrzucker. — 30. I. Nässt fast
nicht mehr. — 4. II. Nässt nur noch wenig am Halse. — 14. II. 3410 g.
350 R o h m i 1 c h, 400 Haferschleim, 20 Rohrzucker. — 28. II. Nur
noch Rötung und leichte Schuppung. 3600g. — 1. III. 300 Milch,
450 Molke. — 6. III. Nässt wieder am rechten Ohr. — 8. III.
900 Molke, 20 Rohrzucker. — 24. III. Fast ganz geheilt. — 1. IV.
Ekzem gut. — 6. IV. Am rechten Ellbogen eine nässende Stelle. —
9. IV. Rechter Ellbogen nur noch wenig rot. 3900 g.
5. E. K., 15 Mon. Bis heute Brust, dazu Kuhmilch und Ei, Brei.
Seit % Jahren Ausschlag in Gesicht und Kopf (borkig), seit 6 Wochen
zerstreute Herde an Rumpf und Extremitäten. — 15. X. 10 390 g.
800 Molke, 200 Haferschleim, 30 Gries, 3 Zwieback. — 21. X.
' Unverändert (Puder). — 25. X. Mit Zinkpaste gebessert. — 30. X.
Körper fast ganz geheilt; Gesicht sehr gebessert, juckt noch stark.
10 050 g. Zulage von Nudeln. — 12. XI. Stärkeres Jucken, Kopf gut,
Wangen nässende Stellen. 9950g. 1000 Finkeistein, 30 Gries,
3 Zwieback. — 22. XI. Am behaarten Kopf neue Borken, nässend.
Wangen unverändert. Am Rücken 2 neue Stellen. 9980 g. Auf Ver¬
langen entlassen.
6. O. S., 8 Mon. Ausschlag mit 9 Wochen, blieb auch bei Zu¬
satz von Nestlö und Rahmgemenge. — 5. IX. 07. Schuppend-infil-
triertes Ekzem fast des ganzen Körpers, wenig nässend. 4800 g.
— 10. IX. 300—450 entrahmte Milch (0,1—0,3 Proz.
Fett), 600—450 Haferschleim, 25 Rohrzucker; darauf besser. — 24. IX.
4400. 450—650 F i n k e 1 s t e i n. — 13. X. Gesicht stark nässend.
— 17. X. 650 Finkeistein ohne Molke; worauf Gesicht sich
bessert. — 28. X. 400 Milch, 500 Haferschleim, 30 Rohrzucker;
allmählig auf 600 gesteigert (27. XI.), dabei Gewichtsanstieg auf 5100
(22. XII.) und Verschlimmerung. — 23. XII. 500—800 F i n k e 1 s t e i n,
mit Brei ohne Milch, Gemüse. Verbesserung und Verschlimmerung,
neues Nässen. — 17. I. 08. 5520 g. 400 Milch. Vom 5. II. an
300 Milch mit Brei und Gemüse. Wesentliche Besserung. — 23. II.
5630g. — 24. II. Reine vegetabile Nahrung: Mehl, Reis,
Kufeke, Obst, Gemüse. — 24. III. Abgeheilt. 5630 g.
7. H. P., 9 Mon. Mit Kuhmilch, Muffler aufgezogen. Wangen
rauh mit 3 Monaten. Dann nässende Wangen. Oft schlechte Stühle,
dabei Ausschlag stärker. — 4. IV. 6050 g. Wangen und Kopfhaut
rechts borkig nässend. Thorax und Schenkel rauh papulös. — 8. IV.
Fink eist ein, 600 auf 900 steigend. — 11. IV. Nässt weniger. —
16. IV. Grosse nässende Stellen am Kopfe links. — 26. IV. Kopf
nässt noch stark. — 29. IV. 5860 g. — 30. IV. 900 M o I k e, 25 Rohr¬
zucker, 40—50 Weizenmehl. — 7. V. Sieht gut aus. Nässen am linken
Ohr. — 21. V. Nässen stärker am Hinterkopf. — 25. V. 5770 g. —
‘•6. V. 300 Milch, 300 Haferschleim, Brei, Gemüse. — 31. V. Nässt
stark. 5820 g. — 1. VI. Rein vegetabile Kost: Gries, Reis,
Obst, Qemüse, Rohrzucker, Mehl. — 6. VI. Wesentlich besser. —
10 - VI. Juckt weniger, — 21. VI. Fast geheilt. — 8. VII. Geheilt, I
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munter. 5950 g. Zugabe von 100 M i 1 c h, am 11. VI. von 150 Milch.
— 21. VII. Gesicht vollkommen glatt. 6310 g. — 28. VII. Geheilt
entlassen. Hält sich sehr gut bei 300 Milch und vegetabilischer Kost
(Oktober 1908).
8. R. B., 3'i Jahre. V\ Jahr gestillt, seit dem Alter von % Jahr
immer Ausschlag, stets behandelt. In letzter Zeit viel Milch und
Eier. — 3. II. 11140 g. Kopf krustös, Gesicht nässend, pustulös.
Rumpf und Extremitäten stark infiltriert, schuppend, stellenweise näs¬
send. 500 Milch, Gemiisse, Obst, Besserung. — 18. III. Reine
vegetabile Kost. — 11 250 g. — 26. III. Neue nässende Stellen.
— 31. III. 1000, 6. IV. 1500 Fink eiste in. Unruhe. — 14. IV.,
24. IV. und 5. V. neue nässende, krustöse Stellen. Sehr unruhig.
11 250 g. — 5. V. 1000 Molke mit Brei, Zwieback etc. — 8. V.
1500 Molke. — 11. V. Wieder mehrfach nässend. — 20. V. Keine
nässenden Stellen mehr. — 24. V. 11200. Gemischte Kost
mit Milch, Fleisch, Brei, Gemüse, keine Eier. Arsen. Keine Bes¬
serung. — 22. VI. Milch weg. — 13. VII. Gesicht oft noch nässend.
Thigenolpaste wirkt relativ gut. — 25. VII. Gebessert entlassen.
12 100 g.
9. O. R., 7 Mon. Hat ca. 1 Liter Milch, daneben Brei und Reis.
Mehrfach Durchfall. Ausschlag, vor 6 Wochen an Armen beginnend.
— 25. XI. Borkiger Ausschlag an Kopf, Rumpf und Extremitäten.
4250g. Stuhl gut. 700 Finkeistein. — 5. XII. Wesentlich ge¬
bessert; aber noch einzelne neue nässende Stellen, dito 11. XII. —
13. XII. Nur 500 Finkeistein. — 20. XII. Juckt wieder stärker.
Nässen der Wangen. 4200 g.
10. W. F., 6 Mon. Vom dritten Monat an Ausschlag, später näs¬
send. Ueberfiittert? Sehr unruhig. — 30. XI. 4610 g. Kopf und Ge¬
sicht borkig bedeckt, Stirn nässend. Brust und Gelenkbeugen er¬
griffen. 500 Molke, 200 Haferschleim, 20 Rohrzucker. — 8. XII.
Bedeutend besser; noch starkes Jucken. — 15. XII. Gesicht nur noch
gerötet, Kopf geheilt, kein Nässen mehr. — 18. XII. 4550 g. 400
Finkeistein, darauf Gesicht verschlimmert (starkes papulöses
Ekzem). — 22. XII. Gesicht wieder besser. 4240 g. 450 Finkeistein.
— 27. XII. Ekzem wieder gut, noch heftiges Jucken. 4400.
11. K. F., 13 Mon. Ausschlag seit 4 Wochen nach Geburt. Milch¬
überfüttert, dazu später gemischte Kost. — 17. III. 6450 g. Gesicht
nässend. Kopf borkig belegt. Intertrigo der Ellbeugen. 800 Molke.
200 Haferschleim, 25 Rohrzucker. — 23. III. Bedeutend besser. —
27. III. Bronchitis. 1000 Molke bis 8. IV. — 1. IV. Bronchopneumonie
rechts hinten unten. — 8. IV. Wieder Rötung des Gesichtes. — 15. IV.
200 M i 1 c h, 800 Hafer, Gries. — 27. IV. 400 Milch. — 1. V. Geheilt.
12. G. B., 6 Mon. Früher V% Liter Milch, seit 8 Wochen ca. *U
Liter Vollmilch. Mit 6 Wochen Ausschlag im Gesicht, dann am Kopf,
seit V\ Jahr an den Armen. Kopf, Stirn, Wangen borkig, Kinn
nässend, ebenso Unterarm. — 13. V. 6330 g. 600 Molke, 400 Hafer¬
schleim, 25 Rohrzucker, steigend auf 800 (21. V.) und 1000 Molke (26. V.).
— 6. VI. Schön abgeheilt. — 7. VI. Zulage von 50—150 (16. VI.)
Rahm. Sehr gut, auch Stirn. — 21. VI. 300 Milch, 700 Wasser,
25 Rohrzucker, 40 Mehl. 6100 g. — 25. VI. Nur noch leichte Rötung
und Rauhigkeit der Haut.
II. Mit entrahmter Milch (0,1—0,3 Proz. Fett).
13. A. W., 4 Mon. Seit 6 Wochen schuppendes Ekzem des
Kopfes, papulöses des Körpers. Künstlich genährt. War schon ein¬
mal durch Milchentziehung geheilt; auf Milchzufuhr rasch wieder
schlecht. — 20. X. 3940 g. 200—400 entrahmte Milch, 600—400
Schleim. — 23. X. Viel besser. — 27. X. Fast geheilt. — 8. XI. Zu¬
lage von 100 Milch. — 13. XI. Abgeheilt. — 15. XI. Zulage von
200, 15. XI. von 300 Milch. — 16. XI. Verschlimmerung. — 27. XL
Ohne Aenderung abgeheilt.
14. A. W., 2 Jahre. 9 Monate gestillt, dann Vollmilch, isst jetzt
alles. Seit 5 Monaten Ausschlag, Gesicht nässend, Rumpf, Ex¬
tremitäten mehr papulös. — 15 V. 11640 g. — 2. VI. Bei Milchdiät
noch starkes Nässen. — 5. VI. Entrahmte Milch. — 9. VI.
Entschieden Besserung. — 17. VI. Nicht mehr nässend. — 23. VI.
Geheilt. 11 750 g.
III. Mit knapper Milch.
15. A. S., 5 Mon. Viel Milch und Butter. Seit 14 Jahr Aus¬
schlag. Kopf und Gesicht borkig nässend. — 5. I. 6480 g. Hafer¬
schleim. — 9. I. 100 M i 1 c h, dann steigend auf 300. — 17. I. Fast
völlig geheilt. 6430 g.
16. K. H., 1*4 Jahr. Vs Liter Milch. Borkiges Kopfekzem seit
1 Jahr. — 13. V. 5280 g. Heilt unter Schleim mit 100—400 Milch
und Gries. — 15. VI. Geheilt. 5280 g.
17. K. G., 114 Jahr. Mit 3 Monaten 1 Liter Milch, zuletzt 2 Liter
und gemischte Kost. Seit der 6. Woche Ausschlag. Kopf krusten¬
bedeckt. — 8. XII. 10 250 g. 250 M i 1 c h, 500 Haferschleim, 30 Gries,
Zwieback. — 17. XII. Geheilt. 9550 g.
18. F. G., 214 Jahre. Gemischte Kost, wenig Milch. Seit 4 Wo¬
chen Kopf krustös, Gesicht nässend. — 28. XI. 13 000 g. 500 Milch.
500 Haferschleim, Gries, Zwieback. — 11. XII. 12 500 g. Fast ganz
abgeheilt. 500 entrahmte Milch, Gemüse etc. — 19. XII. Ge¬
heilt. 12 020 g.
19. R. W., 2% Jahre. 1 Liter Milch, daneben gemischte Kost.
Seit 1 Jahr Ausschlag in Kopf und Gesicht, nässend. — 7. XII.
12 660g. Schweres Ekzem des Gesichtes. 250 Milch, Schleim,
I Gries, Zwieback. — 11. XII. Nässen weg. — 17. XII. Geheilt. 12 230 g.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
118
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
20. K. B., 10 Mon. Von der vierten Woche an Vollmilch, dann
Theinhardt. Verstopfung. Jetzt 1% Liter Milch. Seit dem vierten
Monat Ausschlag: schweres, krustös-eitriges Ekzem des Kopfes und
der Wangen, Ellbeugen und einige Körperstellen nässend. — 1. X.
8810 g. 400 M i 1 c h, 600 Schleim, Gries, Rohrzucker. — 6. X. Kopi
gereinigt, schön. — 25. X. als ganz geheilt anzusehen, noch Schup¬
pung. 8020g. — 28. X. 600 Finkeistein, 400 Schleim, Zucker
(20 g). — 7. XI. Diarrhöen, Schleim. — 14. XI. 7370 g. — 16. XI.
200 Milch, 600 Schleim, 20 Kufeke, 20 Rohrzucker. — 22. XI. 300
Milch. 7600 g. Zwieback, Obst, Kartoffeln. — 4. XII. 500 Milch.
— 10. XII. Sehr schön an Kopf und Körper. — 12. XII. 600 Milch.
— 20. XII. Vollständig geheilt entlassen. 8030 g. — April 1908. Hat
nie mehr genässt, ab und zu noch rote Flecken (500—600 Milch).
9900 g. — Oktober 1908. Bis vor 6 Wochen ganz gut, damals kräftige
Fleischbrühe, worauf Ausschlag im Gesicht wieder auftrat.
IV. Bei rein vegetabiler Kost.
21. R. R., 13 Mon.* % Liter Milch, dazu Brei. Mit 7 Monaten
Ausschlag am Körper. Kopf frei. Mit 10 Monaten 1 Liter Milch, Ei,
Weck. — 3. XI. Oberschenkel, Rücken, z. T. Gesicht mit stark in¬
filtriertem, schuppendem Ekzem bedeckt. 7110 g. Hafermehl,
Gries, Zwieback. — 10. XI. Ganz abgeheilt. 6930g.
22. A. G., 15 Mon. 7 Monate gestillt, dann %—1 Liter Milch.
Brei. Seit Abstillen Ausschlag am Kopf (borkig). Wangen (trocken),
Ohren. — 5. XL 8110 g.— 16. XI. R e i s, G r i e s, Schleim.
Obst, Kartoffeln. — 30. XI. Fast geheilt. 7810g.
23. F. F., 17 Mon. Mit 1 Jahr Vollmilch, \% Liter, dazu Ge¬
müse, 1 Ei. Oft verstopft. Seit dem zweiten Monat Ausschlag aui
Kopf (krustös), Gesicht (nässend), Gelenkbeugen. — 22. VI. 8220 g.
Hafer, Gries, Reis, Erbsen, Obst, Gemüse, Zwieback.
— 27. VI. Nässt nicht mehr. — 30. VI. Fast abgeheilt. — 11. VII. Noch
starke Seborrhöe des Kopfes. — 27. VII. Hinter dem Ohr einzig noch
ekzematöse Stellen.
24. M. H., 3 Jahre. Fast 1 Jahr gestillt. * Jetzt ca. 1 Liter
Milch, mehrere Eier, viel Obst. Seit 2 Jahren schon Kopfgrind (dick¬
borkig), dann am Rumpf seit 5 /* Jahren Krusten und nässende Stellen.
— 2. XI. 12700. 300 entrahmte Milch, Reis, Weck. — 14. XII.
Fast ganz geheilt. 11 650 g. Vermehrung der Kohlenhydrate. — 27.
XII. 13070g. Nur Vegetabilien mit Nüssen, Kastanien. —
7. XII. Neue Pusteln auf Kopf. — 19. XII. Kopf glatt, geheilt
25. K. R., 4V2 Jahre. Wenig Milch, gemischte Kost mit Eiern.
Mit 2 Jahren Ausschlag im Gesicht und an Beinen, seit 1 Jahr zu¬
nehmend, nässend trotz ärztlicher Behandlung. — 1. VII. 16,35 kg.
Gesicht, Rumpf, Arme papulös, untere Extremitäten infiltriert, näs¬
send, borkig, unerträgliches Jucken. Nur vegetabile Kost:
Gries, Reis etc. ohne Fleischbrühe, Brot, Zwieback, Obst, Gemüse etc.
— 5. VII. Besser. — 10. VII. Wenig Juckreiz. Haut fast glatt.
— 1. VIII. Kratzt selten mehr. — 6. VIII. Geheilt. — 16,7 kg. (Zink¬
paste, Naftalan, Zinnober, Schwefelbäder.)
26. E. G., 2 % Jahre. Viel Milch, isst alles. Seit 3 Wochen Aus¬
schlag (borkig) am Kopf. An Rumpf und Armen seborrhoische In¬
seln. — 31. I. 14,4 kg. Bis 13. II. keine wesentliche Besserung bei
Milchzulage. — 14. II. Nur Vegetabilien. — 30. II. Geheilt.
27. C. N., 7 Jahre. Mit 7 Monaten Ausschlag auf Kopf und
Körper, mit 2Vs Jahren sehr schlimm. War nie ganz gut trotz viel¬
facher ärztlicher Behandlung. — 27. V. An beiden Beinen ausge¬
dehntes, infiltriertes, krustös nässendes Ekzem. Intertrigo hinter den
Ohren. 24,1 kg. Wenig Milch und Fleisch, Vegetabilien ohne Bes¬
serung. — 5. VI. Entrahmte Milch, dazu nur Vegeta¬
bilien. — 10. VII. 24,7 kg. Geheilt. Heilung bestand nach vielen
Monaten noch.
Aus der kgl. Universitäts-Frauenklinik München (Direktor:
Professor Dr. D ö d e r 1 e i n).
Die Therapie der Placenta praevia und der Eklampsie*)-
Von Oberarzt Privatdozent Dr. Karl B a i s c h.
Die Eklampsie und die Placenta praevia sind die praktisch
wichtigsten und häufigsten unter denjenigen Geburtskompli-
kationen, bei denen die sofortige Entbindung noch die grössten
Chancen der Rettung von Mutter und Kind bietet. In die¬
selbe Kategorie gehören die drohende Uterusruptur, die vor¬
zeitige Lösung der normal sitzenden Plazenta, der Vorfall der
Nabelschnur, die intrauterine Asphyxie des Kindes. Allen
diesen Komplikationen ist gemeinsam, dass die Forderung der
sofortigen Entbindung meist in einem Stadium der Geburt auf-
tritt, wo sie wegen der ungenügenden Erweiterung der weichen
Geburtswege auf die grössten Schwierigkeiten stösst. Diese
Schwierigkeiten können ins Ungemessene wachsen, sobald
wir versuchen, schon in der Schwangerschaft bei geschlossener
Zervix oder im Beginn der Geburt bei wenig eröffnetem Mutter¬
mund die Entleerung des Uterus zu forcieren. So aber liegen
*) Nach einem Vortrag im Aerztlichen Verein München.
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die Dinge in der Regel bei der Eklampsie. Wir kennen
ihre letzte Ursache noch nicht, aber die physiologisch-chemi¬
schen Arbeiten der letzten Jahre haben sie unzweifelhaft in
die Gruppe der Intoxikationskrankheiten gewiesen und uns
damit gerade für die Therapie neue und klare Wege vor¬
gezeichnet. Diese dürfen wir mit um so grösserem Vertrauen
betreten, als die im Laboratorium gewonnenen Resultate sich
widerspruchslos mit alten klinischen Erfahrungen decken, mit
der tausendfach beobachteten Tatsache, dass die Beendigung
der Geburt, die Ausstossung von- Kind und Plazenta einen
unverkennbar günstigen Einfluss auf den Ablauf der Erkrankung
ausübt.
Uebereinstimmend ergeben die grossen Statistiken von
Olshausen, Zw r eifel, Schau ta, v. Win ekel u. a..
dass in rund 60—80 Proz. aller Fälle die Krämpfe nach der Ent¬
bindung entweder völlig zessieren oder nur ein- oder zweimal
noch w iederkehren. (S c h a u t a bei 185 Fällen in 54 Proz., O I s-
hausen, Gödecke, Esch bei 804 Fällen in 80 Proz.,
G 1 o c k n e r bei 134 Fällen in 58 Proz., S e i t z bei 147 Fällen
in 74 Proz.)
Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Entbindung
spontan oder durch typische Operationen, Zange, Extraktion
oder Perforation erfolgt. Es hören nach operativen w ie spon¬
tanen Geburten die Anfälle gleich häufig auf (Olshausen
nach spontanen Geburten 91 Proz., nach operativen 87 Proz..
Gödecke 77 Proz. und 83 Proz.) und es ist auch bei spon¬
tanen wie bei operativen Geburten die Mortalität dieselbe.
Dührssen sah nach spontanen Geburten 27 Proz., nach
operativen 26 Proz., Seitz beidemal 16 Proz. der Mütter
1 sterben. Es geht daraus hervor, dass der Eklamptischen durch
eine operative Entbindung in kurzer, tiefer Narkose kein Nach¬
teil erwachst, dass es vielmehr gleich günstig für sie ist, wie
der Uterus entleert wird, wenn er nur überhaupt von seinem
die Mutter vergiftenden Inhalt befreit wird.
Die logische Konsequenz dieser Tatsache ist die Forderung,
eine Eklamptische sofort nach dem ersten Anfall zu entbinden.
Diese radikale Forderung haben bis jetzt nur wenige
Autoren zu ziehen gewagt: D ü h r s s e n, Z w e i f e 1, B u m 111 .
Aber der Erfolg spricht unzweideutig für die Richtigkeit des
Verfahrens. Zweifel 1 ) hat dadurch die Gesamtmortalität
von 32 Proz. auf 15 Proz., Bumm *) von 30 Proz. auf 14 Proz.
herabgeorückt.
Noch eklatanter wird der Unterschied, wenn man, wie
dies zur tatsächlichen Beurteilung der Leistungsfähigkeit der
Frühentbindung erforderlich ist, nur die Fälle berücksichtigt,
die frühzeitig genug, d. h. wenige Stunden nach dem ersten
Anfall eingeliefert und sofort entbunden werden. In diesen
rechtzeitig in Behandlung genommenen Fällen beträgt die Mor¬
talität bei Zweifel 3 ) nur 6/4 Proz., bei Bumm*) nur
2J4 Proz.
Nun muss man sich darüber klar sein, was diese For¬
derung einer raschen, sofort nach dem ersten Anfall vor¬
zunehmenden Entbindung in der Praxis zu bedeuten hat. Nicht
nur der Muttermund ist geschlossen, meist ist auch der Zer¬
vikalkanal noch in seiner ganzen Länge erhalten. Dabei handelt
es sich überwiegend um Erstgebärende, deren nie vorher ge¬
dehnte Weichteile der plötzlichen- Aufschliessung den grössten
Widerstand entgegensetzen.
Die Hilfsmittel, die dem Geburtshelfer in der Praxis des
Privathauses dafür zu Gebote stehen, sind zwar an Zahl be¬
trächtlich, aber ihre Leistungsfähigkeit ist recht unvollkommen.
Es sind die kombinierte Wendung und Extraktion, die Metreu-
ryse mit dem Ballon und die Dilatation nach Bossi.
Mit diesen Methoden eine Eklamptische in der Schwanger¬
schaft entbinden zu wollen, ist ein Wagnis, vor dem man nur
warnen kann. So gefährlich die Eklampsie ist, noch gefähr¬
licher ist in diesen Fällen ein Accouchement force. Die
‘) Archiv für (iynäk., Bd. 72.
•) Liepmann: Münch, nied. Wochenschr., 1905, No. 51 und
1906, No. 25.
3 ) Münch, nied. Wochenschr., 1906. S. 298.
4 ) Münch, nied. Wochenschr.. 1903. S. 21 und Deutsche nied.
Wochenschr.. 1907, No. 47.
Original frn-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
119
Schwangerschaftseklampsie ist in der allgemeinen Praxis das
eigentliche Feld der internen, symptomatischen Therapie.
Ist aber schon einige Wehentätigkeit vorausgegangen, so
haben wir in erster Linie zwischen dem B o s s i sehen Instru¬
ment und der Ballonmethode zu wählen. Jede dieser beiden
Methoden hat unvermeidliche Nachteile, die grösseren hat
unzweifelhaft das Bossische Instrument. Welches Modell
man auch nimmt, immer erfolgt die Dehnung des Muttermunds
in ungleichmässiger Weise; es kommt entweder bei der Sprei¬
zung der Branchen oder bei der nachfolgenden Extraktion zu
Einrissen, die die Muttermundslippen und die Zervikalwand
durchsetzen, bis ins Parametrium gehen können und selbst kom-
pletteüterusrupturen zu erzeugen vermögen. Trotz der Empfeh¬
lungen von manchen Seiten können wir uns doch ebenso wenig
wie Zangemeister, Bardeleben, Fritsch, Hof¬
meier für dieses Instrument erwärmen, das in unphysio¬
logischer Weise die Entleerung des Muttermundes häufig nur
auf Kosten von unkontrollierbaren, schwer zu reparierenden
Verletzungen erzwingt.
Weit schonender ist der zugfeste Ballon von Arthur
M u e 11 e r. Gerade bei der Eklampsie wüsste ich für den Ge¬
burtshelfer der allgemeinen Praxis kaum eine bessere Methode.
Man wird auch sehr zweckmässig Bossi und Ballon kombi¬
nieren, indem man erst bis auf einige Zentimeter dilatiert und
nun erst den Ballon einführt. Durch gleichmässigen Zug ge¬
lingt es dann, in einigen Stunden den Muttermund so weit zu
eröffnen, dass man unmittelbar die Wendung und Extraktion,
die Zange oder die Perforation des Kindes anschliessen kann.
Es ist dieses Vorgehen auch der alleinigen kombinierten
Wendung mit nachfolgender Extraktion vorzuziehen, die eben
wegen der Extraktion der Bossischerc Methode an Gefahren
nicht nachsteht, sie aber an technischen Schwierigkeiten ent¬
schieden noch übertrifft.
Auf jeden Fall gehen freilich kostbare Stunden verloren*,
die über Leben und Tod der Eklamptischen entscheiden können
und am deutlichsten prägt sich dies zahlenmässig darin* aus,
dass es mit allen diesen Methoden nur gelingt, die Mortalität
der Mütter von 25—30 Proz. auf 15—20 Proz. herabzudrücken.
Es verzeichnen nämlich Zweifel in den Jahren 1892 bis
1900 bei 223 Fällen 16 Proz., Olshausen nach den Publi¬
kationen von Esch aus den Jahren 1904—1906 bei 101 Fällen
20 Proz., v. W i n c k e 1 nach der Zusammenstellung durch
S e i t z ö ) in den Jahren 1903—1907 bei 22 Fällen 15 Proz.
mütterliche Mortalität, während dieselben Autoren früher bei
rein exspektativer und symptomatischer Therapie 32, 25 und
22 Proz. mütterliche Verluste zu beklagen hatten. Jene Re¬
sultate von 15 und 20 Proz. sind aber noch weit entfernt von
den 6'A und 2X> Proz., die Zweifel und Bumm durch so¬
fortige Entbindung nach dem ersten Anfall erreicht haben.
So darf man sich nicht verhehlen, dass wir zurzeit kein
unblutiges Verfahren besitzen, das der Forderung der sofortigen
schonenden Entbindung voll gerecht werden kann.
Weit grösseres praktisches Interesse noch als die
Eklampsie beansprucht die viel häufigere Placenta prae-
v i a. Auch hier hat man an die Stelle der alten, man möchte
beinahe sagen klassischen Behandlung der kombinierten Wen¬
dung nach Braxton-Hicks rasch entbindende Methoden
gesetzt, deren Wert und Notwendigkeit freilich selbst wieder
stark bestritten werden.
Dabei liegen hier die Verhältnisse insofern komplizierter,
als die Rücksicht auf das Kind bei der Placenta praevia ent¬
schieden mehr in die Wagschale fällt, als bei der Eklampsie.
Es ist ein allgemein gültiger Satz: je grösser die Gefahr einer
geburtshilflichen Komplikation für die Mutter ist, desto weniger
kann das Leben des Kindes Berücksichtigung finden und um¬
gekehrt, je weniger die Mutter bedroht ist, desto eher dürfen
wir auch das Recht des Kindes auf Leben wahren. Die
Eklampsie nun hat eine mütterliche Durchschnittsmortalität von
30 Proz. Das ist so enorm viel, dass daneben die Sorge um
das Kind völlig zurücktritt. Es sterben denn auch bei der ge¬
wöhnlichen Behandlung der Eklampsie 20—25 Proz. der Kinder,
allerdings nicht etwa bloss, weil wir keine Rücksicht auf sie
v ) Arch. f. Gynäk., Bd. 87, H. 1.
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nehmen, sondern weil sie durch die Krankheit der Mutter, das
eklamptische Gift und die Krämpfe selbst sehr schwer ge¬
schädigt werden.
Die Mortalität der Placenta praevia ist wesentlich geringer;
sie beträgt bei allen Verfahren weniger als 10 Proz. Diese
mütterliche Sterblichkeit ist ja noch immer bedauerlich gross.
Allein sie ist doch nicht so enorm, dass man der Anschauung
derer zustimmen könnte, die ihr gegenüber die Rücksicht auf
das Kind völlig zurücktreten lassen wollen.
Nun besteht aber bei der Braxton-Hicks sehen Me¬
thode eine eigentümliche Wechselbeziehung zwischen der
kindlichen und mütterlichen Mortalität. Die mütterliche Sterb¬
lichkeit ist bei ihr nämlich um so kleiner, je grösser die kind¬
liche ist. Der relativ geringe Verlust von etwa 5—8 Proz. der
Mütter, der der kombinierten* Wendung anhaftet (Krönig,
H a m m e r s c h 1 a g, Z w c i f e 1), ist nur auf Kosten der Kinder
zu erzielen, nur dadurch, dass wir bewusst das Kind opfern,
indem wir es zur Tamponade benützen. Das Wesen der Me¬
thode besteht eben darin, dass wir das gewendete Kind so
lange gegen die blutende Plazentarfläche andrücken, bis der
Muttermund sich völlig eröffnet hat. Einstweilen ist dann das
Kind in der Regel abgestorben*. Dementsprechend ist die
kindliche Mortalität auch enorm gross, sie beträgt nicht weniger
als 60—80 Proz. Versuchen« wir aber sie zu verringern, indem
wir das Kind rascher extrahieren, so verlieren wir um so mehr
Mütter.
Man hat zwar darauf hingewiesen, dass viele dieser Kinder
unreif oder frühreif sind, da bekanntermassen die Placenta
praevia schon vor Ende der Schwangerschaft die alarmierenden
Blutungen macht. Allein auch wenn wir nur die sicher lebens¬
fähigen Kinder über 2500 g zählen, so hat die Methode nach
Braxton-Hicks noch immer eine kindliche Mortalität von
62 Proz. (Zweifel 8 ).
Es haftet der Methode von Braxton-Hicks das unbe¬
streitbare Odium an, dass sie die Rettung der Mutter mit der
bewussten Tötung des Kindes erkauft.
Beides, sowohl die Höhe der mütterlichen Sterblichkeit,
wie die der kindlichen Mortalität muss uns unbedingt ver¬
anlassen, nach einer besseren Entbindungsmethode, zum min¬
desten bei lebensfähigen Früchten zu suchen.
Dabei gibt diese mütterliche Sterblichkeit von etwa 5 bis
8 Proz. nur klinische Ergebnisse wieder (Zweifel, Ham¬
merschlag). In der allgemeinen Praxis beträgt sie, w ie
F ü t h 7 ) festgestellt hat, trotz der Opferung des Kindes, ganz
wesentlich mehr, nämlich 20 Proz.
Das ist eine Mortalität, die der der Eklampsie nicht sehr
nachsteht, und so dürfen wir wohl sagen, dass in der Privat¬
praxis allerdings schon rein im Interesse der Mutter der
Wunsch nach einer besseren Methode ein sehr dringender ist.
Als solche w ird, insbesondere von K ü s t n e r, die Ballon¬
behandlung, die Metreuryse, warm befürwortet. Küstner
selbst hat dabei 5 Proz. mütterliche Mortalität und einen Kinder¬
verlust von 50 Proz. zu verzeichnen (Hannes 8 ).
Die Verbesserung gegenüber der Methode von Braxton-
Hicks ist nicht sehr beträchtlich. Die Verluste an Müttern
sind etwa ebenso gross und der Gewinn an Kindern beträgt nur
ca. 20 Proz. Die Resultate stammen zudem wieder aus der
Klinik. In der Privatpraxis aber w r äre zu befürchten, dass die
Metreuryse, allgemein eingeführt, nicht nur keine Verbesse¬
rung, sondern im Gegenteil eine erhebliche Verschlechterung
der Mortalität, insbesondere der Mutter, nach sich ziehen
würde, und zwar vor allem deshalb, weil die Technik der
Metreuryse gerade bei Placenta praevia und im Gegensatz
zur Eklampsie eine überaus schwierige ist.
Schon die Durchbohrung der Plazenta, mehr noch die Ein¬
führung des Ballons durch das kleine, sich sofort wieder ver¬
lagernde Loch, bewirkt fast unvermeidlich eine ausgedehnte
Ablösung der Plazenta und sehr unliebsame, heftige Blutungen.
Jeder weiss aus Erfahrung, wie gefährlich solche Blutungen
bei den vorher schon entbluteten Patientinnen sind, wo alles
w ) Münch, med. Wochenschr., 1907. No. 48.
7 ) Zentralbl. f. Gynäk., 1907, No. 12.
H ) Zentralbl. f. Gyn., 1908, No. 42.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
120
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
darauf ankommt, jeden Tropfen Blut zu sparen. Liegt dann
der Ballon endlich glücklich hinter der Plazenta im Innern
des Eies, so sind die Schwierigkeiten noch lange nicht zu Ende.
Sobald der Ballon geboren ist, hört die Kompression der
Plazentarfläche auf. Es blutet aufs neue. Der Kopf, der durch
den Ballon am Eintritt ins Becken verhindert wurde, kann
dessen Rolle als Tampon nicht übernehmen und nun muss nicht
selten doch noch die Wendung mit all ihren Gefahren vor¬
genommen werden.
Noch viel weniger eignet sich allerdings für die Placenta
praevia das Instrument von Bossi. Das untere Uterus¬
segment ist gerade infolge der Insertion der Plazenta ausser¬
ordentlich zerreisslich und ausserordentlich blutreich. Es
folgen noch sicherer als sonst schwere Verletzungen und
lebensbedrohliche Blutungen.
Nicht viel besser steht es mit der anscheinend recht harm¬
losen und ungefärhlichen Tamponade. Abgesehen davon,
dass sie nur in leichten Fällen anwendbar ist, verschleiert sie
leicht den Blutverlust, lässt die beste Zeit zu energischerer Be¬
handlung verstreichen und birgt dazu noch eine ganz ungewöhn¬
lich hohe Infektionsgefahr. So erklärt es sich, dass gerade die
Tamponade selbst in der Klinik die grösste mütterliche Mor¬
talität von 20—25 Proz. aufweist. 0 )
Es bleibt somit für die allgemeine Praxis doch als emp¬
fehlenswerteste Behandlung die Methode nach Braxton-
H i c k s. Sie ist von den möglichen Uebeln: Metreuryse, Wen¬
dung, Bossi und Tamponade entschieden das geringste, aber sie
ist eben doch nur ein sehr unvollkommener Notbehelf, und so
lautet das Resümee bei der Placenta praevia genau wie bei der
Eklampsie: Wir besitzen für die Praxis keine Methode, die dem
Anspruch an eine gute geburtshilfliche Therapie, Mutter und
Kind zu retten, auch nur einigermassen gerecht würde. So¬
lange ein therapeutisches Verfahren mit einem Verlustkonto
von Vs der Mutter und Vs der Kinder rechnet, darf man sich mit
ihm nicht zufrieden geben und die Bedürfnisfrage nach besseren
Methoden ist auch hier mit aller Entschiedenheit zu bejahen.
Nun darf man« sich darüber keiner Illusion hingeben, dass
von einem weiteren Ausbau aller dieser bis¬
her besprochenen sog. unblutigen Methoden
eine wesentliche Besserung nicht zu er¬
warten ist. Der vorsichtige, geübte und erfahrene Geburts¬
helfer wird um einige Prozente günstigere Resultate erzielen,
als der Unvorsichtige und Ungeübte — aber es liegt im Wesen
aller dieser Methoden, dass wir trotz aller Technik und Asepsis
über ein gewisses ziemlich bescheidenes Maximum der Er¬
folge niemals hinauskommen werden. Es ist genau wie bei
der Therapie des engen Beckens: die hohe Zange, die prophy¬
laktische Wendung, die künstliche Frühgeburt, die immer und
immer wieder empfohlen werden, können ein gewisses Niveau
der Erfolge nicht mehr übersteigen. Wer sich nicht ein für
allemal mit der Tatsache abfinden will, dass eben bei Eklampsie
und Placenta praevia 10—20 Proz. der Mütter und 70—80 Proz.
der Kinder zu Grunde gehen müssen, der muss neue Ver¬
fahren zur Behandlung dieser Geburtskomplikationen suchen,
selbst wenn diese von den traditionellen, unblutigen, „klas¬
sischen“ Entbindungsverfahren abweichen sollten.
Das Verdienst, hier ganz neue Wege gegangen zu sein und
sie trotz aller Angriffe konsequent weiter verfolgt zu haben,
gebührt Dührssen. Die von ihm angegebene Methode, die
vordere Zervixwand vom Muttermund aus in der Medianlinie
bis über das Os internum sow r eit zu spalten, dass genügend
Raum für die Passage des Kindes entsteht, ist toto coelo von
allen bisherigen therapeutischen Methoden verschieden. Sie
setzt an Stelle der sog. unblutigen Verfahren, bei denen aber
häufig genug die Mutter sich verblutete, eine exakt chirurgische
Operation. Sie verzichtet von vornherein auf die Erweiterung
des Muttermundes, wie sie die Natur vornimmt, sie will sie
auch nicht nachahmen, was doch stets nur unvollkommen ge¬
lingen kann, sondern sie will sie ersetzen durch die Spaltung
der Zervix mit Messer und Schere.
Der Gedanke Dührssens hat sich als überaus frucht¬
bar erwiesen und das Anwendungsgebiet dieser Operation,
H ) Maison: In.-Diss., München 1909.
□ igitized by Google
der Hysterotomia anterior ist in der Klinik ein erstaunlich
grosses geworden. Wir haben die Methode sowohl in frühen
Monaten der Schwangerschaft verwendet, etwa vom 4. Monat
ab überall da, wo eine rasche Entleerung des Uterus indiziert
ist: bei starken Abortblutungen, bei Unterbrechung der Gra¬
vidität wegen Hyperemesis gravidarum, Vitium cordis, Phthisis
pulmonum, Pneumonie, Pyelitis etc. (8 Fälle); hauptsächlich
aber gegen Ende der Schwangerschaft und in der Geburt: bei
Nabelschnurvorfall (2 Fälle), bei drohendem Absterben des
Kindes (5 Fälle), bei vorzeitiger Lösung der normal sitzenden
Plazenta (2 Fälle), bei Fieber unter der Geburt (3 Fälle), bei
Rigidität der Weichteile alter Erstgebärender (5 Fälle).
Vor allem aber ist es die souveräne Behandlung der
Eklampsie (4 Fälle) und ebenso der Placenta praevia (10 Fälle)
geworden.
So hat diese eine Operation in der Klinik alle anderen
Methoden: das Accouchement force, die kombinierte Wendung,
das Bossi sehe Instrument, die Ballonmethode, die Tampo¬
nade verdrängt und auch hier können wir wieder die Parallele
mit dem engen Becken ziehen : hier wie dort ist mit dem Ein¬
zug chirurgischer Operationen die Therapie ausserordentlich
vereinfacht worden. An die Stelle vieler aber halber Mass¬
nahmen sind wenige, chirurgisch klare und konsequente Me¬
thoden getreten.
Die Parallele ist aber damit noch nicht erschöpft. Die
chirurgische Behandlung des engen Beckens und die chirur¬
gische Ueberwindung der Weichteilschwierigkeiten sind beides
zunächst noch klinische Methoden und an Voraussetzungen
geknüpft, wie sie in der Regel nur im Krankenhaus gegeben
sind. Zum mindesten erfordert ihre Ausführung den chirurgisch
und spezialistisch ausgebildeten Geburtshelfer. So einfach in
vielen Fällen die Technik des vaginalen Kaiserschnitts ist, so
hat die Operation doch bei Komplikationen und bei nicht sach-
gemässer Ausführung ihre grossen Gefahren, vor allem die
der Blasenverletzung. Auch die Beherrschung der Blutung,
speziell bei Placenta praevia, und die exakte Versorgung der
gesetzten Uterus- und Scheidenwunde kann dem im vaginalen
Operieren Ungeübten Verlegenheiten bereiten.
Von manchen Operateuren, wie S e 11 h e i m und K r ö n i g
werden diese Schwierigkeiten des vaginalen Operierens gerade
bei der Zerreisslichkeit und Blutfülle der Zervixwand bei
Placenta praevia so hoch eingeschätzt, dass sie für besonders
schwierige Fälle, bei vorderer Insertion der Plazenta, an Stelle
des vaginalen Kaiserschnitts den abdominellen, extraperitone¬
alen Kaiserschnitt vornehmen und empfehlen. Durch die extra¬
peritoneale Freilegung und Eröffnung der Zervixwand wird die
bei Kreissenden bekanntlich unverhältnismässig gefährliche
Laparotomie umgange*. Man hat es nur mit einer ziemüch
oberflächlich gelegenen, reinen Bindegewebswunde zu tun, die
man nötigenfalls bequem und ohne Nachteil nach aussen
drainieren kann.
Bei den Fällen von extraperitonealem Kaiserschnitt, die
wegen engen Beckens in der Münchener Frauenklinik vor¬
genommen wurden, waren die Einfachheit der Methode, die
Uebersichtlichkeit des Operationsfeldes, das Fehlen jeglicher
Blutung und die Raschheit der Rekonvaleszenz so verblüffend,
dass man in der Tat dieser Methode, die ursprünglich nur für
das enge Becken und als Ersatz des klassischen Kaiserschnitts
gedacht war, wohl auch für die Behandlung der Weichteil¬
schwierigkeiten bei Eklampsie, Placenta praevia und ver¬
wandten Indikationen eine Zukunft prophezeien darf.
In wenig Jahren haben sich so bei allen ernsten Geburts¬
komplikationen chirurgische Verfahren entwickelt, die uns,
wenigstens in der Klinik, zweifellos wesentlich bessere Resul¬
tate für die Mütter und Kinder bringen werden und schon
gebracht haben. Von unsern 40 Fällen von vaginalem Kaiser¬
schnitt sind alle Mütter geheilt und von 22 vor der Operation
lebenden Kindern 19 lebend geboren worden. Diese chirur¬
gischen Fortschritte sind so plötzlich gekommen — sie schienen
sich in den letzten Jahren geradezu zu überstürzen — dass viele
meinen, ihre warnende Stimme gegen die neue chirurgische
Aera in der Geburtshilfe erheben zu müssen. Aber wenn die
operative Geburtshilfe auch lange gebraucht hat, bis sie sich
echten chirurgischen Operationen zugewendet hat, so kann
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
m
man zwar diese Entwicklung, je nach dem Standpunkt, den
man einnimmt, bedauern oder begrüssen — aufhalten aber
sicherlich nicht.
Aus der Universitäts-Frauenklinik der kgl. Charitee.
Oie Ophthalmoreaktion und die Prognosenstellung bei
tuberkulösen Erkrankungen in der Gravidität
Von Ed. Martin, Assistent an der Klinik. .
Zu Beginn dieses Jahres (1908) konnten die ersten Er¬
fahrungen mit der von Calmette und Wolff-Eisner Mitte
1907 angegebenen Ophthalmoreaktion als abgeschlossen gelten.
Die ausführliche Besprechung dieses Verfahrens in der hiesigen
Gesellschaft für innere Medizin und die weiteren Veröffent¬
lichungen fast aller grösseren inneren Kliniken in der Münch,
med., Deutschen med. und Berliner klinischen Wochenschrift
wie der med. Klinik stehen noch zu lebhaft in Erinnerung, als
dass es notwendig wäre, noch einmal auf das Wesen dieses
Verfahrens einzugehen. Es fällt mir daher nur die Aufgabe
zu, die hier in Betracht kommenden Ergebnisse der erwähnten
Beobachtungen zu besprechen. Hatte man zuerst gehofft, in
dem Verfahren ein Mittel in die Hand zu bekommen, durch das
in zweifelhaften Fällen eine beginnende Tuberkulose besser
erkannt werden könne, so sind diese Hoffnungen nicht in Er¬
füllungen gegangen. Es wurden Fälle beobachtet, wo bei
klinisch tuberkulosefreien Personen die Reaktion positiv und
bei sicher tuberkulösen dagegen negativ ausfiel; hier hat es
sich allerdings meistens um weit vorgeschrittene Erkran¬
kungen gehandelt. Schon wenige Versager genügen aber, um
den diagnostischen Wert der Methode in Frage zu stellen, um
so mehr, als man auch ohne die Ophthalmoreaktion imstande
ist, eine tuberkulöse Erkrankung der Lungen zu erkennen.
Nur über eine Beobachtung ist fast einstimmig berichtet
worden: Es versagt die Reaktion bei anderweitig sicher er¬
kannter Lungentuberkulose des ersten Stadiums nur in seltenen
Fällen, dagegen regelmässig dort, wo nach dem ganzen
klinischen Verlaufe die Krankheit schnell fortschreitet und mit
Kachexie einhergeht. Diese fast allseitig gemachte Beob¬
achtung habe ich versucht, prognostisch bei tuberkulösen
Schwangeren zu verwerten.
Da das Einträufeln einer 1 proz. Lösung von Alttuberkulin
Koch in ein gesundes Auge kaum als schädlich angesehen
werden kann, so darf auch ein Versuch als gerechtfertigt be¬
zeichnet werden, der vielleicht dazu führt, uns den Einfluss der
Schwangerschaft auf die Tuberkulose auch nur etwas besser
als bisher möglich erkennen zu lassen. Denn wie schwierig
es ist, den individuell durchaus verschiedenen Verlauf der ein¬
zelnen Fälle im Voraus zu bestimmen, zeigen die mannigfachen
Erfahrungen, die mit tuberkulösen Schwangeren und Wöchner¬
innen gemacht und beschrieben sind. Einen Beweis dafür
liefern besonders die umfassenden Zusammenstellungen, die
v. Rosthorn und F r a e n k e l vor 2 Jahren in der
Monatsschrift für Geburtshilfe und Gynäkologie und in der
Deutschen med. Wochenschr. gegeben haben. Nach alledem
können die tuberkulösen Schwangeren und Wöchnerinnen
unabhängig von dem augenblicklichen lokalen Befunde in solche
eingeteilt werden, bei denen eine Wiederherstellung noch sehr
wohl möglich ist, die also etwa dem ersten Stadium angehören,
und in solche, bei denen der mehr oder weniger rasche, töd¬
liche Verlauf nicht mehr zu verhindern ist.
Auf Grund dieser Tatsache habe ich versucht, die Oph¬
thalmoreaktion bei Schwangeren und Wöchnerinnen, bei denen
die Tuberkulose anderweitig festgestellt war, für die Prognose
zu verwenden. Es sind also in die Versuchsreihe nur Frauen
aufgenommen worden, bei denen die tuberkulöse Erkrankung
der Lunge ausser Frage stand.
Wenn ich es wage mit nur 27 Fällen hervorzutreten, so
bitte ich zu berücksichtigen, dass auch bei unserem grossen
Materiale Gravidität und Tuberkulose nicht allzu häufig und
dass auch gerade für Berlin die Nachuntersuchungen, das
Wiederauffinden der Frauen nicht immer möglich ist. Die
Nachuntersuchungen wurden nach beendetem Puerperium,
frühestens 6 Wochen nach der Entlassung vorgenommen. Sie
No. 3.
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bestanden in der Aufnahme des Lungenbefundes und in der
Einträufelung der 1 proz. Lösung in das rechte Auge, nachdem
das erste Mal stets das linke gewählt war. Die nachfolgende
Tabelle ist in drei Gruppen eingeteilt, in der ersten sind die
Fälle verzeichnet, bei denen die Reaktion zur Zeit der
Schwangerschaft und später positiv ausgefallen war, in der
zweiten dort, wo zuerst ein negativer Ausfall und dann ein
positiver eingetragen werden musste und in der dritten, wo
beide Reaktionen negativ waren.
Positiv—positiv
Negativ—positiv
Negativ—negativ
9 spontan niederge¬
kommen.
2 Unterbrechung der
Grav. mit Er¬
haltung d. Uter.
im II. u. IV. Mon.
5 Totalexstirpatvom
II. bis V. Mon.
2 spontan niederge¬
kommen.
1 Unterbrechung im
II. Mon. mit Er¬
haltung d. Uter.
2 Totalexstirpat. im
II. u. III. Mon.
2 spontan niederge¬
kommen.
1 gestorben nach
3 Mon.
1 nach 10 Mon.
4 Unterbrechung mit
Erhaltung des
Uterus im II. bis
III. Mon.
1 fängt erst nach
Jahresfrist an
sich zu erholen.
1 nach *U Jahren
stetig fortschrei¬
tender Verfall.
1 Exitus n.6Woch.
1 Exitus n: 5 Mon.
TT
T
6.
1 genesen.
1 fortschr. Kachexie.
! 4 gestorben.
Erste Gruppe: Ophthalmoreaktion in der Schwangerschaft
positiv, desgleichen nach beendetem Puerperium. Da es sich in
allen Fällen nur um beginnende Spitzenerkrankungen gehandelt
hat und bei keiner der Frauen die Beschwerden in bedroh¬
lichem Grade zugenommen hatten, so erübrigt es auch die
Aufzeichnungen im Einzelnen wiederzugeben. Bei der zweiten
Untersuchung waren alle Pat. wieder leidlich beschwerdefrei
und hatten sich gut erholt. Der lokale Prozess war durch¬
gehend zum Stillstand gekommen oder auch zurückgegangen.
Die Entbindungsarten: spontan, schonende Unterbrechung mit
Erhaltung des Uterus oder Totalexstirpation sind in der Tabelle
angeführt.
Es mag gestattet sein, an dieser Stelle einige Bemerkungen
einzuschalten über die seit etwa Jahresfrist an der hiesigen
Anstalt geübte Methode, bei lungenkranken Frauen, die
schon lebende Kinder haben, die Untersuchung der Schwanger¬
schaft durch die Exstirpation des Uterus mit seinen Adnexen
auszuführen.*) Die häufig zu machende Beobachtung,
dass gerade diese lungenkranken Frauen zu denen gehören,
die leicht konzipieren und bei ihnen dann oft in jedem
Jahre eine Gravidität unterbrochen werden muss, ferner die
Tatsache, dass diese unglücklichen Personen in dem klaren
Bewusstsein, dass eine erneute Schwangerschaft die Lungen¬
erkrankung wieder verschlechtert, nicht ihres Lebens froh
werden, können die Totalexstirpation nicht genügend recht-
fertigen. Es muss hier vielmehr noch eine Beobachtung mit
hinzugenommen werden, die bei fast allen Frauen gemacht
wird, die aus irgend einem Grunde vor dem physiologischen
Eintritt in das Klimakterium kastriert werden: der allgemeine
Fettansatz. Solange noch die Bildung von Fett als ein äusseres
günstiges Anzeichen für die Bilanz des Organismus aufgefasst
werden muss, so lange wird man auch gerade für lungenkranke
Frauen diese Erscheinung als den wünschenswerten Erfolg
der angewandten Therapie zu erstreben berechtigt sein. Viel¬
leicht nicht mit Unrecht wird man hier die Erfahrungen mit-
heranziehen dürfen, die die Tierzüchter mit den kastrierten
Tieren machen.
Ob diese theoretischen Erwägungen durch den praktischen
Erfolg bestätigt werden, kann naturgemäss nicht innerhalb
J ) cf. Bumm: Verhandlungsbericht des Vereins für innere Me¬
dizin in Berlin vom 24. II. 08. Vergl. d. W., 1908, No. 9.
2
Original from
UNiVERSITV OF CALIFORNIA
122
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
eines Jahres und an der Hand von wenigen Fällen entschieden
werden.
Die zweite Gruppe umfasst die Fälle, bei denen die Reaktion
das erste Mal negativ, das zweite Mal dagegen positiv aus¬
gefallen war. Wenn es sich auch hier wiederum nur um be¬
ginnende Lungenerkrankungen gehandelt hat, so war doch in
jedem Falle der Allgemeinzustand ein viel schlechterer und der
Einfluss der Gravidität ein sichtlich grösserer als in den vorigen
Fällen. 2 Frauen kamen am Ende der Schwangerschaft spon¬
tan nieder, bei einer wurde dieselbe mit Erhaltung des Uterus
und bei zweien durch die Totalexstirpation unterbrochen. Alle
5 haben sich wieder erholt: der Krankheitsprozess war, wenn
auch nicht überall zurückgegangen, so doch sicher zum Still¬
stand gekommen. Mussten diese Pat. zur Zeit der Schwanger¬
schaft nach dem ganzen klinischen Bilde zu denen gerechnet
werden, bei denen die Tuberkulose schnell fortschreitet und
mit Kachexie verbunden ist, und die Reaktion der allgemeinen
Erfahrung nach negativ ausfällt, so hatten sie sich später wieder
soweit erholt, dass sie zu den Erkrankten des ersten Stadiums
gerechnet werden konnten — positive Reaktion. Es muss noch
hervorgehoben werden, dass die beiden Frauen, bei denen die
Totalexstirpation gemacht war, sich entschieden schneller er¬
holt haben, als die anderen. Ob diese Beobachtung nur eine
zufällige ist, oder sich dadurch erklären lässt, dass bei diesem
Verfahren die Anforderungen, die die puerperale Involution
an den Organismus stellt, wegfallen, kann bei der geringen
Zahl naturgemäss nicht entschieden werden.
Aus den Aufzeichnungen über diese 5 Fälle ist folgendes
hervorzuheben:
1. Frau P., 26jähr. III. Pära. Erst am Schluss der zweiten
Gravidität etwas gehustet, im Puerperium dann zuerst erhebliche
Verschlechterung des Befindens und dann allmähliche Besserung. In
der letzten Gravidität haben die Beschwerden auch erst wieder zum
Schluss, aber gleich viel heftiger eingesetzt als früher. Rechte Spitze
erkrankt. Atemnot, schlechtes Aussehen. Nachdem Im Puerperium
Husten und Atemnot noch weiter zugenommen hatten, tratt dann
aber wieder eine Besserung ein. Bei der Nachuntersuchung hatte
sich die Pat. unter leidlicher Pflege gut erholt. Husten und Atemnot
nur noch ab und zu anfallsweise. Lungenbefund fast der gleiche wie
oben. Im allgemeinen arbeitsfähig und Wohlbefinden.
2. Frau M., 34 jährige II. Para. Erst von der Mitte der
2. Schwangerschaft an Lungenbeschwerden, bis zum Schluss erheb¬
liche Zunahme derselben. Verfallenes Aussehen, kurzatmig. Linke
Spitze geschrumpft, rechte suspekt. Im Wochenbett bald intensive
klinische Behandlung mit K u h n scher Maske. Allmähliche Besserung
von Beschwerden und Aussehen. Zur Zeit der Nachuntersuchung
Wohlbefinden, steigende Gewichtszunahme. Tuberkulöse Erkrankung
auf die linke Spitze beschränkt.
3. Frau K., 31 jährige V. Para. Erst mit Beginn der letzten Gra¬
vidität Einsetzen der Lungenbeschwerden. Beide Spitzen erkrankt,
rechts mehr als links. Nach dem künstlichen Abort im 3. Monat
— wegen rascher Zunahme der Erscheinungen — Besserung. Nach
7 Wochen nur noch ab und zu Husten, kaum Nachtschweisse, Wohl¬
befinden. Auf beiden Spitzen der gleiche Befund.
4. Frau E., 25 jährige III. Para. In den früheren Schwangerschaf¬
ten keine Beschwerden, in der letzten gleich von Anfang an. Rasch
steigende Zunahme von Atemnot und Husten, besonders in den letz¬
ten 6 Wochen. Schlechtes Aussehen, beide Spitzen erkrankt. Total¬
exstirpation in Lumbalanästhesie im 3. Monat. Nach geringer Ver¬
schlechterung des Allgemeinzustandes bald rasch zunehmende Besse¬
rung, trotz recht ungünstiger häuslicher Verhältnisse und geringer
Pflege. Bei der Nachuntersuchung im allgemeinen Wohlbefinden.
Prozess auf beiden Seiten entschieden zurückgegangen, besonders
links.
5. Frau M., 23 jährige V. Para. Seit 16 Jahren lungenkrank. In
den ersten 3 Graviditäten mässige Zunahme der Beschwerden, im
Wochenbett dann jedesmal Besserung. 4. Gravidität unterbrochen.
In der letzten von vorneherein heftigeres Einsetzen von Husten und
Atemnot. Erheblicher allgemeiner Verfall. Totalexstirpation in Lum¬
balanästhesie. Erkrankung der linken Spitze. Bei leidlich guter
Pflege erholt sich die Frau rasch wieder. Nach 8 Wochen gutes Aus¬
sehen, Wohlbefinden, weder Husten noch Stiche. In der linken Spitze
nur noch geringer tuberkulöser Befund.
In der dritten Gruppe finden sich 6 Fälle: Bei ihnen konnte
ebenso wie bei den vorigen eine erhebliche Verschlechterung
des Allgeminbefindens in der Gravidität festgestellt werden.
Von diesen 6 Frauen sind 4 innerhalb der ersten 10 Monate
nach der Entbindung gestorben, und nur von einer der beiden
anderen kann jetzt nach Jahresfrist gesagt werden, dass sie
sich vielleicht noch wieder erholen wird, während bei der
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anderen auch nach den verflossenen V* Jahren der Kräfte¬
verfall und der Krankheitsprozess in den Lungen langsam
aber stetig fortschreitet. Bei der Nachuntersuchung ist die
Ophthalmoreaktion in allen diesen Fällen negativ ausgefallen.
Nur bei einer Pat. konnte sie nicht mehr angestellt werden, da
der Tod hier schon 6 Wochen nach der Entbindung eingetreten
war. Nur von diesem Falle liegt kein Sektionsprotokoll vor,
nach allem was aber in Erfahrung zu bringen war, ist das
Mädchen an der früher festgestellten Tuberkulose gestorben.
Die Todesursache der 3 anderen — Tuberkulose — konnte in
der Charitee durch Sektion bestätigt werden. Aus den nach¬
folgenden Protokollen sei hier nur hervorgehoben, dass zur
Zeit der ersten Untersuchung es sich durchweg um Spitzen¬
erkrankungen gehandelt hat. Von diesen 6 Frauen sind 2 am
Ende der Schwangerschaft spontan niedergekommen, bei den
anderen ist die Unterbrechung der Gravidität im 3. und 4. Monat
mit Erhaltung des Uterus ausgeführt worden. Zu einer Total¬
exstirpation wollte sich keine Frau bewegen lassen.
Für diese 6 Fälle kommen folgende Angaben in Betracht:
1. Frau M., 21 jährige I. Para. Grav. Mens. III. Bisher an¬
geblich stets gesund. Seit 14 Tagen zunehmende Atemnot und Husten,
wenig Auswurf. Rechte Spitze erkrankt. Künstlicher Abort. Im
Puerperium weitere Zunahme der Beschwerden und des Verfalles.
Zur Zeit der Nachuntersuchung war noch keine Besserung oder ein
Stillstand des Prozesses in den Lungen eingetreten. Erst nach einem
halben Jahre, nach ausgiebiger Benutzung der Kuhn sehen Maske,
geringe Besserung. Jetzt nach Jahresfrist lässt sich vielleicht von
einer beginnenden Genesung reden.
2. Frau H., 42 jährige VI. Para. Seit 3 Jahren lungenkrank und
in Behandlung. Erstes Auftreten der Erscheinungen nach der 4. Ge¬
burt. 5. Schwangerschaft wegen Tuberkulose unterbrochen. In der
letzten von Anfang an erhebliche Zunahme der Erscheinungen. Trotz
Unterbrechung derselben ist der Prozess in den Lungen und der all¬
gemeine Verfall jetzt nach % Jahren noch im Fortschreiten begriffen.
3. M. N., 19 jährige I. Para. Bis zum Beginn der Gravidität ge¬
sund gewesen. Im 2. Monat Beginn von Husten und Nachtschweissen.
Unterbrechung der Gravidität im 3. Monat wegen zunehmender Be¬
schwerden. 6 Wochen später nach Bericht an Tuberkulose ge¬
storben. Sektion nicht gemacht.
4. Frau K., 32 jährige IV. Para. Bis zur ersten Gravidität gesund.
In den folgenden stets gegen Ende Zunahme der tuberkulösen Er¬
scheinungen. Besserung im Puerperium. Letzte Schwangerschaft im
4. Monat unterbrochen. Im Puerperium fortschreitende Verschlech¬
terung. Exitus nach 4 Monaten. Durch Sektion bestätigte Todes¬
ursache: Tuberkulose.
5. Frau Z., 39 jährige XII. Para. Beginn der Erkrankung kann
nicht genau angegeben werden. In den letzten Graviditäten geringe
Zunahme von Husten und Atemnot. Im Puerperium aber stets wieder
Besserung. Gegen Ende der letzten rasch zunehmender Verfall, der
nach der spontanen Geburt unaufhaltsam fortschreitet und nach
3 Monaten zum Tode führt. Todesursache durch Sektion bestätigt:
Tuberkulose. Zur Zeit der Geburt konnte nur eine Erkrankung der
rechten Spitze erkannt werden.
6. Frau V., 31 jährige VII. Para. Bisher stets gesund gewesen.
Erstes Auftreten der Lungenerkrankung im 9. Monat der letzten Gra¬
vidität. Bis gegen Ende rasch zunehmende Verschlechterung. Zur
Zeit der Entbindung rechter Oberlappen erkrankt. Spontane Geburt
Allmähliches Uebergehen der Tuberkulose auf die linke Seite und
Kehlkopf. Exitus nach 10 Monaten. Sektionsbefund: Tuberkulose.
Ist es gestattet auf Grund der 27 Beobachtungen einen
Schluss zu ziehen auf den prognostischen Wert der Ophthalmo¬
reaktion bei sicher tuberkulösen Schwangeren und Wöchner¬
innen, so darf wohl folgendes gesagt werden: Der positive Aus¬
fall der Reaktion ist als ein günstiges Zeichen aufzufassen. Für
diese Fälle nehme ich an, dass das Rotwerden der Konjunktiva
als ein Zeichen dafür anzusehen ist, dass im Körper noch ge¬
nügend Immumstoffe, oder wie man es sonst bezeichnen will,
vorhanden sind, die ihn gegen den zweifellos bestehenden
schädlichen Einfluss der Gravidität schützen. In diesen Fällen
ist es nicht unbedingt notwendig, die Schwangerschaft zu unter¬
brechen. Der negative Ausfall ist prognostisch ungünstig.
Hier fehlen die vorhin angenommenen Schutzstoffe, der lokale
Prozess mit den begleitenden Erscheinungen*: Husten, Atem¬
not und Verfall nehmen rasch zu. Nach beendeter Schwanger¬
schaft kann eine Genesung eintreten und deshalb kann eine
rechtzeitige Unterbrechung auch noch vor weiterem Verfall
schützen; sicher zu rechnen ist, wie die mitgeteilten Fälle
zeigen, aber keineswegs auf den Erfolg. Jedenfalls darf der
Satz wohl aufgestellt w r erden, dass bei negativem Ausfall der
Original from
UNIVERSUM OF CALIFORNIA
19. Januar 1900.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
123
Reaktion mit der Unterbrechung der Schwangerschaft nicht
gewartet werden darf. So weit die Erfahrungen reichen, hat
die Totalexstirpation noch keinen negativen Erfolg gehabt; es
ist das besonders bezüglich der zweiten Patientin in der
zweiten Qruppe hervorzuheben; weitere Beobachtungen
müssen abgewartet werden. Die Ueberlegung aber, dass bei
diesen Frauen nach dem relativ geringen Eingriffe in Lumbal¬
anästhesie das Puerperium mit seinem zweifellos schädigenden
Einflüsse auf die Lungentuberkulose fortfällt, die Sicherheit,
dass durch eine erneute Gravidität die Tuberkulose nicht
wieder aufflackern kann und dann* die Erfahrungen, die bei
kastrierten Frauen bezüglich der Kräftebilanz des Organismus
gemacht sind, müssen der Totalexstirpation auch jetzt schon
die Berechtigung verschaffen.
Die Disposition der Lungenspitzen zur tuberkulösen
Phthise und das Lokalisationsgesetz des ersten tuber¬
kulösen Lungenherdes*).
Von Dr. Carl Hart, Prosektor am Auguste-Viktoria-
Krankenhaus, Schöneberg-Berlin.
M. H.! Der Kampf gegen» die mörderische Volkskrankheit,
welcher hier so viele hervorragende Männer fast aus aller
Herren Länder zu gemeinsamer Beratung geeigneter Mass¬
nahmen» zusammengeführt hat, muss ein» sehr umfassender
sein. Es gilt nicht allein, den Tuberkelbazillus an der Ver¬
breitung und Vermehrung, an der Invasion immer neuer
Menschen zu hindern, sondern unser Augenmerk hat sich auch
speziell in Hinsicht auf die Tuberkulose nach den allgemein
gültigen Gesetzen einer wirksamen Hygiene darauf zu richten,
kräftige, gesunde und widerstandsfähige Menschen heran¬
zuziehen. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass der Ausbruch
einer progredienten tuberkulösen Lungenphthise, welche ja die
häufigste und für die Verbreitung des tuberkulösen Virus ge¬
fährlichste Form der tuberkulösen Erkrankung des Menschen
darstellt, nicht allein von der Infektion, sondern auch von der
individuellen Disposition abhängig ist. Die uralte Streitfrage
über die Bedeutung der Disposition dürfte ja jetzt, nachdem
wir gelernt haben, an Stelle der alten vagen und mystischen
Begriffe sehr reale anatomische, chemische, funktionelle, über¬
haupt biologische Tatsachen zu setzen, im allgemeinen gelöst
sein, aber viel, sehr viel Einzelarbeit wird noch nötig sein, wollen
wir in exakt wissenschaftlicher Weise die Mannigfaltigkeit der
tuberkulösen Erkrankung — soweit die stets variable Dis¬
position des Individuums in Betracht kommt — verstehen und
erklären lernen.
Das Studium aller Momente, welche als disponierende zu
betrachten und in Gemeinschaft mit der Invasion des Tuberkel-
bazillus als Ursache der tuberkulösen Lungenphthise zu be¬
zeichnen sind, kann kein müssiges sein. Denn, um an ein Wort
Birch-Hirschfeldszu erinnern, „jeder Fortschritt in der
Erkenntnis der Faktoren, die das Zustandekommen und den
Verlauf der tuberkulösen Lungenschwindsucht wesentlich be¬
einflussen, muss für die Bekämpfung der verbreiteten Volks¬
krankheit Gewinn bringen, weil dadurch die kritische Fest¬
stellung der Wirksamkeit von Schutz- und Angriffsmitteln
gegen Verbreitung, Festsetzung und Fortentwicklung der
tuberkulösen Infektion erleichtert wird“.
Die tuberkulöse Lungenphthise zeigt in ihren initialen
Stadien eine derart charakteristische Lokalisation, von diesem
Typ abweichende Lokalisationsformen sind so auffallend, end¬
lich ist der Unterschied in erster Lokalisation und in Form der
tuberkulösen Lungenerkrankung bei Kindern und Erwachsenen
ein so bemerkenswerter, dass es nahe genug liegt, um ein
kurzes Wort zu gebrauchen, das Lokalisationsgesetz des ersten
tuberkulösen Erkrankungsherdes der Lungen zu studieren. Die
Hoffnung, dass sich aus solchen Forschungen sichere Schlüsse
bezüglich der Bedeutung einer individuellen Disposition er¬
geben werden, wird sich am Schlüsse dieser Ausführungen, wie
ich hoffe, in schönster Weise erfüllt zeigen.
•) Vortrag, gehalten auf dem VI. internationalen Tuberkulose¬
kongress in Washington am 29. IX. 08.
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Da durch eine ganze Anzahl sorgfältigster Untersuchungen
festgestellt worden ist, dass die Mehrzahl der Menschen vor,
allem in den grossen Städten und Industriezentren tuberkulös
infiziert wird, aber nur ein relativ kleiner Prozentsatz an einer
progredienten Lungenphthise erkrankt und stirbt, so erscheint
die Annahme einer individuellen Disposition, will man nicht in
der Virulenz des Tuberkelbazillus allein die Erklärung suchen,
geradezu als ein Postulat. Betrachtungen und Untersuchungen
über die respiratorische Tätigkeit der Lungenspitzen allein,
ihre Blut- und Lymphversorgung, den Bau ihrer Bronchien
führen aber nicht zum Ziele, denn es ergeben sich nur allge¬
meine, für alle Menschen in gleicher Weise zutreffende Ver¬
hältnisse, welche das individuell so ausgesprochen variable
Verhalten gegenüber der tuberkulösen Infektion nicht erklären.
Nur eine Lehre, welche vor nunmehr zwei Menschenaltern
W. A. Freund mit wahrhaft genialem Blick begründete,
wird dem Lokalisationsgesetz der tuberkulösen Lungenphthise
gerecht und hat sich für einen weiteren- Ausbau als überaus
fruchtbar erwiesen. Auf dem Boden der noch heute gültigen
Feststellungen Freunds stehend, konnte ich eine präzise
Lehre von der mechanischen Disposition der Lungenspitze
zur tuberkulösen Phthise aufstellen und neuerdings in Gemein¬
schaft mit Harrass den Versuch machen, das schwierige und
vielumstrittene Problem des Thorax phthisicus zu lösen. Das
Fundament aller neueren Untersuchungen ist die F r e u nd sehe
Lehre von der Stenose der obern Thoraxapertur. Diese besagt
etwa folgendes. Bei einer grossen Anzahl jugendlicher, meist
hereditär belasteter Phthisiker findet sich eine einseitige oder
doppelseitige abnorme Kürze der ersten Rippenknorpel. Sie
beruht, da sich ihre ersten Anfänge bis in das früheste Kindes¬
alter hinein verfolgen lassen, auf einer infantilistischen Ent¬
wicklungshemmung, die entweder das Knorpelwachstum
dauernd hemmt, oder zu einem vorzeitigen Stillstand bringt.
Infolge der abnormen Kürze der ersten Rippenknorpel kommt
es zu einer allgemeinen Beengung des kartenherzförmigen-
Aperturringes und des weiteren durch den unausgesetzt wir¬
kenden Reiz der mit grosser Kraft, weil schwer auszuführenden
inspiratorischen Torsion des verkürzten Knorpels zu einer ossi¬
fizierenden Perichondritis, einer scheidenförmigen Verknöche¬
rung, welche schliesslich zur völligen Unbeweglichkeit des
Knorpels und- damit zur totalen Funktionsuntüchtigkeit der
oberen Thoraxapertur führt. Denn da der erste Rippen¬
knorpel fest und ungelenkig mit dem Manubrium sterni ver¬
bunden ist, kann die einzige für die obersten Rippen mögliche
Bewegung, die durch die Achse des Rippenhalses vorge¬
schriebene respiratorische Hebung und Senkung allein mit einer
inspiratorischen Spiraldrehung des Knorpels, deren Spannung
dann auch der Exspiration zugute kommt, von» statten gehen.
Bei der durch abnorme Knorpelktirze bedingten Stenose der
oberen Thoraxapertur muss also das Gewebe der vom ersten
Rippenring umschlossenen Lungenspitzen in doppelter Weise
geschädigt werden, einmal durch den Druck des verengten
Rippenringes und zweitens durch die Funktionshemmung,
welche sich ja ganz gesetzmässig aus der Erstarrung der
Apertur ergeben muss.
Die genauere Analyse dieser Schädigungen haben erst
Untersuchungen der letzten Jahre gebracht, welche zunächst
im wesentlichen die Freund sehe Angabe bestätigen, dann
sie aber auch erweiterten und dem Verständnis näher brachten.
Freund selbst ist noch ein eifriger Arbeiter am Ausbau seiner
Lehre. Meine eigenen, seit Jahren an mehreren hundert
Phthisikerleichen, wie auch an lebenden, phthisisch veranlagten,
nicht erkrankten Personen vorgenommenen Untersuchungen
haben zunächst festgestellt, dass neben der abnormen Kürze
der ersten Rippenknorpel entweder isoliert oder mit dieser
kombiniert eine rudimentäre Entwickelung der ersten Rippe
selbst vorkommt, die sicher eine primäre, angeborene Anomalie
darstellt. Die Apertur muss natürlich infolge dieser Anomalien
mehr oder weniger stenosiert werden. Allein diese Steno-
sierung der oberen Thoraxapertur ist für gewöhnlich keine
allgemeine, sondern, sei es nun, dass die Rippe direkt verbildet
ist, sei es, dass gewisse Anpassungsbestrebungen zu einer
Streckung ihrer Gestalt führen, es kommt zu einer Formver-
2 *
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
tu
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
änderung der Apertur, die aus der querovalen in eine mehr
gradovale, in jeder Hinsicht an die phylogenetisch tiefstehendc
primäre Aperturform der Säugetiere erinnernde übergeht. Das
bedeutet nichts anderes, als dass infolge einer Streckung der
Rippe, welche ihr einen steil nach vorne gerichteten Verlauf
gibt, die seitlich hinteren paravertebralen Ausbuch¬
tungen der Apertur, in denen die Lungenspitzen sich entfalten
und bewegen, eine räumliche Beengung erfahren. Diese Be¬
engung und Abänderung der oberen Thoraxapertur wird des¬
halb des weiteren noch bedeutungsvoller für das umschlossene
Lungenspitzengewebe, als die stenosierte Apertur, wie schon
Freund festgestellt hat, eine gegen die Norm grössere
Neigung zur horizontalen einnimmt und damit die Spitzenkegel
der Lungen an einer tieferen und daher grösseren Zirkumferenz
umfasst. Dazu kommt in der Tat schliesslich infolge einer früh
sich entwickelnden scheidenförmigen Verknöcherung der
Rippenknorpel eine Erschwerung der respiratorischen Funktion
der Apertur, die in extremen Fällen zur völligen Unbeweglich¬
keit führen kann .
Alle diese Beobachtungen haben inzwischen zahlreiche
Bestätigungen gefunden und der Beweis, dass es sieb bei diesen
Aperturanomalien nicht etwa um Folgen der tuberkulösen
Spitzenphthise, sondern um primär gegebene, der Lungen¬
erkrankung vorausgehende Qrundübel handelt, darf als ein bis
ins einzelne geführter betrachtet werden.
Sind nun diese Anomalien der oberen Thoraxapertur die
Ursache der Spitzenerkrankung, soweit der dispositionelle
Faktor in Betracht kommt? Das ist wohl mit Sicherheit zu
behaupten.
Es ist zunächst ohne weiteres verständlich, dass — eine
zur Körperlänge im proportionalen Verhältnis stehende mittlere
Aperturweite vorausgesetzt — eine Stenose des ersten Rippen¬
ringes zu einer Beengung der Pleurakuppel und damit einer
Behinderung der Lungenspitzenentfaltung führen muss. Die
zuerst von Freund beobachtete, von mir und anderen be¬
stätigte, keineswegs übermässig seltene gleichzeitige Ver¬
kürzung der zweiten Rippenknorpel, meist die Teilerscheinung
eines allgemein verengten Thorax, trägt zur Beengung der
Pleurakuppel ihrerseits bei. Die Entwicklung der Lungen¬
spitzen, welche wir uns als eine vorerst gesunde, dem allge¬
meinen Wachtum kongruente vorstellen dürfen, muss zur Zeit,
wo die anatomischen Schädigungen am ersten Rippen ringe
mehr oder weniger plötzlich manifest werden, sich einem ab¬
soluten Missverhältnis zwischen der ihr innewohnenden Ent¬
faltungstendenz und dem gegebenen Raume gegenüber sehen.
Aber die Beengung der Lungenspitzen bei Stenose der oberen
Thoraxapertur findet in der scharf umschriebenen Einschnürung
durch den ersten Rippenring noch ihren besonderen Ausdruck.
Das sinnenfällige Merkmal ist die von S c h m o r 1 entdeckte
subapikale Lungenfurche, die sich entsprechend der von mir
erkannten Streckung der ersten Rippe und räumlichen Be¬
einträchtigung der seitlich hinteren Aperturausbuchtungen an
der hinteren und seitlichen Fläche des Lungenspitzenkegels
zeigt. Und dieser Druckfurche entsprechend finden wir als
wertvolles gleichwertiges Zeichen der Kompression des
Lungenspitzengewebes im Inneren die von Birch-Hirsch-
f e 1 d beschriebene und späterhin vielfach bestätigte Zusam-
mendrängung, Abknickung, Verkrümmung und Stenosierung
der hinteren subapikalen Spitzenbronchien.
Es ist bezeichnend, dass neben anderen gerade diese beiden
Forscher die erste Lokalisation des tuberkulösen Erkrankungs¬
herdes im Bereich der Druckfurche und der Abknickung der
Bronchialäste als primäre Tuberkulose der Bronchialschleim¬
haut resp. der Bronchialwand fanden. So kurz ich mich auch
fassen muss, will ich doch diese Befunde, welche auf sorg¬
fältigster Durchmusterung eines grossen Sektionsmaterials be¬
ruhen, genetisch erklären. Die mangelhafte Entfaltungsmög¬
lichkeit der Lungenspitzen bedeutet bereits an sich eine Ein¬
busse respiratorischer Kraft, weil das Gewebe anscheinend
in halbkollabiertem Ruhezustand verharrt. Darauf weist der
röntgenographische Befund von Schatten über den Lungen¬
spitzen bei paralytischem Thorax hin, welche bei längeren
systematischen Atemübungen schwinden. Denken wir nun
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No. i.
daran, dass der abnorm kurze Knorpel rigider als der normal
entwickelte ist, dass die damit gegebene Erschwerung der re¬
spiratorischen Bewegung des obersten Rippenringes durch die
frühzeitig einsetzenden Verknöcherungsprozesse weiterhin
selbst bis zur völligen Bewegungsunmöglichkeit gesteigert
werden kann, dass aber bei Individuen mit derartigen Apertur¬
anomalien ganz unbewusst sich eine dauernde Verflachung der
Atmung an der oberen Thoraxpartie einstellt, so vermögen
wir zu ermessen, wie deletär die Aperturstenose wirken muss.
Es wird sich nicht nur nie eine ausgiebige Entfaltung der
Lungenspitzen auch nur vorübergehend ermöglichen, sondern
entsprechend den Untersuchungen Birch-Hirschfelds
wird auch in den Spitzenbronchien eine „tote Rohrstrecke“
entstehen, in welcher die Luft sozusagen stagniert, wo aspi¬
rierte Staubteilchen und Bazillen leicht liegen bleiben und zu
Katarrhen der Schleimhaut Veranlassung geben. Die Ab¬
knickung und Stenosierung des Bronchiallumens muss ganz
notgedrungen dazu beitragen, dass die katarrhalischen Sekret¬
massen liegen bleiben und so den besten Nährboden für Tu¬
berkelbazillen darbieten, welche schliesslich die Bronchialwand
selbst infizieren. Ja, man möchte fast glauben, dass die Um¬
schnürung des Lungenspitzenkegels durch jden starren, funk¬
tionsunfähigen ersten Rippenring die Aspiration infektiösen
Materials direkt begünstigt, indem sie gleichsam zwei Lungen¬
bezirke von verschiedener respiratorischer, ganz besonders
exspiratorischer Kraft gegeneinander abgrenzt. Es kann so
leicht das eintreten, was Orth ohnehin nicht für ausge¬
schlossen hält: bei kräftiger Exspiration der unteren Lungen¬
abschnitte wird die minderwertige Exspirationsluft in die still-
liegenden Spitzenbezirke gedrückt, in welchen sie still steht
und wo sich die in ihr enthaltenen korpuskularen Elemente
bequem absetzen können. Die Erfahrungen, welche ich über
Spitzenanthrakose bei Stenose der oberen Thoraxapertur
sammeln konnte, scheinen deutlich für einen solchen Vorgang
zu sprechen.
Ohne dass ich diese interessanten Ventilationsvorgänge
eingehender besprechen kann, muss aber nun auf die weitere
Tatsache von eminentester Bedeutung hingewiesen werden,dass
auch die Blut- und Lymphzirkulation bei Stenose der oberen
Thoraxapertur im Bereich der Lungenspitzen schwer leiden.
Denn aus bekannten physikalischen Gesetzen ergibt sich, dass
Blut- und Lymphzirkulation in den Lungen von der Ventilation
in hohem Masse abhängig sind, ganz abgesehen davon, dass die
Umschnürung des Spitzengewebes direkt zur Kompression der
dünnwandigen Gefässe führen wird.
So ergibt sich denn die Berechtigung zu folgenden von mir
aufgestellten Sätzen: „Die Stenose und Funktionshemmung
der oberen Thoraxapertur schafft in den Lungenspitzen eine
individuelle Disposition für die aerogene, hämatogene und
lymphogene tuberkulöse Infektion. Es ist nicht nur eine
günstige physikalische Gelegenheit zur Ansiedelung der Tu¬
berkelbazillen gegeben, sondern mit der Schädigung des Ge¬
webes entsteht ein günstiger Nährboden, in welchem die Ba¬
zillen« sich vermehren und ihre verherrende Wirkung entfalten
können.
Der Endausgang des Existenzkampfes zwischen Tuberkel¬
bazillen und Gewebszellen ist in allen Fällen, mag es sich um
eine aerogene, hämatogene oder lymphogene Infektion handeln,
abhängig von der Schädigung des Lungenspitzengewebes. Da
nun die Blutzirkulation, durch welche das Gewebe ernährt
wird, sowohl direkt durch den auf dem Gewebe lastenden
Druck als auch indirekt durch die Beeinträchtigung der Venti¬
lation bei einer Stenose und Funktionsstörung der Apertur ge¬
schädigt ist, bleibt in letzter Hinsicht die Widerstandskraft des
Gewebes und der Endausgang des Kampfes abhängig von den
mechanischen Verhältnissen der oberen Thoraxapertur.“
Bevor wir nun diese Sätze auf Grund der klinischen und
pathologisch-anatomischen Erscheinungsformen der mensch¬
lichen Lungentuberkulose auf ihren Wert prüfen, wollen wir
noch die Genese der Aperturanomalien näher ins Auge fassen.
Sie ist, wie ich gemeinsam mit H a r r a s s feststellen konnte,
eine mehrfache und es erscheint bedeutsam genug, von vorn¬
herein primäre angeborene und sekundäre, während des Lebens
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
\25
erst erworbene Aperturanomalien, welche im wesentlichen
einer Stenosierung gleichkommen, zu trennen. Zunächst be¬
steht nach wie vor für viele Fälle die alte F r e u n d sehe Auf¬
fassung zu Recht, dass es sich um infantilistische Hemmungs¬
bildungen handelt, welche das Stehenbleiben der Apertur auf
einer frühen Entwicklungsstufe meist in Qestalt der phyletisch
tiefer stehenden längsovajen Aperturform erklären. Es ist
die geringe Entwicklungskraft an ersten Rippen und, Rippen¬
knorpeln nicht nur mehrfach bis in das früheste Kindesalter
hinein zurückverfolgt worden, sondern es weist auch die
häufige Koinzidenz mit anderen in gleichem Sinne zu deutenden
Organzuständen, von denen vielleicht die Hypoplasie des
Herzens und arteriellen Qefässystems am wichtigsten ist, deut¬
lich darauf hin, dass die Aperturstenose vielfach nichts anderes
ist, als der Ausdruck einer minderwertigen Allgemeinkon¬
stitution, welche dem Individuum eine geringe Widerstands¬
kraft im Kampfe des Daseins verleiht. Diese Entwicklungs¬
anomalien müssen als den Gesetzen der Vererbung unterworfen
angesehen werden, obwohl wir in letzter Hinsicht noch nicht
klar die Relationen zwischen Keimzelle und oberen Thorax¬
apertur zu erkennen vermögen, und ausser Stande sind anzu¬
geben, ob primäre Keim- oder Somavariation vorliegt. Ich
möchte aber hervorheben, dass aller Wahrscheinlichkeit nach
diese Heredität keine streng spezifische ist in dem Sinne, dass
sie allein auf tuberkulöser Verseuchung der Aszendenz beruhe,
sondern dass überhaupt jede schwere Schädigung der Keim¬
substanzen, wie sie neben der allerdings in erster Linie stehen¬
den Tuberkulose weiterhin auch Syphilis, chronischer Alko¬
holismus und andere Noxen hervorrufen können, entwicklungs¬
hemmend auf die Nachkommenschaft wirken. Dass bei sorg¬
fältigen Untersuchungen aus dem Bilde des psychisch¬
physischen Iilfantilismus sich gewisse Anomalien der oberen
Thoraxapertur so bedeutsam herausheben, ist vielleicht darauf
zurückzuführen, dass gerade die jetzige Gestalt der oberen
Apertur eine junge phyletische Akquisition als Folge des auf¬
rechten Ganges und freien Gebrauches der Arme ist, welche
noch keineswegs ein absolut fester Besitzstand des artfesten«
Menschen geworden zu sein scheint.
Nun müssen wir uns nur noch einer überaus wichtigen
Tatsache bewusst bleiben. Die abnorme Kürze der ersten
Rippen und ihrer Knorpel ist nicht in strengem Sinne eine an¬
geborene, sondern angeboren ist nur die Konstitutionseigen¬
tümlichkeit, die Krankheitsanlage, die nicht schon zur Zeit der
Geburt notgedrungen vorhanden sein muss, vielmehr fast aus¬
schliesslich erst im Laufe der Entwicklung, namentlich zur
Zeit der Reife in Erscheinung tritt und durch das Missver¬
hältnis der anatomischen 1 Korrelationen ihre deletäre Bedeutung
erlangt. Die Bedeutung dieser sicheren Feststellung wird so¬
gleich erhellen.
Wie nun meine neuen mit H a r r a s s ausgeführten um¬
fangreichen Untersuchungen, welche darauf gerichtet waren,
eine präzise Definition des echten Thorax phthisicus zu schaffen,
ergeben haben, gibt es neben den primären Aperturstenosen
nicht minder häufig während des Lebens erst erworbene. Wir
sprechen kurz von der skoliotischen Aperturasymmetrie und
Aperturstenose, welche auf einer primären Skoliose der oberen
Brust- und Halswirbelsäule beruhen und sich als statisch-funk¬
tionelle Anpassungen an eine primär erworbene Anomalie der
Wirbelsäule charakterisieren. An diesen sekundären Apertur¬
anomalien sind neben der Asymmetrie gleichfalls Rippen- und
Knorpelkürze, Streckung der Rippe, Beeinträchtigung der seit¬
lich-hinteren Aperturausbuchtungen die hervorstechendsten und
für ihre pathogenetische Bedeutung massgebenden Merkmale.
Im einzelnen kann ich nähere Ausführungen nicht machen, weil
das viel zu weit führen würde, so beschränke ich mich denn
darauf, hervorzuheben, dass diese sekundären Aperturano¬
malien, die gleichfalls während der Entwicklung und nament¬
lich gegen die Zeit der Reife zur Ausprägung kommen, deshalb
so beachtenswert sind, weil wir in letzter Linie ihre Aetiologie
in der Rachitis und vor allem in den Schädigungen während der
Schulzeit zu suchen haben. Das wird jedem ohne weiteres
klar sein, der die Genese der habituellen Skoliose kennt.
Wenden wir nun unsere Lehre von der Stenose der oberen
Thoraxapertur auf die Erscheinungsformen der tuberkulösen
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Lungenerkrankungen an! Da haben wir zunächst als fest¬
stehende Tatsache vor uns, dass gerade zu der Zeit der Reife
und in den folgenden Jahren, also zur Blütezeit des Lebens
die tuberkulöse Lungenphthise besonders hereditär belastete
Individuen befällt und in verheerender Weise jedes neu heran-
wachsende Geschlecht dezimiert. Liegt es nicht nahe genug,
die hinlänglich bekannte fast sprungweise Steigerung der tuber¬
kulösen Erkrankungsziffer gegen Ende des zweiten und
während des ganzen dritten Lebensjahrzehntes mit den um
diese Zeit zu absolutem anatomischen und funktionellen Miss¬
verhältnis führenden Aperturanomalien in Zusammenhang zu
bringen ? Welcher Art dieser allein sein kann, haben wir gehört,
und. die Untersuchung eines grossen Leichenmateriales lehrt,
dass, wenn nur eine genügend starke Infektion eintritt, durch
die tuberkulöse Lungenphthise alle Träger stenotischer Aper¬
turen ausgemerzt werden in scharfer, leider für die Ver¬
besserung der Menschenrasse kaum in Betracht kommender
Auslese. Nur selten finden sich bei alten Individuen typische
Aperturstenosen.
Finden wir für diese Anschauung eine Stütze schon in dem
ausgesprochen individuellen Charakter der disponierenden
Konstitutionseigentümlichkeit, da ja immerhin trotz fast all¬
gemein gegebener Infektion ein nur kleiner Prozentsatz der
Infizierten erkrankt und stirbt, so werden wir des weiteren
bestärkt, um nicht zu sagen gewiss in unserer Ansicht, wenn
wir die Lokalisation des primären tuberkulösen Lungenherdes
namentlich auch in Hinsicht auf das Lebensalter des Indi¬
viduums ins Auge fassen. Beim Erwachsenen beginnt die
progrediente Lungenphthise fast ausnahmslos in der Spitze und
wir glauben ja auch dieses Lokalisationsgesetz erklären zu
können. Liegt aber keine Aperturanomalie vor, sondern ein
anderes disponierendes Moment, ein Trauma, Diabetes z. B.,
so ist auch der Sitz des primären tuberkulösen Lungenherdes
ein durchaus atypischer. Gerade das merkwürdige anatomische
Verhalten der Lungentuberkulose bei Diabetes, auf welches bis¬
her nur v. Hansemann und ich hingewiesen haben, ist über¬
aus lehrreich. Ein Individuum mit stenosierter oder starrer
Apertur wird natürlich auch bei Diabetes eine typische Spitzen¬
phthise akquirieren.
Als weiteres überaus wichtiges Argument für die .Lehre
der mechanischen Disposition der Lungenspitzen zur tuber¬
kulösen Phthise kommt nun der allgemein bekannte Unter¬
schied der tuberkulösen Lungenerkrankung bei Erwachsenen
und bei Kindern hinzu. Beim Kinde finden sie keine initiale
Spitzenphthise, vielmehr vorwiegend eine Erkrankung vom
Hilus aus, in den mittleren Lungenabschnitten. Hierfür eine
in jeder Hinsicht genügende Erklärung zu geben unbeschadet
der Entscheidung, ob aerogene, hämatogene oder lymphogene
Infektion vorliegt, ist, wie ich glaube, mir allein bisher auf
Grund meiner Lehre gelungen. Beim Kinde existiert die Dis¬
position zur tuberkulösen Spitzenerkrankung noch nicht. Aus
mehrerenGründen: Die Natur der disponierenden Apertur¬
anomalien bedingt es, dass in frühen Lebensjahren die ana¬
tomischen Missverhältnisse keine auffallenden sein können,
sondern erst zur Pubertätszeit, wenn alle Körperteile der end¬
gültigen Vollendung entgegengehen, manifest werden. Dies
gilt in erster Linie für die angeborenen Bildungsfehler, während
es für die sekundären Anomalien ja überhaupt keines Hinweises
bedarf, dass sie im ersten Lebensdezennium kaum in Frage
kommen. Wichtiger ist aber die Feststellung, dass schon des¬
halb im Kindesalter Aperturanomalien keine Bedeutung für die
Genese einer tuberkulösen Spitzenphthise haben können, weil
die Lungenspitzen beim Kinde überhaupt noch nicht in räum¬
liche Beziehung zum ersten Rippenring getreten sind, dessen
funktioneile Bedeutung ausserdem noch durch die Elastizität
des kindlichen Brustkorbes zurückgedrängt ist. Die Apertur
zeigt beim Kinde noch nicht die starke Neigung gegen die
Horizontale wie beim Erwachsenen, vor allem aber sind die
Lungenspitzen noch nicht im Wachstum nach oben in den
ersten Rippenring hineingeschoben worden. Von diesen topo¬
graphischen Verhältnissen kann sich ein jeder überzeugen, der
die schön geformten hohen Pleurakuppeln am Thorax des Er¬
wachsenen mit der flachen, fast planen, des kindlichen Brust¬
korbes vergleicht. Mit einem Wort: Das Fehlen einer typischen,
Original fro-m
UNIVERSUM OF CALIFORNIA
126
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
initialen Spitzenphthise beim Kinde erklärt sich, steht man auf
dem Boden der Lehre einer mechanischen Disposition der
Lungenspitzen zur tuberkulösen Phthise, in jeder Hinsicht aus
der Natur der disponierenden Faktoren und- den topographischen
Verhältnissen im Bereich der oberen Brustpartie. Eine funk¬
tionelle Störung kommt gar nicht in Betracht angesichts des
vorwiegend auf der Thoraxelastizität basierenden kindlichen
Atmungstypus. Dass bei Kompression der Lungenspitzen so¬
fort eine Disposition zur tuberkulösen Spitzenphthise auch
beim Kinde eintritt, Hess ich durch meinen Schüler Kitamura
zeigen. Ein anomaler Verlauf der Arteria anonyma führte zur
Furchenbildung, in deren' Bereich eine Spitzentuberkulose in
frühem Stadium festgestellt werden konnte. Wie hier so sind
überhaupt zufällige Befunde bei den an interkurrenten Krank¬
heiten und Unglücksfällen Verstorbenen besonders hoch zu ver¬
anschlagen, denn sie zeigen uns, was im weiteren Verlauf
der Lungenzerstörung bis zur völligen Unkenntlichkeit ver¬
wischt wird.
Endlich noch eine Tatsache zur Stütze der vorgetragenen
Lehre. Statistik wie persönliche Erfahrung lehren, dass im
höheren Alter die Erkrankungsziffer an Tuberkulose gegen die
mittleren Lebensjahrzehnte (40—60) wieder zunimmt. Die
Stenose der Apertur kommt ätiologisch jetzt kaum noch in
Frage, wohl aber führt die immer mehr zunehmende Starrheit
und Verknöcherung der Rippenknorpel, welche im Gegen¬
satz zur scheidenförmigen Verknöcherung als reine Alters¬
erscheinung aufzufassen ist, immer mehr zur völligen Un¬
beweglichkeit des Rippenringes, welche Ihren Ausdruck
sogar in einer Verödung der Wirbelrippenverbindungen
finden kann. Im Gegensatz zur progredienten ulzerösen
tuberkulösen Lungeuphthise junger Individuen sehen wir
im Alter mehr die chronisch-fibröse Form, welche sich zu
erklären scheint aus der verhältnismässig geringgradigen
Schädigung und ihrem langsamen Eintreten. Ja, was wir
in den Lungenspitzen Jugendlicher nur selten sehen,
wir finden überaus oft auch bei noch progredienter Tuber¬
kulose ausgeheilte Herde oder solche, welche einer Ausheilung
nahe sind. Die Natur zeigt sich hier als Lehrmeisterin für
unsere therapeutischen Bestrebungen. Es kann sich nämlich
am verknöcherten ersten Rippenknorpel ein Gelenk ausbilden,
welches, wie schon Freund feststellte, bis zu vollkommener
Vollendung gedeihen kann. Eine solche Gelenkbildung an dem
sonst fest mit dem Sternum verbundenen ersten Rippenknorpel,
welche ursprünglich nichts anderes als eine unter der ange¬
strengten Aktion der Skaleni zustande gekommene einfache
Durchtrennung eines noch brüchigen, unvollständig ver¬
knöcherten Knorpels darstellt, ist nicht selten. Ihre häufige
Koinzidenz mit ausgeheilten tuberkulösen Spitzenherden lehrt,
dass die Immobilisierung des Rippenringes die Genese der
tuberkulösen Spitzenerkrankung zum mindesten begünstigt
haben muss. So dürfen wir aus der absoluten Zweckmässig¬
keit der Naturselbsthilfe rückschliessen.
Mit diesen leider nur skizzierenden Ausführungen muss
ich mich begnügen, aber ich hoffe, dass auch aus dieser kurzen
Mitteilung die Beideutung mechanischer Missverhältnisse im
Bereiche der oberen Thoraxapertur für die Genese einer tuber¬
kulösen Lungenspitzenphthise klar hervorgegangen ist. Zu¬
gleich aber sei noch betont, dass die Anomalien der oberen
Thoraxapertur das anatomische, jederzeit sicherer empirischer
Feststellung zugängliche Grundmoment darstellen, nach wel¬
chem wir den echten Thorax phthisicus zu bewerten haben.
Meine diesbezüglichen, gemeinsam mit H a r r a s s nieder¬
gelegten Feststellungen zeigen, dass unter diesem Gesichts¬
punkte auch die heiss umstrittene Frage nach Wesen und Be¬
deutung des Thorax phthisicus einer einheitlichen Lösung ent¬
gegen geht. Wie aber das Studium des Dispositionsproblems,
speziell gewisser Anomalien im Bereich der oberen Thorax¬
apertur uns tiefen Einblick in ein Gebiet der menschlichen
Pathologie von allergrösster sozialer Bedeutung gestattet, er¬
öffnet es uns andererseits lichtvolle Ausblicke hinsichtlich der
Prophylaxe und Therapie der mörderischen Volkskrankheit
„Tuberkulose“. Es gilt, seitdem es gelang, an Stelle vager
Begriffe reale anatomische, funktionelle und chemische Tat-
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Sachen zu setzen, neben dem Kampf gegen den Tuberkelbazillus
energisch auch gegen die nicht weniger bedeutsame Disposition
aufzunehmen. Wie schon Freund vor 60 Jahren ausführte,
zeigt uns die Natur selbst den Weg. In gewissen Fällen von
tuberkulöser Spitzenphthise geringer Ausbreitung ist die opera¬
tive Durchtrennung der starren ersten Rippenknorpel zu for¬
dern. Doch liegt es nahe, von dieser Operation, welche ein
gutes funktionelles, selten aber ein anatomisches Resultat haben
wird, nicht allzu viel zu erwarten und sie besonders auf die
Altersverknöcherung des ersten Rippenknorpels anzuwenden.
In Deutschland haben Kausch und Seidel anscheinend mit
gutem Erfolge in jüngster Zeit die Operation ausgeführt. Allein
weit wichtiger scheint es, prophylaktische Massnahmen zu er¬
greifen, um den Ausbruch eines Feuers zu verhindern, das
später schwer zu löschen ist. Hier ruft die Pflicht Eltern,
Lehrer und sozialhygienischen Gesetzgeber auf den Plan.
Neben der ständigen Besserung allgemeiner Hygiene steht die
Bekämpfung der Syphilis und des chronischen Alkoholismus
obenan. Dem Kinde, namentlich dem schwächlichen, ist
dauernde Aufmerksamkeit zu widmen, die Dehnung und Kräfti¬
gung der Brust durch systematische Atemübungen und plan¬
vollen Turnunterricht zu fördern, in der Schule für eine ge¬
sunde und zweckmässige Sitzgelegenheit zu sorgen und die
Ausbildung einer Skoliose der obersten Brustwirbelsäule in
jeder Weise, event. durch Einführung der Steilschrift zu ver¬
hindern. Die schulentlassene Jugend ist möglichst durch obli¬
gatorische Turn- und Freiübungen auch ferner in ihrer körper¬
lichen Entwicklung zu fördern. Das sind so die Grundgedanken
der prophylaktischen Massnahmen, sie auszubauen, muss unser
Bestreben sein, denn die Verhinderung der Ausbildung patho¬
logischer Thoraxformen ist die beste Unterstützung im Kampie
gegen den Tuberkelbazillus selbst, dessen Ansiedlung, An¬
reicherung und Verbreitung sie verhindert.
Ueber den Nachweis des Hämoglobins und seiner Derivate
durch Hämochromogenkristalle und den im violetten oder
ultravioletten Teile des Spektrums dieser Farbstofffe
gelegenen Absorptionsstreifen*).
Von Prof. Dr. K. B ü r k e r in Tübingen.
Um den Nachweis von Hämoglobin und seinen Derivaten
zu führen, hat man sich bisher auch immer bemüht, aus dem zu
untersuchenden Materiale Hämin kristalle darzustellen.
Man verfährt dabei am besten so, dass man zu einem auf
einen Objektträger gebrachten Körnchen trockener oder ge¬
trockneter Substanz eine Spur Kochsalz (Hämoglobin bean¬
sprucht nur ca. 0,3 Proz. Kochsalz) zusetzt, mit dem abge¬
rundeten Ende eines Glasstabes die Substanz samt Kochsalz
zerreibt und mischt, einen Tropfen Eisessig zufügt und rasch,
bevor der Eisessig zerfliesst, mit einem Deckglas bedeckt
Den etwa unter dem Deckglas noch freigebliebenen Raum füllt
man miit Eisessig auf. Dann erwärmt man den Objektträger
über einer Flamme, bis der Eisessig Blasen wirft, ersetzt den
verdunsteten Eisessig durch neuen und sucht nun unter dem
Mikroskope erst bei schwacher, dann bei stärkerer Vergrösse-
rung nach den rhombischen hell- bis dunkelbraunen Hämin¬
kristallen.
Bisher hat man nur einen Farbstoff finden können, der,
in derselben Weise behandelt, ähnliche Kristalle liefert,
nämlich Murexid, das purpursaure Ammon CsHsNsO«*), das
beim Nachweis der Harnsäure mit Salpetersäure eine Rolle
spielt. Während aber Murexid beim Kochen mit Eisessig eine
rosarote Farbe zeigt, wird Blut resp. Hämoglobin dabei
schmutzig braun, während ferner die Murexidkristalle sich in
Wasser mit purpurroter Farbe, in-Salzsäure farblos, in Kalilauge
mit blauer Farbe lösen, sind die Häminkristalle in Wasser- und
Salzsäure unlöslich, in Kalilauge mit grünlichbrauner Farbe
löslich.
*) Nach einem im Tübinger medizinisch-naturwissenschaftlichen
Vereine am 23. November 1908 gehaltenen Vortrag.
4 ) Siehe L. Büchner und G. Simon: Untersuchungen über
Häminkristalle und ihre gerichtlich-medizinische Bedeutung. Vir-
chows Archiv für pathologische Anatomie etc., Bd. 15, S. 63, 185&
Original from
UNIVERSITtf OF CALIFORNIA
19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
127
Zur weiteren Charakterisierung der Hä¬
minkristalle kann die Winkelmessung und ihr
optisches Verhalten dienen. Gut ausgebildete Kri¬
stalle zeigen stumpfe Winkel von 120 und spitze Winkel von
60 °. Häufig ist die Messung aber dadurch erschwert, dass die
stumpfen Winkel abgerundet sind, wodurch die sogen. Para¬
graphenform entsteht, und dass die kurzen Kanten nicht scharf
und geradlinig sind, sondern wie angefressen aussehen.
In solchen Fällen bringt man» die Kristalle auf den Objekttisch
eines Polarisationsmikroskopes zwischen gekreuzte Nikols und
dreht den Tisch um 360°, wobei die Kristalle viermal hell und
viermal dunkel werden müssen, sie sind also d o p p e 1 -
brechend. Diese Eigenschaft teilen sie aber mit noch
vielen anderen Kristallen; was sie aber bestimmter optisch
charakterisiert, ist ihr P1 e o c h r o i s m u s, das heisst, sie
zeigen bei bestimmter Orientierung gegenüber polarisiertem
Licht bestimmte Farbenerscheinungen 2 ): Legt man die Kri¬
stalle nämlich wieder auf den Objekttisch des Polarisations¬
mikroskopes, benutzt aber nur den unteren Nikol, den Polari¬
sator, nicht den oberen, den Analysator, und dreht den Tisch
samt Kristallen wieder um 360°, so erscheinen die Kristalle
zweimal heller und zweimal dunkler gefärbt und zwar sehen
sie dunkelbraunschwarz aus, wenn die Schwingungsrichtung,
mit welcher das polarisierte Licht aus dem unteren Nikol aus-
tritt, mit der längeren Diagnonale des HäminkristaHes zu-
sammenifällt, hellgelbbraun dagegen bei senkrechter Stellung
dazu; es rührt dies eben daher, dass der in der Richtung der
längeren Diagonale schwingende Lichtstrahl stärker absorbiert
wird, als der senkrecht dazu schwingende.
Nicht immer aber steht ein Goniometer oder ein Polari¬
sationsmikroskop zur Verfügung. In solchen Fällen kann man
versuchen, zum Nachweis von Blut resp. Hämoglobin Hämin¬
kristalle anderer Formin folgender von M. N e n c k i
und J. Z a 1 e s k i 3 ) angegebener und empfohlener Weise dar¬
zustellen. Man versetzt gelöste oder trockene Substanz in
einem Reagenzglas mit einigen Tropfen 5 bis lOproz. Salz¬
säure, fügt 10—20 ccm Azeton hinzu und erwärmt einige
Minuten auf dem Wasserbad zum Kochen. Beim langsamen
Verdunsten der braunrot gefärbten, in ein Uhrglas heiss fil¬
trierten Lösung scheiden sich neben amorphen Massen lange
Kristallnadeln des Hämins einzeln oder in Büscheln zusammen¬
gelegt aus. So sicher wie mit Eisessig und Kochsalz gelingt
aber die Darstellung des Hämins mit Azeton und Salzsäure
nicht.
Man wird es daher dankbar begrüssen, dass sich Blut resp.
Hämoglobin auch noch durch eine andere sehr cha¬
rakteristische Kristallform eines der Deri¬
vate des Hämoglobins, nämlich des Hämochrom-
o g e n s, auch reduziertes Hämatin genannt, nachweisen lässt.
Hämochromogen erhält man am einfachsten, wenn man Blut-
resp. Hämoglobinlösung mit etwas Kalilauge versetzt und
kocht, wodurch das sogenannte alkalische Hämatin, in Lösung
grünlichbraun, entsteht. Fügt man zur abgekühlten Lösung
einige Tropfen 50proz. Hydrazinhydrat oder die andern ge¬
bräuchlichen Reduktionsmittel des Blutfarbstoffs wie Schwefel¬
ammonium oder eines der Stokes sehen Reagentien hinzu,
so nimmt die Lösung einen roten Farbenton an, es entsteht
Hämochromogen mit seinem sehr charakteristischen Spektrum.
Dieses Hämochromogen hat nun zuerst Z. Donogäny
in sehr einfacher Weise zur Kristallisation gebracht; seine
Methode ist aber in einer schwer zugänglichen ungarischen
Arbeit 4 ) mitgeteilt und hat wohl deshalb bisher wenig Be¬
achtung gefunden. Neuerdings hat nun H. U. K o b e r t 5 ) ver¬
sucht, diese sehr brauchbare Methode in Deutschland bekannter
2 ) Siehe A. Rollett: lieber den Pleochroismus der Hämin¬
kristalle. Wiener med. Wochenschr., Jahrg. 12, No. 29, S. 449, 1862.
*) M. Nencki und J. Zaleski: Untersuchungen über den
Blutfarbstoff. Kossels Zeitschr. f. physiol. Chemie, Bd. 30, S. 416, 1900.
4 ) Mathematikai östermöszettudomänyi ertesitö, 11, 262. Re¬
feriert in Malys Jahresbericht für die Fortschritte der Tierchemie,
Bd. 23, S. 126, 1894 unter dem Titel Z. Donogäny: Beiträge zur
Lehre der Hämoglobin- und Hämochromogenkristalle.
*) H. U. Kobert: Das Wirbeltierblut in mikrokristallographi-
scher Hinsicht. S. 76. Verlag von F. Enke, Stuttgart 1901.
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zu machen, aber auch seine Stimme scheint bisher ungehört
verhallt zu sein. Daher möchte sich Verfasser, der sich ein¬
gehender mit der Methode befassen musste und dabei die
geradezu erstaunliche Kristallisationsfähigkeit des Hämo-
chromogens beobachten konnte, erlauben, nochmals darauf hin¬
zuweisen in der Erwartung, dass die Methode nicht nur für
den Theoretiker und Hämatologen, sondern auch für den
praktischen Arzt in klinischer und forensischer Beziehung von
Bedeutung sein dürfte.
Man verfährt zur Darstellung der Hämo¬
chromogenkristalle am besten in folgender Weise:
Zu einem auf einem Objektträger befindlichen Tröpfchen Blut
oder in Wasser gelöster 6 ) möglichst konzentrierter Blut- resp.
hämoglobinverdächtiger Substanz setzt man einen Tropfen
Pyridin CsHsN (Verfasser hat Pyridimum purissimum Merck
benutzt) und einen Tropfen frisches Schwefelammonium 7 ) hin¬
zu und bedeckt möglichst luftblasenfrei mit einem Deckglase.
Bis man das Präparat unter das Mikroskop gebracht hat, haben
sich schon reichlich die roten, teils 'geradegestreckten, teils
gebogenen und an den Enden gespaltenen Hämochromogen¬
kristalle einzeln oder sternförmig gruppiert gebildet, nach
kurzer Zeit ist das Tröpfchen Blut in einen Kristallbrei ver¬
wandelt. Will man die Kristalle längere Zeit erhalten, so muss
unter allen Umständen dem Sauerstoff der Zutritt verwehrt
werden, was dadurch geschieht, dass man das Deckglas mit
Kanadabalsam umgibt.
Die diagnostische Bedeutung dieser Kri¬
stalle steht derjenigen der Häminkristalle kaum nach, ja
übertrifft sie vielleicht noch. Auch aus altem gefaultem und,
wie erwähnt, aus getrocknetem Blute lassen sich die Kristalle
noch leicht darstellen. Schade ist, dass die beste Extraktions¬
methode für Blut und Hämoglobin resp. für Hämatin, die mit
Eisessig und Aether, ein Extrakt liefert, — es ist saures Hämatin
in ätherischer Lösung, das, wenigstens in der beschriebenen
Weise behandelt, Hämochromogenkristalle nicht gibt, es ist
aber auch bekannt, dass sich aus dem Extrakte wie auch aus
reinem Hämatin Häminkristalle nach den bisher üblichen
Methoden nicht darstellen lassen; in diesem Falle führt aber
die neuerdings so verbesserte Guajakreaktion oder die noch
empfindlichere Benzidinreaktion zum Ziele. Soviel ist trotzdem
sicher, die beschriebene Methode zur Darstellung von Hämo-
chromogenkristallen muss als eine schätzenswerte Berei¬
cherung des diagnostischen Rüstzeuges auf dem Gebiete der
Hämatologie bezeichnet werden.
Eine weitere Bereicherung wird noch dadurch
möglich, dass man die spektroskopischen Methoden zum Nach¬
weis des Hämoglobins und seiner Derivate so erweitert, dass
auch die Untersuchung im violetten und ultra¬
violetten, also dem schwer oder kaum sicht¬
baren Teileder Spektren, möglich wird, denn dort
sind für Hämoglobin und seine Derivate in gewisser Be¬
ziehung noch charakteristischere Absorp¬
tionsstreifen gelegen als im sichtbaren Teil
des Spektrums, wie zuerst J. L. S o r e t 8 ) nachgewiesen
hat, und später A. d’A rsonval 9 ), H. Grabe 10 ), A.
Gamgee 11 ) und neuerdings insbesondere L. L e w i n, A.
®) Zum Auflösen von trockenem Blutpulver empfiehlt Dono¬
gäny konzentrierte Natronlauge, diese löst aber die roten Blut¬
körperchen gar nicht auf, sondern erhält sie sogar derart, dass man
in ihr Messungen der Körperchen vorgenommen hat.
7 ) Das Schwefelammonium stellt man sich dadurch her, dass
man in konzentriertes Ammoniak Schwefelwasserstoff bis zur Sät¬
tigung einleitet.
8 ) J. L. Soret: Recherches sur l’absorption des rayons ultra-
violets pa rdiverses substances. Archiv, des Sciences physiques et
naturelles de Genöve, Bd. 61, S. 324 und 347, 1878.
B ) A. d’Arsonval: Photographie des spectres d’absorption
de Themoglobine. Archives de physiol. norm, et pathol. 1890, 1,
S. 340.
10 ) H. Qrabe: Untersuchungen des Blutfarbstoffes auf sein Ab¬
sorptionsvermögen für violette und ultraviolette Strahlen. Mediz.
Dissertation, Dorpat 1892.
11 ) A. Gamgee: On the absorption of the extreme violet and
ultra-violet rays of the spectrum by haemoglobin, its compounds
and certain of its derivatives. Kühnes und Voits Zeitschr. f. Biol.,
Bd. 34, S. 505, 1896.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
128
M i e t h e und E. S t e n g e r 1S ) bestätigt haben. In medi¬
zinischen Kreisen, in welchen der Nachweis von Blut resp.
Hämoglobin doch eine grosse Rolle spielt, ist von diesen
Violett- und Ultraviolettstreifen nur wenig bekannt.
Diese Untersuchungsmethode ist deshalb von Bedeutung,
weil der Absorptionsstreifen des Hämoglobins und seiner Deri¬
vate im schwer oder unsichtbaren Teil des Spektrums noch
bei so schwachen Konzentrationen der Farbstoffe nachzuweisen
ist, bei welchen die im sichtbaren Teil des Spektrums ge¬
legenen Streifen nicht mehr zu sehen sind, und weil fernerhin
die Art und Lage des Streifens ein weiteres Moment in die
Hand gibt, um die einzelnen Derivate des Hämoglobins bis
zu einem gewissen Qrade von einander zu unterscheiden.
Letzterer Umstand kommt noch aus folgenden Gründen in
Betracht. Eine ganze Reihe von Spektren des Hämoglobins
und seiner Derivate ist, was den sichtbaren Teil der Spektren
betrifft, einander so ähnlich, dass sie bei flüchtiger Betrachtung
leicht verwechselt werden können. So gibt es nicht weniger
als 6 Derivate des Hämoglobins, welche sehr ähnliche zwei¬
streifige Spektren liefern wie Oxyhämoglobin, alkalisches Met-
hämoglobin bei bestimmter Konzentration, Kohlenoxydhämo¬
globin, Stickoxydhämoglobin, Kohlenoxydhämochromogen und
Zyanhämochromogen, 3, welche einstreifige Spektren zeigen,
wie reduziertes Hämoglobin, Zyanhämoglobin und Zyanhämatin,
und 3 mit vierstreifigen Spektren wie neutrales und schwach
saures Methämoglobin, saures Hämatin in alkoholischer oder
ätherischer Lösung und alkalisches Hämatoporphyrin. Ohne
Vergleichsspektren und ohne Kenntnis der Konzentration ist es
oft kaum möglich, auf Grund spektroskopischer Untersuchung
allein ein gut fundiertes Urteil abzugeben. In manchen Fällen
reicht aber auch die vergleichend spektroskopische Untersuchung
bei Kenntnis der Konzentration der Farbstoffe zur Diagnose nicht
aus. Dann kann das letzte Wort, wenn man von chemischen
Methoden absieht, nur die Spektrophotometrie sprechen. Will
man mit Hilfe dieser z. B. die Spektren des Oxyhämoglobins
und Kohlenoxydhämoglobins auch bei verschiedener Konzen¬
tration der Farbstoffe auseinanderhalten, so bestimmt man mit
dem Spektrophotometer sowohl bei Oxy- als auch bei Kohlen-
oxydhämoglobiir den sogenannten Exltinktionskoeffizienten,
d. h. den negativen Logarithmus der übrigbleibenden Licht¬
stärke in der Region des nach Grün zu gejegenen Absorptions¬
streifens, er sei nach G. Hüfner mit e bezeichnet und da¬
rauf den Extinktionskoeffizienten in der Region zwischen den
beiden Streifen, er sei mit « bezeichnet, und bildet den Quo¬
tienten der, wenn Oxyhämoglobin vorliegt 1,578, wenn
Kohlenoxydhämoglobin vorhanden ist, 1,095 betragen und wenn
Kohlenoxydhämoglobin neben Oxyhämoglobin in Lösung ist,
von 1,095 bis 1,578 schwanken muss. In analoger Weise ver¬
fährt man mit den anderen Derivaten des Hämoglobins, die
alle mehr oder weniger charakteristische Quotienten liefern.
Aber nicht jedem Untersucher steht ein Spektrophotometer
zur Verfügung, auch verlangt die Spektrophotometrie gute Ver¬
trautheit mit den Methoden; in solchen Fällen können die
Violett- und Ultraviotettstreifen des Hämoglobins und seiner
Derivate bei geeigneter Versuchsanordnung auch von diffe¬
rentialdiagnostischer Bedeutung werden.
Bei gewöhnlicher spektroskopischer Ver¬
such s a n o rd n u n g ist von dem Absorptions¬
streifen im Violett oder Ultraviolett wenig zu
sehen, denn einmal sind die gebräuchlichen Lichtquellen zu
arm an violetten und ultravioletten Strahlen und dann liegt es
in der Natur der gewöhnlichen Spektroskope, dass sie bei
diesen Untersuchungen versagen. Durch das Prisma werden
die nach dem violetten Ende des Spektrums zu gelegenen
Strahlen immer mehr auseinander gezogen, so dass die Flächen¬
einheit dort weniger Licht erhält. Dazu kommt, dass Flint¬
glas, aus welchem gewöhnlich die Prismen und Linsen der
Spektralapparate bestehen, die violetten und ultravioletten
Strahlen absorbiert, was weiterhin zu einer Verdunklung in
12 ) L. L e w i n, A. M i e t h e und E. S t e n g e r: Ueber die durch
Photographie nachweisbaren spektralen Eigenschaften der Blutfarb¬
stoffe und anderer Farbstoffe des tierischen Körpers. Pflügers Archiv
für die gesamte Physiologie, Bd. 118, S. 80, 1907.
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diesem Teile des Spektrums führt, und endlich kommt in Be¬
tracht, dass die Netzhaut für violette und ultraviolette Strahlen
wenig empfänglich ist. Aus diesen Gründen benutzt man zur
Untersuchung an violetten Strahlen reiche
Lichtquellen, wie Sonnenlicht, elektrisches Bogenlicht,
Kalklicht, glühende Zirkonplättchen, die Nernstlampe und von
Apparaten, sofern sie genügend lichtstarke Spektren liefern,
Gitterspektroskope, bei welchen die Verzerrung nach
dem violetten Ende des Spektrums zu vermieden ist, oder man
versieht die gewöhnlichen Spektralapparate mit Prismen
und Linsen aus Quarz, der die violetten und ultra¬
violetten Strahlen passieren lässt, oder endlich man ver¬
wandelt die stark brechbaren und wenig sichtbaren Strahlen
durch fluoreszierende Substanzen in weniger
stark gebrochene und damit sichtbare Strahlen um. Im letz¬
teren Falle ersetzt man im Spektralapparate das gewöhnliche
Okular durch ein fluoreszierendes Okular oder projiziert Spek¬
tren auf Röntgenschirme, wie es neuerdings L. Lewin und
A. M i e t h e 13 ) getan haben; letztere Methode eignet sich ins¬
besondere dazu, die Absorptionsstreifen im Violett und Ultra¬
violett einem grösseren Auditorium sichtbar zu machen. Ob¬
jektiv wird die Methode, wenn das Spektrum photo¬
graphisch aufgenommen wird, wozu eine ganze
Reihe von neuen Spektrographen mit Quarzoptik zur Ver¬
fügung steht.
Aber auch mit den gewöhnlichen Spektralapparaten und
sogar mit ge radsichtigen Spektroskopen 14 ) kann man sich die
Violettstreifen in den Spektren des Hämoglobins und seiner
Derivate sichtbar machen, wenn man in folgende zum Teil von
A. d’A rson val empfohlener Weise verfährt. Man benutzt als
Lichtquellen direktes Sonnenlicht oder die Nernstlampe 15 ), und
schaltet irgendwo zwischen Lichtquelle und Kollimatorspalt
oder zwischen Okular und Auge ein stark violettes
Glas ein, wodurch das violette Ende des Spektrums für das
Auge viel besser sichtbar wird, bei Sonnenlicht bis zu den
dicken, nahe bei einander gelegenen Fraunhofer scheu
Linien H und K. Bringt man dann noch eine so dünne Lösung
des Hämoglobins oder eines seiner Derivate, dass sie in einer
Schichtendicke von 1 cm kaum mehr gefärbt erscheint, vor
den Spalt des Spektralapparates, so wird man nunmehr einen
charakteristischen Streifen oder wenigstens einseitige Ver¬
dunklungen im violetten oder ultravioletten Teil des Spek¬
trums auftreten sehen, die nach Lage, Umfang und Intensität
bei den einzelnen Derivaten mehr oder weniger verschieden
sind. Besonders typisch ist der Absorptionsstreifen des
Kohlenoxydhämoglobins, mit dessen Untersuchung man am
besten beginnt, zu welchem Zweck man das eigene Blut
1000 fach mit 0,1 proz. Sodalösung verdünnt und Leuchtgas in
die Lösung bis zur Sättigung einleitet. Bei 1 cm Schichten¬
dicke betrachtet, zeigt diese Lösung einen auch nach Ultra¬
violett zu gut begrenzten, zwischen den Fraunhofer sehen
Linien G und h gelegenen dunklen Absorptionsstreifen, dessen
optischer Schwerpunkt etwa der Wellenlänge 418 Vß ent¬
spricht. Unbedingt notwendig bei diesen Untersuchungen aber
ist, dass ein Vergleichsspektroskop benutzt wird, wobei man
zweckmässig die anderen Spektren auf das des Kohlenoxyd¬
hämoglobins bezieht; sehr vorteilhaft ist aqch noch, wenn das
Vergleichsspektroskop mit einer Wellenlängenskala versehen
ist 10 ).
1S ) L. L e w i n und A. M i e t h e: Ein Apparat zur Demonstration
der ultravioletten Absorptionslinie des Blutes. Pflügers Archiv für
die gesamte Physiologie, Bd. 121, S. 161, 1908.
14 ) Verfasser hat mit seinem in dieser Wochenschrift No.
S. 2043, 1908, beschriebenen Vergleichsspektroskop gearbeitet.
15 ) Man umgibt die Nernstlampe, um nicht von ihrem Lichte ge¬
blendet zu werden, mit einem lichtdichten Gehäuse und lässt ihre
Strahlen durch einen Spalt auf den Kollimatorspalt des Spektroskops
fallen.
18 ) Ein zweckmässiges, mit Quarzoptik, fluoreszierender Platte
und Wellenlängenskala versehenes Handspektroskop für Unter¬
suchungen im Ultraviolett, das auch leicht in ein Vergleichspektroskop
umgewandelt werden könnte, hat C. L e i s s in der Zeitschr. j ur
Instrumentenkunde, Bd. 27, S. 374, 1907 beschrieben, nur müsste das
Spektrum statt das Wcllenlängengebiet 450—180 nn ungefähr da s
Gebiet 490—330 im umfassen.
Original fram
UNIVERSIT7 OF CALIFORNIA
19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
129
Bisher wurden in den Spektren der anderen gefärbten
Körperflüssigkeiten, wenigstens bei gleicher (lOOOfacher) Ver¬
dünnung, Absorptionsstreifen im Violett oder Ultraviolett,
welche etwa mit denen des Hämoglobins und seiner Derivate
verwechselt werden könnten, nicht aufgefunden, wodurch
die Methode in klinischer und forensischer Beziehung an Wert
gewinnt.
Aus dem pathologischen Institut der Universität Würzburg
(Direktor: Professor M. Borst).
Experimentelle Untersuchungen über die Erzeugung
atypischer Epithelwucherungen.
Von Dr. Hans S t o e b e r, II. Assistent des Instituts.
Von vielen Seiten wurden bisher Versuche unternommen,
das rätselhafte Geschwulstproblem auf experimentellem Wege
zu lösen. Die mannigfachen theoretischen Erwägungen über
die Geschwulstgenese suchte man durch entsprechende Ver¬
suche am Tierkörper zu stützen, doch konnte man nur negative
Resultate verzeichnen.
Um so mehr Aufsehen musste es erregen, als Bernhard
Fischer 1 ) mit seinen Mitteilungen über die experimentelle
Erzeugung krebsähnlicher atypischer Epithelwucherungen her¬
vortrat.
Von dem Gedanken R i b b e r t s ausgehend, dass eine sub¬
epitheliale, entzündliche Infiltration bezw. zellige Wucherung
des Bindegewebes in der Krebsgenese speziell der Hautkrebse,
eine bedeutsame Rolle spiele, versuchte Fischer durch Ein¬
bringen verschiedener, möglichst wenig reizender Fremdkörper
unter die Haut des Kaninchenohres eine chronische Ent¬
zündung im Bindegewebe hervorzurufen und dann deren Ein¬
fluss auf das deckende Epithel zu studieren. Die Fremdkörper,
die in Organstückchen bestanden, riefen zwar den gewünschten
entzündlichen Prozess im Bindegewebe hervor, das Deck¬
epithel verhielt sich aber, abgesehen von einer massigen Ver¬
dickung reaktionslos. Wie Fischer selbst sagt, kann dieses
negative Resultat nicht weiter wundernehmen, da wie bekannt,
nicht jede chronische Entzündung das Verhältnis zwischen
Epithel und Bindegewebe zu ändern vermag. Er nahm daher
an, dass nur gewisse Stoffe chronisch entzündliche Prozesse
und chemische Vorgänge im Bindegewebe auslösen, auf die
dann eine stärkere Proliferation des Epithels erfolgt. Weitere
Versuche Fischers, mit Injektionen von Agar unter die Haut
des Kaninchenohres Epithelwucherungen zu erzielen, w^aren
in einem Falle von dem Erfolge begleitet, dass ausgedehnte
Wucherungen des Deckepithels in, sowie um die Agarmassen
stattfanden. Fischer glaubt nun, diese Epithelwucherungen
dahin erklären zu können, dass beim Einstich etw^as Epithel
in die Tiefe verlagert wurde und sich so zu eigenartig modifi¬
zierten Epithelzysten umbildete.
Als besonders geeignet, um milde, chronisch verlaufende
Entzündungen zu unterhalten, erwies sich Oel, das Fischer
in das subepitheliale Bindegewebe des Kaninchenohres injizierte
mit dem Erfolge, dass das Epithel mit Verdickung und be¬
trächtlichem Aussprossen der Epithelzapfen reagierte.
Doch konnte Fischer mit der Injektion lediglich von
Oel keine Bilder epithelialer Wucherungen erzeugen, die
einigermassen Aehnlichkeit mit dem exzessiven Wachstum
krebsig entarteter Epithelien hatten. Dies gelang ihm erst, als
er Substanzen in Oel löste, nämlich Scharlachrot und Sudan III,
Fettfarbstoffe von analoger chemischer Konstitution.
Indem ich die vielseitigen Schlüsse Fischers, die er aus
seinen bis jetzt einzig dastehenden Versuchen zieht, übergehe,
möchte ich nur auf einen Punkt näher eingehen. Fischer
legt sich die Frage vor, ob sich wohl aus seinen experimentellen
Untersuchungen neue Anhaltspunkte für das Verständnis des
Wesens und Wachstums der malignen Geschwülste ergeben?
Ob vielleicht in den von ihm benützten Farbstoffen chemisch
verwandte Stoffe in der Aetiologie mancher Geschwülste eine
Rolle spielen und meint hier speziell Tumoren, wie sie in
manchen Berufsarten beobachtet wxrden.
*) Münch, rned. Wochcnschr., 1906, No. 42.
No. 3.
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Die Farbstoffe Scharlachrot und Sudan III, die Fischer
zu seinen Injektionsversuchen verwendete, sind ihrer chemi¬
schen Natur nach Azofarbstoffe. Zu ihrer Herstellung dienen
nämlich die Diazoverbindungen aromatischer Amine. Diese
Amine sind ihrem chemischen Verhalten nach Basen. In
letzter Linie leiten sie sich vom Benzol resp. Naphtalin her,
den Ausgangsprodukten der Farbstoffchemie.
Nun ist es eine bekannte Tatsache, dass Erkrankungen der
Blase bei Arbeitern der Farbstofffabrikation beobachtet werden,
die zweifellos auf die Beschäftigung mit bestimmten chemischen
Substanzen zurückzuführen sind. Diese Erkrankungen der
Blase äussern sich bei der akuten Vergiftung mit diesen Stoffen
neben Allgemeinerscheinungen wie Zyanose, Schwindel und
Mattigkeit, in schmerzhaftem Harndrang bis zur Entleerung
blutigen Urins. Bei lang dauernder Beschäftigung mit diesen
Stoffen und dadurch bedingter chronischer Aufnahme derselben
in den Organismus, sei es nun durch Inhalation von Dämpfen,
von Flugstaub oder durch die Haut, werden gelegentlich
schwere Erkrankungen der Blase in Form von Geschwmlst-
bildungen beobachtet.
Solche Blasengeschwülste kommen hauptsächlich bei Ar¬
beitern vor, die in den Betrieben zur Herstellung der Amido¬
verbindungen des Benzols und Naphthalins beschäftigt werden,
oder in solchen Fabrikationen, in denen diese Produkte Ver¬
wendung finden. So sind z. B. bei Fuchsinarbeitern derartige
Erkrankungen festgestellt worden. Fuchsin wird aber her¬
gestellt aus Anilin, Ortho- und Paratoluidin, starken aroma¬
tischen Basen, und diese dürften die Ursache der Erkrankungen
sein. R e h n beschreibt in Langenbecks Archiv drei von ihm
beobachtete Fälle von Blasentumoren bei Arbeitern in einer
Fuchsinfabrikation. Nicht in dem fertigen Farbstoff Fuchsin,
sondern in dessen Komponenten sieht auch er den auslösenden
Faktor für die Geschwulstbildungen in der Blase.
Auch die Farbstoffe, deren in Oel gesättigte Lösung
Fischer zur Erzeugung krebsähnlicher atypischer Epithel-
wucherungen am Kaninchenohr benutzte, setzen sich aus den
für die Entstehung der oben genannten Blasentumoren be¬
schuldigten, chemischen Stoffe zusammen. So finden sich in
den Sudanfarbstoffen als Komponenten:
Sudan I ist diazotiertes Anilin kombiniert mit ß-NaphthoI;
Sudan II ist die Kombination von diazotiertem Xylidin mit
/LNaphthol;
Sudan III, das F i s c h e r zu seinen Versuchen benützte, ist
diazotiertes Amidoazobenzol kombiniert mit ß-Naphthol und der
hauptsächlich von ihm verwendete Azofarbstoff Scharlachrot
ist die Kombination von diazotiertem Amidoazotoluol mit
^-Naphthol.
Amidoazobenzol ist aber das Einwirkungsprodukt von
diazotiertem Anilin auf ein weiteres Molekül Anilin und kann
nun nochmals in eine Diazoverbindung übergeführt werden.
Auf dieselbe Weise entsteht das Amidoazotoluol aus Ortho-
toluidin.
In allen diesen Farbstoffen treffen w r ir also Basen, bei deren
technischen Verwendung Störungen der Blase in Form von
Blutungen und Gesclnvulstbildungen beobachtet werden, so das
Anilin und Toluidin, die ja auch die Ansgangsmaterialien für
die Fuchsindarstellung sind, dann das Xylidin, das ein sogen.
Homologes des Anilins und der Toluidine ist.
Ein weiterer Farbstoff, das Idophenol, das Fischer zur
Injektion verwendete, das sich aber wegen seiner das Gewebe
schwer schädigenden Wirkung weniger für Versuche eignet,
ist wie Fischer angibt, von ganz anderer chemischer Kon¬
stitution w ie Scharlachrot und Sudan III. Zu seiner Darstellung
dient jedoch ebenfalls ein Körper stark basischer Natur, das
Dimethyl-para-phenylendiamin. Ganz besonders werden nun
auch noch Erkrankungen und Geschwulstbildungen der Blase
auf die Amidoverbindung des Naphthalins, das Naphthylamin
zurückgeführt.
Nach diesen Darlegungen scheint mir die Vermutung
Fischers, es könnten Stoffe, die den von ihm benützten
Fettfarbstoffen chemisch verwandt sind, eine Rolle in der
Aetiologie mancher Geschwülste spielen, doch recht wahr¬
scheinlich. Treffen wir doch in den basischen Komponenten
3
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3 .
von Scharlachrot und Sudan III, deren ölige Lösungen in das
subepitheliale Bindegewebe des Kaninchenohrs injiziert, starke,
krebsähnliche Wucherungen des Epithels hervorriefen, Körper,
die erfahrungsgemäss bei chronischer Aufnahme in den Orga¬
nismus zu Qeschwulstbildungen in der Blase gelegentlich Ver¬
anlassung geben können.
Ich habe nun versucht, durch Injektion der vorgenannten,
für die Enstehung der Blasentumoren beschuldigten Stoffe oder
verwandter Substanzen in öliger Lösung die atypischen Epithel¬
wucherungen Fischers am Kaninchenohr zu erzeugen.
Teils habe ich Komponenten der von Fischer benutzten
Farbstoffe benutzt, wie das Amidoazobenzol und Amidoazo-
toluol, ferner das Paratoluidin und speziell das a-Naphthylamin.
Versuche, Anilin, die Amidoverbindung des Benzols, sowie
Orthotoluidin, die flüssige Amidoverbindung des Toluols auf
das Epithel wirken zu lassen, scheiterten an deren Qiftwirkung,
indem die Tiere nach Anilininjektion unter typischen Ver¬
giftungssymptomen, unter Krämpfen und Zyanose nach der
Injektion zu Grunde gingen. Nach Einspritzung von Ortho¬
toluidin verfiel das Ohr rasch der Nekrose. Ich benutzte die¬
selbe Technik wie Fischer und injizierte unter möglichst
hohem Druck die öligen Lösungen in das subepitheliale Binde¬
gewebe, worauf nach einigen Tagen die Injektion nochmals
wiederholt wurde.
Es gelang mir mit allen diesen Stoffen, die atypischen
Epithelwucherungen am Kaninchenohr auszulösen, wobei die¬
selben Bilder entstanden, wie sie Fischer bei seiner Ver¬
öffentlichung gab. Zwar sind die genannten Substanzen nicht
alle in gleicher Weise zu den Versuchen geeignet, indem be¬
sonders bei Injektion von Paratoluidin und Amidoazotoluol in
öliger Lösung Nekrosen sich störend geltend machten, im
Effekt sind sie aber alle gleich. Kontrollversuche mit reinem
Olivenöl gaben, wie auch schon Fischer bei seinen Ver¬
suchen bemerkte, nur geringe Veränderungen am Epithel,
niemals aber waren ausgedehntere Wucherungen desselben zu
konstatieren.
Die ausgiebigsten, epithelialen Wucherungen erreichte ich
mit der Injektion von Naphthylaminöl, das wegen seiner das
Gewebe kaum schädigenden Eigenschaft besonders günstig er¬
schien. Hier Hess sich so recht die Wirkung des chemischen
Agens auf das Epithel verfolgen, indem dasselbe schon in
kürzester Zeit mit überstürzter Proliferation reagierte und
Bilder zeitigte, wie wir sie beim Plattenepithelzellenkrebs des
Menschen zu sehen gewohnt sind.
Schon nach 8 Tagen lassen sich auf dem Durchschnitt
durch die injizierten Partien des Kaninchenohres makroskopisch
sichtbare, teils frei im Bindegewebe liegende, teils mit dem
Deckepithel zusammenhängende, feste weissliche Massen kon¬
statieren, denen im mikroskopischen Bilde die gewucherten
Epithelien entsprechen. Der Zusammenhang der gewucherten
Epithelmassen mit dem Deckepithel ist aber nur ein schein¬
barer, indem um Haarschäfte gelegene Wucherungen des
epithelialen Haarbalges in die Tiefe gedrungene Deckepithel¬
zapfen vortäuschen. Ueberhaupt ist die Wirkung der Injek¬
tionen auf das Deckepithel kaum bemerkenswert. Betreffs der
Provenienz der gebildeten Epithelmassen kann ich mich nur den
Ausführungen von Jo res 2 ) anschliessen, der bei einer Nach¬
prüfung der Versuche Fischers fand, dass nicht das Deck¬
epithel, sondern die Keimschicht der Haarbälge der Haupt¬
produzent der Epithelwucherungen ist. Fischer erwähnt
zwar eine Beteiligung der Haarbälge, legt aber das Haupt¬
gewicht auf die Wucherungen des Deckepithels, das nach seinen
Beobachtungen Zapfen in die Tiefe treibt, wobei Haarbälge und
Talgdrüsen schwinden, d. h. ebenfalls zu Plattenepithelzapfen
werden, die in die Tiefe dringen.
Wie schon erwähnt, ist auch bei meinen Versuchen das
Deckepithel anfänglich nicht an der Wucherung beteiligt. Auf¬
fallend dagegen sind die Verdickungen der Haarbälge, deren
Keimschicht breite Ringe um die Haarschäfte bildet. Auch
konnte ich vorwiegend Mitosen in ihren Zellen nachweisen,
während im Deckepithel solche nicht zu sehen waren. Die
innersten, dem Haarschafte zu gelegenen Zellen werden schon
a ) Münch, med. Wochenschr., 1907, No. 18.
□ igitized by Google
bald dem physiologischen Endstadium des Plattenepithels ent¬
gegengeführt, der Verhornung. Diese Zellen sind vorwiegend
in ihren peripheren Teilen mit intensiv sich färbenden Kera-
tohyalinkörnchen erfüllt und verfallen unter Schrumpfung des
Zellinnern und des Kerns rasch der Verhornung. So ent¬
stehen in vorgeschritteneren Stadien der Epithelwucherung,
wo sich noch genau der Zusammenhang mit Haarbälgen kon¬
statieren lässt, mit konzentrisch geschichteten Hornmassen
erfüllte Epithelzysten, die den Hornperlen des Plattenopithel¬
krebses täuschend ähnlich sind. Mit der zunehmenden Ver¬
hornung der zentralen Zellschichten und dadurch bedingter
Erweiterung der Zysten macht sich das Bedürfnis nach der
Entleerung der toten Massen geltend und man findet dann die
Hornmassen büschelförmig aus dem Grunde der Zysten über
das Oberflächenepithel hervorragend. Die Talgdrüsen, die
anfänglich noch gut zu erkennen sind, gehen allmählich eben¬
falls in der Epithelwucherung auf, indem ihre Ausführungs¬
gänge zunächst dieselben Veränderungen erleiden, wie die
Keimschicht der Haarbälge. Zuerst erscheinen die Aus-
führungsgänge durch Wucherung des dieselben auskleidenden
Epithels als verdickte plumpe Epithelzapfen, an deren Ende
noch gut erhaltene, körnige Zellen des Drüsenkörpers sitzen.
Letztere schwinden auch und gehen in der allgemeinen
Wucherung auf, darauf bildet sich in den zentralen Partien
Verhornung der Zellen aus und zuletzt resultiert wieder eine
mit Hornmassen erfüllte Zyste.
Soweit beschränken sich diese Epithelwucherungen auf die
ursprünglichen Haarbälge. Zu dieser Zeit kann man auch
geringe Veränderungen am Deckepithel konstatieren, indem das
um die ausmündenden und ihre Hornmassen entleerenden
Haarbälge gelegene Deckepithel sich verdickt und unregel¬
mässige Zäpfchen in das Bindegewebe entsendet. Zugleich
zeigt sich eine gesteigerte Hornbildung auf dem Deckepithel.
Die durch Wucherung ihrer Keimschicht verdickten Haar¬
bälge, sowie die aus diesen entstandenen Epithelmassen pro¬
duzieren ferner unregelmässige, teils kuglige, teils längliche
Epithelsprossen, die besonders reichlich auftreten, wenn Oel-
tröpfchen in der Nähe sich befinden. Ihre Tendenz, diese
Oeltropfen zu erreichen, ist unverkennbar. Sobald die Epithel¬
sprossen sich den Oeltropfen genähert haben, leiten ihre
peripheren Zellschichten den Verhornungsprozess ein, indem in
ihnen massenhaft Keratohyalinkörnchen auftreten. Haben die
Sprossen das Oel erreicht und durch direktes Umwachsen oder
durch Konfluieren benachbarter Epithelzapfen die Oeltropfen
umscheidet, so macht sich sofort ein gesteigerter Verhornungs-
prozess bei den dem Oel zunächst liegenden Zellen geltend,
indem dieselben konzentrisch um den Fremdkörper geschichtete
Lamellen bilden, inmitten deren das Oel oder nach dessen
scheinbar schnelleren Resorption krystallinische Massen der
verwendeten Substanzen liegen. Die peripheren Zellschichten
treiben weiter Kolben und Zapfen, die ihrerseits, wenn Oel¬
tropfen in der Nähe liegen, diesen zustreben und zu umscheiden
suchen. So entstehen durch fortgesetzte Wucherungen des
Epithels tief in das Bindegewebe eindringende ganz unregel¬
mässig gestaltete Komplexe von Plattenepithelinseln, wobei
eine täuschende Aehnlichkeit mit den Bildern erreicht wird,
die wir beim Hautkrebs antreffen. Dass natürlich eine wirklich
krebsige Entartung der Epithelien niemals eintritt, wird klar
daraus, dass mit dem Wegfall bezw. dem Aufgebrauchtsein des
die Wucherung auslösenden Agens auch diese aufhört.
Besonders intensive Wucherungen des Epithels beob¬
achtete ich, wenn die Injektionen unter aussergewohnlich
starkem Druck geschahen, so dass sowohl in den oberfläch¬
lichen Schichten der Kutis reichlich Oeltropfen sich fanden, als
auch in der Tiefe ein ausgiebiges Oeldepot angelegt war. Die
grosse, eingebrachte Oelmasse hatte zu ausgiebigen Zer-
reissungen des Gewebes mit Blutungen geführt und in diesem
aufgelockerten und durchbluteten Gewebe schien das Epithel
besonders günstige Bedingungen zur Wucherung gefunden zu
haben. Die dem Oberflächenepithel zu gelegene Zirkumferenz
der elliptisch gestalteten Oelmasse war von dicken Epithel¬
lagen umgeben, wobei die dem Oel zugekehrten Zellen m
Hornlamellen umgewandelt waren. In diesen Fällen konnte
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
131
ich auch eine beträchtliche Teilnahme des Deckepithels an der
Wucherung konstatieren. Es war hier stellenweise durch
Sprengung zu Kontinuitätstrennungen des Deckepithels ge¬
kommen und von den Rändern des Defektes her drang das
Epithel in zierlichen Kolben und Zapfen in die Tiefe.
Im Vorstehenden habe ich in kurzen Zügen die Ver¬
änderungen am Epithel beschrieben, die sich bei meinen In¬
jektionsversuchen ergaben. Im wesentlichen gelangte ich zu
den gleichen Resultaten wie J o r e s, als er die Versuche
Fischers einer Nachprüfung unterzog.
Eine befriedigende Erklärung für die Wirkungsweise der
injizierten Substanzen auf das Epithel kann nicht gegeben
werden. Eine chemotaktische Wirkung, die Fischer an¬
nimmt, halte ich nicht für wahrscheinlich, da der Beginn der
Wucherungen in der Keimschicht der Haarbälge stattfindet;
man müsste höchstens annehmen, dass die chemotaktische
Wirkung eine elektive wäre. Für eine chemotaktische Wir¬
kung könnte man die sekundären, selbständigen Sprossen¬
bildungen der verdickten Haarbälge und deren unverkennbares
Hinstreben zu in der Nähe gelegenen Oeltröpfchen verwerten.
Um diese selbständigen Zapfenbildungen zu beobachten ist eine
direkte Berührung des Oels mit dem Epithel, wie Jores
meint, nicht notwendig; ich konnte mich hinreichend über¬
zeugen, dass in der Nähe befindliche Oeltropfen genügen, um
Proliferation des Epithels zu veranlassen und zu unterhalten.
So viel steht fest, dass die von Fischer zuerst zur Er¬
zeugung atypischer Epithelwucherungen am Kaninchenohr be¬
nützten Fettfarbstoffe, sowie die von mir verwendeten Kom¬
ponenten derselben und chemisch nahe verwandte Stoffe einen
entschiedenen Wachstumsreiz ausüben, wobei, wie ich ein¬
gangs auseinandersetzte, von Interesse ist, dass die von mir
zur Erzeugung atypischer Epithelwucherungen am Kaninchen¬
ohr benutzten Stoffe, auch gelegentlich in der Aetiologie von
Blasentumoren beim Menschen eine Rolle spielen.
Versuche, diese Stoffe in ihrer Wirkungsweise auf die
Harnblase des Kaninchens zu ergründen, sind noch nicht ab¬
geschlossen und hoffe ich seiner Zeit darüber berichten zu
können.
Aus dem kgl. Institut für experimentelle Therapie in Frank¬
furt a. M. (Direktor: Geheimer Obermedizinalrat P. E h r l i c h).
bakteriologisch-hygienische Abteilung (Prof. M. Neisser).
Ueber den Bordetschen Keuchhustenbazillus*).
Von G. S e i f f e r t, Medizinalpraktikant.
Unter den bisher beschriebenen Keuchhustenerregern
kommen nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nur zwei
Bakterienarten ernstlich in Betracht, die Jochmann sehen
influenzaähnlichen Stäbchen und die von Bordet beschrie¬
benen Bazillen.
Für die J o c h m a n n sehen Bazillen liegen zahlreiche Be¬
funde (Zusammenstellung von Jochmann, Lubarsch’
Ergebnisse), aber so gut wie keine ätiologischen Beweise vor;
für die Bordet sehen Angaben sind erst einige Bestäti¬
gungen vorhanden. Aber sowohl Bordet wie Arnheim,
C. Fränkel und Klimenko konnten mit serologischen
Methoden den ätiologischen Zusammenhang zwischen den
Bordetschen Bazillen und der Keuchhustenerkrankung wahr¬
scheinlich machen.
Am Institut für experimentelle Therapie, bakteriologisch¬
hygienische Abteilung (Prof. M. Neisser) hatte ich Gelegen¬
heit, eine Anzahl Sputa und Sera keuchhustenkranker Kinder
zu untersuchen, die ich teils der inneren Klinik (Prof. Lüthje),
teils Geheimrat Baginsky - Berlin, teils einigen Aerzten der
Stadt, besonders Herrn Geheimrat R e h n, zu verdanken habe.
Die Technik der Untersuchung war folgende: Sputumteilchen
wurden in physiologischer NaCl-Lösung viermal gründlichst ge¬
waschen, dann hiervon ein sehr kleines Partikelchcn auf Blutplatten
gebracht, die genau nach den Angaben Bordets verfertigt waren.
Es wurde ihnen nur, um sie fester zu machen, weniger Blut, etwa
1 Teil Blut auf 4 Teile Agar, zugesetzt. Dann wurde das Partikelchen
auf der Platte ausgestrichen und ordentlich verrieben. Bisweilen
•) Vortrag, gehalten am 6. Oktober 1908 in der wissenschaft¬
lichen Vereinigung des städtischen Krankenhauses Frankfurt a. M.
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machte ich auch gleiche Ausstriche auf gewöhnlichem Agar, Tauben¬
blutagar und Aszitesagar. Am folgenden Tage wurden von der Platte
an den Stellen, wo winzige, runde, nur schwer mit der Lupe sichtbare
Kolonien zu sehen waren, Abklatschpräparate gemacht, die nach
Gram gefärbt wurden. Bei ihrer Untersuchung war auf die poly¬
morphen, influenzaähnlichen Stäbchen zu achten, um diese nicht, wie
es im Anfang öfters vorkam, als Bordetbazillen anzusehen. Waren
verdächtige Kolonien gefunden worden, so wurden sie unter dem
Mikroskop oder der Lupe abgestochen und auf Schrägröhrchen mit
Bordet schem Blutagar übertragen. Fanden sich auch hier wieder
gramnegative Stäbchen, so wurde ein Kulturverfahren in der Art an¬
gesetzt, dass ich aut Bordets Blutagar, Taubenblutagar und ge¬
wöhnlichen Agar abimpfte. Nach meinen Beobachtungen wächst der
Bordetbazillus auf Agarröhrchen, die dünn mit Taubenblut bestrichen
sind, so gut wie gar nicht. Eine 24 ständige Influenzakultur auf
Taubenblutagar ist daher von einer gleichzeitig auf gleichen Nähr¬
boden übertragenen Bordetbazillenkultur sofort zu unterscheiden.
Wachstum auf gewöhnlichem Agar darf nicht eintreten. Versuche,
dieses Kulturverfahren durch direktes Aufstreichen des Sputums auf
diese Nährböden zu vereinfachen, scheinen für einen bakteriologischen
Untersuchungsbetrieb günstig ausgefallen zu sein. Als ausschlag¬
gebend zur genauen Diagnose kommt die Probeagglutination im hän¬
genden Tropfen mit Bordets Pferdeimmunserum hinzu. Noch in
einer Verdünnung von 1 : 1000 hat sofort eine deutliche, mit un-
bewaffnetem Auge sichtbare Agglutination einzutreten. Gleichzeitig
mit dem Ausstrich des Sputums auf Platten werden Deckglaspräparate
gemacht, die nach Gram und mit Löfflers Methylenblau gefärbt
werden.
Im ganzen bekam ich 16 einzelne Fälle zur Untersuchung.
Es gelang mir in 12 Fällen, den Bordetbazillus rein heraus¬
zuzüchten. 4 Fälle ergaben negativen Befund, 2 davon waren
ältere Frauen, bei denen der Keuchhusten schon längere Zeit
bestand, 2 Kinder. Bei allen positiven Fällen handelte es sich
um erkrankte Kinder. Jeder einzelne Stamm wurde kulturell
genau geprüft und stets die Probeagglutination angestellt.
Zwei Fälle kamen mehreremal zur Untersuchung, der erste zwei¬
mal. Bei diesem waren das erstemal Bordetbazillen, das zweite¬
mal — nach 14 Tagen — keine mehr vorhanden. Der andere Fall
kam viermal im Laufe eines Monats zur Untersuchung. Zweimal
fanden sich — zuerst sehr reichlich, bei der zweiten Untersuchung
erst nach längerem Suchen — Bordetbazillen auf den Platten. 14 Tage
später hat eine weitere Untersuchung negatives Ergebnis. Zur gleichen
Zeit teilte der behandelnde Arzt mit, dass bei dem Patienten eine
deutliche Besserung eingetreten sei. Auch bei einer vierten Unter¬
suchung blieb das Suchen nach Bordetbazillen vergeblich.
Ein dritter Fall ist interessant, da bei Lebzeiten des Kindes reich¬
lich Bordetbazillen gefunden wurden. Das Kind starb bald darauf an
Bronchopneumonie. Es gelang aus verschiedenen Organen der
Leiche, wie Lunge, Bronchialdrüsen, Blut und Leber den Bordet¬
bazillus herauszuzüchten. Neben diesem vermochte Prof. Neisser
Influenzabazillen aus der Lunge zu züchten, ein Befund, der mit früher
von ihm mitgeteilten Untersuchungen übereinstimmt, dass sich nämlich
so gut wie immer in den Spätstadien des Keuchhustens Influenza¬
bazillen finden. Gleiche Beobachtungen machten auch Joch mann
und Krause (Lubarsch-Ostertag, Ergebnisse). Welche
Rolle die Influenzastäbchen in diesen Fällen spielen, ist bisher eine
offene Frage.
Bordet bestätigte, dass ich den von ihm beschriebenen
Bazillus in den Händen hatte, und ermöglichte es durch gütige
Uebersendung seines Pferdeimmunserums, dass ich jeden
weiteren Stamm genau auf seine Identität mittels der Probe¬
agglutination im hängenden Tropfen prüfen konnte. Was Form
und Kultur der Bordetbazillen angeht, konnten meine Beob¬
achtungen alles, was Bordet mitteilt, bestätigen, nur gelang
die von Bordet mitgeteilte Polfärbung unregelmässig. Sie
trat aber bei stärkerem Erwärmen des Präparates fast stets ein.
Den Bordetbazillus sicher und in grösseren Mengen im Aus¬
strichpräparat des Sputums aufzufinden, ist mir nicht mit
Sicherheit gelungen, da leider nur Fälle zur mikroskopischen
Untersuchung kamen, die schon etwas älter waren.
Die Agglutination meiner rein gezüchteten Stämme wurde,
wie oben erwähnt, mit dem Bordet sehen Pferdeimmun¬
serum geprüft. Dieses agglutinierte noch in einer Ver¬
dünnung von 1:5000 fast spontan und ausserordentlich stark.
Für die Agglutination ist der Nährboden, auf dem der Bacillus
pertussis wächst, von ziemlichem Einfluss, da Bazillen, die auf
Aszitesagar wachsen, nur nach längerer Zeit und dann etwas
undeutlich Agglutination zeigen. Versuche über die Aggluti¬
nation von Seris keuchhustenkranker Kinder wurden teils mit
dem Material der hiesigen Klinik ausgeführt, teils mit dem
Serumgemisch 7 kranker Kinder, deren Serum gütigst Geheim-
3*
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
muenchener medizinische Wochenschrift.
No. 3.
1A3
rat Baginsky-Berlin übersandte. Da die einzelnen Quanti-
täten sehr gering waren, wurden diese Sera gemischt und mit
diesem Durchschnittskeuchhustenserum der Versuch angestellt.
Untersucht wurden 8 einzelne Sera neben diesem Gemisch. Bei
6 Seris trat die Agglutination spontan, auf bis 1: 16, nach längerer
Zeit schwach bis 1:32, 2 Sera gaben keine Agglutination.
Das Serumgemisch agglutinierte bis 1: 16 spontan und sehr
deutlich, ein Serumgemisch von 5 nicht keuchhustenkranken
Kindern zeigte keine Agglutination. Keuchhustenserum agglu-
tiniert auch Influenzabazillen nicht. Eine spezifische Agglu¬
tination der Bordetbazillen durch Serum Keuchhustenkranker
ist demnach als sicher anzusehen. Der Agglutinationstiter ist
freilich nicht hoch, und nach den Angaben anderer Untersucher
ist die Agglutination auch wechselnd, so dass sie in diagno¬
stischer Beziehung wohl nicht in Frage kommt.
Ueber Komplementablenkung wurden keine grösseren Ver¬
suchsreihen angestellt. Eine Komplementablenkung, die Dr.
A 11 m a n n - Frankfurt, Assistent der Abteilung, ausführte, fiel
deutlich positiv aus. Dieses Ergebnis ist wichtig und inter¬
essant, da in diesem Fall auch Bordetbazillen gefunden
wurden, und man mit dem Serum des Kindes eine deutliche
Agglutination bis 1: 16 erhielt.
Weiterhin wurden Versuche angestellt, ob sich im Serum
der Kranken auch spezifische Opsonine gegen den Bordet-
bazillus finden. Ein sicheres Ergebnis lässt sich nicht mit-
teilen. Versuche, die Prof. N e i s s e r nach der Methode
N e u f e 1 d s mit Bordet schein Pferdeimmunserum, Bordet¬
bazillen und Meerschweinchenleukozyten machte, zeigten
gegen die Kontrolle deutliche Phagozytose. Eigene Unter¬
suchungen, die ich unter gütiger Unterstützung Dr. Böhmes
(innere Abteilung des städtischen Krankenhauses Frankfurt)
machte, haben auch eine — wenn auch undeutliche — Phago¬
zytosesteigerung gegenüber den Seris gesunder Menschen ge¬
zeigt. Diese Untersuchungen bedürfen aber noch weiterer und
umfassenderer Nachprüfung.
Fasst inan alle Beobachtungen, die bisher über den
Bordetbazillus vorliegen, zusammen, so ergibt sich, dass der
Bacillus pertussis Bordet bisher in der Literatur nicht be¬
kannt war, dass er von Influenza oder influenzaartigen Stäb¬
chen sicher unterscheidbar ist. So gut wie stets ist er im
Sputum frisch Erkrankter zu finden und verschwindet mit dem
Nachlassen der Krankheit. Er wird von dem Serum Keuch¬
hustenkranker agglutiniert, eine deutliche Komplementab¬
lenkung mit dem Serum keuchhustenkranker Rekonvaleszenten
ist vorhanden. Die Zahl der Befunde und Versuche, die die
ätiologische Bedeutung des Keuchhustenbazillus beweisen, ist
immer noch nicht zu einem endgültigen Urteil ausreichend.
Weitere Nachuntersuchungen sind daher durchaus wünschens¬
wert. Jedenfalls ist der Bordetbazillus der einzige, für den
eine Reihe nach mancherlei Richtung hin beweisender Be¬
funde für seine'ätiologische Bedeutung beim Keuchhusten vor¬
liegen.
Aus der chirurgischen Abteilung der städt. Krankenanstalt
Magdeburg-Altstadt (Direktor: Dr. Habs).
Zwei Fälle von Lungennaht wegen schwerer Blutung.
Von Oberarzt Dr. Lotsch.
Schütte hat in No. 26, 1908 d. Wochenschr. einen Fall
von Lungennaht wegen schwerer Blutung veröffentlicht. Das
gibt mir Veranlassung, zwei von mir operierte Fälle von
Lungenverletzung einem grösseren Leserkreise bekannt zu
geben.
Anfang Januar 1908 habe ich die beiden geheilten Patienten
in der Vereinigung der Sanitätsoffiziere des IV. Armeekorps
vorgestcllt. Derlei Demonstrationen finden erfahrungsgemäss
selten den Weg in die Literatur.
Ich lasse zunächst die beiden Krankengeschichten im Aus-
zuge folgen:
1. Wilhelm Sch., 28 Jahre, Arbeiter, erhielt am 14. IX. 07 abends
bei einer Rauferei einen Messerstich in die linke Rückenseite. Da¬
nach soiort Hustenreiz und geringe Hämoptoe. Der Verletzte wurde
mittels Droschke in die Krankenanstalt geschafft.
Status praesens: Mittelgrosser, mässig kräftig gebauter,
dürftig genährter Mann. Sensorium frei. Auffallende, hochgradige
Blässe der Haut und sichtbaren Schleimhäute. Puls 108, regel¬
mässig, weich, klein. Pat. klagt über Atembeklemmung links. Im
linken 8. Interkostalraum etwa 6 cm von der Dornfortsatzreihe der
Wirbelsäule entfernt eine vertikal verlaufende, 1,5 cm lange, wenic r
klaffende, nicht blutende Messerstichwunde. Ueber der rechten
Lunge normaler Klopfschall und freies Vesikuläratmen. Links hinten
unten absolute Dämpfung mit aufgehobenem Atemgeräusch bis hinaui
zur Spina scapulac, die sich nach vom herum verfolgen lässt und
ohne Grenze in die linke Herzdämpfungsgrenze übergeht. Oberhalb
der Dämpfung abgeschwächtes Atemgeräusch, keine Tympanic.
Atmung beschleunigt und erschwert. Beteiligung der Halsmuskulatur.
An der Wunde keine schlürfenden Geräusche. Der Verletzte fühlt
sich in sitzender Stellung am freiesten, bei Horizontallage stärkere
Atemnot. Herztöne leise, anämische Geräusche. Abdomen ohne Be¬
sonderheiten.
Diagnose: Vulnus penetrans thoracis, Hämothorax. Da be¬
reits wenige Stunden nach der Verletzung ein derartig hochgradiger
Hämothorax bestand, glaubte ich mich zu der Annahme berechtigt,
es handle sich um die Verletzung eines grösseren Hilusgefässes —
w r ofür auch der Sitz der Verletzung sprach. Ich entschloss mich des¬
halb zur Thorakotomie.
Operation (Dr. Lotsch): Morphium-Aether-Narkose ini
Brauer sehen Ueberdruckapparat. Rechte Seitenlage.
Bei einem allmählich auf 10 cm Wassersäule gesteigerten Ueber-
druck Inzision längs des 8. linken Interkostalraums, von der Stich¬
wunde aus lateral. Blutstillung.
Nach Eröffnung der Pleura resp. Freilegung der Stichöffnung
bläht sich trotz des Ueberdrucks von 10 cm die Lunge nicht. Ein¬
legung des Mikulicz sehen Rippensperrers.
Bei Erhöhung des Ueberdruckes auf 15—17 cm wird plötzlich
ein Schwall flüssigen Blutes herausgeschleudert. Da die Blutmenge
beängstigend gross ist (mindestens Wz Liter) und ihre Hauptmasse
von vorn unten zu kommen scheint, wird an eine Herzverletzung
(Vena cava) gedacht.
Erweiterung des Interkostalschnittes nach lateral, bis die Hand
zwischen den nach Möglichkeit gespreizten Branchen des Rippen¬
sperrers in den Thorax eingeführt werden kann.
Herz arbeitet gut, Herzbeutel frei: wie die das zappelnde Herz
umgreifende Hand einwandfrei feststellen kann.
Einlegen von mehreren grossen Tupfern nach vorn unten.
Wenige Zentimeter von dem medialen Lungenrand entfernt zeigt
der linke Oberlappen eine Wunde, aus der — zum Teil wohl infolge
des Ueberdrucks — dauernd schaumige Flüssigkeit brodelt.
Der Versuch, diese Stelle zwischen den Fingern vor die Wunde
zu ziehen, misslingt, Anlegung einer Katgutsutur durch die Wund¬
ränder. Daran lässt sich die Lunge mühelos weit genug vorziehen,
zugleich bläht sich jetzt auf einmal die Lunge trotz unveränderten
Ueberdrucks von 15 cm.
Uebernähung des Lungenstichs — aus dem es übrigens nicht
mehr blutet! — mit mehreren tiefgreifenden Katgutnähten.
Trockenlegung des Pleuraraums bei 10 cm Ueberdruck. Ent¬
fernung aller Tupfer.
Lunge stellt sich jetzt sehr gut ein. Naht der Pleura costalis.
Etagennaht der Muskellagen. Primäre Naht des 18 cm langen Haut¬
schnitts. Verband mit ölgetränkten Tupfern. Während der Hautnalit
allmähliches Nachlassen des Ueberdruckes.
Dauer 40 Minuten. Kochsalzinfusion. Puls besser.
17. IX. Staffelförmig ansteigende Temperatur. Die Haid ist
in der Umgebung der Operationswunde kissenförmig abgehoben. Sub¬
kutanes Hämatom, kein Emphysem! Ueber der linken Lunge ist hin¬
ten unten der KlopfschaU gedämpft. Puls kräftig, Anämie geringer.
Atmung 24, ruhig, kaum erschwert.
Lösung von 2 Hautnähten am medialen Wundwinkel, es entleert
sich eitervermischtes Blut. Gazedrainage. Verband. Probepunktion
der linken Pleura abseits von der Operationsstelle in der hinteren
Achsellinie ergibt sanguinolente, leicht getrübte Flüssigkeit. Es wer¬
den davon 50 ccm entleert.
Bei der im Medizinal-Untersuchungsamt der K. Regierung zu
Magdeburg ausgeführten bakteriologischen Untersuchung erwies sich
die Punktionsflüssigkeit als steril.
20. IX. Spontaner Durchbruch des Pleuraergusses. Oeffnung
der Hautwunde. Gummidrain in die Pleura mit Kondomventil.
25. X. Sekretion wird geringer. Dauernd Ventildrain. Wunde
in guter Granulation. Pyozyaneusinfektion durch Isoform prompt
beseitigt.
19. XI. Täglich Blähung der Lungen im Br au er sehen Appa¬
rat. Sekretion sehr gering. Zeitweise auser Bett.
18. XII. Pat. hat 27 Fibrolysininjektionen erhalten. Krürfe-
zustand hebt sich zusehends. Tagsüber ausser Bett.
28. XII. Die noch bestehende kleine Empyemhöhle wird mit
sterilem Olivenöl angefüllt.
8. I. 08. Wunde völlig vernarbt. Atmung frei. Dauernd ausser
Bett. Gutes Allgemeinbefinden.
24. I. Entlassungsbefund: Beide Thoraxhäliten atmen
gut. Am Rücken im 8. Zwischenrippenraum links 14 cm lange, bis
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19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
133
2 cm breite Narbe, im medialen Drittel etwas eingezogen und mit
der Unterlage verwachsen, sonst frei, nirgends druckempfindlich,
überall derb und fest. Lunge gut entfaltet. Ueberall voller Klopf¬
schall und freies Vesikuläratmen bis auf zirkumskripte Schwarten¬
dämpfung in der nächsten Narbenumgebung.
Quter Kräftezustand. Körpergewicht 66 kg, in den letzten
8 Wochen um 6 kg gestiegen. Geheilt entlassen.
2. Fritz N., 19 Jahre. Kaufmann. Am 27. X. 07 Suizidversuch
durch 2 Brustschüsse. Etwa 3 Stunden später Einlieferung in die
Krankenanstalt.
Status praesens: Kräftig gebauter junger Mann. Sen-
sorium wenig getrübt. Bedrohliche Anämie. Puls leer, beschleunigt,
regelmässig.
An der linken Brustseite 2 Einschüsse (rundlich, gezackt, 9 mm)
mit pulvergeschwärzter nächster Umgebung unterhalb und fingerbreit
einwärts von der linken Brustwarze im 5. Zwischenrippenraum.
Keine Blutung nach aussen.
Keine Ausschussöffnungen. Projektile nicht zu fühlen.
In der Umgebung der beiden Einschussöffnungen und hinten
links über der 6. bis 9. Rippe geringes Hautemphvsem.
Keine Hämoptoe. Atmung beschleunigt, oberflächlich, massige
Dyspnoe.
Hinten links bis hinauf zur Spina scapulae intensive Dämpfung
und ganz undeutliches Atmungsgeräusch, desgl. in den seitlichen
Partien. Vom ein Bezirk tympanitischen Schalls, der sich bis in
die linke Infraklavikulargrube erstreckt. Herzdämofung fehlt an nor¬
maler Stelle, Herztöne kaum hörbar. Abdomen frei.
Diagnose: Vulnera pulmonis sin. Haemo-Pncuinothorax sin.
Vulnus cordis?
Operation (Dr. L o t s c h): Sofortige Thorakotomie. Mor-
phium-Aether-Narkose im Brauer sehen Ueberdruckapparat.
Interkostalschnitt im 5. linken Interkostalraum zwischen den Ein¬
schussöffnungen hindurch. Durch den sichtbar werdenden einen
Pleuraeinschuss faucht die Luft aus und ein. Ueberdruck 12 cm
Wasser. Breite Eröffnung der Pleura und Erweiterung des Schnitts
nach medial bis zum deutlich palpablen Ansatz des Perikards an die
vordere Thoraxwand. Inzision im ganzen etwa 18 cm lang. Einsetzen
des Mikulicz sehen Rippensperrers, der mit grosser Gewalt ge¬
spreizt werden muss, um der Hand Einlass in den Thorax zu
schaffen. Das sehr gut sichtbare Perikard zeigt an seinem linken
Rande nur pfenniggrosse Sugillation. Perikardhöhle und Herz ar¬
beitet gut. Bei Erhöhung des Ueberdruckes auf 18—20 cm Wasser
ergiesst sich stossweise ein gewaltiger Blutschwall aus dem Brust¬
raum. Das Blut ist schwarz und flüssig. Die bis dahin kaum sicht¬
bare Lunge schnellt jetzt ziemlich plötzlich vor die Brustwand-
öffnung. Es ist die Lingula des linken Oberlannens. Sie sieht auf¬
fallend anämisch aus. Vorn zeigt sie zwei annähernd runde Schuss¬
wunden mit kleinem hämorrhagischen Hof. auf ihrer Hinterseite nur
eine Wunde. Die gegenüberliegende Vorderfläche des Unterlappens
weist eine Wunde mit grösserem hämorrhagischen Hof auf. Zu¬
nächst werden diese 4. übrigens sämtlich nicht mehr blutenden Wun¬
den mit ie 3 tiefgehenden Katgutnähten vernäht. Die erste Naht
macht sich stets am schwierigsten, weil die Lunge bin und her tanzt.
Die Nähte halten sehr gut. Nach dem Knüpfen kommt trotz des
Ueberdrucks (15 cm) keine Luft mehr durch.
Trockenlegung des linken Brustfellraumes durch grosse Tupfer.
Blutung steht.
Absiichen der Hinterfläche der linken Lunge bei 10 cm Ueber¬
druck. Ein schlitzförmiger kleiner Ausschuss wird in gleicher Weise
versorgt.
Eine Verletzung der Pleura costalis ist hinten nicht zu fühlen,
ebensowenig ein Projektil in der Brustwand oder Lunge. Im Pleura¬
raum kein freies Geschoss.
Nach Entfernung des Rippensperrers federn die auseinanderge¬
bogenen Rippen nicht zurück, obwohl weder eine Infraktion noch eine
Fraktur nachweisbar ist. 4 doppelte starke Katgutnähte werden sub¬
kutan aber nerpleural um die 5. und 6. Rippe geführt und dadurch
die beiden Rippen gut aneinandergebracht. Eine exakte Pleuranaht
ist leider unmöglich. Fortlaufende Katgutnaht der subkutanen Inter¬
kostalweichteile. darüber fortlaufende Fasziennaht und Seidenhaut¬
naht. Kleines Gazedrain in den lateralen Wundwinkel. Heftpflaster¬
verband.
Dauer der Operation mit Einschluss der langwierigen und sehr
schwierigen Thoraxnaht 1 Stunde. Kochsalzinfusion.
Verlauf: 3.—8. Tag leichtes Fieber wegen subkutanen Abs¬
zesses im drainierten, lateralen Wundwinkel. Dämpfung links hinten
unten. Punktion am 5. und 7. Tage negativ, am 17. Tage wegen
nlötzüchen Temperaturanstieges 3. Punktion, die sterile sanguinolente
Flüssigkeit ergibt. Dehiszenz der Operationswunde bis auf das me¬
diale Drittel. Am 22. Tage Durchbruch des Abszesses in die bis
dahin nichtinfizierte Pleura. Empyem.
24. Tag: Resectio costae VII. sin. an typischer Stelle unter Lokal¬
anästhesie.
35. Tag: Kritische Entfieberung.
18. XII. Beim ersten Aufstehen infolge Fehltritts Haemarthros
Kenu, das die Rekonvaleszenz verzögert.
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16. I. E n 11 a s s u n g s b e f u n d: Ernährungszustand zufrieden¬
stellend. Dauernd ausser Bett. Atmung frei. Die linke Thorax¬
hälfte erscheint etwas abgeflacht und bleibt bei der Inspiration etwas
zurück. Die Rippenresektionswunde ist völlig vernarbt. Die vordere
Interkostalwunde bildet eine ca. 8 cm lange Spalte mit einer trichter¬
förmigen, ca. 3 cm tiefen Höhle in ihrer Mitte. Sic ist mit guten
Granulationen ausgekleidet und sezerniert wenig.
Die linke Lunge hat sich sehr gut entfaltet. Ueberall ist voller
Lungenschall und freies Vesikuläratmen nachweisbar. Kein Husten,
kein Auswurf. Herzdämpfung an normaler Stelle. Herzaktion kräftig
und regelmässig.
Ueber den Verbleib der beiden Geschosse gibt die Röntgen¬
untersuchung Aufschluss. Auf der Platte sieht man allerdings nur
1 Telum im 8. linken Interkostalraum. Vor dem Schirm erscheint
jedoch bei Schrägstellung das zweite Telum zwischen Herz und
Wirbelsäulenschatten. Es sitzt in der Lunge. Pat. wird fast geheilt
entlassen.
Es handelt sich im ersten Fall um eine Stichverletzung,
im zweiten um eine mehrfache Schussverletzung der linken
Lunge. In beiden Fällen war es in relativ kurzer Zeit zur
Bildung eines hochgradigen Hämothorax mit bedrohlicher
Anämie gekommen, im zweiten Fall lag eine Herzverletzung
im Bereich der Möglichkeit. In beiden Fällen wurde zwecks
Blutstillung unter Ueberdruck (Brau er scher Apparat) durch
einen Interkostalschnitt die Lungenwunde frcigelegt und durch
Naht geschlossen. Der Verlauf war beidemale infolge sekun¬
därer Infektion durch ein Empyem kompliziert, führte aber in
beiden Fällen zu einem erfreulichen Heihingsresultat.
Die Zahl der in der Literatur niedergelegten Fälle von
operativ behandelten Lungenverletzungen beträgt mit den oben
mitgeteilten Beobachtungen zusammen 15. 12 Mal wurde die
Lungennaht ausgeführt. 3 von den Operierten sind gestorben
(je I Fall von O m b o n i, D e I o r m c und G a r r e). Die
Resultate sind demnach durchaus ermutigend. Schütte
betont ausserdem mit Recht, dass bei allen 3 Todesfällen be¬
sonders ungünstige Verhältnisse Vorlagen. 2 Verletzte kamen
erst am 3. resp. 4. Tage nach dem Trauma zur Operation und
Ombonis Operation liegt fast ein Vierteljahrhundert zurück.
Zur Berechnung einer verwertbaren Statistik ist die Zahl noch
immer viel zu klein.
Mein Vorgänger, Dr. Qrunert, hat in seiner Arbeit
(Deutsche Zeitschr. f. Chirurgie, Bd. 72, 1904) die Prinzipien
der aktiven Chirurgie bei penetrierenden Lungenvcrletzungen
zusammengestellt. Es sind die Grundsätze, nach denen an
der Habs sehen Abteilung schon vor Garres Veröffent¬
lichung verfahren wurde.
Trotz aller Bemühungen gibt es noch immer keine scharfe
Abgrenzung der Indikation zum operativen Eingreifen bei
Lungenverletzungen. Gar re, dessen Ausführungen auf dem
Chirurgenkongress 1905 am bekanntesten sind und sich
übrigens mit unseren Ansichten durchaus decken, empfiehlt
die Thorakotomie und Naht 1. bei den abundanten Hämor-
rhagien in den Pleuraraum, 2. bei lange dauernden und sich
wiederholenden Blutungen, 3. bei Spannungspneumothorax,
der nicht mit der ersten Punktion weicht.
Während die unter 3. angeführte Indikation wohl allgemein
anerkannt wird, sind für die beiden ersten Indikationen schein¬
bar noch nicht viel Anhänger geworben.
Die Gegner sagen: auch schwerste Lungenblutungen mit
anfangs sehr bedrohlichen Symptomen (Anämie, Herz¬
schwäche, Atemnot) kommen erfahrungsgemäss meist zur Aus¬
heilung und die schwersten Fälle sterben so schnell, dass sic
gar nicht mehr lebend in die Hände des Chirurgen kommen.
Wir wollen zugestehen, dass die sofort tödlichen Ver¬
letzungen unrettbar sind und dass es derart leichte Ver¬
letzungen gibt, die, obschon eine sichere Lungenverletzung
nachweisbar ist, keinen denkenden Chirurgen zum Eingreifen
verleiten würden. Zwischen diesen beiden Extremen hält die
grosse Zahl der Lungenverletzungen die Mitte und die Statistik
zeigt, dass die Erfolge des expektativen Verfahrens keine all¬
zu glänzenden sind. Die abwartende Behandlung hat nach
Garrö höchstens 55—60 Proz. Heilerfolge! Ueber 40 Proz.
gehen an innerer Verblutung, den Folgen des Spannungs¬
pneumothorax oder sekundär an Infektion zu Grunde. Da
heute die chirurgische Technik so weit ist, dass wir durch
Thorakotomie und Lungennaht Blutung und Luftaustritt aus
Original frorn
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134
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
dom Lungenparenchym beseitigen können, so dürfen wir
hoffen, manches sonst verlorene Menschenleben zu retten.
Die Infektion ist vorläufig noch eine häufige Komplikation der
Thorakotomie, aber wir haben berechtigte Hoffnung, auch ihr
in Zukunft Schranken zu setzen.
Wann ist nun eine Lungenblutung abundant? Sehen wir
ab von den Verletzungen, wo sich das Blut nach aussen ent¬
leert, wo ein offener Ventilpneumothorax besteht, wo schliess¬
lich .eine so geringe Lungenverletzung vorliegt, dass die
Blütung von selbst nach kurzer Zeit zum Stillstand kommt,
so können wir behaupten, in jedem Fall von Lungenverletzung
wird sich ceteris paribus die gleiche Menge Blut in den
Pleuraraum ergiessen. Die Lungenwunde blutet, solange der
Blutdruck grösser ist als der Druck in der verletzten Thorax¬
hälfte. Dieser Druck ist abhängig von den Lungenbewegungen
bei der Atmung, der Herzaktion und von dem meist vor¬
handenen Pneumothorax. Ob die Blutungen allein, d. h. ohne
gleichzeitig bestehenden Pneumothorax imstande ist, die ver¬
letzte Lunge zu tamponieren, entzieht sich meiner Kenntnis.
Die Blutmenge, die sich in dem Pleuraraum sammelt, ist meines
Erachtens nicht geringer wie bei einer intraabdominellen
Blutung z. B. bei Milzzerreissung oder geplatzter Extrauterin¬
gravidität. Die Schwere des Krankheitsbildes wird deshalb
bei den Lungenverletzungen nicht von der Blutmenge ab¬
hängig sein, sondern ist verschieden, je nachdem die Blutung
schnell oder allmählich vor sich geht. Es ist für die Beur¬
teilung entscheidend, ob die Pleurahöhle sich sofort resp. in
den ersten 4—5 Stunden mit Blut füllt, oder ob allmählich
im Verlauf von 24 —48 Stunden ein langsames Steigen der
Dämpfung eintritt. Schütte sagt, er sei zur Ansicht ge¬
kommen, „dass wir bei derartigen schweren, das Leben be¬
drohenden Lungenblutungen auch in den desolatesten Fällen
nicht nur berechtigt, sondern geradezu verpflichtet sind, opera¬
tiv vorzugehen, wie wir es bei schweren Blutungen auf allen
anderen Gebieten des menschlichen Körpers zu tun haben!“
Der Grund, w r arum wir nicht bei jeder schweren Lungen¬
blutung thorakotomieren, ist doch hauptsächlich in der zu
unserer Zeit noch bestehenden und zum Teil gerechtfertigten
Scheu vor endothorakalen Operationen zu suchen. Auch intra¬
abdominelle Blutungen kommen zuweilen ohne Laparotomie
zum Stillstand und doch fällt es keinem Arzt ein, diese be¬
sonders wegen der Gefahr der Nachblutung zu riskieren. Wir
laparotomieren, weil wir die Technik beherrschen und die
Peritonitis zu vermeiden gelernt haben. Die Technik der
Thorakotomie und der Lungennaht ist bereits festgelegt. Ge¬
lingt es uns nunmehr noch mit Hilfe unserer Druckdifferenz¬
verfahren den Pneumothorax auszuschalten und die Infektion
der Pleura zu verhindern, so werden wir bei Lungenver¬
letzungen die gleichen Grundsätze befolgen wie bei den Bauch¬
blutungen.
Gegenwärtig hängt die Indikation zur Operation, wie wir
offen zugestehen wollen, von dem Standpunkt des Untersuchers
ab. Auch ich habe mir des öfteren die Frage vorgelegt, was
wäre aus den beiden mitgeteilten Fällen geworden, hätte ich
nicht operiert, sondern abgewartet. Hätten sie den Blutverlust
überstanden und w äre keine Nachblutung erfolgt? In ähnlichen
Fällen würde ich auch in Zukunft das Risiko des Verblutungs¬
todes nicht übernehmen und thorakotomieren. Nach meiner
Ueberzeugung stehen wir diesen Blutungen auch heute schon
anders gegenüber als früher. Starb nämlich früher — und das
ist nach der Statistik ein keineswegs so seltenes Ereignis ge¬
wesen — ein derart Verletzter, so durfte man sich damit trösten,
dass die Chirurgie gegen solche Verletzungen machtlos w r ar,
während wir gegenwärtig die Mittel haben, dem Verblutungs¬
tode mit berechtigter Aussicht auf Erfolg vorzubeugen.
Ich habe es für nicht unwichtig gehalten, dass in meinen
beiden Fällen die Infektion nachträglich von aussen eingetreten
ist, nicht die Keime bei der Operation in die Pleura geraten
sind.
In der meinem Vortrage folgenden, erregten Diskussion
wurde erstlich die Indikationsstellung bemängelt, zum anderen
betont, dass Empyem und Empyem für den Patienten dasselbe
sei, ob es primär bei der Operation oder sekundär von aussen
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entstehe. Von diesem Standpunkt aus betrachtet gebe ich den
zweiten Einw’and unumwunden zu, aber es wird uns in Zu¬
kunft leichter gelingen, eine sekundäre Infektion zu verhüten,
als wenn wir bei jeder Thorakotomie eine primäre Infektion
zu fürchten hätten.
Bezüglich der Technik der Thorakotomie zwecks Lungen¬
naht rate ich vom Interkostalschnitt auf Grund unserer Er¬
fahrungen ab. Man braucht unbedingt einen Zugang, der die
Hand des Operateurs einlässt. Soweit lassen sich die Rippen
beim Interkostalschnitt jedoch nur in den Seiten ohne Mühe
auseinanderspreizen. Die meisten Thoraxwunden sitzen aber
entweder vorn oder am Rücken. Welch unangenehme Folgen
eine Ueberdehnung der Rippen haben kann, lehrt unser zweiter
Fall. Es ist deshalb vorzuziehen einen gehörigen Hautlappen
zu bilden und ein, besser wohl zwei Rippen subperiostal zu
resezieren. Opfert man 10—12 cm der Rippen, so genügt die
Inzision durch die eine Periostscheide. Dies bietet den Vorteil,
dass sich später eine exakte und haltbare Naht der Pleura
costalis im Zusammenhang mit dem Periost anlegen lässt. Die
verletzte Lunge lässt sich ohne Schwierigkeit, event. mit Hilfe
eines Haltefadens, vorziehen. Die Nähte — ob Seide oder Kat-
gut, ist w ohl gleichgültig — halten sehr gut, wenn sie nicht zu
oberflächlich und zaghaft angelegt werden, und bringen Blutung
und Luftaustritt prompt zum Stehen. Auch die Auffindung der
Lungenwunden ist nach unseren Erfahrungen nicht allzu
schwer.
Darf man heutzutage Thorakotomien ohne Druckdifferenz
ausführen? Diese Frage muss durchaus bejaht werden, denn
bei den starken Blutungen ist die verletzte Lunge durch die
Blutmasse zusammengepresst, häufig besteht gleichzeitig ein
Pneumothorax. Die Gefahr des operativen Pneumothorax ist
also gering. Das Ueberdruckverfahren — das gleiche gilt
natürlich vom Unterdrück — bietet indessen einige Vorteile.
Erstlich wird der Hämothorax durch Blähung der kollabierten
Lunge auf die schnellste und wohl auch schonendste Art ent¬
fernt. Das Blut ergiesst sich im Schwall und es genügt ein
kurzes Austupfen der Pleurahöhle mit Gaze — besser noch eine
Spülung mit Kochsalzlösung —, um die Serosaflächen absolut
sauber zu machen. Sodann lassen sich besonders kleine,
namentlich Schusswunden, an der mässig geblähten Lunge
leichter auffinden. Diesen Vorteil empfindet man namentlich
beim Absuchen der Lungenhinterfläche sehr angenehm. Die
Lungenwunden verraten sich durch das „pruschelnde“ Ge¬
räusch der austretenden Luft. Die fertige Lungennaht erwies
sich übrigens auch bei starkem Ueberdruck als luftdicht. Den
Hauptvorteil des Druckdifferenzverfahrens sehe ich jedoch in
der Möglichkeit, nach beendeter Lungenaht die Thoraxwand
unter Vermeidung resp. mit sofortiger Beseitigung des Pneumo¬
thorax exakt verschliessen zu können. Die Gefahr des
Pneumothorax liegt dabei wesentlich in der Infektionsmöglich¬
keit. Erwähnen möchte ich, dass der Brau ersehe Apparat
besonders bei Rückenwinden nicht gerade die Aktionsfreiheit
des Operateurs erhöht. Wir werden allem Anscheine nach
sehr bald mit bedeutend handlicheren und auch billigeren Ap¬
paraten den gleichen Zweck erreichen. Hat man keinen Ueber-
druckapparat zur Verfügung, so wird man die Lunge durch
einige Nähte gegen die Pleura costalis fixieren und so in Span¬
nung erhalten. Vielleicht sind die Nähte auch bei Anwendung
des Ueberdruckes von Nutzen.
Der exakte Schluss der Thorakotomiewunde ist, wenn
irgend möglich, anzustreben. Kommt es zur Infektion und zum
Empyem, so tritt die klassische Rippenresektion in ihre Rechte.
Der primären Thoraxwunde, d. h. der Verletzung, werden wir
erhöhte Aufmerksamkeit widmen müssen und hier eventuell
drainieren, um diese Infektionsmöglichkeit zu beseitigen. Zum
luftdichten Abschluss der fertigen Thorakotomiewunde emp¬
fiehlt es sich, den ersten Verband mit sterilem Olivenöl zu
tränken.
Gelingt es uns auf diese Weise, ausser der technisch nicht
allzu schweren Blutstillung durch die Lungennaht, den Thorax
über der geblähten Lunge unter Ausschaltung eines Pneumo¬
thorax und unter Vermeidung einer Pleurainfektion zu
schliessen, so werden auch für die Lungenverletzungen die
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
135
Grundsätze der modernen aktiven Chirurgie zu allgemeiner
Geltung gelangen.
Aus der Säuglingsheilstätte zu Strassburg.
lieber Anwendung von Kampher bei alimentärer In¬
toxikation des Säuglings 41 ).
Von Dr. Ad. W ü r t z, dirigierender Arzt.
Zu den spezifischen Symptomen der alimentären Intoxi¬
kation im Sinne Finkeisteins 1 ) gehört der Kollaps. Unter
den von ihm unterschiedenen 3 Haupttypen dieser Ernährungs¬
störung, dem Hydrozephaloid, dem soporösen und dem cholera¬
artigen ist letztere Form die geläufigste. Gerade sie ist
neben dem starken Wasserverlust besonders gekennzeichnet
durch die hochgradige Verminderung des Blutdrucks, die sich
bis zum schwersten Kollaps steigert.
Zweifellos besteht zwischen dem akuten Wasserverlust
mit dem daraus sich ergebenden unzulänglichen Füllungs¬
zustand der Gefässe und der mangelhaften Herztätigkeit, d. h.
der Herabsetzung der Herzkraft, ein gewisser mechanischer
Zusammenhang. Völlig erschöpfend ist jedoch diese Erklärung
des Herzzustandes nicht: Befriedigend wird die Auffassung
über die Ursache der Herabsetzung der Herzkraft erst, wenn
wir diese als Folge und Teilerscheinung des grossen Gesamt¬
bildes der alimentären Intoxikation ansprechen. — In diesem
Rahmen ist der Kollaps mit den Störungen der Atmung, des
Bewusstseins, der Nierentätigkeit usw. auf gleiche Linie zu
setzen : er ist wie diese der Ausdruck einer den ganzen Orga¬
nismus schädigenden Stoffwechselstörung.
In der Absicht einerseits die Herzkraft zu heben, und
andererseits der Austrocknung der Gewebe abzuhelfen, haben
die subkutanen Kochsalzinfusionen bei der Behandlung des
akuten^ Brechdurchfalls die ausgiebigste Anwendung ge¬
funden 2 ); zumal man sich von ihnen ausserdem eine gründ¬
liche Durchspülung des Gesamtorganismus versprach und da¬
durch eine Befreiung desselben von allen möglichen Schädlich¬
keiten nach Analogie ihrer Anwendung bei urämischen Zu¬
ständen. 3 )
Rein theoretisch erscheint es aber immerhin fraglich, ob
es zweckmässig ist, ein schon geschwächtes Herz durch eine
plötzliche Zufuhr von physiologischer Kochsalzlösung zu neuer
kräftigerer Tätigkeit anregen zu wollen. Viel wahrscheinlicher
erscheint es, dass infolge einer durch die schnelle Resorption
bedingten Ueberlastung das Gegenteil von dem, was erwünscht
ist, erreicht wird, nämlich ein plötzliches, gänzliches Versagen
der Herzkraft.
Mehrfache praktische Erfahrungen haben die Berechtigung
dieser theoretischen Einwände gegen die Infusion mit Bestimmt¬
heit erwiesen: Bei einer ganzen Reihe von Fällen war selbst
bei vorsichtiger Dosierung nach unter allen Kautelen gemachten
Infusionen ein akuter Herzstillstand zu konstatieren, ohne dass
sich pathologisch-anatomisch irgend ein anderer Grund für den
plötzlichen Tod hätte feststellen lassen. Derselbe konnte daher
nur in einer Insuffizienz des Herzmuskels seine Erklärung
finden, d. h. in der Unfähigkeit des Herzens, sich dem neuen
Füllungszustande der Gefässe anzupassen.
Trübungen der Herzmuskulatur haben wir jedoch nie ge¬
sehen, wie sie von R o e s s 1 e 4 ) nach Infusionen beobachtet
wurden, der die trübe Schwellung des Herzmuskels auf Schädi¬
gungen der Kapillaren zurückführt, die zu Insuffizienzerschei¬
nungen führen können nach Analogie oft gemachter Beob¬
achtungen an den Nieren.
*) Für die Tagung der Gesellschaft für Kinderheilkunde in Köln
angemeldeter Vortrag, der aber wegen Verhinderung des Verfassers
am Erscheinen, nicht gehalten werden konnte.
l ) Finkeistein: Ueber alimentäre Intoxikation im Säuglings¬
alter. Jahrb. f. Kinderheilk. 65 und 66.
*) Buttermilch: Puls und Blutdruck bei kranken Säuglingen.
Verhandlungen der Gesellschaft für Kinderheilkunde 1907.
3 ) Erkelenz: Zeitschrift für klinische Medizin, 1903, Bd. 48.
4 ) Roessle: Gibt es Schädigungen durch Kochsalzinfusionen?
Berl. klin. Wochenschr., 1907, 37.
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Nicht genug damit: Die Untersuchungen von Schaps 1 )*
Hoffe r je 6 ), Möllhausen') und eine Reihe eigener Er¬
fahrungen lassen an dem Auftreten von Fieber nach Kochsalz-
mfusionen keinen Zweifel mehr aufkommen. Der Wert dieser
allgemein anerkannten Tatsache wird in keiner Weise beein¬
trächtigt durch die Verschiedenheit der Erklärung für dieselbe.
Mag man mit Möllhausen in der Gewebszertrüm-
merung das auslösende Moment sehen, die Reaktion also mit
dem aseptischen Operationsfieber und dem Fermentfieber in
eine Reihe stellen, oder aber, wie Schaps 8 ) neuerdings, sich
auf den biologischen Standpunkt stellen und das Fieber als den
Ausdruck einer Störung des molekularen Gleichgewichts
zwischen dem Zellprotoplasma und den umgebenden Säften
ansprechen — eine solche sich durch Fieber äussernde Re¬
aktion des Organismus ist bei schon geschwächten Kindern
keine gleichgültige Sache. Die Infusion bedeutet nach alledem
einen schwerwiegenden Eingriff, der, in seiner Tragweite
individuell gewiss verschieden bemessen, nicht selten zu
schwersten Allgemeinerscheinungen führen kann.
Die für die alimentäre Intoxikation gewissermassen spe¬
zifische Hunger- und Wassertherapie bedingt, da sie das Uebel
an seiner Wurzel angreift, natürlich ein Abklingen ihrer Sym¬
ptome: Zweifellos geht mit zunehmender Entgiftung des Or¬
ganismus während der Hungerperiode eine Hebung der Herz¬
funktion parallel, wenn es gelingt, per os für eine genügende
Wasserzufuhr zu sorgen, der event. noch durch kleine Klysmen
nachgeholfen werden kann.
Aber so prompt, wie etwa die für die Intoxikation durch
Albuminurie und Zylindrurie gekennzeichnete obligatorische
Nierenreizung 9 ) nach Einsetzen der Wasserdiät abklingt, so
schnell erholen sich Herz und Puls beim intoxizierten Kinde
gewöhnlich nicht. Dieses Symptom der Herzschwäche bedarf,
unbeschadet der streng durchzuführenden spezifischen Allge¬
meintherapie, noch einer besonderen Behandlung, ebensogut
wie z. B. das Fieber.
Dieser Indikation genügt der pharmakologisch ganz ein¬
wandfrei charakterisierte Kampher 10 ) in vollkommenster
Weise. Nicht nur seine direkte Reizwirkung auf den Herz¬
muskel, die einer Erschlaffung desselben entgegen wirkt, son¬
dern auch die von der Erregung der Gefässnervenzentren ab¬
hängige Steigerung des arteriellen Blutdrucks machen den
therapeutischen Wert des Kamphers aus.
Nicht zu vergessen ist endlich seine erregende Wirkung
auf das Respirationszentrum: die dadurch bedingte gründ¬
lichere Durchlüftung der Lunge und die gesteigerte Sauerstoff¬
zufuhr sind bei einem vergifteten Organismus gewiss nicht zu
unterschätzende Hilfsfaktoren.
Die Erwartungen, zu denen die oben skizzierten Eigen¬
schaften des Kamphers 11 ) berechtigten, haben sich bei seiner
Verwertung beim Säugling im Stadium der alimentären Intoxi¬
kation in den letzten Monaten durchaus erfüllt.
Als Pulver wird der Kampher vom Magen schwer resor¬
biert. Ausserdem schien es nicht angängig, den in seinen
Funktionen schwer geschädigten Verdauungstrakt durch ein
Medikament unnötig zu reizen. Wir haben uns daher aus¬
schliesslich des Kampheröls bedient, das vorzüglich resorbiert
wurde und nur ein einziges Mal zu einem Abszess geführt hat,
trotz der sehr grossen Zahl von Injektionen.
Die anfängliche Befürchtung, die uns zunächst nur kleine
Dosen anwenden Hess, es möchten sich Erregungszustände der
psychischen Sphäre oder gar Konvulsionen und ein beim Tier
beobachteter erhöhter Bewegungstrieb geltend machen, haben
5 ) Schaps: lieber Salz- und Zuckerinfusionen beim Säugling.
Gesellschaft für Kinderheilkunde, 1906.
") Gofferje: Die Tagesschwankungen der Körpertemperatur
beim gesunden und kranken Säugling. Jahrb. f. Kinderheilk., Bd. 68.
7 ) Moellhausen: Salz- und Zuckerinfusionen beim Säug¬
ling. Jahrb. f. Kinderheilkunde, 1907, 65, S. 516.
8 ) Schaps: Salz- und Zuckerinjektion beim Säugling. Berl.
klin. Wochenschr., 1907, 19.
9 ) Neumann: Verhalten der Nieren bei alimentären Intoxi¬
kationen. Jahrbuch für Kinderheilkunde, 66.
,0 ) Blumenthal: Med. Klinik 1908, S. 200.
") Schmiedeberg: Grundriss der Arzneimittellehre. S. 162
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UNIVERSITV OF CALIFORNIA
136
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
sich nicht bestätigt. Auch sonst beobachtete Nebenwirkungen,
wie Aufstossen und Erbrechen, sind niemals von uns beobachtet
worden.
Die sich klinisch ergebende ausserordentlich hohe Toleranz
für Kampher beim kranken Säugling hat uns bis zu Dosen von
8 mal 0,1 steigern lassen, ohne dass irgend welche störende
Nebenerscheinungen aufgetreten wären. Es ist das um so be¬
merkenswerter, als es sich durchweg um schwerkranke und
nach Qewicht und Allgemeinzustand hinter gleichaltrigen nor¬
malen Kindern weit zurückgebliebene, in ihrer natürlichen
Widerstandskraft daher hochgradig geschwächte Säuglinge
handelte.
Bei der Frage, wann soll min der Kampher zur Anwendung
kommen, Hessen wir uns von folgenden Erwägungen leiten:
Es gibt, wie F i n k e 1 s t e i n r *’) erst kürzlich betonte, beim
akut magendarmkranken Säugling im Stadium der Behebung
der Intoxikation einen kritischen Punkt, wo der therapeutische
Nutzen des Hungers aufhört und andererseits die Möglichkeit,
durch energischere Kalorienzufuhr den drohenden akuten
Kollaps als Ausdruck der Inanition zu verhindern, noch nicht
besteht, so dass, wenn dem Herzen, als gefährdetstem Organ,
nicht energisch nachgeholfen wird, der geringe noch vor¬
handene Funktionsrest rapid verloren zu gehen droht.
In diesem Moment, der individuell verschieden nach 24,
48, ja erst nach 72 stündigem Hungern auftreten kann, wo die
Ernährung, wenn auch nur in den minimalsten Quantitäten,
durch Zufuhr von Kohlehydraten in Form von Schleim¬
abkochungen wieder ganz vorsichtig eingeleitet wird, hat sich
die Zufuhr von Kampher zur Erhaltung bezw. zur Hebung der
schwer darniederliegenden Herzkraft in grossen Dosen vor¬
züglich bewährt.
Gewöhnlich wurden 3 stündlich —1 ccm einer lOproz.
Kampherölemulsion injiziert und zwar nicht nur so lange bis
sich Puls und Herzkraft gehoben hatten, sondern bis eine
kalorienreichere, bekömmliche Ernährung für die ungestörte
Fortdauer der Besserung des Herzzustandes eine sichere Ge¬
währ gaben. In einem Fall wurden so bis 59 Injektionen in
10 Tagen gemacht und zwar mit gutem Erfolge.
Wir konnten uns sehr häufig dem Eindruck nicht ent¬
ziehen, dass der zu richtiger Zeit und in grossen Dosen ge¬
gebene Kampher sonst sicher verlorenen Säuglingen über jenen
kritischen Moment hinweggeholfen hat und dass sie seiner her¬
vorragend kräftigenden Wirkung auf ihre schwer darnieder¬
liegende Herzkraft ihre Genesung von schwersten Formen
alimentärer Intoxikation verdankten.
Kampher wurde schon immer gelegentlich bei akut magen¬
darmkranken Kindern verwandt; dessen bin ich mir wohl be¬
wusst. Aber eine systematische Kamphertherapie, die beim
Säugling zu so hohen Dosen greifen darf und dann das Ein¬
setzen derselben in dem oben gekennzeichneten Moment,
schienen mir der Erwähnung wert und wäre es nur, um zu
einer Nachprüfung dieser Methode von anderer Seite anzu¬
regen.
Ueber Erfahrungen mit Medinal (Schering).
Von Dr. Ludwig Ebstein in Stettin, Spezialist für innere
Krankheiten.
Im Juliheft der „Therapie der Gegenwart“ 1908 empfiehlt
Ernst St ein itz-Berlin das Mononatriumsalz der Diäthyl-
barbitursäure als Ersatz für die Diäthylbarbitursäure selbst,
welche unter dem Namen Veronal zurzeit wohl das gebräuch¬
lichste aller Schlafmittel darstellt. Die Nachteile, welche dem
Veronal anhaften, der oft nur langsame Eintritt seiner Wirkung,
sowie die gar nicht seltenen unerwünschten Nachwirkungen,
sind die Folgen einer relativ schweren Wasserlöslichkeit. Das
von S t e i n i t z empfohlene Mononatriumsalz der Diäthyl¬
barbitursäure hat nun, wie S t ei n i t z angibt, den Vorzug
leichter Löslichkeit und hat daher bei schnellerer Resorption
und beschleunigter Ausscheidung durchschnittlich eine schneller
12 ) Finkeistein: Monatsschrift für Kinderheilklunde, Bd. VII,
1908, Seite 101.
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eintretende und sicherere Wirkung als die Diäthylbarbitursäure
in gleicher Dosis.
Das mir von der Chemischen Fabrik (vorm. E. Sche¬
ring) in Berlin bereitwilligst zu Versuchszwecken zur Ver¬
fügung gestellte Medikament, das den Namen Medinal er¬
halten hat, stellt ein weisses kristallinisches Pulver dar, das
etwas bitter und schwach alkalisch schmeckt. Es kommt in
Pulverform, sowie in Tabletten zu 0,5 g in den Handel. Pulver
wie Tabletten lösen sich leicht in Wasser, und zwar — nach
Stein itz — in Wasser von 20" im Verhältnis von 1:5
(gegenüber der Löslichkeit des Veronals von 1:145).
Ich habe in meiner Praxis bei 18 Fällen bis jetzt das
Medinal in Anwendung gebracht und habe ausserordentlich
befriedigende Resuitate erzielt, über die ich im folgenden in
der Form gedrängter Journalreferatc berichten will 1 ):
1. Max G., 38 Jahre, Techniker. Tabes dorsalis mit chroni¬
schem Morphiumgebrauch. 11. VII. 08: Gastrische Krisen. Schmerz¬
haftes Erbrechen galliger Massen seit 40 Stunden. Grosse, selbst
injizierte Morphiumdosen ohne Effekt. Kein Schlaf. Vs g Medinal,
am Abend in einer Ruhepause zwischen den Brechakten verabreicht,
bleibt im Magen. Danach 5 Stunden ruhigen Schlafs. — 12. VII. Am
Tage wieder Erbrechen. Da am Nachmittag Vs g Medinal erbrochen
werden, rektale Applikation derselben Menge Medinal in 5 ccm
Wasser. Danach über 6 Stunden Schlaf. — 13. VII. Abklingen der
Krise. — Im weiteren Verlauf erfolgreiche Morphiumentziehungskur:
zunächst teilweiser Ersatz des Morphiums durch subkutane Medinal-
gaben in vorsichtiger Steigerung bis zum völligen Ersatz. Seit
13. IX. hat Pat. Morphium subkutan nicht mehr gebraucht. Als
Schlafmittel benützt Pat. jetzt nur Medinal, teils per os, teils per
rectum.
2. Otto F., 32 Jahre, Kaufmann. Tabes dorsal, incip. — Lanzi-
nierende Schmerzen, welche den Schlaf stören. Durch Phenazetin
vorübergehende Milderung der Schmerzen. — 2. VIII. Brom ohne
Wirkung. — 3. VIII. Nach 0,5 Veronal 4 Stunden Schlaf; nach dem
Erwachen Kopfdruck, Uebelkeiten. — 4. u. 5. VIII. Veronal mit dem¬
selben Erfolg und denselben Nachwirkungen. — 6. VIII. Vs g Medi¬
nal per os. 6 Stunden ruhigen Schlaf. — 7. u. 8. VIII. Medinal.
Gleicher Erfolg.
3 Frau Edith K., 29 Jahre. Aus neurotischer Familie. Nach
einem normalen Partus schwere Aufregung- und Depressionszuständc;
Gefühl von Leere im Kopf; Suizidgedanken. Schlaflosigkeit. —
Neben diätetischen und hydropathischen Massnahmen abends 0,5 g
Medinal per os; danach regelmässig guter, ruhiger Schlaf; Pat. er¬
wacht am Morgen gestärkt und erfrischt. Nach 3 Wochen ist Medi¬
nal nur mehr gelegentlich notwendig. Zur Zeit der Menses regel¬
mässig Aufflackern der nervösen Zustände, mitunter mit Erbrechen.
Während dieser Zeit wird Medinal rektal gegeben; prompter Erfolg.
— Mitte September allgemeine Besserung.
4. Frida B., 22 Jahre. Phthisis pulmon. cavernosa. Hartnäckiger
Hustenreiz, der die Pat. tags und nachts quält. Larynx blass,
anämisch; nichts von Ulzerationen o. ä. — Morphium nicht vertragen;
auch nach subkutaner Injektion Erbrechen. Baldrian, Brom wirkungs¬
los, ebenso die Antipyretica. — Nach Medinal 0,5 per os oder per
rectum ungestörter, fester Schlaf bis zum Morgen.
5. Joh. Sch., 55 Jahre. Arteriosklerose. Emphysema pulmonum.
— Der im allgemeinen erträgliche Zustand wird am 27. VII. 08 nach
einer starken körperlichen Anstrengung von einem bedrohlichen
Asthmaanfall unterbrochen. Nach 0,5 g Medinal per rcct. Abklingen
der Angina pectoris; nach 2 gleichen Medinalgaben per os an den
2 folgenden Tagen Rückkehr zum Status quo ante.
6. Frau Frida R., 32 Jahre. Morbus Basedowii gravis.
136 Pulse; Exophthalmus; allgemeiner Tremor; Abmagerung um
20 Pfd.; Unruhe; Schlaflosigkeit; Aufregungs- und Angstzustände. —
Medinal (0,5 g), abends, per os, von rascher Wirkung. Nach 8 Tagen
guten Schlafs bei strikter Bettruhe Antithyreoidin- und Mastkur.
Gewichtszunahme 12 Pfd. Behandlung noch nicht abgeschlossen.
7. Frau Anna H., 31 Jahre. Morbus Basedowii. Schlaflosigkeit
infolge heftiger Herzpalpitationen. Eisblase auf das Cor von ungenü¬
gender Wirkung. Medinal (0.5 g), abends, per os, von Erfolg. Nach
10 Tagen Ersatz des Medinals durch brausendes Bromsalz, das zu¬
vor wirkungslos gewesen.
8. Otto M., 56 Jahre. Operiert (Dr. Friedemann - Stettin)
wegen Pylorusstenose durch Ulcusnarbe. Der vor dem Eingriff zum
Skelett abgemagerte Pat. hat nebenbei eine schwere allgemeine
Arteriosklerose und eine Insuffizienz der Aortenklappen. — Wund¬
heilungsverlauf ungestört; nur Schlaflosigkeit, die Pat. stark
herunterbringt. Medinal per os oder per rectum stets mit promptem
Erfolg verabreicht.
9. Frau Ida M., 48 Jahre. Klimakterische F ' .'.werden: Wal¬
lungen zum Kopf; Schweissausbrüche; Angst/; de; Schlaf-
Das Mononatriumsalz der Diäthylbarbiturs. ure wurde auch
unter dem Namen „Veronalnatrium“ von W i n t e r n i t z in der Me¬
dizinischen Klinik, No. 31 (später als S t e i n i t z) empfohlen.
Original from
UNIVERSUM OF CALIFORNIA
19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
137
I n s i g k e i t. Neben Mastkur und hydropathischen Massnahmen
0.5 g Medinal 7 Abende hintereinander mit bestem Erfolg; seither
genügender Schlaf ohne jedes Medikament.
10. William T., 40 Jahre, Kaufmann. Schwere Neurasthenie mit
Zwangsvorstellungen, Depression und Schlafmangel. Nachts nur
2 —3 Stunden Schlaf. Brom nicht vertragen. Priessnitzumschläge etc.
wirkungslos. Nach Medinal (0,5 per os) fester Schlaf. Am 3., mor¬
gens (nach der 3. Medinalgabe), klagt Pat. über Schwere und Ein-
genommensein des Kopfes.
11. Erau Elise M., 40 Jahre, Qutsbesitzersgattin. Tbc. pulmon.
11. Grades und Emphysema pulmonum. Schlaflosigkeit durch asthma¬
artige Anfälle von mehrstündiger Dauer. Durch Medinal (per os) Ab¬
kürzung und Beseitigung der stenokardischen Zustände und ruhiger
Schlaf.
12. Frl. Alma B., 39 Jahre. Nach Ablauf eines fieberhaften Ge¬
lenkrheumatismus, der unter Salizylbehandlung ablief, noch Ziehen
und Zerren in den grossen Gelenken und im Rücken, die besonders
bei den unbewussten Bewegungen im Schlafe auftreten. Dadurch
erwacht Pat. fast allnächtlich mit Schmerzen und kann — trotz
Salizyls — nicht wieder einschlafen. Der neuropathisch veranlagte
Pat. kommt durch die schlaflosen Nächte sehr herunter. Brom
ohne Erfolg. Medinal (14 g innerlich) verschafft der Pat. genügenden
Schlaf bis zum Morgen. Nach 5 Tagen ist die Schlaflosigkeit über¬
wunden. Pat. ist geheilt entlassen.
13. Richard T., 29 Jahre, Telegraphenbeamter. Neurosis cordis
mit Palpationen, Angstzuständen und Attacken irregulärer Herz¬
aktion, die Pat. als „Herzaussetzen* 1 subjektiv empfindet. Pat. ist
seit 15 Monaten dienstunfähig. Besserung der herzneurotischen Be¬
schwerden unter entsprechender Behandlung. Nur wird nachts der
Schlaf durch Herzklopfen gestört, das unter Eis etc. nachlässt, den
Pat. aber nicht einschlafen lässt. Die schlechten Nächte wieder
beeinflussen den Gesamtzustand des jungen Mannes aufs Nach¬
teiligste. 0,5 Medinal von promptem Erfolg. Pat., der noch in Be¬
handlung steht, nimmt Medinal im Bedarfsfall, und siets mit gutem
Erfolge.
14. Erau Klara M., Fleischermeistersgattin, 38 Jahre. Neuralgien
des rechten oberen Trigeminusastes. Nach Abklingen der Neuralgie¬
attacken bleibt Schlaflosigkeit zurück, die auf Priessnitz, Bäder, Brom
nicht schwindet. Medinal (0,5 g innerlich) abends genommen, hilft
regelmässig und prompt. In der 2. Woche guter Schlaf bei nur drei¬
maligem Medinalgebrauch. Geheilt entlassen.
15. Paul R., 44 Jahre, Gutsbesitzer. Seit Herbst 1907 Angst¬
zustände und Anfälle vom Bild der „grande hystSrie“: Hinfallen,
Umsichschlagen mit Armen und Beinen; „grand cercle“: Schreien
und Zähneknirschen von 5—15 Minuten Dauer. Pat. verbleibt in
meiner Beobachtung in hiesiger Privatklinik vom 11.—16. VIII. 08.
Sch laflosigkeil Medinal per os von promptem Erfolg. Da
Pat. sich am 13. VIII. weigert zu essen oder ein Medikament zu
nehmen, wird Medinal 0,5 g, da er nachts unruhig und bettflüchtig
wird, subkutan mit raschem und gutem Erfolg gegeben. Am 16. VIII.
w ird Pat. einer Irrenanstalt überwiesen.
16. Martha G.. 32 Jahre. Kaufmannsgattin. Desolater Fall von
rezidivierendem Karzinom der linken Mamma mit Karzinose der
Rumpfhaut, der Leber, der Lungen; Icterus gracis. Da Pat. Mor¬
phiuminjektionen fürchtet und scheut, wird Morphium innerlich ge¬
geben; genügt aber nicht, um der Pat. Schlaf zu bringen. Medinal
per os und per rectum stets mit promptem Erfolg.
17. Frau St., 46 Jahre, Restaurateursgattin. Lues III; Aneurysma
aortae; tertiär luetische Nasenulzerationen. Stenokardische Anfälle,
besonders des Nachts. Eisblase. Brom, Baldrian, Validol, Valyl von
unzureichender Wirkung. Pat. sitzt fast jede 2. Nacht orthopnoisch,
nach Atem ringend, in Erstickungsangst im Bette auf und hält mit
den Händen die Herzgegend. Auf Vs mg Medinal (innerlich) Ab¬
kürzung und Milderung der Anfälle und ruhiger, stärkender Schlaf.
Pat. macht eine antiluetische Kur durch. Stenokardische Anfälle sind
seltener und leichter geworden. Im Anfall nimmt Pat. Vs g Medinal
innerlich, jedesmal mit promptem Erfolg.
18. Frau Paula S., 40 Jahre, Kapellmeistersfrau. Als junge Ehe¬
frau luetische Infektion vor 16 Jahren. Ungenügend behandelt. Jetzt
tertiäre Prozesse am Schädel. Seit 6 Wochen nächtliche Anfälle von
Herzpalpationen, Herzangst und Atemnot mit Schweissausbrüchen
und dem Gefühl von „Herzstillstehen“. Objektiv: Aneurysma und
Insuffizienz der Aorta. Behandlung und Verlauf unter Medinal wie in
dem identischen Falle No. 17.
In allen geschilderten Fällen hat, wie die Kranken¬
geschichten im einzelnen dartun, das Medinal eine prompte
und sichere Wirkung gehabt ohne irgendwelche unangenehme
Nach- und Nebenwirkungen. Alle Patienten haben das Mittel
anstandslos genommen und gut vertragen. Nur in einem Fall
(No. 10) wurde von einem hypersensiblen und sich selbst
ängstlich beobachtenden Neurastheniker am Morgen nach
ruhigem und festem Medinalschlaf über „eingenommenen Kopf“
geklagt.
Nicht nur als schlafbringendes Mittel, auch zur Linderung
und Abkürzung stenokardischer, asthmatischer und ähnlicher
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Zustände hat mir das Medinal gute Dienste geleistet. (Fälle 5,
7, 11, 17, 18). Die Erfahrungen (Fall 1) mit Medinal als Hilfs¬
mittel bei Morphiumentziehung mögen zu weiteren Versuchen
mit Medinal in geeigneten Fällen anregen.
Was aber das Medinal vor allen anderen Schlafmitteln,
speziell vor der Diäthylbarbitursäure, auszeichnet, ist die
grosse Variabilität seiner Applikations¬
möglichkeiten. Die grosse Wasserlöslichkeit des Medi-
nals gestattet bei Patienten mit empfindlichem Magen oder bei
Brechneigung die Verabreichung per rectum, bei Unruhe und
Aufregungszuständen die subkutane Injektion des wasser¬
gelösten Medikaments. Bei rektaler Applikation war die Me-
dinalwirkung noch schneller als bei innerlicher Anwendung.
Die subkutane Injektion wirkte nicht so schnell, wie bei rek¬
taler Einbringung, aber intensiver und war von länger dauern¬
dem Erfolge.
Stettin, September 1908.
Aus dem k. k. Universitätsambulatorium für orthopädische
Chirurgie des Regierungsrat Prof. Dr. Adolf L o r e n z in Wien.
Ueber Almatein.
Von Dr. Robert Werndorff, Assistent.
Das Almatein scheint ein vielversprechendes Mittel zu
sein, berufen in der Behandlung der chirurgischen Tuberkulose
das Jodoform zu ersetzen.
Wer viel Gelegenheit hat, Knochen- und Gelenktuberkulose
zu behandeln, dem sind die unangenehmen Nebenwirkungen
des Jodoforms nicht unbekannt, nicht so sehr die Intoxikations-
wie die örtlichen Reizerscheinungen, insbesondere das Jodo¬
formekzem.
Gerade das nicht zu seltene Auftreten des Jodoform¬
ekzems im Anschlüsse an Knochenplomben war bestimmend,
das Almatein als Ersatzmittel des Jodoforms zu versuchen. Er¬
munternd waren dabei die von anderer Seite 1 ) gemeldeten
ausgezeichneten Erfolge der chirurgischen Almateinbehand¬
lung.
Das Almatein ist ein von dem Chemiker Dr. L e p e t i t in
Mailand auf synthetischem Wege gewonnenes Kondensations¬
produkt aus Formaldehyd und Hämatoxylin mit der Formel
CaeHazOu 2 ). Es Ist ein feines, ziegelrotes, geruch- und ge¬
schmackloses Pulver, das in Chloroform und kaltem Wasser
gar nicht, in siedendem wenig, in Alkohol und Eisessig ziemlich
leicht, in Glyzerin und alkalischen Flüssigkeiten hingegen leicht
löslich ist. Seine therapeutischen Erfolge verdankt das
Almatein seinen beiden Komponenten; den antisepti-
sehen Eigenschaften des Formaldehyds und den adstrin¬
gierenden des Hämatoxylins.
Das Almatein wurde von uns bei gewöhnlichen tuber¬
kulösen Fisteln, bei tuberkulösen Fisteln mit nässendem Ek¬
zem, bei Dekubitus in Pulverform und als lOproz. Almatein-
gaze, zur Injektion bei kalten Abszessen und als Almatein¬
plombe bei Knochenkaries verwendet.
Ganz besonders hervorzuheben ist die sekretions¬
beschränkende Wirkung des Almateins. Mit Almateinstreu¬
pulver und Almateingaze behandelte tuberkulöse, stark eiternde
Fisteln zeigten eine bemerkenswerte Verminderung der Se¬
kretion; die austrocknende Wirkung des Almateinpulvers war
besonders auffallend in einem Falle von tuberkulöser, eiternder
Fistel mit nässendem Ekzem des Oberschenkels, das monate¬
lang den verschiedenen Medikationen getrotzt hatte; eine ein¬
malige Applikation von Almatein in pulvere brachte das Ekzem
nahezu zum Schwinden.
Auch bei tiefem Dekubitus wurde mit Erfolg das Streu¬
pulver angewendet; hier fiel die reichliche Granulations¬
bildung auf.
Der Injektion mit Almatein wurde das überaus reiche
Material der Klinik an tuberkulösen Abszessen durch mehrere
Monate hindurch zugeführt.
1 ) Venus: Almatein in der Chirurgie. Zentralblatt für Chi¬
rurgie, No. 17, 1908.
3 ) Analyse des Prof. Dr. Roland Scholl, Vorstand des che¬
mischen Institutes an der Universität Graz, Februar 1908.
Original from
UNIVERSITV OF CALIFORNIA
138
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
Im allgemeinen verhalten wir uns den tuberkulösen Ab¬
szessen gegenüber abwartend; die Punktion mit nachfolgender
Injektion irgend eines Medikamentes wird möglichst spät vor-,
genommen, dann, wenn eine spontane Rückbildung nicht mehr
zu erwarten ist. Die Zahl der bei dieser Zurückhaltung zur
Punktion kommenden tuberkulösen Abszesse ist trotzdem
leider sehr gross. So wurden nahe an 100 Senkungsabszesse
nach tuberkulöser Koxitis und Spondylitis von uns nach vor¬
genommener Punktion mit Almatein behandelt. Zur Injektion
wurde eine 1 proz. Lösung von Almatein in Glyzerin verwendet,
und zwar je nach dem Alter des Kranken und der Grösse des
Abszesses von 1 bis zu 10 g. Der Erfolg war sehr gut; die
Resorption trat nach 1—2 Injektionen ein, ohne die geringsten
lokalen oder Allgemeinerscheinungen.
Anlässlich der wegen Kniegelenksresektion vorgenom¬
menen Eröffnung eines mit dem Gelenk kommunizierenden Ab¬
szesses, der kurz vorher mit Almateininjektionen behandelt
worden war, konnten wir die Austrocknung und beginnende
Verödung der Abszessmembran feststellen.
Die austrocknende und reizlose Wirkung des Almateins war
es auch, die uns veranlasste, es als Knocheitplombe zu
verwenden.
Die oft berichteten Misserfolge der Mo s et ig sehen
Plombe sind auf zwei Ursachen zurückzuführen: erstens auf
ungenügende Entfernung des kranken Gewebes, zweitens auf
die nicht genügende Austrocknung der Knochenhöhle. Um
letzterem Umstande abzuhelfen, benutzte M o s e t i g das Aus¬
blasen mit erwärmter Luft; wir bespülten die Knochenhöhle
mit 1 proz. Formalinlösung. Der Gedanke lag nahe, das in
Rede stehende Kondensationsprodukt aus Formaldehyd i
und Hämatoxylin an Stelle des Jodoforms in der Mo- |
s e t i g sehen Plombe zu verwenden und der Erfolg blieb auch
nicht aus. Die austrocknende Wirkung dieser Plombe ist auf¬
fallend. Sie erstarrt ein wenig rascher als die Jodoformplombe
gleicher Zusammensetzung, was einen Vorteil mehr bedeutet.
Auch bei dieser Anwendungsweise des Almateins wurden weder
lokale noch allgemeine Reizerscheinungen beobachtet.
So ist das Almatein berufen, das Jodoform zu vertreten,
jedenfalls dort, wo es darauf ankommt, austrocknend zu wirken
und rasche Granulationsbildung anzuregen. In der Knochen¬
chirurgie wird es als Almateinplombe zu verwenden sein.
Akute posttraumatische Dupuytren sehe Finger¬
kontraktur.
Von Dr. M. Oscar Wyss in Zürich.
So gut bekannt die allmählich sich entwickelnde Dupuy-
trensche Fingerkontraktur ist, so wenig scheinen Fälle nach
einem einzelnen Trauma bisher überhaupt noch beobachtet
worden zu sein, wenigstens nicht mit solcher Sicherheit, dass
ein einzelnes Trauma direkt mit dieser Affektion im Zusammen¬
hang zu stehen schien.
Bekanntlich handelt es sich bei der Dupuytren sehen
Fingerkontraktur um eine entzündliche Schrumpfung der Pal¬
marfaszie, die in der Regel hervorgerufen wird durch grobe
Arbeit, durch welche die Hände immer wieder kleinere
Traumen erleiden. Ledderhose glaubt, dass durch zahl¬
reiche kleine Einrisse der Faszie Narbenbildungen entstehen,
die als kleine Knötchen häufig zu palpieren sind. Obwohl nun
eine ausgesprochene Entzündung als Urheberin dieser Krank¬
heit nicht bekannt ist, so erwähnt doch Friedrich -Leipzig
die Selbstbeobachtung eines Arztes, der als Ursache seiner
Kontraktur die von leichter Infektion gefolgte Läsion be¬
schuldigt, die er sich Jahre vorher bei einer Sektion zu¬
gezogen hatte.
Eine gewisse Aehnlichkeit mit dieser Beobachtung zeigt
folgende Krankengeschichte, wobei sich freilich die ganze Er¬
krankung nur über sehr kurze Zeit erstreckt.
Am 31. VII. 08 kam der 14 jährige Schlosserlehrjunge S. in
meine Behandlung wegen einer 8 cm langen unscharfen Schnittriss¬
wunde der Hohlhand, welch erstere sich vom 3. bis 4. Fingerinter-
stitium bis zum Ausgangspunkt der Daumenballenhandlinie am Hand¬
gelenk erstreckte. Sie folgte also ungefähr den Beugesehnen des
4. Fingers. Als Ursache der Verletzung gab S. an, dass er mit der
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No. 3.
Hand einer Blechkante rasch entlang gefahren sei und sich dabei
geschnitten habe. Die Wunde war wenig tief, mochte wohl da und
dort die Palmarfaszie geritzt oder gespalten haben, Funktions-
Störungen der Finger bestanden aber keine. Nach gründlicher Des¬
infektion heilte die Wunde ohne Naht rasch; nach 14 Tagen schien
mir die Narbe so solide, dass ich S. wieder arbeiten liess. Alle
Fingerbewegungen, besonders auch vollständige Extension, waren
normal.
S. arbeitete nur 2 Tage, dann kam er am 17. VIII. wieder zu
mir, weil sich seit dem 15. VIII. eine schmerzhafte Flexionsstelluns;
des 4. Fingers eingestellt hatte, die stetig zunahm. Die Kuppe des
4. Fingers war von der Hohlhandfläche noch ca. 4 cm entfernt der
Finger selbst konnte aktiv nicht gestreckt werden; passive Streckung
verursachte grosse Schmerzen und konnte ohne Gewaltanwendung
auch nicht ausgeführt werden, da die Handfaszie, mit der Narbe fixier:
wulstige Erhebungen über der Beugesehne erzeugte. Bei forcierter,
scheinbar sehr schmerzhafter Extension des 4. Fingers spürte man
deutlich das knisternde, ruckweise Durchreissen der wellenförmigen
Verwachsungen der Palmarfaszie in der Narbe. Unter täglicher Mas¬
sage und zweimaliger ziemlich starker Jodbepinselung der geröteten
frischen Narbe, wurde allmählich die vollständige passive und
schliesslich auch aktive Extension möglich. Auch die Narbe selbst
wurde weicher, zeigte keine Verdickungen mehr, so dass ich nach
einigem Zuwarten den Patienten am 31. VIII. 08 seine Arbeit wieder
aufnehmen liess. Anamnestisch ist noch zu erwähnen, dass der Vater
des Patienten keine Andeutung einer Handfaszienveränderung auf¬
weist. S. ist zurzeit gänzlich arbeitsfähig.
C. Kaufmann betont in seinem Handbuch der Unfall¬
medizin (1907), dass ein einmaliger Unfall eine Dupuytren-
sehe Kontraktur nicht auszulösen vermag. Auch Heuser
(Diss. Bonn 04: Beitrag zur Frage: D u pu y t r e n sehe Kon¬
traktur und Unfall) konstatiert, dass in der Literatur kein ein¬
wandsfreies auch nur wahrscheinliches Beispiel von einem
Zusammenhang zwischen Dupuytren scher Kontraktur um!
Unfall zu finden ist, in welchem das Anfangsstadium des Leidens
nicht schon vorher bestanden hatte.
Diese Beobachtungen schienen mir die Mitteilung eines
einschlägigen Falles, wo die Dupuytren sehe Kontraktur im
direkten Anschluss an ein Trauma erfolgte, zu rechtfertigen.
Ich hebe noch hervor, dass vor dem Trauma und auch in den
ersten 2 Wochen nach demselben keine Veränderungen im
Sinne der Dupuytrensshen Kontrakturen vorhanden waren.
— Sie stellten sich erst ein, als der Junge, wieder zu arbeiten
begann. Neben dem allerdings geringfügigen wiederholten
Trauma der Handfaszie durch zweitägiges Arbeiten mag ein
leichter Infektionszustand (aus der starken Rötung der Narbe
zu schliessen) beim Zustandekommen der Affektion mitgewirkt
haben. Es spricht hiefür auch der Umstand, dass nach Jod¬
bepinselung und Massage die Dupuytren sehen Kontrak¬
tur der Narbe zurückging und nicht wiederkehrte, als 4 Wochen
nach dem Unfall der Junge in gewohnter Weise als Schlosser¬
lehrling arbeitete.
Für den Heilungsverlauf war zweifellos das Alter des
Patienten — 14 Jahre — günstig; gleichzeitig mögen wir aber
erkennen, dass bei jugendlichen Individuen das Entstehen dieser
Affektion nicht ausgeschlossen ist, wenn die Handfaszie in
grösserer Ausdehnung dem Sehnenverlauf entsprechend ge¬
ritzt wird, und ein entzündlicher Reizzustand der Faszie hinzu-
kommt. Es schien, wie wenn die Faszie sich in wellenförmige
Falten gelegt und in den Umbiegungsstellen nach der Tiefe hin
eine Verwachsung begonnen hätte.
Dass speziell die Jodbepinselung die rasche Besserung
mitbewirkt habe, scheint mir durch eine neuere Mitteilung von
Dr. A. Schanz plausibel, wonach durch Jodbehandlung eine
viel glättere Ausheilung frischer Narben als sonst beobachtet
wird.
Freilich ob der Junge auch in späteren Jahren vor einem
Rezidiv verschont sein wird, muss erst noch abgewartet
werden; ein bleibender Nachteil kann aber zur Zeit nicht an¬
genommen werden.
Unsere Ansicht geht dahin: 1. Es gibt eine akute Post-
traumatische Dupuytren sehe Kontraktur der Hand¬
faszie (wohl infolge leichter Infektion), die 2. dun-u
forcierte Lösung, tägliche Massage und Jodbehandlung
jodi) in relativ kurzer Zeit zur Heilung geführt werden kann.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
139
lieber den habituellen Ikterus gravis der Neugeborenen.
Von Sanitätsrat Dr. Nahm in Frankfurt a. M.
Unter diesem Titel hat Prof. Pfannenstiel in den No. 42
und 43, 1908 dieser Zeitschrift einen interessanten Aufsatz ver¬
öffentlicht. An ihn wurde ich dieser Tage lebhaft erinnert, als eine Frau
aus meinem früheren Wirkungskreise R. zu mir kam, um sich ärzt¬
lichen Rat zu erholen. Die betreffende Person ist gegenwärtig im
4. Monat gravid und wünscht sich sehnlichst ein gesundes, lebens¬
fähiges Kind, sie ist aber infolge ihrer unten zu schildernden traurigen
Erfahrungen voll banger Sorge, dass ihr die Geburt wieder eine herbe
Enttäuschung bringen werde.
Die Frau, eine kräftige, gesund aussehende Person, erklärt, dass
sie und ihr Mann, der mir ja als von guter Konstitution bekannt sei,
in ihrem Leben nie ernstlich krank gewesen; sie betont ausdrücklich,
dass keines von ihnen Lues gehabt. Auf meine Frage nach Gelbsucht
antwortet sie, dass sie nie an Gelbsucht gelitten hätten, auch wäre
ihres Wissens in ihren beiderseitigen Familien nie Gelbsucht vor¬
gekommen.
Die erste Geburt erfolgte in ihrem 24. Lebensjahre, ein Jahr nach
der Verheiratung, 1895. Es war — ich folge hier stets den Angaben
der Frau — ein gut entwickelter Knabe von 5Vs kg (!) Körpergewicht,
der mit Ikterus zur Welt kam und daran am 3. Tage post partum
zugrunde ging. 1896 wurde von ihr ein Mädchen, 1897 ein Knabe
geboren, beide erblickten, wie sich die Frau genau erinnern will,
stark ikterisch das Tageslicht, wurden aber ohne jede ärztliche Hilfe
gesund und leben heute noch in voller Gesundheit. Die 4. Geburt er¬
eignete sich 1899, das Produkt war ein kräftiges Mädchen, das am
4. Tage an Ikterus starb. Das 5. Kind gebar meine Klientin 1901.
Der Knabe lebt und ist gesund, gelb war er, wie die Landbewohnerin
sich ausdrückt, auch. Das 6. Kind sah 1903 das Licht der Welt, das
7. Kind 1904 und das 8. 1906. Diese 3 Sprösslinge, 1 Mädchen und
2 Knaben, gingen in 3—4 Tagen an Ikterus gravis zugrunde. Sie waren
alle kräftig und stark entwickelt, ja die Frau meint, sie seien über¬
mässig dick und voll gewesen.
Auf Befragen gibt die Schwangere ferner an, dass sämtliche Ge¬
burten normal verliefen, dass dabei nie ärztliche Hilfe in Anspruch
genommen wurde. Es sei ihr aufgefallen, dass die Kinder schon mit
der gelben Hautfarbe zur Welt kamen, nicht erst nach der Geburt
allmählich gelb wurden. Bei den an Ikterus verstorbenen Kleinen will
sie folgendes bemerkt haben: Während der Schwangerschaft habe sie
im Gegensatz zu den am Leben gebliebenen Kindern nur geringe
Kindesbewegungen gemerkt, es sei viel mehr Fruchtwasser vor¬
handen und die Wehen stärker gewesen. Die Verstorbenen seien
nach der Geburt sehr blau um den Mund gewesen, es habe längerer
Zeit und längerer Anstrengung bedurft, um sie zu sich zu bringen.
Während ihrer kurzen Lebenszeit hätten sie sich nur wenig bewegt,
wenig geschrien, hätten aber ordentlich getrunken. Alle Kinder wur¬
den an der Mutterbrust genährt. Stuhlgang und Urin sollen gallig ge¬
färbt gewesen sein, Blutflecken will sie nie wahrgenommen haben.
Noch sei ihr aufgefallen, dass die Kinder vor ihrem Tode Krämpfe
gehabt hätten.
Das 1906 zur Welt gekommene Kind habe ich selbst zu Gesicht
bekommen, und zwar bei der Leichenschau. Leider unterliess ich es,
die Sektion zu machen. Ich vermochte mich damals davon zu über¬
zeugen, dass es ein gut ausgetragenes, vollgewichtiges Kind war, mit
intensiv gelber Hautfarbe, aber ohne jede Blutflecken. Der Nabel¬
schnurrest war gut angetrocknet, auch die Umgebung des Nabels
normal.
Stimmen die Angaben der Frau, dass alle Kinder ikterisch ge¬
boren wurden, dann wäre unser Fall eine Stütze der Ansicht von
L a g r 6 z e, dass eine kongenitale Intoxikation der Kinder durch gif¬
tige Stoffwechselprodukte des mütterlichen Organismus vorliege. Es
spräche gegen die Meinung Pfannenstiels, dass es sich um eine
mangelhafte Befähigung des Kindes zu selbständigem extrauterinen
Leben handle. Indes Täuschung ist leicht möglich, trotzdem die Aus¬
sagen fest und bestimmt lauten. Eine Kontrolle derselben durch Nach¬
frage bei der Hebamme ist nicht möglich, da die alte Hebammme nicht
mehr in R. weilt. Es ist dafür gesorgt, dass bei der demnächstigen
Niederkunft das besondere Augenmerk darauf gerichtet wird, ob das
kleine Wesen ikterisch zur Welt kommt oder erst nach der Geburt
ikterisch wird.
Und die ärztlichen Ratschläge, welche die Frau erbat, um
wieder ein gesundes Kind zu bekommen? Ich muss gestehen, dass
ich in meinem medizinischen Leben noch selten so verlegen um eine
Antwort war. Ich habe ihr, vielleicht beeinflusst durch die La-
g r S z e Anschauung, geraten, bis zur Geburt rein vegetarisch zu
leben.
Zum Bedenken an Dr. Adolf Schmid von Reichenhall.
Am 14. Dezember 1908 starb plötzlich zu Berlin im
63. Lebensjahre Hofrat Dr. A d o 1 f S c h m i d, ein Mann, dessen
Name weit über die Grenzen seines Wirkungsortes hinaus
einen guten Klang hatte, dessen Tod Trauer brachte in weite
Kreise des Landes. Ein kurzer Rückblick auf sein Leben und
Wirken wird vielen willkommen sein und die Erinnerung
lebendig halten an den Geschiedenen.
Dr. Adolf Schmid war am 29. November 1846 zu
Erlangen geboren, und studierte von 1866—71 in Erlangen
und Würzburg. An letzterem Orte blühte noch die alte Wiener
Schule — Bamberger, Linhart, Scanzoni, in Er¬
langen fing die moderne Medizin — Ziemssen, Heineke,
Schröder — sich zu entfalten an. 1870 begleitete Schmid
Sanitätszüge nach Frankreich unter der Führung unseres
unvergesslichen Ziemssen, der damals in wochenlangem
engen Verkehr den Wert des jungen Mannes schätzen lernte;
er nahm ihn nachher noch im praktischen Jahr als Assistent
an seine Klinik, 1872 nach Absolvierung des Staatsexamens mit
Note I betraute er ihn mit der selbständigen Führung der
medizinischen Poliklinik. Dies waren köstliche Jahre streng
wissenschaftlicher Arbeit, in einem Kreise gleichgesinnter
Mediziner, den Assistenten der anderen Anstalten, die sich da¬
mals zu einem engen, das ganze Leben währenden Freund¬
schaftsbund zusammenfanden. Schmid, der ältesten einer,
war es, den die feine Erziehung des Elternhauses, die gesell¬
schaftliche Gewandtheit, vor allem aber die warme Herzens¬
güte und die Lauterkeit des Charakters verdienterweise in den
Mittelpunkt stellten.
Im Winter 73/74 legte er die letzte Feile an seine Aus¬
bildung in Berlin und Wien, wo er besonders die damals noch
wenig verbreitete Laryngoskopie sich zu eigen machte.
Bernhard F r ä n k e 1 und Schnitzler führten ihn und uns
mit in dieses Fach ein. Schon im Sommer 1873 hatte sich
Schmid, und zwar wieder auf Ziemssens Rat, in Reichen¬
hall niedergelassen; hier in dem bald mächtig aufstrebenden
Bad — ist es doch bis heute der einzige grössere Kurplatz in
den deutschen Alpen — war sein eigentliches Arbeitsfeld
durch volle 35 Jahre. Reichenhall ist gross geworden mit ihm
und vielfach durch ihn.
Seine markante Persönlichkeit, sein sicheres, stets ver¬
trauenerweckendes Auftreten am Krankenbett, die Festigkeit,
die stets mit augenfälligstem Wohlwollen und Mitgefühl mit
dem Kranken gepaart war, dazu in erster Linie seine ge¬
diegene wissenschaftliche Ausbildung, verschafften ihm in
kürzester Zeit eine ausgedehnte Klientel, die von Jahr zu Jahr
wuchs und die bald nicht nur des Bades, sondern besonders
auch des Arztes wegen Reichenhall aufsuchte.
Er erfüllte in vollstem Masse die B i 11 r o t h sehe For¬
derung, dass ein guter Arzt zuerst ein guter Mensch sein
müsse. Wie alles in der Medizin, hat in den letzten Dezennien
auch der Begriff eines „Badearztes“ eine mächtige Wandlung
erfahren; früher vielfach belächelte Schablonenarbeitcr sehen
wir jetzt in den Bädern die tüchtigsten Spezialärzte, angepasst
dem Charakter des Bades an der Arbeit. Schmid gehört
mit zu den ersten dieser Bahnbrecher, der durch seine Lei¬
stungen das Niveau seines Standes gehoben hat, wie er sich
selbst sein Leben lang auf der Höhe der Wissenschaft hielt.
Bald schon lebte er den Winter in München, teils eben¬
falls praktizierend, teils aber wissenschaftlich arbeitend itn
engsten freundschaftlichen Verkehr mit seinem alten Freunde
Ziemssen und den anderen Grössen der Münchener medi¬
zinischen Fakultät; ich nenne von den ihm Nahestehenden noch
B o 11 i n g e r und Eversbusch.
Sein Arbeiten galt naturgemäss der Erkennung und Be¬
handlung der Krankheiten, die seinen Kurort besuchten — vor
allem also denen der Respirationsorgane, in erster Linie der
Tuberkulose. Eine Reihe kleinerer Publikationen über Terrain¬
kuren, Inhalationsbehandlung, Heissluftapparat usw. ver¬
dichteten sich zu der grossen Arbeit: Inhalations- und pneu¬
matische Behandlung der Erkrankungen der Atmungsorgane,
inPenzoldt-Stintzings Handbuch der Therapie innerer
Krankheiten.
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140
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
Mit Wort und Schrift trat er energisch ein für die Errich¬
tung von Volkslungenheilstätten, wie er ja auch langjähriges
angesehenes Vorstandsmitglied des Vereins für solche war.
Beim Kongress für innere Medizin hatte er seit 1906 die Ehre
Ausschussmitglied zu sein.
In seinem Reichenhall aber war die praktische Betätigung
der neuen Errungenschaften der Wissenschaft sein eigentliches»
und dankbarstes Feld. Mit allem, was an Vervollkommnung
der Einrichtungen Reichenhall zum Weltbad machte, ist sein
Name verknüpft. Unter Verzicht auf detaillierte Aufzählung
möchten wir doch Eines erwähnen : die von ihm aus kleinsten
Anfängen zu segensreicher Blüte gebrachte Kinderheil¬
stätte. Seine ärztliche Tätigkeit an derselben, unterstützt
von seiner gleichgesinnten Gattin als mustergültige Leiterin der
Verwaltung, hat der Anstalt längst eine Bedeutung für ganz
Bayern gewonnen. 1899 erhob ihn die Stadt Reichenhall zur
Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenbürger.
In ärztlichen Kreisen war er hoch angesehen. Lange Jahre
war er Vorstand des Reichenhaller Lokalvereines, stets ob¬
jektiv und gerecht. An den Kämpfen und Nöten der deutschen
Aerzte in den letzten Jahren nahm er regen Anteil, ohne per¬
sönlich davon berührt zu werden. An seinem Grabe konnte
ein Kollege sagen, dass er stets ohne Selbstsucht und Neid
auch die emporstrebenden jüngeren Kollegen gefördert habe.
Wie mutet uns dies an. Er selbst und viele Anfänger einer
Praxis haben es nicht so gut gehabt.
Von weiteren Ehrungen wollen w r ir schw-eigen; weitaus
seine beste war, dass seine Klientel unverbrüchlich an ihm
hing und dass sie sich ausdehnte in die Weite über ganz
Deutschland und in die Höhe bis zu den erlauchten Mitgliedern
unseres königlichen Hauses.
Seit 1874 mit seiner ihm gleichen trefflichen Gattin ver¬
mählt, lebte er in ideal glücklicher Ehe, beider gleiches Streben
war die Erziehung und Ausbildung der Kinder.
Auch ihm aber lag nicht eitel Glück auf dem Lebensweg;
manches Leid traf sein Familienleben, neben grossen Erfolgen
traten auch schwere Verpflichtungen an ihn heran, denen er
in aufopferndster Weise gerecht wurde. Und er selbst er¬
krankte 1894 an einer schweren Infektion mit Tuberkulose, die
ihn absolut kampfunfähig machte, und deren schlechter Pro¬
gnose er und seine Berater sich nicht verschliessen konnten.
Das Schicksal w r ar ihm gnädiger. In 2 Jahren heilte die Krank¬
heit aus; Sommer 1906 konnte er seine Tätigkeit wieder auf¬
nehmen und sie beibehalten bis zu seinem Ende.
Februar 1908 traf ihn der härteste Schlag, der Tod seiner
geliebten Lebensgefährtin. Das hat ihn völlig gebrochen.
Mühsam nur hielt er sich aufrecht. Nach der anstrengenden,
aber zerstreuenden Arbeit des Sommers fehlte ihm in der ge¬
zwungenen Ruhe des Spätherbstes in seinem alten Heim alles.
Sein Tagewerk war getan, einen besseren Tod als durch einen
jähen Schlaganfall konnte man ihm nicht wünschen, wenn er
selbst bei seinem gut christlichen Standpunkt auch sicher einen
anderen nicht gescheut hätte.
Mit seiner Familie, mit den Bürgern seiner Stadt und seinen
Kollegen trauern seine vielen, vielen Freunde um den heiteren,
frohgemuten, wohlgesinnten, und opferwilligen Mann, der der
besten Einer war. Dr. Wilhelm Mayer- Fürth.
Bacheranzeigen und Referate.
Ph. Jung: Beiträge zur frühesten Eieinbettung beim
menschlichen Weibe. Berlin 1908, Verlag von S. Karger.
112 S., mit 20 Figuren auf 7 Tafeln. Preis 8 M.
Zu den bisher bekannten jüngsten menschlichen Eiern ver¬
öffentlich J. ein 2,5:2,2 mm grosses Exemplar, welches er als
das drittjüngste anspricht. Es hat den grossen Vorzug, sofort
nach Gewinnung durch Ausschabung lebensfrisch in 80proz.
Alkohol eingelegt worden zu sein. Das Alter ist auf 11 bis
12 Tage zu schätzen. Ein zweites, 4 Wochen altes Ei, wird
zur Besprechung wichtiger Fragen mit herangezogen. In aus¬
führlicher, durch schöne Tafeln unterstützte Beschreibung
werden strittige Fragen durch die vorliegenden Unter¬
suchungen beleuchtet, zum Teil von anderen Präparaten be-
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kannte Tatsachen bestätigt. Das Epithel der Chorionzotten,
welches aus Grundschicht (Langhanszellen) und Deckschicht
(Synzytium) besteht, ist fötaler Herkunft. Die Ektoblast-
zellen eröffnen mütterliche Kapillargefässe (durch gute Figuren
belegt), dringen in das materne Gewebe hinein und verwerten
dies zu ihrer eigenen Ernährung. Die Ausläufer des wuchern¬
den Ektoblast vereinigen sich gegenseitig und bilden eine
Art Schale um das Ei herum, die aber nicht völlig geschlossen
ist. Diese Schale begrenzt einen Blutsee, der um die Eiblase
herumliegt, und der gebildet ist durch Blutaustritte aus den
eröffneten mütterlichen Gefässen. An den Stellen, an welchen
die Ektoblastschale nicht ganz geschlossen ist, verlaufen
mütterliche Gefässe, welche diesen primären intervillösen Raum
mit Blut versorgen. _
Als neu ist hervorzuheben der Nachweis von zahlreichen
Mitosen in den gut erhaltenen Grundschichtsäulen (fötalen
Ektoblastsäuien) und das Fehlen von Degenerationserschei¬
nungen. Ebenso sind Mitosen der Grundschichtzellen mit zur
Eioberfläche paralleler Teilungsebene, ferner Mitosen in der
Dezidua bisher nur selten beschrieben. In der Umlagerungszone
finden sich nur Zeichen der Degeneration, ganz im Gegensatz
zu den Verhältnissen im benachbarten fötalen Ektoblast. Die
histiolytische Wirkung der Ektoblastzellen auf die mütterlichen
Zellen, auch noch in einiger Entfernung, ist nicht zu verkennen.
Allem Anscheine nach werden die mütterlichen Gewebsbestand-
teile im Bereiche der Umlagerungszone zu der Ernährung der
fötalen Zellen verwandt, von ihnen „gefressen“, so dass das Ei
in den ersten Tagen nicht nur durch Osmose ernährt wird.
Die Ernährung des Eies wird erst mit Ausbildung des fötalen
Kreislaufs und der Plazenta aus dem Blute besorgt. Zu dieser
Zeit findet w r ohl nur noch in geringem Masse ein Abbau
des mütterlichen Gewebes statt. — Endothelzellen der er¬
öffneten mütterlichen Gefässe bilden vielfach stellenweise die
Begrenzung des intervillösen Raumes mit dem fötalen Ekto¬
blast zusammen, der aber den grössten Teil einnimmt. Der
intervillöse Raum liegt also zum grossen Teile innerhalb des
fötalen Ektoblast, zum kleineren innerhalb der maternen Kapil¬
laren und ist ein fötalmaterner Raum.
Die Monographie von Jung bringt also zur Kenntnis der
Einbettung des menschlichen Eies wertvolle Tatsachen, die
besonders wegen der vom Verfasser hervorgehobenen guten
Konservierung des Objektes von Bedeutung sind.
Schickele -Strassburg i. Eis.
Breuer und Freud: Studien über Hysterie. II. unver¬
änderte Auflage. 269 Seiten. Leipzig und Wien, Franz Deu-
ticke, 1909. Preis M. 9.35.
In den 13 Jahren seit dem Erscheinen der ersten Auflage
haben die Lehren der beiden Forscher sich sehr viel weiter
entwickelt. Nichtsdestoweniger erscheint es richtig, dieses
grundlegende Buch unverändert abzudrucken. Wenn auch da
und dort die Auffassungen etw r as anderes geworden sind, und
wenn man jetzt auch viel mehr w r eiss als damals, so kann inan
dem Anfänger in diesen Dingen — das sind ja noch die meisten
Aerzte — nichts besseres raten, als Breuer und F r e u d zu
lesen. Was in den letzten Jahren auf diese Fundamente hinauf¬
gebaut worden ist, muss dem Neuling als ein Labyrinth er¬
scheinen, in das man nicht hinein oder aus dem man nicht
mehr herauskommen kann. Hier sind die Grundlinien ge¬
geben, nach denen sich alles Spätere entwickelt hat und nach
diesen kann man sich orientieren. Es scheint mir, so weit wie
das Buch geht, sollte eigentlich jeder Arzt in das Verständnis
dieser Fragen eindringen, ganz gleichgültig, ob er nachher das
Gelernte praktisch anwenden will oder nicht. Es gehört zur
allgemeinen ärztlichen Bildung. ^ Bleuler- Burghölzli.
Jos. Wette rer: Handbuch der Röntgentherapie. Ein
Lehrbuch für Aerzte und Studierende. Leipzig 1908, Verlag
von Otto N e m n i c h. 894 Seiten. Preis geb. M. 27.—.
Ein Handbuch der Röntgentherapie, dem neuesten Stande
der rasch fortschreitenden Wissenschaft angepasst, hat der
Fachmann immer nötig. Es erleichtert ihm die Uebersicht
über einen schon ziemlich umfangreichen Stoff. Namentlich
aber kann der Anfänger sich nur schwer ohne Führer auf
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
141
diesem mit Unkraut reich bewachsenen Literaturgebiet zurecht
finden. Ihm wird der stattliche Band eine gute Grundlage
geben, die ihm das schwere Lehrgeld erspart, das mancher
führerlose Arzt schon hat bezahlen müssen. Zunächst wird
der Leser mit den physikalischen Vorgängen und dem Instru¬
mentarium vertraut gemacht. Es war nötig, etwas weiter aus¬
zuholen, denn mancher Dermatologe nützt ja nur die thera¬
peutische Seite der Röntgenstrahlen, bedarf also der allge¬
meinen Röntgenlehrbücher weniger. Die biologischen Vor¬
gänge bei der Bestrahlung werden zusammenfassend dargelegt,
die Technik wird an Situationsskizzen erläutert. Oberflächen-
und Tiefenbestrahlung, Dosierungsmethoden, Vermeidung von
Schädigungen sind besonders wichtige Kapitel. Die rechtliche
Seite beleuchtet Notar H. Schröder (Baden-Baden) in einem
besonderem Aufsatz. Ueber die indirekten Messmethoden wird
hierin, wohl noch etwas verfrüht, der Stab gebrochen. Im
Teil „Spezielle Röntgentherapie“ werden übersichtlich die ein¬
zelnen in Betracht kommenden Krankheitsformen besprochen,
unter Beifügung guter Photographien und technischer Angaben.
Anhangsweise werden auch der Radiumtherapie einige Ab¬
schnitte gewidmet, in Form genauer Indikationen wird deren
guter Kern herausgeschält. Ein über 2000 Nummern fassendes
Literaturverzeichnis bildet den Schluss des Handbuchs. Das
Werk ist dadurch ausgezeichnet, dass reiche persönliche Er¬
fahrung und gute Litteraturkenntnis dem Verfasser die Feder
geführt haben. Aus dem Rahmen der rein objektiven Dar¬
stellung treten jene Kapitel heraus, welche Streitfragen be¬
rühren und von befreundeter Seite inspiriert sind. Insbesondere
für Dessauers Anschauungen tritt der Autor sehr ent¬
schieden ein. Der auf dem Röntgengebiet rührige Verlag hat
das Buch nicht nur mit zahlreichen schwarzen Bildern, sondern
auch mit farbigen Tafeln ausgestattet. Die Röhrenfarben
wirken etwas fremdartig, die Wiedergabe Holzknecht¬
scher Moulagen dagegen sehr schön und instruktiv.
R. Grashey -München.
Sanitätsbericht über die Marineexpeditionskorps In Süd¬
westafrika 1904/05 und in Ostafrika 1905/06. Bearbeitet in der
Medizinalabteilung des Reichsmarineamts. Berlin 1908. E. S.
Mittler & Sohn. 89 Seiten mit 17 Tafeln. Preis M. 2.00.
Es ist das Geschick der Marine, wo sich auch in unseren
Kolonien ein grösserer Aufstand ereignet, zuerst und beschleu¬
nigt auf dem Plane erscheinen zu müssen. Die Folge davon
ist, dass sie meist trotz sorgfältiger Zusammenstellung, Vor¬
bereitung und Ausrüstung den Kampf unter hygienisch recht
ungünstigen Verhältnissen, oft auch in ungesunder Gegend an-
treten muss. Klima, Feldkrankheiten und der Feind wett¬
eifern, sie zu vernichten. Aus ihren Verlusten lernt der Nach¬
schub die Gefahren kennen, die seiner harren; aus ihren Er¬
fahrungen lernt er, sie zu umgehen. Nimmt es da Wunder,
wenn die Berichte über unsere beiden afrikanischen Ex¬
peditionskorps Krankheits- und Sterblichkeitszahlen bringen,
die die Friedenszahlen weit übertreffen! Während im Berichts¬
jahr 1905/06 in der Marine 500 Prom. erkrankten und 2,5 Prom.
starben, brachte der Chinafeldzug 1162,3 Prom. Erkrankungen
und 31,7 Prom. Todesfälle, kamen im Südwestafrikakorps
1032,2 Prom. Erkrankungen und 109,6 Prom. Todesfälle und
im Ostafrikakorps 1273,6 Prom. Erkrankungen und 22,4 Prom.
Todesfälle vor.
Die Geschichte der Verwendung der Expeditionskorps, die
Schilderung des Landes und der Lebensbedingungen der
Truppe, mit denen der Bericht beginnt, erschliesst uns das Ver¬
ständnis für die eben mitgeteilten Zahlen. Sie lässt die
Schwierigkeiten ahnen, mit denen unsere Truppen, ihre Führer
und besonders ihre Aerzte kämpften. Typhus und Magendarm¬
katarrhe in Südwest-, Malaria, Dysenterie und Rückfallfieber
in Ostafrika waren die Seuchen, die neben den Geschossen der
Feinde die Reihen lichteten. Der Schilderung des Gesundheits¬
zustandes und der hygienischen Massnahmen, ihn zu bessern,
schliessen sich kurze Beobachtungen und Untersuchungen über
die erwähnten und einige andere Krankheiten, ferner über die
Verwundungen, weiterhin statistische Tabellen an.
Im ganzen zeigen die Berichte, dass der Sohn der ge¬
mässigten Zone, richtig geführt und gut geleitet, in der Lage
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ist, den schroffen Gegensätzen und Wassernöten des Höhen-
und Steppenklimas Südwestafrikas und der sengenden Sonnen¬
glut und den feuchten Treibhausnächten Ostafrikas auch unter
den ungünstigen Verhältnissen des Krieges Widerstand zu
leisten. z u r V e r t h - Berlin.
Peters: Die angeborenen Fehler und Erkrankungen des
Auges. 262 Seiten mit 16 Abbildungen im Text und 1 Tafel.
Bonn 1909. Fr. Cohen. Preis 7 M.
Verf. gibt in seiner zeitgemässen Arbeit einen Ueberblick
über die angeborenen Veränderungen des Neugeborenenauges
und seiner Adnexe, die in Lehrbüchern nur in den verschiedenen
Kapiteln zerstreut sich finden. Die Bearbeitung des gleichen
Stoffes in der 2. Auflage des G r a e f e - S a e m i s c h sehen
Handbuches der gesamten Augenheilkunde von E. v. Hippel
wird durch die Ergebnisse der neueren Forschung insbesondere
nach der Richtung ergänzt, dass die gegen die Annahme einer
intrauterinen Entzündung mehr in den Vordergrund getretene
Bedeutung der Vererbung berücksichtigt wird und auch noch
einige später eintretende Leiden, durch welche gerade die
Rolle der Vererbung, die Schädigung des Keimplasma, schla¬
gend bewiesen wird, mit in den Kreis der Betrachtung ge¬
zogen werden.
Als Anhang werden die nach des Verf. wohl begründeter
Anschauung nur seltenen und auf die späteren Stadien des
Fötallebens beschränkten fötalen Augenentzündungen und die
Geburtsverletzungen kurz und treffend besprochen.
Seggel.
Enzyklopädie der praktischen Medizin, herausgegeben von
Dr, M. T. S c h n i r e r, Redakteur der Klin.-Therap. Wochen¬
schrift in Wien und Dr. H. V i e r o r d t, Professor der Medizin
an der Universität in Tübingen. 19., 20. und 21. (Schluss-)
Lieferung. Wien und Leipzig, Alfred H ö 1 d e r s Verlag, 1908
bezw. 1909.
Mit der nun vorliegenden 21. Lieferung ist jetzt der Ab¬
schluss des gesamten, 4 Bände ausmachenden Werkes voll¬
zogen. Die Schlusslieferung bringt noch einen alphabetisch ge¬
ordneten Nachtrag, sowie ein Sachregister, welches die Auf¬
findung gewisser Textstellen nach bestimmten Schlag Wörtern
und Kunstausdrücken ermöglicht. Die Fortführung und Moder¬
nisierung der enzyklopädischen Werke, welche wir bisher be-
sassen, wie sie eben das vorliegende Werk verfolgt, muss un¬
bedingt als ein höchst verdienstvolles Unternehmen bezeichnet
werden. Wenn wir auch hier sagen, dass die Bearbeitung
der einzelnen Artikel von bewährten Autoren knappe und dabei
exakte Referate darstellen, welche dem Arzte im weiten Felde
seiner Wissenschaft eine ihm immer schwieriger werdende
rasche Orientierung ermöglichen, so wiederholen wir dabei
nur, was wir auch schon bei früheren Anzeigen über die bis¬
her erscheinenden Teile des Werkes urteilen konnten. Auch
die in den Schlusslieferungen gebrachten Abbildungen sind
instruktiv und auch technisch auf möglichst hohem Standpunkt
gehalten. Das ganze Werk stellt jedenfalls eine wertvolle Be¬
reicherung der enzyklopädischen Literatur dar.
Grassmann - München.
E. Gaupp: Grundriss der Anatomie für Künstler von
Matthias Duval (deutsche Bearbeitung). 3. verm. Auflage.
Enke, Stuttgart 1908. 305 S. 4 Tafeln und 88 Textabbild.
Preis 7 M.
Die bekannte deutsche Bearbeitung des Duval sehen
Grundrisses der Anatomie für Künstler durch Gaupp er¬
scheint in dritter Auflage 'nicht unwesentlich verändert und
vermehrt, textlich sowohl wie in Bezug auf die Abbildungen.
Wie in der französischen Ausgabe ist die Darstellung in ein¬
zelnen Vorlesungen beibehalten, als 26. Vorlesung (und dritter
Abschnitt des ganzen Buches) ein bisher fehlendes Kapitel über
die Haut hinzugefügt. Nach wie vor bleibt das Gaupp sehe
Büchlein ein ebenso kurzes wie vorzügliches Werk in seiner
Art. S o b o 11 a - Würzburg.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
142
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
Neueste Journalliteratur.
Zentralblatt für Innere Medizin. 1909. No. 1 u. 2.
No. 1. Max Herz- Wien: Stumme Perkussion.
Versuche zur Perkussion mit Ausschaltung des Gehörs durch
den Lärmapparat von Barany. Es zeigte sich, dass der Tastsinn
allein genügt, um durch Perkussion Organteile abzugrenzen, welche
der Brustwand nicht direkt anliegen. Die leisen neueren Perkussions¬
methoden unterscheiden sich von den früher üblichen in der Haupt¬
sache nicht durch die Hervorrufung prinzipiell verschiedener Sinnes¬
wahrnehmungen, sondern darin, dass bei ihnen die störenden akusti¬
schen Erscheinungen so stark vermindert werden, dass die sonst in
den Hintergrund gedrängten Tastempfindungen deutlicher wahrzu¬
nehmen sind.
No. 2. A. B i 11 o r f - Breslau: I. Adrenalinanämie bei Nephritis.
Nach Angaben von Schur und Wiesel soll bei Nephritis¬
kranken Adrenalin vermehrt im Blute kreisen. Die Adrenalinanämie
bei Nephritis ist von mehreren Forschern bestätigt, von anderen ver¬
neint worden. Die Versuche Bittorfs ergaben ebenfalls ein nega¬
tives Resultat.
II. Die L o e w I sehe Reaktion.
Einträufelung einer Adrenalinlösung in die Augen von Diabetikern
ruft nach Loewi häufig Pupillenerweiterung hervor. Die Ursache
dieser Erscheinung sieht Loewi in einem Wegfall der Reize die
vom Pankreas ausgehen und die hemmenden sympathischen Fasern
erregen. Des Autors Untersuchungen ergeben keine Stütze der Loe-
w i sehen Ansichten. W. Zinn- Berlin.
Deutsche Zeitschrift für Chirurgie. 94. Band, 5. u. 6. Heft
23) Aus dem Kaiserl. Osman. Lehrkrankenhaus Gülhane, Kon¬
stantinopel (Prof. Wieting Pascha): Einige seltene Missbil¬
dungen.
1. Emin: Kongenitale Defektbildung am Hinterhauptsbein mit
elephantiastischer Hautlappung.
Wahrscheinlich primärer Bildungsfehler in der bindegewebigen
Anlage der Hinterhaupts-Gesichts-Halsgegend bei einem 40 jährigen
Mann. Zufriedenstellendes operatives Resultat.
2 . Ein eigenartiger kongenitaler Hautmuskelstrang am Halse.
Wahrscheinlich Abspaltung von der Hautmuskelplatte.
3. R e f i k: Multiple kongenitale Atreslen des Dlgestionstraktus
und des Urogenitalsystems.
Der pathologisch-anatomische Befund des Neugeborenen war:
Atresia oesophagi, Communicatio inter tracheam et oesophagi
partem inferiorem, Atresia ani, Communicatio recto-vestibularisj
Ren cysticus multilocularis sin., Hydronephrosis ren. d., Atresia
ureteri utriusque, Aplasia verticis vesicae urin. Uterus bicornis
septus. Cystides magnae vaginae parietis posterioris. Peritonitis
chronica regionis hepato-colicae.
24) M. M a t s u o k a: Ein Beitrag zur Röntgendiagnostik der
kindlichen Lungendrüsentuberkulose bei Malum Pottü. (Aus dem
radiologischen Laboratorium der chirurgisch-orthopädischen Univer¬
sitätsklinik des Dr. Matsuoka -Kioto.)
M. deutet „mehr oder weniger länglich gestaltete, kettenförmig
aneinandergereihte Schattenflecke an der Grenze des rechten Herzens
und der Lungentransparenz 44 als tuberkulöse Drüsen am Lungenhilus.
10 jähriges Kind mit dorsolumbaler Spondylitis.
25) G. S e e f i s c h - Berlin-Weissensee: Ein Beitrag zur Frage
der Steinbildung in den oberen Harnwegen nach Verletzung der Wir¬
belsäule.
8 Wochen nach Bruch des I. Lendenwirbels traten Nierenkoliken
auf. Die Operation entfernte 2 Uretersteine, von denen der eine
fest mit der Harnleiterwand verwachsen war. S. meint, dass durch
das Trauma eine Blutung des Ureters erfolgte: die Blutgerinnsel
konnten sich bei der Verlangsamung des Harnstromes infolge der
Blasenlähmung inkrustieren.
26) Paul Wichmann -Hamburg: Die Behandlung des Lupus.
Die Behandlung mit Alttuberkulin erzielte eine ganze Reihe Dauer¬
heilungen mit gutem kosmetischen Resultate. Die übrigen Tuberkuline
und angeblich spezifisch wirkenden Injektionspräparate verzeichnen
keine wesentlichen Erfolge. Die Indikationen für Finsenbehandlung
und Modifikationen sind eng beschränkt. Die Röntgenbehandlung ist
kombiniert mit anderen Methoden brauchbar. Die Radiumtherapie
zeigt bei richtiger Anwendung gute Erfolge. Die Sonnenbrennglas-
methode, die Elektrophotokaustik und Hochfrequenzfunkenbehandlung
nach F i s c h e 1 sind entbehrlich. Schonender wie Ferrum candens,
Paquelin, Galvanokaustik und Elektrolyse (bei punktförmigen Herden)
ist die Heissluftkauterisation Holländers, bei von der Nasenschleim¬
haut ausgehenden Fällen gut anwendbar, aber ohne grössere Tiefen¬
wirkung. Die Aetzmethoden leisten bei* richtiger Anwendung als Vor¬
behandlung Vorzügliches. Die radikalste Methode der Behandlung,
die Exzision, ist quoad sanationem ausgezeichnet. Das Resultat wird
beeinträchtigt durch kosmetische Rücksichten, desgl. begrenzt durch
die Messerfurcht der Patienten. Eine wirksame Bekämpfung des
Lupus als Volkskrankheit ist ohne Organisation nach W.s Ansicht
unmöglich.
27) Desiderius v. Navratil: Ueber die zirkuläre Trachea¬
resektion. Eine neuere Tracheanaht. (Aus der I. chirurgischen Klinik
der Kgl. ungarischen Universität zu Ofen-Pest [Hofrat D o 11 i n g e r].)
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v. N. resezierte an Hunden Tracheastücke und vereinigte orales
und bronchiales Ende mit Seidennähten. Es entwickelte sich in allen
Fällen eine hochgradige Stenose, die zur Erstickung führte. Bei 3
Tieren wurden dann die Trachealringe von der Naht ausgeschlossen
und lediglich die Mukosa genäht; bei dieser Nahtmethode bildete sich
keine Verengerung. Miserables Deutsch (Ref.).
28) H. Joseph: Blutung in das Nierenlager. (Aus dem Is¬
raelitischen Asyl zu Köln.)
Ein an schwerer Gicht leidender Mann erkrankte plötzlich unter
intensiven Schmerzen in der rechten Nierengegend mit vorübergehen¬
der Anurie und Darmparese, tumorartiger Resistenz in der rechten
Weiche. Die Operation ergab eine Blutung in die Fettkapsel und
das Paranephrium. Sepsis. Sekundäre Entfernung der infizierten
Niere. Exitus, 2 Fälle aus der Literatur. Für die Blutung glaubt
J. eine Venenzerreissung nach Stauung durch Steinverschluss des
Ureters verantwortlich machen zu dürfen. Nach der Erfahrung an
den 3 Fällen muss die Prognose als infaust gelten. J. meint jedoch,
sein Pat. habe durch frühzeitige Ausschaltung der infektiösen Niere
ev. gerettet werden können.
29) Otto C r e i t e: Beiträge zur Chirurgie des Mageokarzlnoms.
II. Gastroenterostomie. (Aus der Kgl. chirurgischen Universitätsklinik
zu Göttingen [Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Brau n].)
Als Fortsetzung der 1. Arbeit (Deutsche Zeitschr. f. Chir., 1907,
Bd. 87) berichtet Cr. über 105 Gastroenterostomien bei Magenkarzi¬
nomen. Im Gegensatz zur Resektion sind die männlichen Kranken im
Uebergewicht (58 männl., 47 weibl.). Die Gastroenterostomia retro-
colica post, ist die Operation der Wahl (59 Fälle); nur in Ausnahme¬
fällen wird die G. antecolica ant. ausgeführt (42 Fälle), in 21 Fällen
mit sekundärer Anastomose der benutzten Jejunumschlinge. Murphy¬
knopf wurde 42 mal verwendet, wird aber jetzt nur bei sekundärer
Enteroanastomose oder bei elenden Individuen benutzt. Mortalität:
45,7 Proz. bei sehr weit gestellter Indikation. 3 Fälle von Zirkulus
bei der vorderen Gastroenterostomie ohne Brauns Entero¬
anastomose. Die durchschnittliche mittlere Lebensdauer nach der
Operation betrug 7 Monate 2 Wochen.
30) Hans Eggenberger: Harnblasenbrüche. (Aus der chi¬
rurgischen Universitätsklinik in Basel [Prof. Dr. W i 1 m s].)
Fortführung der Statistik, die Brunner 1896 veröffentlichte. 5Be-
obachtungen aus der Baseler Klinik, 105 Beobachtungen aus der Li¬
teratur. Die zweckmässig in extraperitoneale, paraperitoneale mit
doppeltem und einfachen Bruchsack und intraperitoneale Zystozelen
eingeteilten Hernien waren überwiegend extern inguinal (53 Proz.).
In 4 Fällen war mit der Blase ein Ureter ausgetreten. In 5 Proz.
fand sich „eine auffallende Fettanhäufung“ bezw. ein prävesikales
Lipom. Die prävesikale Fettanhäufung kann indirekt die Erwerbung
einer Zystozele begünstigen. Blasen- und Beckenaffektionen, die eine
Blasendilatation zur Folge haben, sind wohl die häufigsten ätiologi¬
schen Momente. Bei der Frau ist die Zystozele zwischen 30 und
40 Jahren, beim Manne zwischen 50 und 60 Jahren am häufigsten.
Manifeste Hernien sind kaum zu verkennen, latente machen unbe¬
stimmte oder gar keine Erscheinungen. In 2 Fällen gab das Zystoskop
Aufschluss. Typisch sind Schmerzen am Ende der Miktion und nach
Beendigung fortbestehender Harndrang. Den 28 Blasenbrucheinklem¬
mungen Martins werden 9 hinzugefügt. Es folgt die Besprechung
der Diagnose vor, während und nach der Operation, der Prognose
(bei manifesten Zystozelen gut, bei latenten schlechter, bei Blasenver¬
letzungen 30—40 Proz. Mortalität) und der Therapie (Operation, ev.
sorgfältige Blasennaht, am besten mit Dauerkatheter).
31) A. Läwen und R. S i e v e r s:• Experimentelle Unter¬
suchungen über die chirurgisch wichtigen Abklemmungen der grossen
Gefüsse ln der Nähe des Herzens unter besonderer Berücksichtigung
der Verhältnisse bei Lungenembolieoperation nach Trendelen¬
burg. (Aus der chirurgischen Universitätsklinik zu Leipzig [Ge¬
heimrat Prof. Trendelenbur g].)
Die Trendelenburg sehe Operation (die Eröffnung der
Lungenarterie und Extraktion von Emboli) bedingt die temporäre
Abklemmung der Arteria pulmonalis und — aus technischen Gründen
— zugleich der Aorta. Verfasser versuchten an Kaninchen die Lö¬
sung der Frage, wie lange der Blutstrom ohne Schaden für das Tier
unterbrochen werden könne. Gleichzeitig wurden vergleichende Un¬
tersuchungen mit der von Sauerbruch zur Blutleere des Herzens
empfohlenen Kompression der Hohlvene angestellt. Nach Konstriktion
der Aorta und der A. pulmonalis beobachtet man: Sinken des Blut¬
druckes, starke Füllung des Herzens, Aufhören der Puls¬
welle, Auftreten von Krämpfen, Verschwinden der Korneal-
reflexe. Das Herz kann sich nach bis zu 6 Minuten dau¬
ernder Kompression wieder erholen. Bezüglich des Gehirns können
Verfasser keine scharfe obere Grenze angeben. Eine einminutige
Kompression schadet sicher nicht. Kompression der Hohlvene ist
günstiger, die Blutdrucksenkung ist weniger rapid; zentral treten auch
hier Krämpfe, schnappende Atemzüge und Erlöschen der Korneal-
reflexe auf. Die Kompression der Hohlvene wird von Herz und
Gehirn durchschnittlich 3% Minuten vertragen.
32) Felix Landois: Ueber multiple Zysten des Oesophagus.
(Aus dem pathologisch-anatomischen Institut Greifswald.)
Bei der Sektion eines 41 jährigen Diabetikers fanden sich neben
einer Gastritis interstitialis im Oesophagus multiple echte, von den
Ausführungsgängen der ösophagealen Drüsen ausgehende Zysten mit
Original fro-m
UNIVERSITtf OF CALIFORNIA
19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
143
entzündlichen Veränderungen der Submukosa. Die Zysten sind als
dem Atherom ähnliche proliferierende Bildungen aufzufassen.
In 2 anderen Fällen handelte es sich um grössere wasserhelle
Zysten mit schmalem Epithelsaum ausgekleidet, direkt über der Kardia
bezw. vor der hinteren Rachenwand. Diese Zysten sind im wesent¬
lichen als zystische Geschwulstwucherungen anzusehen.
33) Grimbach: Zwei Fälle von Beckenluxatiou. (Aus dem
Knappschaftskrankenhaus zu Bardenberg bei Aachen |Dr. Quad-
f 1 i e g].)
In beiden Fällen handelte es sich um eine Luxatio pelvis in der
Symphysis pubis und der Synchondrosis sacroiliaca sin. In beiden
Fällen wurden die Patienten von schweren Gesteinsmassen bei auige-
seiztem linken Knie auf den gebeugten Rücken getroffen (indirekte
Stauchungsluxation). Eine Nervenalteration (motorische Parese und
Hyperästhesie) wird fast immer gefunden. Der richtige therapeutische
Weg ist die forcierte Reposition.
34—35) Kurze Mitteilungen.
34) Vorschütz - Köln: Zwei Fälle von exstirpierten malignen
Tumoren der Keilbeinhöhle.
In beiden Fällen wurde nach Part sch operiert. Die vor¬
zügliche Uebersicht sowie Kosmetik und Funktion werden gerühmt.
Zur Fixierung des Proc. alveolaris diente eine Zahnrinne mit 2 seit¬
lichen Bügeln.
35) P. Sick- Leipzig: Schaufelhaken bei Operationen an den
Gallenwegen.
Abbildung im Original. H. F1 ö r c k e n - Würzburg.
Zeitschrift für orthopädische Chirurgie. XXII. Band. I. bis
3. Heft.
1) F. Schultze -Duisburg: Zur Behandlung der Deformitäten
der unteren Extremität.
Die unblutigen Methoden, die Osteoklase und das Redressement
iorgö kommen bei Behandlung der Deformitäten in erster Linie in
Frage.
Die der Korrektur von Deformitäten dienenden portativen Appa¬
rate, die sog. Reduktionsapparate, sind durch die obengenannten
Methoden verdrängt worden. Apparate verwenden wir in der Haupt¬
sache nur noch zur Retention. Der Osteoklase und dem Redressement
dienen zum Ersatz und zur Ergänzung der Händekrait maschinelle
Vorrichtungen, von denen einige durch Verf. konstruiert bezw. ver¬
bessert wurden: ein Beckenfixator, zwei Osteoklasten. Eine Reihe
von Bildern zeigen die erfolgreiche Anwendung dieser Apparate,
welchen kein Klump- oder Plattfuss widersteht.
„Die blutige Behandlung des Pes varus und valgus ist stets ein
Kunstfehler.“
2) Joachimsthal -Berlin: Die angeborene Hüftverrenkung
als Teilerscheinung anderer angeborener Anomalien.
Demonstration einer Serie von Hüftluxationen, die mit Schief¬
hals, Spina bifida, Genu recurvatum, Knieluxation, Defekten an Ober¬
und Unterschenkel, Klumpfuss, Hackenfuss etc. kombiniert sind. Die
Prognose solcher Hüftluxationen scheint bei rechtzeitiger unblutiger
Reposition keineswegs besonders ungünstig zu sein.
3) Schanz -Dresden: Korrektionsresultate an schweren Sko¬
liosen.
Nach und neben dem forcierten Redressement der Skoliose mit
Gipsverband verwendet jetzt Sch. eine Kur, die sich zusammensetzt
aus dem Liegen im Extensions-Redressions-Gipsbett und dem Tragen
eines Korsetts mit starker Kopfextension und Pelottenredressement.
Daneben wird eine kräftige Massage, keine Gymnastik gegeben.
4) Cramer -Köln: lieber Rückgratsverkrümmungen bei lumbo-
sakralen Assimilationswirbeln.
Beschreibung von 15 Wirbelsäulen der Marburger Anatomie, die
numerische Variationen aufweisen.
5) Schulthess -Zürich: Ueber eine Form von Berufsskoliose.
Linksdorsale Skoliose der venetianischen Gondelführer, durch die
Ruderführung bedingt.
6) Fischer-Leipzig: Ueber die Wirkung der Muskeln.
Nur einige fundamentale Sätze aus der Mechanik der Bewegung
werden kurz erörtert, so die „zweiseitige“ Wirkung jeder Muskel¬
kontraktion (an Ursprung und Insertion des Muskels), die Tatsache
ferner, dass der Muskel primär Körperabschnitte und erst sekundär
dadurch die Gelenke bewegt. Die Angaben der anatomischen Lehr¬
bücher über die Muskelfunktionen sind mangel- und fehlerhaft.
7) Böcker -Berlin: Zur Frage der Entstehung und Behandlung
der Myositis ossificans traumatica.
Eine Ellbogenverrenkung wurde blutig reponiert, darauf zu¬
nehmende Versteifung, zuletzt ossäre Ankylose. Die Knochenbildung
King primär vom Periost aus und wucherte sekundär in den Muskel
hinein.
Zur operativen Behandlung rät B. nur, falls Gefässe und Nerven
durch die Knochenneubildung bedroht werden.
8) R i e d i n g e r - Wiirzburg: Ueber Veränderungen an Kanln-
chenextremitäten nach Durchschneidung des Intermediärknorpels.
Wachstumsstörung und Verkümmerung des Knochens war die
regelmässige Folge der Verletzung.
Die Störung dauerte während der Dauer des Knorpelheilungs¬
prozesses an.
Digitized by Google
Die Ergebnisse sind nicht ohne weiteres auf den Menschen
übertragbar.
9) Werndorff -Wien: Zur Frage der multiplen Sarkomatose
des jugendlichen Knochens und der Ostitis fibrosa Recklinghausen.
Die Pat. zeigte rechtwinklige Abknickung des unteren Femur¬
endes und dadurch vorgetäuschte Beugekontraktur. Das Röntgenbild
zeigte zystische Knochenerkrankung an Ober- und Unterschenkel.
Die Operation ergab im Femur eine Tumormasse, die durch mikro¬
skopische Untersuchung als Riesenzellensarkom festgestellt wurde.
10) R. v. Aberle-Wien: Ueber einen eigentümlichen Gelenk-
und Knochenprozess.
Grobe destruktive Veränderungen an den Konstituentien des Ell¬
bogen- und Handgelenkes sowie an der Diaphyse der Ulna. Eine
trophoneurotische Affektion anzunehmen liegt am nähesten, weitere
Anhaltspunkte hierfür fehlen aber vollkommen.
11) Chrysopathes -Athen : Beitrag zu den intrauterin ent¬
stehenden Frakturen resp. Knochen Verbiegungen.
Schwere Verbiegungen aller Extremitätenknochen bei Neu¬
geborenen, 2 vorhergehende Kinder ähnlich deformiert gewesen, nur
das älteste Kind normal.
Keine Kallusbildung im Röntgenbild, aber weit vorgeschrittene
Ossifikation.
12) Cramer-Köln: Ueber Heilung von Wunden des Gelenk¬
knorpels.
Knorpelschnittwunden und oberflächliche Knorpelanfrischungen
zeigen keinerlei Heilungstendenz. Wird der Knorpel bis auf die
Knochensubstanz abgetragen, so wuchert aus den Knochen Binde¬
gewebe in die Knorpellücke. Diese Feststellungen wurden am Knie¬
gelenk des wachsenden Kaninchens gemacht bei völlig aseptisch ver¬
laufenden experimentellen Verwundungen.
13) E v 1 e r - Treptow: Verwendbarkeit des Chromleders zu
orthopädischen Apparaten usw.
Beschreibung einiger aus Chromleder und Stahlrohrschienen her¬
gestellter Apparate. E. hebt die Einfachheit und Billigkeit der Technik
lobend hervor.
14) F ö r s t e r - Breslau: Ueber eine neue operative Methode
der Behandlung spastischer Lähmungen mittels Resektion hinterer
Rückenmarkswurzeln.
Das Wesen der spastischen Kontraktur ist in einem pathologisch
gesteigerten Reflexvorgang zu erblicken, der veranlasst wird durch
die Pyramidenbahnunterbrechung. Abhilfe zu schaffen durch opera¬
tive Unterbrechung des Reilexbogens — das ist die Idee, welche
den von T i e t z e ausgeführten Operationen zugrunde liegt. Und
zwar handelt es sich um Resektion hinterer Wurzeln nach Laminek-
tomie und Eröffnung des Duralsackes. Da die Muskeln stets von
mehreren Wurzeln sensibel versorgt werden, lässt sich eine Auswahl
b?i der Wurzeldurchschneidung treffen, welche schwere Sensibilitäts¬
ausfälle verhütet.
Die Erfolge bei einzelnen dieser kühnen Operationen sind in der
Tat überraschend: die Spasmen verschwinden, aktive ruhige Be¬
wegungen werden möglich.
Die Technik und namentlich die Orientierung bezüglich der Wur¬
zelsegmente sind freilich nicht ganz einfach.
Es eignen sich für die Operation alle schweren spastischen Para¬
plegien der Beine kortikaler oder spinaler Natur, ferner schwere Fälle
von multipler Sklerose, sehr fraglich die Hemiplegie.
15) B a d e - Hannover: Zur Technik der Arthrodesenoperation.
B. will am Sprunggelenk nur partielle Versteifung erzielen, am
Kniegelenk absolute Ankylose. Nur für das Schultergelenk empfiehlt
er Drahtnaht.
Die Fixation im Gipsverband dauert ein halbes Jahr und darüber.
16) Bade-Hannover: Der orthopädische Operationstisch im
hannoverschen Krüppelheim Anna-Stift
Ein Universaltisch für blutige Operationen, Redressements und
Verbände aller Art.
Zu beziehen durch die Firma Heinrich Ernst, Hannover,
Theaterstrasse.
17) Gocht-Halle: Weitere pathologisch-anatomische Unter¬
suchungen aus dem Bereich des kongenital verrenkten Hüftgelenks.
Die sog. Anteversion des Schenkelhalses dürfte in Wirklichkeit
im Femurschaft begründet sein.
Die normale Haltung des Embryo bedingt eher eine Retro-
versio colli femoris. In der Tat lässt sich eine solche häufig am Prä¬
parat oder bei Operationen der kongenitalen Hüftluxation feststellen.
18) Lu dlo ff -Breslau: Zur blutigen Einrenkung der an¬
geborenen Hüftluxation.
L. hat bei den wenigen Fällen, die er unblutig nicht zu reponieren
vermochte, eine blutige Einrenkung unternommen nach einer neuen
Methode.
Zunächst für 4 Wochen Fixation in rechtwinkliger Abduktion und
Hyperextension des Beines. Dann Schnitt am lateralen Rand des
Adduktor magnus, Eröffnung der Kapsel von der Incisura acetabuli
aus. Blutige Erweiterung des Kapselisthmus, der das Repositions¬
hindernis abgegeben hatte. Reposition durch direkten Zug am Kopf.
Die Operationsmethode gewährt freien Einblick in das Gelenk.
Infektion der Wunde durch Kot und Urin muss sorgfältig verhütet
werden und lässt sich vermeiden. Abgeschlossen ist die Behandlung
noch bei keinem der operierten Fälle.
Original frorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
144
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
19) F r o e 1 i c h - Nancy: Was aus einigen geheilten angeborenen
Hüftverrenkungen werden kann.
T. hat wiederholt längere Zeit nach der Einrenkung Coxa vara,
Schwund des Schenkelhalses, Koxitis beobachtet.
20) L o r e n z - Wien: Grundsätze der Behandlung veralteter
traumatischer Hüftgelenksverrenkungen.
Gelingt die unblutige Reposition nicht, so besteht eine Indikation
zu blutigem Vorgehen doch nicht zu Recht. Die Operation ist emi¬
nent lebensgefährlich, die unblutige Verlagerung des Kopfes unter die
Spina ant. sup. oder auch „auf die Pfanne“ bei WeichteilinterPosition
ergibt mindestens ebenso gute Resultate. L. empfiehlt die gleichen
Repositionsmanöver anzuwenden wie gegenüber der kongenitalen
Luxation.
21) Deutschländer -Hamburg: Zur Frage des trau¬
matischen Plattfusses.
Starke und dauernde Fussbeschwerden nach einer anscheinend
leichten Distorsion sind viel häufiger als angenommen oder ver¬
mutet wird, durch kleine Frakturen bedingt. Namentlich ist das
Navikulare häufig Sitz der Verletzung, wie das sorgfältige Studium
der Röntgenplatten zeigt. Arthritis deformans schliesst sich nicht
selten an. Therapeutisch werden empfohlen: Massage, Uebungen,
Heisslufthyperämie, entlastende Einlagen (Magnalium).
22) Chlumsky -Krakau: Ueber den schlechten Einfluss der
schwedischen Gymnastik und ähnlicher Lockerungsverfahren auf die
Skoliose.
Chi. berichtet von Patientinnen, die prophylaktisch Heilgymnastik
trieben bezw. nach Klapp krochen und während dieser Zeit schwere
Skoliosen bekamen. Uebermässige Lockerung der Wirbelsäule und
Uebermüdung der Muskulatur ist nach Chi. Ursache solch bedauer¬
licher Erfolge.
23) Biesalski-Berlin: Wesen und Verbreitung des Krüppel-
tums ln Deutschland.
Bericht über die deutsche Krüppelstatistik, ihre Geschichte, ihre
Bearbeitung, ihre Ergebnisse. Im ganzen wurden 75 000 Krüppel bis
zum 15. Lebensjahre gezählt. Eine wichtige Folge der Zählung war
die mächtige Anregung der Krüppelfürsorge.
24) R o s e n f e 1 d - Nürnberg: Rationelle Hilfe in der Krüppel¬
fürsorge.
Aerztliche Hilfe, Schule, gewerbliche Ausbildung müssen Hand in
Hand gehen, der Arzt aber muss die Leitung des Krüppelheims haben.
Orthopädischer Unterricht muss den Studierenden in höherem Masse
geboten werden las bisher, damit der Arzt auf diesem Gebiet sozialer
Betätigung das Beste leisten kann.
25) W i 11 e k - Graz: Bandagistenkurpfuscherei und Krüppel¬
fürsorge.
Die selbständige Tätigkeit der Bandagisten ist zu bekämpfen
auch vom Standpunkt der Krüppelfürsorge aus. Denn sie verhindert
die rasche und sichere Heilung der Krüppel.
26) v. Aberle-Wien: Ueber Krüppelfürsorge in Oesterreich-
Ungarn.
Oesterreich besitzt 2 Krüppelanstalten in Lanzendorf und in Laa,
Ungarn ein Heim in Ofen-Pest. In Prag ist eine grosse Anstalt im
Bau begriffen. Der Staat hat bisher nichts getan.
27) L o v e 11 - Boston: Krüppelfürsorge in den Vereinigten Staa¬
ten von Amerika.
Beschreibung der Krüppelheime mit Schule und der orthopädi¬
schen Krankenhäuser mit nur ärztlicher Krüppelfürsorge.
28) C z a r n o m s k a - St. Petersburg: Bericht über das 10 jährige
Bestehen der Werkstatt für Krüppel an der orthopädischen Abteilung
der Maximilian-Heilanstalt.
In der eigenartigen Anstalt werden auch erwachsene Krüppel,
insbesondere Feldzugsinvaliden, aufgenommen und gewerblich aus¬
gebildet. Eine Reihe von Arbeitsvorrichtungen für Einarmige und
Handlose werden beschrieben und abgebildet.
29) K o f m a n n - Odessa: Die Erfahrungen über die Behandlung
des spondylltischen Buckels nach Calot.
K. ist auf Grund seiner Wahrnehmungen bei Calot in Berck
und seiner eigenen Beobachtungen überzeugter Anhänger der Gips¬
verbandbehandlung mit Redressement des Gibbus durch Watte¬
kompression von einem Fenster aus. Er lobt vor allem die Ein¬
fachheit der Methode. V u 1 p i u s - Heidelberg.
Gynäkologische Rundschau. Jahrgang II, Heft 24.
Abram B r o t h e r s - New York: Ueber Atresla vaglnae mit Hä-
matometra, Hämatosalpinx und Hämatovarium, mit Einschluss einer
Ueberslcht der in den letzten zwanzig Jahren veröffentlichten Li¬
teratur betreffend die Blutretentionstumoren. (Mit 1 Figur.)
Mitteilung eines einschlägigen Falles, 21 jähriges Mädchen, wel¬
ches bisher nie menstruiert hatte; vom 17. Lebensjahre an menstruelle
Krisen, allmählich zunehmende Vergrösserung des Abdomens.
Bei der Untersuchung wird ein bis in Nabelhöhe reichender
Tumor gefühlt, welcher die ganze rechte Seite und die Hälfte der
linken ausfüllte, in der Nabelgegend ein ausgesprochener Sulcus.
Aeussere Genitalien normal, aber klein. Hymen und Vagina fehlen.
Zwei Zoll oberhalb des Introitus vaginae ist vom Rektum her die
Portio vaginalis zu fühlen. Laparotomie; Totalexstirpation des Uterus
cum adnexis.
Von besonderem Interesse war in dem Falle: 1. Das Fehlen fast
der ganzen Scheide mit normal entwickeltem und funktionierendem
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Uterus und Adnexen. 2. Die Ansammlung von Blut während eines
vierjährigen Zeitraumes in der rudimentären Vagina, der Zervix,
dem Uterus, den Tuben und den Ovarien ohne Zerreissung derselben
3. Das monozystische Hämatovarium, welches, wie Verf. glaubt, das
grösste je beobachtete war. Der Arbeit ist ein ausführliches Litera¬
turverzeichnis beigefügt. A. Rieländer - Marburg.
Zeitschrift für Hygiene und Infektionskrankheiten. 19u\
62. Bd. 1. Heft.
1) Josef Koch-Berlin: Typhusbazillen und Gallenblase.
Auf Grund der Beobachtungen bei einem Typhusfall glaubt Yen.,
dass die Infektion der Gallenblase durch direkte Invasion der Bazilkr
in die Galle aus den Kapillaren der Wand zustande kommt.
2) Raffaele Chiarolanza -Berlin: Experimentelle Unter¬
suchungen über die Beziehungen der Typhusbazillen zu der Gallen¬
blase und den Gallenwegen.
Verf. unterband in einer Reihe von Experimenten bei Kaninchen
den Ductus cysticus und in einer anderen Reihe auch gleich¬
zeitig den Ductus choledochus und verfolgte nun nach Injektion v-n
Typhusbazillen die Infektion der Gallenblase. Er kommt mit Ko er
zu demselben Resultat, dass die primäre Infektion der Galle durch
direkte Ueberwanderung der Bazillen aus den Kapillaren der Wanh.
und nicht durch Ausscheidung aus dem Blut auf dem Umwege durch
die Galle erfolgt.
3) A. G ä r t n e r - Jena: Ueber Bücherdesinfektion im grossen.
Auf Veranlassung der Firma AugustScherlin Berlin, welche
eine Desinfektionsmethode im grossen Massstabe für mehrere Tau¬
send Bücher auf einmal wünschte, wurden vom Verf. zunächst in
kleinem Umfang, später in erweitertem Masse Versuche angestelit.
welche zu einem allen Anforderungen gerecht werdenden Ziele führ¬
ten. Es wurde nach Gärtners Angaben von der „Apparatebau¬
anstalt Weimar“ ein Desinfektionsapparat hergestellt zur Desinfektor:
von 1000 Büchern, welcher aufs beste funktionierte. Das Prinzip der
Desinfektion ist Evakuierung und Verdampfung vor.
Wasser und Alkohol. Dabei wurde als Grundlage nur eine
Abtötung von nicht sporentragenden Bakterien gewühlt, welche für
die Praxis ausreichend erscheint. Der Apparat wird auf 50— 52 ü ge¬
bracht, wodurch eine Erwärmung der Bücher auf 60 0 erzielt wird.
Das Alkoholgemisch wirkt 1 —Ws Stunden ein und dann wird 10 bis
15 Minuten lang Luft in den Apparat geleitet. Für 1000 Bücher wer¬
den 7 Liter Alkohol verbraucht. Bei 10 ständiger Arbeitszeit können
4000 Bücher desinfiziert werden. Sie erleiden keinerlei Beschädigung.
Nur Bücher mit Ledereinband werden nach mehrmaliger Desinfektion
brüchig.
4) Ad. Reinhardt -Konstantinopel: Der Erreger der Aleppo¬
beule (Orientbeule). [Leishmannia tropica (W r i g h t).]
Die histologische Untersuchung, mit der sich die Arbeit befasst,
ergibt als charakteristisches Gewebe Granulationsgewebe, das sich
in der Kutis ausbreitet. Hierin entstehen die parasitenbeherbergenden
Makrophagen. Das Gewebe produzierte in den tieferen Schichten
riesenzellenhaltige Knötchen. Das Material stammte von einer
18 jährigen Patientin mit einer Aleppobeule im Gesicht.
5) Otto L e n t z - Berlin: Ueber spezifische Veränderungen an den
Ganglienzellen wut- und staupekranker Tiere.
Aus seinen Untersuchungen, die sich auf die Histologie von wut-
krankem Material beziehen, zieht Verf. den Schluss, dass die N e g r i •
sehen Körperchen nicht als Erreger der Wutkrankheit an¬
zusehen sind, aber auch nicht die bekannten Innenkör perclicn,
welche einige Autoren für die eigentlichen Parasiten ansehen. Die
Zahl der N e g r i sehen Körperchen, die im Ammonshorn nachgewiesen
werden, ist bis zu einem gewissen Grade von dem Impfmaterial und
der Individualität des geimpften Tieres, ihre Grösse vom Impfmaterial
und der Dauer der Krankheit abhängig. Die Inkubationsdauer hat
weder auf die Zahl noch Grösse der Körperchen einen Einfluss. Der
Nachweis der „Passagewutkörperchen“, die sich bei an Virus fixe
verendeten Kaninchen fast regelmässig finden, kann für die Diagnose
zwischen Strassen- und Passagewut verwertet werden. Die N e g r i -
sehen Körperchen sind, ähnlich wie auch die „Staupekörperchen'.
nur_Reaktionsprodukte der Ganglienzellen.
6) R. W i 11 i a m - Breslau: Ueber die Beziehungen zwischen
Säuglingssterblichkeit und Sommertemperatur.
Die Entstehung der tödlichen Darmerkrankungen der Kinder sieht
William in dem Zusammentreffen dreier Momente: 1. die hohe
Wohnungstemperatur, 2. die künstliche Ernährung der Kinder. 3. ük
ungünstige soziale Lage. Während diese 3 Dinge nicht ohne weiteres
leicht zu verbessern sein werden, so glaubt er, dass e i n Mittel von
ganz ausserordentlicher Wirkung sein würde: das ist die künst¬
liche Kühlung der Säuglingsnahrung, welche verhält¬
nismässig leicht und billig zu beschaffen wäre. Die Arbeit
bringt ein reiches statistisches Material. (Vergl. den Breslauer Briu
d. No., S. 147.) . ,
7) Hugo M i e h e - Leipzig: Beiträge zur Biologie, Morphologie^)
und Systematik des Tuberkelbazillus.
Verf. versuchte Verhältnisse ausserhalb des Organismus aus¬
findig zu machen, welche dem Tuberkelbazillus geeignete Lebens¬
bedingungen böten. Er glaubt sie in pflanzlichen Substraten gefuiulen
zu haben, die eine erhöhte Temperatur durch Selbsterhitzung aui-
weisen. Ganz ähnliche Verhältnisse finden sich ja auch hei J c "
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
145
tuberkelähnlichen Grasbazillen. Mi ehe ist daher der Meinung,
dass die ganze eng zusammengehörige Gruppe einen pflanzensapro-
phytischen Charakter aufweist und sich dabei Uebergänge vom leich¬
ten Parasitismus bis zum ausgesprochenen vorfinden. Das Dogma
von dem obligaten Parasitismus des Tuberkelbazillus müsse fallen.
Seine biologischen Untersuchungen in bezug auf das Nährsub¬
strat ergaben, dass unter anderen Kohlehydrate sehr gute Be¬
dingungen für das Wachstum lieferten, so z. B. Kartoffelpressaft ohne
Glyzerin, mineralische Nährlösungen mit Asparagin und Trauben¬
zucker, Kartoffeln u. a. m.
In systematischer Beziehung ist der Tuberkelbazillus in eine be¬
sondere Gruppe unterzubringen, wie dies bereits Lehmann und
Neumann in ihrem Bakteriologischen Atlas getan haben, wo der
Organismus zu den Mykobakterien gerechnet wird.
8) Kornel Pr eisich und Aladar Schütz: Bemerkungen zu
Dr. A. Ostermanns „Bedeutung der Kontaktinfektion für die Aus¬
breitung der Tuberkulose, namentlich im Kindesalter.
Die Autoren sehen den wichtigsten Grund bei der kindlichen
Tuberkulose in der Kontaktinfektion.
9) H. Conradi: Bemerkungen zur Arbeit von Dr. Bohne:
„Vergleichende bakteriologische Blut-, Stuhl- und Urinuntersuchungen
bei Typhus abdomlualis“.
Bohne hatte bei vergleichenden Untersuchungen gefunden, dass
gallensaure Salze zur Anreicherung der Typhusbazillen sich
am meisten bewährt hätten. Demgegenüber betont Conradi, dass
die gewöhnliche Tiergalle, wie er sie empfohlen habe, ebenso gut sei.
R. 0. Neumann -Heidelberg.
| Berliner klinische Wochenschrift. No. 2. 1909.
V 1) J. G. Mönckeberg-Giessen: Zur Pathologie des Atrio-
venMkularsystems und der Herzschwäche.
Verf. verweist zunächst auf die neueren Feststellungen, dass
das Atrioventrikularsystem hinsichtlich der Erkrankungen des Myo¬
kards eine grosse Selbständigkeit zeigt. Die Histologie des genannten
Systems ist nun besser aufgeklärt. Hinsichtlich der Pathologie ist
hervorzuheben, dass man von einer Adipositas des Atrioventrikular¬
systems sprechen darf, ferner von Blutungen, zelligen Infiltraten und
sklerosierenden Prozessen, welche das Atrioventrikularsystem aus¬
schliesslich betreffen. Bemerkenswert ist auch die eigene Gefäss-
versorgung eines grösseren Teiles des genannten Systems. Die Un¬
tersuchungen des Verf. ergaben auch, dass in einer Anzahl von Fällen
die Ursache vorhandener Herzschwäche in einer isolierten Erkrankung
des genannten Teiles des Myokards gelegen ist.
2) W. Keuthe -Berlin: Ein Fall von Pankreasatrophie.
Bei dem 56 jährigen Kranken zeigte sich ausser einer allge¬
meinen Kachexie, geringer Leber- und Mflzschwellung, sowie einem
anscheinend normalen Stuhlgang nichts auffälliges. Es gelang aber
durch eine sehr genau durchgeführte Funktionsprüfung des Darmes
bezw. des Stoffwechsels, nachzuweisen, dass es sich um eine schwere
Erkrankung der Bauchspeicheldrüse mit Atrophie derselben, abge¬
sehen von Lungentuberkulose, handeln müsse. Die Sektion bestätigte
diese Diagnose.
3) G. A. Wollenberg -Berlin: Kasuistischer Beitrag zur sog.
Arthropathia psoriatica.
Bei einem 24 jährigen Fräulein, welches seit seinem 10. Lebens¬
jahre an Psoriasis leidet, entwickelten sich Schwellungen an beiden
Händen bezw. den Fingern, sowie auch leichtere an den Füssen. Auf
eine Moorbadekur gingen die Schwellungen zurück, stellten sich
jedoch zum Teil wieder ein. Unter Wiedergabe der Röntgenogramme
dieses Falles schildert Verf. die Symptomatologie und den Verlauf
des genannten Leidens.
4) L. Cohn- Posen: Ueber Folgen der Erkrankung an Zerebro-
spinalmeningitls.
Verf. hat an 27 Geheilten Nachuntersuchungen angestellt. In
allen leichten Fällen fand eine völlige Heilung im klinischen Sinne statt.
Dieselbe ist, leichter bei Kindern, auch bei den schwereren und
schwersten Fällen noch möglich. Bei Erwachsenen machten sich
Störungen noch bis 2Vz Jahre nach der Erkrankung bemerkbar. Das
Auftreten von Hydrozephalus ist noch nach 4 Wochen langer, schein¬
barer Genesung möglich. Taubheit ist die am meisten zu fürchtende
Komplikation. Während alle Lähmungserscheinungen zurückgehen,
auch die Stauungspapille sich zurückbilden kann, ist eingetretene
Taubhaut unheilbar. Die Agglutination des Blutserums mit Meningo¬
kokken war in 2 Fällen noch nach mehr als 2 Jahren positiv.
5) Th. Land au-Berlin: Ein seltener Fall von intrauteriner
Selbstköpfung.
Vergl. Referat Seite 2630 der Münch, med. Wochensehr., 1908.
6) V. Fürst- Berlin (Christiania): Zur Kenntnis der antltryp-
tischen Wirkung des Blutserums.
Die Untersuchungen ergaben, dass die Antitrypsinmengen des
Meerschweinchenserums in einem bestimmten Verhältnis zu einer sich
einstellenden Gewichtsabnahme steht, insofern als bei abnehmendem
Körpergewicht die Antitrypsinmenge steigt. Ob das reziproke Ver¬
hältnis zwischen Gewichtsabnahme und Antitrypsinzunahme in allen
Phasen das nämliche ist, ist noch nicht hinlänglich sicher.
7) L. Wagner -Berlin: Ein Fall von Tabes mit Bulbärsym-
Ptomeu.
Der 50 jährige*Kranke bot ausser den gewöhnlichen tabischen
Symptomen Lähmungserscheinungen hinsichtlich fast aller Gehirn¬
nerven mit Ausnahme des N. acusticus und Nervus accessorius dar.
Die Sektion ergab eine Tabes dorsalis, sowie eine leichte chronische
Leptomeningitis. Verf. bespricht eine Reihe ähnlicher Beobachtungen
anderen Autoren bei Tabesfällen.
8) H. Marx- Berlin: Die Stellung des ärztlichen Sachverstän¬
digen vor Gericht nach dem Entwurf einer neuen Strafprozessordnung.
Nicht zu kurzem Auszuge geeignet.
9) H e 1 b r o n: Das primäre Glaukom und seine Behandlung.
Zusammenfassende Besprechung über die Häufigkeit des Vor¬
kommens, die Ursachen, Symptome, Verlaufsweisen und die Therapie
der genannten Erkrankung. Dr. Grassmann - München.
/^Deutsche medizinische Wochenschrift. No. 1. 1909.
V1) Ch. B ä u m 1 e r - Freiburg i. B.: Zur Kenntls und Diagnose des
Flecfefiebers.
Verf. zeichnet das Krankheitsbild, eine genaue eigene Selbstbe¬
obachtung einflechtend. Wegen der anfangs schwierigen Unter¬
scheidung von Ileotyphus, auch Rückfallfieber und Pocken, verdient
die gelegentlich eingeschleppte, hochgradig ansteckende Krankheit
genaues Studium. Auf Temperaturkurve, Milz, Leukozyten, Diazo-
reaktion empfiehlt Verf. besonders zu achten.
2) H. E. Hering- Prag: Ueber die klinische Bedeutung des
Elektrokardiogramms.
Verf. räumt der neuen Methode ein, dass sie uns über den
Kontraktionsablauf des Herzens am genauesten unterrichtet. Sie hat
die Analyse der Herzunregelmässigkeiten gefördert und dürfte mit
der Zeit eine sicherere Diagnose der Herzmuskelerkrankungen ge¬
statten als bisher. Es solle in liegender Stellung die Kranken unter¬
sucht, jedenfalls aber bei Veröffentlichungen die Lage des Patienten
und die Ableitungsart angegeben werden.
3) A. Pick-Prag: Psychiatrie und soziale Medizin.
Bruchstück aus einer Einleitungsvorlesung. Verf. weist darauf
hin, dass die sonst in der klinischen Medizin manchmal vermisste
Berücksichtigung sozialer Gesichtspunkte auf psychiatrischem Gebiet
als selbstverständlich, eben in der Natur des Krankheitsgebietes
liegend, den Kranken in weitgehendem Masse zu teil werde.
4) Ludw. Spitzer-Wien: Weitere Beiträge zur ätiologischen
Therapie der Syphilis.
Weiterer Bericht über die Erfolge subkutaner Einverleibung von
wässerigem Extrakt teils heterologer, teils homologer Sklerosen.
Von 10 auf diese Weise (Technik wird angegeben) behandelten, frisch
mit Lues infizierten Personen, welche frei von Konsekutiverschei¬
nungen blieben, hat einer 2 Vs Jahre nach der Immunisierung eine
frische Sklerose akquiriert und nach der entsprechenden Zeit ein
syphilitisches Exanthem bekommen.
5) G. Köster -Leipzig: Die Behandlung der Chorea.
Fortbildungsvortrag.
6) Riedel- Jena: Die Entfernung des mittleren Abschnittes vom
Magen wegen Geschwür. (Schluss folgt.)
7) A. Vossius -Giessen: Ein Fall von minimalem Elsensplitter
in der Linse nebst Bemerkungen über die Diagnose Intraokularer
Eisensplitter.
An zwei Fällen erläutert Verf. die diagnostische und praktische
Bedeutung der siderotischen Verfärbung der Iris und der gelblichen
Punkte an der Vorderfläche der Linse. In beiden Fällen konnte auf
Grund der Diagnose die Unfallrente vermittelt und die Operation aus¬
geführt werden. Im einen Fall war die Untersuchung mit dem
Sideroskop negativ gewesen.
8) Walb-Bonn: Ueber Saugbehandlung der Nase.
Nach Verf. Erfahrung gestattet die Saugmethode eine viel ge¬
nauere differentielle Diagnose der Nebenhöhlenerkrankungen als bis¬
her; als Behandlungsmittel eignet sie sich für akute Fälle in absolutem
Sinn, bei chronischen Fällen mit Einschränkung. Die Behandlung er¬
fordert sorgfältige Schulung und Kontrolle. Die jeweilige Druckhöhe
muss für die einzelnen Fälle verschieden reguliert werden. Zur Er¬
zeugung konstanten Druckes ist ein starrwandiger Apparat (Metall¬
pumpe) nötig.
9) C. v. Eicken-Freiburg: Fortschritte auf dem Gebiete der
Laryngo-Rhlnologie.
Uebersichtsreferat (Schluss folgt).
10) D. v. H a n s e m a n n - Berlin: Diskussionsbemerkungen über
einige Geschwulstfragen.
Erwiderung an A p o 1 a n t.
11) Th. Olshausen -Berlin: Rechtsprechung des preusslschen
ärztlichen Ehrengerichtsbofes.
12) Hugo S c h u I z - Greifswald: Die geschichtliche Entwicklung
der Pharmakotherapie.
Vortrag auf der Naturforscherversammlung 1908.
R. Grashey - München.
Oesterreichische Literatur.
Wiener klinische Wochenschrift.
No. 1. E. Fuchs-Wien: Ueber das Ulcus serpens corneae.
Der Aufsatz enthält eingehende Untersuchungen über die Ent¬
stehungsweise und die pathologische Anatomie des Anfangsstadiums
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Gck igle
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
146
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
des Ulcus serpens der Hornhaut, die von den Angaben McNabs ab¬
weichen. F. hat eine grössere Reihe von Fällen verfolgt, wo zwar
aus einer oberflächlichen Verletzung der Hornhaut ein gleichmässiges
dichtes Infiltrat mit rasch auftretender Iritis und Hypopyon entstand,
aber kein richtiges Ulcus serpens, und wo bakteriologisch der Pneu¬
mokokkus fehlte, dagegen Staphylo- oder Streptokokken vorhanden
waren. Wo ein Ulcus serpens sich bildete, sah F. eine leichte Trü¬
bung im Bereich der Erosion und dann am 2. bis 4. Tag am Rande
der Trübung einen kleinen grauen Ring, der dann immer mehr gelb
wird und sich weiter in die durchsichtige Kornea vorschiebt. Die Be¬
handlung des Ulcus serpens vom Beginne an führt rasch, meist ohne
chirurgischen Eingriff, zum Ziel. Bei Kindern kommt das Ulcus ser¬
pens viel seltener als bei Erwachsenen, aber doch bisweilen vor; da
das Aussehen desselben auch weniger typisch ringförmig ist, gewinnt
der Nachweis des Pneumokokkus besondere diagnostische Bedeu¬
tung. Eine wesentlich geringere Rolle als beim Erwachsenen spielt
dabei die Dakryzystitis. Die Prognose ist bei Kindern im allgemeinen
etwas weniger günstig. Beschreibung von 9 Fällen.
A. Qluzinski -Lemberg: Anaemla perniciosa distomiatica.
Beschreibung eines Falles, der unter dem Bild der schweren
Anämie mit Milztumor und Ikterus zu gründe ging. Bei der Sektion
fand sich im Ductus choledochus ein Exemplar des Distomum hepati¬
cum. Es erscheint nicht unwahrscheinlich, dass wie bei Botryo-
cephalus latus und Anchylostomum duodenale auch dieser Parasit
die Erscheinungen der perniziösen Anämie bewirken kann. Eine
mechanische Ursache für den Ikterus war nicht festzustellen.
Th. M e iss 1-Wien: Zur Therapie des Puerperalprozesses
(Versuche mit Rekonvaleszentenserum).
Die Serumtherapie des Puerperalfiebers war bisher ziemlich er¬
folglos. M. hat nun an 16 Puerperalkranken mit positivem Strepto¬
kokkenbefund im Uterus und zumeist auch im Blut Injektionen mit
Serum von Puerperalrekonvaleszentinnen vorgenommen. Fälle von
Mischinfektionen wurden ausgeschlossen, ebenso Fälle mit grösseren
Exsudaten in der Umgebung des Uterus. Die Serumdosis betrug 20
bis 40 ccm, ausnahmsweise weniger. Die Fälle zerfallen a) in 6
solche mit Endometritis puerperalis und Bakteriämie; diese zeigten
einen so günstigen Verlauf bezüglich der Temperatur, Pulszahl, des
Allgemeinbefindens, des Blut- und Lokalbefundes, dass ein Einfluss
der Therapie anzunehmen ist; b) in 10 Fälle mit tastbaren entzünd¬
lichen Erscheinungen neben dem Uterus. Wenn auch die Mehrzahl
zur Heilung kam, war kein deutlicher Einfluss der Therapie fest¬
zustellen.
H. P f e i f f e r - Oraz: Ueber das verschiedene Verhalten der
Körpertemperatur nach Injektion und Reiniektion von artfremden
Serum.
Versuche an Meerschweinchen mit Rinder-, Schweine- und
Menschenserum. Ergebnisse: Nach intraperitonealer Vorbehandlung
mit einer an sich die Temperatur nicht herabsetzenden Serumart
zeigte sich in spezifischer Weise bei intraperitonealer Reiniektion
derselbenArt auch ohne sonstige anaphylaktische Symptome ein
intensiver Temperaturabfall in der Bauchhöhle, der wohl der in¬
zwischen eingetretenen Ueberempfindlichkeit zuzuschreiben ist. Bei
25 Untersuchungen war das Symptom konstant. Bei einem Versuch
an 5 Tieren ergab sich bei einem Intervall der Injektionen von
14 Tagen mit einer Ausnahme ein um so heftigerer Temperaturabfall,
je geringer die zuerst injizierte Dosis gewesen war.
R. Schw a r z wa 1 d-Brünn: Fremdkörper im Herzen. (Ein
Fall von Durchwanderung.)
Schluss folgt.
A. Saxl-Wien: Spondylitis und Hernia lumbalis.
Beschreibung dreier (eines eigenen) Fälle. Die Betrachtungen
über die Pathologie solcher Fälle ergaben, dass Lumbalabszesse in¬
folge von Wirbelkaries an den präformiert schwachen Stellen der
Bauchwand zu tage treten können, aber nicht müssen, ferner dass
nicht jeder Lumbalabszess eine Lumbalhernie im Gefolge hat; tritt
eine solche auf, so folgt sie der Abszessbahn.
N. Ton i a 11 i-Triest: Ein Fall von Physioabdomen bei Typhus
abdominalis.
Typhusrezidiv mit Darmparese, enorme Ausdehnung des* Darmes
und Gasaustritt durch ein bis an die Serosa heranreichendes Ge¬
schwür, durch Knickungen blieb aber die Gasausdehnung im Colon
transversum und im S Romanum erhalten, auch dann, als bei der
Eröffnung des Abdomens die in der freien Bauchhöhle angesammelte
Gasmenge entleert war. Der operative Eingriff vermochte wohl noch
eine erhebliche Erleichterung zu bringen, aber nicht den Tod abzu¬
wenden. Bei einem früheren Eingreifen hätte vielleicht durch Lö¬
sung der Abknickungen die Kotstauung im Kolon und die Gefahr des
Gasaustrittes ins Abdomen sich beseitigen bezw. verhindern lassen.
Je nach dem Befunde ist in solchen Fällen auch die Kolostomie oder
Zoekostomie indiziert.
L. Wiek: Die Beziehungen der baineologischen Wissenschaft
und kurärztllchen Tätigkeit zur Prosperität der Kurorte.
In der Erkennntnis der Bedeutung der wissenschaftlichen Er¬
forschung der Heilquellen und der wissenschaftlichen Fortbildung der
Kurärzte haben manche Badeorte balneologische Laboratorien er¬
richtet. Wünschenswert wäre die gleichfalls vorgeschlagene Errich¬
tung einer staatlichen balneologischen Zentralanstalt, ebenso aber
diejenige eines zentralen baineotherapeutischen Institutes. Hand in
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Hand damit geht der Wunsch nach einem gründlichen baineothera¬
peutischen Unterricht an den Universitäten.
Bergeat - München.
Otologie.
G. Alexander und G. W. Mackenzie: Funktlonsprüfuiigeii
des Gehörorganes an Taubstummen. Ein Beitrag zur klinischen Patho¬
logie des inneren Ohres. (Aus der Ohrenabteilung der allg. Poliklinik
in Wien.) Monatsschr. f. Ohrenheilk., 42. Jahrg., 6. H.
Die Verff. haben versucht, vor '■allem in die Frage der laby-
rinthären Gleichgewichtsstörungen bei Taubstummen, die neuerlich
zur Diskussion gestellt worden ist, Klarheit zu bringen. Auf dem
Boden der umfassenden Prüfungen jedes einzelnen Falles wurde es
ihnen möglich, das Material folgendermassen zu gruppieren: 1. Taub¬
stumme mit vollkommener Unerregbarkeit der Schnecke (total taub)
und des statischen Labyrinthes. 2. Taubstumme mit partieller Zer¬
störung des inneren Gehörorganes (Hörreste) und erregbarem sta¬
tischem Labyrinth. 3. Taubstumme mit partieller Zerstörung des
inneren Gehörorganes (Hörreste) und vollkommener Destruktion des
statischen Labyrinthes. 4. Taubstumme mit totaler Zerstörung des
inneren Gehörorganes (total taub) und erregbarem statischen Laby¬
rinth.
A. Mark: Beitrag zur Bakteriologie der mit eitriger Mastoiditis
komplizierten Otitis media acuta. (Aus der oto-laryngolog. Klinik in
Basel.) Zeitschr. f. Ohrenheilk. u. f. d. Krankh. d. Luftwege, 56. Bd..
3. H.
Die Untersuchungsreihe umfasst 185 Mastoiditiden, die infolge von
Otitis media pur. acuta zur Operation kamen. Das untersuchte
Material stammt direkt aus den durch die Aufmeisselung freigelegten
pneumatischen Räumen. Streptokokken sind vorwiegend. Aus dem
Vorhandensein bestimmter Mikroorganismen können keine Schlüsse
auf die Pathogenität des Prozesses gezogen werden, ebenso sind
Mischinfektionen ohne Einfluss auf die Pathogenität. Bei Bezold-
scher Mastoiditis findet sich der Diplococcus pneumoniae besonders
häufig.
R h e s e - Paderborn: Ueber die Beziehungen zwischen Sprach-
gehör und Hördauer für Stimmgabeltöne und die Verwertung der¬
selben bei der Beurteilung von Simulation und Aggravation. Monats¬
schrift f. Ohrenheilk., 42. Jahrg., 9. H.
Die Beziehungen zwischen Ton- und Sprachgehör äussern sich
darin, dass die Hörweite für die Sprache mit der Zunahme der er¬
haltenen Tonstrecke und der Hördauer für die einzelnen Töne der¬
selben gleichfalls zunimmt, so dass also das Hörrelief nötigenfalls
ein schätzungsweises Urteil über die vorhandene Hörweite für die
Sprache zulässt. Im übrigen muss auf die sehr umfangreiche lesens¬
werte Arbeit selbst verwiesen werden.
W. Mackenzie: Klinische Studien über die Funktionsprufung
des Labyrinthes mittels des galvanischen Stromes. (Aus der Ohren¬
abteilung der allgem. Poliklinik in Wien. Vorstand: Privatdozem
Dr. G. Alexander.) Archiv f. Ohrenheilk., 77. Bd.. 1 . u. 2. H.
Verf. hält die gegenwärtigen Prüfungsmethoden des statischen
Labyrinthes nicht in allen Fällen für ausreichend; während wir bis¬
her nur imstande waren, Fälle mit erhaltener und solche mit er¬
loschener Funktion des statischen Labyrinthes auszuscheiden, erlaubt
die näher beschriebene galvanische Untersuchung angeblich auch die
Diagnose feinerer Störungen.
B e z o 1 d - München: Experimentelle Untersuchungen über den
Schalleitungsapparat des menschlichen Ohres. II. Teil. Ibidem.
Diese Arbeit bildet eine Fortsetzung der im Archiv f. Ohren¬
heilk., Bd. 16 veröffentlichten Untersuchungsergebnisse und erstreckt
sich auf Manometer- und Fühlhebelversuche an weiteren 35 nor¬
malen und 24 im Schalleitungsapparat pathologisch veränderten Ge¬
hörorganen.
O. Mayer: Histologische Untersuchungen zur Kenntnis der
Entstehung der Taubheit infolge von angeborener Syphilis. (Aus der
k. k. Universitätsklinik für Ohren-, Nasen- und Kehlkopfkranke in
Graz. Vorstand: Prof. Habermann.) Ibidem, 3. u. 4. H.
Verf. kommt zu folgenden Ergebnissen:
1. Es spielen sich bei hereditär-luetischen Kindern spezifische
entzündliche Prozesse an den Meningen ab.
2. Damit geht einher eine spezifische interstitielle Entzündung
des Akustikus (Neuritis acustica heredo-luetica).
3. Der entzündliche Prozess pflanzt sich in das innere Ohr fort;
in den meisten Fällen findet sich daselbst nur ein entzündlicher Reiz¬
zustand, manchmal auch exsudativ-entzündliche Veränderungen
(Labyrinthitis heredo-luetica).
Z e m a n n: Sind „Totalaufgemeisselte“ kriegsdiensttauglich?
(Aus der Abteilung für Ohren-, Nasen- und Halskranke im k. k. Gar¬
nisonspital No. 1 in Wien. Vorstand: Regimentsarzt Privatdozent
Dr. C. B i e h 1.) Ibidem.
Nach Verf.s Ansicht erscheint die Kriegsdiensttauglichkeit nach
Totalaufmeisselung erhalten, wenn keine retroaurikuläre Oeffnung be¬
steht, wenn die Eiterung nach Entfernung des erkrankten Knochen*
herdes vollständig zur Ausheilung kam, wenn die Operationshöhle
von widerstandsfähigem epidermisierten Narbengewebe ausgekleidet
ist, wenn die Operationshöhle allseits von Knochen umgeben ist, wenn
die Hörschärfe noch den Anforderungen entspricht und das statische
Organ intakt ist.
Original fram
UNIVERSUM OF CALIFORNIA
19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
147
Mir (Ref.) erscheint es sehr fraglich, ob die Einstellung oder
Erhaltung derartiger Leute ein Gewinn für den Staat ist. Ich halte
selbst unter den geschilderten günstigen Verhältnissen den vollstän¬
digen Verlust des Trommelfells und der beiden äusseren Gehör¬
knöchelchen, wie ihn die Radikaloperation meist mit sich bringt, für
einen irreparablen krankhaften Zustand, der — ganz abgesehen von
der Möglichkeit einer rezidivierenden Eiterung — gemäss Anl. 1 D
No. 32 der H.O. bezw. D.A. zu beurteilen ist.
D ö 1 g e r - Frankfurt a. M.
Inauguraldissertationen.
Universität Giessen. Dezember 1908.
Severin Jos. Bernh.: Experimentelle Untersuchungen über die
Ausscheidung von N-haltigen Substanzen der Parotis bei nephrek-
tomierten Hunden.
Schmitz Franz: Experimentelle Untersuchungen über vikariierende
Magensaftsekretion bei anurischen Hunden.
Hoffman n Franz: Zur Differenzierung ähnlicher Bakterien durch
Züchtung auf farbstoff-, traubenzucker- und sanatogenhaltigen
Nährböden. *)
Heller Felix: Ueber die Serodiagnostik der Syphilis und ihren Wert
für die Praxis.
Kegel Oskar: Untersuchungen über die Ausscheidung des Atoxyls
und des kakodylsauren Natriums im Harn und Kot.*)
Böhmer Jos.: Ueber den Kaiserschnitt an der Toten und an der
Sterbenden.
Universität Greifswald. Dezember 1908.
Meissner Richard: Eine norddeutsche Apotheke des 16. Jahr¬
hunderts.
Henning Franz: Die Lumbalpunktion bei Hirntumoren.
T h o m Valerian: Fremdkörper im rechten Bronchus, extrahiert mittels
der Bronchoskopie.
Schlosshauer Kuno: Ueber Brucheinklemmungen und Bruch¬
operationen im Säuglingsalter.
Universität Leipzig. Dezember 1908.
Börngen Fedor: Ueber postoperative Netzhautablösungen nach
Myopieoperation mit einem Beitrag zur Behandlung derselben.
K u c k e s Johann: Ein Beitrag zur Lehre von den Darminvaginationen
und der Behandlung derselben.
Fräulein Kaltenbach Balbine: Statistische und kosuistische Bei¬
träge zur chronischen Bleivergiftung.
Ascher Martin: Hydronephrose bei angeborenen Anomalien der
Harnorgane.
Cohn Ludwig: Beitrag zur Aetiologie und Klinik der Gasphlegmone
des Menschen.
Diehl Ludwig: Subkutane Leberruptur als Indikation zur trans¬
pleuralen Laparotomie.
H o f f m a n n Erich: Ein Fall von Aortenruptur.
Kunz York: Ein Beitrag zur Kenntnis der Fractura ossis navicularis
tarsi.
Wachenfeld Alexander: Sechs Fälle von P a r r o t scher Pseudo¬
paralyse.
Bürger Ludwig: Kongenitale Hypoplasie des Uterus, Hypoplasie
des rechten, Kystom des linken Ovarium.
Grützner Richard: Ueber zwei Fällen von zystischem Echino¬
kokkus der Leber.
Haubenreisser Walter: Ueber Makrochilie.
Jüngling Otto: Ueber die Behandlung der Prostatahypertrophie
mittels Injektion von artfremdem Blut,
van de Kamp Theodor: Zur Kenntnis der subfascialen und sub¬
muskulären Lipome.
Singer Alfred: Einbruch eines Zervixkarzinoms in ein Myom.
Zehbe Walter: Ueber einen Fall multipler Kavernome in Leber,
Milz, Niere und Darm unter Berücksichtigung ihrer Entstehung.
Reznikoff Salomon: Ueber Phagozytose pathogener Bakterien,
insbesondere des Tuberkelbazillus.
Spinak Bernard: Ueber das Verhalten der Leukozyten im Blute
und Sputum bei asthmatischen Zuständen.
Auswärtige Briefe.
Breslauer Briefe.
(Eigener Bericht.)
v. Strümpell und Flügge. — Die Säuglingssterblichkeit
in Breslau. — Hygienische Belehrung der Schüler. — Die Spezial¬
arztfrage. — Studentenfahrt nach Prag.
Es scheint keinem Zweifel mehr zu unterliegen, wir werden
binnen kurzem zwei Zierden unserer Universität, Geh. Med.-Rat
Prof. v. Strümpell nach Wien, Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Flügge
nach Berlin abgeben. Möglich, dass noch Verhandlungen über Einzel¬
heiten im Gange sind, — das Endresultat dürfte feststehen. Die
Wiener Fakultät hat mit anerkennenswertem Taktgefühl und rascher
*) Ist veterinärmedizinische Dissertation.
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Entschlossenheit den einzigen Weg eingeschlagen, welcher zum Ziele
führen konnte, indem sie mit Unterdrückung aller etwa aufkeimender
lokalpatriotischer Anwandlungen Herrn v. Strümpell primo et
unico loco in Vorschlag brachte. So ungern wir auch den rasch bei
uns beliebt gewordenen Gelehrten scheiden sehen, so können wir
doch ein Gefühl stillen Stolzes nicht gut unterdrücken, wenn wir die
schmeichelhaften Lockrufe lesen, die dem Vielbegehrten aus Wien
entgegentönen. Ein angesehenes Wiener Fachblatt schreibt: „Einen
besseren Lehrer als Strümpell gibt es nicht in seinem Fache,
ohne jemanden nahetreten zu wollen. Ist doch das Lehrbuch S t r Ci m-
p e 11 s auf allen deutschen Hochschulen einfach das Lehrbuch für
die Interne par excellence geworden; es duldet neben sich keine
Konkurrenz und begleitet den praktischen Arzt auch liebevoll und
verlässlich in die Praxis“. — Mehr als eine Zierde der Universität
verlieren wir in Flügge; er spielte naturgemäss eine grosse Rolle
in unserem Gemeinwesen; unsere öffentliche Gesundheitspflege trägt
und wird noch lange die Spuren seines unermüdlichen scharfsinnigen
Wirkens tragen. Aus der Parteien Hass und Gunst, denen er viel¬
leicht mehr als andere im öffentlichen Leben stehende Männer aus¬
gesetzt war, hat sich das einzige allgemeine Gefühl des Bedauerns
entwickelt, ihn scheiden zu sehen. Die Sympathien der Breslauer
Aerzte gehörten ihm stets; die von ihm geleiteten Sitzungen der
hygienischen Sektion — freilich leider nur zu seltene Ereignisse —
wiesen immer ein gedrängtes ärztliches Publikum auf. Die letzte
Sitzung vom 8. Dezember im hygienischen Institut wird uns als eine
mustergültige in bester Erinnerung bleiben. Es lohnt sich, selbst nur
die Tagesordnung wiederzugeben: Demonstration zur bakterio¬
logischen Typhusdiagnose; Methodik der Opsoninuntersuchung bei
Tuberkulose; Neuere Desinfektionsverfahren; Statistische Zusammen¬
stellungen über die Säuglingssterblichkeit in Breslau, Demonstration
von Wachstumsverhältnissen der Breslauer Schulkinder; Demonstra¬
tion von Geissein (bei Dunkelfeldbeleuchtung) und von Trypano¬
somen. Flügge selbst referierte über die Säuglingssterb¬
lichkeit in Breslau, ein Thema, welches wir bereits in unserem
letzten Breslauer Briefe gestreift, und welches wir nun an Hand
von Flügges Referat etwas eingehender behandeln können. Bres¬
lau hat in hygienischer Hinsicht leider ein schlechtes Renommee; nach
den Veröffentlichungen des Kais. Gesundheitsamts sterben in Breslau
von je 1000 Erwachsenen, auf das Jahr berechnet, durchschnittlich
22; viele Städte mit ungünstigeren Ziffern gibt es nicht (Gelsenkirchen,
Stettin, Halle, Posen); in Berlin sind es 16, Frankfurt a. M. 15, Elber¬
feld, Barmen 14 und 13 (ebensowenige meines Wissens in München),
in Charlottenburg und Schöneberg 12 und 11. (Uebrigens ist die
Mortalität in Breslau in früheren Jahren weit erheblicher gewesen
und hat um 29 herum gelegen; ein Fortschritt zum Bessern ist auch
bei uns unverkennbar.) Der Grund der hohen Sterblichkeitsziffer liegt
wesentlich in der hohen Kindersterblichkeit; denn unter den
ca. 10 000 Todesfällen p. a. sind etwa 3000 Kinder, von denen die
Hälfte etwa an Magen- und Darmkrankheiten zugrunde geht. (Frei¬
lich stellt auch die Tuberkulose ein so hohes Kontingent zur Sterb¬
lichkeitsziffer, 17—1800 Todesfälle, wie sonst wohl kaum irgendwo im
Deutschen Reich — und zwar seit Jahren unverändert in gleicher
Höhe, während sonst überall eine Abnahme zu verzeichnen.) Ein
früherer, jetzt in Berlin ansässiger Assistent Flügges, Dr. Wil¬
liam, hat die mit den sommerlichen Temperaturerhebungen zu¬
sammenfallende Kindersterblichkeit (durch Magendarmkatarrhe) zum
Gegenstand statistischer Studien gemacht. Aus den von ihm angeleg¬
ten Kurven ging zweifellos hervor, dass, in welchem Monate auch
die hohen Sommertemperaturen (über MVs 0 C) fielen, die höchste
Kindersterblichkeit stets um dieselbe Zeit auftrat. Um zu ermitteln,
ob auch die höchsten Wohnungstemperaturen diesen Kurven sich ent¬
sprechend verhielten, hat W i 11 i a m Luft-, Boden- und Wandtempera¬
turmessungen vorgenommen und letztere als massgebend ermittelt.
Das Breslauer Material (i. J. 1904) lieferte ihm 1000 Todesfälle und
zeigte auch innerhalb dieses kleinen statistischen Rahmens deutlich
den hervorragenden Einfluss der Hitzewelle, aber freilich im engsten
Zusammenhänge mit ungünstiger sozialer Lage; auch spielte die Art
der Ernährung (Brustkinder oder künstlich genährte) eine Rolle und
etwa vorangegangene Darmerkrankungen. Um den Einfluss der
sozialen Lage genau herauszuerkennen, benützte W. ein ihm vom
Direktor des Breslauer statistischen Amts, Prof. N e e f e, entworfenes
Schema, welches ihm zu folgender Tabelle verhalf:
Von 1000 Ein¬
wohnern Breslaus
wohnten:
1. für über
1000 M.
Miete
64
2. für 500
bis 1000 M.
Miete
120
3. für 300
bis 500 M.
Miete
129
4. für 0
bis 300 M.
Miete
637
Säuglinge starben
im Hochsommer
an Verdauungs¬
krankheiten :
0
5
72
923
Rechnet man die 1. Klasse als reich, die 2. als wohlhabend, die 3.
als mässig bemittelt, die 4. als unbemittelt, so ergibt sich, dass bei
den reichen Leuten im Hochsommer überhaupt kein Kind an Vcr-
Qriginal from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
148
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
dauungsstörungen starb, ein Resultat, das beiläufig in Graz für die
letzten 2 Dezennien Gültigkeit besitzt. Bemerkenswert ist auch, dass
von 1000 im Hochsommer gestorbenen Kindern nur 25 Keller¬
bewohner waren.
Hat man die Ursachen ermittelt, so sollte es eigentlich ein leich¬
tes sein, auch für Abwehr zu sorgen. Leider ist dies nur bis zu
einem gewissen Grade möglich. Die durch chronische Dyspepsien
gesetzte Prädisposition wird durch das Vorgehen der Kinderärzte
natürlich gemildert werden können; auch für die Bevorzugung der
Brustnahrung kann wirksam Propaganda gemacht werden; anders
steht es aber mit dem Einfluss der sozialen Lage, die wir in abseh¬
barer Zeit kaum bessern werden. Und der Einfluss der Hitze? Es
handelt sich im wesentlichen darum, bei künstlicher Ernährung, die
doch auch in den wohlhabenden Klassen häufig genug geübt wird,
die Milch kühl zu halten; dies sollte wenigstens versucht werden,
wenn die Versuche auch an den Kosten vielfach scheitern würden;
eine billige Eislieferung, wenigstens während der Hitzeperioden,
sollte sich doch ermöglichen lassen; auch die öffentlichen Milch¬
küchen könnten helfen. Das nächstliegende und einfachste wäre frei¬
lich die Kühlung in kaltem Wasser; die erforderliche Temperatur von
10° kommt aber nur dem Grundwasser zu; ceterum censeo: auch aus
diesem Grunde bedarf unsere Wasserleitung des Grundwassers.
Es ist weder unsere Absicht noch kann es uns zukommen, ein
Protokoll der hygienischen Sektion zu liefern: wir sind auf den
Flügge sehen Vortrag nur näher eingegangen, einmal angesichts des
bevorstehenden Abschieds Flügges, andererseits aber wegen der
grossen Aktualität, welche die Frage der Kindersterblichkeit für uns
Breslauer besitzt. Man wird es uns lassen müssen, dass wir mit
allen Kräften dem Feinde entgegenarbeiten und dass alles, was ge¬
schieht, aufs genaueste durchdacht ist. Seit dem 1. Juli d. J. haben
wir statt einer Milchküche deren vier, für jeden der vier Stadtteile
eine; jede besitzt einen spezialärztlichen Leiter und hat ihre ärzt¬
liche Sprechstunde. Um den Beginn der künstlichen Ernährung und
damit die Gelegenheit zu einer Ernährungsstörung möglichst hinaus¬
zuschieben, wird auf möglichste Verlängerung der Stillperiode hin¬
gearbeitet. Es stehen den Milchküchenärzten „Stillprämien“ zur Ver¬
fügung, um im Falle einer wirtschaftlichen Notlage den Müttern das
Weiterstillen zu ermöglichen. Um zu einer genauen Mortalitätssta¬
tistik des Materials der Milchküchen zu gelangen, wird seit dem
1. April 1907 Name, Geburtstag, Geburtsort usw. aller in die Milch¬
küche eintretenden Säuglinge dem hiesigen statistischen Amte mit¬
geteilt. Dieses unterzieht sich der Aufgabe, das Schicksal dieser
Kinder bis zum Ende des 2. Lebensjahres zu verfolgen. Der Prozent¬
satz behandelter Kinder, welche dieses Alter erreichen (bisher starb
in Breslau durchschnittlich jedes 2. Kind vor Zurücklegung des
1. Lebensjahres), soll dann einer der Prüfsteine für die Leistungen
der Milchküchen werden. Einstweilen liess sich feststellen, dass
im Jahre 1907 in den Milchküchen die Mortalität der Säuglinge von
23,2 Proz. der Lebendgeborenen auf 10—14,4 Proz. herabgedrückt
wurde. Im Jahre 1907/08 sind 27 070 Liter Milch, 505 kg Milch¬
zucker, 107 kg Malzsuppenextrakt, 962 kg Hafermehl, 440 kg Weizen¬
mehl, 189 kg Hafergrütze und etwa 50 kg Salz in den Breslauer Milch¬
küchen verbraucht worden. Hiervon wurden im ganzen 57 554 Tages¬
portionen trinkfertiger Säuglingsnahrung hergestellt, so dass auf den
einzelnen Säugling durchschnittlich per Tag nicht ganz ein halber
Liter Milch verbraucht wurde. Während so prophylaktisch der Er¬
krankung der Säuglinge entgegengewirkt wird, ist der Bau des
grossen Säuglingsheims für erkrankte Säuglinge endlich nun be¬
schlossene Sache. Es ist richtig, dass eine allumfassende Prophylaxe
vom Mutterschutz auszugehen hat und dass eine Musteranstait für
Mutterschutz, wie solche z. B. in Berlin-Schöneberg existiert, auch
die Kinder davor bewahrt, fremder Pflege anheimzufallen und so
indirekt zur Minderung der Gefahren für die Säuglinge beiträgt;
vielleicht erblüht auch für Breslau bald einmal eine solche Mutter¬
schutzanstalt. Aber über den Bau eines Säuglingsheims würde uns
solche Anstalt nicht hinweghelfen und so ist denn die sofortige In¬
angriffnahme des Baues eines grossen, über 100 Plätze fassenden
Säuglingsheimes in letzter Stadtverordnetenversammlung mit grosser
Majorität beschlossen worden.
Dass man indessen in Breslau njit den Milchstellen für Säuglinge
es sich nicht genug sein lässt, sondern auch an Milchverkaufshäuschen
für Erwachsene herangeht, wird den Herren Kollegen von der Absti¬
nenzbewegung sicher recht lieblich in die Ohren klingen und Kollege
Holitscher wird zu seiner Freude wahrnehmen, dass trotz des
ablehnenden Votums des Aerztetages in Danzig gegenüber der Frage
des „Alkoholunterrichts in den Schulen“ wir Breslauer in der hygie¬
nischen Belehrung von Schülern den Alkohol nicht geringer ein¬
schätzen als die sexuelle Frage. Die 3 staatlichen höheren Lehranstal¬
ten Breslaus haben im laufenden Winterhalbjahr den Versuch ge¬
macht, durch einen freien Zyklus von Vorträgen über wichtige Ge¬
biete der Hygiene die älteren Schüler, Primaner und Sekundaner, zu
belehren und anzuregen. Die Vortragenden sind Aerzte, die ihre
reiche Erfahrung in den Dienst der guten Sache zu stellen sich bereit
finden Hessen, und zwar wurden gewonnen: Prof. Dr. Tietze zu
Vorträgen ..über Sport in ideeller und gesundheitlicher Beziehung“,
Prof. Dr. Reichenbach zu solchen ..über die wichtigsten In¬
fektionskrankheiten und deren Verhütung“, Prof. Dr. Rosenfeld
„über die gebräuchlichen Genussmittel (Alkohol, Tabak usw.) und
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ihre körperlichen und geistigen Wirkungen“, Prof. Dr. Harttung
„über das Verhalten der Jugend zur sexuellen Frage“. Die Vorträge
finden im Auditorium maximum der Universität statt; die Teilnahme
ist freiwillig und unentgeltlich; mit den Schülern sind auch die Eltern
willkommen.
So ist der Aerztestand der Oeffentlichkeif gegenüber: wie Faust
will er nur „ihr Wohl und Weh auf seinen Busen häufen“ und über
den „schmerzlichen Genuss“ kommt er nicht hinaus. Wenn wir nur
mit unserer Standeshygiene erst fertig wären, um wie viel tatkräfti¬
ger könnten wir uns der öffentlichen hingeben! Wo sind die Zeiten
hin, wo unsere gelehrten Gesellschaften nicht Sitzungen genug an¬
beraumen konnten, um das zuströmende Vortragsmaterial zu be¬
wältigen, — wo selbst die Sitzungen des Vereins der Breslauer
Aerzte grossenteils medizinischen Fragen galten! Aber freilich —
es ist nicht bei uns allein so geworden; wo in Deutschland tagt wohl
augenblicklich ein Aerzteverein, der nicht über die „Spezialarztfrage’*,
die „Lebensversicherungsfrage“ usw. stundenlang zu sprechen hätte.
Bei uns gab es vor der Spezialarztfrage noch die Kinderarztfrage:
letztere hat die erstere eigentlich erst in Fluss gebracht. Den Kinder¬
ärzten verdanken wir das Zustandekommen der „Vereinigung prak¬
tischer Aerzte“; gereizt durch vereinzelte Uebergriffe der ersteren
glaubten die letzteren nur durch einen Zusammenschluss sich wehren
zu können. Sie glauben ihre „Grundsätze für den Verkehr zwischen
Praktikern und Konsultationsärzten“ nun allen Spezialarztgruppen
diktieren zu können und schon tritt ihnen die in der Bildung begriffene
„Vereinigung der Spezialärzte“ mit Gegenforderungen gegenüber.
Der ministerielle Erlass bezüglich der Spezialarztfrage ist für Breslau
gerade im richtigen Augenblick aktuell geworden; er führt die Ge¬
müter, die bereits in Hitze zu geraten drohten, durch gemeinschaft¬
liche Diskussion des Ministererlasses im Aerzteverein friedlich zu¬
sammen. Kollege Samo sch als Referent gab eine geschickt ent¬
worfene Uebersicht über die spezialärztlichen Verhältnisse in Breslau.
Nach ihm stehen bei uns 165 praktischen Aerzten 160 Spezialärzte
und 67 sog. Und ärzte gegenüber. Es kommen (je nachdem die
Undärzte mitgerechnet werden oder nicht):
1 Kinderarzt.auf 6 1 /*—18 prakt. Aerzte
1 Nervenarzt. »8 —13 „ ,
1 Dermatologe. „7 — 9 „ *
1 Ophthalmologe. „ 7 — 8 * ,
1 Innerer. *4— 7Va „ *
1 Hals-, Nasen-, Ohrenarzt , 6 1 /*— 7 „ *
1 Frauenarzt. ,6 w .
Dass mit der Einschränkung des Spezialistentums auf 8 Haupt¬
fächer nicht das Richtige getroffen, zeigen bei uns wie auch ander¬
wärts die tatsächlichen Verhältnisse: es müssen noch manche Unter¬
fächer zugelassen werden, wie Orthopädie, Urologie, Röntgenthera¬
pie, — und nichts schiene verkehrter, als den Autodidakten den Weg
verlegen zu wollen. Das Publikum bedürfe keines Schutzes gegen¬
über den Spezialärzten, wohl aber eines solchen gegen die Kur¬
pfuscher. Es braucht kaum erwähnt zu werden, dass die schliessliche
Stimmung der Versammlung auf eine Ablehnung des Ministerial¬
erlasses herauslief, auf eine Resolution, inhaltlich genau der von der
Berlin-Brandenburger Aerztekammer gefassten Resolution Schaef-
f e r, welche die bestehende Institution der Ehrengerichte für aus¬
reichend erklärt, um offensichtlich missbräuchliche und unlautere Bei¬
legung des Spezialistentitels zu ahnden.
Wir können diesen letzten Breslauer Brief des alten Jahres
nicht schliessen, ohne der Breslauer Studentenfahrt nach
Prag, welche sicherlich die Augen des ganzen gebildeten Deutsch¬
land auf unsere Alma mater gelenkt, kurz Erwähnung getan zu
haben. Von den ca. 200 Musensöhnen, die namentlich aus dem Süden
und Osten des Reiches zur Verteidigung des bedrohten Deutschtums
nach Prag geeilt, waren über 50 solche, die von insgesamt 26 Bres¬
lauer Studentenverbindungen delegiert worden. Da nutzte es nicht,
dass der Minister in einem Telegramm an den Universitätskurator
dringend ersuchte, die Reise zu inhibieren. Freilich sah der S. C.
aus freier Entschliessung nach Abmahnung des Rektors und nach ein¬
gehender Beratung von der Reise ab, aber der Vorsitzende des
Vereins deutscher Studenten machte seine Entschliessung von der
Entscheidung der anderen Delegierten abhängig, denen er jedoch erst
auf dem Bahnhof von dem Eintreten des Rektors Mitteilung machen
konnte. So kam — der Zug ins Rollen und lief trotz des proklamier¬
ten Standrechts mit den mutigen Deutschvertretern im „goldenen
Prag“ ein. (Wo.)
Pariser Briefe.
(Eigener Bericht.)
Ueber die französischen ärztlichen Gesellschaften. — Geschichte
und Tätigkeit des „Concours m6dlcal“.
Im Anschluss an meinen letzten Brief (diese Wochenschrift 1908.
No. 38) will ich heute den Versuch machen, den Lesern dieser Wo¬
chenschrift ein Bild von der Tätigkeit der französischen ärztlichen
Wohlfahrtsvereine auf Gegenseitigkeit, den sogen, „mutuelles“, zu
entwerfen. Ich schildere dabei zunächst die Geschichte des „Con¬
cours medical“.
Der „Concours medical“ ist einer unserer ältesten Vereine und
wohl der bedeutendste von ihnen, wenn nicht durch die Zahl seiner
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
19 . Januar 1909 .
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
149
Mitglieder, so doch durch den Einfluss, den er in der ganzen fran¬
zösischen ärztlichen Welt ausiibt.
Er wurde im Jahre 1879 von Dr. C e z i 11 y, zugleich mit einer
Zeitung gleichen Namens gegründet. Dr. Cezilly stellte seine
Zeitung für alle ärztlichen Anregungen und Erörterungen zur Ver¬
fügung und bildete einen Verein seiner Leser, der zum Zweck hatte,
die in der Zeitung erörterten und als richtig befundenen ärztlichen
Wünsche zur Durchführung zu bringen. Die Eragen, mit denen sich
dieser neue Verein schon gleich nach seiner Gründung beschäftigte,
waren die der ärztlichen Syndikate und einer Pensionskasse. Nach
diesen beiden Richtungen: Fürsorge und Verteidigung, arbeitet der
Concours medical seitdem ununterbrochen. So gründete er 1881 eine
Kasse für Lebensversicherung, 1885 eine Pensionskasse, 1886 eine Un¬
fallkasse, 1893 ein Krankenkasse, 1897 den „Sou medical“, d. i. eine
Art von Kriegskasse, und 1908 eine Witwen- und Waisenkasse. In der
anderen Richtung veranlasste er die Revision des Gesetzes über den
ärztlichen Stand, die Gründung der ersten Syndikate und der Ver¬
einigung der Syndikate (Union des Syndicats medicaux de France)
und endlich 1899 die Gründung der „Financiere medicale“. Ueber
einige dieser Stiftungen wären noch Einzelheiten mitzuteilen.
In den Jahren 1879—1880 äusserten sich die Kollegen Dr. Mar-
g u e r i 11 e (Le Havre), Dr. B e r a u d - Charlieu, Dr. C a u c h y -
Bapaume im „Concours mödical“ über die Notwendigkeit eines Zu¬
sammenschlusses der Aerzte, um den neuen Forderungen des ärzt¬
lichen Lebens zu entsprechen. In der Tat änderte sich in jener
Zeit das alte gemütliche französische Leben und mit ihm verschwand
auch der Typus des Familienarztes, der es selten zu Wohlstand
brachte, inmitten seiner Familien als deren Freund und Berater lebte
und von seinen Patienten vielfach auch durch Geschenke und Natu¬
ralien entlohnt wurde, die ihm die Lebensführung erleichterten. Der
moderne Arzt wird n u r bezahlt, meist schlecht bezahlt. Er hat Kun¬
den, aber keine Familien mehr, er muss für seinen Lebensunterhalt
schwer arbeiten. Es dürfte wohl in Deutschland ähnlich sein. So
wurde denn im Jahre 1881, nachdem der „Concours medical“ den
ersten Anstoss gegeben hatte, das erste Syndikat durch Dr. M i g -
n e n - Montaigu (Vendöe) gegründet.
Bald reichten die Spalten des „Concours medical“ nicht mehr aus
und man musste ein neues Organ, das „Bulletin spöcial des Syndicats“
herausgeben. Dies geschah mit finanzieller Hilfe des „Concours“.
Im Jahre 1884 bestätigte das Gesetz über die Syndikate die Existenz
der ärztlichen Syndikate und am 27. Juli desselben Jahres wurde die
„Union“ gegründet mit Dr. G i b e r t (Le Havre) als Präsident, aber
erst am 30. November 1892 erschien dank Dr. Chevandier (Ab¬
geordneten der Drome) das Gesetz, durch welches die Syndikate der
freien Berufsarten anerkannt wurden (Artikel 13). Im Jahre 1893
war die „Union“ genügend erstarkt, sie machte sich unabhängig vom
„Concours medical“ und zog ihr „Bulletin“ mit sich. So hat der
„Concours medical“ die Syndikate und die Union hervorgebracht,
die heute beide blühen und gedeihen. Man muss diese Tatsachen
kennen, um die Verhältnisse der verschiedenen ärztlichen französi¬
schen Vereine zu verstehen. Es ist eine Pflicht der Dankbarkeit, die
Namen der Kollegen zu nennen, welche so lange und unter schweren
Verhältnissen für den ganzen ärztlichen Stand gearbeitet haben. Es
sind die Kollegen: Barat-Dulaurier, Jeanne, Noir,
de Grissac, Gassot, Maurat, Gairal, Le Baron,
S6ailles, Lereboullet, des Chesnays u. a.
Die Pensionskasse des „Concours medical“ datiert vom
Jahre 1884. Ihre Geschichte war eine glückliche bis zum Jahre 1900,
wo das neue französische Gesetz über die Gegenseitigkeitsgesell¬
schaften (mutualites) tiefgreifende Veränderungen in den Satzungen
veranlasste. Die Vorarbeiten für die Reorganisation der Pensions¬
kasse waren langwierig, 1900—1905, weil man die Interessen der
älteren Mitglieder mit denen der jüngsten und mit dem Wortlaut des
Gesetzes in Uebercinstimmung bringen musste. Nach Ueberwindung
vieler Schwierigkeiten wurde die Neugestaltung der Kasse erfolgreich
durchgeführt und sie funktioniert jetzt in folgender Weise:
Anfänglich betrug der niedrigste Beitrag 50 Fr. jährlich; die
Höhe der Pension war 1200 Fr. und der Anspruch auf diese wurde
etwa mit dem 60. Lebensjahr erreicht. Am 1. Januar 1905 wurde
die Pension auf 800 Fr. herabgesetzt. Die noch nicht pensionsberech¬
tigten Mitglieder konnten den neuen Pensionstypus von 800 Fr. an¬
nehmen und hatten dann denselben Betrag wie früher zu bezahlen
oder sie konnten bei Bezahlung derselben Prämie das pensionsfähige
Alter um 1, 2, 3 oder 4 Jahre zurücksetzen, um dann mit 60 Jahren
800 Fr., 61 Jahren 880 Fr., 62 Jahren 970 Fr., 63 Jahren 1075 Fr.,
64 Jahren 1200 Fr. Pension zu beziehen oder sie konnten durch Be¬
zahlung einer einmaligen Summe sich die volle Pension von
1200 Fr. für das 60. Lebensjahr sichern oder endlich sie konnten ihren
Austritt erklären. In diesem Fall bekamen sie ihr Kapital mit einer
2proz. Verzinsung zurück. Die Leiter dieser Pensionskasse sind die
Kollegen: Lande, Gassot, Delefosse, Verdalle, Jeanne,
Lereboullet, de Ranse.
Die Krankenkasse des „Concours medical“. — Die schon
oben erwähnte „Association medicale mutuelle“ ist durch Dr. La-
Eoguey begründet und existiert seit 1887. Es ist ein sehr reicher
Verein, der aber nur Aerzte des Seinedepartements unterstützt. Die
Krankenkasse des „Concours mödical“ ist dagegen allen französischen
Acrzten zugängig. Sie eröffnete ihre Tätigkeit am 1. Januar 1894
unter der Leitung der Doktoren Clzilly, Maurat, Gassot,
Jeanne und Archambaud. Sie versichert ihre Mitglieder je
nach Wahl bis zum 65. Lebensjahr oder bis zum Lebensende. Sie
zählte Ende 1900 650 Mitglieder und zahlte 23 835 Fr. Renten für die
erstere und 12 033 Fr. für letztere Versicherungsart. In diese Zeit
fällt ein sehr wichtiges Ereignis. Ich habe früher gesagt, dass die
„Association gönerale des medecins de France“, die älteste ärztliche
Gesellschaft, mit dem „Concours medical“ nicht auf sehr gutem
Fusse stand; aber in der Zeit von 1879—1900 waren ihre Mit¬
arbeiter nach und nach ausgeschieden. Im Jahre 1900 war Professor
Lannelongue Präsident. Dieser wollte innerhalb der „Associa¬
tion generale“ eine Krankenversicherung gründen, eine für den „Con¬
cours medical“ senr unangenehme Konkurrenz. Auf Veranlassung der
Leiter des „Concours“ kam es daher zu einer Verständigung zwischen
beiden Vereinen, die „Association“ unterliess die Gründung einer
Krankenkasse und trat mit einem jährlichen Beitrag der Krankenkasse
des „Concours“ bei. Schon 1892 hatte sich eine lokale Vereinigung,
„die ärztliche Föderation von Südwestfrankreich“ mit dieser Kasse
vereinigt.
Die Begründer der Krankenkasse des „Concours mödical“ fanden
auch hier Gelegenheit die Pensionskasse zu unterstützen. Wir haben
gesehen, dass diese Kasse eine ziemlich traurige Geschichte gehabt
hat. Die Herren Gassot, Mignon und Jeanne führten daher
eine neue Kombination ein, die Kombination C, welche einen Ueber-
gang zwischen Pensionskasse und Krankenkasse bildet. Die Kran¬
kenkasse bietet also 3 Systeme: A. Beitrag je nach dem Alter des
Mitgliedes beim Eintritt (Krankengeld bis zum Alter von 65 Jahren).
B. Krankengeld bis zum Tode, aber nur für die schon im Jahre 1905
pensionierten Mitglieder, C. Krankengeld bis zum Alter von 65 Jahren
und Pension bis zum Lebensende (1200 Fr.). Die bisherigen Lei¬
stungen der Krankenkasse des „Concours mSdical“ zeigt die folgende
Tabelle:
Jahre
Mitglieder
Gezahlte
Beiträge
Bezahlte
Krankengelder
Reserve-
Fonds
Frs.
Frs.
Frs.
1894
167
9,016.65
370.00
8,375.51
1895
287
19,581.50
3,400.00
24,293.31
1896
371
28,737.00
11,003.25
43,928.74
1897
445
35,070.75
17,026.30
63,884.10
1893
502
39,941.75
18,939.45
84,679.02
1899
572
45,783.50
22,972.80
105,753.44
1900
650
51,067.25
38,772.65
121,810.06
1901
7-«4
56,373.25
31,586.20
148,121.42
1902
837
65,084.00
41,508.35
179,087.39
1903
930
75,447.95
51,542.55
202,273.68
1904
1014
| 85,896.50
64,999.30
227,692.15
Zum Schlüsse noch einige Worte über eine weitere Stiftung des
„Concours“, den „Sou medical“. Diese Stiftung sollte die Aerzte in
ihrem Kampfe ums Dasein unterstützen. Ihr Zweck ist, den Aerzten
bei Prozessen, Gerichtsverhandlungen, gegen schwindelhafte Kun¬
den etc. zu helfen. Sie erteilt rechtskundigen Rat. Der persönliche
Beitrag beträgt 1 Sou (5 Centimes) pro Tag. Der „Concours mödi-
cal“ (sowohl die Zeitung wie der Verein) geben aus eigenen Mitteln
einen jährlichen Beitrag von 2000 Fr. und leisten eine Garantie von
10 000 Fr. Diese Stiftung besteht seit 1898 und zählt gegenwärtig
900 Mitglieder. Ihr Grundsatz ist, nichts zu kapitalisieren, sondern
die gesamten Jahreseinkünfte den Kollegen zugute kommen zu lassen.
Von 1898—1902 hatte sie bereits 25 000 Fr. ausgegeben und nicht
wenige Prozesse damit gewonnen. Man muss nämlich wissen, dass
in Frankreich die Patienten sehr geneigt sind, ihren Arzt zu ver¬
klagen, wenn sie irgendwie einen Fehler in der Behandlung ver¬
muten. Dabei zeigen die Richter sehr wenig Wohlwollen für die
Aerzte und geben meistens den Patienten Recht. Wahrscheinlich
fürchten sie, selbst eines Tages schlecht behandelt zu werden. Der
„Sou medical“ oder die Syndikate haben daher Arbeit genug. Die
Leiter des „Sou medical“ sind: Dr. Cözilly sen., Dr. Cezilly
jun., Maurat, Jeanne, Vimont, de Grissac, Gassot,
Diverneresse, Bellencotre, Katz, des Chesnays
und Advokat Gatineau.
Zwei weitere Stiftungen des „Concours medical“ sind von ge¬
ringerer Bedeutung. Im ganzen zählt der „Concours mödical“ etwa
12 000 Mitglieder oder Abonnenten und übt einen sehr grossen und
glücklichen Einfluss auf die ärztliche Politik in Frankreich aus. Seine
Zeitung ist unter den Aerzten eine der gelesensten.
Sollte diese Schilderung meine deutschen Kollegen interessiert
haben, so würde ich in einem späteren Artikel die Association göne-
rale und die Association medicale mutuelle besprechen. Ein weiterer
Artikel über die Syndikate, insbesondere das der Seine, könnte dann
den Schluss bilden dieser kurzen aber genauen Uebersicht über die
Eirichtungen des ärztlichen Standes in Frankreich. 1 )
Dr. Renö M a r t i a 1.
0 Seit dem Tage, wo diese Zeilen geschrieben wurden, fanden
wichtige Ereignisse über die Reform der medizinischen Studien,
und sogar heftige Kämpfe gegen das „Concours de Tagregation“
statt; von diesen letzteren werde ich demnächst sprechen.
Original fram
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
150
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
Vereins- und Kongressberichte.
Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden.
(Offizielles Protokoll.)
V. Sitzung vom 7. November 1908.
Vorsitzender: Herr S c h m o r 1.
Vor der Tagesordnung berichtet Herr E. Böhm lg über einen
Fall von Schläfenlappenabszess und demonstriert das Gehirn.
Tagesordnung:
Herr Th. Barth: Vorstellung eines Falles von Sigmatismus
nasalls, einer seltenen Sprachstörung, die in das Gebiet des Stam¬
melns gehört. Der „S“-Laut wird nicht normal durch Ueberleiten
des Luftstormes über den Zungenrücken auf die Zahnreihe gebildet,
sondern infolge Heben des Zungenbodens und Senken des Gaumen¬
segels entweicht die Luft durch die Nase, ohne dass überhaupt ein
Zischlaut zustande kommt. Es klingt die Sprache, als ob Gaumen¬
segellähmung bestände. Man kann sich aber von der vollständig ge¬
sunden Funktion des Gaumensegels durch Inspektion überzeugen, auch
werden alle anderen Vokale und Konsonanten normal gesprochen.
— Unterweisung in der normalen S-Lautbildung und Sprachübungen
beseitigt den Fehler.
Herr H. Haenel: Leber den harten Gaumen- und den Schlund-
reflex.
1904 hatte Henneberg einen Reflex im Trigeminusgebiete be¬
schrieben, der darin besteht, dass beim Streichen von hinten nach
vorn über den harten Gaumen eine Kontraktion des M. orbicularis
oris auftritt; dieselbe Zuckung, verbunden manchmal mit einer Hebung
des Unterkiefers zeigt sich gelegentlich bei Streichen über die Zunge,
das Lippenrot, die Wangenschleimhaut. Das Auftreten dieses Re¬
flexes ist gebunden an eine allgemeine erhöhte Reflexerregbarkeit,
wie sie besonders der Pseudo-Bulbärparalyse zukommt. Bei einem
ausgesprochenen Fall dieser letzteren Krankheit beobachtete Vortr.
an dem Harten-Gaumen-Reflex einige Besonderheiten. Die Kontrak¬
tion des Orbicularis oris trat nämlich nicht nur bei mechanischer
Reizung des harten Gaumens auf, sondern auch bei elektrischer; das
wäre an sich nichts besonders Bemerkenswertes, eigenartig war aber,
dass die Muskelzuckung quantitativ wie qualitativ in allen Einzel¬
heiten genau der angewandten Stromart und Stromstärke entsprach.
Es liess sich nachweisen, dass die Zuckung nicht etwa auf direkter
Reizung des Schliessmuskels durch Stromschleifen beruhte, sondern
dass es sich um eine echte Rcflexzuckung handelte. Die reflexogene
Zone war scharf begrenzt auf den harten Gaumen (ausschliesslich des
Alveolarfortsatzes) und die Spitze und vorderen Ränder der Zunge.
Die Form des Reflexes bewies also objektiv, dass das Pflüger-
sche Zuckungsgesetz für die zentripetale Leitung genau so gilt wie
für die zentrifugale, eine Tatsache, die bisher nur am strychninisierten
Tiere nachgewiesen war, während man beim Menschen auf die sub¬
jektiven Angaben über Empfindungsgrenzen und Empfindungsunter¬
schiede angewiesen war. Der Reflex ist vielleicht als ein Rudiment
des beim Säugling physiologischen Saugreflexes anzusehen. — Weiter
gibt der beobachtete Fall Vortr. Anlass zu Betrachtungen über den
Schlundreflex. Bei der Pat. war nämlich der Schlingreflex herab¬
gesetzt, der Würgreflex aber erhöht. Schon die physiologische Tat¬
sache birgt verschiedene Rätsel, dass der beim Schluckakte die
Rachenschleimhaut berührende Bissen eine peristaltische Bewegung
der Schlundmuskeln auslöst, die Berührung der gleichen Stelle aber
mit einem Spatel oder Pinsel eine antiperistaltische Bewegung der¬
selben Muskeln zur Folge hat. Die sensiblen Fasern der Schleimhaut
wählen also gewissermassen zwischen den Arten der Reizung aus
und beantworten sie mit einer Reflexbewegung, die bald in diesem,
bald im entgegengesetzten Sinne verläuft. Der springende Punkt
scheint bei Betrachtung aller Umstände darin zu bestehen, dass der
Reiz einmal erfolgt, wenn die Rachen- gegen die Mundhöhle all¬
seitig fest abgeschlossen ist, ein andermal, wenn zwischen beiden
Höhlen eine Verbindung offengeblieben ist: im ersten Falle erfolgt
die Schling-, im zweiten die Würgebewegung. Ausserdem ist die
letztere auslösbar von den hinteren Teilen der Zunge und Mundhöhle,
durch Gerüche, Vorstellungen, steht überhaupt durch Bahnung und
Hemmung in viel innigerer Beziehung zum Grosshirn als der Schling¬
reflex. Einen Weg zur genaueren Erklärung dieser eigenartigen
Doppelfunktion ein und derselben Muskelgruppe weist vielleicht die
Tatsache, dass der Rachen sowohl sensibel als motorisch aus je zwei
Nervenpaaren versorgt wird: die zentripetale, für die Reflexe in
Betracht kommende Bahn verläuft im Vagus und Giossopharyngeus,
die zentrifugale im Akzessorius und motorischen Vagus. Der ganze
Vorgang birgt jedenfalls noch allerhand offene Fragen.
Herr S t r u b e 11: Ueber elektrokardlographlsche Untersuchungen
zur Physiologie und Pathologie des Herzschlags.
Die elektrokardiographische Methode, welche durch
Einthoven in die Medizin eingeführt worden ist (der Erfinder des
Saitengalvanometers, welches Einthoven wesentlich verbessert
hat, ist übrigens Ader, der 1897 der Pariser Akademie ein solches
für die internationale transatlantische Telegraphie bestimmtes Instru¬
ment vorlegen liess), hat besonders dank den gründlichen und um¬
fassenden experimentellen klinischen Forschungen von Fr. Kraus
und Nicolai an Fundament wesentlich gewonnen. Es ist den bei¬
den Autoren gelungen, das herauszuschälen, was für die praktische
und klinische Medizin bisher von Wichtigkeit zu sein scheint, während
Einthoven besonders in seinen ersten Publikationen der physio¬
logischen und klinischen Deutung verschiedener wichtiger Teile des
Elektrokardiogramms noch ziemlich unbeiangen gegenüberstand.
Den Physiologen waren die elektrischen Erscheinungen in der
kontraktilen Substanz des Herzens schon seit langer Zeit bekannt;
Matteucci hat 1 84 3 den Ruhestrom nachgewiesen, Dubois-
Reymond 1849 den Parallelismus zwischen mechanischer Leistungs¬
fähigkeit und elektromotorischem Vermögen, K ö 11 i k e r und M ü 1-
1 e r haben 1856 mit Hilfe des Froschschenkelversuches das Auftreten
von Aktionsströmen im Herzen dargetan. Die ältesten Untersucher
arbeiteten mit dem Galvanometer, spätere mit dem Bernstein-
schen Differentialrheotom, noch spätere mit dem L i p p m a n n sehen
Kapillarelektrometer. Die klinischen und experimentellen Herzunter¬
suchungen mit dem neuerdings durch Edelmann wieder bedeutend
verbesserten Einthoven sehen Saitengalvanometer lassen eine
Reihe von Zacken: P, Q, R, S, T nach Einthoven unterscheiden,
welche wir aber besser nach dem Vorgänge Nicolais mit A, I
und F (Atriumzacke und die beiden Ventrikelzacken, die
erste Ventrikelzacke als I n i t i a 1 s c h w a n k u n g 1, die zweite als
Finalschwankung F) bezeichnen. Kraus und Nicolai
haben, besonders auch durch ihre Versuche am freigelegten Hunde¬
herzen, die Form des Elektrokardiogramms bei künstlicher Reizung
des rechten und des linken Ventrikels nachgewiesen, eine Unterschei¬
dung, dank der wir erst zum Verständnis der Extrasystole auf elektro-
graphischem Wege gelangen. Schon Einthoven hat in seinen
elektrokardiographischen Kurven atypische Kontraktionen
gesehen und als Extrasystole angesprochen, sie aber nicht deuten
können. Die Priorität von Kraus und Nicolai Herrn
Einthoven gegenüber in den eben erwähnten Details ist un¬
zweifelhaft.
Während nun die die Zusammenziehung eines gewöhnlichen
Muskels begleitenden elektrischen Erscheinungen in der Form des
sogen, diphasischen Muskelstromes aufzutreten pflegen, zeigt
ein Blick auf das normale Elektrokardiogramm, dass es sich hier
um wesentlich komplexere Phänomene handelt Die Deu¬
tung Nicolais, welche ausser der Vorhofszacke die kurze horizon¬
tale Strecke bis zum Beginn der Kammersystole der Reizleitung
im H i s sehen Bündel, die Initialschwankung der Ausbreitung der
Erregung auf das Papillarsystem, den nächstfolgenden horizontalen
Teil des Kammerelektrokardiogramms und die Nachschwankung der
gleichzeitigen Kontraktion komplexer Muskelmassen zuschreiben, bei
denen die erzeugten elektromotorischen Erscheinungen sich wie eine
algebraische Summe gegenseitig aufheben, ist als gegeben anzusehen.
Nicolai hat weiter das Verdienst, zum Teil auf Grund von noch
nicht publizierten Untersuchungen, die Form und Bedeutung der
atypischen Ventrikelschwankungen (Extrasysto¬
len) klargelegt zu haben. Wie schon in seinen mit Fr. Kraus
gemeinsam vorgenommenen Untersuchungen sah er bei künstlicher
Reizung an der Vorderfläche des Hundeherzens rechts von einer
parallel aber etwas nach rechts vom Septum ventricolorum ver¬
laufenden Linie die eine Form der Extrasystole, links von dieser
Linie die andere. Reizung auf oder in der Nähe dieser Linie ergab
geringe oder fast keine Ventrikelschwankungen. Die beiden Formen
der anomalen Ventrikelschwankungen (der rechten und der linken)
verlaufen nun aber in Form einer diphasischen Schwan¬
kung, was für eine allseitige, geradlinige, gleich-
mässige Ausbreitung der Erregung spricht, eine An¬
schauung und ein Befund; der sich mit den Resultaten der Rheotom-
versuche Marchands und Engelmanns deckt. Ist somit die
Engelmann sehe Ansicht von der gleichmässigen Reizausbreitung
der Erregung im Herzen durch die elektrokardiographischen Unter¬
suchungen Nicolais vollkommen bestätigt, so ist gleichzeitig aber
auch der prinzipielle Unterschied aufgedeckt worden zwischen dem
normalen, höchst komplexen Elektrokardiogramm
und der einfachen diphasischen anomalen Ventrikel¬
schwankung, der Extrasystole. Engelmann hat bei
der Unvollkommenheit seiner Untersuchungsmethoden bei seinen
Reizungsexperimenten niemals eine normale Systole be¬
obachtet und seine Behauptung wird hinfällig, dass bei der nor¬
malen H e r z k o n t r a k t i o n ein ähnlicher oder glei¬
cher Vorgang wie bei der künstlichen Extrasystole vonstatten
gehe. Die Lehre von der. gleichmässigen Ausbrei¬
tung der Erregung im Herzen ist nun aber neben der
bereits widerlegten Ansicht, dass die Herzspitze
ganglionfrei sei, die Hauptstütze der myogenen
Theorie. Diese Stütze ist nunmehr dank den Untersuchungen N i -
c o 1 a i s gefallen, und so hat, da von den beiden Hauptstützen der
myogenen Theorie sowohl die anatomische wie die physiologische
ins Wanken geraten ist, um den Worten Nicolais zu folgen: „Die
myogene Theorie aufgehört, eine gute Theorie zu
sein, nämlich eine solche, die die möglichst ein¬
fache Zusammensetzung unseres gesamten Wis¬
sens auf diesem Gebiete bedeutet“. Heute wissen wir
aber vom Herzen mehr Dinge, die in unvereinbarem Gegensatz zur
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19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
151
myogenen Theorie stehen, als solche, die sich unter Umständen mit ihr
vereinigen lassen. Wie drückte sich doch Herr v. Cyo n, der
fanatische Verteidiger der neurogenen Theorie, drastisch aus, als er
von der myogenen Theorie als von einer „auf vieldeutigen Versuchen
aufgebauten, ungeheuerlichen wissenschaftlichen Verirrung“ sprach.
Es scheint, dass das Zünglein der Wage sich auf einmal auf die
andere Seite neige.
Herr S t r u b e 11, der den Wert der elektrokardiographischen
Methode auf Qrund seiner bereits einjährigen experimentellen und
klinischen Erfahrung zu beurteilen in der Lage ist und nunmehr au*,
mit einem eigenen Apparat, dem technisch bedeutend verbesserten
Saitengalvanometer von Edelmann - München arbeitet, ist in der
Lage, die klinischen Resultate von Fr. Kraus und Nicolai vollaui
zu bestätigen (siehe auch seine letzte Publikation, Deutsche med.
Wochenschr., 1908, No. 42 und 43). S t r u b e 11 hat nun neuerdings,
dank der Freundlichkeit des Herrn Nicolai, im Berliner physio¬
logischen Institute Versuche mit Herzgiften angestellt, besonders mit
Diphtherietoxin, Strophanthin und Yohimbin (Spie-
g e 1), von denen die Untersuchungen mit der letzten Droge soweit ab¬
geschlossen sind, dass es möglich ist, vorläufige Mitteilungen zu
machen. S t r u b e 11 hat ja schon früher im Laboratorium von
Basch und im physiologischen Institut des Qeheimrat Ellen-
berger die Einwirkung des Yohimbins auf den Kreislauf stu¬
diert und als erster die ganz beträchtlichen Hirndrucksteige¬
rungen nach Injektion dieses Mittels nachweisen können, während
die Herzarbeit, gemessen an dem Verhältnis des Arteriendruckes im
linken Vorhof nach v. Basch, im allgemeinen bei mässigen Dosen
nicht ungünstig beeinflusst wurde. Der Einfluss des Yohimbins
(Spiegel) auf das Elektrokardiogramm äusserte sich in einer deut¬
lich begünstigenden Wirkuhg bei Anwendung von pharmako¬
logischen Dosen. Diese günstige Wirkung, Vergrösserung sämt¬
licher Ausschläge, besonders auch der Nachschwankung, wurde zur
Herzreizung nach toxischen Dosen benützt. Es traten auf:
a) normale Ventrikelschwankungen (Extrasystolen);
die anfängliche Beschleunigung des Herzrhythmus wich
einer deutlichen Verlangsamung, die mit Verlängerung,
eventuell Spaltung der Atriumschwankung, öfters Spal¬
tung der Initial Schwankung und Verschwinden der
Zacke F, der Nachschwankung, einherging. Diesem Phä¬
nomen folgte dann öfters das Bild des Herzflimmerns und der
Herztod, während in einigen Fällen die Herzreizung fast bis
ganz zulletzt anhielt, was S t r u b e 11 an Kurven des einen,
besonders lehrreichen Falles demonstrierte. Bei diesem hielt das
Grösserwerden der gesamten Ausschläge, besonders ein enormes An¬
schwellen der Nachschwankung, fast bis zum Tode an. Dieser Be¬
fund von Herzreizung nach Vergiftung mit Yohimbin (Spiegel)
stellt durchaus nicht einen auch für andere Herzgifte typischen Be¬
fund dar; im grossen und ganzen ist daran festzuhalten, dass bei
der fortschreitenden Schädigung des Herzens vor allen Dingen die
Nachschwankung schlecht und schlechter wird.
St rübel 1 demonstriert eine Anzahl von Kurven mit normalen und
anormalen Ventrikelschwankungen, letztere solche vom rechten und
vom linken Ventrikel ausgehend, ferner Extrasystolen vom H i s -
sehen Bündel (vorhofsloses aber sonst typisches Elektrokardiogramm).
Die neuen, wichtigen Aufschlüsse, welche eine ganz andere Deutung
der Physiologie und der Pathologie des Herzschlages gestatten, sind
ebenso wie die an einem immer grösser werdenden klinischen Ma¬
teriale erhobenen Befunde geeignet, eine neue Aera des Verständnisses
der Herzrevolutionen zu begründen.
S t r u b e 11 wiederholt die Schlussbemerkung seines letzten Vor¬
trages, dass nach seiner Ueberzeugung die elektrokardiographische
Methode noch viele goldene Früchte am Baume der Er¬
kenntnis wird reifen lassen.
Diskussion: Herr N i c o 1 a i - Berlin (als Gast) weist darauf
hin, dass das Fehlen der Finalschwankung als Zeichen einer schlechten
Herzfunktion möglicherweise lercht zu deuten sei. Wenn man seiner
Deutung des „Erregungsablaufs im Herzen“ (vgl. Zentralbl.
f. Physiologie, XXI, No. 20) zustimme, die jetzt ja auch von Eint¬
hoven im wesentlichen akzeptiert ist, so sei die Finalschwankung
ein Zeichen dafür, dass für die Blutbewegung wirksame Herzkon¬
traktion an der Spitze beginnt und gegen die Basis fortschreitet, wo
sie endet; dadurch wird in zweckmässiger Weise das Blut gleich beim
Beginn der Kontraktion gegen die Aorta hin gepresst. Fehlt aber die
Finalschwankung, oder ist sie gar (bei der Ableitung von beiden
Händen) negativ, d. h. nach unten gerichtet, so erfolgt die Herz¬
kontraktion nicht in dieser zweckmässigen Weise, vielmehr wird das
Blut gegen die Herzspitze gepresst, von wo aus es erst regurgitierend
die Aorta erreichen kann. Es ist dies aber eine Kraftverschwendung,
H*e bei einem Kranken doppelt schädlich wirken muss.
Weiter freut sich Redner über das Interesse, das die Klinik der
Einthovenschen Methode der Herzuntersuchung entgegenbringt
und bittet auch fernerhin, wie es Herr S t r u b e 11 in seinem In¬
stitut begonnen, möglichst viel klinisches Material zu sammeln. Wenn
auch manches bereits feststünde, z. B. der protrahierte Verlauf der
Initialschwankung bei Erhöhung des Widerstandes im Kreislauf, das
Auftreten der nervösen Zacke nach Kraus (die Redner auf Grund
seiner Untersuchungen mit F u n a r o lieber als infantile Zacke be-
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zeichnen möchte) bei einem kindlich gebliebenen oder durch Hoch¬
stand des Zwerchfells verschobenen Herzen, das Fehlen der Nach¬
schwankung als erstes objektives Symptom eines versagenden Her¬
zens usw. Wenn also auch in sofern das Elektrokardiogramm bereits
heute als wichtiges diagnostisches Hilfsmittel angesehen werden darf,
so sind doch auch diese Zeichen, wie alle klinische Semiotik nicht
untrügerisch. Die Aufgabe der nächsten Zeit ist es, möglichst genau
zu bestimmen, wie häufig Ausnahmen Vorkommen und worauf sie
beruhen. Dies ist nur möglich einmal durch Statistik, d. h. durch
Sammlung von Elektrokardiogrammen an möglichst gut beobachtetem
klinischen Material, wobei Wert darauf zu legen ist, die Fälle, wenn
irgend tunlich, nachher weiter zu beobachten, damit die prognosti¬
sche Bedeutung eventueller Formänderungen des Elektrokardio¬
gramms mit aller wünschenswerten Sicherheit festgestellt werden
kann. Zweitens aber ist, wie Herr S c h ni o r 1 schon hervorgehoben
hat, der Vergleich am Seziertisch unbedingt erforderlich. Beide Auf¬
gaben sind nur durch gemeinsames Arbeiten Vieler zu lösen, aber
auch jeder Arzt kann sich daran beteiligen, wenn er die in Betracht
kommenden Fälle mit der neuen Methode untersucht: er wird dann
über manches Aufschluss erhalten, für manches aber wird auch er
zum Aufschluss beitragen.
Herr St ru bell: Meine Herren! Es ist selbstverständlich, dass
wir von der Methode nicht mehr verlangen können, also sie leisten
kann. Wenn man, wie Herr Nicolai dies in seinen Ausführungen
anzog, von der elektrokardiographischen Untersuchung verlangen
wollte, dass sie positive Aufschlüsse gibt auch bei Kompression des
Herzens durch Mediastinaltumoren und pleuritische Exsudate, so stellt
man einen Anspruch, den die Methode nicht erfüllen kann. Denn ich
kann mir sehr wohl denken, dass das Elektrokardiogramm auch eines
komprimierten oder verdrängten Herzens noch annähernd normal ist.
Dazu brauchen wir aber auch nicht die moderne
physikalische Diagnostik mit ihren komplizierten
Apparaten, dazu genügt vollkommen die ältere kli¬
nische Diagnostik, wiesie ein Skoda undseineSchü-
ler festgelegt haben. Das Elektrokardiogramm, welches die
Schwankungen des Aktionsstromes des Herzens dar¬
stellt, ist ein Ausdruck des rein muskulären Geschehens
und alles, was nicht mit diesem muskulären Geschehen direkt zu tun
hat, findet im Elektrokardiogramm keinen direkten Ausdruck. Selbst¬
verständlich ist es möglich, auch bei Klappenfehlern aus gewissen
Veränderungen des Elektrokardiogramms Schlüsse zu ziehen, immer
aber werden diese Schlussfolgerungen in erster Linie bindend sein
für das Verhalten des Herzmuskel ls selbst. So habe ich erst
dieser Tage wieder eine Dame mit Mitralinsuffizienz untersucht, bei
der sich elektrokardiographisch ausser einer etwas vergrösserten und
verbreiterten Vorhofszacke nichts nachweisen liess. Diese junge Frau
hatte eben bei ihrem Klappenfehler einen gesunden, guten Herz¬
muskel. Selbstredend wäre es von der allergrössten Bedeutung,
wenn wir unsere klinisch und experimentell gewonnenen Resultate
durch den Vergleich am Seziertisch erhärten könnten. Von den Fällen,
deren Kurven ich im Januar hier demonstrieren konnte, sind zwei,
bei denen die Nachschwankung völlig fehlte, bereits gestorben, leider
ohne Sektion. Auch ich bin der Meinung, dass wir bei
der Deutung aller neuen Befunde mit der grössten
Vorsicht vorzugehen haben. Das kann aber nicht
dazu führen, die für die Klinik wichtigen, bereits
feststehenden Ergebnisse, welche besonders auch
durch Fr. Kraus und Nicolai nachgewiesen wurden,
und ihre Bedeutung für die Veränderungen der
Herzmuskelleistung zu unterschätzen.
Herr G. Schmorl: Wie steht es mit dem Kardiogramm bei
Herzdegenerationen infolge akuter Infektion oder bei Herzfehlern?
Herr Nicolai kann diese Frage noch nicht beantworten. Man
kann nur sagen, dass die Prognose bei Ausfall der Nachschwankung
schlechter wird. Die pathologisch-anatomische Kontrolle steht noch
aus.
Herr St ru bell: Die Patienten, die im Frühjahre keine Nach¬
schwankung hatten, sind inzwischen zum grossen Teil gestorben.
Herr E. Schmorl: Für die Stellung einer akuten schlechten
Prognose genügt doch das Kardiogramm wohl nicht ;die genaue kli¬
nische Untersuchung kann nicht entbehrt werden.
Herr St r übel 1: Die Apparate in der Charitö sind geeignet,
Lücken in dem klinischen Symptomenbilde auszufüllen.
Herr N i c o 1 la i zeigt zum Schlüsse eine Reihe Kurven mit Auf¬
nahmen von Extrasystolen.
Aerztlicher Verein in Frankfurt a. M.
(Offizielles Protokoll.)
Ordentliche Sitzung vom 19. Oktober 1908
abends 7 Uhr im Hörsaal des Dr. S e n c k e n b e r g ischcn
Bibliothekgebäudes.
Vorsitzender: Herr L a q u e r.
Schriftführer: Herr Cahen-Brach.
Herr Deutsch stellt ein Kind mit Mongolenfleck vor.
Herr Goldschmid: Demonstrationen:
Origii'fil frer
UNIVERSITV OF CALIFORNIA
152
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT,
Herr R o e h 1: Ueber Tryparosan.
Tryparosan, ein halogeniertes Parafuchsin, übertrifft das
einfache Parafuchsin in der therapeutischen Wirkung gegen
Trypanosomen. Es ist ungiftiger und nicht so ihdurativ als
Parafuchsin. Mäuse mit manifester Blutinfektion wurden
durch eine einmalige subkutane Injektion stets sicher dauernd
geheilt. Auch per os wird das Tryparosan gut resorbiert.
Sowohl nach Parafuchsin wie nach Tryparosan verlief oft bei
ungenügender erstmaliger Behandlung das dann auftretende
Rezidiv chronisch, die Virulenz der Trypanosomen war ver¬
ringert. Diese Mitigation der Trypanosomen wurde nie bei
Behandlung mit Arsenikalien beobachtet. Das Tryparosan
ist an absoluter Heilwirkung den wirksamsten Arsenpräparaten
nicht ebenbürtig, aber infolge seiner mitigierenden Wirkung,
seines anderen Angriffspunktes am Rezeptorenapparat der
Trypanosomen und seiner differenten Verteilung im Körper
verdient es, als Kombinationsmittel gegen die Schlaf¬
krankheit angewandt zu werden.
Herr Neisser: Ueber Keuchhusten.
Unter den akuten Infektionskrankheiten der Kinder spielt
in Frankfurt der Keuchhusten die grösste Rolle, wie an der
Statistik der letzten 13 Jahre gezeigt wird. Auch hier zeigt
die Keuchhustensterblichkeit dieselben beiden Eigentümlich¬
keiten, wie überall sonst: der grössere Teil der Keuchhusten¬
todesfälle betrifft das Lebensalter 0—1, und die Hinfälligkeit der
Mädchen ist eine erheblich grössere als die der Knaben, wie
Vortragender ja schon früher für Europa, Amerika, Japan und
Australien gezeigt hat. Der Keuchhusten ist in neuerer Zeit
auch bakteriologisch viel untersucht worden. Von den be¬
schriebenen Bakterien war es die Gruppe der influenzaähnlichen
Stäbchen, welche durch das häufige Vorkommen und den Be¬
fund in der Leiche Interesse erregte, aber es fehlten gleichwohl
Beweise für die ätiologische Bedeutung.
Bezüglich des Bord et sehen Bazillus und seiner Be¬
deutung für den Keuchhusten berichtet der Vortragende über
die in seiner Abteilung ausgeführten Untersuchungen des Medi¬
zinalpraktikanten Herrn S e i f f e r t, über die derselbe ausführ¬
licher in der Münch, med. Wochenschr. (vergl. d. No., S. 131)
sich auslässt.
Die Anfrage des Herrn H. R e h n, ob ihm der den gleichen Stoff
behandelnde Vortrag von Arnheim (Berliner medizinische Gesell¬
schaft am 24. Juni d. J.) bekannt sei, bejaht der Vortragende.
Medizinische Gesellschaft zu Leipzig.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 10. November 1908.
Vorsitzender: Herr Curschmann.
Schriftführer: Herr Dumas.
Herr Löh lein und Herr R lecke: Die Wasser-
mannsche Reaktion. (Vergl. No. 2, S. 104.)
Diskussion: Herr Rolly berichtet über die Resultate der
Wasser mann sehen Seroreaktion in der Leipziger medizinischen
Klinik. (Erschien in extenso in dieser Wochenschrift, No. 2.)
Herr O. Fischer meint, dass man nicht nur stark
positive Resultate als positiv ansprechen dürfe; es gebe auch
deutliche mittelstarke Reaktionen. Er weist auf 2 Fehlerquellen hin,
die gelegentlich auf das Zustandekommen der Reaktion einen Einfluss
haben können. Das ist einmal die Alkaleszenz des Blutes. Es hat
sich nämlich gezeigt, dass eine zu starke Alkaleszenz die Reaktion
verhindern kann. In solchen Fällen kann ein geringer Zusatz von
Salzsäure (0,5 ccm einer Vioo Norm. HCl) zu dem wie gewöhnlich be¬
schickten Wassermannröhrchen den positiven Ausfall deutlich werden
lassen. Ein negativer Ausfall wird durch den Säurezusatz nicht be¬
einflusst. Er setzt deshalb — nach dem Vorgänge des Berl. Inst. f.
med. Diagn. — bei jeder Reaktion ein solches Kontrollröhrchen mit
an. Ferner ist nicht ohne Einfluss die Zeit der Blutentnahme in¬
sofern, als man nach reichlichen Mahlzeiten öfters milchig getrübte
Sera erhält, mit denen es sich nicht gut arbeitet, und die gelegentlich
auch allein (ohne Antigenzusatz) im Kontrollröhrchen eine positive
Reaktion geben können, die dann wohl auf den Fettgehalt des Serums
zurückzuführen ist (cf. Lezithin und oleinsaures Natron). Er emp¬
fiehlt deshalb, die Blutentnahme morgens, jedenfalls vor Einnahme
grösserer Mahlzeiten vorzunehmen. Er ist der Ansicht, dass wohl
auch jetzt schon in manchem Falle der positive Ausfall der Reaktion
von entscheidender Wichtigkeit in diagnostischer und therapeutischer
Beziehung werden kann und erwartet von den bevorstehenden ka¬
suistischen Publikationen eine Bestätigung dieser Anschauung.
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No. 3.
Herr L ö h 1 e i n bestreitet die von Herrn Fischer vertretene
Ansicht, wonach die Seroreaktion reif sei, „dem praktischen
Arzte in die Hand gegeben zu werden“. Die Reaktion kann ir.it
Erfolg nur in Instituten ausgeführt werden, die über eine voll¬
ständige Laboratoriumseinrichtung und geschul¬
tes Personal verfügen. Die Hauptschwierigkeit, die vor¬
läufig nach L.s Ansicht für den einzelnen Praktiker nahezu
unüberwindlich ist, besteht in der Beschaffung und Kon¬
trolle der „Extrakte“. L. setzt regelmässig die Reaktion mit
mehreren Extrakten an, da die alkoholischen Extrakte aus Lebern
heredo-syphilitischer Föten nicht alle gleich wirksam bezw*. brauch¬
bar sind.
Wenn Herr Fischer der Ansicht ist, gegen Irrtümer infolge
„schlechter“ Extrakte sei man durch die zur Kontrolle angestellL-
Probe mit einem Normalserum gesichert, so setzt er voraus, dass
ein „schlechtes“ Extrakt mit allen Normalseris reagiert; das ist
aber nicht der Fall.
Herr R i e c k e macht darauf aufmerksam, dass der Prozentsatz
Herrn L ö h 1 e i n s und seiner positiven Untersuchungsresultatc nur
scheinbar auffallend gering sei. Es sei zu erwägen:
1. Dass unter den nunmehr untersuchten 106 Luesfällen nur 52
Fälle von manifester Lues, dagegen 54 Fälle von latenter Lues sich
befanden. Ferner waren nur 14 Patienten darunter, welche unbe¬
handelt waren. Bei 13 konnte es nicht eruiert werden, die übrigen
70—75 Proz. waren behandelt und von diesen wiederum mindestens
50 Proz. systematisch (intermittierend) behandelt.
2. Dass das Krankenmaterial sich im wesentlichen aus einer
besseren Privatpraxis rekrutierte, also Individuen betraf, welche
unter relativ sehr günstigen Lebensbedingungen existieren.
Wenn somit die unter diesen Gesichtspunkten betrachteten Zahlen
sich im wesentlichen mit denen anderer Autoren — unter gleichen Be¬
dingungen — decken, so soll darin durchaus keine Rechtfertigung der
erhaltenen Resultate liegen, welche bei strengster Selbstkritik er¬
halten, unter allen Umständen als exakte anzusehen sein würden und
lediglich um solche war es dem Herrn L ö h 1 e i n und dem Redner
zu tun.
Der Ansicht des Herrn Fischer, dass der Ausfall der Probe
die für die Therapie bindenden Direktiven abgeben könnte, kann
Herr R i e c k e nicht beipflichten, da erstens die Beeinflussung der
Probe durch die Therapie im einzelnen denn doch noch nicht absolut
sicher ist und kontrakurrente Erscheinungen, wie negativer Ausfall
vor und positiver Ausfall nach einer spezifischen Kur, keineswegs ge¬
eignet sind, die Anschauungen des Herrn F i s c h e r zu stützen. Nach
wie vor soll die klinische Erfahrung bei so fundamentalen Fragen,
wie die der Behandlung der Syphilis eine ist, die Oberhand haben, min¬
destens so lange, als das Wesen der Wassermann sehen Sero¬
reaktion so problematisch ist wie heute.
Herr Viereck demonstriert einen Fall von geheilter Larynx-
tuberkulöse. Es handelte sich um eine auf Kehldeckel und rechtes
Taschenband lokalisierte Erkrankung. Der Kehldeckel zeigte Wuche¬
rungen von eigenartig papillärem Charakter. Das rechte Taschen¬
band war in ähnlicher Weise erkrankt. Das laryngoskopische Bild
legte den Verdacht auf Karzinom nahe, und auch erst die zweite
ausgiebige Probeexzision sicherte die Diagnose der Tuberkulose,
während die erste Probeentnahme eines nur kleinen Stückes der
Geschwulst die Diagnose im Zweifel liess. Im ganzen in fünf
Sitzungen in der Zeit vom 10. V. 07 bis 18. II. 08 wurde der Kehl¬
deckel reseziert, das rechte Taschenband exstirpiert und die Wund¬
flächen mehrfach kauterisiert (alles unter Braun scher Leitungs¬
anästhesie vom N. lar. sup. aus). Im Winter 1907 wurde Patientin
ausserdem mit Tuberkulineinspritzungen behandelt (von Herrn
Lange). Heute ist der Rand des Kehldeckelstumpfes fest
vernarbt, das Taschenband in eine derb fibrös-narbige Masse
verwandelt; beim Durchwischen des Kehlkopefs mit einer
watteumwickelten Sonde trat keine Blutung ein.
Im Anschluss hieran wird der schon in der Sitzung vom
30. VII. 1901 gezeigte Fall eines geheilten tuberkulösen Geschwürs
der Kehlkopfhinterwand noch einmal demonstriert, dessen Heilung
bis heute angehalten hat. Bei dem damals gezeigten zweiten Fall
von Taschenbandtuberkulose hat die Heilung des Kehlkopfes bis zum
Tode der Patientin ,der am 8. VII. 1907 infolge des Fortschrittes der
Lungentuberkulose eintrat, vorgehalten.
Herr Lange spricht über Tuberkulinbehandlung.
Herr Versö: Demonstration zweier Fälle von erheblicher chro*
nlscher Dilatation des Dickdarms im höheren Lebensalter. Er¬
scheint als Originalartikel.)
Herr Wiehern: Ueber Benzin Vergiftung. (Erschien als
Originalartikel in No. 1 dieser Wochenschrift.)
Medizinische Gesellschaft zu Magdeburg.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 22. Oktober 1908.
Vorsitzender: Herr Unverricht.
Herr Unverricht stellt einen Variötökünstler vor, der als
„Mann mit dem Amboskopf“, als „lebendes Nadelkissen“ oder .»voll*
Original fro-m
UNIVERSUM OF CALIFORNIA
19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WüCHENSCHRIET.
153
kommener Anästhetiker“ sich auf Schaubühnen zeigt. Er hat vor
8 Jahren einen schweren Schädelbruch erlitten und bekam im An¬
schluss daran eine Anästhesie am ganzen Körper mit Ausnahme der
beiden Achselhöhlen und zweier in der Nähe des Gliedes zusammen-
stossender Flecke in beiden Leistenbeugen. Er führt lange Nadeln
durch die Arme hindurch, sticht in die ihm ärztlich bezeichnete
Stelle der Arteria brachialis hinein, hämmert sich durch den Rippen¬
knorpel hindurch eine 6 cm lange Nadel in die Brust, führt sie auch
senkrecht in das Abdomen ein, zerschlägt ein 50 mm dickes Brett
auf seinem Schädel und lässt mit einem Hammer Steine auf seinem
Kopfe zerschlagen. Der Schädel fühlt sich verdickt an, zu einer
beabsichtigten Röntgenaufnahme hat er sich leider nicht eingefunden.
Kein Romberg, keine Ataxie, normale Reflexe. Nach Erörterung
der Differentialdiagnose kommt U. zu dem Ergebnisse, dass es sich
nur um einen Fall von schwerer hysterischer Sensibilitätsstörung
ohne anatomische Grundlage handeln könne, der in diesem Falle als
„traumatische Hysterie“ bezeichnet werden müsse.
Herr Voeekler hält seinen angekündigten Vortrag über
das Thema: Einiges aus dem Gebiete der Nierenchirurgie.
V. erläutert an der Hand von Präparaten und Röntgen¬
bildern die Steindiagnose und den Wert der Radiographie für
dieselbe, wobei er besonders die von ihm im Röntgenlabora¬
torium des altstädtischen Krankenhauses geübte Technik be¬
spricht. Etwas näher geht er auch auf die Ursachen ein, die
Steinschatten Vortäuschen und zu Fehldiagnosen Anlass geben
können. Ein bemerkenswerter, hierhergehöriger Fall wird
referiert; er konnte durch die Operation vollkommen geklärt
werden und wird anderenorts publiziert. Die Indikationen zum
operativen Eingriff werden eingehender besprochen. Im
zweiten Teile sind die funktionellen Untersuchungsmethoden
der Niere in Verbindung mit Zystoskopie und Ureterenkathe-
terismus (Harnstoffbestimmung, Phloridzinprobe, Kryoskopie
von Blut und Harn, Chromozystoskopie) Gegenstand der Aus¬
führungen. Sie werden in ihrem Wert für die Diagnose¬
stellung gegeneinander abgewogen; besonders wird der Kryo¬
skopie von Harn und Blut das Wort geredet.
Sitzung vom 5. November 1908.
Vorsitzender: Herr Unverricht.
Herr A. Müller: Ueber Abort. (Erscheint ausführlich
an anderer Stelle.)
Militärärztliche Gesellschaft München.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 22. Oktober 1908.
Vorsitzender: Stabsarzt Hauenschild.
Teilnehmer: 35.
Als Gast wird begrüsst Generalarzt Dr. Reh, Korpsarzt III. A.-K.
Oberarzt Bestelmeyer demonstriert 3 Fälle akut endzünd-
licher Prozesse, die mit Bier scher Stauungshyperämie geheilt wur¬
den; l Fall von eitriger Entzündung eines Mittelfingergelenkes durch
Risswunde, geheilt mit vollständiger Funktion; 1 Fall von ostalem
Panaritium des Daumens, nach Abstossung eines linsengrossen Se¬
questers mit voller Beweglichkeit geheilt; Schussverletzung durch
Platzpatrone an linker Hand mit teilweiser Zerschmetterung des
Köpfchens des Metakarpus III; die am 2. Tage bereits aufgetretene
Eiterung durch reine Hyperämiebehandlung unterdrückt und Heilung
mit relativ guter Gelenkfunktion erzielt. Hauptvorteile der Methode
neben Schmerzlosigkeit sind Fortfall der schädlichen Tamponade und
Möglichkeit aktiver und passiver Bewegungen gleich vom 1. Behand¬
lungstage ab.
Dann Demonstration eines Patienten mit geheilter Aktlnomykose
des Halses. Behandlung: Inzision, Exkochleation, Jodkali. Eingangs¬
pforte unbekannt, Zähne intakt.
Diskussion: die Herren Mandel und Seydel.
Oberarzt v. Heuss berichtet über die XXXV. Zusammenkunft
der Ophthalmologischen Gesellschaft In Heidelberg Im August 1908.
Oberarzt Selling berichtet über die 80. Versammlung deutscher
Naturforscher und Aerzte In Köln Im September 1908.
Sitzung vom 19. November 1908.
Vorsitzender: Generaloberarzt Hof bau er.
Teilnehmer: 56.
Begrüsst werden als neues Mitglied: Oberstabsarzt Dr. Zwick,
Chefarzt des Garnisonlazarettes, und als Gäste die zum Operations¬
kurs kommandierten Sanitätsoffiziere.
Oberstabsarzt Mandel demonstriert einen beiderseits Empyem-
operierten und spricht dann über „Lumbalanästhesie 44 Er hat im
Lazarett in 27 Fällen Tropakokain-Merck in Ampullen von 1 ccm in
5 und 10 proz. Lösung, als zur Zeit geeignetstes und relativ ungefähr-
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lichstes, verwendet. Verbrauch 0,05—0,075 g Tropakokain ohne Zu¬
satz von Nebennierenpräparaten, Technik genau nach Biers Vor¬
schrift. Damit operiert 5 Fälle von Blinddarmentzündung (Früh- und
Intervalloperation), 16 Fälle von Leistenhernien (darunter 1 einge¬
klemmte), je 2 Fälle von Hämorrhoiden und Leistcndrüsenschwel-
lungen und je 1 Fall von Nebenhodenentzündung und Sequestrotomie
am Wadenbein. Nur in 2 Fällen von Appendizektomie und l Fall von
B a s s i n i s Radikaloperation musste wegen ungenügender Dauer
der Anästhesie die Vollnarkose angeschlossen werden, dabei nur ge¬
ringer Verbrauch des Narkotikums: in 1 Fall von Leistenhernie voll¬
ständiges Versagen, wahrscheinlich infolge technischen Fehlers (man¬
gelhafter Liquorabfluss). In den übrigen 23 Fällen völlige Anästhesie,
zum Teil von 1 Stunde Dauer, nur in 4 Fällen die Hautnaht zum
Schluss etwas schmerzhaft. An Nacherscheinungen in 5 Fällen kurz¬
dauernder Kopf- und Lendenschmerz. Die Lumbalanästhesie ist, zu¬
mal bei weiteren Verbesserungen am Instrumentarium und bei Her¬
stellung des Mittels (Dönitzsche Spritze, Po hl sehe Tabletten)
ein schätzenswertes Ersatzverfahren in Fällen, wo Vollnarkose kontra¬
indiziert, für den Feldgebrauch sehr geeignet und weitere ausgedehnte
Versuche auch in der Armee wünschenswert.
Diskussion: die Herren Brunner und v. Bestel¬
meyer, ersterer verhält sich ablehnend, letzterer stimmt der Fort¬
setzung der Versuche zu.
Oberarzt Wald mann und Assistenzarzt Fürst: Epidemio¬
logisches und klinisches zum gegenwärtigen Stand der Paratyphus¬
frage.
Oberarzt W a 1 d m a n n führt aus, dass in den letzen Jahren
Bakterien aus der Paratyphusgruppe in überraschend grosser Ver-
oreitung in der Aussenwelt nachgewiesen wurden, namentlich bei
gesunden Menschen und Tieren, Nahrungsmitteln (Wurst). Dem¬
entsprechend sind Schutzmassnahmen auf die befallenen Personen
zu beschränken, umfassendere, die Allgemeinheit treffende Mass¬
nahmen nur bei Epidemien berechtigt. Assistenzarzt Fürst berichtet
dann über 5 im Sommer im Lazarett beobachtete Fälle von akutem
Darmkatarrh mit Nachweis von Paratyphus. Klinisches Bild: akuter
Brechdurchfall mit ziemlich ausgesprochenen nervösen Allgemein¬
symptomen. Im Serum niemals Agglutinine, weder gegenüber den
eigenen, noch gegenüber Kontrollstämmen. Demnach handelte es sich
nicht um Paratyphusinfektionen, sondern nur um Darmkatarrh mit
Paratyphusnachweis. Keine allgemeine prophylaktische Massnahmen,
keine Neuerkrankungen.
Diskussion: Herr Dieudonnö.
Naturwissenschaft!.-medizinischer Verein zu Strassburg.
(Medizinische Sektion.)
(Bericht des Vereins.)
Sitzung vom 20. November 1908.
Herr Stargardt: Ueber Trachomerreger.
St. gibt einen kurzen Ueberblick über den derzeitigen
Stand der Frage und betont die Wichtigkeit der zuerst von
Prowazek und Halberstädter beschriebenen Epithel¬
einschlüsse. Bei 140 Fällen der verschiedenartigsten Kon-
junktivalerkrankungen fanden sich zwar alle möglichen Ver¬
änderungen mit Hilfe der Giemsamethode, aber nicht die typi¬
schen v. Prowazek sehen» Körper. Dagegen Hessen sich
bei drei frischen Fällen von Trachom diese Gebilde zum
Teil in grossen Mengen nachweisen. Bei 8 Fällen von altem
Narbentrachom gelang ihr Nachweis nicht.
Was die Bedeutung der Prowazek sehen Körper be¬
trifft, so hält St. die von Prowazek gegebene Deutung für
möglich, wenn auch der Beweis für die Richtigkeit seiner An¬
sicht noch aussteht. Jedenfalls aber scheint es sich um eine
für Trachom spezifische Zellveränderung zu handeln.
Die Veränderungen finden sich nur zu gewissen Zeiten,
am zahlreichsten dann, wenn auch klinisch das Trachom auf
seinem Höhepunkt sich befindet.
Unter den angewandten therapeutischen Massnahmen
werden die Körperchen immer seltener und verschwinden
schliesslich gänzlich.
Für die Diagnose hält St. die typischen Körper schon jetzt
für verwertbar, aber nur in dem Sinne, dass ihr Vorhandensein
für Trachom spricht, aus ihrem Fehlen dagegen keine Schlüsse
gezogen werden können.
Bezüglich der Ansteckungsfähigkeit lassen sich zurzeit
noch keine Folgerungen an das Vorhandensein oder Fehlen der
typischen Veränderungen knüpfen.
Beobachtungen lebender Zellen in physiologischer Koch¬
salzlösung bei 37° und mit Dunkelfeldbeleuchtung ergaben
keine verwertbaren Resultate über die Natur der Prowa-
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
154
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. |
z e k sehen Körper, ebenso Hessen sie sich nicht mit der
L e v a d i t i sehen Silberimprägnierung in Schnitten darstellen.
Diskussion: Herren Bartels, Levy, Stargardt, Bar¬
tels, Löwenthal.
Herr v. Tabora: Begriff und Wesen der nervösen Dys¬
pepsie.
Diskussion: Herren R o s e n f e 1 d, v. Tabora.
Medizinisch-Naturwissenschaftlicher Verein Tübingen.
(Medizinische Abteilung.)
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 23. November 1908.
Vorsitzender: Herr S e 11 h e i m.
Schriftführer: Herr Fleischer.
1. Herr v. Grützner spricht zur Physiologie des Kine-
matographen. Ausgehend von der bekannten Tatsache, dass
die menschliche Netzhaut eine ziemliche Trägheit besitzt, in¬
folge deren ein kurz dauernder Reiz eine diesen Reiz über¬
dauernde Empfindung veranlasst, erläutert er unter Vorweisung
der betreffenden Apparate die sogenannten Wunderscheiben
von den einfachsten mehr spielzeugartigen bis zu den grösseren
Apparaten von A n s c h ii t z, Marey u. a., welche die natür¬
lichen Vorgänge genau wiedergeben, da sie auf der Anwendung
der Augenblicksphotographie begründet sind. Als eine be¬
sondere Art der Wunderscheibe, bei welcher immer nur e i n
Bild dem Beobachter auf kurze Zeit vorgeführt und zugleich
vergrössert an die Wand geworfen wird, kann man den
Kinematographen, eine Erfindung der Gebrüder
Lumiere bezeichnen. Er ist seinerseits auch wieder nur
möglich durch die Erfindung der Films, jener festen, gelegent¬
lich über 300 m langen Bänder, auf welchen die Bewegungsvor-
gänge hintereinander photographiert und von welchen sie dann
projiziert werden; denn obwohl Versuche vorliegen, Glasbilder
in schnellem Wechsel dem Beobachter zu zeigen, so ist das
doch unendlich viel schwieriger und unvollkommener, als die
gewichtslosen Films abzuschnurren.
Die Kinematographen, auf deren Bau der Vortragende
namentlich mit Rücksicht auf das von ihm gebrauchte Exemplar
mit einigen Worten eingeht, sind nun alle so eingerichtet, dass
die Bilder, so lange sie gesehen werden, Stillstehen; dann
springen sie weiter, und während dieses Sprunges ist das
Bild zugedeckt. Es herrscht also eine kurz dauernde Finster¬
nis im Saal, im vorliegenden Fall je nach der Geschwindigkeit
des Drehens von rund V«s Sekunde, während ein Bild immer
etwa V 24 Sekunde frei wird.
Was nun die Genauigkeit der Wiedergabe
von Bewegungen vermittelst des Kinematographen an¬
langt, so sind im allgemeinen die Bewegungen im Bilde denen
in der Wirklichkeit gleich, wenn zunächst die Wiedergabe der
Bilder genau so schnell erfolgt, wie ihre Aufnahme und wenn
ferner die Bilder an der Wand so gross erscheinen, wie ihre
Originalien waren, w f obei auf Perspektive keine Rücksicht ge¬
nommen ist. Sind sie kleiner, so ist selbstverständlich ihre Be-
wegung eine langsamere, aber da dieselbe in gleichem Ver¬
hältnis wie die Grösse der Bilder verkleinert ist, nicht störend.
Ist ihre Geschwindigkeit infolge stärkerer Vergrösserung, ohne
dass dabei die Bilder selbst ins Ungemessene oder Unnatür¬
liche wachsen, zu gross, so macht dies gelegentlich einen sehr
merkwürdigen, fast komischen Eindruck. Wenn z. B. kleine
Vögel auffliegen, die einigermassen vergrössert erscheinen,
also im Bilde mittelgrosse Vögel darstellen, so verschwänden
sie unseren» Augen fast so schnell, wie wenn ein „Zauberer“
einen Gegenstand verschwinden lässt, was sehr komisch
aussieht.
Viel interessanter und lehrreicher aber ist die Aenderung
der Geschwindigkeit von Bewegungen, die vermittelst des
Kinematographen dargestellt werden, falls die Geschwindig¬
keit der Aufnahme von der der Wiedergabe verschieden ist.
Wenn beispielsweise eine Pflanze wächst oder sich um einen
Stab herumrankt, so vollziehen sich diese Vorgänge ausser¬
ordentlich langsam, sagen wir so langsam, dass immer erst
nach 2 Stunden, eine Aenderung in der Stellung der Pflanze
deutlich sichtbar ist. Photographiert man nun die Pflanze alle
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2 Minuten, führt aber die so erhaltenen Bilder in der gewöhn¬
lichen Geschwindigkeit vor, in der etwa 16 Bilder in der
Sekunde erscheinen, so wird die scheinbare Bewegung der
Pflanze ungeheuer beschleunigt, so dass sie schneller als tii:
Eichhörnchen an dem Stab in die Höhe zu rasen scheint.
Selbstverständlich ist aber die Bewegung in allen ihren Phasen
in gleichem Masse beschleunigt, so dass, wo die Pflanze i:
Wirklichkeit sich sehr langsam bewegt, sie auch im Bilde keir.c
so gewaltige Geschwindigkeit hat, als in der Zeit, in der sir
sich in Wirklichkeit schneller bewegt. Jedwede Geschwindig¬
keit ist eben um das tausend- oder fünftausendfache oder sor.s:
wie vergrössert.
Noch eigenartiger und überraschender aber ist die Um¬
kehrung dieses Versuches, das heisst die langsame Wiedergabe
von sehr schnellen Bewegungen, namentlich von solchen, denen
das Auge nicht folgen kann. Wenn beispielsweise eine Fliege in:
Fluge 330 Schläge ihrer Flügel in einer Sekunde macht, eilt
Biene 190, eine Libelle 28, so erfolgen alle diese Bewegungen
so schnell, dass man nur ein verwaschenes Bild von den sich
bewegenden Flügeln gewahrt, gleich wie die Speichen eines
sich schnell drehenden Rades sich in eine gleichförmige
glitzernde Scheibe verwandeln. Wird nun aber solch ei nc
Fliege 1500 mal in der Sekunde photographiert, und werde::
dann die betreffenden Bilder mit der bei den Kinematographen
üblichen Geschwindigkeit hintereinander dem Auge vorgeiühr:.
so bew'egt die Fliege ihre Flügel ganz langsam, so dass man
auf das Genaueste ihre Bewegungen verfolgen und stu¬
dieren kann.
Schliesslich können unter ganz besonderen Bedingungen
schnell erfolgende Bewegungen in kinematographischerWiedcr-
gabe auch ganz verschwinden; d. h. die bewegten Gegenstände
stehen im Bilde ganz ruhig. Wenn einem z. B. ein belebtes
Strassenbild vorgeführt wird, in welchem auch Automobile
daherrasen, so kann es sich ereignen, dass solch ein Automobil
dahin zu gleiten scheint. Seine Räder stehen nämlich ganz
ruhig. Es kommt dies, wie leicht begreiflich, dann zu Stande,
wenn die Räder des Autos bei der Aufnahme sich gerade so
schnell drehten, dass sie immer in derselben Stellung (oder
wenigstens in nicht von einander unterscheidbaren Stellungen!
photographiert worden sind.
Dann gedenkt der Vortragende noch der Erscheinung des
Flimmerns bei kinematographischen Vorführungen und der
Mittel, w r elche man dagegen angewendet hat, indem er dabei
wesentlich auf die neueren Untersuchungen von Stigler
(Pflügers Archiv, Bd. 123, S. 224) Bezug nimmt.
Schliesslich führt er folgende, in dem Institut Marey her-
gestellte Bilder vor, welche er der Liebenswürdigkeit seine;
Freunde, der Herren Carvallo und Bull, der Verfertiger
dieser Bilder, verdankt. Films No. 1 ist ein Röntgenograiwn
und zeigt das allmähliche Fortschreiten der mit Bismuthun'.
subnitricum versetzten Nahrung in dem Verdauungskanal eines
Frosches. Zuerst liegt das Futter als grosser Ballen im Rachen,
dann rückt es in der Speiseröhre vor, die es völlig erfüllt:
schliesslich ist es im Magen, aus welchem es in einzelnen Ab¬
sätzen in den Dünndarm getrieben wird, und zugleich in lauter
kleine Brockel zerstiebt. Die Vorgänge spielen sich im M-
— abgesehen von der Vergrösserung — 30 mal zu schnell ab
Films No. 2 zeigt, wie eine Seifenblase von einer Kuge ;
durchschossen wird. Die Kugel nähert sich langsam der
Blase, buchtet sie ein, durchbricht sie; sofort schliesst sich die
Blase hinter der Kugel. Langsam geht sie durch die Blase
hindurch und buchtet sie schliesslich trichterförmig aus. Bit
Blase zerplatzt und löst sich in lauter kleine Tropfen auf. Ber
Vorgang erscheint etwa 100 mal zu langsam.
ln Films No. 3 werden die peristaltischen Bewegungen de>
Magens und der Därme eines Frosches vorgeführt, welcher nur
Pepton gefüttert war, um die Peristaltik zu vermehren. J K
Därme waren isoliert und befanden sich in physiologisen ir
Kochsalzlösung. Alle Bewegungen erfolgten etwa 15 mal zu
schnell, immer abgesehen von der Vergrösserung.
Films No. 4 zeigt uns die Flugbewegung von Insekten, zu¬
nächst von verschiedenen Fliegen, wobei die Haltung und uk
jedesmalige Drehung der sich ganz langsam (etw r a 100 mal Z1
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
155
langsam) bewegenden Flügel höchst überraschend ist. Ganz
sonderbar ist das Fliegen von Libellen, welche, man möchte
sagen, im Trab fliegen, indem die Schläge der Flügel nicht
gleichzeitig erfolgen. Sie erinnern in ihren Bewegungen, die
etwa 30 mal verlangsamt sind, an manche Schwimmer, welche
die beiden Arme nicht gleichzeitig, sondern im Wechsel be¬
wegen. Sie gehen gewissermassen in der Luft spazieren, ein
üusserst merkwürdiger Anblick.
Diskussion: Herr S e 11 h e i m: Ich habe, wie Herr G r ii t z -
ner erwähnte, den Kinematographen zu Unterrichtszwecken benützt
und seinerzeit darüber auch einmal auf einem gynäkologischen Kon¬
gress in Kiel gesprochen.
In der Gynäkologie kann man eine Operation, die man
selten macht, oder die man nicht macht, aber vielleicht seinen Schü¬
lern bekannt zu geben sich für verpflichtet hält, auf kinematographi-
schem Wege demonstrieren.
Das Hauptanwendungsgebiet ist die Geburtshilfe. Zu¬
nächst kann man im geburtshilflichen Operationskurs
jederzeit wirkliche Operationen demonstrieren. Man kann den
Ablauf der Operation zeigen und jede beliebige Phase der Operation,
die man gerade besprechen will, vor den Augen der Schüler als
Diapositiv längere Zeit stehen lassen.
In zweiter Linie eignet sich der Kinematograph zur Demon¬
stration von diagnostisch wichtigen krankhaften Gangarten, z. B. des
spondylisthetischen Beckens und Luxationsbeckens.
Drittens habe ich den Kinematographen benutzt zur optischen
Darstellung von Vorgängen, die man nur mit dem Gefühl erfassen
kann. Ich habe die Geburtsvorgänge im Uterus und Geburtskanal
durch die tastenden Finger und durch den Vergleich von Gefrier¬
schnitten aufgefasst und in vielen aufeinanderfolgenden Phasen zeich¬
nen lassen. Die Knochenpunkte der einzelnen Sagittalschnitte durch
die Mutter fielen aufeinander, während die mütterlichen Weichteile
und das Kind sich entsprechend dem Fortgang der Geburt änderten.
Macht man von jedem der etwa 50 Bilder auf kinematographische
Streifen aufeinanderfolgende Aufnahmen und lässt den Streifen durch
den Kinematographen rasen, so erscheint an dem Wandschirm leicht
fasslich der ganze Vorgang, den sich der Studierende sonst nur müh¬
sam vorstellen kann.
Erst durch die Selbständigkeit im Gebrauch von Aufnahme- und
Projektionsapparat ist der Arzt in der Lage die Erfindung für den
Unterricht voll auszunutzen. Der ärztliche Anstand verlangt, dass
man sich vor Missbrauch der Films zu Demonstrationen in Schau¬
buden usw. sichert.
Herr v. G r ii t z n e r fragt an, ob man nicht durch Anwendung
von Röntgenstrahlen die auch in der Geschwindigkeit richtigen Zeit-
verhäitnisse, wie bei dem mit Wismut gefütterten Frosch, festlegen
könnte: denn das Fortschreiten der von Herrn Seil he im zuletzt
geschilderten Bilder erfolgt natürlich sprungweise.
Herr S e 11 h e i m: Auf die Anregung des Herrn G r ii t z n e r
erlaube ich mir zu erwidern, dass ich auch daran gedacht habe, eine
Kombination von fortlaufenden Röntgenbildern zur Darstellung des
Geburtsvorganges zu verwenden. Es kommt dabei aber heute noch
nicht viel heraus, weil das Verhältnis vom Kind zum Becken wenig
deutlich ist. Röntgenbilder mögen zwar natürlicher aussehen, deut¬
lich sind sie jedenfalls nicht.
Herr G a u p p erwähnt, dass an der Münchener psychiatrischen
Klinik kinematographische Aufnahmen von normalen (Pupillen¬
bewegungen) und pathologischen Bewegungsformen (Hysterie, Kata¬
tonie) gemacht werden und als Lehrmaterial dienen.
2 . Herr v. Grützner zeigt seinen Keilhämometer, der
in sehr einfacher und genauer Weise den Hämoglobingehalt
des menschlichen Blutes zu bestimmen gestattet. Er ist in der
Münch, med. Wochenschr. No. 32, 1905 beschrieben, neuerdings
aber dadurch bedeutend verbessert, dass statt der rotgelben
Vergleichsplatte aus Gelatine jetzt ein rotgelbes Glas ver¬
wendet wird, welches seine Farbe hält, während auch die ge¬
färbten Leimplatten, wenn auch nicht in dem Masse wie flüssige
Lösungen, ihre Farbe mit der Zeit verändern.
Herr Bürker: lieber Hämochromogenkristalle und den
Violettstreifen im Sputum des Hämoglobins und seiner Derivate.
fVergl. diese Nummer S. 126.)
Berliner medizinische Gesellschaft.
(Eigener Bericht.)
Sitzung vom 13. Januar 1909.
Vor der Tagesordnung:
Herr Goldschnsidt demonstriert im Anschluss an seinen in
der letzten Sitzung gehaltenen Vortrag einen Patienten, der 4 Jahre
an Urinretention gelitten hat und ohne Erfolg behandelt war; die
Urethroscopia posterior zeigte einen vergrösserten Mittellappen der
Prostata, der leicht entfernt werden konnte.
Herr Oberwarth nimmt nochmals zu der in der letzten
Sitzung diskutierten Turmschädelfrage das Wort.
Herr Holländer demonstriert einen Tumor, der zwischen
Wirbelsäule und Pharynx seinen Sitz hatte. Es handelte sich um
einen retropharyngealen Nebenkropf. Klinisch hatte derselbe zu
Schluckreiz und Schluckbeschwerden geführt.
Tagesordnung:
Herr C. Posner: Untersuchungen über die Genitalsekrete des
Mannes. (Demonstrationen am Projektionsapparat.)
Redner hebt den Wert ergänzender optischer Methoden hervor,
welche unsere üblichen tinktoriellen Methoden ergänzen.
Neben der Dunkelfeldbeleuchtung kommt die Anwendung des
Polarisationsmikroskops wieder erneut in Benützung. Speziell die
Untersuchungen von Rick über die Xanthomzellen haben Vortr.
zu seinen Untersuchungen angeregt.
Die Prostatitis hat Beziehungen zur Gonorrhöe; die Prostata ist
in der Lage, durch ihr Sekret das schlummernde Leben der Sperma-
tozoen zu erwecken. Ein Ferment mit solchen Eigenschaften, dem
sich von anderer Seite vielfach das Interesse zugewandt hat, ist das
Lezithin. Mikroskopisch war eine sichere Feststellung von Lezithin
bisher nicht möglich; das Dunkelfeld erhöhte zwar die Plastizität der
Bilder; eine sichere Diagnose ist aber erst im polarisierten Lichte zu
stellen. Redner demonstriert hierzu ausserordentlich schöne Bilder;
zum Schlüsse einige Lumiereaufnahmen von Kristallen (Harnsäure,
Tripelphosphat) im polarisierten Licht von ausserordentlicher Farben¬
pracht.
Diskussion: Herr K a y s e r 1 i n g gibt eine Methode an, die
Apertur des Polarisationsmikroskops durch Einsetzen des Nicol-
sehen Prismas in eine das Gesichtsfeld begrenzende Irisblende auf der
optischen Bank zu vergrössern; er äussert gewisse Bedenken über die
Lezithinnatur der von Posner gezeigten Gebilde und hält es für
besser, sie als Lipoide zu bezeichnen.
Herr Fiirbringer fragt nach der klinisch-diagnostischen Be¬
deutung der Posner sehen Befunde.
Herr Posner (Schlusswort): Lezithin ist von ihm im Sinne der
Urologen als Sammelbegriff gebraucht. Es gelingt, den urethralen
oder prostatischen Ursprung von Fäden nachzuweisen, somit glaubt
er der Methodik auch klinische Bedeutung zuschreiben zu müssen.
Gemeinsam mit S c h ä f f e r ist er an der weiteren Ausarbeitung
dieser Methoden für klinische Zwecke beschäftigt.
Herren A. Dührssen und E. Solms: Die Anwendung des
vaginalen Kaiserschnittes bei engem Becken mit Demonstration einer
Wöchnerin und am Projektionsapparat.
Der vaginale Kaiserschnitt rechnet heute zu den klassischen
Methoden. Man streitet sich heute nur noch darum, ob der vaginale
Kaiserschnitt nur vom Spezialisten oder auch vom praktischen Arzt,
ob nur in der Klinik oder auch in der Privatwohnung ausgeführt wer¬
den soll.
Dührssen hat nun eine Methode ausgearbeitet, welche den
vaginalen Kaiserschnitt dem Praktiker eröffnet: durch Kombination
der Metreuryse mit dem vaginalen Kaiserschnitt. An dem einge-
fiihrten Kolpeurynter lässt sich durch Zug leicht das vordere und das
hintere Scheidengewölbe zugänglich machen.
Nach S o 1 m s* Vorschlag wurde nach vaginaler Uteruseröffnung
das Kind durch Flankenschnitt entbunden (extraperitoneal). (Laparo-
colpo-hysterötomie.)
Herr K r ö m e r legt seinen Standpunkt gegenüber der Methode
dar. Er bedauert, dass eine solche Methode aus einer Klinik heraus
empfohlen wird, aus der der vaginale Kaiserschnitt hervorgegangen
ist. Wenn nach dem vaginalen Kaiserschnitt eine Weichteiloperation
nötig wird, hält er dies für einen Fehler, für eine falsche Schätzung
der Beckenwege. Er empfiehlt für solche Fälle den bisher üblichen
Mittelschnitt oder die Hebostomie.
Herr Dührssen polemisiert gegen diese durchaus unzutreffen¬
den Darlegungen. Sein vaginaler Kaiserschnitt habe noch ganz
andere Einwendungen erfahren, wie seine heute publizierte Methode
seitens Herrn K r ö m e r. Die sonst heute geübten Methoden des
extraperitonealen Kaiserschnittes seien eben nicht extraperitoneal:
der Versuch, durch Uebernähen der Uteruswunde mit Peritoneum
die Wunde extraperitoneal zu gestalten, misslinge bei infizierten
Fällen, da wir eben nicht in der Lage sind, bakteriendicht zu nähen.
Den Flankenschnitt zieht er der Hebeostomie bei weitem vor,
die eine Verletzung des Knochengerüstes herbeiführt.
Zum Schluss erinnert er an die alte Legende von der Geburt
Buddahs. der schmerzlos fiir die Mutter aus der Flanke herausge¬
treten sein soll. Durch seine heute mitgeteilte Methode sei die alte
Legende Wahrheit geworden; die verstümmelnden Operationen: Per¬
foration und Zerstückelung werden voraussichtlich künftighin voll¬
kommen aus den geburtshilflichen Operationen verschwinden.
Wolff-Eisner.
Aus den Wiener medizinischen Gesellschaften.
(Eigener Bericht.)
K. k. Gesellschaft der Aerzte.
Prof. Dr. R. K r a u s: lieber den derzeitigen Stand der Diagnose,
der Schutzimpfung und der ätiologischen Therapie der Cholera
asiatlca.
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156
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
Der Vortragende weist zunächst darauf hin, dass die biologischen
Reaktionen, wie der Pfeiffer sehe Versuch und die Agglutination,
nicht immer absolut exakte Resultate liefern. Bisher nahm man an,
dass die mit einem Choleraserum identisch reagierenden Vibrionen
als Choleravibrionen anzusehen seien. Vortragender konnte zeigen,
dass die von Qottschlich in El Tor aus Mekkapilgern, die nicht
an Cholera gestorben sind, gezüchteten Vibrionen trotz biologischer
Identitätsreaktion nicht mit Choleravibrionen zu identifizieren seien.
Diesen Vibrionen kommt nämlich die Eigenschaft zu, Hämatoxine und
akut wirkende Toxine zu erzeugen, was Choleravibrionen nicht ver¬
mögen. Auf Grund zahlreicher Untersuchungen über Cholerastämme
aus der letzten Epidemie in Russland und aus der letzten Epidemie in
Arabien gelangte der Vortragende zur Bestätigung der von ihm auf¬
gestellten Behauptung, dass man mittels der Blutplattenmethode Ham¬
mel- und Ziegenblut-Choleravibrionen von hämolysierenden anderen
Vibrionen differenzieren könne und dass diese Methode die bio¬
logischen Reaktionen ergänze. Durch seine Studien über Giftbildung
der Vibrionen und antigene Eigenschaften dieser Vibrionen kommt
Vortragender zum Resultate, dass man mittels der Gifte verschiedener
Vibrionen Antitoxine erzeugen könne. Auch der Choleravibrio bildet,
wie die Nachprüfung der Arbeiten von Brau und D e 1 i e r gezeigt
haben. Gifte, mit welchen Antitoxine zu erzeugen sind. Diese Unter¬
suchungen bilden gleichzeitig die Bestätigung der Arbeiten von Roux
und Metschnikoff und von Ransom. Durch experimentelle
Analyse mit Antitoxinen, gewonnen mit Giften der Choleravibrionen,
der El-Tor-Vibrionen und Nasik-Vibrionen. gelangt der Vortragende
zu dem Ergebnis, dass nur antitoxisches Serum und nicht bakterio-
lytisches Serum, wie Pfeiffer und Friedberger meinen, zu
heilen imstande ist.
Mit dem antitoxischen Serum, gewonnen mit den Giften der El-
Tor-Vibrionen, die auch Choleragifte neutralisieren, hat der Vor¬
tragende in Petersburg während der letzten Choleraepidemie Ver¬
suche an Menschen angestellt. Die Versuche wurden in den Kranken-
aoteilungen der DDr. Kernig und Ketscher ausgeführt. Es
wurden nur schwere Fälle behandelt. Bei intravenöser Injektion
wurde eine Mortalität von ungefähr 50 Proz. erzielt. Um ein ab¬
schliessendes Urteil über die Wirkung des Serums zu bekommen,
wäre es notwendig, bei den nächsten Versuchen alle Fälle in dieser
Weise der Behandlung zuzuführen.
Im weiteren berichtet der Vortragende über die epidemio¬
logischen Verhältnisse in Russland, weist darauf hin, dass hauptsäch¬
lich die ungenügenden hygienischen Massnahmen — Wasserleitung.
Kanalisation etc. — die Ursache der Verbreitung der Cholera sind
und dass in erster Linie zur Verhütung der Choleragefahr auf diese
Massnahmen Rücksicht genommen werden müsse. Daneben geben
die prophylaktischen Schutzimpfungen mit dreimaligen Injektionen
in Intervallen von 6 Tagen, wie Sabolotny und Slatoborow
gezeigt haben, günstige Ergebnisse, insofern, als von den Injizierten
weniger erkrankt und weniger gestorben sind.
Dr. A. Porges: Ueber den Einfluss der Nebennierenexstir¬
pation bei Hunden auf deren Blutzucker.
Die Mitteilung stammt aus der Klinik v. Noordens. Wurde
bei Hunden eine Nebennierenexstirpation vorgenommen, so zeigte
es sich, dass der sonst im normalen Blute in ziemlich konstantem
Verhältnisse enthaltene Zucker nach dem Eingriffe — es wurden
beide Nebennieren entfernt — allmählich an Menge abnimmt und
dass der Blutzuckergehalt mehrere Stunden nach der Operation nur
mehr Spuren reduzierender Substanz aufweist. Die Exstirpation der
Nebennieren bildet also gewissermassen ein Gegenstück zur Pan¬
kreasexstirpation; bei letzterer entsteht bekanntlich ein kontinuier¬
liches Anschwellen des Blutzuckergehaltes (Hyperglykämie), bei
ersterer ein dauerndes Absinken (Hvpoglvkämie). Der Vortragende
weist sodann auf die neuesten Arbeiten bezüglich der Funktion der
Nebennieren hin, speziell auf die an derselben Klinik von E p p i n g e r,
F a 11 a und R ii d i n g e r auf Grund von Experimenten aufgestellte
Theorie, nach welcher die Nebennieren eine den Zucker mobili¬
sierende Fähigkeit besitzen, und spricht nunmehr die Vermutung aus,
dass die Nebenniere vielleicht den Blutzuckergehalt vermöge ihres
inneren Sekretes reguliert. Der Blutzucker spielt nach neueren Ver¬
suchen bei den Muskelkontraktionen eine wichtige Rolle. Dass nach
Nebennierenexstirpationen resp. nach einer Nebennierenerkrankung
(Morbus Addison) die Adynamie und die Lähmungen mit der Aglv-
kämie in Beziehung zu setzen wären, ist wohl naheliegend. Eine wei¬
tere Aufgabe wäre, bei gewissen Krankheiten und wieder besonders
beim Addison daraufhin zu untersuchen, ob bei denselben Hypo¬
glykämie bestehe. Ein solcher Befund würde den Symptomenkom-
plex in vieler Hinsicht aufhellen.
Aus den franzBsischen medizinischen Gesellschaften.
Acad6mie des Sciences.
Sitzung vom 16. November 1908.
Das gelbe Fieber ln St.-Nazaire.
Chantemesse berichtet über eine Gelbfieberepidemie im
französischen Hafen St.-Nazaire, die im Jahre 1908 unter beinahe ganz
gleichen Bedingungen ausgebrochen ist, wie im Jahre 1861. Das
Packetboot „La France“ fährt von Martinique, wo Gelbfieber herrscht,
am 11. September ab und kommt in St.-Nazaire am 24. September an.
Mehr als 9 Tage waren seit der Ausreise des Schiffes verflossen und
an Bord desselben hat sich kein Gelbfieber gezeigt, so dass es zur
Ausladung freigegeben wurde. Kaum hat dieselbe begonnen, als Falle
von Gelbfieber auftraten, in wenigen Tagen waren 11 Personen be¬
fallen und 7 starben. Die Opfer sind Angestellte des Schiffes, ein aus
der Stadt gekommener Lohnarbeiter und der Matrose eines anderen,
in der Nähe liegenden Schiffes. Ebenso wie Meslier im Jahre
1861 bei einer auf dieselbe Art entstandenen Gelbfieberepidemie ge¬
schlossen hat, dass die Seuche weder durch Waren noch durch Men¬
schen, sondern durch eine im Schiffe selbst liegende Ursache ein¬
geschleppt wurde, so kommt Chantemesse zu derselben Schluss¬
folgerung. Heutzutage können wir nun dank der modernen Arbeiten
statt der von Meslier angenommenen mysteriösen Ursache ge¬
nauere Tatsachen feststellen: auf dem Packetboot „La France“ war
die gefährliche Stechmücke Stegornya fasciata, von Martinique ein¬
geschleppt, vorhanden und existiert jetzt noch, nach dem Ausbruche
der Epidemie. Ch. zeigt Exemplare dieser Stechmücke, die auf dem
Schiffe entnommen worden sind. In dem Krankensaale, wo die Gelb¬
fieberpatienten verpflegt wurden, konnte er zahlreiche andere, ge¬
wöhnliche Stechmücken, aber keineswegs Stegornya fangeri, aber die
ersteren zeigten sich nicht fähig, das Gelbfieber zu übertragen. Um
die Einschleppung des Gelbfiebers in Frankreich zu verhüten, müssen
die Sanitätsverordnungen geändert und prophylaktische Instruktionen
den Offizieren der Handelsschiffe gegeben werden, damit sie imstande
seien, sich zu schützen und der Stechmücken in den gefährlichen
Ländern und unterwegs los zu werden. Das Gelbfieber ist nicht
kontagiös in den nördlichen Gegenden Frankreichs, aber seine Ein¬
schleppung kann mehr weniger zu einer Epidemie führen. In An¬
betracht dessen, dass es sich um eine so leicht zu vermeidende und
bei uns so seltene Krankheit handelt, wie das Gelbfieber, kann die
soziale und die Pflicht der Sanitätsgesetzgebung leicht erfüllt werden.
Aus den englischen medizinischen Gesellschaften.
Aesculapian Society.
Sitzung vom 6. November 1908. (
Die therapeutische Verwendung der Kalksalze.
W. L. Brown weist zunächst darauf hin, dass man nach den
Untersuchungen von A. E. W r i g h t mit ziemlich grosser Zuver¬
lässigkeit feststellen kann, ob ein Mangel oder ein Ueberschuss an
Kalzium vorliegt, indem man die Geschwindigkeit der Gerinnung
des dem Patienten entnommenen Blutes im Kapillarrohr bestimmt.
Ein schnelles Gerinnen deutet auf einen reichlichen Kalziumgehalt des
Blutes, ein verlangsamtes auf einen Mangel an Kalksalzen hin. Im
ersteren Falle ist die Darreichung von zitronensaurem Natron an¬
gezeigt, in letzterem sind Kalksalze, namentlich Kalziumchlorid in¬
diziert. Redner vertritt auch die Ansicht, dass bei Erwachsenen der
Gebrauch einer ausschliesslichen Milchnahrung wegen der dadurch
gesteigerten Zufuhr von Kalksalzen zu Thrombenbildung disponieren
könne. Die relative Häufigkeit von Thrombosen im Gefolge von Ueo-
typhus mag auch in manchen Fällen durch eine allzu exklusive Be¬
vorzugung der Milchdiät zu erklären sein. Ob nach der Entstehung
eines Thrombus in irgend einer Vene es zweckmässiger sei, die Ge¬
rinnungsfähigkeit des Blutes zu steigern, damit das entstandene Ge¬
rinnsel möglichst sich konsolidiere und Embolien verhütet werden,
oder ob man zur Beförderung der Resolution Zitrate geben solle,
kann fraglich erscheinen. Im allgemeinen lassen die Erfahrungen der
Praxis das letztere als richtig erkennen. Als Aeusserungen einer
verminderten Gerinnungsfähigkeit des Blutes sind nach W r i g h t
Affektionen wie Urtikaria, angioneurotisches Oedem, Pemionen und
die sog. physiologische Albuminurie zu nennen, welche mit Austritt
von Serum ins Gewebe, „seröser Hämorrhagie“, einhergehen. Bei
diesen Anomalien leisten Kalziumverbindungen gute Dienste, wie
auch beim Aneurysma, Purpura, Hämophilie, intestinalen Blutungen
und prophylaktisch bei Operationen, welche grösseren Blutverlust
verursachen. P h i 1 i p p i - Bad Salzschlirf.
Verschiedenes.
Arzt und Publikum.
o
Ueber dieses Thema hielt Geheimrat K r e h 1 - Heidelberg am
11. ds. Mts. in Mannheim auf Veranlassung der dortigen Handels¬
hochschule einen Vortrag, über den uns folgendes berichtet wird:
Es ist allgemein bekannt, dass der Arzt der Berater der Kranken
in körperlichen und seelischen Nöten sein soll. Deshalb ist es wohl
von Interesse, das gegenseitige Verhältnis beider zu einander, wie es
früher war und jetzt ist, einmal zu betrachten. Ehedem in der „guten,
alten Zeit“ war es ein reines Vertrauensverhältnis von Mensch zu
Mensch und die Standessitte gebot, dass der Arzte jedem Rufe, der an
ihn erging, sofort folgte. Die Entlohnung für seine Arbeit geschah
nach der Selbsteinschätzung des Patienten, wobei jeder sich bewusst
blieb, dass das Eigentliche in der ärztlichen Hilfe mit Geld überhaupt
nicht aufzuwiegen sei. Heute dagegen hat sich das Verhältnis völlig
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19. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
157
geändert. Die rein geschäftliche Seite steht vielfach im Vordergründe
und nur die einzelne Tat des Arztes wird bei der Kostenberechnung
als massgebend angesehen. Das rein persönliche Verhältnis des
Arztes zum Kranken, wie es früher die Regel war und sich auch
heute noch an manchen Orten, besonders auf dem Lande und in kleinen
Städten findet, ist als das ideale anzusehen und seine Rückgewinnung
ist erstrebenswert. Was sind nun aber die Ursachen und folgen, die
die grosse Umwandlung geschaffen haben?
Im Jahre 1869 wurden auf Virchows parlamentarischen Ein¬
fluss hin die Aerzte in die Gewerbeordnung aufgenommen. Zugleich
wurde die Heilkunde an und für sich freigegeben, d. h. jeder, der
Krankheiten behandeln wollte, konnte dies ohne Befähigungsnachweis
tun; wer aber den Titel „approbierter Arzt“ führen wollte, der musste
die für das ganze deutsche Reich vorgeschriebene Prüfung abgelegt
haben. Natürlich musste jeder, der Kranke behandelte, die Konse¬
quenzen seiner Tätigkeit tragen. Aber nicht nur die Aufnahme der
Aerzte in die Gewerbeordnung rief den gewaltigen Umschwung her¬
vor, sondern auch die rapiden und gewaltigen Veränderungen der An¬
schauungen auf wissenschaftlichem, religiösem, sozialem und philo¬
sophischem Gebiet der letzten 31) Jahre und der Eintritt unseres Volkes
in die grosse Kulturwelt brachten ihn mit sich. Die Popularisierung
der Wissenschaft hat in weiten Kreisen wirkliche Bildung verbreitet,
aber sie führte auch zu einem ungesunden Wissensdünkel. Es schien,
als ob das Publikum die Medizin leicht erfassen könne, und jeder
glaubte mit Hilfe des Konversationslexikons und sonstiger Schriften
selbst Arzt sein zu können. Mit der Einführung der Gewerbeordnung
trafen ferner der starke Andrang zum medizinischen Studium und die
Einführung der Versicherungsgesetze zusammen, zwei Faktoren, deren
wesentlicher Einfluss unverkennbar ist. Letztere zwangen die Aerzte,
gegen ein völlig ungenügendes Honorar ihre Arbeit zu verrichten und
das führte zur Massenproduktion, die in unserem Berufe am aller¬
wenigsten möglich ist. Das Verhältnis zwischen Arzt und Kranken
wurde dadurch auch viel verwickelter, dass bei der Umwandlung der
modernen Gesellschaft der einzelne in ganz andere Beziehungen zum
Staat und zur Gesellschaft und zur Behörde getreten ist. Zwischen
Arzt und Kranken schiebt sich die Krankenkasse als Drittes da¬
zwischen und verhindert dadurch jede persönliche Annäherung. Der
Kranke ist gezwungen, einen von der Kasse bestellten Arzt anzu¬
erkennen und es kann hierbei der Fall eintreten, dass Kranke sich
gerade von einem Arzte behandeln lassen müssen, gegen den sie
eine ausgesprochene Abneigung haben. Durch das Versicherungs¬
wesen ist auch die Geldfrage völlig verschoben worden. Die pe¬
kuniäre Seite spielt eine viel grössere Rolle. Es tauchen Macht¬
fragen auf, die zur Bildung von wirtschaftlichen Verbänden der Aerzte
einerseits und der Versicherungsträger andererseits führen. Es
kommt zu Kämpfen, bei denen sogar Streik und Streikbrecher auf
dem Plan erscheinen. Gewiss eine schwere und man möchte sagen
traurige Veränderung. Zweifellos spielt die Geldfrage bei der starken
Konkurrenz und der Verteuerung der Lebensverhüitnisse eine grosse
Rolle. Aber ein Fortschritt in den ärztlichen Leistungen ist streng
gebunden an die Besserung der wirtschaftlichen Seite. Im Brenn¬
punkte der Erscheinungen steht jedoch keineswegs Jie pekuniäre
Seite, sondern vielmehr der Kampf des Aerztestandes um seine soziale
Stellung. Naunyn’hat dies an einer Stelle einmal durch folgende
Worte scharf gekennzeichnet: „Unser Beruf ist es. der uns adelt!“.
Was die neuerdings in Aufnahme gekommene Methode der Fest¬
legung des Arztes auf seine Einzelieistungen betrifft, so kann man
sagen, dass sie wesentlich auf dem Spezialistentum beruht. Letzteres
birgt, wie allgemein anerkannt wird, die schwere Gefahr der aus¬
schliesslichen Behandlung der Glieder ohne Beachtung der gesamten
Persönlichkeit des Patienten in sich. Zwar ist das Uebergehen der
Persönlichkeit bei einer leichten Fingerquetschung vollkommen un¬
schädlich, bei jeder komplizierten oder inneren Erkrankung aber kann
man ohne genaue Kenntnis der gesamten Persönlichkeit des Kranken
niemals eine richtige Behandlung einleiten.
Geh.-Rat K r e h I legte sodann in kurzen Zügen die Prinzipien
der medizinischen Wissenschaft und ihre Entwicklung auf dem Boden
der Morphologie und Biologie dar und zeigte, w ie sich aus dem Zu¬
sammenwirken der verschiedenartigsten und verzweigtesten Ge¬
biete aller Naturwissenschaften der gemeinsame Erfolg erringen lasse.
Allerdings muss sich bei dieser Wesensart der medizinischen Wissen¬
schaft der einzelne Beschränkung auflegen. Nur wenigen sehr grossen
Geistern gelingt es, eine grosse Tat zu vollbringen, aber jeder Arzt
kann an seinem Teile im kleinen zur Fortentwicklung des Ganzen bei¬
tragen.
Die Ausübung der Behandlung nach wissenschaftlichen Grund¬
sätzen ist nur dem Naturforscher möglich, der sich mit den biologi¬
schen Lebensprozessen eingehend beschäftigt hat. Allerdings reicht
diese Art der Behandlung zur Zeit noch nicht aus oder besser gesagt,
unsere Zeit ist noch nicht reif dazu. Wollten wir Aerzte aber des¬
halb die Kranken abweisen, deren Krankheiten bis jetzt einer wissen¬
schaftlichen Behandlung noch nicht zugänglich sind, so müssten wir
den Platz vor den sog. Heilkundigen räumen, die für jede Krank¬
heit die Heilung garantieren, auch w'enn sie ihr Versprechen nicht
halten können. An sich ist ja auch die ärztliche Behandlung viel
älter als die Wissenschaft. Schon Hippokrates iibte bekanntlich
Praxis aus. Und behandelt wurde immer trotz des starken und
ewigen Wechsels der naturwissenschaftlichen Forschung. Die Be-
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handlung bestand in der Bekämpfung der Krankheitssymptome und
deren Verminderung ist ja an sich schon sehr viel wert. Ursprünglich
versuchte man eben bei irgend einer Krankheit ein beliebiges Mittel
und aus dem Erfolg oder Nichterfolg zog man die Schlüsse, die sich
heute in unserer empirischen Erfahrung verdichtet haben. Diese
symptomatische Behandlung auf empirischer Grundlage erstreckt sich
meist nur aui einzelne Teile des Körpers. Eine dritte Möglichkeit der
Behandlung bietet endlich die Beeinflussung des gesamten Organis¬
mus und seine Kräftigung, die ihn befähigen, Krankheiten aus eigener
Kraft zu überwinden, wie w r ir sie z. B. bei der Behandlung der
Lungenphthise ausführen.
Ein weiterer Faktor, auf dem in vielen Fällen die Erfolge der
Heilkundigen beruhen, ist die Menschenkenntnis. Leider haben sich
die meisten Aerzte bei ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit diese wert¬
volle Eigenschaft nicht für ihre Praxis erhalten und es w r äre sehr zu
wünschen, dass die Aerzte in Zukunft gerade darauf vermehrt ihr
Augenmerk richten. Dazu gehören natürlich die naturwissenschaft¬
liche Bildung und die Beherrschung der empirischen Bedingungen;
aber das einzige sind letztere nicht.
Man hört vielfach sagen, die Erfolge der Nichtärzte und der
Aerzte hielten sich die Wage. Vortr. möchte aber im Gegensatz zu
dieser Behauptung die Häufigkeit der nichtärztlichen Erfolge be¬
streiten. Eine statistische Grundlage für die Behauptung existiert
nicht und es liegt im Wesen der Sache selbst, dass sie nicht ge¬
schaffen werden kann. Es ist vielmehr eine Reihe dunkler Eindrücke,
die ihr zu gründe liegen. Sie können richtig sein, meist aber sind
sie falsch. Man muss sich als Illustration dazu nur die sog. per¬
sönlichen Erfahrungen des alltäglichen Lebens ansehen und man wird
deren grosse Unzuverlässigkeit sofort erkennen. Die Sache liegt
nämlich so. Der Arzt sollte heilen können, denn es ist sein Beruf.
Gelingt es ihm, so ist das nicht mehr wie recht und billig. Bei
ihm w r erden nur die Nichterfolge bekannt und registriert. Der Nicht¬
arzt braucht nicht heilen zu können. Hat er Erfolge zu verzeichnen,
so spricht alle Welt davon. Von seinen Nichterfolgen ist nirgends
die Rede und dies um so weniger, als die meisten Menschen, die
ohne Erfolg von einem Nichtarzte behandelt w r urden, es ängstlich
vermeiden, darüber zu sprechen. Sie wollen ihre Konsultation beim
Heilkundigen nicht eingestehen; denn sie wissen ganz genau, dass bei
dem heutigen Stande der modernen Wissenschaft die Behandlung bei
Nichtärzten zu suchen nicht das Richtige ist.
Das heutige Verhältnis zwischen Arzt und Kranken ist tatsäch¬
lich nicht gut und man muss die Hoffnung hegen, dass sich das frühere
Verhältnis, wie wir es auf dem Land und in kleineren Städten auch
jetzt noch finden, überall wieder entwickeln wird. Denn eine er-
spriessliche ärztliche Tätigkeit ist nur auf dem Boden eines wirklich
persönlichen Verhältnisses denkbar. Auf beiden Seiten muss guter
Wille vorhanden sein und der Patient muss seinem Berater Ver¬
ständnis für seine schwierige Aufgabe entgegenbringen. Wer mit
seinem Arzte sofort zerfällt, wenn er nicht in kürzester Zeit geheilt
wird, der hat das Verhältnis falsch aufgefasst. Die Ansprüche, die an
den Arzt gestellt werden, sind ungleich höhere, als bei irgend einem
Beruf und wieviel unberechtigte Anforderungen werden tagtäglich von
nicht einsichtigen Kranken an ihren Helfer gestellt! Der einzige
Schutz dagegen ist nur das persönliche Verhältnis beider zu einander,
durch welches auch der Kranke vor vielen Schädlichkeiten bewahrt
bleibt, wie z. B. vor übertriebener Spezialbehandlung. Gänzlich zu
verwerfen ist natürlich die vielgeübte Methode der Konsultation
mehrerer Aerzte hinter dem Rücken der anderen. Dies kann niemals
von Nutzen sein, da die Behandlung dabei nicht von einem einheit¬
lichen Punkte ausgehend geleitet wird. Ebenso verwerflich ist das
Hineinreden oder Besserwissenwollen seitens der Kranken.
Ein schwieriges Kapitel stellt die Auskunfterteilung der Aerzte
an seine Patienten dar, die einen ganz besonderen Takt und grosses
Feingefühl verlangt. Es ist nun mal leider heutzutage die Sitte oder
Unsitte eingerissen, dass die Kranken über ihren Zustand genauen
Bescheid haben wollen und es kommt sogar nicht allzuselten vor,
dass sie therapeutische Ratschläge gar nicht haben wollen, sondern
lediglich eine Diagnose. Um nun die einzelnen Aerzte zu kontrol¬
lieren, gehen die Patienten von Arzt zu Arzt und suchen dadurch die
Wahrheit zu ergründen. Dabei passiert cs gar manchmal, dass zwei
Aerzte genau dieselbe Krankheit konstatieren, dem Patienten aber
verschiedene'Namen dafür angeben. Dass die dadurch entstehende
Verwirrung den Patienten in vielen Fällen um seine Seelenruhe bringt,
ist leicht verständlich. Aus diesem Grunde kann man nicht eindring¬
lich genug die Patienten vor solchen Massnahmen warnen. Aber auch
die Auskunfterteilung an sich ist nicht in allen Fällen ganz leicht. Der
Arzt muss dafür eine Form finden, die den Kranken befriedigt und
zugleich wahr ist. Sie darf aber auch dem Kranken zugleich nicht
schaden. Besonders zu betonen ist, dass der Arzt dabei an seinem
wissenschaftlichen Standpunkt streng festhalten muss; denn durch zu
weitgehende Popularisierung auf Kosten seiner wissenschaftlichen
Anschauungen läuft er Gefahr sich selbst zu verlieren. Insbesondere
ist lebhaften Aerzten ein strenges Imzaumhalten ihrer Persönlichkeit
dringend anzuraten. Die Kranken meinen dann oft, der Arzt könne
oder wolle nichts sagen. Auch gegen diesen Verdacht schützt nur
eine Antwort, wie wir sie oben kennen gelernt haben.
Die denkbar wichtigste Rolle spielt das unentwegte Vertrauen
des Kranken zu seinem Arzte, das volle Vertrauen in seine Persön-
Original frorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
15S
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
lichkeit. Wenn das zu schwinden besinnt, so leidet darunter die Un¬
befangenheit des Arztes und er beginnt die Politik der Rücksichten
Weitere Schwierigkeiten ergeben sich bei der Behandlung Schwer-
kranker, wenn es sich darum handelt, einen Angehörigen in den Ernst
der Situation einzuweihen. Da passiert es leider sehr häufig, dass sich
die Angehörigen dem Kranken gegenüber nicht mehr mit der natür¬
lichen Unbefangenheit benehmen können und das so wichtige Trösten
wird für sie immer schwieriger, bis sie in einzelnen hallen sogar dem
Kranken die Wahrheit nicht mehr verbergen können. Unter solchen
Verhältnissen leidet natürlich das Befinden des Kranken schwer. Mehr
denn je sind die Aerzte heute davon durchdrungen, welche Bedeu¬
tung für den Kranken der Zustand seiner Seele hat und dieser
erwächst aus dem Milieu, in dem er sich befindet. Der Kranke hat
ein äusserst feines Gefühl für jede Veränderung, die in seiner Um¬
gebung vor sich geht. Deshalb ist ein tiefes Verständnis und guter
Wille der Angehörigen in solchen halle doppelt notwendig. Merkt
nun der Arzt, dass seine Warnung ihren Zweck verfehlt hat und dass
grosser Schaden gestiftet worden ist, so ist der Endeffekt für ihn die
Schwächung des Vertrauens zu sich selbst. Wenn aber jemand den
Glauben an sich selbst eingebiisst hat, so ist er verloren. Denn er
hat damit seine Entschlossenheit verloren und Unentschlossenheit ist
gerade bei dem Arzte, in dessen Beruf es fortwährend nur auf ent¬
schlossenes Handeln ankommt, das Schlimmste. Umgekehrt aber ist
auch allzugrosse Sicherheit nicht das Beste, denn dabei verliert der
Arzt die Fähigkeit des Lernens.
Welche Schwierigkeiten bei der Stellung der Diagnose durch das
Dazwischenkommen äusserer Umstände, w ie z. B. der Untersuchungs¬
ergebnisse bakteriologischer oder ähnlicher Institute auftreten können,
weiss jeder Mediziner. Wir können deshalb über diese Frage hin¬
weggehen. Bedeutsam hingegen w ar das, was K r e h 1 über die
Berücksichtigung besonderer Wünsche der Kranken sagte. Er riet
denselben nach Möglichkeit entgegenzukommen. Nur wenigen ernsten
und Willensstärken Persönlichkeit gelingt es vereinzelt, ohne Schaden
ihren eigenen Willen ohne Berücksichtigung der anderen durchzu¬
setzen und starke Erfolge zu erzielen. Ein Beispiel hierfür ist Bis¬
marck. Im allgemeinen aber soll man berechtigte Wünsche aner¬
kennen/ Man muss sich dabei nur hüten, dass die Kranken einen
zu starken Einfluss auf das Handeln des Arztes gewinnen, dem doch
die gesamte Verantwortlichkeit aufgeladen ist. Nur zu oft lässt sich
der Arzt zu Massnahmen verleiten, deren Erfolge er nicht wollte.
Wohl das schwierigste Kapitel ist die Beantwortung der Frage
nach der Prognose einer Krankheit. Die wenigsten Menschen besitzen
so viel physiologisches Verständnis, dass sie diesbezüglich nicht zu
viel fragen. Ein gütiges Geschick hat uns die Zukunft verhüllt. Wenn
w'ir sie klar von Augen sähen, könnten wir sie wohl nicht ertragen.
Einzelne glauben nun mit Hilfe des Arztes den Schleier wegziehen
zu dürfen. Wenn sie es tun, so rauben sie sich dadurch ihre Seelen¬
ruhe und dulden schwere Qual. Prophezeien ist an und für sich
schon eine sehr heikle Sache. Aber was wir auch ganz sicher zu
wissen glauben, vermögen w-ir nicht ganz sicher zu behaupten. Denn
die Faktoren, mit denen man dabei zu rechnen hat, sind unbekannt
und unberechenbar. Dazu kommt, dass die Stellung des Einzel¬
menschen zum Tod, die das Geheimnis jedes Einzelnen ist, den meisten
völlig unbekannt ist und dass die wenigsten sich je die Mühe ge¬
nommen haben, darüber nachzudenken. Die meisten wollen sich
darum gar nicht kümmern. Viele Kranke aber richten unbekümmert
darum an den Arzt die Frage nach der Prognose und behaupten, sie
könnten die volle Wahrheit hören. Die meisten aber wollen vom
Arzt gar nicht das wissen, was sie fragen, sondern sie wünschen nur
die Bestätigung ihrer Hoffnung, dass die Krankheit nicht so schlimm
sei. Viele geben dies offensichtlich dadurch zu erkennen, dass sie
im gleichen Atemzuge mit der Behauptung, sie könnten alles hören,
die Frage anschliessen: „Nicht wahr, es ist nichts Schlimmes?“ Die
Allerwenigsten nur haben die Seelengrösse eines bekannten verstor¬
benen Klinikers, der sich mit dem vollen Bewusstsein, dass er ein
Aneurysma aortae in sich trug, von seinen Hörern verabschiedete und
wenige Tage später daran zu gründe ging. Das Publikum verlange
daher nichts Unmögliches von den Aerzten. Guter Wille kann zum
Ziele führen und kann das Verhältnis zwischen Kranken und Arzt in
absehbarer Zeit wieder glücklicher gestalten. K. H.
Gerichtliche Entscheidungen.
Gegen einen Naturheilkundigen, Paul M i s t e 1 s k y
mit Namen, verhandelte gestern bis zum späten Abend die 175. Ab¬
teilung des Schöffengerichtes Berlin-Mitte in einer Anklage wegen
Betruges. Der Angeklagte ist schon mehrmals wegen Gewerbe¬
vergehens vorbestraft und vor Kurzem wegen unbefugter Führung
des Profcssortitels und Betruges zu 1000 M. Geldstrafe verurteilt
worden. Zum gestrigen Termine waren nicht weniger als 10 medi¬
zinische Sachverständige geladen, darunter vom Gericht der Geh.-
Rat Prof. Dr. Frankel, Medizinalrat Dr. Störmer, Dr. med.
Neu haus und Dr. Hirsch. Der Angeklagte ist Direktor eines
Institutes, in dem die Heilkunst mittelst der Oszillationsrncthode,
Lichtbäder, elektrische Bäder, Massage etc. ausgeübt wird. Zur
Anklage standen zwei Fälle. In dem ersten war ein Buchdrucker
Emil Schulz, der an vorgeschrittenem Krebs des Schlundes und Kehl¬
kopfes litt und als ungeheilt aus der Charite entlassen war, da er
sich nicht einer Radikaloperation unterwerfen wollte, auf Grund der
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No. I
umfangreichen Reklame Mistelskys in dessen Institut gekommen
und hatte sich in dessen Kur begeben. Der Patient soll, wie behauptet
wärd, die Kur nur deshalb begonnen haben, weil ihm der Angeklagte
gesagt habe, er wiirde ihn nach 30 Behandlungen w'ieder herstellen¬
in dieser Zuversicht soll der Patient den Abonnementspreis 3. Klasse
für 30 Behandlungen mit 100 M. bezahlt haben. Nach 18 Besuchen
ist der Patient gestorben. Der Angeklagte w r urde dann von be¬
teiligter Seite vergebens aufgefordert, das Honorar für die nicht
zu Stande gekommenen Besuche herauszuzahlen. Er wurde verklagt,
siegte aber in erster Instanz. Daran schloss sich dann eine Straf¬
anzeige. Im zw eiten Falle soll der Angeklagte einem nervenleidenden
Patienten fälschlich gesagt haben, er sei Rückenmärker und könne
als solcher nicht hoffen in eine Lebensversicherung aufgenommen zu
w r erden, w ohl aber könne dies geschehen, wenn er sich einer Kur im
M i s t e I s k y sehen Institut unterziehe. Dadurch soll der Patient
sich haben bewegen lassen, sich einer ergebnislosen Kur in der
zweiten Ahonnemcntsklasse zu 150 M. zu unterwarfen. Der Ange¬
klagte bestritt entschieden, sich schuldig gemacht zu haben und ver¬
trat u. a. den Standpunkt, dass nach seiner Ueberzeugung auch Krcb>
durch seine Methode heilbar sei — eine Behauptung, der seitens des
Geh.-Rats Prof. Fränkel und des Medizinalrats Dr. Störmer
auf das energischste bestritten wurde. Im Uebrigen kam es zu
stundenlangen Erörterungen medizinischer Natur, die sich auf die
Kurmethode des Angeklagten und dessen unzulängliche medizinische
Kenntnisse erstreckten. Der Staatsanw r alt hielt in den beiden
Fällen den Angeklagten des Betrugs für völlig überführt und bean¬
tragte 10 Monate Ge f ä n g n i s und 500 Geldstrafe. Der Ver¬
teidiger beantragte dagegen die Freisprechung. Der Gerichtshof er¬
kannte auf 5 Monate Gefängnis. In der Begründung hob der
Vorsitzende u. a. hervor, dass der Angeklagte trotz seiner geringen
medizinischen Ausbildung, z. T. sogar absoluten Unkenntnis in medi¬
zinischen Dingen, sich auf Dinge einlasse, für die seine Fähigkeiten
durchaus nicht ausreichen. In den beiden Anklagefällen habe er
durch falsche Vorspiegelungen die Patienten ge¬
täuscht. Ein zweites Betrugsverfahren gegen ihn schwebe
ja auch noch in der Berufungsinstanz. Betrugsfälle auf dem
Gebiete der Heilkunde müssen energisch geahndet
werden, da sie eine grosse Gefahr für das Publikum
bedeuten und grosser Schaden angerichtet wer¬
den könne. Voss. Ztg.
Die geschäftliche Verbindung eines Arztes mit diesem selben
Mistelsky für „jämmerlich“ erklärt zu haben, w'urde in Mün¬
chen von zwei Gerichtshöfen als straibare Beleidigung betrachtet.
Ein Münchener Richter hat es sogar als nicht ausgeschlossen erachtet,
„dass ein Arzt, der eine solche Verbindung eingehc, doch ein an¬
ständiger Mensch bleibe“. Es gibt noch Richter — in Berlin!
Galerie hervorragender Aerzte und Naturforscher.
Der heutigen Nummer liegt das 236. Blatt der Galerie bei: Adolf
Sch m i d, Nekrolog siehe Seite 139.
Therapeutische Notizen.
Zur Behandlung der Blutkrankheiten gibt Erich
Meyer- München einige beachtenswerte Anhaltspunkte (Ther.
Monatshefte 1908, 12). Die Eisentherapie vermag besonders
nach schweren Blutverlusten eine baldige Besserung herbeizuführen.
Kontrolluntersuchungen bei Kranken, die eine Magenblutung iiberstan-
den hatten, ergaben, dass bei Eisendarreichung die Zunahme des
Hämoglobingehaltes eine viel beträchtlichere w'ar als ohne eine solche.
Auch bei Chlorose ist der Erfolg der Eisentherapie ein unverkenn¬
barer, wie ebenfalls Kontrolluntersuchungen bestimmt ergeben haben.
Als bestes Eisenpräparat sind immer noch die B 1 a u d sehen Pillen
anzusehen. Nach M.s Erfahrungen ist die Wirkung des Eisens be¬
sonders dann eine sichere, wenn die Zahl der Erythrozyten normal
oder nur wenig herabgesetzt, und das charakteristische des Blut¬
befundes der Mangel an Hämoglobin ist.
Vielleicht wirkt das Eisen anregend auf die Hämoglobinbilduns.
Bei perniziöser Anämie wirkt das Eisen nicht. Bei dieser Krank¬
heit findet sich bekanntlich relativ hoher Hämoglobingehalt bei sehr
niederer Erythrozytenzahl. Hier hilft Arsen, das vielleicht reizend
auf die Stätten der Erythrozytenproduktion wirkt. Arsenik ist durch
das neuerdings empfohlene Atoxyl nicht verdrängt.
Im Gegensatz zu den Anämien stehen die Fälle von Plethora
v e r a, die neuerdings unter dem Bilde der Polyzythämie oder Poly¬
globulie wieder zu Ehren gekommen sind. M. hat in München in kur¬
zer Zeit eine ganze Reihe von derartigen Zuständen gesehen. Bei
der Therapie dieser Erkrankung werden ausgiebige Aderlässe indi¬
ziert sein. Auch die Verabreichung einer schmalen, mehr vegetabili¬
schen Kost ist angezeigt.
Die Behandlung der Leukämie mit Röntgenstrahlen ver¬
mag zweifellos in vielen Fällen gute Erfolge zu zeitigen. Im all¬
gemeinen werden bei der myeloiden Form die Erfolge besser sein
w r ie bei der lymphatischen; der Unterschied erklärt sich mit der ver¬
schiedenen Anatomie der einzelnen Formen. Die Dosierung der Be¬
strahlung hat sich nicht allein nach der Leukozytenzahl und nach den
Leukozytenformen zu richten, sondern besonders nach der Zahl der
Erythrozyten und nach dem Hämoglobinwert. Kr.
Original ffom
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
0. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
159
Bei der Therapie des Keuchhustens empfiehlt
-/er i> y - Breslau der psychischen Behandlung mehr Auf-
nerksamkert zu schenken (Ther. Mon.-Hefte 12, 1908). Die Wirkung
ast alleT Behandlungsmethoden beruht auf Suggestion. Am emp-
dilenswertesten ist die Isolierung. Die Isolierung der Kinder muss
n der Weise geschehen, dass es kein anderes Kind husten hört oder
ielit. Im Krankenhaus kann man es ruhig unter Kinder mit anderen
(rankbeiten legen. Die Uebertragung von Keuchhusten durch ein im
3ett gehaltenes Kind kommt nicht vor. Der „Luftwechsel“ ist die
icste Methode der Isolierung. Kr.
Tagesgeschichtliche Notizen.
München, 18. Januar 1909.
— Der Referent für Medizinalangelegenheiten im bayerischen
Ministerium des Innern, Geheimrat Dr. v. G r a s h e y, der im Laufe
dieses Jahres das 70. Lebensjahr vollendet, tritt am 1. Februar in
den Ruhestand, nachdem er mehr als 12 Jahre lang dem bayerischen
Medizinalwesen vorgestanden hat. Ruhe und Sicherheit, markante
Charaktereigenschaften dieses seltenen Mannes, kennzeichneten auch
die Periode seiner Amtsführung. Reich an aufregenden Phasen war
sie nicht, dagegen war es eine Zeit ruhiger Entwicklung, in der das
bayerische Medizinalwesen auf seiner traditionellen hohen Stufe er¬
halten wurde. Für die bayerischen Aerzte von besonderer Bedeutung
war Geheimrat v. Grasheys wohlwollende Stellung den ärztlichen
Organisationsbestrebungen gegenüber, die es, sehr im Gegensatz zu
anderen Bundesstaaten, auch den Amtsärzten ermöglichte, die Be¬
wegung ihrer Kollegen mitzumachen. Mit Bedauern sehen daher die
bayerischen Aerzte und Amtsärzte diesen bedeutenden Mann und vor¬
nehmen Charakter aus seiner hohen Stellung scheiden; ihre besten
Wünsche für ein gesegnetes Otium cum dignitate begleiten ihn in
das Privatleben.
An seiner Stelle ist der bisherige Oberstabsarzt und Dozent am
Operationskurs fiir Militärärzte in München, Prof. Dr. Dieudonne
zum Medizinalreferenten im Ministerium des Innern ernannt wor¬
den. Oberstabsarzt Dieudonne genicsst als wissenschaftlicher
Hygieniker, besonders als Bakteriologe, einen ausgezeichneten Namen.
Seine Wahl beweist, dass man in leitenden Kreisen die Hygiene als
das Fundament des staatlichen Medizinalwesens und des amtsärzt¬
lichen Dienstes betrachtet, was sie nach der ganzen modernen Ent¬
wicklung der Staatsmedizin auch zweifellos sein muss. Wie Herr
Ministerialrat Dieudonne sich in militärärztlichen Kreisen des
höchsten Ansehens erfreut, so hat er auch nach seiner Uebersiedelung
nach München die Sympathien der Zivilärzte sich rasch gewonnen.
So wählte ihn der Aerztiiche Verein München schon nach kurzer Mit¬
gliedschaft zum Vorsitzenden für das Jahr 1908. Das Vertrauen der
Kollegen folgt ihm auch in seine neue Stellung.
Ueber die bisherige Laufbahn des neuen Medizinalreferentcn
erfahren wir noch folgendes: Dr. Adolf Dieudonne, geboren 1864
zu Stuttgart, war in den Jahren 1893—1898 zum Kaiserl. Ge¬
sundheitsamt in Berlin kommandiert und hatte dort das Referat über
Serumtherapie und eine amtliche Sammelforschung über die Erfolge
des Diphtherieheilserums in den Krankenhäusern Deutschlands zu
bearbeiten. Im Jahre 1897 ging er als Mitglied der vom Deutschen
Reich zur Erforschung der Pest entsendeten Kommission unter Füh¬
rung des Geheimrats Dr. Koch nach Indien. Von 1898—1904 wirkte
er in Wiirzburg als Stabs- und Garnisonsarzt; er war dort mit der
Leitung der bakteriologischen Untersuchungsstation beim General¬
kommando des II. bayer. Armeekorps betraut und hatte ausser den
bakteriologischen und hygienischen Untersuchungen zahlreiche Gut¬
achten, insbesondere bei Militärbauten und beim Ausbruch von Seu¬
chen zu erstatten, ausserdem hielt er Vorlesungen an der Universität.
>eit dem Jahre 1904 Oberstabsarzt und Dozent am Operationskurs für
Militärärzte in München, hielt er die Vorbildungskurse für die aktiven
Militärärzte und die der Reserve ab und hatte ausserdem die bak¬
teriologische Untersuchungsstation zu leiten und zahlreiche Gut¬
achten für das Kriegsministerium und das Generalkommando des
1. Armeekorps, namentlich über Seuchenbekämpfung, Bauhygiene und
Wasserversorgung abzugeben. Gleichzeitig hielt er an der Uni¬
versität München Vorlesungen über Immunität, Schutzimpfung und
Serumtherapie sowie über Tropenhvgiene und Tropenkrankheiten; im
•lahre 1906 wurde er zum Honorarprofessor an dieser Universität er¬
nannt. Aus der reichen literarischen Tätigkeit Dieudonnös sei
sein Werk „Immunität, Schutzimpfung und Serumtherapie“ hervor¬
gehoben, das vor kurzem in 5. Auflage erschienen ist.
Der Medizinalreferent im Ministerium des Innern führte bisher
üen Titel „Obermedizinalrat“. Seit Einführung des neuen Beamten¬
gesetzes hat der Medizinalreferent Titel und Rang eines Ministerial¬
rates; die Bezeichnung Obermedizinalrat kommt in Wegfall.
— Zu ordentlichen Mitgliedern des Ober-Medizi nalaus-
schusscs wurden ab 1. Januar 1909 auf die Dauer von vier Jahren
Allerhöchst ernannt: Die Professoren, Geheimrat Dr. v. B o 11 i n g e r.
Deheimrat Dr. v. A n g e r e r, Geheimrat und Direktor des Kranken¬
hauses Dr. v. Baue r, Obermedizinal rat Hof rat Dr. Max G r u b e r,
noirat Dr. Max W o h 1 m u t h, Hofrat Dr. E v e r s b u s c h, Direktor
Dr. D ö d e r 1 e i n und Hofrat Dr. K r a e p e 1 i n; letzterer wurde an
stelle des verstorbenen Geheimrats Dr. v. V o i t neu zum Mitglied
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des Obermedizinalausschusses ernannt, die übrigen Herren gehörten
bereits dieser Körperschaft an. Zu ausserordentlichen Mitgliedern
wurden ernannt: für pharmazeutische Angelegenheiten Prof, und
Kaiserl. Geh. Regierungsrat Dr. Paul und Hofrat Apotheker Dr.
v. P i e v e r 1 i n g, sowie für tierärztliche Angelegenheiten Ober¬
regierungsrat Landestierarzt Dr. Vogel, Hofrat Prof. Dr. A 1 -
brecht, Kreistierarzt Dr. Schwarzmaier und Prof. Dr. Kitt
von der Tierärztlichen Hochschule. Nachdem der bisherige Vor¬
sitzende des Obermedizinalausschusses, Geheimrat Dr. v. G r a s h e y,
ab 1. Februar in den Ruhestand tritt, wird der Obermedizinalaus¬
schuss von diesem Tage an auch einen neuen Vorsitzenden, den neu¬
ernannten Ministerialrefei enten für Medizinalwesen im Staatsmini¬
sterium des Innern, Ministerialrat Dr. Dieudonne, erhalten.
— Der Bezirksverein der Aerzte des Regierungsbezirks Stet-
t i n hat eine Kommission zur Bekämpfung der Homöo¬
pathie gebildet. Deren Aufgabe soll sein, Material über die Tätig¬
keit der Homöopathen zu sammeln, Aerzte und Laien über das Wesen
der Homöopathie aufzuklären, die Dispensierfreiheit der homöo¬
pathischen Aerzte zu bekämpfen etc. Die wissenschaftlichen medi¬
zinischen Vereine, die medizinischen Fakultäten und die Fachpresse
sollen zur Mitarbeit aufgefordert werden.
— Der Beleidigungsprozess Kastl, Joos, Daxenberger
gegen Q u i d d e, ein Nachspiel zum Hutzler-Prozess (vergl. d. W.
1908, No. 16) endete am 16. ds. damit, dass der Beklagte, Dr. Quidde.
den gebrauchten Ausdruck (Infamie) mit Bedauern zurücknahm und
die Kosten des Verfahrens trägt.
— Prof. S a n f e 1 i c e in Messina, dessen interessante For¬
schungen zur Aetiologie der Geschwülste in unserer vorigen Nummer
besprochen wurden und über dessen Schicksal nach der Katastrophe
in Messina zunächst nichts bekannt war, ist, wie die Voss. Ztg. mit¬
teilt, gerettet und befindet sich in Neapel.
— Der Vorstand der Robert Koch-Stiftung zur Be¬
kämpfung der Tuberkulose wählte Andrew Carnegie einstimmig
zu seinem Ehrenmitgliede.
— Dem Pensionsverein für Witwen und Waisen
bayerischer Aerzte wurden von dem verstorbenen Kgl. Hof¬
rat und Universitätsprofessor Dr. Friedrich Bezold in Miificheu
5000 M. testamentarisch zugewiesen. Besten Dank dem edlen Geber,
dem wir stets ein ehrendes Andenken bewahren werden.
— Zur Bekämpfung der Tuberkulose und des Krebses hat der
kürzlich gestorbene Majoratsherr der Herrschaft Lubie bei Gleiwitz,
Landesültestcr v. B a i 1 d o n - B r i e s t w e 11 der Universität Breslau
100 000 M. vermacht.
— Der 7. internationale Kongress für Hydro¬
logie, Klimatologie, Geologie und physikalische
Therapie findet vom 4. bis 10. April in Algier statt. Mit dem
Kongress ist eine Ausstellung verbunden. Vor und nach dem Kongress
werden grössere Exkursionen veranstaltet.
— ln Meran hat sich ein wissenschaftlicher Verein unter dem
Namen „Meraner medizinische Gesellschaft“ gebildet.
— Von neuen Zeitschriften liegt uns in dieser Woche vor das
erste Heft eines „Archiv für die Geschichte der Natur¬
wissenschaften und der Techni k“, das im Verlag von
F. C. W. V o g e I in Leipzig von Karl v. B u c h k a und C. Schäfer
in Berlin, H. Stadler- München und Karl S u d h o f f - Leipzig
herausgegeben wird. Das Archiv erscheint in zwanglosen Heften,
von denen 6 einen Band bilden. Preis des Bades 20 Mk. Das Archiv
ist mehrsprachig; das erste Heft enthält Beiträge in deutscher, fran¬
zösischer und italienischer Sprache.
— International ist auch die bei J. Ambrosius Barth in
Leipzig neu erscheinende „Malaria“, die unter Mitwirkung von Ronald
Ross-Liverpool für England, MacCallum -Baltimore für die
Vereinigten Staaten, Nocht für Deutschland, S e r ge n t- Algier für
Frankreich und Angelo Celli für Italien von C. Mense in Kassel
herausgegeben wird. Dieses dem Studium der Malaria gewidmete
„Internationale Archiv“ soll alle drei Monate erscheinen und 20 M.
für den Jahrgang kosten.
— In ihren 50. Jahrgang ist die „Therapie der Gegen¬
wart“ eingetreten, die bis zum Jahre 1895 unter dem Titel „Medi¬
zinisch-chirurgische Rundschau“ als eines der wenigen damals
existierenden referierenden Blätter erschienen war. Die Redaktion
feiert das Jubiläum durch Herausgabe einer Festnummer, in der fünf
Nestoren der Medizin (v. Leyden. Erb, König, W. A. Freund
und He gar) die Wandlungen der medizinischen Hauptfächer in
den letzten 50 Jahren besprechen.
— Das Medizinische Warenhaus A.-G. in Berlin hat
einen neuen Katalog erscheinen lassen: Liste 32, Gesundheits- und
Krankenpflege-Artikel. Der Katalog wird Interessenten auf Wunsch
unentgeltlich zugesandt.
— Der nächste Zyklus der Ferienkurse der Berliner Do¬
zentenvereinigung beginnt am 4. März 1909 und dauert bis zum
31. März 1909 und die unentgeltliche Zusendung des Lektionsver¬
zeichnisses erfolgt durch Herrn M e 1 z e r, Ziegelstrasse 10/11 (Lan-
genbeckhaus). welcher auch sonst hierüber jede Auskunft erteilt
— St. Blasien im badischen Schwär z w a I d. Im
Dezember 1908 ist das Sanatorium für innere Krankheiten, be¬
sonders für Erkrankungen des Stoffwechsels. Nervensystems und der
Kreislauforgane. „Villa Luisenheim“ mit dem „Hotel und
Original fro-rri
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160
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 3.
Kurhaus St. Blasien“ unter vollständiger Erhaltung des Cha¬
rakters der einzelnen Anstalten vereinigt worden. Durch diese Ver¬
schmelzung wird die Unterbringung der Patienten in die für ihren
Gesundheitszustand angemessene Anstalt ganz besonders erleichtert.
Das „Sanatorium Villa Luisenheim“ ist das ganze Jahr geöffnet; die
ärztliche Leitung beider Anstalten ruht in den Händen des Herrn Hof¬
rat Dr. Determann.
— Cholera. Russland. Nach den amtlichen Ausweisen vom
26. Dezember 1908 und 2. Januar 1909 betrug die Gesamtsumme der
Erkrankten (und Gestorbenen) in der ersten Berichtswoche 144 (56),
in der zweiten 138 (40). Für die am 17. bezw. 19. Dezember abge¬
laufene Vorwoche stellte sich die Gesamtzahl nach neueren amtlichen
Mitteilungen auf 201 (86). Insgesamt sind seit Beginn der vorjährigen
Epidemie bis zum 31. Dezember bezw. 2 Januar in ganz Russland
30 157 Erkrankungen und 14 253 Todesfälle an der Cholera gemeldet
worden. Am Schlüsse des Jahres waren Riga und Dorpat angeblich
cholerafrei, nachdem in Dorpat der letzte Cholerakranke am 26. De¬
zember gestorben und in Riga der letzte Cholerakranke am 24. De¬
zember geheilt aus dem Krankenhause entlassen war. — Straits Settle¬
ments. In Singapore sind vom 27. November bis 5. Dezember v. J.
an der Cholera 26 Personen erkrankt (und 24 gestorben), vom 4. bis
10. Dezember 12 (13).
— Pest. Türkei. In Bagdad sind vom 21. bis 27. Dezember
v. J. 3 Personen an der Pest erkrankt und 1 gestorben. Zufolge einer
Mitteilung vom 2. Januar sind in Beirut 5 Fälle von Lungenpest vor¬
gekommen, von denen 2 alsbald tödlich verlaufen sind. — Japan. Vom
1. bis 16. Dezember sind in der Stadt Kobe 18, in der Stadt Nischino-
miya 11, auf der Insel Awaji 3 Personen an der Pest erkrankt,
während nach den neueren, amtlichen Angaben in den Monaten
Oktober und November v. J. in Kobe 24, in Nischinomiya 40 und auf
Awaji 53 Pestfälle vorgekommen waren; von je 5 Pestkranken sollen
.4 gestorben sein. In Osaka soll zufolge einer Mitteilung vom 17. De¬
zember die Pest neuerdings wieder ausgebrochen sein. — Queens¬
land. In Brisbane wurde ein neuer tödlich verlaufener Pestfall am
5. November v. J. festgestellt.
— In der 53. Jahreswoche, vom 27. Dezember 1908 bis 2. Januar
1909, hatten von deutschen Städten über 40 000 Einwohner die
grösste Sterblichkeit Buer mit 31,0, die geringste Bielefeld mit 8,9
Todesfällen pro Jahr und 1000 Einwohner. Mehr als ein Zehntel aller
Gestorbenen starb an Scharlach in Königshütte, Zabrze, an Masern
und Röteln in Barmen, Mainz, Thorn, an Diphtherie und Krupp in
Erfurt, Linden. V. d. K. G.-A.
(Hochschulnachrichten.)
Hamburg. Der Direktor des Eppendorfer Krankenhauses, Prof.
Dr. Lenhartz, wurde vom Grossherzog von Oldenburg zum Geh.
Sanitätsrat ernannt.
Kiel. Dem Oberarzt der Universitätsklinik für Geburtshilfe und
Frauenkrankheiten (Direktor: Prof. Dr. Pf a n n e n st i e 1), Privat¬
dozenten Dr. H o e h n e, ist der Titel Professor verliehen worden.
Köln. Dem Chefarzt der chirurgischen Abteilung des evangeli¬
schen Krankenhauses, Dr. E. Martin, zugleich Dozent für Chirurgie
an der Akademie für praktische Medizin, ist der Professortitel ver¬
liehen worden.
P a v i a. Der ausserordentliche Professor der Dermatologie und
Syphiligraphie Dr. U. Mantegazza wurde zum ordentlichen Pro¬
fessor ernannt.
Wien. Die mit dem Titel eines ausserordentlichen Universitäts¬
professors bekleideten Privatdozenten, Primarärzte J. Pal,
Fr. K o v a c s und Fr. Obermayer wurden zu ausserordentlichen
Professoren der inneren Medizin ernannt (vergl. vor. No.).
(Todesfälle.)
Der Reichstagsabgeordnete, Geh. Sanitätsrat Dr. Ruegen-
b e r g in Bonn, Vertreter des Wahlkreises Koblenz 6, ist im 64. Le¬
bensjahre gestorben. Er gehörte dem Reichstage seit 1903, dem
preussischen Abgeordnetenhause seit 1898 und zwar als Zentrumsabge¬
ordneter an. Für ärztliche Interessen ist er stets mit Wärme einge¬
treten. Sein Tod ist ein um so schwererer Verlust, als wichtige, den
ärztlichen Stand berührende Vorlagen in Aussicht stehen.
Sammlung
fiir die durch die Katastrophe in Süditalien betroffenen Aerzte und
deren Hinterbliebenen:
Uebertrag M. 790.—, Honorareinnahme des Unfall-Gutachter-
Kollegs des Aerztlichen Bezirksvereins München M. 80.—, Dr. S c h r ö-
d e r - München M. 50.—, Dr. M. Wassermann - München M. 25.—,
Privatdozent Dr. R i e 1 ä n d e r - Marburg M. 5—, Dr. Jordan-
München M. 15.—, Dr. S e g g e 1 - Geestemünde M. 10.—, Dr. V o 1 -
h a r d - Mannheim M. 10.—, Dr. R. in A., M. 5.—, Dr. Kaufmann-
Mannheim M. 5.—, Dr. M. Schwab- Berlin M. 10.—, Ungenannt-
Speyer M. 20.—, Pfarrer B i n d e r - Kirchheim und Teck M. 2.—,
Dr. F r a n k - Kirchheim und Teck M. 3.—, Frau Agnes Kuhn- Kirch¬
heim und Teck M. 5.—, Privatdozent Dr. Grashey -München
M. 5.—, Dr. Nassauer - München M. 10.—, Dr. P e r u t z - München
M. 15.—, Dr. T o f f - Braila M. 10.—, Dr. P e m e r 1 - München
M. 10.—, Geheimrat Leopold- Dresden M. 25.—, Dr. J. S.-Roda
M. 20.—, Dr. Karl Kolb- München M. 10.—, Dr. Cords- Leipzig
M. 10.—, F. K.-München M. 25.—, Generalstabsarzt der Armee Dr.
v. B e s t e 1 m e y e r - München M. 20—, Dr. G e s s e 1 e - Traunstein
M. 25.—, Hofrat Ostermaier -München M. 10.—, Dr. Wolfi-
E i s n e r - Berlin M. 7.50, Ungenannt M. 2.50, Prof. Schmieden-
Berlin M. 10.—, Dr. D r e y e r - München M. 20.—, Dr. Albert-
Pfälzische Heilstätte bei Ramberg M. 20.—, Dr. Hartmann-
Leipzig Co M. 20.—, Hofrat Dr. Mader - München M. 20.—, Proi.
Dr. Müller- Rostock M. 25.—, Dr. E. F i s c h b a c h - Karlsruhe
Morgenroth - Berlin M. 20.—, Privatdozent Dr. F1 ö r c k e n -
Würzburg M. 3.—, Geheimrat Moritz- Strassburg M. 20.—. Summe
M. 1418.—.
Weitere Beiträge werden dankend entgegengenommen.
(Mitarbeiter der M. M. W., welche Beiträge zu leisten gedenken,
werden diese der Einfachheit halber am besten am Honorarkonto in
Abzug bringen lassen.)
Die Redaktion der Münch, med. Wochenschr.
München, Arnulfstr. 26.
Generalkrankenrapport Ober die K. Bayer. Armee
für den Monat November 1908.
Iststärke des Heeres:
68184 Mann, 176 Kadetten, 170 Unteroffiziersvorschüler.
Mann
Kadetten
»SS
1. Bestand waren
am 31. Okt. 1908:
1209
—
_4L
im Lazarett:
1423
2
2gj
2. Zugang:
im Revier:
1827
7
in Summa:
3250
9
Hl
Im ganzen sind behandelt:
4459
9
°/«o der Iststärke:
65,4
51,1
iBj
dienstfähig:
2796
6
°/oo der Erkrankten:
627,0
666,7
sSS
gestorben:
4
—
m
°/ü oder Erkrankten:
dienstunbrauchbar:
0,90
—
1
mit Versorgung:
40
—
i
3. Abgang:
ohne „
Auf Orund vor der
1
—
■j
Einstellung in den Militär-
dienst vorhanden ^ewese-
I
brauchbar erkannt und
entlassen:
110
anderweitig:
96
—
fl®
in Summa:
3047
6
4. Bestand
bleiben
30. Nov. 1908:
in Summa:
1 °/oe der Iststärke:
1412
20,7
3
17,0
«9
davon im Lazarett:
l davon im Revier:
1046
366
2
1
1
1
Von den in Ziffer 3 aufgeführten Gestorbenen haben gelitten an:
Rippentuberkulose, Hirnentzündung, Lungen- und Bauchfellent¬
zündung je 1.
Ausserhalb der ärztlichen Behandlung starben 2 Mann durch
Ueberfahrenwerden (1 Zerreissung innerer Organe, 1 Zertrümmerung
des Schädels), 2 Mann begingen Selbstmord (Erschiessen und Ueber-
fahrenlassen).
Der Gesamtverlust der Armee durch Tod betrug demnach im
Monat November 8 Mann.
Uebersicht der Sterbefälle in München
während der 53. Jahreswoche vom 27. Dez. 1908 bis 2. Jan 1909.
Bevölkerungszahl 556 000.
Todesursachen: Angeborene Lebensschw. (I. Leb.-M.) 20 (9 l ).
Altersschw. (iib. 60 Jahre) 4 (3), Kindbettfieber 2 (—), and. Folgend.
Geburt — (—), Scharlach 2 (6), Masern u. Röteln 2 (5), Diphth. u.
Krupp 4 (4), Keuchhusten 1 (1), Typhus — (—), übertragb. Tierkrankh.
— C—), Rose (Erysipel) 2 (i), and. Wundinfektionskr. (einschl. Blut*
u. Eitervergift.) 4 (2), Tuberkul. d. Lungen 26 (34), Tuberkul. and.
Org. 3 (—), Miliartuberkul. 1 (—), Lungenentzünd. (Pneumon.) 15 (18),
Influenza — (1), and. übertragb. Krankh. 3 (3), Entzünd, d. Atmungs*
organe 9 (3), sonst. Krankh. derselb. 1 (3), organ. Herzleiden 19 (26),
sonst. Kr. d. Kreislaufsorg, (einschl. Herzschlag) 6 (9), Gehirnschlag
7 (9), Geisteskrankh. 3 (3), Fraisen, Eklamps. d. Kinder 6 (4), and.
Krankh. d. Nervensystems 5 (3), Magen- u. Darm.-Kat, Brechdurchfall
(einschl. Abzehrung) 14 (24), Krankh. d. Leber 4 (2), Krankh. des
Bauchfells 1 (1), and. Krankh. d. Verdauungsorg. 1 (4), Krankh. d.
Harn- u. Geschlechtsorg. 4 (5), Krebs (Karzinom, Kankroid) 13 (13),
and. Neubildg. (einschl. Sarkom) 3 (5), Selbstmord 2 (—), Tod durch
fremde Hand — (—), Unglücksfälle 4 (6), alle übrig. Krankh. 7 (6).
Die Gesamtzahl der Sterbefälle 198 (213), Verhältniszahl auf
das Jahr und 1000 Einwohner im allgemeinen 18,5 (19,9), für die
über dem 1. Lebensjahre stehende Bevölkerung 13,2 (14,5).
*) Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die Fälle der Vorwoche.
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Diese Nummer enthält 56 Seiten Text.
Die Münchener Mediz. Wochenschrift erscheint wöchentlich im
Umfang von durchschnittlich 6—7 Bogen. • Preis der einzelnen
Nummer 80 • Bezugspreis in Deutschland und Ausland siehe
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MÜNCHENER
Zusendungen sind zu adressieren: Für die Redaktion Arnulf*
Strasse 26. Bureauzeit der Redaktion von 8»/*—1 Uhr. • Für
Abonnement an J. F. Lehmann. Paul Heysestrasse 26. • Für
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Medizinische Wochenschrift.
ORGAN FÜR AMTLICHE UND PRAKTISCHE ÄRZTE.
Herausgegeben von
O.r.ingerer, Ch. Bäumler, 0. r. Boltioger, H. CarscbmaDO, H. Uelferich, W. r. Leabe, 6. v. Merkel, J. v. Hiciiel, F. Peozoldt, H. f. Ranke, B. Spatz, P. ?. Winckel,
München. Freiburg i. B. München. Leipzig. Eisenach. WÜrzburg. Nürnberg. Berlin. Erlangen. München. München. Mönche«.
No. 4. 26. Januar 1909.
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
Verlag: J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 15 a.
56. Jahrgang.
Bezugsbedingungen : Die Münchener mediz. Wochenschrift kostet im Vierteljahr in Deutschland direkt vom Verlag sowie bei allen Postanstalten und Uuchnandiungen
Mk. 6.—, nach dem Auslande Mk. 8.—, nach Oesterreich-Ungarn und Luxemburg Mk. 7.—. Billiger und zu empfehlen ist der Bezug durch die Postämter in
Belgien (Frk. 8.08), Dänemark (Kr. 6.07). Italien (Frk. 8.68), Luxemburg (Mk. 6.52), Niederlande (Fl. 4.15), Norwegen (Kr. 5.93), Oesterreich-Ungarn (Kr. 7.321^
Rumänien (Frk. 9.—), Russland: in Städten mit Zeitungspostämtern Rubel 2.85, bei den übrigen Postanstalten ohne Zustellgeb. Rubel 3.05, Schweden (Kr. 5.95),
Schweiz (Frk. 8.05).
I n h a I t:
Originalien: Henkel, Die Retroflexio uteri in der allgemeinen Praxis (Aus
der Kgl. Universitäts-Frauenklinik zu Greifswald.) S. 161.
F i e s s 1 e r, Zur Behandlung der Placenta praevia. (Aus der K. Universitäts-
Frauenklinik Tübingen.) S. 164.
Schultze, Zur Differentialdiagnose der Leukämien. (Aus dem patholo¬
gischen Institut der Universität Göttingen.) S. 167.
Rehn, Zur Behandlung der flachen Hautkarzinome. (Aus der chirurgischen
Universitätsklinik zu Königsberg.) S. 169.
Beck und Dohan, Ueber Veränderung der Herzgrösse im heissen und
kalten Bade. (Aus der Abteilung für Hydrotherapie und für Radiologie der
Allgemeinen Poliklinik in Wien.) (Ulustr.) S. 171.
Schenker, Weitere Beobachtungen in der Tuberkulosetherapie bei der An¬
wendung von Marmorekseram. S. 174.
Kromayer, Die Heilung der Hyperidrosis und der Seborrhoea oleosa durch
Röntgen. (Aus dem Ortskrankermause für Haut- und Geschlechtskrankheiten
in Berlin.) S. 176.
Orösz und Bin, Ueber Pyozyanasebehandlung der Diphtherie. (Aus der
internen Abteilung des Adele B r6dy- Kinderhospitals in Ofen-Pest.) (Illustr.)
S. 179.
Köhler, Phtysoremid. S. 180.
Geyer, Zur Syphilisbehandlung mit grauem Oel. S. 181.
Schomerus, Endemisches Auftreten der Angina pneumococcica. (Aus der
Entbindungsanstalt des allgemeinen Krankenhauses Hamburg - Eppendorf.)
S. 182.
Hoepffner, Ein Fall von Embolie in die Arteria radialis und ulnaris des
linken Armes. (Aus der Medizinischen Klinik zu Strassburg.) S. 183.
Beyer, Behandlung und Verhütung der nichttraumatischen Rentenneurosen.
S. 184.
Ranke, Bericht über die Tätigkeit der Fürsorgestelle für Lungenkranke des
Vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose in München. S. 187.
Kehr, Ein einfacher Linsenhalter für äugenärztliche Zwecke. (Illustr.) S. 189.
Vogel, Der klinisch-geburtshilfliche Unterricht mit besonderer Berücksichti¬
gung der antiseptischen Massregeln. S. 189.
fiücberanzeigen und Referate: Sacconaghi, IndirizzoalladiagnosideiTumori
addominali sotto forma di commento clinico alla palpazione dell addome.
Ref.: Dali’Armi-München. S. 190.
B u c u r a: Geburtshilfliche Therapie einschliesslich der Operationen für Aerzte
und Studierende. Ref.: Privatdoz. Dr. Schickele -Strassburg i. Eis. S. 190.
Rauzier: Traitö des Maladies des Viellards. Ref.: Privatdoz. Dr. Kerschen-
steiner-München. S. 190.
Politzer, Lehrbuch der Ohrenheilkunde. Ref.: Privatdoz. Dr. Scheibe-
München. S. 191.
Triepel, Die trajektoriellen Strukturen. Ref.: Prof. Sobotta-Würzburg.
S. 191.
Borst, Festschrift für G. E. v o n R i n d f 1 e i s c h. Ref.: Prof. Dr. G. H a u s e r -
Erlangen. S. 191.
Neueste Journalliteratur: Deutsches Archiv für klinische Medizin.
94. Bd., 6. u. 6 Heft. — Zeitschrift für Tuberkulose. Bd. XIII. Heft 4. —
Klinisches Jahrbuch. 20. Bd., Heft 1. — Beiträge zur klinischen Chirurg!©.
60. Bd., 1. u. 2. Heft. — Zeitschrift für Geburtshilfe und Gynäkologie.
63. Bd., 2. Heft. — Zentralblatt für Gynäkologie. No. 1. — Jahrbuch für
Kinderheilkunde. Bd. 68, Heft 4. — Berliner klinische Wochenschrift. No. 3.
— Deutsche medizinische Wochenschrift. No. 2. — Oesterreichische Literatur.
— Korrespondenzblatt für Schweizer Aerzte. 39. Jahrg., No. 1. — Spanische
Literatur. — Schiffs- und Tropenkrankheiten. — Inauguraldissertationen.
S. .192.
Aiswärtige Briefe: Briefe aus England. S. 202. — Briefe aus Moskau. S. 202.
"Vereins- and Kongressberichte: Berliner medizinisoheGesellschaft,
20. Januar 1909: A1 b u, Die Bewertung der Viszeralptose als Konstitutions¬
anomalie. S. 204.
Verein fürinnereMedizin zu Berlin, 18. Januar 1909. B1 a s c h k o,
Die klinische Verwertung der W ass ermann sehen Reaktion. — Nachtrag
vom 4. Januar 1909: Pies oh, Methode zur Bestimmung des Herzschlag¬
volums und Minutenvolums. S. 204.
Medizinische Gesellschaft zu Chemnitz, 21. Oktober 1908:
Clemens, 1. Rezidivierende Parotisschwellung. 2. Symmetrische Sklero¬
dermie. 3. Neuere Behandlungsmethoden der Herzkrankheiten. — Demon¬
stration. S. 205.
Aerztlicher Bezirksverein Erlangen, 10. Dezember 1908: Demon¬
strationen. — H&uck, Die praktische Bedeutung der Wassermann-
Neisser-Brucksehen Syphilisreaktion. — Htiffe 1, Ueber Icterus gravis
bei Neugeborenen. S. 205.
Aerztlicher Verein in Hamburg, 12. Januar 1909: Demonstration.
S. 206.
Biologische Abteilung des ärztlichen Vereins in Hamburg,
10. November 1908: Simmonds, Ueber primären Darmmilzbrand. —
Holz mann, Ueber Magentuberkulose. — Demonstration. — Kissling.
Metastasierende Aktinomykose. — Pasohen, Ueber Schafpocken. S. 207.
Naturwissenschaftlich-medizinische Gesellschalt zu Jena,
17. Dezember 1908: Demonstrationen. — Sticke 1, Ueber Geburtsstörungcn
durch Missbildungen. — Hartm&nn, Bestimmungen der Gerinnungszeit
des Blutes nach der Bürkersehen Methode. — Busse, Ueber die Fehler¬
grösse beim Opsoninversuch. S. 209.
PhysiologisoherVereininKiel,30. November 1908: Demonstrationen.
— Wandel, Ein Fall von Raynaud scher Krankheit. — Hiller,
Röntgenuntersuchungen über Form und Lage des Magens. — Anschütz,
Die Bedeutung des Magensaftflusses für die Chirurgie. S. 209.
Allgemeiner ärztlicher Verein zu Köln, 19. Oktober 1908: D fees¬
mann, Ueber Pankreatitis. — 2. November 1908: Hopmann jun.,
Uebungstherapie bei Sprachstörungen. S. 210.
AerztlicherVereinzuMarburg.26. November 1908: Demonstrationen.
S. 210.
Militärärztliohe Gesellschaft München, 17. Dezember 1908: De¬
monstrationen. — Glas, Ueber transitorische, epileptische Bewusstseins¬
störungen mit Wandertrieb. S. 211.
Naturwissenschaftlich-medizinisoher Verein zu Strass¬
burg. 4. Dezember 1908: Ewald, Altes und Neues aus dem Gebiete der
physiologischen Akustik. S. 211.
Aus den Wiener medizinischen Gesellschaften: K. k. Gesell¬
schaft der Aerzte. S. 211.
Aus den französischen medizinischen Gesellschaften: Sociötö
de Chirurgie. — SociötÄ mödicale des höpitaux. S. 212.
Aus den englischen medizin. Gesellschaften: Liverpool Medical
Institution. — Royal Society of me die ine, Section of anaesthetics. S. 212.
Deutsche Gesellschaft für orthopädische Chirurgie. S. 213.
Deutsche tropenmedizinische Gesellschaft. S. 213.
Aus ärztlichen Standesvereinen: Aerztekammer für die Provinz Brandenburg
und den Stadtkreis Berlin. S. 213.
Verschiedenes: Der Entwurf einer Gebührenordnung für praktische Aerzte. —
Frequenz der deutschen medizinischen Fakultäten. Wintersemester 1908/09.
— Gerichtliche Entscheidungen. — Therapeutische Notizen: Chirur-
r che Nähnadeln. — Ueber Bürstenbäder. — Bekämpfung der Seekrankheit.
215.
Tagesgeschichtliche Notizen: Pro Italia medical. — Der Konflikt in Köln. —
Kurpfuschereigesetz. — StissstolTgcsetz. — Sohulärzte u. Berufswahl. —
Rotes Kreuz u. Hilfeleistung bei elementaren Ereignissen. — Schiedsgericht
für Arbeiterversicherung. — Kongressnachrichten. — Literarisches. —
Cholera. — Pest. — Mortalität in Deutschland. — Hochschulnach¬
richten: Berlin, Freiburg i. Br., München; Bern, Graz, Odessa, Wien. —
Legge, Dell’Isola, Diakonow f- S. 215.
Sammlung für die durch die Katastrophe in SUdit&lien be¬
troffenen Aerzte und deren Hinterbliebenen. S. 216.
Statistik: Mortalität in München. S. 216.
Umschlag: Offene ärztliche Stellen. — Personalnachrichten. — Inserate.
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Unterricht und Vorbildung zu einem Berufe.
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rung der Darmtätigkeit. Angenehm zu nehmen and absolut un¬
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handlung d. Gallensteinkrankheiten.) Berliner klin. Wochensohr. 1907, No. 16.u.a.
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München. Freiburg u ft. München. Leipzig. Eisenach. Würzburg Nürnberg. Benin Erlangen. München. München. München.
No. 4. 26. Januar 1909.
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
Verlag: J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 26.
56. Jahrgang.
Originalien.
Aus der kgl. Universitäts-Frauenklinik zu Greifswald.
Die Rstroflexio Uteri in der allgemeinen Praxis.
Von Prof. Max Henkel.
Zu einem definitiven Abschluss in der Deutung der Be¬
schwerden, wie wir sie so oft und mit einer gewissen regel¬
mässigen Gleichmässigkeit wiederkehrend bei Frauen mit
retroflektiertem Uterus finden, ist es bis auf die letzte Zeit
noch nicht gekommen. Indessen deuten doch die Anschau¬
ungen der meisten darauf hin, dass die Symptome, die bei
einer an Retroflexio leidenden Frau beobachtet werden, nicht,
wie man eine zeitlang glauben zu müssen meinte, vorwiegend
und hauptsächlich als Nebensymptome einer bestehenden
Hysterie zu betrachten seien. Die Stimmen derjenigen mehren
sich, die der Ansicht sind, dass die Retroflexio uteri wohl im¬
stande ist, ganz bestimmte Beschwerden hervorzurufen, und
zwar lediglich als Folge der Verlagerung, und nicht etwa nur
durch die lokalen Begleiterscheinungen, Entzündung der
Adnexe etc.
Die mobile Retroflexio uteri ist in einer ganzen Anzahl
von Fällen die einzige Ursache gynäkologischer Beschwerden:
Druck auf den Darm, Kreuz- und Kopfschmerzen, auch von
Urinbeschwerden. Ich halte es aber auf der anderen Seite
durchaus nicht für richtig, einen orthodoxen Standpunkt eirczu-
nebmen in der Weise, dass nun jede Retroflexion von vorn¬
herein Beschwerden machen muss. Und schliesslich ist auch
zu berücksichtigen, dass auch ganz andersartige gynäko¬
logische Leiden unter den Symptomen einer Retroflexion ver¬
laufen können. Dieser einseitige und orthodoxe Standpunkt,
der auf der einen Seite in- der strikten Verneinung und auf
der anderen Seite in der rückhaltlosen Betonung der Be¬
deutung einer festgestellten Retroflexio zum Ausdruck kommt,
hat nach meiner Ansicht dazu beigetragen, dass das Urteil
über die klinische Bedeutung der Retroflexio so ungemein ver¬
wirrt wurde. Wie überall, so ist auch hier die goldene Mittel¬
strasse der Weg, der der Wahrheit am nächsten kommt, der
den tatsächlichen Verhältnissen am meisten entspricht.
Bei der Diagnose der Retroflexio uteri müssen wir scharf
auseinander halten erstens die mobile Retroflexio und zweitens
die fixierte. Und keine Retroflektionsdiagnose ist vollständig,
wenn sie diese beiden Punkte nicht berücksichtigt hat. Die
mobile Retroflexio uteri kommt häufig vor, verursacht aber
meist nicht so intensive Beschwerden, als die fixierte. Die
Erklärung hierfür liegt darin, dass die fixierte ganz ausnahmslos
entzündliche Komplikationen aufweist, sei es der Adnexe oder
des Beckenzellgewebes. Es gibt eine Reihe von Fällen
mobiler Retroflexio, die keine Symptome hervorrufen, wenig¬
stens keine, die subjektiv der Frau zum Bewusstsein kommen.
Aber die Erfahrung lehrt auch hier, dass im Laufe der Zeit
Beschwerden nicht auszubleiben pflegen. Es sei hierbei er¬
innert an die kongenitale resp. virginelle Retroflexio als Ur¬
sache einer Sterilitas und auf der anderen Seite an die Inkarze¬
ration eines retroflcktiert liegenden graviden Uterus, wenn¬
gleich ja in der Mehrzahl der Fälle die spontane Aufrichtung
erfolgen wird. Dass die Ursache der Sterilität in vorhandener
Retroflexio allein zu suchen ist, davon habe ich mich in der
Praxis oft genug überzeugen können, indem sofort nach ent-
No.4,
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(Nachdruck der Onginalartikel ist nicht gestattet.)
sprechender Lagekorrektion die sehn liehst gewünschte
Schwangerschaft eintrat. Und die Tatsache, dass es bei retro-
flektiert liegendem graviden Uterus zur Inkarzeration kommen
kann, bietet gleichzeitig einen interessanten Hinweis für die¬
jenigen, die nicht der Ansicht sind, dass die normale Lage
der Gebärmutter in der Anteversio-flexio zu suchen ist.
Schwangerschaft ist ein physiologischer Vorgang, und wir
können daher als normale Lage der Gebärmutter nur diejenige
auffassen, von der wir wissen, dass sie Störungen bei dem
Grösserwerden der schwangeren Gebärmutter nicht hervorruft.
Das ist aber bei Anteversio-flexio ausgeschlossen, während
Komplikationen nach der angedeuteten Richtung bei Retro¬
flexion doch nicht so ganz selten beobachtet werden.
Auch die Frage, ob die Retroflexio als solche Ursache einer
Sterilität ist, betrachte ich nicht als von prinzipieller oder gar
genereller Bedeutung, sondern ich bin der Ansicht, dass hier
von Fall zu Fall zu entscheiden ist. Ich halte bei dem Vor¬
handensein einer mobilen Retroflexio als einzigen Befund bei
primärer Sterilitas es durchaus für berechtigt, zunächst einmal
den Versuch zu machen, durch Richtiglagerung die Schwanger¬
schaft zu ermöglichen. Da ich nun die Erfahrung gemacht habe,
dass Retroflexio ohne Endometritis bestehen kann, und dass
ohne lokale Behandlung des Endometriums lediglich nach Auf¬
richtung der Gebärmutter Schwangerschaft, die jahrelang auf
sich hatte warten lassen, ermöglicht wurde, so sehe ich nicht ein,
weshalb man Bedenken tragen soll, der Falschlage des Uterus
diejenige Bedeutung zuzusprechen, die ihr zukommt. Indessen
muss es betont werden, dass in erster Linie es sich um virgi¬
nelle resp. kongenitale Retroflexionen handelt, wenn die Ver¬
lagerung des Uterus allein als Ursache der Sterilität anzu¬
sprechen ist. In den Fällen, wo die Retroflexion erst aus dem
Wochenbett stammt, und zwar gewöhnlich aus dem ersten,
lässt sich a priori nichts sagen. Hier finden wir im Gegenteil
viel häufiger, dass die Verlagerung nicht die Sterilität bedingt,
sondern eher sind das die begleitenden Katarrhe der Zervix,
des Endometriums oder sonstige entzündliche Veränderungen.
Analog liegen die Verhältnisse hinsichtlich der Deutung
der Beschwerden, die die Retroflexio hervorruft. Kongenitale
Retroflexionen verursachen nur höchst selten Beschwerden,
eigentlich nur dann, wenn sie kombiniert sind mit einem ge¬
wissen Infantilismus des Organes oder besonders scharfer
Knickung nach hinten, ln diesen Fällen werden die Be¬
schwerden meist dysmenorrhoischer Natur sein. Ich habe auch
die Erfahrung gemacht, dass selbst bei starken Abknickungeii
virgineller Uteri nach hinten die Beschwerden nicht ohne
weiteres als mechanischer Natur erklärt werden können, son¬
dern dass auch hier oft genug eine mangelhafte Entwicklung
der Gefässe, der Uterusmuskulatur etc. als Begleiterscheinung
des Infantilismus und allgemeinen Chlorose vorhanden ist. Die
Lumina der Gefässe sind eng, ihre Wandung verhältnismässig
wenig elastisch und nachgiebig; kommt nun die menstruelle
Kongestion zustande, so tritt eine gewisse Raumbeschränkung
im Gefässystem ein, wodurch in den Fällen, die hierher ge¬
hören, die Dysmennorrhöe zwanglos ihre Erklärung findet. Das
sind dann die Fälle, wo durch die Lagekorrektion des Uterus
die Beschwerden so gut wie gar nicht beseitigt werden, und
wo wir nur dadurch zum Ziel kommen können, dass wir den
Gesamtorganismus kräftigen.
\
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
162
MUENcHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
Wir sehen also, dass die Dinge durchaus nicht so einfach
liegen, und die Tatsache, dass eine Retroflexio vorhanden ist,
durchaus nicht berechtigt, diese allein zu berücksichtigen, das
klinische Bild abschliessend damit zu erklären.
Wie kann- man nun sich im speziellen Fall in der Praxis
über die Bedeutung der Retroflexio einen Ueberblick ver¬
schaffen? In der einfachsten und objektivsten Weise geschieht
dies dadurch, dass man der Patientin von der Verlagerung
der Gebärmutter nichts sagt, wohl aber den Uterus aufrichtet
und einen passenden Ring einlegt, der, ohne zu drücken, den
Uterus in guter Lage erhält. Auf diese Weise fällt jede sug¬
gestive Beeinflussung der Patientin fort, und wir können uns
überzeugen, ob und wie weit die Beschwerden durch den Ring
beseitigt werden. Ein jeder, der sich in dieser Weise objektiv
und kritisch in jedem Fall von Retroflexio verhält, wird nach
meiner Ansicht ein richtiges Urteil gewinnen, und namentlich
werden therapeutische Misserfolge durch dieses einfache Ver¬
fahren äusserst eingeschränkt werden.
Ich sagte oben, dass zu der Retroflexionsdiagnose un¬
bedingt auch die Frage gehört, ob der Uterus mobil oder fixiert
ist. Wie kann man diese Prüfung in der Praxis am einfachsten
und schonendsten vornehmen? Auch nach dieser Richtung hin
sind die Wege vereinfacht worden. Von den zahlreichen Ver¬
fahren haben dauernden Platz in der Hand des Gynäkologen
nur zwei behalten, erstens die bimanuelle Aufrichtung nach
S c h u 11 z e und zweitens die Sondenaufrichtung. Eines ist so
wichtig wie das andere, keines können wir entbehren. Die
Aufrichtung nach Schu 11 ze hat zur Voraussetzung, dass die
Bauchdecken schlaff sind, resp. gut entspannt werden können,
so dass man den Uterus mit beiden Händen gut umgreifen kann.
Eventuell würde bei nicht gut geeigneten Objekten (vorge¬
gebenes festes Abdomen, gesteigerte Empfindlichkeit etc.) die
die Chloroformnarkose zu Hilfe zu nehmen sein. Für die Sprech¬
stundenbehandlung und namentlich in der besseren Praxis ist
dieses Verfahren wegen seiner ungleich grösseren Empfindlich¬
keit weniger zu empfehlen- als etwa bei poliklinischem Material.
Auch bei Erstgebärenden scheidet wegen der kräftigeren
Bauchdecken- und der engeren Scheide die bimanuelle Auf¬
richtung vielfach aus. An deren Stelle tritt die Sonde; aber es
muss hier gleich betont werden, dass die Anwendung der
Sonde an ganz bestimmte Bedingungen gebunden ist; sie ist
durchaus abzulehnen, sobald es sich auch nur um die ent¬
fernte Möglichkeit einer bestehenden Gravidität handelt, oder
wenn ein frischer Katarrh der Zervix vorhanden ist. Es wird
nicht nötig sein, die Gefahr, die die Sonde bei dem Aufrich¬
tungsversuch eines graviden Uterus heraufbeschwören kann,
besonders zu erwähnen, und ebenso ist die Infektionsgefahr er¬
sichtlich, die das Einführen der Sonde bei einem frischen Ka¬
tarrh der Zervix mit wohl absoluter Sicherheit bedingt. Auch
bei entzündeten Adnexen, die sich ja durch die bimanuelle
Palpation mit wenigen Ausnahmen vorher erkennen lassen,
dürfte die Anwendung der Sonde nicht zu empfehlen sein.
Bei der Aufrichtung des Uterus mit der Sonde muss jede Ge¬
walt vermieden werden, und ausserdem ist es zweckmässig,
eine nicht zu dünne Sonde und vor allem nicht eine solche zu
wählen, die mit einem dünnen Knopf ausläuft, weil dadurch
die Perforationsgefahr erhöht wird. Bei der Aufrichtung mit
der Sonde muss fernerhin die ganze Länge der Sonde, soweit
sie in der Uterushöhle liegt, Unterstützungspunkt für die vor¬
dere Uteruswand sein; bei der Aufrichtung selbst wird die
Sonde etwas zurückgezogen, weil sonst die Spitze derselben
leicht in die Wand des Fundus uteri hineingetrieben werden
könnte. Ebenso ist es wichtig, dass namentlich in der Narkose
die Aufrichtung nach Schultze nicht brüsk vorgenommen
wird, sondern mit leichter Hand.
Es gibt nun Fälle, wo bei mobiler Retroflexion des Uterus
die bimanuelle Aufrichtung auch in Narkose nicht gelingt, das
sind solche, bei denen ein negativer Druck den retroflektierten
Uteruskörper auf dem Douglasboden fixiert hält. Bei genauer
Untersuchung kann man diese Fälle wohl erkennen, indem näm¬
lich jede Infiltration des Parametriums, auch Druckempfindlich¬
keit der fühlbaren Adnexe fehlt. Bei diesen Fällen gelingt es
dann regelmässig und zwar überraschend leicht, den Uterus
mit der Sonde aufzurichten, weil bei dieser Art der Aufrichtung
lediglich die Zugwirkung, von der vorderen Uteruswand aus¬
gehend in Anwendung gelangt, der Querdurchmesser des
Uterus geringer wird, und so der Widerstand des negativen
Druckes durch das zunächst sich vollziehende Aufheben der
Seitenkanten des Uterus zur Ausschaltung gelangt.
Hat sich der Uterus aufrichten lassen, sind keine entzünd¬
lichen Infiltrationen im Parametrium, keine Verdickung der
Adnexe entzündlicher Art vorhanden, so könnte man einen Ring
einlegen; meiner Ansicht nach ist das Einlegen eines Ringes
überhaupt abhängig zu machen von dem Fehlen jeder entzünd¬
lichen Komplikation. Ich betone das deswegen ausdrücklich,
weil ich sehr häufig gesehen habe, dass unbekümmert um diese
Komplikationen ein Ring eingelegt war, und wo sich dann
herausstellte, dass die Beschwerden der Frau trotz Aufrichtung
nicht geschwunden, sondern stärker geworden waren. Es ist
natürlich billig, sich in einem solchen Fall damit zu trösten,
dass man sagt, die Beschwerden waren überhaupt keine Retro-
flexionsbeschwerden, während doch in Wirklichkeit der Miss¬
erfolg auf die falsche Indikationsstellung für den Ring zurück¬
zuführen ist. Unter Weglassung 4 des Ringes und entsprechen¬
der Behandlung bringt man richtiger erst das Exsudat resp. die
Infiltration zur Resorption. Legt man dann den Ring ein, so
wird man jetzt einen vollen Erfolg damit erzielen.
Welche. Art Ring soll man anwenden? Früher war die
Zahl der empfohlenen Ringe eine ungemein grosse, heute ist
man sich allgemein darin einig, dass die Thomasform im Prin¬
zip die richtigste ist, und dass sie die Erhaltung der Lagekor¬
rektur am besten garantiert. Wir wählen das B r e u s s sehe
Pessar, das die Thomas sehe Krümmung hat, sich aber von
diesem dadurch unterscheidet, dass der hintere Bügel nicht so
massig ist, und eine etwas grössere Breite aufweist. Dadurch
wird erreicht, dass der Uterus nicht so leicht der Tendenz
folgen kann, seitlich über den hinteren Bügel wieder zurück zu
gleiten. Wir wählen Hartgummiringe, weil sie leicht sind, und
die Scheide am wenigsten reizen, man kann natürlich auch
Glasringe nehmen, oder solche aus Zelluloid; doch halte ich
die Materialfrage immerhin für irrelevant, vorausgesetzt, dass
die Krümmung richtig ist, und der Ring auch sonst passt. Als
Prinzip kann man aufstellen, dass derjenige Ring der richtige ist,
der als kleinster den gewünschten Effekt erzielt. Wenn wir den
Ring einlegen, so haben wir nicht nur mit dem Quer- resp. Höhen¬
durchmesser der Scheide zu rechnen, sondern wir müssen auch
den Längsdurchmesser berücksichtigen. Aber wenn man beim
Einlegen des Ringes nur an diese Dinge denkt, so wird es
leicht sein, bei ausreichend grosser Auswahl der Ringe den
richtigen zu treffen, so dass hinterher weder Schmerzen, noch
ernsthaftere Störungen durch denselben hervorgerufen werden.
Die Ringbehandlung kommt in erster Linie für frisch im
Wochenbett entstandene Retroflexionen in Frage, wo es tat¬
sächlich gelingt, wenn auch in einem kleinen Prozentsatz,
durch die Ringbehandlung allein Dauerheilung zu erreichen;
Dauerheilung in dem Sinne, dass später auch nach Entfernung
des Ringes der Uterus in normaler Lage liegen bleibt. Andere
Fälle habe ich durch Pessarbehandlung nie heilen sehen. Man
wird es sich deswegen also von Fall zu Fall überlegen, ob
man einen Ring empfehlen soll, oder ob es nicht besser ist,
der Patientin die Operation vorzuschlagen. Jugendliche Per¬
sonen werden heute wohl ganz allgemein von der Ringbehand-
iung ausgeschlossen, und mit Recht. Denn vergegenwärtigt
man sich, was es für ein junges Mädchen oder Frau bedeutet,
wegen einer Retroflexion lange Zeit in ärztlicher Behandlung
zu bleiben, und auf der anderen Seite das geringe Risiko,
welches die Retroflexionsoperationen heute mit sich bringen,
so wird die Entscheidung, nicht schwer fallen. Die Fälle, die
für die Ringbehandlung geeignet sind, sind auch geeignet für
die Alexander-Adams sehe Verkürzung der runden
Bänder, für ein Verfahren also, welches in Bezug auf Lebens¬
gefahr ungefähr gleichbedeutend ist mit einer Kürettage. Die
Alexander -Adams sehe Operation erfreut sich meiner
Jüeberzeugung nach bei weitem nicht allgemein genug der¬
jenigen Beliebtheit, die sie verdient. Seinen Grund hat das
darin, dass die Dauererfolge nicht gleichmässig gute sein sollen,
aber ich bin fest davon überzeugt, dass das weniger seinen
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UMIVERSITY OF CALIFORIN
26 . Jajiuar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
Grund in der Operation, als viel mehr in der Indikations-
Stellung hat.
Die Alexander-Adams sehe Operation ist meines
Erachtens nur dann in Anwendung zu ziehen, wenn erstensmal
der Höhenstand des aufgerichteten Uterus der normale ist, d. h.
also, dass mit der Retroflexio nicht gleichzeitig ein Descensus
uteri verbunden ist. Weiter ist erforderlich, dass das Binde¬
gewebe frei ist von jeglicher Infiltration, und schliesslich, dass
auch an den Adnexen Abnormitäten irgend welcher Art nicht
vorhanden sein dürfen. Die Prüfung der Adnexe nimmt man
ain zweckmässigsten in Narkose vor der geplanten Operation
vor, da man sich nur auf diese Weise vor diagnostischen Irr-
tümern sicher schützen kann. Sind diese Bedingungen aber
alle erfüllt, so stellt tatsächlich die Alexander-Adams-
sche Operation ein geradezu ideales Verfahren vor, und es ist
auch überhaupt die einzige Operation, die es uns ermöglicht,
dem Uterus die physiologische Lage wieder zu geben. Bei
dieser strengen Indikationsstellung sind die Dauerresultate
garrz ausgezeichnete, und man hat auch nicht zu fürchten, dass
eine etwa später erfolgende Entbindung das erreichte Resultat
illusorisch macht.
Ueber die Technik der Verkürzung der runden Bänder ist
wenig zu sagen. Sie ist sehr einfach, und in der Hand des
Geübten eine absolut sichere Operation d. h. ein nicht Auf¬
finden der runden Bänder gehört zu den allergrössten Selten¬
heiten. Im allgemeinen kommt man mit sehr kleinen Schnitten
aus; wichtig für die Operation ist, dass das die Faszie gut
freigelegt wird, nur so gelingt es, den Leistenring sauber und
exakt darzustellen, und an diesen sind wir hinsichtlich des
Auffindens des Ligamentums rotundum gebunden. Oft genug
sieht man schon dasselbe im Ring liegen; in der Mehrzahl der
Fälle wird man aber den Leistenkanal etwas spalten müssen,
und zwar empfiehlt sich hier als Schnittrichtung die, die parallel
dem P o u p a r t sehen Bande verläuft. Auf das I m 1 a c h sehe
Fetträubchen resp. auf den Nachweis desselben lege ich gar
keinen Wert mehr, den Hautschnitt lege ich gern möglichst
hoch, weil späterhin dies der Wundheilung und dem anzulegen¬
den Heftpflasterverband zum Vorteil gereicht. Es muss dann
nur bei der Operation zur Einstellung des Leistenkanals mit
einem scharfen Haken Haut und Fettgewebe des unteren
Wundrandes gut nach abwärts gezogen werden. Nach
Spaltung des Leistenkanals in der angegebenen Schnittrichtung
findet man das runde Band leicht im Bereich des unteren
Teiles des Inhaltes des Leistenkanals. Man zieht es vor, und
isoliert es, wobei namentlich auf die Erhaltung des Nervus ileo-
inguinalis zu achten ist. So weit als möglich wird es vor¬
gezogen und dann der Processus peritonales eröffnet, danach
lässt sich das Ligament noch ein gut Stück weiter vorziehen.
Die Befestigung des runden Bandes erfolgt in der Weise, dass I
in Abständen von ca. —% cm 3 —4 Seidenknopfnähte gelegt
werden; diese gehen durch den unteren Schnittrand der Faszie,
durch das Ligament selbst und dann durch den oberen Schnitt¬
rand der Faszie; beim Knoten des Seidenfadens wird das runde
Band unter die Faszie gestülpt, so dass damit gleichzeitig der
Leistenkanal durch exakte Naht geschlossen wird. Der Rest des
runden Bandes wird abgeschnitten. Mit ganz dünnem Katgut j
erfolgt die fortlaufende Naht des Fettgewebes, die Haut wird
mit Mi che Ischen Klammern vereinigt, die am 6.—7. Tag
wieder entfernt werden können. Vor Ausführung der Ope¬
ration legt man zweckmässig einen gut passenden Ring in die
Scheide, damit für die Dauer der Wundheilung möglichst jede
Zerrung im Bereich der Nahtstelle (durch ev. Tendenz des
Uterus, wieder nach hinten überzusinken, oder Druck von Seiten
der gefüllten Blase) vermieden wird. Es ist auch ganz zweck¬
mässig, die Patientin am 1. Tage zu katherisieren, um so
stärkere Füllung der Blase zu vermeiden. Seit Jahren lasse
eh schon die Kranken am Tage nach dieser Operation auf¬
stehen, und habe nie und in keiner Weise auch nur die geringste
Störung lokaler oder allgemeiner Natur beobachtet.
In den Fällen, wo die mobile Retroflexion kompliziert ist
durch Entzündung des Beckenzellgewebes, der Adnexe, ja
auch nur durch eine erhebliche Vergrösserung oder starken
Ueszensus der Ovarien, kommt als lagekorrigierende Operation
bei event. noch gleichzeitig bestehendem Prolaps die Ventro-
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fixation in Frage. Viele, die früher Anhänger der vaginalen
Technik in diesen Dingen waren, sind davon abgekommen,
weil eben die vaginale Fixation eine ganze Anzahl von Nach¬
teilen im Gefolge hat, die sich oft nicht voraussehen resp. ver¬
meiden lassen. Ich deute hier nur die Blasenbeschwerden an,
und die Sterilität, die im Gefolge der vaginalen Fixation im
Uterus verhältnismässig häufig auftritt. Alles wird vermieden
durch die Ventrofixation, die zudem auch einen sicheren Dauer¬
erfolg garantiert, und vor allem auch nie Störungen bei ein¬
tretender Schwangerschaft mit sich bringt. Natürlich kommt
es namentlich mit Rücksicht auf den letzten Punkt auch darauf
an, wie man die Ventrifixation vornimmt; wenn man den
Fundus uteri breit gegen die Bauchwand fixiert, so darf man
sich nicht wundern, wenn Störungen während der Schwanger¬
schaft und nachher bei der Geburt auftreten. Das souveräne
und von den meisten Operateuren jetzt wohl angewandte
Verfahren der Ventrofixation ist das von Olshausen.
Ein weiterer Grund, weshalb so viele Operateure der
letzten Zeit den vaginalen Weg zur Beseitigung der Retro¬
flexio nicht nur, sondern überhaupt gynäkologischer Leiden
mehr und mehr verlassen, liegt in der Vervollkommnung der
abdominalen Technik, wie sie namentlich durch die Anwendung
des Pfannenstiel sehen Schnittes gewährleistet wird. Es
ist über jeden Zweifel erhaben, dass mit diesem der Laparotomie
ein grosser Teil ihrer Gefahren und unangenehmen Folge¬
erscheinungen (Bauchbruch) genommen wird; und der
Pfannen stiel sehe Querschnitt empfiehlt sich ganz ausser¬
ordentlich für die ventrale Fixation des retroflektiert liegen-
den Uterus. Natürlich ist es notwendig, dass die Technik der
Ventrofixation nach Olshausen bei dem Faszienquer¬
schnitt eine Modifikation erfahren muss, die meiner Ansicht
aber nur den Wert der O 1 s ha u s e n sehen Operation noch
steigern kann.
Nach Lösung des Uterus aus seinen Adhäsionen und
Korrektur der Adnexe wird die Ventrofixation so gemacht,
dass entsprechend der Breite des Fundus des Uterus eine
Nadel in genügender Entfernung von der Mittellinie durch den
oberen Rand der Faszie, durch die Muskulatur der Bauch¬
wand und durch das etwas vorgezogene Peritoneum geht,
damit dessen spätere Nahtvereinigung und Heilung nicht etwa
unter eintretender Spannung zu leiden hat. Darauf wird die
Nadel durch den Abgangsteil des Ligamentums rotundum nach
Art einer chirurgischen Umstechung geführt und gleichzeitig
etwas von der Uterusmuskulatur mitgefasst. Diese etwas
komplizierte Technik empfiehlt sich, um Schutz zu geben* vor
Nachblutungen. Dann geht der Faden durch Peritoneum,
Muskulatur und weiter durch den unteren Faszienrand; in
gleicher Weise w ird die Operation auf der anderen Seite ge¬
macht. Und nun werden die Fädenenden angezogen, damit
der Uterus dicht gegen die Bauchwand angedrängt wird. Um
ein Zurückschlüpfen des Uterus zu vermeiden, legt man provi¬
sorisch jederseits 2 Klemmen an den Faden, da wo er die
Faszie nach aussen verlässt. Jetzt wird das Peritoneum
genäht (fortlaufend mit dünnem Katgut), und die Rektus-
muskulatur durch einige Katgutknopfnähte aneinandergebracht
Die Fasziennaht mache ich jetzt mit dünnen Seidenknopf¬
nähten; w r enn die Faszie geschlossen ist, wird der Ventro-
fixationsfaden jederseits geknotet; danach fortlaufende Naht
des Fettgewebes wieder mit dünnstem Katgut, und Vereinigung
der Hautwunde mit Klammern in analoger Weise, wie ich es
oben als Schluss der Alexander-Adams sehen Operation
bereits angegeben habe. Die Dauerresultate dieser Operation
sind nach meinen Nachuntersuchungen ebenfalls ganz ausge¬
zeichnete, so dass man wohl dieses Verfahren als das typische
zur Lagekorrektion des retroflektiert liegenden und fixierten
Uterus bezeichnen kann.
Schliesslich haben wir uns noch mit denjenigen Fällen von
Retroflexion zu beschäftigen, die mit stärkerem Prolaps sowohl
des Uterus wie der Scheide kompliziert sind. Meist handelt
es sich um Frauen, die eine Anzahl von Geburten durch¬
gemacht haben, so dass auf die Erhaltung der Konzeptions¬
fähigkeit nicht mehr so grosses Gewicht zu legen ist, als
vielmehr auf Heilung, auf einen sicheren Dauererfolg durch die
Operation. Das hierbei in Frage kommende Operations-
r
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
164
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
verfahren ist das nach Schauta. Hierbei fixiert man auf
vaginalem Wege den Uterus zwischen Blase und Scheide in
der Weise, dass zunächst die Blase zurückpräpariert und dann
an die Hinterwand des Uterus gebracht wird, wo man ganz
zweckmässig das Peritoneum derselben mit einigen Knopf¬
nähten fixiert. Danach wird die Fixation des Uterus in der
Weise vorgenommen, dass die Naht durch Scheide, Uterus und
wieder Scheide geht, so dass beim Knoten eine ausgiebige
Befestigung zwischen Scheide und Uterus hervorgerufen und
ein Zurückgleiten derselben ganz unmöglich gemacht wird.
Es ist ganz selbstverständlich, dass diese Operation nur dann
in Frage kommen kann, wenn die Patientin ihre Einwilligung
zur gleichzeitigen Sterlisation gibt; denn tritt in einen' solchen
Fall Schwangerschaft ein, so bedeute das, wenn nicht Abort
erfolgt, eine sehr ernste Gefahr für die Frau. Die Tuben¬
sterilisation wird in der Weise ausgeführt, dass der inter¬
stitielle Teil der Tube exzidiert und darüber über das Peri¬
toneum durch Naht vereinigt wird. Auf diese Weise gelingt es
mit Sicherheit, jede neue Schwangerschaft auszuschalten.
Wir sehen also, dass die Behandlung der Retroflexio
uteri keine einheitliche in dem Sinne ist, dass ein Verfahren
für alle Fälle passt, aber die Dinge liegen jetzt doch so, dass
die Differentialindikation leicht zu stellen ist. Gerade in der
Therapie der Retroflexio uteri ist in den letzten Jahren vieles
einfacher und dadurch besser geworden.
Aus der k. Universitäts-Frauenklinik Tübingen (Vorstand:
Prof. Dr. H. Sellheim).
Zur Behandlung der Placenta praevia*).
Von Dr. Aug. F i e s s 1 e r, Assistenzarzt der Klinik.
M. H.! Die Behandlung der Placenta praevia hat von
jeher die Geburtshelfer lebhaft beschäftigt, ein Beweis dafür,
dass es nicht gelang, mit dem angewendeten Verfahren all¬
seitig befriedigende Resultate zu erzielen. Wohl kam nach der
Einführung der kombinierten Wendung nach Braxton-
H i c k s eine gewisse Ruhe in die bis dahin lebhafte Debatte.
Zwei Jahrzehnte lang wurde sie die Operation der Wahl,
neben der nur wenig die Tamponade der Scheide oder in leich¬
teren Fällen die Sprengung der Eiblase angewendet wurden.
Das Accouchement force war völlig verdrängt, da man in der
kombinierten Wendung ein Mittel gefunden hatte, wenigstens
für die Mutter die Gefahren der Placenta praevia in hohem
Grade herabzumindern. Die schlechten Resultate für die
Kinder wurden dabei als notwendiges Uebel mit in Kauf ge¬
nommen. Seit der Mitte der 90 er Jahre entstand der kom¬
binierten Wendung eine Rivalin in der nach, den gleichen Prin¬
zipien wirkenden Hystereuryse. Diese sollte den Eingriff ver¬
kleinern und erleichtern, dabei die Chancen für das Kind
bessern. Der Aufschwung der operativen Technik in der
Gynäkologie hat in ihrer Wirkung auf die moderne Geburtshilfe
auch Veränderungen in der Behandlung der Placenta praevia
zur Folge gehabt. Das schon längst als richtig erkannte, und
beim Accouchement forcd verfolgte Prinzip, die Gefahren für
Mutter und Kind durch sofortige Entbindung aus dem Weg
zu räumen, konnte mit Hilfe moderner Operationen befolgt
werden. Der vaginale und abdominelle Kaiserschnitt fanden
Eingang. Die Kosten der Behandlung trägt bei den zuletzt
genannten Verfahren allein die Mutter, während bei der kom¬
binierten Wendung das Kind im Interesse der Mutter vernach¬
lässigt wird. Es gilt nun zu untersuchen, inwieweit wir durch
die bisher gewonnenen Resultate berechtigt sind, uns der einen
oder anderen Entbindungsart zuzuwenden, mit anderen Worten,
ob wir das Kind unberückichtigt lassen, oder die Mutter
grösseren operativen Eingriffen aussetzen sollen.
Die Tamponade als selbständiges Mittel zur Behand¬
lung der Placenta praevia kommt heute nicht mehr in Betracht.
Doranth 1 ) erwähnt unter 216 Fällen der II. Wiener Klinik
aus den Jahren 1885—95 nur 7, die durch Tamponade beendigt
*) Vortrag, gehalten am 14. Dezember 1908 im medizinisch-natur¬
wissenschaftlichen Verein Tübingen.
D Berichte aus der II. geburtshilfl.-gynäkol. Klinik in Wien, Bd. I,
p. 88, 1897.'
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wurden. Alle Mütter blieben am Leben, von den Kindern waren
6 tot. Unter den folgenden 138 Fällen von 1895—1900 war
an der gleichen Klinik nur ein einziger Fall mit Tamponade
behandelt. a ) Ist somit von ihrer Anwendung als Therapie der
Wahl nicht die Rede, so sind die Ansichten über ihre Zulässig¬
keit als vorbereitendes Verfahren oder momentanes Blut¬
stillungsmittel sehr geteilt. Die französischen Geburtshelfer,
voran Pinard 3 ), bringen die Tamponade noch in aus¬
gedehnter Weise zur Anwendung, während die Deutschen sie
nur in beschränktem Masse zulassen wollen, oder sie völlig
ablehnen. W i n c k e 1 4 ) sah zwar noch in der Tamponade
ein ganz gutes Mittel zur Blutstillung bei Placenta praevia,
doch betrug auch bei ihm die mütterliche Mortalität der Tam¬
ponadebehandlung aus den Jahren 1884—90 25,9 Proz.
L ö h 1 e i n B ) hatte unter 56 Fällen 5 mit Tamponade behandelt,
er verlor dabei 4 Kinder und 1 Mutter, weshalb er von dieser
Therapie Abstand nahm. Aehnlich hohe Misserfolge wurden
früher von Müller 8 ), Strassmann 7 ) und anderen erzielt.
Zweifel 8 ) will sie daher nur noch angewendet wissen, bei
starken Blutungen in der Schwangerschaft, die es wünschens¬
wert erscheinen lassen, dass sich die Frau vor Beendigung
der Geburt erholt; und zwar bedient er sich dabei wegen der
sichereren Asepsis des Kolpeurynters. R. Freund 9 ) dagegen
verwirft sie völlig wegen der grossen Infektionsgefahr. Von
den in der Hallenser Frauenklinik mit Scheidentamponade
behandelten Fällen fieberten 66 Proz. gegenüber 25 Proz. der
Nichttamponierten, in der Königsberger Klinik 10 ) 80 Proz.
gegenüber 37,8 Proz., unter unseren mit präliminarer Scheiden¬
tamponade behandelten 50 Frauen 30, d. h. 60 Proz. gegenüber
nur 30 Proz. der Nichttamponierten. Bürger und Graf 11 )
halten die Tamponade bei Placenta praevia auch in der Praxis
für ungeeignet und zu verwerfen. Sie stellt ihrer Ansicht nach
nichts anderes vor, als ein Versteck$pielen vor der drohenden
Gefahr, ein Hinausschieben des aktiven Eingreifens, das nur
zu oft verhängnisvoll werden kann. Die Tamponade hat in
keinem Stadium der Geburt bei Placenta praevia eine Be¬
rechtigung, dieselbe könnte nur dann verantwortet werden,
wenn sie in keinem anderen Sinne ausgeführt wird, als zur
Vorbereitung der anderen und bessern Therapie Zeit zu ge¬
winnen. Dieser Ansicht können wir nach unseren Erfahrungen
nur voll und ganz bei pflichten.
Die Methode des Sprengens derEiblase führt, wie
auch Hammerschlag 12 ) im Gegensatz zu H o f m e i e r 1S )
und Freund 14 ) hervorhebt nur bei tiefem Sitz der Plazenta
oder den leichtesten Graden der Placenta praevia lateralis zum
Ziel. Dass bei entsprechend reduziertem Anwendungsgebiet
der Ausgang für Mutter und Kind günstig ist, liegt nicht in der
Therapie begründet, sondern in dem niedrigen Grad der Kom¬
plikation. Wo letzterer stärker ausgesprochen ist, versagt die
Therapie bezüglich des Endresultates oder zwingt uns gar
nachträglich zu anderen Eingriffen. Die Königsberger Klinik
musste trotz enger Indikationsgrenzen unter 38 Fällen 5 mal
zur Wendung übergehen, 3 mal zur Zange greifen. Wir hatten
unter 4 Fällen 2 Misserfolge, indem wir zur Wendung übergehen
mussten und die Kinder verloren. Doranth 18 ) verlor unter
3 Fällen ein Kind; bei den etwas schwereren, in welchen vor¬
her noch Scheidentamponade zur Anwendung gekommen war,
blieben nur die Hälfte der Kinder am Leben.
*) Klein: Berichte aus der II. geburtshilfl.-gynäkol. Klinik in
Wien, Bd. II, p. 304, Wien 1902.
3 ) Herb in et: These de Paris 1906.
4 ) Lehrbuch der Geburtshilfe. Weber: Kasuistischer Beitrag
zur Placenta praevia. Inaug.-Diss., München 1891.
5 ) Busch: Zur Statistik der Placenta praevia. Diss., Giessen
1907.
6 ) Ueber Placenta praevia. Stuttgart 1877.
7 ) Archiv f. Gynäkol., Bd. 67.
8 ) Münch, med. Wochenschr. 1907, No. 48 und Zentralbl. i.
Gynäkol. 1908, No. 20.
B ) Zentralbl. f. Gynäkol. 1908, No. 20.
10 ) Hammerschlag: Ueber die Behandlung der Placenta
praevia. Med. Klinik 1908, No. 26.
“) Monatsschr. f. Geburtsh. u. Gynäkol., XXV, p. 61.
ia ) 1. c.
13 ) Verhandl. der Deutschen Gesellsch. f. Gynäkol. 1895.
M ) D. med. Wochenschr. 1908, No. 4.
- 18 ) 1. c.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
165
Die Hauptwaffe des praktischen Geburtshelfers im Kampfe
gegen die Placenta praevia ist die Tamponade mit dem
sich nach oben allmählich vergrösserndei] Kindskörper nach
Herabholen eines Fusses, d. h. in den meisten Fällen die kom¬
binierte Wendung nach Braxton-Hicks. Durch sie
ist es gelungen, die hohe Mortalitätsziffer aus der Zeit des
Accouchement force (30 Proz. der Mütter 16 ) auf durchschnitt¬
lich 10 Proz. herabzudrücken. Die Resultate in den Kliniken
schwanken ein wenig, je nach Massgabe des Materials. Im
grossen und ganzen dürfen wir indessen diese Zahl als Durch¬
schnitt der mütterlichen Mortalität bei kombinierter Wendung
ansehen, allerdings nur für die Klinik. In der allgemeinen
Praxis, wo die Verhältnisse naturgemäss wesentlich un¬
günstiger liegen, haben wir, wie eine Zusammenstellung von
F ü t h 17 ) aus dem Regierungsbezirk Koblenz über 726 Fälle
zeigt, immer noch mit einer solchen von 20 Proz. zu rechnen.
Wir haben an unserer Klinik in der Zeit vom 1. Januar 1898
bis 1. November 1908 die Wendung in 83 Fällen ausgeführt,
wobei wir 8 Frauen verloren, das sind 9,64 Proz. 5 Frauen
sind: verblutet, davon, wie wir gleich sehen werden, 3 an
Zervix riss, 2 starben an Sepsis, 1 an akuter Dekompensation
des Herzens mit Lungenödem. Wenn auch die letzte als ak¬
zidentelle Komplikation in Abrechnung zu bringen ist, so ver¬
bleiben doch noch 7, die den Folgen der Placenta praevia bei
der kombinierten Wendung unmittelbar erlegen sind. Eine der
Hauptgefahren der kombinierten Wendung liegt für die Mutter
in der Tatsache, dass sie eine feste Handhabe zur Extraktion
der Frucht bietet. In dem begreiflichen Bestreben, das Leben
des Kindes zu retten, liegt eine grosse Versuchung, an dem
herabgeleiteten Fuss zu ziehen und den Kindskörper zu ent¬
wickeln, auch wenn der Muttermund noch nicht völlig ver¬
strichen ist Bei der enormen Zerreisslichkeit und gelegent¬
lichen Aufsplitterung 18 ) des unteren Gebärmutterabschnittes
durch die hier inserierende Plazenta entstehen dabei tief¬
gehende Zervixrisse, die bei den ohnehin ausgebluteten Frauen
den unglücklichen Ausgang heraufbeschwören. Indessen ge¬
nügt auch in manchen Fällen schon die gewöhnliche Kraft der
Wehentätigkeit bei spontaner Ausstossung der Frucht ohne
jeglichen Zug, um bedrohliche Einrisse in die wenig oder nicht
nachgiebige Zervix zu verursachen, wie uns ein Fall von
Winter 19 ) zeigt. Man soll daher streng an dem Grundsatz
festhalten, die Geburt nach der Wendung sich selbst zu über¬
lassen und keine stärkere Extension an dem Fusse anzubringen,
als eben zur Blutstillung nötig ist, d. h. nicht mehr als ein
Pfund, und auch dieses nur so lange, bis eine geregelte Wehen¬
tätigkeit einsetzt. Wir haben in 43 Fällen Gewichtsextension
angewendet und dabei 8 Zervixrisse erlebt, bei denen allerdings
in 6 Fällen ausser dem Gewichtszug manuelle Hilfe bei der
Entwicklung der Frucht in Anwendung kam. In 6 Fällen ent¬
standen bei Manualhilfe allein Zervixrisse. 3 Frauen ver¬
bluteten sich, bei 3 musste wegen Versagens aller anderen
Blutstillungsmittel der Uterus exstirpiert werden. Von
75 Frauen, die nach der Behandlung durch Wendung lebend die
Klinik verliessen, waren 23 länger als 20 Tage in Nachbehand¬
lung, 13 waren an Puerperalfieber erkrankt, 19 Frauen zeigten
bei der Entlassung noch hochgradige Anämie, 3 hatten, wie
wir eben hörten, nur durch Exstirpation des Uterus vor dem
Verblutungstode bewahrt .werden können. Sie sehen also, dass
das Sündenregister der Behandlung durch Wendung mit der
Berücksichtigung der Mortalitätsziffer allein nicht abgetan ist,
dass vielmehr das Endresultat für die Mütter noch wesentlich
getrübt wird durch schwere Folgezustände im Wochenbett,
selbst wenn man die Nachteile ausser acht lässt, welche die oft
lange Blutungsperiode oder der Wochenbettsaufenthalt in der
Klinik für den Haushalt der mitten im häuslichen Erwerbsleben
stehenden Frauen mit sich bringt.
Wie sind nun die Aussichten für die Kinder bei der Be¬
handlung der Placenta praevia mit Wendung? Von 84 Kindern
haben wir nur 16, d. h. 19 Proz. lebend aus der Klinik ent-
M ) Spiegelberg: Volkmanns Vorträge, No. 99.
17 ) Zentralbl. f. Gynäkol. 1907, No. 12.
*®) Asch off: Berl. klin. Wochenschr. 1907, No. 31.
,ft ) Monatsschr. f. Qeburtsh. u. Oynäkol., XXV, p. 753.
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lassen können. Ebenso viele waren in nicht lebensfähigem
Alter zur Welt gekommen, können also für die Bewertung der
Methode nicht mitgerechnet werden. 62 Proz. lebensfähiger
Kinder, d. h. solcher, die bereits die 32. Woche intrauteriner
Entwicklung vollendet hatten, waren zu Grunde gegangen.
45 Kinder starben unter der Geburt, 7 in den ersten Tagen an
den Folgen der Asphyxie. Eine Mortalitätsziffer von etwa
60 Proz. der Kinder scheint für die Behandlung der Placenta
praevia durch Wendung konstant zu sein. Sie kehrt mit nur
geringen, innerhalb der Grenzen der Wahrscheinlichkeits¬
rechnung liegenden Schwankungen in allen Statistiken wieder
und scheint, wie auch Klein* 0 ) am Schlüsse seiner Arbeit
besonders hervorhebt, kejner wesentlichen Hebung mehr fähig
zu sein. S c h a u t a und Mäurer*" 1 ) schlugen daher vor,
anstatt das Kind als intrauterinen Tampon zur Blutstillung zu
verwenden, einen Metreurynter in die Eihöhle einzulegen und
so mit der gleichen Wirkung hinsichtlich der Blutstillung die
Aussichten für die Erhaltung des kindlichen Lebens zu bessern.
D ü h r s s e n * 2 ) und K ü s t n e r 23 ) sind besonders warm für
diese Methode eingetreten; ein gewisser Prozentsatz muss
natürlich auch bei diesem Verfahren infolge Sauerstoffmangels
zu Grunde gehen, doch scheinen, wie aus einer Zusammen¬
stellung der bisher veröffentlichten Fälle hervorgeht, die Aus¬
sichten für das Kind wirklich besser geworden zu sein. Von
317 Fällen 24 ), die ich zusammenstellen konnte, wurden
171 Kinder am Leben erhalten, was einer Mortalität von nur
42 Proz. entspricht. Die Sterblichkeit der Mütter betrug in
diesen Fällen 6,3 Proz., ist also nicht höher als die der kom¬
binierten Wendung. Indessen haften auch diesem Verfahren
Fehler an: Die von seinen Verteidigern angegebene leichte
Handhabung des Ballons trifft keineswegs in allen Fällen zu,
wie auch Bau mm 26 ) hervorhebt, der jedesmal bei neuen
Assistenten die Beobachtung machen konnte, dass zu exakter
Einlegung eines Metreurynters in die Eihöhle bei Placenta
praevia schon eine gewisse technische Fertigkeit nötig sei,
weshalb er, wie auch Winter 26 ), für den praktischen Arzt
die Ausführung der kombinierten Wendung empfiehlt, da sie
technisch leichter sei und keinerlei Hilfsmittel bedürfe.
Hammerschlag 27 ) wies darauf hin, dass die Metreuryse
kein bis zur Geburt des Kindes wirkendes Mittel sei, sondern
zwischen Ausstossung des Ballons und Geburt des Kindes noch
ein mehr oder minder langes Stadium höchster Gefahr für die
Mutter bestehe, das häufig noch ein weiteres Eingreifen er¬
heische. In unseren 8 Fällen erlebten wir 3 mal unangenehme
Zufälle, indem der Ballon statt in die Eihöhle zu gelangen,
sich zwischen Plazenta und Uteruswand schob und dadurch
Schaden stiftete, so dass wir zu anderen Entbindungsver¬
fahren übergehen mussten. Wir glauben daher auch, dass
die Metreuryse zwar in der Klinik imstande ist, die Chancen
für das Kind zu bessern, dass sie sich aber für die allgemeine
Praxis weniger eignen wird, als die kombinierte Wendung.
Als rein klinische Methode sind indessen auch ihre Resultate
noch nicht so zufriedenstellend, dass nicht der Wunsch be¬
stünde, besseres an ihre Stelle zu setzen.
Man durfte sich von einer rascheren Auf Schliessung des
Uterus bessere Resultate versprechen, einmal weil dadurch die
Dauer der Blutungsperiode abgekürzt wird und wir nicht von
dem jeweiligen Stadium der Geburt abhängig sind und weil
ferner das schnell entwickelte Kind* nicht in Gefahr kommt,
der Asphyxie zu erliegen. Dazu ist aber die erste Bedingung
eine nur kurze Dauer des Eingriffs. Deswegen kann die mecha¬
nische Dilatation der Zervix nach Bossi nicht in
Frage kommen: Entweder macht man sie schonend, um Ein¬
risse zu vermeiden, dann dauert aber die Erweiterung so lang,
") 1. c.
M ) Zentralbl. f. Geburtsh. 1887 und Monatsschr. f. Qeburtsh. u.
Gynäkol., IV.
**) Verhandl. der Deutschen Gesellsch. f. Gynäkologie, V, p. 381.
“) Verhandl. der Deutschen Gesellsch. f. Gynäkol., VII, p. 280.
,4 ) s. Busch: Diss., Giessen 1907, p. 27. — Hannes: Med.
Klinik 1908, No. 28. — N eit sch: Diss., Erlangen 1905.
w ) Verhandl. der Deutschen Gesellsch. f. Gynäkol., VII.
*•) Monatsschr. f. Geburtsh. u. Gynäkol., XXV, p. 753.
”) 1. c.
Original fro-m
UNIVERSITV OF CALIFORNIA
166
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
dass sie vor der Metreuryse mit dem Ballon keine Vorzüge
aufweist, sdndern nur den Nachteil hat, dass die Frau in¬
zwischen viel Blut verliert, oder man macht sie rasch, dann
entstehen unkontrollierbare tiefe Einrisse, die für die Frau
höchst bedrohlich sind. Wenn B o s s i und G u a s o n i - 8 )
trotzdem in wenigen Fällen befriedigende Resultate erzielten,
so können sie dabei nur von besonderem Glück sprechen. Für
die Praxis ist das Verfahren viel zu gefährlich. Die ein¬
zige lebenssichere Möglichkeit, den Uterus
rasch zu eröffnen, besteht in der Ausführung
eines durch das Auge in seiner ganzen Aus¬
dehnung kontrollierbaren Schnittes. Hierzu
besass die Geburtshilfe seit langem den klassischen Kaiser¬
schnitt, der denn auch von amerikanischen Operateuren bei
Placenta praevia ausgeführt wurde. Dührssen hat der
operativen Geburtshilfe einen zweiten Weg gewiesen, zur
Uterushöhle zu gelangen und zwar ohne die Bauchhöhle zu
eröffnen: den vaginalen Kaiserschnitt. Indessen hat
er sich trotz der Empfehlungen von B u m m 20 ), Döder-
lein 30 ) und Krönig 31 ) nur wenig Freunde in der Behand¬
lung der Placenta praevia erworben. Bei der enormen Auf¬
splitterung der Zervix durch die Placenta praevia hegte man
berechtigte Scheu, Zangen in die Portio einzusetzen und
stärker an ihr zu ziehen. Man fürchtete auch, die Nahtver¬
sorgung in dem brüchigen Gewebe nicht exakt durchführen zu
können. So kam es, dass nur wenige Fälle von Sectio
caesaria vaginalis bei Placenta praevia veröffentlicht wurden.
Im vergangenen Jahr konnten Bürger und Graf 32 ) nur
6 Fälle zusammenstellen. Seitdem ist ihre Zahl nur um wenige
vermehrt worden. Wir haben diese Operation 10 mal aus¬
geführt, dabei alle Kinder, die vor der Operation noch lebten,
auch am Leben erhalten, in 2 Fällen waren die Kinder infolge
Misslingens der Metreuryse abgestorben, 1 Kind wurde wegen
engen Beckens perforiert, da sein Leben zweifelhaft war. Von
den Müttern starben 3 und zwar eine an Myokarditis, 2 an
Sepsis. Beide waren tamponiert, stark anämisch eingeliefert,
eine hatte bereits unter der Geburt Entzündungserscheinungen
in den Parametrien und Venenplexus. Von all diesen können
wir also sagen, dass sie nicht infolge, sondern trotz rascher
operativer Entbindung gestorben sind. Indessen hat doch
Krönig 33 ) eine Frau an Verblutung verloren, weshalb er
zum abdominellen Kaiserschnitt überging. Dieser
wurde zuerst im Jahre 1894 von Bermays* 4 ) bei Placenta
praevia ausgeführt. Ihm folgten zahlreiche amerikanische
Operateure 38 ), während man sich in Europa ablehnend ver¬
hielt. Nur vereinzelt wurde in Italien 30 ) und Frankreich 37 ) der
Versuch gemacht, auch hier das Verfahren einzuführen, doch
verhielt man sich im allgemeinen noch recht skeptisch.
S c h a u t a 38 ) trat ihm scharf entgegen, auch in Amerika selbst
wurden Stimmen laut 30 ), die den Kaiserschnitt bei Placenta
praevia wegen hoher mütterlicher Mortalität anfochten. In
neuester Zeit ist es indessen gelungen, durch wesentliche
Fortschritte in der Technik 40 ), auch die Gefahren der abdonii-
w ) Zentralbl. f. Gynäkol. 1907, p. 145.
w ) Zentralbl. f. Gynäkol. 1902, No. 52 und Verhandl. der
Deutschen Gesellsch. f. Gynäkol., XI, 1905.
”) Sitzung der Gynäkol. Gesellschaft München, 21. XI. 07.
31 ) Verhandl. der Deutschen Gesellsch. f. Gynäkol., XI, 1905
und Versammlung der Naturforscher und Aerzte, Meran, 26. IX. 05.
32 ) Monatsschr. f. Geburtsh. u. Gynäkol., XXV.
33 ) Verhandl. der Oberrhein. Gesellsch. f. Gynäkol., März 1908,
Hegars Beitr., XIII, 2 und Zentralbl. f. Gynäkol. 1908, No. 46.
34 ) Journal of the Am. med. Assoc. 1894.
w ) King: Amer. Journ. of obstetr. 1898. — Zinke: Transact.
of the Amer. Assoc. of Obst, and Gyn., 14. IX. 01. — H a r e: Boston med.
and Surg. Journ., Febr. 1901. — Holmes: Am. med. Assoc., 12.V.06.
— M o r a n: Am. Journ. of obstetr. 1905, Bd. 1, p. 322. — C o n d o n:
Surg., gyn. and obst., Sept. 1906. — Briggs: Journ. of amer. med.
Assoc., 12. V. 06.
36 ) Mattoli: Arch. ital. di ostetr. et gin. 1899. — Caruso:
Ibid., Juli 1900.
37 ) Revue de Gynaecol. 1903, p. 523 und Internat. Kongress,
Brüssel.
ss ) The interstate med. Journ., IX, No. 4, 1902.
39 ) Ehrenfest: Americ. Medicin, Januar 1902.
40 ) Frank: Monatsschr. f. Geburtsh. u. Gynäkol., XXIII. p. 715.
-- Idem: Archiv 81, p. 46. — Seilheim: Zentralbl. f. Gynäkol.
nellen Entbindung wesentlich zu verringern, so dass wir heute
sogar in der Lage zu sein glauben, den physiologischen Ver¬
hältnissen und Veränderungen im unteren Gebärmutterab-
schnitt bei der durch Placenta praevia komplizierten Schwan¬
gerschaft und Geburt Rechnung zu tragen 41 ), und die Ent¬
bindung durch extraperitonealen- Uterusschnitt aus Indikation
von Seiten der Mutter selbst zu fordern. Das Leben des Kindes
bekommen wir dabei sozusagen geschenkt. Wir haben in
diesem Jahre bis zum 1. November 9 Frauen mit Placenta
praevia durch extraperitonealen Uterusschnitt ent¬
bunden, die alle in bester Gesundheit nach 3 Wochen die Klinik
verliessen. Sieben konnten dabei lebende Kinder mitnehmen,
ein Kind war abgestorben, als die Frau zur Operation kam,
ein frühgeborenes Kind war in den ersten Lebenstagen einer
Nabelinfektion erlegen. Können auch die bis jetzt mit dem
extraperitonealen Uterusschnitt gewonnenen Resultate natur-
gemäss noch kein definitives Urteil erlauben, so können wir
doch so viel sagen, dass die Möglichkeit ohne weitere vor¬
bereitende Massnahmen auch den wehenlosen Uterus sofort
zu entleeren, die absolute Vermeidung unbeabsichtigter Risse
mit ihren unheilvollen Folgen und das Gefühl der Sicherheit in
der Beherrschung der Blutung in jedem Stadium, vor allen
Dingen in der bisher so gefürchteten Nachgeburtsperiode, für
uns in der Klinik den Schrecken- wesentlich vermindert hat,
der früher der Placenta praevia anhaftete.
Uebersicht über 111 Fälle von Placenta praevia, die
in der Zeit vcm 1. Januar 1898 bis zum 1. November 1908 in
der Universitäts-Frauenklinik Tübingen zur Behandlung
kamen. 45? )
Von den zur Behandlung gekommenen Frauen standen 8 im
Alter von 20—25 Jahren, 24 im Alter von 26—30, 26 im Alter von
31—35, 32 im Alter von 36—40 Jahren, 18 im Alter von 41 bis
45 Jahren. Bei 2 ist das Alter nicht angegeben.
8 mal handelte es sich um Erstgebärende, 12 mal um 2. Ge¬
bärende, 35 mal um 3.—6. Gebärende, 35 mal um 7.—10. Gebärende,
17 mal um 10.—15. Gebärende, 3 mal um mehr als 16. Gebärende.
Der Placenta praevia gingen in 59 Fällen zum Teil mehrfach
pathologische Geburten voraus, darunter 24 mal Plazentarkomplika¬
tionen (5 mal Placenta praevia), 29 mal sind Aborte oder Frühgeburten
verzeichnet. Menstruationsanomalien bestanden in 45 Fällen; gynä¬
kologische Operationen hatten 4 durchgemacht und zwar 1 Sterilitäts¬
operation, 1 Ovariotomie, 1 Adnexoperation (Pyosalpinx), 1 Myom¬
enukleation. Die jetzige Schwangerschaft war kompliziert durch:
Herzfehler 5 mal, Lungenerkrankung 2 mal, Albuminurie 4 mal, stär¬
keres Erbrechen 2 mal. Schmerzen und Krämpfe 2 mal, Struma 1 mal,
psychische Defekte 1 mal, Platzen eines Varix 1 mal, Blutungen im
Beginn der Gravidität 11 mal. Zusammen 29 mal.
Die Blutungen traten ein vor der 25. Woche in 8 Fällen, vor
der 26.-27. Woche in 15 Fällen, 28.—30. Woche in 16 Fällen, 31.—32.
Woche in 16 Fällen, 33.—34. Woche in 19 Fällen, 35.—36. Woche in
13 Fällen, 37.—38. Woche in 13 Fällen, 39.—40. Woche in 10 Fällen.
In einem Fall wurde die Schwangerschaft wegen stenosierender
Struma unterbrochen und dabei die Placenta praevia vorgefunden.
Die Patientin hatte vorher nicht geblutet.
Die Geburt trat ein: vor der 32. Woche im 9. Mon. imlO.Mon.
bei Plac. praevia centralis 10 20 19
* „ lateralis 12 14 10
* * * marginalis 3 5 14
n tiefem Sitz der Plazenta _2 _2
25 41 45
Es haben also 22,5 Proz. der Kinder das lebensfähige Alter nicht
erreicht; 37 Proz. kamen im 9. Monat, 40,5 Proz. im 10. Monat zur
Welt.
Die Dauer der Blutungen betrug bei 3 Patientinnen nur wenige
Stunden, 1 Tag in 19 Fällen, 2—3 Tage in 7 Fällen, 4—7 Tage in
14 Fällen. 1—2 Wochen in 19 Fällen, 3—4 Wochen in 18 Fällen,
5—6 Wochen in 13 Fällen, 7—8 Wochen in 10 Fällen, 9—10 Wochen in
4 Fällen und 10—15 Wochen in 3 Fällen. Dauer der klinischen Be¬
handlung bis zur Geburt: Sofort entbunden wurden 5 Fälle, nach
1908, No. 5, 10, 20; D. med. Wochenschr. 1908, No. 40. — Hegars
Beitr., XIII, 2, p. 321. — Fromme: Berl. klin. Wochenschr. 1908.
No. 4.
M ) Seilheim: Die Gefahren der natürlichen Geburtsbestre¬
bungen bei Placenta praevia und ihre Verminderung durch den extra¬
peritonealen Uterusschnitt. Zentralbl. f. Gynäkol. 1908, No. 40.
42 ) Ein Teil derselben ist bereits durch Closs in einer Disser¬
tation (Tübingen 1901) verarbeitet, indessen sind die Fälle hier noch¬
mals aufgenommen, da sie wegen der Gleichmässigkeit der Geburts¬
leitung für die Beurteilung der Methode von grösster Wichtigkeit sind.
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Original frorn
UMIVERSITY OF CALIFORNIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
167
wenigen Stunden 57 Fälle, nach einem Tag 14 Fälle, nach 2 Tagen
3 Fälle, nach 3 Tagen 7 Fälle, nach 4 Tagen 5 Fälle, nach 5—7 Tagen
5 Fälle, nach 1 —2 Wochen 9 Fälle, nach 3—4 Wochen 5 Fälle. Von
den 62 sofort oder in den ersten Stunden nach ihrer Ankunft ent¬
bundenen Frauen waren auswärts vom Arzt tamponiert 22, von der
Hebamme tamponiert 6 und von der Hebamme untersucht 7 Fälle.
Die Dauer des Qesamtaufenthaltes der Patientinnen in der Klinik in¬
teressiert uns bei 100 Fällen, welche wieder nach Hause entlassen
werden konnten (11 Frauen starben). Dieser betrug: 10—15 Tage
bei 43, 16—20 Tage bei 18. 21—25 Tage bei 15, 26—30 Tage bei 6 ,
31—35 Tage bei 4, 36—40 Tage bei 4, IV» —4 Monate bei 11 .
49 mal handelte es sich um Placenta praevia centralis. 36 mal um
laterale, 22 mal um marginal, 4 mal um tiefsitzende Plazenten.
Oeburtsverlauf:
Art der
—
—
Mutter
Kind
j=
•d
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Entbindung
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£
Wendung . . . .
83
75
90,36
8
9,64
16
19
52
62
16
! 19
Vaginaler Kaiserschnitt. . .
10
7
70
3
30
7
2 1 )
1
Extraperiton. Uterusschnitt .
9
9
0
7
2
i
0
Spontan.
Metreuryse.
4*)
8»)
4
7
0
1
4
3
0
4
1
Blasensprengung.
4 4 )
4
0
2!
2
0
4 ) 1 lebensfähiges Kind und ein nichtlebensfähiges nach vor¬
heriger misslungener Metreuryse verloren.
*) In 2 Fällen Blasensprengung, in einem Falle präliminare Tam¬
ponade der Scheide.
*) 1 Fall durch Wendung beendigt mit Perforation des nach¬
folgenden Kopfes. 2 Fälle durch vaginalen Kaiserschnitt zu Ende ge¬
führt; davon 1 Frau an Myokarditis verloren.
*) 2 Fälle durch Wendung beendigt; tote Kinder.
Eine Oewichtsextension wurde nach kombinierter Wendung
43 mal angewendet, dabei entstanden 8 Zervixrisse, wobei in 6 Fällen
ausser der Extension Manualhilfe angewandt war, nur in 2 Fällen bei
Anwendung von 1 bezw. 3 kg entstanden ohne weitere Manipulationen
Zerreissungen der Zervix. Ferner ereigneten sich 6 Zervixrisse, bei
denen nur Manualhilfe zur Entwicklung des Kindes geleistet war.
Von diesen Rissen verliefen 3 tödlich, in 3 Fällen konnte die Frau
noch durch Exstirpation des Uterus gerettet werden.
Präliminare Scheidentamponade wurde angewendet in 50 Fällen,
davon fieberten 30 Fälle (60 Proz.) im Wochenbett, von den nicht-
tamponierten Fällen fieberten 30 Proz. Die Stärke des Blutverlustes
intra partum war sehr stark in 15 Fällen, stark in 39 Fällen, mässig
in 19 Fällen, gering in 35 Fällen. 3 mal sind keine bestimmten An¬
gaben gemacht.
Die Nachgeburtsperiode verlief spontan in 21 Fällen. 62 mal
musste die Placenta exprimiert werden und zwar meist wegen Blu¬
tung. 11 mal wurde sie wegen Adhärenz manuell gelöst, 9 mal wegen
starker Blutung nach erfolgloser Expression. 40 mal wurde nach der
Geburt der Genitaltraktus tamponiert, 52 mal heisse, intrauterine Aus¬
spülungen zwecks Blutstillung vorgenommen, 3 mal wurde wegen
Verblutungsgefahr der Uterus entfernt, 1 mal wegen Infektion. In
19 Fällen waren die Frauen so ausgeblutet, dass Kochsalzinfusionen
gemacht werden mussten.
Ueber den Verlauf des Wochenbettes nach den einzelnen Ope¬
rationsmethoden gibt uns folgende Tabelle Aufschluss:
Tag der Ent¬
lassung bei:
Wendung
vag. Kaiserschnitt
Extraperit.
Uterusschnitt
10—15
44
3 1
0
16—20
8
1
5
21—25
8
2
2
26-30
5
0
2
2 Monate
9
1 (Scharlach)
0
3 Monate |
1 1
0
0
Summa |
75 !
7
9
Davon waren krank:
an Puerperalfieber
noch bei der Ent-
13
1
1 o
lassung anämisch
19
0
0
Verlust des Uterus
3
0
0
Gestorben:
8
i ‘ ' 3*)
0
*) darunter 1 Frau nach vorheriger misslungener Metreuryse.
Todesursachen: 5mal Verblutung (3mal Zervixriss),
4 * Sepsis,
1 * Myokarditis,
1 „ akute Dilatation d. Herzens mit Lungenödem.
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Aus dem pathologischen. Institut der Universität Göttingen
(Dir.: Professor Dr. E. Kaufmann).
Zur Differentialdiagnose der Leukämieen.
Von Privatdozent Dr. Walter H. S c h u 11 z e.
Aus der Leukämieliteratur der letzten Jahre geht klar
hervor, dass die chronischen Leukämien einer Unter¬
scheidung in eine lymphoide und myeloische Form keine
grösseren Schwierigkeiten entgegensetzen. Man kann allein
schon aus dem Blutbefund die chronische myeloische Leu¬
kämie mit ihren verschiedenen Knochenmarkszellen im Blute
von der chronischen lymphoiden Leukämie, bei der der kleine
basophile uninukleäre Lymphozyt im Blute vorherrscht, gut
voneinander trennen. Die akuten Leukämien sind es, die der
Differentialdiagnose von jeher grosse Schwierigkeiten be¬
reiteten. Es ist dies auch leicht verständlich, wenn man sich
überlegt, dass bei raschem Verlauf der Krankheit eine grosse
Anzahl unreifer, noch nicht fertiger Zellen in das Blut einge¬
schwemmt wird, die als Jugendstadien die spezifischen Zell¬
charaktere, Granulierung, Kernpolymorphie usw., noch nicht
ausgebildet haben. Es ist dann natürlich viel schwieriger zu
unterscheiden, ob diese Zellen nun Knochenmarks- oder Lymph-
zellen sind.
Theoretisch muss es zwei Formen der akuten Leukämie
geben, die genau den bekannten chronischen Formen ent¬
sprechen, eine akute lymphoide und eine akute myeloische Leu¬
kämie. Bei der ersten müssten bei raschestem Verlauf die
Vorstufen der Lymphozyten, d. h. die normalerweise in den
Keimzentren der Lymphdrüsen vorkommenden Lymphoblasten,
im Blut und den Organen vermehrt sein, bei der letzteren die
Vorstufen der Knochenmarkszellen d. h. die Myeloblasten
N a e g e I i s, welche ja nach den schönen Untersuchungen
Schriddes im embryonalen Knochenmark vorherrschen,
aber auch noch im Knochenmark des erwachsenen Menschen
bis ins hohe Alter hinein beobachtet werden. Beide Leukämie¬
formen kommen denn auch wirklich vor, wie indes erst die
Beobachtungen der letzten Jahre gelehrt haben. Bei der
grossen Aehnlichkeit, die Lymphoblasten und Myeloblasten
besitzen (es sind beides ungramilierte Zellen mit basophilem
Protoplasma und grossem bläschenförmigen Kern), machte man
früher keinen Unterschied zwischen den beiden Zellen, son¬
dern sah die grossen Zellen, die man bei den akuten Formen
als einzige Repräsentanten im Blut vermehrt findet, wegen
ihrer Nichtgranulierung schlankweg als Lymphozyten (grosse
Lymphozyten, Lymphoidzellen) an. Man beschrieb diese Fälle
von Leukämie als akute lymphatische Leukämien. Man muss
heute wohl mit Sicherheit annehmen, dass unter den damals als
akute lymphatische Leukämien, z. B. von Ebstein und
Fraenkel beschriebenen Fällen sicher eine grosse Anzahl
von Myeloblastenleukämien gewesen sind.
Klarheit in die Unterscheidung dieser akuten Leukämien
kam erst, als man mehr Wert auf den Organbefund als auf den
Blutbefund legte und die einzelnen Organe histologisch genau
untersuchte. Ich glaube wohl als einer der ersten durch Unter¬
suchung eines typischen Falles von akuter grosszeiliger Leu¬
kämie aus dem eigentümlichen Organbefund bewiesen zu
haben, dass es sich in diesem Fall nicht um eine lympha¬
tische, sondern um eine Myeloblastenleukämie gehandelt hat.
In diesem „viel besprochenen und viel zitierten“ Falle war das
lymphoide Gewebe in Lymphdrüsen und Milz nicht nur nicht
hypertrophisch, sondern atrophisch, verdrängt, erdrückt durch
ein anderes, das myeloblastische Gewebe. Meine Anschauung,
dass ein Teil der akuten Leukämien Myeloblastenleukämien
sind, hat dann auch von anderer Seite, ich nenne hier nur
K. Ziegler und Pappenheim, die ähnliche Fälle be¬
schrieben haben, vollständige Zustimmung erfahren.
Im Gegensatz zu diesen Fällen steht dann ein jüngst von
Pappe n heim- Hirschfeld beschriebener Fall von
akuter grosszelliger Leukämie, der im Gegensatz zu den Myelo¬
blastenleukämien eine starke Hypertrophie, Wucherung des
lymphoiden Gewebes in Milz und Lymphdrüsen mit deutlicher
Ausbildung der Keimzentren zeigte. Hier handelt es sich also
um eine Form der akuten Leukämie, bei der das Lymphgewebe
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
168
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4
in Wucherung geraten ist und unfertige Lymphozyten, Lympho-
blasten, in den Kreislauf geraten sind. — Es kann also tatsäch¬
lich die akute grosszellige Leukämie in eine lymphoide und
myeloide Form getrennt werden, und es wäre demnach als
erstes wichtiges Hilfsmittel zur Differentialdiagnose der akuten
Leukämien die genaue histologische Unter¬
suchung der Organe zu nennen.
Eine geringere praktische Rolle spielen meiner Meinung
nach die morphologischen Unterschiede, die sich zwischen den
Lympho- und Myeloblasten namhaft machen lassen, wie wir
sie besonders durch die genauen Untersuchungen Schrid-
des kennen gelernt haben. Die Unterschiede sind gering, ein
Blick auf die beiden Tafeln Schriddes in der Zeitschrift für
ärztliche Fortbildung und im Zentralblatt für Pathologie lehrt
uns dies. Die Grosse beider Zellen ist fast gleich, das Proto¬
plasma in beiden basophil, die äussere Konfiguration des
Kernes genau übereinstimmend. Unterschiede bestehen nur in
der inneren Kernstruktur und darin, dass der Lymphoblast
einen schmalen hellen Hof um den Kern besitzt. Es mag gerne
zugegeben werden, dass diese geringfügigen Unterschiede er¬
fahrenen Hämatologen wie Schridde u. a. genügen, um
mit Sicherheit Lymphoblasten und Myeloblasten zu
unterscheiden, aber für die grössere Anzahl der pathologischen
Histologen. mag es wohl kaum zutreffen.
Viel wichtiger und für die Differentialdiagnose erfolgver¬
sprechender als morphologische Unterschiede sind drittens
die chemischen Verschiedenheiten, die be¬
kanntlich zwischen den Zellen der Knochen¬
marks- und lymphatischen Reihe bestehen. Sie
beruhen darauf, dass die Knochenmarkszellen und insbesondere
die Leukozyten Träger verschiedener Fermente sind, während
die Lymphozyten solcher, so weit wir wissen, ermangeln. So
besitzen die Zellen der Knochenmarksreihe, wie es ja für die
Eiterkörperchen schon lange bekannt ist, ein proteolytisches
Ferment. Die praktische Methode zur Erkennung der eiweiss-
verdauenden Tätigkeit dieser Zellen, die von Jochmann
und Müller angewandt wurde, ist auch zur Differential¬
diagnose der Leukämien empfohlen und benutzt werden. Eine
allgemeinere praktische Verwertung hat sie, soweit ich ersehe,
für diesen Zweck noch nicht erfahren.
Das zweite in Frage kommende, nur in den Leukozyten
lokalisierte Ferment ist ein oxydatives, eine Oxydase, d. h. ein
Ferment, welches durch seine Anwesenheit Oxydationspro¬
zesse beschleunigt. Dieses Ferment vermag wegen seiner
oxydativen Fähigkeiten Guajakonsäure zu Guajakblau zu oxy¬
dieren, eine Tatsache, auf der die Anwendung der Guajaktinktur
beruht. Dass Eiter Guajaktinktur bläut, wissen wir schön-
längere Zeit, dass diese Eigenschaft alle granulierten Leuko¬
zyten besitzen, die Lymphozyten aber vermissen lassen, ist
erst durch die Untersuchungen von Brandenburg und
E. Meyer weiteren Kreisen bekannt geworden. Diese beiden
Autoren haben dann die Guajaktinktur als makroskopische
Reaktion an frischem Material (Blut und Organe) für die
Differentialdiagnose zwischen myeloischer und lymphoider
Leukämie herangezogen, und nach den Angaben Fabians
scheint sie ja auch hie und da schon mit gutem Erfolg benutzt
worden zu sein. Grössere Verbreitung hat sie indes nicht ge¬
wonnen. Ihre Anwendung hat auch einige Mängel, da abge¬
sehen von ihrem alleinigen makroskopischen Gebrauch wegen
des Alkoholgehaltes die Tinktur das Ferment leicht zerstört,
und da bei Blutreichtum infolge der Mitreaktion der Erythro¬
zyten leicht Irrtümer entstehen können.
Auf dem Vorhandensein des gleichen Oxydationsfermentes
beruht nun weiter die sogen. „O x y d a s e r e a k t i o n“ von
Winkler oder besser Indophenoblausynthese, die
ich zuerst bei der Leukämie verwandt habe und als ein vor¬
zügliches Hilfsmittel zur Differentialdiagnose der Leukämien
sowohl für Blutabstrichpräparate, als auch besonders für Ge¬
frierschnitte frischer und >in Formol fixierter Organe aufs
wärmste empfehlen kann. Auf das Wesen, die Bedeutung und
Geschichte dieser Reaktion möchte ich hier nicht näher ein-
gehen. Wegen aller Einzelheiten verweise ich auf eine in
Zieglers Beiträgen im Erscheinen begriffene Arbeit, in der
die Bedeutung dieser Reaktion auch für andere Gebiete ein-
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gehend erörtert ist. Hier mag nur erwähnt werden, dass die
unten genannte Reaktion in anderer Form unter dem Namen
Röhmann-Spitzersehe Reaktion zum Nachweis von
Oxydasen in Organextrakten und Flüssigkeiten schon längere
Zeit im Gebrauch ist und von Winkler für mikroskopische
Untersuchung von Eiterzellen zuerst angewendet wurde. Nur
die praktische Seite der Frage mag hier Erwähnung finden.
Zur Vornahme der Reaktion bedarf man zweier Flüssig¬
keiten, einer 1 proz. wässerigen Lösung von a-Naphthol und
einer lproz. wässerigen Lösung vonDimethyl-p-Phenylendiamin
(E. Merck). Da sich a-Naphthol nicht besonders gut in Wasser
löst, muss man die Lösung bei Erwärmung vornehmen und spä¬
ter kalt filtrieren. Ein geringer Alkalizusatz erhöht die Löslich¬
keit und scheint ausserdem die Schnelligkeit der Reaktion gün¬
stig zu beeinflussen. Beide Lösungen bilden, zusammen¬
gebracht, bei Luftzutritt allmählich durch oxydative Synthese
einen blauen Farbstoff, der in die Gruppe der Indophenole
(im speziellen Fall Naphtholblau) gehört und, da er unlöslich ist,
ausfällt. Beim Vorhandensein eines oxydativen Fermentes
wird diese Reaktion stark beschleunigt, und es werden die¬
jenigen Stellen, an denen das Ferment lokalisiert ist und an
denen die Synthese sofort eintritt, blaugefärbt. Bringt man nun
Formolgefrierschnitte, z. B. einer Leber bei myeloischer Leu¬
kämie, aus Wasser hintereinander in die beiden Lösungen oder
auch in ein Gemisch gleicher Teile dieser Lösungen, so kann
man schon makroskopisch eine deutliche Bläuung der Schnitte
nach kurzer Zeit wahrnehmen. Spült man die Schnitte in
Wasser ab und untersucht sie in Wasser auf dem Objektträger
und mit einem Deckglas bedeckt unter dem Mikroskop, so
sieht man, dass das Lebergewebe vollständig ungefärbt ist, die
sämtlichen weissen Blutkörperchen mit Ausnahme der Lympho¬
zyten indes eine prachtvolle Blaufärbung ihres Protoplasma¬
leibes angenommen haben. Bei starker Vergrösserung kann
man erkennen, dass entsprechend den Granulis blaue Körner
im Protoplasma enthalten sind, der Kern selbst aber ungefärbt
ist. Mit Ausnahme der Speicheldrüsen, die eine an anderem
Orte zu besprechende Sonderstellung einnehmen, färbt sich
nach dieser Methode kein anderes Gewebe blau, sondern nur
einzig und allein die granulierten Zellen der Knochenmarks¬
reihe, d. h. alle Myelozyten, Leukozyten und Mastzellen. Nur
bei längerem Einwirken der Flüssigkeiten färbten sich Fett¬
substanzen leicht rötlich bis violett, niemals aber blau. Es
mag dies erwähnt werden gegenüber einer Arbeit von Diet¬
rich, der die Reaktion an Doppelmesserschnitten ausführte
und sie als Lipoidfärbung empfahl. Eine gewisse leichte Lös¬
lichkeit des Farbstoffes in Lipoiden mag vielleicht bei der
Granulafärbung nebenbei noch eine Rolle spielen. Dass Li¬
poide an und für sich die Reaktion aber nicht geben, davon
kann man sich leicht überzeugen, wenn man Schnitte des Zen¬
tralnervensystems der Reaktion unterwirft; diese bleiben trotz
ihres hohen Lipoidgehaltes ungefärbt. Auch spricht die Auf¬
hebung der Reaktion durch Gifte (z. B. Blausäure) und nach
Erhitzung der Schnitte zu Gunsten einerFermentreaktion. Jeden¬
falls ergibt sich mit dieser Methode ein deutlicher Unterschied
zwischen den Organen der myeloischen und lymphoiden Leu¬
kämie, die bei ersterer werden blau, die bei letzterer bleiben un¬
gefärbt. Eiterkörperchen und von diesen durchsetzte Organe
geben die Reaktion natürlich auch, rote Blutkörperchen aber
nie. Wir besitzen in dieser Reaktion zugleich eine bio¬
logisch-chemische Methode der Granula¬
färbung. Was von den Organschnitten gilt, gilt auch von
Blutpräparaten. Blutabstriche, unfixierte ältere oder in Formol
fixierte, werden bei myeloischer Leykämie nach kurzer Ein¬
wirkung beider Flüssigkeiten gebläut. Die bei lymphatischer
Leukämie bleiben ungefärbt.
Wie verhält sich nun die Reaktion bei der grosszeiligen
Leukämie? Hier konnte ich zwei Fälle untersuchen:
Der erste betrifft meinen oben kurz erwähnten, viel besprochenen
Fall von Myeloblastenleukämie, den ich im Jahre 1906 in Zieglers
Beiträgen veröffentlicht habe. Es handelte sich um einen 13 jährigen
Knaben. Bei einem kürzlichen Besuch im Freiburger pathologischen
Institut konnte ich noch in Formol befindliche Organe dieses Falles
auffinden, und Herr Professor A s c h o f f gestattete mir in liebens¬
würdiger Weise an den Organen die neue Reaktion auszuführen.
Es ergab sich das erfreuliche Resultat, dass alle grossen Zellen mit
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
169
denen diese schon über 3 Jahre in Formol liegenden Organe in¬
filtriert waren, die bei den gewöhnlichen Granulafärbungen keine
Granulierung gezeigt hatten, nach Vornahme der Reaktion überall
allerfeinste blaue Granula in ihrem Protoplasma erkennen Hessen.
Dadurch ist die damals schon von mir ausgesprochene Annahme, dass
diese Zellen in die Knochenmarksreihe gehören, also Myeloblasten
sind, mit Sicherheit erwiesen. Es geht weiter aus diesen Unter¬
suchungen hervor, dass mit der „Indophenolblausynthese“ eine Kör-
nelung noch im Protoplasma solcher Zellen dargestellt werden kann,
die bei den gebräuchlichen Granulafärbungen sich als ungranuliert
erweisen, also in gewissem Sinne unsere Methode mehr leistet wie
jene. Die normalen Myeloblasten z. B. des Knochenmarks geben die
Reaktion für gewöhnlich nicht, wohl aber die pathologisch im Blut
und in den Organen vorkommenden Myeloblasten bei der Myelo¬
blastenleukämie zum grössten Teil.
Der zweite Fall kam kürzlich im hiesigen Institute zur Sektion.
Es handelt sich um einen 41 jährigen Mann, dessen Krankheit im
Verlauf von wenigen Monaten zum Tode führte. Der Sektionsbefund
war für akute grosszellige Leukämie typisch. Wenn auch ein Teil
der im Blut und in den Organen sich findenden Zellen granuliert
waren, so war doch der grösste Teil bei der Anwendung der ge¬
bräuchlichen Granulafärbungen ungefärbt. Auch Herr Privatdozent
Dr. Schridde in Freiburg, dem wir auf seine Bitte hin Organstücke
zusandten, konnte mit seiner Methode in der Mehrzahl der Zellen
keine Granula auffinden. Bei Anwendung der Oxydasereaktion fan¬
den sich aber wiederum fast alle Zellen mit blauen Granulis angefüllt.
Die Organschnitte geben hier ganz prachtvolle Bilder. Besonders
in den Lymphdrüsen war das nichtgeiärbte lymphoide und das stark
blau gefärbte myeloblastische Gewebe sehr schön abzugrenzen. Eine
Abbildung des Leberpräparates dieses Falles wird in der ausführ¬
lichen Arbeit sich finden. Alle beiden Fälle konnten so mit Hilfe der
Reaktion ganz sicher als Myeloblastenleukämie erkannt werden.
Einen Fall der anscheinend viel selteneren Lymphoblastenleukämie
habe ich nicht beobachten können.
Da die Reaktion auch an formolfixiertem Material ge¬
lingt — es sind nur Gefrierschnitte brauchbar, da durch Hitze,
Gifte und die gebräuchlichen Einbettungsmittel das Formol zer¬
stört wird —, können auf diese Weise auch schon publizierte
Fälle, die der Diagnosestellung Schwierigkeiten boten, mit
Leichtigkeit nachgeprüft werden.
Einen Nachteil besitzt die Reaktion. Die Präparate sind
nur für Stunden haltbar, da allmählich, wahrscheinlich infolge
Reduktion des Farbstoffes, ein Abblassen stattfindet. Da aber
die Reaktion mit spielender Leichtigkeit ausgeführt werden
kann, wird dieser Nachteil nicht schwer ins Gewicht fallen.
Ich glaube hoffen zu dürfen, dass für die Differential¬
diagnose der Leukämien die „Indophenolblausynthese“ bald
überall Anwendung finden und zur Klärung der Frage der
grosszeiligen Leukämie beitragen wird.
Literatur.
Brandenburg: Münch, med. Wochenschr., 1900, No. 6. —
Dietrich: Zentralbl. f. patholog. Anatomie, 1908, No. 1. — Fa¬
bian: Sammelreferat, Zentralbl. f. Pathologie. 1908, No. 2. — F r a e n-
kel: Ueber akute Leukämie. Deutsche med. Wochenschr., 1895. —
Meyer E.: Ueber die zytodiagnostische Bedeutung der Guajak-
reaktion. Münch, med. Wochenschr., 1904, No. 35. — Müller und
Jochmann: Münch, med. Wochenschr., 1906, No. 29, 3!, 41 und
1907 No. 1—4. Siehe auch E. Müller: Archiv für klinische Medizin,
Bd.91,1907. — Pappenheim-Hirschfeld: Folia haematologica,
1908, No. 5. — Pappenheim: Folia haematologica, 1907, No. 1—4.
— Schridde: Zieglers Beiträge, Bd. 41, 1907, Zeitschrift für ärzt¬
liche Fortbildung, 1907, No. 24, Zentralblatt für Pathologie, 1908,
No. 23. — Schultze, W. H.: Zieglers Beiträge, Bd. 39, 1906. —
Winkler: Folia haematologica, IV, 1907, S. 323 und V, 1908, S. 17.
— Ziegler K.: Experimentelle und klinische Untersuchungen über
Leukämie. Jena 1906.
Aus der chirurgischen Universitätsklinik zu Königsberg
. (Direktor: Professor E. L e x e r.)
Zur Behandlung der flachen Hautkarzinome*).
Von Dr. E. Rehn, Assistent der Klinik.
M. H.! Das Thema der Gesichtskrebse und ihrer Be¬
handlung ist an dieser Stelle bereits mehrmals angeschnitten
worden, so dass ich auf Histologie und Morphologie dieser
Tumoren nur mit wenigen Worten eingehen will.
Wie Ihnen bekannt sein dürfte, unterscheiden wir zwei
Gruppen von Gesichtskarzinomen. Die erste Gruppe bilden
•) Nach einem Vortrag, gehalten in dem Verein für Wissenschaft*
liehe Heilkunde zu Königsberg am 7. XII. 08.
No. 4.
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die Stachelzellenkrebse, sie neigen stark zur Verhornung, so
dass ihnen auch gemeinhin die Bezeichnung verhornende Kar¬
zinome beigelegt wird. Von diesen werden die Basalzellen¬
krebse unterschieden. Hier erfahren die krebsig gewucherten
Basalzellen keine weitere Differenzierung, sie behalten ihren
Charakter bei und werden von Crompecher je nach der
Form ihrer Wucherungen in solide, drüsenartige, schlauch¬
artige Basalzellentumoren unterschieden. Er fügt eine hyaline
und schleimige Abart hinzu, indem er in der Beschaffenheit
des Geschwulststromas ein weiteres Unterscheidungsmerkmal
sieht.
Was nun den Kliniker veranlasste, diese Einteilung des
pathologischen Anatomen zu übernehmen, so ist dies die be¬
merkenswerte Tatsache, dass diese sogen. Basalzellen¬
karzinome, im Gegensatz zu den stark verhornenden Platten¬
epithelkrebsen einen verhältnismässig gutartigen Charakter an
den Tag legen. Meist zeigen sie längere Zeit hindurch ein
oberflächliches Wachstum, weniger häufig setzen sie Lymph-
drüsenmetastasen. Unter ihre Reihe sind denn auch jene Fälle
von Gesichtskrebs zu zählen, bei welchen über eine angebliche
Ausheilung, eine oberflächliche Vernarbung durch die Behand¬
lung mit dem Glühstift, mit ätzenden Flüssigkeiten und Salben,
durch Auflegen schützender aseptischer Verbände berichtet
wird. Seltener finden sich Mitteilungen über spontane Aus¬
heilungsvorgänge beim Karzinom, und meist handelt es sich
um solche sehr beschränkten Umfangs. Ich verweise auf die
diesbezüglichen Uitersuchungeu von Becher und Peter-
sen. Jacobsthal endlich konnte darüber berichten, dass
der Organismus imstande sei, eine krebsige Neubildung in
grösserem Umfang spontan zu eliminieren. Seine Beobachtung
bezieht sich auf ein Basalzellenkarzinom der Schläfengegend,
welches zentral eine pfennigstückgrosse, karzinomfreie Narbe
aufwies, in der Peripherie allerdings weitergewuchert war und
zwar unter der trügerischen Maske der intakten Epidermis.
Einen Beitrag zu diesen spontanen Ausheilungen, bezw.
Sdieiriheilungen eines Karzinoms liefert mein erster Fall:
Die Angaben des 56 jährigen, gesund aussehenden Mannes lau¬
teten dahin, dass sich vor 3 Jahren aus einem Pickel an der linken
Wange, in der Nähe des Ohres ein Geschwür entwickelt habe, wel¬
ches quer über die Wange bis zum äusseren Augenwinkel wanderte
und als Spur die breite sichtbare Narbe hinterliess. Patient stand
bis dahin ausserhalb ärztlicher Behandlung.
Die Untersuchung stellte über dem linken Jochbein ein taler¬
grosses, tiefgreifendes Geschwür fest, welches dem Knochen unver¬
schieblich aufsass und nach oben bereits auf das untere Augenlid
über gegangen war. Seine unregelmässig gezackten Ränder sind
von derber Beschaffenheit und leicht aufgeworfen. Der Geschwürs¬
grund ist höckerig und nach Art junger Granulationen von frisch¬
roter Farbe. Die breite Narbe, welche das Geschwür auf seiner
Wanderung hinterliess, nimmt fast die gesamte linke Wange ein. Ihre
Grenze verläuft vorne von dem Geschwür abwärts bis in Mund¬
winkelhöhe, wendet sich dann nach hinten, um 2 cm vor dem linken
Ohre nach oben zu ziehen und in leicht geschwungenem Bogen die
Höhe des Geschwüres in der Gegend des äusseren Augenwinkels zu
erreichen. Die Narbenoberfläche ist glatt, glänzend und gegen die
umgebende Haut kaum merklich eingesunken.
Verhärtete Lymphdrüsen sind nicht nachweisbar, ebenso fehlen
Störungen von Seiten des benachbarten linken Auges. Unsere Dia¬
gnose: lupusähnliches Karzinom nach v. Bergmann stand ohne
weiteres fest.
Geschwür samt Narbe wurden weit im Gesunden Umschnitten.
Da der Tumor dem Knochen fest aufsass, musste eine Scheibe vom
Os zygomaticum mitentfernt werden. Der umfangreiche Defekt wurde
durch Ueberpflanzung eines freien Kutislappens gedeckt, zur Lid¬
plastik ein Zipfel des Hautlappens verwandt. Heilverlauf ohne Stö¬
rung. Der Kranke stellte sich in diesen Tagen, also 9 Monate nach
seiner Entlassung, vor; er ist rezidivfrei, das kosmetische Resultat ist
in jeder Beziehung ein befriedigendes zu nennen.
Histologisch handelt es sich um ein an der Oberfläche ulzeriertes
Basalzellenkarzinom und zwar um die hyaline Form desselben mit
vereinzelten Schichtungskugeln.
Wichtig erschien mir die genaue Untersuchung der Narbe auf
Karzinomreste. In der Tat gelang es, nach Durchmustern einer
Reihe von Stufen- und Serienschnitten unter einer intakten Epi-
dermisdccke ganz vereinzelte, kleine Krebsnester nachzuweisen. Die¬
selben zeigen ebenso wie der Haupttumor, durchaus den für das
Basalzellenkarzinom typischen Aufbau. Die oval bis spindlig ge¬
stalteten, plasmaarmen, mit chromatinreichem Kern ausgestatteten
Krebszellen bilden teils solide Nester, teils zeigen ihre Wucherungen
ein zierliches Netzwerk fein verzweigter Bälkchen. Letztere stehen
2
Original from
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170
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
vereinzelt mit der basalen Zellschicht der Epidermis in Zusammen¬
hang. Die Epidermis selbst ist an diesen Stellen infolge Druck¬
wirkung wohl abgeflacht, in ihrem Aufbau jedoch völlig normal zu
nennen. Rings um den Tumor, am stärksten in der Richtung seines
Tiefenwachstums ausgeprägt, finden sich teils diffuse, teils herd¬
förmig angeordnete kleinzellige Infiltrationen, meist Lymphozyten,
spärlicher Plasmazellen. Erwähnenswert erscheinen mir auch die
Befunde, welche die Untersuchung der Narbe auf elastische Gewebs-
elemente zu tage förderte. In den tieferen Schichten der Kutis
finden sich die breiten, kernarmen Bindegewebszüge sozusagen ein-
gescheidet von langgestreckten elastischen Lamellen. In den sub-
epidermoidalen Schichten tritt der bindegewebige Anteil der Narbe
zurück, um breiten Lagen dichtgedrängter elastischer Fasern Platz zu
machen. Wo jedoch das Karzinom seinen Sitz hat, sind nur mehr
feinste Fäserchen elastischer Substanz nachweisbar, dagegen schlingen
sich breite hyaline Bindegewebsbänder um die karzinomatösen Zell¬
wucherungen.
Kurz zusammengefasst, handelt es sich zwar um eine
spontane Abheilung des Krebses in grösserem Massstabe, noch
mehr aber ist erwiesen, zu welchen Trugschlüssen uns das Be¬
stehen einer selbst längere Zeit hindurch rezidivfrei ge¬
bliebenen Narbe verleiten kann. Denn berücksichtigen wir die
Angaben des durchaus glaubwürdigen Patienten, so ergibt sich
für diese Karzinomnester eine Latenzzeit von nahezu 3 Jahren,
genau die Spanne Zeit, welche uns als längste Beobachtungs-
frist bei rezidivfreien, mit Röntgenstrahlen angeblich ge¬
heilten Qesichtskrebsen angegeben wird. Der Nachweis einer
glatten Narbe erscheint mir daher nichtssagend, es sei denn,
dass dieselbe im ganzen entfernt und in Serienschnitten unter¬
sucht würde.
Diese Exzision einer längere Zeit hindurch rezidivfrei ge¬
bliebenen Röntgennarbe wurde bei dem folgenden Fall aus¬
geführt. Meine Mitteilungen betreffen neben anderen Be¬
funden auch die Ergebnisse der Narbenuntersuchung.
Mit anamnestischen Daten will ich mich kurz fassen und nur
erwähnen, dass sich bei dem Patienten, einem 41 jährigen, kräftigen
Manne aus einer Warze über dem linken Jochbein, dank unzweck¬
mässiger Behandlung, ein Qesichtskrebs von Fünfmarkstückgrösse
entwickelt hatte, als derselbe vor 2 Jahren in die Behandlung eines
Dermatologen trat. Eine intensive Röntgenbehandlung (6 Bestrah¬
lungen August und September 1906) führte angeblich eine schnelle
zentrale Vernarbung des Geschwüres herbei (prompte Reaktion) am
Rande jedoch gingen die Wucherungen weiter. Um auch diese zu
zerstören, erfolgten in grösseren Zeitabständen mehrfach wieder¬
holte „Randbestrahlungen“, verbunden mit Thermokauterisation.
Diese fruchtlosen Bemühungen, der Krebswucherung Herr zu werden,
gaben Veranlassung, den Patienten der chirurgischen Behandlung zu
überweisen.
Die Befunde, welche ich erheben konnte, decken sich voll¬
kommen mit den oben angeführten Angaben des Patienten.
Ueber dem linken Jochbein findet sich eine derbe, mattglänzende,
haarlose Narbe von Talergrösse. Während diese seitlich in die um¬
gebende Haut glatt übergeht, ist ihr oberer Rand leicht aufgeworfen,
von derber Beschaffenheit und begrenzt in unregelmässigen Linien ein
zweimarkstückgrosses Geschwür. Der Geschwürsgrund zeigt nach
Entfernung der locker anhaftenden Borken eine weiche, leicht zu Blu¬
tungen neigende Beschaffenheit. Ein ebensolcher, ähnlich gestalteter
Substanzverlust findet sich am unteren Pol der Narbe, ein erbsen¬
grosses Geschwür nahe dem äusseren Augenwinkel. Auffallender
Weise fehlten Verhärtungen benachbarter Lymphdrüsen.
Das Karzinom wurde samt Narbe weit im Gesunden Um¬
schnitten und in ovalem Lappen mit erreichbarem Periost des Joch¬
beins entfernt. Der grosse Defekt erhielt als Deckung einen freien
Kutislappen vom Oberschenkel des Patienten. Nach Beseitigung der
Parotisfistel, welche bei dem Tiefenwachstum des Tumors schwer zu
vermeiden war, und die den Heilverlauf leider wesentlich verzögerte,
konnte der Patient immerhin nur 6 Wochen nach stattgehabter Ope¬
ration als geheilt, mit gutem kosmetischen Resultat entlassen werden.
Histologisch handelt es sich hier um ein reines Basalzellen¬
karzinom ohne eine Andeutung von Verhornung. Die Geschwulst¬
oberfläche bilden leukozytendurchsetzte Fibrinmassen mit karyorrhek-
tischen Tumorzellen, dann folgt in zierlicher, bald schlauch-, bald
drüsenartiger Wucherung das Karzinom. Die Tumorzellen sind
plasmaarm und besitzen einen ovalen bis spindligen Kern, letztere
Form ist die häufigere. In den zentralen Abschnitten des Karzinoms
findet sich ein zartes, lockeres, bindegewebiges Stroma, nach dem
Rande zu wird dasselbe dichtgeflochtener; in der Umgebung der
Krebswucherung endlich beobachten wir meist breite Lagen straffen,
kernarmen Bindegewebes. Kleine Haufen von roten Blutkörperchen,
welchen wir hin und wieder begegnen, deuten auf frische Blutungen,
breite Herde von Lymphozyten und vor allem auch Plasmazellen
zeigen uns den Zustand chronischer Entzündung an. Die oberfläch¬
liche Faszie der Wangenmuskeln ist aufgeblättert und von Krebszapfen
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bereits durchwuchert. Die tieferen Schichten der Muskulatur selbst
sind noch frei.
Diese auffallende Indolenz eines Basalzellenkarzinoms
gegenüber der Röntgenbehandlung, welche dasselbe durch ein
unentwegtes peripheres Weiterwuchern, durch ein bedroh¬
liches Tiefen Wachstum an den Tag legte, ist damit noch nicht
erschöpft. Ich habe Ihnen ein Präparat von der Röntgennarbe
aufgestellt. Eine wohlentwickelte Epidermis überzieht die an
der Oberfläche gradlinig, in der Tiefe meist gewellt, parallel
verlaufenden, äusserst derben Bindegewebszüge. Im Gegen¬
satz zu der spontan entstandenen Narbe finden sich hier so gut
wie keine elastischen Gewebselemente. Dieser Unterschied
scheint mir von prinzipieller Bedeutung zu sein. In den Ge-
webslücken begegnen uns kleine, vereinzelte Herdchen peri¬
vaskulär gelegener Lymphozyten und Plamazellen. Ein fein¬
körniges Pigment deutet auf ältere Blutungen hin. In der Tiefe
sind die Bindegewebszüge lockerer gefügt; in den so ent¬
standenen Gewebsspalten häufen sich Rundzellen, und diesen
folgend gelangen wir zu den feinen, zierlich verzweigten Bälk-
chen des lebhaft wuchernden Basalzellenkarzinoms.
Während es sich daher bei der spontan entstandenen
Narbe um ein oberflächliches Rezidiv handelte, spielt sich hier
das Wachstum des Tumors in der Tiefe ab und darin erblicke
ich den Ausdruck einer besonderen Gefahr. — Dank der aus¬
giebigen Röntgenbestrahlung findet sich nach aussen von dem
Karzinom eine breite, widerstandsfähige Lage derben Binde¬
gewebes.
Nach dieser Richtung hin ist der Tumorwucherung eine
Schranke gezogen. Sie wird, wie es das Präparat auch vor
Augen führt, ihre Ausläufer in die Tiefe senden, in das locker
gefügte Gewebe der Subkutis. Schleichend aber unaufhaltsam
wird der Krebs hier um sich greifen und so lange unbemerkt
bleiben, bis das Ergriffensein lebenswichtiger Organe den
Patienten unrettbar dem Tode überliefert. Ich erinnere nur
an den von L e x e r beobachteten und kürzlich mitgeteilten
Fall.
Was die letzten Aeusserungen der Chirurgen in der Frage
der Behandlung des Gesichtskrebses mittels Röntgenstrahlen
anbetrifft, so hat C1 a i r m o n t die Bestrahlung der Basal¬
zellenkarzinome aufs wärmste empfohlen, mit Ausnahme der
uns als bösartig bekannten Formen desselben, welche sich in
der Gegend des inneren Augenwinkels lokalisieren. Clair-
m o n t legt bezüglich der einzuschlagenden Therapie einen
grossen Wert auf eine scharfe Trennung zwischen ver¬
hornenden und nicht verhornenden Karzinomen und sieht diese
Auffassung gestützt erstens durch das verschiedene klinische
Verhalten der beiden Karzinome, zweitens durch die bio¬
logischen Differenzen derselben in ihrem Verhalten gegenüber
den Röntgenstrahlen. Zu dem ersten Punkt habe ich folgendes
zu bemerken: Ich hatte in dem vergangenen halben Jahre Ge¬
legenheit, 8 Fälle von Basalzellenkarzinom zu untersuchen,
und von diesen wiesen nur 4 die ihnen nachgerühmten gut¬
artigen Eigenschaften auf, als da sind: oberflächliches Wachs¬
tum, keine Metastasenbildung in den benachbarten Lymph¬
drüsen. Von den übrigen zeigte der erste Fall (pfennigstück¬
grosses, flaches Basalzellenkarzinom der Wange) Metastasen
in den submaxillaren Lymphdrüsen; über den bösartigen Cha¬
rakter von Fall 2 und 3 habe ich oben berichtet. Fall 4 habe
ich in diesen Tagen untersucht. Es handelte sich um ein 0,5 cm
im Durchmesser haltendes, zentral ulzeriertes Basalzellen¬
karzinom, welches der linksseitigen Sutura nasomaxillaris un¬
verschieblich aufsass. Histologisch liess sich feststellen, dass
die Krebszapfen das Periost bereits durchwuchert hatten.
Solche Erfahrungen aber müssen den Glauben an die ab¬
solute Gutartigkeit des Basalzellenkarzinoms erschüttern, sie
warnen davor, in dem selbst histologisch erbrachten Nachweis
des Basalzellencharakters eines Karzinoms einen Garantie¬
schein für dessen Gutartigkeit zu erblicken. Wie eben auch der
pathologische Anatom bei genauerer Untersuchung nicht allzu¬
selten Uebergänge von der nicht verhornenden Form des Haut¬
krebses zu der verhornenden findet, ebenso häufig sind die
klinischen Unterschiede zwischen diesen beiden Tumorformen
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26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
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verwischte, denn leider müssen wir nur allzu oft den gutartigen
Charakter der Basalzellenkarzinome vermissen.
Was nun die biologischen Unterschiede in dem Verhalten
der beiden Krebsformen gegenüber den Röntgenstrahlen an¬
belangt, so erblicke ich in dem Reagieren der Basalzellen¬
karzinome auf die X-Strahlen nur die Bestätigung einer längst
bekannten Tatsache, dass eben die Basalzellenkarzinome leicht
zu beeinflussen sind, und zur oberflächlichen Vernarbung
neigen. Diese Scheinheilungen wurden, wie ich eingangs er¬
wähnt habe, durch die Behandlung mit dem Qlühstift, mit
ätzenden Flüssigkeiten oder Salben, und endlich selbst durch
Auflegen aseptischer, schützender Verbände mehrfach erzielt.
Nach Lexer ist die Anwendung der Röntgenbestrahlung
nur für diejenigen operablen Tumoren zulässig, welche be¬
stimmt als Basalzellenkarzinome erkannt worden sind, und
dann, wenn Verhärtungen benachbarter Lymphdrüsen fehlen.
Obige Erfahrungen zwingen, noch einen Schritt weiter zu
gehen. Ich betrachte auf Grund meiner Befunde das Röntgen-
verfahren in der Behandlung der Basalzellenkarzinome auch
bei fehlender Lymphdrüsenverhärtung als eine unsichere, un¬
zuverlässige Heilmethode. Denn erstens sind die damit er¬
zielten günstigen Resultate, der Nachweis einer rezidivfreien
Narbe, nach einer so kurzen Beobachtungszeit belanglos und
nichtssagend. Zweitens aber geht aus meinen Befunden die
Tatsache mit Sicherheit hervor, dass die Röntgenbestrahlung
den Patienten den ernstesten Gefahren aussetzt, welchen wir
durch Anwendung eines einfachen, altbewährten Mittels in 96
von 100 Fällen aus dem Wege gehen können, es ist das Messer
in der Hand des geübten Chirurgen.
Aus der Abteilung für Hydrotherapie (Hofrat Prof. W. Winter¬
nitz) und für Radiologie (Privatdozent R. Kienböck) der
Allgemeinen Poliklinik in Wien.
lieber Veränderung der Herzgrösse im heissen und
kalten Bade.
(Mit orthodiagraphischen Untersuchungen.)
Von Dr. Rudolf Beck und Dr. N. Dohan, Assistent am
Röntgeninstitute.
Die von F. Moritz ausgebildete orthodiagraphische
Projektion mit Röntgenstrahlen (erste Veröffentlichung der
Methode von Moritz „Münch, med. Wochenschr.“ 1900,
No. 29) ermöglichte eine sehr exakte Darstellung der Herz¬
grösse. So wurde ein genaueres Studium des Verhaltens des
Herzens unter physiologischen und pathologischen Verhält¬
nissen ermöglicht.
Abgesehen von der bekannten transitorischen Verkleine¬
rung des Herzens beim Valsal va sehen Versuche hat
R. Kienböck bei einem Falle von hysterischer Stenokardie
zum erstenmal am Menschen pathologische Herzverkleinerung
beobachtet (Wien. klin. Wochenschr. 1900, No. 18 u. 21).
Später haben Kienböck, Selig und Beck mit Hilfe
der Orthodiagraphie gefunden, dass schwere Körperanstrengung
das Herz des Menschen vorübergehend verkleinert („akute
Herzverkleinerung“, Münch, med. Wochenschr. 1907, No. 29
und 30, „Untersuchungen an Schwimmern“). Die Verkleinerung
nach Körperanstrengung haben spätere Untersuchungen
(D i e 11 e n und Moritz: Münch, med. Wochenschr. 1908,
No. 10; Moritz: Münch, med. Wochenschr. 1908, No. 14) be¬
stätigt.
G ö t z 1 und Kienböck haben bei Asthma bronchiale
beträchtlich verkleinerte Herzen gefunden (Wien. klin. Wochen¬
schr. 1908, No. 36); hier wird die Herzverkleinerung auf Steige¬
rung des intrathorazischen Druckes und Lungenblähung durch
Schwellung der Bronchialschleimhaut bezw. Krampf der
Bronchialmuskulatur erklärt. D i e 11 e n hat dieselbe Erschei¬
nung bei Emphysem und Asthma gefunden (Münch, med.
Wochenschr. 1908, No. 34). Uebrigens hat schon 1906
K. Francke („Die Orthodiagraphie“, München, Lehmann,
1906) Orthodiagramme von Emphysematikern mit auffallend
kleinem Herzen veröffentlicht, wobei er allerdings irrtümlich
von „Hypoplasie des Herzens“ sprach.
Ueber den Einfluss von Bädern auf die Herzgrösse liegt
bisher keine spezielle Arbeit vor, sondern es finden sich nur
in der Literatur zerstreut einzelne Angaben, welche einander
widersprechen. Th. Schott (Deutsche med. Wochenschr.
1897, No. 14) hat bei einem 14 jährigen, herzkranken Mädchen
nach Anwendung eines Nauheimer Bades von 24,8° R Ver¬
kleinerung des Herzens gesehen. Smith will mittels der
sogen. Friktionsmethode gefunden haben (18. Kongr. f. innere
Med.), dass sich das normale Herz auf ein heisses Bad hin
linear um fast das Doppelte vergrössern kann. F. Moritz
(Münch, med. Wochenschr. 1902, No. l) führt dem gegenüber
einen eigenen Versuch an, welcher mittels Orthodiagraphie
ausgeführt wurde. Ein gesunder Mann nahm ein Bad von
33° R und 25 Minuten Dauer; nach dem Bad voller, erregter
Puls, geröteter Kopf, die Abmessungen des Herzens sind aber
völlig unverändert geblieben. Auf der Versammlung deutscher
Naturforscher und Aerzte in Köln 1908 teilte Schmincke-
Bad Elster mit, er habe nach Körperanstrengung, nach heissen
und kohlensauren Bädern Herzverkleinerung gefunden, mit¬
tels Anwendung der Teleradiographie, ohne nähere Angaben
zu machen. — Wir beschlossen deshalb auf Anregung des
Dozenten Dr. R. Kienböck, den Einfluss von verschieden
temperierten Bädern auf die Herzgrösse einer exakten Unter¬
suchung zu unterziehen.
Die Objekte unserer Untersuchungen waren zum grössten
Teile Ambulanzpatienten der hydrotherapeutischen Abteilung
(Hofrat Prof. W i n t e r n i t z). Bei allen wurde Grösse, Alter,
Pulszahl, Atemfrequenz, Thoraxumfang beim Inspirium und
Exspirium bei ruhiger Atmung festgestellt, der auskultatorische
Herz- und Lungenbefund aufgenommen. Es waren im wesent¬
lichen Individuen mit gesunden Organen im Alter von 18 bis
55 Jahren.
Bei jedem wurde nun vor Beginn des Bades ein Ortho-
diagramm des Herzens aufgenommen. Die Untersuchten
hatten nur wenige Schritte von der Badewanne zum Röntgen¬
zimmer zu gehen. Mitunter war schon eine Minute nach dem
Verlassen des Bades das Orthodiagramm des Herzens vol¬
lendet, in anderen Fällen betrug dieser Zeitraum 2—3 Minuten»
Nach diesem 2. Orthodiagramme wurden sogleich wieder Puls,
Atmungsfrequenz, Thoraxumfang kontrolliert. In mehreren
Fällen wurde dann nach längerer oder kürzerer Zeit (20 bis
60 Minuten) ein 3. Herzorthodiagramm aufgenommen zur Fest¬
stellung der Andauer der Veränderung. Alle Masse, Puls¬
zahl usw. wurden im Stehen bestimmt. Die Bäder waren stets
Vollbäder.
Fall 1. K. 1VL 20 Jahre, Dienstmagd. Seit 14 Tagen Herz¬
klopfen und Angstgefühl während der Nacht, schlechter Schlaf.
Diagnose: Chlorose. Zarter Knochenbau, sehr blasses Individuum.
Länge 148 cm, Gewicht 48 kg. Herzbefund normal. Versuch: Bade¬
temperatur 30° R, Badedauer 15 Minuten.
Th. D. H Thoraxinnendurchmesser in mittlerer
Herzhöhe orthodiagraphisch bestimmt) 20 cm.
Thoraxinnendurchmesser nach dem Versuche
19 cm.
*) t = transversaler Herzdurchmesser in cm.
**; 1 = longitudinaler Herzdurchmesser.
***) q = querer Herzdurchmesser.
Fa 11 2. F. Sch., 55 Jahre, Hausbesorger. Seit 14 Tagen Magen¬
schmerzen. Diagnose: Nervöses Magenleiden. Etwas gespannter
Puls, Herz normal. Länge 175 cm, Gewicht 87 kg. Starke Fett¬
leibigkeit. Versuch: Badetemperatur 30° R, Badedauer 15 Minuten.
Th. D. 26,5.
Der suprakardiale Schatten war nach dem
Bade bedeutend verbreitert und zwar von
etwa 5 cm auf 6 cm.
Fall 3. R. Z., 20 Jahre, Dienstmagd. Seit etwa 2 Wochen
Magenschmerzen, wenig Appetit, etwas Husten. Diagnose: Magen¬
katarrh; sehr leichte Bronchitis. — Herz normal. Länge 163 cm,
Gewicht 63 kg. Puls 90. Versuch: Badetemperatur 32° R, Bade-
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
172
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
dauer 20 Minuten. Nach dem Bade Pat. stark gerötet, schwitzt stark.
Puls 120. Th. D. 23,5.
1 Herz
vor |
nach
t
11,5
1 9 ’ 7
1
12,7
n
q
10,6 |
! 9,4
Nach dem Bade der Thoraxquerdurchmesser
unverändert (23,5), der Zwerchfellstand beider¬
seits etwas niedriger. Gefässschatten ein wenig
verbreitert.
Fall 4. M. V„ 25 Jahre, Hilfsarbeiterin. Seit 5 Tagen
Schmerzen zwischen den rechten Rippen. Diagnose: Interkostal¬
neuralgie, grazil gebaut, Muskulatur normal, geringes Fettpolster,
normaler Knochenbau. Länge 155 cm, Puls 80, Th. i. (= Thorax¬
umfang nach dem Inspirium bei gewöhnlicher Atmung) 71, Th. e.
(= Thoraxumfang nach dem Exspirium bei gewöhnlicher Atmung)
70, Th. D. 23,3. Versuch: Badetemperatur 32° R, Badedauer 20 Mi-
Fig. 1.
Fig. 2.
Fall 3.
heissem Bade.
Fig. 3.
Fig. 4.
Fall 7.
heissem Bade.
Fig. 5.
Fig. 6.
Fall 9.
heissem Bade.
nuten. Nach dem Bade ist die Haut gerötet, aber weniger als im
vorigen Falle, Puls 112, Th. i. 71, Th. e. 70.
Herz
vor
nach
t
9,4
9
1
11,5
11,5
q
8,5
9
Nach dem Bade sind [beide Lungenfelder nach
oben (Spitze) und unten (Zwerchfell) stark
erweitert. Der suprakardiale Schatten nur
wenig ^verändert.
20 Minuten nach dem 2. Orthodiagramme ein drittes. Zu dieser
Zeit Puls 110, Hautrötung fast verschwunden. Um 4Y» Uhr nachm,
(nach 6 Stunden) ein 4. Orthodiagramm, Puls jetzt 100. Nach
20 Minuten ist die Lungenblähung noch immer vorhanden, das
Herz wieder etwas vergrössert, d. h. es stimmt überein mit der
Grösse vor dem Bade.
Nach 6 Stunden wurde der identische Befund erhoben wie
vor dem Bade, auch die Lungenblähung war wieder verschwunden.
Das Orthodiagramm deckte sich vollkommen mit dem vor dem Bade.
Fall 5. F. V, 26 Jahre, Kellner. Seit vorgestern Brennen und
spärlicher Ausfluss aus der Harnröhre. Diagnose: Gonorrhoea acuta,
graziler Knochenbau, gut entwickelte Muskulatur, mässig entwickelter
Panniculus adiposus. Innerer Befund normal. Puls 75, Th. i. 78,
Th. e. 77. Versuch: Badedauer 20 Minuten, Badetemperatur 33° R.
Digitized b
■V Google
Nach dem Bade starke Rötung der Haut, Puls 120, Th. i. 78Vi, Th. e. 77.
Eine Stunde nach dem 2. Orthodiagramme ein drittes. Th. D. 22,2.
Die Lungen haben sich nach der Spitze und
nach dem Zwerchfelle bedeutend ausgedehnt.
Nach 1 Stunde waren die Lungen nicht mehr ausgedehnt und das
Herz nicht mehr verkleinert, die Herzsilhouette deckte sich voll¬
kommen genau mit der vor dem Bade.
Fall 6. B. F., 23 Jahre. Dienstmagd. Seit 8 Tagen Schmerzen
in der Hüftgegend. Diagnose: Cor dilatatum, Anämie. Hautfarbe
und sichtbare Schleimhäute ziemlich blass. Puls 120, rhythmisch,
Länge 168 cm, Atmung 30, Th. i. 73, Th. e. 72. Muskulatur, Fett-
Fig. 7.
Fig. 8.
Fall 11.
kaltem Bade.
Fig. 9.
Fig. 10.
Fall 12.
\ ;
kaltem Bade.
Fig. 11.
nach
Fig. 12.
(
u
I Fall 13.
\ \
kaltem Bade
nach
polster, Knochenbau normal entwickelt. Th. D. 21,3. Herzbefund:
absolute Dämpfung vom oberen Rande der 4. Rippe, linker Brust¬
beinrand, nach links nicht konstatierbar wegen Mamma. An der
Herzspitze systolisches Geräusch, das Geräusch auch an der Herz¬
basis, aber leiser zu hören, 2. Pulmonalton nicht akzentuiert. Ver¬
such: Badetemperatur 33° R, Badedauer 20 Minuten. Nach dein
Bade Atmung 22, Puls 132, Th. i. 74, Th. e. 73.
Herz
vor
nach
t
13,1
13,1
1
ca.13,1
13,1
q
ca.10,6
10,6
Die Lungen nach oben und namentlich nach
unten deutlich ausgedehnt. Herzgrösse
identisch.
Fall 7. K. W., 18 Jahre, Dienstmagd. Seit 14 Tagen Fuss-
schnierzen. Diagnose: Chlorose. Blasse Hautfarbe, sichtbare
Schleimhäute sehr blass. Herzdämpfung normal. An der Herzspitze
ein langes, sehr leises systolisches Geräusch, dasselbe lauter über der
Herzbasis; 2. Ton an der Basis nicht akzentuiert. Puls 90, Th. i. 76,
Th. e. 75, Atmungsfrequenz 24, Th. D. 22,1. Kräftiger Knochenbau,
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
26 . Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
173
kräftige Muskulatur, gut entwickeltes Fettpolster. Versuch: Bade¬
temperatur 32° R Badedauer 20 Minuten. Nach dem Bade ist Pak
stark gerötet. Puls 108, Atmungsfrequenz 30, Th. i. 76, Th. e. 75.
Die Lungen nach oben und unten stark aus¬
gedehnt.
F a 11 8. F. A., 40 Jahre, Maurer. Seit 2 Monaten Reissen in
den Armen. Diagnose: Muskelrheumatismus. Cor, Pulmones normal;
Art. radialis mässig rigid, Puls 62, Atmung 24, Th. i. 93, Th. e. 92.
Kräftige Muskulatur, kräftiger Knochenbau, Panniculus adiposus
mässig entwickelt. Länge 168 cm. Th. D. 25. Versuch: Bade¬
temperatur 33° R, Badedauer 20 Minuten. Nach dem Bade ist die
Haut stark gerötet. Puls 120, Atmung 28, Th. i. 93, Th. e. 92.
45 Minuten nach dem 2. Orthodiagramme ein drittes. Zu dieser
Zeit Puls 92.
Die Lungen, besonders in den oberen Teilen,
etwas ausgedehnt.
Nach 45 Minuten war das Herz noch verkleinert.
Fall 9. A. M., 2t Jahre, Arbeiterin. Seit 14 Tagen Stechen im
Kreuz. Diagnose: Muskelrheumatismus. Cor, Pulmones normal.
Haut und sichtbare Schleimhäute sehr blass. Th. i. 68, Th. e. 67;
Atmung 23, Puls 92. Th. D. 21,5. Versuch: Badetemperatur 32° R,
Badedauer 20 Minuten. Nach dem Bade ist Pat. stark gerötet. Puls
120, Resp. 25, Th. i. 66, Th. e. 65.
Die rechte Zwerchfellkuppc etwas gesenkt.
F a 11 10. R. M., 21 Jahre, Badediener. Als Kind hatte er
„Fraisen“, angeblich einmal eine Blinddarmentzündung, die ohne
Operation zur Ausheilung kam. Er betrieb durch viele Jahre in for¬
cierter Weise Radfahren, ist eifriger Schwimmer, der schon öfters
an Wettschwimmen sich beteiligt hat und erste Preise errang. Dia¬
gnose: Herzhypertrophie und Herzdilatation (Sport).
Puls 92, Th. i. 87, Th. e. 86, Th. D. 25,2, Länge 168 cm, Ge¬
wicht 65 kg. Versuch: Badetemperatur 16° R, Badedauer 2 Minuten
(vor dem Bade kalte Abreibung und kalte Dusche). Nach dem Bade
fröstelt er, zittert, klagt über Kältegefühl, Haut blass und kühl. Puls 60,
Atmung 28.
Der suprakardiale Schatten ist nach dem Bade
verbreitert.
Fall 11. E. H., 19 Jahre, Kellner. Im Alter von 5 Jahren
wegen Leistenbruches operiert, hatte Masern, mit 13 Jahren Lungen-
und Rippenfellentzündung (wurde damals punktiert), ist seither ge¬
sund. Die r. Thoraxhälfte ist abgeflacht. R. o. über der Klavikula
und hinten über der rechten Lungenspitze ist der Perkussionsschall
dumpf und ist kein Atmungsgeräusch zu hören. Das Herz ist normal.
Diagnose: Geheilte Schwarte in der r. Lungenspitze und ausgeheilte
pleuritische Schwarte rechts. Puls 96, Th. i. 73, Th. e. 72, Länge
165 cm, Gewicht 52 kg, Th. D. 23. Versuch: Badetemperatur 20° R,
Badedauer 5 Minuten: vor dem Bade kalte Dusche. Nach dem Bade
Puls SO, Th. i. 73, Th. e. 72, Atmung 25. 90 Minuten nach d^rp
2. Orthodiagramme wurde ein drittes ausgeführt. Auch zu dieser
Zeit hat er noch leichtes Kältegefühl, Puls 60, leicht irregulär.
Das Zwerchfell bedeutend tiefer getreten.
Nach P/a Stunden Herzvergrösserung und
Lungenblähung noch vorhanden.
Fall 12. J. F., 40 Jahre, Goldarbeitergehilic. Seit 15 Monaten
Kopfdruck und Brennen im Kopfe und schlechter Schlaf. Er akqui¬
rierte vor 10 Jahren Lues, welche längst geheilt sein soll. Diagnose:
Neurasthenie. Puls 81, Atmung 23, Th. i. 84, Th. e. 83, Länge 165 cm,
Gewicht 64 kg, Th. D. 24,5. Cor sanum.
Versuch: Badetemperatur 20° R, Badedauer 4 Minuten. Vor
dem Bade Regendusche. Nach dem Bade Haut blass, er zittert vor
Kälte, Puls 66, Th. i. 87 l A, 86 1 /*, Atmung 22.
Herz
vor
| nach
t
11,5
10,2
1
12,3
11,2
q
ca. 10
'ca. 8,8
Das Zwerchfell bedeutend tiefer getreten.
Fall 13. Dr. R. B., 34 Jahre, Arzt. Als Kind Scharlach.
Bronchitis. Seit Jugend eifriger Tourist, schwimmt, rudert, betreibt
Eislauf, Fechten. Diagnose: Sportherz. Puls 60, Länge 178 cm, Ge¬
wicht 82 kg. Th. D. 26,6. Versuch: Badetemperatur 17° R. Bade¬
dauer 5 Minuten; nach dem Bade leichtes Frösteln, Puls 48.
Der suprakardiale Schatten ist bedeutend r ver¬
breitert, das Zwerchfelljst wenig tiefer
getreten.
Fall 14. K. L., 46 Jahre, Beamter. Er hat seit einiger Zeit
Schmerzen im Kreuz; ist bisher angeblich nie krank gewesen. Dia¬
gnose Neurasthenie. Kräftige Muskulatur, Fettpolster und Knochen¬
bau normal. Puls 92, Atmung 19, Th. i. 84,5, Th. e. 83,5, Th. D. 23,5.
Versuch: Badetemperatur 17° R, Badedauer 4 Minuten; nach dem
Bade leichtes Kältegefühl, Puls 72, Atmung 20, Th. i. 85, Th. e. 84.
Rechte Zwerchfellhälfte gesenkt, linke Zwerch¬
fellhälfte gehoben.
Das Hauptgewicht legten wir bei unseren Untersuchungen
auf die genaue Feststellung der Herzgrösse.
(Tabelle siehe nächste Seite.)
Nach dem heissen Bade (von 32 0 R oder
33 0 R) war das Herz in 6 unter 7FälIen ver¬
kleinert. Diese Verkleinerung war in mehre¬
ren Fällen eine ganz beträchtliche. Man ver¬
gleiche die Tabelle. Nur in einem Falle war das Herz un¬
verändert geblieben.
Nach dem kalten Bade zeigte sich das Herz
in 4 unter 5 Fällen vergrössert und nur in
einem Falle war die Herzfigur gleich ge¬
blieben. In 3 Fällen war die Vergrösserung
sogar eine recht erhebliche.
Bei 2 Versuchen mit warmen Bädern,
welche aber die Körpertemperatur nicht
überschritten (30 0 R), war der H e r z s c h a 11 e n
nach dem Bade nur wenig und zwar im Sinne
einer Verkleinerung verändert.
Abgesehen von der Volumsveränderung des Herzens war
in unseren Fällen 1—13 auch eine Verände¬
rung in der Form und Breite des supra¬
kardialen Schattens nach dem Bade zu beob¬
achten; stets handelte es sich um Breiten¬
zunahme. Diese w r ar entweder gering oder (Fall XIII) hoch¬
gradig, d. h. von etwa 4 cm auf 5,5 cm. Meistens betraf die
Verbreiterung rechts den unteren, links den oberen Teil des
suprakardialen Schattens; man hat es wohl vor allen;
mit einer Ausdehnung der aufsteig enden
Aorta und des Aortenbogens, sowie Erwei¬
terung der Vena cava zu tun.
Bei vielen Fällen waren die Lungenfclder nach
dem Bade vergrössert und zwar nach oben und
namentlich nach unten.
Zur Erklärung der Volumsänderung des Herzens während
des heissen und kalten Bades müssen wir beachten, dass nach
den heissen Bädern sich neben der Herzverkleinerung stets
Pulsbeschleunigung und vermehrte Blutfüllung der Haut (Haut¬
rötung) vorfand; nach den kalten Bädern w r ar neben der Herz¬
vergrösserung in jedem Falle Pulsvcrlangsamung und ver¬
minderte Blutmenge in der Haut (Hautblässe) zu konstatieren.
H e i 11 e r hat beobachtet, dass das freigelegte Herz eines
Tieres bei Akzeleransreizuig unter Pulsbe¬
schleunigung kleiner wird, bei Vagusreizung unter
Pulsverlangsamung grösser; ebenso bewirkt nach
Heitler Steigerung des Blutdruckes eine V e r -
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Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
174
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
8
.8
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!*2
Pall
Vor
(Pulszahl,trans¬
versaler Herz¬
durchmesser)
Nach
Pulszahl, trans¬
versaler Herz¬
durchmesser)
I
K. M., 20 J, Dienst-
magd, Anämie
II
P. Sch., 55 J., Haus¬
besorger, Nervöses
Magenleiden
Tr. D *) 10
Ir. D. 13
Tr. D. 9,7
Tr. D. 12,3
III
R. Z., 20 J., Dienst-
P.**) 90
P. 120
magd, Magenkatarrh
Tr. D. 11,5
Tr. D. 9,7
IV
M. V., 25 J., Hilfe-
P. 80
P. 112
arbeiterin,
Tr. D. 9,4
Tr. D. 9
Interkostalneuralgie
y
F. V., 26 J., Kellner,
P. 75
P. 120
Gonorrhoea acuta
Tr. D. 10,5
Tr. D. 9,1
VI
B. F., 23 J, Dienst-
P. 120
P. 132
magd, Gor anaemicum
Tr. D. 13,1
Tr. D. 13,1
VH
K. W., 18 J., Dienst¬
T 90
P. 108
magd, Chlorose
VIII
P. A., 40 J., Maurer,
Tr. D. 12,5
Tr. D. 10,4
P. 62
P. 120
Rheumatismus
Tr. D. 13
Tr. D. 12
musculorum
IX
A. M., 21 J.,
P. 92
P. 120
Chlorose
Tr. D. 11,5
Tr. D. 10,2
X
R. M., 21 J., Bade¬
P. 92
P. 60
diener, gesund.
Tr. D. 13,3
Tr. D. 14,1
XI
E. H., 19 J., Kellner,
P. 96
P. 80
gesund
Tr. D. 10,2
Tr. D. 11,2
XII
J. F., 40 J., Gold¬
P. 81
P. 66
arbeiter, Neurasthenie
Tr. D. 10,7
Tr. D. 12,1
XIII
Dr. R. B., 34 J., Arzt,
P 60
P. 48
gesund
Tr. D. 12,8
Tr. D. 14
XIV
K.L., 46 J., Beamter,
P. 92
P. 72
| Neurasthenie
Tr. D. 12,7
| Tr. D. 12,5
Bemerkung
Zugleich Lungenblähung.
Nach 20 Min. Herz wieder
normal gross.
Zugleich Lungenblähung. Nach
1 Stunde Herzverkleinerung u.
Pulsbeschleunigung verschw.
Nach 45 Min. Herzverkleine¬
rung noch vorhanden, Puls
noch beschleunigt.
Durch Radfahren und Wett¬
schwimmen ist sein Herz
dauernd vergrössert
Nach 1 Va St. Lungenblähung
u. HerzvergröRserung noch vor¬
handen, Puls m ch stärker ver¬
langsamt als gleich nach dem
Bade.
Lungenblähung
8uprakardialer Schatten stark
verbreitert.
*) Tr. D. — Transversaler Herzdurchmesser.
**) P. = Pulsfrequenz.
grösserung des Herzens, Sinken des Druckes eine
Verkleinerung. F. Moritz (Ueber funktionelle Ver¬
kleinerung des Herzens, Münch, med. Wochenschr. 1908,
No. 14) hat durch subkutane Injektion von 0,001 Atropin
beim Menschen den Vagusstrom ausgeschaltet und damit
neben Pulsbeschleunigung eine Verkleinerung des Her¬
zens erzielt. Wir können also zur Erklärung der Herzver¬
änderung im Bade in erster Linie annehmen, dass die Tem¬
peratur des Wassers reflektorisch auf Vagus und Akzelerans
einwirke, dass das heisse Bad die Vaguswirkung hemmt, bezw.
den Akzelerans reizt, das kalte Bad dagegen die Akzelerans-
wirkung herabsetzt, bezw. den Vagus reizt.
Da wir ferner bei der Herzverkleinerung gleichzeitig Haut¬
rötung, bei der Herzvergrösserung Hautblässe finden, so liegt
es nahe, auch die veränderte Blutverteilung im
Körper nach dem B?.de zur Erklärung der Veränderung der
Herzgrösse heranzuziehen. Diese Hypothese haben Kien¬
böck, Selig und Beck (Untersuchungen an Schwimmern,
Münch, med. Wochenschr. 1907, No. 29 u. 30) für die von
ihnen zum erstenmal bei Körperanstrengung beobachtete
(Orthodiagraphie) Herzverkleinerung angegeben. Möglich ist
es, dass reflektorische Vorgänge, durch die Temperatur des
Wassers ausgelöst, gleichzeitig auf Schlagfolge, Blutverteilung
und Blutdruck einwirken.
Weitere Beobachtungen in der Tuberkulosetherapie bei
der Anwendung von Marmorekserum. V
Von Oberarzt Dr. Schenker in Aarau. ^
Ueber die Erfahrungen, welche man bei der Anwendung
von Dr. Marmoreks Antituberkuloseserum in der Tuber¬
kulosetherapie bis anhin gemacht hat, sind mehr als 70 wissen¬
schaftliche Arbeiten erschienen, welche über 1000 Krankheits¬
fälle referieren, und weitaus die meisten Beobachter sprechen
sich darin in günstigem Sinne über das Serum aus.
Ich habe schon an der Deutschen Naturforscher- und
AerzteVersammlung in Dresden über 39 Krankheitsfälle re¬
feriert, bei welcher ich das Antituberkuloseserum anwendete.
(Referat Münch, med. Wochenschr. No. 43, 1907.) Durch das
liebenswürdige Entgegenkommen von Dr. M a r m o r e k ist es
mir möglich geworden, meine Versuche bis heute fortzusetzen,
so dass meine Beobachtungen 60 Kranke umfassen, welche ich
in den letzten zwei Jahren mit Antituberkuloseserum Mar-
morek behandelte.
Das Vorhandensein von Tuberkulose bei den Kranken
wurde jeweilen durch Untersuchung des Auswurfes und durch
die Impfungen mit Alttuberkulin nach Pirquet oder durch
die Ophthalmoreaktion nach C a I m e 11 e sichergestellt. Mit
Ausnahme von einigen ganz wenigen Fälen sind es Tuber¬
kulöse II. oder III. Grades, also fast alles Kranke, welche sehon
monate- und jahrelang wegen ihrer schweren Erkrankung in
ärztlicher Behandlung waren. Die meisten Kranken stammten
aus dem Kreise der Arbeiterbevölkerung, wo die voraus¬
gehende Pflege und Ernährung derselben zwar nicht immer als
eine mangelhafte, aber doch auch nicht als eine durchweg
rationelle bezeichnet werden konnte. So fehlte bei denselben
zu Hause die bessere Ernährung, die passendere Pflege — vor
allem die Freiluftliegekuren —, wie sie bei uns mit den Tuber¬
kulösen Sommer und Winter durchgeführt werden, was ge¬
wiss zum Erfolge auch wesentlich beigetragen hat Wichtig
und interessant sind dann die Beobachtungen bei diesen Kran¬
ken, nachdem sie das Krankenhaus „gebessert“ oder „geheilt“
verlassen haben und wiederum in die alten häuslichen Verhält¬
nisse eingezogen sind. Ueber die diesbezüglichen Erhebungen
und Erfahrungen, welche ich darin gemacht habe, will ich mich
weiter unten aussprechen.
In der Methode der Anwendung des Marmorek-
serums habe ich gegenüber meinen früheren Anwendungen
nichts wesentliches geändert. Wöchentlich 3 mal wurde den
betr. Tuberkulösen eine Serumdosis von 5—10 ccm subkutan
oder rektal appliziert und zwar subkutan 5 ccm und rektal
5—10 ccm. Nach einer Serie von 10—20—30 Dosen erfolgte
eine Pause von 1—2 Wochen. Subkutan wurden die Ein¬
spritzungen mit einer aseptischen Serumspritze und rektal mit
einer Art Glyzerinspritze mit Vorgesetztem Nölatonkatheter
verabreicht.
Als Ort für die subkutanen Einspritzungen wählten wir
die Extensorenseite eines Oberarmes oder Oberschenkels.
Wenn es auch in der ersten Zeit hie und da vorkam, dass an
der Injektionsstelle Schwellung, Rötung und Schmerzen auf¬
traten, so waren dieselben gewöhnlich nach einigen Um¬
schlägen mit Bleiwasser verschwunden. Abszesse entstanden
bei uns im letzten Jahre keine mehr. Es mag das zum Teil
daher rühren, dass wir bei der Verabreichung der Ein¬
spritzungen viel vorsichtiger und aseptischer zu Werke geben
als früher. Aber auch das Serum scheint viel besser und halt¬
barer geworden zu sein. Die Verpackung des Serums ist
besser, obwohl ich es als wünschenswert erachten würde, wenn
man das Marmorekserum ähnlich in Tuben einschmelzen
würde, wie es beim Diphtherieserum gemacht wird, statt das¬
selbe in Fläschchen mit Zapfen Verschluss aufzufüllen.
Bei den rektalen Anwendungen wurde jedesmal vor¬
her der Darm entleert und ausgewaschen und nachher das
Serum mittels Spritze und NSIatonkatheter in das Colon des-
cendens gespritzt Die rektale Anwendung wurde von allen
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Gck igle
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
175
Kranken — Kindern und Erwachsenen — ohne jede Kompli¬
kation sehr gut ertragen. Wiewohl bis dahin experimentell an
Tieren noch nicht nachgewiesen werden konnte, dass das
Marmorekserum vom Mastdarm aus ins Blut übergehe, so
muss es doch aus den vielfachen klinischen Erfahrungen
und Erfolgen angenommen werden,. Ich machte da aufmerk¬
sam auf die fast stets eintretende Pulsbeschleunigung bei allen
mit Marmorekserum behandelten Kranken. Mit Recht sagt
S t r a u s s - Nürnberg: „Die beste tierexperimentelle Durch¬
arbeitung eines Heilmittels erfordert erst ihre volle Wert¬
bestimmung durch die Prüfung am kranken Menschen.“
Ich glaube deshalb, man dürfe heutzutage nicht mehr da¬
ran zweifeln, dass Marmorekserum vom Mastdarm aus
resorbiert werden könne, wenn durch eine so grosse Anzahl
von klinischen Beobachtern dargetan ist, welche Wirkung
dieses Serum, per rectum angewendet, auf den menschlichen
Körper hat. Anders steht es freilich mit der Dosierung. Da
weiss man nicht, wie viel von dem in den Mastdarm ein¬
gespritzten Serum wirklich resorbiert wird. 10 ccm Serum
wurden ebenso gut ertragen wie nur 5 ccm und erzeugten
keine „Ueberempfindlicheit (Anaphylaxie), wie man es nicht
so selten bei subkutaner Anwendung des Serums findet. Man
darf somit mit Sicherheitjsagen:
Das Marmorekserum kann, in den bis¬
her üblichen Dosen per rectum angewendet, weder
Kindern noch Erwachsenen- Schaden bringen.
Aber auch subkutan angewendet haben die Reaktions¬
erscheinungen gegenüber früher wesentlich abgenommen. Ob
eine bessere Art der Herstellung des Serums schuld ist, oder
weil das Serum nicht mehr wie früher nur von einem Pferde
allein, sondern als Mischung von wenigstens 3 Pferden zu¬
sammen hergestellt wird, lässt sich nicht mit Bestimmtheit
konstatieren. Mehrere Forscher halten diese Reaktions¬
erscheinungen am menschlichen Organismus als Folge der
Wirkung der fremdalbuminoiden Stoffe des Pferdeserums.
Ohne Zweifel ist die subkutane Anwendung eine sicherere,
raschere und ökonomischere als die rektale. Daher sollte man
immer zuerst mit den subkutanen Injektionen ä 5 ccm pro
dosi, oder auch weniger, beginnen. Erst nachdem man sieht,
dass diese Art der Applikation aus irgend einem Gründe nicht
ertragen wird, soll man zu den rektalen Injektionen übergehen.
Bleibenden Schaden habe ich durch subkutane Seruminjek¬
tionen nie entstehen sehen, wenn sich auch bei diesem oder
jenem Kranken eine temporäre Ueberempfindlichkeit geltend
machte. In letzter Zeit verwendeten wir versuchsweise das
Marmorekserum auch intravenös (0,5—1,0 ccm pro dosi,
1—2 mal pro Woche).
Meine in den letzten 2 Jahren mit Antituberkuloseserum
Marmorek behandelten Tuberkulösen teile ich folgender-
massen ein:
A. Nach Alter und Geschlecht.
Alter 1
Jahre
Männer
Frauen
Total)
1—5 !
4
1
5
6—10
2
2
4
11—15
3
5
8
16-20 .
! 8
5
13
21-25
6
3
9
26-30
6
4
10
31-40
4
1
5
41—50
4
—
4
über 50 _
2
—
1 2
39
21
| 60
B. Nach der nachweisbaren Lokalisation der Tuberkulose.
Lungen . 31
Bauchfell.1
Darmkanal.1
Knochen . 3
Nieren und Blase.4
Gleichzeitig verschiedene Organe . . . 20
60
C. Nach dem Stadium der Erkrankung. (Turban).
I. Stadium: \ II. Stadium: 19 und 111. Stadium: 37.
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Ueber die Zahl der Injektionen sowie über die
Dauer der Serumkur gibt die beiliegende Tabelle ge¬
naue Auskunft.
Was die Erfolge und Misserfolge anbetreffen,
welche ich bei der Anwendung von Marmorekserum bekam,
so darf ich und will ich mit den erzielten Erfolgen zufrieden
sein, wenn ich in Betracht ziehe, was für ein Krankenmaterial
mir zur Verfügung stand, pa darf der Erfolg nicht nach
Prozenten gemessen oder etwa mit den Heilresultaten von
Sanatorien verglichen werden, wo sie doch meistens nur Fälle
leichteren und mittelschweren Grades aufnehmen. Die wenig¬
sten unserer Patienten würden in einem Sanatorium Aufnahme
gefunden haben.
Auf der deutschen Naturforscher- und Aerzteversammlung
erklärte ich, dass ich einen Tuberkulösen überhaupt erst als
geheilt betrachte, wenn er wieder so weit hergestellt ist, dass
er nach Entlassung aus der ärztlichen Behandlung wenigstens
2 Jahre lang ununterbrochen total arbeitsfähig war. Wenn
man unter „geheilt“ verstehen wollte „tuberkelfrei“ sein, so
würden jedenfalls Tuberkulöse überhaupt ausserordentlich
selten geheilt; sofern die Impfungen nach Pirquet, die
Ophthalmoreaktionen nach C a 1 m e 11 e und die subkutanen
Injektionen mit Alttuberkulin Koch irgend einen Wert als Dia-
gnostikum beanspruchen dürfen. So beobachteten wir bei
einigen, welche wegen Lungentuberkulose bei uns behandelt
und als total arbeitsfähig entlassen wurden, welche keinen
Husten und Auswurf mehr hatten, bei denen Dämpfung und
Rasseln auf den Lungen verschwunden waren, die überhaupt
keine weiteren Symptome von Krankheit mehr boten, dass
doch noch bei denselben die Kutanreaktion nach Pirquet
mehr oder weniger stark positiv war. Aehnliche positive
Kutanreaktionen nach Pirquet sehen wir auch nicht selten
bei Leuten, die noch gar nie krank waren, sich wohl fühlen
und bei welchen man nach den gewöhnlichen physikalischen
Untersuchungsmethoden nirgends eine tuberkulöse Erkrankung
nachweisen kann. Nach S i e g e r t - Köln: Die Bedeutung der
kutanen Tuberkulinreaktion (v. Pirquet) für die tägliche
Praxis des Arztes (Zeitschr. f. ärztl. Fortbildung No. 10, 1908)
müsste man in einem solchen Falle annehmen, dass der Mensch,
bei welchem die kutane Tuberkulinreaktion positiv ausfällt,
irgendwo in sich einen latenten tuberkulösen Herd trägt, ohne
mit Bestimmtheit zu wissen, wo derselbe sitzt. Dieses und
andere Wahrnehmungen, welche wir bei geheilten Tuber¬
kulösen im Laufe der Jahre machten, — wurden sie nun in
Sanatorien oder Spitälern mit oder ohne Serum ärztlich be¬
handelt — warfen in uns die Frage auf: „Kann man überhaupt
bei Tuberkulösen von „Heilung im Sinne von „tuberkelfrei“
sein oder werden, reden, oder ist nicht der ganze „Heilungs¬
prozess“ nur ein Latentmachen der bis an-hin virulenten
Tuberkelbazillen im menschlichen Körper. Die Befunde am
Sektionstisch würden einer solchen Vermutung Recht geben.
Aus diesem Grunde schätze ich meine erzielten Erfolge
auch nicht nach Heilung und Nichtheilung, sondern nach
totaler Arbeitsfähigkeit („geheilt“), teilweiser Arbeitsfähigkeit
(„wesentlich gebessert“), wenig gebessert, nicht gebessert oder
verschlimmert und gestorben.
So kann ich nach gewissenhafter Prüfung meiner Fälle
in bezug auf die erzielten Resultate dieselben beim Verlassen
des Spitals folgendermassen einteilen:
a) ganz arbeitsfähig („geheilt“).17
b) teilweise arbeitsfähig, („wesentl. gebessert“) 25
c) wenig gebessert.6
d) nicht gebessert oder verschlimmert ... 8
e) gestorben. . ._4
60
Von diesen 60 Kranken sind noch 7 in Spitalbehandlung und
sind zum Teil wesentlich, zum Teil wenig gebessert.
Symptome der Besserung. Im Gegensatz zu ver¬
schiedenen andern Forschern konnte ich bei den mit Marmorek¬
serum behandelten Tuberkulösen nie ein rasches oder gar
plötzliches Einsetzen der Besserung konstatieren. Die
Besserung erfolgte allmählich, langsam. Hebung des all¬
gemeinen Wohlbefindens, Besserung des Appetites, Ver¬
schwinden der febrilen Temperaturen und der Nachtschweisse,
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
176
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
Zunahme des Körpergewichtes. Bei der Untersuchung der
Lungen hörte man anfänglich eine Zunahme der Rassel¬
geräusche; dieselben wurden aber gleichzeitig wesentlich
feuchter und lockerer. Später jedoch nahm das Rasseln all¬
mählich ab, um bei günstigen Fällen ganz zu verschwinden
und einem unbestimmten Respirationsgeräusch, meist mit ver¬
längertem In- und Exspirieren, wiederum Platz zu machen. Die
Dämpfung über den erkrankten Partien verschwand grössten¬
teils. Die Tiefe der Inspiration nahm zu, die Zahl der Atem¬
züge ab.
Bei der Harnblasen- und Nierentuberkulose bestand die
Besserung in dem allmählichen Abnehmen und zuletzt Ver¬
schwinden der Tuberkelbazillen — im Sediment des Urins und
vor allem in der Besserung des allgemeinen Befindens des
Kranken. Bei einem sich noch bei uns befindenden Kranken
hat sich der allgemeine Zustand ganz bedeutend gebessert
(Gewichtszunahme 9,1 kg). Das Eiweiss im Urin hat sich
wesentlich vermindert. Aber der Tuberkelbazillengehalt im
Urinsediment ist sich indessen fast gleich geblieben.
Bei der Knochentuberkulose bekamen wir das¬
selbe günstige Bild der Heilung, wie es die meisten Autoren
schildern, welche Marmorekserum mit Erfolg anwendeten.
Eine grosse Anzahl Aerzte, welche noch nicht den Glauben
an die Heilwirkung des Marmorekserums haben, finden, dass
die eingetretene Besserung bei solchen Kranken weniger die
Folge des verabreichten Serums, als vielmehr die Wirkung
der bessern Pflege und Ernährung des Kranken sei, wie sie
derselbe eben im Spital und Sanatorium findet, und dass vor
allem ärmere Kranke, die an Lungenschwindsucht leiden,
selbstverständlich wiederum eher gedeihen, resp. sich bessern
müssen, wenn man sie aus den engen, feuchten und diistern
Wohnungen herausnehme und sie in die luft- und lichtreichen
Krankensäle eines modernen Spitales oder eines Sanatoriums
bringe, wo sie gut genährt und liebevoll gepflegt werden. Weil
diese Argumentation so viel bestechendes für sich hat, ent¬
schloss ich mich im letzten Monat August, Erhebungen über
das gegenwärtige Befinden derjenigen 39 Tuberkulösen zu
machen, welche ich im Jahre 1906/07 mit Marmorekserum im
Spital behandelte. Weitaus die meisten dieser Kranken gehörten
zu den weniger Bemittelten und Armen und kehrten somit in
die gleich ärmlichen und mangelhaften Verhältnisse zurück,
aus denen sie kamen, als sie ins Spital gebracht wurden. Man
durfte daher annehmen, dass die Armut, der Mangel an Luft,
Licht und Reinlichkeit, der Mangel an einer rationellen Er¬
nährung und Pflege gar bald sich geltend machen und die
schönen Erfolge des Krankenhauses und des Sanatoriums ver¬
nichten werde. Meine Erhebungen wurden so gemacht, dass
ich an die betreffenden Kranken, oder deren Angehörigen oder
Hausärzte Auskunftsschreiben erliess, worauf mir mitgeteilt
werden musste, wie das Befinden des erwähnten Tuberkulösen
seit dem Austritt aus dem Spital war, ob derselbe total oder
teilweise arbeitsfähig, oder arbeitsunfähig ist, ob sich eventuell
sein Zustand seither verschlimmert hat, oder ob der Patient
seither gestorben ist. An 39 mit Marmorekserum Behandelte
wurden diese Anfragen gerichtet und auf 31 davon ist uns
eine Antwort eingegangen; 8 Anfragen blieben unbeantwortet.
In diesen 31 Antworten wurde uns mitgeteilt, dass die
31 Tuberkulösen, welche vor 1 und 2 Jahren mit Antituber¬
kuloseserum Marmorek behandelt wurden, sich gegenwärtig
in folgendem Zustande befinden:
vollständig arbeitsfähig ..9
teilweise arbeitsfähig . 9
verschlimmert. 2
gestorben . . . ■._H
31
Mehr als ein Viertel dieser Tuberkulösen ist somit heute
noch vollständig arbeitsfähig und ein anderes Viertel
ist t e i 1 w e i s e a r b e i t s f ä h i g, d. h. kann leichtern Berufs¬
geschäften nachgehen. Somit können von diesen 31 Tuber¬
kulösen mehr als die Hälfte noch total oder doch teilweise ihr
Brot verdienen. Wenn diese Resultate auch keine glänzenden
genannt werden können, so dürfen sie doch als höchst
befriedigend bezeichnet werden, wenn man bedenkt,
dass es fast ausschliesslich Tuberkulöse II. und III. Grades
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(nach Turban) waren, dass es grösstenteils Leute aus
Arbeiterkreisen und Arme waren, welche vom Spital weg in
häusliche Verhältnisse zurückkehrten, wo sie sich nur zum
geringsten Teil gut pflegen und ernähren konnten. Weiter
muss bemerkt werden, dass ein Teil davon vorher schon in
gutgeführten Lungensanatorien waren, ohne daselbst Heilung
gefunden zu haben. Erst die Anwendung des Marmorekserums
machte sie dauernd, ganz oder teilweise arbeitsfähig.
In den’ eingegangenen Antworten ist ferner auffallend, dass
bei mehreren der Tuberkulösen auch nach dem Verlassen des
Krankenhauses die Besserung der Gesundheit weitere Fort¬
schritte machte.
Schlussätze.
Wenn ich nun das Fazit aus dem seit 2 Jahren an
60 Tuberkulösen gemachten Erfahrungen, bei welchen ich
Marmorekserum anwendete, ziehe, so kann ich nur das wieder¬
holen, was ich vor einem Jahre über diese Materie an der
deutschen Naturforscher- und Aerzteversammlung in Dresden
sagte:
1. Das Antituberkuloseserum Marmorek hat anti-
toxische Wirkung auf den menschlichen Organismus.
2. Besonders günstig wirkt es bei Lungentuberkulose
I. und II. Grades, sowie auch bei Knochen-, Bauchfell-,
Nieren- und Harnblasentuberkulose leichteren Grades.
3. Bei Lungentuberkulose III. Grades ist es oft imstande,
die Krankheit zum Stillstand zu bringen und eine Weiter¬
zerstörung der Lungen temporär zu hemmen, ja sogar nicht
selten wiederum wesentlich zu bessern. Je schwerer und
hartnäckiger der Krankheitsprozess ist. desto länger muss
das Serum angewendet w r erden. Die publizierten Misserfolge
kommen wahrscheinlich vom zu frühen Sistieren oder von der
unrichtigen Anwendung des Marmorekserums her.
4. Da wo ausgedehnte Zerstörungsprozesse schon vor¬
handen sind, da wird das Mormorekserum so wenig helfen
wie etwas anderes.
5. Das Marmorekserum, rektal oder subkutan angewendet,
hat keine schädlichen Nebenwirkungen und wird speziell vom
jugendlichen Alter gut und auf lange Zeit vertragen. Wie bei
andern Infektionskrankheiten, gegen welche man spezifische
Gegenmittel hat, so müssen auch hier die allgemeinen Lebens¬
bedingungen zur Genesung resp. Besserung günstig gestellt
werden. Eine rationelle Pflege und Ernährung des Kranken
ist da absolutes Erfordernis. Freiluftkuren, besonders
Sonnenbäder sind notwendig. Aufenthalt im Hochgebirge, in
geschützten, sonnenreichen Gegenden ist sehr empfehlenswert.
Aber auch Freiluftkuren in der T a 1 e b e n e, sogar in Nebel¬
gegenden während des Sommers, wie im Winter wirken nicht
nur nicht schädigend, sondern zeigen auffallend schöne Heil¬
resultate. Will man mit dem Marmorekserum schöne Erfolge
erzielen, so soll man die Freiluftkur nicht ausser acht lassen.
Die Tuberkulose ist eine Volksseuche, wie keine andere;
alt und jung, reich und arm werden davon heimgesucht. Aber
doch ist sie ganz besonders der Würgengel des Proletariates,
der Armut.
Dr. Marmorek hat uns mit seinem Antituberkulose¬
serum ein Mittel in unseren Arzneischatz gegeben, welches,
unseres Wissens, gegenwärtig wie kein zweites imstande ist
die Tuberkulose mit Erfolg zu bekämpfen.
Aus dem Ortskrankenhause für Haut- und Geschlechtskrank¬
heiten in Berlin (dirigierende Aerzte: Prof. Kromayer,
Dr. v. C h r i s m a r).
Die Heilung der Hyperidrosis und der Seborrhoea
oleosa durch Röntgen.
Von Professor Kromayer in Berlin.
1. Der MiUiamp&rezentiineter als Massstab bei der Röntgen¬
dosierung.
In meinen Aufsätzen „Die Dauerheilung der Schweiss-
hände durch Röntgen“ (Berl. klin. Wochenschr. 1907, No. 50)
und „Die Behandlung des Pruritus cutaneus, insbesondere des
Pruritus ani“ (Deutsche med. Wochenschr. 1908, No. 2) habe
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26 . Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
177
ich eine einfache Berechnung der Energie des Röntgenstromes
aus Stromstärke (Milliampere) und Spannung (parallele Funken¬
strecke) angegeben, deren Produkt, der „Milliamperezenti¬
meter“ zur Röntgendosierung benutzt werden kann, unter der
Voraussetzung, dass die Energie des Röntgenstromes bis zu
einem gewissen Grade entspricht der in der Haut zur Wirkung
gelangenden Röntgenmenge.
Gegen diese Benutzung haben Schindler 1 ) und
Schmidt*) folgende Einwände erhoben: 1. dass die Funken¬
strecke mit der Gestalt der Elektroden variiere und rascher
wachse als die Stromspannung (S c h i n d 1 e r), 2. dass Röhren
verschiedener Herkunft auch bei gleicher Belastung ungleiche
Röntgenenergien geben (Schmidt). Diese Einwendungen sind
vom theoretischen Standpunkt aus durchaus berechtigt, lassen
sich aber noch um eine ganze Reihe von Einwänden vermehren,
die sich auf Induktor, Unterbrecher, vorgeschaltete Funken¬
strecke, Grösse, Form und Stativ der Röhre, Feuchtigkeits¬
gehalt der Luft, Kabelführung etc., ganz besonders aber auf
die Tatsache beziehen, dass bei verschieden harten Röhren
auch ein verschiedener Prozentsatz der die Röntgenröhre ver¬
lassenden Röntgenenergie vorder Haut absorbiert wird und zur
therapeutischen Wirkung gelangt.
Theoretisch ist daher der Milliamp&rezentimeter noch
weniger als Massstab zur Röntgendosierung brauchbar wie
das Messverfahren von Klingelfuss 3 ), der auf derselben
Grundanschauung fussend in exakterer Weise die Spannung
misst und das Produkt aus Spannung und Stromstärke zur
Röntgendosierung benutzt. Praktisch genügt aber der Milli¬
amperezentimeter vollkommen, wie ich das auf Grund von
zirka 10,000 Röntgenbestrahlungen wohl sagen darf. In der
Praxis kommt es eben nicht darauf an, mathematisch genau
eine bestimmte Röntgendosis zu geben — was wohl stets
unmöglich bleiben wird — sondern es genügt, mit dem eigenen
Instrumentarium annähernd diejenige Dosis wiederholen zu
können, die nach früheren Erfahrungen eine bestimmte thera¬
peutische Wirkung gehabt hat und somit ganz bestimmte thera¬
peutische Wirkungen sicher hervorrufen zu können.
Da der Milliamp£rezentimeter ohne weiteres von jedem
Arzt festgestellt werden kann, der ein Milliamperemeter in den
Sekundärstrom einschliesst, den Ausschlag des Zeigers ab¬
liest und die parallele Funkenstrecke misst, so kann auch der
noch unerfahrene Röntgentherapeut unter Benutzung der Er¬
fahrung anderer bei seinem ersten therapeutischen Debüt an¬
nähernd diejenige Röntgendosis applizieren, die den ge¬
wünschten therapeutischen Effekt hervorzurufen geeignet ist,
ohne befürchten zu müssen, eine Verbrennung hervorzurufen
oder ohne Effekt zu bestrahlen. Denn so verschieden sind unter
gleichen Betriebsverhältrassen weder die Instrumentarien, noch
auch die Röhren verschiedener Herkunft.
Nach meinen Erfahrungen kann nun eine Dermatitis
leichtesten Grades oder ein leichter Ausfall von Haaren hervor¬
gerufen werden durch eine einmalige Bestrahlung unter folgeni-
den Verhältnissen (Bauerröhre):
1. Entfernung der bestrahlen Stelle von der Antikathode
15 cm.
2. Bestrahlungsdauer 10 Minuten.
3. Zahl der Unterbrechungen in der Minute 2000 (Queck-
silberstrahlunterbrecher).
4. Belastung der Röhre 6 Milliamperezentimeter.
Hierbei ist es nicht sehr different, ob eine härtere Röhre
benutzt wird, die z. B. bei einer Funkenstrecke von 20 cm
0,3 Milliampere aufweist, oder eine weichere Röhre benutzt
*) Schindler: Die Gaiffe-Walte rsche Milliamp£re-
Meter-Methode als Mass der Bestrahlungsenergie und die Kro-
mayersche Normal-Röntgendosis von 6 Milliampere-Zentimeter.
Deutsche med. Wochenschrift. No. 18, 1908.
*) Schmidt: Die Benützung des Milliampere-Zentimeters und
der parallelen Funkenstrecke bei der Dosierung von Röntgenstrahlen.
Deutsche medizinische Wochenschrift, No. 21, 1908.
*) Fr. Klingelfuss: Ueber ein neues Messverfahren zur Do¬
sierung der Röntgenstrahlen mittels Strom- und Spannungsmessung
an der gedämpften Welle. Verhandlungen der deutschen Röntgen¬
gesellschaft 1908. Hamburg, Lucas, Gräfe & Sillem. Seite 145.
No. 4.
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wird, die z. B. 10 cm Funkenstrecke und 0,6 Milliampere auf¬
weist.
Eine Bestrahlung unter diesen Verhältnissen stellt eine
„Normalröntgendose“ (Erythemdose) dar. Die Belastung der
Röntgenröhre mit 6 Milliampärezentimeter und 2000 Unter¬
brechungen ist eine mittlere, bei der die meisten Röhren ihren
Härtegrad gut bewahren. Sie ist deshalb als Grundlage für
die Berechnung der Normalröntgendosis herangezogen worden,
braucht natürlich nicht eingehalten zu werden.
Belastet man höher oder niedriger, unterbricht man
häufiger oder seltener, bestrahlt man in geringer oder grösserer
Entfernung, so verändert sich nach den bekannten und hier
nicht näher auseinanderzusetzenden mathematischen Regeln
die zur therapeutischen Anwendung kommende Röntgenmenge
und somit die Zeit der Bestrahlung, wenn man denselben
Effekt erreichen, dieselbe Röntgendosis applizieren will.
Die nicht schwer zu erlernenden mathematischen Regeln
muss kennen und anwenden, wer mit Röntgen behandeln
will. Dann ist aber auch die Röntgentherapie nicht schwerer
und verantwortungsvoller, wie jede andere ärztliche Behand¬
lung. Die Verhältnisse, unter denen die Bestrahlung erfolgt,
sind zu notieren, die applizierte Röntgendose jedesmal zu
berechnen.
2. Hohe Röntgendosen zur Heilung der Hyperidrosis.
Um die Hautflechten (Psoriasis, chron. Ekzem, Lichen
planus etc.) zu beseitigen, bedarf es geringer Röntgendosen,
da das pathologische Gewebe dieser Prozesse leicht zur
Resorption gebracht wird, wie wir das ja von. unserer medi¬
kamentösen Therapie her wissen. Es genügen meist so kleine
Dosen, dass von vorneherein ein Schaden ausgeschlossen ist,
z. B.: 6 malige Bestrahlung jeden zweiten Tag in 30 cm Ent¬
fernung 5 Minuten bei mittlerem Primärstrom (etwa 4 Amp.)
und Quecksilberstrahlunterbrecher oder Rotax etc. Um solche
Dosen zu applizieren, bedarf es überhaupt keines Messver¬
fahrens.
Handelt es sich aber darum, bis an die Grenze des er¬
laubten gehen zu müssen, um einen Erfolg zu haben, so muss
die Röntgendosierung exakt sein, sie darf nicht von subjek¬
tiven Eindrücken (Messverfahren nach Sabouraud,
Holzlfnecht, Kienböck etc.) abhängig, sondern muss
objektiv bestimmbar sein. Das trifft zur Zeit nur bei der
physikalischen Berechnung des Röntgenstroms zu. Sie allein
kommt meines Erachtens in Betracht, wenn man mit ruhigem
Gewissen hohe Röntgendosen applizieren will. Zu diesen hohen
Röntgendosen gehe der Anfänger erst über, nachdem er sein
Instrumentarium durch Applikation kleinerer Dosen auf seine
therapeutische Wirksamkeit geprüft und die Erythemdose an¬
nähernd festgestellt hat, die von der oben aufgestellten, wenn
auch nicht sehr erheblich, so doch immerhin etwas abweichen
kann, wenn sein Instrumentarium und Röntgenröhre von den
memigen sehr verschieden sein sollten.
Zur Beseitigung übermässiger Schweissekretion, ins¬
besondere der „nervösen Schweisshände“ bedarf man hoher
Dosen, die mit Sicherheit eine länger dauernde Röntgenderma-
titis ersten Grades erzeugen, wie ich das in meinem schon er¬
wähnten Aufsatze auseinandergesetzt habe. Zu den 3 damals
geheilten Fällen sind 17 neue hinzugekommen, so dass auf
Grund dieser Erfahrungen die Heilung der Hyperidrosis als
sicher begründet anzusehen ist. Ich lasse zunächst einen Fall
von Hyperidrosis der Achselhöhlen mit dem Röntgenprotokoll
folgen, aus dem Technik, Art und Höhe der Bestrahlung und
Dauer der Behandlung zu ersehen sind:
Frl. Br., 22 Jahre alt. Hyperidrosis der Achselhöhlen. Die
Schweissekretion in beiden Achselhöhlen ist seit 2 Jahren so heftig,
dass trotz Schweissblätter und Einlagen bei geringfügiger Anstrengung
die Kleidung durchfeuchtet wird und das Tanzen fast unmöglich macht.
Alle bisher angewandten Mittel, Streupuder. Chromsäure, Formol etc.
sind ohne Erfolg angewandt. Vom 27. III. 08 bis zum 8. IV. 08
werden an 6 Tagen folgende Röntgenbestrahlungen vorgenommen:
(Tabelle siehe nächste Seite.)
Bei allen 6 Bestrahlungen ist die Belastung der Röhre ungefähr
6,0 Milliamperezentimeter, das ergibt bei 10 Minuten Bestrahlung und
ca. 21 cm Entfernung (nach dem Gesetz des umgekehrten Quadrats
der Entfernung ist die Röntgenenergie in einer Entfernung von 21 cm
3
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
178
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4 .
Datum
1908
Körperteil
Entfernung der
belichteten
Stelle von der
Antikathode
Dauer der
Belichtung
Ampere des
primären
Stromes
Volt des pri¬
mären Stromes
Milliampere
des sekundären
Stromes
Parallele
Funkenstrecke
Milliampere- 1
Zentimeter
27. 3.
Achselhöhlen
20—22 cm
10 Min.
5,8
40
0,6
11
6,6
30. 3.
„
4,8
40
0,6
10
6,0
1. 4.
5
50
0,4
14
5,6
3. 4.
5
40
0,6
10
6,0
6. 4.
4,8
62
0,4
16
6,4
8. 4. |
\ l
»
*
5
62
0,4
16
6,4
ungefähr halb so stark wie die in 15 cm Entfernung) eine halbe
Röntgendosis. Es sind also im ganzen 6 halbe oder 3 ganze Normal¬
röntgendosen auf den Zeitraum von 2 Wochen verteilt worden. Acht
Tage nach der letzten Bestrahlung beginnt eine leichte Röntgen-
dermatitis, die unter Rötung und Schmerzhaftigkeit in 8 Tagen ohne
Blasenbildung zur Schälung der Haut führt und nach 10 Tagen zur
Abheilung kommt. Schweissekretion nicht oder wenig verändert.
Erneute Bestrahlung in gleicher Weise vom 15. V. bis 27. V.
mit einer noch nicht gebrauchten Bauerröhre, die wie das Protokoll
ergibt, ihr Vakuum trotz täglich mehrstündigen Gebrauches brillant
konserviert.
Datum
1908
Körperteil
Entfernung der
belichteten
Stelle von der
Antikathode
Dauer der
Belichtung
Ampere des
primären
Stromes
Volt des pri¬
mären Stromesj
Milliampere 1
des sekundären
Stromes |
Parallele
Funkenstrecke
Milliampere¬
zentimeter
15. 5.
Achselhöhlen
20—22 cm
12 Min.
4,4
40
0,5
10
5,0
18. 5.
»
4,8
40
0,6
10
6,0
20. 5.
H
4,7
40
0,6
10
6,0
23. 5.
4,4
40
0,5
11
5,5
25. 5.
4,8
44
0,4
12
4,8
27. 5.
1
.
4,6
43
0,4
13
5,2
Da neue Röhren bekanntlich wirksamer sind wie lang ge¬
brauchte, so wird die Belastung durchschnittlich unter 6 Milliampere¬
zentimeter gehalten, während sie beim ersten Mal reichlich bemessen
war. Da ferner jedesmal 12 Minuten bestrahlt wird, so ist die
applizierte Röntgendose nicht 0,5 wie voriges Mal, sondern 0,6. Es
werden also 6 mal 0,6 = 3,6 Röntgendosen im Verlauf von 2 Wochen
appliziert.
5 Tage nach der letzten Bestrahlung Beginn einer Röntgen¬
dermatitis, die diesmal kräftiger sich entwickelnd, zur leichten
Blasenbildung führt und in 2 Wochen unter Pigmentierung der Haut
zur Abheilung gelangt. Schweissekretion nach der Abheilung ver¬
schwunden.
Im Oktober stellte sich die Patientin vor. Haut voll¬
kommen trocken, Angeblich auch beim Tanzen nicht feucht.
Ich gebe noch zwei Krankengeschichten von Hyperidrosis
manuum nervosa nebst Röntgenprotokoll.
Sch., Ingenieur, 30 Jahre, Profuse Schweissekretion beider Hand¬
flächen bei geringster Aufregung, z. B. Betreten des Wartezimmers,
noch mehr bei Geselligkeiten, selbst beim Gedanken, Jemanden die
Hand geben zu müssen.
Datum
1908
Körperteil
Entfernung der
belichteten
Stelle von der
Antikathode
Dauer der
Belichtung
Ampere des
primären
Stromes
Volt des pri¬
mären Stromes
Milliampere
des sekundären
Stromes
Parallele
Funkenstrecke
Milliarapere-
zentimeter
18. 3.
Handinnenfiäch.
20—22 cm 10 Min. 4,2
32
! 0,6
9
: 5,4
20. 3.
* 4,4
32
1 0,6 1
9
1 5.4
23. 3.
>
38
0,6 0,7
9
ca. 6,0
25. 3.
„ 5
| 40
0,6/0,7
10
ca. 6,5
27. 3.
ff
„ 5,6
42
1 0,7
11
7,7
30. 3.
„ 5
48
i 0,6
11
6,6
1. 4.
„ 5
54
; 0,6
12
7,2
3. 4.
„
. 4,2
44
I 0,6
11
6,6
Es wurden, wie aus dem Protokoll hervorgeht, jedesmal Va Dose,
also im Verlauf von 2 l /s Wochen 8 halbe oder 4 Röntgendosen ge¬
geben. Am 9. IV. Beginn einer Röntgendermatitis, die zu kräftiger
Blasenbildung über der ganzen Vola manus und nachfolgender totaler
Schälung der Haut führt. Hier war also bis hart an die Grenze
der Röntgenwirkung gegangen, die erreicht, aber nicht überschritten
werden soll. Noch eine Dose mehr und die Bildung oberflächlicher
Geschwüre hätte die Folge sein können. Schweissekretion kaum
geringer, wie das fast stets nach dem ersten Bestrahlungszyklus in
den hochgradigen Fällen der Hyperidrosis zu sein pflegt.
□ igitized by Google
Wiederholung der Röntgenbestrahlung:
Datum
Körperteil
1908 1
i
Entfernung der
belichteten
Stelle von der
Antikathode
Dauer der
Belichtung
Ampere des
primären
Stromes
Volt des pri¬
mären Stromes
Milliampere
des sekundären
Stromes
Parallele
Funkenstrecke
Milliampöre-
zentimeter
i
12. 5. Handinnenfiäch. |
1 ;
10—22 cm 10 Min.
i 4,2
40
0,7'
9 6,3
14. 5.
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4,4
42
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16. 5.
9
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44
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5
64
0,2/0,3
19 'ca. 5,0
21. 5.
1 5
42
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23. 5. | „ |
»
1 »
! &
i 46
0,6
11 j 6,6
Es werden demnach 6 halbe Dosen oder 3 ganze in 12 Tagen ge¬
geben. 8 Tage nach der letzten Sitzung geringere Röntgendermatitis,
die ohne Blasenbildung zur Schälung der Haut führt. Nach deren
Abheilen ist die Schweissekretion vollkommen versiegt, bis auf die
zugekehrten Flächen von Zeigefinger und Daumen, die wegen ihrer
Lage weniger von den Strahlen getroffen worden sind. Diese werden
nochmals besonders bestraht.
Datum
1908
Körperteil
Entfemang der
belichteten
Stelle yon der
Antikathode
Dauer der
Belichtung
Ampere des
primären
Stromes
Volt des pri¬
mären Stromes
Milliampere
des sekundären
Stromes
Parallele
Fnnkenstrecke
£ |
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— ®
* "
30. 6.
Daumen- u. Zei- 1
gefingerseiten |20—22 cm' 8 Min.
6
54
0,5
15
7,5
2. 7.
5.8
56
0,4
18
1 7,2
4. 7.
5,6
54
0,4
19
7,6
6. 7.
5
50
0,3/0,4
18
ca. 6,3
8. 7.
s
5,6
54
0,3/0,4
20
ca. 7.0
10. 7.
1»
5,8
56
0,4
20
8,0
Wie das Protokoll zeigt, ist hier eine härtere Röhre genommen
worden, die mit über 6,0 MilliampSrezentimeter belastet worden ist,
also auch dementsprechend eine höhere Röntgenenergie geliefert hat.
Die Bestrahlungsdauer ist daher auf 8 Minuten herabgesetzt.
Geringe Röntgendermatitis. Darnach Aufhören der Schweiss-
sekretion.
Schliesslich möge die Krankengeschichte eines Arztes fol¬
gen, die sich nicht nur durch die genaue Beobachtung seitens des
Patienten auszeichnet, sondern auch als Paradigma überhaupt
für die Röntgenbehandlung der Hyperidrosis manuum gelten
kann.
Dr. L., prakt. Arzt in Berlin. Seit Jahren Schweisshände, die
ihn in seiner ärztlichen Tätigkeit aufs schwerste schädigen. Während
das Dorsum manus fast trocken ist, sezerniert die ganze. Vola manus
nebst den zugekehrten Fingerflächen und die Fingerkuppen stark.
Vom 23.1.08 bis 3. II. 08 erster Zyklus der Bestrahlungen (Vola
manus) in 6 halben Normaldosen.
Datum
1908
o:
-3 i
O 1
1.
Entfernung der
belichteten
Stelle von der
Antikathode
Dauer der |
Belichtung !
Ampere des
primären
Stromes
Volt des pri¬
mären Stromes
Milliampere
des sekundären
Stromes
Parallele
Fnnkenstrecke
I u
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II
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23. 1.
HandiunenftächJ 18 cm
8 Min. 4.2 62 0,3
19
5,7
25. 1.
,. 3,6 58 0,3
19
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„ 4 40 | 1,4
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29. 1.
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31. 1.
3,8 40 | 0,6
10
6,0
3. 2.
1 „
„ 3,6 40 | 0,6
10
6,0
Am 5. II. setzt Röntgendermatitis ein, die am 14. II. ihren Höhe¬
punkt erreicht, um darnach rasch abzufallen.
Geringe Besserung der Sekretion in der Vola manus. Finger¬
ballen unbeeinflusst.
Vom 4. III. bis 16. III. 08 zweiter Zyklus der Bestrahlungen,
wiederum in 6 halben Dosen.
Datum
1908
C*
?
Entfernung der
belichteten
Stelle von der
Antikathode
Däner der
Belichtung
Ampere des
primären
Stromes
Volt des pri¬
mären Stromes
Milliampere
des sekundären
Stromes
Parallele
Funkenstrecke
Milliampöree
Zentimeter
4. 3.
Handinnenfiäch.|20—22 cm
1
10 Min.! 5
46
0,6
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16. 3. |
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40
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7
6,8
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
179
Schon am 17. 111. beginnende Röntgendermatitis, die am 23. III.
bereits ihren Höhepunkt überschritten hat. Beide Kleinfingerballen,
an denen früher ein chronisches Ekzem bestand, sind merkwürdiger¬
weise nicht von der Entzündung ergriffen.
Deutliche Verminderung der Sekretion überall.
Vom 13. IV. bis 23. IV. 08 dritter Zyklus der Bestrahlungen,
wiederum in 6 halben Dosen.
Datum
1908
Körperteil
Entlernung der
belichteten
Stelle von der
Antikathode
Dauer der
Belichtung
Ampere des
primären
Stromes
S |
-1 11 s
11 i
2» | ia *w
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Parallele
Funkenstrecke
Milliampero-
zentimeter
13. 4.
Handinnenfläch.
20—22 cm
10 Min.
4
38 ‘ 0,7
7 5,0
15. 4.
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21. 4.
„
4,4
45 0,5 |
13 0,5
23. 4.
4,0
18 0.5
13 0,5
Nach 8 Tagen Röntgendermatitis.
Am 28. IX. 08, also nach fast einem halben Jahre, stellt sich der
Kollege mit vollkommen trockenen Händen bei mir vor.
Da die übrigen 14 Fälle von Handschweissen einen ganz
ähnlichen Verlauf haben, so erübrigt es, Krankengeschichte und
Protokoll von ihnen zu veröffentlichen. Es sei nur bemerkt,
dass bei 2 Patienten, welche auf besonderen Wunsch nur
3 knapp bemessene Normal-Röntgendosen in 6 Sitzungen
währer.'d 2 Wochen erhielten, keine resp. nur ganz geringe
Röntgendermatitis auftrat. Bei beiden war der Erfolg selbst
nach dem 2. Zyklus der Röntgenbestrahlungen noch negativ
resp. gering, während er sonst darnach deutlich oder voll¬
kommen einzutreten pflegt. Die schon in meiner ersten Publi¬
kation aufgestellte Behauptung, dass zur Beseitigung der Se¬
kretion hohe Dosen, die zu kräftiger Röntgendermatitis ersten
Grades führen, nötig sind, erweist sich nicht nur an den posi¬
tiven Erfolgen, sondern auch an diesen negativen als richtig.
3. Die Seborrhoea oleosa.
Während die Hypersekretion der Schweissdrüsen nach
meiner Erfahrung mit grosser Sicherheit durch eine 2—3 malige
bis zur guten Dermatitis 1. Grades führende Röntgenbehand¬
lung dauernd geheilt werden kann, sind die Verhältnisse bei
der Hypersekretion der Talgdrüsen bei der Seborrhoea oleosa
nicht so sichergestellt.
Ich habe bisher nur 5 Fälle dieser Erkrankung in Behand¬
lung gehabt, die alle darin übereinstimmten, dass die Haut des
Gesichtes, vorzüglich der Nase und Backen, von gelblichem
Schimmer und wie mit flüssigem Fett überzogen schienen, das
nach dem Wegwischen sich rasch erneuerte.
Da beim Sitz der Erkrankung im Gesicht eine intensive
Röntgenbestrahlung mit nachfolgender Dermatitis von den
Patientinnen verweigert wurde, so versuchte ich mit kleineren
Röntgendosen in häufiger Wiederholung zu demselben Resultat
zu kommen. Es wurden anstatt der üblichen 3 Normaldosen
nur 1 Vi gegeben und zwar in 3 halben Dosen innerhalb einer
Woche. Nach Ablauf von 4 Wochen wurden diese Bestrah¬
lungen wiederholt. Es stellte sich nun heraus, dass schon
auf diese geringe Dose, die fast nie zu einer wahrnehmbaren
Dermatitis führte, jedesmal nach 8—14 Tagen eine deutliche
Besserung eintrat, die indessen mit dem völligen Aufhören der
Röntgenwirkung (nach 4 Wochen) zum Teil wieder ver¬
schwand. Diese Besserung ist unter anderen auch schon von
Schmidt 4 ) beobachtet worden. Bei einer Patientin wurden
im Laufe eines ganzen Jahres 10 mal VA Normaldosen in obiger
Weise, also 15 Normaldosen im ganzen appliziert, ohne dass
die Fettsekretion vollkommen zum Schwinden gebracht werden
konnte. Von einer Weiterführung der Behandlung darüber
hinaus glaubte ich im Hinblick auf die Gefahr einer sich später
entwickelnden „chronischen“ Röntgendermatitis absehen zu
sollen. Bei 3 anderen Patientinnen, die in gleicher Weise, aber
kürzere Zeit hindurch behandelt wurden, bestand das Resultat
ebenfalls nur in einer Besserung.
Nur in einem Falle habe ich eine Heilung erreicht. Es
handelte sich um einen 36 jährigen Baumeister, der neben einer
*) Schmidt: Die Röntgenbehandlung der Seborrhoea oleosa.
Berl. klin. Wochenschr. 1908, No. 29.
Digitized by Google
starken Hyperidrosis der Stirn eine Seborrhoea oleosa der
Nase aufwies. Bei ihm wurden in oben beschriebener ge¬
wohnter Weise in 3 Bestrahlungszyklen je 6 halbe Röntgen¬
dosen appliziert, jedesmal mit dem Erfolg einer entsprechenden
Röntgendermatitis und schliesslichem Verschwinden sowohl
der Hyperidrosis, als auch der Seborrhoea oleosa.
Resume: Wenn auch die bisherigen Erfahrungen be¬
züglich der Seborrhoea oleosa noch zu gering sind, um ein
sicheres Urteil über die Heilbarkeit durch Röntgen zu fällen, so
dürften sie doch genügen, um zu weiteren therapeutischen Ver¬
suchen die Anregung zu geben.
Wenn auch meine bisherigen Erfahrungen bezüglich der
Seborrhoea oleosa noch zu gering sind, um ein sicheres Urteil
zu fällen, so dürften sie doch genügen, um zu weiteren thera¬
peutischen Versuchen die Anregung zu geben.
Die Dauerheilung der Hyperidrosis, auch der schwersten
nervösen Handschweisse, erscheint aber durch meine Erfahrung
so sichergestellt, dass die Röntgenbehandlung in der von mir
erprobten Dosierung und Applikation der Strahlen in allen Fällen
warm empfohlen zu werden verdient, in denen sich die bis¬
herigen Behandlungsmethoden 1 als wirkungslos erwiesen haben.
Aus der internen Abteilung des Adele B r ö d y - Kinderhospitals
in Ofen-Pest.
Ueber Pyozyanasebehandlung der Diphtherie.
Von Dr. J u I i u s G r 6 s z, Primararzt und Dr. Helene B ä n,
Sekundärarzt.
Wenn wir trotz der zahlreichen Abhandlungen über die
Pyozyanasebehandlung der Diphtherie auch über die von uns
bei Diphtherie und Krupp erzielten Resultate hier berichten,
so geschieht dies hauptsächlich deshalb, weil wir eine neue
Behandlungsmethode bei Krupp anwendeten, die in der direkten
Einführung der Pyozyanaselösung in den Larynx besteht und
weil wir die Ueberzeugung gewonnen haben, dass dieses ein¬
fache Verfahren der direkten Applikation in den Kehlkopf eine
Verbesserung der Krupptherapie darstellt.
Um uns auch nicht der geringsten Unterlassung bei der
Behandlung unserer Kranken schuldig zu machen, haben wir
dieselben sofort nach ihrer Aufnahme der Serumbehandlung
unterzogen.
Die Pyozyanase haben wir nur in den schwersten
Fällen verwendet, so in 20 von den 56 Diphtheriefällcn, die
wir vom 1. Januar bis Mitte Mai d. J. beobachteten. *)
Unsere Resultate sind ganz entschieden als günstige
zu bezeichnen.
Wir verwendeten Pyozyanase in Form von Spray und in
Form von Inhalationen. Bei Rachendiphtherie zerstäubten wir
in den Rachen, bei Krupp aber Hessen wir nicht nur inhalieren,
wie dies die Kliniker bisher getan haben, sondern wir sprayten
die Pyozyanaselösung direkt in den Kehlkopf mittels eines von
uns zu diesem Zweck be¬
benützten Apparates, den
die nebenstehende Abbildung
zeigt.
Diese Anwendungsweise
hat den Vorteil, dass die
Pyozyanaselösung unver¬
dünnt und in grös¬
serer Menge auf der
Schleimhaut des Larynx zur
Wirkung gelangt, während
bei der Dampfinhalation das
Pyozyanasepräparat stark
verdünnt wird, was selbst¬
verständlich seine Wirksam¬
keit beeinträchtigt.
Die Zerstäubung in den
Kehlkopf geschah folgender-
massen: Das Kind placierten wir so, wie es bei der Intubation
üblich ist. Nach Oeffnen des Mundes suchten wir mit dem
Finger die Epiglottis auf, legten das Mundstück des Zerstäu-
•) Die ausführliche Beschreibung unserer Fälle erschien in der
ungarischen Zeitschrift: Budapesti Orvosi Ujsäg, 1908, Mai.
3*
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
180
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4 .
bungsapparates neben unseren Finger und drückten 5—6 mal
sanft auf den in der rechten Hand befindlichen Gummiball des
Apparates. Viel zerstäuben wir auf einmal nicht, damit das
Kind von der Lösung nicht zu viel aspiriere — lieber zerstäuben
wir öfter.
Während dieses Verfahrens sind wir auch auf eine In¬
tubation vorbereitet, damit eine eventuell durch Ablösen von
Pseudomembranen auftretende Obturation uns nicht unvor¬
bereitet treffe. Bei einer jeden Sitzung zerstäuben wir die
Pyozyanase 2—3 mal und lassen in der Zwischenzeit das Kind
die überschüssige Lösung aushusten und ausspucken.
In leichten Fällen gibt es 2—3, in schweren 5—6 Sitzungen
pro die. Ueberdies lassen wir bei grösseren Kindern den
Rachen mit einer Borsäure- oder schwachen Kal. hyperman-
ganicum-Lösung ausspülen, bei jüngeren Kindern, die noch nicht
gurgeln können, wird mit Watte sanft ausgewischt. Im übrigen
verfahren wir wie bei gewöhnlicher Behandlung der Diphtherie.
Wir haben bei unseren sämtlichen Fällen konstatiert, dass
die Pyozyanase den diphtheritischen Prozess günstig beein¬
flusst. Ihre Anwendung erfolgte nur in schweren Diphtherien
oder in kruppös-diphtheritischen Fällen und zwar unter
20 Fällen in 4 rein diphtheritischen Fällen und in 16 Fällen von
Diphtherien, die mit Krupp und in einigen, die mit Nasen-,
Rachen- und Kehlkopfdiphtherie kompliziert waren. 3 Fälle
endeten letal. Der Fall XII (ein atrophisches Kind) war schon
bei seiner Aufnahme hoffnungslos, was ja die Sektion bestätigte
(chronischer Darmkatarrh, Atrophie). Der tödliche Ausgang
kann daher nicht der diphtheritischen Erkrankung zugeschrie¬
ben werden. Im Falle XVI ist zu dem rezidivierten Krupp
Pneumonie hinzugetreten. Der dritte unserer Todesfälle kam
ebenfalls schon hoffnungslos in unsere Behandlung und konnte
mit Pyozyanase gar nicht behandelt werden, da unser Vorrat
gerade verbraucht war.
Betrachten wir nun jene günstigen Erscheinungen, welche
die Pyozyanase auf den diphtheritischen Prozess auszuüben
pflegt. Auch wir konnten, übereinstimmend mit anderen
Autoren, das charakteristische, rasche Verschwinden, der
Pseudomembranen beobachten. Die Beläge waren oft schon
am 2. oder 3. Tag nach der Aufnahme verschwunden,
spätestens aber am 5. Tag. Die rasche Ablösung der
Membranen war viel häufiger, als bei der
ausschliesslichen Serumbehandlung. Die
Membranen verdünnen sich an ihrer Peri¬
pherie und verschwinden, indem sie sich auf¬
löse n und an ihre Stelle tritt eine reine, ge¬
sunde Schleimhaut.
Die Temperatur kehrt rasch zur Norm zu¬
rück, aber nicht so typisch, wie dies Zucker und Em¬
merich beobachteten. Hingegen ist d i e g ü n s t i g e W i r -
kung der Pyozyanase auf das Allgemein¬
befinden eine auffallende. In sämtlichen von uns
behandelten Fällen, selbst in den schwersten, war eine Bes¬
serung des Zustandes am 2.—3. Tag zu beobachten. Dasselbe
gilt von dem raschen Verschwinden des Foetor
ex ore. Die von Zucker beobachtete sogen, trockene
Lösung der Pseudomembranen bei deszendierendem Krupp
konnten wir nicht in jedem FaHe beobachten, wir sahen sogar
öfters Bronchitiden und Pneumonien auftreten. Diese Kompli¬
kationen kommen sehr häufig bei deszendierendem Krupp vor,
auch ohne Pyozyanasebehandlung.
Weiters sahen wir ebenfalls auffallend oft die reich¬
liche Expektoration von Pseudomembranen,
die wohl auch bei reiner Serumbehandlung beobachtet wird,
jedoch nicht in solchem Masse, wie bei den Fällen, die mit
Pyozyanase behandelt wurden. Ob die rasche Ablösung der
Membranen durch den mechanischen Reiz oder infolge der
chemischen Wirkung der Pyozyanase zustande kommt, lässt
sich schwer entscheiden; wenn wir jedoch die raschlösende
Wirkung der Pyozyanase beobachten, ist es wahrscheinlich,
dass sowohl die chemische Wirkung, als auch der mechanische
Reiz die Ablösung der Membranen hervor rufen. Wie dem
auch immer sei, das Verfahren lässt einen günstigen Erfolg
erhoffen.
Gegen die Applikation der Pyozyanase in den Kehlkopf
könnte man vielleicht einwenden, dass der Ueberschuss der
Flüssigkeit aspiriert wird und Pneumonie verursacht. Dem
lässt sich jedoch Vorbeugen, wenn man nur eine geringe Menge
der Flüssigkeit anwendet, deren Ueberschuss der Kranke
nachher leicht expektoriert.
Auch wir haben in mehreren Fällen von sehr schwerem
Krupp bei Behandlung mit Pyozyanase beobachtet, dass die
schweren Symptome schwanden, ohne dass es
zur Intubation kam. Unsere Kruppfälle wurden zu¬
meist in solch schwerem Zustand ins Spital gebracht, dass wir
mit der Intubation nicht zögern konnten; wir müssen aber
jenen günstigen Umstand hervorheben, dass in unseren in-
tubierten Fällen, einen Fall ausgenommen, dieExtubation
zumeist schon am zweiten, spätestens aber
am vierten Tage gelang. Den Tubus entfernten wir in
den meisten Fällen schon vor Ablauf der ersten 24 Stunden,
indem wir hofften, dass die Pyozyanase ihre lösende Wirkung,
wie dies die anderen Autoren vor uns schon beobachteten, auch
in unseren Fällen ausüben wird. Wir haben uns in unserer
Voraussetzung auch nicht getäuscht. In einem Falle mussten
wir die Tracheotomie vornehmen, und in diesem Falle appli¬
zierten wir die Pyozyanase in die Kanüle. Schon am 5. Tage
gelang das Dekanülement.
Manche unangenehme Nebenerscheinungen, wie Er¬
brechen, Diarrhöe, sind sicherlich nicht auf Rechnung des
Mittels zu setzen. Erbrechen trat manchmal unmittelbar nach
Anwendung der Pyozyanase auf, infolge des Reizes, den sie
auf die Schleimhaut des Rachens ausübte. In mehreren Fällen
trat auch Diarrhöe auf, eine Erscheinung, die auch sonst bei
diphtheritischen Kranken ziemlich oft vorzukommen pflegt.
Ohne uns in weitere Details einzulassen, können wir auf
Grund unserer Erfahrungen mit Recht behaupten, dass die
mit Pyozyanase kombinierte Serumbehand¬
lung den diphtheritischen Prozess günstig
beeinflusst, denn wir haben es zuvor niemals
beobachtet, dass so viele und so schwere
Diphtherien, insbesondere bei klefnen Kin¬
dern, die unter 1—2 Jahre alt waren, einen so
raschen und günstigen Verlauf zeigten, als in
den 5 Monaten, in welchen wir mit der Pyo¬
zyanase arbeitete n.
Wir können zwar nicht behaupten, dass die Pyozyanase
ein unfehlbares Mittel bei der Behandlung der Diphtherie sei,
müssen jedoch zugeben — wie dies Emmerich richtig be-
merkt — dass ein Verfahren, welches solche Resultate auf¬
zuweisen hat, es sicherlich verdient, dass man sich damit ernst
und eingehend beschäftigt.
Literatur.
Zucker: Zur Behandlung: der Diphtherie mit Pyozyanase.
Archiv für Kinderheilkunde, 1906. — Emmerich: Die Pyozyanase
als Prophylaktikum und Heilmittel bei bestimmten Infektionskrank¬
heiten. Münch, med. Wochenschr., No. 45—46, 1907. — Mühsam:
Ueber Pyozaynasebehandlung: der Diphtherie. Deutsche med. Wo¬
chenschr., No. 6, 1908. — Schlippe: Zur Behandlung der Diph¬
therie mit Pyozyanase und über die Persistenz der Diphtheriebazillen.
Deutsche med. Wochenschr., No. 14, 1908.
Phtysoremid.
Von Chefarzt Dr. F. Köhler, Heilstätte Holsterhausen-
Werden bei Essen-Ruhr.
Krause- Hannover veröffentlichte in der „Zeitschrift für
Tuberkulose“, Bd. X, Heft 6 eine neue Methode, die Bazillen¬
emulsion Koch bei Lungentuberkulosen anzuwenden. Er gab
dieses Mittel in keratinierten Gelatinekapseln per os und sah
recht erfreuliche Erfolge.
Die Methode der innerlichen Darreichung von Tuberkulin¬
präparaten auf stomachalem Wege ist in verschiedener Weise
vor Krause in Anwendung gezogen worden. Freymuth
(Münch, med. Wochenschr. 1905, No. 2) hatte schon 1905 Alt¬
tuberkulin in Pillenform gegeben. Ich habe die Versuche an
32 Fällen nachgeprüft und in meiner Publikation (Zeitschr. f.
Tuberkulose, Bd. X, Heft 4) die Resultate als nicht befriedigend
Digitized by
Gck igle
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
IS1
gekennzeichnet. Von Huhs (Brauers Beitr. zur Klinik der
Tuberkulose, Bd. VII, Heft 1) und Löwenstein (Zeitschr. f.
Tuberkulose, Bd. X, Heft 1) ist dieser Standpunkt ebenfalls
eingenommen worden.
Bei allen diesen Versuchen wurde in erster Linie die Ver¬
meidung der Einwirkung des Magensaftes auf das Tuberkulin
angestrebt, deren Schädlichkeit schon Koch vor Jahren be¬
obachtet hatte. Ein weiterer ausschlaggebender Faktor aber
scheint mir auch in der Darmresorption zu liegen, die
nach meinen Erfahrungen an 60 Fällen von Lungentuberkulose,
die mit Marmorekserum rektal behandelt worden sind, äusserst
ungleich und unberechenbar zu sein scheint. Auf diese Weise
erscheint natürlich eine ausgiebige Wirkung der Präparate
nicht gewährleistet.
Das Krausesche Phtysoremid (Darsteller: Dr. H.
Müllers Laboratorium, Berlin C 19), welches, wie gesagt,
Bazillenemulsion in Kapseln enthält, habe ich .bei 42 Fällen von
ausgesprochener Lungentuberkulose angewandt und nicht
unwichtige Ergebnisse bekommen. Es wurden im ganzen
4670 Kapseln verbraucht. 20 Fälle haben während ihrer
Kur nicht weniger als 100 Kapseln genommen, darunter 8
über 200.
Das Ergebnis dieser über Monate durchgeführten Be¬
handlung fortgeschrittener Lungentuberkulose, für die Krause
speziell die Methode empfiehlt, war folgendes: Unter Berück¬
sichtigung des gesamten Entwicklungsbildes der Krankheit,
einschliesslich der subjektiven Beschwerden, war ein positiver
Erfolg 7 mal, ein annähernd positiver 7 mal erreicht worden,
d. h. also wir konnten in Yz unserer Fälle mit dem
Resultate zufrieden sein. Hervorzuheben ist aber,
dass dieses lediglich bei leichteren Fällen erzielt werden
konnte. Ein negativer Erfolg war 14 mal, ein gänzlich nega¬
tiver 13 mal zu verzeichnen. Bei 1 Fall musste das Phtysoremid
ausgesetzt werden, da der Patient vorzeitig die Anstalt ver-
liess. 2 Fälle sind gestorben, ohne dass zu irgend einer Zeit
eine temporäre Besserung auftrat.
Ist somit die spezifische Einwirkung im ganzen
wenig günstig zu nennen gewesen, so muss das Verhältnis der
beobachteten Gewichtszunahmen zu dem Stande des
Lungenbefundes im einzelnen Falle verblüffen. Von den 42 mit
Phtysoremid behandelten Tuberkulösen haben 30 eine zum Teil
ausserordentliche, unerwartete Gewichtszunahme erfahren.
Pflegt auch nach meinen langjährigen Erfahrungen die Heil¬
stättenkur allein bei den meisten Fällen das Gewicht oft in er¬
heblicher Weise zu steigern, so sind mir bei derartig ungünstig
liegenden, wie sie zur Phtysoremidkur herangezogen wurden,
ähnliche Ergebnisse nur recht selten zur Beobachtung ge¬
kommen.
Es erscheint mir nicht unberechtigt, daraus den Schluss zu
ziehen, dass die blosse Gewichtszunahme nicht
als so bedeutsam für die Beurteilung des ge¬
samten Falles einer Lungentuberkulose, so¬
wohl hinsichtlich der Besserung des Lungenbefun¬
des, wie der gesamten Prognose, in die Wagschale
geworfen werden darf, wie es häufig geschieht. Ferner aber
dürfte das Phtysoremid vielleicht bei solchen Fällen eine
wichtige Rolle spielen können, bei denen ein allgemeiner Rück¬
gang dringend der Aufbesserung bedarf, also bei Fällen von
schlechter Ernährung, Chlorose, Stoffwechselreduktion. Bei
diesen liegt denn auch eine Beeinflussung des event. gleich¬
zeitig vorhandenen beginnenden tuberkulösen Prozesses wohl
im Bereiche der Möglichkeit. Die Wirksamkeit der stoma-
chal dargereichten Bazillenemulsion bleibt aber demnach
doch begrenzt und beschränkt, und die weitgehenden Hoff¬
nungen Krauses erscheinen nicht berechtigt. Als unter¬
stützendes Mittel in der Behandlung der Lungentuberkulose
kann nach meinem Eindruck das Phtysoremid in leichten Fällen
somit gelegentlich wohl herangezogen werden, zu viel wird
man nicht erwarten dürfen; als Vorzug ist zu betrachten, dass
Fieberreaktionen nur selten und dann sehr milde aufzutreten
Pflegen, ferner dass ein Einfluss auf das Auftreten von Blu¬
tungen nicht besteht. Gelegentlich aber wird auch dieses
Präparat nicht recht vertragen, Magen- und Darmbeschwerden
zwingen zum Abbruch der Kur. Man gebe anfangs täglich
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1 Phtysoremidkapsel „schwach“, und steige langsam bis zu 3
oder 4 Kapseln. Allmählich ersetze man die „schwachen“
durch die „starken“ Kapseln. Beide Dosierungen werden in
Schachteln zu je 100 Stück in den Handel gebracht. Die nicht
uninteressanten Protokolle zu dieser neuen Behandlung der
Lungentuberkulose werden in der „Zeitschrift für Tuberkulose“
veröffentlicht werden.-
Zur Syphilisbehandlung mit grauem Oel.
Von Dr. Geyer in Zwickau.
Im Anschluss an die aus der N e i s se r sehen Klinik publi¬
zierten Grundsätze über die Behandlung der Syphilis mit
grauem Oel durch Dr. Zieler (Archiv für Dermatologie,
Bd. 48 und Münch, med. Wochenschr. No. 46, 1908) gestatte ich
mir folgendes zu bemerken:
Wie die Behandlung mit unlöslichen Salzen überhaupt, so
leidet namentlich die mit grauem Oel an dem grossen Fehler
der ungleichmässigen Dosierbarkeit. Ich habe deshalb schon
immer auf die Schüttelmixturen von Hg-Salicyl., Thymolo-
acetic., Chloratum etc. in flüssigem Paraffin verzichtet und
habe mir eine bei Körpertemperatur w r eichbreiige Salbenmasse
zurecht machen 1 lassen, welche, da sie bei Zimmertemperatur
starr ist, eine genügende Gewähr dafür bietet, dass das suspen¬
dierte Quecksilber sich nicht zu Boden setzt. Eine solche Vor¬
schrift lautete ungefähr:
Hg. salicyl. subtil, pulv. 3,0
Tere exactissime ad
Alapurin 18—22,0
Adde Ol. Oliv, ad 30.
Diese Salbe war ziemlich schwer herzustellen, da sie
wegen der Körnchen im pulverisierten Salizylquecksilber,
welche die Kanülen leicht verstopften, bei leichter Erwärmung
durch -ein Tuch gepresst werden musste.
In ähnlicher Weise unbefriedigend, nur enorm gefährlicher
sind die 40proz. Salizylquecksilberemulsionen in Paraffinöl.
Es sind mir in meiner Tätigkeit die mannigfachsten unan¬
genehmen Zufälle bekannt geworden, so dass ich demjenigen,
der nicht vollkommen vertraut ist mit diesen Manipulationen,
gar nicht raten möchte, Versuche mit 40pröz. Salizylqueck¬
silberemulsionen zu machen. Ganz gefährlich war das graue
Oel. Von den vielfachen Präparaten, welche ich durchprobiert
habe, konnte ich ein einigermassen empfehlenswertes nicht
finden. Namentlich halte ich es für vollkommen aus¬
geschlossen, dass ein beliebiger Apotheker eine für Injektions¬
behandlung genügend feine Verreibung des metallischen Queck¬
silbers herstellen kann. Bei sämtlichen Präparaten ballten sich
die feinsten Quecksilberkügelchen sehr rasch wieder zu grossen
Kugeln, welche 'in die Blut- oder Lymphbahn aufgesaugt zu den»
unangenehmsten- Ueberraschungen führen können. Einige böse
Erfahrungen in dieser Beziehung haben mich- auch hiervon
zurückgebracht. Nach den mannigfachsten Versuchen glaube
ich jetzt zu einem hinreichend zuverlässigen, dabei höchst ein¬
fachen und für jeden Arzt auf dem Lande anwendbaren Ver¬
fahren gekommen zu sein, welches ich für weitere Versuche
empfehlen möchte. Ich koche 10 g Olivenöl in einer weit¬
halsigen Flasche, lasse die gutverschlossene Flasche auf unge¬
fähr 40 Grad abkühlen, füge dazu 30 g einer 33 l /*proz.
Hg-Mitinsalbe, wie sie die chemische Fabrik Krewel & Co.
in Köln herstellt, wobei ich darauf achte, dass die erste kleine
Partie abgestrichen wird. Unter gründlichem Umschütteln
bildet sich nach einigen Minuten eine weiche Salbe, welche bei
Zimmertemperatur ziemlich fest ist. Diese ganze Salbe wird
in warmem Zustand sofort auf gut graduierte Pravazsche
Spritzen gefüllt, welche dauernd in einem Formalinkasten auf¬
bewahrt werden, so dass sie keimfrei sind. Von dieser resul¬
tierenden 25 proz. Quecksilberverreibung werden je nach der
Masse des Körpers unter leichtem Erwärmen Yk — Y» Spritze
in Zeiträumen von 5—7 Tagen angewandt. Intoxikationen sind
mir damit noch nicht begegnet. Die fortlaufend ausgeübte
mikroskopische Untersuchung ergibt, dass diese Masse sich
noch nach Wochen in absolut feiner Verteilung erhalten hat,
so dass gröbere Quecksilberkugeln, wie sie bei dem gewöhn¬
lichen grauen Oel fast ausnahmslos nach wenigen Tagen vor-
Qriginal from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
182
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
handen waren, nicht auftreten. Ich hatte im Anfang Bedenken
wegen der Gefahr der Infektion, da ja die grauen Salben nicht
für inneren Gebrauch hergerichtet sind. Es schien mir in der
Tat auch einmal eine Infektion bei einer mit Resorbin her¬
gestellten Quecksilbersalbe aufgetreten zu sein, ich war des¬
halb zu Quecksilbermitin übergegangen, wo mir etwas ähn¬
liches bisher noch nicht passiert ist. *)• Ihrer nur geringen
Schmerzhaftigkeit wegen möchte ich diese Form der Hg-Injek-
tion bei der Syphilisbehandlung nicht mehr missen, namentlich
wenn man Kuren im latenten Stadium einleitet.
Aus der Entbindungsanstalt des allgemeinen Krankenhauses
Hamburg-Eppendorf (Oberarzt: Dr. Staude).
Endemisches Auftreten der Angina pneumococcica.
Von Dr. A. S c h o m e r u s.
Im allgemeinen gehört das gehäufte Auftreten von Pneumo¬
kokkenerkrankungen zu den grossen Seltenheiten; auch im
Krankenhaus sieht man nur ganz vereinzelt die Uebertragung
einer Pneumokokkenaffektion von einem Patienten auf einen
anderen.
Daher dürfen Epidemien und Endemien dieser Erkran¬
kungen stets Interesse beanspruchen.
In Schulen kamen wiederholt Epidemien von Conjunc¬
tivitis pneumococcica zur Kenntnis. Mitteilungen
liegen vor von Hauenschild [l], von Adler und Weich-
s e 1 b a u in [2] und aus letzter Zeit von Adams [3], der unter
37 Schülern 21 Erkrankungen beobachtete. Das dichte Zu¬
sammensein der Kinder scheint dem Ausbruch der Massen-
erkrankung günstig zu sein. Ueber familiemweises Auftreten
dieser Konjunktivitis berichten Beck und Stokes [4].
Grössere Ausbrüche von akuter, durch Pneumokokken
bedingter Rhinitis mit vielfachen Komplikationen be¬
schrieben Brodie, Rogers und Hamilton [5] unter den
in den Minen von Johannesburg beschäftigten Kaffern.
Ueber gehäuftes Auftreten von kruppöser Pneu¬
monie liegt eine interessante Mitteilung von M ü 11 e r [6] vor,
der in 15 Jahren 444 Fälle behandelte, welche als Familien-,
Haus- oder Ortsepidemien sich präsentierten.
v. K u t s c h e r a [7] berichtet über endemisches und epi¬
demisches Auftreten der Pneumonie in Steiermark. Er beob¬
achtete seit Jahren fast jährlich Pneumonieepidemien von unge¬
wöhnlicher Bösartigkeit. Lanz [8] beschreibt eine kleine
Endemie aus der Kocher sehen Klinik. Von 8 an einem
Tage wegen Struma Operierten erkrankten in den folgenden
2 Tagen 5 an Pneumonie, während zu gleicher Zeit 3 Fälle
von Strumitis pneumococcica in demselben Zimmer lagen, die
als Infektionsquelle erkannt wurden. Antoniu [9] sah
innerhalb kurzer Zeit unter 600 Soldaten 58 Mann von lobärer
Pneumouie befallen werden, während noch 75 Mann an ver¬
schiedenen akuten Krankheiten, wie Tonsillitis, Otitis und
Bronchitis litten, die zum Teil als durch Pneumokokken ver¬
ursacht, erwiesen werden konnten.
Ueber epidemisches oder endemisches Auftreten von
Pneumokokkenangina liegen ausführliche Berichte
nicht vor.
Beck und Stokes beobachteten bei ihren Konjunktivitis-
erkrankungen leichtere Affektionen des Rachens, in mehreren
Fällen, ebenso sahen Brodie, Rogers und Hamilton
zahlreiche Anginen unter ihren Patienten.
Ich hatte Gelegenheit, in den ersten Monaten des Jahres 1908
auf der hiesigen Wöchnerinnenabteilung 2 durch ungefähr
2 Monate getrennte Endemien dieser Rachenaffektion zu ver¬
folgen, die ich kurz im folgenden einer Besprechung unter¬
ziehen möchte. Ein ausführlicher Bericht unter Mitteilung der
Krankengeschichten erscheint in den Jahrbüchern der Ham¬
burger Staatskrankenanstalten [10].
In der Zeit vom 2. I. bis zum 6. I. wurden 5 und vom 25. II.
bis zum 3. III. 8 Patientinnen befallen, zu denen im Laufe des Monats
noch 3 weitere Erkrankungen hinzukamen.
Eingeleitet wurde die Endemie durch die Erkrankung einer
*) Mitin wird bei der Herstellung 1 Stunde lang auf 100° C
erhitzt.
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Hausschwangeren, die auf die Krankenabteilung verlegt und von hier
aus wohl die Infektion auf die in den benachbarten Zimmern liegen¬
den Wöchnerinnen übertragen hat. Die Erkrankung begann mit Tem¬
peratursteigerung auf 38,7, mit leichten Halsschmerzen, Kopfschmerzen
und folgendem Halsbefund: Lebhafte Rötung des Rachens, besonders
des weichen Gaumens; an diesem rechts neben der Uvula ein grau-
weiss belegtes, bohnengrosses Ulcus, Epitheltrübung der Schleimhaut
des Zäpfchens, grauweisser zarter Belag auf beiden vorderen Gau¬
menbögen und auf der rechten Tonsille. Vom Ulcus und von dt-r
rechten Tonsille wurde durch Kultur der Pneumococcus lanceolatus
rein gezüchtet.
Schon am folgenden Tage, am 3. I., erkrankten 2 Wöchnerinnen
im benachbarten Zimmer unter den Erscheinungen einer Angina ery¬
thematosa, am 4. und 5. I. folgte noch je eine Neuerkrankung in
anderen Zimmern, die vielleicht durch das Pflegepersonal infiziert
worden waren, von dem ebenfalls 2 an Angina erkrankt waren.
Ueber diese fehlen mir aber bakteriologische Untersuchungen. In den
übrigen Fällen gelang es durch Kulturen von Schleimhautabstrichen
den Diplococcus lanceolatus rein resp. fast rein zu züchten.
Während der erste Fall unter dem Bilde der Angina mem-
brano-ulcerosa verlief, boten die anderen Erkrankten das Bild der
erythematösen Rachenentzündung mit besonders intensiver Rötung
des weichen Gaumens und der Uvula, während die Tonsillen wenig
beteiligt waren. Neben der intensiven Schleimhautrötung fielen bei
einigen Pat. zirkumskripte, grauweissglasige, glatte Epitheltrübungen
auf dem vorderen Gaumenbogen oder auf der Uvula auf, Trübungen,
die ich später fast regelmässig bei unseren Pneumokokkenanginen
fand und die ich daher für charakteristisch für Pneumokokkenanginen
halten möchte.
Bei 3 der obigen Fälle bestand als Komplikation eine akute,
schnell heilende Rhinitis und es gelang auch von der entzündeten
Nasenschleimhaut den Diplococcus lanceolatus rein zu züchten.
Im Laufe des Januar sah ich dann noch sporadisch vereinzelte
Anginafälle in den gleichen Räumen der Entbindungsanstalt auftreten;
kulturell zeigte sich jedoch Bakteriengemisch, neben zahlreich vor¬
handenen Pneumokokken starkes Vorwiegen von Streptokokken.
Die zweite Endemie begann am 25. II. und schon am 26. II.
waren auch die 3 anderen Wöchnerinnen desselben Saales ergriffen;
bis zum 3. III. erkrankten 4 weitere Insassen in anderen Zimmern,
ohne dass sich der Infektionsmodus nachweisen Hess; dann wurden
die Neuerkrankungen seltener, so dass ich bis Ende März 11 Fälle
sammeln konnte, die durch das Kulturverfahren als Pneumokokken¬
anginen sichcrgestellt wurden.
Die Halsentzündung trat entweder unter der erythematösen oder
unter der pseudomembranösen Form und einmal als follikuläre Angina
auf. Bemerkenswert war, dass in allen Fällen die subjektiven Be¬
schwerden trotz der stark lokalen Entzündungserscheinungen fast
völlig zurücktraten. Kopfschmerzen und allgemeine Mattigkeit waren
die Hauptkrankheitssymptome, während Halsschmerzen oder Schluck¬
beschwerden erst am 2. oder 3. Tage als in sehr geringem Grade
vorhanden angegeben wurden.
Der Verlauf war durchweg ein milder, Komplikationen ernsterer
Art gesellten sich nicht hinzu. Auch das Wochenbett wurde nicht in
seinem Ablauf beeinflusst, auch nicht bei der ersten Pat., bei der
die Angina vor der Entbindung auftrat und während derselben noch
in voller Blüte stand.
Schon Ende März fand ich in mehreren weiteren Fällen von
Angina, die in den ersten Monaten des Jahres in den Räumen der
Entbindungsanstalt nicht zur Ruhe kam, neben Pneumokokkenkolonien
zahlreiche Streptokokken in den Ausstrichkulturen. In der Folgezeit
traten die Pneumokokken immer mehr zurück, so dass ich von Mitte
April ab Reinkulturen von Streptokokken auf unseren Blutagarnähr¬
böden erhielt.
Eine isolierte Pneumokokkenangina trat noch am 17. Mai auf.
Sie setzte unter schweren Erkrankungserscheinungen ein und der
bei ihr nachgewiesene Uebergang der Pneumokokken ins Blut sprach
für die Spezifität dieser auch im Rachenausstrich gefundenen Mikroben
als Erreger der Affektion. Auch in diesem Fall glatte Heilung ohne
jede Komplikation oder Beeinflussung des Wochenbettes.
Der Ausbruch der Pneumokokkenanginen drängte sich in
beiden Endemien auf relativ wenig Tage zusammen. Es schien,
als wenn die Infektiosität schnell nachliess, ebenso die Lebens¬
und Wachstumsenergie. Die Inkubationszeit scheint nicht
sehr gross zu sein, wie ja auch die Mitteilung von Lanz zeigt.
In beiden Endemien beobachteten wir 24 Stunden nach den
ersten Erkrankungen weitere Fälle, einmal wurden die
3 Zimmergenossinnen der Erstbefallenen innerhalb dieser Zeit
ergriffen. Bemerkenswert dürfte noch sein, dass die Neu¬
geborenen von jeder Pneumokokkenerkrankung verschont
blieben.
Die Ursache der Uebertragung der Pneumokokkenerkran¬
kungen sind zum Teil noch nicht klargelegt. Ob eine erhöhte
Virulenz der Pneumokokken in Frage kommt, erscheint mir
zweifelhaft, da der Verlauf der Erkrankungen zu keiner Zeit
ein schwerer war. Eher möchte ich für die epidemische Ver-
Original from
UNIVERSITtf OF CALIFORNIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
183
breitung die individuelle und die klimatische Disposition als
ausschlaggebend erachten, wiewohl ich nicht verkenne, dass
auch gegen diese Auffassung sich gewichtige Bedenken, vor
allem aus der grossen Seltenheit der Uebertragung, geltend
machen lassen. Hier dürfen wir erst von weiteren Beob¬
achtungen und Erfahrungen Klärung erhoffen.
Literatur.
1. Hauenschild: Zeitschrift für Augenheilkunde, III, S. 200.
— 2. Adler und Weichselbaum nach Kolle-Wasser-
mann, Bd. III. — 3. Adams: Lancet, 1908, S. 1843. — 4. Beck
und Stokes: Journal of the American Medical Association, 14. Sep¬
tember 1907. — 5. Brodie, Rogers und Hamilton: Lancet,
22. Oktober 1898. — 6. Ad. Müller: Münch, med. Wochenschr.,
1890, No. 22 und 23. — 7. v. K u t s c h e r a nach Kolle-Wasser-
m a n n, Bd. III. — 8. La n z: Deutsche med. Wochenschr., 1893, S. 224.
— 9. Antoniu: Ref. Münch, med. Wochenschr., 1908, S. 1300. —
10. Reiche und Schomerus: Jahrbücher der Hamburgischen
Staatskrankenanstalten, Bd. XII.
Aus der Medizinischen Klinik zu Strassburg (Direktor:
Qeheimrat Moritz).
Ein Fall von Embolie in die Arteria radialis und ulnaris
des linken Armes.
Kasuistische Mitteilung.
Von Dr. C. H o e p f f n e r, ehern. Assistent der Klinik.
Embolien in die Extremitätenarterien sind nicht sehr häufig,
in die Arterien der oberen Extremitäten sind sie sogar äusserst
selten. Während wir in der Literatur ab und zu Publikationen
von Embolien in die Arterien der unteren Extremitäten finden *),
habe ich nur einen einzigen Fall von Embolie in die Arterien
der oberen Extremität finden können, der von Martin-Durr
im Progrfcs mödical XXI, 1893 veröffentlicht wird. Es handelt
sich um eine Embolie in die Arteria radialis bei einem Cholera¬
kranken; der Arm sah wie abgebrochen aus, Pulsationen waren
an der Radialis nicht mehr zu fühlen; nach 3 Stunden ver¬
schwanden diese Erscheinungen ebenso plötzlich wie sie ge¬
kommen waren, die Haut des Armes und der Hand war wieder
normal gerötet und warm. Am folgenden Tag trat dieselbe
Erscheinung wieder ein, dieses Mal stellte sich jedoch die
Zirkulation nicht wieder her, es kam zu Gangrän der Haut des
Handrückens in einer Ausdehnung von zwei 5 Franksstücken.
Der Puls war auch einige Monate später in der Radialis nicht
zu fühlen.
Einen ähnlichen, uns sehr interessierenden Fall hatten wir
in der Klinik zu beobachten die Gelegenheit.
Der 49 jährige Backofenbauer G. L. wird am 30. April 1907 mit
einer Temperatur von 37,5° in die Klinik aufgenommen. Es handelt
sich um eine schon fast abgelaufene Pneumonie des rechten Ober¬
lappens; die Dämpfung reicht hinten bis zur Spina scapulae herab,
vorne bis zur 3. Rippe. Dabei sonstige charakteristische Symptome
der kruppösen Pneumonie. In den nächsten Tagen sinkt die Tempera¬
tur zur Norm, die Dämpfung über dem rechten Oberlappen bleibt
jedoch zunächst noch bestehen.
Am 13. Mai, nachdem Pat. schon einige Tage sich ausser Bett
aufgehalten hat, wird ihm nachmittags gegen 4 Uhr beim Spazieren¬
gehen plötzlich schwindelig. Er verliert nicht völlig das Bewusst¬
sein, muss jedoch ins Bett getragen werden, wo es zu Erbrechen und
starkem Schweissausbruch kommt. Er ist äusserst blass, die Haut ist
feucht, kühl, die Temperatur beträgt 36,1 °. Nach einer halben Stunde
fühlt er sich nur noch sehr matt und hat leichte Kopfschmerzen. Am
Herzen ist an der Spitze ein unreiner erster Ton, über der Aorta
ein sehr leises, systolisches Geräusch und ein deutlich akzentuierter
2. Ton festzustellen, die Herzaktion ist regelmässig, der Puls ist
etwas klein, nicht beschleunigt, 80 pro Minute.
14. Mai. Heute Morgen um 8 Uhr fühlt sich Pat. vollkommen
wohl, gibt aber an, er hätte seit gestern Abend sehr heftige
Schmerzen im linken Vorderarm und in der linken
Hand, er habe deswegen in der Nacht kaum geschlafen. Das Aus¬
sehen der linken oberen Extremität ist äusserst auffallend: während
der Oberarm und der obere Teil des Unterarms normale Farbe haben,
sieht der untere Teil des Unterarms und die Hand
aus, wie wenn sie abgestorben wären. Die Haut
ist daselbst äusserst blass, etwas bläulich ver¬
färbt, die Fingernägel sind blauschwarz, die Hand
*) Kr edel: Zeitschr. f. klin. Med., 53, pag. 35. — Mori: Gazz.
degli ospedali e delle cliniche, 69. — Johannsen: Petersburger
med. Wochenschr. 1890 (Schmitts Jahrb., 233).
fühlt sich vollkommen kalt an, Bewegungen mit den
Fingern sind nicht möglich. An der Radialis fühlt
man an der gewohnten Stelle keine Pulsationen.
Verfolgt man die Arterie gegen das Ellenbogen¬
gelenk zu, so tritt in einer Entfernung von 12 cm
oberhalb der H a n d g e 1 e n k s f a 11 e n plötzlich der
Puls wieder auf. An der Ulnaris fühlt man am
Handgelenk ebenfalls keinen Puls. Die Sensibilität ist
am Vorderarm vollkommen intakt, aber in der Mitte des Handrückens
beginnt die Haut für feine Berührungen unempfindlich zu werden,
Nadelstiche werden an den Fingern gar nicht gefühlt.
Allmählich rückt nun die Pulsation in den beiden Unterarm¬
arterien nach dem Handgelenk zu. Um 12 Uhr mittags ist der Puls
schon bis 8 cm oberhalb des Handgelenks zu fühlen, hier verschwindet
er wieder plötzlich.
5 Uhr abends: Man fühlt den Puls jetzt bis 5 Vz cm
oberhalb des Handgelenkes, sonst ist der Zustand der Hand
unverändert, die Schmerzen dauern fort. Am Herzen ist
derselbe Befund wie gestern Abend zu erheben, der Blut¬
druck in der Brachialis beträgt heute 110 mm Hg (während
er anfangs um 90 mm Hg betrug* Schmerzwirkung?). Im 2. Inter¬
kostalraum, rechts am Sternum, ist der Perkussionsschall kürzer als
links an der korrespondierenden Stelle, doch ist dieser Befund wegen
der Dämpfung über dem rechten Oberlappen nur mit Vorbehalt für
eine aneurysmatische Erweiterung der Aorta zu verwerten. Dagegen
ist das Oliver-Cardarellisehe Symptom (systolisches Ab¬
wärtsrücken von Kehlkopf und Trachea) sehr deutlich. Es wird hier¬
nach das Bestehen eines Aortenaneurysmas angenommen (Quelle der
Embolie?).
15. V. Heute früh 8 Uhr ist das Aussehen der linken Hand
vollkommen verändert, die Haut ist wieder von normaler Farbe,
auch die Fingernägel haben ihr bläuliches Aussehen verloren und
wieder rote Farbe angenommen. Nur am 5. Finger sind normale
Verhältnisse noch nicht wieder eingetreten, die Endphalange fühlt sich
kalt an, der Nagel ist blauschwarz, die Haut ist auf der Volarfläche
ebenfalls blau verfärbt. Die Sensibilität ist an der linken Hand wieder
vollkommen normal, mit Ausnahme dieser Phalange, die im kleinen
genau dasselbe Bild bietet, wie gestern die ganze Hand. Der Puls
ist in der Radialis und Ulnaris am linken Handgelenk wieder ebenso
kräftig wie an der rechten Hand.
Abends 5 Uhr ist der Befund annähernd wie heute früh, nur
scheint der anästhetische Bezirk an der Endphalange des 5. Fingers
noch etwas kleiner geworden zu sein. Die Beweglichkeit der linken
Hand ist wieder fast normal, die grobe Kraft ist indes noch erheb¬
lich herabgesetzt, Pat. ist vollkommen schmerzfrei.
Zur Sicherung der Diagnose eines Aortenaneurysmas wird ein
Orthodiagramm aufgenommen, das in der Tat deutliche Verbreiterung
des Aortenschattens ergibt.
16. V. Die Sensibilität ist an der ganzen linken Hand durchaus
normal mit Ausnahme eines kleinen, etwa pfenniggrossen Bezirks auf
der Volarfläche der Endphalange des 5. Fingers. Die Haut ist hier
blau verfärbt mit einem Stich ins Rote. Der Nagel ist von normaler
Farbe. Auf den Kuppen der übrigen Finger, mit Ausnahme des Dau¬
mens, finden sich kleine unregelmässige rote Flecken in der Haut.
18. V. Der anästhetische Bezirk am 5. Finger ist unverändert.
21. V. Auf Zeigefinger und 4. Finger finden sich noch immer
die obenerwähnten roten Flecken, auf der Beere des 5. Fingers ist
die Haut jetzt auch mehr rot als blau verfärbt, die Sensibilitäts¬
störung besteht aber hier noch unverändert weiter. Leise Be¬
rührungen werden gar nicht gefühlt, Nadelstiche nur als Berührung
empfunden. Tiefe Stiche werden dagegen prompt gefühlt. Warm
und kalt werden an der betreffenden Stelle nicht unterschieden. Die
Mobilität der linken Hand und die grobe Kraft sind normal.
27. V. An den übrigen Fingern sind die roten Flecken verschwun¬
den, nur auf der Kuppe des 5. Fingers findet sich noch ein kleiner
roter Fleck, die Haut ist daselbst hart und unempfindlich auf Nadel¬
stiche.
Am Herzen sind keine Geräusche vorhanden, auch über der Aorta
heute kein systolisches Geräusch, die Akzentuation des 2. Aortentons
besteht weiter. Der Blutdruck beträgt wieder 90 mm Hg wie vor
der Embolie.
1. VI. Die Haut auf der Beere des 5. Fingers beginnt sich zu
schälen.
Patient wird entlassen, die Temperatur war während dieser gan¬
zen Zeit normal.
Epikrise: Wir nehmen an, dass am 13. Mai, als der
Kranke den Schwindelanfall erlitt, aus der erkrankten Aorta
thrombotisches Material in die Hirnarterien gelangte. Es kam
aber nicht zur Verlegung grösserer Gefässe, so dass in der
Folge keine zerebralen Ausfallserscheinungen auftraten. Zu
gleicher Zeit, vielleicht auch etwas später, muss ein grösserer
Embolus in die linke Brachialis gekommen sein, wo er sich
wahrscheinlich an deren Teilungsstelle in die Ulnaris und
Radialis spaltete und beide Arterien eine Strecke weit ober¬
halb des Handgelenkes verschloss. Nur so ist es zu erklären.
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Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
184
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
dass in beiden Arterien am Handgelenk der Puls verschwand.
In der der Palpation in längerem Verlaufe gut zugänglichen
Radialis Hess sich die Stelle, wo die Palpation aufhörte und ihr
langsames Nachabwärtsrücken genau feststellen. Offenbar
wurde der Embolus durch das Anbranden der Pulswelle auf¬
gebröckelt und vorwärts getrieben, bis schliesslich nur mehr
in den Enden der Fingerarterien, speziell des Fingers, kleine'
Verschlüsse sassen, die aber schliesslich auch gehoben oder
durch kollaterale Blutversorgung unschädlich gemacht wurden.
Die durch das anfangs völlig mortifizierte Aussehen des
distalen Teiles des Unterarmes und der Hand sehr nahe ge¬
legte Gefahr umfangreicher Gangrän, wurde durch die rasche
Behebung des Verschlusses doch vermieden.
Es ist wohl anzunehmen, dass ähnliche Fälle öfter Vor¬
kommen, aber durch noch raschere Beseitigung des Ver¬
schlusses sich der Feststellung überhaupt entziehen. Wir
glauben, dass man gegebenen Falles berechtigt wäre, durch
Massage der Arterie zur Verkleinerung des Embolus und da¬
mit zu seiner Entfernung aus den grösseren Stämmen bei¬
zutragen.
Behandlung und Verhütung der nicht-traumatischen
Rentenneurosen').
Von Dr. Ernst Beyer, Chefarzt der Rheinischen Volks¬
heilstätte für Nervenkranke Roderbirken bei Leichlingen.
Während die traumatischen Neurosen schon seit längerer Zeit
und namentlich in- den letzten beiden Dezennien in hohem Masse das
Interesse der Forscher erregt haben und daher eingehend studiert
worden sind, ist den Rentenneurosen, welche nich.t
durch traumatische Veranlassung entstehen, in
fachwissenschaftlichen Kreisen bisher noch wenig Beachtung ge¬
schenkt worden. Und doch sind sie von grosser Bedeutung. Einmal
in theoretischer Hinsicht, indem sie den tatsächlichen Beweis liefern
für die Richtigkeit der Annahme, dass bei den traumatischen Neu¬
rosen nicht so sehr das Trauma, als viel mehr das Versicherungs¬
gesetz der wesentliche ätiologische Faktor ist. Denn wenn das nicht
zuträfe, so dürfte es nichttraumatische Rentenneurosen überhaupt
nicht geben können. Noch wichtiger aber ist die Kenntnis dieser
Rentenneurosen für die Praxis. Immer grösser wird der Kreis derer,
welche durch gesetzliche oder private Invalidenversicherung oder
durch Pensionsberechtigung in die Lage kommen, Renten- oder
Pensionsansprüche zu erheben, und je mehr die Kenntnis von den
zu erlangenden Vorteilen in den weitesten Kreisen des Volkes ver¬
breitet wird, um so häufiger werden die mit mehr oder weniger
Berechtigung gestellten Rentenanträge zum Kampf um die Rente und
zu Rentenneurosen führen.
Als Hoc he im vorigen Jahre in Baden-Baden sein Referat
„über die klinischen Folgen der Unfallgesetze“ erstattete, habe ioh
in der Diskussion 2 ) auf das Vorkommen dieser nichttraumatischen
Rentenneurosen hingewiesen. In der diesjährigen Versammlung in
Baden-Baden habe ich dann ausführlicher in einem Vortrage „über
den Kampf um die Rente bei nichttraumatischen Neurosen“ 3 ) ge¬
sprochen und namentlich das interessante Kapitel der Aetiologie er¬
örtert, nämlich welche Umstände an Stelle des Traumas als ver¬
anlassendes Moment treten, und welche Verhältnisse dabei mitwirken,
diese Rentenneurosen zu erzeugen, Krankheitsbilder, welche in
klinischer Beziehung mit den bekannten traumatischen Neurosen voll¬
kommen identisch sind.
Heute möchte ich nun auf die praktisch wichtigste Frage ein-
gehen, wie wir diese Rentenneurosen zu bekämpfen
habe n.
Wenn ich sagte, dass sie in ihren klinischen Bildern mit den
traumatisehen« Neurosen durchaus übereinstimmen, so trifft diese
Gleichheit leider auch zu in ihrem Verhalten gegenüber der Therapie.
Bei den traumatischen Neurosen haben wir uns trotz so vielfacher
Versuche und Bemühungen schliesslich doch einmal in die be¬
trübende Erkenntnis finden müssen, dass diese Krankheit zwar nicht
unheilbar, aber doch nicht durch Behandlung heilbar ist. 4 ) Wenn eine
*) Vortrag, gehalten auf der 80. Versammlung Deutscher Natur¬
forscher und Aerzte (Abteilung Neurologie und Psychiatrie) zu Köln
am 23. September 1908.
2 ) 32. Wanderversammlung der Südwestdeutschen Neurologen und
Irrenärzte in Baden-Baden am 1. und 2. Juni 1907. — Archiv für
Psychiatrie Bd. 43, Heft 3. — Zentralbl. f. Nervenheilkunde und
Psychiatrie XVIII. Bd., 1907, S. 658.
3 ) 33. Wanderversammlung der Südwestdeutschen Neurologen und
Irrenärzte in Baden-Baden am 30. und 31. Mai 1908. — Archiv für
Psychiatrie, Bd. 44, Heft 3.
4 ) Vergl. die Referate von Nonne, G a u p p, ßaisch.Thiem
über ,*den Einfluss der neueren deutschen Unfallgesetzgebung auf
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traumatische Neurose heilt, so ist das nicht das Verdienst unserer
Behandlung, sondern vielmehr die Folge davon, dass die Faktoren,
welche die Neurose hervorgebracht haben, weggefallen oder ab¬
geändert sind, hauptsächlich also, dass der Kranke mehr Interesse
daran bekommen hat, gesund zu werden, als die Rente zu behalten.
In diesem Sinne sprechen sich Windscheid und andere ganz
offen aus.
Nicht anders verhalten sich die ohne traumatische Veranlassung
entstandenen Rentenneurosen. Schon theoretisch ist .das zu erwarten,
wenn man sich eben vor Augen hält, dass der Krankheitszustand
durch die „Tatsache des Versichertseins“, um mit Hoche zu reden,
erzeugt und unterhalten wird. Es leuchtet ohne weiteres ein, dass
bei der Fortdauer dieses Einflusses alle ärztliche Behandlung .machtlos
ist. Auch Li s sau er 5 ), der im vorigen Jahre an der Hand eines
Falles, meines Erachtens in zu einseitiger Weise, die „Renten¬
neurasthenie“ als eine besondere Krankheitsform zu charakterisieren
versucht hat, betont ihre ungünstige Prognose.
Diese kann ich selbst aus vielfacher praktischer Erfahrung be¬
stätigen, ja ich möchte gerade darauf hinweisen, dass ich auf die
Rentenneurosen dadurch besonders aufmerksam geworden bin, dass
unter den von der Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz in die
Heilstätte Roderbirken überwiesenen Kranken immer wieder einzelne
vorkamen, die trotz aller ärztlichen Bemühungen nicht voran zu
bringen waren und auch nach mehrmonatiger Behandlung als erwerbs¬
unfähig, manche sogar in verschlechtertem Zustande wieder ent¬
lassen werden mussten, ohne dass dafür eine sonstige Ursache nach¬
weisbar war. Anfangs 1904 hatte ich aber auch schon einen geradezu
typischen Fall mehrere Monate in Sprechstundenbehandlung, nämlich
einen 52 jährigen Philologen, der durch allerlei Umstände seine Stelle
verloren hatte, neurasthenisch geworden war und seit 4 Jahren die
Rente einer Privatversicherungsgesellschaft bezog. Von zahlloses
Aerzten und in vielen Sanatorien war er ohne Erfolg behandelt
worden. Die absolut ungünstige Prognose, die ich in meinem da¬
maligen Gutachten zum Ausdruck gebracht habe, hat sich bisher be¬
stätigt. Erst kürzlich hatte ich Gelegenheit, von einem Kollegen,
der den Fall zur Zeit in ambulanter Behandlung hat, zu erfahren, dass
der Zustand des Patienten noch der gleiche -ist, wie ich ihn vor
4'4> Jahren gefunden habe, wie er also seit mehr als 8 Jahren besteht.
Ich kann hier nicht weiter auf einzelne Fälle eingehen und muss
das einer späteren Bearbeitung meines Materials Vorbehalten. Hier
möchte ich nur die Tatsache hervorheben, dass ich mit der Behand¬
lung solcher Rentenneurosen recht schlechte Erfahrungen gemacht
habe, und dass bei ausgebildeten Fällen alle angewandte
Mühe mit all den therapeutischen Hilfsmitteln* die uns in der Heilstätte
so reich zu Gebote stehen, immer und immer wieder vergebens ge¬
wesen ist.
Aber sollen wir deshalb die Hände in den Schoss legen und es
ruhig dahin kommen lassen, dass, wie das Rerchsversicherungsamt
einmal gesagt hat*), „schliesslich jedem die Invalidenrente bewilligt
werden muss, der sich beharrlich der Arbeit enthält und für erwerbs¬
unfähig erklärt?“ — Nein, so vollkommen machtlos sind wir nun
doch nicht, und wenn wir der ausgebildeten Krankheit auch mit
Therapie nicht mehr beikommen können, so bietet sich uns doch um
so bessere Aussicht auf dem Felde der Prophylaxe.
Wir werden also, gerade wie bei den traumatischen Neurosen,
unser Augenmerk darauf richten müssen, in welcher Weise wir die
Entstehung der Rentenneurosen verhüten können. Aber da zeigt sich
sofort, dass für die nichttraumatisohen sehr wesentlich andere Ver¬
hältnisse massgebend sind, als für die traumatischen. Und das ist
auch der Grund, weshalb man die nichttraumatischen
Rentenneurosen als eine besondere Gruppe behandeln
muss, dass man sie, trotz ihrer völligen Uebereinstimmung in ihrem
klinischen Bild, doch nicht einfach den traumatischen Neurosen bei¬
ordnen kann. In einem Referat 7 ) über die Li ssau ersehe Arbeit,
das die Rentenneurasthenie als besondere Krankheitsform ablehnf,
ist gesagt worden, es genüge der Hinweis auf die Analogie zwischen
Unfallversicherung und Invalidenversicherung; was darüber hinaus¬
geht, sei ein Streit um Worte. Nun, das ist durchaus nicht richtig,
und gerade in den praktischen Fragen der Bekämpfung zeigen sich
die erheblichen Verschiedenheiten, die zum Teil auf die
abweichenden Bestimmungen der Gesetze zurückzuführen sind.
Ein sehr wesentlicher Unterschied ergibt sich schon daraus* dass
bei der Unfallbegutachtung nicht bloss die Beschränkung der Erwerbs¬
fähigkeit, sondern auch der Zusammenhang des Krankheitszustandes
mit dem Unfall festgestellt werden muss, während bei Fragen der
Invalidisierung oder Pensionierung lediglich die Tatsache
der Invalidität notwendig ist. Das hat schon mancherlei
Konsequenzen. Es wird z. B. einer ganzen Anzahl von traumatischen
Neurosen vorgebeugt dadurch, dass die Entstehung als Unfallsfolge
verneint und damit jeder Rentenanspruch endgültig abgelehnt ist.
Heilbarkeit und Unheilbarkeit der Krankheiten“ auf der 78. Versamm¬
lung deutscher Naturforscher und Aerzte in Stuttgart 1906. — Münch.
imecL Wochenschr. 1906, S. 1976.
8 ) Lissauer: Ueber Rentenneurasthenie und ihre Bedeutung
für das Versicherungswesen. Aerztliche Sachverständigenzeitung
1907, S. 369.
fl ) Aerztliche Sachverständigenzeitung 1907, No. 17, S. 366.
7 ) Münch, med. Wochenschr. 1907, No. 47, S. 2350.
Original from
UMIVERSITY OF CALIFORNIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
185
Andererseits ist durch diese Frage nach dem ursächlichen Zusammen¬
hang mit dem Unfall die Sachlage entschieden kompliziert und da¬
durch häufig die so wünschenswerte schnelle Erledigung des Ver¬
fahrens erschwert. Bei der Invalidenversicherung muss dagegen
jeder Fall von Erwerbsunfähigkeit ohne Rücksicht auf seine Erut-
stehumgsweise angenommen werden; es können daher alle möglichen
Fälle Anspruch auf Rente erheben, auch wenn sie nicht das Unglück
oder Qlück gehabt haben, einen Unfall zu erleiden. Ferner kommt
nicht eine blosse Erwerbsbeschränkung in Betracht, sondern nur die
gänzliche Arbeitsunfähigkeit, d. h. der Kranke muss
nicht mehr imstande sein, „durch eine seinen Kräften und Fähigkeiten
entsprechende Tätigkeit, die ihm unter billiger Berücksichtigung
seiner Ausbildung und seines bisherigen Berufes zugemutet werden
kann, ein Drittel desjenigen zu erwerben, was körperlich und geistig
gesunde Personen derselben Art mit ähnlicher Ausbildung in der¬
selben Gegend durch Arbeit zu verdienen pflegen“. Damit kommen
alle chronischen Kranken mit nur teil weise r Erwerbsbeschrän¬
kung ohne weiteres in Wegfall. Um so schärfer ist aber der Kampf
um die Grenze der Drittelerwerbsfähigkeit. Es
geht ja auch nicht an, den Rentensucher etwa mit einer Teilrente,
mit Anerkennung von 50 Proz. oder noch weniger Erwerbsbesohräa-
kung, abzufinden, womit mancher vielleicht zufrieden sein würde.
Vielmehr handelt es sich immer nur um die Frage: ist er noch t U
erwerbsfähig oder nicht, also bekommt er Rente oder be¬
kommt er keine Rente?
Besonders deutlich zeigt sich der Unterschied zwischen trau¬
matischen und nichttraumatischen Invaliden, wenn man die zur Be¬
kämpfung der traumatischen Neurosen gemachten Vorschläge auf die
nichttraumtatischen anzuwenden versuchen will. Hoche 8 ) hat in
seinem Referat als „grosse Mittel“ zweierlei empfohlen: als das eine
die einmalige Kapitalabfindung an Stelle des fortlaufen¬
den Rentenbezuges*). Nun ist wohl ohne weiteres klar, dass ein
solches Verfahren bei der Invalidenversicherung und ebenso natür¬
lich auch bei Pensionierung von Beamten eo ipso ausge¬
schlossen ist, denn hier soll nicht wie einem Unfallkranken eine
Entschädigung für den durch den Unfall verursachten materiellen
Schaden geboten werden, sondern der Invalide soll zeitlebens unter¬
stützt werden.
Die Tatsache übrigens, dass neben der Unfallversicherung auch
die Invalidenversicherung besteht, scheint mir ein ganz wesentliches
Hindernis gegen die Einführung der Kapitalabfindung bei der gesetz¬
lichen Unfallversicherung. Ich wüsste wenigstens nicht, wie man
es ausschliessen kann, dass ein Unfallkranker mit mehr als zwei
Drittel Enwerbsbeschränkung, nachdem er die erhaltene Abfindungs¬
summe verbraucht oder unverschuldet verloren hat, berechtigte An¬
sprüche auf Invalidenrente erhebt. Hoche 10 ) selbst hat schon daran
gedacht, dass ein solcher Kranker der Armenverwaltung zur Last
fallen könne, und will dies dadurch verhindern, dass das Kapital in
irgend einer Form festgelegt werde, die dem Unfallkranken den
ruhigen Besitz und Genuss sichert, ohne ihm die freie Verfügung zu
lassen. Ja, das ist dann aber doch wieder nichts anderes, als Rente,
und dann sind wir wieder genau so weit wie vorher, nur mit dem
Unterschied, dass diese Rente zeitlebens festliegt, während nach dem
jetzigen Verfahren die Unfallrente nach eingetretener Besserung
wieder herabgesetzt und entzogen werden kann. Ob das eine Ver¬
besserung der Sachlage ist, scheint mir sehr zweifelhaft, abgesehen
davon, dass die Abfindungssumme doch nicht so gross sein sollte, dass
deren Zinsen der sonstigen Rente entsprechen 11 ).
Auch das andere „grosse Mittel“, das Hoche zur Bekämpfung
der traumatischen Neurosen empfiehlt, wird nicht ohne weiteres in
gleicher Weise bei den nichttraumatischen Rentenneurosen ange¬
wandt werden können, das ist die Erziehung Unfallver¬
letzter zur Arbeit Zweifellos ist der Grundgedanke auch für
die nichttraumatischen Kranken durchaus zutreffend 13 ). Aber es ist
doch etw r as anderes, wenn ein Arbeiter durch einen Unfall aus seiner
Tätigkeit herausgerissen ist und nach Abheifung der unmittelbaren
Unfallfolgen wieder der Arbeit zugeführt werden soll, als wenn er
allmählich, durch längeres Kranksein oder auch durch dauernden auf¬
reibenden Beruf in seiner Leistungsfähigkeit beschränkt wird und dann
selbst darüber entscheidet, wann er sich für invalide hält und Renten¬
ansprüche erhebt. Und wie viel Rentengesuche kommen von solchen,
die aus irgend welchen Gründen schon länger nicht mehr beruflich
tätig sind und es auch gar nicht wieder werden wollen! Eine Haus¬
hälterin z. B„ die im Alter von 50 Jahren sich zur Ruhe setzt
oder eine Arbeiterfrau, die auch nach der Heirat noch ein Zeitlang
einen selbständigen Erwerb hatte, dann aber w'egen zunehmender
Kinderzahl sich auf den Haushalt beschränkt oder eine frühere kauf¬
männische Angestellte, die mit der Verheiratung ihren Beruf auf¬
gegeben, aber sich freiwillig w^eiterversichert hat solche und zahl-
*) Notwendige Reformen der Unfallversicherungsgesetze. Halle
1907, S. 19.
®) Gau pp: Ueber den Einfluss der neueren deutschen Unfall¬
gesetzgebung auf den Verlauf der Nerven- und Geisteskrankheiten.
Münch, med. Wochenschr. 1906, S. 2232.
10 ) 1. c. S. 26.
u ) Hoche: 1. c. S. 25.
w ) Steyerthal: Die Beurteilung der Unfallneurosen. Aerztl.
Sachverständigenzeitung 1906, No. 3.
No 4 .
Digitizea by. Google
reiche ähnliche Fälle können im Anschluss an irgend eine Krankheit
dazu kommen, Invalidenansprüche zu erheben. Wie will man sie
dann w r ieder zu der Berufsarbeit zuuickfiihren, die sie längst ver¬
lassen haben?
Als eine a 11 g e in e i n g ii 11 i g e Massregel ist also die Er¬
ziehung zur Arbeit bei der Verhütung der nichttraumatischen Renten¬
neurosen nicht zu gebrauchen, wenn auch natürlich in vielen
Fällen, bei denen die Sachlage mehr den Verhältnissen einer Unfall-
erkrankung entspricht, ein guter Erfolg davon erwartet werden kann.
Ebenso kann auch der weitere Vorschlag, die Verbesse¬
rung der Arbeitsnachweise und Arbeitsgelegen¬
heiten 13 ) dazu beitragen, manchen Invahdenkandidaten über
Wasser zu halten, d. h. über der Grenze der Drittelerwerbsfähigkeit.
Ist also mit „grossen Mitteln“ nicht durchgreifend viel zu
zu machen, so werden wir uns zu kleinen Mitteln wenden müssen,
und da scheint mir die wichtigste Frage, ob wir als Aerzte nicht
manche Verbesserungen im Rentenverfahren anregen
können, einerseits um Schädlichkeiten zu beseitigen, welche zur Ent¬
stehung der Rentenneurosen beitragen, andererseits um auf die
Kranken selbst in günstigem Sinne einzuwirken, also um zu verhüten,
dass die Begehrungsvorstellungen sich zur Rentensucht und diese sich
zur Rentenneurose fortentwickelt. Hier werden sich nun wieder
Verschiedenheiten ergeben, je nach Artder Grundlage,
auf der die Rentenansprüche erhoben werden.
Zunächst ist Gelegenheit zur Entstehung von Renten- oder,
w'enn man lieber will, „Pensionsneurosen“ gegeben bei Beamten. Ich
denke natürlich nicht an solche Fälle, wenn ein hoher Beamter oder
Offizier seinen Abschied nehmen will oder soll, und man dann gerade
rechtzeitig entdeckt, dass er wegen Krankheit nicht mehr dienstfähig
ist. Man könnte da vielleicht gewisse Analogien zum Entstehen von
Rentenneurosen finden, indessen kommt das hier nicht in Betracht.
Es kommt aber auch sonst vor, dass Beamte aus irgend einem Grunde
sich krankheitshalber pensionieren lassen wollen. So gibt es z. B.
Fälle von Telephonistinnen, welche zum Zwecke der Verheiratung
den Dienst verlassen, aber dazu nicht einiach austreten wollen, son¬
dern eine durch Krankheit erzwungene Entlassung mit Pension er¬
streben. Dazu liegt es nahe, eine durch den anstrengenden Beruf
motivierte Nervosität heranzuziehen, zu deren Beförderung das etwas
umständliche und langwierige Pensionsverfahren besonders geeignet
zu sein scheint. So hatte ich auch einen Fall bei einer Maschinen-
schreiberin, den ich zuerst für eine Beschäftigungsneuirose hielt, bis
der weitere Verlauf die Entwicklung zur Renten- bezw. Pensions¬
neurose klar erkennen liess.
Ich möchte nun auf die Verhältnisse bei solchen Pensionierungs¬
verfahren hier nicht weiter eingehen und ebenso wenig auf die Um¬
stände bei privaten Krankheits- und Invaliditätsversicherungen, da
mir hierzu nicht genügend zahlreiche eigene Erfahrungen zu Gebote
stehen. Ich beschränke mich vielmehr auf die Verhältnisse bei der
gesetzlichen Invalidenversicherung, an der Hand von über
1000 Fällen, die ich in den letzten beiden Jahren in der Heilstätte
Roderbirken zum Heilverfahren oder zur Beobachtung und Begut¬
achtung überwiesen erhalten habe. Die hierbei gemachten Er¬
fahrungen haben mir gezeigt, dass in dem bisherigen Rentenverfahren
verschiedene Umstände Vorkommen, welche w r ohl geeignet sind, die
Entwicklung von Rentenneurosen zu fördern, einerseits durch Er¬
weckung von Begehrungsvorstellungen, durch Schürumg eines sub¬
jektiven Pessimismus, andererseits durch das Fehlen sachgemässer
Gegenwirkung.
Eine Beförderung der Begehrungsvorstellungen
finde ich schon darin, dass es den Versicherten zu leicht ge¬
macht wurde, Invalidenrente zu erlangen. Wer sich iür invalide
hält, oder von Angehörigen, Dienstherrschaften oder auch wohl vom
Arzt dazu veranlasst wird, oder wer sich nach überstandener Krank¬
heit nach Ablauf der 26 Kassenw r ochen noch nicht fähig fühlt, den
Kampf mit der Arbeit wieder aufzunehmen, der lässt sich von seinem
Arzt untersuchen und geht aufs Invalidenbureau, um den Antrag aui
Rente zu unterschreiben. In vielen Fällen ist das alles, was der
Versicherte zu tun hat; alles übrige kommt von selbst. Dass es so
glatt gehen kann, ist zweifellos ein Anreiz, Ansprüche an die Ver¬
sicherungsanstalt zu- stellen. Ich meine daher, dass man die Er¬
langung der Invalidenrente schon mit etwas mehr Umständen ver¬
knüpfen darf, denn die Invaliditätserklärung ist doch eine hoch¬
bedeutsame Sache, die über das fernere Leben und Wirken des
Kranken entscheidet. Dazu soll er sich nicht leichtfertig hergeben,
sondern es sich vorher noch einmal mehr überlegen, ehe er hingeht
und Antrag auf Rente stellt.
Selbstverständlich darf die Erschwerung des Rentenverfahrens
nicht auf formalem Gebiet liegen, denn w ir w issen von den trauma¬
tischen Neurosen her, wie ungünstig bureau-kratische Umständlich¬
keiten und Schikanen auf die Kranken wirken und geradezu zur För¬
derung von Rentenneurosen beitragen. Was aber geschehen kann,
das ist ein Ausbau der ärztlichen Begutachtung.
Das bisherige Verfahren hat entschieden zu Missständen geführt,
welche das Entstehen der Rentensucht begünstigen. Vielfach wird
13 ) Seifert: Ueber nervöse Unfallerkrankungen. Referat:
Münch, med. Wochenschr. 1901, S. 1226. — Leppmann: Die
Kriminalität der Unfallverletzten. Aerztl. Sachverständigenzeitung
1902, No. 3.
4
Original fro-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
186
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
die Begutachtung von den behandelnden Aerzten zu leicht ge¬
nommen, das zeigen die ärztlichen Zeugnisse, die manchmal unglaub¬
lich dürftig sind, aber »doch von dem betreffenden Arzt offenbar für
genügend gehalten (werden, um daraufhin einen Menschen für dauernd
invalide zu erklären. Aus anderen Zeugnissen geht hervor, dass der
Arzt nicht als objektiver Beurteiler des Kranken* sondern als Sach¬
walter und Befürworter von dessen Ansprüchen aufgetreten ist 14 ).
So hört man auch oft von Kranken die Aeusserung: „ihr Arzt habe
für sie den Rentenantrag gestellt.“ Dass bei derartiger Handhabung
der Begutachtung der Kranke in seinen Krankheitsgefühlen bestärkt
und in seiner Ueberzeugung, nicht arbeiten zu können, nur gefestigt
wird, liegt auf der Hand.
Es ist von verschiedenen Seiten auch aus anderen Gründen
schon als unzweckmässig bezeichnet worden, dass die Invaliditäts¬
erklärung gewöhnlich nur von der Untersuchung des behandelnden
Arztes abhängig gemacht werde, so dass dieser dem Kranken und
dem Publikum gegenüber die volle Verantwortung für den Erfolg
oder Nichterfolg eines Rentengesuches zu tragen scheine 15 ). Ich
kann mich dieser Meinung nach meinen Erfahrungen nur anschliessen
und glaube, dass die Missstände der ärztlichen Begutachtung und
deren ungünstige Folgen zum grössten Teil vermieden werden, wenn
neben dem Gutachten des behandelnden Arztes grundsätzlich
in allen Fällen eine zweite Untersuchung eingeführt
wird, und zrwar durch einen praktisch dafür vorge¬
bildeten Versicherungsarzt 18 ),
Gerade dies letztere, die Heranbildung eigener Versicherungs¬
ärzte, halte ich für das sicherste Mittel, um eine sachgemässe Be¬
urteilung der Rentensucher zu gewährleisten, denn die Begutachtung
in Invalidenfragen ist eine Aufgabe, zu der nicht jeder Arzt eo ipso
qualifiziert ist, und zu der er auch durch den angestrebten Unterricht
in der sozialen Medizin noch nicht genügend vorbereitet werden
kann. Als allgemeine Grundlage ist dazu zunächst eine längere
praktische Erfahrung vonnöten, um über den ferneren Ver¬
lauf eines Krankheitszustandes und über das weitere Leben des
Rentenbewerbers auf Jahre hinaus eine Prognose stellen zu können.
Ein junger Arzt, der kaum erst vom Examen kommt, kann dazu un¬
möglich befähigt sedn, denn das kann man auf der Universität nicht
lernen.
Verhältnismässig einfach und von jedem beliebigen Arzt auf
Grund seiner Fachkenn tnisse ausführbar mag ja wohl die Begut¬
achtung sein, wenn die ungünstige Prognose eines Falles sich onne
weiteres aus dem Wesen der Krankheit oder des körperlichen De¬
fekts ergibt. Aber in vielen Fällen kommt es eben nicht darauf an,
welchen körperlichen Defekt der Kranke hat, sondern was er mit
diesem Defekt noch zu leisten vermag. Die In¬
validität ist dann also nicht eine Frage des körper¬
lichen Zustandes, sondern des Geisteszustandes,
und sie verlangt die Beurteilung der ganzen Persönlichkeit des An¬
tragstellers (Th. Rumpf). Dazu ist aber eine besondere Schulung
des Gutachters und zwar auf psychiatrisch-neurologischer Grundlage
erforderlich.
Ferner ist zu berücksichtigen, dass die Begutachtung der In¬
validität über die Grenzen des eigentlichen ärztlichen Gebiets hinaus
übergreift in Verhältnisse des praktischen Lebens.
Gleich wie der ärztliche Sachverständige vor Gericht nicht bloss zu
begutachten hat, ob der Untersuchte krank oder gesund ist, sondern
vielmehr in welcher Beziehung der Krankheitszustand zu der vom
Richter gestellten Frage steht, z. B. ob dadurch eine Entmündigung
gerechtfertigt ist, so muss der Sachverständige dm Invalidenver¬
fahren auch darüber sich äussern, ob und wie weit und seit wann
durch die Krankheit die Erwerbsfähigkeit des Rentenbewerbers mit
Beziehung auf seine Ausbildung und bisherige Berufstätigkeit, im
Vergleich zu dem, was gesunde Personen derselben Art mit ähnlicher
Ausbildung in derselben Gegend zu verdienen pflegen, beschränkt oder
aufgehoben ist. Dazu gehört also wieder eine besondere Erfahrung
und Kenntnis der Erwerbsverhältnisse, in deren Studium der Gut¬
achter sich vertiefen muss.
Aus diesen und anderen Gründen, deren Erörterung hier zu weit
führen würde, steht es wohl ausser Zweifel, dass die ärztliche Tätig¬
keit bei der Invalidenversicherung ihre eigenen Anforderungen an
Vorbildung und Schulung stellen muss und sich vielleicht noch zu
einer Spezialität auswachsen wird, welche als Sonderfach neben der
Unfallheilkunde ihre Berechtigung hat.
Im Rentenverfahren würde also der Versicherungsarzt nicht
bloss das Gutachten des behandelnden Arztes zu prüfen, sondern
selbst den Kranken zu untersuchen haben und zwar in jedem Falle,
mag er auch nach dem Vorgutachten noch so klar liegen. Ich halte
das gerade für wichtig, dass diese zweite Untersuchung regelmässig
und nicht nur in besonderen Fällen stattfindet, weil sie nämlich sonst
von dem Bewerber leicht entweder als Beweis für die Schwere seines
14 ) Vergi. Grassl: Invalidenversicherungsgesetz und Arzt.
Münch, med. Wochenschr. 1902, S. 281.
18 ) Vergi. Kiefer: Ueber Unfall und Erwerbsbeschränkung.
Münch, med. Wochenschr. 1900, S. 676.
16 ) Vergi. Vulpius: Der Arzt als Begutachter Unfallverletzter.
Münch, med. Wochenschr. 1905, S. 1887. — Miller: Zum Kapitel
„Aerztliche Sachverständige vor den Schiedsgerichten“. Monats*
schrift für Unfallheilkunde 1901, No. 11.
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Krankheit&zustandes oder aber als besondere Schikane oder als
Misstrauensvotum empfunden und dadurch wieder eine Verschärfung
in dem Kampf um die Rente hineingetragen würde. Wenn sie aber
in jedem Falle ausgeführt werden muss, so ist sie nichts weiter als
eine heilsame Erschwerung der Rentenerlangung,
ohne persönliche Spitze und ohne besondere Bedeutsamkeit nach
irgend einer Richtung hin, und sie gibt dem Versicherungsarzt die
Grundlage zur selbständigen Begutachtung.
Hierfür kommen nun noch einige weitere Punkte in Betracht
Erstlich kann der Versicherungsarzt nicht auf allen Spezial¬
fächern der Medizin ein kompetenter Beurteiler sein. Es wird daher
häufig nötig werden, einen Spezialarzt hinzuzuziehen, und damit
sollte man auch nicht zu sparsam sein. An der Hand dieses spezial-
ärztlichen Gutachtens aber wird der Versicherungsarzt dann in der
Lage sein, die praktische Frage der Invalidität so weit klarzustellen,
als für die Entscheidung der Landesversdcherungsanstalt not¬
wendig ist.
Ferner müsste dem Gutachter mehr als bisher die Möglichkeit
geboten werden, dass er sich objektive Auskünfte über
den Rentenbewerber verschaffen kann. In dem bisherigen
Verfahren wird; wie das auch schon aus der Anordnung und den
Raumverhältnissen der Guitachterformulare hervorgeht, überwiegend
Gewicht gelegt auf den objektiven Untersuchungsbefund. Das mag
ja nun zutreffend sein für solche Fälle, bei denen aus dem körper¬
lichen Befund ohne weiteres die Invalidität hervorgeht. Aber wie
gross ist die Zahl der Kranken, bei denen der objektive Befund in
keinem Verhältnis zu den subjektiven Klagen steht und zur Be¬
gründung der Invalidität nicht ausreicht, oder solche, bei denen er
überhaupt fehlt? Wenn man aus der Psychiatrie her weiss, dass die
einmalige, noch so gründliche Untersuchung eines Kranken oft wenig
oder auch wohl gar keine Anhaltspunkte für Diagnose und Prognose
bietet, und dass man sich dann zunächst hauptsächlich oder gänzlich
auf die objektive Anamnese stützen muss, dann ist man sehr über¬
rascht, wenn man sieht, dass ein Fall, der vielleicht eine Neurasthenie
oder Hysterie, vielleicht auch eine Epilepsie oder Psychose ist, be¬
züglich seiner Erwerbsfähigkeit lediglich auf eine Untersuchung hin
begutachtet werden soll. Hier muss also die Anamnese als
notwendige Ergänzung eintreten, ihr sollte daher überhaupt
mehr Bedeutung beigemessen werden.
Die paar Angaben aber, die der Kranke selbst über sein Vor¬
leben macht oder zu machen für gut findet, genügen dazu nicht. Sieht
man doch in ärztlichen Invalidenattesten zuweilen die für die Be¬
urteilung allerwesentlichsten anamnestischen Daten, z. B. über vor¬
aufgegangene Heilverfahren, völlig mit Stillschweigen übergangen.
Nun kann ja bei dem behandelnden Arzt im allgemeinen wohl ange¬
nommen werden, dass er seinen Kranken schon länger kennt und auch
über seine äusseren Verhältnisse Bescheid weiss. Aber das trifft auch
nicht immer zu, gerade in den hier in Betracht kommenden arbeiten¬
den Klassen, wo -der Arzt den Kranken oft nur ein oder einige Male
in der Sprechstunde gesehen hat. Die Notwendigkeit, eine objek¬
tive Anamnese sich verschaffen zu können, wird also auch da
schon sich oft bemerkbar machen* und um so mehr beim Ver¬
siehe rungsarzt, der dem Kranken fremd gegenüber tritt.
Ein weiterer Punkt ist die Frage, ob die Erwerbsfähigkelt durch
ärztliche Untersuchung allein überhaupt festgestellt werden kann.
H i 11 e n b e r g 17 ), Weygandt 18 ) und andere haben schon darauf
hingewiesen, dass man in vielen Fällen von Rentenneurosen mit den
klinischen Unfersuchungsmethoden nicht zu einem Resultat kommt,
und dass es notwendig ist, über die Kranken durch ihr Verhalten
ausserhalb der Klinik sich Aufklärung zu verschaffen, indem man sie
in ihrem Wirkungskreise beobachten lässt. Ich glaube, dass
wir eine solche Beobachtung als spätere Kontrolle der Renten¬
empfänger wohl befürworten können. Zum Zweck der Begutachtung
wird man indessen nicht so weit zu gehen brauchen, oder doch nur
ausnahmsweise. Eine wertvolle Ergänzung der Untersuchung haben
wir ja durch die ärztliche Beobachtung, die in der Tat die
Persönlichkeit des Kranken viel klarer erkennen und beurteilen
lässt, als die blosse Untersuchung. Es empfiehlt sich daher in allen
irgendwie zweifelhaften Fällen die sachverständige Beobachtung in
einem dazu geeigneten Krankenhause oder Heilstätte, wobei Wind-
scheid 19 ) und M. Laehr 20 ) besonders die Heranziehung zur
Arbeit als vorzügliches Beobachtungsmittel befürworten. Ich kann
das aus eigener Erfahrung nur bestätigen.
Nach diesen Erwägungen, welche eine Beseitigung ungünstiger
Einflüsse, insbesondere der aus den Mängeln der ärztlichen Begut¬
achtung sich ergebenden* zum Zweck haben, handelt es sich nun noch
17 ) H i 11 e n b e r g: Zur Begutachtung von Unfallverletzten.
Aerztl. Sachverständigenzeitung 1907, S. 296.
18 ) Weygandt in der Diskussion über H o c h e s Referat.
Archiv für Psychiatrie 1907, Bd. 43, Heft 3. Zentralbl. für Nerven¬
heilkunde 1907, S. 660.
19 ) Windscheid: Ueber die klinischen Eigentümlichkeiten der
Unfallneurose neibst Bemerkungen über die Erfahrungen in bezug
auf Beobachtung und Behandlung von Unfallhysterikem im „Henmanc-
haus“ in Stötteritz. — 32. Versammlung südwestdeutscher Neurologen
und Irrenärzte 1907. — Archiv für Psychiatrie, Bd. 43, Heft 3.
w ) M. Laehr: Bemerkungen zur Arbeitsbehandlung Nerven¬
kranker. Zeitschr. für klin. Medizin, Bd. 53, 1903.
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
187
um die wichtigste Frage, wie wir durch unmittelbare Ein¬
wirkung auf den Kranken dem Entstehen von
Renten neuro sen entgegenarbeiten können. Zunächst
glaube ich vor einem Mittel warnen zu müssen, das an Stelle der er¬
hofften Förderung der Genesung vielmehr der Entwicklung einer
Rentenneurose nur zu leicht Vorschub leisten kann, das ist die Ge¬
währung einer vorläufigen Krankenrente. In ärztlichen Invaliden¬
attesten findet man wohl beantragt, dass noch auf eine gewisse Zeit
Krankenrente gewährt werden möge, damit der Kranke sich noch
erholen und allmählich asn die Arbeit gewöhnen könne. Diese Er¬
wartung bestätigt sich in vielen Fällen nicht; der Kranke gewöhnt
sich nicht an die Arbeit, sondern an das Nichtstun, die Besserung
bleibt aus, oder wenn wegen eingetretener Besserung nach Ablauf
der Zeit die Rente wieder entzogen werden soll, dann treten die
alten Klagen wieder auf. Der Kampf um die Rente geht dann von
neuem wieder los, und die Invalidität ist besiegelt. Ich kann daher
die Empfehlung einer Krankenrente nur da für zulässig halten, wo ein
Krankheitsfall sichtlich in Abheilung begriffen ist und seinem Wesen
nach zur Genesung nur noch eine gewisse Zeit braucht, niemals aber
bei stationären Fällen, bei denen die Erwerbsfähigkeit mehr oder
weniger von dem guten Willen des Patienten abhängt.
Vor allem darf die Krankenrente niemals lediglich
als Verlegenheitsausweg in unklaren Fällen ge¬
braucht werden, wenn man den Kranken noch nicht eigentlich für
invalide hält, aber sich doch auch nicht entschliessen kann, sein Ge¬
such ablehnend zu begutachten. Mit dem Satze „in dubio pro
aegroto“ darf man sich da nicht beruhigen, sondern man muss sich
stets vor Augen halten, welchen dauernden Schaden man anrichtet,
wenn man jemandem ohne genügende Begründung zur Rente ver-
hilft. Hat er die Rente bekommen, obwohl er nicht
invalide ist, so wird er invalide, weil er die Rente
bekommen hat, und damit ist er für sein ganzes ferneres Leben
ein Krüppel, geistig mehr noch als körperlich. Darum Vorsicht mit
der Krankenrente! Sie kann viel und nachhaltig schaden, anstatt die
erwartete Hilfe zu bringen.
Um so bessere Erfolge sind dagegen zu erwarten, wenn man die
Kranken, welche chronisch und invalide zu werden drohen, recht¬
zeitig in die Heilstätte schickt, wo sie von Anfang an
unter dem Gesichtspunkt der I n v a 1 i d i t ä t s v e r -
hütung behandelt werden. Für die Bekämpfung der trau¬
matischen Neurosen ist ja schon von vielen Praktikern die Forderung
erhoben worden, dass die Unfallskranken möglichst frühzeitig in die
Hände besonders geschulter Aerzte kommen sollten. Nun sind aller¬
dings die therapeutischen Erfahrungen bei Unfallsneurosen nicht
gerade sehr ermutigend. Wenn ich aber für die nichttraumatischen
Rentenbewerber die gleiche Massregel befürworte, so geschieht das.
weil bei diesen die Verhältnisse ungleich günstiger liegen, schon»
dadurch, dass sie nicht auf einer objektiven Tatsache, wie es der
Unfall ist, fussen können und nicht nolens volens durch die Berufs¬
genossenschaft in das Renten verfahren hineingetrieben werden. Viel¬
mehr ist bei vielen von ihnen schon die Grundlage ihrer Renten¬
bewerbung eine unsichere Sache, zu der sie selbst nicht immer ge¬
nügend Zutrauen haben. Hier ist also günstige Aussicht, durch ent¬
sprechende psychische Behandlung auf die Krankheits¬
vorstellungen einzuwirken und die Gedankenriohtung des Kranken
wieder in andere Bahnen zu lenken.
Sehr wesentlich ist aber dabei, dass die Kranken möglichst
frühzeitig in die richtigen Hände kommen, ehe die wirkliche
Rentenneurose zur Ausbildung gelangt ist. Gleichwie die Berufs¬
genossenschaften bestrebt sind, die Unfallkranken nicht erst nach der
13. Woche, sondern möglichst sogleich nach dem Unfall in Behandlung
zu nehmen, so wird auch schon von den Landesversicherungsanstalten
darauf hingearbeitet, dass die Krankenkassen ihre Patienten nicht
erst selbst in ein Krankenhaus schicken, wo eventuell die 26 Kassen¬
wochen nutzlos hingebracht werden^ sondern dass sie schon früh,
in geeigneten Fällen schon von Beginn an die Durchführung des
prophylaktischen Heilverfahrens der Versicherungsanstalt überlassen.
Selbstverständlich kann unter den heutigen Verhältnissen nicht über¬
haupt jeder bei Versicherten eintretende Krankheitsfall der Landes¬
versicherungsanstalt überwiesen werden, wie man wohl theoretisch
fordern könnte, weil an sich ja die Möglichkeit besteht, dass ans
jeder auch der geringsten Krankheit sich schliesslich eine Invalidität
entwickelt. Aber in Wirklichkeit braucht man auch gar nicht so weit
zu gehen, denn es handelt sich ja nur um die Fälle, bei denen der
Eintritt der Invalidität wirklich zu befürchten ist. Für diese Be¬
fürchtung muss also schon irgend ein Anlass vorliegen.
Freilich mangelt ein äusseres Kennzeichen zur Auswahl
der Fälle, wie es für die Berufsgenossenschaften sehr einfach
durch die Tatsache des Unfalls gegeben ist. Es gibt aber einige
praktische Gesichtspunkte, nach denen man sich richten
kann, um die in puncto Invalidität unsicheren Fälle zu erkennen. Ich
rechne dahin das Auftreten auffälliger Abweichungen vom gewöhn¬
lichen Krankheitsverlauf, für die eine Ursache nicht zu finden ist, ins¬
besondere verzögerte Rekonvaleszenz, Stillstand in der Besserung,
Abnahme des Körpergewichts, Versagen der speziellen Behandlung,
auch nach Wechsel der Mittel und Methoden, ein zunehmendes Miss¬
verhältnis zwischen subjektiven Klagen und objektivem Befund,
namentlich eine objektiv nicht begründete subjektiv behauptete
Verschlimmerung. Wenn solche Erscheinungen sich zeigen, dann
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ist daran zu denken, dass neben der Krankheit auch die Tatsache des
Versichertseins ihre Wirksamkeit zu entfalten beginnt, und dann ist
es ratsam, die Kranken der Landesversicherungsanstalt zur Ueber-
nahme der Behandlung zuzuführen.
Die Krankenhausbehandlung allein, die nur auf
klinische Besserung, nicht aber auf wirtschaft¬
liche Erfolge bedacht ist, genügt nun einmal nicht immer,
um den Ausgang eines Krankheitsfalles auf dem Wege der Renteuv-
neurose zur Invalidität abzuwenden. Ich kenne auch Fälle, in denen
der längere Aufenthalt im Krankenhause gerade ungünstig gewirkt
und die Klagsamkeit und hypochondrische Stimmung nur vermehrt,
die Arbeitslust dagegen vernichtet hat. Worauf es amkommt. das
ist eben die sachkundige Behandlung unter dem Ge¬
sichtspunkt der Invaliditätsverhütung.
Zu dieser besonderen Aufgabe sind nun die Krankenhäuser neben
ihren sonstigen Pflichten im allgemeinen wohl nicht geeignet. Für
sie sind alle die Fälle, bei denen die eigentliche ärztliche Behand¬
lung im gewöhnlichen Sinne nichts mehr voran bringt, mit denen der
Arzt „nichts mehr anzufangen weiss“, nur eine unangenehme Last.
Es wird sich daher für die Landesversicherungsanstalten, die solche
Invaliditätskandidaten nicht einfach sich selbst überlassen und da¬
durch rettungslos der Invalidität zutreiben wollen, immer mehr das
Bedürfnis heraussteilen, eigene Heilstätten zu betreiben, also
nicht bloss Lungenheilstätten, sondern auch Heilstätten für anders¬
artige Kranke"), zur Beobachtung und Behandlung der Renten¬
bewerber sowohl, wie zu den prophylaktischen Heilverfahren.
Wenn ich auf die Nervenheilstätte i m Dienst der
Landesversicherungsanstalt besonderen Wert
lege, so geschieht das, weil ich ihr eben in der Bekämpfung der
Rentenneu rosen eine weitreichende Wirksamkeit beimesse. Natürlich
sollen dort nicht bloss eigentliche „Nervenkranke“ ausgenommen
werden, sondern auch Erholungsbedürftige und Rekonvaleszenten,
namentlich aber alle Fälle mit mehr oder weniger abgelaufenen
ursprünglich internen, chirurgischen, gynäkologischen oder sonstigen
Krankheitszuständen, bei denen der Eintritt der Rentensucht und die
Ausbildung einer Rentenneurose zu befürchten steht, bei denen also
der Schwerpunkt der Behandlung auf psychi¬
atrisch-neurologischem Gebiete liegt.
Als am 14. Mai 1904 in Karlsruhe der Verein zur Errichtung einer
badischen Volksheilstätte für Nervenkranke gegründet wurde, sprach
sich der Vorstand der Landesversicherungsanstalt Baden sehr pessi¬
mistisch über die Heilverfahren bei Nervenkranken aus, mit einem
Pessimismus, der zum grossen Teil wohl auf einer zu engen Fassung des
Begriffes der Nervenkranken und des Arbeitsgebietes der Nerven-
heilstätten beruhen dürfte. Ich glaube, wenn im Rentenverfahren die
prophylaktische Therapie in weiterem Umfange betrieben und aus¬
gebaut wird, dass dann auch die Landesversicherungsanstalten eine
bessere Meinung von der Leistung der Nervenheilstätten erhalten
werden. Man wird sehen, dass die Nervenheilstätten mehr sind als
blosse Heilstätten für Nervenkranke, und dass sie gerade die besten
und wertvollsten Helfer abgeben zur erfolgreichen Bekämpfung der
Rentenneurosen.
Bericht Uber die Tätigkeit der FUreorgestelle für Lungen¬
kranke des Vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose
in MUnchen*).
Von Dr. K. E. Ranke in München.
M. H.! Wenn ich hier vor Ihnen über die Tätigkeit unserer
Fürsorgestelle für Lungenkranke berichte, so tue ich das deswegen,
weil diese Einrichtung noch lange nicht in dem Masse von den prak¬
tischen Aerzten in Anspruch genommen wird, als den tatsächlichen
Bedürfnissen entspricht. Es ist das nur dadurch erklärlich, dass die
Ziele und Zwecke und vor allem die Art der Arbeit der Fürsorgestellc
einer grossen Anzahl der Münchener Aerzte noch relativ un¬
bekannt sind.
Ueber den heutigen Standpunkt, den wir der Tuberkulose als
Volkskrankheit gegenüber einnehmen, brauche ich hier nicht weit¬
läufig zu werden. Aber ein paar Hauptgesichtspunkte darf ich wohl
erwähnen. Sie alle wissen, dass in Deutschland etwa seit der Ent¬
deckung des Tuberkelbazillus die Sterblichkeit an Tuberkulose, vor
allem an Lungentuberkulose in ganz erstaunlichem Masse ab¬
genommen hat; von 32 ü /ooo auf 17—18 %oo in Preussen zwischen
1876—1904 und in den übrigen deutschen Staaten ist das Verhältnis
ein sehr ähnliches.
Man hat nicht gezögert, diese beiden zeitlich zusammenfallenden
Erscheinungen auch in ursächliche Beziehung zu bringen. Das ist
so lange gewiss ganz unrichtig, als man annimmt, dass die Ent¬
deckung des Tuberkelbazillus, die alleinige oder auch nur eine stark
vorherrschende Ursache dieser Sterblichkeitsverminderung sei. Es
ergibt sich das ohne weiteres bei Betrachtung der Verhältnisse in
") Die Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz hat den Bau
einer Heilstätte für Rheumatischkranke in Aachen-Burtscheid be¬
gonnen. Von Albu ist in einem Vortrag in der Gesellschaft für
soziale Medizin zu Berlin (Münch, med. Wochenschr. 1906, S. 1374)
die Errichtung von Magenheilstätten befürwortet worden.
*) Vortrag im Aerztlichen Verein München.
4*
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
188
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
England. Hier sehen Sie genau die gleiche Abnahme, und zwar
merkwürdigerweise von fast dem gleichen anfänglichen Prozent¬
satz (33%oo) zu einem nahezu identischen Endresultat (18°/ooo).
Aber wir sehen, dass hier die Abnahme sich viel langsamer
vollzieht, und dass sie schon lange vor der Entdeckung des
Tuberkelbazillus, schon Anfang der 60 er Jahre, einsetzt. Wir
werden also die Bazillenfurcht, wenn wir so sagen wollen, das heisst
also die Furcht vor der direkten Ansteckung von Person zu Person
nicht als eine irgendwie ins Gewicht fallende Ursache dieser Ver¬
minderung der Sterblichkeit an Lungentuberkulose ansprechen.
M. H.! Ich sage hier mit Absicht: die Bazillenfurcht und die
Furcht der Ansteckung von Person zu Person, denn ich glaube, dass
diese Furcht vor Ansteckung zunächst so ziemlich das einzige war,
was für die grosse Masse des Volkes als Wirkung dieser grossen
Entdeckung angesprochen werden darf. Wer heute in Werkstätten
und Bureaus die Runde macht oder auch die Wohnstätten der schwer
Tuberkulösen aus den unbemittelten Klassen besucht, der weiss,
dass die Vernichtung des bazillenhaltigen Sputums auch heute noch
sehr ungenügend ist. So ungenügend, zirka ein Vierteljahrhundert nach
der Entdeckung des Tuberkelbazillus, dass wir die Verminderung
der Tuberkulosesterblichkeit in den 80 er Jahren ganz gewiss nicht
auf die Sputumvernichtung beziehen dürfen.
Es ist mir gar keine Frage, dass hier eine andere Ursache mit¬
spielt und das ist die Hebung der wirtschaftlichen Verhältnisse
Deutschlands und die damit notwendig verbundene Besserung der
Wohnungs- und der Ernährungsverhältnisse. In England ist dieser
Aufschwung früher erfolgt und wir sehen daher das Absinken der
Sterblichkeit an Lungentuberkulose auch schon lange vor der Ent¬
deckung des Tuberkelbazillus.
Um Ihnen einen kleinen Masstab von der Besserung der Woh¬
nungsverhältnisse zu geben, die seit den 70 er Jahren sich vollzogen
haben, will ich Ihnen ein Beispiel erzählen, das ich anlässlich meines
Wohnungssuchens bei meinem Umzug nach München selbst erlebt
habe. Ich kam in ein Haus: beste Lage, Besitztum einer sehr vermög-
lichen Familie, deren Reichtum schon vor diesem wirtschaftlichen
Aufschwung vorhanden gewesen und die dieses Haus seit vielen
Jahrzehnten bewohnt hat. M. H.! diese Wohnung einer reichen
Familie aus den 50 er Jahren ist so licht- und luftlos und die Räume
sind so klein, dass ein vermögensloser Arzt sie heute nicht einmal
für die ersten Jahre seiner Praxis nehmen konnte. Ich denke, dieses
Beispiel spricht Bände.
Der Sinn dieser Ausführungen ist sehr leicht zu er¬
kennen. Wenn die Phthise infolge von Wohnungsverbesse¬
rungen und anderer wirtschaftlicher Einflüsse so stark ab¬
nehmen konnte, so müssen wir also der Tuberkulose in den
Wohnungen nachgehen, wenn wir sie noch weiter bekämpfen wollen.
Hier ist ihre Entwicklungsstätte zum letzten Stadium, das ja wohl als
Lungentuberkulose uns entgegenzutreten pflegt, und hier ist ihre Brut¬
stätte, in der sich die Infektion vollzieht. Wir bekämpfen daher heute
die Tuberkulose als Volkskrankheit in allererster Linie damit, dass
wir die Wohnungs- und Ernährungsverhältnisse des Tuberkulösen
so umzugestalten versuchen, dass einmal der Tuberkulöse selbst einen
möglichst grossen Vorteil für seine Person daraus zieht und dass
zweitens die tausend und abertausend Infektionsquellen, die solche
Wohnungen unbemittelter Tuberkulöser darstellen, und aus denen
Tag für Tag und Stunde um Stunde ein schleichendes Gift in unserem
Volke sich verbreitet, nach Möglichkeit beseitigt werden.
Sehen wir uns einmal eine solche Wohnung an. Nehmen wir den
gewöhnlichsten Fall. Der Mann ist lungenkrank. Er hat vielleicht
Sanatoriumskuren hinter sich, er hat, nach meiner Erfahrung wenig¬
stens, aber nachher meist bis zum letzten Rest seiner Arbeitskraft
gearbeitet. Er hat dazwischen eine pneumonische Erkrankung, eine
akute Erweichung, eine oder meist mehrere Pleuritiden durchgemacht
und war während der Dauer derselben also schon oft für längere
Zeit ganz arbeitsunfähig gewesen. Das Ersparte ist aufgebraucht, die
Familie ist verschuldet. Was an wertvollen Gegenständen vorhanden
war, ist längst im Leihhaus. Der Doktor verschreibt Medizinen, die
nicht umsonst zu beschaffen sind. Die Familie will ernährt sein.
Wenn also der Mann wirklich nicht mehr arbeiten kann oder, weil
er zu krank aussieht, oder, weil er durch sein Husten die Mitarbeiter
zu stark belästigt, nirgends mehr Arbeit bekommen kann, so geht
die Frau auf Arbeit. Die Frauenarbeit ist schlechter bezahlt. Die
wirtschaftlichen Verhältnisse sind also schon sehr schlecht. Die
Familie ist durch die Tuberkulose verarmt. Der schwerkranke Mann
übernimmt nun — und das ist durchaus die Regel in solchen Fällen —
die Besorgung des Haushaltes und die Pflege der Kinder. M. H.! Das
kommt nicht einmal vor, sondern das treffen die Fürsorgestellen aller
grösseren Städte alle Augenblicke an. dass ein schwerkranker, bett¬
lägeriger, fiebernder Phthisiker neben sich das jüngste Familienglied
zur Beaufsichtigung und Pflege im Bette liegen hat. Ich habe ein
solches Beispiel erlebt, in dem ein kaum bewegungsfähiger Phthisiker
mit Pneumothorax bei der Pflege eines ca. 4 jährigen Kindes an¬
getroffen wurde, das bei ihm im Bette lag. Im Verlauf des Besuches
erzählte der Mann, dass er zuerst ein 1 jähriges und dann ein 2 jähri¬
ges Kind bei sich im Bett gehabt habe, die aber beide an Hirnhaut¬
entzündung bald gestorben seien.
Ich bin überzeugt, dass jeder der Anwesenden, der überhaupt in
die Lage kommt Wohnungen unbemittelter Tuberkulöser zu be-
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suchen, mir aus eigener Erfahrung Gleiches oder Aehnliches be¬
richten kann, wie ich es hier geschildert habe.
Nun, m. H., vor solchen Verhältnissen steht die Tätigkeit des
praktischen Arztes still. Auch der sorgsamste Arzt kann hier eben
nicht Hilfe schaffen. Und doch muss Hilfe geschaffen werden. Denn
selbst wenn wir das Leben des einzelnen Tuberkulösen, das doch nicht
gerettet werden kann, ganz ausser Betracht lassen, so stellt eine
solche Wohnung doch eine Giftbeule unseres Volkes dar, von der aus
die Krankheit sich mit Notwendigkeit weiter verbreitet. Jeder
unbemittelte Lungentuberkulose repräsentiert ein Tuberkulosenest.
Unser Volk wird nie gesunden, wenn nicht gerade diese Krankheits¬
herde beseitigt werden.
Hier, wo der Arzt nicht hinreicht, versucht nun die Fürsorge¬
stelle zu helfen, zum Teil aus den eigenen Mitteln des Vereins, dann
durch Heranziehung der zahlreichen wohltätigen Stiftungen, die wir
hier in München besitzen, unter Beihilfe aller charitativen Vereine, die
solchen Kranken unentgeltliche Pflege, ja sogar unentgeltliche Ab¬
stellung von Personen für die Führung des Haushaltes gewähren,
durch Abgabe von Speisen, vor allem .von Milch, durch Verabreichung
von Desinfizienzien, durch Belehrung über die Sputumbehandlung und,
was die Hauptsache ist, durch unentgeltliche Verabreichung der
hiezu notwendigen Utensilien, Taschenspuckflaschen und sonstiger
Spucknäpfe, durch Leihen von Betten, im Notfälle auch durch Ge¬
währung von einem gewissen monatlichen Zuschuss zur Miete. So
suchen wir zu erreichen, dass jeder Lungentuberkulose seinen eigenen
Wohn- und Schlafraum hat, wenn irgend möglich aber zum mindesten
sein eigenes Bett, und dass alle vorhandenen Hilfsquellen, die ja so un¬
endlich häufig nur aus Unkenntnis oder Zeitmangel von den Bedürf¬
tigen selbst nicht benützt werden, ihm auch wirklich zu gute kommen.
M. H.! Das sind so grosse Aufgaben, dass wir natürlich nicht
immer in der Lage sind, ihnen zu genügen. Immerhin ist es dem
Geschick des Vorstandes der Münchener Fürsorgestelle, He r rn Hoi-
rat Dr. May, gelungen, schon sehr beträchtliche Geldmittel für diesen
Zweck flüssig zu machen und es ist ganz erstaunlich, wieviel sich mit
ein paar Tausend Mark hat erreichen lassen. Sie ersehen den Um¬
fang unserer Tätigkeit aus den Berichten des Vereins zur Bekämpfung
der Tuberkulose in München, die hier aufliegen.
Eine äusserst wichtige Aufgabe, die sich die Fürsorgestelle ferner
setzt, ist die Desinfektion der Wohnungen, in denen ein Tuberkulöser
gelebt hat, nach seinem Tode oder im Falle eines Umzuges. Wir
wissen ja längst, dass die Tuberkulose auch in dem Sinne eine
Wohnungskrankheit ist, dass sie mit Zähigkeit an bestimmten Woh¬
nungen haftet, so dass in jeder grösseren Stadt, in der danach gesucht
worden ist, sich bestimmte Tuberkulosehäuser haben nachweisen
lassen. Ich habe erst vor kurzem eine Familiengeschichte gehört,
die die Bedeutung dieser Art der Krankheitsübertragung wie mit
einem grellen Blitz beleuchtet. Ein protestantischer Pfarrer aus völlig
tuberkulosefreier Familie, seine Frau ebenfalls gesund und ohne erb¬
liche Belastung, mit 5 gesunden Kindern, zieht in ein Pfarrhaus, in dem
der Vorgänger an Phthise gestorben. Im Laufe der Jahre ent¬
wickeln sich bei den beiden Kindern, die in diesem Hause ihre
zweite Kindheit zugebracht haben, tuberkulöse Erkrankungen, Drüsen¬
erkrankungen, später Lungentuberkulose, während die Kinder, die um
diese Zeit schon ausser Haus waren, ebenso wie die beiden nach¬
geborenen, gesund geblieben sind. Das jüngste dieser Kinder ist
heute nahe an 40 Jahre. Die Beobachtungszeit ist also lange genug,
um ein Urteil zuzulassen. Beispiele der Art haben sich aus den
ärmeren Volksklassen, wo die Tuberkulose schneller verläuft, schon
in grösserer Anzahl bringen lassen, während bei den Wohlhabenderen
der Zwischenraum zwischen Infektion und wahrnehmbarer Erkran¬
kung so gross ist, dass der Infektionsweg fast ausnahmslos ver¬
schleiert wird. Wer kennt heute in der Stadt seinen Vorgänger in
seiner Mietwohnung?
Schon im ersten Jahre unserer Tätigkeit wurden auf Antrag der
Fürsorgestelle 71 Desinfektionen von einem oder zwei Zimmern durch
die städtische Desinfektionsanstalt ausgeführt, deren kostenlose Vor¬
nahme die beiden Kollegien der Stadt München in allen der Fiir-
sorgestelle als dringend erscheinenden Fällen in dankenswerter Weise
genehmigt haben.
Die Tätigkeit an der Fürsorgestelle gliedert sich demnach not¬
wendig in zwei Teile, in einen ärztlichen und einen rein sozialen Teil.
Des ärztlichen Teils können wir nicht ganz entraten, da es notwendig
ist, den Zustand des Kranken genau zu kennen, um darnach die
nötigen Massregeln treffen zu können. Der uns von dem Arzt oder
der Poliklinik überwiesene Patient wird also zunächst in einer der
beiden Fürsorgesprechstunden, die jeden Dienstag und Freitag von
4—6 Uhr in der Augustinerstrasse 2, im alten Augustinerstock, abge¬
halten werden, untersucht. Je nach dem Resultat der Untersuchung
werden die zunächst nötigen Massregeln getroffen, sodann erfolgt
ein Besuch der Fürsorgeschwester in der Wohnung des Kranken.
Durch diese beiden Untersuchungen des Kranken und seiner Wohnung
ist die Fürsorgestelle dann in der Lage, die eben geschilderten Mass¬
nahmen zu treffen. Eine Behandlung von Seite der Fürsorgestelle
findet dagegen prinzipiell niemals statt. Personen, die einer solchen
bedürfen, ohne dass sie beim Arzt gewesen wären, werden vielmehr
ausnahmslos zum Arzt gesandt und es ist selbstverständlich, dass die
Wohltaten der Fürsorgestelle nur unbemittelten Kranken gewährt
werden. An diese ersten Massnahmen schliesst sich dann die Aus-
Originalfrom
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
189
hebung des Tuberkulosenestes, d. h. es werden, soweit als möglich,
die Angehörigen der tuberkulös befundenen Kranken untersucht und,
falls sie sich, was so häufig der Fall ist, ebenfalls als krank erweisen,
einer Behandlung zugefiihrt oder, namentlich wenn es sich um Kin¬
der handelt, Landaufenthalt vermittelt oder Milch für sie abgegeben.
Ausser den von Aerzten gesandten Patienten können in der Für¬
sorgestelle auch unbemittelte Kranke, die nicht in Behandlung stehen,
wie das leider ja häufig der Fall ist, auf den Zustand ihrer Lungen
untersucht werden. Die weitere Behandlung ist dann die gleiche
wie diejenige der Angehörigen Tuberkulöser, d. h. also, sie werden,
wenn nötig, zum Arzt verwiesen oder sonst mit Rat und Tat nach
Möglichkeit unterstützt.
Die Vorteile, die sich durch die Benützung der Fürsorgestelle
für den praktischen Arzt ergeben, sind also wohl unmittelbar ein¬
leuchtend. So sollte es wohl möglich sein, die Hilfe des praktischen
Arztes für unsere Bestrebungen zu gewinnen, die wir so nötig
brauchen, um unser Ziel zu erreichen. Es ist ja gerade bei der Be¬
handlung der Phthise in den Endstadien für den Arzt gewiss jede
derartige Hilfe von grösstem Wert, der Arzt muss hier doch dem
Pfleger seine Stelle abtreten.
Wenn jeder schwerkranke Phthisiker aus den Arbeiterkreisen
einmal durch die Fürsorgestelle in Fürsorge genommen sein wird, wird
der ganze Abgrund von menschlichem Elend, den die Tuberkulose in
Gemeinschaft mit der Armut so unendlich häufig bedeutet, unseren
volkshygienischen und charitativen Bemühungen offen sein. Möge es
uns gelingen, dieses Ziel zu erreichen.
Ein einfacher Linsenhalter für augenärztliche Zwecke.
Von Dr. med. Fr. Kehr, Augenarzt in Ingolstadt.
Eine wesentliche Erleichterung bei der fokalen Beleuchtung des
Auges bietet das kleine Instrument, dessen Handhabung nebenstehende
Abbildung veranschau¬
licht. Die Beleuch¬
tungslinse istvermittels
zweier Kugelgelenke
an einer, der Hand sich
anschmiegenden, fe¬
dernden, zweischenk-
ligen Metallspange be¬
festigt und kann leicht
in jede Stellung zu
dem Auge bezw. zu
der Lichtquelle ge¬
bracht werden. Die
Spange wird auf die
dem zu beleuchtenden
Auge entsprechende
Hand derart aufge¬
schoben, dass der län¬
gere Schenkel auf den
Handrücken, der die
Linse tragende kürzere
auf die Innenfläche der
Hand zu liegen kommt;
die sämtlichen Fin¬
ger bleiben dann zum Auseinanderhalten der Lider frei. Nament¬
lich ist dies angenehm beim Entfernen von Fremdkörpern aus der
Hornhaut und bei unruhigen Patienten, welche kneifen etc. Bei An¬
wendung dieses Instrumentes, welches übrigens auch beim Spiegeln
im umgekehrten Bilde gut benützt werden kann, erspart man leicht
die oft nötige oder wünschenswerte Assistenz.
Der Linsenhalter ist erhältlich bei Herrn Ludwig Frohn-
häuser, Chirurg. Instrumentenfabrik, München, Sonnenstr. 15.
Der klinisch-geburtshilfliche Unterricht mit besonderer
Berücksichtigung der antiseptischen Massregeln.
Von Gustav Vogel in Aachen.
Mit dem zunehmenden Zerfall der Medizin in ihre Einzeldiszi-
plinen hört man es oft aussprechen, dass der medicus practicus mit
so vielem, was früher in Blüte stand, rettungslos auf dem Aussterbe¬
etat stehe. Einstweilen ist dies wohl nicht zu befürchten, denn das
Publikum selbst würde energisch nach dem praktischen Arzte zurück¬
verlangen, der nicht für eines, sondern für alles Rat gewusst, ganz
abgesehen davon, dass dem Spezialarzt durch die schlimmste Ausge¬
burt des Spezialistentums, di* berühmten Sechswochenspezialistcn.
Feinde entstanden sind, die ihm weit gefährlicher werden als dem
praktischen Arzte. Solange es in Deutschland noch möglich ist, dass
jemand, der einmal einen Uterus gefühlt hat — die Ovarien liegen
meist schon zu versteckt und sind nur bei der so beliebten „Eier¬
stocksentzündung“ zu entdecken — sich „Frauenarzt“ nennt, und die
ausgebildeten Spezialärzte diese Parasiten dulden müssen, braucht
man um die Existenz des praktischen Arztes nicht bange zu sein.
Das Publikum findet Wert und Unwert endlich ja doch heraus und da
ist ihm der praktische Arzt, der die Grenzen seines Könnens kennt.
doch lieber als der Sechswochenspezialist, dem solche natürlich nicht
gestellt sind — aber heute kann der praktische Arzt auch nur in der
Mitarbeit mit dem Spezialarzt eine Praxis schaffen und erhalten;
manche Praxis hält den Sturm, der beim Verkennen eines Kar¬
zinoms ausbricht, nicht aus — nicht im Behandeln, nein im Erkennen,
oft nur Vermuten schwererer gynäkologischer Erkrankungen liegt
die Stärke des praktischen Arztes. Dass aber dem letzteren die
Grenzen seines Wirkens nicht allzueng gezogen werden, liegt in unser
aller Interesse und vor allem ist es ein Fach, das ihm nicht ge¬
nommen werden darf, wenn nicht das ganze Gebäude seiner Tätig¬
keit ins Wanken geraten soll, die Geburtshilfe.
Diese wird aber nur dann in den Händen der
praktischen Aerzte bleiben, wenn ihnen schon der
klinische Unterricht ein gewisses Mass von Tüch¬
tigkeit und Routine gegeben hat. Die Erfahrung, die sic
sich selbst im kargen Beginn ihrer Praxis erst sammeln müssen,
schmeckt bitter und oft steht die ganze Zukunft auf dem Spiel —
ad bonam oder ad malam vergens.
Wir müssen vom klinischen Unterricht verlangen, dass er dem
Arzte schon zweierlei mit auf den Weg gibt — eine gewisse Er¬
fahrung und vor allem auch Einheitlichkeit, damit nicht der
ohnehin schon scharfe Gegensatz zwischen klinischer und praktischer
Geburtshilfe noch mehr verschärft wird — ihr gerüttelt Mass zu
dieser Verschärfung hat schon die Frage der Pubiotomie, der pro¬
phylaktischen Wendung, der künstlichen Frühgeburt und der Sectio
caesarea gebracht.
In seinem neuerdings erschienenen Aufsatze 1 ) ist Krönig darin
beizupflichten, wenn er sagt, dass die Gummiära an Erfolg nicht das
gebracht hat, was man von ihr erhoffte. Ich habe an anderer Stelle 2 )
betont, wie vollkommen überfliisig ich die Handschuhe bei Laparo¬
tomien halte — ebenso überflüssig sind sie in der Geburtshilfe, mit
Ausnahme derjenigen Fälle, wo der Arzt mit infektiösem Material
in Berührung kam. In der Klinik, wo doch immer eine gewisse
Garantie für die Freiheit der Hände von direkt infektiösem Material
I gegeben ist, sind sie im allgemeinen sicher unnötig — in der Klinik,
wo, wie Krönig sehr richtig sagt, das A und O der Frage die
klinischen Resultate sein müssen. Diese müssen aber das A und O
aller Fragen in der Medizin sein, aber — klinische Resultate
sind keine Resultate der Praxis und K r ö n i g s Aufsatz
steht in der in Kreisen der praktischen Aerzte verbreitetsten Zeit¬
schrift und wird von ihnen vor allem gelesen. Kann einer derselben
sich nun gewissenhafter Weise den Anschauungen, wie sie in der
Arbeit vertreten sind, für seine Praxis anschliessen? Niemals —
ebensowenig wie der von Krönig und S e 11 h e i m neuerdings an¬
gewandten und empfohlenen Therapie der Placenta praevia mit extra¬
peritonealer Sectio caesarea. Welche Verwirrung und welch ein
Widerspruch muss beim praktischen Arzte entstehen angesichts der
Unmöglichkeit der Durchführung solcher klinischen Lehren in seiner
Tätigkeit! Hart genug im Raume stossen sich bei ihm die Sachen.
Doch die Frage der Placenta praevia gehört nicht direkt hierhin und
hat auch schon anderwärts Bedenken wachgerufen, denen Martin 3 )
ernsten Ausdruck gegeben.
Wie ist es aber mit der Asepsis? Wenn Krönig nur
gegen den Gebrauch der Handschuhe bei jeder Geburt kämpfte, ja
wenn er nur die Ansicht vertreten hätte, das eine „innere“ Des¬
infektion nach Hofmeier nicht nötig sei, so könnte man jedes
Wort sparen in der Annahme, dass letztere Frage noch der Klärung
bedarf. Wenn er aber meint, dass im allgemeinen die Puerperal¬
erkrankungen zugenommen haben, so liegt das doch wohl nicht allein
in der Kompliziertheit der Desinfektion — so kompliziert ist sie
doch auch nicht — sondern es sprechen noch viele andere Gründe
mit, z. B. Zunahme der operativen Eingriffe in der Praxis. Wenn
nach Krönig somit die antiseptischen Massregeln versagen oder
nicht befolgt werden, so ist in der Praxis leider oft das letztere der
Fall — warum aber werden sie nicht befolgt? Der
Arzt ist Schüler und soll es bleiben; liest er aber, wie selbst seine
Führer und Wegweiser über Zweck und Erfolg der Antisepsis nicht in
llebereinstimmung sind, so sucht er sich natürlicherweise leicht die
Richtung aus, die ihm. ohne sein Gewissen zu belasten, am be¬
quemsten ist und das Resultat ist dann der von den Lehrern immer
wieder verdammte „Schlendrian der Praxis“. Die Resultate einer
hervorragenden Klinik werden vom Arzte dann falscher Weise eben
ohne Weiteres auf die Praxis übertragen.
Krönigs erste Forderung ist die, dass möglichst
keine Desinfektion der Genitalien, weder der in¬
neren, noch der äusseren zu erfolgen habe! Ueber die
erstere mögen sich die Statistiker weiter auseinandersetzen. Was
aber die Desinfektion der äusseren Genitalien angeht, so sind in diesem
Punkte doch der Gegensätze zwischen Klinik und Praxis zu viele, als
dass man richtige Vergleiche ziehen könnte. In einem Zustande,
wie der Praktiker draussen die Frauen sieht, wird in der Klinik nicht
leicht eine in den Kreissaal kommen — entweder die Schwangere
war im Hause und hat ihr Bad genommen oder sie wurde von aus-
1 ) Münch, med. Wochenschr., 1908, No. 47.
2 ) HK) Laparotomien ohne Todesfall mit Friihaufstehen behandelt.
Samml. klin. Vortr. — im Manuskript.
3 ) Mon. f. Geb. u. Gyn., 1908, Bd. XXVIII.
Digitized by
’v Google
Original frorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
190
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
wärts der Klinik überwiesen, dann hat die Hebamme gemäss
ihrer strengen Vorschrift sie schon gereinigt — ich glaube
nicht, dass eine Hebamme der Freiburger Klinik sich unterstehen
würde, eine Kreissende ihrem Chef in dem schmutzstarrenden Zu¬
stande zu zeigen, wie sie der Arzt oft genug sieht. Und da sollte man
die äusseren Genitalien nicht reinigen von Schmutz und Kot? Gewiss
— entfernen kann man damit die Keime nicht alle, eine Asepsis gibt
es nicht, aber es ist doch nicht gerade nötig, die Gefahr dadurch zu
vertausendfachen, dass man nicht den Schmutz mit den Milliarden
von Keimen wenigstens so weit zu entfernen sucht, als es in unserer
Macht steht!
Wenn einige Geburtshelfer meinen, dass in der
Vagina stets die Kindbettfieberkeime vorkämen
und auch bezüglich Virulenz etc. die Gefahr des
Puerperalfiebers in sich trügen und wenn man
daraus dann den Schluss ziehen wollte, dass dann
auch logischer Weise der Schmutz auf den äusse¬
ren Genitalien liegen bleiben soll, so braucht man
ebenso logischer Weise sich die Finger nicht mehr
zu desinfizieren, denn schlimmere Infektions¬
erreger wie die des Puerperalfiebers können wir
ja auch an den Händen nicht haben.
K r ö n i g selbst glaubt ja nun an die abwehrenden Eigenschaften
des Scheidensekretes und hat trotzdem die äussere Desinfektion
unterlassen, weil er an eine zu erreichende wirksame Keimarmut
nicht glaubt und weil nach seiner Ansicht den auf der Haut sapro-
phytisch lebenden Bakterien eine namhafte Invasionskraft nicht mehr
zukommt — danach müsste man aber auch wieder dann nur eine
gründliche Desinfektion der Hände vornehmen, wenn Infektiöses Ma¬
terial daran haftet — was der Vulva Recht ist, ist den Händen billig.
Wenn nun vollends — die Frage ist nach K r ö n i g noch nicht ent¬
schieden — der Arzt sogar vor operativen Entbindungen nicht äusser-
lich desinfizieren soll, dann kann man getrost auch das Auskochen
unterlassen, denn ein aseptischer Zangenlöffel hat bisher bei der Be¬
rührung mit wirklichem Schmutz immer noch seine Asepsis verloren
und das wird auch wohl in Zukunft so bleiben.
Um die Frage der „zeitraubenden und lästigen“ Händedesinfek¬
tion auszuschalten, will K r ö n i g wieder die rektale Unter¬
suchung empfohlen wissen. Um es kurz zu sagen: Das ist in der
Praxis einfach ausgeschlossen Man bedenke erstens die Schwierig¬
keiten in der Diagnose bezüglich des Kopfstandes, Blasensprunges,
eventuellen Vorliegens der Nabelschnur, Beckenmessung etc. — wie
sollen da in der Praxis 90 Proz. sichere Diagnosen herauskommen?
Und wie soll es, ausgerechnet für den Praktiker, ziemlich gleichgültig
sein, ob die kleine Fontanelle etwas mehr vorne oder hinten steht —
auch tiefer oder hoch? — wenn nur die Diagnose „Kopf“ gestellt ist.
Wie nun bei Vorder- oder Hinterscheitelbeineinstellung, Vorderhaupts¬
lage, Stirnlage etc.? Wie, wenn der Arzt vorher — durch einen
Gummifinger ist ein sicherer Schutz doch sehr illusorisch und man
fühlt nur viel schlechter — rektal untersuchte und dann operativ
eingreifen, vielleicht gar die Plazenta manuell entfernen muss? Ver¬
letzungen dürfen freilich bei der rektalen Untersuchung nicht Vor¬
kommen, aber der Vergleich mit der gynäkologisch-rektalen Explora¬
tion hinkt, weil diese durchaus nicht prinzipiell bei allen Fällen an¬
zuwenden ist; dort, wo wir sie anzuwenden gezwungen sind, kann
sie durch keine andere Methode ersetzt werden — tatsächlich wird
sie wohl von den meisten Gynäkologen nur sehr ausnahmsweise an¬
gewendet; wie Patientinnen besserer Kreise über Aerzte sprechen,
die gerne rektal untersuchen, hört man oft genug.
Noch eines: Der Hebamme ist streng vorgeschrieben, die
äusseren Genitalien der Kreissenden gründlich abzuseifen, mit war¬
mem Wasser abzuspülen — besser wäre sicher eine desinfizierende
Lösung — und dann mit reiner Watte abzutrocknen. Was soll sie
sich nun denken, wenn der Arzt dies unterlässt, ihr vielleicht gar
Belehrungen gibt, weshalb dies unnötig ist? Denkt sie etwas nach,
so wird sie bald zu der Ansicht kommen, dass ihre Vorschriften zum
Teil lästige Chikanen sind und dann verallgemeinern; denkt sie nicht
viel nach, so muss ihr doch auch bei minimaler Intelligenz das eine
bald klar genug werden, dass der Arzt hier etwas unterlässt, was ihr
aufs strengste und unter Hinweis auf Gesetz und Strafe geboten ist
— warum? Das wird sie sich nie beantworten können, aber sicher
sofort zum Unheil für die Kranke und unter Umständen auch für sich
selbst den Schluss ziehen, dass sie sich’s in Zukunft wohl auch ein
bischen bequemer machen könne; wo aber ist der Kreisarzt, der
sie freisprechen würde und dürfte, wenn sie direkt gegen ihre Vor¬
schriften die äussere Desinfektion resp. mechanische Reinigung unter¬
lassen und eine Wöchnerin an Puerperalfieber verloren hätte? Wir
Spezialärzte, die wir in beständigem Kontakt mit den Hebammen
und den Kollegen in der Praxis stehen, kennen ihre Ansichten gut,
besser als die klinischen Lehrer sie kennen, und unter der grossen
Zahl von Kollegen, mit denen ich über K r ö n i g s Abhandlung sprach,
war nicht einer, der nicht zum mindesten sein Befremden äusserte
über diese Worte von mit Recht so angesehener Stelle.
Auch in der Medizin gibt es verantwortliche und unverantwort¬
liche Ratgeber und auch in der Medizin gibt es in dem, was für die
breite Oeffentlichkeit bestimmt ist, eine unter Umständen gut an¬
gebrachte Reserve.
BQcheranzeigen und Referate.
Dott. Giulio Luigi SacconaghI, Libero docente, Assi¬
stente alla Clinica Medica della R. Universitä di Pavia: lndl-
rizzo alla diagnos! dei Tumor! addomlnali sotto forma di com-
mento clinico alla palpazione dell addome. Pavia, Successori
M a r e 11 i, 1908. 299 S.
Unter Tumor wird hier verstanden jede abnorme um¬
schriebene Hervorragung, wie auch die partielle oder totale
Vergrösserung, Ausdehnung oder Lageveränderung eines Or¬
ganes, soweit sie der Palpation als abnorme Resistenz im Ab¬
domen fühlbar ist. Nach Besprechung der Technik, der Pal¬
pation des Abdomens im allgemeinen und in Bezug auf die ein¬
zelnen Organe behandelt Sacconaghi die Pseudo- und
Phantomtumoren und geht dann zu den eigentlichen Abdominal¬
tumoren über, indem er bei den einzelnen Organen die ver¬
schiedenen Möglichkeiten eingehend erörtert. Zur leichteren
Orientierung sind Gruppen gebildet: Pathologische Neu¬
bildungen, ganz oder teilweise vergrösserte oder verhärtete
Organe, ganz oder teilweise kontrahierte oder ausgedehnte
Organe (z. B. spastische Kontraktion eines Darmes, Pyo-
nephrose), verlagerte Organe und abnorme Organlappen, In-
vaginatio, Fremdkörper. Zur Diagnose des Sitzes bezw. des
Organes führen die topographische Lage, der etwaige Zu¬
sammenhang mit Eingeweiden oder Tumoren, das Lagever¬
hältnis zum Magendarmtraktus, die Beweglichkeit bei Re¬
spiration, Palpation und Lageveränderung des Kranken und
bei Peristaltik (bei Magen und Blinddarm auch bei natürlicher
oder künstlicher Ausdehnung [Aufblähung]); zur Diagnose der
Natur des Tumors Form und Umfang, Oberflächenbeschaffen¬
heit, Konsistenz, Perkussionsschall, eventuelle Pulsation oder
Gefässgeräusche, ferner Schmerzhaftigkeit bei Druck oder
spontan, Probepunktion. Nach diesen Gesichtspunkten werden
nun die einzelnen Organe besprochen.
D a 1 l’A r m i - München.
Const. J. B u c u r a: Geburtshilfliche Therapie einschliess¬
lich der Operationen für Aerzte und Studierende. Fr. Deu-
ticke, Leipzig und Wien, 1908. 266 S. mit 44 Abbildungen im
Text. Preis 6 M.
Mit der Abfassung dieses Buches hat der Verfasser die Ab¬
sicht, die geburtshilflichen Grundsätze der C h r o b a k sehen
Klinik festzulegen, wie er sie als langjähriger Assistent der¬
selben kennen gelernt hat. In erster Linie ist das Buch dem
praktischen Arzt bestimmt, und dementsprechend wird auf die
spezielle Therapie besondere Bedeutung gelegt. Gleichzeitig
soll es aber auch dem Studenten erwünscht sein, weshalb auch
die Propädeutik mit auf genommen wurde.
Das Buch entspricht der Absicht der Verfassers vollständig.
Es vertritt die Grundsätze einer erfahrungsreichen, konser¬
vativen Geburtshilfe, die vor allem dem praktischen Arzte zu¬
gute kommen sollen. In allen Fällen findet er hier einen sicheren
Berater, der ihm die bewährten Lehren der Wiener Schule
in einfacher klarer Form entwickelt. Auch die neueren Fort¬
schritte sind in das richtige Licht gestellt mit ihren Vorteilen,
die sie dem Praktiker bieten können.
Das Werk zerfällt in 3 Abschnitte: die Therapie in der
Schwangerschaft, in der Geburt und im Wochenbett Der
dritte Teil wird manchem besonders willkommen sein, da er,
wenn auch vielleicht in etwas knapper Form, einen guten
Ueberblick über dieses so wichtige Kapitel der Wochenbetts¬
behandlung gibt. Dr. Schickele -Strassburg i. Eis.
G. Rau zier: Traitg des Maladies des Viellards. Paris.
J. B. Bai liiere et fils, 1909. XIII und 692 Seiten. 12 fr.
Das Buch zerfällt in zwei Abschnitte. Der erste enthält in
115 Seiten die allgemeine pathologische Physiologie des
Greisenalters und die Besprechung der hauptsächlichen Organ¬
veränderungen. Der Hauptteil, 539 Seiten, stellt eine recht
eingehende, fast erschöpfende spezielle Pathologie dar, soweit
sie für das Greisenalter in Frage kommt. Er ist entschieden zu
breit geraten, die eingehende Besprechung all der verschie¬
denen Karzinomformen sucht man in einem solchen Buche nicht.
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Gck igle
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
191
Im übrigen kann das Werk wegen der Fülle von Tatsachen,
die in ihm zusammengestellt sind, und der sehr fleissigen
Literaturzusammenstellung als recht brauchbar empfohlen
werden. Dass es in manchen Dingen spezifisch französischen
Charakter trägt, kann für uns Deutsche den Reiz nur erhöhen.
Kerschensteine r.
Prof. Adam Politzer- Wien: Lehrbuch der Ohrenheil¬
kunde. Fünfte gänzlich umgearbeitete und vermehrte Auflage.
Mit 337 Abbildungen im Text. Stuttgart, Ferd. Enke, 1908.
Preis 17 Mark.
Dass trotz Erscheinens zahlreicher Lehrbücher der Ohren¬
heilkunde in den letzten Jahren eine neue Auflage des
Politzer sehen Lehrbuches nötig wurde, spricht zur Genüge
für die Güte des letzteren. Seine Vorzüge sind nach wie vor
möglichste Vollständigkeit und übersichtliche Anordnung des
Stoffes. Scheibe.
H. T r I e p e 1: Die tra]ektoriellen Strukturen. (Einführung
in die physikalische Anatomie. III. Teil.) Wiesbaden, Berg¬
mann, 1908. 192 Seiten. 26 Figuren und 3 lithographische
Tafeln. Preis 6 M.
Verfasser bespricht in seiner Abhandlung die Elemente der
graphischen Statik, das gelbe Bindegewebe (elastisches Ge¬
webe), die kollagene Substanz des Bindegewebes, den Knorpel,
den Knochen, Protoplasmastrukturen und quergestreifte Mus¬
keln, Entstehung der trajektoriellen Strukturen.
Sobotta - Würzburg.
Borst: Festschrift für G. E. von Rindfleisch.
Leipzig, Verlag von W. Engelmann, 1907. (Fortsetzung.)
13. Dr. du Mesnil de Rochemont, Spezialarzt in Altona
(ehemaliger Assistent am pathol. Institut zu Würzburg vom Sommer
1886 bis Winter 1887/88): Zur Methodik der Herzausmessung mittels
des Orthodiagraphen. Mit 4 Schemata als Textfiguren.
Verf. bedient sich bei der orthodiagraphischen Darstellung des
Herzens anstatt der Markierung der mehr oder weniger beweglichen,
daher in der Lage stets inkonstanten Orientierungspunkte (Sternal¬
ende, Klavikularende, Rippen, Mammillae usw.) eines Bleikreuzes,
welches auf dem Dornfortsatz des 3. Brustwirbels so befestigt wird,
dass seine senkrechten Schenkel den Dornfortsätzen des 2. und
4. Brustwirbels aufliegen. Bei Aufnahme des Orthodiagramms wer¬
den zuerst die Umrisse des Bleikreuzes und das Zwerchfell in der
gewünschten Atmungsphase auf dem Zeichenschirm markiert, worauf
dann in der von Moritz angegebenen Weise jedesmal rechtwinkelig
gegen den Rand des Herzschattens vorgehend die Herzumrisse in
der Diastole möglichst mit der ganzen unteren Grenze eingezeichnet
werden.
Auch du Mesnil de Rochemont fand einen Unterschied
in der Form der Herzsilhouette in liegender und aufrechter Stellung;
jedoch ist dieser nicht immer sehr erheblich, ja bei pathologischen
Zuständen, wie Hypertrophie und Dilatation, können sich die Bilder
nahezu decken. Gleichwohl hält Verf. die horizontale Lage für die
einzig richtige, um bei wissenschaftlichen Untersuchungen exakte
Resultate zu erzielen; für die Praxis aber wird von ihm die aufrechte
Stellung als ebenfalls völlig ausreichend vorgezogen, wobei er sich
des Levy-Dornsehen Apparates in Verbindung mit dem von
Albers-Schönberg angegebenen Stützapparat bediente.
Bei der quadratischen Ausmessung des Herzens kam du M. de R.
in einer grösseren Versuchsreihe zu Resultaten, welche von den
von Moritz und F r a n c k e mitgeteilten wenig abweichen. Er
weist auf die hohe Bedeutung solcher Untersuchungen hin und schlägt
vor, nicht nur allgemeine Normalzahlen für die Herzgrösse zu be¬
stimmen, sondern vielmehr Normalmasse der Herzsilhouetten für be¬
stimmte Körpergrösse, Körpergewicht, Lebensalter, Konstitution und
Geschlecht im einzelnen auf Grund zahlreicher Untersuchungsresul¬
tate festzulegen, welche in engeren Grenzen schwanken und unschwer
in Form einer Tabelle verwendbar sind.
14. Dr. Ernst W a 1 k h o f f, I. Assistent am pathol. Institut zu
Königsberg i. Pr. (ehemaliger Assistent am pathol. Institut zu Würz¬
burg vom Sommer 1903 bis Winter 1904/05):
a) Haber Llposarkombüdung im Uterus. Mit 2 Tafelfig.
b) Ein neuer Fall von verkalktem Epitheliom der Haut Mit
1 Text- und 1 Tafelfigur.
Fall a bildet einen zufälligen Sektionsbefund bei einer 81 jähri¬
gen Frau und war gleichzeitig mit einem Lipomyom der linken Niere
kombiniert.
Fall b betrifft eine 68 jährige Frau, welche im 8. Lebensjahre von
einem Hund in die linke Wade gebissen worden war. Die Stelle blieb
schmerzhaft und aus der Bisswunde entleerte sich öfters blutig-eitrige
Flüssigkeit. Ungefähr im 18. Lebensjahr entwickelte sich genau an
der Bissstelle eine harte Geschwulst, Uber welche die Haut glatt
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hinwegzog. Erst im 65. Lebensjahre ging die Geschwulst auf, indem
sich 3 Fistelöffnungen entsprechend den von 3 Hundezähnen her-
rührenden Narben entwickelten. Allmählich bildete sich ein Ge¬
schwür. Die mikroskopische Untersuchung des Tumors ergab den
Bau eines Plattenepithelkarzinoms, jedoch war die ganze epitheliale
Wucherung vollkommen nekrotisch und verkalkt, während das
Stroma zum Teil in Knochengewebe mit Mark umgewandelt war.
Verf. führt die heteroplastische Verknöcherung auf mechanische Ein¬
flüsse zurück.
15. Dr. L. Wilhelm Weber, Privatdozent und Oberarzt an der
Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt in Göttingen (ehemal. Assistent am
pathol. Institut zu Würzburg vom S. 1892 bis Winter 1893/94): Ueber
Gewebslücken Im Zentralnervensystem. Mit 8 Figuren auf 4 litho¬
graphischen Tafeln.
W. unterscheidet: 1. agonale oder noch häufiger postmortale,
durch Gasbildung oder durch Einfluss von Fixierungsflüssigkeiten
entstandene Lücken;
2. durch Zirkulationsstörungen, insbesondere Lymphstauung ent¬
standene, meist in der Nähe von Gefässen oder perivaskulär gelegene
Herde, welche mit Degenerationserscheinungen am nervösen Gewebe
verbunden sind;
3. ebenfalls durch Zirkulationsstörungen hervorgerufene multiple
Erweiterungen perivaskulärer Lymphräume in einem bestimmten Ge-
fässbezirk. Sie entfalten gelegentlich körnige oder homogene Massen,
geronnenes Exsudat, Blut und Blutpigment und andere korpuskuläre
Elemente, welche häufig in ein gliöses oder bindegewebiges Maschen¬
netz eingeschlossen sind. In der Umgebung findet man oft Glia¬
wucherung; der Zustand wird als „6tat criblö“, siebartiger Zustand
bezeichnet.
4. Multiple, besonders in der Rinde gelegene Zysten infolge von
Degenerationsprozessen im nervösen Gewebe, welche durch Er¬
nährungsstörungen, Gefässerkrankungen, Traumen usw. hervor¬
gerufen werden. Diese Lücken haben ein bindegewebiges oder
gliöses Gerüst, welches die Begrenzung und die Scheidewände der
Lücken bildet. Verfasser bezeichnet diesen Zustand als „zystische
Degeneration“.
5. Seltene Fälle, in denen bei produktiver Gliawucherung Hohl¬
räume gebildet werden, die auch mit einem — wahrscheinlich von der
Glia stammenden — Epithel ausgekleidet sein können. Bei Qliosen
und Gliomen entstehen solche Spalt- und Hohlräume durch die un¬
geordnete Gewebsproduktion.
16. Dr. Max Schotteilus, Professor in Freiburg i. Br. (ehe¬
mal. Assistent am pathol. Institut zu Würzburg vom W. 1874/75 bis
S. 1878): Ein Beitrag zur Tuberkulosefrage.
Als Versuchstiere dienten 3 Kälber, welche auf Tuberkulin¬
injektionen keinerlei Reaktion zeigten. Die Infektion wurde in der
Weise vorgenommen, dass tuberkulöses Sputum vermittels einer
langgestielten scharfen Zylinderbürste in die .Rachenschleimhaut ein¬
gerieben wurde. Zuvor wurde durch Experiment und Kulturverfahren
festgestellt, dass in dem Sputum der Typ. humanus des Tuberkel¬
bazillus enthalten war. Die Infektion wurde wiederholt vorgenommen.
Bei den infizierten Tieren stellte sich Husten ein, sie blieben im Er¬
nährungszustände zurück, bekamen rauhes, glanzloses Fell und Tem¬
peratursteigerung bis 39°.
Nach mehreren Wochen erholten sich jedoch die Tiere wieder.
Bei den hierauf getöteten Tieren fand sich nur bei einem eine gering¬
gradige lokale Tuberkulose der der Infektionsstelle zunächst ge¬
legenen Lymphdrüsen. Aus diesen konnte wieder der Typ. humanus
des Tuberkelbazillus gezüchtet werden.
Schottelius schliesst aus diesen Versuchen, dass Tuberkel¬
bazillen des Typ. humanus nur eine sehr geringe pathogene Be¬
deutung für das Rind haben.
Es sei hier an die schönen Untersuchungen von D a m m a n und
Müssemeier 1 ) erinnert, welchen es gelang, „einen für Rinder
und Schweine schwach virulenten Menschen-Tuberkelbazillenstamm
durch wiederholte Ziegenpassage morphologisch und biologisch ab¬
zuändern und mittels fünfmaliger Durchführung durch den Ziegen¬
körper seine Virulenz derart zu verstärken, dass er imstande war,
bei einem Kalbe und einem Schweine eine schwere Tuberkulose her¬
vorzurufen.“
17. Dr. Felix Marchand, Professor in Leipzig: Beitrag zur
Kenntnis der Geschwülste des Ganglion Gasserl. Mit 3 Texfiguren
und 2 lithographierten Tafeln.
Der Fall betrifft einen 56 jährigen Mann, welcher seit 10 Mo¬
naten vor dem Tode an anhaltenden, heftigsten Kopfschmerzen, be¬
sonders in der Stirn, und Schwächung der Sehkraft, später auch an
Schmerzen in der Nase, im rechten Auge, in den Zähnen und im
rechten Ober- und Unterkiefer gelitten hatte. Vor der Aufnahme
ins Krankenhaus verlor er plötzlich die Sprache und es trat halb¬
seitige Lähmung und Erbrechen auf.
Die klinische Diagnose war auf Kompression des Hirnschenkels
und der rechten Hälfte des Pons durch einen Tumor gestellt.
Bei der Sektion fand sich ein Tumor des Ganglion Qasseri und
des Nervus trigeminus mit Infiltration des II. und III. Astes; Kom¬
pression des Pons und Usur der Schädelbasis.
‘) Untersuchungen über die Beziehungen zwischen der Tuber¬
kulose des Menschen und der Tiere. Verlag von M. und H. Scha-
per, Hannover 1905.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
192
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
Bei der mikroskopischen Untersuchung fanden sich als auffälligste
und vorwiegende Elemente epithelähnliche Zellen, welche teils in
Reihen und Strängen gelagert, teils ganz regellos geflechtartig ange¬
ordnet waren und schliesslich dichte, unregelmässig gestaltete, zy¬
lindrische oder rundliche Zellhaufen von durchaus epithelialer An¬
ordnung bildeten. Zwischen diesen Zellen fanden sich meist feinere
Bindegewebsbündel und Easern, seltener stärkere Bindegewebszüge.
Wegen ihrer eigenartigen Beziehungen zu den Ganglienzellen war M.
geneigt, die epithelähnlichen Zellen der Geschwulst von den die
Kapseln der Ganglienzellen auskleidenden Zellen, welche dem äusseren
Keimblatt entstammen, abzuleiten. Die Geschwulst stände dann den
Gliomen am nächsten.
Ein sicherer Anhaltspunkt für diese Entstehung der Geschwulst¬
zellen war jedoch nicht zu erbringen und weitere Untersuchungen
Messen es wahrscheinlicher erscheinen, dass der Ersatz der Scheiden¬
zellen der Ganglien durch die epithelartigen Geschwulstzellen als ein
sekundärer Vorgang zu betrachten sei.
Marchand hält es daher für wahrscheinlich, dass die Ge¬
schwulst von einem ursprünglich noch indifferentem Stadium
der Ganglionanlage ihre Entwicklung genommen hat und bezeichnet
sie als „Neurozytom“.
18. Dr. Dietrich Gerhardt, Professor in Jena (ehemaliger
Assistent am pathologischen Institut zu Würzburg vom Winter 1889/90
bis Winter 1891/92): Beitrag zur Lehre vom Blutdruck. (Mit 2 litho¬
graphischen Tafeln.)
Gerhardt hat eine grosse Anzahl von Radialkurven, welche
nach dem Masingschen Verfahren bei abwechselnder Kompression
des Oberarmes mittelst einer 13cm breiten Recklinghausen-
schen Manschette gewonnen waren, in der Weise auszumessen ver¬
sucht, dass er nicht nur die Pulsamplitude im ganzen berücksichtigte,
sondern dass er ausser der maximalen Druckhöhe noch den Druck¬
wert für das Ende der Systole, den Beginn der dikroten Welle und
den Minimaldruck feststellte. Hiebei ergaben sich für einige Puls¬
formen sehr bemerkenswerte Resultate, namentlich für Fälle von
Nephritis und Arteriosklerose mit sehr bedeutender Drucksteigerung,
dann für die Pulse bei Aorteninsuffizienz, zumal deren arteriosklero¬
tischen Form, endlich für die Pulse bei normalen Kreislauforganen,
aber ausgesprochen langsamer Schlagfolge.
Und zwar Hessen sich zunächst folgende für die Theorie des
Pulses im allgemeinen gültige Schlüsse ziehen: „Bei den Pulsen, deren
Druckmaximum innerhalb der normalen Grenzen von 110—130 mm Hg
liegt, sinkt der Druck im Verlauf der Systole auf 95—110, fällt dann
rasch um nahezu 10—15 mm und weiterhin im Verlauf der Diastole
nochmals um etwa 10—15 mm, also im ganzen auf etwa */a des
systolischen Druckwertes.
Bei Pulsen mit höherem systolischen Druck, zumeist Nephritis¬
oder Arteriosklerosefällen, ist die Gesamtamplitude nicht nur den
absoluten Zahlen nach, «sondern meist auch nach dem Verhältnis zwi¬
schen Höhe des maximalen und Höhe des minimalen Druckes deutlich
vergrössert.“
Für die Drucksteigerung sowohl bei höheren Graden der Arterio¬
sklerose als auch bei Nephritis ist auch die erhebliche Herabsetzung
der Dehnbarkeit der Arterien von Bedeutung; denn sie hat zur Folge,
dass der gleiche Füllungszuwachs eine wesentlich stärkere Druck¬
steigerung bedingt, als bei Arterien von normaler Dehnbarkeit. Der
horizontale und noch mehr der ansteigende Verlauf der Pulslinie
während der Systole beweist, dass bei diesen Erkrankungen der
Zufluss während der ganzen Systole den Abfluss überwiegt. Dies ist
aber nur möglich bei einer Vermehrung der peripheren Widerstände.
Es ist aber klar, dass eine Abnahme der Dehnbarkeit der Arterien¬
wand auf die Pulskurve die gleiche Wirkung haben muss, wie eine
Zunahme der peripheren Widerstände etwa durch verstärkten Ge-
fässtonus. Wenn auch an der Pulskurve nicht zum Ausdruck gelangt,
ob in solchen Fällen die Drucksteigerung durch Vermehrung der
peripheren Widerstände oder durch grössere Starre der Haupt¬
arterien bedingt ist, so lässt sich nach G. aus dem systolischen Druck
doch mit Sicherheit bestimmen, ob Herz oder Gefässe das primär
betroffene Organ sind.
Interessant ist das Verhalten der mit hohem Druck einhergehen¬
den Fälle von Herzneurosen im Vergleich zu den nephritischen und
arteriosklerotischen Drucksteigerungen. Bei einer Anzahl von Herz¬
neurosen (bes. Basedowfällen) sinkt der Druck während der Systole
rasch ab, ein Beweis, dass die Widerstände in der Peripherie nicht
vermehrt sein können, somit die Drucksteigerung ausschliesslich auf
die verstärkten Herzkontraktionen, d. i. auf primär übergrosse Herz¬
arbeit, zurückgeführt werden muss.
Bei einer 2. Gruppe der Herzneurosen bleibt jedoch der Druck
bis zum Schluss der Systole hoch, wodurch umgekehrt eine Erschwe¬
rung des Abflusses des Blutes, also eine Steigerung der peripheren
Widerstände bewiesen ist. Diese kann nur, da pathologische Ver¬
änderungen an den Gefässen fehlen, durch verstärkten Gefässtonus
bedingt sein, die Arbeitssteigerung des Herzens ist in solchen Fällen
also eine sekundäre.
Auch bei Bradykardie ist der systolische Druckverlauf ähnlich
wie bei Nephritis und Arteriosklerose.
Gerhardt führt diese Erscheinung auf das grössere Schlag¬
volumen in diesen Fällen zurück. Wenn das Schlagvolumen wächst,
ohne dass die Dauer der Systole entsprechend zunimmt, wird der
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Druckausgleich nach der Peripherie ebenfalls langsamer erfolgen
müssen.
(Schluss folgt.)
Dr. G. Hauser.
Neueste Journalliteratur.
Deutsches Archiv für klinische Medizin. 94 . Band. 5. und
6. Heft.
25) G. L a n g und S. Manswetowa: Zur Methodik der Blut¬
druckmessung nach v. Recklinghausen und Korotkoff. (Aus
der med. Klinik und dem physiol. Laboratorium der med. Hochschule
für Frauen zu St. Petersburg.) (Mit 4 Kurven.)
Von den zur Messung des minimalen oder sog. diastolischen
Blutdruckes angegebenen Methoden ist die zweckmässigste die von
Korotkoff, weil die auskultatorischen "Erscheinungen, die dabei
den Blutdruck bestimmen, selbst von vollkommen ungeübten Unter¬
suchern meist mit Leichtigkeit festgestellt werden können, und die
Ergebnisse mit der oszillatorischen Methode nach v. Reckling¬
hausen übereinstimmen. Die palpatorische Methode von Sahli-
Strasburger ist weniger empfindlich und bis zu einem gewissen
Grade subjektiv.
26) G. Lang und S. Manswetowa: Zur Frage der Ver¬
änderung des arteriellen Blutdruckes bei Herzkranken während der
Kompensationsstörung. (Aus der med. Klinik der med. Hochschule für
Frauen zu St. Petersburg.) (Mit 1 Abbildung.)
Die Tatsache, dass der arterielle Druck bei Herzkranken mit
dem Wiedereintritt der Kompensation sinken kann, ist wiederholt fest¬
gestellt worden. Bei Kranken mit Mitralfehlern fiel der arterielle
Blutdruck beim Eintritt der Kompensation fast regelmässig: von
18 Fällen fiel in 17 sowohl der systolische als der diastolische Blut¬
druck. Beim Emphysem scheint das Steigen des arteriellen Blut¬
drucks während der Kompensationsstörung konstant zu sein; hier
sinkt bei Wiedereintritt der Kompensation der systolische und dia¬
stolische Blutdruck in allen Fällen. Im Gegensatz hierzu ist bei Herz¬
kranken mit Aortenfehlern und Arteriosklerose das Sinken des Blut¬
druckes mit eintretender Kompensation weniger konstant und weniger
deutlich. Die Hochdruckstauung (Sahli) ist bei Herzkranken, be¬
sonders bei Mitralfehlern und. Emphysem die Regel. Was das Ver¬
hältnis der Blutdruckerhöhung zu den Oedemen während der Kom-
pensationsstörung betrifft, so ist die Wassersucht jedenfalls nicht die
alleinige Ursache der Blutdrucksteigerung, wenn ihr auch vielleicht
ein bestimmter, jedenfalls nicht massgebender Anteil daran zu¬
kommt.
27) S c h i e f f e r und A. Weber: Die Perkussion der absoluten
Herzdämpfung und deren Wert für die Bestimmung der Herzgrösse.
(Aus der med. Klinik in Giessen.) (Mit 45 Abbild.)
Die orthodiagraphische Kontrolle der mit verschiedenen Metho¬
den festgestellten absoluten Herzdämpfung (Finger-Finger-Perkussion,
Fingerkuppen-Perkussion, Finger-Hammer-Perkussion) zeigt, dass es
bei den normalen Fällen und Herzerkrankungen nicht selten unmög¬
lich ist, aus Form und Grösse der absoluten Dämpfung Rückschlüsse
auf die wahre Herzgrösse zu machen, ganz besonders aber bei Vo¬
lumen pulmonum auctum. Es ist deshalb neben der absoluten Herz¬
dämpfung, deren Verwertung Vorsicht erheischt, auch die Bestim¬
mung der relativen Dämpfung zu jeder genauen Herzuntersuchung
nötig.
28) Goldscheider: Untersuchungen über die Perkussion.
(Mit 6 Abbild.) J
Die herkömmlichen Anschauungen über die Fortleitung des Per¬
kussionsschalles in der Lunge sind irrig. Selbst die leiseste, kaum
oder soeben hörbare Erschütterung der Lungenoberfläche durchsetzt
die Lunge in ihrer ganzen Tiefe mit Schallwellen. Die Eigenart der
Schwellenwertsperkussion beruht nicht allein darin, dass sie sinnes¬
physiologisch besonders günstige Bedingungen für die Schärfe der
Wahrnehmung darbietet, sondern auserdem in eigentümlichen physi¬
kalischen Wirkungen. Ein schallerzeugender Stoss, wie es der Per¬
kussionsschlag ist, bewirkt neben den kugelschalenartig sich aus¬
breitenden Schallwellen noch Erschütterungswellen, die sich in der
Richtung des Stosses verbreiten und gleichfalls als Schallwellen an¬
zusehen sind. Die in der Stossrichtung verlaufenden Schallwellen,
welche sich wahrscheinlich kegelförmig ausbreiten, zeichnen sich vor
den übrigen durch ihre Lautheit (Amplitudengrösse, lebendige Kraft)
aus. Durch Abschwächung der Perkussionsstärke tritt das Ueber-
gewicht der in der Stossrichtung weglaufenden — axialen — Schall¬
wellen vor den divergenten Wellen immer mehr hervor. Bei der
Schwellenwertsperkussion sind die divergenten Wellen nahezu un¬
merklich, man hört dabei nur oder fast nur die axialen Schallwellen;
die Schwellenwertsperkussion gleicht einer Schallsonde. Die Dämp¬
fung luftleerer, hinter der Lunge gelegener Organe beruht zumTeil auf
Verkleinerung des Lungenvolumens, grossenteils aber auf Absorption
der Schallwellen, was für die Schwellenwertsperkussion ausschliess¬
lich gilt. Da man bei der Schwellenwertsperkussion nahezu aus¬
schliesslich die axialen Schallwellen hört und da andererseits die
Schallabsorption durch einen luftleeren, nicht elastischen Körper die
axialen Schallwellen vernichtet, so ist die Schwellenwerts¬
perkussion diejenige Methode, welche die Abgrenzung
luftleerer von lufthaltigen Organen, kurz die topographische
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
193
Perkussion in idealer Weise ermöglicht. Die Lehre
von der Perkussion muss von der Schwellenwertsperkussion, welche
die Gesetze der Verbreitung und Wirkung der Stosswellen in ihrer
Reinheit aufweist, ausgehen.
29) P. Morawitz und W. R ö h m e r: Ueber die Sauerstoff-
Versorgung bei Anämien. (Aus der med. Klinik in Heidelberg.)
Das Sauerstoffbindungsvermögen des Hämoglobins korrespon¬
diert sowohl bei normalen, als anämischen Individuen vollständig mit
dem kolorimetrisch bestimmten Hb-Gehalt. Selbst bei den schwersten
Anämien lässt sich kein vermehrtes Sauerstoffbindungsvermögen
nachweisen. Als kompensatorische Vorrichtung bei Anämien kommt
ein erhöhtes Oa-Bindungsvermögen des Hb also nicht in Betracht.
Dagegen besteht bei vielen Anämien eine vermehrte prozentische Aus¬
nutzung des Oa in den Kapillaren. Neben der vermehrten Ausnützung
des arteriellen Oa findet sich als weiterer kompensatorischer Faktor,
vielleicht der wichtigste, eine vermehrte Stromgeschwindigkeit bei
Anämien. In 2 Fällen von Polyzythämie liess sich kein vermindertes
Oa-Bindungsvermögen des Hb nachweisen. Es spricht das gegen
die generelle Gültigkeit der Ansicht, die bei Polyzythämie eine Ab¬
artung des Hb annimmt, und die Vermehrung der roten Blutkörper¬
chen und des Hb als regulatorische Vorrichtung auffasst.
30) F. Lange: Experimentelle Untersuchungen über das Ver¬
halten der Leukozyten nach Injektion von Bakterienextrakten. (Aus
der Kölner Akademie für praktische Medizin.)
Nach intravenöser Injektion von Fermotoxin — ein durch Pep¬
sinverdauung von Typhusbazillen gewonnenes Toxin — tritt sowohl
beim hyperieukozytotisch gemachten als beim gesunden Tiere eine
Leukopenie mit typischer Beteiligung der Leukozytenarten ein, der
wiederum nach der üblichen Zeit eine Hyperleukozytose folgt; dieser
künstliche Wechsel lässt sich mehrfach wiederholen. Dieser Leuko¬
zytensturz, der sehr rasch nach der Injektion eintritt und durch¬
schnittlich 3—5 Stunden anhält, ist eine spezifische, nur dem Typhus¬
toxin zukommende Reaktion; mit den Verdauungsprodukten der
Streptokokken, Milzbrandbazillen, Meningokokken lässt sich keine
Leukopenie hervorrufen. Die Leukopenie betraf hauptsächlich die
pseudoeosinophilen Zellen, in einigen Fällen auch die Lymphozyten,
wenig die mononukleären Formen und die eosinophilen Zellen. Im
Anschluss an die Leukopenie tritt regelmässig eine Hyperleukozytose
mit starker Vermehrung der pseudoeosinophilen Leukozyten ein.
31) L. Lichtwitz: Ueber einen Fall von Sklerodermie und
Morbus Addisonii, nebst Bemerkungen über die Physiologie und
Pathologie des Sympathikus und der Nebennieren.
Im Anschluss an die Krankengeschichte und den Autopsiebefund
folgt eine Hypothese über das Wesen der Erkrankung, die in dem
Rat gipfelt, bei beginnendem Morbus Addisonii, in dem es noch nicht
zur völligen Destruktion der Nebennieren gekommen ist, mit Gal¬
vanisation des Sympathikus in aufsteigender Richtung zu behandeln.
32) Kleinere und kasuistische Mitteilungen.
1. Joh. Zeissler: Die klinische Verwertbarkeit vergleichen¬
der Opsoninbestimmungen von frischem und 24 Stunden altem Serum.
(Aus der Abteilung für experimentelle Therapie des Eppendorfer
Krankenhauses.)
Bei 40 Normalseris ergab sich sowohl bei den frisch entnommenen
Seris als auch nach 24 ständigem Liegen der Sera ein normaler
opsonischer Index; ähnliches ergab die Prüfung der Krankensera.
Damit ist die Brauchbarkeit der Opsoninuntersuchung für die Diagnose
erwiesen.
2. Th. Hausmann: Die Frühdiagnose der Lungentuberkulose
durch die Mageninhaltsuntersuchung.
Die Untersuchung des nüchternen Magensaftes beim Fehlen von
Husten und ausgehustetem Sputum vermag nicht nur die Diagnose
einer zweifelhaften, beginnenden Lungentuberkulose zu sichern, son¬
dern auch die Frage zu lösen, ob eine Tuberkulose offen oder
geschlossen ist. (Tuberkelbazillen im Mageninhalt.)
33) Besprechungen. Bamberger -Kronach.
Zeitschrift für Tuberkulose. Band XIII. Heft 4.
K n o p f - New York: How to adapt Sanatorium methods to treat-
/ ment of consumptlves at their homes.
\ Eine längere und in der üblichen Knopf sehen Weise durch Bil¬
der ausgeschmückte Ausführung über die Idee, das Sanatorium mit¬
samt der Freiliegekur in das Privathaus zu verlegen. Letztere wird
so erreicht, dass das Bett am Fenster steht, dessen unterer Flügel
nach oben geschoben wurde. Ueber den Patienten wird dann eine
Art Zelt heruntergeklappt, das ihn vollständig vom Zimmer ab-
schliesst und nur nach aussen die frische Luft bietet. (Wenn man
aber sieht, wie schwer die Kranken selbst im Sanatorium zu ordent¬
licher Kur und rechter Disziplin zu erziehen sind, da versieht man die
Knopf sehen Vorschläge doch einigermassen mit Fragezeichen.)
Kuhn- Berlin: Physikalische Behandlung der Lungentuberkulose
/ durch Hyperämie, Lymphstrombeförderung usw. vermittelst der
, Lungensaugmaske.
Verf. verficht unermüdlich seine Saugmaske und zeigt durch Ex¬
perimente am Hunde, wie sich durch ihren Gebrauch der Brustkorb
besser wölbt, wie das Herz reichlicher durchblutet und gestärkt und
dadurch der ganz Kreislauf gefördert und entlastet wird, ja wie sogar
das Knochenmark zu besserer Blutbildung angeregt wird. Die Folge
war subjektiv und objektiv Besserung der Kranken.
F. K ö h I e r - Holsterhausen-Werden: Kritische Abhandlung zur
Theorie und Praxis der Ophthalmoreaktion nebst Literaturverzeichnis
bis 1. September 1908.
Unter Beigabe eines reichen Literaturverzeichnisses wird der
wissenschaftliche Wert der Ophthalmoreaktion hervorgehoben, wäh¬
rend die praktische Unbrauchbarkeit als feststehend bezeichnet wird.
Franz v. G e b h a r d t - Ofen-Pest: Ueber die v. Plrquet-
D e t r e sehe Kutanreaktion.
Umsichtig und von denkenden Aerzten angewendet ist die Kutan¬
reaktion eine entschiedene und wertvolle Hilfe bei der Diagnose
Näheres im Originale.
Samuel Bern heim und P. B a r b i e r - Paris: Valeur thera-
peutique des tuberculines.
Eine französische Besprechung und Wertung der Tuberkuline,
namentlich von Jacobs, mit geschichtlicher Einleitung.
Bermbach - Köln : Ein mechanisches Hilfsmittel zur Bewertung
der Pirquetschen Reaktion.
Eine Farbenskala für die Kutanreaktion.
t t 0 . nc ^ on: ^ Theoretical Obfection to the Employment
of the WoIff-Eisner-Calmette Ophthalmoreaction for Tuber¬
culosis.
Kurze Mitteilung. Liebe- Waldhof Elgershausen.
Klinisches Jahrbuch. 20. Band, Heft 1.
« i J Ber, $ht über das pathologische Institut der Universität Berlin
für den Zeitraum vom 1. April 1905 bis 1. April 1908.
J. Orth: I. Museum. II. und III. Anatomische und histologische
Abteilung.
Morgenroth: IV. Bericht der bakteriologischen Abteilung.
A. Bickel: V. Bericht der experimentell-biologischen Ab¬
teilung.
ri »*• uwitm uer cnemiscnen AOteilung.
. . Jy f k Y : Ber,cht “her die Tätigkeit des Instituts für Infektions¬
krankheiten In Berlin vom 1. April 1906 bis 31. März 1907. I
■ ^ Berlcht “her die Tätigkeit der Wutschutzabteilung am
Institut für Infektionskrankheiten zu Berlin vom 1. April 1906 bis
31. März 1907.
Eine zweite preussische Wutschutzstation ist jetzt dem hygie¬
nischen Institut Breslau angegliedert und umfasst die Provinzen
Schlesien und Posen.
. R- H j 1 K e r m a n n: Bericht über das erste Jahr der Tätigkeit
des Medizinaluntersuchungsamtes der Kgl. Regierung in Koblenz vom
1. April 1907 bis 31. März 1908.
n/ D n e • bi ? heris:e bakteriologische Untersuchungsstelle ist ab
1. IV. 07 in ein selbständiges Medizinaluntersuchungsamt umgewandelt
worden. H. bringt besonders eingehende Mitteilungen über Typhus
und hebt hier noch einmal den Wert der Typhus-Mtechbouillon für
die Stellung der Diagnose in zweifelhaften Fällen hervok Das gleiche
gilt für den Paratyphus. \
20. Bd., 2. Heft.
E. Roth: Ländliche Hygiene.
Umfassende monographische Darstellung auf Grund von Vor-
r Verfassers * n «d er Vereinigung für staatswissenschaftliche
Fortbildung zu Berlin. Die weitgehenden Forderungen des Ver¬
fassers werden iq ausführlichen Schlussätzen zusammengestellt.
O. S o 1 b r i g: Die Granulöse Im Regierungsbezirk Allenstein,
Insbesondere vom Jahre 1899—1908.
Ausführlicher Bericht über die Ausbreitung und Bekämpfung der
Granulöse in dem jüngsten preussischen Regierungsbezirke Allenstein
an der russischen Grenze. Die Anfänge der planmässigen Bekämp¬
fung reichen in die 90 er Jahre zurück. Die für den Bezirk auf-
f^SH de w en MitteI betru sen in den letzten Jahren jährlich um
100 000 M.
... Der Erfolg der Bekämpfung erhellt am besten aus der Gegen¬
überstellung der Zahlen der an Granulöse leidenden Militärpflichtigen
des Jahres 1898 — 361 und des Jahres 1908 — 82. Weniger auffällig
ist das Resultat bei der Gegenüberstellung der Zahl der verseuchten
Schulen 1899 — 97 Proz. und 1908 — 75 Proz. Doch betrug die Zahl
der Granulosekranken in diesen Schulen 1899 noch 19,6 Proz., 1908
nur mehr 4,5 Proz. 2 instruktive Kartenbeilagen illustrieren die Ver¬
hältnisse. R. S e g g e 1 - Geestemünde.
Beiträge zur klinischen Chirurgie, red. von P. v. Bruns.
60. Bd. 1. u. 2. Heft. Tübingen, Lau pp, 1908.
Der 60. Band der Beiträge enthält im 429 Seiten starken 1. und
2. Heft lediglich ‘Arbeiten aus der chirurgischen Klinik zu Breslau,
und bespricht zunächst deren Direktor, Herrn. K ü 11 n e r, Druck¬
differenzoperationen, indem er näher über 21 Operationen sowohl in
der S a u e r b r u c h sehen Unterdruckkammer (11), als auch unter
Brau er schem Ueberdruckapparat (10) berichtet. Zur Narkose
wurde fast stets Aether benützt, vielfach mit Sauerstoff, und hat der
B r a u e r sehe Apparat den Vorzug, dass man jederzeit Sauerstoff
mitgeben kann; die Narkose ist bei diesen Operationen sehr bedeu¬
tungsvoll und wird von K. nur seinen erfahrensten Narkotiseuren an¬
vertraut. 5 mal handelte es sich um Brustwandtumoren, 3 mal um
Pleuraerkrankungen, 6 mal um Lungenaffektionen und 6 mal um Oeso~
phaguskrebs. Von den 5 Brustwandtumorenoperationen hatten
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
194
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
3 idealen Verlauf sowohl bezüglich Operation als Rekonvaleszenz,
1 war infolge Infektiosität des fistulösen Prozesses von Pleuritis ge¬
folgt, in einem Falle kam es, wohl durch Verdrehung des Halses, zu
Kompression desselben und Narkosestörungen, die aber bei Fort¬
setzung unter normalem Druck, da die Operation ohne Pleuraeröff¬
nung beendet werden konnte, rasch verschwanden. Die Operation
der Brustwandtumoren ist durch das Druckdifferenzverfahren in ein
neues Stadium getreten und ist der Vorteil der Methode hierbei am
augenfälligsten und am wenigsten angezweifelt; wenn solche Opera¬
tionen auch ohne Druckdifferenz ausgeführt werden können (R e h n
u. a.), so ist doch mit diesem Verfahren die Operation mit Ruhe und
bisher ungeahnter Sicherheit der Erhaltung des Lebens und endgülti¬
gem Erfolg durchzuführen. Bedingung für ungestörte Rekonvaleszenz
ist nur, dass die Brusthöhle primär absolut sicher verschlossen wird;
wenn Muskeln erhaltbar, werden diese über die Brustwandlücke zu¬
sammengezogen und genügt dann eine Reihe gutliegender Knopfnähte;
wo die Muskeln nicht zu erhalten, muss über die Knopfnähte noch
eine fortlaufende Naht rryt feinster Seide dicht am Wundrand an¬
gelegt werden.
Von Lungenoperationen wird u. a. eine erfolgreiche Lungennaht
bei Schussverletzung der Lunge und schwerer Blutung mitgeteilt; bei
den Lungennähten ist feine Seide stets reaktionslos eingeheilt, Kat-
gut ist als zu wenig schmiegsam nicht Tätlich. Des weiteren werden
2 Fälle von Pneumolyse bei diffusen Bronchiektasien mitgeteilt. In
2 Fällen primären Lungenkarzinoms, das bisher nur von Lenhartz
zielbewusst angegriffen wurde, war der Prozess schon zu weit vor¬
geschritten, als dass noch radikale Operation möglich gewesen wäre,
immerhin wurden die Patienten durch Ausräumung der Tumormassen
und Ableitung des Sekrets von quälendem Husten und Beschwerden
durch das stinkende Sputum befreit. In einem Fall von Asphyxie bei
Aortenaneurysma machte K. den Versuch, retrograde Atmung herzu¬
stellen, d. h. durch Anlegung einer Bronchialfistel die schwere Dys¬
pnoe zu erleichtern, der Kranke erlag aber einer Herzinsuffizienz.
Von intrathorakalen Oesophagusoperationen teilt K. 2 Probethorako¬
tomien — beide glatt verlaufen — mit, diese müsse für das Oeso¬
phaguskarzinom die gleiche Rolle spielen, wie die Probelaparotomie
für Magen- und Darmkrebs, d. h. man wird erst dabei die Fälle finden,
bei denen die Resektion mit Aussicht auf Erfolg gemacht werden
kann. In 4 Fällen wurde die Resektion des intrathorakalen Oeso¬
phaguskarzinoms versucht und ganz oder teilweise durchgeführt; der
Ausgang war stets unglücklich. Um die Indikation für diese aller¬
gefährlichste Operation zu stellen, muss die Diagnose des Karzinoms
einwandfrei gestellt sein durch Proebexzision im Oesophagoskop.
Zweifellos noch am geeignetsten für Radikaloperation sind die tief¬
sitzenden Krebse in der Nähe des Zwerchfells, wobei durch eine
eventuell der Thoraxoperation vorangeschickte kleine Laparotomie
über die Ausbreitung des Prozesses gegen das Abdomen und even¬
tuelle Beteiligung der Lymphdrüsen der kleinen Kurvatur und des
retroperitonealen Gewebes Aufschluss zu erhalten ist. Ist vom Ab¬
domen aus nichts oder nur wenig von Karzinom zu fühlen, so kann
man bei einem tiefsitzenden Tumor .auf relativ günstige Verhältnisse
im Thorax rechnen; auch die hochsitzenden Karzinome, die eigentlich
dem Halsteil des Oesophagus angehören, aber in die Brustapertur
hinabreichen, hält K. nicht für allzu ungünstig, dagegen glaubt er,
dass wir Karzinome in der Höhe des Lungenhilus operativ nicht an¬
greifen sollten, da selbst für den Fall radikaler Exstirpation des
Tumors der Erfolg wohl stets durch die Schwierigkeit einer sicheren
Versorgung des in Hilushöhe liegenden Oesophagusstumpfes ver¬
eitelt werden dürfte. Die sicherste Lagebestimmung der Höhe des
Oesophaguskarzinoms ermöglicht das Röntgenbild nach Verabreichung
einer Wismutmahlzeit; immerhin ist auch die praktische Bedeutung
einer Probethorakotomie zu betonen. Bezüglich der Technik emp¬
fiehlt K. grossen Schnitt dem Verlauf der in Tumorhöhe liegenden
Rippe entsprechend oder nach Art einer Schede sehen Thorako-
plastik, für die tiefsitzenden thorakalen Karzinome empfiehlt sich
die Operation von links her, die Isolierung des Oesophagus im Be¬
reiche des Tumors und der angrenzenden gesunden Partien ohne
Eröffnung des Lumens ist unerlässliche Vorbedingung für das Ge¬
lingen. K. ist für zweizeitige Operation, legt um die isolierten Par¬
tien eine dünne Vioformgazelage und eröffnet dann nach 8 Tagen,
wenn der Patient sich erholt hat, die Thorakotomiewunde unter
Druckdifferenz von neuem und schliesst die Resektion an; weit günsti¬
ger für den 2. Operationsakt werden die Verhältnisse, wenn es ge¬
lingt, das isolierte Karzinom mit den angrenzenden Partien des Oeso¬
phagus am Ende des 1. Operationsaktes extrapleural zu lagern, so
dass die Resektion im 2. Akt ohne die erneute Eröffnung des Thorax¬
raumes mit ihren Gefahren vollzogen werden kann.
Bezüglich Tamponade der freien Brusthöhle empfiehlt sich die
versenkte Tamponade der Brusthöhle bei aseptischen Verhältnissen
zur Stillung parenchymatöser Blutungen und zur Herstellung eines
abgeschlossenen Operationsfeldes für den eigentlichen Resektionsakt,
während die Tampondrainage mittels Schrägkanals indiziert ist, wenn
bei der Operation eine Infektion der Pleurahöhle zustande gekommen
oder zu fürchten ist und ausser dem Abschlüsse des Mediastinums
und der nicht infizierten Partien die Brusthöhle eine wirksame Ab¬
leitung der Sekrete erzielt werden soll. Nach K. unterliegt es keinem
Zweifel, dass das Druckdifferenzverfahren einen ausserordentlichen
Fortschritt bedeutet; hinsichtlich der Frage ob Unterdrück oder
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Ueberdruck hält K. beide Verfahren für gleichwertig, vielfach wird
man eines oder das andere Verfahren nur bereit halten, ohne es
schliesslich einschalten zu müssen.
Auch Wilh. Danielsen gibt Beiträge zur Ltingenchirurgie:
Bronchotomle und Lungenresektion. Im Hinblick darauf, dass diqjr'
Bronchoskopie nur etwa */»—% Erfolge ergibt, dass nach Gott- v
stein die bronchoskopische Diagnose in 11,5 Proz. der Fälle miss- Y
lang und bei den übrigen die bronchoskopische Extraktion in 9 Proz.
nicht zum Ziele führte, bespricht D. die zwecks Fremdkörperentfer¬
nung vorgenommene Pneumotomie und Bronchotomie und referiert
über die in der Literatur niedergelegten Fälle und über zum Studium
der Bronchotomie unternommene Tierversuche; nach letzteren ist es
möglich, die proximalen Bronchusabschnitte der einzelnen Lungen¬
lappen von dem sie bedeckenden Lungengewebe stumpf ohne er¬
hebliche Blutung zu isolieren und wird der sicherste Verschluss der
Bronchien mittels fortlaufender Naht durch knorpligen Bronchus und
peribronchiales Gewebe erreicht. Lungenwunden werden am besten
mittels einfacher feiner Seidennähte durch die Pleuren luftdicht ver¬
schlossen; Resektionen in der Lungensubstanz unterscheiden sich im
wesentlichen nicht von Leberresektionen. In der Nutzanwendung
auf den Menschen empfiehlt D. nach Tiegel Hautschnitt über dem
2. IKR., vom Sternum 12—15 cm lateralwärts, stumpfe Durchtrennung
des Pektoralis in seiner Faserrichtung, Eröffnung der Pleura durch
Schnitt im 2. IKR. Die Rippe wird an beiden Enden des Schnittes mit
je 2 Katgutfäden umstochen und zwischen den perikostalen Ligaturen
samt Periost und Weichteilen durchtrennt, das ca. 10—12 cm lange
Rippenstück mit der Interkostalmuskulatur im Zusammenhang ge¬
lassen und wie ein Türflügel nach oben geklappt. Für Kontinuitäts¬
resektionen bei menschlichen Lungen empfiehlt D. die Anwendung
der Doyen sehen Darmklemmen. Die Vereinigung der Wundränder
erfolgt nach Ligatur der Gefässe mit feinster Seide durch wenig
durchgreifende Situationsnähte und darübergelegte feine Seidennaht
durch die Pleuraränder.
Lothar Dreyer und Karl Spannaus geben vergleichende
experimentelle Untersuchungen über die Physiologie des Lieber- und
Unterdruckverfahrens und berichten darin über 214 Einzelversuche
über Prüfung der Atmung, des Blutdruckes, Verhalten des Pulses etc.
bei Unter- und Ueberdruck etc. und kommen zum Schluss, dass bei
Benützung der neuen vervollkommneten Einrichtungen zwischen
Ueber- und Unterdruckverfahren ein Unterschied in physiologischer
Hinsicht, in ihrer Einwirkung auf den Organismus nicht besteht. Die
Bedenken Tiegels gegen das Ueberdruckverfahren sind als hin¬
fällig anzusehen.
H. K ü 11 n e r bespricht die Entfernung übergrosser Tumoren des
kleinen Beckens mit Resektion des Schambeins und der Symphyse
und referiert über 2 Fälle von Exstirpation eines mannskopfgrossen
subperitonealen Fibroms nach Resektion des Schambeins und der
Symphyse und eines Beckenenchondroms, beide mit Erfolg entfernt,
deren Krankengeschichte näher mitgeteilt wird, sowie über ein mehl¬
sackgrosses Enchondrom des Schambeins, das durch Verjauchung und
Lungenmetastasen letal verlief. Hebotomie reicht nicht aus, mittelst
eines grossen, vom Abdomen entweder auf Oberschenkel oder das
grosse Labium verlängerten Schnittes mit Resektion des Schambeins,
ev. auch der Symphyse und Morcellement dürften alle übergrossen
Tumoren des kleinen Beckens, selbst wenn sie dies ganz ausfüllen,
entfernbar sein, vorausgesetzt, dass es sich um abgekapselte, nicht
allzu blutreiche Tumoren handelt. Nach K.s Erfahrungen dürfen wir
in solchen Fällen ohne Nachteil selbst ausgedehnte Kontinuitätsresek¬
tionen am Beckenring ausführen, die Gehfähigkeit der Patienten war
trotz Entfernung der ganzen Symphyse und fast des ganzen Scham¬
beins nicht im geringsten beeinträchtigt.
W. Danielsen gibt weiterhin eine Arbeit über die Notwendig¬
keit und Möglichkeit der Erhaltung der Milz bei Verletzungen und Er¬
krankungen dieses Organs. Ein Beitrag zur konservativen Milz¬
chirurgie. Es lässt sich nicht bezweifeln, dass die Hauptfunktion der
Milz beim Menschen und Säugetier darin besteht, das Blut von
zu gründe gehenden Blutkörperchen zu reinigen und dass die Resi¬
stenz der Tiere nach Exstirpation der Milz gegen eine Reihe von
Infektionen entschieden herabgesetzt wird, somit die Milz nicht als
ein leicht entbehrliches Organ hingestellt werden darf und die Ent¬
fernung der ganzen Milz keineswegs unbedenklich ist. Um die Tech¬
nik der Milznaht zu studieren, hat D. zahlreiche Versuche an frischen
Milzen gemacht, exakte Kapselnaht mit möglichst feiner Nadel und
Seide (wie sie Stich zur Gefässnaht benützt) hat sich gut bewährt.
Nach Annäherung der Wundränder wird der Faden vorsichtig und
konstant zusammengezogen. Bei Zysten und gutartigen Tumoren
kann nach D. Resektion in Frage kommen.
Alfr. Peiser bespricht die fötale Peritonitis und kommt u. a.
zum Schluss, dass die luetische Aetiologie nicht häufig, nur in wenigen
Fällen sichergestellt sei, auch Infektion auf hämatogenem Weg sei
selten, häufiger sei die sekundäre Peritonitis bei kongenitaler Darm¬
stenose oder Atresie, Achsendrehung oder bei Missbildungen im Uro¬
genitalapparat, auch hier kann man rein lokale und diffuse Formen
unterscheiden, doch kommen Uebergänge vor.
Fritz Munk gibt eine Arbeit über das Sarkom des Darms und
gibt 7 Krankengeschichten aus der Breslauer Klinik, zumeist bei Pa¬
tienten in den 40 er Jahren, vorzugsweise bei Männern. Er be¬
spricht im Anschluss an diese Fälle das Sarkom des Darmes, das
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFC JIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
195
viel seltener, als das Darmkarzinom ist (Mikulicz rechnet auf
100 Karzinome 5 Sarkome des Darms).
H. Meyerson berichtet über entzündliche Bauchdecken-
tumoren im Gefolge der Appendizitis, geht auf Aetiologie, Sympto¬
matologie etc. näher ein. Die entzündlichen Tumoren bedürfen, da sie
häufig zentrale Abszesse enthalten und wenig Neigung zur spontanen
Ausheilung zeigen, der operativen Behandlung; u. a. teilt M. 3 Fälle
von ganz zirkumskripten, entzündlichen Tumoren in der Bauch¬
muskulatur, die den Verlauf der Appendizitis komplizierten, mit. Ver¬
wechslungen mit echten Geschwülsten, vor allem Desmoiden sind
möglich.
Eduard Müller und Alfred Pciser: lieber die Technik der
Antifermentbehandlung eitriger Prozesse.
Nach den Erfahrungen von über 100 Fällen haben die Autoren
die Ueberzeugung, dass damit die Patienten rascher zur Heilung und
zur Entlassung kommen als früher. M. schildert die Technik der
Antifermentgewinnung aus menschlichem Blutserum oder Punktions¬
flüssigkeiten (möglichst eiweissreiche Transsudate sind zur Antiferment¬
behandlung zu bevorzugen), in erster Linie brauchbar ist Punktions¬
flüssigkeit von einer Hemmungskraft, die annähernd der des normalen
menschlichen Blutserums entspricht oder sie noch übertrifft. M. schil¬
dert die Technik, die Titrierung des Ferments durch Antiferment und
zeigt wie die käuflichen Pankreaspräparate als Testferment ange¬
wandt werden können. Peiser bespricht Technik und Indikation
der Anwendung des Antifermentserums, er bezeichnet alle eigent¬
lichen Abszesse als Domäne dieser Behandlung, schildert die Art der
Ausführung und betont den günstigen kosmetischen Effekt, auch die
von vornherein zur Abszedierung führende Mastitis hält P. für Punk¬
tion und Antifermentbehandlung geeignet. Für phlegmonöse Pro¬
zesse bleibt die Methode der Wahl die breite Inzision der Stelle und
Tamponade mit in Antifermentlösung getränkter Gaze und relativ ge¬
eignet für diese Behandlung sind Karbunkel, Panaritien, ungeeignet
ist die Antifermentbehandlung bei akuter und chronischer Osteo¬
myelitis.
H. Coenen bespricht die praktische Bedeutung des serologi¬
schen Syphilisnachweises in der Chirurgie und zeigt deren Bedeutung
an einigen Fällen. Von 70 serologisch geprüften Fällen waren 32 kli¬
nisch sichere Luesfälle, wovon 2 ausgeheilt waren. Von 30 Fällen
zeigten 26 eine positive Reaktion (87 Proz.). Von den Anamnesen
waren 21 positiv für Lues (65 Proz.), so dass die Reaktion die Sy¬
philis besser angezeigt, als die Anamnese. Kein Fall zeigte die Re¬
aktion, der nicht sicher luetisch war und kommt der Methode diagnos¬
tisch und differentialdiagnostisch hohe Bedeutung zu, nur die positive
Erscheinung der Serumreaktion gestattet einen absoluten Schluss auf
Syphilis, nicht die negative, obwohl ihr ein relativer Wert unter Be¬
rücksichtigung der übrigen Krankheitsmomente nicht abzusprechen ist.
K. Hannemüller und F. Landois behandeln Pagets disease
of the nipple und zeigen in historisch-klinischem Teil, dass die Frage
dieser Brustwarzenerkrankung noch nicht vollkommen klar und end¬
gültig abgeschlossen ist. Anknüpfend an die Arbeiten von Darier,
Wickham, Unna, Jacobaeus, Ribbert etc. werden 2 Fälle
näher mitgeteilt,. In beiden handelte es sich histologisch um Kar¬
zinomwucherung, die nicht vom Plattenepithel der Haut ihren Aus¬
gang nimmt, sondern von unten her nach oben heraufwächst. Nach
H. und L. haben die Pagetzellen mit den Krebszellen nichts zu tun.
Infolge der stärkeren Sekretion auf der Höhe der ulzerierten Fläche
wird die Zelle derartig geschädigt, dass gewissermassen durch die
veränderte Osmose und Diosmose eine Protoplasmaquellung zu stände
kommt, durch die schliesslich das homogene Aussehen der einzelnen
Zellen hervorgerufen wird. Der über Jahre sich hinziehende Krank¬
heitsprozess ist primär ein Karzinom, von den Milchdrüsen oder dem
sezernierenden Parenchym der Brustdrüse ausgehend, das langsam
gegen die äussere Haut vorwächst und kleinzellige Infiltration hervor¬
ruft, es entsteht in der Haut ein chronisches Granulationsgewebe,
das die Epidermis vernichtet.
Herrn. Coenen bespricht die Behandlung des suprakondylären
Oberarmbruches. Er fand unter 35 Fällen die typische Extensions¬
fraktur nur 1 mal durch Hyperextension veranlasst, meist durch direk¬
ten Fall auf den Ellbogen. Die anatomisch richtige Verheilung des
Bruches ist bei der Fr. suprac. die Hauptsache, die Funktion kehrt wie¬
der, wenn das anatomische Postulat erfüllt ist, Ruhestellung ist nicht
so ängstlich zu vermeiden. C. kritisiert die bisher empfohlenen Ver¬
bände (Graessners Extensionsmethode, Hilgenrein ers spitz¬
winklige Beugung etc.) und empfiehlt zur Reposition distalen Zug nach
unten und vorn. An dem narkotisierten und mit überstehendem, ge¬
brochenen Arm auf den Tisch liegenden Patienten zieht ein Assistent
bei stumpfwinklig gebeugtem Ellbogen an den flach nebeneinander¬
gelegten Fingern und dem nach oben gerichteten Daumen des frak-
turicrten (supinierten) Arms, ein anderer hat eine Schlinge um den
Oberarmschaft über der Frakturstelle gelegt und zieht stark nach
hinten, so wird der Schienen- oder Gipsverband angelegt und dabei
durch direkten Druck, Polsterung oder Anmodellierung die seitliche
Verschiebung korrigiert. Nach Anlage des Verbandes wird der
Bindenzügel von kleinem Längsschnitt oberhalb der Ellbeuge mit
einem Langenbecksehen Haken entfernt. C. bat den Verband
immer sofort angelegt (die Auseinanderlagerung der Fragmente bringt
die Markblutung zum Stehen). Der Verband in stumpfwinkliger
Stellung ergibt fast ideale Resultate.
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Schulz gibt eine Arbeit zur Prognose der traumatischen un¬
komplizierten Schulterluxation. Auf K U 11 n e r s Veranlassung hat er
die in den letzten 5 Jahren vorgekommenen Schulterluxationen nach¬
untersucht, wobei er alle Fälle mit irgend einer Komplikation unbe¬
rücksichtigt liess, unter den 54 reinen Schulterluxationen (46 Männer,
8 Frauen) fanden sich nur 7 (13 Proz.) bei denen man von wirklich
gutem Heilresultat sprechen kann, bei 14 (26 Proz.) war die Be¬
wegungsfähigkeit wohl eine ausreichende, jedoch die Kraft auf der
erkrankten Seite mindestens um Vs, meist um die Hälfte herabgesetzt.
Vs aller Pat. klagte über Reissen in der Schulter bei Witterungs¬
wechsel. Der Arm konnte bei 46,1 Proz. höchstens bis zur Horizon¬
talen abduziert werden (was allein schon 22 Proz. Erwerbsbeschränkt¬
heit entspricht). Vorwärtsaufwärtsbewegung war nur in 42.6 Proz.
der Fälle in erheblicher Weise gestört. Danach ist die Prognose der
reinen Schulterluxation selbst bei frühzeitiger Diagnose und kunst¬
gerechter Behandlung keineswegs als günstig zu bezeichnen, die
Hauptursache für die schlechten Resultate ist in den im Anschluss an
die Luxation entstehenden Vernarbungen und Schrumpfungen der
Gelenkkapsel und der umgebenden Gewebe zu suchen. Zur Ver¬
hütung derselben ist neben Mässage eine jedem Einzelfall angepasste
Bewegungstherapie schon in den ersten Tagen auszuführen und all¬
mählich entsprechend zu steigern. Bei Anstaltsbehandlung kommt
Bardenheuers Extensionstherapie in Betracht.
K. Fritsch bespricht das diffuse Riesenzellensarkom der Seh¬
nenscheiden und teilt 2 typische Fälle mit.
Oswald Seemann gibt anatomische Untersuchungen über die
Sehnenscheiden der Fussbeuge ln Beziehung zur sog. Tendovaginitls
und Perimyositis crepitans.
H. Coenen bespricht die Serumdiagnostik der Staphylokokken¬
erkrankungen. Sehr.
Zeitschrift für Geburtshilfe und Gynäkologie. 1908.
LXIII. Band. 2. Heft. Stuttgart. F. Enke.
H. O f f e r g e 1 d - Frankfurt a. M.: Die Beteiligung des hämato-
poetischen Systemes an der Metastasierung beim Uteruskarzinom.
Das Ergebnis der wertvollen und interessanten Arbeit zeigen
folgende Sätze: I. Milzmetastasen: sind beim Uteruskarzinom
ganz seltene Ereignisse, die man nur bei fortgeschrittenem Karzinom
der unteren Partien antrifft. Sie entstehen nur hämatogen. Verge¬
sellschaftet sind sie zumeist mit ausgesprochener hämatogener Meta¬
stasenbildung, besonders in Organen, in welche das Uteruskarzinom
nur sehr selten metastasiert; z. B. Nebennieren, Gehirn, Kutis. Mamma.
Durch ihre geringere Grösse und ihren zentralen Sitz sind sie erst als
Nebenbefund bei Sektionen gefunden worden; klinisch verlieien sie
symptomlos. Bei jeder Nekropsie wegen Uteruskarzinom ist die Milz
genau histologisch zu untersuchen, ob sich mikroskopisch karzinoma-
töse Herde in der Pulpa finden. — II. Knochenmetastasen:
Es ist zu unterscheiden, ob der Knochen wirklich metastatisch er¬
krankt ist, oder der karzinomatöse Prozess von der Umgebung oder
von den regionären Lymphdrüsen das Primärtumors direkt auf den
Knochen fortgeleitet wurde. Die echten Tochtergeschwülste treten
mit Vorliebe beim Zervix- und Kollumkarzinom auf, und zwar meist
bei inoperablen oder weit vorgeschrittenen Fällen. Jeder Knochen
hat Prädilektionsstellen, für welche die Art der Blutversorgung und
statische Momente massgebend sind. Die echten Knochenmetastasen
sind nur hämatogenen Ursprungs, durch arterielle Embolie, höchst
selten durch venösen retrograden Transport entstanden. Das Uterus¬
karzinom hat in seinen Knochenmetastasen keine Neigung zu osteo¬
plastischen Bildungen. Resistenter als der Knochen ist das Periost
und die Dura mater. Die klinischen Symptome bestanden in Tumor¬
symptomen und Spontanfraktur: ferner zweimal in nervösen Erschei¬
nungen durch Irritation der in der Nähe der karzinomatösen Knochen
verlaufenden nervösen Apparate. Da meist die klinischen Symptdme
nicht richtig gedeutet werden, begegnet man ihnen als Nebenbefund
bei der Autopsie. Das Knochensystem ist bei jeder Obduktion auf
karzinomatöse Einlagerungen zu untersuchen. — III. Biologie der
Metastasen: Für das Entstehen sekundärer Geschwülste müssen
2 Bedingungen gleichzeitig vorhanden sein, nämlich das Kreisen
lebenskräftiger Tumorzellen im Blute und eine „Disposition“ des Indi¬
viduums. Die „Disposition“ wird geschaffen durch den Tumor (Ka¬
chexie), interkurrente Krankheiten und Gelegenheitsursachen
(Schnitzler). Die Kachexie ist die Summe der Schädlichkeiten,
bedingt durch Blutung, Jauchung, septische Infektion und ferment¬
artige toxische Produkte des Struktureiweisses der Karzinomzellen
und ihrer Sekrete. Die Ursache für die Seltenheit der Metastasen im
hämatopoetischen Systeme liegt in der physiologischen Tätigkeit die¬
ser Organe, in der Bildung und Zerstörung von Blutzellen, und dem
Freiwerden von Nukleinen, welchen eine pyretische und leukozyten¬
bildende Tätigkeit zukommt, die Metastasen treten erst auf beim
Darniederliegen der fermentativen Tätigkeit in Leber, Milz und Kno¬
chenmark.
W. H an n e s - Breslau: Die Therapie bei engem Becken und
ihre Wandlungen.
Das aktuelle Thema ist in der letzten Zeit von einer Reihe von
Klinikern bearbeitet. Die Statistik des Kü st n ersehen Materials
von 1894—1908 (ca. 1000 Fälle, von denen 664 für die Arbeit ver¬
wertbar w aren) lässt die Wandlungen in der Beurteilung und Behand¬
lung der Beckenenge deutlich erkennen. Zur Zeit ist die systematische
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
196
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
Anwendung der künstlichen Frühgeburt nicht mehr angebracht, nur in
einzelnen Fällen indiziert und verdrängt von beckenerweiternden
Operationen, abdominalem und suprasymphysärem Kaiserschnitt.
Wichtig, besonders für die Benutzung der Zahlen im Vergleich
mit anderen ist die Definition des engen Beckens. *
A h 1 f e 1 d - Marburg: Zur Pathogenese der Eklampsie.
Die Eklampsie tritt in drei Formen auf: 1. Die reine typische
Eklampsie, 2. die eklamptisch urämische Form und 3. die Pseudo¬
eklampsie. Die reine Eklampsie kommt fast nur bei Erstge¬
schwängerten vor, selten bei Zweitgeschwängerten. Bei letzteren nur
als wiederholte Eklampsie. Sie ist die Folge einer Giftstauung im
Körper der Schwangeren oder Frischentbundenen, veranlasst durch
eine vorübergehende, meist kurzdauernde Niereninsuffizienz (mechani¬
sche Störung, Leyden sehe Schwangerschaftsniere). Die eklamp¬
tisch urämische Form ist die Form der Vielgeschwäneerten.
Sie kommt, wenn auch selten, bei Erstgeschwängerten vor. Sie ist
die Folge einer Giftstauung, veranlasst durch eine schon vor der
Schwangerschaft bestehende, meist chronische Niereninsuffizienz (an¬
geborene und erworbene Defekte, alte Entzündungen, Schrumpf¬
nieren). Die Pseudo eklampsie hat, streng genommen, nichts
mit dem puerperalen Zustande zu tun. Infolge verschiedenartiger
Organerkrankungen tritt sie bei Schwangeren auf. unabhängig von
einer Nierenaffektion, aber begünstigt durch den Status puerperalis.
Sie ist bald die Folge eines septischen Giftes, bald eines chemisch
wirkenden (Sublimat, Karbolsäure etc.), bald Folge einer Gehirn¬
erkrankung, bald einfache Reflexerscheinung, bald sind es epileptische
oder hysteroepileptische Krämpfe, die Eklampsie Vortäuschen.
Th. Heynemann und C. Barth-Halle: Opsoninbestim¬
mungen bei puerperaler Infektion.
Der Opsoningehalt des Serums fieberfreier Wöchnerinnen gegen¬
über dem hämolytischen Streptokokkus hält sich nicht in den engen
Grenzen W rights von 0,8—1,2. Bei einer Erweiterung dieser
Grenzen auf 0,7 und 1,3 werden auch noch bisweilen erhebliche Ab¬
weichungen beobachtet, die sich nur zum Teil durch frühere Strepto¬
kokkenerkrankungen erklären lassen. Ein normaler Streptokokken¬
opsoningehalt bei einer fiebernden Wöchnerin beweist nichts gegen
das Vorliegen einer solchen Infektion. Ein von der Norm abweichen¬
der Gehalt spricht für das Vorliegen einer solchen, ist aber nicht
beweisend. Wiederholte Bestimmungen erhöhen die Sicherheit des
Resultates, vermögen aber auch nicht Fehldiagnosen auszuschliessen
und werden nur selten auszuführen sein wegen der schwierigen und
zeitraubenden Technik. Der Gewinn für die Diagnose ist daher nur
gering und auf seltene Fälle beschränkt. Für die Prognose vermag
die Opsoninbestimmung keinen Anhalt zu geben. Für die Therapie
ist ein Vorteil aus W r i g h t s Lehren nur zu erwarten bei länger
dauernden lokalen, puerperalen Infektionen (Parametritis). Alles für
die Streptokokkeninfektion Gesagte gilt in erhöhtem Masse für die
mit Staphylokokken. Werner- Hamburg.
Zentralblatt für Gynäkologie. No. 1. 1909.
W. Stoeckel - Marburg: Ueber sakrale Anästhesie.
Die Idee, Anästhetika in den Sakralkanal zu injizieren, stammt
von Cathelin (1903), der sie hauptsächlich als Heilmittel bei
Enuresis infant. empfahl, was von Kapsammer bestätigt wurde.
Dies brachte St. auf den Gedanken, die epiduralen Injektionen gegen
die Geburtsschmerzen zu versuchen. Der erste Versuch (3 ccm einer
Novokain-Suprareninlösung) glückte vollkommen und St. verwandte
nun die Injektionen an Stelle der Skopolamin-Morphium-Narkose.
Den Zugang zum Sakralkanal bildet der Hiatus sacralis, eine drei¬
eckige Oeffnung an der Grenze zwischen Kreuz- und Steissbein. Die
Flüssigkeit bleibt nach der Injektion stets epidural oder extradural.
Blutung und Schmerzen nach der Injektion sind minimal. Als In¬
jektionsmaterial dienten physiologische Kochsalzlösung. Novokain¬
lösungen mit und ohne Adrenalin oder Suprarenin, sowie Eukain-ß-
Lösungen. St.s Material umfasst 141 Fälle, 89 I. Parae, 52 Multi¬
parae. In 111 Fällen war sicher ein günstiger Effekt zu konstatieren:
72 mal Beseitigung der Kreuzschmerzen, 39 mal der Kreuz- und Leib¬
schmerzen. Der Durchtritt des Kopfes war 9 mal völlig schmerzlos,
16 mal sehr wenig schmerzhaft. Auffallend war häufig eine deutliche
Erschlaffung der Muskulatur des Dammes und Beckenbodens. Der
Beginn der Wirkung erfolgte schon nach 3—5 Minuten; die Dauer
schwankte zwischen einigen Minuten und 6 Stunden, durchschnittlich
1 —Wz Stunden. Wehenschwäche trat in 23 Fällen ein. Atonie wurde
einige Male beobachtet, aber nicht mehr, seitdem ein Suprarenin-
zusatz gemacht wurde. Schädliche Wirkungen auf das Kind wurden
nicht beobachtet. Die erwartete Urinretention im Wochenbett blieb
in allen Fällen aus. Einmal erfolgte Infektion des Stichkanals mit
Phlegmone in den Glutäalmuskeln.
St. hat dasselbe Verfahren auch in 5 Fällen von Dysmenorrhöe
angewendet; ein abschliessendes Urteil hierüber steht noch aus.
F. Fromme - Halle * Thrombose und Frühaufstehen Im Wochen¬
bett
Das besonders von K r ö n i g empfohlene Frühaufstehen der
Wöchnerinnen zur Verhütung der Thrombose und Embolie erfährt
durch eine Beobachtung F.s eine bedeutende Einschränkung. Eine
19 jährige I. Para stand nach normaler Geburt bei normalen Tem¬
peraturen am 2. Wochenbettstage 1 Stunde auf. Am folgenden Tage
Eieber bis 39,4, Streptokokken im Lochialsekret: nach 3 Tagen Ab-
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fall des Fiebers, am 11. Tage plötzlicher Exitus. Die Sektion ergab
Thrombose der 1. V. spermatica, der V. renalis und der Vv. des 1.
Parametrium, ferner einen grossen Embolus der Lungenarterie. An
diesem Fall erläutert Fr. den infektiösen Charakter solcher
puerperaler Thrombose und Embolie, die nach ihm, ebenso wie die
postoperative, auf bakterieller Grundlage entsteht. Das Früh¬
aufstehen der Pat. konnte diese Thrombose nicht verhindern.
Fr. empfiehlt, für die Praxis mit der Empfehlung des Früh-
aufstehens zu warten, bis der Beweis erbracht sei, dass dadurch die
Thrombosen und Embolien eingeschränkt werden. Bis dahin sei dem
Praktiker entschieden davon abzuraten.
M. Hofmeier: Ueber die Häufigkeit der Thrombose nach
gynäkologischen Operationen und im Wochenbett.
M. sah unter 289 Myomoperationen nur 6 Thrombosen, mit den
früher von Burkhard veröffentlichten Fällen im ganzen
18 Thrombosen und 2 Embolien unter 525 Myomoperierten. Bei den
18 Thrombosen waren 5 Nebenbefunde bei Obduktionen; ohne Tem¬
peratursteigerung waren nur 2 Fälle.
Unter 10 000 Wöchnerinnen kamen 12 Thrombosen vor, dar¬
unter 9 mit hohem Fieber, eine Embolie überhaupt nicht.
Auch diese Zahlen sprechen nicht für die Häufigkeit der Throm¬
bosen durch Zirkulationsstörungen.
F. Michel- Koblenz: Gallensteine In der Harnblase.
Bei einem 29 jährigen Mädchen, das früher an Gallensteinkoliken
und an lokaler Peritonitis gelitten hatte, entwickelten sich Steine in
der Blase. M. entfernte durch vaginale Zystotomie 4 Steine aus der
Blase, die fast ausschliesslich aus Cholestearin und Gallenfarbstoff
bestanden. Wahrscheinlich besteht noch jetzt eine Verbindung
zwischen Gallen- und Harnblase. J a f f ö - Hamburg.
Jahrbuch für Kinderheilkunde. Bd. 68, Heft 4 .
11) D. Pacchioni und C. F r a n c i o n i: Bakteriologische
Untersuchungen an Masern. Beitrag zur Aetiologie und Pathogenese
der Masern. (Aus der K. Kinderklinik zu Florenz. Dir.: Prof. Mya.)
Die Verf. konnten die häufige Gegenwart eines dem Pfeiffer¬
schen ähnlichen Bacillus hümophilus im Bindehaut-, Nasen- und At-
mungswegensekret bestätigen, fanden denselben bei normalem Ma¬
sernverlauf nur ausnahmsweise im Blute; in der Mehrzahl der Fälle
war das Blut der Masernkranken steril. Die Verf. fassen die Masern
als eine lokale Infektionskrankheit mit allgemeinen Intoxikationser¬
scheinungen auf, bei der die eruptiven Erscheinungen wahrscheinlich
der kritischen Bildung von Antikörpern, wie bei der Serumkrankheit
zu verdanken sind. Im Nachweise dieser Antikörper im Blute der
geheilten Masernkranken liegt nach den Verf. die Aufklärung der
Pathogenese. Es gelang den Verf. vorerst nachzuweisen, dass im
Blute der Masernkranken das phagozytäre Vermögen dem als Er¬
reger vermuteten B. haemophllus gegenüber sicherlich zugenommen
hat, besonders nach Verschwinden der Eruption.
12) Schelble: Zur Anämie im frühen Kindesalter. (Aus der
Universitätskinderklinik in Freiburg i. B.)
Kasuistische Mitteilung eines unter dem Bilde angeborener Hämo¬
philie verlaufenden Falles schwerer Anämie, welcher durch Men¬
schenblutinjektionen merklich gebessert wurde. Verf. fordert auf,
nicht nur als ultimum refugium, sondern frühzeitig bei allen mög¬
lichen schweren Formen der Kinderanämien solche Menschenblut¬
injektionen (lege artis ausgeführt!) systematisch zu versuchen. 2 Dia¬
gramme im Text.
13) F. Lot sch: Erfahrungen mit der Intubation bei diphtheri¬
scher Larynxstenose. (Aus der chirurgischen Abteilung der städti¬
schen Krankenanstalt Magdeburg-Altstadt. Dir.: Dr. Habs.)
Verf. schildert anschaulich seine Erfahrungen mit der Methode
der Intubation, deren eifriger Anhänger er ist. Für die Praxis
ausserhalb des Krankenhauses sei die Methode generell nicht zu emp¬
fehlen, sonst sei die Intubation im Krankenhause in allen den Fällen
von diphtherischer Larynxstenose zu wählen, in denen die oberen
Luftwege bis zur Glottis kein Atmungshindernis enthalten.
14) B. Weyl: Grosshirnbefunde bei hereditär-syphilitischen
Säuglingen. (Aus der Universitäts-Kinderklinik zu Heidelberg. Di¬
rektor: Prof. Feer.)
Wertvolle pathologisch-anatomische Studie, deren bemerkens¬
wertes Ergebnis in der Tatsache begründet ist, dass es dem Verf.
bei 6 Fällen von Lucs hereditaria ausnahmslos gelang, krankhafte
Veränderungen nachzuweisen, und zwar bei allen Kindern in den
weichen Hirnhäuten, bei dreien in der Hirnsubstanz selbst. Mit Recht
fragt Verf. nach Verlauf und Ausgang dieser Prozesse, sowie nach
ihrer Bedeutung für das geistige Leben im späteren Lebensalter.
3 Abbildungen im Text.
15) A. O. Karnitzky -Kiew: Zur Physiologie des Wachstums
und der Entwicklung des kindlichen Organismus. Physiologisch-kli¬
nische Beobachtungen.
Wiedergabe des Beobachtungsmateriales über das physiologische
Gedeihen seines 6. Kindes, eines Knaben, B. K. 3 Tafeln.
Literaturbericht, zusammengestellt von L. Langstein.
Buchbesprechungen. O. Rommel.
/ Berliner klinische Wochenschrift. No. 3. 1909.
' 1)) A. Most-Breslau: Ueber die Entstehung, Verhütung und
die Behandlung der Halsdrüsentuberkulose.
Original from
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26. Januar 1909. MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
197
Hinsichtlich der Entstehung der Halsdrüsentuberkulose geht aus
den neueren Arbeiten hervor, dass die Infektion fast immer in den
VVurzelgebieten der Halslymphdrüsen stattfindet. Dabei spielt der
lymphatische Rachenring eine besonders grosse Rolle. Verf. geht auf
die anatomischen Verhältnisse der Halsdrüsen des Näheren ein, um
die Infektionswege daran zu erläutern und berichtet sodann nach
seinen Untersuchungen an 60 Fällen von Halsdriisentuberkulose über
die Lokalisation derselben in einer statistischen Zusammenstellung.
Meist erfolgt die Infektion vom lymphatischen Rachenring aus, be¬
sonders auch von der Oaumentonsille her oder es kommen die
Schleimhäute an den vorderen Qesichtspartien in Betracht. Verf.
bespricht die Prophylaxe, die konservative und operative Behandlung
dieser Erkrankung und vertritt hinsichtlich der letzteren den Stand¬
punkt, dass ein operativer Eingriff ein möglichst radikaler sein muss.
2) S c h n ü t g e n - Berlin: Die Autoserotheraple bei serös¬
fibrinöser Pleuritis.
Das Verfahren besteht darin, dass mit der Spritze Exsudat ent¬
nommen und dann dem Kranken wieder unter die Haut gespritzt wird,
wodurch eine raschere Resorption des Exsudates in vielen Fällen
eintritt. Verf. nahm diese Injektionen, deren Technik er beschreibt,
meist in Zwischenräumen von 1—3 Tagen vor. Man braucht bei An¬
wendung der Autoserotherapie nicht 3 Wochen abzuwarten, bis man
eine Punktion macht. In 15 Fällen von Seropleuritis wurde 14 mal
Erfolg erzielt, welcher durch Diuretika noch gesteigert werden kann.
14 kurze Krankengeschichten sind beigegeben.
3) H. Knopf und R. Fabian- Berlih: Weitere Ergebnisse der
Atoxylbehandlung.
Die Verf. berichten über ihre Erfahrungen an 12 Fällen. In einem
dieser Fälle, deren Krankengeschichten mitgeteilt werden, entwickelte
sich eine doppelseitige Optikusatrophie, so dass bei der Atoxyl¬
behandlung auf die Augen die grösste Aufmerksamkeit verwendet
werden muss.
4) F. N e u g e b a u e r - Mährisch-Ostrau: Milzabszess nach Epi-
typhlitis. Zur Technik der Splenotomie.
Mitteilung einer interessanten Krankengeschichte. Die vorhan¬
dene Epityphlitis nahm ihren Ausgang in eine ausgedehnte Bauch¬
fellentzündung. Bei der Operation fand sich Eiter in der Milz. Hei¬
lung. Ferner berichtet Verf. noch über einen Fall, wo sich nach
Typhus ein Milzabszess entwickelte. Auch hier durch Operation
Heilung.
5) L. T h u m i m - Berlin: Geschlechtscharaktere und Nebenniere
in Korrelation.
Vergl. Referat Seite 2692 der Münch, med. Wochenschr., 1908.
6) S. E 1 k a n - Berlin : Die Bedeutung des Tuberkulins im Kampfe
gegen die Tuberkulose.
E. betont die Wichtigkeit der spezifischen Behandlung der Tuber¬
kulose und wünscht dieselbe an den Heilstätten obligat eingeführt.
Auch in den Lungenfürsorgestellen sollte diese Behandlung, welche
ev. ohne Störung des Berufes zur Durchführung gelangen kann, mehr
Aufnahme finden.
7) A. Bulling-Bad Reichenhall: Beitrag zur Emanations¬
therapie.
Nach Bemerkungen über die physikalischen Grundlagen dieser
Therapie bespricht Verf. die Konstruktion und Verwendungsweise
eines Apparates „Emanator“, welcher Radiogen enthält und eine
Emanation abgibt. Nach den Erfahrungen an 112 an verschiedenen
Krankheiten der Respirationsorgane Leidenden ist die Beeinflussung
verschiedener Affektionen der Art häufig eine günstige gewesen.
Auch Oberkiefer- und Stirnhöhlenkatarrhe wurden vielfach sehr gün¬
stig beeinflusst. Unerwünschte Nebenwirkungen kamen dabei nicht
zur Beobachtung.
8) F. H o 1 z i n g e r - St. Petersburg: Ueber sterilisatorische
Eigenschaften osmotischer Strömungen.
Vergl. die vorläufige Mitteilung S. 601 und das Referat Seite 2692
der Münch, med. Wochenschr., 1908.
9) J. Zeehandelaar Jbz.-Amsterdam: Eine neue einfache
quantitative Zuckerbestimmung mit dem „Glukosiraeter“.
Beschreibung und Abbildung des Apparates sowie die Einzelheiten
dieser Methode müssen im Original eingesehen werden. Wie ein
Vergleich der Ergebnisse des Glukosimeters mit polarimetrischen
Zuckerbestimmungen zeigt, ist die Uebereinstimmung der beiden Me¬
thoden eine recht weitgehende.
10) F. C. Lund- Silkeborg (Dänemark): Zum mechanischen
Thymustod.
Verf. konnte die Obduktion eines einmonatlichen Kindes vor¬
nehmen, welches ohne vorhergehende Krankheit tot im Bette seiner
Mutter gefunden wurde. Es ergab sich, dass kein krimineller Todes¬
fall vorlag, sondern der Tod infolge des Vorhandenseins einer sehr
Krossen Thymusdrüse plötzlich eingetreten war.
11) B. Glaserfeld: Die Epithelkörperchen und Ihre Be¬
ziehungen zur Pathogenese der Tetanie.
Verf. bringt ein Uebersichtsreferat über die Anatomie und die
Physiologische Bedeutung der sogenannten Epithelkörperchen, d. h.
der Glandulae parathyreoideae. Nach den neueren Beobachtungen
und Feststellungen ist die nach Strumaexstirpationen auftretende Te¬
tanie auf die operative Verletzung dieser Drüsen zuriiekzuführen.
Auch die menschliche Tetanie hängt wahrscheinlich mit einer Erkran¬
kung der Epithelkörperchen zusammen.
Dr. Grassma n n - München.
f Deutsche medizinische Wochenschrift. No. 2. 1909.
^4 )L. K u 11 n e r - Berlin: Diagnose und Behandlung des nicht¬
operablen Magenkarzinoms.
Klinischer Vortrag.
2) Riedel- Jena: Die Entfernung des mittleren Abschnittes vom
Magen wegen Geschwür. (Schluss.)
Verf. hat die Pars media des Magens 21 mal wegen Ulcus, 2 mal
wegen Neubildung entfernt, und ist mit den Erfolgen sehr zufrieden.
Er entwickelt die Gründe, warum dieses Verfahren den übrigen Ope¬
rationsmethoden vorzuziehen ist, erörtert ferner die diagnostischen
Merkmale dieser Geschwüre, welche häufiger sind als man gewöhn¬
lich annimmt, und welche zu tiefgreifenden Formveränderungen des
Magens führen. Die Mortalität der Operation betrug 26 Proz.
3) Eugen Holländer -Berlin: Ueber die Indikationsstellung
zur Lumbalanästhesie, besonders bei Bauchoperationen.
Die generelle Empfehlung der Lumbalanästhesie hält Verf. für
ebenso verfehlt, wie einen ausgesprochen ablehnenden Standpunkt.
Bei Bauchoperationen schätzt er sie, weil die Operationstechnik durch
einen klareren Situs erleichtert wird, und die ersten Tage nach der
Operation durch Vermeidung der vorübergehenden Darmlähmung
günstiger verlaufen. Diese tonisierende offenbare Adrenalinwirkung
ist bei langdauernden Eingriffen und geschwächten Individuen be¬
sonders erwünscht und angenehm.
4) A. Schanz - Dresden: Fortschritte In der Behandlung der
Insufficientia pedis (Plattfussbeschwerden).
Vergl. d. W., No. 2, S. 101.
5) Fr. Be ring-Kiel: Ueber die Behandlung von Hautkrank¬
heiten mit der Kromayersehen Quarzlampe.
Verf. zieht die Quarzlampe den Finsen-Reyn-Lampen vor; sie
bewährte sich bei Alopecia areata, Rosacea, Naevi teleangiectatici,
Epheliden, Trichophytia superficialis, Lupus erythematodes und Lupus
vulgaris, bei letzterem kombiniert mit Salben und Röntgenlicht.
6) H. E. S c h m i d t-Berlin: Zur Aetiologie der Frühreaktion
nach Röntgenbestrahlung.
S. hält die Frühreaktionen für echte Röntgenreaktionen, bedingt
durch besondere Radiosensibilität des Gefässystems bezw. der die
Gefässe versorgenden Nerven.
7) Martin L u b i n s k i - Berlin: Zur Inhalationstherapie.
Den gewöhnlichen kleinen Inhalationsapparat hat Verf. durch
einen Ansatzkörper für Naseninhalation adaptiert.
8) Senftleben -Breslau: Zur Therapie des Keuchhustens.
Verfasser bevorzugt Rektalinjektionen von Antipyrin, gelöst in
lauwarmem Wasser.
R. Grashey -München.
Korrespondenzblatt für Schweizer Aerzte. XXXIX. Jahr¬
gang. No. 1.
P. Müller- Bern: Ueber beckenerweiternde Operationen und
Behandlung der Geburten bei Beckenverengerungen überhaupt.
(Mit 1 Bild.)
Verf. bespricht die Entwicklung der neueren Anschauungen,
dann das Wesen der beckenerweiternden Operationen und ihre Stel¬
lung zu Perforation, Kaiserschnitt und künstlicher Frühgeburt. Weiter¬
hin berichtet er über die Grundsätze der Berner Klinik und ihre Re¬
sultate. Mortalität der Mütter bei Beckenanomalie 1,4 Proz., Mortali¬
tät der Kinder 25 Proz. Bei Verwendung der beckenerweiternden
Operationen wäre wohl die letztere etwas geringer geworden, dafür
aber die erstere grösser. Jedenfalls ist vorläufig noch, besonders
dem praktischen Arzt, Zurückhaltung gegenüber diesen Methoden
zu raten.
Blattmann: Zur Kasuistik des Botulismus.
Vergiftung von 4 Familienmitgliedern durch verdorbenen Schin¬
ken. Besonders lang andauernde Augenstörungen.
XXXVIII, No. 19 (durch Verlust verspätet).
R. v. Feilenberg: Zur Armlösung nach A. Müller. (Mit
Fig. i. T.)
Bespricht und illustriert die Methode und ihre Stellung zu den
verwandten Verfahren und die bisherigen, meist guten Erfolge
(2 eigene günstige Fälle).
E. Huggenberg: Ueber eine Typhusendemie, ausgegangen
von einer vor 31 Jahren an Typhus abdom. erkrankten Bazillen-
trägerln. (Aus der bakteriol. Abt. des Hygiene-Institutes der Uni¬
versität Zürich.)
ln einem Hausstand waren innerhalb 31 Jahren 13 Menschen an
Typhus erkrankt. Prophylaktische Massnahmen.
H u g u e n i n: Das gesetzmassige Auftreten von Sekundär¬
erkrankungen bei Spitzentuberkulose. (Fortsetzung und Schluss aus
No. 20.) (Mit 5 Fig. i. T.)
V. bespricht aus reicher Erfahrung heraus die Vorgänge bei
sekundären tuberkulösen Lungenerkrankungen. speziell der durch
Aspiration oder Hustenstoss entstehenden pneumonischen und pleu-
ritischen Herde. Abgesehen von seltenen Fällen von Bronchialdrüsen¬
durchbruch muss immer schon eine erkrankte Lungenspitze vorhanden
sein. Es gibt aber auch seltene ganz ähnliche Formen, die hämato¬
gen von peripheren Herden aus entstehen. Massgebend für das
Krankheitsbild sind besonders: die Ausdehnung des Prozesses, die
Menge und Art des aspirierten Materials, der Ablauf des Hustens und
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4 .
der Atmung und deren Störungen (aufgehobener Hustenreiz, forcier¬
tes Atmen, gestörte Bronchialkontraktion, gehemmter Hustenreflex),
die Veränderungen der Richtung und Weite der Bronchien, die aus-
stossende und anziehende Kraft der verschiedenen Lungenteile. So
ergibt sich eine gesetzmässige Reihe der ergriffenen Bezirke. Am
häufigsten ist die Aspiration von Kavernensekret der Oberlippen nach
hinten und unten, aber auch Aspiration von erkrankten Unterlappen-
bezirken in die umgebenden Bronchien und aus peribronchitisch auf
dem Lymphweg erkrankten Bronchien in die Umgebung kommt in
Betracht.
A. D u t o i t - Burgdorf: Ein Fall von schwerer Verbrühung der
Hornhaut.
Die Erkrankung wurde wesentlich erschwert durch eine Strepto¬
kokkeninfektion im Anschluss an Scharlach. Epikrise, Therapie.
Pischingcr.
Oesterreichische Literatur.
Wiener klinische Wochenschrift.
No. 2. R. Kr aus-Wien: Ueber den derzeitigen Stand der
ätiologischen Diagnose und der antitoxischen Therapie der Cholera
asiatica.
K. führt aus, wie die exakte Diagnose des Choleravibrio nicht
durch die kulturellen Methoden, sondern nur durch die biologischen
und die Blutplattenmethode sicherzustellen ist; ferner, dass in den
Schutzimpfungen nach Pfeiffer, Kolle und H a f f k i n e ein wirk¬
sames präventives Verfahren gefunden ist und die im Experiment be¬
reits erwiesene antitoxische Therapie auch klinische Erfolge erwarten
lässt.
R. Kraus und M. W i 1 e n k o - Wien: Ueber das Verhalten der
Cholerastühle gegenüber Serum- und Kotpräzipitin.
Mit Kotpräzipitin, welches im normalen Kot starke Niederschläge
erzeugt, ruft der Stuhl von Cholerakranken meist nur Trübung her¬
vor. Serumpräzipitin erzeugt im Stuhl von Cholerakranken keine
Niederschläge, im Gegensatz zu dem öfters starken Niederschlag bei
Enteritis, Tuberkulosis intestin., Nephritis u. dergl. Es verhalten sich
Cholerastühle zu dem Serumpräzipitin wie normale Stühle. Die
grossen entleerten Flüssigkeitsmengen bestehen nur aus Wasser und
Salzen ohne Serumeiweiss.
A. Rodel la: Beziehungen der Darmfäulnis zum Gallen-
abschlusse vom Darme.
Bei der Nachprüfung der A. Schmidt sehen Versuche fand R.
in Fällen von Gallenabschluss eine Vermehrung der Gram-positiven
Stäbchen, welche sich grösstenteils auf die anaeroben Blutsäure¬
bazillen erstreckt. Diese Darmflora hemmt den Gärungsprozess nicht;
gerade in den acholischen und Fettstühlen finden sich die intensivsten
Kohlehydratgärungserreger. Die Brutschrankprobe von acholischen
Stühlen weist eine, konstante Gärung mit Gasbildung auf. Der Gehalt
der Fettstühle an flüchtigen Fettsäuren ist zum Teil das Produkt der
anaeroben Gärung. Es bewirkt sonach das Fehlen der Galle im
Darm abnorme Zersetzungen des Darminhaltes.
K. Wirth-Wien: Die interne Chloroformvergiftung und ihre
Therapie.
W. hatte Gelegenheit zur Beobachtung zweier solcher seltener
Fälle. Der erste starb nach Genuss von 150 g Chloroform trotz der
eine Stunde später eingeleiteten energischen Ausspülung des Magens
mit Wasser und Milch, Venaesektion, Kochsalzinfusion etc. Der
zweite, welcher 80—90 g genommen hatte, wurde gerettet, und zwar
scheint der Ausspülung des Magens mit warmem Oel der Erfolg zuzu¬
kommen.
Das Oel löst das Chloroform leicht, wird selbst langsam resor- .
biert und übt wohl auch eine günstige Lokalwirkung auf die verätzten
Stellen aus.
M. Lateiner-Wien: Ein Fall von angeborener Oesophagus-
atresle mit Trachealkommunikation.
Beschreibung eines Falles mit Erörterung der Entstehungsweise
der Anomalie.
J. O r t h n e r - Wien: Ueber postoperative Parotitis.
Beschreibung dreier Fälle: eine vaginale Myomoperation, zwei
Laparotomien wegen Ovarienkarzinom bezw. chronischen Adnex¬
tumors. Zweimal Spontandurchbruch nach dem Gehörgang, einmal
Inzision. Die volle Ausheilung der Parotitis bedurfte mehrerer
Wochen, die Wundheilung der Hauptoperation war eine glatte. Die
Frage der Entstehung solcher Parotitiden ist immer noch eine schwie¬
rige. Für seine Fälle ist O. geneigt eine stomatogene Infektion an¬
zunehmen. Bei zweien war die Lumbalanästhesie bei einem Inhala¬
tionsnarkose angewendet worden.
R. Schwarzwald-Brünn: Fremdkörper im Herzen. (Ein
Fall von Durchwanderung.) (Schluss.)
Der ohne Unwohlsein rasch tödlich geendete Fall zeigte bei
der Obduktion einen blutgefüllten Herzbeutel; ausserdem eine schlitz¬
förmige Oeffnung im Perikard genau in der Mitte zwischen den Durch¬
trittsstellen der Pulmonalvenen, ferner eine schlitzförmige Oeffnung
an der Vorderfläche des Perikards und schliesslich in der Arteria
pulmonalis mehrere kleine Lücken in der Arterienwand. Zur Er¬
klärung dieser Blutung können nur mehrere in der oberen Bauch¬
gegend zwischen Nabel und Schwertfortsatz im subkutanen Fett¬
gewebe befindliche Nadeln bezw. Nadelteile dienen, von denen die
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eine jedenfalls die Arteria pulmonalis und den Herzbeutel durch¬
wandert haben muss. Eine vollständige Klarstellung des Falles ist
nicht möglich.
E. Kronfeld-Wien: Scopoli und die Cetraria islandica.
Ein Beitrag zur Geschichte der medizinischen Botanik in Oester¬
reich. Scopoli, von 1754 an Amtsarzt in Idria, später Professor
der Mineralogie in Schemnitz und Professor der Chemie und Botanik
in Pavia war darauf aufmerksam geworden, dass in den Krainer-
alpen das isländische Moos zur Mästung der Tiere gesammelt wurde;
einige Literaturangaben regten ihn zu eigenen Versuchen in der ärzt¬
lichen Praxis an und er empfahl dann in einer kleinen Schrift das
Mittel angelegentlich für die Behandlung der Schwindsucht.
Bergeat - München.
Spanische Literatur.
P. Carriön y Garagarza und Löpez Durän: Wir¬
kung des Trinitrlns auf den Blutdruck und die Pulszahl. (Rev. de
Med. y Cir. Präct., 28. November 1908.)
Die Verfasser untersuchten bei 21 Kranken mit dem Apparat von
Vaquez die Einwirkung des Trinitrins auf den arteriellen Blut¬
druck. Die Patienten, deren Blutdruck an sich nur geringe Schwan¬
kungen zeigte, erhielten um 11 Uhr 5 Tropfen der 1 proz. Lösung,
worauf Blutdruck und Pulszahl eine Stunde lang beobachtet wur¬
den. Bei 6 Kranken war überhaupt kein Einfluss auf den Blutdruck
festzustellen, bei 6 Fällen «tieg er um 10 mm und mehr, bei 5 Fällen
sank er um 10 mm und mehr, und in 4 Fällen endlich stieg er nach an¬
fänglichem Herabgehen über das ursprüngliche Niveau hinaus. Also
nur in 5 von 21 Fällen zeigte sich die klassische blutdruckvermin¬
dernde Wirkung des Trinitrins. Dagegen ist es unzweifelhaft, dass
klinisch das Trinitrin die Hypertensionsbeschwerden, so die Angina
pectoris, günstig beeinflusst; möglicherweise ist dieser Widerspruch
zu erklären durch einen Unterschied im Druck der tieferen und der
peripheren Gefässe. Jedenfalls ist die durch das Trinitrin hervor¬
gerufene Blutdrucksenkung nur eine kurz dauernde, und das Mittel
ist daher nur zu gebrauchen, wo ein symptomatischer Augenblicks¬
erfolg angestrebt wird, gerade wie das Amylnitrit.
J. CodinaCastellvi: Der Blutdruck bei der Ankylostomum-
anamie. (Gaz. Möd. Catalan, 30. September 1908.)
Verf. hat bei 43 Ankylostomumkranken den Blutdruck in zahl¬
reichen Einzelbestimmungen (im ganzen 1354!) festgestellt und ganz
konstant eine Herabsetzung derselben gefunden; nur ein einziger Fall
zeigte einen höheren Blutdruck als normal.
F. Cerrada: Antlstreptokokkenserum beim Fieber der Tuber¬
kulösen. (Clin, y Labor; Ref.: Rev. de Med. y Cir. Pröct., 14. De¬
zember 1908.)
Cerrada berichtet über 4 Fälle von fieberhafter Tuberkulose,
in denen die ev. noch einmal wiederholte Injektion von 20 ccm
Streptokokkenserum (Marmorck) das Fieber auf längere Zeit
hinaus verschwinden liess. Ein initialer Fall zog daraus dauernden
Vorteil; bei den 3 vorgeschrittenen Fällen wurde der Gang der
Krankheit in keiner Weise günstig beeinflusst, abgesehen davon, dass
Schlaf und Appetit besser, die Nachtschweisse weniger wurden. In
5 weiteren Fällen blieb das Fieber unbeeinflusst. Die Injektionen des
Streptokokkenserums sind anscheinend völlig unschädlich.
A. Ferrari: Die Serumtherapie der Bubonenpest. (Rev. med.-
cir. do Brazil, No. 1, 1908, Ref.: Gac. M6d. Catal., 15. September 1908.)
Ferrari berichtete auf dem 6. brasilianischen Aerztekon-
gress über Resultate der Serumbehandlung von 68 Pestfällen. Ver¬
wendet wurde ein einheimisches Serum (Instituto de Manguinhos).
Die geringste Dosis, die endovenös injiziert wurde, betrug 40, die
grösste 120ccm; grössere Dosen sind nicht ausgeschlossen, jedoch ist
Vorsicht nötig. Die Injektionen wurden alle 24 Stunden wiederholt,
bis Temperatur und Puls normal waren; je früher die Behandlung be¬
ginnt, desto besser ist die Prognose. Zweckmässig beginnt man aber
die Injektionen nicht, wenn die Patienten von dem Transport sehr
angegriffen sind, denn die Reaktion kann zu synkopeartig-:n Zuständen
führen. Von den 68 Fällen des Verfassers bekam keiner alarmierende
Symptome, alle aber wiesen eine Reaktion auf: Erregungszustände,
Exantheme und andere vasomotorische Störungen, Schüttel¬
fröste, auftretend 10—30 Minuten nach der Injektion und rasch
vorübergehend; sie wiederholten sich nicht regelmässig bei jeder In¬
jektion, einmal fehlten sie das erste Mal, um nachher regelmässig
aufzutreten. Häufigkeit und Intensität der Reaktion sind von der
Dosis und dem Applikationsort unabhängig. Die endovenöse Injektion
ist anderen Methoden vorzuziehen; ist sie unmöglich, so ist die intra¬
peritoneale Einverleibung der subkutanen vorzuziehen. Die metho¬
dische Serumbehandlung brachte es zu Wege, dass Verf. nur 7,2 Pioz.
Mortalität zu beklagen hatte.
A. Baltd Loren zo: Tuberkulose im Kindcsalter. (La Medi- y
cina de los ninos, No. 10, 1908.) \
Der Aufsatz enthält einige statistische Zahlen über die Tuber¬
kulosesterblichkeit in Barcelona in den verschiedenen Lebensaltern.
In den Jahren 1901 bezw. 1902 betrug die Gesamtsterblichkeit an
Tuberkulose 1934 bezw. 1792 Personen. Davon standen im 1. Lebens¬
jahr 88 bezw. 74, im 2.—4. Jahre 240 bezw. 249, im 5.—19. Jahre 29S
bezw. 299, in späteren Lebensjahren 1308 bezw. 1170 Indi\iduen.
L. Täbrega: Zur Behandlung der Noma. (Rev. de Med. y Cir.
Pract., 7. November 1908.)
Qrifinal fro-m
UNIVERSUM OF CALIFORNIA
26 . Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
199
Verf. hat 3 grosse Masernepidemien erlebt; während in der
ersten von 600 Fällen keiner Noma bekam, sah er von den 800 Fällen
der beiden anderen Epidemien 8 Fälle an Noma erkranken (2. Epi¬
demie 600 Fälle 2 Noma, 3. Epidemie 200 Fälle 6 Noma!). Be¬
merkenswert ist dabei, dass die erste Epidemie im Gegensatz ?u den
anderen in eine Zeit fiel, wo man auf die skrupulöse Reinigung des
Mundes noch kein Gewicht legte, und Verf. hält es für durchaus wahr¬
scheinlich, dass die durch das gründliche Auswischen des Mundes
entstehenden Läsionen der Mundschleimhaut für die Entstehung der
Gangrän von Bedeutung sind. Er ist daher von mechanischen Rei¬
nigungsmethoden ganz abgekommen und verwendet nur noch Mund¬
spülungen und Bestäubungen. Als Heilmittel hat sich Verf. in 5
schweren Fällen der Behandlung mit 2 proz. Methylenblaulösung be¬
dient, und in der Tat in 2 Fällen Heilung erzielt. In 3 anderen
Fällen dagegen versagte die Methode vollständig, 2 Kinder starben,
das dritte wurde durch Behandlung mit dem Roux sehen Diphtherie¬
heilserum (10 ccm) zur Heilung gebracht. Verf. verfügt noch über
einen zweiten, allerdings leichteren Fall, in dem das Diphtherieheil¬
serum innerhalb 6 Tagen Heilung herbeiführte.
E. B o t e 11 a: Der praktische Wert der Oesophagoskopie. (Rev.
Barcelon. de enferm. de oido etc., nach einem Vortrag auf dem 2.
spanischen Chirurgenkongress.)
Die ausführliche Kasuistik Botel las umfasst: l Fall von Nar¬
benstenose, 2 Fälle von spastischer Stenose, 2 Fälle von Stenose
durch Druck von aussen, 2 Fälle von beginnendem Karzinom, 13 Fälle
von Fremdkörpern (2 Gebissstücke, 5 Münzen, 1 Fleischstückchen,
5 Knochenstückchen).
J. Ribera y Sans: Die Radiographie zur Diagnose chirurgi¬
scher Erkrankungen innerhalb des Thorax. (El Siglo M€d., 12. Sep¬
tember 1908.)
Die Radiographie wird nur in Ausnahmefällen zur Diagnose
intrathorakaler Erkrankungen nötig sein, in solchen kann sie aber
vorzügliche Dienste leisten. Verf. belegt dies durch eine Reihe von
Fällen, in denen die Diagnose des Sitzes der Erkrankung und daher
die Feststellung des Angriffspunktes auf andere Weise unmöglich
war, einen Fall von abgesacktem Empyem, einen von Lungenabszess,
einen von Tuberkulose mit grossen Kavernen. Zwei weitere Fälle
betrafen Projektile innerhalb des Thorax; eines wurde bei der Ope¬
ration leicht gefunden, das andere dagegen, trotzdem man es im
Bilde deutlich sah, nicht, ein Fall also, der zeigt, dass die Methodik
noch nicht vollkommen ist.
Go y an es: Eine neue Methode der regionären Anästhesie.
(Acad. Medico-quirurg. Espanol, 16. November 1908, Rev. de Med.
y Cir. Präct., 21. Dezember 1908.)
G o y a n e s hat zunächst an Hunden eine neue Anästhesierungs¬
methode versucht, die Injektion des Anästhetikums in die Arterie
des blutleer gemachten Gliedes. Nach Anlegung der Esmarch-
schen Binde wird zunächst die Infiltrationsanästhesie angewendet,
unter ihrem Schutze inzidiert, und die Hauptarterie der Gegend ge¬
sucht; diese wird isoliert, und in sie nun das Anästhetikum mit einer
feinen Nadel injiziert. Ist die Nadel fein genug, so folgt ihrem Heraus¬
ziehen gar kein Blut; ist sie etwas stärker, so entsteht ein kleiner
Thrombus oder ein kleiner Blutaustritt in die Adventitia; bei noch
stärkeren Nadeln lässt sich die Blutung leient beherrschen.
Als Anästhetikum kommt das relativ ungiftige Novokain in 1 1* proz.
Lösung zur Verwendung, je nachdem in der Menge von 50—100 g.
Am Menschen wurde die Methode bisher zweimal verwendet: einmal
bei einer Narbenexzision mit Sehnenplastik an der Hand (Injektion
in die Radialis) und einmal bei einer Armamputation. In beiden Fällen
war die Anästhesie vollkommen, und der Verlauf glatt.
E. Cabanes: Verschiedenheit der Bakterien unter natürlichen
Bedingungen und Im Laboratorium. (Gac. M£d. Catalan, 15. und 3 t
Oktober 1908.)
Die Bakterien zeigen zahlreiche Verschiedenheiten, je nachdem
sie in der Natur Vorkommen oder im Laboratorium gezüchtet
sind, und zwar beziehen sich diese Verschiedenheiten auf alle ihre
verschiedenen Eigenschaften. Zunächst gibt es zahlreiche morpho¬
logische Differenzen. Bezüglich der Fortpflanzung ist bei den Formen,
die Sporen bilden können, in der Natur die Sporulation das gewöhn¬
liche, während im Laboratorium die direkte Teilung an ihre Stelle
tritt Während die Sekretion der Ernährungsfermente unter natür¬
lichen Bedingungen weit stärker ist, tritt bei den Laboratoriums¬
bakterien die Toxinbildung in den Vordergrund. Die Phosphoreszenz
ist eine Eigenschaft, die bei kultivierten Bakterien niemals vor¬
kommt, wahrscheinlich infolge der relativ hohen Temperatur der
Laboratorien, und weil die verwendeten Nährböden zu arm an organi¬
schem Phosphor sind; umgekehrt entwickelt sich die chromogene
Funktion besonders stark in Kulturen. Die Virulenz vermehrt sich
bei der Züchtung in den ersten Tagen, um dann aber beträchtlich
abzunehmen. Bakterien, die im Laboratorium bei ihrem Tempera¬
turoptimum gezüchtet und nicht häufig umgeimpit werden, sind
kurzlebig, während kühlere Temperaturen und häufige Umimpiungen
die Langlebigkeit der Bakterien begünstigen; ebenso sind die Bak¬
terien unter natürlichen Bedingungen langlebig. Die Differenzen zwi¬
schen natürlichen und gezüchteten Bakterien sind eine Folge der
Adaption an den Nährboden und des Kampfes ums Dasein.
M. Kaufmann -Mannheim.
Dicjitiz 1 by Google
Schifis- und Tropenkrankheiten.
G o e b e 1 - Haut Katanga: N a g a n a beim Huhn. (Archiv für
Schiffs- und Tropenhygiene, Bd. 12, 1908, H. 16.)
Verf. hat im hygienischen Institut der Universität Gent Tier¬
versuche angestellt und weist nach, dass die Einimpfung von try¬
panosomenhaltigem Blut beim Huhn meist eine Infektion mit Nagana
zur Folge hat, am sichersten bei Einimpfung in die Karunkeln, weniger
sicher bei Einspritzung unter die Haut. Einspritzung ins Peri¬
toneum bleibt erfolglos. Die Parasiten sind im Blut nicht mikro¬
skopisch nachweisbar. Sie rufen Krankheitserscheinungen nicht her¬
vor. Die Autopsie ergibt keine charakteristischen Veränderungen.
Das Serum gesunder oder von Nagana geheilter Hühner hat in vitro
keine trypanolytische oder zytotropische Wirkung und keine immuni¬
sierende Wirkung beim Huhn, beim Kaninchen, Meerschweinchen
und bei der Maus. Das Huhn, dessen Blut durch den Tierversuch
als befreit von Trypanosomen erwiesen ist, hat gegen Neuinfektion
mit Nagana einen gewissen Grad von Immunität erworben.
Keysselitz und Mayer: Zur Frage der Entwicklung von
Trypanosoma brucel ln Glossina fusca. (Daselbst, Bd. XII, H. 16.)
Die Verf., die sich auf einer Expedition der „Hamburgischen
wissenschaftlichen Stiftung“ in Deutsch-Ostafrika befinden, prüften in
Amani die Befunde Stuhlmanns über die Entwicklung des Try¬
panosoma brucei in der Glossina fusca nach. Aus Puppen gezüchtete
Fliegen standen ihnen nicht zur Verfügung. Gefangene Tsetscn waren
zu 4,6 Proz. oder, wenn sie nach Blutsaugen an gesunden Tieren
untersucht wurden, zu 11,2 Proz. infiziert. Sämtliche gefangenen
Tiere hatten schon Blut gesogen. Aus der Tatsache, dass die Try¬
panosomen nach Saugen an infizierten Tieren stets nach 27 Stunden
wieder verschwunden waren und die Zahlen der iniizierten Tsetsen
sich durch Saugen von trypanosomenhaltigem Blut nicht vermehrten,
schliessen die Verf., dass die Tsetsefliege nur einmal im Leben im
stände ist, sich zu infizieren, das heisst die für die Weiterentwicklung
der Trypanosomen nötigen Verhältnisse zu bieten und zwar dann,
wenn sie als erste Nahrung das Blut eines infizierten Tieres mit
männlichen und weiblichen Entwicklungsstadien der Flagellaten saugt.
Späterhin gehen die mit weiteren Saugakten aufgenommenen Try¬
panosomen zugrunde.
Külz- Duala: Ueber Volkskrankheiten Im Stromgebiete des
Wuri und Mungo in Kamerun. (Daselbst, Bd. XII, 1908, H. 17.)
Aus den vielseitigen Beobachtungen im Stromgebiet des Wuri
und Mungo, auf dessen Basis die Hauptstadt Duala liegt und das
durch die im Bau befindliche Hinterlandsbahn seiner tatsächlichen
Erschliessung entgegengeführt wird, sei hervorgehoben: Die Ver¬
breitung der Lepra schätzt Verf. auf annähernd 2 Proz. der Be¬
völkerung und zwar iiberw'iegt die Lepra anaesthetica bei weitem.
Zu der Riesenaufgabe der Bekämpfung der Lepra hat bis jetzt noch
nichts geschehen können. Die Syphilis war 1893,94 noch un¬
bekannt, hatte 1897/98 eine geringfügige Bedeutung. Jetzt fand Verf.
unter den Arbeitern zwischen 12 und 28 Proz. Luetiker. Er be¬
fürchtet eine allgemeine Durchseuchung mit sämtlichen unheilvollen
Folgen. In Bezug auf ihre Erscheinungen unterscheidet sie sich im
ganzen nicht von ihrer europäischen Schwester. Weicher Schanker
geht der Induration oft voraus. Der Verlauf ist oft schwer, auch
bei in Kamerun infizierten Weissen. Tertiärerscheinungen treten
rasch ein. Energische Jodkur zeigt günstigere Wirkungen als Queck¬
silberkuren. An Gonorrhoe scheint die Hälfte aller Eingeborenen
gelitten zu haben oder zu leiden. Der Tripper der Schwarzen ver¬
läuft auch ohne Behandlung leicht. Die Gefahr des A 1 k o h o 1 i s -
m u s kann nie überschätzt werden. Die Zunahme des Alkoholismus
ist augenfällig. Den Alkohol kannte der Neger auch vor dem
Eintreffen der Weissen, nicht aber den Alkoholismus. Tuber¬
kulose kommt vor, hat jedoch eine allgemeine Ausbreitung noch
nicht erlangt. Dysenterie ist endemisch, tritt zu jeder Jahres¬
zeit auf und befällt alle Altersklassen der Eingeborenen. Es besteht
eine gewisse lokale Immunität der Schwarzen. Es kommt Amöben-
und Bazillenruhr vor. Bei der Uebertragung scheint das Wasser
eine Rolle zu spielen. Auch für die Uebertragung des Typhus
madht Verf. das Wasser verantwortlich. Verf. sah ihn nur bei Euro¬
päern. An Eingeweidewürmern leiden etwa 90 Proz.; am
verbreitetsten sind Anchylostomainfektionen, denen Trichozephalen
und Askariden folgen — die Zahlen zeigen mit den vom Ref. in Ost¬
afrika gefundenen (s. unten zur Verth: Mohoro) fast völlige Ueber*
einstimmung (d. Ref.). — An Filarienkrankheiten unterscheidet
Verf. Elefantiasis, Filarientumoren und Filarienödeme (Kamerun¬
beulen); Filarienlarven sind der häufigste Nebenbefund bei der mikro¬
skopischen Blutuntersuchung erwachsener Neger. Die Muttertiere,
die für die Krankheiten verantwortlich sind, sind die Filaria bancrofti,
Filaria volvulus und Filaria loa. Im Blut finden sich weiterhin Larven
der Filaria perstans. Ueberschwemmung mit letzteren Larven führt
zu einem Krankheitszustand, der an Schlafkrankheit erinnert.
Schlafkrankheit ist vor 25 Jahren von Fernando Po einge¬
schleppt. kommt vereinzelt aber sicher vor. Eine von den Einge¬
borenen durchgeführte primitive Isolierung im Busch hat, trotzdem
die übertragenden Glossinen keineswegs selten sind, eine allgemeine
Durchseuchung verhütet. Ueber Malaria schliesst sich Verf. den
Berichten F. und A. P1 e h n s und Z i e m a n n s an. Auf die Wich*
tigkeit der Pocken weist er von neuem hin.
Original fram
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
MUENCHENEfc MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
iUÜ
v. d. Hellen: Bericht über die Schlafkrankheit im Bezirk
Mlsahöhe. (Daselbst,Bd. 12, H. 18, 1908.)
Die Schlafkrankheit galt im Bezirk Misahöhe nahe dem Endpunkt
der Togo-Hinterlandsbahn seit Frühjahr 1904 für erloschen. Verf.
stellte fest, dass die Schlafkrankheit endemisch fortbesteht und knüpft
Bekämpfungsvorschläge an, von denen die wichtigsten ausser in Be¬
handlung der Erkrankten mit Atoxyl in Entfernung des Busches um
Wege und Wasserplätze zur Ausrottung der Tsetse, Verbot einer
auch vorübergehenden Auswanderung der Einwohner eines infizierten
Dorfes, Beobachtung Infektionsverdächtiger auch aus der Nachbar¬
schaft und Anpflanzung von Zitronellagras zur Vertreibung der ülos-
sinen bestehen.
Martini-Tsingtau: Amöbenträger. (Daselbst, Bd. 12, H. 18,
1908.)
Verf. beobachtete bei einem Amöbenruhrfall 4 V*j Monate lang,
auch noch nachdem der Kranke sich seit lVs Monaten wieder völlig
wohl fühlte, himbeerrote Blutstreifen neben Schleimspuren an nor¬
malen Kotballen. Sie wichen nach vorübergehendem Verschwinden
und mehrmaligem Wiederauftreten Tannineinläufen. Verf. misst den
Amöbenträgern für die Verbreitung der Ruhr dieselbe Funktion wie
den Bazillenträgern (Typhus, Diphtherie u. a. m.) zu.
Mine: Untersuchungen über den Einfluss des Reises bei Berlberi.
(Daselbst, Bd. 12, H. 18, 1908.)
Mit dem Ersatz des Reises als Nahrungsmittel der japanischen
Armee durch Brot und Gerste oder durch eine Reis-Gerste-Mischung
nahmen die Erkrankungszahlen an Beriberi ab. Japaner der Süd-
Mandschurei, die Reis essen, leiden an Beriberi, Chinesen der Süd-
Mandschurei, die sich hauptsächlich von Hirse ernähren, nicht. Ersatz
der Hirse bei den Chinesen durch guten oder verdorbenen Reis hat
bei ihnen keine Beriberi zur Folge gehabt, doch wurde bei einem
chinesischen Gefangenen trotz Hirsenahrung Beriberi beobachtet.
Verf. sieht die Abnahme der Beriberizahlen als Folge der schleu¬
nigen Isolierung jedes Beriberikranken an.
zur V e r t h - Berlin: Moboro. Eine tropenhygienische Studie.
(Daselbst, Bd. XII., 1908, H. 19.)
Aus den mancherlei Mitteilungen sei folgendes wiedergegeben:
Ein Regentag im Januar zeigte eine Temperaturschwankung von
7,3°, ein Sonnentag von 11°. Das Minimum des Sonnentages lag
morgens um 4 Uhr, das des Regentages morgens um 6 Uhr. — Um
in den Tropen Strapazen überstehen zu können, braucht sich der
Europäer nicht erst zu akklimatisieren, sondern je weniger der
Europäer den Einflüssen des Klimas ausgesetzt (akklimatisiert) war,
desto besser vermag er Strapazen zu ertragen, vorausgesetzt, dass
Studium und Unterweisung ihn gelehrt haben, das, was seine Körper¬
bildung zur Ertragung des Klimas vermissen lässt, durch künstliche
Mittel möglichst zu ersetzen. Es erscheint zweckmässig, zwischen
den Akklimatisationswirkungen, die durch die Einflüsse des Lichtes
einerseits und die der Luftwärme und -feuchtigkeit anderseits hervor¬
gebracht werden, zu unterscheiden. Die günstigste Zeit der Wider¬
standsfähigkeit scheint dann erreicht, wenn die überraschend schnell
vor sich gehenden Veränderungen der Haut, die sich im Pigment¬
gehalt dem Auge zeigen, vollendet sind, dagegen Luftwärme und
Luftfeuchtigkeit die aus der gemässigten Breite mitgebrachte Elastizi¬
tät des Wärmehaushalts noch nicht eingeschränkt haben. — Der
Anopheles ist die höher entwickelte und empfindlichere Mücke. Er
versteht sich besser als der Culex auf die Schutzmittel der Menschen
einzurichten und lernt sie zu umgehen. — Bei der kritiklosen Dia¬
gnosenstellung der Tropenkrankheiten war ein Stadium nötig, in
dem die Diagnose Malaria an den Nachweis von Parasiten geknüpft
war, indes scheint das Stadium überwunden zu sein. Besonders
bei Chininprophylaktikern gibt es Fälle, bei denen
das klinische Bild, der Erfolg der Therapie, die
Umgebung und das Fehlen anderer Infektions¬
krankheiten die Diagnose Malaria gestattet oder
vorschreibt, selbst wenn Parasiten nicht nach¬
zuweisen sind. — Im Kot von 50 Kettengefangenen wurden bei
76 Proz. Eier von Ankylostoma duodenale, 28 Proz. von Askaris,
16 Proz. von Trichocephalus, 4 Proz. von Oxyuris, 2 Proz. «von
Taenien nachgewiesen. 14 Proz. hatten 2 Eierarten, 10 Proz. 3 und
2 Proz. 4 Eierarten. Bei 10 Proz. fanden sich keine Parasiteneier.
Howard: Tertiäre Frambösle. (Journal of tropical Medicine,
Bd. XI., H. 13, Juli 1908.
Howard glaubt in 9jähriger Tätigkeit in Zentralafrika zahl¬
reiche Fälle von tertiärer Frambösie, die 2—10—20 Jahre nach der
Infektion standen, gesehen zu haben. Bei einigen kann Syphilis
mit Bestimmtheit ausgeschlossen werden. Ausser Hautsymptomen
beobachtete er Knochen- und Gelenkleiden, ferner destruktive Pro¬
zesse an Nase, Gaumen und Rachen. Jodkali war das souveräne Heil¬
mittel.
H i n g s t o n: Typhusschutzlmpfung und ihre Anwendbarkeit für
Missionare und andere Tropengänger. (Daselbst, Bd. XI, H. 13.)
Die Erkrankungszahlen an Typhus unter den Missionaren und
anderen Tropenbewohnern sind besonders in Indien so gross, die
Typhusschutzimpfung so einfach und gefahrlos, ihr Erfolg, der einen
gewissen Grad von Immunität verleiht, so sicher nachgewiesen, dass
jeder Missionar und jeder andere Tropengänger der Typhusschutz¬
impfung unterzogen werden sollte.
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No. 4 .
Robertson: Fliegen als Ueberträger des Frambösiekoo-
tagiums. (Daselbst, Bd. XI, H. 14.)
V. gelang es an Fliegen, die auf den Geschwüren von Frambösie-
kranken gesessen hatten, die Spirochaete pertenuis Castellani nach¬
zuweisen. Methode: Schütteln der getöteten Fliegen mit sterilem
Wasser. 24 Stunden später Zentrifugieren und Deckglasausstriche
färben.
H e a r d: Behandlung von Frambösie- und anderen tropischen
Geschwüren. (Daselbst, Bd. XI, H. 20, Okt. 1908.)
Von der Frambösiepapel sollen die Krusten entfernt w r erden, so
dass die granulierende Fläche freiliegt. Diese soll mit dem Argent.-
Stift geätzt werden. Heilung in 4—5 Tagen.
Tropische Geschwüre, die besonders an den Beinen sich oft zu
riesigem Umfang entwickeln, sollen unter Umschlägen mit Kali-per-
manganicum-Lösung stündlich mit derselben Lösung gereinigt oder
3 mal täglich mit Kali-permang.-Pulver eingepudert werden.
Blackham: Ueber Dysenteriebehandlung. (Journal of tlie
Royal Army Medic. Corps 1908. Bd. 10, H. 4.)
Bei Bazillendysenterie (akuter Beginn, Fieber, toxische
Symptome, nie Leberabszess, Krankheitsherde nur im Dickdarm. Ge¬
schwüre gewöhnlich auf den vorspringenden Falten) werden Tenes-
mus und Schmerzen mit in regelmässigen Intervallen wiederholten
Morphiuminjektionen gestillt. Zur Vermeidung der Darmreizung wer¬
den nur klare Suppen (Hühnersuppe, Molken) gereicht. Auch von
Milch ist abzusehen. Eine Desinfizierung des Darmes wird durch Ab¬
führmittel, durch spezifische Sera und durch Einläufe versucht. Eine
Gabe Rizinusöl soll jede Kur beginnen und ist in der Lage, leichte
Fälle zu coupieren. Salinische Abführmittel scheinen vom Kalomel
übertroffen zu werden (Kalomel 0,03, stündlich 1 Pulver, bis 12 Pulver
am Tage genommen sind.) Nach 2—3 tägiger Kalomelbehandlunc
wird stündlich 0,36 g Bismuth. subnitr. gegeben. Der Erfolg der spe¬
zifischen Sera wird dem des Diphtherieantitoxin an die Seite ge¬
stellt. Einläufe kommen nur in subakuten und chronischen Fällen
in Betracht. Leichte Argentum-nitr.-Lösungen sollen im Mastdarm
möglichst lange zurückgehalten werden. Gegen oft drohenden Skor¬
but soll mit Pflanzensäuren-reicher Diät, gegen Herzschwäche mit
Exzitantien vorgegangen werden.
Bei Amöbendysenterie (chronischer Verlauf, keine toxi¬
schen Symptome, Leberabszess in 16 Proz. aller Fälle, Dünndarm
häufig beteiligt, Geschwüre unterminiert) steht die Ipecacuanha-
behandlung an der Spitze aller Methoden. Unter grossen Ipe-
cacuanhadosen (1,2—2,4 g) kann eine Amöbenhepatitis zurückgehen
Verf. empfiehlt, jede Nacht langsam abnehmende Dosen von 1.8 bis
2,4 g Ipecacuanha bei Suppendiät zu reichen, denen später am Tage
kleine Rizinusöldosen zugefügt werden. Es schliesst sich an: Sima-
ruba und Salol oder Bismuthum salizylicum. Bleiben Medikamente
erfolglos, so sollen im chronischen Stadium Einläufe mit Chinin
1 auf 5000 steigend bis 1 auf 100 gemacht werden. Aus den Tropen
empfiehlt sich Heimsendung, später Karlsbader Kuren und Duschen
nach den Methoden von Plombi£res.
Besondere Anerkennung verdient die scharfe Sonderung in der
Behandlung der Bazillen- und Amöbendysenterie.
S k e 11 o n: Einige Beobachtungen über Schwarzwasserfieber.
(Daselbst, Bd. X, H. 6.)
Ausführliche Abhandlung, aus der einiges wiedergegeben sei.
Schwarzwasserfieber ist heutzutage häufiger, aber harmloser als
früher. Wo Malaria den höchsten endemischen Index erreicht, da ist
Schwarzwasserfieber. Besonders herrscht es vor an stark mit
Tropikafieber verseuchten Plätzen. Aber von 2 sonst gleich malaria¬
verseuchten und ähnlich gelegenen Plätzen kann der eine von
Schwarzwasserfieber frei sein, der andere ihm Lieblingsplatz sein.
Schwarzwasserfieber wurde nicht eher als nach 6 monatlichem Auf¬
enthalt in den Tropen beobachtet. (Ref. sah es in Ostafrika mehrfach
nach 3—4 monatlichem Aufenthalt.) Es erreicht die höchsten Zahlen
bei Menschen, die ihr drittes Jahr in den Tropen verbringen. Vorn
fünften Jahr ab an w'ird es sehr selten. Es scheint relative Immunität
gegen Schwarzwasserfieber einzutreten. Die Häufigkeitskurve im
Jahr geht mit der Malariakurve Hand in Hand. Verf. unterscheidet
bei Schwarzwasserfieber ein hämoglobinurisches Sumpffieber ohne
Zusammenhang mit Chinin und eine Chininintoxikation bei Malaria.
Bei ersterem bevorzugt er Chininbehandlung (Eingüsse ins Rektum).
Er hat keinen mit Chinin behandelten Fall verloren.
Birt: Pest. (Daselbst, Bd. X, H. 6.)
B. teilt den wesentlichsten Inhalt der Forschungen des Pest¬
komitees mit, der in folgenden Sätzen zusammengefasst ist. Die sehr
ansteckende Lungenpest ist selten, weniger als 3 Proz. aller Fälle.
Bubonenpest beim Menschen ist in ihrem Auftreten völlig von Ratten¬
pest abhängig. Uebertragung geschieht von Ratte zu Ratte und von
Ratte zum Menschen nur durch Rattenflöhe. Bubonenpest beim Men¬
schen ist nicht direkt kontagiös. Eine grosse Anzahl von Pesttallen
bleiben Einzelfälle in einem Hause. Wenn mehr als ein Fall in einem
Hause vorkommt, so erkranken meist alle zugleich. Pest wird von
Ort zu Ort durch infizierte Rattenflöhe am Menschen oder in seinem
Gepäck verschleppt. Unhygienische Zustände begünstigen nur in¬
sofern die Pestausbreitung, als sie die Rattenplage vermehren.
Zeit des Schiummerns der Epidemien unter den Menschen wird durch
Epidemien unter den Ratten überbrfickt.
Original from
UINIVERSITY OF CALIFORNIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
201
Es folgt eine kurze Schilderung der Rattenarten und ihrer Lebens¬
gewohnheiten, weiterhin Mitteilung über recht günstige Erfolge mit
Präventivimpfung nach H a f f k i n e, wonach bei rechtzeitig geimpften
Europäern jeder Pestanfall in Qenesung ausgeht.
MacCullough: Geschichte der Epidemien auf Guam. (United
States Naval Medical Bulletin. Vol. II, H. 3, Juli 1908.)
Windpocken sind seit langem heimisch und unterscheiden
sich nicht von denen des Kontinents. Im Jahre 1856 wurden Pocken
eingeschleppt und rafften von einer Bevölkerung von 40 000 bis
60 000 vier Fünftel hinweg. Masern traten 1878 und 1889 auf.
Bei beiden Epidemien erkrankte fast jedes Kind und viele Erwachsene.
Von ersteren starben etwa 20 Proz., von letzteren etwa 16 Proz.
Keuchhusten wird aus dem Jahre 1882 und 1898 berichtet.
Während bei der ersten Epidemie die Sterblichkeit überaus gross
war, — es starben 400 Kinder bei einer Gesamtbevölkerung von
6000 — unterschied sie sich bei der zweiten Epidemie nicht von
der Europas. Eine Epidemie akuter Poliomyelitis an¬
terior infantum trat 1899 auf, blieb aber auf die eine Hälfte
der Insel beschränkt, wo jetzt noch zahlreiche Folgezustände von ihr
zeugen. Scharlach und Röteln kamen nicht vor, doch ein
epidemische Urtikaria genanntes Exanthem. Sichere Sy¬
philis wurde trotz zahlreicher Einschleppungsgelegenheit nicht be¬
obachtet.
Hoyt: 300 Kotuntersuchungen mit besonderer Berücksichtigung
des Nachweises von Amöben. (Daselbst, No. 3, Vol. II, Juli 1908.)
Im Canacao Marine Hospital (Manila) wurde der Stuhlgang von
300 Kranken, wie sie gerade anwesend waren (darunter 17 einge¬
borenen Philippiner, die übrigen Weisse) untersucht. Verf. glaubt die
Amoeba coli und hystolytica im Deckglaspräparat nicht unterscheiden
zu können. Er fand bei 34,6 Proz. bewegliche Amöben, bei 15.3 Proz.
bewegliche Flagellaten, bei 10 Proz. Askariseier, bei 6,6 Proz. Tricho-
zephaluseier, bei 3,3 Proz. Ankvlostomaeier. 20 von den 300 hatten
Dysenterie. Bei den letzten 100 wurden Proben auf okkulte Blut¬
beimengung gemacht. Bei nachgewiesenen beweglichen Amöben war
in 71,4 Proz. der Blutnachweis positiv, davon wurden 7 mit der
Diagnose Dysenterie geführt. Wenn bewegliche Amöben nicht nach¬
gewiesen waren, wurde nur in 6 Proz. Blut gefunden, davon zweimal
bei Ankylostoma, einmal bei Flagellaten und in einem Fall von Chole¬
zystitis mit Gallensteinen. Die Verhältniszahl der Infizierten wuchs
mit der Dauer des Aufenthaltes auf den Philippinen.
John F. U r i e: Organisation der ärztlichen Tfllfe am Bord von
Kriegsschiffen im Gefecht. (Daselbst, Bd. II, H. 3.)
Die ärztliche Hilfe am Bord von Kriegsschiffen nach einem
Gefecht beschränkt sich mit Ausnahme von Notoperationen auf die
erste Hilfe. Zur Bergung der Verwundeten sind 4 Proz. der Be¬
satzung als am Gefecht nicht teilnehmende Krankenträger (relief
corps) auszubilden. Sie sind nach Vorgang der Japaner den Köchen,
Kellnern, Musikern und Handwerkern zu entnehmen. Sie sind wäh¬
rend des Gefechtes in Deckung zu halten. Ihre erste Pflicht ist schleu¬
nige und sorgfältige Bergung von Verwundeten und Toten. Hilfe
wird nicht am Orte der Verletzung, sondern erst auf den Gefechts¬
verbandplätzen geleistet. Hilfsstationcu (relief stations). die ohne
Aufsicht sind, haben sich nicht bewährt. Dagegen sollen fertige Ver¬
bände für kleinere Verletzungen überall erreichbar verteilt werden.
Bei der Konstruktion der Schiffe sind 2 Gefechtsverbandplätze (dres-
sing Station) unter Panzerdeck mit genügend grossem Zugang und der
nötigen Zuführung von Licht. Luft und Wasser vorzusehen, einer
hinten, einer vorn im Schiff. Die Transportmittel sind nach der Bauart
des Schiffes verschieden. Der Handtransport snielt die wesentlichste
Rolle. Die Ausrüstung soll einfach, aber reichlich sein und ist wäh¬
rend des Gefechtes unter Panzerschutz zu verstauen.
Corbusier: Die durch Sonnenstrahlen und künstliche Hitze
hervorgerufenen Erkrankungen. (The Military Surgeon, Bd. XXII.
1908, H. 6.)
Verf. weist auf die Rolle der chemisch wirksamen ultravioletten
Strahlen bei den tropischen Erschöpfungszuständen hin. Er schlägt
vor. diese Krankheitszustände je nach ihrer wesentlichsten Ursache
mit verschiedenen Namen zu benennen. Den durch die ultravioletten
Sonnenstrahlen erzeugten Zustand, der mit starken Kopfschmerzen,
Erbrechen. Trockenheit der Schleimhäute, hohem Fieber, schnellem,
unregelmässigen, oft aussetzendem Puls, Zyanose, heisser, zunächst
feuchter, dann trockener Haut, stertorösem Atmen. Fehlen der Re¬
flexe, Konvulsionen. Bewusstlosigkeit und oft Tod einhergeht, nennt
er Siriasis (Insolation). Den in erster Linie durch Sonnenhitze ver¬
ursachten Zustand plötzlicher Schwäche (Durst, Kopfschmerz,
Schwindel. Lendenschmerz, feuchte, kalte Haut. Uebelkeit. schnelles
und oberflächliches Atmen, kleiner Puls, normale oder untcrnormale
Temperatur, nicht komplette Bewusstlosigkeit) nennt er Sonnenstich
fSun-stroke). den durch künstliche Hitze allein erzeugten Zustand
Hitzerschöpfung (Heat exhaustion). Die Symptome ähneln denen des
Hitzschlages.
Ashburn und Graig: Beobachtungen über Treoonema oer-
tenuls (Ca stella nl) und über die exnerlmentelle Uebertragung
von Yaws auf Affen. (Daselbst, Bd. XXIIT. H. 2 und 3. 1908.)
Die Verf., die mit der Untersuchung der Tropenkrankheiten auf
den Philipninen beauftragt sind, bringen nach umfassender Darstel¬
lung der Geschichte, der Untersuchungsmethoden und Morphologie
des Treponema pertenuis als bemerkenswertesten Teil der Arbeit
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ihre Experimente am Affen. Impfung von Affen mit Serum aus
menschlichen Frambösiegeschwüren ging stets an. Uebertragung von
Affe zu Affe gelang nicht. Reinfektion eines Affen, der Frambösie
überstanden hatte, mit menschlichem Frambösieseruin Hess sich nicht
erzielen. Infektion mit Syphilis wurde nicht erreicht. Die Inkuba¬
tionszeit beim Affen (Cynomolgous philippinensis, Goeft'roy) betrug
zwischen 16 und 35 Tagen, die Krankheitsdauer 21—84 Tage. Die
Krankheit zeigte sich nur als lokale Infektion, die sich zum Teil
durch direkte Ueberimpfung ausbreitete. Sekundärerscheinungen
und Allgemeinerscheinungen wurden nicht beobachtet. Treponema
pertenuis wurde stets nachgewiesen.
Die Verf. folgern: Treponema pertenuis findet sich stets im Serum
der Frambösiegeschwüre und ist die Noxe der Frambösie. Die Man¬
nigfaltigkeit der Formen des Treponema pertenuis lässt sich als Kunst¬
produkt erklären, Treponema pertenuis und pallidum lässt sich durch
Experimente am Affen unterscheiden. Yaws und Syphilis sind ver¬
schiedene Krankheiten: Treponema pertenuis lässt sich nach Lc-
vaditis Methode in Schnitten von Yawspapeln nachweisen.
zur Verth - Berlin.
Inauguraldissertationen *).
Franz Johann Fligg: Ueber den Wert der Lymph-
drüsenquetschung nach Bloch und der intramam-
märenlnfektionfürdieSchnelldiagnosederTuber-
kulose bei Meerschweinchenimpfung. (Aus dem hyg.
Inst, der tierärztl. Hochschule zu Berlin.) Durch die subkutane Imp¬
fung, verbunden mit Quetschung der Kniefaltendrüse, lässt sich in
9—11 Tagen feststellen, ob Tuberkulose vorliegt oder nicht. Die
intramuskuläre Impfung mit Quetschung der Kniefaltendrüsc führt
ebenso schnell zum Ziele. Es lässt sich aber auch durch die intra¬
muskuläre Impfung ohne Quetschung der Kniefaltendrüse in 9—11
Tagen eine sichere Diagnose stellen. In allen Fällen müssen sicher¬
heitshalber mehr als zwei Tiere geimpft werden. Die nach der Imp¬
fung auftretende Schwellung der Lymphdriisen ist für die Tuber¬
kulose charakteristisch. Durch die intramammäre Impfung lässt sich
in 7—12 Tagen die tuberkulöse Natur eines pathologischen Prozesses
sicherstellen. (Giessen 1908, 68 Seiten.)
Aus den Untersuchungen von Hermann Strauss über die
Resistenz der roten Blutkörperchen beim Ikterus
ergibt sich, dass bei dem gewöhnlichen Ikterus mit klinisch wahr¬
nehmbaren Leberveränderungen, einschliesslich des infektiösen Ikterus
und der Cholämie, die roten Blutkörperchen eine Resistenzerhöhung
gegenüber der Norm zeigen, dass gelegentlich bei der Anämie eine
Herabsetzung der Resistenz auftritt. dass es aber nicht gelungen ist,
weder beim akquirierten noch beim kongenitalen chronischen Ikterus
eine einwandsfreie hämolytische Form festzustellen.
Paul Jürgens: Ueber den Unterschied zwischen
Mord und Selbstmord durch Erdrosselung unter
Veröffentlichung dreier Fälle von Selbsterdrosse¬
lung. (Berlin 1908, 68 Seiten.) Thesen: I. Bei der Differential¬
diagnose zwischen Mord und Selbstmord durch Erdrosselung ist ab¬
zuschätzen, ob der Obduktionsbefund in richtiger Beziehung steht:
a)zu der Körperkraft, die bei dem Verschiedenen zur Zeit des Todes
als vorhanden gewesen anzunehmen ist, b) zu den bei der Konstrik¬
tion in Betracht kommenden Faktoren: 1. der Art des Strangwerk¬
zeuges, 2. der Art und Weise der Anbringung, 3. dem Angriffspunkte
der Konstriktion, 4. der zu dem erreichten Grade derselben nötigen
Kraft. II. Zeichen gleichtnässiger Konstriktion sprechen bei der Er¬
drosselung für Selbstmord, solche ungleichmüssigcr Manipulation, be¬
sonders Kombination mit Würgen, lassen Mord wahrscheinlich er¬
scheinen. III. Bei der Erdrosselung sprechen kompliziertere Strang-
Vorrichtungen für Selbstmord, einfache Vorrichtungen für Mord.
Fritz Lo c b.
Neu erschienene Dissertationen.
Universität Marburg. Dezember 1908.
Nakazawa Tatsuso: Zur Blutentwicklung bei Triton crustatus.
Wagner Franz: Das operative Vorgehen bei grossen Mastdarm¬
prolapsen, insbesondere Erwachsener, unter Mitteilung eines von
Prof. Friedrich eingeschlagenen Verfahrens.
Universität Würzburg. November und Dezember 1908.
Biederbeck Josef: Neue Untersuchungen über die Absorption
von Nikotin und Ammoniak aus Luftmischungen und dem Zi¬
garettenrauch.
Glotzbach Josef: Ueber die Schmeckbarkeit der gewöhnlichsten
Wasserverunreinigungen.
Kunz Ferdinand: Ueber die hämolytischen Eigenschaften des kar-
zinomatösen Magensaftes und ihre diagnostische Bedeutung.
Loth Willi: Einige Beobachtungen über den Einfluss von Bakterien
auf Diastase und Ptyalin.
Rübel Eugen: Ueber das Gewicht der rechten und linken Gross¬
hirnhemisphäre im gesunden und kranken Zustand.
*) Zusendung von Dissertationen an die Adresse der Redaktion,
München, Arnulfstrasse 26, erbeten. Besprechung Vorbehalten.
Original ffom
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
302
MUENCHCNER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4
Auswärtige Briefe.
Briefe aus England.
Weibliche Kandidaten und das „Royal College of Surgeons“.
— Auszeichnungen. — Schulärzte. — Die Lordrektorschaft der Uni¬
versität Edlnburg. — Nahrungsmittelkonserven.
Vor einigen Jahren beschloss das Royal College of Surgeons
Frauen zu seinen Prüfungen nicht zuzulassen. Unterdessen haben
sich offenbar innerhalb des College die Meinungen geändert, denn im
Oktober v. J. wurde endgültig beschlossen, Frauen zu allen Prü¬
fungen zuzulassen. Frauen können jetzt also Fellow des Royal Col¬
lege of Surgeons werden, vorausgesetzt, dass sie imstande sind die
beiden recht schwierigen Prüfungen des College zu bestehen. Nach
unserer persönlichen Anschauung können wir das College zu diesem
Beschluss nicht beglückwünschen. Soviel ist sicher, dass Frauen
nach den bestehenden Satzungen, wenigstens in Bezug auf die Lei¬
tung des College, keine Stimme haben können. Ebenso wie sie
niemals gute Chirurgen sein können. Weibliche Aerzte sind häufig
hartherzig und besitzen in der Regel nicht die Ausdauer, die für den
Chirurgen so notwendig ist. Durch die Zulassung zur Fellowschaft
des College hat man ihnen überdies Anwartschaft auf die höchsten
Hospitalstellungen gegeben. Es wird ein dies nefastus sein, an dem
Frauen anfangen, in unseren Operationssälen das Messer zu führen
und in unseren Krankensälen Befehle zu erteilen.
Unter den Auszeichnungen, die kürzlich vom Könige verliehen
wurden, bemerken wir mit Vergnügen diejenigen des Sir Thomas
Lauder B r u n t o n, der zum Baron ernannt wurde, und des Arztes
des verstorbenen Premierministers. Dr. William B u r n e 11, dem die
Ritterschaft verliehen wurde. Sir Thomas Lauder Brunton, be¬
kannt wegen seiner Verdienste um die englische Therapeutik, war
einer der Qründer der therapeutischen Gesellschaft in London und
beteiligte sich in früheren Jahren lebhaft an ihren Verhandlungen.
Dr. B u r n e 11 promovierte an der Universität Aberdeen und schrieb
ein Buch über Diätetik, das sehr gut aufgenommen wurde und nament¬
lich von Studierenden viel benützt wird.
Die Anstellung von Schulärzten auf Grund des neuen Gesetzes,
betreffend die ärztliche Ueberwachung der Schulen, schreitet schnell
vorwärts. Die Honorare betragen 150—350 oder selbst 400 £
jährlich. Die Pflichten, die mit dem Amt des Schularztes verknüpft
sind, sind sehr verschieden. In der Regel wird vom Schularzt eine
gründliche Kenntnis der Kinderkrankheiten verlangt. Er soll ferner
in den meisten Fällen ein Diplom für Staatsmedizin oder öffentliches
Gesundheitswesen besitzen. Zu seinen Aufgaben gehört die Gesichts¬
und Gehörsprüfung der Schulkinder seines Bezirkes, die Untersuchung
der Luft der Schulräume und die Beratung der Schulbehörden. Ueber
alle sanitären Fragen der Schule, bei Neubauten von Schulhäusern
hat der Schularzt sein Gutachten abzugeben in Bezug auf Lage,
Ventilationseinrichtungen etc. Der Schularzt muss, mit anderen Wor¬
ten, ein Sachverständiger sein in allen Fragen der Schulhygiene, ein
Sanitätsbeamter sowohl wie ein Spezialist für Kinderkrankheiten.
Seine Aufgaben sind zweifellos sehr schwieriger Art und die Be¬
zahlung erscheint im Verhältnis zu den besonderen Kenntnissen, die für
die Ausfüllung eines solchen Postens nötig sind, ungenügend. In
kleineren Städten fungiert der Medizinalbeamte in der Regel auch als
Schularzt, eine Einrichtung, die sicher nichts weniger als befriedigend
ist. Nach unserer Meinung sollten in allen Fällen diese Aemter völlig
voneinander getrennt sein. Es ist kein Zweifel, dass die sorgfältige
und systematische Untersuchung der Kinder der niederen Schulklassen
die besten Resultate ergeben wird. Die Konstatierung körperlicher
Defekte wird sicher in vielen Fällen bewirken, dass Kinder durch
rechtzeitige Behandlung vor Siechtum bewahrt und zu nützlichen Glie¬
dern der Gesellschaft herangebildet werden könnn.
Professor Osler von Oxford war kürzlich Kandidat für die
Lordrektorschaft der Universität Edinburg. Dieses Amt wird jeweils
auf 3 Jahre vergeben und zwar durch Abstimmung der Studenten.
Diesmal waren es 3 Kandidaten. Es kam zu verschiedenen Schlä¬
gereien zwischen den gegnerischen Korporationen der Studierenden
und zu verschiedenen Verletzungen und Arretierungen seitens der
Polizei. Es war eine aufregende Zeit. Die Komiteeräume der An¬
hänger Professor Oslers waren von den Gegnern vollkommen zer¬
stört, aber auch das Hauptquartier der letzteren wurde angegriffen.
Schliesslich unterlag Professor Osler gegen eine Majorität von 200
Stimmen und der unionistische Kandidat Mr. W y n d h a m wurde
ernannt. Die Aufregung unter den Studenten bei der Verkündigung
des Wahlresultates war gross und massenhaftes Schiessmaterial in
Form von faulen Eiern, Mehl und anderen Materialien ergoss sich
über die Kleider der Anhänger Professor Oslers.
Vor kurzem erstattete Dr. MacFadyean im Local Govern¬
ment Board einen Bericht über Konservierungsmittel von konser¬
viertem Fleisch in Zinn- und Glaspackungen. Er fand, dass 19 Proz.
dieser Konserven Konservierungsmittel enthielten. Er kam zu dem
Schluss, dass gewisse chemische Konservierungsmittel bei der Her¬
stellung von Büchsenfleisch nicht gebraucht werden sollen und dass
Formalin, Borax und Borsäure, schweflige Säure und Benzoesäure
als Zusatz zu solchen Nahrungsmitteln verboten werden sollen. Die
Fabrikanten sollen angewiesen werden, keinerlei Art von Präparaten,
welche zum Zweck der Verfälschung von Fleisch in den Handel ge¬
bracht werden, zu kaufen, wenn sie sich nicht von der Harmlosigkeit
der Zusammensetzung vollkommen überzeugt haben. Die Nahrungs¬
mittel in Büchsen sollten so etikettiert sein, dass der Ursprung zu
jeder Zeit festgestellt werden kann. Vor einigen Jahren wurde ein
Bericht über Rahmkonserven erstattet. Dieser Bericht verlangt dass
alles, was mehr als 40 Gran auf die Gallone an Borax oder mehr als
1 :10 000 an Formalin enthält, als Fälschung zu betrachten sei. Es
ist aber allgemein bekannt, dass in England sowohl Butter wie Speck
und andere Nahrungsmittel mit Borsäure oder Borax konserviert
werden, was zweifellos gesundheitsschädlich ist, wenn grosse Mengen
von dem betreffenden Nahrungsmittel genossen werden. Herrn Dr.
MacFadyeans Bericht ist daher im gegenwärtigen Zeitpunkt
von grosser Bedeutung. J. B.
Briefe aus Moskau.
Moskau, im Dezember 1908.
Die Cholera in Moskau und in Petersburg.
Trotzdem die kältere Jahreszeit schon seit langem angebrochen
ist und im grössten Teile Russlands bereits strenger Winterfrost
herrscht, ist doch die Cholera in einer ganzen Reihe russischer Qou-
vernements und Gebiete noch immer nicht erloschen. Nicht nur sind
die zentralasiatischen Provinzen Ferghana, Syr Dar ja Samarkand
und Akmolinsk noch verseucht, nicht nur wütet noch die Krankheit
in den sibirischen Gouvernements Tomsk und Jenisseisk, nicht nur
haben noch die südlichen Gegenden, wie Taurien, Zis- und Transkau-
kasien, sowie Transkaspien unter der Epidemie zu leiden, sondern
auch aus so manchen Gouvernements des europäischen mittleren
Russlands, wie Samara, Saratow, Jekaterinoslaw, Chersson, Kiew,
Tambow, Twer, Poltawa, Orel, Livland, aus dem Dongebiet, ja sogar
aus dem nördlichen Olonezk werden unausgesetzt neue Cholerafälle
gemeldet. In der ersten Novemberwoche (alten Stils) erkrankten im
russischen Reich nach den offiziellen Ausweisen an der Cholera 446
und starben 225 Personen, in der zweiten Novemberwoche erkrankten
406 und starben 210, in der dritten 223 und 84, während seit Be¬
ginn der Choleraepidemie bis Ende November (a. St.) mindestens
30 000 Personen erkrankt und 14 000 gestorben sind.
Am heftigsten jedoch grassiert die Cholera noch immer in Peters¬
burg. Unsere Haupt- und Residenzstadt hat auch hier ihren Vorrang
zäh zu behaupten gewusst und nimmt während der diesjährigen Epi¬
demie hinsichtlich der Morbiditäts- und Mortalitätsziffer, sowie auch
der Persistenz der Seuche unter sämtlichen russischen Städten den
ersten Platz ein, der wohl kaum als Ehrenplatz bezeichnet werden
kann. Es war einmal dort eine schöne Zeit (Mitte November), wo
die tägliche Anzahl der Neuerkrankungen 15 nicht überstieg, und
es bereits scheinen wollte, als sei die Choleraepidemie endlich im Er¬
löschen begriffen, aber da flackerte die Seuche wieder auf. und die
tägliche Erkrankungsziffer begann sich zwischen 25 und 35 zu be¬
wegen. Insgesamt sind bisher in Petersburg seit dem Ausbruch der
Epidemie etwa 8500 Personen an der Cholera erkrankt und ca. 3450
gestorben, wobei der Gang der Epidemie in wöchentlichen Perioden
sich folgendermassen repräsentiert:
Vom 24. August bis
zum
30. August (a. St.)
Erkrankt:
197
Gestorben
53
. 31. „
9
6. Sept.
1805
567
» 7. Sept.
9
13. *
2568
1113
„ 14. ff
9
20. „
1535
703
, 21. .
9
27. -
794
381
• 28. .
9
4. Okt.
418
193
, 5. Okt.
9
11. ,
257
111
. 12. •
9
18. .
126
71
. 19. „
9
25. .
103
44
, 26. „
1. Nov.
105
34
„ 2. Nov.
8. „
70
26
. 9. ff
9
15. ,
112
32
, 1 6. „
M
22. ,
154
45
Es bedarf wohl kaum des Hinweises, dass diese offiziellen An¬
gaben zweifelsohne hinter der Wirklichkeit Zurückbleiben und die
Zahl der Opfer tatsächlich eine grössere ist.
Im krassesten Gegensatz zu dem entsetzlichen Wüten der
Cholera in Petersburg stehen die 16 Fälle, die während der ganzen
russischen Pandemie 1908 in Moskau beobachtet worden sind und
von denen die Hälfte überdies bei der panikartigen Flucht der Resi¬
denzbewohner nachgewiesenermassen aus Petersburg eingeschleppt
war. Ohne diesen unliebsamen Import und die vielleicht nur durch
diesen allein bewirkte kleine Kontaktepidemie wäre Moskau wohl
gänzlich vom Besuche des asiatischen Gastes verschont geblieben.
Dieser kolossale Unterschied zwischen der „nordischen Pal¬
myra“, wie Petersburg von den Lokalpatrioten an der Newa mit Stolz
genannt, und dem „grossen Dorfe“, wie Moskau von ihnen halb ver¬
ächtlich bezeichnet wird, wirkte auf die russische Gesellschaft im
höchsten Grade frappierend und verblüffend. In der Tat ist es auch
keinem Sterblichen je eingefallen, Moskau als saubere, hygienisch
einwandfreie Stadt zu betrachten. In der alten Zarenstadt findet man
Schmutz in nicht minder erheblicher Ouantität und von nicht minder
duftiger Qualität als in jedem beliebigen Krähwinkel Halbasiens.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
203
Das Strassenpflaster (spitzes, sog. rauhes Pflaster aus Geröllen mit
Sandüberdeckung) ist das elendeste, das man sich nur denken kann,
und entwickelt in der trockenen Jahreszeit einen Staub, der in dich¬
ten, erstickenden Wolken über der ganzen Stadt schwer lagert. Die
Wohnungsverhältnisse in den ärmeren Stadtvierteln spotten jeglicher
Beschreibung; mehr als ein Sechstel der Bevölkerung (etwa 25 000
Personen) lebt in Aftermiete und in Kämmerchen und Schlafstellen,
denen es an Licht und Luft vollständig mangelt. Die Sterblichkeit an
Masern, Scharlach, Diphtherie, Keuchhusten, kruppöser Pneumonie,
Influenza hat in den letzten Jahren nicht nur nicht abgenommen,
sondern ist eher in steter Zunahme begriffen. In jüngster Zeit herr¬
schen hier alljährlich ausserordentlich heftige Rekurrens- und Fleck¬
typhusepidemien. Die Blattern gehen nicht aus, und vorigen Winter
gab’s eine grosse Pockenepidemie.
Und trotz alledem nur 16 Cholerafälle in Moskau gegen 8500
in Petersburg- Dieser merkwürdige Umstand ist noch auffallender,
wenn man bedenkt, dass Moskau im Herzen Russlands belegen ist,
den Knotenpunkt zahlreicher Eisenbahnlinien bildet, die hier von allen
Himmelsrichtungen einmünden, mit den Wolgastädten und mit Peters¬
burg im regsten Verkehre steht und beim Vordringen der Cholera
vom Süden nach dem Norden Russlands einen nicht zu umgehenden
Etappenpunkt darstellt.
Als man daraufhin in der Vergangenheit Umschau zu halten be¬
gann und die Epidemiologie der Cholera in Russland während des
verflossenen Jahrhunderts näher ins Auge fasste, da stellten sich noch
weitere befremdende Tatsachen heraus. Während der 5 oder 6
grossen Pandemien, die im Laufe des XIX. Jahrhunderts ihren ver¬
heerenden Siegeszug durch das russische Reich hielten, hatte Peters¬
burg (von 1830 bis 1872) insgesamt 23 Cholerajahre durchzumachen,
Moskau hingegen 20. In Petersburg betrug die Anzahl der Cholera¬
jahre, die sich durch beträchtliche Intensität der Epidemie (mehr als
1 Prom. Mortalität auf die Einwohnerzahl berechnet) auszeichneten,
10, in Moskau dagegen waren bloss 7 derart schwere Cholerajahre
zu verzeichnen. In Petersburg belief sich die durchschnittliche Dauer
einer jeden Choleraepidemie auf 39 Wochen, in Moskau auf nur
26 Wochen. Petersburg ist auch die einzige Stadt, in der Cholera¬
epidemien das runde Jahr (durch 52 Wochen) anhielten.
Ferner herrschte die Cholera während der Pandemie Anfang der
neunziger Jahre in Moskau nur 2 Jahre lang, und zwar 1892 und
1893, zeichnete sich durch geringe Intensität aus, war hauptsächlich
in den am Moskauflusse belegenen Stadtteilen konzentriert und ergriff
fast ausschliesslich die untersten Volksklassen. In Petersburg hin¬
gegen wütete die Cholera 5 Jahre lang, und zwar im dritten Jahre
(1894) stärker als im zweiten, und erforderte noch 2 Jahre bis zum
völligen Abklingen.
Als diese für die Hauptstadt wenig erfreulichen und in Zukunft
wenig Gutes verheissenden epidemiologischen Tatsachen zum Be¬
wusstsein kamen, erfolgte allgemeines Schütteln des Kopfes. Die
grosse Russische Gesellschaft für Volksgesundheitspflege beschloss
eine vereinigte Sitzung ihrer sämtlichen 5 Sektionen einzuberufen,
um unter Heranziehung der hervorragendsten Vertreter medizinischer
Wissenschaft und Praxis, sowie in Gegenwart der Spitzen der kom¬
munalen Behörden und der Stadtvertretung die Frage, wie die
Choleragefahr in Russland überhaupt und in der Residenz im be-
sondern am zweckmässigsten und aussichtsvollsten zu bekämpfen sei,
einer eingehenden Erörterung zu unterziehen und der Klärung ent¬
gegenzuführen. Diese feierliche Sitzung fand Mitte November statt,
und die wohl treffendste Lösung der Frage gab in einem gehaltvollen,
durch zahlreiche Diagramme, Kartogramme und Kurven erläuterten
Vortrag Dr. Philipp Blumenthal aus Moskau, der in den Sälen
des Vereins für Volksgesundheitspflege auch eine Ausstellung ver¬
anstaltete, in welcher das die Cholerabekämpfung betreffende ver¬
schiedenartige und weit zerstreute Material in übersichtlicher Weise
zusammengetragen und systematisiert war.
Nach Blumenthals Ansicht, die wohl kaum ernstlichen Ein¬
wänden begegnen dürfte, sind Wasserversorgung und
Kanalisation, vorzüglich die erstere, die wichtigsten und er¬
folgreichsten Massnahmen im Kampfe gegen die Cholera. Während
nun auf diesem Gebiete Moskau Bedeutendes geleistet hat, ist in
Petersburg hingegen nach dieser Richtung fast nichts geschehen. Und
hierin liege des Rätsels Lösung.
Bereits im letzten Viertel des XVIII. Jahrhunderts begann man
in Moskau für gutes, reines Trinkwasser zu sorgen. 15 km in nord¬
östlicher Richtung von der Stadt entfernt, in der Nähe des Dorfes
Gross-Mytiszczy, befinden sich ergiebige Quellen, die ein vortreff¬
liches Wasser liefern. Schon im Jahre 1779 wurde an den Bau einer
Wasserleitung geschritten, die das Wasser dem Quellengebiete von
Mytiszczy entnahm und vermittels einer unterirdischen gemauerten
Galerie mit natürlichem Gefälle der Stadt zuführte. Diese erste sog.
Katharinen-Wasserleitung, deren Bau im Jahre 1805 be¬
endet wurde und die bis 1853 funktionierte, leitete der Stadt etwa
40000 Eimer*) Wasser täglich zu oder bloss den achten Teil der
330 000 Eimer, die damals den Mytiszczy-Quellen entstömten. Die
übrige Hauptmasse des Wassers ging durch Spalten und Risse ver¬
loren, die sich in der gemauerten Galerie gebildet hatten, während
•) 1 Eimer (Wedrö) = 12,3 Liter.
durch dieselben Spalten Grundwasser in die Galerie eindrang und
das früher ausgezeichnete Leitungswasser verunreinigte und ver¬
schlechterte.
Im Zeitraum von 1853 bis 1858 wurde die Katharinen-Wasser¬
leitung nach dem Entwurf des Ingenieurs A. D e 1 w i g einem gründ¬
lichen Umbau unterzogen. Die Leistungsfähigkeit der Mytiszczy-
Quellen wurde durch verschiedene technische Meliorationen beträcht¬
lich erhöht, und sie konnten bereits 500 000 Eimer Wasser täglich
liefern. Diese Wassermasse gelangte in gusseisernen Röhren, vor
verschmutzenden Zuflüssen geschützt, zu den beiden städtischen
Pumpwerken, von wo aus sie durch eine ausgedehnte Rohrleitung
ihrer Bestimmung zugeführt wurde. Diese sog. Delwig-Wasser-
1 e i t u n g funktionierte bis zum Jahre 1892.
Seit 1892 wurde durch eine ganze Reihe radikaler Massnahmen
im Quellengebiet und durch umfassende Verbesserungen und Vervoll¬
kommnungen des gesamten Betriebes die sog. Neue Mytiszczy-
Wasserleitung geschaffen, die nunmehr fast die ganze innere
Stadt mit gutem Quellwasser versorgt. Ursprünglich für die tägliche
Zuführung von 1% Millionen Eimer Wasser berechnet, vermag die
erweiterte Wasserleitung 2%, 2%, ja sogar zeitweise 3V* Millionen
Eimer täglich zu liefern. Es darf jedoch nicht verschwiegen werden,
dass die infolge der wachsenden Bevölkerung und der im Jahre 1898
in Betrieb gesetzten Kanalisation überaus gesteigerte Inanspruch¬
nahme der Mytiszczy-Quellen trotz der mehrfach ergriffenen Mass-
regeln zu einer Verschlechterung des Trinkwassers führte: der Grund¬
wasserspiegel im Quellenbassin sank immer mehr, und die Härte des
Wassers nahm (durch vermehrten Gehalt an Kalzium, Magnesium
und Schwefelsäure) progressiv zu.
Da nun die im Quellengebiet von Mytiszczy zur Verfügung
stehenden Wassermengen für den wachsenden Bedarf der Stadt nicht
mehr ausreichten und andererseits das Trinkwasser eine Aufbesse¬
rung seiner Eigenschaften erheischte, so musste natürlich das Be¬
streben des Moskauer Magistrates dahin gehen, neue Wasserquellen
zu erschliessen. Der Magistrat beschloss daher, die Wassermassen
des Moskauflusses für die Wasserversorgung der Stadt nutz¬
bar zu machen. Als Stelle für die Entnahme des Wassers aus dem
Flusse wurde die Gegend bei dem Dorfe Rublewo, 50 Kilometer
oberhalb Moskaus, gewählt. Hier trat man im Jahre 1900 an die
Errichtung eines grossartigen Pump- und Filterwerks heran, das seit
Januar 1904 den bis dahin noch mit Wasser unversorgten Stadtteilen
täglich etwa 3 Millionen Eimer mittels englischer Filter gereinigtes
Flusswasser zuführt. Die Pump- und Filteranlage von Rublewo be¬
steht aus folgenden Hauptteilen. Hart am Ufer des Moskauflusses
befindet sich ein in Mauerwerk ausgeführter Behälter. Aus dem
Aufnahmebehälter gelangt das Wasser in den 126 m langen, 58 m
breiten und 3,41 m hohen, gedeckten Sedimentierungsbehälter, der
einen Fassungsraum von 21 525 cbm besitzt, und von da mit natür¬
lichem Gefälle auf die englischen Sandfilter; in filtriertem Zustande
geht es sodann in das Sammelreservoir für das reine Wasser und
hernach wiederum mit natürlichem Gefälle in die Maschinen des
Pumpwerkes, die es in das hochgelegene städtische Reservoir treiben.
Das Filterwerk besteht aus acht englischen, 126 m langen,
24,22 m breiten Sandfiltern, deren ausnutzbare Filtrationsfläche
2667 qm beträgt. Der Filterbetrieb ist ein kombinierter, da man sich
auch des Fällungsverfahrens bedient, allerdings nicht das ganze Jahr
hindurch, sondern nur im Frühling und im Herbst, zuZeiten der Schnee¬
schmelze und starker Regengüsse. Als Fällungsmittel wird schwefel¬
saure Tonerde benutzt, die in 5proz. Lösung aus zwei grossen Bot ¬
tichen in den Sedimentierungsbehälter geleitet und im Rohw.isser
gleichmässig verteilt wird. Die schwefelsaure Tonerde verbind ^t sich
mit dem im Wasser vorhandenen kohlensauren Kalk oder Magnesium
umter Bildung von Kohlensäure, Tonerdehydrat und Schwefelsä.« r e,
die ihrerseits wiederum mit dem Kalzium oder Magnesium eine Ve r -
bindung eingeht. Das Aluminiumhvdrat fällt in gelatinösen Flocken
von grossem Volumen aus, die beim Entstehen die feinsten Suspen¬
sionen und Bakterien, welche sich im Rohwasser befinden, umhüllen
und zu Boden reissen. Auf die Sandschicht der Filter gelangt somit
schon ein relativ reines Wasser. Im Jahre 1906 wurde noch eine
Vorfilteranlage installiert, die das Wasser vor dem Eintritt auf die
eigentlichen Filter bereits erheblich zu verbessern vermag.
Dem Pump- und Filterwerk von Rublewo ist ein chemisch¬
bakteriologisches Laboratorium angegliedert, das den Betrieb in hy¬
gienischer Beziehung überwacht und mehr als 300 Wasseranalysen
monatlich ausführt. Dem letzten Berichte des Vorstandes dieses La¬
boratoriums, Herrn Dr. A. R a m m u 1. entnehmen wir folgende An¬
gaben über die durch die kombinierte Filtration erzielte Keimreduktion.
Der Keimgehalt des Rohwassers reicht mitunter an die 20 000 Bak¬
terien im Kubikzentimeter heran und betrug im Mittel .für das Jahr
1907 1786 Keime. Bereits das Verweilen des Wassers im Sedimen¬
tierungsbehälter führt eine Verminderung des Keimgehaltes um durch¬
schnittlich 50 Proz. herbei. Das Passieren der Vorfilter und der acht
eigentlichen Filter bewirkt eine weitere Retention von 97—98 Proz.
des Bakteriengehaltes, so dass schliesslich im Sammelreservoir der
Keimgehalt des Reinwassers im Mittel 16 pro Kubikzentimeter beträgt,
d. h. die Bakterienzahl im Kubikzentimeter Filtrat bleibt weit unter
der von Koch aufgestellten Maximalzahl von 100 Keimen. Jährlich
passiert das Sammelreservoir fast eine Milliarde Eimer hy-
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
204
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
gienisch einwandfreies Reinwasser. Die Unkosten für den gesamten
Reinigungs- und Filtrationsbetrieb belaufen sich auf 0,6 Kopeken
( : 1 Pfennig) pro 100 Eimer Wasser.
Seit 1897 besitzt Moskau für den grössten Teil der Stadt eine
Schwemmkanalisation nach dem Separationssystem, mittels
welcher die Fäkalien, Schmutz- und Abwässer (mit Ausnahme der
Meteorwässer), ohne den Boden zu verunreinigen, aus der Stadt ent¬
fernt und den kommunalen Rieselfeldern zugeführt werden. Die aus¬
gedehnte Rieselfelderanlage umfasst ein Areal von ca. 1460 Hektar.
Gegenwärtig ist ein sehr bedeutender Teil des Moskauer Stadtge¬
bietes in das Kanalisationsnetz, das noch nicht ganz ausgebaut ist, mit
eingeschlossen, und die Zahl der Immobilien, deren Angliederung
an die Kanalisation von ihren Besitzern freiwillig beantragt wird,
wächst mit jedem Jahre. Besonders die Furcht vor der in letzter
Zeit immerfort drohenden Choleragefahr hat eine heilsame Wirkung
ausgeübt und die Moskauer Hausbesitzer veranlasst, für den An¬
schluss ihrer Besitzungen an die Kanalisation Sorge zu tragen.
Neuerdings hat auch die Moskauer Stadtverwaltung mit viel
Eifer und Erfolg die biologische Reinigung der Abwässer einzuführen
versucht.
Was war nun die Folge dieser eingreifenden Assanierung der
Stadt? Wie wirkte die Verbesserung der Wasserversorgung und die
Schaffung der Kanalisation auf die gesundheitlichen Verhältnisse, auf
die Morbidität und Mortalität ein? Blumenthal macht darauf
aufmerksam, dass vor allem der Unterleibstyphus, diese exquisite
..Wasserkrankheit“, eine bedeutende Abnahme erfahren hat. Ver¬
gleicht man die Ausweise über die Erkrankungen und besonders die
Sterblichkeit an Abdominaltyphus vor und nach Durchführung der
Sanierungsmassuahmen auf dem Gebiete der Wasserversorgung und
Abfuhr, so stellt sich mit aller nur zu wünschenden Deutlichkeit
heraus, dass die Verbreitung dieser Krankheit in stetem Rückgang
begriffen ist und gegenwärtig sich in recht mässigen Grenzen hält.
Parallelgehend der abnehmenden Intensität des Abdominaltyphus
machte sich nach der Sanierung des Wassers und des Bodens ein
langsames, aber stetiges Sinken der Sterblichkeit an Lungenschwind¬
sucht bemerkbar, eine zwar merkwürdige, sonderbare und nicht leicht
erklärliche Erscheinung, die aber unter gleichen Umständen von
englischen Hygienikern und Sanitätsstatistikern bereits mehrfach be¬
obachtet und nachgewiesen worden ist.
Was nun die Cholera anlangt, so ist es jetzt wohl klar, warum
in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die Choleraepidemien
in Moskau an Heftigkeit immer abnehmen, warum die letzte Epidemie
1892—1893 von solch geringer Intensität war und warum während der
jetzigen Pandemie Moskau fast ganz verschont geblieben ist.
Und Petersburg? In Petersburg ist das Bild ein ganz anderes.
Vor allem besitzt die Residenz gar keine Kanalisation, und
infolgedessen sind der Boden sowie die Newa mit ihren 10 Zuflüssen
und 15 Kanälen, die insgesamt fast 18 Proz. des Gesamtareals der
Stadt ausmachen, in einem ganz ausserordentlichen Masse verun¬
reinigt und durchseucht. In zahlreichen Wasserproben, die während
der diesjährigen Choleraepidemie der Newa, ihren Zuflüsen und den
Kanälen entnommen wurden, gelang es auch mit Leichtigkeit, die An¬
wesenheit von Choleravibrionen nachzuweisen, umsomehr, als es
sich in der Folge herausgestellt hat, dass die Hospitäler die Ent¬
leerungen der Cholerakranken, ohne sie vorher unschädlich gemacht
zu haben, wohl mangels eines anderen Ausweges in die Newa gelangen
Messen und somit die einzige Trinkwasserquelle der Stadt infizierten.
Mit der Wasserversorgung ist es in Petersburg ebenso schlimm
bestellt. Es gibt in der Hauptstadt eine ganze Reihe von Quartieren
und von Häusern, die überhaupt gar keine Wasserleitung
besitzen, so dass die Bewohner ihr Trink- und Nutzwasser direkt
aus den verseuchten Kanälen schöpfen. Mehrere Stadtteile (die rechts
des Newaflusses belcgenen) erfreuen sich zwar einer Wasserleitung,
die ihnen jedoch unmittelbar aus der Newa unfiltriertes Roh¬
wasser — ich möchte sagen Schmutzwasser — zuführt. Der¬
artiges Wasser wird in einer Menge von 5 Millionen Eimer täglich
konsumiert. Die übrigen Stadtteile (die links des Flusses belegenen)
werden mit filtriertem Wasser versorgt: es existiert da ein Filter¬
werk mit 18 horizontalen englischen Sandfiltern, deren Leistungs¬
fähigkeit jedoch den an sie gestellten Ansprüchen — 20 Millionen Eimer
Wasser täglich — nicht im entferntesten zu genügen vermag. In¬
folge der schlechten physikalischen Eigenschaften des Newawassers,
die auch für die Filtration sehr ungünstig sind, bedeckt sich die
oberste Filterschicht sehr rasch mit einer schmierigen, lehmigen
Masse, die Filter verschlammen in kürzester Zeit und arbeiten sich
in einigen Tagen tot. Trotzdem an den Filtern ewig herumgereinigt
wird, ist doch ihre Funktion eine ganz und gar ungenügende (täglich
nur 8 Millionen Eimer), die Wasservorräte reichen für den Bedarf
lange nicht aus und werden sehr schnell erschöpft, und um der
chronischen Wassernot abzuhelfen, greift man gemeiniglich zu einem
ebenso einfachen wie sinnreichen Mittel: in das Reservoir für
das reine Wasser wird unfiltriertes Rohwasser zü¬
gele i t c t. „Das ist ein äusserstes Mittel, und nichtsdestoweniger
muss zu ihm gegriffen werden“, bemerkt melancholisch die Peters¬
burger Kommission für Wasserversorgung in ihrem Bericht für das
Jahr 1907.
Die Kommission findet jedoch einen Trost für diese traurige
Lage in der noch traurigeren Tatsache, dass „in bakteriologi¬
scher Hinsicht das filtrierte Wasser aus der Was¬
serleitung sich nur wenig von dem unfiltrierten
unterscheidet, da im Mittel die Keimreduktion sich nicht über
60 Proz. des ursprünglichen Bakteriengehaltes erhebt und zwischen
50 Proz. und 75 Proz. schwankt“. Und richtig sind auch in sämt¬
lichen 18 Filterbassins im filtrierten Wasser Choleravibrionen ge¬
funden worden.
Kein Wunder daher, wenn der Koeffizient der Typhusmortalität
in Petersburg um das 5 bis 6 fache den der Typhussterblichkeit in
Moskau übertrifft, wenn die übrigen durch das Trinkwasser übertrag¬
baren Krankheiten mit beispielloser Heftigkeit grassieren, wenn die
Cholera dort die denkbar günstigsten Existenzbedingungen vorfindet
und Hekatomben von Menschenopfern dahinrafft. Auch die Peters¬
burger städtische Sanitätskommission äussert sich resigniert in ihrem
letzten Bericht: „Beim Fehlen der elementaren Grundlagen sanitärer
Wohlfahrt, beim Mangel an geordneter Wasserversorgung, an gutem
Trinkwasser, an Kanalisation, an geregelter Abfuhr der Schmutzstoffe,
bei der im allgemeinen so niedrigen Kulturstufe der Bevölkerung . . .
sind grosse Erfolge im Kampfe gegen die Cholera schwer zu ge¬
wärtigen.“
Wohl aber steht zu erwarten, dass im Jahre 1909 in Petersburg
eine Choleraepidemie von entsetzlichen Dimensionen ausbrechen wird,
und zwar nicht im Frühjahr, wie man allgemein anzunehmen geneigt
ist, sondern erst im Spätsommer, wie Blumenthal, gestützt auf
epidemiologische Tatsachen, vorauszusagen sich berechtigt glaubt.
Dr. A. Dworetzky.
Vereins- und Kongressberichte.
Berliner medizinische Gesellschaft
(Eigener Bericht.)
Sitzung vom 20. Januar 1909.
Herr Albu: Die Bewertung der Viszeralptose als Konstltutions-
anomalie. (Mit Lichtbildern.)
Das Nachlassen des intraabdominalen Druckes gilt vielen noch
als die Hauptursache der Viszeralptose; A. fand sie in 21 Proz. der
Männer, in 68 Proz. der Frauen seiner Poliklinik; nach seiner
Ansicht handelt es sich um eine angeborene Krankheit, ev. um eine
angeborene Disposition. Er fand sie bei weiblichen Neugeborenen
in 44 Proz. und bezeichnet sie als Teilerscheinung einer allgemeinen
körperlichen Entartung mit ähnlichen Merkmalen wie sie der Habitus
phthisicus zeigt. Sie findet sich, wem) in der Generation vorher
ungünstige sozial-hygienische Verhältnisse eine Schädigung herbeige¬
führt haben. Er zeigt eine Reihe von Bildern, aus denen hervorgeht,
dass die Darstellung Botticelli scher und Rubens scher Gestalten
(phthisischer und muskulöser) epochenweise wechselt, kommt aber
seinerseits zu dem Schluss, dass die betreffenden Künstler in den be¬
treffenden Epochen fast nur solche Individuen gesehen haben. Er
bekennt sich zu der Anschauung, dass die körperliche Entartung
dauernd zunimmt.
Diskussion: Herr Lennhoff: Die Viszeralptose findet sich
auch bei Knochentuberkulose, nicht nur bei Lungentuberkulose; er
hält leichte Viszeralptose nicht gleich für ein Zeichen körperlicher
Minderwertigkeit. So hat er bei Samoanerinnen. bei denen solche
Einflüsse, z. B. in der Kleidung fortfallen, in 25 Proz. Viszeralptose
gefunden. Es sei zwar ein Zeichen von Minderwertigkeit, andererseits
aber doch kein Zeichen von Minderwertigkeit, die zur Entstehung
von anderen Krankheiten (Phthise) disponiere.
W o 1 f f - E i s s n e r.
Verein für innere Medizin zu Berlin.
(Eigener Bericht.)
Sitzung vom 18. Januar 1909.
Tagesordnung:
Schluss der Diskussion über den Vortrag des Herrn Kraus:
Die Methoden zur Bestimmung des Blutdruckes am Lebenden und
Ihre Bedeutung für die Praxis.
Herr S t ä h e 1 i n spricht über die diagnostische Verwendung des
maximalen und minimalen Blutdruckes.
Herr Plehn: Bei schweren Anämien treten Herzvergrösse-
rungen auf, die Redner auf die Entartung des Herzens zurückführte
Doch waren in 6 von 30 Fällen Hypertrophien vorhanden, auch be¬
stand stets daneben eine interstitielle Nephritis, so dass man sic
nicht auf Ersatz des verminderten Gasaustausches beziehen kann.
Herr Silbermann (a. G.) demonstriert ein neues Modell eines
Tonographen, das auf die beiden Faktoren, die Füllung und die Gefäss-
spannung, Rücksicht nimmt.
Herr Felix Hirschfeld teilt den Fall eines Arztes mit. der
seit 20 Jahren mit den verschiedensten Methoden einen hohen Blut¬
druck gezeigt hat. Es spricht dieser Fall gegen die Annahme einer
Intoxikation zur Erklärung des hohen Blutdruckes.
Herr Rehfisch: Der Praktiker muss Verzicht leisten auf die
Trennung der Herz- und Gefässarbeit; die Sphygmomanometrie
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26 . Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
,205
leistet Wertvolles in der Prognosenstellung von Herzaffektionen. In
80 Proz. besteht bei dieser Methodik eine Konstanz des Blutdruckes.
Selbst nach Badekuren, trotz guten subjektiven Befindens, findet
sich keine Differenz. Ebenso gibt es Fälle, in denen nach Digitalis
keine Aenderung des Blutdruckes eintritt, obwohl z. B. die Oedeme
verschwunden sind; wir müssen eine Regulierung zu gunsten des
Kranken an anderen Stellen annehmen.
Bezüglich der Prognose geben Drucke von 120—130 mm eine
gute, Blutdrucke von 18U—200 mm eine unbedingt schlechte Prognose.
Herr B ö n n i g e r.
Herr Kraus: Selbst die elendesten Herzen sind noch einer
gewissen Akkommodation fähig. An den Ausführungen des Herrn
P1 e h n wundert ihn die Häufigkeit der interstitiellen Nephritis bei
seinem Material; er upd seine Mitarbeiter bemühen sich schon seit
Jahren, nachzuweisen, dass das Herz kompensatorisch die Mehrarbeit
leistet.
Herr Blaschko: Die klinische Verwertung der Wasser¬
mann sehen Reaktion.
Trotz gewisser theoretischer Bedenken ist er täglich mehr von
dem Wert der Methode für die Praxis überzeugt. Ein Mass für die
Stärke der Reaktion fehlt.
Unter 1300 Fällen sind 30 Fälle trotz sicherer Syphilis negative
Reaktionen; in allen handelt es sich um syphilitische Affektionen von
geringerer Ausdehnung, spez. bei Affektionen der Knochen.
Von 91 behandelten Fällen sind 76 durch die Behandlung mit Hg
beeinflusst worden. Wie lange das Ncgativbleiben der Reaktion an¬
hält, ist verschieden, doch ist in der Mehrzahl der Frühfälle das Ver¬
schwinden nur passager.
Nach Möglichkeit soll man die Behandlung so lange fortführen,
bis die Reaktion negativ geworden ist. Er wünscht möglichst fort¬
dauernde Prüfung der Syphilitiker mit der Wassermann sehen
Reaktion.
Der prognostische Wert der Reaktion ist ein relativ geringer, weil
das Ausbleiben der Reaktion ja nur ein passagerer Zustand ist.
Diskussion über die Vorträge der Herren Fritz Lesser
und Blaschko.
Herr Halberstätter: Er hat in 50 Proz. der Scharlachfälle
positive Reaktion gefunden, doch nur mit einem Teil der Antigen¬
extrakte. Praktisch kommt die Fehlerquelle nicht in Betracht, da die
Reaktion höchstens 80 Tage nach dem Exanthem positiv ausfällt. Eine
Therapie nach der Reaktion, wie sie heute Blaschko (im Gegen¬
satz zu früher, Ref.) vorschlägt, erfordert als Vorarbeit eine Sta¬
tistik, ob bei positiver Reaktion Rezidive schneller eintreten als bei
Fällen mit negativer Reaktion. Er verfügt z. B. über 2 Fälle, bei
denen sich an eine negative Reaktion direkt ein Rezidiv anschloss.
Herr Bruhns betont ebenfalls den grossen diagnostischen Wert
der Wassermannschen Probe für die Fälle von latenter Spät¬
syphilis. Redner hält ebenfalls die behauptete prognostische und thera¬
peutische Verwendung der Reaktion iiir vorläufig unbewiesen und
jedenfalls für verfrüht. Auch im Spätstadium sah Redner 2 Fälle,
die wie die von Halberstätter im Frühstadium schnell von der
negativen zur positiven Reaktion umsprangen. W.-E.
Nachtrag zur Sitzung vom 4. Januar 1909.
Herr PI e s c h spricht über seine neue Methode zur Bestimmung
des Herzschlagvolums und Minutenvolums, mittels welcher er die
von Kraus vorgetragenen Werte gefunden hat. Sie besteht im
wesentlichen darin, dass aus dem Sauerstoffgehalt des arteriellen
und venösen Blutes, sowie aus dem Sauerstoffverbrauch des Körpers,
die in einer Minute umgelaufene Blutmenge bestimmt wird. Kennen
wir die Menge Sauerstoff, welche von 100 Blut aufgenommen wird
(A—V) und kennen wir den Minutensauerstoff verbrauch (Om), so ist
das Minutenvolum * Das Herzschlagvolum = . Zur
Berechnung der Umlaufsdauer ist die Kenntnis der Gesamtblutmenge
erforderlich.
Zur Bestimmung des arteriellen Sauerstoffgehaltes demonstriert
P1 e s c h sein sinnreiches Kolbenkeilhämoglobinometer, mittels wel¬
chem auf die bequemste und einfachste Weise der Hämoglobingehalt
und die Sauerstoffkapazität in 0,05 ccm Blut festgestellt werden kann.
Zur Bestimmung der Zusammensetzung des Blutes im rechten
Herzen wendet P. einen mit Stickstoff gefüllten Sack an, in welchem
der Pat. so lange atmet, bis zwischen dem Lungenblut und dem
Qas Spannungsgleichgewicht eingetreten ist. Aus der Zusammen¬
setzung der Sackluft wird auf Grund einer Dissoziationskurve der
mittlere Gasgehalt des Venenblutes berechnet. — Der Minutensauer-
stoffverbauch wird nach Zuntz-Geppert bestimmt.
Die Bestimmung der Blutmenge geschieht mittels der sog. Kohlen¬
oxydmethode. Eine bestimmte unschädliche Menge CO wird ein-
Keatmet und dann in 1 ccm Blut der Cü-Gehalt bestimmt. Zur Ana¬
lyse des CO im Blute zeigt der Vortragende noch seinen Apparat,
mittels welchem die geringsten Mengen CO im Blute quantitativ fest-
gestellt werden können.
Medizinische Gesellschaft zu Chemnitz.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 21. Oktober 1908
Herr Clemens: 1. Rezidivierende Parotisschwellung.
43 jähriger Anstreicher, mässiger Potator, der auf Befragen er¬
zählt, dass er nie, insbesondere auch nicht an „Ziegenpeter“ krank
gewesen sei, das ihm aber seit 10 Jahren öfter, meist im Frühjahre
oder Herbst, ohne andere Beschwerden als eine Vermehrung des
Mundschleimes, die „Halsdrüsen“ anschwollen. Mit der gleichen An¬
schwellung, die er jetzt zeigt, sah ich den Kranken Januar 1907,
als er 14 Tage wegen Bronchialkatarrhs im Krankenhause war. Bald
nach der Entlassung habe sie sich verloren. Als er jetzt, Ende
September, wieder wegen Bronchitis aufgenommen wurde, war sie in
etwa gleicher Stärke wieder vorhanden.
Der Kranke zeigt eine beiderseitige, ziemlich beträchtliche
Schwellung der Parotisgegend, die das Ohrläppchen abhebt; sie ist
gänzlich schmerzlos, fühlt sich mässig derb und etwas lappig an.
Ausser mässiger Stomatitis, Pharyngitis, Resten einer Bronchitis
zeigt er keine krankhaften Veränderungen, insbesondere fehlen und
fehlten auch früher Schwellungen der Tränen- und der übrigen Spei¬
cheldrüsen, der Lymphdrüsen, der Milz. Das Blut zeigt völlig nor¬
malen Befund, einen Hämoglobingehalt von 106 Proz. nach Gowers.
Die Ausmündungsstelle des Ductus Stenonianus ist deutlich, Konkre¬
mente sind im Verlaufe des Speichelganges nicht zu fühlen. Pat.
klagt zwar über trockenen Mund (Potator!), doch ist objektiv keine
Trockenheit zu konstatieren. Die Rhodanreaktion des Speichels ist
vollkommen deutlich.
Irgend ein Stein oder Tumor scheint nicht in Frage zu kommen.
Hofmeister operierte einen ähnlich aussehenden Fall und fand
Lipome (Centralbl. f. Chirurgie, 1905, S. 1358) — der glaubwürdig
angegebene Wechsel der Schwellung spricht wohl sicher gegen diese
Annahme. Das gleiche Moment läst auch das Vorhandensein einer
echten und symmetrischen Hypertrophie der Parotiden mit Sicherheit
ausschliessen (L a f o 11 e y und J a y 1 e). So bleibt nur die An¬
nahme eines entzündlichen Zustandes übrig, wohl einer leichten chro¬
nischen Entzündung, die unter Einwirkung unbekannter Reize häufig
zu stärkerer, schmerzloser Schwellung führt. Es wäre ein Fall von
M i c u 1 i c z scher Krankheit, auf die Parotiden beschränkt, eine
forme fruste derselben. Ich finde in der Literatur nur zwei ähnliche
Fälle beschrieben, Fall V von Kümmel (Mitt. aus den Grenzgeb..
Bd. II, S. 118) und einen von Rehn publizierten (Zentralbl. f. innere
Medizin, 1907, S* 97), bei dem freilich zur Zeit der Zunahme der
Schwellung Schmerzen auftreten. Eine ähnliche Veränderung bestand
bei einem 45 jährigen Bierfahrer, über den Quincke berichtet, nur
war die Affektion hier kongenital und familiär (Mitt. aus den Grenz¬
gebieten, Bd. 18, S. 760, von K ü 1 b s erwähnt), beides liegt bei
unserem Kranken nicht vor. — Die Möglichkeit der therapeutischen
Beeinflussung (Hg, Jodkali, Röntgenstrahlen) wird erörtert.
2. Symmetrische Sklerodermie beider Unterschenkel nach einem
Oberschenkelbruch, der längeres Krankenlager bedingte.
3. Die neueren Behandlungsmethoden der Herzkrankheiten. Be¬
sprochen werden die Karellkur, die Sauerstoffbäder, die bei erhöhtem
Blutdruck und funktionellen Neurosen sich bewährt haben, sowie die
neueren Medikamente. Gelobt wird neben Digalen das Digipuratum,
das Strophanthin für die Praxis verworfen, an Diureticis das
Eusthenin für Arteriosklerose, das Euphyllin als leicht lösliches, intra¬
muskulär und rektal schmerzlos anwendbares, gut wirksames Mittel,
namentlich für magenempfindliche und benommene Kranke warm
empfohlen.
Herr Reichel berichtet über eine Frau, bei welcher ein grosser
Abszess in der rechten Schenkelbeuge eröffnet wurde. In der Abs¬
zesshöhle lag der in toto abgestossene Wurmfortsatz. Demonstration
des Präparates.
Aerztlicher Bezirksverein Erlangen.
(Bericht des Vereins.)
170. Sitzung vom 10. Dezember 1908.
Herr Penzoldt demonstriert vor der Tagesordnung einen
| Fall von fast reiner und vollständiger motorischer Aphasie mit Er-
i haltensein der Sprache für einzelne erlernte Satzreihen (Gebete,
I Lieder etc.). Eine Herzkranke. Ende der dreissiger, erlitt vor ca.
1 Jahre durch Embolie einen Schlaganfall mit rechtsseitiger Hemi¬
plegie und Sprachlähmung. Sie kann ausser „Ja“ und „Na“ kein
Wort auf Fragen oder Aufforderung hin sagen, auch nicht nach-
sprechen. Dagegen versteht sie gewöhnliche Fragen und Befehle, er¬
kennt ihren Namen unter verschiedenen vorgesagten, reicht auf Auf¬
forderung die richtigen Gegenstände, zeigt durch Geberden den Ge¬
brauch derselben richtig an, kann unter verschiedenen geschriebenen
Worten ihren Namen prompt herausfinden und mit der von der linken
geführten rechten Hand auch ihren Namen nach einigen Versuchen
leidlich gut schreiben. Fordert man sie nun auf, das „Ave Maria“ zu
sprechen, so spricht sie sehr rasch, ohne zu stocken, zum grossen
Teil ganz deutlich, zum Teil allerdings in dem schwerverständlichen
Gemurmel, wie man es beim Beten auf dem Lande oft hört, ihr
langes Gebet her.
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206
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4
Eine Erklärung dieses, auch sonst zuweilen beobachteten eigen¬
tümlichen Verhaltens sieht der Vortragende in der Annahme, dass
für diese in früher Jugend erlernten Satzreihen ein motorisches
Sprachzentrum in der rechten Gehirnhälfte vikariierend eintritt. Viel¬
leicht ist der Vorgang so, dass bei ursprünglich paarig angelegten
Sprachzentren sich bei Rechtshändern erst später die linken in über¬
wiegender Weise entwickeln.
Diskussion: Herr Denker.
Herr L. Hauck: Die praktische Bedeutung der Wasser¬
mann- Neisser-Brucksehen Syphilisreaktion. (Mit Demon¬
strationen.)
Vortragender, welcher sich während eines mehrwöchentlichen
Aufenthaltes an der Breslauer Hautklinik mit der daselbst an¬
gewandten Methode und Technik der Reaktion vertraut gemacht hat,
bespricht zuerst diese und referiert dann über die bisher mit der
Reaktion gewonnenen Erfahrungen und Resultate. Während der¬
selben von vielen Seiten ein bedeutender diagnostischer Wert zu¬
gesprochen wird, erheben sich doch auch wieder Stimmen, welche
ihr eine praktische Bedeutung nicht beimessen, da es sich eben nicht
um eine für Syphilis spezifische Reaktion handle, indem sie
auch bei anderen Krankheiten positiv ausfalle. Wenn nun nach den
bisherigen Erfahrungen auch feststehe, dass ein negativer Ausfall der
Reaktion nicht mit Sicherheit Syphilis ausschliessen lasse, so würde
nach der Ansicht des Vortragenden dieses Moment den grossen Wert
der Reaktion nicht beeinträchtigen, dagegen würde dieselbe ihre prak¬
tische Bedeutung vollständig verlieren, wenn die Mitteilungen ver¬
schiedener Autoren (Much, Elias Neubauer und Sa 1 omon.
Weil und Braun, v. Decastello und B a 11 n e r u. a.) sich
bestätigen würden, nach welchen auch bei zahlreichen nicht syphi¬
litischen Erkrankungen, wie Scharlach, Malaria, maligne Tumoren,
Tuberkulose, Diabetes, Typhus etc. ein positiver Ausfall der Was¬
sermann sehen Reaktion eintreten soll. Vortragender geht dann
auf die bis jetzt im Laboratorium der medizinischen Klinik zu Er¬
langen untersuchten Fälle näher ein, die recht günstige Re¬
sultate ergaben. So wurde niemals ein positiver Ausfall der Reaktion
bei nicht nachweisbar syphilitischen Personen gefunden, dagegen
in weitaus der Mehrzahl der Fälle von florider Syphilis, Gehirnlues
und Paralyse. Vortragender glaubt, dass der von den verschiedenen
Autoren mitgeteilte positive Ausfall der Reaktion bei Krankheiten
nicht luetischer Natur vielleicht darauf zurückzuführen ist, dass die¬
selben zu ihren Untersuchungen ungeeigneten Extrakt verwendeten,
z. B. Extrakt von Tumoren oder Meerschweinchenherzen. Wenn
solche Extrakte auch häufig bei Syphilis Komplementfixation gäben,
so sollten doch, bis die Fragen über die theoretische Grundlage der
Reaktion gelöst seien, nur luetische Organextrakte Verwendung fin¬
den. Insbesondere sei die von v. Decastello und Ba 11 n e r an¬
gegebene Methode nicht zu billigen, welche statt Hammelblut —
Rinderblutserum und als Antigen Extrakt normaler Meerschweinchen¬
herzen benützen. Sei es doch bekannt, dass selbst Leberextrakt
kongenital luetischer Föten nicht immer gleichwertig sei! Vor¬
tragender ist der Ansicht, dass zur Erzielung für die Diagnose
wirklich verwertbarer Resultate unbedingt ein Extrakt verwendet
werden müsse, der an zahlreichen Luesfällen vorher auf seine Wirk¬
samkeit erprobt und genau austitriert sei. So würde für die Unter¬
suchungen in der medizinischen Klinik der Extrakt aus der Klinik
für Hautkrankheiten in Breslau bezogen (20 ccm = 50 M.).
Herr Hüffe): Ueber Ikterus gravis bei Neugeborenen. (Der
Vortrag erscheint später ausführlich in dieser Wochenschrift.)
Diskussion: Herren Jamin, Merkel, Jung, Penzoldt.
Geschäftliches.
Aerztlicher Verein in Hamburg.
(Eigener Bericht.)
Sitzung vom 12. Januar 1909.
Vorsitzender: Herr K ü m m e 11.
Herr Much: In der Medizinischen Klinik veröffentlichten vor
einiger Zeit Deycke und Much eine Arbeit, über zwei von ihnen
hergestellte Tuberkelbazlllenpräparate. Es war ihnen gelungen, damit
Meerschweinchen gegen eine Tuberkuloseinfektion zu immunisieren,
ein Ergebnis, das bisher einwandfrei ganz ausserordentlich selten
erreicht wurde.
Demonstration zweier Tiere. Beide Tiere wurden gleichmässig
mit Tuberkelbazillen (vom Rinde stammend) infiziert. Ein Tier war
nicht vorbehandelt, das andere war mit einem Präparate von
Deycke und Much vorbehandelt. Das Kontrolltier ist enorm
tuberkulös, das vorbehandelte Tier ist tuberkulosefrei.
Eine solche prompte Immunisierung gelingt aber nicht immer.
Es liegen hier sehr schwierige Verhältnisse vor, deren Klärung noch
einer langen Arbeit bedarf.
Jedenfalls ist aber auch durch diese Demonstration wiederum
bewiesen, dass der von Deycke und Much eingeschlagene Weg
gangbar ist.
Diskussion über den Vortrag des Herrn Umber: Zur Pa¬
thologie und Therapie der Gicht.
Herr D e n e k e demonstriert eine Anzahl von bei Sektionen ge¬
fundenen Gichtpräparaten. Gelenkgicht, Gichtnieren usw. 2 mikro-
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skopische Präparate lassen die Niederschläge von harnsauren Salzen
im periartikulären Gewebe mit den durch sie bedingten Fremdkörper¬
riesenzellen gut erkennen. — D. bespricht dann kurz die Beziehungen
zwischen Gicht und Nierensteinen, die gemeinsam nicht so oft Vor¬
kommen, wie man früher glaubte, geht auf die Umber sehe Theorie
von der besonderen Affinität der Gewebe ein, frägt, ob die diagnosti¬
sche Probemahlzeit in Zweifelfällen ausschlaggebend zu verwenden
sei und bestätigt die gute Wirkung des Colchicins im akuten Gicht¬
anfall.
Herr P r e i s e r bespricht die Differentialdiagnose der sogen.
Zehengicht, die meist keine Gicht sei. Man muss unterscheiden zwi¬
schen den Schwellungen der 2.—5. Zehe und denen der grossen Zehe.
Bei ersteren findet sich eine leichte, schmerzhafte Schwellung, bes.
an der Innenseite der Grundphalangen der 2^—5. Zehe. Im Röntgen¬
bild findet sich bisweilen ein periostitischer Schatten an den Ansatz¬
stellen der medialen Interossei. Bei diesem Leiden ist die Ursache
eine Ueberbeanspruchung der medialen Interossei infolge eines be¬
ginnenden Pes plano-valgus. Hier liegt also meist keine Gicht vor,
sondern Plattfuss.
Bei den Schwellungen im Bereich der grossen Zehen, dem sog.
Zipperlein, findet man die grösste Schmerzhaftigkeit über dem Meta-
tarsophalangealgelenk. Bei Palpation fühlt man dort lateralwärts
einen knöchernen Widerstand, der im Röntgenbild als pyramiden¬
förmige Exostose imponiert, die jedoch, wie die Leichenversuche P.$
(unter 30 Leichen wurde sie 6 mal gefunden) zeigen, der röntgeno¬
logische Ausdruck einer soliden Knochenleiste ist, welche den lateralen
Rand der Gelenkfläche des 1. Metatarsus verlängert. Die Ent¬
stehungsweise ist, wie an Röntgenbildern und Skizzen gezeigt wird,
folgende: Zuerst wird die grosse Zehe durch spitze Stiefel in Valgität
gedrängt; dadurch wird ein periostitischer Reiz an der lateralen
Kapsel des 1. Metatarsalphalangealgelenkes gesetzt, der schliesslich
zu einer periostitischen Randwucherung und Arthritis deformans
mit Wanderung der Gelenkfläche schräglateralwärts führt. Meist ist
mit der Zehen valgität noch Plattfuss verbunden. Ist nun der Träger
einer solchen Affektion zufällig auch Gichtiker, so wird bei der Vor¬
liebe der Gicht, bereits geschädigte Gelenke zu befallen, die grosse
Zehe einen Lieblingssitz abgeben. P r e i s e r zeigt auch ein diesbe¬
zügliches Röntgenbild mit zerstörten Gelenkflächen und bespricht dann
den differentialdiagnostisch wichtigen Nachweis von Glykokoll im
Harn bei solchen Fällen.
Herr Fraenkel: Die Kenntnisse über Ursachen und Wesen
der Gicht sind durch die Stoffwechselforschungen wesentlich er¬
weitert, aber nicht vertieft. Er hat im Jahre 1906 187 Leichen
jenseits des 40. Lebensjahres auf Gicht untersucht. Untersucht
wurde immer das Grosszehengelenk. Wenn dies frei war, waren auch
alle anderen Gelenke frei. Nur 4 mal fand er gichtische Verände¬
rungen, und zwar meist in mehreren Gelenken. Zerstörungen des
Gelenkknorpels sind selten. Warum gerade gewisse Prädilektions¬
stellen von den harnsauren Salzen zerstört werden, ist noch ganz
unbekannt und jedenfalls nicht im histologischen Bau des Knorpels
bedingt. Z. B. finden sich in den Gelenken des Kehlkopfs nie
gichtische Veränderungen, ebenso wie in der Epiglottis, während der
ebenso gebaute Ohrknorpel besonders dazu disponiert ist.
Herr Thost glaubt bei gewissen hartnäckigen Katarrhen der
oberen Luftwege, bei denen jegliche Therapie vergeblich, die Gicht
als ätiologischen Faktor heranziehen zu müssen, da ein antigich¬
tisches Regime Erfolg brachte. Er hat einen Fall beobachtet, in
welchem die Schleimhaut mit Nadeln von harnsauren Konkrementen
infiltriert war“. Manche Aerzte nehmen eine Beziehung zwischen
Gicht und Heufieberdisposition an. Er beobachtete auch bei Gichtikem
eine Infiltration der Sehnen der Halsmuskeln am Ansatz hinter dem
Ohr. Auch der Tubenknorpel scheint ihm als Sitz der Gicht in
Frage zu kommen.
Herr Reiche möchte in der Beurteilung der Mineralwasser¬
wirkung nicht so weit gehen wie der Vortr. Die hohe Wirksamkeit
der alkalischen Thermen ist eine 1000 fach erprobte Tatsache. Ab¬
gesehen von der reinen diuretischen, auslaugenden Wirkung kommt
auch die Wirkung als Stomachikum in Frage. Daher auch der
günstige Einfluss der Salzsäure (F a 1 k e n s t e i n). Die Harnsäure¬
anhäufung ist nur ein Symptom, nicht die Gicht selbst. Ob die purin-
freie Ernährung so erfolgreich ist, bezweifelt er und vindiziert der
endogenen Harnsäure eine bedeutende Rolle. Er ernährt den Gich¬
tiker einfach, gibt ihm leichte Kost und hütet ihn vor Digestions¬
störungen.
Herr Lenhartz macht auf die grosse Bedeutung der Erb¬
lichkeit aufmerksam und bespricht die Bleigicht. Er wendet sich
gegen die besonders von dermatologischer Seite inkorrekt gestellte
Gichtdiagnose. Therapeutisch kommt viel körperliche Bewegung in
frischer Luft als Hauptmoment in Frage.
Herr A r n i n g hat bisher den Begriff der Gicht weiter gefasst,
als es jetzt angängig ist. Er hat bei Psoriasis und Ekzem oft eine
uratische Diathese gefunden, deren Behandlung auch für die Heilung
des Hautleidens erfolgreich war. Training und Körperbewegung sind
für den Gichtiker von hohem Wert, aber jede Uebertreibung rächt
sich.
Herr Schmilinsky: Jeder Gichtiker hat gewisse Stoffe, die
gerade ihm schädlich sind. Man muss daher den Speisezettel des
Gichtikers individualisieren. Was für den einen die Purine, sind für
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26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
207
den anderen Zucker. Empfehlenswert ist, neben Körperbewegung
nachmittags und abends viel Flüssigkeit zu sich nehmen zu lassen.
Herr Bonne plädiert für die Alkoholabstinenz, die beim Gich-
tiker die Zahl der Anfälle wesentlich herabsetzt. Er macht darauf
aufmerksam, dass auch der regelmässige, übermässige Genuss von
Hülsenfrüchten zu Gicht führt.
Herr Grisson fragt nach dem Zusammenhang der harnsauren
Diathese und der Gicht.
Herr P. Wichmann weist auf die modernste Errungenschaft
der Gichttherapie hin: Die Anwendung von Bädern mit künstlichem
Emanationszusatz. Wenn auch nach derartigen radioaktiven Bädern
die sogen. Badereaktion nach den natürlichen Mineralbädern auftritt,
so ist damit noch nicht eine analoge Heilwirkung bewiesen. Auch
in anderer Hinsicht ist bei dem Gebrauch der radioaktiven Präparate
Zurückhaltung geboten, da beim Hindurchtreten der Emanationsgase
durch den menschlichen Körper sich möglicherweise sehr schwere
Schädigungen herausstellen können, wofür bereits einige Angaben in
der Literatur sprechen.
Was die von Herrn Lenhartz gerügte Leichtfertigkeit an¬
belangt, mit der von dermatologischer Seite Hautaffektionen als gich¬
tische angesprochen werden, so gibt es in der Tat kaum eine Der¬
matose, die an sich gichtische Charaktere in ihren Effloreszenzen er¬
kennen lässt; die Diagnose ist nur ex juvantibus zu stellen. Anderer¬
seits ist es nicht erlaubt, bei vermehrter Harnsäureausscheidung
gleich von Gicht zu sprechen, höchstens könne man die Hautaffektion
mit der harnsauren Diathese in Verbindung bringen.
Herr Plate hat sich mit diesen „Radiogen“- und „Emanosal“-
Bädern beschäftigt. Er hat die Präparate und Apparate im physikali¬
schen Staatslaboratorium prüfen lassen. Diese Prüfungen fielen so
aus, dass z. T. überhaupt keine Wirkung nachweisbar war,
z. T. um mehr als 50 Proz. hinter der behaupteten
zurückblieb. Die vom Vorredner geäusserten Befürchtungen
sind daher wohl grundlos, da die behauptete Wirkung doch höchst
zweifelhaft erscheint.
Herr Umber präzisiert in seinem Schlusswort noch einmal
die Diagnose der Gicht, die mit der harnsauren Salzausscheidung
nichts zu tun hat, ebenso von der Nierensteinbildung abzutrennen ist.
Die Gicht wird charakterisiert durch eine spezifische Störung im
Purinstoffwechsel. Die Kurve der exogenen und der endogenen Harn¬
säure ist absolut charakteristisch und in Zweifelfällen für die Dia¬
gnose massgebend. Diese Purinstoffwechselstörung ist aber nur eine
der wesentlichen Störungen. Die gleiche Störung findet sich ausser
bei der echten Arthritis urica bei der Bleigicht und bei Potatoren.
Die Funktionsprüfung des Stoffwechsels gibt — und das ist als thera¬
peutischer Fortschritt zu betonen — Antwort auf die Frage, was dem
Gichtiker erlaubt ist, was er vertragen kann. Insofern besteht eine
Analogie mit dem Diabetiker, bei dem auch ausgeprobt werden
muss, was er seinem Körper an Kohlehydraten zuführen darf. Be¬
züglich der Mineralwässer korrigiert Umber die Diskussionsredner
dahin, dass er nicht gesagt hat, dass er dieselben verwerfe. Er glaubt
vielmehr sehr an die Wirkung dieser Kuren. Es ist nur nicht das in
den Thermen und Quellen enthaltene Alkali, was wirkt, sondern das
Wasser und das ganze Badregime. Werner.
Biologische Abteilung des ärztlichen Vereins in Hamburg.
(Offizieiles Protokoll.)
Sitzung vom 10. November 1908.
Vorsitzender: Herr Schottmüller.
Schriftführer: Herr L o r e y.
Herr Slmmonds: Ueber primären Darmmilzbrand.
Trotz der behördlichen Vorkehrungen kommt jährlich fast ein
Dutzend Fälle von Milzbrandinfektion in Hamburg vor. Fast immer
sind es Arbeiter, die beim Verladen der aus Südamerika stammenden
getrockneten Felle sich kleine Verletzungen an Hals, Gesicht oder Arm
zuziehen. Im Gegensatz zu diesen Fällen von äusserem Milzbrand
sind die von innerem Milzbrand hier selten. S. hat früher über Milz¬
brandpneumonien berichtet, demonstriert jetzt einen Fall von pri¬
märem Darmmilzbrand. Der 57 jährige, mit dem Laden von Kaffee¬
säcken beschäftigte Mann starb am Tage nach seiner Erkrankung.
Es fanden sich ca. 2 Liter trüber seröser Flüssigkeit im Bauch, die
reichlich Milzbrandfäden enthielt. Im Herzblut eine Reinkultur der¬
selben Bakterien in grosser Ueppigkeit. Auf der Schleimhaut des
Magens und Dünndarms, besonders des Duodenum und oberen Jeju¬
numabschnitts fanden sich zahlreiche, leicht prominierende, bohnen¬
grosse Herde, innerhalb welcher die Schleimhaut verschorft, das Ge¬
webe ödematös durchtränkt, die Serosa hämorrhagisch gefärbt war.
Im Ileum zwei 10 cm lange Partien, an denen die Darmwand enorm
ödematös geschwollen, die Mukosa grünlich-braun verfärbt war. Das
Mesenterial- und Retroperitonealgewebe hämorrhagisch ödematös mit
weichen hämorrhagischen Drüsen besetzt. Milz gross, weich. Mikro¬
skopisch fanden sich in der Darmwand, besonders in den oberen
Schichten reichlich die Milzbrandfäden, während sie in den Gefässen
nur spärlich vertreten waren. Haut überall intakt.
/ Herr Holzmann: Ueber Magentuberkulose,
k Der Magen ist auffallend selten der Sitz tuberkulöser Verände-
Primäre Magentuberkulose ist in der Literatur 6 mal an-
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geführt worden. Auch sekundär wird der Magen selten von der
Tuberkulose ergriffen.
Bei disseminierter, allgemeiner Miliartuberkulose lässt sich bei
genauerer mikroskopischer Untersuchung häufig die Anwesenheit
miliarer oder submiliarer Tuberkel in der Magenschleimhaut fest¬
stellen. Fast nie jedoch lassen sich bei allgemeiner Miliartuberkulose
makroskopisch Veränderungen der Magenschleimhaut erkennen.
H. demonstriert ein Präparat, das zahlreiche tuberkulöse Ulcera,
über den ganzen Magen verbreitet, deutlich erkennen lässt.
Das Präparat stammt von einem 2 jährigen, gut entwickelten
Mädchen, das 14 Tage vor dem Tode plötzlich zu husten begann
und Temperaturen von 39—40° bekam. In den letzten 8 Tagen hatte
das Kind heftige Durchfälle.
Bei der Sektion fand sich eine allgemeine, disseminierte, subakute
Miliartuberkulose.
Ueber die ganze Magenschleimhaut zerstreut fanden sich flache,
unregelmässig geformte Schleimhautdefekte von etwa Hirsekom-
bis Hanfkorngrösse. Miliare oder submiliare Knötchen waren nicht
erkennbar.
Bei der mikroskopischen Untersuchung fanden sich die tuber¬
kulösen Veränderungen, Knötchen, aus epitheloiden Zellen und Rund¬
zellen, ohne Riesenzellen, bestehend mit ausgesprochener Neigung zur
Nekrose, hauptsächlich in der Submukosa. In 103 Serienschnitten fand
sich ein einziger sicherer Tuberkelbazillus. Auch Much sehe Gra¬
nula waren nicht nachzuweisen.
3 weitere, bei 3 Fällen von chronisch-tuberkulöser Lunge und
Darmphthise gefundene, Magengeschwüre zeigten den typischen Bau
tuberkulöser Ulzera mit riesenzellenhaltigen Tuberkeln.
Die seltene Mitbeteiligung des Magens bei tuberkulösen Er¬
krankungen erklärt sich hauptsächlich aus der die Ansiedelung der
Tuberkelbazillen hemmenden Wirkung des normalen Magensaftes.
Dafür sprechen 1. der Hauptsitz der tuberkulösen Erkrankungen
in der Submukosa, 2. die Häufigkeit des Zusammentreffens mit hoch¬
gradig entzündlichen und mit karzinomatösen Veränderungen der
Magenschleimhaut.
Die Magentuberkulose kann klinisch Bedeutung gewinnen. So
in einem Fall, den Herr F r ä n k e 1 beobachtete. Hier wurde
klinisch die Diagnose Karzinom gestellt. Der Pylorus war aber durch
tuberkulöse Tumormassen stenosiert. Klinisch diagnostizierbar ist
die Magentuberkulose nicht.
Das ist nicht sehr wesentlich, da tuberkulöse Magenverände¬
rungen einmal überhaupt sehr selten, dann nur bei chronischen
Phthisen in den letzten Stadien oder bei akuter Miliartuberkulose
auftreten.
Diskussion: Herr S i m m o n d s berichtet über einen neuen
von ihm beobachteten Fall, in welchem wieder neben einem Karzinom
mehrere tuberkulöse Geschwüre im Magen sassen. Solche Beob¬
achtungen weisen daraufhin, dass Störungen der Salzsäureproduktion
die Ansiedelung der Tuberkelbazillen im Magen fördern.
Herr Glelss demonstriert eine linksseitige Ovarlalzyste von
einer Patientin, bei der er vor 3 Jahren eine geplatzte rechtsseitige
entfernt hatte. Die Zyste hatte sich damals pilzförmig umgekrempt
und enthielt zahlreiche Tochterzysten. Auch das Peritoneum parietale
und viscerale enthielt dünnwandige Tochterzysten in grosser Menge,
war nirgends mehr spiegelnd, sondern überall von sulzigen Massen
überzogen. Der Leib war prall gefüllt mit vielen Litern sulziger
Flüssigkeit, die Magen und Darm auf ein Minimum komprimiert
hatten. Da die Pat. an Lungen und Gelenktuberkulose litt, war da¬
mals auch an tuberkulösen Aszites gedacht worden.
Bei der jetzigen Operation war noch ganz wenig sulziges Ex¬
sudat frei in der Bauchhöhle, etwa eine halb Petrischale liess sich
ausschöpfen, das Peritoneum hat sich wieder erholt, ist aber noch
schleimig überzogen, Tochterzysten sind nirgends mehr zu finden.
Die linksseitige Zyste war auch im Begriff zu platzen und hatte
gleichen sulzigen, nur etwas festeren Inhalt von etwa 3 kg Gewicht.
Herr Kissüng berichtet über 2 Fälle von metastasierender
Aktlnomykose, die er im Laufe der letzten 3 Jahre in Eppendorf be¬
obachtet hat und die wegen der grossen Seltenheit dieser
Fälle, wegen des eigenartigen klinischen Verlaufs und
wegen des Obduktionsbefundes besonderes Interesse be¬
anspruchen.
In dem ersten Falle handelte es sich um ein 12 jähriges Mädchen,
das für Tuberkulose hereditär nicht belastet war und im Juni 1905 die
ersten Krankheitserscheinungen darbot: Unbehagen, Appetit¬
losigkeit, Mattigkeit. Es wurde dann vorübergehend eine
Rippenfellentzündung festgestellt, deren Zeichen wieder schwanden,
ohne dass das Kind sich erholen konnte. Es war stets matt, sah an¬
gegriffen, blass aus, fieberte fast dauernd zwischen 38 und 39° C
und hustete öfters, ohne Auswurf zu haben. Am 4. Oktober 1905
Aufnahme ins Krankenhaus: Ausser einzelnen bronchitischen Ge¬
räuschen über beiden Lungen h. liess sich zunächst nichts Besonderes
nachweisen. Es bestand zeitweise heftiger, quälender Husten, der
zu Erbrechen führte, aber keinen Auswurf zutage förderte. Leuko¬
zyten 22 000. Die Temperatur betrug fast stets zwischen 38 und 38,6*.
Das Kind sah blass, im Gesicht etwas gedunsen aus. Eine Rönt¬
genuntersuchung, die wegen des Verdachts auf Mediastinal-
drüsentuberkulose vorgenommen wurde, ergab einen eigenartig ge¬
formten kompakten Schatten beiderseits am HUas, der strahllg in die
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
208
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
Lungenfelder auslief. Es konnte aber darnach nicht entschieden wer¬
den, ob es sich nur um vergrösserte (tuberkulöse) Drüsen handelte,
wegen der Eigenart des Bildes wurde auch mit der Möglichkeit eines
vom Mediastinum ausgehenden Tumors gerechnet. Freiluftbehand¬
lung und Einreibungen mit grüner Seife blieben ohne Einfluss, das
Kind nahm zwar 5 Pfd. zu, fieberte aber weiter und behielt die
anderen Krankheitserscheinungen unverändert. Zur weiteren Klärung
wurde am 6.XI.05 0,00075Tuberkulin (alt) gegeben, worauf wohl eine
Temperaturerhöhung bis 40,4° erfolgte, ohne dass aber die für die
Tuberkulinreaktion charakteristischen subjektiven Erscheinungen sich
einstellten. Am 9. XI. bot das Kind ein eigenartig gedunsenes Aus¬
sehen mit Zyanose der Schleimhäute, es stellte sich immer stärkere
Dyspnoe ein, die Pulsfrequenz ging auf 140 bis 160 in die Höhe.
Am 11. XI.. traten zuerst bläulich verfärbte Knoten in der
Haut an der rechten Schulter, der linken Hand und
an den Qlutäen auf; 2 Tage später solche am rechten Ober¬
schenkel und nach 2 weiteren Tagen einige am Rücken und besonders
an den Endphalangen mehrerer Finger. Letztere vereiterten rasch
und es wurde nun der bei den Inzisionen gewonnene Eiter unter¬
sucht; bakteriologisch wurde zunächst nichts gefunden, die Kultur
blieb steril, aber die Untersuchung frischen Eiters ergab
sichere Aktinomyzesdrusen.
Von nun bildeten sich fast täglich neue grössere und kleinere
Abszesse, die alle aktinomykotischen Eiter entleerten, der reich¬
lich die schon makroskopisch erkennbaren gelben Körnchen ent¬
hielt. An einzelnen Körperstellen entstanden phlegmonöse Prozesse,
überall war die Haut von Atresien unterminiert, mehrere Eiterungen
mussten in Narkose eröffnet werden, das Kind hatte im Wasserbett
ein bejammernswertes Dasein, dabei war aber der Kräfteverfall bei
den schweren und ausgedehnten Eiterungen auffallend langsam (Jod¬
kalium war reichlich gegeben worden), so dass es erst am 6.1. seinem
Leiden erlag. Die Obduktion ergab eine ausgedehnte Aktino-
mykose des Mediastinums und der stark vergrösserten und
erweichten Mediastinaldrüsen mit Durchbruch nach der
Ven. anonym, sin. und dem 1. Vorhof. Perikarditis und
Endokarditis. Aktinomykotische Metastasen in Lungen, Nieren,
Leber, Milz und Gehirn, abgesehen von den zahlreichen Eiterherden
in und unter der Haut des ganzen Körpers.
Der 2. Fall betraf einen 43 jährigen Zollbeamten, bei dem sich
im Juni 1907 die ersten Krankheitszeichen, wie beim vorigen Falle
in Form von Mattigkeit und Appetitlosigkeit einstellten;
dann hatte der Kranke öfters ein ausgesprochenes Oppressionsgefühl
und bekam Fieber. Von September 1907 an wurde er bettlägerig, am
23. XI. 07 wurde er ins Krankenhaus aufgenommen. Er machte einen
schwer kranken Eindruck, war im Kräftezustand sehr reduziert,
äusserst matt und hinfällig, fieberte hoch, bis 40° und darüber, bot
aber bei der Untersuchung nicht den geringsten Anhaltspunkt für eine
Diagnose. Die Leukozyten waren erhöht bis 17 600, mehrmalige bak¬
teriologische Blutuntersuchung blieb aerob und anaerob steril und
es konnte auch in den nächsten Wochen, während deren der Kranke
dauernd hoch und unregelmässig remittierend fieberte keine Diagnose
gestellt werden.
Am 5. I. 08 trat eine trockene Perikarditis und P1 e u -
ritis links auf und noch am gleichen Tage zeigten sich
an linker Daumen- und M i 11 e 1 f i n g e r k u p p e bläu¬
lich-rote Knoten, die am nächsten Tage vereitert
waren und bei Vortr. sofort die Erinnerung an den
oben geschilderten Fall wachriefen. Nach I n z i s i on
wurde der Eitersogleich auf Aktinomyzes untersucht
und die Anwesenheit von Drüsen festgestellt. In
den nächsten Tagen entwickelten sich allenthalben am Körper zahl¬
reiche kleine, nur einzelne grössere Knoten, die rasch abszedierten
und stets Aktinomyzesdrüsen enthielten; im ganzen wurden etwa 180
Abszesse gezählt. Die Fussohlen waren dicht besetzt und einige
Abszesse (Nasenspitze und Lippen) waren für den armen Kranken
sehr quälend. Es musste nach diesem Verlauf analog
dem oben geschilderten Fall ein Durchbruch eines
aktinomykotischen Herdes (Mediastinaldrüsen? das Rönt¬
genbild hatte anfangs keinen dafür sprechenden Befund ergeben) i n
dieBlutbahn (bezw. Herz; Perikarditis) angenommen wer¬
den. Der Exitus erfolgte am 17. I. 08.
Die Obduktion ergab Mediastinitis und Lymphade¬
nitis actinomycotica mit Durchbruch in die Vena
cava super. Endocarditis und Myocarditis actinomyc. Aktino¬
mykotische Herde im Gehirn, in den Lungen und Nieren; zahlreiche
Herde in der Haut und im subkutanen Gewebe.
Herr Kissling demonstriert die Kurven, Thoraxröntgenbilder
und Zeichnungen von mehreren der erwähnten Hautabszesse
und die anatomischen Präparate beider Fälle. Er betont ausdrücklich,
dass bei beiden Kranken nicht das geringste darüber
zu eruieren war, wie sie zu der Aktinomyzesinfektion
gekommen sind. Es sind bis jetzt nur 2 derartige Fälle von
B e n d a beschrieben worden. (Die Fälle werden noch ausführlich
veröffentlicht werden.)
Diskussion: Herr König: Die mitgeteilten Beobachtungen
sind sehr interessant wegen ihrer Seltenheit. Für gewöhnlich führt die
Aktinomykose mehr zu harten Indurationen mit kleinen Erweichungs¬
herden. Bei der Schwierigkeit der Diagnose ist es von einiger Be-
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deutung, dass in diesen Produkten die Aktinomyzeskörner
ungemein spärlich sein können. So exstirpierte K. einen
Tumor der Zunge, der auf dem Durchschnitt ein einziges Korn auf¬
wies, ähnlich war der Befund bei einer inneren kompletten Mastdarm¬
fistel. Endlich fand sich nur ein Korn bei einem grossen indurierten
Tumor der linken Unterbauchgegend, welcher zur Resektion der
Flexur samt einem ganzen Stück der Bauchwand zwang. Allemal
wurden die Körner mikroskopisch als Aktinomyzes sicher festgestellt.
Herr Schottmüller betont, dass die Infektion mit Aktino-
myzes in der Regel dadurch erfolge, dass mit dem Strahlenpilz be¬
haftete Kornähren zerkaut würden. Der Umstand, dass in beiden
von dem Vortragenden.angeführten Fällen die Mediastinaldrüsen zu¬
erst erkrankt waren, lasse auch hier diesen Infektionsmodus als sehr
wahrscheinlich erscheinen. Sch. hat vor Jahren ein 16 jähriges Mäd¬
chen behandelt, weiches unter geringfügigen Erscheinungen von Seiten
des Respirationstraktus, Husten und Fieber, erkrankt war. Die phy¬
sikalische Untersuchung ergab zunächst keinen pathologischen Be¬
fund. Man dachte an Bronchialdrüsentuberkulose. Im weiteren Ver¬
laufe bildete sich im Epigastrium eine Hervorwölbung aus, über der
die Haut gerötet war. Schliesslich brach der Abszess auf und es ent¬
leerte sich mit dem Eiter eine grosse Menge von kleinen schweiei¬
gelben Körnchen, in denen bei der mikroskopischen Untersuchung
reichlich Aktinomyzesdrüsen nachgewiesen werden konnten. Unter
Gaben von Jodkali erfolgte Ausheilung. Die Zahl der gelben Körn¬
chen nahm dauernd ab und in der letzten Zeit, als die Fistel noch
sezernierte, konnten keine Körnchen mehr nachgewiesen werden.
Herr E. Paschen: Ueber Schafpocken.
Nach historischen Bemerkungen über die Schafpocken, die
seit dem Erlass des Reichsgesetzes über die Abwehr und die
Unterdrückung der Viehseuchen im Jahre 1880, wodurch die
Ovinisation, die Schutzimpfung verboten- wurde, in Deutsch¬
land ziemlich verschwunden sind., beschreibt Ref. die verschie¬
denen Versuche, durch Mitigierung des Virus die Seuche zu
bekämpfen. Toussaints Versuche mit unreinen Kulturen
des Erregers in Bouillon, Pourquiers. Experimente:
Lympheentnahme von Revakzinationspusteln, die schwächer
wirken sollten. Wirklichen Fortschritt, resp. vollen Erfolg
scheint Konews Verfahren zu bedeuten, der das Virus durch
eine Passage durch 15 Ziegen so abschwächte, dass es wie die
Jenn ersehe Vakzine sich verhält: es schützt die Schaie
gegen Ansteckung und macht die geimpften Tiere für die Um¬
gebung ungefährlich: fixes Virus. Auf diese Weise hat
K o n 6 w 90 000 Schafe mit Erfolg geschützt.
Von allen Tierpocken stehen die Schafpocken den mensch¬
lichen am nächsten. Beschreibung des Verlaufes der spontan
entstandenen Pocken nach Nocard und Leclainche. -
Inokulationen kutan und subkutan wurden in der Impfanstalt
an einer Reihe von Schafen vorgenommen. Die Ovine stammte
vom Institut Pasteur, durch W u r t z und L e v a d i t i, später
von B o s e in Montpellier, zuletzt von K o n e w. Beschreibung
des Verlaufes nach Vorführung von Temperaturkurven.
Lungen und Magen mit spezifischen Erkrankungen.
An der Hand von mikroskopischen Präparaten und Dia-
Positionen werden die Zelleinschlüsse erwähnt, die ebenso wie
bei der Vakzine als Reaktionsprodukte auf. das Virus anzu¬
sehen sind. Ref. konnte an Klatschpräparaten nach Ewing
an der Schafpocke — die Objektträger wurden vorher und
nachher osmiert, dann mit Qiemsa gefärbt — nachweisen, dass
die Zelleinschlüsse, die man hier wie bei Klatsch Präparaten
von den geimpften Kaninchenkokken, resp. Kaninchenpustel
erhält, mit Sicherheit nicht Protozoen sind; sie sind Abkömm¬
linge des Kernes, resp. Chromidien.
Als Träger des Virus möchte Ref. kleinste Körperchen
ansehen, die er an verdünnten Ausstrichen von Ovine mit
Löffler scher Beize nach Qiemsa darstellen konnte. Die¬
selben sind mit den vom Ref. vor 1 Vi Jahren im ärztlichen Ver¬
ein demonstrierten Körperchen nach Löffler gefärbten Aus¬
strichen von Variola und Kinderlymphe identisch.
Dieselben zeigen ebenfalls Zweiteilung, sind ausserordent¬
lich klein, mit Giemsa schwach, mit anderen Färbungen sehr
schwer darstellbar. Prowazek beschreibt in seiner Pub¬
likation 1 in der Münch, med. Wochenschr. vom 3. XI. kleine
Körperchen in der Variola, die er für die Erreger anspricht;
dieselben sind etwas kleiner, als die vom Ref. in Vakzine
demonstrierten. Nach Ansicht des Ref. ist die Präparations¬
methode dabei massgebend; durch voriges Wässern der ge¬
trockneten Ausstrichpräparate werden die einzelnen Körper¬
chen vom Serum befreit, erscheinen so kleiner. Ref. projiziert
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UNIVERSUM OF CALIFORNIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
209
2 vor 1 14 Jahren angefertigte Mikrophotogramme von Variola¬
ausstrichen, die diesen Unterschied deutlich zeigen. Nach
Prowazeks Rückkehr — nach brieflicher Mitteilung im
März nächsten 1 Jahres —- wird Ref. die Präparate vergleichen
können.
Naturwissen8chaftl.-medizini$che Gesellschaft zu Jena.
(Sektion für Heilkunde.)
Sitzung vom 17. Dezember 1908.
Herr Paul Krause: a) Vorstellung eines spontan geheilten
Falles von Innerem Pneumothorax bei Tuberkulose der Lunge.
Der Patient bekam am 15. Juni 1908 heftige Atemnot mit Schmer¬
zen in der rechten Seite, und zwar im Anschluss an einen forcierten
Marsch über das Gebirge. Der klinische Befund gestattete die Dia¬
gnose eines inneren, offenen, partiellen Pneumothorax mit einer ge¬
ringen Spitzeninfiltration und Lungenspitzenkatarrh. Das Röntgenbild
bestätigte die Diagnose. Die Schirmuntersuchung ergab einen auf¬
fallenden Tiefstand und Stillstand des Zwerchfells auf der erkrankten
Seite. Ferner zeigte sich als ein sehr merkwürdiges Phänomen, dass
bei jeder tiefen Inspiration der Herzschatten zirka 2 cm in den
Pneumothoraxraum hineingedrängt wurde und dabei auffallend starke,
rhythmisch gleichmässige, pulsatorische Bewegungen ausführte. Der
unterste Teil des Lungenstumpfes pulsierte gleichfalls.
Dem Patienten wurde eine strenge Liegekur verordnet. Nach
ca. 4 Wochen hatte sich der Pneumothorax verkleinert. Das Zwerch¬
fell führte an den medialen Partien bereits geringe Bewegungen aus.
Die oben beschriebene Beweglichkeit des Herzens war beträchtlich
geringer geworden. Nach weiteren 3 Wochen war der Pneumothorax
geheilt.
Sehr interessant ist in diesem Falle neben dem Röntgenbefunde
die Tatsache, dass durch den Pneumothorax der bestehende
Lungenspitzenkatarrh nach Heilung des Pneumothorax
nicht mehr konstatiert werden konnte. Es ist fraglos eine Besserung
des tuberkulösen Lungenprozesses eingetreten; ein Befund, der durch
den, in der neueren Zeit in Deutschland speziell durch Brauer
empfohlenen, künstlich angelegten Pneumothorax bei Lungentuber¬
kulose sehr beachtenswert ist.
b) Vorstellung eines bisher noch nicht beobachteten Röntgen¬
befundes in der Tibia einer an neurotischen Oedem leidenden Pa¬
tientin.
Die Kranke bot das typische Bild des neurotischen Oedems.
Schmerzhafte Schwellungen zuerst in der rechten Parotisgegend,
später in der Schultergegend, über dem Knöchel, der inneren Seite
der Oberschenkel etc. wechselten in rascher Folge ab. Fieber be¬
stand nicht, dagegen hochgradige subjektive Beschwerden. Eigen¬
artige Magenschmerzen, die seit lVz Jahrzehnten bestanden, schienen
denselben Ursprung zu haben. Als der Vortragende die Patientin erst
sah, hatte sie eine mässige Rötung und starke Schwellung
über dem linken Knöchel. Liess sie das Bein herunterhängen,
so trat innerhalb 20 Sekunden eine Rötung des ganzen Un¬
terschenkels mit starken Schmerzen auf. Da die Kranke sich
angeblich bei einem Ausflug auf die Berge verletzt hatte, wurde eine
Röntgenphotographie angefertigt. Diese zeigte in verschiedenen
Ebenen hergesteilten Aufnahmen stets eine zentral gelegene,
etwa 10cm lange Verdichtung innerhalb des untersten
Teiles der Tibia, etwa von der Dicke eines kleinen Fingers,
oben und unten leicht konisch zugespitzt. Die Deutung dieses Be¬
fundes ist sehr schwierig. Es konnte sich um eine alte Osteo¬
myelitis handeln, dafür war anamnestisch kein Anhalt. Ferner
käme in Betracht eine kongenitale Anomalie; für eine lueti¬
sche Veränderung spricht der Befund sicher nicht, da das Periost und
die übrige Knochenstruktur sich normal verhielten. Auch bei einer
alten ausgeheilten Osteomyelitis würde man wohl periostitische Ver¬
änderungen finden. Eine sichere Deutung würde nur durch die ana¬
tomische Untersuchung ähnlicher Fälle ermöglicht werden.
Herr M. Stickel: Ueber Geburtsstörungen durch Missbil¬
dungen. (Erscheint ausführlich an anderem Orte.)
St. berichtet über 2 von ihm beobachtete Fälle hinsichtlich der
Therapie und Aetiologie.
Im ersten Falle machte kongenitale Zystennieren kom¬
biniert .mit Aszites und hochgradiger Dilatation der Harnblase bei
Zwillingsschwangerschaft die Eviszeration des zweiten Zwillings er¬
forderlich. St. will nach dem Vorgänge von Otto B u s s e die kongeni¬
talen Zystennieren als Bildungshemmung aufgefasst wissen, also als
Missbildung, nicht als Tumorbildung. Für die angeborene Harn¬
blasendilatation wurde eine anatomische Ursache nicht gefunden.
Im zweiten Falle führte ein Sakraltumor der Frucht von nicht
gewöhnlicher Grösse zur Embryotomie. Der Sakraltumor stellte sich
histologisch nicht als Missbildung dar, sondern als echter Tu¬
mor; es war ein Adenokystom mit stellenweiser sarkomatöser Ent¬
artung.
Herr Hartmann berichtet aus der Frauenklinik über die Re¬
sultate einer grösseren Reihe von Bestimmungen der Gerinnungszelt
des Blutes nach der B ü r k e r sehen Methode. Das Mittel der Ge¬
rinnungszeit, aus den letzten 300 Bestimmungen genommen, betrug
472—474 Minuten bei 25 °. Abweichungen im Sinne einer Verkürzung
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traten ziemlich konstant auf nach grösseren, langdauernderen, blu¬
tigeren Operationen. Die Gerinnungsbeschleunigung beruht wahr¬
scheinlich auf dem Blutverlust. Verzögerte Gerinnungszeiten konnte
H. bei zwei Patientinnen feststellen. Alle anderen Faktoren, wie
Alter, Menstruation, Gravidität, Nahrungsaufnahme, Temperatur etc.
bewirkten keine mit der B ü r k e r sehen Methode nachweisbare Ver¬
änderung der Gerinnungszeit.
(Erscheint in erweiterter Form in dieser Wochenschrift.)
Herr Busse: Ueber die Fehlergrösse beim Opsoninversuch.
Die W r i g h t sehe Opsonintheorie schlägt die Brücke zwischen
der humoralen Theorie und der Phagozytenlehre Metschni-
koffs. Sie hat sich in England und Amerika fast durchweg Aner¬
kennung erworben, während die deutschen Forscher mit wenigen
Ausnahmen wegen der grossen Fehlerquellen ihr ablehnend gegen¬
überstehen. Vortr. bespricht an der Hand der einzelnen Phasen des
Versuches mit Staphylokokken die möglichen Fehler und ihre Grösse
und kommt zu dem Resultat, dass nicht die Methode mit ihren
Schlüssen abzulehnen ist, sondern dass der einzelne Untersucher die
für ihn persönlich geltenden Versuchsfehler beim Arbeiten mit den
verschiedenen Krankheitserregern festzustellen hat. Die Ausschläge
des opsonischen Index, welche diesen übersteigen, sind verwertbar.
Er meint, dass mit zunehmender Technik die Resultate an Sicherheit
gewinnen.
Physiologischer Verein in Kiel.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 30. November 1908.
Herr Anschiitz stellt zwei Fälle von Morbus Basedow vor.
Herr Wandel: Ein Fall von Raynaudscher Krankheit.
Der 22 jährige Patient, seines Standes Gerber, war bis Januar
ds. Js. bis auf gelegentliche „Weinkrämpfe“ und eine gewisse leichte
Erregbarkeit seines Nervensystems ganz gesund. Am 26. Januar er¬
krankte er beim Militär an einer Lungenentzündung, wegen der er *
6 Wochen im Lazarett lag. Als er dann nach einem Erholungsurlaub
von 14 Tagen, während dessen er sich angeblich noch sehr matt ge¬
fühlt hatte, den militärischen Dienst teilweise wieder aufnahm, bekam
er beim Stalldienst die ersten Erscheinungen des jetzigen Leidens.
Die Fingerspitzen beider Hände wurden nach anfänglichem Kribbeln
und Ameisenlaufen blass und blau; dabei trat allmählich heftiger
Schmerz und das Gefühl von gänzlichem Abgestorbensein ein. Wäh¬
rend der schmerzhaftesten Anfälle wurden die Mittel- und Endglieder
der Finger ganz weiss und blutleer. Die einzelnen Anfälle dauerten
mehrere Minuten bis Stunden. Im Juni 1908 wurde er wegen dieses
Leidens vom Militär entlassen.
Wir haben hier mehrere solcher Anfälle beobachtet, die ganz
und gar dem Bild der Raynaud sehen Krankheit glichen, auch in
der anfallsfreien Zeit ist eine starke Herabsetzung der Sensibilität
an den Händen zu konstatieren. Durch Eintauchen in warmes Wasser
gelingt es die Anfälle meist rasch zu beseitigen.
Als Ursache dieser Zustände wird ein örtlicher arterieller Ge-
fässkrampf angenommen, der zur lokalen Ischämie, in den schwersten
Fällen zum örtlichen Gewebstod (trockener Gangrän) führt (Demon¬
stration entsprechender Moulagen).
Als allgemeine Ursachen dieser lokalen Asphyxie wird das Ueber-
stehen von erschöpfenden Krankheiten, Blutverlusten, Anämien,
von grossen Strapazen mit Abkühlungen und Durchnässungen, ferner
das Durchmachen gewisser Infektionskrankheiten, besonders Typhus
und Intermittens, schliesslich neuropathische Belastung und Hysterie
angesehen.
In unserem Falle kommen 2 Momente als disponierende Ur¬
sachen in Frage:
1. Eine grosse allgemeine Irritabilität des Nervensystems mit
starker Herabsetzung der Sensibilität an den Gliedern, zeitlich und
örtlich schwankend, wie man es beim Bilde der Hysterie sieht.
2. Das Ueberstehen einer Pneumonie, einer Krankheit, von der
wir wissen, dass ihre spezifischen Gifte einen grossen schädigenden
Einfluss auf die Vasomotoren ausiiben, ein Umstand, der in vielen
Fällen die Prognose bei der Pneumonie beherscht.
Herr HIIIer berichtet über seine Röntgenuntersuchungen über
Form und Lage des Magens. An Orthodiagrammen zeigt er, dass
Form und Lage wesentlich durch die Körperhaltung beeinflusst wer¬
den, so dass oft, namentlich bei Männern, eine im Stehen vorhandene
Rieder sehe Hakenform im Liegen in die Holzknecht sehe
Rinderhornform übergeht. Er betrachtet die Rieder sehe Angel¬
haken- oder Syphonform durchaus als normal, zumal da er durch
Röntgenuntersuchungen an Föten verschiedenen Alters nicht nur die
Vertikalstellung des Magens nachweisen konnte, sondern auch den
Pylorusteil stark nach unten ausgebuchtet fand. Den tiefsten Punkt
des Magens nahm der Pylorus bei älteren Föten nie ein — ein
Zustand, den Holzknecht als Kriterium des normalen Magens
verlangt.
Herr A n s c h ü t z spricht über die Bedeutung des Magen¬
saltflusses für die Chirurgie. (Erscheint in extenso an anderem
Orte.)
Original from
UNIVERSUM OF CALIFORNIA
210
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 4.
Allgemeiner ärztlicher Verein zu Köln.
(Bericht des Vereins.)
Sitzung vom 19. Oktober 1908.
Vorsitzender: Herr Cahen I.
Schriftführer: Herr Klein jun.
Herr Dreesmann: lieber Pankreatitis. (Der Vortrag
erscheint an anderer Stelle dieser Wochenschrift).
Sitzung vom 2. November 1908.
Vorsitzender: Herr Strohe I.
Schriftführer: Herr Klein jun.
Herr Hopmann jun.: Uebungstherapie bei Sprach¬
störungen.
Nach kurzer Umgrenzung des von einem Spracharzte zu
beherrschenden Gebietes setzt Vortr. auseinander, wie die bei
den Sprachstörungen vorzunehmenden Uebungen sich auf die
Sprachphysiologie gründen und zeigt dies an der Entwicklung
des Vokals A bei Taubstummen. Wie bei diesen Gesicht und
Getast ausschliesslich zur Lau terrt Wicklung zu verwenden sind,
so ist dieser optisch-taktile Weg bei den meisten Sprach-
gestörten entweder einzig gangbar oder doch besser zum Ziele
führend als der Gehörsweg. Dies im einzelnen auseinander¬
gesetzt an den Sprachübungen, die vorzunehmen sind: 1. bei
Aphasischen — hier besonders auf die Bedeutung der Schreib-
iibungen mit der linken Hand, die von Gutzmann empfohlen
sind, hingewiesen —; 2. bei Stammeiern ; 3. bei Patienten mit
Verbildungen und Missbildungen der Sprachorgane. Unter
diese Gruppe fallen auch die Kranken mit notwendigen
Operationsverstümmelungen z. B. solche, denen der Larynx
gänzlich entfernt werden musste. Vortr. kann einen derartigen
Patienten demonstrieren und auf die Besonderheiten in der
Entwicklung einer möglichst deutlichen Pharynxstimme auf¬
merksam machen.
Die Behandlung des Stotterns wird nur ganz kurz gestreift,
da zur etwas eingehenderen Darstellung ein besonderer Vor¬
trag nötig wäre.
Aerztlicher Verein zu Marburg.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 26. November 1908.
Vorsitzender: Herr Hildebrand.
Schriftführer: Herr Sardemann.
Herr Friedrich stellt zunächst einen 23jährigen Unteroffizier
vor mit Stichverletzung des Herzens (rechter Ventrikel) durch Herz¬
naht geheilt
Der Verletzte kam 1% Stunden nach erlittenem Stich im 5. linken
Interkostalraum zwischen Mammillarlinie und Sternallinie, schwer
kollabiert zur Aufnahme. Die Kollapserscheinungen steigerten sich
mehr und mehr, so dass die Freilegung des Herzens erforderlich
wurde. Wegen gleichzeitig bestehendem Pneumothorax linkerseits
wurde die Operation im Brauer sehen Ueberdruckapparat ausge¬
führt. Weichteillappen mit Basis am Sternum; nach Resektion von
10 cm der 5. Rippe und querer Spaltung des Herzbeutels wurde
durch das Druckdifferenzverfahren der Pneumothorax ausgeschaltet,
die Naht des noch blutenden Stiches des rechten Ventrikels (nahe
am Septum) durch 3 Seidennähte leicht bewerkstelligt. Nachdem das
grosse Hämatom des Herzbeutels, das durch dauernde Zunahme die
Herztätigkeit mehr und mehr lähmte, beseitigt ist, lässt sich sofort
die Besserung des Pulses und eine grössere Regelmässigkeit und
Kräftigkeit der Schlagfolge des Herzens feststellen. Das Perikard
wird in ganzer Ausdehnung mit Knopfnähten geschlossen; ebenso die
Pleura durch Naht geschlossen und der mit seiner Basis nach dem
Sternum gerichtete Weichteillappen wieder ganz eingenäht.
Der vorgestellte Kranke bietet jetzt ein frisches, blühendes Aus¬
sehen; über dem Herzen sind keinerlei endo- oder perikarditische
Geräusche nachweisbar. Der Verletzte kann jetzt in voller Leistungs¬
fähigkeit seiner Truppe zurückgegeben werden.
(Die genaue Beschreibung des Falles soll in der „Deutschen
militärärztlichen Zeitschrift“ erfolgen.)
Zweitens demonstriert Friedrich einen jungen Mann mit
Stlchverletzung des linken Nierenbeckens von vorn her, durch Stich
im 8. linken Interkostalraum ohne gleichzeitige Mitverletzung des
Magens oder eines anderen Organes der Bauchhöhle.
Als Patient zur Aufnahme in die Klinik gelangte, konnte die
Diagnose der penetrierenden Stichverletzung sofort gestellt werden,
doch wurde neben intraabdominalem Bluterguss bei totalem Aus-
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packen des Magen-Darm-Traktus an diesem keinerlei Verletzung
festgestellt, und zunächst nur gegen die Tiefe locker tamponiert.
Nachmals Urinentleerung durch die Bauchwunde und intermittieren¬
des Auftreten von Eiter im Urin bei Wundschluss, wieder Klarwerden
des Blasenurins, wenn die Wunde sich öffnete.
Heilung erfolgte mit ureteroskopisch deutlich nachweisbarem
Funktionsrückgang der linken Niere.
Drittens zeigte Friedrich einen Fall von totaler Querzer-
reissung der r. Niere mit tiefem Einriss der Nlerengefässe, nach Sturz
aus 2 m Höhe. Diagnose der schweren inneren Blutung konnte ge¬
stellt, der Ausgang von der rechten Niere bald ermittelt werden, und
die sofortige Exstirpation der rechten Niere führte zu glatter Heilung.
Viertens Demonstration eines 6 jährigen Knaben mit ausgedehn¬
ter Schädelzertrümmerung durch Automobilüberfahrung; Verletzung
des Sinus transversus, rasch sich steigerndem Hirndruck: Trepana¬
tion, Entlastung des Hirnes, Stillen der Sinusblutung, Heilung
F. knüpft an alle Fälle eingehende Erörterungen der Diagnose
und operativen Indikationsstellung, deren Schwierigkeit bei Herz¬
verletzungen mit gleichzeitigem Pneumothorax durch Verwendung
des Druckdifferenzverfahrens sich verringern lässt. Den Fall von
Hirnverletzung setzt er in Beziehung zu einer grösseren Zahl be¬
merkenswerter Hirnverletzungen, deren einen (im vorigen Jahr in?
ärztlichen Verein vorgestellten) er erneut demonstriert und über
die insgesamt Dr. Schöne eine kritische Bearbeitung liefern, so¬
wie Herr Koch in einer Dissertation berichten wird.
Herr Stoeckel demonstriert:
1. einen Fall von Totalprolaps der Scheide und des Mastdarms
bei einer 67 jährigen Frau, der durch ausgiebige vordere und hintere
Kolporrhapie, Bildung eines breiten, hohen Dammes, Resektion von
ca. 8 cm des stark dilatierten Sphinkter ani externus und Amputation
des ca. 15 cm weit vor den Anus prolabierten Rektalrohres geheilt
wurde. Der überdehnte Sphinkter gestattete vor der Operation mühe¬
los die Einführung der ganzen Hand. Es erfolgte Primärheilung bei
glatter Rekonvaleszenz und mit völliger Wiederherstellung der
Sphinkterfunktion. Die Operierte stand bereits vom 2. Tage post
operationem auf.
2) einen Fall von wiederholter Tubargravidät Vor 4 Jahren
war die Patientin wegen linksseitigen Tubenaborts laparotomiert
worden; vor kurzem kam sie wiederum in die Klinik mit einer
grossen, rechtsseitigen Hämatozele, die fast bis zum Nabel reichte.
Die konservative Therapie (Heissluftbehandlung) genügte nicht zur
Resorption der Blutmassen. Es wurde daher zum zweiten Male
laparotomiert und die Hämatozele mitsamt den rechten Adnexen
entfernt.
Die neuerdings wiederholt ausgesprochene Mahnung, man solle
bei der Operation von Extrauteringravidität stets auch die Beschaffen¬
heit der nicht beteiligten Adnexe kontrollieren und bei vorhandenen
Adhäsionen auch die zweite Tube mitnehmen, verdient Beachtung.
Herr Bach bespricht unter Demonstration eines Falles das
Krankheitsbild der hereditären, familiären Sehnervenatrophie. Aus
dem Stammbaum dieses Falles ergibt sich, dass die Vererbung an¬
scheinend durch die Grossmutter mütterlicherseits, die selbst er¬
krankt gewesen sein soll, übertragen wurde.
Die Mutter des 15 jährigen, vor 3 Monaten erkrankten Patienten,
der das einzige Kind seiner Eltern ist, hatte das Leiden nicht, da¬
gegen ihre 3 Brüder, die alle hier untersucht wurden. Bei zweien
derselben war das Leiden mit Schädigung der Sehschärfe bis auf Er¬
kennen von Fingern in 2 m, aber bei freiem peripheren Gesichtsfeld,
bei einem mit Herabsetzung des Sehens r. auf ö /is, 1. nur auf % ab¬
gelaufen. Alle hatten ausgesprochene Sehnervenatrophie.
Grossvater und Urgrossvater mütterlicherseits sowie eine Gross¬
tante und deren Kinder (2 Söhne und 1 Tochter) hatten gesunde
Augen.
Der von B. vorgestellte Kranke bemerkte gegen Ende August
1908 eine Abnahme der Sehschärfe auf beiden Augen.
Bei der ersten Untersuchung am 7. IX. 08 war bereits beider¬
seits die zentrale Sehschärfe auf Fingerzählen in ungefähr 3 in
herabgesetzt.
Die Peripherie des Gesichtsfeldes war nahezu intakt, hingegen
bestand ein zunächst relatives, späterhin absolutes zentrales Skotom.
Rotblindheit auch peripher.
Die Untersuchung der Pupillen ergab folgendes:
R.
L.
Durchfallendes Licht.
... 7,5
7,5
Binokul. (Gasglühlicht) ....
... 4,0
4,0
Monokul. (Gasglühlicht) . . .
. 4,25
4,25
Konvergenz .
... 3,5
3,5
Reaktion auf sensible und psychische Reize positiv. Ophthalmo-
logisch bestand zunächst eine geringe Entzündung des Optikus, der
bald das atrophische Stadium folgte. Untersuchung des Nerven¬
systems und Allgemeinuntersuchung negativ.
Herr Krusius: Ueber einen Fall von trophoneurotlschen Sto¬
rungen beider Augen.
Vortragender demonstriert einen Patienten mit einem Hornhaut¬
geschwür des einen Auges und einer sich abschilfernden, abnorm
brüchig und trockenen Hornhaut des anderen Auges. Es bestand ganz
spärlich trockenes zähes Sekret, das im Ausstrichpräparat keine Fa*'
Original ffom
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
26. Januar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
211
terien zeigte. Der Patient machte im allgemeinen einen elenden
kachektischen Eindruck, doch ergab die Allgemeinuntersuchung keine
Organerkrankung und kein allgemeines Nervenleiden. Es bestand
beiderseits fast völlige Anästhesie der Hornhaut. Hemeralopie be¬
stand nicht nachweislich. Durch die einfache dauernde Bedeckung
der Hornhaut durch die Lider unter einem Verband und roborierende
Diät gelang es, die objektiven Kornealerscheinungen fast völlig zum
Schwinden zu bringen, das Geschwür heilte ab, die Hornhaut ward
wieder spiegelnd und die Sensibilität kehrte, wenn auch nicht voll¬
ständig, wieder. Vortragender neigt nach Ausschluss einer Xerose
zur Annahme einer peripheren vorübergehenden Erkrankung der
Hornhautnerven, die sekundär die Verletzlichkeit und Erkrankung der
Hornhaut zur Folge hatte.
Militärärztliche Gesellschaft München.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 17. Dezember 1908.
Vorsitzender: Generaloberarzt Hofbauer.
Teilnehmer: 53.
Stabsarzt Schönwerth demonstriert:
1. erfolgreich operierten Ileus bei einem Infanteristen; Darm¬
knickung durch Adhäsion einer tiefgelegenen Ileumschlinge an der
vorderen Bauchwand, Laparotomie, doppelte Ligatur, Durchtrennung
der Adhäsion.
2. Nierenstein, einen Ausguss des Nierenbeckens darstellend;
mit Erfolg entfernt durch Nephrotomie bei einer 36 jährigen Frau.
3. einen 9 jährigen Knaben, bei dem sich im Anschluss an Er¬
öffnung eines Blinddarmabszesses Darmfistel entwickelte (tief ge¬
legene Ileumschlinge half Wandung des Abszesses bilden und per¬
forierte durch Einwirkung des Eiters): Heilung durch Resektion der
S cm langen, die Fistel tragenden Dünndarmschlinge.
Diskussion: die Herren v. Bestelmeyer und Mandel.
Stabsarzt Glas: Ueber transitorische, epileptische Bewusst¬
seinsstörungen mit Wandertrieb.
Kurze Besprechung der klinischen Erscheinungen bei Epileptikern
mit ausgesprochenen Krampfanfällen und solchen mit Bewusstseins¬
störungen ohne Krampfzustände. Die 3 grossen Gruppen der
psychischen Veränderungen und Störungen bei Epileptikern sind:
1. andauernde, allmählich fortschreitende Veränderung des Cha¬
rakters;
2. längere oder kürzere Zeit andauernde komplizierende psy¬
chische Störungen;
3. anfallsweise auftretende Zustände mit transitorischen Bewusst¬
seinsstörungen.
Aus der dritten Gruppe werden Fälle aus der Literatur, dann
3 Eigenbeobachtungen geschildert, bei denen die Erkrankten ohne
ihr Wissen und Wollen herumgingen, Reisen und Wanderungen unter¬
nahmen, die zweck- und sinnlos erschienen, und mit dem Anschein
vollkommenster Geistesklarheit alle Schwierigkeiten überwanden, die
notwendigerweise mit der regelrechten Ausübung dieser Tätigkeiten
verbunden waren. Dämmerzustand im ersten Fall 12 Stunden, im
zweiten 5 Tage, im dritten 7 Wochen. In den ersten beiden Fällen
Erinnerung nicht gänzlich aufgehoben, im letzten völlige Erinnerungs¬
losigkeit für die 7 wöchige Wanderung. Alle 3 boten während der
Lazarettbeobachtung nur wenig krankhafte Erscheinungen, doch be¬
rechtigte die Feststellung von epileptischen bezw. epileptoiden Ante-
zedentien durch Erhebungen zur Annahme, dass es sich um Dämmer¬
zustände auf epileptischer Grundlage handelte.
Die Fälle lehren, mit Ausnahme des dritten, dass vollständige
Amnesie nicht mehr als Kriterium der epileptischen Dämmerzustände
aufzustellen ist, charakteristisch ist lediglich das veränderte Be¬
wusstsein, der Grad der Veränderung kann allerdings sehr ver¬
schieden sein. Zum Schluss wird die psychiatrisch-forensische Be¬
deutung der Fälle berührt. Hauenschild.
Natarwissenschaffl.-medizinischer Verein zu Strassburg.
(Medizinische Sektion.)
(Bericht des Vereins.)
Sitzung vom 4. Dezember 1908.
Herr J. R. E w a 1 d: Altes und Neues aus dem Gebiete der
physiologischen Akustik.
Man kann sehr leicht mit Hilfe des von H. Reben storff
angegebenen Verfahrens schallempfindliche Flammen her-
steilen. Der Vortragende demonstriert eine solche Flamme.
Her Luftstrom, der nach seiner Karburierung die Flamme
liefert, trat aus einem grösseren Luftkessel aus, in dem die
Luft mit einer Luftpumpe komprimiert war. Es lässt sich aber
auch der gewöhnliche Leuchtgasstrom statt der atmosphäri¬
schen Luft verwenden und ist für diesen Fall dann ausser dem
kleinen Karburator kein besonderer Apparat zur Erzeugung
des Luftstromes vonnöten. Der Vortragende benützte die
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empfindliche Flamme, um die Wirkungsweise von Resonatoren
zu zeigen. Auf den aus dem Apparat austretenden kar-
burierten Luftstrom wurden zwei kugelförmige Resonatoren
gerichtet, derart, dass sie mit ihren Ohröffnungen bis dicht
an den Luftstrom reichten. Zwei auf die Resonatoren ab¬
gestimmte Stimmgabeln wurden ganz schwach angeschlagen.
Sie wirkten auf die empfindliche Flamme aber nur, wenn man
sie dicht vor die Oeffnung des betreffenden Resonators hielt.
So liess sich zeigen, dass jeder Resonator nur durch die eine
auf ihn abgestimmte Stimmgabel erregt wurde. Schlug man
die Stimmgabeln aber stärker an, so wirkten beide Qabeln auf
beide Resonatoren, obgleich sie um etwa 150 Schwingungen
verschieden waren. Hieran anschliessend besprach der Vor¬
tragende die Schwierigkeiten, die sich bei der Annahme er¬
geben, dass beim Hören eines Tones derselbe auf einen Re¬
sonator allein resp. nur auf eine kurze Strecke der Basilar-
membran erregend wirken soll. Das Max Wien sehe Be¬
denken in dieser Beziehung ist durch die Wätzmann sehen
Angaben nicht beseitigt worden. Eine andere Tatsache, die
sich nicht mit der Resonatorentheorie in Uebereinstimmung
bringen lässt, ist vom Vortragenden zusammen mit J ä d er¬
hol m in letzter Zeit nochmals genau festgestellt worden. Sie
betrifft die Herabsetzung der subjektiven Tonhöhe durch ob¬
jektive Steigerung der Intensität. Ein sehr lauter Ton klingt
wenigstens um V» Ton tiefer als wenn man ihn sehr leise hört.
Durch die Schallbildertheorie wird diese Tatsache nicht nur
sehr leicht erklärt, sondern direkt gefordert. Bei grosser
Amplitude der stehenden Wellen nimmt die mittlere Spannung
der Membran etwas zu, und da die Fortpflanzungsgeschwindig¬
keit der Wellen mit der Spannung der Membran wächst, so
müssen die Knotenpunkte der Wellen bei Zunahme der In¬
tensität der Töne etwas weiter von einander rücken, also den
Abstand eines tieferen Tons erhalten.
Diskussion: Herren Cohn, Ewald, Braun, Colin,
Ewald.
Aus den Wiener medizinischen Gesellschaften.
(Eigener Bericht.)
K. k. Gesellschaft der Aerzte.
Prof. Dr. Hermann Schlesinger: Beitrag zur sensiblen Inner¬
vation des Uterus.
Der Vortragende hat bei einer 30 jährigen Frau mit Syringo¬
myelie erhoben, dass sie bei zwei Graviditäten die Kindesbewegungen
nicht gefühlt hat. Die Geburt erfolgte das erste Mal vollkommen
schmerzlos, das zweite Mal fast schmerzlos (Schmerz gegen Ende
der Geburt wahrscheinlich wegen eines erfolgten Dammrisses). Das
Studium dieses Falles führte ihn u. a. zu folgenden Schlussätzen: Es
gibt eine spezifische Empfindung (Organempfindung). die von der
Wand des Uterus oder vom Peritoneum ausgelöst wird, Erschütte¬
rungen (Kindesbewegungen) anzeigt und auf dem Wege des Sym¬
pathikus zum Rückenmarke gelangt. Sie kann bei Riickenmarksaffek-
tionen isoliert erhalten bleiben oder erlöschen. Sie kann bei un¬
gestörter Berührungsempfindung der Bauchwand verloren gehen. Die
zentralen Bahnen für diese Empfindung verlaufen im Rückenmark
wahrscheinlich gesammelt und treten oberhalb des Sakralmarkes in
das Rückenmark ein. während die den Wehenschmerz vermittelnden
Bahnen mit dem Sakralmark in Verbindung treten. Partielle Quer¬
schnitterkrankung des Rückenmarkes (Läsion der Gegend der Hinter¬
hörner) kann die spezifische Sensation für Kindesbewegungen und
den Wehenschmerz zum Erlöschen bringen. Die zentralen Bahnen
für den Uterusschmerz laufen wahrscheinlich den Bahnen für die
Schmerzempfindung der Haut benachbart.
Assistent Dr. Alfred E x n e r: Operation eines Hypophysentumors
mit Akromegalie.
Die jetzt 34 jährige Frau wurde am 2. Dezember v. J. von
Prof. Hochenegg auf nasalem Wege von einem etwa walnuss¬
grossen Hypophysentumor befreit. Sie war seit 10 Jahren mit immer
zunehmenden konstanten Kopfschmerzen behaftet, erblindete auf dem
linken Auge vollständig, während das rechte Auge hochgradige tempo¬
rale Gesichtsfeldeinschränkung aufwies. Kopf, Hände und Füsse zeig¬
ten die typischen Erscheinungen der Akromegalie, die Stimme wurde
tiefer und rauher, es wuchs ihr ein kleiner Schnurrbart und auch an
der Innenseite der Oberschenkel und am Unterbauch zeigte sich stär¬
kere Behaarung. Die Operation verliei glatt. Die Knochenwand des
Hypophysenwulstes wurde nur zu einem kleinen Teile entfernt, auch
von der Dura wurde nur soviel weggenommen, dass ein scharfer
Löffel eingeführt w'erden konnte, mittels welchem der weiche Tumor
partienweise entfernt wurde. Durch ein Drain gedeckt wurden Jodo¬
formdochte bis an die Operationsstelle eingeführt, um eine Infektion
von der Nase aus nach Möglichkeit abzuhalten. Der Tumor wurde
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
212
MUEbTHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
als malignes Adenom erkannt. Dies war auch in einem früher ope¬
rierten Falle zu konstatieren, es ist seit der Operation fast ein Jahr
verstrichen und die Erstoperierte befindet sich noch ganz wohl.
Der Erfolg bei der jetzt vorgestellten Frau ist ebenfalls als ein
günstiger zu bezeichnen: die heftigen Kopfschmerzen haben fast auf¬
gehört, die früher dicke Haut der Hände und Fiisse ist zarter ge¬
worden, so dass sie sich leicht in Falten abheben lässt, die Finger
und Zehen haben an Umfang abgenommen, die verstärkte Haarbildung
ist zurückgegangen, die Zunge ist kleiner, die Zähne rücken wieder
zusammen, die Frau hat seit der Operation um 4 kg an Körpergewicht
zugenommen. Die akromegalischen Veränderungen, wohl auf Hyper¬
sekretion der Hypophysis beruhend, sind also in der kurzen Zeit
nach Exstirpation dieser Drüse in auffallender Weise zurückgegangen.
Seit der Operation hat sich auch ein deutlich palpabler Mittellappen
der Schilddrüse entwickelt, der Ausfall der Haare an der Oberlippe
und am Unterbauche vom Nabel abwärts zeigt, dass bei der Frau
die früher verwischten weiblichen sekundären Geschlechtscharaktere
nunmehr wieder deutlich hervortreten.
In der Diskussion berichtete Hofrat Prof. v. Eiseisberg
über seine bisherigen Erfahrungen mit der Hypophysenoperation. Er
hat 4 Fälle operiert. Der erste Kranke (typische Akromegalie) ging
leider an foudroyanter Sepsis, die von einer eitrigen Rhinitis ausging,
zugrunde. Die drei anderen Fälle (Typus Fröhlich) sind durch¬
gekommen. Zweimal handelte es sich um Sarkome der Hypoohysis,
die Heilung besteht jetzt seit Ul* Jahren resp. über 1 Jahr, die ein¬
zelnen Symptome und das Allgemeinbefinden haben sich wesentlich
gebessert. Im letzten Falle (Operation am 10. Dezember v. J.) kam
es nach 6 Tagen reaktionslosen Verlaufes zu meningitischen Erschei¬
nungen; die Lumbalpunktion wies trüben Liquor auf, der Strepto¬
kokken enthielt. Die bedrohlichen Svmptome schwanden nach In¬
jektionen mit P a 11 a u f schem Streptokokkenserum und von Elektar-
gol, so dass schon nach einigen Tagen die Lumbalpunktion einen
klaren und keimfreien Liquor zeigte. Die Grösse der Operations¬
lücke hält v. Eiseisberg für die Verhütung einer Infektion von
der Nase aus für bedeutungslos.
Primararzt Dr. Moskowicz: Beseitigung einer grossen Ste¬
nose der Trachea Im Halstelle durch Osteoplastik.
Die vorgestellte Frau litt seit ihrer Kindheit nach einer Tracheo¬
tomie wegen Diphtherie an einer Trachealstenose, wurde des öfteren
operiert, doch stellte sich die Verengerung des Halsteiles der Luft¬
röhre immer wieder ein. Der Vortragende schlug ein Verfahren ein,
welches sich im Rudolfinerhause behufs Beseitigung von Harnröhren-
strikturen gut bewährt hat. Man exzidiert die narbige Partie der
Urethra, deckt das Wundbett mit T h i e r s c h sehen Lappen und näht
die Haut darüber zu. Es wurde also auch hier die Haut am Halse bis
in die verengte Trachea hinein gespalten, die Wundflächen zwischen
Trachea und Halshaut mit Thierschlappen bekleidet, dann wieder ein
neues häutiges Rohr, eine häutige Trachea, gebildet. Um diese leicht
zusammenklappende Luftröhre zu stützen, wurde sie abermals ge¬
spalten, die Ränder beiderseits zu den blossgelegten Muscul. sterno-
cleidomast. angenäht, der grosse Defekt an der vorderen Wand der
Trachea durch einen vom Sternum gebildeten, hinaufgeschlagenen
Hautperiostknochenlappen gedeckt, darüber die Haut vereinigt. Das
Resultat ist ein sehr zufriedenstellendes.
In der Diskussion berichtet Dr. R a n z i über einen Fall aus
der Klinik v. Eiseisberg, der in ähnlicher Weise nach der von
Schimmelbusch herrührenden Methode operiert wurde, wobei
der Knochenlappen ebenfalls tadellos einheilte.
Aus den franzBsischen medizinischen Gesellschaften.
Socldtd de Chirurgie.
Sitzung vom 28. Oktober 1908.
Die Tarsalgie der Erwachsenen.
R e y n i e r bespricht die verschiedenen, über die Pathogenese
dieses Leidens bis jetzt ausgesprochenen Theorien, von welchen
aber noch keine ihn befriedigen könne. Die Theorie von Poncet,
welcher aus der Tarsalgie ein Leiden meist tuberkulösen Ursprungs
mache, scheint mit den Tatsachen nicht übereinzustimmen. Man
findet selten tuberkulöse Veränderungen, obwohl es eine Tarsalgie
durch trockene Arthritis und blennorrhagische Arthritis gibt. Wenn
man sorgfältig die Antezedentien der mit wahrer Tarsalgie behafteten
Erwachsenen studiert, sieht man, dass dieses Leiden fast ausschliess¬
lich bei Individuen mit hereditärer nervöser Veranlagung (bei den
Eltern Alkoholismus, Epilepsie, Hysterie, Tabes usw.) vorkommt.
Die Kranken selbst bieten oft mehr weniger ausgeprägte nervöse
Störungen; diese Individuen ermüden, wenn sie längere Zeit stehen
müssen, sehr rasch, woher Atonie gewisser Muskeln, Kontraktur
anderer. Die Tarsalgie scheint also in Wirklichkeit auf den nervösen
Zustand zurückzuführen zu sein.
Der Vaginismus.
Nach den Ausführungen von R i c h e 1 o t können allgemeine Ner¬
vosität oder kleine Wunden an Vulva, Vagina oder Uterus nicht ge¬
nügen, um in allen Fällen den Vaginismus zu erklären. Diese Reflex¬
erscheinung hat zweifellos in vielen Fällen ihren Ausgangspunkt in
Digitized by Google
No. 4.
tieferliegenden Erkrankungen; so führt R. einen Fall an, wo bei einer
28 jährigen Frau ein hartnäckiger, lange Jahre bestandener Vaginis¬
mus erst nach Operation einer chronischen Appendizitis zur Hei¬
lung gekommen ist.
Lucas-Championniere erklärt es oft für sehr schwierig,
die Ursache des Vaginismus zu finden; dieselbe muss bald in der
Genital-, bald in der extragenitalen Sphäre gesucht werden, oft bleibt
man aber unentschieden, wie es bei einer Patienten L.-Ch.s der Fall
war, deren Vaginismus bis zum Greisenalter anhielt und jeder Be¬
handlung trotzte.
Q u 6 n u und Kuss berichten über einige Beobachtungen von
Ikterus nach Chloroformnarkose; derselbe ist bedingt durch direkte
Veränderung der Leberzellen nach lange dauernden Narkosen und
hat spezielle klinische Merkmale, die seine Differenzierung von an¬
deren Ikterusformen ermöglichen (Somnolenz, Koma, Albuminurie).
Meist endet dieser Ikterus tödlich. Neben diesen Formen von Chloro-
formikterus hepatischen Ursprungs gibt es auch solche hämatogener
Natur (die hämolytische Wirkung des Chloroforms ist ebenso gross
wie die hepatotoxische), welche aber viel weniger ausgesprochen
und von keinem anderen Leber- oder Nierensymptom begleitet sind.
Soctttö m&dicaie des höpitaux.
Sitzung vom 23. Oktober und 6. November 1908.
Chauffard und W1 da 1 berichten über eine familiäre Pneu¬
monie, die gleichzeitig und in fast demselben Verlaufe Mann und
Frau befallen hatte; die Ursache dieser auffallenden Koinzidenz konnte
vielleicht darin liegen, dass beide sehr reichlich Wasser verunreinigter
Herkunft tranken, bleibt aber immerhin noch zweifelhaft.
Netter hält es für wahrscheinlich, dass der reichliche Genuss
kalten Wassers Pneumonie verursachen kann, und hat einen beinahe
identischen Fall erlebt, wo durch Fall in kaltes Wasser ein Patient
sehr bald eine Lungenentzündung bekam. Diese Art chronischer
Erkältung kann eine erhöhte Virulenz des Pneumokokkus herbei¬
führen, welch erhöhte Virulenz man ebenso bei Influenza beobachtet.
Behandlung des Epithelkrebses der Haut und Schleimhäute mittelst
Radiums.
W i c k a m und D e g r a i s haben bemerkenswerte Resultate bei
Anwendung des Radiums auf ausgedehnte Kankroide erzielt, was die
elektive Wirkung des Radiums auf die Epithelzellen bestätigt. Eine
gut geregelte und genügend wirksame Dosierung kann die krankhaften
Veränderungen zum Stillstand bringen, ohne dass es nötig ist noch
dazu eine Entzündung hervorzurufen.
De Beurmanhat dieselben guten Erfolge des Radiums auf
ausgedehnte Oberflächenepitheliome beobachtet.
Brocq hebt die grosse Wichtigkeit dieser Tatsachen hervor,
welche den Vorzug des Radiums vor der Röntgentherapie beweisen.
Die Aerzte könnten dadurch selbst die mit Epithelkarzinom behafteten
Kranken behandeln, ohne sie den Chirurgen überweisen zu müssen.
St.
Aus den englischen medizinischen Gesellschaften.
Liverpool Medical Institution.
Sitzung vom 5. November 1908.
Labio-palato-schisls.
R. W. Murray besprach die Frage, zu welcher Lebenszeit
die Operation bei dieser Affektion am zweckmässigsten ausgeführt
werde. Seinen Beobachtungen nach ist es am besten, die Lippe etwa
in der vierten Lebenswoche zu operieren und mit dem Verschluss
des Gaumens bis zum zweiten Lebensjahr zu warten.
R. C. Dun empfiehlt die Zeit zwischen IV» und 2 Jahren als
die günstigste. Grosses Gewicht legt er auf systematisch durch¬
geführte Sprechübungen nach dem Gaumenschluss. Die von
Brophy und Arbuthnot Lane angegebenen Methoden hält Redner
für direkt lebensgefährlich.
Meningitis bei Kindern.
N. P. Marsh und O. T. Williams brachten eine Reihe von
klinischen Beobachtungen vor, aus denen namentlich der dia¬
gnostische Wert der Lumbalpunktion hervorgeht. Ihre Fälle umfass¬
ten epidemische Genickstarre, tuberkulöse Meningitis, Tetanie und
purulente Pneumokokkenmeningitis (5 Fälle). Es wurden Präpa¬
rate von Tuberkelbazillen vorgelegt, welche im Gerinnsel der menin-
gealen Flüssigkeit bei einigen der Kranken angetroffen worden waren.
Von ihren 8 Fällen von Basalmeningitis gingen 3 in Genesung über.
H. Armstrong drückt seine Zweifel aus über die Möglichkeit
einer Heilung von tuberkulöser Meningitis.
R. J. M. Buchanan hat die Ophthalmoreaktion mit Tuberku¬
lin besonders bei Meningitis in diagnostischer Beziehung nützlich ge¬
funden. Tuberkulin im Verein mit der Lumbalpunktion hat ihm auch
in therapeutischer Hinsicht gute Dienste geleistet. Er entzieht nicht
mehr als 20 ccm auf einmal, wiederholt aber den Eingriff, so oft
cs nötig erscheint.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
26 . Januar 1909.
MUHNCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
21.1
Royal Society of mediclne, Section of anaesthetics.
Sitzung vom 6. November 1908.
Chloroformwirkung.
R. Q i 11 führte aus, dass das Chloroform* nicht unmittelbar auf
die Oehirnzentren einwirke, sondern erst sekundär durch chemische
Beeinflussung des Blutes. Wird Chloroform vom Blute aufgenommen,
so wird es von diesem durch dessen naszierenden Sauerstoff oxydiert,
diese Sauerstoffbindung bedingt die Beschleunigung des Atmens,
sowie auf indirektem Wege die sonstigen Erscheinungen der Nar¬
kose. Die Erschlaffung der Muskulatur dabei sei auch durch Ent¬
ziehung von Sauerstoff hervorgerufen. Man könne beobachten, dass
ein Muskel, welchem der Sauerstoff plötzlich entzogen wird, in Starre
übergeht, während bei langsamer Entziehung des Sauerstoffs der
Zustand der Atonie eintritt. In analoger Weise ist die bei längerer
Narkose eintretende Pupillenerweiterung durch die gleiche Atonie
der Sphinkteren bedingt und nicht durch Parese des Okulomotorius.
Mischt man Blut mit Chloroform, so wird dasselbe immer dunkler,
bis zur vollständigen Schwarzfärbung; wird aber dann Sauerstoff
durchgeleitet, so tritt allmählich die ursprüngliche Farbe wieder
hervor.
J. B 1 u m f i e 1 d wendet gegen die Schlussfolgerungen des Vor¬
redners ein, dass bei den angeführten Versuchen das Blut nicht mehr
sich im normalen Zusammenhang mit dem Körper befand.
D. W. Buxton bemerkt, dass man auch mit einem Gemisch
von Chloroform mit Sauerstoff Narkosen erzielt, woraus zu ent¬
nehmen sein würde, dass die Reduzierung des Blutes nicht der
wesentliche Faktor sein könne. Philippi.
Deutsche Gesellschaft für orthopädische Chirurgie.
VIII. Kongress.
Der VIII. Kongress der Deutschen Gesellschaft für orthopädische
Chirurgie wird in der Osterwoche, am Dienstag, den 13. April
(dem Tage vor der Zusammenkunft der Deutschen Gesellschaft für
Chirurgie) im Langenbeck-Hause, Ziegelstr. 10/11, stattfinden.
Die Eröffnung des Kongresses wird vormittags 9 Uhr erfolgen.
Es wird beabsichtigt, folgende 12 Fragen aus dem Gebiete der
angeborenen Hüftverrenkung zur Diskussion zu stellen:
1. Anteversion und Sagittalstellung. Referent: Herr Dreh¬
mann - Breslau.
2. Wie oft findet sich in den luxierten Gelenken eine angeborene
Coxa vara? Referent: Herr Spitzy-Graz.
3. Wie oft findet sich in den luxierten Gelenken gleichzeitig eine
angeborene Coxa valga? Referent: Herr S t i e d a-Königsberg.
4. Die Entstehung und Bedeutung der nach der Reposition öfters
beobachteten erworbenen Coxa vara. Referent: Herr Fröhlich-
Nancy.
5. Die Bezeichnung der verschiedenen Stellungen des Ober¬
schenkels. Referent: Herr Rosenfeld - Nürnberg.
6. Die heutige Technik der Reposition. Referent: Herr Lorenz-
Wien.
7. Die Retention durch Kapselschrumpfung. Referent: Herr
Goch t- Halle.
8. Die Retention durch Neubildung des knöchernen Pfannen¬
daches. Referent: Herr J o a c h i m s t h a l - Berlin.
9. Vorschläge zu einer Sammelforschung über die bisherigen Er¬
gebnisse der unblutigen Einrenkung. Referent: Herr Ludloff-
Breslau.
10. Lähmungen nach Einrenkung der angeborenen Hüftverren¬
kung. Referent: Herr B a d e - Hannover.
11. Die anatomischen und funktionellen Resultate der unblutigen
Einrenkung bei älteren Personen. Referent: Herr Becher- Münster.
12. Die blutige Einrenkung. Referent: Herr Reiner-Wien.
Vorträge und Mitteilungen sind spätestens bis zum
1. März bei Herrn Prof. Dr. Joachimsthal, Berlin W., Genthiner-
strasse 16, anzumelden und eine Inhaltsangabe des Vortrages beizu¬
fügen. Mit dem Kongress soll eine Ausstellung von Präparaten der
angeborenen Hüftverrenkung verbunden werden. Anmeldungen wer¬
den ebenfalls an Herrn Prof. Dr. Joachimsthal erbeten.
Vorzustellende, von auswärts kommende Kranke finden in der
Kgl. chirurgischen Klinik des Herrn Geheimrat Prof. Dr. Bier
(Ziegelstrasse 5/9) Aufnahme.
Deutsche tropenmedizinische Gesellschaft.
Zweite Tagung.
Dem in Hamburg gefassten Beschlüsse entsprechend wird die
Deutsche tropenmedizinische Gesellschaft sich in der Osterwoche des
Jahres 1909 zu Berlin versammeln. Als Sitzungstage sind Dienstag
der 6. und Mittwoch der 7. April bestimmt. Die Sitzungen werden im
Kgl. Institut für Infektionskrankheiten, Berlin N. 39, Föhrerstr. 2—5,
abgehalten und beginnen Vormittags 10 Uhr. Der ersten Sitzung geht
<fcn Satzungen gemäss pünktlich 9 Uhr vormittags eine Vorstands-
Sitzung voraus.
An den Vormittagen werden Referate erstattet werden, und
zwar:
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1. Ueber den ärztlichen Dienst in den Deutschen Schutzgebieten,
Referent: Herr Generaloberarzt Prof. Dr. Steudel, Korreferent:
Herr Dr. Claus Schilling, beide in Berlin.
2. Ueber die neuesten Forschungsergebnisse auf dem Gebiete
der Trypanosomenforschung. Als Referenten sind die Herren Geh.
Obermedizinalrat Prof. Dr. Ehrlich, Frankfurt a. M., und Re¬
gierungsarzt Dr. K u d i c k e, z. Z. in Ostafrika, in Aussicht genommen.
Ersterer hat bereits zugesagt.
Die Nachmittagssitzungen sind für Vorträge bestimmt, u m
deren baldige Anmeldung an den stellvertreten¬
den Schriftführer dringend ersucht wird.
Mitglied der Gesellschaft kann ieder werden, der sich wissen¬
schaftlich oder praktisch auf dem Gebiete der Tropenmedizin be¬
tätigt oder betätigen will. Anmeldungen sind an den stellvertreten¬
den Schriftführer zu richten, welcher die Liste der Angemeldeten der
Jahresversammlung zur Beschlussfassung über die Aufnahme vorlegt.
Aus ärztlichen Standesvereinen.
Aerztekammer für die Provinz Brandenburg und den Stadtkreis
Berlin.
Sitzung vom 16. Januar 1909, mittags 1 Uhr im Ständehaus.
In Vertretung des wie bisher stets dienstlich verhinderten Ober-
Präsidenten Herrn v. Trott und zu Solz eröffnete Herr Re¬
gierungsrat v. Gneist die Sitzung und leitete die Wahl des ersten
Vorsitzenden. Da dank der Aenderung der gesetzlichen Wahl¬
bestimmungen eine Wahl durch Zuruf zulässig ist, erledigten sich
die diesmaligen Wahlen, über welche Tags vorher eine Vor¬
besprechung stattgefunden hatte, in schneller und glatter Weise. Zum
ersten Vorsitzenden wurde Herr Geh. Sanitätsrat S t ö t e r -
Berlin gewählt, der mit würdigen Worten den Vorsitz übernahm. In
den Vorstand wurden weiter gewählt die Herren D r e i b h o 1 z
(Wilsnack), S. Marcuse (Schriftführer), S. Alexander (Kassen-
iiihrer), G o c k (Landsberg), Kaplan (Guben), Hausmann (Pots¬
dam), G i e s e (Prenzlau), Windeis und Bauer (Charlottenburg),
Selber g, Munter, J. Alexander, Settegast (Berlin). Herr
P e y s e r I dankt im Namen der Kammer dem bisherigen stellver¬
tretenden Vorsitzenden, Herrn D r e i b h o 1 z.
Hinsichtlich der Anzahl der zu wählenden Ehrenrichter
entspinnt sich eine längere Debatte. Der Vorsitzende hatte sich „dau¬
ernd behindert“ erklärt, den Vorsitz im Ehrengericht zu übernehmen.
Nach Auffassung des Reg.-Rats v. Gneist gehört er dennoch dem
Ehrengericht an, so dass nur noch 3 Ehrenrichter zu wählen seien,
einer von den Stellvertretern müsse dann eben für den behinderten
Vorsitzenden eintreten. Trotz Widerspruchs des Herrn Kaehler,
welcher sich auf die gleiche Ansicht des Kommentators des Ehren¬
gerichtsgesetzes (Geh. R. Al t m a n n) stützen konnte, entscheidet die
Kammer in des Herrn v. Gneist Sinne. Zu Ehrenrichtern wurden
gewählt: Kaehler (Vorsitzender), Davidsohn, Schultze
(Fürstenwalde). Zu Stellvertretern: Hoth, Schaeffer, Wech¬
sel m a n n (Berlin), Hahn (Königswusterhausen).
Zu Mitgliedern des Aerztekaminerausschusses wurden S t ö t e r
und S. Marcuse (als Stellvertreter) gewählt.
Es folgten sodann die Wahlen zur wissenschaftlichen Deputation
für das Medizinalwesen, für das Medizinalkollegium, für die Unter¬
stützungskasse, die Prüfungsausschüsse sowie für die Vertragskom¬
mission. Dieser letzteren Wahl waren am Tage vorher lebhafte
Debatten vorangegangen. Da bei der ausgesprochenen Gegnerschaft,
die zwischen den Vertretern der freien Arztwahl und dem sog. „Vor¬
stande“ des „Vereins Berliner Kassenärzte“ besteht, die Tätigkeit’
jeder Vertragskommission lahmgelegt wird, wenn die letztere Gruppe,
wie bisher, dissentiert, so wurde beschlossen, auch die Vertreter der
Gegner der freien Arztwahl in diese Kommission zu wählen. Ge¬
wählt wurden die Herren Koppel, Paul, Settegast, Bauer,
Lennhoff, Munter, Moli, Matzdorff, Kaplan, Stern¬
berg, P e y s e r II.
Ferner wurde die Kurpfuschereikommission, die gerichtlichen
Sachverständigen und der Vertreter zum Zentralkomitee für das ärzt¬
liche Fortbildungswesen gewählt.
Der Kassenbericht für das Jahr 1906 und die Begründung des
Voranschlages für 1909 wird vom Kassenführer (Herrn S. Alexan¬
der) erstattet. Die Summe der Ausgaben pro 1908 betrug (rund)
100 300 M. Darin betrugen die Verwaltungskosten 10 872 M., die
Kosten für das Ehrengericht 6788 M„ Kosten der Kammer- und Vor¬
standssitzungen 4680 M., der Beitrag zum Aerztekammerausschuss
1580 M., für die Unterstützungskasse 50 000 M., für den Reservefonds
20 000 M.
Der Voranschlag setzte sich im wesentlichen zusammen aus:
a: 10 M. Grundgebühr von 4045 Aerzten des Kammerbezirks
40 450 M., b: 5 Proz. Zuschlag der Staatseinkommensteuer über
5000 M. bei 2401 Aerzten mit 1 122 197 1VL Einkommensteuer
56110 M.; dazu kommen einige kleinere Summen. Bei den Aus¬
gaben ist die Unterstützungskasse mit 5000 M. mehr (also mit 55 000
M.) angesetzt.
Entsprechend der gesetzlichen Vorschrift, dass bei der Fest¬
setzung eines abgestuften Beitragsfusses */* Majorität erforderlich ist,
wird der obige Modus des Beitrages widerspruchslos genehmigt.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
214
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
Der Bericht über die Tätigkeit des Ehrengerichtes und der Un-
terstützungskassc wird ausgesetzt und nur der letzte Punkt der
Tagesordnung besprochen: Kündigung des Vertrages sei¬
tens der Landesversicherungsanstalt Branden¬
burg auf Qrund der Anweisung des preussischen
Handelsministers, betreffend das Verfahren vor
den unteren Verwaltungsbehörden. Referent Herr R.
L e n n h o f f.
In eingehender Darstellung begründet der Referent die Miss¬
stände, die sich aus dieser Beiseiteschiebung des behandelnden Arztes
aus der Qutachtertätigkeit bei der Rentenbewerbung ergeben werden.
In demselben tadelnden Sinne äusserten sich auch die Herren
Kaplan, Schultz e, Peyser I und P e r n i c e.
Die Kammer fasst folgenden Beschluss: 1. Die Anweisung des
Ministers für Handel und Gewerbe vom 15. XI. 08 betreffend das
Verfahren vor den unteren Verwaltungsbehörden (§ 57—64 des In¬
validenversicherungsgesetzes) bedeutet nach Ansicht der Kammer eine
weder sachlich noch durch die Erfahrung berechtigte Monopolisierung
der ärztlichen Begutachtung in Sachen der Invalidenversicherung.
2. Die Aerztekammer stellt mit Bedauern fest, dass diese tief in
die ärztliche Berufstätigkeit einschneidende Anweisung erlassen ist,
ohne dass die Aerztekammer vorher gutachtlich gehört worden ist.
Sie bittet den preussischen Aerztekammerausschuss wiegen dieser
Uebergehung bei zuständiger Stelle Verwahrung einzulegen. 3. Die
Aerztekammer ist der Ansicht, dass es Pflicht der Behörde sein
sollte, in jedem Falle ein Gutachten des behandelnden Arztes ein¬
zuholen; sie ist ferner der Ansicht, dass im Allgemeinen jeder Arzt
zur Ausstellung eines Gutachtens befähigt ist und dass insbesondere
das bisher geübte Verfahren sich praktisch bewährt hat. ... 4. Sie
hält die Annahme von Vertrauensarztstellen bei der Landesversiche¬
rungsanstalt Brandenburg nur unter folgenden Bedingungen für zu¬
lässig: a) Für schriftliche Gutachten behufs Begründung eines An¬
spruches auf Rente 9 M. b) Für jeden zu diesem Zwecke in der
Wohnung zu machenden Besuch die ortsübliche Taxe, c) Für dabei
nötige Reisen ausser Ersatz der Reisekosten 12 M. Tagegelder, d) Für
die Teilnahme an den mündlichen Verhandlungen für die erste Stunde
6 M., für jede angefangene folgende Stunde 5 M.
R. Schaeffer.
Verschiedenes.
Der Entwurf einer Gebührenordnung für praktische Aerzte.
Bearbeitet von dem Ausschuss derPreussischenAerzte-
k a m m e r n.
Auf Anregung mehrerer Aerztekammem haben die sämtlichen
preussischen Aerztekammem über die ärztliche Gebührenordnung
beraten und die Revisionsbedürftigkeit der Gebührenordnung vom
15. Mai 1896 anerkannt mit Rücksicht auf die darin enthaltenen
Lücken und Unklarheiten, namentlich aber mit Rücksicht darauf, dass
die Gebührensätze den gegenwärtigen Zeitverhältnissen nicht mehr
entsprechen. Die Kammern gingen von der Erwägung aus, dass
die enorme Verteuerung aller Lebensbedürfnisse, die erhebliche Er¬
schwerung der ärztlichen Ausbildung, sowie die erhöhten Ansprüche,
welche die neueren Untersuchungsmethoden und hygienischen Vor¬
schriften an den Arzt stellen, zweifellos eine allgemeine Erhöhung
der Gebührensätze gerechtfertigt erscheinen lassen; diese Erhöhung
soll sich aber nicht allein auf die Mindestsätze erstrecken, welche den
Unbemittelten, Armenverbänden, Staatskassen, Krankenkassen etc. zu¬
gute kommen sollen, sondern ganz besonders auch auf die Höchst¬
sätze, welche bei besonderer Schwierigkeit der Verrichtung und
von den notorisch wohlhabenden Gesellschaftsklassen gefordert wer¬
den können, zumal, nachdem die Gerichte entschieden haben, dass
im Prinzipe auch Spezialisten. Professoren, Autoritäten mangels
einer anderen Verabredung an die Bestimmungen der Gebührenord¬
nung gebunden sind.
Nach diesen Direktiven hat nun die vom Aerztekammeraus¬
schuss unterm 26. September 1907 gewählte Kommission einen Ent¬
wurf verfasst, welcher als Grundlage für eine neu zu erlassende
Preussische bezw. eine mit den übrigen Bundesstaaten zu ver¬
einbarende Deutsche Gebührenordnung für praktische Aerzte dienen
soll.
Die Kommission suchte vor allem die gebräuchlichsten ärzt¬
lichen Verichtungen so zu bewerten, dass die Mindestsätze
für die Honorierung kassenärztlicher und ähn¬
licher Leistungen ais Norm gelten können, welche
nicht unterschritten werden sollte, anderseits sollte
die Spannung zwischen diesen Mindestsätzen und den Höchstsätzen
die Möglichkeit einer angemessenen Bewertung der ärztlichen Tätig¬
keit leistungsfähigeren Verpflichteten gegenüber bieten.
Was zunächst die allgemeinen Bestimmungen anlangt, so
ist eine Fassung vorgeschlagen, nach welcher es ermöglicht ist,
auch bei Unbemittelten und Armenverbänden die Mindestsätze zu
überschreiten, wenn besondere Schwierigkeiten der ärztlichen Lei¬
stung oder das Mass des Zeitaufwandes einen höheren Satz recht-
fertigen, was nach der Fassung der jetzigen preussischen Gebühren¬
ordnung im Gegensatz zu der bayerischen nicht möglich ist.
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No. 4.
Bezüglich der Honorierung der Einzelleistungen ist zu
erwähnen, dass der Entwurf als Mindestsatz für die Be¬
ratung 1 M. beibehält, jedoch mit der Ausnahme, dass die erste
Beratung mit M. 1.50, eine Beratung ausserhalb der Sprechstunde
mit 2 M., eine solche bei Nacht mit 3 M. honoriert werden soll, in
der jetzigen preussischen Gebührenordnung ist für Beratungen bei
Nacht das zwei - bis dreifache der gewöhnlichen Beratungs¬
gebühr (I M.) vorgesehen, in Bayern als Mindestgebühr 2 M.
Als Mindestsatz für den ersten Besuch ist die bis¬
herige Gebühr von 2 M. beibehalten, für jeden folgenden jedoch eine
solche von M. 1.50 in Vorschlag gebracht, weil schon die einfache
Beratung in der Sprechstunde mit 1 M. bewertet wird, und die durch
den Besuch bedingte Mehraufwendung an Zeit und Mühe in Berech¬
nung gezogen werden muss.
Als Nacht besuche bezw. -beratungen werden im Entwürfe
solche in der Zeit von 8 Uhr abends bis 8 Uhr Morgens bezeichnet
(in der jetzigen Gebührenordnung solche von 9 Uhr abends bis
7 Uhr morgens); diese Verlängerung wird als durch den aufreibenden
Dienst des Arztes gerechtfertigt erklärt. Der Mindestsatz für
Nachtbesuch bezw. -beratung soll nach dem Entwürfe ohne Rücksicht
darauf, ob es sich um erste oder folgende Verrichtung handelt, nicht
unter 6 M. bezw. 3 M. betragen.
In dem Entwürfe ist noch die Weisung aufgenommen, dass ge¬
forderte Besuche, bei denen es zu keinerlei ärztlicher Verrichtung
gekommen ist, ebenfalls nach den gewöhnlichen Sätzen zu bezahlen
seien.
Die Bestimmung, dass die Gebühr für den Besuch bezw. die
Beratung die Untersuchung des Kranken und die Verordnung
mit einschliesst, ist auch im Entwurf beibehalten, nur wird dort für
eine eingehende Untersuchung unter Anwendung des Augen-.
Kehlkopf-, Ohren-, Scheidenspiegels u. dergl. die Anrechnung einer
besonderen Gebühr von 2 M. in Vorschlag gebracht, während die
jetzige Gebührenordnung nur für besonders eingehende Unter¬
suchung dieser Art eine Gebühr von 2—5 M. vorsieht, die baye¬
rische Gebührenordnung erklärt letztere Gebühr sogar nur zulässig iiir
eine „besonders zeitraubende“ Untersuchung, eine Be¬
stimmung, die manchmal bei Revisionen von Rechnungen für die
Staatskasse etc. zu Auseinandersetzungen zwischen Revisionsbehörde
und liquidierendem Arzte führt.
Die meisten Aerzte gehen bei ihrer diesbezüglichen Liquidation
von der Anschauung aus, dass jegliche Untersuchung mit dem Augen¬
spiegel, Ohrenspiegel, Kehlkopf- und Scheidenspiegel besonders hono¬
riert werden müsse, das ist aber weder nach dem Wortlaute der
preussischen, noch der bayerischen Gebührenordnung, noch nach dem
Wortlaute des neuen Entwurfes der Fall; würden die genannteil Ge¬
bührenordnungen jede Untersuchung mit dem Augenspiegel usw.
als eine „besonders eingehende“ oder „besonders zeitraubende Unter¬
suchung“ betrachten, so müsste die Fassung wohl eine andere sein,
es würde dann heissen: findet eine besonders eingehende Unter¬
suchung, z. B. mit dem Augenspiegel usw. statt etc..
Hinsichtlich der Einzelansätze ist bereits bemerkt, dass
diese für verschiedene Verrichtungen wesentlich höher als früher
bemessen sind, so ist z. B. für Entfernung grosser komplizierter Ge¬
schwülste mit Eröffnung von Körperhöhlen früher 20—200 M. ge¬
rechnet, im Entwurf 50—500 M., für Einrichtung einer oder mehrerer
Finger oder Zehen früher 2—10, jetzt 5—50 M., für Beistand bei einer
normalen Geburt früher 10—40 M., jetzt 15—100 M., für Kaiserschnitt
an einer Lebenden früher 50—500 M., jetzt 100—1000 M., teilweise
Entfernung der Gebärmutter früher 20—100 M., jetzt bei Eröffnung
der Bauchhöhle 100—1000 M., ohne Eröffnung der Bauchhöhle
50—300 M., Operation des grauen Stars früher 50—300 M., jetzt
50—500 M. usw.
Während in der bisherigen preussischen Gebührenordnung den
ohren-, nasen- und halsärztlichen Verrichtungen kein eigener Ab¬
schnitt eingeräumt ist, ist in dem Entwurf ein solcher vorgesehen,
wie auch die bayerische Gebührenordnung vom Jahre 1901 einen sol¬
chen enthält.
Hierdurch, sowie durch die weitergehende Detaillierung in den
verschiedenen Abschnitten, ist die Zahl der namentlich aufgeführten
Verrichtungen eine grössere als früher und durch zweckentsprechende
Anordnung und Vereinigung verwandter Verrichtungen zu Gruppen
mit Unterabteilungen ist die Uebersichtlichkeit der Gebührenordnung
wesentlich gefördert worden.
Neu ist noch die Aufnahme von Sätzen für Wahrneh¬
mung von gerichtsärztlichen, medizinal- und sa-
n i t ä t s p o 1 i z e i 1 i c h e n Geschäften durch nichtbeam¬
tete Aerzte; es geschah dies in der Annahme, dass die Gleich¬
stellung der Medizinalbeamten und praktischen Aerzte hinsichtlich
der ihnen zustehenden Gebühren für die eben genannten Geschäfte
nach der neuerdings erfolgten Regulierung der Stellung und Ge¬
hälter der Medizinalbeamten eine Benachteiligung der praktischen
Aerzte enthalte, denn die Medizinalbeamten fänden bereits in ihren
festen, pensionsfähigen Gehältern bis zu einem gewissen Grade eine
Vergütung für die genannten Verichtungen, während diese Vergütung
für den praktischen Arzt ganz wegfalle; in Bayern sind bekanntlich
die Gebührensätze für beamtete und nichtbeamtete Aerzte bei Dienst¬
leistungen an Behörden gleich, ein wesentlicher Unterschied ist aber
dadurch geschaffen, dass die Amtsärzte eine Gebühr für Verrich-
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
26 . Januar 1000.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
215
tungen, wenn der Staat oder Gemeinden oder Wohltätigkeitsstiftungen
die Zahlung zu leisten haben, überhaupt nicht beanspruchen können.
In dem preussischen Entwurf sind folgende Sätze aufgenommen:
Abwarten eines gerichtlichen oder polizeilichen Termines bis zu
2 Stunden:
a) als Zeuge 6 M., für jede weitere angefangene Stunde 3 M.
b) als Sachverständiger oder sachverständiger Zeuge 15 M.,
für jede weitere angefangene Stunde 5 M.
Die Kosten für Reise, Ab- und Zugang und Zeitversäumnis ausser¬
halb des Termines bei auswärtigen Dienstgeschäften sollen nach den
Mindestsätzen der Gebührenordnung für prak¬
tische Aerzte vergütet werden, ln einer gesetzlichen Gebühren¬
ordnung soll festgelegt werden, dass für Dienstleistungen bei Behör¬
den durch nicht beamtete Aerzte die Sätze der Gebührenordnung
für praktische Aerzte Geltung haben. Dr. S p a e t - Fürth.
Frequenz der deutschen medizinischen Fakultäten.
Wintersemester 1908/09.
Universität
Winter 1907/1006
Sommer 1908
Winter 1908/1909
In-
linder
Aus- 8 )
linder
Summa
In- ! Aus- 8 )
linder | linder
Summa
In¬
länder
Aus-*
linder
Summa
Berlin 3 ) ....
865
288
1153
617
324
941
862
513
1375
Bonn.
260
22
282
279
37
316
276
29
305
Breslau ....
256
28
284
249
27
276
312
41
353
Erlangen . . .
216
9
225
139
73
212
161
79
240
Freiburg . . .
448
45
493
79
644
723
97
488
585
Giessen ....
142
29
171
102
95
197
85
129
214
Göttingen . . .
173
15
188
159
65
224
163
62
225
Greifswald . .
171
15
186
164
43
207
155
31
186
Halle.
191
24
215
164
57
221
161
67
228
Heidelberg . .
330
55
385
90
389
479
116
317
433
Jena .
207
39
246
49
219
268
47
221
268
Kiel . .
235
4
239
250
131
381
202
56
258
Königsberg . .
161
57
218
184
59
243
188
93
281
Leipzig ....
453
87
540
242
257
499
252
325
577
Marburg ....
276
11
1 287
229
60
289
213
58
| 271
München . . .
1236
183
1419
503
1018
1521'
586
HOt 4 )
1690
Münster ....
115
5
120
136
2
138
195
12
207
Rostock ....
129
8
137
49
95
144
43
92
135
Strassburg . .
222
33
255
105
126
231
136
139
275
Tübingen . .
248
15
263
152
139
291
164
98
262
Würzburg . . .
433
34
467
190
259
449
251
260
511
7773
| | 8250
8879
') Nach amtlichen Verzeichnissen. Vergl d. W. 1908, No. 29. *) Unter Ausländern
sind hier Angehörige anderer deutscher Bundesstaaten verstanden. *) Dazu die Studieren¬
den des Kaiser-Wilhelm-Instituts. 4 ) Darunter 259 Nicht-Deutsche.
Gerichtliche Entscheidungen.
Zurücknahme der Approbation beim Verlust
der bürgerlichen Ehrenrechte. Als ein Amtsrichter in
einer kleinen ostpreussischen Stadt ein Heiratsgesuch erlassen hatte,
wies ihn Dr. Weisbrod in Düsseldorf, der sich neben seiner ärzt¬
lichen Praxis auf Heiratsvermittlungen legte, eigenmächtig auf die
Tochter eines Beamten in Frankfurt a. M. hin. Der Amtsrichter
näherte sich in der Sommerfrische dem jungen Mädchen, es kam
zwischen beiden zur Verlobung, der bald darauf die Trauung folgte.
Nunmehr erhielt Dr. W. eine Vermittlungsgebühr von 6000 M. Er
erklärte sich damit für zufriedengestellt, ging aber den Amtsrichter
später um noch 4000 M. und ferner um 2000 M. als Geschenk für seine
Frau an. Der Amtsrichter weigerte sich dessen, worauf Dr. W. ihm
eine Anzeige bei dem Landgerichtspräsidenten in Aussicht stellte und
zu anderen Drohungen überging. Schliesslich wurde gegen W. Straf¬
anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft erhob auch Anklage wegen
Erpressungsversuchs, und das Landgericht beschloss die Eröffnung des
Hauptverfahrens gegen Dr. W. Zu dem Verhandlungstermin wurde
der Amtsrichter als Zeuge geladen. Er machte auch die Reise nach
Düsseldorf, warf sich dort aber vor einen Eisenbahnzug und fand so
seinen Tod. Zu diesem Schritt hatte er sich jedenfalls aus Scham
darüber entschlossen, in öffentlicher Gerichtssitzung über eine für
ihn so peinliche Angelegenheit aussagen zu müssen. Die Straf¬
kammer verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr Gefängnis, wo¬
neben sie auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte für fünf Jahre er¬
kannte. Der Ehrverlust ist mit der Verbüssung der Hauptstrafe
wirksam geworden. Schon vorher strengte die Polizeiverwaltung
zu Düsseldorf gegen Dr. W. gemäss § 53 der Gewerbeordnung die
Klage auf Zurücknahme der Approbation für die Dauer des Ehr¬
verlustes an. Der Bezirksausschuss entsprach dieser Klage. Diese
Entscheidung hat nunmehr der dritte Senat des Oberverwaltungsge¬
richtes bestätigt. Er sprach aus, dass es im öffentlichen Interesse
bei der vom Beklagten bekundeten Gesinnung dringend geboten sei,
ihm für die Dauer des Ehrverlustes die Approbation zu entziehen.
Das Gesetz lässt eine Entziehung über diese Zeit hinaus nicht zu.
Der Senat verwies darauf, dass der Beklagte sich auch sonst nicht
tadelfrei geführt habe. Er ist früher wegen Betrug verurteilt und
vom Ehrengerichtshof in Berlin unter grundsätzlicher Bestätigung
des Urteils des Ehrengerichtes für die Aerztekammer der Rhein¬
provinz und der Hohenzollernschen Lande mit einer Ordnungsstrafe
in Form einer Geldstrafe von 500 M. belegt worden. Was insbe-
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sondere die disziplinarische Bestrafung angeht, so ist sie wegen
der Art, wie Dr. W. in Köln und anderen Orten Zweigstellen seines
ärztlichen Betriebes unterhalten hat, und wegen einer als schamlos
bezeichneten Reklame erfolgt. (Köln. Ztg.)
Therapeutische Notizen.
Die allgemein aus Stahl hergestellten chirurgischen Näh¬
nadeln haben den Nachteil, dass sie nach dem Gebrauch nur sehr
schwer rostfrei zu erhalten sind, namentlich bildet sich in den
Oehren sehr leicht eine Rostschicht und habe ich die Firma E. K.
veranlasst, chirurgische Nadeln aus Reinnickel anzufertigen, die
allerdings hinsichtlich der Härte nicht mit den Stahlnadeln konkurrieren
können, dafür aber alle Eigenschaften eines mit Leichtigkeit zu
sterilisierenden Instrumentes besitzen.
Reinnickel ist keinerlei Oxydation ausgesetzt und behält stets die
glänzende Oberfläche. Die Sterilisation ist ausschliesslich durch Aus¬
kochen, nicht durch Ausglühen über der Flamme zu bewirken, da
sonst das Material an Härte verliert. M o e r 1 i n - Greifenhagen.
Ueber Bürstenbäder berichtet Stabsarzt Fritz Scholz
in einer Arbeit aus der hydrotherapeutischen Anstalt in Berlin.
(Zentralblatt für die gesamte Therapie, 1908, H. 8.) Das Bürsten¬
bad wird in der Form eines Vollbades von 35 0 mit allmählicher
Abkühlung auf 31—30° gegeben. Während der Patient sich im Bade
vollkommen ruhig verhält, werden seine Gliedmassen und der Rumpf
vom Badediener mit zwei weichen Wurzelbürsten rasch und in langen
Zügen durchgebürstet. Die Dauer des Bades beträgt 5—10 Minuten.
Einem Versuch mit diesen Bürstenbädern redet Verf. in allen
den Fällen das Wort, wo es sich umfunktionelleHerzleiden
oder neurasthenische Erkrankungsformen handelt.
Sie konkurrieren auf diesem Gebiete mit den Kohlensäurebädern.
Zur Behandlung organischer Herzaffektionen eignen sie sich im all¬
gemeinen nicht. Doch erlauben die gesammelten Beobachtungen den
Schluss, dass es sich sehr wohl empfehlen dürfte, die Bürsten¬
bäder in den allgemeinen Heilplan als Teilprozedur einzufügen. Bis
zu einem gewissen Grad können die B ü r s t e n b ä d e r als Ersatz
der teuren Kohlensäurebäder eintreten. F. L.
Zur Bekämpfung der Seekrankheit hat E. Perre-
n o n, Schiffsarzt des Norddeutschen Lloyd, mit bestem Erfolg Bro¬
mural in Dosen von 0,3—0,6 g nach der ersten grossen Mahlzeit
gegeben. Die Dosis wurde am ersten Abend vor dem Schlafengehen
wiederholt. Begann die Anwendung erst einige Tage nach der Ab¬
fahrt, so Hess sich noch mit grösseren und länger gereichten Dosen
Milderung bezw. Abkürzung des Leidens erzielen. (NewYork. med.
Monatsschr., 1908, No. 2.) F. L.
Tagesgeschichtliche Notizen.
München, 25. Januar 1909.
— In B r ü s s e 1 hat sich unter dem Namen „Pro 11 a 1 i a
medical“ ein Komitee gebildet, bestehend aus den hervorragend¬
sten Professoren der medizinischen Fakultäten der vier Landesuni¬
versitäten, um eine Sammlung ins Leben zu rufen zur Unterstützung
der Hinterbliebenen der beim Erdbeben in Sizilien ums Leben ge¬
kommenen Kollegen. Mit den Mitteln der zu gründenden Stiftung soll
die Zukunft der hinterlassenen Kinder gesichert und den Müttern die
Aufgabe erleichtert werden, den jungen Waisen die Erziehung an¬
gedeihen zu lassen, die ihnen nach der sozialen Stellung des ver¬
storbenen Vaters zukommt. Es ist beabsichtigt, die Sammlung für
diese Stiftung zu einer internationalen zu machen und schon
haben sich auch in anderen Ländern Ausschüsse gebildet zur Förde¬
rung dieses Liebeswerkes, so in Frankreich unter S e g o n d, in den
Niederlanden unter Mendes de Leon, in Italien unter Pesta-
1 o z z a. Das Protektorat der Stiftung wird die Königin von Italien
übernehmen.
Der Zweck dieser Stiftung deckt sich mit dem der Sammlung,
die durch den Aufruf des Prof. G a 11 i von unserem Blatte eingeleitet
wurde. Wir werden bestrebt sein, mit dem internationalen Komitee
zusammenzuarbeiten. Wünschenswert wäre es aber, wenn auch in
Deutschland ein grösseres Komitee sich bilden würde, um die Samm¬
lung in regeren Fluss zu bringen.
— Dem Kölner Kassenverband haben sich, einer Mit¬
teilung der Rhein. Aerztekorr. zufolge, bisher 54 (nach Angabe des
Kassenverbandes 67) Aerzte zum Kampfe gegen ihre Standesgenossen
zur Verfügung gestellt. Das genannte Blatt veröffentlicht eine Liste
mit Namen und Adresse von 50 dieser Herren. Darunter sind
15 Aerzte aus Köln, die sich von ihren Kollegen losgesagt haben, und
24 aus Leipzig. Es scheint, dass die ganze Streikbrechergesellschaft
vom Jahre 1904 nach Köln übergesiedelt ist. Ein Beweis, dass es
ihnen in 5 Jahren nicht möglich war, sich in Leipzig eine erträgliche
Stellung zu verschaffen. Das wird ihnen auch in Köln nicht gelingen.
Dass aus dem übrigen Deutschland nur eine geringe Zahl von Aeizten
zum Verrat an der ärztlichen Sache zu bewegen war, ist ein erfreu¬
liches Zeichen der Solidarität und des kollegialen Sinnes der deutschen
Aerzte.
— Das Gesetz über die Kurpfuscherei und die Einschrän¬
kung des Geheim mittel Verkehrs wird, wie die „Berl. Univ.-
Qrigmal frorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
216
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
Korresp.“ hört, demnächst dem Reichsgesundheitsrate zur Begut¬
achtung vorgelegt werden. Den Reichstag wird das Gesetz erst in
der nächsten Session beschäftigen können, da das Gutachten des
Reichsgesundheitsrates immerhin längere Zeit in Anspruch nehmen
und das Reichsamt des Innern noch direkt mit den einzelnen
Bundesregierungen verhandeln wird, ehe es an die endgültige Redi-
gierung des Entwurfes schreitet.
— Aus den Aenderungen der Ausführungsbestim-
mungen zum Süssstoffgesetz (Bundesratsbeschluss vom
17. Dezember 1908) ist für Aerzte von Interesse: „Aerzte, Zahnärzte
oder Tierärzte dürfen Anweisungen zum Bezüge von Siissstorf nur in
Ausübung ihres ärztlichen Berufs und über nicht grössere Mengen
ausstellen, als zur Erhaltung oder Wiederherstellung oder zur Ab¬
wehr von Schädigungen der Gesundheit am Menschen oder Tieren
in dem zur Behandlung stehenden Falle erforderlich scheinen. Gegen
eine solche Anweisung dürfen nicht mehr als 50 g raffiniertes
Saccharin oder eine entsprechende Menge der übrigen Siissstoffarten
abgegeben werden.“
— Die Stadt Chemnitz hat die Einrichtung getroffen, dass die
an Ostern zur Entlassung kommenden Schulkinder einer Schluss¬
untersuchung durch die Schulärzte unterworfen werden, durch die
festgestellt werden soll, ob sie für bestimmte Berufe untauglich sind.
Diese Untersuchung findet längere Zeit vor dem Entlassungstermin
statt, damit die Eltern je nach deren Ergebnis die Wahl des Be¬
rufes treffen können. Man hofft dadurch z. B. Kinder, die lungen¬
gefährdet oder tuberkulös sind, von Berufen fernzuhalten, die an¬
strengend sind und durchaus gesunde Arbeiter erfordern.
— In einem in der Zeitschrift „Das Rote Kreuz“ unter dem
Titel „Von Solferino bis Messina, ein Halbjahrhundert Humanität“
erschienenen Artikel verfolgt Prof. P a n n w i t z die Entwicklung des
humanitären Gedankens, der 1864 zur Begründung der Genfer Kon¬
vention führte und zunächst die Verwundeten- und Krankenpflege im
Kriege sicherstellte. Aus den zuerst ausschliesslich auf die Kriegs¬
hilfe beschränkten Bestrebungen des Roten Kreuzes hat sich im Laufe
der Zeit eine vielseitige, soziale Hilfstätigkeit im Frieden heraus¬
gebildet, welche die Vereine noch mehr zum sofortigen, erfolgreichen
Eingreifen bei Katastrophen und Notständen befähigt hat. Professor
Pannwitz befürwortet dementsprechend, im weiteren Ausbau des
der Genfer Konvention zu gründe liegenden Gedankens die inter¬
nationale Hilfeleistung auch bei elementaren Ereignissen, die, wie
jetzt in Süditalien, internationale Hilfe erfordern, durch Ueberein-
kunft der Signatarmächte zu regeln.
— Zu Mitgliedern des Schiedsgerichts für Arbeiter¬
versicherung in Oberbayern wurden folgende Herren ge¬
wählt: Bezirksarzt Dr. Becker, Dr. Grass mann, Hofrat Dr. R.
v. H ö s s 1 i n, Hofrat Dr. H o f e r e r, Dr. L i n d 1, Dr. Lukas. Dr.
Neger, Dr. Petritschek, Dr. v. Poschinger und Hofrat
Dr. Z e i 11 m a n n, sämtliche in München.
— Der 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft
für Chirurgie findet vom 14.-17. April 1909 in Berlin im Langen-
beckhause statt.
— Der Verlag der „Fortschritte der Medizin“ ist vom
1. Januar 1. J. ab an die Verlagsbuchhandlung von G. T h i e m e in
Leipzig übergegangen. Die Zeitschrift erscheint in verstärktem Um¬
fang zum Preise von 12 M. für den Jahrgang (bisher 20 M.).
— Cholera. Russland. Zufolge Mitteilung vom 10. Januar
ist ein Einwohner eines kleinen Ortes nahe bei Helsingfors, der sich
einige Tage zuvor in Petersburg aufgehalten hatte, ebenso seine Frau,
an der Cholera erkrankt. — Britisch-Ostindien. In Kalkutta starben
vom 6.—19. Dezember v. J. 18 Personen an der Cholera.
— Pest. Türkei. In Bagdad sind vom 28. Dezember bis 3. Ja¬
nuar an der Pest 8 Personen erkrankt (und 2 gestorben), seit dem
Pestausbruch am 7. Mai v. J. insgesamt 143 (78). In Beirut sind in
der ersten Januarwoche auch die 3 anderen an Lungenpest erkrankten
Personen gestorben. — Aegypten. Vom 19.—25. Dezember sind an
der Pest 22 Personen erkrankt (und 5 gestorben). — Britisch-Ost¬
indien. Vom 29. November bis 5. Dezember v. J. sind in ganz Indien
2196 Erkrankungen und 1626 Todesfälle an der Pest zur Anzeige ge¬
langt. — Mauritius. In der Zeit vom 6.—26. November wurden
auf der Insel 47 neue Erkrankungen und 32 Todesfälle an der Pest
festgestellt. — Brasilien. In Rio de Janeiro wurden vom 26. Ok¬
tober bis 20. Dezember 55 Erkrankungen und 23 Todesfälle an der
Pest gemeldet.
— In der 1. Jahreswoche, vom 3. bis 9. Januar 1909, hatten von
deutschen Städten über 40 000 Einwohner die grösste Sterblichkeit
Boxhagen-Rummelsburg mit 32,7, die geringste Bielefeld mit
8,0 Todesfällen pro Jahr und 1000 Einwohner. Mehr als ein Zehntel
aller Gestorbenen starb an Masern und Röteln in Buer, Hof, Reck¬
linghausen, Thorn, an Diphtherie und Krupp in Flensburg, Hildesheim.
V. d. K. G.-A.
(Hochschulnachrichten.)
Berlin. Habilitiert: Dr. med. Georg Axhausen^ Assistent
bei Prof. H i 1 d e b r a n d an der chirurgischen Klinik im Charitee-
Krankenhause, mit einer Antrittsvorlesung „Ueber plastische Ope¬
rationen am Knochensystem“ und der Oberarzt von Prof. Kraus
an der zweiten medizinischen Klinik, Dr. med. Theodor Brugsch.
Letzterer sprach über das Thema: „Die Auffassung vom Wesen der
Gicht im Wandel der Zeit“. Che.)
■B W i ’ —.t - —r —.■■■■ -- =
V«rUc vw I. P. t« Mftadbem. - Druck von
F r e i b u r g i. Br. Dem Privatdozenten für Laryngologie und
Rhinologie, Dr. Karl v. Eicken, ist der Titel „ausserordentlicher
Professor“ verliehen worden.
München. Am 18. ds. wurde die neue Augenklinik durch
einen Festakt eröffnet. Geheimrat Eversbusch hielt die Festrede,
die demnächst in d. Wochenschr. erscheinen wird. — Die Studenten¬
vereinigung „Medizinische Gesellschaft Isis“ feierte am 23t ds. ihr
50 jähriges Stiftungsfest.
Bern. Dem Privatdozenten für Chirurgie, Dr. Karl A r n d.
wurde der Titel „Professor“ verliehen.
Graz. Dr. Otto Mayer hat sich als Privatdozent für Ohren-
und Nasenkrankheiten niedergelassen.
Odessa. Der Privatdozent an der militärmedizinischen Aka¬
demie zu St. Petersburg, Dr. S. Jakowlew wurde zum ausser¬
ordentlichen Professor der Dermatologie und Syphiligraphie ernannt.
Wien. Dr. S. J e 11 i n e k wurde als Privatdozent für interne
Medizin, mit besonderer Berücksichtigung der Elektropathologie, zu¬
gelassen.
Zürich. Dr. M. Oskar Wyss erhält die Venia legendi für
Chirurgie der Geschwülste und chirurgische Tuberkulose.
(Todesfälle.)
Dr. F. L e g g e, Professor der Anatomie an der medizinischen
Fakultät zu Cagliari.
Dr. G. D e 1 r I s o 1 a, Privatdozent für interne Pathologie an der
medizinischen Fakultät zu Pavia.
Dr. P. J. D i a k o n o w, Professor der chirurgischen Klinik an der
medizinischen Fakultät zu Moskau.
Sammlung
für die durch die Katastrophe in Süditalien betroffenen Aerzte und
deren Hinterbliebene:
Uebertrag: M. 1418.—. Geheimrat Penzoldt - Erlangen
M. 20.—, Dr. Jacob- Schwabach M. 10.—, Privatdozent Dr. Z i e g -
I e r M. 20.—, Hofrat Dr. W o h 1 m u t h M. 10.—, Dr. Dörfler-
Regensburg M. 10.—, Prof. L. - Zehlendorf M. 25.—, Dr. F. Loeb-
München M. 10—, Dr. O. S c h m i d - Freising M. 10.—, Dr.A.Kan-
d e t z k i - Grassau JVl. 20.—, Dr. Gruenebaum- Bamberg M. 20.—.
Dr. Fortner-Bäd Tölz M. 20.—, Dr. H a a s - Böblingen M. 10.—.
Med.-Rat Prof. Dr. K ü 11 n e r - Breslau M. 25.—, Prof. Dr. v. Fran-
q u 6 - Giessen M. 20.—, Dr. G r e i n e r - Amberg M. 10.—, Dr. Se¬
rn o n - Danzig M. 10.—, Dr. K. R a n k e - München M. 10.—.
Dr. S t e i c h e 1 e - Uffenheim M. 10.—, Dr. Karl Francke - Mün¬
chen M. 10.—, Generalstabsarzt z. D. Dr. v. V o g 1 - München M. 25.—,
Bezirksarzt Dr. Maar- Hammelburg M. 20.—, Dr. F. Wolter-
Hamburg M. 10.—, Dr. Ruckert -Stade M. 10.—, Dr. P. S.-Berlin
M. 3.—, Dr. M. Riehl- München M. 10.—, Prof. J. - Erlangen
M. 30.—, Dr. E. R e h m - München (Honorar) M. 44.70, Aerztlicher
Lokalverband Tölz (durch Dr. Fortner) M. 30.—■, Dr. Wein¬
brenner- Magdeburg M. 10.—, Dr. —t - Hamburg M. 100.—,
H. Seyfert - Montreux M. 100.—, Bezirksarzt Dr. L o 11 n e r -
Griesbach M. 10.—, Dr. K r ö h 1 - Schesslitz M. 10.—, Hofrat Gra¬
mer- München M. 10.—, Direktor Dr. Karrer- Klingenmünster
M. 10.—, Medizinalrat Dr. Roth-Bamberg (abgelehntes Koll.-Hono-
rar) M. 40.—, Dr. Heddäus- Zittau M. 5.—, Tübinger Klinikerschaft
M. 30.—. Summe: M. 2212.70.
Weitere Beiträge werden dankend entgegengenommen.
(Mitarbeiter der M. M. W., welche Beiträge zu leisten gedenken,
werden diese der Einfachheit halber am besten am Honorarkonto in
Abzug bringen lassen.)
Die Redaktion der Münch, med. Wochenschr.
München, Arnulfstr. 26.
Uebersicht der Sterbefälle in München
während der 1. Jahreswoche vom 3. bis 9. Januar 1909.
Bevölkerungszahl 566 000.
Todesursachen: Angeborene Lebensschw. (I. Leb.-M.) 15 (20 l ).
Altersschw. (üb. 60 Jahre) 3 (4), Kindbettfieber — (2), and. Folgen d.
Geburt — (—), Scharlach 1 (2), Masern u. Röteln 4 (2), Diphth. u.
Krupp 1 (4), Keuchhusten 2 (1), Typhus — (—), übertragb. Tierkrankh.
— (—), Rose (Erysipel) 1 (2), and. Wundinfektionskr. (einschl. Blut-
u. Eitervergift.) 2 (4), Tuberkui. d. Lungen 24 (26), TuberkuL and.
Org. 4 (3). Miliartuberkul. 2 (1), Lungenentzünd. (Pneumon.) 13 (I 5 )*
Influenza 3 (—), and. übertragb. Krankh. 2 (3), Entzünd, d. Atmungs¬
organe 4 (9), sonst. Krankh. derselb. 4 (1), organ. Herzleiden 19(19),
sonst Kr. d. Kreislaufsorg, (einschl. Herzschlag) 8 (6), Gehirnschlag
5 (7), Oeisteskrankh. — (3), Fraisen, Eklamps. d. Kinder 4 (6), and.
Krankh. d. Nervensystems 2 (5), Magen- u. Darm.-Kat, Brechdurchfall
(einschl. Abzehrung) 15 (14), Krankh. d. Leber 3 (4), Krankh. des
Bauchfells 3 (1), and. Krankh. d. Verdauungsorg. 10 (1), Krankh. d.
Harn- u. Geschlechtsorg. 5 (4), Krebs (Karzinom, Kankroid) 13 (13),
and. Neubildg. (einschl. Sarkom) 3 (3), Selbstmord — (2), Tod durch
fremde Hand — (—), Unglücksfälle 2 (4), alle übrig. Krankh. 5 (7).
Die Gesamtzahl der Sterbefälle 182 (198), Verhältniszahl auf
das Jahr und 1000 Einwohner im allgemeinen 16,7 (18,5), für die
über dem 1. Lebensjahre stehende Bevölkerung 12,7 (13,2).
I_Q Di e eingeklammerten Zjthlen bedeutenjie Fälle der Vorwoch e.
t Mflhlthilert Bach- eod KunrfdnickercJ A.O.. Mfinchca.
Digitized by Gck igle
Original from
UMIVERSITY OF CALIFORNIA
Diese Nummer enthält 48 Seiten Text,
Achtungl Nicht brechen! (Kunstbeilage).
Die Münchener Mediz. Wochenschrift erscheint wöchentlich im
Umfang von durchschnittlich 6—7 Bogen. * Preis der einzelnen
Nummer HO * Bezugspreis in Deutschland und Ausland stehe
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Zusendungen sind zu adressieren: Für die Redaktion Arnulf¬
strasse 26. Bureauzeit der Redaktion von 8'/»—I Uhr. ♦ Für
Abonnement an J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 26. • Für
• Inserate und Beilagen an Rudolf Mosse, Promenadeplatz 16. •
Medizinische Wochenschrift.
ORGAN FÜR AMTLICHE UND PRAKTISCHE ÄRZTE.
herausgegeben von
9. Ungerei 1 , Ch, Bäuraler, 0. v. Boliinger, H. Cursclimann, H. Helierich, W. ?. Leebe, G. v. Merkel, J. v. Michel, F.Peozoldt, H. r. Ranke, B. Spatz, F. ?. Winckel,
München. Freiburg t. B. München. Leipzig. Eisenach. Würzburg Nürnberg. Berlin. Erlangen. München. München. München.
No. 5. 2.
Februar 1909.
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
Verlag: J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 26.
56. Jahrgang.
Bezugsbedingungen : Die Münchener meuiz. Wochenschrift kostet im Vierteljahr m Deutschland direkt vom Verlag sowie bei .men Postanstalien und buch n and umgen
Mk. 6.— , nach dem Auslande Mk. 8.—, nach Oesterreich-Ungarn und Luxemburg Mk. 7.—. Billiger und zu empfehlen Ist der Bezug durch die Postämter in
Belgien iFrk. 8.06), Dänemark (Kr. 6.07), Italien (Frk. 8.68), Luxemburg (Mk. 6.52), Niederlande (Fl. 4.15), Norwegen (Kr. 5.93), Oesterreich-Ungarn (Kr 7.32),
Rumänien (Frk. 9.—), Russland: in Städten mit Zeitungspostanitern Rubel 2.85, bei den übrigen Postanstalten ohne Zustellgeb. Rubel 3.05, Schweden (Kr. 5.95),
Schweiz (Frk. 8.05).
Inhalt:
Originalton: Ehrlich, Uebcr Partialfanktionen der Zelle S. 217.
Fränkel, Die Lokalisation der Umkrümmung und andere Forderungen inj
der Skoliosenbehandlung. (Aus der K. chirurgischen Universitätsklinik in '
Berlin.) (Illustr.) S. 223.
Müller, Die Röntgenstrahlen im Dienste der Therapie. (Aus der Röntgen¬
abteilung des physikalisch-therapeutischen Instituts des Krankenhauses links
der Isar In München.) S. 226.
F r e u n d , Unerwünschte Folgen nach Kolpoköliotomien und der Alexander
Ada ms sehen Operation. S. 230.
Trautmann, Die Methoden der praktischen Grossslftdtdesinfektion. (Aus
dem staatlichen hygienischen Institut zu Hamburg.) S. 233.
Kehr, Uebcr die Stillung der Blutung aus' der Art. cystiea durch Unter¬
bindung Wer Art. liepatica propria. (Illustr.) S. 237.
F.schbaum, lieber die Wirkung des Kreosotpräparates Pncumin bei Tuber¬
kulose. (Aus der medizinischen Klinik in Bonn.) 8. 239.
von den Velden, Zur Arsentherapie mit der Dürkheimcr Maxquelle, (Aus
der Marburger medizinischen Klinik.) 8. 241.
Wolf rum und Cords, Uebcr die Anwendung von .Scharlachrot bei Augen-
afTcktionen. (Aus der Universitäts-Augenklinik in Leipzig.) S. 242.
Ilerzberg, Vorläufige Mitteilung über die Behandlung mit „IK“ (Immun¬
körpern) (Dr. Spengler). (Aus dem allgemeinen öffentlichen Kranken¬
hause ui Radautz [Bukowina, Oesterreich], Interne Abteilung.) S. 243.
Müller, Dentaler Stimkopfschmcrz. S. 243.
Oberländer, Ein neuer Uterusdilatator bei Abortbehandlung. (Illustr.) S. 244.
Mayer, Zur Anwendung der Digestjvmittel bei eitrigen und tuberkulösen
Prozessen. S. 244.
Wassermann, Pani Ehrlich. S. 245.
Hesse, Eine Hilfsexpedition ins Innere Kalabriens. S. 248.
Bif.heranzeigen und Referate: Harris, The functional inertia of living.matter.
A contribution to the physiological theory of life. Ref.: Priv.-Doz. Dr. R ö s s 1 e -
München. S. 248.
ran Galker, Frauenheilkunde und Strafrecht, ltof.: Priviatdozent Dr.
S c h i c k c 1 e - Strassburg. S. 249.
Crämer, Vorlesungen über Magen- nnd Darmkrankheiten. Ref.: Professor
P c n z o 1 d t - Erlangen. S. 250.
öbersteincr, Arbeiten aus dem Neurologischen Institute (k. k. öster¬
reichisches internkademische.s Zentralinstitut für Ilimforschnng) an der
Wiener Universität. Ref.: Prof. Dr. Blculer-Burghöbdi. S. 250.
Steiner, Handbuch der praktischen Hygiene und Unfallverhütung in In¬
dustrie, Gewerbe, Bergbau. Ref.: Prof. Ha h n - München. S. 250.
Schuster, Studien zur Geschichte des Militärsanitätswesens im 17. und
18. Jahrhundert, mit besonderer Berücksichtigung der knrbayerischen Armee.
Ref.: Dr. v. Heus»- München. S. 250.
Hilfe und Gynäkologie. Band 63, lieft 3. — Zciitralhlatl für Gynäkologie
No. 2. — Archiv für Hygiene. 68. Bd., 3. Heft. — Allgemeine Zeitschrift
für Psychiatrie und psychisch-gerichtliche Medizin. Band 65, Heft 6. —
Zieglers Beiträge zur pathologischen Anatomie und allgemeinen Pathologie.
44. Bd.. 1. Heft. — Berliner klinische Wochenschrift. No? 4. — Deutsche
medizinische Wochenschrift. No. 3. — Oesterreichischc Literatur. — Amerika¬
nische Literatur. 8. 251.
Auswärtige Briete: Wiener Briete. S. 256.
Vereins-nnd Kongressberichte: Verein für innere Medizin zu Berlin.
25. Januar 1909: S t r u b c 11, Zur Vakzinetherapie. - - Hosen lieim , Präpa¬
rate von Schiinmelpilzinfektionen bei Karzinom der Flexura rigmoiden. —
Demonstrationen. — ßönniger, Kammervenenpuls ohne Trikiwpidul
Insuffizienz. — Ein mann und Frankl, Ueber die Wirkung des Phenol¬
phthaleins auf Fermente, Toxine und Protozoen. — Elirma n n und Fr i c d o •
mann, Versuche über ein neues Anreichomngsverfahren für Typhn,-.-
hazillen. S. 257.
Medizinische Gesellschaft zu Chemnitz, 11. November 1908
Demonstrationen. — Wiehe, Urologische Diagnostik. 8. 257.
Aerztlieber Verein in Frankfurt a. M., 2. November 1908: Demon¬
stration. — Deutsch, Zur Säuglingsernährung. S. 258.
Münchener Gesellschaft für Kinderheilkunde, 15. Januar 1909
Tr um pp, Ueber eine anatomisch und klinisch bemerkenswerte Anomalie
des Laryngolrachealrohrcs. — Moro, Lymphatismus und Skrofulöse. Si 280
Aus den Wiener medizinischen Gesellschaften: K. k. Gesell¬
schaft der Acrzle. S. 260.
Verein Deutscher Aerzte in Prag. 8. 260.
A u s d en f r a n zösi sc hen mcd i z in i s c h c n G c s e 11 sch af ten: Soctotö
de Chirurgie. 8. 261.
Ans ärztlichen Standesvercincii: Neuer Standesverein Münchener AeiXtc. S. 260.
Verschiedenes: Die Zunahme des slnvLschen Studenten tu ins an der hiesigen
Fakultät. — Aus dem Etat dos preussischen Abgeordnetenhauses. — Jnbi-
Jäuinsstiftnng für die Behandlung von unbemittelten orthopädisch-chirurgischen
Kranken in Heidelberg. — Galerie hervorragender Aerzte nnd Naturforschi r.
S. 262.
TageF.geschielitliche Notizen: Der Noixd-Vorlrag Khrlicli.s. — Zum Kampf mi
den Lebensvereicherungftjicscllschnften. — Zahl der Approbationen in Bayern.
— Polizeiärzte in Mitnchen. — Darwin-Gedenkfeier in Hamburg. — Säug¬
lingspflege. — Britisches Institut für Radiumfoncluing. Augenklinik in
Abessynicn, — Komitee für ärztliche Studienreisen. — (Utolcra. — Pest. —
Mortalität in Deutschland. — Hoclisebulnachricbtcn: Berlin, Bres¬
lau, Freiburg i. Br.. Marburg; Lausanne. Lemberg, Leyden, Neapel, P&Aia,
Wien. 8. 263.
Samm 1 ung für die durch die Katastrophe in Süditalien be¬
troffenen Aerzte und deren Hinterbliebenen. S. 216.
Amtliches: (Bayer n.) S. 264.
Statistik: Mortalität in München. S. 264.
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wendung, bequeme und intensive Kohlensäure-Einwirkung auf
bestimmte Körperteilen, ähnlich einer Gasdnsehe.
Die Art der Dosierung der Ingredienzien gestattet die Verwendung
derselben za Kinder- and Sitzbädern.
Es werden pro Liter Badewasser (je nachdem 250 oder 200 Liter
Wasser zum Vollbade verwendet werden) 800 bis 1000 Cbc. Kohlen¬
säure erzeagt
Kohlensäure-Bäder aller Systeme, auch natürliche, greifen
emaillierte und Metallwannen an. Um dieses bei meinen Bädern
zu vermeiden, gebrauche man meine Schutzeinlage.
1 Bad im Einzelkistchen ....
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München. Freiburg L & München. Leipzig. Eisenach. Würzburg Nürnberg. Benin Erlangen. München. München. München.
No. 5. 2. Februar 1909.
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
Verlag: J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 26.
56. Jahrgang.
(Nachdruck der Originalartikel ist nicht gestattet.)
Originalien.
lieber Partialfunktionen der Zelle.*)
Von Prof. P. Ehrlich.
Die Geschichte der Erkenntnis der Lebenserscheinungen
und der organisierten Welt lässt sich in zwei Hauptperioden
einteilen. Lange Zeit hindurch war die Anatomie, insbesondere
die Anatomie des menschlichen Körpers das a und w der
wissenschaftlichen Kenntnisse. Der weitere Fortschritt wurde
erst durch die Entdeckung des Mikroskops ermöglicht. Lange
Zeiten mussten noch verfliessen, bis durch Schwann die
Zelle als die letzte biologische Einheit erwiesen wurde. Es
hiesse Eulen nach Athen tragen, wenn ich hier an dieser Stelle
die unabsehbaren Fortschritte, welche die Biologie in allen
ihren Fächern der Einführung des Zellbegriffs zu verdanken
hat, schildern wollte. Ist doch dieser Begriff die Achse, um
welche die ganze moderne Wissenschaft vom Leben gravitiert.
Es ist wohl eine allgemein anerkannte und nicht bestrittene
Tatsache, dass alles was im Körper vor sich geht, Assimilation,
Desassimilation, im letzten Ende nur auf die Zelle zurück¬
zuführen ist; weiterhin, dass die Zellen verschiedener Organe
in spezifischer Weise voneinander differenziert sind und nur
vermittels dieser Differenzierung ihre verschiedenen Funk¬
tionen ausführen.
Die hier gezeitigten Resultate sind im wesentlichen auf
histologischen« Untersuchungen toter und lebender Gewebe auf¬
gebaut, wobei natürlich auch die Nachbarwissenschaften, die
Physiologie, die Toxikologie, insbesondere die vergleichende
Anatomie und die Biologie wertvollstes beigetragen haben.
Und doch möchte ich glauben, dass das, was das Mikroskop
uns leisten konnte und geleistet hat, jetzt sich seiner Grenze
nähert und dass für ein weiteres Eindringen in das wichtige,
alles beherrschende Problem des Z e liebe ns die An¬
wendung optischer auch noch so verfeinerter Hilfsmittel ver¬
sagen muss. Gerade jetzt ist die Zeit gekommen, in den
feinsten Chemismus des Zellebens einzudringen und
den Vollbegriff der Zelle in eine grosseZahl einzelner
bestimmter Partialfunktionero zu zerlegen. Da aber
das, was in der Zelle geschieht, im wesentlichen chemischer
Art ist und da die Gestaltung chemischer Strukturen ausser¬
halb der Grenze der Sichtbarkeit gelegen ist, werden wir hier
nach anderen Forschungsmethoden uns umsehen müssen.
Diese Richtung ist nicht nur zum wirklichen Verständnis
der Lebensvorgänge überhaupt von Wichtigkeit, sondern sie
ist auch die Grundlage einer wirklich rationellen Verwendung
der Arzneistoffe.
Der erste Schritt in dieses komplizierte Gebiet war, wie
so häufig, durch einen Umweg gegeben. Nach Behrings
ruhmreicher Entdeckung der Antitoxine hatte ich mir die Auf¬
gabe gestellt, in das geheimnisvolle Wesen dieses Vorganges
näher einzudringen, und es ist mir nach langen Arbeiten ge¬
lungen, hier den Schlüssel zu finden.
Wie Sie wissen, ist die Funktion, die Bildung von Antikör¬
pern auszulösen, nur einer bestimmten Gruppe von giftigen
Substanzen, den sogen. Toxinen, eigen. Es sind dies Stoff¬
wechselprodukte tierischer oder pflanzlicher Zellen: Diphtherie-
*) Nobel-Vortrag, gehalten am 11. Dezember 1908 zu Stockholm.
No. 5
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gift, Tetanusgift, das Gift der Abrusbohne, Rizin, Schlangen¬
gift e tutti quanti. Keine von diesen Substanzen ist zur
Kristallisation zu bringen, sondern sie gehören offenbar der
Klasse der eiweissähnlichen Substanzen an. Das Toxin ist
im allgemeinen charakterisiert durch zwei Eigenschaften:
1. durch seine Giftigkeit und 2. durch die Eigenschaft, im Tier¬
körper das spezifische Antitoxin auszulösen.
Bei meinen quantitativen Untersuchungen dieses Vor¬
ganges hat sich nun ergeben, dass die Toxine, speziell die
Lösungen des Diphtherietoxins, sei es spontan bei längerem
Stehen oder durch Einwirkung thermischer Einflüsse oder
gewisser Chemikalien (Jod) eine Veränderung derart erfahren,
dass sie ihrer Giftigkeit mehr oder weniger beraubt werden,
dass aber ihre Fähigkeit, Antikörper auszulösen, erhalten bleibt.
Ausserdem hat sich gezeigt, dass diese Umwandlungsprodukte,
die ich als T o x o i d e bezeichne und denen bei seinen zahl¬
reichen Versuchen auch mein verehrter Freund Professor
Arrhenius begegnet ist, noch die Eigenschaft behalten
haben, das Antitoxin in spezifischer Weise zu neutralisieren.
Ja, es gelang in günstigen Fällen mir und andern der Nachweis,
dass die Umwandlung von Toxin in Toxoid eine vollkommen
quantitative sein kann derart, dass eine bestimmte Giftlösung
vor und nach der Toxoidumbildung genau die gleiche Menge
Antitoxin zu binden vermag.
Diese Tatsachen Hessen nur eine Erklärung zu, darin
bestehend, dass in dem Toxin zwei verschieden funktionierende
Gruppen vorhanden sein müssen. Einer derselben, die auch
im „T o x o i d“ noch erhalten geblieben ist und die deshalb
als die stabilere aufzufassen ist, muss das Vermögen vindiziert
werden, einerseits bei Injektion in den Tierkörper immuni¬
satorisch die Bildung von Antikörpern auszulösen und anderer¬
seits im Reagenzglas und in vivo Antikörper zu neutralisieren.
Da nun die Beziehungen zwischen Toxin und seinem Antitoxin
streng spezifischer Art sind — das Tetanusantitoxin
neutralisiert ausschliesslich das Tetanusgift, das Diphtherie¬
serum nur das Diphtheriegift, das Schlangenserum nur das
Schlangengift, um nur einige wenige aus Hunderten von Bei¬
spielen anzuführen, —so muss man annehmen, dass zwischen
den Antipoden eine chemische Bindung eintritt, welche im
Hinblick auf die strenge Spezifität am leichtesten durch
die Existenz zweier Gruppen von bestimmter Konfiguration
erklärt werden kann, — von Gruppen, die aufeinander ein¬
gestellt sind wie „Schloss und Schlüssel“ — nach dem Vergleich
von Emil Fischer. Bei der Festigkeit der Bindung einer¬
seits und bei dem Umstande, dass die Neutralisation auch in
sehr grossen Verdünnungen und ohne Hilfe chemischer
Agentien vor sich geht, muss man annehmen, dass dieser Vor¬
gang auf eine grosse chemische Verwandtschaft zurück¬
zuführen ist und wahrscheinlich ein Analogon wirklicher che¬
mischer Synthesen darstellt.
In der Tat haben die neueren Untersuchungen gezeigt, dass
es möglich ist, durch chemische Eingriffe das Produkt der
Kuppelung, die neutrale Verbindung Toxin-Antitoxin wieder in
ihre Komponenten zu spalten. So hat z. B. insbesondere
Morgenrothfür eine Reihe von» Giften — ich erwähne hier
Schlangengift und Diphtheriegift — den Nachweis erbracht,
dass unter dem Einfluss von Salzsäure die Verbindung wieder
in ihre ursprüngliche Spaltstücke zerlegt werden kann, ähnlich
wie in der reinen Chemie feste Verbindungen, z. B. die Glyko-
X
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
Müenchener medizinische Wochenschrift.
No. 5.
side, unter dem Einfluss von Säuren in ihre beiden Kom¬
ponenten: Zucker und den zugrundeliegenden aromatischen
Komplex zerfallen. Es ergab sich aus diesen Untersuchungen,
dass die beständige Qruppe des Toxinmoleküls, die ich
als haptophore bezeichne, eine grosse chemische Aktivität
spezifischer Art ausüben kann und es war nun das nächst-
liegende, anzunehmen, dass gerade diese Qruppe es sein muss,
welche die Verankerung des Toxins an die Zelle bedingt. Wenn
wir sehen, dass manche Bakteriengifte erst nach wochenlanger
Inkubation Störungen hervorrufen und Herz oder Niere oder
Nerven schädigen, wenn wir sehen, dass die an Tetanus er¬
krankten Tiere monatelang Kontraktionen und Spasmen dar¬
bieten, so werden wir ja ohne weiteres darauf gedrängt, dass
alle diese Erscheinungen nur durch eine Verankerung
des Giftstoffes an ganz bestimmte Zellkom¬
plexe bedingt sein können.
Ich nahm also an, dass sich z. B. das Tetanusgift mit be¬
stimmten chemischen Gruppierungen des Protoplasmas von
Zellen, speziell der motorischen Ganglienzellen verbinden muss,
und dass diese chemische Bindung die Voraussetzung und die
Ursache der Erkrankung darstellt. Ich habe daher solche
Gruppierungen der Zellen kurzwog als „G i f t r e z e p t o r e n“
oder einfach als „R e z e p t o r e n“ bezeichnet. Wasser¬
mann hat diese meine Anschauung durch seine berühmten Ver¬
suche vollinhaltlich erweisen können, indem er als erster den
Nachweis erbrachte, dass normales Gehirn imstande ist, be¬
stimmte Mengen zugefügten Tetanusgiftes unschädlich zu
machen. Wenn auch gegen diese Versuche manche Einwände
gemacht worden sind, so haben sie sich doch nicht als stich¬
haltig erwiesen und ich glaube jetzt als sicheres Resultat hin¬
stellen zu können, dass in der Tat in den Zellen spezifische
Gruppierungen vorhanden sein müssen, die das Gift fixieren.
Und dass diese, die Fixation bedingenden Rezep¬
toren der Zelle mit dem haptophoren Teil des Toxins
reagieren, geht aus den Immunisierungen durch Toxoide hervor,
in denen eben nur die haptophore Gruppe erhalten geblieben
ist. Da nun aber diese haptophore Gruppierung des Toxins
eine höchst komplizierte und eigenartige stereochemische
Struktur besitzen muss, und da sie eben gleichzeitig
und gleichsinnig mit den Zellrezeptoren und dem Anti¬
toxin reagiert, so ist hieraus zu folgern, dass die im Proto¬
plasma haftende Gruppe, der Zellrezeptor, mit dem im
Serum der immunisierten Tiere in Lösung befindlichen „Anti¬
toxin“ identisch sein muss, denn ein wirklicher Kunst¬
schlüssel wird nicht zu gleicher Zeit verschiedene
Schlösser öffnen. Da nun der Zellrezeptor offenbar das Prä-
formierte, das künstlich erzeugte Antitoxin erst die Folge, also
das Sekundäre darstellt, ist die Annahme kaum von der Hand
zu weisen, dass das Antitoxin nichts anderes darstellt,
als abgestossene Bestandteile der Zelle, und zwar im
Uebermass abgestossene Rezeptoren. Die Erklärung dieser
Tatsache war sehr naheliegend. Man braucht nur anzunehmen,
dass die verschiedenen spezifischen Zellrezeptoren, die das
Schlangengift, das Diphtheriegift, das Tetanusgift, das Bo¬
tulismusgift etc. aufnehmen, nicht an und für sich dazu
bestimmt sind, als Giftfänger zu dienen für Stoffe, mit
denen das Tier unter den gewöhnlichen Verhältnissen seines
Lebens vielleicht nie in Berührung kommt, sondern dass sie
re vera dazu bestimmt sind, normale Stoffwechselprodukte
chemisch zu binden, d. h. zu assimilieren* Durch die
Besetzung dieser Rezeptoren, die als assimilationsfähige
Seitenketten des Protoplasmas aufgefasst werden
können, mit dem Toxin, wird die betreffende Normalfunktion
dieser Gruppe ausgeschaltet und es tritt das ein, was man
nach dem von Karl Weigert erkannten Grundgesetz
vom Gewebsdefekt und seinem Ausgleich erwarten musste —
der Ausfall wird nicht nur gerade ausgeglichen, son¬
dern übermässig gedeckt, d. h. es findet die Hyper¬
regeneration statt. Schliesslich bilden sich bei der Häufung
und Wiederholung der Injektionen so viele derartige Grup¬
pierungen im Leibe der Zellen, dass dieselben sozusagen die
normalen Funktionen hemmen und die Zelle sich des störenden
Ueberschusses entledigt, indem sie denselben ins Blut abstösst.
Pie kolossale Differenz zwischen injizierter Giftmenge
□ igitized by Google
und erzeugtem Antitoxin ist wohl das am meisten charakte¬
ristische dieses Vorganges, der am besten durch* die Angabe
von Knorr erhellt wird, dass ein Teil Toxin eine Menge
von Antitoxin erzeugt, die das Millionenfache der aus¬
lösenden Giftmenge neutralisieren kann.
In manchen Köpfen spielt sich allerdings der Vorgang viel
einfacher ab. So meint Straub, dass er im wesentlichen
analog sei mit einfacheren Vorgängen der vitalen Entgiftung,
z. B. mit der Bildung einer Aether-Schwefelsäure aus injiziertem
Phenol, und dass diese Vorgänge sich nur dadurch unter¬
scheiden, dass die Phenolschwefelsäure im Organismus be¬
ständig ist, der Komplex Toxin-Antitoxin im Organismus aber
nicht zusammenhält, sondern partiell zerstört wird. Dabei soll
aber nur die eine Komponente, das injizierte Toxin, zugrunde
gehen, die andere, das Reaktionsprodukt des Organismus,
aber — als im Körper entstanden und somit nicht körperfremd
— sich der Elimination entziehen und im Blute und den
Säften erhalten bleiben. Durch systematische
Repetitionen der Vergiftung könnte man das Blut dann an¬
reichern an Schutzkraft, so dass es, anderen Organismen ein¬
verleibt, auch diese vor vergiftenden Krankheiten schütze und
somit als Heilserum funktioniere.
Soweit Straub. — Gegenüber einer so einfachen Deu¬
tung muss es nur wundernehmen, dass diese Frage die grosse
Schar der Immunitätsforscher so lange Jahre hindurch in An¬
spruch genommen hat. Tatsächlich ist dem Autor aber der
springende Punkt vollkommen entgangen, nämlich
der Umstand, dass nach seiner Theorie eine bestimmte Toxin¬
menge genau nur die äquivalente Antitoxinmenge pro¬
duzieren könnte! Re vera ist das aber glücklicherweise bei
der Immunisierung nicht der Fall. Es ist vielmehr nach¬
gewiesen — und ich erinnere daran, was ich vorher über
Knorr gesagt habe —, dass ein Teil Gift so viel Antikörper
erzeugen kann, dass das Millionenfache der Aequivalenz er¬
reicht wird. Hierdurch dürfte das Unhaltbare der Straub-
schen Anschauung erwiesen sein.
Viel wichtiger ist es, dass gerade durch den Nachweis
dieser Hyperregeneration die Präformation und die
chemische Individualität der betreffenden
Toxinrezeptoren er wiesen ist. Das, was in der
Zelle fortwährend neu sich bilden und nach Art eines Sekretes
ins Blut sezerniert werden kann, muss eine chemische
„Individualität“ haben und mit d i e s e r Erkenntnis war
der erste Schritt getan, welcher zur Differenzierung des
Zellbegriffes in eine grosse Zahl gesonderter Ein¬
zelfunktionen führte. Ich hatte von Anfang an ange¬
nommen, dass das Toxin nichts weiter darstelle, als
einen assimilatlonsfähigen Nährstoff, dem ausserdem — durch
eine Art Zufall — noch eine Nebengruppierung, meist
labiler Art anhängt, welche die toxische Wirkung als solche
bedingt.
Diese Anschauung, die von mir von Anfang an vertreten
wurde, hat in der Folgezeit sehr rasch mannigfache Bestäti¬
gung gefunden. Es hat sich in der Tat die vollständige Un¬
abhängigkeit von haptophorer und toxophorer Gruppe zur Evi¬
denz dadurch erweisen lassen, dass man Stoffe auffand, welche
die Fähigkeit der Antikörperauslösung besassen, also Antigene
waren, ohne dabei eine Giftwirkung auszuüben. Vor allem
darf ich Sie hierbei an die zuerst von Kraus, Tschisto-
witsch und Bordet entdeckten Präzipitine erinnern.
Durch die Feststellung der wichtigen Tatsache, dass auch die
genuinen Eiweisstoffe des tierischen und pflanzlichen Organis¬
mus, gleichgültig ob sie Giftwirkung ausüben oder nicht, im¬
stande sind, spezifisch-ohemisch reagierende Antikörper zu er¬
zeugen, war der Nachweis der Antigennatur auch auf eigent¬
liche Nährstoffe ausgedehnt, wie das nach meinen Anschau¬
ungen von vornherein zu erwarten war. Aber auch unter den
Giften, welche die Natur produziert, sind solche aufgefunden
worden, welche die Unabhängigkeit des haptophoren und des
toxophoren Apparates ohne weiteres erkennen lassen. Es
handelt sich hier um die Zytotoxine, welche sich im Blutserum
höherer Tiere normalerweise vorfinden, oder durch Immuni¬
sierung mit irgend einer Zellart willkürlich hervorgerufen
werden können, und die sich von allen anderen uns bekannten
Original fro-m
UNIVERSIT7 OF CALIFORNIA
2 . Februar 1009.
MCfENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
2\9
Giften» durch ihre ausserordentliche Spezifität unterscheiden,
durch eine Monotropie der Wirkung, durch welche bisher nur
diese, der Fabrikationsstätte des lebenden Tierkörpers ent¬
stammenden Gifte ausgezeichnet sind. Durch ihre komplexe
Konstitution ist eine Differenzierung des haptophoren und des
toxophoren Prinzips in sinnfälliger Weise erkenntlich, so dass
hier der distributiven Komponente, den Ambozeptoren, die
Funktion zuerteilt ist, durch die nach erfolgter Lokalisation
eintretende Aviditätserhöhung die eigentlich aktiven Stoffe an
das getroffene Substrat zu konzentrieren. Dass die tierischen
Zellen Antigene sind, ohne giftig zu wirken, beweist zugleich,
ebenso wie die Möglichkeit der Immunisierung mit gelösten
Eiweissstoffen, die allein verantwortliche Natur der haptophoren
Gruppe in Bezug auf die Antikörperbildung.
Gerade die Erkenntnis und die Analyse der spezifischen
Beziehungen zwischen haptophoren Antikörpergruppen und
Rezeptoren ist ja von grösster theoretischer und praktischer
Bedeutung für die neuere Serodiagnostik geworden. Ich er¬
innere Sie nur an die Bestimmung des Agglutinationstiters,
welche bei der Wi dal sehen Reaktion auf Typhus die bedeut¬
samste Anwendung gefunden hat; an die von Wassermann
und Uhlenhuth begründete Eiweissdifferenzierung und ihre
Bedeutung für den forensischen Blutnachweis; an die durch
W right inaugurierte Messung des opsonischen Index, sowie
an die mannigfache Anwendung, welche das Verfahren der
•Komplementbindung — dessen wissenschaftliche Grundlage
gleichfalls auf dem Prinzip der Verankerung des Antikörpers
an die haptophore Gruppe beruht — gefunden hat.
Ich will hier auf diesen Gegenstand nicht weiter eingehen
und nur „d i e“ Konsequenz daraus ziehen, dass es eine Reihe
von Nährstoffen, wohl meist eiweissartiger Natur gibt, die an
den Zellen spezifische Rezeptoren vorfinden, und dass es
somit möglich ist, auf dem Wege der Immunisierung
diese Gebilde in reicher Fülle und in der Form typischer
Varietäten — wie solche die Agglutinine, die Präzipitine, die
Ambozeptoren, die Opsonine einerseits, die Antitoxine und
Antifermente andererseits darstellen — ins Blut he rau szu locken
und sie daselbst in solchem Masse anzuhäufen, dass ein ein¬
gehendes Studium dieser Substanzen, das im Zellverbande ganz
unmöglich ist, nun tatsächlich vorgenommen werden kann.
Wie weit die Analyse solcher Vorgänge getrieben werden kann,
beweist das Studium der Verbindungsart vom Toxin-Antitoxin
und die Erkenntnis des so komplizierten Spiels der Ambozep¬
toren.
Natürlich ist das Geheimnis des Lebens, welches mit dem
komplizierten Organismus eines mechanischen Kunstwerkes
zu vergleichen ist, dadurch selbst nicht gelöst, aber die Mög¬
lichkeit, einzelne Räder herauszunehmen und dieselben
genau zu studieren, bedeutet doch immerhin einen Fortschritt
gegenüber der alten Methode, das ganze Werk zu zertrüm¬
mern und aus dem Gemenge der Bruchstücke irgend etwas
eruieren zu wollen.
Ich bezeichne alle die Rezeptoren, die dazu befähigt und
bestimmt sind, Nährstoffe für die Zelle zu assimilieren, als
„N u t r i z e p t o r e n“ und möchte diese Nutrizeptoren als die
Quelle der theoretisch und praktisch so bedeutsamen- Anti¬
körper, die ich oben namentlich aufgeführt habe, auffassen.
Selbstverständlich wird der, welcher den plurimistischen
Standpunkt einnimmt — und dieser erscheint mir bei dem- kom¬
plizierten System des Organismus, der fast unendlichen Viel¬
fältigkeit und Spezifität der Zellfunktionen unumgänglich not¬
wendig —, annehmen müssen, dass eine ganze Reihe von
Nutrizeptoren verschiedener Art existieren. Dieselben sind
immunisatorisch in drei Arten zu differenzieren:
1. in solche, die nicht in der Form von Antikörpern in
das Blut übertreten. Man wird annehmen können, dass das
der Fall sein wird wahrscheinlich bei denjenigen Nutrizeptoren,
die den allereinfachsten Funktionen dienen, etwa der
Aufnahme von einfachen Fettstoffen oder Zuckerarten.
2. In solche, die in der Form der oben erwähnten und
charakterisierten Antikörper in das Blut übertreten und deren
Entstehung einer Hyperregeneration entspricht.
3. Die dritte Form stellt einen Gegensatz hierzu dar, in¬
dem es sich hier nicht um Neubildung, sondern um einen
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Rezeptoren sch w u n d handelt. Experimentelle Beweise für
dieses Vorkommen sind allerdings bisher nur sehr spärlich
vorhanden gewesen. Das einzige bekannte dürfte vielleicht
der von H. K o s s e 1 erhobene Nachweis sein, dass bei längerer
Immunisierung von Kaninchen mit dem hämotoxischen Aal¬
serum die Blutkörperchen schliesslich als solche unempfindlich
gegen dieses Agens wurden, gleich als ob sie die spezifischen
Rezeptoren eingebüsst hätten.
Nun ist es mir in Gemeinschaft mit meinen Mitarbeitern
Dr. Röhl und Fräulein* Gulbransen gelungen, in das
Wesen des künstlichen Rezeptorenschwundes näher einzu¬
dringen und den ganzen Mechanismus klarzulegen. Aus unserer
demnächst erscheinenden umfänglicheren Arbeit möchte ich
hervorheben, dass die Versuche an Trypanosomen angestellt
worden sind. Es war seiner Zeit von Franke in meinem
Institut ein Affe mit einer bestimmten Trypanosomenart in¬
fiziert worden, dann durch chemotherapeutische Agentien der
Heilung zugeführt und dann wieder, um die Immunität des
Tieres zu prüfen, mit dem Ausgangsstamm neu infiziert worden.
Hierbei zeigte sich aber wider Erwarten, dass der Affe nicht
immun war, sondern dass nach einer sehr verlängerten Inku¬
bationsperiode Neuerkrankung auftrat. Behandelte man mit
dem von dem erkrankten Tiere stammenden id est trypano¬
somhaltigen Blut Mäuse, so erkrankten sie und verfielen dem
Tode. Entfernte man aber aus dem Affenblut vorher die
Trypanosomen, so zeigte es sich, dass das gewonnene Serum
imstande war, die Ausgangsparasiten zur Abtötung zu
bringen. Es ging hieraus hervor, dass sich im Affen eine Abart
der Parasiten gebildet hatte, die im Gegensatz zum Ausgangs¬
stamm nicht mehr vom Serum geschädigt wurde, — also ein
serumfester Stamm. Aehnliche Beobachtungen sind
gleichzeitig von Kleine und letzthin auch von M e s n i 1
erhoben worden.
Behandelt man nun Versuchstiere, die mit einer bestimmten
Trypanosomenart infiziert worden sind, nicht mit einer vollen
sterilisierenden Dosis geeigneter Stoffe (Arsanil, Arsazetin,
Arsenophenylglyzin), sondern mit einer etwas geringeren, so
verschwinden auf mehr oder weniger lange Zeit die Trypano¬
somen aus dem Blut. Eine Bildung von Antikörpern hat, wie
sich leicht erweisen lässt, auch in diesem Fall stattgefunden.
Die wenigen der Abtötung entgangenen Prasiten bleiben nun
mehr oder weniger lange Zeit in den Organen liegen, passen
sich den im Serum vorhandenen Antistoffen allmählich an und
kommen dann, sobald dies geschehen ist, wieder ins Blut, um
sich hier rasch zu vermehren und den Tod des Tieres herbei¬
zuführen. Ueberträgt man die so erhaltenen Trypanosomen
auf eine Reihe von Mäusen, die vorher mit dem Ausgangsstamm
infiziert und durch Anwendung geeigneter Dosen zur Heilung
gebracht worden sind, und die hierdurch Träger der spezi¬
fischen Antikörper geworden sind, und auf eine zweite Reihe
normaler Mäuse, so überzeugt man sich, dass die Para¬
siten in beiden Reihen gleich schnell angehen. Es haben also
die Parasiten des Rezidivstammes eine biologische Abänderung
erfahren, indem sie serumfest geworden sind.Q Die so
erzeugte Abänderung der Parasiten ist nicht oberflächlicher Art,
sondern kann durch viele Monatp hindurch bei
Passagen durch normale Tiere unverändert fort-
geführt werden. Der Rezidivstamm behält seine Eigen¬
schaft, gegen die durch den Ausgangsstamm erzeugten
Antikörper fest zu sein, unverändert bei und ist hierdurch in
absolut sicherer Weise zu erkennen.
Nun galt es, einen Einblick zu erhalten in das Wesen dieses
Vorganges. Ehe Erklärung hierfür, die wir nach vielfach
variierten Experimenten gewonnen haben, ist folgende: In dem
Ausgangsstamm ist eine bestimmte einheitliche Art von
Nutrizeptoren, die wir als Gruppe „A u bezeichnen wollen, in
reichem Masse vorhanden. Werden nun die Parasiten inner-
1 ) Zu genau dem gleichen Stamm gelangt man übrigens auf eine
andere, vielfach bequemere Weise, die darin besteht, dass man Mäuse
mit dem Ausgangsstamm infiziert, sie am zweiten Tage durch eine volle
Dosis absolut heilt und dann nach 2-3 Tagen mit dem gleichen Stamm
neu infiziert. Es treten dann nach mehr oder weniger langer Zeit
Parasiten im Blut auf, die vollkommen denen des Rezidivstammes ent¬
sprechen.
I*
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
220
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
halb des Mäuseorganismus abgqtötet und aufgelöst, so wirkt
die Gruppierung „A“ als Antigen und erzeugt nun einen Anti¬
körper, der seiner Entstehung nach Verwandtschaft zur
Gruppe „A“ besitzt. Wenn man nun lebende Parasiten, sei es
im Reagenzglas, sei es in vivo mit diesem Antikörper in Be¬
rührung bringt, so wird derselbe von den Trypanosomen ver¬
ankert. Unter dem Einfluss dieser Besetzung erleiden in vivo
die Parasiten diejenige biologische Abänderung, die zu dem
Rezidivstamm überführt. Diese Abänderung geschieht in der
Weise, dass in dem neuen Stamm die ursprüngliche Grup¬
pierung „A“ verschwindet und dafür eine neue Gruppierung,
die als „B“ bezeichnet werden möge, auftritt. Dass in dem
Rezidivstamm eine neue Gruppierung vorhanden ist, ist in
folgender Weise ersichtlich; infiziert man zwei Mäuse mit dem
Rezidivstamm, Träger der Gruppierung „B“, heilt sie kom¬
plett und infiziert die e i n e Maus mit dem Ausgangsstamm, die
andere mit dem Rezidivstamm selbst, so geht die Nach¬
impfung mit dem Ausgangsstamm, Träger der Gruppierung „A“
glatt an, während die Nachinfektion mit dem Rezidivstamm
zunächst versagt. Es geht daraus hervor, dass Ausgangs¬
stamm und Rezidivstamm dysidentisch sind oder zwei ver¬
schieden funktionierende Gruppen besitzen
müssen. Wir haben hier also einen typischen
Fall immunisatorisch erzeugten Rezeptoren¬
schwundes unter Bildung einer ganz neuen
Rezeptorenart.
Ob man diese Veränderung als eine Mutation oder Variation
bezeichnen will, ist wohl von geringer Bedeutung, die Haupt¬
sache ist, dass sie bewusst künstlich erzeugt werden kann und
dass sie vererblich ist. Bei dem grossen Interesse aber, das
gerade dieses Problem in der Biologie und Entwicklungs¬
geschichte hat, haben w T ir uns bemüht, ein näheres Verständnis
dieses Vorganges zu gewinnen.
Zunächst galt es hierbei festzustellen, in welcher Weise
die Trypanosomenantikörper die Parasiten beeinflussen. Der
gewöhnlichen Annahme der Immunitätslehre entsprechend
könnte man voraussetzen, dass diese Antikörper direkte Gift¬
wirkungen auslösen, also toxophore oder trypanolytische
Gruppen enthalten, und dass somit die Verankerung als solche
eine Schädigung resp. Abtötung der Zelle auslösen müsste.
Das ist aber, wie ich und meine Mitarbeiter uns überzeugt
haben-, nicht der Fall. Im Gegensatz zu den gewöhnlichen
Trypanosomenrassen, die nur eine einheitliche Gruppierung
„A“, „B“ oder „C“ etc. enthalten und die daher als „Unionen“
bezeichnet werden mögen, kommen andere Arten vor, die
gleichzeitig zwei Gruppierungen, z. B. „A“ und „B“ in ihrem
Protoplasma besitzen und daher „Binicnen“ genannt sein
mögen. Lässt man auf einen solchen Binio „A“-„B“ den*
isolierten Antikörper „A“ oder ,,B“ wirken, so findet hier¬
durch nicht die mindeste Schädigung des Wachstums statt.
Dieselbe erfolgt erst dann, wenn gleichzeitig der Parasit von
den beiden Antistoffen okkupiert wird. Es folgt daraus, dass
die Anwesenheit von Antikörpern keine direkte toxische Wir¬
kung auf die Trypanosomen ausübt, sondern es scheint aus
diesem dreifachen Versuch hervorzugehen, dass der Anti¬
körper nur dadurch wirkt, dass er durch die Besetzung der
betreffenden Gruppe die Zufuhr der Nährstoffe verhindert. Da¬
her kann, wenn in dem Binio A-B die Gruppierung A durch
den Antikörper verschlossen wird, der Parasit vermittels
seiner Gruppierung „B“ weiter vegetieren. Es ist hiermit
auch der Nachweis erbracht, dass die Gruppierungen „A“
und „B“ im wesentlichen als Nutrizeptoren aufzufassen sind.
Ist die Menge des Antikörpers sehr gross, so kann der
Parasit sich überhaupt nicht mehr ernähren und stirbt ab. Man
kann sich davon am einfachsten überzeugen, wenn man die Para¬
siten mit verschiedenen Mengen Antiserum im Reagenzglas
mischt. Bei den hohen Konzentrationen, die die Ernährungs¬
zufuhr vollkommen abbin-den, erfolgt eine Abtötung der Para¬
siten, dagegen bildet sich ein Rezidivstamm bei den schwä¬
cheren Konzentrationen, die eine vitaminima gestatten,
in welcher die Mutation erfolgen kann. Diese Mutation ist also
ausschliesslich auf Hunger des Protoplasmas zurück¬
zuführen, unter dessen Einfluss neue potentielle Anlagen
des Trypanosomens zur Entfaltung kommen. Ich bezeichne
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daher derartige Antikörper, wie wir sie eben gesehen haben,
und die rein antinutritiv wirken, als „A t r e p s i n e”,
und glaube, dass diese nicht nur bei den Bakterien, son¬
dern überhaupt in der Biologie eine ausserordent¬
lich grosse Rolle spielen dürften.
Mit der Idee, dass für die Aufnahme der verschiedenartigen
Nährstoffe in der Zelle bestimmte Gruppierungen chemischer
Art vorhanden sind, wird sich, nachdem ihre Existenz durch die
Anwesenheit der Antikörper bestimmt erwiesen ist, wohl die
Mehrzahl der Fachgenossen leicht befreunden können. Viel
schwieriger aber ist die Frage, ob auch für die Aufnahme
anderer weniger komplizierter Substanzen analoge Funktions¬
gruppen vorhanden sind. Für die einfachste weitere Funktion
der Zelle, nämlich die Sauerstoffaufnahme ist diese
Frage meiner Ansicht nach zum Teil schon gelöst. Man weiss,
dass im Hämoglobinmolekül es ausschliesslich der organisch ge¬
bundene Eisenrest ist, welcher die lockere Bindung an
Sauerstoff einerseits, an Kohlenoxyd und Blausäure a n -
dererseits vermittelt. Man wird nun im Protoplasma der
roten Blutkörperchen bestimmte Gruppierungen annehmen
müssen, die eine maximale Verwandtschaft zum Eisen besitzen,
mrt ihm eine komplexe Verbindung von den charakteristischen
funktionellen Eigenschaften bilden. Es wäre mithin das
Protoplasma der roten Blutkörperchen durch die reiche An¬
wesenheit von „F e r r o z e p t o r e n“ gekennzeichnet, deren
Komplettierung durch Eisen dann zum fertigen Hämoglobin¬
molekül führt. In ähnlicher Weise wird man auch annehmen
müssen, dass im blauen Respirationsfarbstoff der Krebse
„Kuprozeptoren“ und in anderen wohl „Mangano-
zeptoren“ vorhanden sind. Auch die Lokalisation des
Jods in bestimmten Drüsensystemen, insbesondere in der
Schilddrüse, und der Nachweis, dass das Jod in bestimmten
aromatischen Seitenketten gruppiert sei, wird man nach dieser
Richtung deuten müssen.
Viel schwieriger dagegen ist die Frage, ob denn auch für
die grosse Zahl der wirklichen Arzneimittel in der Zelle
solche präformierten Chemorezeptoren anzunehmen sind.
Diese Frage führt uns in das wichtige Gebiet des Zusammen¬
hanges zwischen Konstitution und Wirkung, der die
Grundlage für einen rationellen Ausbau der Therapie darstellt.
Erst wenn wir die Angriffsstellen der Parasiten wirklich
kennen, wenn wir das festgestellt haben, was ich als die
therapeutische Biologie der Parasiten be¬
zeichne, wird ein erfolgreicher Kampf gegen die Infektions¬
erreger möglich sein.
Ich habe daher diese meine Studien über den Nachweis
bestimmter Chemorezeptoren an erster Stelle an ein¬
zelligen Lebewesen, den Protisten ausgeführt, weil hier die
Bedingungen für eine klare Erkenntnis viel günstiger
sind, als dies in dem unendlich komplizierten Getriebe der
höheren Organismen möglich ist. Ich legte mir also die Frage
vor: besitzen die Trypanosomen in ihrem Protoplasma
bestimmte G r u p p i e r u n g e n, die die Fesselung bestimmter
chemischer Substanzen bedingen?
Wenn eine bestimmte Substanz imstande ist, im Reagenz¬
glas oder im Tierkörper Trypanosomen oder andere Parasiten
abzutöten, so kann dies ja n u r dadurch geschehen, dass sie
in denselben eine Speicherung erfährt, aber über den Vor¬
gang selbst kommt man durch die Feststellung dieser nackten
Tatsachen nicht ins klare. Es gibt hier sehr viele
Erklärungsarten und erst wenn es gelingt, zu beweisen, dass
hier eine Funktion vorliegt, die in spezifischer Weise
abgeändert und variiert werden kann, ist der Nachweis einer
präformierten Bildung erbracht.
Leider scheint es, als ob der Weg, der bei den Nutri¬
zeptoren den Beweis für die Präformation so leicht
erbringen Hess, nämlich der U e b e r t r i 11 der losgelösten
Rezeptoren ins Blut, bei den Chemorezeptoren nicht gangbar
ist, da sie viel einfacher gebaut sind und an der Zelle haften
bleiben, also nicht zur Abstossung gelangen.
Erst auf einem Umwege gelang es, hier klar zu sehen,
und zwar führte derselbe über die arzneifesten Stämme
der Trypanosomen. In Gemeinschaft mit meinen bewährten
Mitarbeitern Franke, Browning und Röhl habe ich
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
2. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
gezeigt, dass es gelingt, durch systematische Behandlung
Trypanosomenstämme zu erzielen, die gegen die bisher be¬
kannten drei trypanosomenfeindlichen Stoffe: Körper aus der
Arsenreihe, Fuchsin ynd dem sauren Azofarbstoff aus der
Benzopurpurinreihe, das Trypanrot, fest sind. Diese festen
Stämme sin-d charakterisiert:
1. durch eine Stabilität der erworbenen Eigenschaft.
Diese ist so gross, dass z. B. unser Arsenstamm jetzt, nachdem
er während eines Zeitraums von 2 l A Jahren etwa 380mal
durchMäuse passiert ist, auch heute noch die g 1 e i c h e
Arzneifestigkeit besitzt, wie der Ausgangsstamm.
2. ist ein wesentlicher Charakter der Arzneifestigkeit ihre
strenge Spezifität, die dadurch gekennzeichnet ist, dass
sie nicht auf eine bestimmte Einzelverbindung, sondern auf die
ganze chemische Gruppierung Bezug hat, welcher
diese bestimmte Einzelverbindung angehört. So ist z. B. der
gegen Fuchsin gefestigte Stamm nicht nur hiergegen fest,
sondern auch gegen eine grosse Reihe verwandter Triphenyl-
methanfarbstoffe, z. B. Malachitgrün, Aethylgrün,
Hexaäthylviolett. Im Gegensatz hierzu ist er aber
empfindlich geblieben gegen die beiden anderen Typen, also
gegen das Trypanrot und gegen ein Arsenikal. Eine ent¬
sprechende Spezifität zeigt der gegen Trypanrot und auch der
gegen Arsenikalien feste Stamm. Dass in der Tat drei verschie¬
dene Funktionen hier vorliegen, geht noch weiterhin daraus her¬
vor, dass man durch sukzessive Behandlung eines und des¬
selben Trypanosomenstammes mit den oben genannten
3 Stoffen einen dreifach festen Stamm zu erzielen vermag,
und zwar einen Stamm, der gegen Vertreter aller dieser drei
Klassen gefestigt ist. Ein solcher Stamm ist, unter der Vor¬
aussetzung der maximalen Festigung ausserordentlich
wertvoll zur Erkennung neuer Typen von trypanoziden
Agentien. Erhält man z. B. irgend eine neue Substanz, die
imstande ist, als solche die gewöhnlichen Trypanosomen ab¬
zutöten, so braucht man diese Substanz nur auf den dreifach
festen Stamm wirken zu lassen, um zu erkennen, ob ein neuer
Heilstofftypus vorliegt oder nicht. Ist letzteres der Fall, so
werden die dreimal festen Parasiten durch die Behandlung
nicht verschwinden, sondern weiterwuchern; ver¬
schwinden sie aber, so entspricht die geprüfte Substanz
keiner der drei erwähnten Heilstoff typen und es liegt e i n
Vertreter einer neuen Heilstoffklasse vor.
Der dreifach feste Stamm ist also gewissermassen das cribrum
therapeuticum, das therapeutische Sieb, mit Hilfe
dessen es gelingt, Zusammengehöriges zu erkennen,
Differentes zu scheiden.
Eine weitere wichtige Frage war nun die, festzustellen,
in welcher Weise nun diese spezifische Arzneifestigkeit
zustande kommt, und hier war es der Atoxylstamm, mit dem
ich diese Versuche angestellt habe. Um einen genauen Einblick
zu erhalten, schien es notwendig, das Verhalten der arsenfesten
Parasiten auch im Reagenzglase ausserhalb aller Störungen
und Komplikationen des Organismus vorzunehmen. Hierbei
ergab sich bald eine grosse Schwierigkeit, die darin bestand,
dass der am meisten in der Therapie verwandte Heil¬
stoff, das Atoxyl (Paramidophenylarsinsäure) im Reagens¬
glas überhaupt nicht die mindeste abtötende Wirkung auf
Trypanosomen ausübt; selbst mehrprozentige Lösungen waren
hierzu nicht ausreichend. Diese Erscheinung war um so auf¬
fälliger, als innerhalb des menschlichen Körpers die Parasiten
nach den Koch sehen Ermittelungen nach Injektionen von
0,5 g Atoxyl binnen weniger Stunden zum Verschwinden ge¬
bracht werden konnten; es war hier also eine Abtötung bei
einer Konzentration von 1:120 000 erfolgt
Hier lag nun ein Vorgang vor, den man in neuerer Zeit
als „indirekte Wirkung“ zu bezeichnen pflegt. Der Grund
dieser Erscheinung war für mich nicht schwer festzustellen,
nachdem ich in früheren Jahren die Reduktionskraft des Kör¬
pers so eingehend untersucht habe. Da wir nun wissen, dass
Arsensäure im Körper in arsenige Säure übergeführt wird, da
wir ferner wissen, dass die Kakodylsäure zu dem so übel¬
riechenden Kakodyl reduziert wird, war es geboten, zu¬
erst an Reduktionsverhältnisse zu denken. Nun ist in dem
Atoxyl, der Paramidophenylarsinsäure der Arsenrest fünf-
221
wertig, während in den aus ihr erhaltenen zwei Reduktions¬
produkten der Arsenrest — wie in der arsenigen Säure -
nur drei wertig fungiert. Wir erhielten auf diese Weise zwei
verschiedene Produkte:
Diese Substanzen erwiesen sich im Gegensatz zum Atoxyl
im Reagenzglas und auch im Tierkörper als hochgradig try-
panozid. So töteten von der Arsenoxydverbindung noch Lö¬
sungen von 1:1000000 die Trypanosomen binnen einer Stunde
ab. Das nahestehende p-Oxyphenylarsenoxyd hat noch stär¬
kere Wirkung: 1: 10000000.
Hierdurch war erwiesen, dass der fünfwertige Arsenrest
keinerlei trypanozide Funktionen mehr auslöst, sondern dass
diese ausschliesslich an den dreiwertigen ungesättigten Zu¬
stand gebunden sind.
Schon vor mehr als 60 Jahren hat B u n s e n in voraus¬
sehender Geistesschärfe darauf aufmerksam gemacht, dass das
Kakodyl, das Reduktionsprodukt so giftig ist im Gegensatz
zu der fast ungiftigen Kakodylsäure, und daraus den chemischen
Charakter der Bindung des Kakodyls geschlossen. Hiermit
stimmt auch ausserordentlich gut überein, dass z. B. das un¬
gesättigte Kohl^ioxyd und eine Reihe anderer unge¬
sättigter Verbindungen so viel toxischer sind als die ent¬
sprechenden gesättigten Radikale. Wir werden daher an¬
nehmen müssen, dass der Arsenozeptor der Zellen
eben nur imstande ist, den ungesättigten und daher haftungs¬
gierigen Arsenrest in sich aufzunehmen.
Mit Hilfe derartiger reduzierter Verbindungen war es nun
leicht, den Atoxylstamm im Reagensglas zu untersuchen. Es
zeigte sich hier, dass er durch geeignete Konzentrationen der
Chemikalien noch abgetötet wurde, dass also ein Rezep¬
torenverlust, wie er bei dem Rezidivstamm von uns
nachgewiesen ist, nicht vorlag. Aber ein Vergleich der ab¬
tötenden Dosis mit derjenigen, die notwendig war,
um den gewöhnlichen Stamm zu vernichten, zeigte, dass
der feste Stamm viel höherer Konzentration bedurfte, und
dass eine Menge, die den gewöhnlichen Stamm sofort
abtötete, auch nach einer Stunde die Lebensfähigkeit
der festen Parasiten nicht im mindesten beeinträchtigte.
Diese Reagenzglasversuche schienen darauf hinzudeuten,
dass der Arsenozeptor zwar noch im atoxylfesten Trypano¬
somenstamm erhalten geblieben war, dass er aber eine Ver¬
ringerung seiner Avidität erfahren hatte, die dadurch zutage
trat, dass erst bei Verwendung von viel stärkeren Lösungen,
die zur A b t ö t u n g nötige Giftkonzentration erreicht
wurde; der normale Arsenozeptor des Ausgangsstammes zieht
infolge seiner ursprünglichen höheren Avidität auch aus dün¬
neren Lösungen die gleiche Menge an sich.
Wir haben nun biologisch mit aller Schärfe beweisen
können, dass in der Tat der Arsenozeptor eine be¬
stimmte Funktion darstellt, deren Avidität auf immuni¬
satorischem Wege systematisch und sukzes¬
sive verringert werden kann. Wir haben bis jetzt drei
Stufen differenter Verwandtschaft erreichen können. Stufe I
wurde dadurch erreicht, dass die Parasiten systematisch der
Behandlung von p-Amidophenylarsinsäure und deren Azetyl-
produkt unterworfen wurde. Wir haben die Behandlung ad
maximum durch Jahre hindurch fortgetrieben, so lange bis
eine weitere Steigerung nicht mehr erfolgte. Dieser so er¬
haltene feste Stamm war nun auch gleichzeitig fest
gegen eine ganze Reihe anderer Arsenikalien, unter denen ich
besonders erwähne die p-Oxyverbindung, die Harnstoffver-
bindung, die Benzylidenverbindung, eine Reihe von Säure¬
derivaten etc.
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
222
Da es nun möglich ist — und das kommt im Tierversuch
sehr häufig vor — dass beim therapeutischen Vorgehen bei
Tier und Mensch arsenfeste Stämme sich herausbilden und
diese natürlich die erfolgreiche Fortführung der Therapie ab¬
solut verhindern, war es geboten, nun Stoffe zu finden, die auch
noch imstande waren, den festen Stamm anzugreifen und sich
mit dessen Rezeptoren zu verbinden. Nach langem Suchen
fanden wir im ganzen drei Verbindungen, von denen die wich¬
tigste das Arsenophenylglyzin ist. Es gelingt mit Hilfe dieser
Verbindung auch den oben charakterisierten Arsen¬
stamm I der Heilung zuzuführen, was nur so zu erklären ist,
dass die Substanz nach Art einer Beisszange den Avidi-
tätsstummel des Arsenozeptors packt. Durch diese Ver¬
ankerung ist aber die Möglichkeit einer Höhertreibung der
Arsenfestigkeit gegeben. In der Tat gelang uns das, allerdings
nicht ohne viel Mühe, und wir gelangten aus dem Arsen¬
stamm I zu einer höheren Stufe, dem Arsenstamm II, der
vollkommen fest war gegen Arsenophenylglyzin.
Nun ist neuerdings von P l i m m e r ein Präparat, der
Brechweinstein, aufgefunden worden, der ebenfalls in hohen
Verdünnungen die Trypanosomen abtötet. Der Brechwein¬
stein ist das Salz einer Antimonverbindung, das chemisch zu
dem Arsen in naher Verwandtschaft steht. Als wir nun den
Brechweinstein auf den Arsenstamm II prüften, fanden wir,
dass derselbe durch den Brechweinstein abgetötet
wurde. Uns gelang es ferner durch Behandlung des Arsen¬
stammes II mit arseniger Säure noch eine weitere
Steigerung herbeizufübren, derart, dass nun der dritte Stamm
entstand, der Arsenstamm III, der nun auch Festigkeit
gegen Brechweinstein gewonnen hatte. Besonders betonen
möchte ich, dass dieser Arsenstamm III, der nur unter dem
Einfluss von arseniger Säure herangezüchtet wurde,
zwar gegen Brech Weinstein, nicht aber gegen arsenige
Säure fest war. Es ist dieses Resultat nur in der Weise zu
erklären, dass man an-nimmt, dass eben die arsenige Säure
von allen denkbaren Arsenikalien die maximalste Ver¬
wandtschaft zu dem Arsenrezeptor besitzt, und dass es viel¬
leicht mit der grössten Mühe oder gar nicht gelingen wird,
einen Stamm zu erzeugen — und es wäre das der Arsen¬
stamm IV —, der auch fest wäre gegen arsenige Säure.
Für meine Anschauung, dass unter dem Einfluss und An¬
griff ausgewählter Verbindungen eine sukzessive Aviditäts-
einziehung desselben Rezeptors vor sich geht, könnte ich noch
manche interessante Tatsache anführen, so z. B. die Er¬
scheinung, dass man natürlich auch direkt mit einem stärker
wirkenden Agens, also dem Arsenophenylglyzin, das Try¬
panosomen festigen kann. Ein so erzeugter Stamm erwies
sich entsprechend- unserer Erwartung auch fest gegen die
Klasse der weniger aviden Stoffe, also Atoxyl, Arsazetin etc.
Man würde also zu einem panfesten Stamm gelangen,
wenn man gleich von den stärkstwirkenden Agentien — und
es sind das Brechweinstein und arsenige Säure — bei der
Festigung ausgehen würde. Leider scheint es nach unseren
Arbeiten unmöglich, wenigstens bei kleineren Versuchstieren,
mit Hilfe dieser Substanzen direkt Festigkeit zu erzeugen; man
kann das eben nur auf dem Umwege der Vorbehandlung von
Stämmen mit Phenylarsinsäurederivaten.
Bei der Einziehung der Avidität handelt es sich natürlich
um einen chemischen Vorgang., der offenbar so zu deuten ist,
dass in der Nachbarschaft der betreffenden Arsengruppierung
andere Gruppen entstehen oder verschwinden,
die die Reaktionsfähigkeit verringern. Ich darf vielleicht hier
ein chemisches Beispiel anführen. Das Benzylzyanid reagiert
mit Nitrosodimethylanilin. Zum Zustandekommen der Reaktion
ist aber die Hilfe von Erhitzung und eines stärkeren Konden¬
sationsmittels notwendig, des freien Alkalis. Führt man da¬
gegen in den Benzolkern eine Nitrogruppe ein, so ist die Re¬
aktionskraft der Methylengruppe ausserordentlich erhöht: es
reagieren dann die beiden Substanzen Nitro-Benzylzyanid und
Nitrosodimethylanilin schon im der Kälte. Hier hat also die Ein¬
führung der Nitrogruppe einen reaktionsbeschleunigenden Ein¬
fluss ausgeübt. Reduziert man die Nitroverbindung zu p-Amido-
benzylzyanid, so ist dieses weniger reaktionsfähig, als das Aus¬
gangsmaterial; es hat also die Amidogruppe einen reaktions-
verringenden Einfluss ausgeübt, während das Azetylprodukt
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der Amidoverbindung ungefähr wie das Ausgangsmaterial
reagiert.
Wir sehen an diesem einfachen Beispiel, dass drei ver¬
schiedene in der Parastellung am Benzolkern haftende Grup¬
pierungen die Reaktionsfähigkeit der Methylengruppe entweder
gar nicht beeinflussen, sie verstärken oder ab-
schwächen. Die Abschwächung würde in un¬
serem Falle der Aviditätseinziehung ent¬
sprechen.
Nach meiner Ansicht ist also das Protoplasma in eine grosse
Zahl von Einzelfunktionen zu trennen, die in Form differenter
Chemozeptoren zwischen den Nutrizeptoren ein¬
gestreut sind. Nach meiner Ansicht müssen diese beiden Haupt¬
gruppen doch in einem engen Zusammenhänge mit einander
stehen. Hierfür spricht folgende Erwägung:
Die Trypanosomen verschiedener Herkunft, wie sie in den
differenten Laboratorien gezüchtet werden, zeigen gewöhnlich
gegenüber einem bestimmten Heilstoff von Anfang an ein ver¬
schiedenes Verhalten. So war z. B. der von mir zuerst ver¬
suchte Trypanosomenstamm Mal de Caderas widerstandslos
gegen Trypanrot und es gelang auf diese Weise, mit diesem
Stoff Heilung zu erzielen. Das ist auch heute noch möglich.
Aehnliche gute Heilresultate hat auch J a k i m o f f in Russland
erhalten, während Uhlenhuthbei seinen Stämmen gar keine
Beeinflussung beobachtet hat. Es handelt sich also hier um
natürliche Differenzen; dass dieselben aber nicht ganz
willkürlich sind, geht daraus hervor, dass auch heute
noch mein Stamm, der viele Jahre durch normale Mäuse
hindurch passiert ist, genau dieselbe Heilbarkeit durch
Trypanrot aufweist als früher. Im Gegensatz hierzu war der
Naganastamm durch Trypanrot nicht zur Heilung zu bringen
und verhält sich auch heute noch so. Aber als wir diesen
letzteren Stamm in einen Rezidivstamm überführten,
zeigte es sich, dass diese so lange Jahre fortgesetzte und er¬
haltene Eigenschaft binnen 14 Tagen sich geändert hatte.
Es ist dieses ein Beweis dafür, dass die Chemozeptoren
doch im Zusammenhänge stehen mit der Konstitution des
Protoplasmas und Abänderungen erfahren wenn
wir die Konstitution des Protoplasmas mutativ ändern.
Der umgekehrte Fall, ob nämlich durch Beeinflussung der
Chemozeptoren eine Aenderung der Zellsubstanz, speziell
ihrer Nutrizeptoren erreicht werden kann, ist dagegen zur
Zeit nicht einwandfrei festgelegt. Allerdings hat Browning
beobachtet und mitgeteilt, dass durch die Serumreaktion der
Fuchsin- und Atoxylstamm untereinander und vom Ausgangs¬
stamm sich unterscheiden. Aber eine genauere Untersuchung
hat später erwiesen, dass es sich hier nicht um spezifische, mit
dem Fuchsin oder dem Arsen zusammenhängende Ver¬
änderungen handelte, sondern um Aenderungen, welche der
oben geschilderten Rezidivmutation entsprechen; Aenderungen,
die dadurch bedingt sind, dass während der Behandlung häufig
die Mäuse Rezidive erfahren haben, die dann zur Bildung
von Rezidivstämmen geführt haben.
Ich bin damit zum Schluss gekommen. Ich bin mir
bewusst, dass das, was ich geboten habe, nur lücken¬
haft ist. Aber wie sollte das auch anders sein bei einein
Thema, dessen wirklich erschöpfende Betrachtung die Re¬
kapitulation einer unendlich langwierigen Arbeit darstellen
würde. Auf jeden Fall wollte ich Ihnen zeigen, dass wir
uns doch dem Problem nähern, einen Einblick zu gewinnen
in das Wesen der Arzneiwirkungen, dessen Konzeption
in der Erkenntnis de sedibus et causis pharmacorum
bestehen muss. Ich hoffe auch, dass bei systematischer Ver¬
folgung dieser Gesichtspunkte eine rationelle Ausbildung der
Arzneimittelsynthese leichter als bisher möglich sein wird, und
ich darf in dieser Beziehung wohl anführen, dass sich bisher
das Arsenophenylglyzin im Tierexperiment als ein geradezu
ideales Heilmittel bewährt hat. Denn mit Hilfe dieses Stoffes
gelingt es eigentlich bei jeder Tierspezi^s und bei jeder Art von
Trypanosomeninfektion, durch eine einmalige Injektion
vollkommene Heilung zu erreichen, und es entspricht
dieses Resultat dem, was ich als Therapia sterilisans
magna bezeichne.
Original from
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2. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
Aus der k. chirurgischen Universitätsklinik in Berlin (Direktor:
Qeheimrat Bier).
Die Lokalisation der Umkrümmung und andere Forde¬
rungen in der Skoliosenbehandlung.
Von Dr. James Fränkel, Assistent der Klinik.
DerVierfüsslergang, der von K1 a p p in die Behandlung der
Skoliose eingeführt wurde, begünstigt die Seitenbiegungen der
skoliotischen Wirbelsäule. Dieser Vorteil vor der Umkrüm¬
mung aus dem Stand ist anerkannt worden, ebenso wie die
gute Beeinflussung des runden Rückens durch die Kriech¬
methode. Aber es wird bemängelt, dass bei mehrfachen skoli¬
otischen Krümmungen, während die eine Krümmung ver¬
kleinert oder in ihr Gegenteil umgekehrt wird, die Gegen¬
krümmung sich vergrössere, kurz gesagt, es wird die Lokali¬
sation der Abbiegungspunkte bei dem Kriechverfahren ver¬
misst. Deshalb hält Lange nur die Totalskoliosen, nach
seiner Schätzung 10 Proz. aller Skoliosen, für geeignet zur
Kriechbehandlung, und Sch u Ithess empfiehlt in Anlehnung
an diese Methode an Stelle des Kriechens einen von ihm kon¬
struierten Inklinationsapparat, in dem Seitenbiegungen in Hori¬
zontallage unter Berücksichtigung der Abbiegungspunkte aus¬
geführt werden können.
Bestünden diese Ansichten zu Recht, so käme das Kriech¬
verfahren nur für einen kleinen Teil der leichten Skoliosen in
Betracht und gerade das Argument, was die Methode nach
Klapp zu einer sozialen macht, die Unabhängigkeit von kom¬
plizierten Apparaten, wäre hinfällig.
Die wichtige Frage bedarf einer eingehenden Prüfung, der
ich mich um so besser unterziehen konnte, weil ich durch täg¬
liche Beobachtung weiss, wie Klapp sein Verfahren gehand-
habt wissen will, und was man damit erreicht.
Der eigentliche Grund, warum ich mich mit diesem Thema
beschäftige, ist die von mir selbst gesehene Tatsache, dass
schwere Skoliosen, nicht nur die leichten, wie Lange an-
nirnmt, einer wesentlichen Besserung unter der Kriechbehand¬
lung fähig sind.
Um meine Beobachtungen objektiv wiederzugeben, habe
ich das kinematographische Verfahren herangezogen.
Einen komplizierten Bewegungsvorgang vermag das Auge
auch bei gespannter Aufmerksamkeit schwer im ein¬
zelnen zu verfolgen. Eine gerade interessierende Be¬
wegungsform, auf der der Blick gern länger ver¬
weilt hätte, ist im nächsten Augenblick enteilt und durch
eine andere ersetzt. In dieser Verlegenheit kommt uns der
Kinematograph zu Hilfe. Wie in einer früheren Arbeit 1 ) aus¬
geführt wurde, ist die Bedeutung des Kinematographen für
das Studium physiologischer und pathologischer Bewegungs¬
formen in der Analyse gelegen.
Der Erfolg einer Skoliosenbehandlung lässt sich durch ge¬
wöhnliche Photographien bekanntlich nur unzulänglich er¬
läutern.’ Auch wenn die selbstverständliche Vorsicht geübt
wird, dass sowohl die schlaffe, wie die straffe Haltung vorher
und nachher photographiert w erden, w ird eine sichere Gewähr
nicht geboten. Denn die habituelle Körperhaltung kann selten
in natürlicher Ungezwungenheit abgebildet werden. Sicherer
gelingt schon die Fixierung der straffen Haltung.
Die lebende Photographie dagegen, wie das kinemato¬
graphische Bikd mit Recht genannt wird, gibt jede einzelne
Stellung innerhalb einer zusammengesetzten Bewegung mit
einer Natürlichkeit wieder, die nichts zu w ünschen übrig lässt,
und ist daher für unseren Zweck jedem anderen Reproduktions¬
verfahren überlegen.
Die Bilder dieser Arbeit, die den Kriechakt betreffen, sind
aus dem Negativfilm herausgeschnittene und auf das Format
9 X 12 vergrösserte Bewegungsphasen, deren Ausw ahl so ge¬
troffen ist, dass sie gerade den uns interessierenden Einfluss
des Kriechverfahrens auf die Umkrümmungen erkennen lassen.
Bei der Totalskoliose, dem einfachsten Skoliosen¬
typus, sind die Vorzüge der Kriechbchandlung am sinnfällig-
‘) J. Fränkel: Kinematographische Untersuchung des nor¬
malen Ganges lind einiger Gangstörungen. Zeitschr. i. orthop. Chir.,
XX. Bd.
sten. Deshalb w'erde mit ihnen begonnen. Im vorliegenden
Falle handelt es sich um eine linkskonvexe totale Skoliose. Die
Kriechübungen werden hier asymmetrisch, d. h. mit stärkerem
Ausschlag nach der linken, als nach der rechten Seite ausgeführt.
Das L Bild (Fig. 1) zeigt eine ausgiebige Seitw'ärtsbiegung nach
links, die eine Umwandlung der bestehenden linkskonvexen
Totalskoliose in einen totalen rechtskonvexen Bogen zur Folge
hat. Der Scheitel dieses Bogens sitzt etwa in der Mitte der
Wirbelsäule, dicht über der lumbodorsalen Grenze. Betreffs
der Wirksamkeit dieser Uebung erübrigt sich eine weitere
Beschreibung, sie geht aus dem Bilde deutlich hervor. Bei der
in mässiger Exkursion stattfindenden Biegung nach der kon¬
kaven Seite erleidet die vorhandene Skoliose keine oder eine
nicht nennenswerte Verstärkung.
Mit der Umkrümmung der Skoliose durch das Kriechen
ist stets eine Veränderung der Wirbelsäulen¬
halt u ji g auch in sagittaler Richtung verbunden. Wie
aus Fig. 1 zu ersehen ist, tritt ausser der geschilderten Um¬
kehrung der Skoliose in ihr Gegenteil eine starke totale Lor-
dosierung der Wirbelsäule ein. Sie kommt zustande durch
Kriechweise bei links konvexer Totalskoliose I. Grades.
Fig. 1. Linker Arm im Ellenbogen Fig. 2. Das Kriechen nach rechts
wenig gebeugt. Der Umkrüm- dient'nur zur Fortbewegung des
mungsscheitel ist am 10. Brust- Körpers.
Wirbel* gelegen.
starke Reklination des Kopfes, Rückwärtsziehen der Schultern,
unter Rückw ärtsschw r enken des erhobenen Armes, und Durch¬
hängen des Rumpfes. Ihre tiefste Stelle, ihr Scheitel¬
punkt fällt mit dem Scheitelpunkt der kor¬
rigierenden Skoliose zusammen. Das ist ein
Faktor, der in der Skoliosenbehandlung im allgemeinen zu sehr
vernachlässigt wird, dem aber, wie unten des Näheren gezeigt
wird, eine hohe Bedeutung zugemessen werden muss.
Ist schon durch wirksame Seitwärtsbiegung und Rekli¬
nation ein wichtiger Redressionseffekt beim Kriechverfahren
geschaffen, so tritt als weiterer Vorzug der Behandlung eine
gute Rückenmuskelgymnastik hinzu. Die Folge der hauptsäch¬
lich hierbei entfalteten aktiven Lordosierung ist eine nicht un¬
erhebliche Kräftigung der Streckmuskeln. Die Vermutung
trifft nicht zu, dass die Muskelkräftigung sich ungleichmässig
verteile, indem sie etwa die Schultermuskeln bevorzuge, wie
Schulthess annimmt, sondern sie erstreckt sich auf die
ganze Rückenmuskulatur, gerade auch auf die Erectores trunci,
deren Stärkung ja besonders wertvoll ist. Die unschöne
Schulterhaltung, die Schulthess aus seiner Annahme her¬
geleitet hat, besteht daher gar nicht. Im Gegenteil, w enn schon
die Kriechiibung als solche vom ästhetischen Standpunkt sehr
befriedigen muss, so ist der Anblick der muskelkräftigen
Rücken, die die Kriechmethode erzeugt, ebenso erfreulich, w ie
die gute aktive Streckfähigkeit der Wirbelsäule, die nie
ausbleibt. Auch hiervon kann man sich aus den Bildern eine
Vorstellung machen, da das Muskelrelief während der
Uebungen gut vorspringt.
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224
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
Mit Rücksicht darauf, dass eine Störung des Muskelgleich¬
gewichts sich bei allen Skoliosen vorfindet, bei Skoliosen
1. Grades häufig als einziger Befund, dürfte das asymmetrische
Kriechen gerade auch für die von Lange 2 ) geforderte aktive
Ueberkorrektur empfehlenswert sein.
Die einseitige Verkürzung eines Erector trunci in der
Horizontallage hat übrigens vor der aktiven Seitwärtsbiegung
aus dem Stande das voraus, dass die zur Aequilibrierung des
Rumpfes zeitweise erforderliche Mitwirkung des Erector trunci
der anderen Seite beim Kriechen überflüssig ist und unterbleibt.
Darauf beruht wahrscheinlich ein Teil des besseren Effektes.
Die Klapp sehe Methode steht ganz auf dem Boden der
aktiven Gymnastik. Dieser Standpunkt ist berechtigt. Denn
die Muskelimsuffizienz spielt in der Aetiologie der Skoliose eine
wichtige Rolle. Zwar ist die E u 1 e n b u r g sehe Theorie un¬
bewiesen, wonach die habituelle Skoliose durch primäre In¬
suffizienz der konvexseitigen Muskeln verursacht sein soll,
doch kommt der Muskelschwäche nicht nur für die habituelle,
sondern auch für die rhachitische Skoliose eine ätiologische
Bedeutung zu (H a g e n b a c h). Es ist überhaupt am wahr¬
scheinlichsten, dass Muskel- und Knocheninsuffizienz Hand in
Hand gehen. Bei den leichten Skoliosen ist die allgemeine
Muskelschwäche und als Teilerscheinung derselben die
Schwäche der Rückenmuskeln das auffälligste Symptom, und
der hier gestellten Indikation wird die Kriechbehandlung sicher
in guter Weise gerecht. Aus diesem Grunde erscheinen die
Kriechübungen geeignet, um geradezu als Prophylaktikum in
das Schulturnen aufgenommen zu werden.
Bisher war ausschliesslich von der Anwendung des Kriech¬
verfahrens bei den Skoliosen des 1. Grades mit totaler Krüm¬
mung die Rede.
Ich wende mich jetzt den schwereren Skoliosen zu und
benutze zum Ausgangspunkt die an der Grenze der Brust- und
Lendenwirbelsäule gelegenen Skoliosen des 2. und 3. Grades.
Um über die Nomenklatur keinen Zweifel aufkommen zu lassen,
bemerke ich, dass etwas abweichend von der üblichen Gewohn¬
heit als Skoliosen 3. Grades diejenigen Skoliosen bezeichnet
seien, die wie die Skoliosen 2. Grades unvollkommen oder gar
nicht ausgleichbar sind, bei denen sich aber zu der Skoliose
eine erheblichere Kyphose hinzugesellt.
Ich gehe, wie gesagt, von den Skoliosen mit lumbo-dor-
salem Sitze aus, weil ich an ihnen zuerst die Wirksamkeit des
Kriechens auch bei schweren Skoliosen gesehen habe. Ferner
schliesst sich dieser Skoliosentypus den Totalskoliosen eng
an, denn es handelt sich häufig um einfache Krümmungen ohne
nennenswerte Gegenkrümmungen. Die Besserung dieser
Skoliosenformen fiel mir deswegen auf, weil die lumbodorsalen
Skoliosen andern Behandlungsmethoden gegenüber, wie be¬
kannt ist, relativ undankbare Objekte sind.
Die günstige Beeinflussung dieser Skoliosen durch das
Kriechen beruht auf Mobilisierung und Detorquierung des
befallenen Wirbelsäulensegmentes.
Wollen wir den Ursachen, vor allem der Mobilisierung,
nachgehem, so müssen wir die Abbiegungspunkte der Wirbel¬
säule bei Seitwärtsbiegung näher ins Auge fassen. Dies lässt
sich am besten an der Hand der interessanten und bedeutsamen
Experimente L o v e 11 s 3 ) tun. Ueberhaupt bestehen zwischen
den L o v e 11 sehen Experimenten und dem Klapp sehen
Verfahren wie ich unten zeigen werde, überaus wichtige
wechselseitige Beziehungen. L o v e 11 s Untersuchungen an
der Leiche und am lebenden Modell lehren, dass in der auf¬
rechten Stellung die Seitwärtsbiegung um und unter dem
Lumbo-Dorsalvereinigungspunkt stattfindet. Der Abbiegungs¬
punkt ändert sich mit einem Wechsel der Sagittalhaltung der
Wirbelsäule. Ist die Wirbelsäule flektiert, so beteiligt sich
mehr der Dorsalteil an der Umkrümmung, wobei nach L o v e 11
der 8. Brustwirbel den Scheitel bildet; ist die Wirbelsäule
hyperextendiert, so ist die Seitwärtsbiegung tiefer, in der Len¬
denwirbelsäule lokalisiert. Da beim Kriechen die Wirbelsäule
2 ) F. Lange: Die Behandlung der habituellen Skoliose durch
aktive und passive Ueberkorrektur. Zeitschr. f. orthop. Chir.,
XVIII. Bd.
a ) R. W. Lovett: Die Mechanik der normalen Wirbelsäule und
ihr Verhältnis zur Skoliose. Zeitschr. f. orthop. Chir., XIV. Bd.
hyperextendiert ist, stimmt die Wahrnehmung Klapps hier¬
mit gut überein, dass bei seinem Verfahren zum grössten
Teil dde Lendenwirbelsäule, zum geringeren
die Brustwirbelsäule an den Umkrümmungen teil¬
nimmt. Bei Kindern, besonders bei den kleineren, ist
übrigens die Krümmung der Wirbelsäule gleichmässiger ver¬
teilt. In diesem Zusammenhang ist ein weiterer wichtiger Be¬
fund L o v e 11 s erwähnenswert, aus dem Lovett keinen
Schluss gezogen hat, nämlich die Beobachtung, dass Hyper¬
extension ebenfalls beinahe gänzlich in den Lumbal- und den
zwei unteren Dorsalwirbeln stattfindet. Hieraus muss aber
wiederum, ähnlich wie ich das schon vorher betont habe, eine
engeZusammengehörigkeitvonSkoliosenum-
krümmung und Lordosierung abgeleitet werden.
Auf die Wichtigkeit dieses Zusammenhanges wurde ich
aufmerksam durch eine bisher ungenügend gewürdigte Eigen¬
art in dem Wirbelsäulenbau mancher Vierfüssler.
Es ist K 1 a p p s Verdienst, die Bedeutung des Vierfüssler-
ganges für die Behandlung der Skoliose zuerst klar erkannt zu
haben. Ein Ausbau dieser fruchtbaren Idee erscheint dringend
geboten.
Achtet man auf die Stellung der Wirbelsäule bei den ver¬
schiedenen Raubtierarten, so stösst man auf weitgehende
Unterschiede. Doch lassen sich zwei Typen scharf voneinander
trennen. Als Beispiele des einen sei die Hyäne und der gemeine
Bär genannt, ihnen ist als Vertreter einer gänzlich anderen
Gruppe, z. B. der Tiger und Marder gegenüberzustellen. Der
Unterschied ist folgender: Bei den zuerst genannten Raubtieren
überragen die Vorderläufe die Hinterläufe an Länge, und die
Folge ist eine abschüssig gestaltete Rückenlinie. Umgekehrt
liegen die Verhältnisse bei den Vertreteren der zweiten Gruppe.
Bei ihnen wird der Rumpf von kurzen Vorderbeinen und
längeren Hinterbeinen getragen und dadurch entsteht bekannt¬
lich der stark gebuckelte Rücken. Aber nicht darauf kommt
es an, sondern wichtiger ist, dass die Lordose der Wirbel¬
säule bei den zuletzt genannten Tieren in das Dorsal¬
segment verlegt ist. Dieser Unterschied hängt natürlich
mit der verschiedenen körperlichen Leistungsfähigkeit dieser
Tiere eng zusammen. Die Steilstellung der Wirbelsäule hat
bei der Hyäne einen schwerfälligen Gang zur Folge, der Tiger
dagegen verdankt zum grossen Teil der guten Beweglichkeit
seiner lordotischen Brustwirbelsäule seine ausserordentliche
Gewandtheit. Auch die Charaktereigenschaften dieser Tiere
werden durch den genannten Unterschied merklich beeinflusst,
worauf hier nicht näher eingegangen werden kann.
Am besten lassen sich die angedeuteten Verhältnisse am
Dachshund erläutern, der in Hinsicht auf Körperbau und Ge¬
wohnheiten allen in der Vorstellung geläufig ist.
Beim richtig gebauten Teckel finden sich die geschilderten
Merkmale der Tigerkatze analog wieder. Wenn auch sein
Rumpf im ganzen relativ niedrig steht, so ist doch der Boden¬
abstand des Schultergürtels infolge der Kürze der scharf ge¬
winkelten Vorderläufe beträchtlich geringer als derjenige des
Beckens. Die Lordose der Brustwirbelsäule, die daraus resul¬
tiert, verleiht gerade dieser eine ausgiebige Beweglichkeit und
dieser Umstand verschafft dem Dachshund seine Geschmeidig¬
keit und grosse Anpassungsfähigkeit. Wohl sucht eine gute
Teckelzucht einen zu tief eingesenkten Rücken zu verhüten,
weil dadurch die Sprungfedertätigkeit erschwert würde. Doch
ist die Lokalisation der Lordose im Brustsegment für diesen
äusserst beweglichen Jagdhund ein sehr charakteristisches und
wichtiges Zeichen.
Aus dieser Beobachtung lässt sich meines
Erachtens eine Nutzanwendung auf die Be¬
handlung der Skoliosen des Brustteils
ziehen. Die vorzügliche Mobilisierung, die die Lumbo-
dorsalskoliosen bei dem Kriechverfahren erleiden, muss uns
darin nur bestärken. Denn indem Klapp die Kriechübungen
mit steil gestellten Armen ausführen Hess, wurde
notwendig die Lordose in den Lumbal- bezw. Lumbo-
dorsalteil der Wirbelsäule verlegt. Die Folge war eine
Abbiegung namentlich dieses Segmentes und dessen starke
Lockerung. Mein Vorschlag geht also dahin,
auch die Skoliose des Brustsegmentes in
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2. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
225
Lordose zu versetzen und zwar dadurch, dass
die Kriechübung anstatt mit gestreckten Ar¬
men unter Winkelung der Arme ausgeführt
wird, ganz wie in dem Beispiel des Teckels.
Ist der skoliotische Abschnitt lordosiert, dann wird auch die
Abbiegungsstelle dorthin verlegt, und die Erfolge, die bei den
Lumbodorsalskoliosen durch das Klapp sehe Verfahren er¬
zielt werden, können bei den Dorsalskoliosen nicht ausbleiben.
Dieser Ueberlegung entsprechend wurden in dem letzten
halben Jahre unsere Dorsalskoliosen des 2. und 3. Grades
behandelt. Die hiermit gewonnenen Resultate bestätigten, ja
übertrafen die gehegten Erwartungen.
Bevor die Wirksamkeit dieses Verfahrens näher untersucht
werden soll, dürfte es zweckmässig sein, über die Frequenz
der Krümmungsscheitel bei der Skoliose einige ungefähre An¬
gaben zu machen. Ich werde nur die Skoliosen des 2. und 3. Gra¬
des berücksichtigen, denn nur bei diesen spielt die Lokalisation
der Abbiegungspunkte in der Therapie eine Rolle. Die nicht
fixierten völlig ausgleichbaren Skoliosen des 1. Grades biegen
sich beim Kriechen ja stets in totalem Bogen um. Die Statistik
von Schulthess berücksichtigt sämtliche Skoliosengrade
und ist deshalb für unseren Zweck nicht zu verwerten.
Die folgende Tabelle ist unserm gegenwärtigen Skoliosen¬
material entnommen:
Hauptkriimmung
zusamm
In Prozenten
rechts
links
Dorsalskoliosen
(Krümmungsscheitel 7.-8. Brustwirbel)
76
64
12
Dorsolumbalskoliosen
(inkl. Lumbalskoliosen).
16
6
10
Zervikodorsalskoliosen.
8
6
2
Diese Statistik zeigt zur Evidenz die erdrückende
U eberzahl der rechts konvexen Dorsalskoli¬
osen bei den schweren Skoliosengraden.
Die Tatsache ist sicher von ätiologi-
scher Fiedeutung, worauf in dieser Ar-
|L beit nicht eingegangen werden soll. Für
B uns ist hier die Konstanz, mit der bei den
■ schweren Dorsalskoliosen die Abbieg-
W ung immer ungefähr an derselben Stelle,
in der Gegend des 7. und 8. Brustwir-
bels, erfolgt, deswegen wichtig, weil die
B Therapie dadurch wesentlich vereinfacht
Für die Behandlung dieser Skoliosen
^FB kommt es nach der oben entwickelten
Forderung nunmehr darauf an, beim
B Kriechen die Lordose in die Gegend des
B B 7.—8. Brustwirbels zu verlegen. Die
Technik ist sehr einfach. Es genügt,
W wie schon angedeutet wurde, die Arme
stark spitzwinklig im Schulter- und Ell¬
bogengelenk zu beugen, und die Ober¬
schenkel dabei möglichst steil zu stellen.
Dann sitztdieLordose andern
zu mobilisierenden Wirbel¬
säulensegment.
Der Einfluss dieser Kriechart auf den in Rede stehenden
Skoliosentypus sei an dem Beispiel einer rechtskonvexen Dor¬
salskoliose des 3. Grades (Fig. 3) erläutert, die wegen der unter
dieser Behandlung eingetretenen Besserung jetzt bereits dem
2. Grad zugezählt werden kann.
Die Profilansicht (Fig. 4) zeigt die Seite der Konkavität mit
den gespreizten Rippen des Rippentales dem Beschauer zu¬
gekehrt. Die Lordose ist im Brustteil gelegen, an dem Scheitel¬
punkte der Skoliose. Aus den folgenden Bildern ist zu ent¬
nehmen, in welchem Grade die Skoliose durch das Kriechen
beeinflusst wird. Die Umkrümmungen geschehen durchaus
big. 3. Hauptskoliose:
rechts konvex, 3. Gr.
Scheitel: 8. Brustwirbel.
**) W. S c h u 11 h e s s: Die Pathologie und Therapie der Rtick-
gratsverkrümmungen. Handbuch der orthopäd. Chirurgie. Heraus-
gegeben von Joachimsthal.
No. 5.
asymmetrisch, und zwar nach der konkaven Seite mit so ge¬
ringem Ausschlag, dass die Skoliosenkurve sich durchaus nicht
dabei vermehrt (Fig. 5). Welchen Erfolg die Biegung nach der
Konvexität der Skoliose hat, zeigt die folgende Fig. 6. Hier ist
eine Phase festgehalten, in der die immerhin noch recht er-
Rg. 4. Das in Fig. 3 abgebildete Mädchen während des
Kriechens. Der Scheitel der Lordose ist am Scheitel der
Skoliose lokalisiert.
hebliche rechtsdorsale Skoliose in einem, wenn auch flachen
linkskonvexen totalen Bogen aufgeht. Schon daraus ist auf
eine weitgehende Mobilisierung und aktive Korrektionsfähig¬
keit des skoliotischen Wirbelsäulenanteiles zu schliessen.
Stets kommt, was überhaupt für das Kriechverfahren in be¬
sonderem Masse gültig ist, die Tendenz zum Ausdruck, das
skoliotische Segment in einen totalen Bogen
aufzunehmen. Ausser dem Gesagten lässt das letztge¬
nannte Bild das Eindrücken des starken Rippenbuckels und die
damit Schritt haltende Abflachung des Rippentales erkennen.
Das in Fig. 3 abgebildete Mädchen während des Kriechens.
Fig. 5. Schwache Umkrümmung
nach links. Die Hauptskoliose
wird dabei nicht verstärkt.
Fig. 6. Kriechen nach rechts mit
starker Intensität. Die Haupt¬
skoliose geht in einem 1. convexen
totalen Bogen auf.
Je nach dem Sitze des Skoliosenscheitels wird zwecks
richtiger Lokalisierung der Lordose indivi¬
dualisiert. Eine individuelle Behandlung ist
auch bei der Kriechmethode ein Haupterfor¬
dernis. Handelt es sich um eine Zervikodorsalskoliose, deren
Scheitelpunkt etwa in der Höhe des 5. Brustwirbels gelegen ist,
so wird den Armen die stärkste mögliche Winkelung erteilt, es
wird damit der schleichende Gang der Raubtiere nachgeahmt.
Bei dem anderen Extrem, den Lumbal- oder Lumbosakral-
skoliosen, muss die Armhaltung völlig steil sein. Unsere Vor¬
schrift lautet, dabei den Rumpf stolz aufgerichtet zu tragen.
Hiermit ist zugleich die Frage beantwortet, wie die
zweifachen Skoliosen mit der Kriechmethode
zu behandeln seien. Nehmen wir als Beispiel einer Doppel¬
skoliose die häufige Kombination der rechts konvexen Dorsal-
mit der links konvexen Lumbalskoliose, so lässt man zur Be¬
handlung der ersteren nach rechts tief kriechen, zur Behandlung
der letzteren nach links steil kriechen. Das hat im abwech¬
selnden Turnus zu geschehen, indem bei Ueberwiegen der einen
von beiden Krümmungen diese besonders berücksichtigt wird.
Es muss betont werden, dass bei dem geschilderten Vorgeher
während der Umbiegung und Mobilisierung
der einen Krümmung die Gegenkrümmung
durchaus unbeeinflusst bleibt. Das ist schon aus
den vorher angestellten Ueberlegungen zu folgern und wird
2
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226
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
durch die Praxis unzweideutig bestätigt (siehe auch Fig. 7—9).
Und damit ist der von Lange erhobene Einwand gegen das
Kriechverfahren jetzt gegenstandslos geworden.
In der Beurteilung einer S-för¬
migen Krümmung stimmen wir mit
R i e d i n g e r überein, der das ky-
photische Segment für die primäre, das
Iordotische für die sekundäre Krüm¬
mung hält.
Selbstverständlich gelten die eben
ausgeführten Grundsätze der individu¬
ellen Kriechbehandlung auch für die
am Ort ausgeführte Kriechübung.
Es sei ferner bemerkt, dass die
Lordosierung, die wir hauptsächlich
als Mittel zum Zweck benutzen, nicht
etwa übertrieben werden darf. Bei
weiser Einschränkung und ständiger
Fig. 7. 2 fache Skoliose: Kontrolle lässt sich das richtige Mass
links konvex lumbal (pn- • . d F ,, , : ht d sicher ; nne _
märt rechtskonvex dorsal. in J eaem raile leicnt una sicner mne-
halten.
Die Lokalisation der Abbiegungspunkte
ist eine wichtige Forderung der Skoliosen¬
behandlung, die ich bei der Kriechmethode
nunmehr für erfülltansehe. Aber die Besserung, die
hochgradige Skoliosen unter der Kriechbehandlung erfahren,
kann nicht ausschliesslich auf die lokalisierten Lateralflexionen
zurückgeführt werden. Dazu ist die pathologische Anatomie
der Skoliose zu kompliziert. Klapp hat es wiederholt aus¬
gesprochen, dass die Torsion bei der Skoliose in der Horizontal¬
lage sich besser beseitigen lasse, als im Stehen. Der über¬
zeugende Nachweis der Detorquierung aber ist noch nicht er¬
bracht und lässt sich auch nicht ganz leicht erbringen.
Das in Fig. 7 abgebildete Mädchen während des Kriechens.
Fig. 8. Steilkriechen nach links.
Die Lendenskoliose ist verschwun¬
den; die Brustskoliose ist nicht
vermehrt, sie bildet einen Teil des
rechts konvexen totalen Bogens.
Fig. 9. Tiefkriechen nach rechts.
(Der rechte Ellenbogen berührt
den Boden.) Die Brustskoliose
ist nahezu völlig ausgeglichen.
Die Lendenkrümmung wird nicht
verstärkt, sie beteiligt sich jetzt
an einem links konvexen totalen
Bogen.
Legt man bei einer schweren Skoliose den tastenden
Finger auf die Dornfortsätze des Skoliosenscheitels, so fühlt
man diese bei schlaffer Haltung sehr deutlich und man kann
feststellen, dass sie nach der Konkavität der Krümmung ge¬
richtet sind. Diese als Konvextorsion bezeichnete Verdrehung
des skoliotischen Wirbels kann nicht besser veranschaulicht
werden, als durch die meisterhaften Zeichnungen in Nico¬
ladonis 4 ) klassischem Buch. Die bezeichnete Drehung der
Dornfortsätze, die ein Ausdruck der Konvextorsion ist, kommt
4 ) C. Nicoladoni: Anatomie und Mechanismus der Skoliose.
1909.
dem skoliotischen Brust- und Lendenwirbel übereinstimmend
zu, während sonst zwischen beiden, namentlich in der Richtung
der Querfortsätze und in der Anlage der Bogenwurzeln die von
Nicoladoni gelehrten grundsätzlichen Unterschiede be¬
stehen.
Während die Konvextorsion palpatorisch in schlaffer
Haltung einwandfrei festgestellt werden kann, lässt sich
während der Umkrümmungen beim Kriechen eine Torsions¬
änderung nicht gut aui diese Weise prüfen. Denn die Dorn¬
fortsätze verschwinden schnell unter den sich anspannenden
Muskelbäuchen und dadurch wird die Torsionsrichtung ver¬
schleiert. Um eine zuverlässige Kontrolle zu besitzen, fertigte
ich kurzzeitige Röntgenaufnahmen im Atemstillstand bei habi¬
tueller Haltung und vergleichsweise in Kriechstellung bei maxi¬
maler Umkriimmung an. Es wurde Sorge getragen, dass
der Richtungsstrahl bei den Vergleichsbildern annähernd den¬
selben Weg einschlug. Die gewonnenen Bilder lassen keiner
Zweifel darüber aufkomrnen, dass der Kriechakt in der Tat
eine ausgiebige Detorquierung zuwege bringt. Die Dornfort¬
sätze zeigen sich in der Richtung zur Konvexität verschoben.
Beide Querfortsätze, die nach der Umdrehung weniger im
Profil, als en face getroffen werden, sind in grösserer Breite
sichtbar. 5 ) Die Tatsache steht also fest, dass die T o r s i o n s-
richtung beim Kriechen umgekehrt wird.
Wenn schon durch diesen Nachweis der Nutzen des Kriech¬
verfahrens bekräftigt wird, so ist darin andererseits zugleich
eine Bestätigung der Lehre Lovetts zu erblicken.
L o v e 11 machte nämlich die wichtige Beobachtung, dass
die Seitenabbiegung der Wirbelsäule von Rotation begleitet sei
Die begleitende Rotation hat nach L o v e 11 verschiedene
Richtung, je nachdem die Seitwärtsbeugung aus flektierter
Haltung oder in aufrechter bezw. hyperextendierter Rumpf¬
haltung stattfindet. Bei Flexion tritt nach Lovett in Ver¬
bindung mit der Seitwärtsbeugung eine Konvextorsion ein, in
aufrechter und hyperextendierter Stellung ist dagegen Seit¬
wärtsbeugung mit Konkavtorsion verknüpft. Findet gleich¬
zeitig eine Extension statt, so wird die Rotation auffallend
vermehrt.
Da beim Kriechakt die Wirbelsäule extendiert ja hyper¬
extendiert ist, so ist die Bedingung der zuletzt genannten
L o v e 11 sehen Versuche erfüllt. Die Uebereinstim-
mung der Resultate bei dem Klappschen Ver¬
fahren und in den Lovettschen Experimenten
muss als ein gegenseitiges Beweismittel an¬
gesehen werden.
Es war noch nicht gelungen, die Lovettsche Lehre
praktisch für die Behandlung der Skoliose auszunutzen. Das
sehe ich jetzt erreicht durch das glückliche empirische Vor¬
gehen Klapps.
Aus der Röntgenabteilung des physikalisch-therapeutischen
Instituts des Krankenhauses links der Isar in München (Vor¬
stand: Prof. Dr. H. Rieder).
Die Röntgenstrahlen im Dienste der Therapie.
Von Stabsarzt Dr. E. Müller, kommandiert zum Institut.
Die unvermutete Entdeckung einer neuen Strahlenart
durch Wilhelm Konrad Röntgen im Jahre 1895, die dieser
selbst wegen ihrer wunderbaren Eigenschaften, aber auch
wegen ihrer zunächst noch vollkommen rätselhaften Natur
„X-Strahlen“ genannt hat, hat in dem für die Verfolgung
wissenschaftlicher Probleme kaum nennenswerten Zeitraum
eines Dezenniums auf allen Gebieten der medizinischen Dis¬
ziplinen eine ungeahnt segensreiche Wirkung entfaltet. Weit
vorausgeeilt in der Verwertung der Röntgenstrahlen als un¬
schätzbares diagnostisches Hilfsmittel ist allen übrigen Dis¬
ziplinen sicherlich die Chirurgie; sie hat schon frühzeitig
begonnen, in gleichem Schritt mit den einander unglaublich
rasch folgenden Errungenschaften der Technik, die junge Hilfs-
ö ) Die Reproduktion der Röntgenogramme, die auch die Lo¬
kalisation der Umkrümmung aufs beste erkennen lassen, ist hier unter¬
blieben, weil die Feinheiten der Platten nicht hätten wiedergegeben
werden können.
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2. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
227
Wissenschaft für ihre Zwecke auszubauen und hat es im Laufe
weniger Jahre zu dein schönsten Erfolge gebracht. Ihr folgend
begann dann auch die interne Medizin sich der Röntgenstrahlen
zu ihren diagnostischen Aufgaben zu bedienen, und wenn auch
die Schwierigkeiten einer zutreffenden Röntgendiagnose auf
dem Gebiete der internen Medizin aus den verschiedensten
Gründen, deren Erörterung den Rahmen wie den Zweck dieser
Darlegungen erheblich überschreiten würde, viel grössere, ja
zuweilen ganz ausserordentliche sind und demgemäss auch
die Erfolge auf dem Gebiete der internen Diagnostik nur mühe¬
voll und schrittweise gewonnen werden konnten, so kann man
doch auch in dieser Hinsicht freudigen Herzens auf gewaltige
Fortschritte in der zwischen der Erfindung der Röntgenstrahlen
und unseren Tagen liegenden kurzen Spanne Zeit zurück¬
blicken; mit Stolz dürfen wir aber nach zahlreichen Infor¬
mationen hierüber von Kollegen und Röntgenologen des Aus¬
landes sagen, dass Deutschland gerade in dieser Beziehung
an der Spitze marschiert.
Wohl am spätesten und zugleich im geringsten Umfange
fanden endlich die Röntgenstrahlen im Gegensätze zur Dia¬
gnostik ihre Verwendung auch in der Therapie; und doch
muss man sagen, dass die wahrhaft unschätzbare Wirkung der
Röntgenstrahlen tatsächlich auf keinem Gebiete so greifbar
und oft wunderbar in die Erscheinung tritt als gerade in der
Therapie. Freilich sind sie auch, wie so manches andere, nicht
nur ein sehr dankbares, sondern unter Umständen auch ein
sehr gefährliches Heilmittel, wenn sie nicht von vertrauter und
kundiger Hand zur Anwendung gelangen. Nicht unwahrschein¬
licher Weise hat eben auch gerade die letztere Eigenschaft in
Gestalt von Misserfolgen oder oft mehr oder weniger schweren
Schädigungen dazu beigetragen, dass die therapeutische Ver¬
wendung der Röntgenstrahlen bis jetzt nicht in dem Masse zur
allgemeinen Würdigung gelangt ist, wie sie es in Wirklichkeit
verdienen würde.
Ja, unsere Erfahrungen führen uns fast täglich und häufig
in drastischer Form die Tatsache vor Augen, dass nicht nur
in den breiten Schichten der Bevölkerung nahezu völlige Un¬
kenntnis der therapeutischen Eigenschaften der Röntgenstrahlen
besteht, sondern dass auch in ärztlichen Kreisen die Zuflucht
zur Röntgenologie vielfach verhältnismässig sehr spät, jeden¬
falls zu spät und erst nach monate-, ja nicht selten jahrelangen
vergeblichen Bemühungen mit anderen Hilfsmitteln genommen
wird. Dabei haben wir aber bereits eine ganze Reihe von
Krankheitsformen, vorwiegend der äusseren Bedeckungen, bei
denen uns die Röntgenstrahlen mit Sicherheit zum Ziel einer
baldigen Heilung führen. Und wenn etwas diese segensvolle
Heilwirkung zu erhöhen imstande ist, so sind es besonders
zwei Umstände: einmal, dass in die Kategorie der genannten
Erkrankungen gerade diejenigen Hautleiden gehören, die ihren
Träger vermöge ihres scheusslichen Aussehens aus Umgebung
und Verkehr mit ihren Mitmenschen verbannen, und ferner die
absolut schmerzlose und zeitlich in den meisten Fällen gegen¬
über allen sonstigen Heilversuchen ausserordentlich begrenzte
Anwendungsweise. Gerade darauf mit grösstem Nachdruck
hinzuweisen und die Kenntnis der therapeutischen Verwendung
der Röntgenstrahlen bei den verschiedenen ihr zugänglichen
Krankheiten im allgemeinen wie besonders auch in ärztlichen
Kreisen möglichst zu fördern, ist die ernste Pflicht der Rönt¬
genologen. Es wäre deshalb gegenüber den schönen Erfolgen
der Röntgentherapie nur zu wünschen, dass auch auf den
von allen Ländern des Kontinents beschickten Röntgenkon¬
gressen der Erfahrungen auf dem Gebiete der Therapie in ein¬
gehender Weise Erwähnung geschähe.
Die Art der Strahlenwirkung selbst, also die histologische
Wirkung der Röntgenstrahlen auf gesunde und kranke Zellen,
sowie die derzeit an den einzelnen Behandlungsstätten geübte
Technik der Röntgentherapie eingehender zu erörtern, kann
nicht im beabsichtigten Umfange vorliegender Arbeit liegen,
wie dies auch der Zweck derselben nicht erheischt. Einige
ganz kurze Bemerkungen hierüber glaube ich jedoch nicht
unterlassen zu sollen.
Es ist allgemein anerkannt, dass das Wesen der Röntgen¬
wirkung auf einem unmittelbaren Einfluss der Röntgenstrahlen
auf die Zellsubstanz der Epithelzellen der Haut und vor allem
auf die Zellgebilde der Blutgefässe beruht, wobei sich jedoch
gesunde und kranke Zellen in ihrer Reaktion durchaus ver¬
schieden verhalten. Gerade daraus ergibt sich eine unge¬
zwungene Erklärung jedweder klinisch nachweisbaren Heil¬
wirkung der Radiotherapie. Die Epithelzellen der gesunden
Haut zeigen auch nach erheblicher Bestrahlungsstärke, sofern
dieselbe nur technisch richtig appliziert ist, keinerlei degenera-
tive Veränderungen, wie Linse r durch interessante histo¬
logische Untersuchungen bestrahlter normaler Hautstücke ge¬
zeigt hat. Nur der Pigmentgehalt der Basalzellen des Rete
malpighi nimmt während einer Bestrahlungsperiode teilweise
ganz erheblich zu, eine Erfahrung, die jeder Radiotherapeut
aus eigener häufiger Erfahrung bestätigen kann. Haare, Haut¬
drüsen, Bindegewebe, elastische Fasern, Nerven bleiben gleich¬
falls unverändert. Nur an einzelnen Gefässen und zwar vor¬
zugsweise den präkapillaren Arterien wurden durch die er¬
wähnten Untersuchungen Veränderungen gefunden und zwar
vier Tage nach der Bestrahlung eine zum Teil starke Throm¬
bose; das ganze Lumen der Gefässe war mit Leukozyten aus¬
gefüllt; das Endothel fehlte teilweise, die Media war auf¬
gelockert und die Gefässscheiden zeigten kleinzellige Infil¬
tration. Während aber diese Gefässschädigung bei gesunden
Geweben nur eine partielle ist, nehmen bei pathologischen Zell¬
komplexen an dieser Schädigung alle Blutgefässe gleichmässig
teil; es folgen daraus naturgemäss Ernährungsstörungen und
endlich der Untergang der kranken Zellen, während die weniger
empfindlichen und widerstandsfähigeren gesunden persistieren.
Diese Reaktion solch pathologischer Zellkomplexe ist jedoch
durchaus nicht bei allen Erkrankungen gleich intensiv, sondern
ausserordentlich verschieden und darauf muss der Röntgen¬
therapeut die allergrösste Rücksicht bezüglich Quantität und
Intensität der einzelnen Bestrahlungen nehmen. Und diese
Rücksichtnahme betätigt sich in erster Linie in der dem ge¬
gebenen Falle stets angepassten Technik der Bestrahlung.
Die Technik der Röntgentherapie ist durchaus nicht etwa
eine einheitliche an allen Stätten ihrer Pflege, sondern es be¬
stehen hierüber noch verschiedene Anschauungen und Me^
thoden, insbesondere nach zwei Richtungen: Der Quantität der
zu verabreichenden Einzeldosis und der Zahl der einander fol¬
genden Sitzungen. Die einen huldigen der Methode der Ver¬
abreichung einer kräftigen Strahlendosis in einer Sitzung
und bestrahlen dafür seltener, die anderen verabreichen in einer
Sitzung nur reduzierte Strahlendosen und bestrahlen dafür an
mehreren aufeinanderfolgenden Tagen. Ueber die Vorteile der
einen oder anderen Methode vermag ich nur mitzuteilen, dass
wir im Krankenhaus wie ausserhalb desselben ausschliesslich
die letztere Art der Behandlung üben, dass wir hiedurch —
wie wir auf Grund unserer Erfahrungen mit Recht aussprechen
dürfen — gegen jede unangenehme Reaktion der Haut sowohl
während der eigentlichen Bestrahlungs- wie der nachfolgenden
Latenzzeit in der denkbar bestmöglichen Weise gesichert sind,
und dass andererseits unsere therapeutischen Erfolge ungemein
günstige und sicherlich nicht weniger gute sind, als die der
ersteren Methode, bei welcher naturgemäss die Gefahr einer
Schädigung der Haut näher liegt, um so mehr als eben die
einzelnen Patienten durchaus nicht gleich in ihrer Reaktion
auf eine bestimmte Dosis von Röntgenstrahlen, sondern teil¬
weise in ganz besonderem Grade empfindlich sind. Dass aber
die Technik der Röntgentherapie von eminentem Einfluss auf
die gewünschte Wirkung ist, steht in Fachkreisen ausser jedem
Zweifel; einen treffenden Ausdruck findet diese Tatsache in
dem Schlussatze einer Abhandlung von H. Rieder- München
„über die Technik der Röntgenstrahlentherapie“ *): „Die tech¬
nische Seite der Bestrahlungstherapie ist von ausschlaggeben¬
der Bedeutung für die zu erreichenden Erfolge, insoferne bei
korrekter Durchführung der Bestrahlung auch die günstigsten
Erfolge erzielt und Schädigungen des Patienten am sichersten
hintangehalten werden können.“
Die sorgfältige Auswahl der für einen gegebenen Krank¬
heitsfall passenden Röhre und die gewissenhafte Kontrolle des
Vakuums derselben während der Bestrahlung durch die paral-
*) Fortschritte auf dem Gebiete der Röntgenstrahlen, Bd. VIII,
pag. 308.
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228
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
leie Funkenstrecke ist die erste Pflicht der Therapie. Denn wie
bei den meisten Erkrankungen der Hautoberfläche gute Re¬
sultate nur mit weichen Röhren zu erreichen sind, so ver¬
langen andere Krankheiten, insbesondere umfangreiche Tu¬
moren oder im Körperinneren (Mediastinum, Bauchhöhle etc.)
sitzende Prozesse wieder harte Röhren, die allein eine Tiefen¬
wirkung der Strahlen erzielen lassen. Der Abstand der Röhre,
bezw. deren Antikathode (von welcher ja die Röntgenstrahlen
— Kathodenstrahlen — ausgehen) von dem zu bestrahlenden
Krankheitsherd ist ein weiterer unendlich wichtiger Punkt,
ebenso wie die rechtzeitige Einlegung von Bestrahlungspausen,
die desshalb von grösster Bedeutung sind, weil bekanntlich eine
vorgenommene Röntgenbestrahlung eine durch 2—3 Wochen
fortdauernde Weiterwirkung auf das kranke Gebiet entfaltet
(Latenzzeit). Der Schutz der den Bestrahlungsherd um¬
gebenden, benachbarten Hautpartien ist weiters eine stets sorg¬
fältig zu übende Massnahme. Endlich sind eine Reihe von
Messinstrumenten — Radiometer — angegeben, mittels deren
man imstande ist, die in einer Sitzung oder in einer Zeiteinheit
verabreichte Strahlenmenge zu bestimmen, so dass man hier¬
nach die Behandlungszeit einer bestimmten Erkrankung auf
empirischem Wege wenigstens annähernd festzustellen ver¬
mochte. Doch hat keines der Instrumente eine wirkliche ideale
Befriedigung erzielt.
Wenn ich nun die einzelnen für die Röntgentherapie mit
Aussicht auf günstige Erfolge geeigneten Erkrankungsarten
kurz erwähnen möchte, so halte ich mich hierbei nicht etwa
an eine vielleicht durch gemeinsame pathologisch-anatomische
Merkmale begründete Gruppenbildung der Erkrankungen, son¬
dern möchte gerade in praktischer Hinsicht die Krankheits¬
formen so anführen, wie sie uns in der Praxis am häufigsten
begegnen und wir ihnen mittels Bestrahlungstherapie am er¬
folgreichsten entgegentreten können.
Sowohl an Zahl, wie hinsichtlich der erzielten Erfolge
stehen hiebei natürlich die Hautkrankheiten obenan und zwar
von ihnen in erster Linie die Haarkrankheiten der Haut. Von
ersteren bildet wiederum die Sy kos is die Domäne der
Röntgenstrahlentherapie und zwar ebenso die Sykosis Simplex,
wie die Sykosis parasitaria. Bei ihnen lässt die Röntgen¬
behandlung auch dann nicht im Stich, wenn es sich um monate¬
lange, ja 3 bis 4 Jahre foingeschleppte Fälle handelt, die
schliesslich einen Grad erreichen, in dem die Betroffenen tat¬
sächlich nur mit Stoffmasken ihren Mitmenschen gegenüber¬
treten können. Solche Kranke sind uns auch im vergangenen
Jahre wiederholt zugeführt worden und der Appell an den Arzt,
jede Sykosis, die einigermassen hartnäckig für die üblichen
Behandlungsmethoden ist, der sicheren Röntgenstrahlen¬
therapie möglichst bald zuzuführen, dürfte um so mehr be¬
rechtigt erscheinen, wenn solche langverschleppte chronische
Fälle auch dann nicht von ihrem Arzte, sondern durch andere
zufällige Umstände auf die Möglichkeit einer Röntgenbehand¬
lung aufmerksam geworden sind. Ich vermag mich an der
Hand unserer Aufzeichnungen im letztvergangenen Jahre
keines Falles zu erinnern, der — sei er im Anfangsstadium oder
seit langem chronisch gewesen — nicht zur Heilung gebracht
worden wäre. Wohl liegt es mir ferne, nicht auch darauf hin¬
zuweisen, dass gerade die Sykosis und besonders die geheilte
chronische Form eine entschiedene Neigung zu Rezidiven hat;
allein wir haben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass
jedes Rezidiv ganz erheblich leichter und rascher zu beseitigen
ist, als die primäre Erkrankung und dass eben nach geheiltem
Rezidiv auch die Heilung eine dauernde war. Die Technik
der Behandlung war in allen Fällen die gleiche, nur die Zahl
der Sitzungen und die Ausdehnung der eingelegten Behand¬
lungspausen zur Beobachtung der Reaktion, variierte. Die ein¬
zelne Bestrahlungsdauer ging in keinem Falle über 6 Minuten
hinaus, mehr als 2—3 aufeinanderfolgende Strahlendosen
wurden nie verabreicht, ohne die Behandlungszeit zu unter¬
brechen. Wer je die Dankbarkeit eines schweren Sykosis-
kranken, an dessen Leiden sich alle anderen Heilmittel durch
Monate und selbst Jahre nutzlos gebrochen hatten, kennen
lernte, wird die Röntgenstrahlen als therapeutisches Mittel ge¬
rade bei dieser Erkrankung nicht hoch genug schätzen können.
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Von anderen Erkrankungen dieser Art steht an 2. Stelle
die Fo 11iku 1 itis und die Acne vulgaris; namentlich
die letztere ist in ihrem stärkeren Grade und besonders im
Gesichte für die Befallenen gleichfalls ein äusserst unange¬
nehmes Uebel und setzt ausserdem auch der erfolgreichen
Röntgenbehandlung, wenigstens in vielen Fällen, eine grosse
Hartnäckigkeit entgegen, nicht zum wenigsten durch ihre
grosse Neigung zu Rezidiven. Bei Ausdauer des Patienten
und eventuell auch dem Wechsel im Bestrahlungsmodus haben
wir aber auch bei ihr teils dauernde Heilung, teils ganz er¬
hebliche Besserung erzielt.
In gleicher Weise ist die Röntgenstrahlentherapie stets
indiziert bei Favus und Trichophytie, da durch keine
andere Methode eine so sichere und so vollständige Epilation
ohne weitere und dauernde Schädigung zu erreichen ist und bei
diesen Erkrankungsformen gerade di$ völlige Enthaarung die
Grundbedingung eines Heilerfolges überhaupt ist.
Im Gegensatz hierzu haben bei der Röntgenbehandlung
der Hypertrichosis die anfänglich enthusiastischen Er¬
wartungen einer recht nüchternen Bescheidenheit Platz ge¬
macht. Zwar kann die völlige Enthaarung gewiss auch hier
ohne weiteres erreicht werden; um aber eine bleibende, das
Wiederwachsen dauernd verhindernde Verödung der Haar¬
follikel zu erreichen, muss die Epilation entsprechend oft
wiederholt oder zum mindesten nach der ersten Enthaarung
eine fortdauernde Bestrahlung in kurzen Zwischenräumen vor¬
genommen werden, wodurch aber infolge dauernder Pigment¬
anhäufungen der bestrahlten Partien, Atrophie und Runzelung
der Haut ein durchaus nicht wünschenswerter kosmetischer
Nachteil entsteht, den man nur in besonders starken Fällen von
Hypertrichosis in Kauf nehmen wird.
Von den Epithelerkrankungen der Haut kommt
uns am häufigsten das E k z e m in seinen verschiedenen Formen
und die Psoriasis zu und auch da haben wir in der allergrössten
Mehrzahl ganz ausgezeichnete Resultate. Ich kann auf Grund
zahlreicher eigener Beobachtungen absolut nicht bestätigen,
dass die Röntgenstrahlen bei dieser oder jener Form von
Ekzem oder der nässenden Flechte nur ein unterstützendes
Moment der sonstigen medikamentösen Behandlung sein sollen.
Ich habe im Gegenteil bei allen Formen, den akuten und chro¬
nischen, trockenen und schuppenden, wie nässenden Hautaus¬
schlägen stets die günstigste Wirkung von den Röntgenstrahlen
gesehen, sofern man nur bei hartnäckigem Verhalten derselben
beherzt mit kräftigen Strahlendosen ihnen zu Leibe rückt. Es
unterliegt ja gewiss keinem Zweifel, dass die Haut bei Ek¬
zemen und besonders psoriatischer Erkrankung ausserordent¬
lich empfindlich gegen Röntgenstrahlen ist und dass man des¬
halb mit grösster Vorsicht das Maximum der zulässigen Be¬
strahlungsintensität abwägen muss. Geschieht dies aber, so
können Schädigungen und Misserfolge so viel wie sicher hint¬
angehalten werden. Es wurden uns auch hier ganz besonders
schwere, zum Teil über den ganzen Körper verbreitete Fälle
von Ekzem wie von Psoriasis zugeführt, die ihren Trägern
nach deren eigenen Angabe das Leben seit Monaten und noch
viel länger zur Qual werden Hessen; wir haben niemals eine
.Schädigung und in allen Fällen Heilung oder Besserung erzielt.
Dringend nötig ist aber nach unseren Erfahrungen, dass in allen
Erkrankungsfällen dieser Art nach erfolgter Heilung auch ohne
die Anzeichen eines beginnenden Rezidivs in gemessenen
Zwischenräumen, die von Fall zu Fall zu bestimmen sind, sogen,
prophylaktische Nachbestrahlungen vorgenommen werden.
In keinem Verhältnis zu den unschätzbaren Verdiensten der
Röntgenbehandlung kann bei solchen — für andere Methoden
unheilbaren — Fällen das kleine Uebel der zurückbleibendeit
bräunlichen Verfärbungen an den Stellen der psoriatischen
Herde stehen.
Hervorzuheben ist im Anschluss hieran noch die über¬
raschende Wirkung der Röntgenbestrahlung auf die Warzen
der Haut, insbesonders bei juvenilen Fällen. Die Beseitigung
von Hautwarzen ist bekanntlich namentlich dann, wenn die¬
selben sehr zahlreich und in ganzen Gruppen meist an den
Händen auftreten, auf chirurgischem, wie auf dem Wege der
Verätzung für den Patienten eine gleich unangenehme. Durch
Bestrahlungstherapie haben wir dagegen in einigen solchen
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
2. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
229
Fällen disseminierter Warzenbildung schon nach 5—6 maliger
Bestrahlung ein so völliges Verschwinden derselben gesehen»
dass bei einem Fehlen jedweder Narbenbildung nach vollzogener
Heilung auch der frühere Sitz der Warzen nicht mehr zu er¬
kennen war.
Einzelne Fälle von chronischem Lichen und Lichen ruber
kamen in wenigen Sitzungen zum heilenden Abschluss, doch
hatte bei ihnen die schon vorher angewandte Salben- etc. Be¬
handlung wesentliche Dienste geleistet.
Ganz besonderer Erwähnung bedarf sodann noch die Be¬
handlung einer der widerwärtigsten Erkrankungen der Haut:
des Lupus. Der Hautlupus war seinerzeit die erste chro¬
nische Infektionskrankheit, die man für die Röntgentherapie in
hervorragendem Masse geeignet hielt. Und heute, nachdem
inzwischen eine Reihe von Jahren mühevollen Strebens und
Studiums der Lupusbehandlung ins Land gingen, muss man
wohl sagen: Die Röntgenstrahlen haben auch in diesen Er¬
wartungen erfüllt, was sie nur erfüllen konnten. Die Lupus-
kranken gehören zu den Unglücklichsten der leidenden Mensch¬
heit und wenn man bei ihnen von der Heilung oder Heilbarkeit
des Lupus überhaupt spricht, so darf es eben nicht allein von
dem starren Gesichtspunkte des medizinischen Kritikers ge¬
schehen, sondern auch von einem anderen Gesichtspunkte, dem
praktisch sozialen, der in erster Linie den Effekt und den Grad
von Nutzen in Betracht zieht, den der aus der Menschheit ver-
stossene Kranke von einer bestimmten Behandlung gewinnt;
und wenn dieser Nutzen so gross ist, dass der erwerblose und
gemiedene Kranke wieder anstandslos unter seinen Mit¬
menschen verkehren und seinem Berufe leben kann, so ist das
Heilmittel, das dies zu bewirken vermag, nicht genug zu
preisen. Und dass solche Resultate bei Lupus durch die Mit¬
hilfe und die Wirkung der Röntgentherapie recht häufig erzielt
werden und zwar in bedeutend kürzerer Zeit als durch die
sonst so segensreiche Finsenbehandlung, wird jeder Radio¬
therapeut zugeben. Dazu kommt die weitere Erfahrung, dass
diese Wirkung der Röntgenstrahlen gerade bei den aller¬
schwersten Formen des Lupus, den ulzerösen Formen mit
ihren grässlichen Zerstörungen und Entstellungen am prompte¬
sten ist. Dem gegenüber muss es vom röntgentherapeutischen
Standpunkt aus als irrelevant bezeichnet werden, wenn in
einem derartigen „geheilten“ Falle nach langer Zeit, vielleicht
erst nach Jahren, wiederum Symptome in Gestalt einiger
Knötchen auftauchen, die dartun, dass eben eine in medi¬
zinisch idealer Art verlangte Heilung nicht erzielt war. Es ist
mir wohl bekannt, dass mancher gewichtige und zu einem Ur¬
teile hierüber berufene Dermatologe diese rein ideale Heil¬
barkeit des Lupus überhaupt anzweifelt; wer aber verschiedene
von uns und in unserem Sinne als geheilt entlassene Kranke ge¬
sehen hat, wird ein besseres Resultat auch in keinem Falle er¬
warten oder verlangen. Bezüglich der Behandlung selbst
halten auch wir es, wenn irgend möglich, für unbedingt wün¬
schenswert, die Röntgenbehandlung zeitweise mit anderen Be¬
handlungsmethoden zu kombinieren oder abzuwechseln. Auch
andere Autoren haben hiervon den günstigsten Erfolg gesehen.
Von weiteren ulzerösen Prozessen der Haut verdienen so¬
dann Erwähnung die karzinomatösen Erkrankungen und
unter ihnen vor allem das Ulcus roden s. Wie hievon die
therapeutischen Erfolge allerorts im höchsten Masse erfreuliche
sind, so haben auch wir im vergangenen Jahre eine Reihe dieser
Erkrankungsformen, die uns zum grossen Teile von der Uni¬
versitäts-Augenklinik überwiesen waren, der Heilung zu¬
geführt, wobei noch besonders zu betonen ist, dass die Heil¬
erfolge des Ulcus rodens nach statistischen Erhebungen in
95 Proz. Dauererfolge sind. Nicht ganz so günstig liegen die
Verhältnisse bei den in der Haut liegenden Krebsknoten. Nicht
selten schwinden auch sie unter den Bestrahlungen, Meta¬
stasenbildungen werden aber hierbei nicht verhindert, wenn
nicht sogar begünstigt. Einen Erfolg hat die Röntgen¬
behandlung aber bei diesen wie bei anderen Tumoren: vor¬
handene Schmerzen werden gemildert oder völlig beseitigt.
Recht verschieden ist nach unseren Beobachtungen die
Wirkung der Röntgenbehandlung gegenüber den tiefer liegen¬
den oder in Körperhöhlen befindlichen Geschwülsten, vor allem
den karzinomatösen und sarkomatöserr Tumoren. Während
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in dem einen Falle eine erhebliche oder selbst gänzliche Rück¬
bildung schon nach verhältnismässig kurzer Zeit der Bestrah¬
lungen unverkennbar zu konstatieren ist, bleiben andere Fälle
ohne jeden sichtlichen Einfluss. Es beruht dies offenbar auf
biologischen Verhältnissen der einzelnen Geschwulstarten, die
wir nicht hinreichend kennen, von denen aber der Erfolg der
Bestrahlung abhängig ist. — Besonders bemerkenswert ist die
von uns wiederholt gemachte Beobachtung der überaus gün¬
stigen Wirkung der Röntgenstrahlen auf einzelne mediastinale
Tumoren, und zwar besonders des Lymphosarkom. Wir haben
in letzter Zeit bei einem besonders schweren Falle dieser Art
eine so erhebliche Besserung durch Verkleinerung und Rück¬
bildung der das ganze Mediastinum erfüllenden sarkomatösen
Wucherungen erzielt, dass der Patient, der zu Beginn der Be¬
handlung subjektiv wie nach dem inoperablen Charakter seines
Leidens in denkbar übelster Lage war, sich seit langer Zeit,
allerdings unter fortdauernden Bestrahlungen in gemessenen
Zwischenräumen, nicht nur persönlich recht wohl, sondern
auch physisch ausserordentlich viel leistungsfähiger fühlt.
Diese Wirkung auf die Lymphosarkome ist jedenfalls darin
begründet, dass diese Geschwulstform aus für die Röntgen¬
strahlen besonders empfindlichen Zellen besteht, die rasch de¬
generieren und resorbiert werden. Im allgemeinen muss man
aber jedenfalls sagen, dass weit vorgeschrittene maligne Neu¬
bildungen — von ihnen am allermeisten das Spindelzellen¬
sarkom — eine begründete Aussicht auf Erfolg durch die Rönt¬
gentherapie nicht darbieten, dass dieselben aber auch meist
inoperabel sind und deshalb trotzdem ein genügend langer Ver¬
such mit der Strahlenbehandlung gerechtfertigt ist. Im Beginn
stehende Neubildungen werden entschieden günstiger beein¬
flusst, weshalb in jedem Falle eine Beseitigung mit Röntgen¬
strahlen versucht werden darf. Bei nicht promptem Rückgang
aber ist dieser Versuch nicht zu weit auszudehnen, sondern die
allein zuständige Hilfe der Chirurgen in Anspruch zu nehmen.
Der Kreis der einer wirksamen Radiotherapie zugänglichen
Krankheiten wird endlich noch erweitert durch verschiedene
Bluterkrankungen, vor allem die Leukämie, Pseudo¬
leukämie, Lymphomatosis und die Milztumoren: Leiden,
bei denen die Röntgenstrahlenbehandlung tatsächlich die
einzige Möglichkeit einer absichtlichen, positiven, gün¬
stigen Beeinflussung darstellt. Die Behandlung der Leu¬
kämie mit Röntgenstrahlen wurde bekanntlich vor etwa
4 Jahren zum erstenmale von Senn- New York ver¬
öffentlicht und bei der Aussichtslosigkeit anderer Behand¬
lungsmethoden überall mit Begeisterung aufgenommen. Bald
aber mischte sich hierzu starkes Misstrauen, als A h r e n s
von einem 27 jährigen Patienten berichtete, bei welchem ein
enormer Milztumor nach etwa 5 wöchentlicher Bestrahlung
völlig verschwunden war und das Verhältnis der Leukozyten
zu den roten Blutkörperchen von 1:1 auf 1:525 gestiegen war,
der aber schon 6 Tage nach seiner Entlassung neuerdings an
einer rasch zunehmenden Milzvergrösserung erkrankte und
plötzlich starb. Trotzdem hat sich die Röntgenbestrahlung als
wesentlicher Behandlungsfaktor der Leukämie erhalten und
heute können wir bestimmt behaupten, dass wir durch die
Röntgenstrahlen einen direkten und in den weitaus meisten
Fällen nachweisbaren, günstigen Einfluss auf diese Krankheit
auszuüben vermögen. Nach einer dreifachen Richtung ist dies
der Fall. Am markantesten ist die Wirkung auf die Leuko¬
zyten (Myelozyten, Lymphozyten), die meist schon mit dem
Beginn der Bestrahlungen im Knochenmark und in den Lymph-
drüsen, ganz besonders aber in der Milz und zwar in den Fol¬
likeln, wie in der Pulpa zahlreich zu gründe gehen. Gleich¬
zeitig pflegt dabei sowohl die Zahl der roten Blutkörperchen,
wie der Hämoglobingehalt des Blutes zu steigen und diese Ge¬
samtwirkung übt einen überaus günstigen Einfluss auch auf
das subjektive Wohlbefinden der Kranken aus, das wohl in allen
mit dem Röntgenverfahren behandelten Fällen von Leukämie
sichtlich gebessert wird. Eine dritte, häufig sogar verblüffende
Wirkung ist die Verkleinerung oder der völlige Rückgang
selbst der enormsten Milztumoren. Wir haben in einzelnen
Fällen durch kurzdauernde (6—8 malige) Bestrahlungen Milz¬
tumoren verschwinden sehen, die weit über die Mittellinie nach
rechts und fast an die Symphyse und Ileozökalgegend nach
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
230
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
unten sich erstreckten. Eine wichtige Massnahme darf aber
bei der Röntgenbehandlung der Leukämie niemals versäumt
werden: Die Bestrahlungen dürfen nur an der Hand gewissen¬
hafter Blutuntersuchungen fortgesetzt werden; denn man ist
nie sicher vor Ueberraschungen vorwiegend in Gestalt von
sogen. Leukozytenstürzen, die dann ein sofortiges Aussetzen
der Behandlung erheischen. Die Wirkung auf Lymphome
ist gleichfalls oft ganz frappant. So erinnere ich mich eines
Falles Z., der an beiden Halsseiten mannsfaustgrosse lympha¬
tische Geschwülste hatte, die auch der Röntgenbehandlung
hartnäckig Widerstand zu leisten schienen, da sie nach einer
mehrwöchentlichen Behandlung eine wesentliche Verkleinerung
nicht zeigten. Eines Tages nun bestellte ich den Kranken nach
erfolgter Bestrahlung für den nächsten Tag wieder und als er
kam, waren zu meiner Ueberraschung die beiden Lymphome
so völlig verschwunden, dass auch kaum Spuren hievon mehr
aufzufinden waren. Auf der Krankenabteilung hatte dieser Vor¬
gang gleichfalls das grösste Interesse der Aerzte erweckt und
noch am gleichen Tage kam der genannte Patient im besten
Wohlbefinden auch in der Klinik zur Vorstellung.
So sehr erfreulich nun aber auch dieser radiotherapeutische
Erfolg gegenüber der Leukämie ist. so muss man trotzdem zu¬
geben, dass eine dauernde Heilung auch durch Röntgen¬
strahlen wohl nie zustande kommen dürfte; durch die jedem
Rückgang der Krankheitserscheinungen nach kürzerer oder
längerer Zeit immer wieder folgenden Rezidive wird eben das
endliche Schicksal der Kranken doch besiegelt. Dass aber
durch die Radiotherapie das Leben Leukämischer oft um Jahre
verlängert werden kann, wird niemand bestreiten, der über
genügende Erfahrung verfügt.
Schliesslich wäre noch unserer Erfahrungen über die Be¬
handlung einiger anderer Krankheiten zu gedenken, so des
Asthma bronchiale. Ihm gegenüber haben wir ins¬
besondere in letzter Zeit in einem Falle sehr gute Resultate,
wenn auch in der Hauptsache nur subjektiver Natur, gesehen.
Bezüglich eines positiven Versprechens der Beseitigung von
Asthma mittels Röntgenstrahlen muss jedenfalls grosse Vorsicht
obwalten. Besser sind die Erfolge bei der Behandlung der zahl¬
reichen Fälle von Schilddrüsenvergrösserungen,
die in vielen Fällen ziemlich rasch bis auf Reste zum Schwin¬
den gebracht werden konnten, in anderen Fällen aber wenig¬
stens in weiterem Wachstum behindert wurden.
Bei einigen Fällen von Prostataerkrankungen
entsprachen die Erfolge nicht unseren Wünschen und Er¬
wartungen; freilich stand auch der ausgedehnt karzinomatöse
oder sarkomatöse Charakter der Erkrankung einer wirksamen
Röntgenbehandlung im Wege.
Es war einerseits das oft erlebte Gefühl ärztlicher Be¬
friedigung über die schönen Erfolge und die unschätzbare Wir¬
kung der Röntgenstrahlentherapie, andererseits die nicht
seltene betrübliche Wahrnehmung der erheblich verspäteten
Zuführung besonders geeigneter Kranker zur Röntgenbehand¬
lung, die in mir den Entschluss reiften, diesen meinen
Beobachtungen kurzen Ausdruck zu geben, nicht mit der Ten¬
denz. mich in detaillierten theoretisch wissenschaftlichen Er¬
örterungen zu verlieren, sondern lediglich auf die hohe und bis¬
her entschieden nicht hinreichend gewürdigte praktische Be¬
deutung der Röntgenstrahlen'behandlung hinzuweisen. Es ist ja
wohl anzunehmen, dass oft auch materielle Verhältnisse und
meist übertriebene Vorstellungen bezüglich der Kosten einer In¬
anspruchnahme radiotherapeutischer Hilfe bindernd im Wege
stehen Für den Bemittelten kommen sie nicht in Betracht, für
den Minderbemittelten fällt begünstigend ins Gewicht, dass er
für jede Bestrahlungsneriode (2—3 Wochen) nur höchstens
3—4 Tage am Sitze der Röntgenanstalt anwesend zu sein
braucht; für den Unbemittelten werden sich aber stets Mittel
und Wege finden lassen, ihn einer grösseren allgemeinen
Krankenanstalt mit Röntgeneinrichtung zuzuführen, die Kur¬
kosten überwiegen, die Auslagen für monate- oder selbst jahre¬
langen. noch dazu oft erfolglosen Verbrauch von Medikamenten
und Verbandstoffen sicherlich nicht. Und dies um so mehr,
wenn es sich um hässliche und entstellende Erkrankungen
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handelt, deren Beseitigung und Heilung nicht nur ein persön¬
liches Interesse des betr. Kranken ist, sondern in gewissem
Sinne auch ein öffentliches Interesse von Gemeinde und Staat
mit den sich hieraus und in Rücksicht auf die übrigen Mit¬
menschen ergebenden Verpflichtungen darstellt.
Unerwünschte Folgen nach Kolpoköliotomien und der
Alexander-Adam8schen Operation.
Von Prof. Hermann Freund in Strassburg.
Bei der vergleichenden Bewertung abdominaler und vagi¬
naler Operationen spielt ein Argument eine grosse Rolle; die
Möglichkeit (nach Einigen die Häufigkeit) von Bauchnarben¬
brüchen, welche gegen die Köliotomie und für die Kolpotomie
entscheiden soll. Es ist zwar fast bis zum Ueberdruss nach¬
gewiesen worden, dass mit der neuen Bauchschnittechnik
Hernien vermieden werden können; jenes Argument besitzt
aber, wie es scheint, ewige Jugend und behauptet seinen Platz
— in den Vorstellungen und Publikationen der enragierten
Kolpotomisten. Haben diese aber auch gerecht gemessen und
nachgeforscht, ob nicht der Heilungsprozess einschliesslich der
Narbenbildung nach vaginalen Bauchoperationen seinerseits un¬
erwünschte Zustände verschulden kann? Vergebens forscht
man in der reichen Literatur nach einer diesbezüglichen Zu¬
sammenstellung, nach einer ganz objektiven Verteilung von
Licht und Schatten. Wer sich nicht auf seine eigenen Beob¬
achtungen und Erfahrungen stützen könnte, der müsste
eigentlich glauben, dass den Scheidenbauchschnitten nur Vor¬
teile innewohnten, und dass der Ersatz der Köliotomie durch
sie eigentlich eine Frage ärztlicher Gewissenhaftigkeit sei. So
stehen aber die Dinge nicht, wie ich an einer gedrängten Ueber-
sicht einiger Erfahrungen zeigen kann, die ich an Material ge¬
sammelt habe, das bis auf einen Fall nicht von mir operiert
worden ist. Ich hebe das ausdrücklich hervor, weil es nicht
entscheidend ist, wenn ein Operateur versichert, niemals üble
Folgen von den in Rede stehenden Eingriffen gesehen zu
haben; manche Patientin kehrt zu dem, der sie operiert hat.
nicht wieder zurück, wenn der erwartete Erfolg ausbleibt
oder neue Beschwerden sich melden, sie geht zu einem anderen,
um zu klagen und einer ganz neuen Kur sich zu unterziehen.
Ich bringe hier nicht alle meine einschlägigen Beob¬
achtungen ; sie werden gewiss auch bald von anderen bestätigt
werden. Ich will sie nur insoweit verwerten, als sie Auf¬
klärung über prinzipielle Fragen zu geben geeignet erscheinen.
Wenn man mir auf Grund dieser Bekundungen den Vor¬
wurf machen sollte, ich sei eine Gegner oder Verächter der
Scheidenbauchschnitte, so verweise ich auf eine recht grosse
Reihe derartiger Operationen, die ich bis in die letzten Tage
ausgeführt habe und über die ich zum Teil berichtet habe oder
habe berichten lassen*)• Man müsste befangen sein, wenn man
nicht die Sicherheit und so manche grossen Vorteile vaginaler
Operationen anerkennen und zum Nutzen der Kranken ver¬
wenden wollte. Um so mehr ist es Pflicht, auf einige Nach¬
teile hinzuweisen, damit solche in der Zukunft nach Möglich¬
keit vermieden werden.
Diese Nachteile haften dem vorderen wie dem hinteren
Scheidenbauchschnitt an.
Zunächst ist von verschiedenen Autoren schon darauf hin¬
gewiesen worden, dass nach hinteren Kolpotomien
Eingeweide — Tuben oder Netz — in die
Scheiden narbe eingeklemmt oder durch die¬
selbe prolabiert sein können. Das verursacht
Schmerzen, Zerrungen, Dislokationen, Ausflüsse und Blutungen
und könnte als ein kleines Gegenstück zu den Hernien nach
Bauchschnitten hingestellt werden. Ich habe solche Zustände
auch nach eigenen Operationen beobachtet, ebenso irr den
ersten Tagen der Rekonvaleszenz gelegentlich einmal ein Ver¬
kleben der Darmschlingen im Operationsgebiet, die gelöst
OH. Freund: Zwei vaginale Kaiserschnitte bei Eklampsie:
Strassb. med. Zeitg. 1906 und Atypische Myomoperationen: Mönch
med. Wochenschr.. 1903. No. 4. — Weyrauch: Indikationen und
Erfolge der Kolpoköliotomie. Diss. Strassburg 1900 usw.
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2. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
231
werden mussten. Ich will aber diese schon bekannten Zufälle
hier nicht weiter besprechen.
Unbekannt scheint mir zu sein, dass sowohl vordere wie
hintere Kolpoköliotomien Retroflexionen des Uterus
verschulden können, die ohne neue eingreifende Operationen
kaum zu heilen sind:
Fall 1. Bei einer 27 jährigen Frau, die zweimal normal geboren
hatte, entfernte ich am 21. IV. 1900 einen gänseeigrossen, beweglichen
Tumor ovarii sin. aus dem Spatium anteuterin. durch vordere Kolpo-
tomie und schloss in derselben Sitzung einen Dammriss. Die Heilung
erfolgte p. prim., der Tastbefund war bei der Entlassung normal.
Am 13. III. 01 sah ich Pat. wieder. Sie klagte über Brennen beim
Urinieren und Harndrang. Ich fand eine tiefe Retroflexio uteri, her¬
vorgebracht durch eine kurze, derbe, narbige Verwachsung zwischen
der vorderen Muttermundlippe und der Kolpotomienarbe. Auf der
Lippe eine Erosion.
F a 11 2. 32 jährige Frau. 2 Qeburten. Vor 3 Jahren wurde in
einer Klinik ein kleiner Ovarialtumor durch die hintere Kolpotomie
exstirpiert. Am 8. IV. 08 untersuchte ich Pat., die über Schmerzen
in beiden Seiten und Kreuzweh klagte. Der etwas derbe Uterus lag
retroflektiert, fast genau median und mit Corpus und Fundus in gan¬
zer Ausdehnung an der Kolpotomienarbe adhärent. Die Scheiden¬
narbe war nicht verschieblich.
Im Fall 1 war der Scheidenquerschnitt entschieden zu
nahe an die Portio gelegt worden. Als dann die Narbe ge¬
bildet und fest geworden war, musste sie das Kollum nach
vorn fixieren, worauf das Korpus leicht in Rückwärtslagerung
geraten konnte. Man wird aus dieser Beobachtung vielleicht
auch einen Einwand gegen die Querschnitte in der
Scheide entnehmen. Ohne Zweifel geben sie vermöge ihrer
Breitenausdehnung leichter die Veranlassung zu Verzerrungen
der vorderen Kollumfläche nach vorn als die Längs-
schnitte. Aber auch letztere schützen nicht eo ipso vor
solchen Vorwärtsdislokationen. Gehen sie bis nahe an die
Portio, so bildet sich bei der Heilung und Narbenkontraktion
leicht ein Zwickel mit im vorderen Scheidengewölbe, eine
nabelartige Einziehung, die in derselben Weise ungünstig
wirken kaqn, wie wir es beim Querschnitt sahen. Viel¬
mehr kommt es darauf an, den Schnitt, in
welcher Richtung immmer er angelegt wird,
nicht zu nahe an die Portio zu verlegen, am
allerwenigsten bis in dieselbe hinein!
Im zweiten Falle heilte entschieden der Uterus in der
ganzen Länge seiner hinteren Korpuswand auf die frische
Peritoneal- und Scheidenwunde auf und geriet so in eine
bleibende feste Verbindung mit letzterer, eine unlösbare Re-
troflexion. Wie kam das wohl zustande? Ich glaube, durch
eine Tamponade oder Gazedrainage. Eine solche
kann ja bei Blutungen oder nicht ganz aseptischen Verhäl¬
tnissen (Exstirpation eitriger Adnexe: Exsudate etc.) geboten
oder wünschenswert erscheinen. Sie kann aber schlechte
Folgen haben, indem sie durch das Einschieben eines Fremd¬
körpers das Peritoneum in einen erhöhten Zustand formativer
Reizung bringt und die Scheidenwunde zu reichlicher Granu¬
lierung anregt. So können Ausschwitzungen und Produkte
entstehen, die eben gerade zu unnatürlichen Verbindungen der
Gebärmutter mit ihrer Umgebung die Veranlassung geben. Das
kommt beim vorderen und beim hinteren Gewölbeschnitt in
gleicher Weise in den Bereich der Möglichkeit. — Bei letzteren
kann aber schon die einfache Ausstopfung des Scheiden¬
gewölbes mit Gaze die unerwünschte Folge der Retroversion
haben, wenn nämlich die Tamponade längs der hinteren Wand
zu reichlich oder zu fest ausgeführt wird. Drängt ein solcher
Tampon das Collum uteri aufwärts, nach der Symphyse hin,
so kann der Gebärmutterkörper nach hinten sinken und auf der
frisch sezernierenden Wunde festheilen, zumal wenn das Or¬
gan nach Adnex- oder Tumorentfernungen herabgezogen oder
erschlafft ist.
Man wird also wohl den Schluss zu ziehen haben, dass
man das Drainieren und Tamponieren der
Kolpotomiewunden nach Möglichkeit unter¬
lassensoll, wennabernötig, nurloseaus führen
darf.
Die Verwachsungen des Uterus nach vorn und
hinten, die in der geschilderten Weise entstehen, pflegen sehr
fest und somit der Ausgangspunkt grosser B e -
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schwerden zu sein. Ob sie sich denen einer Bauchhernie
nach Laparotomie gleichsetzen lassen, hängt von den indi¬
viduellen Dispositionen ab. Mitunter, besonders also bei neu-
rasthenischen und empfindlichen Frauen wird dieser fixe Punkt
die Ursache täglicher Beschwerden, vielleicht einer fixen Idee.
Fall 3. Frau von 35 Jahren, die 6 schwere Geburten über¬
standen und seit einer Frühgeburt vor 3 Jahren an Dysmenorrhöe
mässigen Grades gelitten hat. Ein Kollege fand die Indikation zu einer
intraperitonealen Verkürzung der Ligg. rot. durch
Colpotomiaant. in einer Senkung der Scheide. Seit dieser
Operation klagt Pat. über Schmerzen im Leib, die sic
vorher nie gehabt; auch in den Lenden und Hüften hat sie Schmer¬
zen. Die Pat. gibt an, sie sei wohl früher etwas nervös gewesen,
sei aber jetzt infolge unaufhörlicher Schmerzen verzweifelt. Ich
konstatierte eine mässige Enteroptose. Die Portio vaginalis stand
weit vor der Spinallinie und stark eleviert. Der derbe kleine Uterus¬
körper fand sich in einer Lage wie nach der Vaginifixur und Hess
sich nur mit der vorderen Vaginalwand zusammen bew’egen. Diese
Fixationsstelle ist der Sitz der Schmerzen, aber auch
beide Douglasfalten sind sehr empfindlich und zu stark angespannt,
die rechte verdickt. Die rechten Adnexe liegen hart am Uterus
und bilden einen nussgrossen, derben, schmerzhaften Tumor. In dem
weiten Douglas liegen Därme. Eine lokale resorbierende Behand¬
lung neben einer allgemeinen, auch psychischen Therapie hat wohl
eine gewisse Besserung gebracht, doch kommen die Rückfälle in die
alten Verstimmungen so häufig wieder, dass die Familie an die Ver¬
bringung der Pat. in ein Sanatorium denkt.
Diese Erfahrung berechtigt uns erneut zu der Warnung,
alle vaginalen Fixationsmethoden, die den Uterusfundus mittel¬
bar oder unmittelbar der Scheide zu stark nähern, bei Personen
im geschlechtsreifen Alter zu unterlassen und weiter bei jeder
sonst in Betracht kommenden Methode die Verkürzung der
Bänder nicht zu übertreiben, und endlich die Fixation nicht zu
breit und nicht zu hoch oben am Uterus anzulegen. Dass man
mit all solchen Verfahren nur von den strengsten Indikationen
sich leiten lassen und bei nervös belasteten und disponierten
Frauen erst nach wirklich eingehender Kenntnis der Anamnese
und der ganzen Persönlichkeit der Kranken die Operation
empfehlen soll, ist eine alte Erfahrung. Sie hier, und noch mehr
beim Alexander-Adams, wieder einmal auszusprechen,
scheint mir zeitgemäss.
Ich habe noch über Geburtsstörungen nach neueren
Scheidenbauchoperationen zu sprechen, die den bekannten
Dystokien nach vaginalen Fixationen ähnlich werden können.
Ich verfüge «nur über eine Erfahrung nach einem vaginalen
Kaiserschnitt und möchte aus dieser einzelnen keine all¬
gemeinen Schlüsse ziehen, sondern abwarten, was die Zukunft
über Geburten nach den jetzt ja ziemlich zahlreichen vaginalen
Hysterotomien zu melden haben wird. — Der Fall ist folgender:
F a 11 4. An einer 23 jährigen I. Para wurde von berufener
Seite im 6. Schwangerschaftsmonat der vaginale Kaiserschnitt wegen
Eklampsie mit vollem Erfolg ausgeführt. Die Anfälle verschwanden
sofort, das Wochenbett verlief ungestört. Ein Jahr später kam die
Person am rechtigen Ende der zweiten Schwangerschaft in die Strass¬
burger Hebammenschule. Man fand in ihr ein gut gebautes, kräftiges
Mädchen mit normalem Becken und gut entwickelten Genitalorganen.
Die Portio vaginalis stand abnorm weit promontoriuimvärts verzogen,
in der vorderen Lippe fand sich eine etwas breite mediane Opera¬
tionsnarbe und im ganzen Scheidengewölbe, besonders seitlich, reich¬
liches derbes Narbengewebe. Als die Wehen, sofort ziemlich schmerz¬
haft. einsetzten, zog sich der äussere Muttermund so weit nach dem
Kreuzbein zu zurück und in die Höhe, dass er kaum noch zu erreichen
war. Die vordere Lippe wurde beriihrungsempiindlich. das untere
Segment ebenso. Letzteres zeigte sich bald verdünnt und tvpisch
..ausgesackt“. Die Wehen waren ganz unregelmässig und förderten
in den nächsten 24 Stunden die Geburt nicht im mindesten: sie hörten
am folgenden Tage ganz auf. kamen dann aber nachts wieder und
waren höchst schmerzhaft, nahmen auch bald einen krampfartigen
Charakter an und erzeugten die Svmptome der beginnenden Zervix-
dehnunn-. Schmerzhaftigkeit oberhalb der Schossfuge, grosse Unruhe
usw. Trotzdem war das Os ext. kaum fiinfzigofennigstückgross
offen, die Spannung und Verlagerung der Weichteile aber wie am
ersten Tag. Allmählich wurde die Ueberdehnung des unteren Seg¬
mentes so stark und bedrohlich, dass eine Ruptur nicht ausgeschlossen
war. Ich versuchte, die Portio mit einer Fasszange zu erreichen, um
einen Metreurynter einzulegen: das erwies sich als unmöglich. Da¬
gegen gelang es mir einfach unter Leitung der Finger eine Gummi¬
blase in den Uterus einzuschieben. Dabei konstatierte ich eine snorn-
artig vorspringende Narbe median innen in der vorderen Lippe:
sie reichte höher nach oben hinauf, als der Finger vorzudringen ver¬
mochte. Weitere Narben fühlte man jetzt noch deutlicher als früher
seitlich in der Portio, im Scheidengewölbe und auch in der hinteren
Lippe. Eine quere Narbe sass hart vor der Portio im vorderen
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
Vaginalgewölbe, sie beschränkte den Zugang zur Zervix ganz beson¬
ders. Die im linken Gewölbe fühlbaren Narben schienen bis ins
Ligam. latum hineinzureichen. Man begreift, dass hier der Gedanke
an neue Inzisionen in den Mutterhals verworfen werden musste.
Die Fruchtblase stand noch, der Kopf lag beweglich, wenn auch
angedrückt vor, die Auszerrung des unteren Segments war recht er¬
heblich, so dass wir einen Bauchschnitt vorbereiteten für den Fall,
dass eine Ruptur erfolgen sollte. Die Wehen Hessen jetzt aber an
Heftigkeit nach, ein Kontraktionsring zeigte sich nur als Furche an¬
gedeutet handbreit über der Schossfuge. Als nach 6 Stunden der
Metreurynter entfernt wurde, war der Muttermund erweitert. Von
da an verlief die Geburt schnell und spontan und förderte ein leben¬
des Kind von 2750 g mit 34 cm Kopfumfang zur Welt. Plazenta nach
einer halben Stunde exprimiert. Puerperium normal.
In diesem Falle ist also, nachdem von geübter Hand und
aus dringender Indikation der vaginale Kaiserschnitt an einer
Erstgebärenden ausgeführt worden, und ein unreifes Kind durch
den gut entwickelten Qenitalapparat hindurch befördert war,
nach Jahresfrist eine so gefährliche Geburtsbehinderung ent¬
standen, dass der Kaiserschnitt, vielleicht sogar die Exstirpation
der Gebärmutter im nahen Bereiche der Möglichkeit lag. D i e
Geburtsbehinderurrg war zweifellos die
Folge des vaginalen Kaiserschnittes. Man wird
einwenden, dass das Accouchement force, die rasche Heraus¬
beförderung des Kindes durch die unvorbereiteten Weichteile
die Zerreissungen und somit die bedenklichen Narben ver¬
schuldet hat, nicht der Uterusschnitt. Aber diesen macht man
doch nur, um das Kind sofort herausbefördern zu können, beide
Akte der Operation gehören zusammen.
Ich will, wie gesagt, keine weitgehenden* Schlüsse aus
der einen Beobachtung ableiten. Wie soll man aber solchen
Schaden, wie im obigen Falle, in Zukunft verhüten? Der
vaginale Kaiserschnitt bei einer rechtzeitigen Erstgeburt
muss ja doch zu Zerreissungen und Vernarbungen der weichen
Wege in noch höherem Grade Gelegenheit geben, als bei einer
vorzeitigen! Es dürfte schwer sein, hier einen allgemein
gültigen Rat zu geben. Die Extraktion des Kindes, in welcher
die Hauptgefahr der Zerreissung begründet liegt, kann man,
da doch fast immer Eklampsie die Indikation gibt und diese
wieder Erstgebärende häufig befällt, weder aufschieben noch
sehr langsam exekutieren. Man könnte daran denken, bei den
Erstgebärenden wieder zu den alten Massnahmen zurtick-
zukehren, die ja durchschnittlich recht gut gewirkt haben. Aber
das würde vielfachen Widerspruch erfahren. So wird man
denn auch hier nur einige technische Punkte hervorheben
können: Längsschnitte im vorderen Scheidengewölbe anstelle
der Querschnitte, genügende Inzision des Uterus, eventuell in
der vorderen und hinteren Wand, langsame schonende Extrak¬
tion eines lebenden und reifen, Perforation eines toten oder
unreifen Kindes; möglichst auch vermeiden einer Tamponade
der Schnitte. Bei ungünstigen Verhältnissen wird das aber
nicht immer genügen. Die Möglichkeit besteht besonders bei
Erstgebärenden, dass Zerreissungen und Vernarbungen ent¬
stehen.
Ich habe den vaginalen Kaiserschnitt mehrmals bei
Eklampsie, Epilepsie etc. ausgeführt und gute primäre Resul¬
tate damit erzielt. Ich werde aber im Hinblick auf den obigen
Fall die Operierten nachuntersuchen, da die Befunde bei der
Entlassung der Wöchnerinnen nicht entscheidend zu sein
scheinen. Sölten erhebliche Narbenbildungen eine häufigere
Folge sein, so läge darin eine Einschränkung der Indikation
zum vaginalen Kaiserschnitt bei Erstgebärenden. Ob die extra¬
peritoneale Sectio caesarea an seine Stelle treten und bessere
Resultate bringen kann, als die klassische, wird zu er¬
proben sein. —
Wenn ich anhangsweise von gewissen, unerwünschten
Folgen nach der Alexander-Adamsschen Ope¬
ration berichte, so leitet mich auch dabei lediglich die Ab¬
sicht, eine Lücke in den gewöhnlich sehr lobenden Darstellungen
auszufüllen, ohne etwa die Operation als solche zu diskredi¬
tieren. Ich will auch hier Bekanntes nicht wiederholen, Durch¬
schneiden von Nerven, Rezidive der Retroflexion, Hernien
usw., sondern einige, wie mir scheint weniger bekannte Um¬
stände hervorheben.
Erstens hinsichtlich der Indikation. Man ist damit
manchmal insofern nicht streng genug, als man sich zu schnell
zum Operieren einer Flexion entschliesst, ohne die Kranke
genügend zu kennen. Nicht alle haben Zeit und Interesse
genug, um bei einer Patientin mit mobiler Retroversion, bei der
man früher den Uterus aufrichtete und durch ein Pessar fixierte,
eine exakte Anamnese oder gar eine längere Beobachtung an¬
zustellen. Kommt gar eine Kranke, die von einem oder
mehreren Aerzten schon mit Ringen behandelt worden, zu
einem andern Arzt, der diese Therapie verwirft, so wird meist
sehr schnell zur Ligamentverkürzung geschritten. Nur so ist
es erklärlich, dass ich 3 Patientinnen gesehen habe, die nach
der Alexander-Adamsschen Operation psy¬
chisch schwer erkrankten.
Fall 5. Die erste, eine Frau von 44 Jahren, die eine schwere
Zangenentbindung und zwei normale Geburten durchgemacht hatte,
eine zarte, neurasthenische Person, wurde erst lange Zeit als magen¬
krank behandelt. Dann entdeckte man eine Retroflexion. Pessare
wurden nicht vertragen. Daher Alexander-Adams, von chirur¬
gischer Seite ausgeführt. Von da an neue Schmerzen, besonders im
Rücken, Gehbeschwerden, schwere psychische Depression. Ich fand
sehr dicke Operationsnarben, den Uterus zu gross, retrovertiert und
durch breite Adhäsionen seiner hinteren Wand mit dem Douglas¬
peritoneum verwachsen. Die Patientin lehnte eine lokale Behand¬
lung ab. Sie musste wegen Melancholie in eine Anstalt verbracht
werden. Die Prognose ist daselbst ungünstig gestellt worden.
Fall 6. Der zweite Fall betraf ein 23 jähriges infantiles,
psychisch belastetes Mädchen, das seit der ersten Menstruation an
Dysmenorrhöe litt und vielfach, auch mit Pessaren behandelt war.
Da mir bekannt war, dass in der Familie Geisteskrankheiten vor¬
gekommen waren, und die Patientin sehr deutliche hysterische Stig¬
mata zeigte, lehnte ich jeden operativen Heilnn^sversuch ab. Von
anderer Seite wurde der Alexander-Adams ausgeführt. Schon in
der Rekonvaleszenz traten maniakalische Attacken auf. Pat. befand
sich dann jahrelang in einem Sanatorium für Nervenkranke und soll
jetzt ruhig, aber nicht völlig zurechnungsfähig sein.
F a 11 7. An einer 30 jährigen, bleichsüchtigen, von jeher ner¬
vösen Dame, die zweimal geboren hatte, wurde von einem Gynäko¬
logen der Alexander-Adams wegen Retroversio mobilis mit Erfolg
ausgeführt; der Uterus blieb antevertiert. Da aber das Kreuzweh.
welches allein die Patientin zum Frauenarzt geführt, nicht ver¬
schwand, verfiel sie in Schwermut. Als bald darauf die Regel aus¬
blieb und Pat. sich schwanger glaubte, nahm die Melancholie zu,
Pat. magerte schnell ab. wurde hinfällig, bekam aussetzende Pulse
und machte schliesslich einen Selbstmordversuch. Ich fand den in
der 6 Woche graviden Uterus beiderseits ziemlich fest fixiert, bei
Bewegungen ein wenig schmerzhaft. Da auch ein hinzugezogener
Psychiater die Unterbrechung der Schwangerschaft für geboten er
klärte, wurde kürettiert. Pat. erholte sich, ist aber bisher psychisch
deprimiert geblieben.
Nach jeder andern Operation wäre bei diesen 3 Frauen
die Geisteskrankheit ebenso zum Ausbruch gekommen, wie
nach dem Alexander-Adams. Es hätte aber bei ihnen gar
nicht operiert werden sollen, da eine Retroflexion einen blutigen
Eingriff nicht unbedingt erheischt. Nur die Unbekanntschaft
mit der familiären und persönlichen Anamnese und die Unge-
fährlicheit des Eingriffs erklären das Vorgehen. Im 1. Fall
war zudem die gynäkologische Diagnose entschieden nicht
vollkommen gewesen.
Viele werden sich erinnern, dass ähnliche Erfahrungen
vom Auftreten psychischer Krankheiten jeweils gemacht
worden sind, wenn eine bestimmte gynäkologische Operation
vorherrschte und besonders häufig ausgeführt wurde. Die
Scheidendammplastiken und die Kastration darf man als Bei¬
spiel anführen. Mögen solche Erfahrungen dazu führen, dass
gerade bei dem ungefährlichen Alexander-Adams die Indi¬
kation* streng gestellt, jedes anamnestische Moment ernst er¬
wogen, die lokale Diagnose zu wahrer Vollkommenheit ge¬
bracht werde! —
Ist letzteres nicht der Fall, so kann die Alexander-
Adams sehe Operation sehr unerwünschte Folgen haben, wie
folgende 2 Fälle beweisen:
Fall 8. Von einem namhaften Gynäkologen wurde an einer
36 jährigen Dame, die s’chon monatelang vor ihrer ersten und einzi¬
gen Geburt an Rücken- und Kreuzschmerzen gelitten hatte, die Alc-
xander-Adams-Operation wegen Retroflexio uteri ausgeführt. Die
Schmerzen verschwanden darauf keineswegs, es kam sogar ein sehr
heftiger, mit Kopfweh verbundener Mittelschmerz dazu, der durch
eine Ausschabung nicht zu beseitigen war. Als ich die übrigens sehr
nervöse Frau zum ersten Mal untersuchte, fand ich den Uterus gut
nach vorn fixiert, beide Ligamenta sacro-uterina aber stark an¬
gespannt und schmerzhaft. Die rechte Tube war fingerdick und
sehr empfindlich, die linke weniger dilatiert, aber ebenfalls chronisch
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2. Februar 1909.
MUENCHEKER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
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erkrankt. Bei einer längeren Beobachtung der Pat. im Kranken¬
haus sah ich einen schweren Anfall von Mittelschmerz, nach welchem
die Tuben dann wesentlich abschwollen. Als sie wieder sich füllten
und mit einer resorbierenden Behandlung sich nicht veränderten,
entschloss ich mich zum Bauchschnitt. Der Ueberzug des antefixier-
ten Uterus zeigte sich getrübt und verdickt, etwas Aszites im Dou¬
glas, aber nirgends Knötchen. Beide Tuben daumendick, stark ge¬
rötet, nicht verschlossen. Ihr Ueberzug ebenfalls getrübt und
odematös; man sieht ferner in ihm dilatierte und gefüllte Lymph-
gefässe. Dasselbe Verhalten boten fast in noch ausgesprochenerem
Masse die Ligg. lata dar. Die Eierstöcke adhärierten im Douglas
und waren kleinzystös und derb. Beide Adnexe wurden entfernt.
Ein Jahr später sah ich die Frau wieder. Sie hatte ihre Be¬
schwerden verloren und befand sich bis auf Klagen über Kopfweh
durchaus wohl. Weder nervöse Beschwerden noch Ausfallserschei¬
nungen bestanden.
In diesem Falle war der Alexander-Adams kontra-
indiziert, sobald die schwere Adnexerkrankung konstatiert
war. Wenn überhaupt eine Operation, so hätte die Adnex¬
entfernung allein in Frage kommen können. Den auffälligen
Befund von Oedem, Füllung und Dilatation der Lymphgefässe
in den peripheren Schichten der inneren Genitalorgane zu¬
sammen mit dem Aszites kann man, da Fieber und die Zeichen
spezifischer Prozesse fehlten, einer Stauung in den Lymph-
wegen zuschreiben. Die befallenen Organe waren vorn durch
die operative Fixation, hinten durch die chronische Peritonitis
immobilisiert, so dass sie weder den Inhalt ihres Lumens, noch
Blut und Lymphe in der normalen Weise herausbefördern'
konnten.
F a 11 9. Eine andere Dame, bei welcher ein amerikanischer Arzt
3 Jahre vor der Menopause die Alexanderoperation ausgeführt hatte,
sah ich in ihrem 55. Lebensjahr. Die nervöse Patientin klagte über
Rückenschmerzen und Brennen in den Geschlechtsteilen. Ich fand
den Uterus in tiefer Retroflexion und in fester Verwachsung mit der
hinteren Douglaswand. Das Rektum war in diesem Bezirk kompri¬
miert Immer 2—3 Stunden nach der Nahrungsaufnahme entstand
eine schmerzhafte Peristaltik der Därme.
Auch hier war der schweren Pelveoperitonitis chronica
w.egen der Alexander-Adams kontraindiziert.
Von Schwangerschafts- und GeburtsstÖ-
rungen nach der Verkürzung der runden Mutterbänder im
Leistenkanal hat bisher hie und da etwas verlautet.
Fall 10. Augenblicklich beobachte ich eine Erstgeschwängerte
im 7. Monat, welche vor 5Jahren die genannte Operation in einer
Anstalt überstanden hat. Sie leidet an so quälendem Harndrang, dass
sie in einer Stunde oft 5—6 mal urinieren muss und auch nachts nur
wenig Ruhe findet; nach dem Wasserlassen empfindet sie brennende
Schmerzen in der Blase. Nebenher besteht ein dauernder Druck in I
beiden Operationsnarben. Die linke präsentiert sich als eine tief
eingezogene Narbe, breit und pigmentiert und trägt mehrere promi¬
nierende Varikositäten. Hier liegt der Uterus deutlich breit und sehr I
fest an; rechts weniger. Die vordere Wand des unteren Uterin- |
Segments wölbt sich halbkugelförmig und verdünnt ziemlich tief in die
Vagina vor und setzt sich gegen die stark aufgelockerte vordere
Lippe spitzwinklig ab. In der ausgesackten Partie ballotiert der Kin¬
deskopf.
Ob hier Geburtsstörungen kommen werden, bleibt abzu¬
warten. Der Fall kann- Jedenfalls lehren, dass man die Ver¬
kürzung der runden Mutterbänder nicht übertreiben soll. Es 1
ist in den allermeisten Fällen, speziell bei jüngeren Weibern,
gar nicht notwendig, den Gebärmuttergrund extrem weit nach
vorn und oben zu ziehen, wie es am leichtesten geschieht, werrn
man das Peritoneum öffnet und den intraperitonealen Teil des
Lig. rot. fixiert. Es kommen so doch einmal feste Fixationen
zustande, die sich von denen der Ventrifixur nicht wesentlich
unterscheiden. Und gerade nach letzterer hat man Geburts¬
störungen relativ oft beobachtet. —
Ich denke, dass mit den. vorstehenden Auseinander¬
setzungen nicht der Eindruck hervorgerufen worden ist, als ob
der Wert der richtig ausgeführten Kolpoköliotomie und
Alexander-Adams sehen Operation herabgesetzt werden
sollte. Wenn diese Zeilen dazu beitragen, dass der Indikations¬
stellung erhöhte Aufmerksamkeit in der gekennzeichneten
Richtung geschenkt und in der Technik alle Momente ver¬
mieden werden, die später unerwünschte Folgen hervorbringen
können, so ist ihr Zweck erreicht.
No. 5.
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Aus dem staatlichen hygienischen Institut zu Hamburg
(Direktor; Prof. Dr. D u n b a r).
Die Methoden der praktischen Grossstadtdesinfektion*).
Von Dr. H. Trautmann, Abteilungsvorsteher am Institut.
M. H.! Nach dem Reichsseuchengesetze besteht in allen
deutschen Bundesstaaten Desinfektionszwang für die sogen,
gemeingefährlichen Krankheiten: Pest, Cholera, Gelbfieber,
Aussatz, Pocken und Flecktyphus. Weiterhin kann bei uns
in Hamburg in Fällen von Scharlach, Diphtherie, Tuberkulose
und anderen regelmässig auftretenden Infektionskrankheiten
die Desinfektion von dem zuständigen Medizinalbcamten an¬
geordnet werden. Da ist es von Interesse, dass es einer
derartigen Anordnung in den seltensten Fällen bedarf; vielmehr
bringt der Hamburger Bürger den Bestrebungen der amtlichen
Desinfektionsanstalten viel Verständnis und Zuvorkommen
entgegen. Eine Vorstellung über derart ermöglichte Aus¬
dehnung dieses Betriebes mögen Ihnen die folgenden Zahlen,
die dem Jahresberichte der städtischen Desinfektionsanstalten
von 1907 entnommen sind, geben. Es wurden insgesamt des¬
infiziert: 5980 Wohnungen mit 11215 Gelassen. Davon ent¬
fielen allein 2337 Wohnungen auf Tuberkulose, über tausend
auf Diphtherie und nahezu tausend auf Scharlach. Die übrigen
Desinfektionen verteilen sich auf verschiedenartige Erkran¬
kungen.
Zumeist in Verbindung mit diesen Wohnungsdesinfektionen
wurden ausserdem im Jahre 1907: 8943 Apparatdesinfektionen
in den verschiedenen Anstalten vorgenommen, was auf den
Durchschnitt der Arbeitstage annähernd 30 Einzeldesinfektions¬
handlungen ausmacht. In dieser Weise sind 260 268 Einzel¬
stücke durch den Dampfdesinfektionsapparat gegangen.
Die übrigen Betätigungen unserer städtischen Desinfek¬
tionsanstalten, wie sie in umfangreichem Masse bei Schiffs¬
desinfektionen und Ausgasungen, bei Rattenvertilgung im
Hafen, wie in der Stadt und auf noch anderen (hier nicht inter¬
essierenden) Gebieten zum Ausdruck kommen, seien an dieser
Stelle nur mit Erwähnung gestreift.
Es ist Ihnen bekannt, wie die neuzeitliche Desinfektions¬
wissenschaft streng unterscheidet zwischen der Desinfektion
am Krankenbett (fortlaufende Desinfektion) und der sogen.
„Schlussdesinfektion“ nach Beseitigung der in dem kranken
Menschen belegenen Gefahr der Keimverstreuung. Während
erstere vorwiegend in den Bereich und die Verantwortlichkeit
des praktischen Arztes und des jeweiligen Haushaltungsvor¬
standes fällt, ist die Schlussdesinfektion durchweg in der Hand
einer Behörde bezw. einer Anstalt zusammengefasst. Es sei
indes nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, dass neuerdings in
Hamburg, anscheinend auch mit Erfolg der Versuch angestrebt
wird, bei verbreiteten Krankheiten mit mehr chronischem
Verlaufe (also namentlich bei Tuberkulose), wo eine Schluss¬
desinfektion allein naturgemäss von nur untergeordneter Be¬
deutung ist, auch fortlaufende Wohnungsdesinfektionen
mit Zustimmung der in Frage kommenden Aerzte und der Ein¬
wohner von amtswegen vorzunehmen.
Gehen wir jetzt nach diesen einleitenden Bemerkungen zu
den Methoden der praktischen Desinfektion über, so ist
grundsätzlich zu scheiden in Wohmingsdesinfektionen und
Anstalt- bezw. Apparatdesinfektionen.
Die gewöhnlichste Art der Wohnungsdesinfektion ist die
mittels Formaldehyds. Nicht jede Wohnung aber, die des¬
infiziert werden müsste, eignet sich zur Ausführung dieser Gas¬
desinfektion. Hierzu müssen die Räume gut abdichtbar sein.
Auch lassen mehr soziale Verhältnisse manchmal die Gas¬
behandlung nicht zu. Immerhin gehören derartige Fälle in
Hamburg zu den Seltenheiten.
Nicht bei allen Erkrankungen ferner werden wir eine
Wohmmgsdesinfketion für notwendig halten. In Frage
kommt sie fast durchweg nur da, wo die, den Kranken um¬
gebende Zimmerluft Trägerin von Keimen widerständigerer
Natur hat werden können; also in Deutschland namentlich bei
offener Tuberkulose und Diphtherie; seltener nach der Art der
*) Erweiterung eines gelegentlich der Hamburger Aerztekursc
(Oktober 1908) gehaltenen Vortrages.
3
Original from
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
Ausscheidung der Erreger bei typhusartigen und septischen
Erkrankungen. Bei den akuten Exanthemen und einigen
anderen« Krankheiten aber wird sie oftmals gewünscht werden.
In vielen Fällen wird die Wohnungsdesinfektion zweckmässig
auch eine Ergänzung oder Ersetzung durch die Dampf¬
desinfektion erfahren müssen. Hier wird dann die geeignete
Auswahl der zu reinigenden Gegenstände von Wichtigkeit.
Wenn ich nun mit der zusammenhängenden Beschreibung
des Ganges einer Wohnungsdesinfektion beginnen möchte, so
wähle ich die Schilderung einer solchen aus Anlass von Tuber¬
kulose, weil hier i. a. alle überhaupt für Wohnungsdesinfek¬
tionen in Frage kommenden Massnahmen Anwendung finden.
In ähnlichem Zusammenhang ist bereits früher einmal von mir
eine Zusammenstellung der einschlägigen Dienstvorschriften
für die Hamburger Desinfektoren mit Nutzen herangezogen
worden. 1 ) Es sei daher hier das gleiche gestattet. An¬
schliessend sollen dann einige veränderte, wie auch einige
völlig anders geartete Verfahren mit gleichem Zweck kurze
Besprechung finden. Den Schluss bildet die Besprechung der
Dampfdesinfektionen, zugleich auch in ihrer ergänzenden Be¬
deutung für die Wohnungsdesinfektion.
Die erwähnte Hamburger Dienstanweisung zunächst also
sieht für die Wohnungsdesinfektion bei Tuberkulose folgende
Bestimmungen vor:
„Die durch Ausscheidungen beschmutzten Stellen sind mit
Kresolwasser oder Karbolsäure zu befeuchten, dann u. U.
mittelst Spatels zu entfernen. Die Bett- und Leibwäsche,
waschbare Kleidungsstücke etc. sind, wenn die Möglichkeit
ihrer baldigen Durchwaschung und weiteren Besorgung vor¬
liegt, in Kresolwasser oder Karbolsäurelösung zu legen oder
mittelst Durchkochung zu desinfizieren; andernfalls ist ihre
Verbringung zur Anstalt zwecks Dampfdesinfektion vorzu¬
bereiten. Fussboden, Entleerungen und Ausscheidungen,
Spucknäpfe, Nachtgeschirre, Aborte sind mit Chlorkalk, Karbol
oder Kresolseifenlösung zu desinfizieren, die Aborträume mit
Kresolwasser oder Karbolsäurelösung.
Ausserdem kann da, wo es angezeigt erscheint, durch den
zuständigen Beamten, in erster Linie durch den beamteten Arzt,
noch angeordnet werden, die gesamten Wände und Fenster
mit Kresolwasser oder Karbolsäurelösung zu behandeln.
Gegebenenfalls sind nicht waschbare Kleidungsstücke, Ma¬
tratzen, Teppiche etc. im Dampfapparat zu behandeln, Holz¬
möbel, Metallteile, Bilder etc. mit Kresolwasser oder Karbol¬
säurelösung abzureiben, und der ganze zu desinfizierende Raum
sodann mitsamt den darin enthaltenen Gegenständen mit
Seifenwasser abzuscheuern.
Die Formaldehyddesinfektion wird in Hamburg folgender-
massen gehandhabt:
Die Desinfektoren legen vor dem Krankenzimmer ihren
Arbeitsanzug an, bereiten eine 3proz. Karbollösung, betreten
das Krankenzimmer, aus welchem sie zunächst etwa vor¬
handene Pflanzen und Tiere entfernen. Dann wird Bett- und
Leibwäsche entweder in ein Gefäss mit Karbolsäurelösung
gelegt, oder zwecks Ausführung der Dampfsterilisation in mit
Desinfektionslösung behandelte Tücher doppelt eingeschlagen.
Darauf werden die Fussböden, die Wände, das Mobiliar, sowie
alle anderen Gegenstände sorgfältig auf etwaiges Vorhanden¬
sein von Sputum untersucht. Dieses wird durch mit Karbol¬
säure getränkte Lappen befeuchtet, u. U. mittelst Spatels abge¬
kratzt, die verunreinigten Steilen dann abgewaschen.
Hierauf werden die Bettstellen abgerückt, soweit möglich
auseinander genommen und mit 3proz. Karbollösung ab¬
gerieben, darauf der Fussboden unter Wegbewegung der Möbel
in gleicher Weise abgescheuert. Nun werden die Türen der
Schränke geöffnet, Schubladen vollständig hervorgeschoben
oder herausgenommen, Spielsachen, Bücher etc. frei aufgestellt.
Unter Möbel mit niedrigen Füssen werden an einer Seite Holz¬
blöcke geschoben, und Wäscheleinen werden gezogen, auf
welche Decken, kleinere Teppiche etc. mittelst Bügel so auf¬
gehängt werden, dass sie nirgends aufliegen und Falten bilden.
Bei Raummangel werden die genannten Gegenstände nach der
*) H. Tr aut mann: Wohnungsdesinfektion bei Tuberkulose.
Zeitschrift für Tuberkulose, 1907, Bd. 10, S. 396.
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Desinfektionsanstalt geschafft und mit Dampf behandelt. Die
Betten werden an mit 2 prom. Sublimatlösung getränktem
Bindfaden frei aufgehängt, Kleidungsstücke werden auf mit¬
gebrachten Bügeln aufgehängt, nachdem durch die Aermel der
Röcke, Blusen etc. eine Stange gesteckt ist. Die Rockkragen
werden aufgeklappt, sämtliche Taschen nach aussen gewendet.
Dann werden Fenster und Türen mit Wattestreifen, die in
Karbolsäure getaucht sind, oder mit Papierstreifen sorgfältig
gedichtet. Sprünge in den Fenstern und Türen werden mit
Kitt verstrichen, die Schlüssellöcher der Türen verstopft, Ofen¬
türen fest verschlossen, u. U. ebenfalls mit Papierstreifen
gedichtet usw. An dem Schlüsselloch der Aussentür wird die
Blerchrinne des Ammoniakentwicklers befestigt.
Nach diesen Vorbereitungen legen die Desinfektoren ihre
Arbeitskleidung ab, und lassen sie in den zu desinfizierenden
Zimmern“.
Nach den Ausführungsbestimmungen zum Reichsseuchen¬
gesetz „müssen für je 1 Kubikmeter Luftraum mindestens 5 g
Formaldehydgas oder 15 Kubikzentimeter Formaldehydlösung
(Formaldehydum solutum des Arzneibuchs für das deutsche
Reich) und gleichzeitig etwa 30 Kubikzentimeter Wasser ver¬
dampft werden. Die Oeffnung der desinfizierten Räume darf
frühestens nach 4 Stunden, soll aber womöglich später und in
besonderen Fällen (überfüllte Räume) erst nach 7 Stunden ge¬
schehen. Der überschüssige Formaldehyd ist vor dem Be¬
treten des Raumes durch Einleiten von Ammoniakgas zu
beseitigen.
Die Desinfektion mittelst Formaldehyds soll tunlichst nur
von geprüften Desinfektoren nach bewährten Verfahren aus¬
geführt werden.“
Dass bei gewissenhafter Beachtung selbst minder strenger
Bestimmungen in der Praxis gute Erfolge zu erzielen sind, hat
uns eine, im Verlauf der Jahre stattlich angewachsene Reihe
von Kontrolluntersuchungen gelehrt. Diese Prüfungen nahmen
wir mit Bakterientestobjekten verschiedener Bereitung, nament¬
lich auch mit tuberkulösem Sputum, dazu mit Thermometern
und Feuchtigkeitsmessern 2 ) vor.
Es würde nunmehr meine Aufgabe sein, Ihnen mit wenigen
Worten einiges über den Vorgang der Formaldehyderzeugung
selbst mitzuteilen.
Den Zeitraum der Vorversuche, zu einer i n j e d e r H i n -
sicht brauchbaren Methode zu gelangen, kennzeichnen zwei
Gesichtspunkte. Der erste von ihnen erstrebte die Gewinnung
des wirksamen Gases durch Verdunsten oder Verdampfen von
Formalin (= 40 proz. wässerige Formaldehydlösung). Die
unerwünschte Bildung des (in dieser Weise unwirksamen)
Paraformaldehyds (Trioxymethylen) aber liess diesen Weg
lange nicht gangbar erscheinen. Es wurde dies um so schmerz¬
licher empfunden, als der zweite Gesichtspunkt, eben dies
Polymerisationsprodukt durch trockene Erhitzung wieder in
wirksames Formaldehydgas zurückzuwandeln, lange nicht ein-
schlagen wollte. Erst als man die, überhaupt für gasförmige
Desinfizientien, notwendige Sättigung der Zimmerluft mit
Wasserdampf berücksichtigte, wurden brauchbare Erfolge
erzielt.
Es kann an dieser Stelle auf die interessanten, teils dra¬
stischen Versuchsanordnungen beider Richtungen leider nicht
eingegangen werden. Es genüge zu sagen, dass schliesslich
doch die erstere Richtung, die Formalinverdampfung,
den Sieg über die zweite davongetragen hat, und zwar auf
Grund der Arbeiten Flügges- Breslau und seiner Schule,
welche die wertvolle Feststellung brachten, dass bei einem
Verhältnis von Formalin und Wasser wie 1:4 (= ca. 8 proz.
Formaldehydlösung) eine gleichmässige Verdampfungsgrösse
beider Stoffe und somit ein Ausbleiben der Paraformbildung
erreicht wird.
Die vorstehenden Ausführungen machen es auch verständ¬
lich, dass das in der Praxis zur Zeit immer noch am meisten
verbreitete Verfahren eben dieses sogen. „Breslauer“ ist. Die
Methode ist auch noch von keiner anderen in ihrer Wirksam¬
keit übertroffen, wenn auch genügend Apparate von etwas
2 ) Durch seine Handlichkeit ist uns das Steffenssche Uni*
versal-Haar-Hygrometer stets sehr dienlich.
Original fro-m
UNIVERSITV OF CALIFORNIA
2. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
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abweichender Arbeitsweise angegeben sind, die annähernd das
gleiche leisten.
Zu letzteren gehören z. B. die Apparate von Czap-
lewski, Lingner, Prausnitz. Sie erzielen einen
durchaus befriedigenden Effekt durch feinstes Versprühen des
Formaldehyds im Zimmer mittelst Dampfstrahls. Doch alle
Methoden fussen auf der Erkenntnis, dass Formaldehyd nicht
sowohl als Gas, wie vielmehr in der auf den Gegenständen
niedergeschlagenen wässerigen Lösung (also = Formalin)
wirksam ist.
Es würde zu weit führen, hier eine eingehende Be¬
schreibung des Flügge sehen oder eines anderen Formalin¬
verteilungsapparates, sowie der unmittelbaren Bedienungs¬
vorschriften zu geben. Von beidem ist das Nötige in den ver¬
schiedenen Leitfäden für Desinfektoren jederzeit genau nach¬
zulesen.
Es darf nun bei Wohnungsdesinfektionen nicht ausser Acht
gelassen werden, dass die Formaldehydbehandlungen grund¬
sätzlich als Oberflächendesinfektionen aufzufassen sind. Der
oben im einzelnen dargelegte Gang einer Formaldehyd¬
wohnungsdesinfektion lässt genau erkennen, wie man bemüht
ist, durch Ausbreitung und offene Darbietung der Flächen die
geringe Tiefenwirkung möglichst wenig nachteilig zu gestalten.
Erstrebt werden wässerige Formaldehydniederschläge. Daher
neben genügender Menge, Verteilung und Einwirkungsdauer
des Aldehyds, die Sorge für Wasserdampfsättigung t und eine
mittlere Temperatur von etwa 15° C im Raum. Niedere,
z. B. winterliche Temperaturen sind an sich jeder che¬
mischen Reaktion wenig günstig; ausserdem erzeugen sie
hier die Gefahr der Bildung unwirksamer Polymeren.
Zu h e i s s e Gegenstände (anstehende Heizkörper usw.) auf der
anderen Seite lassen überhaupt keine Kondensation zu und
bleiben somit der Einwirkung des Gaswassergemisches ent¬
zogen. Diese Niederschlagsbildung selbst ist bei gelungenem
Versuch innerhalb der ersten Stunde des Arbeitens fast völlig
vollendet.
Die Formaldehyddesinfektion der Wohnungen hat zur Zeit
in ihren verschiedenen Formen eine ganz ungemeine Ver¬
breitung gewonnen, und dabei die früheren, für die Bewohner
oft lästigen Massnahmen vielfach überflüssig gemacht. Bei
der Desinfektion anlässlich Tuberkulose aber sehen wir die
alten chemisch-mechanischen Methoden mit der neuen Gas¬
erzeugung zu einer wertvollen Einheit verschmolzen.
Es hat nun auch nicht an Versuchen gefehlt, die bisher
geschilderten Formen der Formalinverteilungen durch noch
bequemere, und wie man glaubte, wirksamere Massnahmen zu
ersetzen. Ich habe in erster Linie hier zu gedenken des von
Eichengrün vor etwa 2Yi Jahren ausgearbeiteten und mit¬
geteilten Verfahrens mittelst Autans. Es handelt sich hier¬
bei um die plötzliche Erzeugung reichlicher
Mengen gasförmigen Formaldehyds und
Wasserdampfs durch Befeuchtung eines nach
bestimmten Verhältnissen hergestellten Ge¬
misches von polymerisiertem Formaldehyd
(Paraform) und Metallsuperoxyden.
Die anfängliche Zusammensetzung des Präparates hat seit¬
her auf Anlass sachverständiger Beratung verschiedentlich
noch kleine, unzweifelhaft vorteilhafte Abänderungen erfahren.
Das Autan hat billiger Weise in der hygienischen Welt ein
ungewöhnliches Aufsehen erregt. In kurzer Zeit ist eine
gewaltige Literatur zusammengekommen. Die Urteile sind
zwar nicht alle übereinstimmend; teilweise wohl als Folge
abweichender Versuchsanordnung. Nach den über mehrere
Jahre ausgedehnten umfangreichen Untersuchungen, auch
unseres Institutes 3 ) vermag es die Leistungen der alten
Formalinverteilungsverfahren nicht nur nicht zu überbieten,
sondern kann u. U. noch etwas hintere diesen Zurückbleiben.
Gleichwohl ist das Präparat, wie es auch sonst durchweg
geschieht, als bemerkenswerte Leistung anzuerkennen, welche
seiner guten Erfolge halber, wie namentlich auch wegen seiner
bequemen und feuersicheren Handhabung volle Berück-
*) Die wichtigsten derselben finden sich bei: Fromme: Ueber
Raumdesinfektion mit dem neuen Autanpräparat (Packung B): Oe-
sundheits-Ingenieur, 1908, S. 323.
sichtigung überall da verdient, wo ihm die bisherigen Ver¬
fahren nicht überlegen sind. So haben wir in Hamburg uns
auf den Standpunkt gestellt, dass es für feuergefährliche oder
ungünstige Verhältnisse, wie sie auf Seeschiffen, bei gewissen
Desinfektionen auf dem Lande usw. vorliegen, heranzu¬
ziehen sei.
Seiner allgemeinen Verbreitung steht weiter hinderlich im
Wege, dass es auch heute noch, nach mehrfacher Preisherab¬
setzung, immerhin um ein Mehrfaches teurer ist, als die bisher
eingeführten Apparatverfahren.
Dem Autan selbst sind wiederum mehrfache Konkurrenz¬
fabrikate erwachsen, über deren Wert ich Ihnen, auf Grund
unserer Prüfungen, mitteilen kann, dass sie zum Teil von an¬
nähernd gleichem, desinfektorischen Wert sind, wie Autan.
In der Bequemlichkeit der Anwendung und im Preis kommt
das Autoform dem Autan ziemlich gleich. Es handelt
sich bei der Autoformdesinfektion um die Er¬
zeugung von Fo r m a 1 d e h y d g a s und Wasser¬
dampf durch das Zusammenbringen bestimm¬
ter Mengen von Festoform (= Formalinseife)
mit Kaliumpermanganat und Wasser. Die an¬
deren, praktisch anwendbaren Methoden, so die von Doerr
und Raubitscheck 4 ) (auf Grund von amerikanischen
Mitteilungen) [Evans und Rüssel] angegebene Erzeugung
des wirksamen Gasgemisches durch Einwirkung von Kalium¬
permanganat auf wässrige Formaldehydlösungen, oder das von
Huber und Bickel 5 ) angegebene Verfahren durch Löschen
ungebrannten Kalkes in einer Formalinwasserlösung, dürften
schon mehr den Wert von interessanten Notbehelfen haben;
umsomehr, als Raum- und Sachbeschädigung, namentlich bei
dem letztgenannten Verfahren nicht mit Sicherheit aus¬
geschlossen werden kann.
Soviel über die Methoden der Formaldehyddesinfektion.
Ihre Leistungen sind, wie wir sahen, hinreichend sicher, wo
sie am rechten Platze und mit Sachverständnis herangezogen
werden. Ihre Anwendung hört auf, wo reine Tiefenwirkungen
nötig werden. Das ist der Fall, wenn mit Wahrscheinlichkeit
oder Gewissheit Krankheitserreger in grössere Tiefen ge¬
drungen sind. Von Krankheitsformen kommen hier¬
für in Frage namentlich die Bettruhe erheischenden Darm¬
krankheiten (Cholera, Ruhr, typhusartige Erkrankungen usw);
als zu desinfizierende Gegenstände dementsprechend Matratzen,
Bettstücke, Vorlagen, Wäsche. Oft werden aber auch
Kleidungsstücke, Ledersachen, Feder-, Sammet- und Seiden¬
gegenstände, Bücher u. a. m. einer durchgreifenden Ent¬
keimung benötigen. Bei den letzteren Gegenständen können
wir heute nicht anders als bei den zuerst genannten die Dampf¬
desinfektion in einer jeweilig geeigneten Form anwenden.
Doch muss als Grundregel gemerkt werden, dass die Objekte
stets durchgängig (porös) sein müssen, um eine sichere Tiefen¬
wirkung zu erzielen. Liegen diese Verhältnisse wie z. B. bei
Büchern verhältnismässig ungünstig, so muss sorgfältigst auf
möglichste Ausbreitung bezw. Darbietung nur dünner und
durchdringungsfähiger Blattlagen geachtet werden. 6 )
Stets handelt es sich bei den Dampfdesinfektionen,
mögen die Apparate nun festgelagert oder beweglich sein, in
erster Linie um die Erzeugung und Verwendung gesät¬
tigten, strömenden Wasserdampfes. Dieser tritt in den
eigentlichen Desinfektionsraum ein, verdrängt aus diesem und
den Poren des Desinfektionsgutes die Luft und übt, wohin er
dringt, seine keimvernichtende Wirkung aus. Diese letztere
erklärt sich aus R u b n e r s bekannten Feststellungen, dass
das Absterben der Mikroorganismen beim Desinfektionsvor¬
gang zurückzuführen ist auf eine Gerinnung des Zelleiweisses
4 ) Doerr und Raubitscheck: Ueber ein neues Desinfek¬
tionsverfahren mit Formalin auf kaltem Wege. Zentralbl. f. Bakt. f
1908, Bd. 45, S. 77.
5 ) Huber und Bickel: Formaldehyd-Kalkverfahren zur
Raumdesinfektion. Münch, med. Wochenschr., 1907, Bd. 54, S. 1783.
8 ) Dass auf diese Weise auch bei Büchern und Schriftstücken
sichere Erfolge zu erzielen sind, beweisen meine: Zeitschrift für Tu¬
berkulose, 1907, S. 497 ff. niedergelegten Versuchsergebnisse. Es
bleibt die Behandlung von Büchern und Schriftwerken im Vakuum-
Formalinapparat z. Z. immer noch die beste praktische Lösung dieser
technisch so schwierigen Frage. Tr.
3*
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236
MüencheneR Medizinische Wochenschrift.
No. s.
der Bakterien infolge hoher Wärmegrade bei genügendem
Wassergehalt. Daher auch die vordem geübte Anwendung
trockener, aber noch nicht verkohlender Hitze Sporen
gegenüber vielfach nicht zum Ziele führte.
Auch die Dampfdesinfektionsapparate haben sich im Laufe
der Jahre noch gewisse Abänderungen bezw. Verbesserungen
gefallen lassen müssen, so z. B. die Verlegung des Sprühdampf¬
rohres von unten nach oben, weil die kalte Luft, da sie spe¬
zifisch schwerer ist, als der sprühende Wasserdampf zweck¬
mässiger von oben nach unten aus dem Apparat und den Poren
hinausgetrieben wird. Auch findet man immer häufiger einen
mehr oder minder hohen Arbeitinnendruck, welcher eine
stärkere Bauart bedingt.
Aber auch heute noch scheiden wir zwischen Desinfektions¬
apparaten, die mit ungespanntem, strömenden, gesättigten
Dampf arbeiten und solchen, bei denen ein gewisser Ueber-
druck, und mit diesem, innerlich bedingt, eine höhere Wirkungs¬
temperatur erzeugt wird. Während erstere Apparate bei sorg¬
fältiger Bedienung und hinreichend langer Einwirkung gleich¬
falls durchaus ihre Pflicht tun, erreicht man mit den Druck¬
apparaten sein Ziel schneller und, wenn man so sagen darf,
noch gewisser.
Der Aufnahme des Desinfektionsgutes dient ein meist fahr¬
barer, mit verstellbaren Stockwerken ausgerüsteter Schlitten,
welcher auf der sog. „unreinen Seite“ mit den zu entkeimenden
Stücken beschickt und nach der Desinfektion auf der „reinen
Seite“ wieder entladen wird. Der wirsame Dampf strömt im
beschickten Apparat von oben durch ein Verteilungsrohr ein
und wird nach Ausnutzung unten abgeführt und über Dach ge¬
leitet. Den gleichen Abweg nimmt die kalte Luft.
Es gibt verschiedene zweckmässige Modelle von Dampf¬
desinfektionsapparaten. Ihren Bau im einzelnen kann ich hier
nicht berühren. Durchweg gelten als Arbeitsgesichtspunkte
die folgenden: An wärmen des Apparates, lockere Beschickung
mit Desinfektionsgut, Vorwärmen des Gutes, Austreiben der
Luft vermittelst Sprühdampfes, einfache Weitergabe des Sprüh¬
dampfes ohne Druckerzeugung oder unter Herstellen eines
Ueberdrucks, (diese Phase ist die wichtigste der ganzen
Handlung; man nennt sie die sogenannte wirksame Des¬
infektion!), Lüften, Entladen.
Sowohl bei Aufstellung eines Desinfektors wie in gewissen
Zeitabständen ist eine Prüfung seines Zustandes wie seiner
Wirksamkeit unerlässlich. Besonders auch ist darauf zu
achten, dass der Sprühdampf nicht überhitzt wird. Als Teste
der Prüfungen dienen an Fäden gleichmässig angetrocknete
Sporen von bestimmter Widerständigkeit gegen lOOgradigen
Wasserdampf (mindestens 3Min.uten, nicht mehr als lOMinuten),
die auf Abtötung (u. U. Schädigung) hin beobachtet werden,
ferner Maximal- und Schmelzthermometer verschiedener Bau¬
art und Gesichtspunkte, u. U. mit Klingelkontakt.
Bis vor wenigen Jahren noch wurde es vielfach als grosser
Mangel empfunden, dass gewisse Gegenstände wie: Leder-, 7 )
Pelz-, Feder-, Sammet- und Seidensachen, Schwämme, Tinten-
und Maschinenschriftstücke, Akten, Bücher 7 ) u. a. m. der ge¬
wöhnlichen Dampfdesinfetion nicht zugänglich waren, ohne
Schaden zu nehmen. Die rein chemischen Massnahmen aber
gestatten nur selten eine hinreichend sichere oder wenigstens
dabei doch schadlose Desinfektion. Feuchte heisse Luft
schliesslich tötet nur Wachsformen und raubt viel Zeit. In ge¬
wissen Fällen wird daher Material, das der Erhaltung noch
wert war, kurzerhand der Zerstörung preisgegeben worden
sein. In einer sicherlich weit grösseren Zahl von Fällen
dagegen werden Gegenstände, welche Infektionserreger trugen,
der wünschenswerten Entkeimung entzogen worden sein. Es
liegt auf der Hand, dass auf letztere Weise u. U. die mühsam
durch eine umsichtige laufende und abschliessende Desinfektion
erzielten Vorteile wieder aufs Spiel gesetzt werden und Quellen
für eine neue Ausbreitung der betreffenden Krankheit erhalten
bleiben.
7 ) Bei Ledersachen bleibt es i. a. Oberflächendesinfektion, es
kommt nach seinem Gewebebau aber auch eine Tiefenwirkung prak¬
tisch kaum in Frage. Ueber Bücher und Schriftwerke habe ich
mich bereits weiter oben und Fussnote °) ausgesprochen.
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Hier nun setzten Arbeiten von v. Esmarch 8 ) und dessen
Schüler Kokubo 9 ) ein. Sie sind es auch gewesen, welche
Kister und T rautmann 10 ), als vor rund 3 Jahren an das
Hamburger hygienische Institut die Notwendigkeit herantrat,
in der berührten Frage einen Ausweg zu finden, den Weg vor¬
zeichneten, auf welchem es in der Tat gelungen ist, eine ein¬
wandsfreie Lösung des Problems für die Praxis zu gewinnen.
Bereits seit langem war bekannt, dass die erwähnten
empfindlichen Stoffe feuchte Wärme von etwa 70 0 ohne
Beschädigung vertragen. Gewisse chemische Stoffe erhöhen
die Wirkung solchen Dampfes ungemein. Fehlte nur noch eine
recht ergiebig strömende Dampfquelle. Diese stellen
siedende Flüssigkeiten dar. Es wurde daher versucht,
eine für die Grosspraxis verwertbare Apparateanordnung
derart zu schaffen, dass sie das bekannte physikalische Gesetz,
wonach der Siedepunkt einer Flüssigkeit im bestimmten Ver¬
hältnisse mit der Abnahme des auf ihr lastenden Atmosphären¬
drucks sinkt, zur Wirkung kommen Hess. Dabei erwies sich
uns ein vom Hamburger Obermaschinisten, Herrn Millrath
vorgeschlagenes Modell zur Formaldehydwasserverdampfung
sehr brauchbar. Es war nunmehr mittelst eines Dampfstrahl¬
gebläses leicht, die Druckherabsetzung bezw. Evakuierung des
Desinfektionsapparates und des mit ihm durch Umschaltventil
in Verbindung zu setzenden Formalinwasserverdampfers
systematisch derart zu regeln, dass ein ganz bestimmtes, be¬
liebig sicher und gleich zu erhaltendes Verhältnis zwischen
Erhitzung der Desinfektionsflüssigekit und Druckveränderung
der Hohlräume hergestellt wurde. Die Flüssigkeit kann nun¬
mehr bei jeder gewünschten Temperatur (70, 75, 80°) sieden.
Hinsichtlich der Einzelheiten des Baues dieses sogen.
„Hamburger Apparates“, muss auf das verwiesen werden, was
in der Literatur über ihn bereits niedergelegt ist. Hier sei nur
kurz angedeutet, dass der Gang der Desinfektion wie folgt
abläuft: Mittelst eines leistungsfähigen Dampfstrahlgebläses
wird die Luft in dem Verdampfer und dem Desinfektionsapparat
selbst um etwa 500 mm Quecksilber verringert. Der Siede¬
punkt für eine derartig druckentlastete wässerige Flüssigkeit
liegt bei rund 72,5° C. Ein in den Verdampfer eingebautes,
leicht beherrschbares Heizrohr übernimmt die Vorwärmung
der Desinfektionsflüssigkeit. Nunmehr leitet ein weites Zufuhr¬
rohr den so erzeugten strömenden Formaldehydwasserdampf
von konstanter niedriger Temperatur in ähnlicher Weise in den
eigentlichen Desinfektionsapparat über, wie es bei den gewöhn¬
lichen Dampfdesinfektionen geschieht. Er findet in den Poren
des Gutes nur wenig „verunreinigende“ Luft vor, hat daher
starke Durchdringungskraft und erstaunliche Wirkung. Und
selbst die empfindlichsten Stücke, Edelpelze, Seiden, Bücher
mit feinstem Ledereinband, Goldschnittphotographien, Schmet¬
terlinge, ausgestopfte Tiere usw. verlassen den darart mit
strömendem Dampf arbeitenden Apparat immer wieder ohne
die geringste Veränderung.
Wie bei den neuen Formaldehydpräparaten muss ich auch
hier mitteilen, dass das Problem von verschiedenen Seiten
wieder angefasst worden ist. Obwohl uns an dieser Stelle
eigentlich nur seine für die Grosspraxis geeignete Lösung
interessiert, sei doch darauf hingewiesen, dass Mayer auf
R u b n e r s Veranlassung bereits vor v. Esmarch und
uns verwandte Laboratoriumsversuche angestellt hat. Diese
Arbeiten haben neuerlich in einem von Christian 11 ) be¬
schriebenen, sehr sinnreich ausgedachten Laboratoriums¬
apparat R u b n e r s einen weiteren Ausbau erfahren. Dieser
soll mit entsprechenden Aenderungen auch in die Praxis über¬
gehen.
8 ) v. Esmarch: Die Wirkung von Formalinwasserdämpfen
im Desinfektionsapparat. Hyg. Rundschau, 1902, Bd. XII, S. 961.
9 ) Kokubo: Dei kombinierte Wirkung chemischer Desinfek¬
tionsmittel und heisser Wasserdämpfe. Zentralbl. f. Bakt., I, 1902.
Bd. 32, S. 234.
10 ) Kister und Trautmann: Ueber Desinfektionsversuche
mit Formaldehydwasserdampf. Ges.-Ing., 1906, Bd. 29, S. 101 und
Trautmann: Ueber Infektion von Büchern und Schriftwerken und
ein aussichtsvolles Verfahren zu ihrer Desinfektion. Zeitschr. f. Tu¬
berkulose, 1907, Bd. 10, S. 497.
u ) Christian: Ein Universal-Dampfdesinfektionsapparat (Sy¬
stem Rubner). Hyg. Rundschau, 1907, Bd. 17, S. 835.
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2. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
237
Für unser unmittelbares Thema aber müssen von Interesse
sein Mitteilungen, die Hahn 12 ) über Versuche mit einem von
der Firma Gebrüder S c h m i d t - Weimar gelieferten Apparat
vor Jahresfrist gemacht hat. Leider kann man in den, seinem
Verfahren zu Grunde gelegten Arbeitsgesichtspunkten keinen
Fortschritt erblicken. Im Gegenteil! Die Bedeutung des
Vakuums, auf welchem der Erfolg des „Hamburger Apparates“
hauptsächlich beruht, wird von Hahn nur einseitig und unzu¬
länglich bewertet; er macht es nicht zur Erzeugung lebendiger,
treibender Kraft nutzbar. Vielmehr verharrt das zeitlich
spätere Schmidt-Hahn sehe System noch bei dem über¬
holten Einlass des, für das in Rede stehende Desinfektionsgut
so leicht verderblichen, hochtemperierten Dampfes (unter
Drosselung!) in den nur anfänglich luftverdünnten Raum.
Damit aber gefährdet diese Methode zugleich den wissen¬
schaftlich begründeten Desinfektionseffekt. Denn eine voll¬
kommene Entlüftung und Desinfektion der Poren des Gutes
ist nur möglich unter gleichzeitiger Saugwirkung bei stetig
nachströmendem Dampfe. Doch hiermit genug der Einzel¬
heiten!
Auch Christian 13 ), ein Mitarbeiter R u b n e r s kommt
in einer hinsichtlich praktischer Verhältnisse zwar manchmal
unzulänglichen, theoretisch aber sehr guten kritischen Be¬
sprechung der „Leistungsfähigkeit einiger neuzeitlicher Des¬
infektionsarten“ hinsichtlich der in Rede stehenden Verfahren
zu den Ergebnissen: „die Versuchsanordnung Hahns hat so¬
mit manche Nachteile“ und „der „Hamburger Apparat“ ist
vollkommen geeignet für die in Rede stehende Desinfektion“.
Da der Arzt, besonders der beamtete, vielfach in die Lage
kommt, bei einer Desinfektionsanlage Rat zu erteilen oder Ent¬
scheidung zu treffen, so schliesse ich mit der Bemerkung, dass
die Anfertigung von für das Hamburger Verfahren geeigneten
Apparaten auf Grund unserer, der Oeffentlichkeit übergebenen
Darlegungen jeder Fabrik möglich sein dürfte.
lieber die Stillung der Blutung aus der Art. cystica
durch Unterbindung der Art. hepatica propria.
Von Prof. Dr. Hans Kehr, Geh. Sanitätsrat in Halberstadt.
Im Jahre 1903 habe ich einen Kranken, der ein Aneu¬
rysma der Art. hepatica 1 ) bei sich trug, durch Unter¬
bindung der Art. hepatica propria geheilt. Noch heute erfreut
sich der Betreffende der besten Gesundheit. Soweit ich die
Literatur kenne, ist es bei diesem einzigen Fall von opera¬
tiver Heilung eines Aneurysma der Leberarterie geblieben.
Alessandri 2 ) traf bei einer Operation auf ein Aneurysma
der Art. hepatica, doch wurde die Unterbindung derselben
durch den Tod des Pat. vereitelt.
Im Sommer 1908 hatte ich Gelegenheit, wiederum die
Art. hepatica propria zu unterbinden, diesmal wegen einer
schweren Blutung aus der Art. cystica nach
einer Ektomie.
Der Fall, der auch sonst für den Praktiker genug Be¬
merkenswertes bietet, ist kurz folgender:
J. N., 36jährige Frau aus K. i. Thür. Aufgenommen: 25. V. 08.
Operiert: 29. V. 08. Hepatikusdrainage. Ektomie. Gallenblasen-
Duodenalfistel-Zerstörung. Entlassen: 17. VII. 08. East geheilt.
Anamnese: Grossmutter mütterlicherseits an „Gallenkrebs“
(Sektion gemacht) gestorben, Mutter an „Gallensteinileus“ gestorben;
ein Bruder an Gallen-Leberleiden gestorben. 2 Schwestern leiden
an „Gallensteinen“.
5 Partus, letzter Herbst 1906. 1901, vor 2. Partus im 8. Monat,
erstmalige plötzliche Kolik, Schmerz in der rechten Seite und Rücken,
dabei Leberanschwellung und Fieber. Dauernde Koliken bis nach er¬
folgtem Partus. Seitdem völliges Wohlbefinden bis
April 1907. Plötzliche Kolik, schwer, von 5tägiger Dauer. Abgang
eines „walnussgrossen“ Facettensteines. Dabei kein Ikterus! Karls¬
bader Kur zu Hause mit gutem Erfolge. Dezember 1907 Angina, dar-
**) Hahn: lieber Versuche mit einem neuen Vakuumdesinfek-
lionsapparat. Gesundheit-Ingenieur, 1907, Bd. 30, S. 581.
lJ ) C h r i s t i a n: lieber die Leistungsfähigkeit einiger neuzeit¬
licher Desinfektionsarten. Vierteljahrsschrift für gerichtliche Medizin,
19 ü 8, Bd. 35, dritte Folge. S. 140.
Münch, med. Wochenschr., 1903, No. 43.
*) Un caso di aneurisma dell' arteria epatica. (Jahresbericht
v on Hildebrand, 1905, pag. 915.)
auf Einsetzen leichter Koliken und dauernder Beklemmungsgeiühle.
Januar 1908 schwere Attacken, mehrmals täglich, meist Vz —1 Stunde
nach den Mahlzeiten; Dauer dieser Periode bis April. Seitdem Auf¬
treten von Schüttelfrösten, Fieber. Pat. brauchte viel Morphium.
Bettruhe. Anfang Mai 1908 erstmalig Ikterus; sofort intensives Fieber
bis 39,6°. Stuhl wechselnd, braun und acholisch. Viel Erbrechen,
völlige Appetitlosigkeit. Abmagerung. Leichte Obstipation. Jetzt
immerwährend Rückenschmerzen. Pat. kommt auf Anraten des Herrn
Geh. Rat Prof. Dr. Seydel-Jena hierher.
Befund: Mässiger Ikterus. Leber gesenkt. Druckempfind¬
lichkeit in der Gallenblasengegend. Urin enthält Gallenfarbstoff, sonst
frei.
Diagnose: Cholangitis, Stein im Ductus choledochus. Gal-
lenblasen-Darm-Fistel.
O p e r a t i o n 29. V. 08. Wellenschnitt. Leber gesenkt, derber
als normal. Gallenblase klein, geschrumpft, leer, am Hals
mit Duodenum verwachsen. Lösung. Es besteht eine Duo-
denal-Gallenblasen-Fistel. Verschluss des Lochs im Duodenum
mit feinen Seidensuturen. Choledochus sehr erweitert, ent¬
hält fast walnussgrossen Stein. Exzision. Hepatikusdrainage.
Pankreaskopf sehr hart. Das Operationsterrain ist durch Ver¬
wachsungen nach links hinüber und dem Subphrenium zu völlig ab¬
geschlossen. Nunmehr Ektomie. Dabei starke Blutung aus der
Art. cystica. Durch Anlegung von Klemmen ist die Blutung nicht
zu stillen. Pat. wird sehr schwach, es ist höchste Zeit, dass die
Blutung zum Stehen kommt. Mit dem Zeigefinger der linken Hand
gehe ich in das Foramen Winslowii ein und durchtrenne stumpf ober¬
halb des Lig. hepato-duodenale das Lig. hepato-gastneum. Mit einer
grossen, gutfassenden Magenklemme werden die Gebilde des Lig.
hepato-duodenale so komprimiert, dass die Blutung steht. Trotz
längerem Suchen ist das Lumen der Art. cystica nicht auffindbar,
deshalb Unterbindung der Art. hep. propria leber- und duodenal-
wärts (Fig. 1 u. 2). Zwischen beiden Suturen Durchtrennung. Um
das Hepatikusrohr 2 Tampons. Dauer der Operation 55 Minuten.
A. ktpolica Aorta ahdomia.
Fig. 2.
Verlauf: 30. V. Pat. ist klar und leidlich erholt. Galle läuft
wenig.
31. V. Gallenfluss etwas reichlicher. Geringe Blutung in den
Verband.
4. VI. Temperatur abends bis 38,0°. Gallenfluss sistiert.
7. VI. Grosse Herzschwäche. Enorme profuse Blutung aus den
Tampons und durch den Drainageschlauch in die Gallenflasche. Kollaps!
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
Entfernung von Tamponade und Drainage. Ausräumung massiger
Koagula und nekrotischer Leberfetzen (vom rechten Lappen).
Qelatineinjektion. Kochsalzinfusionen sehr reichlich.
9. VI. Blutung stand völlig. Grosse Ermattung, nur Milchdiät.
Galle wenig produziert.
11. VI. Ausspülung des Ductus hepaticus und choledochus.
Entfernung zahlreicher nekrotischer Leberfetzen.
16. VI. Stuhl erstmalig etwas gefärbt. Appetit wenig gebessert.
24. VI. Langsame Erholung. Pat. steht erstmalig auf. Stuhl
normal gefärbt. Wundtrichter frisch; alle Gewebsfetzen abgestossen.
10. VII. Es dringt Galle nur noch tropfenweise durch den fast
geschlossenen Wundkanal.
17. VII. Entlassung. Pat. sieht ausgezeichnet aus. Hat
12 Pfund zugenommen. Absolut normales Befinden. Kein Gallenfluss
mehr. Minimale Granulation.
Bis Mitte September 1908 fühlt sich Pat. glänzend, macht grosse
Touren und ist scheinbar ganz gesund. Allmählich Schmerzen am
mittleren Narbenteil, Fieber, Rötung der Haut, Vortreibung. Am
23. IX. spontaner Durchbruch eines grossen stinkenden Abszesses
nach aussen an der Stelle der alten Drainage und Tamponade.
Aufnahme in die Klinik: 24. IX. Aufnahmetemperatur
38,3°. Allgemeinbefinden gut. Grosser Wundtrichter. Im Eiter
schwache Spuren galliger Beimengung. Exkochleation, Tamponade.
13. X. Erweiterung der Wunde behufs guter Einführung eines
Drains. Wohlbefinden his 14. X. Schmerzen im Kreuz. Temperatur:
abends 38,8 °. Appetitlosigkeit.
15. X. Fortbestehende Rückenschmerzen. An Wunde nichts
nachzuweisen.
19. X. Fortbestehende hohe Temperaturen (bis 40° C). Objek¬
tiv nichts nachzuweisen. Pat. ist teilweise recht benommen.
23. X. Das Fieber besteht fort. Urin: Albumen 2 l A Prom.
Natrium salicylic. An Wunde nichts nachzuweisen. Temperatur:
40° C.
24. X. Temperatur ist normal.
26. X. Urin eiweissfrei.
28. X. Pat. steht auf.
2. XI. Fast geheilt entlassen. Pat. meldet Mitte Dezember 190S
ihre völlige Genesung.
Gewöhnlich macht die Unterbindung der Art. cystica bei
der Ektomie gar keine Schwierigkeiten. An einigen Fällen
konnte ich wegen der grossen Tiefe des Operationsfeldes um
die Bergmannsche Klemme keine Ligatur anlegen, und
musste die Klemme liegen lassen. Sie wurde mit reichlich
Gaze umwickelt und gewöhnlich am 6.—8. Tage entfernt.
Solche Fälle habe ich in meiner „Technik der Gallenstein¬
operationen“ mehrfach erwähnt.
In dem obigen Fall war die Zystika überhaupt nicht zu
fassen. Auch nachdem durch eine leicht federnde Magen¬
klemme die Gefässe des Lig. hepato-duodenale so komprimiert
wurden, dass die Blutung stand, konnte ich trotz eifrigen
Suchens das Gefäss, das sich wahrscheinlich sehr kontrahiert
hatte, nicht finden. Ich legte präparando die Art. hepatica
propria frei und zwar nach Abgabe der Art. gastrica dextra
und gastroduodenalis, führte um sie eine Aneurysmanadel und
unterband sie leber- und duodenalwärts. Zwischen beiden
Ligaturen erfolgte die Durchtrennug der Arterie.
Ich weiss sehr wohl, dass die Unterbindung der Art. he-
platica propria leicht zur Nekrose der Leber führen kann
und auch in meinem Fall sind nekrotische Vorgänge nicht aus¬
geblieben. Die Mitte Oktober auftretenden Temperatur¬
erhöhungen, mit Schüttelfrösten und Benommenheit einher¬
gehend, sind vielleicht auch auf nekrotische Vorgänge in der
Leber zurückzuführen.
Ueber die Unterbindung der Leberarterie hat Hans
Haber er sehr gute Untersuchungen angestellt. Er kommt
am Ende seiner Arbeit: Experimentelle Untersuchungen der
Leberarterie, Arch. f. klin. Chir., Bd. 78, S. 557, zu folgenden
Thesen:
1. Die Leberarterie darf beim Menschen in ihrem Haupt¬
stamm als Art. hepatica communis, ohne für die Ernährung der
Leber fürchten zu müssen, unterbunden werden.
2. Die Unterbindung der Art. hepatica propria vor Ab¬
gabe der Art. gastrica dextra wird wohl in der Regel die
Ernährung der Leber nicht gefährden-.
3. Die Unterbindung der Leberarterie jenseits der Ab¬
gabe der Art. gastrica dextra muss, wenn die Ligatur eine vor¬
her gesunde Arterie betraf, mehr minder hochgradige, eventuell
Totalnekrose der Leber befürchten lassen. Handelt es sich
aber um die Unterbindung einer hochgradig veränderten
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Leberarterie, so ist auch an diesem Punkte die Ligatur ge¬
stattet, weil man auf einen schon vorgebildeten Kollateral-
kreislauf rechnen kann.
4. Die Unterbindung eines Astes der Leberarterie zwecks
Blutsparung bei ausgedehnten Leberresektionen ist erlaubt,
hingegen die Unterbindung des Hauptstammes zu gleichem
Zwecke zu verwerfen.
Nach diesen Schlussfolgerungen von H a b e r e r wäre also,
wenn man einer Nekrose der Leber Vorbeugen will, die Unter¬
bindung der Art. hepatica communis richtiger gewesen wie
die der Art. hepatica propria. An die Arteria hepatica com¬
munis kommt man von dem von mir geübten Wellenschnitt
aus gut heran; dicht oberhalb der kleinen Kurvatur ist das Ge¬
fäss leicht erreichbar. Ich fand aber zwischen linkem und
rechtem Hypochondrium so dichte Verwachsungen, die sich
einerseits zwischen Leber und vorderer Bauchwand und
andererseits zwischen Leber und kleiner Kurvatur des Magens
ausdehnten, dass ich eine Beseitigung derselben — und ohne
eine solche wäre eine Freilegung der Arteria hepatica com¬
munis unmöglich gewesen! — der ohnedies sehr geschwächten
Patientin nicht zumuten wollte. Da die Verwachsungen weit
nach oben in das Subphrenium reichten und die Oberfläche
der Leber, soweit das Auge reichte, bedeckten, hätte ich bei
ihrer Beseitigung wahrscheinlich zahlreiche Kollaterale (Art.
phrenicae) zerstört, deren Erhaltung gerade bei der Unter¬
bindung der Art. hepatica propria von so grosser Wichtigkeit
ist. Zudem hatte ich bei der, wie gesagt, sehr geschwächten
Patientin keine Zeit zu verlieren. Die Art. hepatica propria war
in wenigen Minuten freigelegt, während eine Unterbindung der
Art. hepatica communis gewissermassen eine neue, zweite
Operation dargestellt hätte. Schliesslich wäre es noch sehr
fraglich gewesen, ob die Unterbindung der Art. hepatica com¬
munis die Blutung aus der Cystica wirklich gestillt hätte.
Hagerer hat gezeigt, dass bei der Unterbindung der Art.
hepatica communis sich ein Kollateralkreislauf in der Weise
einstellt, dass sich der Blutstrom in der Art. gastroduodenalis
und in der Art. gastrica dextra umkehrt und auf diese Weise
der Leberarterie das Blut zugeführt wird. Geschieht das
schon zu einer Zeit, wo die Cystica noch nicht durch
einen Thrombus geschlossen' war, so hätte eine recht böse
Nachblutung entstehen können und der Zweck der Operation
wäre nicht erreicht worden. Ausser der Art. hepatica com¬
munis aber noch besonders die Art. gastrica dextra und gastro¬
duodenalis zu unterbinden, hätte abgesehen von der nicht
leichten Technik eine Verlängerung der Operation bedeutet,
die bei der Schwäche der Patientin geradezu ein Kunstfehler
gewesen wäre.
Warum kam es nun in meinem Fall, obgleich doch eine
gesunde Leberarterie unterbunden wurde, zu keiner aus¬
gedehnten Nekrose der Leber? Entweder waren schon in den
Verwachsungen, die in sehr ausgedehntem Masse zwischen
linkem und rechtem Hypochondrium bestanden, Kollateralen
in genügender Menge vorhanden, oder es bestanden neben
der eigentlichen Art. hepatica propria Lebergefässe akzes¬
sorischer Natur, welche die Ernährung der Leber übernehmen
konnten. P. da Silva Rio Brarrco hat in der Presse
medicale, 1. Mai 1907 an der Hand von 20 Figuren die Ano¬
malien» der Art. hepatica beschrieben und uns belehrt, dass
neben der eigentlichen Leberarterie noch sehr zahlreiche
Nebenäste verlaufen», welche nach Unterbindung des Haupt¬
astes die Leber vor der Nekrose schützen. Auch H a b e r e r
macht auf das Vorhandensein von akzessorischen Gefässen
aufmerksam. „Es finden sich nämlich (beim Hunde) sehr
häufig starke arterielle Aeste, welche entweder aus der Art.
hepatica communis entspringen und hinter den Gebilden des
Lig. hepato-duodenale zur Leber ziehen, oder aus der Art
gastroduodenalis stammend, zur Leber gelangen.“ In solchen
Fällen wird die Unterbindung der Art. hepatica propria natür¬
lich die Blutung aus der Art. cystica stillen, die Ernährung der
Leber wird aber nicht in Frage gestellt.
Die Gallenabsonderung war in unserem Fall nach der
Operation recht mässig; ich bin aber mit Betz und Asp der
Meinung, dass die Unterbindung der Leberarterie auf die
Gallenproduktion ohne wesentlichen Einfluss ist. H e n 1 e ist
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2. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
239
entgegengesetzter Meinung. A s p wies aber nach, dass nach
Unterbindung der Leberarterie die Pfortader allein imstande
ist, die normale Gallensekretion zu unterhalten!
An dem Fall ist ausser der Unterbindung der Art. hepatica
propria noch mancherlei bemerkenswert:
1. die Familienanamnese: die Grossmutter hatte einen
Gallenblasenkrebs, die Mutter Gallensteinileus, 2 Schwestern
leiden an Gallensteinen. Diese Familiengallensteindiathese wäre
wohl geeignet, denen recht zu geben, die an eine Vererbung
der Gallensteine glauben. Indes ist das Gallensteinleiden eine
so häufige Krankheit, dass das gehäufte Vorkommen in be¬
stimmten Familien noch nichts auffallendes ist.
2. die im April 1903 erfolgte Perforation eines walnuss-
grossen Steines in den Darm. Bei der Operation fand man
noch die Fistel zwischen Hals der Gallenblase und Duodenum.
v. Bardeleben hat in der letzten Zeit empfohlen, statt
der Choledochusinzision und der Entfernung des Steines sich
mit einer Anastomose zwischen Gallenblase und Darm zu be¬
gnügen. In vielen Fällen — wie in diesem — hat die Natur
derartige Anastomosen ausgebildet; der Gallenblasenstein ist
abgegangen, aber der Choledochusstein blieb zurück. Trotz
gut funktionierender Gallenblasen-Darmfistel kam es doch zu
einer Infektion im Choledochus. Ich habe sehr viele solche
Naturheilungen gesehen, durch die der Kranke erst recht in«
die grösste Lebensgefahr kam, und ich bin nicht der Meinung,
dass man operativ solche Naturheilungen nachahmen soll.
3. Seit April 1908 entwickelte sich ein sehr schwerer Zu¬
stand, der auf eine Cholangitis hinwies, die Patientin aber so
herunterbrachte, dass auch an die Entwicklung eines Karzi¬
noms gedacht wurde.
Die chronische Infektion der Gallengänge macht den
Patienten sehr elend, dass er schliesslich wie ein Karzinom¬
kranker aussieht. Daher kommt es, dass viele Aerzte in
solchen Fällen von der Operation geradezu a b r a t e n. Das
ist aber sehr bedauerlich, da nur die Operation eine Heilung
herbeiführen kann. Der praktische Arzt sollte sich in solchen
Fällen auf folgenden Standpunkt stellen. Liegt wirklich ein
Karzinom vor, so kann die Operation eine radikale Heilung
nicht herbeiführen, doch ist es möglich (z. B. beim Pankreas¬
karzinom), durch eine Anastomose zwischen Gallenblase und
Intestinis eine erhebliche Linderung herbeizuführen. Findet
man also einen Stein resp. Cholangitis calculosa, so kann nur
durch eine Operation der tödliche Ausgang abgewandt werden.
Ich meine also, dass der Praktiker sich nichts vergibt, wenn
er in solchen Fällen den Rat eines in Leber- und Gallensystem¬
chirurgie erfahrenen Chirurgen einholt. Der chronische Ikterus
wird nach meiner Erfahrung noch viel zu selten chirurgisch
behandelt. Die Furcht vor den cholämischen Blutungen intra
und post operationem ist gewiss berechtigt, doch ist die Ope¬
ration die einzige Möglicheit, die drohende Cholämie zu be¬
seitigen. Die cholämischen Blutungen intra, und post operat.
werden durch Chlorkalzium (3 mal täglich 1,5 g per os oder
doppelt so viel per elysma) anscheinend sehr erheblich herab¬
gesetzt.
Die Diagnose wurde in dem Fall auf Grund der Anamnese
und des Untersuchungsbefundes auf Cholangitis, Choledochus¬
stein und Gallenblasen-Darmfistel gestellt.
So oft ich über Cholelithiasis geschrieben habe, habe ich
auf die Notwendigkeit spezieller Diagnosen hingewiesen. Es
genügt nicht die einfache Diagnose: Gallensteine; der Arzt
muss spezielle Diagnosen stellen. Wer genaue Anamnesen
aufnimmt und sorgfältig untersucht, lernt das auch. Patientin
hatte einen walnussgrossen Stein ohne Ikterus verloren. Das
deutete auf einen direkten Durchbruch von der Gallenblase
nach dem Darm zu hin. Die Operation hat diese Annahme
bestätigt. Die in den letzten Wochen auftretenden Temperatur¬
steigerungen (bis 39,6°) in Gesellschaft mit Ikterus und dem
bald braunen, bald ungefärbten Stuhlgang Hessen einen Stein
im Choledochus und Cholangitis vermuten. Auch das wurde
durch die Operation bestätigt
Nur wenn man spezielle Diagnosen stellt, wird man die
Gallensteinfälle herausfinden, die sich für eine Karlsbader Kur
oder für eine operative Behandlung eignen.
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Fälle, wie der mitgeteilte, gehören unter allen Umständen
dem Chirurgen. Ich freue mich übrigens, dass jetzt fast jeder
Arzt, der mir einen Gallensteinkranken überweist, in dem
Begleitschreiben sich über die pathologischen Veränderungen
ausspricht, die die vorzunehmende Operation wahrscheinlich
ergeben wird. So sind doch meine Bemührungen, die spezielle
Diagnostik der Cholelithiasis zu ihrem Recht zu verhelfen,
nicht ganz umsonst gewesen!
Dass bei der Cholangitis und der langdauernden Infektion
auch das Pankreas sich im Zustand chronischer
Entzündung befand, ist nicht auffallend. Ich bin damit be¬
schäftigt, die Befunde des Pankreas bei meinen Gallen¬
steinoperationen zu sichten und werde in einer
späteren Arbeit darüber ausführlich berichten. Ich will schon
jetzt mitteilen, dass ich bei meinen letzten 500 Gallenstein¬
laparotomien (900—1400 Operationen) in ca. 20 Proz. der Fälle
chronische Pankreatitis, in 1 Proz. akute Pankreasnekrose
vorfand. Im Jahre 1908 habe ich die Cammidgeprobe sehr
häufig in Anwendung gezogen, und positive Resultate in ca.
75 Proz. der Fälle gewonnen, so dass ich dieser Untersuchungs¬
methode eine grosse Bedeutung bei der Erkennung der Pan¬
kreaserkrankungen beimessen möchte.
Ich lasse jetzt in jedem Fall von Cholelithiasis die Cam¬
midgeprobe ausführen. Ergibt sie eine positiven Befund d. h.
lässt sie auf eine Beteiligung des Pankreas an der Entzündung
schliessen, so gebe ich, wenn nach einigen Wochen trotz Diät
etc. die Cammidgeprobe wiederum einen positiven Befund gibt,
den Rat zur Operation auch in den Fällen, bei denen augen¬
blicklich oder seit längerer Zeit das Stadium der Latenz
vorliegt. Es hat also im Hinblick auf komplizierende Pankreatitis
der alte Satz: „Latente Steine geben keine Indikation zur
Operation ab“ für mich keine Gültigkeit mehr. —
Ich bevorzuge auch dann, wenn das Pankreas erkrankt
ist, die Ektomie, weil durch die radikale Aushebung des
Bakteriennestes entzündliche Vorgänge im kranken Pankreas
am schnellsten resorbiert werden. Mayo Robson ist mehr
für die Cystostomie. Liegen Steine im Choledochus vor, so
führe ich die Hepatikusdrainage aus, die ich neurdings 3 ) mit
Gummi-T-Röhren vornehme. Besteht Pankreatitis ohne
Steine, so scheint mir die Cysto-Gastrotomie das beste Heil¬
verfahren.
Die Untersuchungsmethoden auf Pankreaserkrankungen sind
leider sehr umständlich, so dass der praktische Arzt sich kaum
mit ihnen befassen kann und vorläufig die Diagnostik und
Therapie der Pankreaserkrankungen noch die Domäne des
Spezialarztes für Magen- und Darmkranke bleiben wird.
Der Fall beweist, dass auch ein durch lange Krankheit
sehr geschwächter Organismus (Ikterus, Schüttelfröste) neben
einer Ektomie und Hepatikusdrainage die Unterbindung der Art.
hepatica propria vertragen kann, ohne dass es zu aus¬
gedehnten Nekrosen in der Leber kommen muss.
Im äussersten Notfall wird man also die Art. hepatica pro¬
pria unterbinden dürfen, wenn durch eine unstillbare Blutung
aus der Art. cystica (oder der hepatica selbst) das Leben des
Pat. auf dem Spiele steht.
Aus der medizinischen Klinik in Bonn (Direktor Geheimrat
Schultze).
Ueber die Wirkung des Kreosotpräparates Pneumin
bei Tuberkulose.
Von Dr. E s c h b a u m, Assistenzarzt.
Das uns von der chemischen Fabrik Dr. S p e i e r und
von Karger in Berlin auf unsere Veranlassung zu thera¬
peutischen Versuchen zur Verfügung gestellte Pneumin ist ein
gelb-weises, geruchloses Pulver, das chemisch dargestellt
wird durch Einwirkung von Formaldehyd auf Kreosot.
Obwohl die medikamentöse Behandlung der Tuberkulose
gegenüber der physikalisch-diätetischen vollkommen in den
Hintergund tritt, so haben wir doch das Mittel einer Prüfung
unterzogen, da bisher über dieses Medikament im wesentlichen
3 ) Zentralbl. f. Chir. 1909, No. 1.
Original from
UNiVERSITV OF CALIFORNIA
240
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
günstige Resultate berichtet wurden und zumal durch die Ver¬
suche von Jakobson die Ungiftigkeit des Pneumins durch
Tierversuche nachgewiesen war.
Günstige Berichte über die Wirkung des Pneumin finden
wir u. a. mitgeteilt von Dr. C r o n e r aus der medizinischen
Poliklinik zu Berlin [Prof. Senator] 1 ) und von Dr. Sigel
aus dem Augustahospital zu Berlin [Prof. E w a 1 d] 2 ).
Ersterer hat das Pneumin bei 200 Tuberkulösen angewandt
und gefunden, dass wir in diesem Präparate ein brauchbares
Kreosotmittel besitzen. Auch hat man durch Stoffwechselver¬
suche an Tieren, die in der experimentell-biologischen Ab¬
teilung des pathologischen Instituts zu Berlin von Bickel und
Pincussohn 3 ) angestellt wurden, angeblich gefunden, dass
das Pneumin ein starkes Darmdesinfiziens darstellen soll.
Der Hauptbestandteil unseres Mittels, das Kreosot, spielt
schon seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts eine grosse
Rolle in der Behandlung der Tuberkulose und wurde besonders
auf die Empfehlungen Sommerbrodtshin sogar in grossen
Dosen bis zu 4 g pro die verabreicht. Nur in symptomatischer
Beziehung kann man von. Erfolgen des Kreosots sprechen,
indem bei seiner Anwendung in vielen Fällen der Appetit ge¬
hoben und hindurch der Allgemeinzustand gekräftigt wird.
Das Kreosot kam jedoch bei den meisten Aerzten wieder in
Misskredit wegen verschiedener unerwünschter Nebenwir¬
kungen, so vor allem wegen seines üblen Geschmackes, ferner
wegen seiner zuweilen den Appetit herabsetzenden Eigen¬
schaften.
Aus diesen Gründen war es berechtigt, nach einem anderen
Kreosotpräparate zu suchen, das zwar ebenso wirksam wie
das Kreosot ist, ohne mit ihm die unangenehmen Neben¬
erscheinungen zu teilen.
Eines der vielen angegebenen Kreosotpräparate, das
diesen Anforderungen am nächsten kommt, stellt das Pneu¬
min dar.
Was die Darreichung des Pneumins angeht, so wurde es
in der Dosis von 1,0 3 mal am Tage V* Stunde vor dem Essen
gegeben oder als Schachtelpulver messerspitzenweise ver¬
ordnet. Am einfachsten schütten sich die Kranken das Pulver,
da es fast ganz geschmacklos ist, auf die Zunge und spülen es
mit einem Schluck Wasser hinunter.
Wir verabreichten das Mittel in 16 Fällen von Lungen¬
tuberkulose, die zum Teil mit Beteiligung des Kehlkopfes und
des Darmes einhergingen und haben der besseren Uebersicht
wegen die Resultate in der nachstehenden Tabelle kurz zu-
sammengestellt.
(Siehe nebenstehende Tabelle.)
Wir sehen also, dass der Hauptwert in der appetitanregen¬
den Wirkung des Mittels liegt. Von den 16 Fällen hatten wir
11 mal in dieser Richtung vollen Erfolg zu verzeichnen und
nur bei 5 Kranken versagte das Mittel, Kranke, bei denen
auch die Stomachika wie die Bittermittel, sowie Orexin im
Stiche Hessen. Durch den gehobenen Appetit und die hier¬
durch bedingte grössere Nahrungsaufnahme trat dann* auch
eine Kräftigung des Allgemeinzustandes ein, die dann in den
meisten Fällen noch zunahm durch die Ruhe und die übrigen
physikalisch-diätetischen Heilfaktoren.
Einen nachweisbaren Einfluss auf den objektiven Befund,
welcher der Pneumindarreichung zugeschrieben werden
könnte, haben wir nicht gesehen.
Ganz ohne Einfluss blieb die Verabreichung des Pneumins
auf den Husten, den Auswurf, das Fieber und die Nacht-
schweisse,; ebensowenig hatte es bei den durch tuberkulöse
Darmgeschwüre hervorgerufenen Durchfällen einen merklichen
Einfluss. In zwei Fällen rief es anscheinend sogar stärkere
Durchfälle hervor, so dass wir von der Darreichung des Mittels
bei Enteritis tuberculosa abraten müssen. Weiterhin möchten
wir auch bei Kranken mit Hyperazidität die Anwendung des
Pneumins nicht empfehlen, da wir hierbei verschiedenemale
eine erhebliche Steigerung der Schmerzen beobachtet haben,
4 ) Berl. klin.-therap. Wochenschr. 1904, No. 49.
2 ) Berl. klin. Wochenschr. 1904, No. 1.
s ) Berl. klin. Wochenschr. 1906, No. 17.
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— - -
i 1 1
Indi-
1 w Niich 1 Neben- ! „
Personen
Krankheit
*2 || welcher , . 1 Sonstureg
kation
w £ || Zeit , erscheinungen ,
1 1 ! :
1.
A. S.,
Phthisis pulm
Appetit-
+
am
keine
wird gern»
Ackerer,
progr.
losigk.
2. Tag
genommen
41 J.
2.
J. M.,
Phthisis pulm.
geringes
Kommis,
et laryngis
Kratzen im
25 J.
Hals
M. 3 G„
Bronchitis diff.
• n
4
am
am 3. Tage
Schmied,
tub. ? -f- Hyper-
2. Tag
Kennte Maaren-
28 J.
azidität
beschwerden
4.
L. H.,
Phthisis pulm.
+
am
keine
wird gern* 1
Lautbursche
Pleuritis sicca
2. Tag
genommen
21 J.
5.
L N.,
Cystitis tuberc.
anfangs 4-
am
keine
.
Briefträger,
bo j:
6.
J. R.,
Urogenital¬
tuberkulose
später ?
1. Tag
Phthisis pulm
anfangs -f-
am
keine
„
Hausierer,
progr.
später
4. Tag
37 J.
7
massig
A. H.,
Phthisis pulm
4
sofort
keine
n
Invalide,
diffusa
60 J.
8.
G. I,,
Phthisis pulm.
*
4
sofort
keine
wird gerne
Arbeiter,
111. Stad.
anhaltend
genommen,
31 J.
alle Storna-
chica ver-
9.
M. K,
sagen
Pleuritis exsud.
zuerst ?
.
Schlechter Ge¬
verweigert
Schreiber,
j Phthisis pulm.
: dann —
schmack u. Ge¬
die weitere
24 J.
ruch. DurchfäUe
Einnahme
d. Pulvers
10.
i
j
F. S. f
I Phthisis pulm.
— !
Starke Magen¬
auch später
Ackerer,
Hyperazidität.
schmerzen
traten ohne
55 J.
Pulver Ma-
genbeschir.
I
|
auf
11.
P. H.,
Asthma bronch
+
am
keine
gerne ge¬
Bäcker,
34 J.
12.
iPhthisis pulm.?
l.Tag
nommen
N. K,
Phthisis plum.
+
sofort
anfangs keine,
Lind wirt,
et intest.
später zunehm.
26 J.
Durchfälle
13.
i
i
F. N,
Phthisis
—
.
keine
wünscht
Invalide,
laryngis
selbst Aus¬
50 J.
Nephritis
setzen ihr
chron.
1
Pulver
14.
l
j
G. Z.,
1 Phthisis pulm.
m
+
sofort
keine
gerne
Erdarbeiter
genommen
60 J.
15.
0. D.,
Phthisis pulm.
4
nach 2
keine
.
Monteur,
et Pleuritis
später ?
Tagen
23 J.
sicca
16.
!
H. V.,
i Phthisis pulm.
—
keine
.
Wirt,
progr.
29 J. I | | !
die prompt nachliessen, sobald das Mittel ausgeset;:t wurde.
Eine Aenderung des Salzsäuregehalts nach Darreich ing eines
Probefrühstücks und vorheriger Verabreichung von Pneumin
konnten wir in drei daraufhin untersuchten Fällen rieht fest¬
stellen.
Sonstige unangenehme oder sogar schädlich» Neben¬
wirkungen sahen wir bei der Pneumintherapie nicht, vor allem
nicht die sonst bei der Kreosotbehandlung oft vorkorinnenden
Belästigungen der Kranken, wie den üblen GeschmacI, Geruch,
Original ffom
UNIVERSITÄT OF CALIFORNIA
2 . Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
241
Brennen im Hals, Aufstossen oder gar Vergiftungserschei¬
nungen (Schweiss, Gastroenteritis u. dergl.).
Aus diesen Gründen, vor allem wegen der Appetit¬
anregung, der Geschmacklosigkeit und dem Fehlen von Neben¬
wirkungen wurde das Mittel von den Kranken fast durchweg
gerne genommen und kann auch infolge seines niederen Preises
(1 g = 8 Pf.) und seiner bequemen Verordnungsweise als
Schachtelpulver zur weiteren Anwendung empfohlen werden.
Aus der Marburger medizinischen Klinik (Prof. L. Brauer).
Zur Arsentherapie mit der DQrkheimer Maxquelle.
Von Privatdozent Dr. R. von den Velden.
Mit dem Arsen geht es wie mit einer ganzen Zahl anderer
medikamentöser Mittel. Die klinischen Erfahrungen und die
Volksmedizin hat es als eines unserer besten und wirksamsten
„Zellmittel“ erkannt und ihm ein ausgedehntes Indikations¬
gebiet zugewiesen, während uns die wissenschaftliche For¬
schung über das „Wie“ und „Warum“ der Arsenwirkung noch
manche Frage schuldig bleibt. Wir sind wohl darüber orien¬
tiert, an welchen Organen vorwiegend sich bei Arsenvergiftung
die toxische Wirkung dokumentiert; man hat die schweren
hämorrhagischen Veränderungen und Zellnekrosen an Leber,
Nieren und Magen- und Darmkanal studiert. Die lähmende
Wirkung auf den Kreislauf, die Herabsetzung der Körper¬
temperatur u. a. m. sind bekannt. All diesen Symptomen, ge¬
wonnen durch toxische Dosen oder im akuten Experiment,
fehlt jedoch die gemeinsame Basis zur Erklärung. Das, was
wir klinisch erreichen mit einer chronischen Arsentherapie,
wie sie uns die Empirie diktiert, also eine Besserung des Blut¬
bildes, vorwiegend im Sinne einer Vermehrung der Erythro¬
zyten, eine Hebung des Knochenlängenwachstums, eine Zu¬
nahme des Körpergewichtes unter Fettansatz, ein Zurückgehen
bestimmter neoplastischer Zellkomplexe, das alles lässt sich
in gemeinsamer Weise nur erklären, wenn wir dem Arsen
eine stimulierende Wirkung supponieren, eine Reizwirkung, die
es entweder selber oder in „katalytischer“ Form hervorruft,
eine Reizwirkung, die unter Umständen in eine hemmende,
lähmende, zerstörende übergehen kann, wie uns vor allem die
Erfahrung der Arsenwirkung auf Protozoen lehrt. Neuerdings
scheint man geneigt zu sein, die Arsenwirkung so aufzufassen,
dass es sich bei therapeutischen Dosen um eine „Katalysator¬
wirkung“ handelt; nur sind die Meinungen geteilt, wie die
Katalysatorwirkung näher zu präzisieren ist. Während die
einen glauben, dass das Arsen durch Erweiterung der Kapillar-
gefässgebiete, also durch vermehrte Zufuhr von Ernährungs¬
material, einen formativen Reiz auf bestimmte Gewebe aus¬
üben könne (S c h m i e d e b e r g), sehen andere den Effekt in
einer Mobilisierung von „atomistischem Sauerstoff“, der bei der
dauernden Umwandlung von arseniger Säure zu Arsensäure
und umgekehrt, ebenso in vivo, wie bei Gegenwart von Organ¬
breien, in vitro, eintritt (B i n z). Schliesslich soll das Arsen
nach neueren Untersuchungen über Autolyse bei Arsenzusatz
einen deutlich hemmenden katalytischen Effekt auf die auto¬
lytischen Fermente in ihrer ersten Phase ausüben.
Bewegen sich diese ganzen Erklärungen noch teilweise
auf dem Boden der Hypothese, so ist es andererseits der Klinik
gelungen, ihre nicht leugbaren Resultate in genauen Blut¬
untersuchungen und im Stoffwechselversuch mit exakten
Zahlen zu belegen. Sind erstere schon länger bekannt und
anerkannt, so haben nach zahlreichen früheren, nicht einwands¬
freien und eindeutigen Stoffwechselversuchen an Tier- und
Menschen Untersuchungen der Noorden sehen (Hen i u s)
und C1 o e 11 a sehen (C a r d e 11 i) Schule uns eindeutige
Resultate gebracht. Wir finden eine Eiweisseinsparung und
eine Zunahme des Fettgehaltes, dabei, wie aus dem respi¬
ratorischen Quotient zu ersehen ist, keine verminderte
Oxydationsenergie der Zellen, wie man sie früher immer
annahm.
In den letzten Jahren ist man nun, geleitet von dem
Wunsche, grössere Arsendosen in ungiftiger Form einzuführen,
von der üblichen alten Medikation der arsenigen Säure in
Pillen oder F o w 1 e r scher Lösung mehr und mehr abge¬
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gangen und hat sich den neuen organischen Arsenpräparaten
zugewandt. Diesem gepriesenen Vorteil der grösseren Un-.
giftigkeit steht jedoch entgegen eine gewisse Unsicherheit der
Wirkung, die ihre Erklärung dadurch findet, dass eben zum
Freimachen der wirksamen Arsensäure erst die Hilfe des
Organismus in Anspruch genommen werden muss, die eine
variable Grösse darstellt (S c h m i e d e b e r g). Geringere
Wirksamkeit auf der einen Seite und plötzliche Vergiftungen
andererseits haben den Gebrauch dieser Arsenpräparate bei
der klinischen Arsentherapie eingeschränkt und wieder mehr
zu der alten Medikation geführt. Hierzu stehen uns vor allem
auch die Arsen quellen zur Verfügung, die eine nicht nur
angenehme, sondern auch sehr genau abstufbare Form der
Arsendarreichung gestatten. Von solchen Arsenquellen waren
bisher nur wenige im Gebrauch. Es war das Eisensulfatwasser
von Roncegno in Südtirol, die Stark- und Schwachquelle von
Levico-Vetriolo und die Eisenbikarbonatquelle von Val Sine-
stra, einem kleinen Nebental des unteren Engadin. Eine ganze
Anzahl südfranzösischer, wie italienischer und auch deutscher
Bäder enthalten desgleichen geringe Spuren arseniger Säure,
die jedoch zur Erzielung einer Arsenwirkung nicht hinreichen.
Nun ist neuerdings mitten in Deutschland eine Arsenquelle
entdeckt worden, deren Gehalt an AsaOa nur hinter Roncegno
zurücksteht und die nach ihrer ganzen Zusammensetzung als
ein warmer erdmuriatischer Kochsalzsäuer¬
ling bezeichnet werden muss. Es handelt sich um die sogen.
Maxquelle in Dürkheim (Pfalz), deren Arsengehalt nach den
Untersuchungen von Prof. R u p p-Karlsruhe und Privat¬
dozent E b 1 e r - Heidelberg 17,4 mg AszOa im Liter beträgt.
Es handelt sich hier also um eine äusserst starke arsenhaltige
Quelle, deren Arsengehalt bisher in ihren noch aus den* 50 er
Jahren des vorigen Jahrhunderts stammenden Analysen nicht
figurierte, deren typische Arsenwirkung jedoch aus der
schlechten Bekömmlichkeit des Wassers, wenn es in grösseren
Mengen unverdünnt genossen wurde, erhellt; es ist so und
so oft nach älteren Beschreibungen zu Arsenvergiftungen ge¬
kommen, die damals auf eine zu „starke Konzentration der
Solebestandteile“ bezogen wurden und den Gebrauch der
Maxquelle beschränkten.
Nachdem in den letzten Jahren durch mehrfache Analysen
die Konstanz der Quellenkomponenten und namentlich der Ge¬
halt an arseniger Säure festgestellt war, musste die Bekömm¬
lichkeit, Wirkung und Dosierung dieser neuen Arsenquelle
klinisch festgelegt werden. Es ist dies im Verlauf eines Jahres
an der Marburger medizinischen Klinik geschehen und zwar
genügten der klinischen Prüfung vollständig zwei Momente
als Stigmata einer guten Arsenwirkung, die Zunahme des
Körpergewichtes und die Aenderung des Blut¬
bildes.
Es ist mit der Dürkheimer Arsenquelle an insgesamt
37 Patienten eine Trinkkur mit der Maxquelle vorgenommen
worden und zwar handelte es sich in der Mehrzahl der Fälle
(23) um anämische Individuen, Chlorose und vorwiegend um
mittelschwere und leichtere Formen sekundärer Anämie, bei
dem Rest der Patienten um nervöse Beschwerden rein funk¬
tioneller Natur im Gebiete des Magen-Darmkanals, des Kreis¬
laufs, mit oder ohne anämische und atrophische Erscheinungen,
besonders beim weiblichen Geschlecht, häufig im Anschluss
oder kombiniert mit Störungen in der Sexualsphäre.
Die Verabreichung erfolgte nach dem bei jeder klinischen
Arsenkur herrschenden Prinzip, indem in 10—14 Tagen
schneller oder langsamer auf ein individuell verschiedenes
‘Maximalniveau gestiegen wurde, auf dem der Patient dann
ca. 14 Tage verblieb, um wiederum in 2 Wochen gradatim
zum Anfangswert zurückzukehren_. Im allgemeinen hielt ich
mich dabei an das Schema, dass ich, beginnend mit 50 ccm
Maxquelle am ersten Tag pro Tag um 25 ccm stieg, so dass
ich am 11. Tage auf 300 ccm angekommen war. Diese Dosis
wurde, in drei einzelne Raten über den Tag verteilt, in deiy
vollen Magen gegeben. Dabei erhielt der Patient am ersten
Tage 0,87 mg AssOa und am 11. Tage 5,22 mg. Verschiedene
Male wurde in der Dosis noch weiter gestiegen; zweimal gab
ich auf der Höhe der Kur versuchsweise 1 Liter pro Tag
— 17,4 mg, in 5 Raten am l ag verteilt. Es ist selbstverständ-
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
242
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
lieh von vielerlei Faktoren abhängig, wie schnell und bis zu
welchem Maximalwert man steigen will und kann, es lässt sich
darüber keine genaue Vorschrift geben, nur würde ich auf der
Höhe der Kur einen Liter pro die nicht überschreiten, da sich
dann unter Umständen leicht Beschwerden von seiten des
Magen-Darmkanales einstellen können, die ich sonst bei den
völlig genügenden kleineren Dosen von 3 mal 100 ccm pro die
kaum zu beobachten Gelegenheit hatte. Bei den nach diesem
Prinzip durchgeführten Trinkkuren, die von allen Patienten
ohne nennenswerte subjektive und objektive Störung vertragen
wurden, konnten wir die typische Arsenwirkung einsetzen
sehen und als Paradigmata des eben Angeführten möchte ich
nur folgende Fälle herausgreifen:
1. XXIII. 16 Jahre. Orthot. Album. Anämie. Pubertätsherz.
Hgl. 65 Proz. R. Bl. 3,6 Mill. Blutbild zeigt geringe Hyperleuko¬
zytose. 34 kg. Bekommt neben gewöhnlicher Kost und Baldrian¬
tinktur Maxquelle bis 3 mal 200 ccm. Behandlungsdauer 5 Wochen,
bei der Entlassung 36,5 kg. 80 Proz. Hgl. 4,1 Millionen R. Bl. Die
nervösen Beschwerden von Seiten des Kreislaufes sind fast ganz ver¬
schwunden.
2. XVI. 21 Jahre. Inzipiente Phthise. Fieberlos. Atrophie.
Sekundäre Anämie. Hgl. 60 Proz. Blutbild nicht verändert.
3,3 Millionen R. Bl., 47 kg. Grosse allgemeine Schwäche, Appetit¬
losigkeit. Freiluftliegekur. Stomachika. Maxquelle, bis zu 3 mal
100 ccm. Dauer 5 Wochen. Bei der Entlassung 85 Proz. Hgl., 4 Mil¬
lionen R. Bl., 50 kg Körpergewicht, Appetit bedeutend gebessert.
Trinkkur sehr gut vertragen, Allgemeinbefinden sichtlich gehoben.
3. XXXI. 34 Jahre. Subchron. Polyarthritis mit starker allge¬
meiner Mazies und sekundärer Anämie. Körpergewicht 49 kg. 70
Proz. Hgl. Blutbild geringe neutrophile Hyperleukozytose. Max¬
quelle bis 3mal 100 ccm, 6 Wochen lang, sonst nur Fangopackungen
und Jodkali, zeitweise Magen-Darmbeschwerden. Gewichtszunahme
5 kg. 80 Proz. Hgl.
Bei allen Patienten, anämischen wie nervösen, war bis
auf fünf der Erfolg ein absolut gleichsinniger, d. h. es trat eine
Besserung des Körpergewichtes um mindestens 1K kg ein,
eine Hebung des Allgemeinbefindens und bei den Fällen mit
pathologischem Blutbild eine Erhöhung des Hämoglobingehaltes
und Vermehrung der Erythrozyten. Diese Kriterien dürften
genügen, um den Eintritt der Arsenwirkung zu dokumentieren,
wie er ja eigentlich auch nicht anders zu erwarten war.
Die weitere Frage, ob diese Form der Arsenmedikation
und vor allem die Verabreichung der Dürkheimer Quelle Vor¬
teile gegenüber anderen Arsendarreichungen, respektive den
anderen Quellen bietet, möchte ich noch dahin beantworten,
dass, wie auch v. Noorden un*d H e n i u s betonen, die
Arsenwassermedikation den Patienten eine äusserst angenehme
ist, die bei richtiger Anwendung eigentlich kaum Beschwerden
verursacht; was die Maxquelle speziell betrifft, so sehe ich
einen grossen Vorteil in der geringen Beimischung von Eisen¬
salzen, wodurch die Quelle bedeutend bekömmlicher ist. Eine
des öfteren beobachtete Nebenwirkung der Maxquelle möchte
ich noch ganz besonders hervorheben, da sie eine nicht uner¬
wünschte Nebenwirkung darstellt. Ich meine damit den ge¬
ringen abführenden Effekt, der nicht auf Arsenintoxikationen zu
beziehen, sondern der Beimischung verschiedener salinischer
Momente zuzuschreiben ist.
Zusammengefasst ergibt sich also aus der klini¬
schen Prüfung der Maxquelle, dass sie, in der oben skizzierten
Form gegeben, gut bekömmlich ist, die typische Arsenwirkung
im Organismus entfaltet und nebenbei eine nicht unerwünschte
schwach abführende Wirkung auf den Darm ausüben kann.
Damit erfüllen sich alle Forderungen, die wir an eine Arsen¬
quelle stellen und es bleibt weiteren Untersuchungen Vor¬
behalten, wie sich Hauterkrankungen, Skrofulöse, Rachitis usw,
durch dieses Arsenwasser beeinflussen lassen.
Aus der Universitäts-Augenklinik in Leipzig.
Ueber die Anwendung von Scharlachrot bei Augen-
affektionen.
Von Dr. M. W o 1 f r u m und Dr. R. Cord s.
Seitdem Fischer [l] durch Injektionen von Scharlachrot
in der Haut des Kaninchenohres umfangreiche Wucherungen
an Epithel und Bindegewebe erzielt hat, hat es nicht an Ver¬
suchen gefehlt, die Wirkungsweise dieser Substanz auch an
anderen Körperteilen zu erproben. So haben Schreiber
und W e n g 1 e r |2],sowie W e s s e l*y [3] Experimente am Auge
vorgenommen. Während dieser durch subkonjunktivale In¬
jektionen Wucherungen des Epithels und des Bindegewebes der
Conjunctiva bulbi et tarsi erzielte, konnten jene durch intra¬
okulare Anwendung des Scharlachrots Wucherung und Teilung
der retinalen Ganglienzellen beobachten. Immer zeigte sich,
dass der durch die Injektionen gesetzte Anreiz auf die Gewebe
ein begrenzter wer, und nie kam es zu einer schrankenlosen
Wucherung der Gewebe und Bildung von malignen Tumoren.
Ja unter Umständen übte das Scharlachrot, wie die Versuche
von Werner [4] ergeben, sogar eine wachstumshemmende
Wirkung auf Tumoren aus.
Es lag nahe, die theoretisch so interessante Wirkungsart
des Scharlachrots auch therapeutisch zu verwerten, da ja mit
der Anwendung eine Gefahr für den betreffenden Patienten
nicht verbunden war. Dies ist von chirurgischer Seite auf
eine Anregung von F i s c h e r hin auch bereits geschehen, und
von den betreffenden Autoren(S c h m i ed e n[5],K a e h 1 e r[6],
K r a i c a [7]) wird die Wirkung einer Scharlachrotsalbe auf -die
Epithelisierung und Vernarbung granulierender Flächen in
hohem Masse gerühmt.
Wir versuchten deshalb auch bei Augenaffektionen das
Scharlachrot therapeutisch in Anwendung zu bringen. Wir
verwendeten eine 5 proz. Salbe, die in der vorgeschriebenen
Weise hergestellt war. Das Scharlachrot w urde in Chloroform
gelöst und nach Abdampfen desselben mit der entsprechenden
Menge Vaseline verrieben.
Zunächst überzeugten wir uns durch einige Vorversuche
am Kaninchenauge von der Unschädlichkeit der Salbe bei einer
solchen Anwendungsweise. Ebenso fand sich am Menschen¬
auge ausser einer noch 2—3 Tage nach der letzten Verab¬
reichung anhaltenden Rotfärbung vor allem der Lidränder
keinerlei Veränderung an normalem Gewebe.
Irgendwelche antiseptische Eigenschaften auf bestehende
infektiöse Prozesse konnten wir nicht feststellen.
Dagegen zeigte es sich, dass die Anwendung der Salbe von
Vorteil war, wenn es sich um eine Reparation von Substanz¬
verlusten der Hornhaut handelte, sei es nun, dass dieselben
durch Verletzungen oder durch geschwürige Prozesse ent¬
standen waren. Es machte dabei entschieden den Eindruck,
als ob eine raschere Regeneration der Gewebe erfolge. Ein
Vorteil schien gegenüber den anderen Behandlungsmethoden
vor allem dann vorzuliegen, wenn die Hornhaut durch aus¬
gedehntere geschwürige Prozesse in den oberflächlichen
Schichten eingeschmolzen und dadurch erheblich verdünnt war.
Eine möglichst schnelle Neubildung von Gewebe ist in solchen
Fällen wünschenswert, weil durch die dauernde Einwirkung
des intraokularen Drucks die verdünnten Partien leicht ektatisch
w erden. So sahen wir sehr günstige Resultate mit der Salbe,
wenn wir sie bei Ulcus serpens nach Aufhören der Progres¬
sion anwandten. In einem Falle von schon längere Zeit be¬
stehender Hornhautfistel kam es zu einem auffallend schnellen
Verschlüsse. Auch bei Substanzverlusten durch Keratitis
neuroparalytica tat die Salbe gute Dienste.
Allerdings machte es manchmal den Eindruck, als ob sich
nach öfterer Applikation ein Ueberschuss von Gewebe bildete.
So zeigte sich bei einer Hornhautfistel nach Anwendung der
Salbe eine knopfförmige Anschwellung von Gewebe mitten auf
der Fistel. Jedoch bildeten sich derartige Wucherungen bald
wieder zurück.
Bei oberflächlichen Substanzverlusten machte sich bald
nach Anwendung der Salbe im Bereiche des Defektes eine
leichte, opake Trübung bemerkbar, die sich sonst nicht ein¬
stellte. Diese Trübung ging indes schnell und vollständig
zurück und ist wohl nur als ein Ausdruck der schneller vor sich
gehenden Gewebsneubildung anzusehen.
Diese Mitteilung trägt nur einen vorläufigen Charakter, da
der eine von uns noch mit experimentellen Versuchen über
die Wirkungsweise des Scharlachrots auf Hornhautdelekte und
-geschwriire beschäftigt ist. Wir betrachten unsere klinischen
Erfahrungen keineswegs als endgültige, sondern wir haben
sie nur mitgeteilt, um damit die therapeutische Verwendung des
Scharlachrots in umfangreicherer Weise zu veranlassen und
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2. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
243
damit auf breiterer Basis Normen für ihre Anwendung zu
schaffen.
Herrn Geheimrat Sattler sprechen wir für die Ueber-
Iassung des klinischen Materials zu den Versuchen unseren
besten Dank aus.
Literatur.
1. Münch, med. Wochenschr. 53, 1906, S. 204. — 2. Sitzung der
Ophthalmologischen Gesellschaft zu Heidelberg am 6. VIII. 08. —
3 Ibid. am 7. VIII. 08. — 4. Münch, med. Wochenschr. 55, 1908,
S. 2267. — 5. Zentralbl. f. Chir. 35, 1908, S. 154. — 6. Med. Klinik 4,
1908, S. 336. — 7. Münch, med. Wochenschr. 55, 1908, S. 1969.
Aus dem allgemeinen öffentlichen Krankenhause in Radautz
(Bukowina, Oesterreich), Interne Abteilung (Direktor: Dr.
P i a t k i e w i c z).
Vorläufige Mitteilung Ober die Behandlung mit „IK“
(Immunkörpern) (Dr. Spengler).
Von Primarius Dr. S. H e r z b e r g.
Nach dem Erscheinen des Artikels von Dr. C. S p e n g 1 e r-
Davos über die Immunkörperbehaiidlung gingen wir gleich
daran, die aufgestellten Thesen und klinischen Erfahrungen zu
überprüfen.
Ohne auf die theoretische Basis des „IK.“ heute eingehen
zu wollen, teilen wir mit, dass wir bis heute 25 Fälle behandelt
haben. Die Resultate sind derart eindeutig, dass wir nicht um¬
hin können, schon jetzt darauf aufmerksam zu machen.
Es untersteht keinem Zweifel, dass „IK.“ spezifisch wirkt.
Wir behandelten Fälle, die in allen möglichen Stadien zur Auf¬
nahme kamen, und waren verblüfft über die rasche Heil¬
wirkung, namentlich der schwereren Fälle. Kranke mit fort¬
geschrittenster Lungentuberkulose mit positivem Bazillen¬
befund, Schweissen, massigem Sputum konnten nach 14 bis
16 Injektionen mit „IK.“ bazillenfrei, schweissfrei, hustenfrei
mit Gewichtszunahme und allerbestem subjektivem Wohl¬
befinden, also geheilt entlassen werden.
Einen ganz besonders klassischen Fall wollen wir schon
heute mitteilen.
Ein 14 jähriges Mädchen kommt mit Verdacht auf Typhus abdom.
zur Aufnahme. Somnolenz, Milztumor, keine typischen Stühle, er¬
höhter Puls (120), unregelmässige Fieberkurve (zwischen 37,5—40,1),
negativer Widal. — Nach einigen Tagen Hämoptoe, die 3 Wochen
lang täglich auftritt. Tuberkelbazillen positiv, allgemeines Rasseln.
In der dritten Woche nach der Aufnahme beginnen wir vor¬
sichtige Immunkörperbehandlung. Nach weiteren 4 Wochen wird
Patientin ganz geheilt, bazillenfrei mit 11kg Gewichtszunahme ent¬
lassen. Hier lag zweifellos Miliartuberkulose vor.
Dies wäre von den schweren Fällen zu sagen.
Die leichten und mittelschweren Fälle der Lungentuber¬
kulose heilten alle. Auch chirurgische Fälle kamen zur Be¬
handlung, doch sind es erst wenige und deshalb haben wir
noch kein eindeutiges Urteil. Wir können aber sagen, dass
„IK.“ auch hier spezifisch wirkt.
Reine Streptokokken und Staphylokokkeninfektionen
haben wir mit „IK.“ noch nicht behandelt.
Wir treten deshalb mit unseren Erfahrungen, wenn auch
nur andeutungsweise hervor, um auf das „IK.“ ganz besonders
aufmerksam zu machen, da es uns aufgefallen ist, dass bislang,
soweit die Literatur uns zugänglich war, noch keine klinische
Erfahrung über „IK.“ ausser der Spenglers publiziert
wurde.
Wir selbst behalten uns vor, seiner Zeit ganz ausführlich
über unsere Erfahrungen zu berichten.
Zusammenfassung:
„IK.“ wirkt entschieden spezifisch.
„IK.“ heilt fortgeschrittenste Tuberkulose der Lunge in
auffallend kurzer Zeit.
„IK.“ heilt leichte und mittelschwere Fälle von Lungen¬
tuberkulose ausnahmslos.
Dentaler Stirnkopfschmerz.
Von Dr. med. Friedrich Müller, Hals-, Nasen- und
Ohrenarzt in Heilbronn.
Frl. A. S. erscheint im Juni 1908 in meiner Sprechstunde mit
Klagen über behinderte Nasenatmung und intensiven Kopfschmerz
in der Stirn. Dieser Schmerz ist von bohrendem Charakter, mehr
oder weniger intensiv; bald empfindet die Patientin nur ein leichtes
Weh, bald einen bohrenden Druck, der direkt über der Nasenwurzel
am stärksten ist und nach oben hin ausstrahlt; diese Beschwerden
können rasch vorübergehen, aber auch Stunden lang anhalten.
Der Untersuchungsbefund ist folgender: Beklopfen der Stirn¬
gegend nicht empfindlich, Nervus supraorbitalis ohne schmerzhaften
Druckpunkt, Durchleuchtung der Stirnhöhle und der Kieferhöhle er¬
gibt normale Verhältnisse. Die Nase zeigt leichte vasomotorische
Schwellungen der unteren Muscheln; die vorderen Enden beider
mittleren Muscheln sind von mässig verdickter Schleimhaut bedeckt;
im Infundibulum eine geringe Menge glasigen Schleimes. Im Nasen¬
rachenraum eine deutlich vergrösserte Rachenmandel; diese ist nur
hypertrophisch; kein Schleimeiter auf ihrer Oberfläche oder auf der
hinteren Rachenwand.
Ich entschlicsse mich zur Entfernung der hypertrophischen Ra¬
chenmandel, welche erfahrungsgemäss Behinderung der Nasenatmung
und Stirnkopfschmerzen hervorrufen kann; die Nasenatmung wird
durch diesen Eingriff zwar gebessert, die Kopfschmerzen verschwin¬
den aber nicht. Infolgedessen behandle ich die Gegend des Infundi¬
bulum resp. des ganzen Hiatus semilunaris, in welchen die Stirn¬
höhle, vordere und mittlere Siebbeinzellen und die Kieferhöhle ein¬
münden, lokal, aber ohne sichtbaren Erfolg. Die Kopfschmerzen ver¬
schwinden zwar mehr als bisher, kommen aber doch zeitweise wie¬
der; im ganzen kann man eine leichte Besserung konstatieren. Eine
Resektion der vorderen Enden der mittleren Muscheln, welche wegen
des Verdachtes auf eine katarrhalische Erkrankung der vorderen Sieb¬
beinzellen in Betracht kommen könnte, wird nicht vorgenommen, da
mir die lokalen Veränderungen doch zu gering sind und die Patientin
sich von einer Luftveränderung Besserung verspricht; diese Hoffnung
hege ich.selbst auch; dass Patienten in reiner Höhenluft Beschwerden,
die von Nebenhöhlenkatarrhen herrühren, oft überraschend schnell
verlieren, ist bekannt und auch leicht verständlich; in erster Linie
ist es wohl die Reinheit der Luft, welche das Abschwellen der
Schleimhäute begünstigt, ferner die niedere Lufttemperatur, deren
günstige Einwirkung man ja auch in tief gelegenen Gegenden bei uns
z. B. im Winter beobachten kann. Dazu kommt dann noch der Auf¬
enthalt und die Bewegung in freier Luft; letztere bewirkt eine gleich-
mässige Verteilung der Blutzirkulation im Körper; die Atmungs¬
frequenz steigt und der einzelne Atemzug wird tiefer, womit eine
häufigere und gründlichere Ventilation der Nase einhergeht. Die
absolute Höhenlage als solche kommt vielleicht weniger in Betracht
als die zunehmende Reinheit der Luft in höheren Lagen.
Der erhoffte Erfolg bleibt aus. Während des Septembers stei¬
gern sich die Kopfschmerzen: zugleich treten aber noch andere
Beschwerden auf, nämlich intensive Schmerzen vor der linken Ohr¬
muschel, die in die linke Wange ausstrahlen. Die Stirnschmerzen
sind weniger heftig als das „Ohrenweh“, sie kommen und ver¬
schwinden mit diesem. Diese Neuralgie im Gebiet des Nervus auri-
culo-temporalis (1. sensibler Ast aus dem 3. Hauptast des Trige¬
minus, N. maxillaris inferior) weist daraufhin, dass die Otalgie den¬
talen Ursprungs sein muss.
Ich sende die Patientin daher zum Zahnarzt, Herrn M o n t i g e I,
welcher mir folgenden Bericht schickt: Mol. 1 sup. sin. von der
Approximalfläche aus tief kariös, Pulpa gangraenosa totalis. Die
Wurzelspitze der palatinalen Wurzel zeigt einen eitrigen Zerfall der
Wurzelhaut, jeder Pulpenkammer entströmt ein starker jauchiger
Geruch. Im Unterkiefer links ist das Zahnfleisch vor dem aufsteigen¬
den Ast des Unterkiefers straff gespannt, ein sicheres Zeichen, dass
der Weisheitszahn durchbrechen will. Praem. 1. inf. sin. ist an der
distalen Approximalfläche kariös; Pulpa noch vorhanden, jedoch
partiell entzündet. Mol. 1. sup. sin. wird gezogen, praem. 1. inf. sin.
wird behandelt.“
Nach der Entfernung des Zahnes im linken Oberkiefer und nach
dem Freilegen der Pulpa des Prämolaren im linken Unterkiefer, wobei
zum Abtöten des Nerven ein Medikament eingelegt wird, sind sowohl
die Stirnschmerzen als auch das Ohrenweh verschwunden. Nach
dem Plombieren des Prämolaren zeigen sich die Schmerzen noch ein¬
mal vorübergehend und ohne besondere Heftigkeit; seitdem haben sie
sich nicht mehr gezeigt.
Dass die Stirnkopfschmerzen über der Nasenwurzel im Gebiet
der Glabella dentalen Ursprungs waren, kann nicht bezweifelt wer¬
den. Dem Charakter nach handelte es sich um eine Neuralgie im
Gebiet des N. supratrochlearis, der ein Hauptendast des N. frontalis
ist, von der Teilungsstelle dieses Nerven aus schräg medianwärts
gegen den Mi obliquus superior verläuft, an dessen Rand er weiter¬
zieht, bis er über der Trochlea teils zum oberen Augenlide, teils zur
Haut der Stirne an der Glabella sich verzweigt (Gegenbaur).
Was den Gang der Entwicklung der Beschwerden betrifft, so
entstand zunächst im Juni eine Entzündung der Pulpa des 1. Molaren
im linken Oberkiefer; diese machte aber keine lokalen Erscheinungen,
sondern erzeugte die Supratrochlearisneuralgie. Allmählich wurde
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244
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
die Pulpa gangränös, womit die neuralgischen Beschwerden nach-
liessen. Nach und nach ging die Infektion von der gangränösen Pulpa
auf die palatinale Wurzel über, wodurch wieder intensivere Be¬
schwerden entstanden. Zu gleicher Zeit begann die Pulpitis im
Prämolaren des linken Unterkiefers, der die Otalgie erzeugte. Aus¬
serdem trug jedenfalls auch der Durchbruch des Weisheitszahnes
dazu bei, den Trigeminus reizbarer zu machen.
Besonders bemerkenswert ist im vorliegenden Fall der Um¬
stand, dass die Patientin gar keine Zahnschmerzen hatte, so dass
sie den Nasen- und Ohrenarzt aufsuchte; dies ist relativ häufig der
Fall; derartige Beobachtungen macht man um so häufiger, je öfter
man daran denkt, dass hinter Neuralgien als Ursache eine Zahnkrank¬
heit stecken kann. Ganz besonders gilt dieser Satz für die dentale
Otalgie und ich bin überzeugt, dass unter der psychischen Einwirkung
einer flagranten dentalen Otalgie bei vorhandener Mittelohreiterung
mancher Warzenfortsatz aufgemeisselt wird, ohne dass es notwendig
ist. Eine derartige Verwechslung ist ganz besonders dann möglich,
wenn ein gangränöser Zahn äusserlich gesund aussieht; nur die
Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen oder die Untersuchung mit dem
Induktionsstrom kann hier Klarheit verschaffen.
Sehr lehrreich sind in dieser Beziehung auch die Angaben A. Gor-
don Gullors 1 ). Er schreibt: „Wenn sich Neuralgie, wie es oft
der Fall ist, am Kopf oder Gesicht zeigt, so finden wir bei näherer
Prüfung, dass die Ursache unweigerlich Karies der Zähne ist: der
Schmerz verschwindet, sowie man die kariösen Zähne entfernt und
den Mund in gesunden Zustand versetzt. Ich bin in der Tat über¬
zeugt, dass ich einen niedrigen Prozentsatz angebe, wenn ich sage,
dass in neunzig von hundert Fällen von Kopf und Gesichtsneuralgie
dieselbe auf kariöse Zähne zurückzuführen ist. Das Krankenjournal
meiner ambulatorischen Abteilung führte im letzten Jahre 830 neue
Patienten auf, von denen 49, das sind 6 Proz., an Neuralgie litten,
die sich als Folgeerscheinung kariöser Zähne herausstellte. In einem
besonderen Fall liess sich bei einer jugendlichen Patientin sogar eine
allgemeine Neuralgie auf kariöse Zähne des Ober- und Unterkiefers
zurückführen. Die Schmerzen erstreckten sich bei der Patientin von
der Schulter bis zu den Schenkeln; nach Extraktion der Zähne ging
diese Neuralgie sofort zurück.“
Bei der Häufigkeit der Zahnkrankheiten kann man daher nicht
oft genug an kariöse Zähne denken, wenn man schwere, für den
Patienten unter Umständen verhängnisvolle diagnostische Irrtümer
vermeiden will.
Ein neuer Uterusdilatator bei Abortbehandlung.
Von Dr. Otto Oberländer, Frauenarzt in Köln.
Es gibt eine ganze Menge derartiger Dilatatoren; die in Deutsch¬
land bekanntesten sind die von Hegar, Landau und Fritsch
angegebenen.
Die Hegar sehen bestehen aus einem Satz Stäbe von zu¬
nehmender Dicke; diese bergen durch ihre Länge und gerade Rich¬
tung die Gefahr der Uterusperforation in sich, eine Gefahr, die eben
durch Anwendung der Dilatatoren vermieden werden sollte. Gerade
in letzterer Zeit ist von verschiedenen Seiten auf die durch Dilatatoren
verursachte Perforation hingewiesen worden, und sicher kommen
diese Verletzungen häufiger vor als sie diagnostiziert und vor allem
publiziert werden.
Ein zweiter Uebelstand der Hegar sehen Dilatatoren besteht
darin, dass der Arzt gezwungen ist, in seinem schon an und für sich
umfangreichen Abortbesteck eine ganze Serie Dilatatoren mit¬
zuführen.
Landau hat nun mit seinen dem Uterus entsprechend ge¬
bogenen Doppeldilatatoren eine bedeutende Verbesserung erzielt.
Trotzdem sich aber auf diese Weise die Zahl um die Hälfte ver¬
minderte, waren noch immer so viele erforderlich, dass nach wie vor
der Mangel eines für allen Weiten passenden Dilatators allseitig
empfunden wurde.
" 313-22
nur 7 cm lang. Die Dicke steigt gleichmässig von 13— 2, 22—31
Filidre Charriere an. Dieser Dilatator genügt stets zur Ei /eiternm:
des Zervikalkanals zwecks Einführung einer mittelgrossei Kürette.
Eine zweite Grösse, 31—45 Fil. Charr. ermöglicht das Einfü ren eines
Fingers.
Die Vorteile sind kurz folgende:
1. Vereinfachung des Abortbesteckes, indem an St Ile eines
ganzen Satzes (Hegar, Landau) nur 2 Dilatatc en not¬
wendig sind.
2. Leichtere und schnellere Erweiterung der Zervix
3. Unmöglichkeit der Uterusperforation.
4. Preisunterschied.
Von der Firma Louis & H. Löwenstein, Berlin, Zie jelstrasse
ä M. 5.50 zu beziehen. D.R.G.M,
Diese Aufgabe löste Fritsch derart, dass er einen Stab kon¬
struierte zum An- und Abschrauben der verschiedenen Nummern.
In vollkommenerer Weise lässt sich dieses Ziel mit Hilfe der
Kegelform erreichen. Durch diese Neuerung fallen die dem
Fritschschen Dilatator anhaftenden Nachteile — das häufige An-
und Abschrauben und die dadurch bedingte Erschwerung der Asepsis
— fort.
Mein Dilatator hat ungefähr, wie nebenstehende Figur zeigt, die
Form eines Landau sehen Doppeldilatators mit dem wesentlichen
Unterschied, dass die Enden nicht zylindrisch, sondern konisch ge¬
arbeitet sind. Letztere sind dem Uterus entsprechend gebogen und
Zur Anwendung der Digestivmittel bei eitrigi n und
tuberkulösen Prozessen. V
Von Dr. Moritz Mayer in Simmern (Hunsriick).
Die jüngst in dieser Wochenschrift veröffentlichten Aul »ätze von
Jochmann und Baetzner (1908, No. 48), von Kclaczek
(No. 51) und von Goldenberg (1909, No. 1) veranlassen mich, aut
einige in früheren Arbeiten („Zur Anwendung eitererregender chemi¬
scher Mittel in der Chirurgie“, Volkmanns Sammlung klinis:her Vor¬
träge, No. 216, und: „Chemische Eiterung in der Bekämpfung in¬
fektiöser Eiterung und lokaler tuberkulöser Prozesse“. Verltandl. des
16. Kongr. für innere Medizin, 1898, S. 487) angeregte Fragen zurück¬
zukommen und über das Schicksal einiger dort erwähnter Fä le kurzen
Bericht zu erstatten.
Ich hatte im Laufe der Jahre den Perubalsam als ein eiter¬
erregendes Mittel kennen gelernt, das vor anderen pyogenen Mitteln
den Vorzug hatte, dass seine Wirkung sich genau dosieren und nahe¬
zu immer auf eine bestimmte Stelle örtlich beschränken lies:», so dass
eine Weiterverbreitung künstlich gesetzter Eiterung nicht befürchtet
zu werden brauchte. Die eitrige Einschmelzung von Drüsenschwel¬
lungen, von tuberkulösen Granulationen war in einer Reihe von Fällen
gelungen. Aber auch eine einfache traumatische, durch eine Lymph-
gefässzerreissung entstandene Zyste war durch Perubalsamtampo¬
nade ausgeheilt. Die gewebseinschmelzende Wirkung des Peru¬
balsams zeigte sich am deutlichsten in einem Falle elephan-
t i a s i s artiger Schwellung des Unterschenkels. Nach mehrfach vor¬
ausgegangenen, roseähnlichen Ausschlägen war bei dem 60 jährigen
Ackerer eine ausserordentliche Schwellung des rechten Unterschen¬
kels aufgetreten, die ihn beim Gehen, Stehen sehr hinderte. Nach
Spaltung von Haut und Unterhautgewebe und aseptischer Gaze¬
tamponade, wandte ich vom 26. Juni bis 6. Juli 1896 täglich wieder¬
holte Tamponade mit Perubalsamemulsion an. Das Sekret wurde
eitrig, das Bein schw r oll von Tag zu Tag ab, allerdings trat vorüber¬
gehend Oedem des Fusses ein. Nach Heilung der Wunden w r ar die
Arbeitsfähigkeit wesentlich gegen früher gebessert. Der Mann
konnte stundenlang gehen und weite Wege zurücklegen; mit dem Er¬
folge der Behandlung war er zufrieden. Roseähnliche Ausschläge
sind nicht wieder aufgetreten. Der Tod erfolgte Juli 1899 an einem
interkurrenten Leiden.
Herr Prof. Büchner, dem ich ausser obenerwähnten Aufsätzen
noch einige andere, dasselbe Thema behandelnde Veröffentlichungen 0
überreichte, erwähnt dieselben in seinem Vortrag: „Zur Kenntnis der
Alexine sowie der spezifisch-bakteriziden und spezifisch-hämo¬
lytischen Wirkungen“ (Münch, med. Wochenschr. 1900, S. 277). Er
sagt: Bei der gewebsverdauenden Wirkung des
Perubalsams . . . kann nur die „peptische Wirkung
der Leukozyten“ in Frage kommen; und zwar ist
dies um so sicherer, als „die Eiterkokken in che¬
misch erzeugtem Eiter absterb en“, ihrerseits also
zur Histolyse hier nicht das mindeste beitragen
können.
Nun ist mit Recht von hochgeschätzter Seite in den im Zen-
tralbl. f. Chir. 1898 über meine Mitteilungen erschie-
22 nenen Referaten darauf aufmerksam gemacht worden.
dass die bei geschlossenen tuberkulösen Prozessen
erzeugten Eiterungen wohl nicht lange aseptisch bleiben
werden, sondern voraussichtlich rasch einer Infektion
mit Eitererregern ausgesetzt werden würden. In glücklich verlaufen¬
den Fällen gelingt es nun trotzdem, über diese tatsächlich bestehenden
Schwierigkeiten Herr zu werden. Ich möchte kurz das Schicksal der
beiden Fälle von Gelenktuberkulose mitteilen, deren Abbildungen in
den Verhandlungen des XVI. Kongresses für innere Medizin ent¬
halten sind. , . ..
I. Lange bestehende Tuberkulose des r. Sprunggelenks mit peri-
artikulären Fungus bei 22 jährigem Mädchen mit Spitzenkatarrn.
Nach voraufgegangener Injektionsbehandlung des Gelenkes wurde
Malleol. ext. und äussere Talusfläche blossgelegt. In die Schmtt-
i wunde wurden Tampons mit Ol. tereb. 1:5 vom 22. bis 28. Juni 189?
eingeführt. Die Granulationen schmolzen ein. Allmählich besserte
J ) Zahnärztliche Rundschau, XVII. Jahrgang, No. 39.
*) Zeitschr. f. klin. Med., 34. Bd„ H. 5 u. 6, und Vierteljahrschr. i.
gerichtl. Med. (3), XVII, 2.
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2 . Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
245
sich der Zustand — auch unter geeigneter Allgemeinbehandlung. Das
Mädchen erhielt indessen jahrelang Invalidenrente. Am 25. Oktober
1904 — es hatte sich inzwischen verheiratet — habe ich die Patientin
im Aufträge der Landesversicherungsanstalt wieder untersucht.
Der Gang war nur wenig hinkend, das Sprunggelenk in rechtwinke¬
liger Stellung versteift, eine Fistel bestand nicht, fungöse Schwel¬
lungen fehlten. Ich konnte die Entziehung der Rente Vorschlägen.
II. 28 jähriges Fräulein, die jahrelang wegen Tuberkulose des
Kniegelenkes in ärztlicher Behandlung gewesen war. Auf beiden
Seiten der Patella fanden sich mächtige schwammige Massen. Am
17. Juli 1895 Eröffnung des Gelenkes durch 2 grosse Seitenschnitte.
Tamponade anfänglich mit Perubalsamemulsion, später mit Terpen¬
tinöl. Es traten zunächst heftige Unterschenkelschmerzen, Schwäche
und Zyanose der Extremität ein, später versteifte das Gelenk in ge¬
wünschter Weise mit geringer Subluxation der Tibia nach hinten.
Auch diese Patientin hat inzwischen geheiratet, ist gesund und
blühend, geht leicht, ohne Stock massig hinkend. Ich habe sie im
Sommer 1908 im Hunsrücker Aerzteverein vorgestellt.
Die Behandlung tuberkulöser Gelenkentzündungen mit Digestiv¬
mitteltamponade hatte zwar mehrfach günstige Erfolge, ist aber
manchmal mit solchen Schwierigkeiten verknüpft, dass eine all¬
gemeine Empfehlung für die Privatpraxis nicht gegeben werden
darf.
Ohne alle Schwierigkeiten und ohne Schädi¬
gungen lassen sich dagegen heisse und kalte Eiterungen
durch Tamponade mit eitererregenden Mitteln rationell be¬
handeln (Argentum nitricum, Perubalsam, Terpentinöl). Auch in den
Fällen von A k t i n o m y k o s e, die die Praxis hie und da bringt, ist
Einlegen von Perubalsamtampons in die Inzisionswunden am Halse
und am Kiefer ebenso wirksam gewesen, wie in Fällen von Kiefer¬
phlegmone auf anderer Basis, auch von Holzphlegmone.
Es bedarf nun nicht jedesmal der Einlegung von Tampons in
Schnittöffnungen zur Anregung der Eiterung. Kehrer hat wohl zu¬
erst darauf aufmerksam gemacht, dass harte Infiltrationen, die keiner
Behandlung weichen wollen, durch Anwendung von Ungt. Canthari-
dum auf die Haut vereitern und zur Heilung gebracht werden können.
Aehnlich, nur milder, wirkt das Ungt. sulfuratum rubrum.
Bei Periphlebitiden, die sich nicht resorbieren und nicht vereitern
wollen, kann durch Auflegen einer solchen Reizsalbe eine umschrie¬
bene Eiterung erzeugt werden, die nach Inzision ausheilt. Auch Ab¬
szesse bei Scharlach lassen sich günstig dadurch beeinflussen.
Auf die Anwendung der Digestiv mittel durch die Kur¬
pfuscher habe ich in Vierteljahrschr. f. ger. Med. (3), XXI, 1 hin¬
gewiesen.
Der Schluss dürfte wohl berechtigt sein, dass der Satz: „Eiter¬
erregende Mittel sind das beste Heilmittel von Eiterungen aller Art“
seine Gültigkeit bewiesen hat.
Paul Ehrlich.
Wenn ich der Aufforderung der verehrten Redaktion dieser
Wochenschrift nachkomme, aus Anlass der Verleihung des
medizinischen Nobelpreises an Paul Ehrlich dem ärzt¬
lichen Stande eine Uebersicht über die Bedeutung E h r 1 i c h s
für die Medizin zu geben, so tue ich dies nur zögernd. Denn
gerade als sein ältester Schüler auf dem Gebiete der experi¬
mentellen Therapie weiss ich, wie schwierig es ist, ein prä-
einfache Aufzählung nur der grösseren Arbeiten E h r 1 i c h s
geniale Arbeiten auf die Entwicklung der modernen Medizin
ausgeübt haben und noch fortwährend ausüben. Schon eine
einfache Aufzählung nur der grösseren Arbeiten E h r 1 i c h s
würde uns zeigen, welche verschiedenartigen Gebiete seinen
Geist gefesselt haben; und für alle, mit denen er sich be¬
schäftigte, wurde er ein Mehrer. Histologie, innere Klinik,
Pathologie, Neurologie, Immunität, Bakteriologie, Geschwulst¬
lehre, Pharmakologie, Protozoenkunde und Chemie haben
diesem einen Manne wichtigste, zum Teile grundlegende neue
Erkenntnisse zu danken. Um so paradoxer wird es dem
Leser erscheinen, wenn ich angesichts dieser seltenen Viel¬
seitigkeit eines einzigen produktiven Geistes die Behauptung
aufstelle, dass allen diesen scheinbar so verschiedenartigen
Forschungen eine gemeinsame grosse Anschauung zu Grunde
liegt. Diese eine grosse Idee durchzieht ununterbrochen das
gesamte wissenschaftliche Wirken E h r 1 i c h s, für diese eine
Ueberzeugung kämpfte er, sie gab ihm bei fast allen Experi¬
menten die wissenschaftliche Fragestellung und die Versuchs¬
anordnung ein. Dieser „Lebensgedanke“ E h r 1 i c h s bestand
in seiner Ueberzeugung, dass alle lebenden Zellen und Organ¬
systeme chemisch aufzufassende Verwandtschaft (Avidität,
Affinität) zu gewissen Stoffen besitzen. — Durch diese Avidität
wird es bestimmt, ob eine Substanz in ein bestimmtes Organ
oder eine Zelle hineingelangt und alsdann dort zur Wir¬
kung kommt. Er sah also als Erfordernis für jede Organ¬
wirkung seitens einer Substanz die vor ihrer Wirkung
auf chemischer oder physikalischer Grundlage erfolgende
Verankerung oder Speicherung an gewisse ZeUteile dieses
Organs an. Nicht blinder Zufall oder anatomische Verhält¬
nisse entscheiden darüber, auf welches Organ eder welchen
Zellteil eine Substanz bei der Einverleibung in den Organis¬
mus wirkt, sondern dafür gibt es ganz bestimmte „V e r -
teilungsgesetz e“. „Diese bestimmen die elektivc Ver -
wandtschaft zu bestimmten Organen und Systemen, die Ver¬
teilung ist eine Funktion der chemischen Konstitution.“ Diesen
Gedanken finden wir klar ausgedrückt bereits in der Arbeit
„Experimentelles und Klinisches über Thallin“ (Deutsche med.
Wochenschr. 1886, No. 48 u. 50) und wir begegnen ihm unver¬
ändert nach 20 Jahren in der jüngsten Arbeit E h r 1 i c h s, der
meisterhaften Rede „Ueber Chemotherapie“ (31. Oktober 1908)
vor der Deutsch, ehern. Gesellschaft. Aber w r elche Fülle von
Arbeitsmöglichkeit birgt auch diese Konzeption in sich, nicht
zwanzig Jahren, Generationen ist mit dem Angeben dieser For¬
schungsrichtung fruchtbare experimentelle Betätigungsmög¬
lichkeit gegeben; denn von dieser Betrachtung ausgehend,
konnte man nicht allein versuchen, nach der chemischen Kon¬
stitution zielbewusst „spezifische“ Mittel darzusteMen, die nur
auf bestimmte Zellen oder Gewebe wirken, also eine moderne
Pharmakologie zu schaffen, sondern es konnten nun auch wich¬
tige Probleme der Krankheitsätiologie und Pathologie er¬
gründet werden. Ehrlich selbst war, wie er mir erzählte,
schon als Student von dieser Idee „besessen“, und zwar in
einem Grade, dass er über dem Experimentieren nach dieser
Richtung hin seine eigentlichen Studien vernachlässigte. In
diese Zeit fiel der Beginn der industriellen Darstellung der
Anilinfarben, die Ehrlich ebenso wie seinen Vetter, den
leider dahingegangenen Carl Weigert, sofort ungemein
interessierten. Ehrlich erkannte sogleich, dass er in den
im Organismus leicht erkennbaren Farbstoffen, deren che¬
mische Konstitution genau bekannt war, Mittel besass, um
durch einfache Besichtigung die Gesetze, nach denen diese
chemischen Körper sich bei der Einverleibung in den Organis¬
mus in bestimmten Organen und Zellelementen verteilen, zu
studieren. In dieser Zeit legte er auch den Grund zu seinen
selbst den Fachchemiker überraschenden Kenntnissen auf dem
Gebiete der synthetischen Farbenchemie, die er der Teerfarben¬
industrie stets in uneigennützigster Weise zur Darstellung
neuer wichtiger Farben zur Verfügung stellte. Die Epoche der
„farbenanalytischen Studien“ war für Ehrlich und die
Medizin eine ungemein wichtige und fruchtbare. Nachdem er
schon als Student auf diesem Wege die „M a s t z e 11 e n“ ge¬
funden hatte, gelang es ihm als jungem Assistent die
chemische Verwandtschaft gewisser Zellteile der w r eissen
Blutkörperchen zu saueren, basischen oder neutralen Far¬
ben, die Azido-, Baso- und Neutrophilie zu entdecken
und damit das gesamte Gebäude der modernen Dia¬
gnostik der Blutkrankheiten zu errichten. Es
steht noch heute so, wie es Ehrlich damals erbaute.
E h r 1 i c h s Forschertrieb genügten aber diese mittels der
Farbenaffinität am toten Trockenpräparat gewonnenen Auf¬
schlüsse über den Bau der Zelle nicht. Dieses Weiterstreben
nach Erforschung der wirklichen Biologie, d. h. der Vorgänge
an der lebenden Zelle, geht aus folgenden Sätzen seiner Arbeit
„Ueber die Methylenblaureaktion der lebenden Nervensub-
stanz“ (Deutsche med. Wochenschr. 1886) besonders klar her¬
vor. Es heisst dort: „Dennoch lässt sich nicht verkennen, dass
dieser Weg, derjenige der Färbung des Toten oder Ertöteten,
uns nur rein anatomische Aufschlüsse geben kann, uns aber
in Betreff der Eigenschaften der lebenden Zellen, die den Bio¬
logen am meisten interessieren, vollkommen im Stiche lässt.
Will man diese Funktionen kennen lernen, so muss man die
normalen Gew ebe mitten auf der Höhe ihrer Funktion tingieren.
d. h. den Färbungsakt in den-Organismus selbst verlegen.“
Damit gelangte Ehrlich zu der vitalen Färbung.
Diese neue Methode ergab die wichtigsten Resultate über den
feinsten Bau von Zellen und den Biochemismus der verschie¬
denen Gewebe. Mit ihrer Hilfe, besonders der vitalen Me¬
thylenblaufärbung, gewann er wichtige Aufschlüsse über Zu-
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
246
MUBNCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
sammenhang von Chemismus und Funktion dos Nervensystems.
Ehrlich erkannte auch von vornherein die Wichtigkeit der
intravitalen Aviditätsbestimmung gewisser Gewebe gegenüber
chemischen Substanzen für die weitere Entwicklung der
Pharmakologie, denn ausdrücklich betont er in der genannten
Arbeit: „Zweck der Pharmakologie müsste es sein, fest¬
zustellen, nicht nur dass, sondern warum ein bestimmtes Gift
einen bestimmten Nervenapparat affiziere.“ Tatsächlich zog
er auch sofort die therapeutischen Nutzanwendungen aus seinen
intravitalen farbenanalytischen Studien, indem er das Methylen¬
blau gegen Störungen der sensiblen Nerven und weiterhin als
ein Mittel zur Beeinflussung der Malaria¬
parasiten in den Arzneischatz einführte. In diese Zeit der
intensiven* Beschäftigung mit der biochemischen Wichtigkeit
der Farbstoffe fällt auch die Entdeckung der Diazo-
r e a k t i o n.
Das Gesamtergebnis seiner Studien über den Chemismus
und die Aviditätsverhältnisse der Gewebe auf Grund der intra¬
vitalen Färbungsmethode legte er dann in einer Monographie
„Das Sauerstoffbedürfnis des Organismus“ nieder. Dies Buch
ist vielleicht eine der geistreichsten Erscheinungen in der
neueren medizinischen Literatur; es birgt noch heute eine er¬
staunliche Menge von Anregungen, man darf es noch heute
als das Glaubensbekenntnis E h r 1 i c h s über biologische
Fragen betrachten, das im Keime bereits viele der spätere.n
Arbeiten E h r 1 i c h s enthält.
Aber Ehrlich beschränkte sich nicht auf die Farbstoffe,
um den Zusammenhang zwischen bestimmter Organwirkung
eines Mittels und seiner Speicherung bezw. Bindung in diesem
Organe auf Grund chemischer Aviditätsgesetze zu studieren»,
sondern wandte diese Methode auch auf andere pharmako¬
logische Mittel an. So untersuchte er nach dieser Richtung das
Thallin, Kokain, Kumarin, Vinylamin und Paraphenylendiamin.
Auch diese Arbeiten, besonders die über Kokain, brachten
grundlegende Ergebnisse, von denen ich nur eines hier hervor¬
heben möchte. So entdeckte er in seiner Thallinarbeit (Deutsch,
med. Wochenschr. 1886, No. 48 u. 50) die spezifische Verwandt¬
schaft des Thallins und anderer Substanzen zum Fettgewebe
und bezeichnete damals schon diese Eigenschaft als Lipo-
t r o p i e. Ja er verweist bereits darauf, dass die meisten
Alkaloide, besonders diejenigen, deren Salze durch kohlensaure
Alkalien zersetzt werden, sich analog verhalten dürften. — Be¬
wundernswert aber ist sein scharfer Beobachtungsblick, wenn
wir in der Arbeit „Zur therapeutischen Bedeutung der sub¬
stituierenden Schwefelsäuregruppe“ (Therapeut. Monatshefte
1887) bereits auf das klarste den Zusammenhang zwischen
Lipotropie und Neurotropie („Korrelation, die zwi¬
schen Hirngrau und Fettgewebe besteht“ I. c.), von chemischen
Substanzen, ausgedrückt fanden, d. h. die Tatsache, dass eine
Substanz, welche Verwandtschaft zum Fett hat und deshalb
sich dort aufspeichert, gleichzeitig auch in das Zentralnerven¬
system geht und dort wirkt, eine pharmakologisch äusserst
wichtige Erkenntnis, die bekanntlich dann später vielfach be¬
stätigt wurde.
Es ist nicht überraschend, dass einen derartig mit der
Ergründung von Problemen des Zusammenhanges zwischen bio¬
logischer Ursache und Wirkung beschäftigten Geist das Auf¬
treten Robert Kochs und das Entstehen einer exakten, rein
ätiologischen Forschungsrichtung auf das mächtigste anzog.
In der Tat schloss sich Ehrlich sofort dieser Richtung und
ihrem grossen Schöpfer an. Er war durch seine frühere Be¬
schäftigung mit Färbungen in den* Stand gesetzt, auch hier
sogleich Wichtiges zu schaffen, indem er neue, allgemein in
die Praxis übergegangene Färbungsverfahren, so die erste
einfache, auch sofort von Koch anerkannte Tuberkel¬
bazillenfärbung, einführte. — Indessen die der Geistes¬
und Forschungsrichtung E h r 1 i c h s völlig gelegene Periode
der Bakteriologie brach erst an, als Robert Koch
seine Mitteilungen über das Tuberkulin und unmittelbar dar¬
nach Emil Behring die seinigen über das Auftreten von
spezifisch heilenden Stoffen im Blutserum diphtherie- und
tetanusinfizierter Tiere machte. Das war die Forschungs¬
richtung, für die Ehrlich ununterbrochen gearbeitet und ge¬
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kämpft hatte, nämlich Mittel zu finden, die kraft einer be¬
stimmten Avidität nur an bestimmte im Organismus befindliche
Zellen und Substanzen sich verteilen und daher auch nur auf
diese spezifisch zu wirken vermochten. Nachdem er imKranken-
hause Moabit gemeinsam mit P. Guttmann eine Zeitlang im
Aufträge und als Vertrauensmann Kochs die ersten Tuberkulin-
behandlungen an Kranken durchgeführt hatte, nahm er gerne
die ihm von Robert Koch gebotene Gastfreundschaft in dem
neu gegründeten Institut für Infektionskrankheiten an, und ver¬
legte seine Arbeitsstätte dahin. In dem kleinen Ecklaboratorium
des seitdem niedergerissenen alten Gebäudes bei der Charitee
entwickelte sich nun eine für jeden Jeilnehmer unvergess¬
liche, experimentelle Tätigkeit. Ehrlich hatte schon vor der
Veröffentlichung Behrings bei Experimenten mit Pflanzen¬
giften, dem Rizin, Abrin und Robin beobachtet, dass man
Tiere in steigender Weise gegen diese Gifte immunisieren
könne. Als nun die B e h r i n g sehen Befunde über die Immun¬
stoffe im Serum veröffentlicht wurden, da war es für Ehr¬
lich sofort klar, dass es sich auch bei dieser Giftfestigung
gegen Pflanzengifte um die Bildung von Antitoxinen handele,
was Ehrlich in der Tat sofort an dem Serum seiner rizin-
und abrinfesten Tiere beweisen konnte. Aber was für die weitere
Entwicklung der Immunitätswissenschaft noch wichtiger wurde,
war das bei dieser Gelegenheit streng durchgeführte quan¬
titative Arbeiten, die Einführung der zahlenmässigen
Hochtreibung und Beurteilung des Grades der erzielten Immu¬
nität und damit des Serums. Es war dies der Grundstein für
die Möglichkeit einer späteren genauen Wertbemessung und
therapeutischen Dosierung der antitoxischen Sera. — Gleich¬
zeitig ergründete Ehrlich in diesen Versuchsreihen, in wirk¬
lich klassisch eleganten Versuchen die Gesetze der Ver¬
erbung der Immunität durch die Mutter, die Nicht¬
beteiligung des Vaters bei diesem Vorgänge, sowie die Tatsache
des Ueberganges der Antitoxine in die Milch,
eine für die Beurteilung der Brusternährung der Säuglinge
später wichtigst gewordene Entdeckung. Die grossen Mengen
Antitoxins, welche in die Milch bezw. Molke übergingen, ver-
anlassten Ehrlich, grössere milchliefernde Tiere gegen
Diphtherie und Tetanus zu immunisieren. Mit deren Serum,
bezw. Molke wurden in den städtischen Krankenhäusern Berlins
in grösserem Massstabe therapeutische Versuche an diph¬
theriekranken Kindern angestellt, die neben der gleichzeitig an
der Krankenabteilung des Koch sehen Institutes mit einem
von Behring und Wernicke dargestellten Diphtherie-
Serum ausgeführten Prüfung die ersten grundlegen¬
den Tatsachen für praktische Wirksamkeit
und nötige Dosis des Diphtherieserums lieferten.
Besonders das Verdienst für die Möglichkeit einer genauen
Dosierung des Diphtherieserums muss Ehrlich in erster
Linie zuerkannt werden. Von ihm rührt die Wertbemes¬
sung smethode des Diphtherieserums her, die
heute in der ganzen Welt eingeführt ist. Aber auch hier ge¬
nügte seinem Forschungstriebe nicht die einfache Ausarbeitung
einer für die Praxis dienlichen Methode, sondern er ergründete
in jahrelanger über Tausende von Tierversuchen sich er¬
streckender Arbeit die Konstitution des Diphtheriegiftes, nach¬
dem er bereits vorher in zwingender Weise dsie direkte gegen¬
seitige Einwirkung von Toxin und Antitoxin mittels eines von
ihm neu entdeckten, auf die Blutkörperchen wirkenden Bestand¬
teiles des Tetanusgiftes, des Tetanolysins, in vitro bewiesen
hatte. Das praktische Ergebnis dieser wissenschaftlich grund¬
legenden Arbeiten besteht darin, dass wir heute antitoxische
Heilsera, trotzdem ihre wirksamen Substanzen uns chemisch
völlig unbekannt sind, in einer so exakten Weise dosieren
können, wie irgend ein anderes chemisch wohl definiertes
Heilmittel.
Aus dieser jahrelangen intensiven Beschäftigung mit den
feinsten biologischen Eigenschaften einerseits der lebenden
Zellen, andererseits der spezifischen Reaktionsprodukte der
Zelltätigkeit kristallisierte gleichsam die „Seitenketten-
theorie“ heraus, jene Theorie, welche es sich zur Aufgabe
stellte, Licht in die rätselhaften Vorgänge bei der Entstehung
jder spezifischen Immunstoffe zu bringen. — Es würde w^eit
über den Rahmen dieses Artikels hinausgehen, wenn ich hier
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
2 . Februar 1900.
MüENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
247
die Einzelheiten dieser auch von den Gegnern als selten genial
konzipiert anerkannten Theorie auseinandersetzen wollte. —
Zu ihrer Stütze führte Ehrlich im Verein mit seinen Mit¬
arbeitern eine grosse Reihe Experimente aus, die wich¬
tigste neue Tatsachen, wie die I s o 1 y s i n e, das
Verhältnis der Komplemente zu den Ambo¬
zeptoren, den feineren Bau der Immunsub¬
stanzen zu Tage förderten. Vor allem aber gehören die¬
jenigen über den Nachweis der chemischen Bin-
dungsavidität der spezifischen Gegensub¬
stanzen des Serums an diejenigen Zellen, auf welche sie
spezifisch wirken, für alle Zeiten zu dem klassischen Bestand
der experimentellen Therapie. Aber abgesehen hiervon erwies
sich die Seitenkettentheorie als ungemein wertvoll in heuristi¬
scher Beziehung, sie beherrschte jahrelang in der Zeit, als der
Kampf um sie tobte, die experimentelle Tätigkeit der Immuni¬
tätsforscher, entweder von dem Standpunkte aus, sie zu stützen,
oder im Gegenteil sie zu widerlegen. Heute ist die ihr zu¬
grunde liegende Lehre von der spezifischen Bindungsavidität
zwischen Antigen und bestimmten Zellsubstanzen (Rezeptoren)
infolge der vielfachen experimentellen Beweise allgemein als
feststehende Tatsache in das Denken der auf diesem Gebiete
Arbeitenden übergegangen, und sie schickt sich an, ent¬
sprechend den Lehren von Ehrlich ihre Gültigkeit auch für
wichtige Gebiete der Ernährungsphysiologie sowie der Phar¬
makologie zu erweisen. Die Seitenkettentheorie, der jahre¬
lange Zankapfel im bakteriologischen Lager, hat besonders
dazu geführt, Ehrlich in manchen medizinischen Kreisen
als „Theoretiker“ auf dem Immunitätsgebiete zu betrachten,
und den „praktischen“ Wert der Seitenkettentheorie über die
Achsel anzusehen. Demgegenüber kann der Schreiber dieser
Zeilen nur sagen, dass man ohne die Lehren E h r 1 .i c h s bei¬
spielsweise niemals die Serodiagnostik der Syphilis hätte fin¬
den können.
Kaum hatte E h r 1 i c h die Seitenkettentheorien experimen¬
tell gestützt, als bereits neue Aufgaben anfingen ihn zu be¬
schäftigen. — Durch Vermittlung des Frankfurter Oberbürger¬
meisters Adiek es sowie des verstorbenen Ministerial¬
direktors A11 h o f f waren Ehrlich aus der Theodor Stern
Stiftung bedeutende Geldmittel für Studien über die bösartigen
Tumoren zur Verfügung gestellt worden. Dies war für ihn Ver¬
anlassung, sich eingehend mit der Frage des Karzinoms zu
beschäftigen.
Ehrlich beschloss die Frage experimentell in Angriff zu
nehmen. Er führte deshalb diese Studien, die sich über viele
Tausende von Tierversuchen erstreckten, nach dem Vorgänge
von J e n s e n hauptsächlich an transplantablen Tiertumoren
aus. Auch bei dieser Gelegenheit bewährte er sich wieder als
der Meister im Ausführen und Beobachten von Experimenten.
Denn er konnte bei dieser Gelegenheit die Möglichkeit des
Ueberganges von Karzinom in Sarkom feststellen.
Für die ungeheuere Vermehrungsfähigkeit der malignen Tumor¬
zelle konnte er infektiöse Ursachen nicht nachweisen, vielmehr
ersah er den Grund hiefür in einer im Vergleich mit den nor¬
malen 1 Körperzellen gesteigerten Avidität der Geschwulst¬
zellen gegenüber den Nährstoffen. Für diejenigen Fälle der
Immunität gegenüber Geschwulstzellen, in welchen die implan¬
tierte Geschwulst bei dem Tiere nicht mehr wächst, besteht
nach Ehrlich das Gegenteil, ein Zustand, für welchen er den
Begriff der A t r e p s i e einführte.
Trotz dieser erfolgreichen Forschungstätigkeit auf den
verschiedensten Gebieten blieb Ehrlich seiner ersten
Liebe, chemische Mittel zu finden, welche im Organismus
kraft ihrer Verteilungsgesetze bestimmte Zellen therapeutisch
beeinflussen, ununterbrochen treu. Jeder Besucher seiner
Arbeitsstätte kennt die Tausende von Fläschchen mit allen
neuen Farbstoffen und anderen Verbindungen, welche
die chemische Industrie herstellt, die in seinem Labo¬
ratorium aufgestapelt sind. Alle diese Substanzen prüft er
nebenher fortlaufend auf ihr Verhalten im Tierkörper und zwar
nicht etwa auf geradewohl, sondern nach festen Prinzipien,
beruhend auf der chemischen Konstitution der betreffenden
Substanz. Auf diese Weise gelang es ihm, in den letzten
Jahren Farbstoffe zu finden, wie das T r y p a n r o t und
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Fuchsin, welche die Trypanosomen im lebenden Organismus
abzutöten und daher diese Infektionen therapeutisch zu beein¬
flussen vermögen. Es wird niemanden Wunder nehmen, dass
derartige Erfolge auch die Aufmerksamkeit nicht medizinischer
Kreise auf den Forscher lenkten. Dies äusserte sich in ‘der
schönsten Weise darin, dass eine Frankfurter Mäzenin der
Wissenschaft, Frau Speyer, zum Gedächtnisse ihres ver¬
storbenen Gatten in jüngster Zeit ein eigenes Institut, das
Georg Speyer- Haus, gründete und Ehrlich übergab, um
daraus eine wissenschaftliche Stätte für die zielbewusste
experimentelle Erforschung neuer Heilmittel zu schaffen. —
Ehrlich hat das neue Heim der „Chemotherapie“ in
einer seiner und der Stifterin Person würdigen Weise ein¬
geweiht, indem er die richtige Konstitution des Ato-
xyls feststellte und ausgehend von dieser Erkenntnis,
sowie der von ihm entdeckten Tatsache, dass das Atoxyl im
Organismus erst in reduzierter Form zur Wirkung gelangt,
eine neue Reihe von Arsenikalien schuf, unter denen sich in
erster Linie das Arsenophenylglyzin, das mächtigste
trypanozide Mittel, welches die Medizin besitzt, befindet.
Ueber diese seine neuesten- chemotherapeutischen Errungen¬
schaften, sowie über die feinsten Vorgänge bei der Wirkung
chemischer Mittel auf die Trypanosomen, die Abstumpfung
derselben gegen diese u. s. f., hat er selbst erst vor wenigen
Wochen in einer besonderen Sitzung der deutschen chemischen
Gesellschaft gesprochen und dabei nicht nur die Bewunderung
der zuhörenden Mediziner, sondern in eben so hohem Masse
die der Chemiker hervorgerufen, wie sich dies besonders in
der gedankenreichen Dankesrede von Nernst zeigte. Mitten
in diesen Studien steht Ehrlich heute, frisch an Körper und
Geist, ein Jüngling im Konzipieren und Durchführen von Ideen.
Ehrlich wurde am 14. März 1854 zu Strehlen in Schlesien
geboren. Sein Werdegang war durchaus kein leichter. Denn
nachdem er seine Assistentenzeit bei F r e r i c h s und Ger¬
hardt beendet hatte, konnte er keine Arbeitsstätte finden.
Er war deshalb genötigt, sich jahrelang in Berlin unter grossen
Opfern ein Privatlaboratorium zu unterhalten, bis Robert
Koch bei der Errichtung des Instituts für Infektionskrank¬
heiten ihm die weitgehendste Gastfreundschaft in seinem Insti¬
tute bot. Nächst Koch verdankte Ehrlich in erster Linie
dem verstorbenen, um die Entwicklung der Wissenschaft so
hochverdienten Ministerialdirektors Althoff die weitere Ebnung
seines Weges. Dieser berief ihn 1896 an die Spitze des in Steg¬
litz errichteten Institutes für Serumforschung und Serumprü¬
fung. Das neue Institut war allerdings in des Wortes wahrster
Bedeutung unter ärmlichsten Verhältnissen eingerichtet, denn
es war in den beiden, früheren 1 Armenhäuschen von Steglitz
untergebracht. Aus diesem Institute entwickelte sich sodann
durch das Zusammenwirken der weitsichtigen Frankfurter
Stadtvertretung unter Führung des Oberbürgermeisters
A d i c k e s mit der preussischen Unterrichtsverwaltung das
1899 eröffnete Institut für experimentelle Therapie in Frank¬
furt a. M., an dessen Spitze Ehrlich noch heute steht. Mit
ihm ist gleichsam durch Personal-Union* das benachbarte, eben¬
falls unter E h r 1 i c h s Leitung stehende, bereits erwähnte
Georg Speyer-Haus, verbunden. Nicht unerwähnt möge
bleiben, dass an diesen Forscher, der die Medizin fortlaufend
während seines ganzen Lebens um neue Tatsachen, Gedanken
und Methoden bereichert hat, niemals eine Berufung seitens
einer medizinischen Fakultät ergangen ist, so dass er den Um¬
stand, seine Forschungen nicht aus eigener Tasche bezahlen
zu müssen, einzig den beiden schon genannten Männern, Koch
und A 11 h o f f, verdankt. Möge dieser scharfsinnige Forscher
ad multos annos zum Ruhme der Wissenschaft und zur Freude
seiner ungezählten Freunde in gleicher Weise fortwirken!
Ehrlich hat zahlreiche Schüler, die Träger bekannter
Namen, herangebildet. Es seien hier nur genannt: A p o 1 a n t,
Benario, v. Düngern, Kyes, A. Lazarus, Marx,
L. Michaelis, Morgenroth, der leider als Opfer seines
Berufes so früh verstorbene Myers, M. Neisser, Otto,
H. Sachs, Wechsberg u. a. m.
Berlin, Januar 1909. A. Wassermann.
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248
MURNCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
Eine Hilfsexpedition ins Innere Kalabriens.
Von Dr. A. Hesse in Kissingen.
Am Abend des 5. Januar verlässt unsere Expedition, bestehend
aus drei in der Krankenpflege geübten Damen, einem italienischen
Reserveleutnant iin Uniform und dem Verfasser dieser Zeilen mit dem
nach Süden fahrenden Nachtzuge Neapel. Wir waren wohl aus¬
gerüstet mit Geldmitteln, Vorräten an Kleidungsstücken, Schuhen.
Verbandstoffen und Nahrungsmitteln.
Unsere Absicht war, mit unserer Hilfe möglichst da einzji-
greifen, wo bis dahin allem Anschein nach die vom Erdbeben heim¬
gesuchte Bevölkerung noch keine Hilfe von aussen erhalten hatte.
Es handelte sich da vor allem um die im unzugänglichen Innern
Kalabriens gelegenen Ortschaften. — Es war jedoch keineswegs ganz
leicht, unser Vorhaben weiter südwärts und ins Innere zu kommen,
zur Ausführung zu bringen. War doch damals noch die Bahnlinie
von Palmi ab zerstört. Unter Schwierigkeiten und Wagnissen aller
Art gelang es uns schliesslich bis Scilla vorzudringen.
Der Name „Scilla“ erinnert uns an die alte griechische Sage,
die noch jetzt im Volke Kalabriens fortzuleben scheint, denn auch das
jetzige Erdbeben schreiben sie geheimnisvollen Kräften des Felsens
von Scilla zu.
Fünf Wegstunden landeinwärts von Scilla liegt, oder lag vielmehr.
San Roberto, eingeklemmt zwischen steilen Bergabhängen und einem
breiten Flussbett, das, meist nur wenig gefüllt, bei starken Regen¬
güssen aber einem reissenden Fluss Raum gibt. Vor dem Erdbeben
hatte San Roberto 2500 Einwohner, von denen ca. 700 getötet und
etwa 200 mehr oder weniger schwer verletzt waren. Zwei Tage vor
unserer Ankunft war ein Detachement von 50 römischen Grenadieren
unter Leitung eines liebenswürdigen Capitanos zur Hilfeleistung ein¬
getroffen. Die Aufgabe der Soldaten bestand einerseits im Herbei¬
schaffen und Verteilen von Proviant unter die Bevölkerung, anderer¬
seits im Auffinden und Bestatten der unter den Häusertrümmern ver¬
schütteten Leichen.
Kein einziges Haus im ganzen San Roberto war bewohnbar,
keine Strasse oder Gasse passierbar geblieben. Kümmerlich aus
allerhand Holzresten, zerbrochenen Dachziegeln, Stroh und Reisig¬
bündeln hatte sich die Bevölkerung Schutzhütten gegen Wind und
Wetter hergestellt und in oder vor ihnen kauerten sie um ein schwä-
lendes Feuer. Elender Hausrat, ein paar zerbrochene Töpfe und
Schüsseln lagen unordentlich herum, den Leuten selbst fehlte es an
den notwendigsten Kleidungsstücken und die Fürsorge für die Ver¬
wundeten lag noch stark im Argen. Hier und in einigen anderen
schwer zugänglichen kleinen Orten, die bisher auch jeder mili¬
tärischen Hilfe entbehrt hatten, bot sich uns reichliche Gelegen¬
heit für eine erspriessliche Tätigkeit.
Zehn Tage nach dem Erdbeben sah ich bis dahin völlig unbe¬
handelte, jeglichen Verbandes entbehrende und natürlich durchweg
infizierte Verletzungen leichter und schwerster Art. Von letzteren
erwähne ich mehrere komplizierte Unterschenkelfrakturen, ausge¬
dehnte Weichteilverluste aus Beinen und Füssen, teils mit weit vor¬
geschrittener Phlegmone. Es fanden sich Brüche der Dorsalwirbel
mit konsekutiver Lähmung der unteren Körperhälfte, gräulich infizierte
Kopfwunden; ausserdem eine ganze Anzahl von Rippen-, Klavikula-,
Radiusfrakturen; Luxationen des Humerus, Drucklähmungen des
N. radialis und medianus usw.
Selbstverständlich konnte den Schwerverletzten nur ein Not-
resp. ein den Transport ermöglichender Verband angelegt werden,
und man musste sie auf das demnächst zu errichtende Hospital ver¬
trösten. Mir, als einem mit der Anti- und Asepsis herangewachsenen
Arzte war es ein völliges Novum, so viele infizierte Wunden zu¬
sammen zu sehen und überraschend war die in manchen Fällen schon
weit vorgeschrittene Granulation. In einem modernen Kriege wird
man kaum derartiges sehen.
In Italien obliegt die Pflege der Verwundeten und Kranken im
Fälle eines Krieges der Croce Rossa, einer aus Privatärzten -und
männlichen Pflegern bestehenden Vereinigung, die im Kriegsfälle d.er
militärischen Gewalt untersteht. Weibliche Krankenpflege ist in
Italien noch so gut wie unbekannt, jedenfalls in keiner Weise organi¬
siert.
Für San Roberto war von seiten der Croce Rossa ein Feldspital
geplant und einen Tag nach unserer Ankunft kamen die Maulesel mit
grossen Lasten herauf, in denen sich die Spitalausrüstung befand.
Leider waren die Betten auf der Bahn verloren gegangen. In¬
zwischen hatte sich auch herausgestellt, dass der beschränkte Raum
zwischen Stadt und Fluss für die Errichtung eines Spitals nicht aus¬
reichte und es wurde deshalb beschlossen, unter Zurücklassung eines
Verbandzeltes das eigentliche Hospital weiter flussabwärts nach
Fiumara zu verlegen. Später habe ich mich überzeugen müssen, dass
auch die Wahl dieses Platzes keine glückliche gewesen ist; an einem
seitlich von der Strasse liegenden Abhang war eine Reihe von niedri¬
gen Zelten errichtet, von denen die zwei grösseren der Aufnahme
von Verwundeten dienten. Eigentliche Betten waren auch jetzt noch
nicht vorhanden, sondern aus Brettern und Strohsäcken war ein not¬
dürftiges Lager allzu nah über dem stark durchfeuchteten Erdboden
errichtet. Erkältungskrankheiten machten sich bereits bedenklich be¬
merkbar. In diesem Feldspital taten tüchtige Aerzte aus Bergamo
den Dienst, der ihnen allerdings durch -die unerfreulichen Verhältnisse I
stark verleidet war. — Eigentliche Infektionskrankheiten sind mir
nicht zu Gesicht gekommen. — Zu den schwierigsten Problemen ge¬
hörte das Hinunterschaffen der Verwundeten aus den in den Bergen
weit zerstreuten Ortschaften; auch in normalen Zeiten sind sie nur
auf schwierigen Bergpfaden zu erreichen, die jetzt durch Erdbeben
und andauernde Regengüsse selbst für den Fussgänger nahezu un¬
passierbar w'aren, geschweige denn, dass über sie eine Krankentrage
hätte befördert werden können.
Nun besteht bekanntlich in Italien die Einrichtung der von der
Regierung angestellten Distriktsärzte, aber dieselben w r aren entweder
selbst verwundet, oder hatten in ihrem Wohnorte so viel zu tun, dass
an ein Besuchen der ihnen zugeteilten übrigen Orte nicht zu denken
w'ar. Ihre Medikamente und ihr Verbandmaterial waren mit ihren
Häusern verloren gegangen, und hiezu kommt, dass die Aerzte, wie
die ganze Bevölkerung dort, bei Regenwetter nicht auszugehen lieben:
sie fürchten die pulmonite zu bekommen. Ein armer verwundeter
Kollege, der in der ganzen Zeit erst einmal von einem Nachbar-
kollegen besucht worden war, empfing uns wie rettende Engel.
Nach Erschöpfung unserer Vorräte fuhren wir zum abermaligen
Einkauf nach Neapel zurück und reisten dann, diesmal auf dem See-
w ege über San Giovanni zum zweiten Male nach San Roberto. Wir
führten eine beträchtliche Menge von Holz zum Berackenbau mit uns.
das in dem holzarmen, seiner Wohnstätten beraubten Lande besonders
begehrt ist. Das Holz ist nach endlich erlangter Fahrbarmachung
der Strasse glücklich in San Roberto angekommen, vielleicht das erste
ins Innere des Landes geschaffte Holz.
Wenn das Land weiterhin bew r ohnt werden soll, so muss -den
Leuten vor allem eine ganz andere Bauart als bisher üblich aufge-
zwmngen werden. Eine derartige Zerstörung der Häuser, wie
wir sie in den Dörfern Kalabriens gesehen, ist nur dadurch möglich
geworden, dass die Bausteine unbehauen, willkürlich aufeinander-
gclegt, durch schlechten Kalk ohne Zement notdürftig mit einander
verkleistert werden waren, dass die Häuser zu hoch und eines an das
andere sich stützend gebaut w'urden. Einzeln stehende Häuser hatten
sichtlich viel weniger gelitten und die mit grösserer Solidität er¬
bauten Fabrik- und Stationsgebäude waren in ihren Mauern oft un¬
beschädigt geblieben. Interessant ist es auch, dass die zahlreichen
Tunnels und starken Eisenbahnbrücken der Bahnlinie nicht gelitten
hatten. *
Viel ist in diesen Zeiten über die Bevölkerung Kalabriens ge¬
scholten worden und mancher Norditaliener äusserte sein Bedauern,
dass das Erdbeben nicht Land und Leute südwärts Neapels völlig
verschlungen habe. Mir scheint, der Kalabreser ist besser als sein
Ruf, und rührend w r aren oft die Zeichen seiner Dankbarkeit. Zwar
ist er indolent, an Selbsthilfe nicht gewöhnt, in Aberglauben befangen,
von mangelhafter Schulbildung; seinem Lande fehlt es an Strassen.
Telegraphen und Telephon. Doch das sind die Folgen jahrhunderte¬
langer Misswirtschaft der wechselnden Regierungen und einer an
Krieg und schweren Naturereignissen überreichen Geschichte.
Möchte dies letzte Erdbeben den Anstoss zu einer von Grund
aus neuen Entwicklung des sonst so schönen und fruchtbaren Landes
geben und aus den Trümmern ein besseres Kalabrien entstehen.
Bücheranzeigen und Referate.
D. F. Harris: The functional inertla of living matter.
A contribution to tbe physiological theory of life. London,
J. A. Churchill, 1908. 136 Seiten.
Während Physiker und Ingenieure sich heute bemühen,
an unbelebter Materie Eigenschaften und Erscheinungen fest¬
zustellen, die bisher nur von Lebewesen und ihren Organen
bekannt waren, wie Ermüdbarkeit, Summation von Reizen,
Latenzperioden, sucht hier ein Physiologe die Ueberein-
stimmung zwischen lebloser und lebendiger Masse für strenger
zu erweisen, als sie bisher galt, indem er dem Protoplasma jene
durch Newton formulierte Grundeigenschaft der toten
Materie, die Trägheit, auch der lebendigen Substanz zuspricht.
Nach H. kommen dem Protoplasma zwei primäre Eigenschaften
zu: die Reizbarkeit, deren Existenz und Erscheinungsformen
anerkannt und bekannt sind, und jene „inertia“, zu deutsch
vielleicht am besten mit „Beharrungsvermögen“ wiederzu¬
geben, wodurch auch ausgedrückt wäre, was der Verfasser
betont, wissen will, dass es sich dabei um eine aktive Fähig¬
keit, nicht um ein passives Verhalten handelt Diese beiden
Fundamentaleigenschaften sind in jeder Zelle als Antagonisten
vorhanden, die Resultante ihrer Kräfte bedingt Mass und Art
der zahllosen Lebensäusserungen. Die Beweisführtng des
Verfassers bewegt sich durch die ganze Welt des Lebendigen
und wenn man an ihr etwas aussetzen möchte, so wäre es
dies, dass die Beweise für das Vorhandensein der Trigheits-
funktion des Protoplasmas zu zahlreich und nicht immer über¬
zeugend sind. Es mag angehen, die physiologischen Rhythmen,
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2. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
249
wie Atmung, Herz, Vasomotorentätigkeit als den Ausfluss
dieser Funktion zu betrachten. Jedoch gibt es keine zeitlich
bedingte physiologische oder pathologische Erscheinung,die hier
nicht mit ihr in Zusammenhang gebracht würde: „der Winter¬
schlaf, die Menstruation, das Ueberleben der Gewebe, der
Atavismus, die postmortale Austreibung des Kindes aus dem
Mutterleibe, die Rasseneigentümlichkeiten, die vererbten
Eigenschaften, die Bigotterie, der Fanatismus, die Pedanterie
der Frauen! Solche Gedankengänge passen ja wohl in eine
Festrede, aber dies ist keine Naturwissenschaft. Es gibt sehr
viele Vorkommnisse im Leben niederer und höherer Orga¬
nismen, welche zeitlich und rhythmisch fixiert sind und doch
nicht der Ausfluss eines Beharrungsvermögens des Proto¬
plasmas zu sein brauchen: die Latenzperioden, die Inkubation,
die Erwerbung aktiver Immunität, um nur einige zu nennen.
Auch die Erscheinungen, die dem Weber-Fechnersehen
Gesetze zu Grunde liegen, mit der „Inertia“ in Zusammen¬
hang bringen zu wollen, erscheint sehr bedenklich.
Robert R ö s s 1 e - München.
Fr. van Calker: Frauenheilkunde und Strafrecht.
Strassburg, Verlag von Schlesier und Schweick-
h a r d t, 1908. 52 S. Preis Mk. 1.50.
Die Ausführungen des Verf. entstammen ihrem Haupt¬
inhalt nach zwei Vorträgen, die er auf der Naturforscher¬
versammlung in Meran (1905) und in einer gemeinschaftlichen
Sitzung der Strassburger medizinischen und der juristischen
Gesellschaft gehalten hat. Das von dem Verf. — Professor
der Rechte an der Strassburger Universität — behandelte
Thema hat grosses Interesse über medizinische und juristische
Kreise hinaus. Deshalb ist wohl ein ausführlicheres Referat
am Platze.
Der Stoff ist in 6 Abteilungen gegliedert: I. Der chirurgische
Eingriff im allgemeinen. II. Die Perforation. III. Der künst¬
liche Abortus. IV. Die künstliche Frühgeburt. V. Die Ver¬
hinderung der Konzeptionsmöglichkeit. VI. Die Regelung der
Verantwortlichkeit für chirurgische Eingriffe bei der Reform
des Strafgesetzbuches.
In einer kurzen Einleitung führt der Verfasser aus, dass
grundsätzlich den Arzt überhaupt keine strafrechtliche
Verantwortlichkeit für den zu Heilzwecken gemachten ope¬
rativen Eingriff treffen kann. Dieser Gedankengang enthalte
aber eine Lücke, da er nicht berücksichtigt, dass jeder
operative Vorgang einen Eingriff gleichzeitig enthält in das
Recht des Patienten, der freie Verfügung über seinen Körper
hat. Das Gesetz stellt aber die gegen oder ohne Einwirkung
geschehene Verletzung grundsätzlich unter Strafe. Es ergibt
sich also die Frage, ob der Arzt zu seinem Eingriff der vor¬
herigen Zustimmung des Patienten bedarf. Diese Frage ist
eine juristische. Ebenso die weitere Frage, ob der Arzt zur
Perforation des lebenden Kindes und zur Ausführung des künst¬
lichen Aborts berechtigt ist im Interesse der Erhaltung oder
der Wiederherstellung der Gesundheit der Mutter, oder ob
der Eingriff nur erlaubt ist zur Rettung der Mutter aus Lebens¬
gefahr. Die Frage nach der Angemessenheit und richtigen
Durchführung der Operation ist dagegen eine ausschliesslich
medizinische.
Die Straflosigkeit des chirurgischen Eingriffes liegt im
Gewohnheitsrecht begründet, das Verletzungen zulässt, die
zum Schutze höherwertiger Interessen nötig sind (Erhaltung
des Lebens und der Gesundheit). Ob nun der Arzt zur Vor¬
nahme eines solchen Eingriffes der Einwilligung des Patienten
bedarf oder nicht, lässt sich nicht für alle Fälle beantworten.
Verf. steht auf dem Standpunkt, „dass der Arzt bei
chirurgischen Eingriffen grundsätzlich der
Einwilligung des Patienten bedarf; handelt es sich um die
Vornahme von Eingriffen an Kindern oder unzurechnungsfähigen
Personen, so ist die Einwilligung des gesetzlichen Vertreters
einzuholen. Nur bei unmittelbarer Lebensgefahr
kann der Arzt ohne vorgängige Einwilligung zu einem
chirurgischen Eingriff schreiten; er wird also in solchem Falle
nicht wegen Nötigung strafbar, wenn er z. B. den Patienten,
um eine Amputation machen zu können, gegen seinen Willen
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narkotisiert oder wenn er ihn mit Gewalt zwingt, das Aus¬
pumpen des Magens zu dulden“. Dasselbe Recht hat der Arzt,
wenn er im Verlaufe einer Operation einen grösseren Eingriff
für nötig erachtet als der ursprünglich geplante und vom
Patienten erlaubte.
Für die juristische Beurteilung der Perforation des leben¬
den Kindes kann man den als gewohnheitsrechtlich anerkannten
Grundsatz aussprechen, dass die Tötung des lebenden Kindes
im Mutterleibe nicht rechtswidrig ist, wenn sie erforderlich
war, um das Leben der Mutter zu retten. Die allgemeine
Rechtsanschauung wertet eben das Leben der Mutter höher
als das des ungeborenen Kindes. Für die Perforation des
lebenden Kindes hält van Calker die Einwilligung der
Mutter nicht für erforderlich, da es sich um eine Rettung der
Mutter aus Lebensgefahr handelt. Den Kaiserschnitt und eine
beckenerweitemde Operation kann er dagegen nur mit Ein¬
willigung der Mutter vornehmen, solange eine Perforation an
sich für die Mutter günstigere Chancen bietet. Nicht nur zur
Rettung aus einer Lebensgefahr, sondern auch zur Ver¬
minderung dieser Gefahr darf der Arzt ohne Einwilligung
die Perforation ausführen.
Der § 218 stellt die Fruchtabtreibung, also auch
den künstlichen Abort unter Strafe. Es unterliegt jedoch
keinem Zweifel, dass der Arzt in bestimmten Grenzen, ohne
rechtswidrig zu handeln, zur Einleitung des künstlichen Aborts
gewohnheitsrechtlich befugt ist. Die Grundlage der Straf¬
losigkeit ist aber nicht in einem Notstand von seiten der Mutter
zu suchen (wie dies zuweilen geschehen), sondern darin, dass
die Erhaltung des mütterlichen Lebens höher eingeschätzt wird
als das kindliche. Die Einleitung des künstlichen Abortes ist
deshalb nicht strafbar, wenn sie notwendig war zur Rettung der
Mutter aus Lebensgefahr, oder zur Minderung dieser Gefahr,
aber auch dann nicht, wenn das Weiterbestehen der
Schwangerschaft eine unverhältnismässig schwere Schädigung
der Gesundheit oder eine dauernde und schwere Schwächung
der ganzen Konstitution für die Mutter bedeuten würde. Die
Einwilligung der Mutter zur Vornahme des künstlichen Aborts
ist aber immer erforderlich, es sei denn, dass es sich um die
Rettung der Mutter aus unmittelbarer Lebensgefahr handelt.
IV. Die Einleitung der künstlichen Frühgeburt unterscheidet
sich von der des künstlichen Abortes dadurch, dass sie zu einer
Zeit vorgenommen wird, wo die Frucht lebensfähig ist. Wird
also die Erhaltung des kindlichen Lebens durch diesen Eingriff
beabsichtigt, dann kann der Arzt natürlich nicht unter die Be¬
stimmung des § 218 fallen, auch dann nicht, wenn der Eingriff
den erwünschten Erfolg nicht gehabt hat. Wenn aber durch
den Vorgang der Abtreibung an sich oder mit Absicht von
vornherein der Tod des Kindes erfolgt ist, dann ist dieser Ein¬
griff entsprechend § 218 strafbar. Für die Einwilligung gilt
dasselbe wie für den künstlichen Abortus.
V. Die Sterilisierung durch Resektion eines Stückes der
Tube bedeutet für die Operierte die dauernde Ausschliessung
der Konzeptionsfähigkeit. Dieser Eingriff fällt seinem objek¬
tiven Tatbestand nach unter die Strafbestimmung des § 224:
„Hat die Körperverletzung zur Folge, dass der Verletzte...
die Zeugungsfähigkeit verliert“ (unter diesen Begriff fällt auch
die Konzeptionsfähigkeit) . . . ., so ist auf Zuchthaus bis zu
5 Jahren oder Gefängnis nicht unter 1 Jahr zu erkennen. § 225:
„War eine der vorbezeichneten Folgen beabsichtigt und ein¬
getreten, so ist auf Zuchthaus von 2—10 Jahren zu erkennen.“
Verfasser fasst seine Anschauungen dahin zusammen, dass
„die Vernichtung der Konzeptionsfähigkeit der ethischen Be¬
wertung nach eine schwere Rechtsgüterverletzüng ist; sie kann
bei einer Abwägung der in Betracht kommenden Interessen
nur aufgewogen werden, wenn sie notwendig ist, um eine
drohende Lebensgefahr oder eine schwere Gefahr für die Ge¬
sundheit zu verhindern. So ist von diesem Standpunkte aus
also zweifellos ausgeschlossen eine Berechtigung zur Vornahme
dieser Operation lediglich zu dem Zweck, ein weiteres un¬
bequemes Anwachsen der Familie zu hindern, oder zu dem
Zweck, der Frau einen „ungefährlichen“ geschlechtlichen Ge¬
nuss zu ermöglichen.“ Bei Unverheirateten ist die operative
Sterilisierung nicht zulässig.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
250
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
VI. Verfasser bespricht die Vorschläge der Aerztekammer
für die Provinz Brandenburg und schlägt seinerseits als
Zusatz zu den Bestimmungen über Abtreibung und schwere
Körperverletzung folgendes vor: „Nicht strafbar ist die Tötung
der Frucht, wenn sie erforderlich war zur Rettung der Mutter
aus Lebensgefahr oder aus der Gefahr einer unverhältnismässig
schweren Gesundheitsschädigung.“ „Nicht strafbar ist die Ver¬
nichtung der Empfängnisfähigkeit, wenn diese Handlung an
einer verheirateten Frau vorgenommen wurde und der Eingriff
erforderlich war, um die aus einer Schwangerschaft voraus¬
sichtlich entstehende Lebensgefahr oder die Gefahr einer un-
verhältnismässig schweren Gesundheitsschädigung zu be¬
seitigen.“ Zur Feststellung des Bedürfnisses der Einwilligung
schlägt v. C. vor: „Nicht strafbar ist die zu ärztlichen Zwecken
erfolgende Handlung, vorausgesetzt, dass sie mit Einwilligung
des Patienten oder seines gesetzlichen Vertreters geschehen ist,
oder dass sie zur Rettung aus einer unmittelbaren Lebensgefahr
erforderlich war.“ „Die Einwilligung schliesst die Strafbar¬
keit nicht aus.“
Die Vornahme eines Eingriffes steht, da heutzutage Frei¬
heit des Gewerbebetriebes für die Heilkunde vorhanden ist,
jedermann, dem Arzt und dem Laien zu.
Die Broschüre des bekannten Strafrechtslehrers ist von
grossem aktuellen Interesse und deshalb der allgemeinen
Kenntnisnahme seitens der Aerzte zu empfehlen. Für den Arzt
ist sie doppelt wichtig, weil er zwischen den Zeilen die Schäden
und Mängel herauslesen kann, welche unserer Gesetzgebung
in den erwähnten Fragen noch anhaften und die wohl durch
die bevorstehende Reform des Strafgesetzbuches nicht beseitigt
werden dürften. S c h i c k e 1 e - Strassburg.
Friedrich C r ä m e r: Vorlesungen über Magen- und Darm-
krankheiten. 4. Heft. Chronischer Magenkatarrh (Gastritis
chronica). Mit 4 Kunstdrucktafeln. München, J. F. L e h -
mann, 1908. 168 Seiten. Preis 4 M.
Kaum eine Magenkrankheit wird in der Praxis so häufig
angenommen und so selten wirklich diagnostiziert, wie der
chronische Magenkatarrh. Leichte funktionelle Störungen
werden ebenso oft fälschlich mit diesem Namen belegt wie
schwere, lebensgefährliche Veränderungen. Jede gründliche
Arbeit, welche sich eingehend mit dieser idiopathisch gar nicht
so häufig vorkommenden Krankheit, ihrer anatomischen und
klinischen Charakterisierung vor allem, beschäftigt, ist daher
mit Freude zu begrüssen. Der anatomischen Schilderung wird
auf Grund von Abbildungen ein breiter Raum gewährt und
insbesondere die Abgrenzung von der Stauung in der Magen¬
schleimhaut durchgeführt. Aus dem klinischen Teil ist be¬
sonders hervorzuheben, dass Verfasser statistisch ein viel häu¬
figeres Vorkommen der Gastritis acida nachweist, als es bisher
angenommen werde. Die exakte Diagnose ist auch nach der
Darstellung C r ä m e r s eine ausserordentlich schwierige.
Schon die Trennung der 3 hauptsächlichsten organischen
Magenveränderungen: Krebs, Geschwür und Katarrh ist, wie
aus der sehr verdienstlichen differentialdiagnostischen Tabelle
hervorgeht, nur bei sorgfältigster Abwägung der einzelnen
Symptome und auch dann nur mit Wahrscheinlichkeit möglich.
Sichere Erscheinungen fehlen so gut wie ganz. Aehnliches
gilt von der Abgrenzung gegen die funktionellen Magen¬
störungen. Immerhin ist es aber schon ein grosses Verdienst,
wenn aufs Neue auf den immer noch bestehenden Schlendrian,
den Magenkatarrh ohne Sondenuntersuchung des Magens zu
diagnostizieren, nachdrücklichst hingewiesen wird. Das Buch
in allen seinen Einzelheiten zu würdigen, ist unmöglich. Die
Reichhaltigkeit der Literatur, ebenso wie die Fülle eigener
diagnostischer und therapeutischer Erfahrung, verbunden mit
einer einfachen, fliessenden, anregenden Schreibweise sind
Vorzüge, welche dem Werke, trotz der Ueberfüllung des
Büchermarktes gerade in diesem Gebiete, die Wege ebnen
müssen. Wenn ein so gründlicher und gediegener Praktiker
spricht, kann Jeder etwas lernen. Mögen die Kollegen in der
Praxis seine Worte lesen und beherzigen. P e n z o 1 d t.
Prof. Dr. H. Obersteiner: Arbeiten aus dem Neuro¬
logischen Institute (k. k. österreichisches interakademisches
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Zentralinstitut für Hirnforschung) an der Wiener Universität
XVII. Bd., 1. Heft, 174 S., 4 Tafeln, 7 Kurventafeln und 35 Ab¬
bildungen im Text. Leipzig und Wien, Franz Deu ticke,
1908. Preis 10 Mark.
TorataSano untersucht und klassifiziert die Zellen der
Hirngliome. In einer anderen vergleichend-anatomischen Ar¬
beit über die Substantia gelatinosa des Hinterhorns, die sich auf
alle Säugetierklassen erstreckt, schliesst der gleiche Verfasser
aus der geringen Differenzierung der Subst. gel., dass sie ein¬
fache, sympathische, resp. automatische Funktion haben müsse.
Sie würde z. B. der Gefässinnervation und der Tätigkeit der
Hautdrüsen, der Bewegung der Haare und Stacheln vorstehen.
— Neurath beschreibt einen Fall mit symmetrischen Herden
der Operkularregion, mit sekundärer Degeneration der Hör¬
strahlung und knüpft daran interessante Bemerkungen über da*
menschliche Hörzentrum. — Bauer studiert die hinteren
Rückemarkswurzeln in der Tierreihe mit Bezug auf ihre Glia-
begleitung und stützt durch Befunde an Tabischen die Annahme
früherer Autoren, dass die Anschwellungen ein Locus minoris
resistentiae gegenüber der Tabes seien, weil hier die Glia-
Bindegewebsgrenze weiter hinausgeschoben sei als an anderen
Stellen. — Williams kommt auf vergleichend anatomischem
Wege zu der Annahme, dass die untere Olive ein Schalt¬
ganglion sei, das die Gleichgewichtsverhältnisse der Tiere re¬
guliert gegenüber den verschiedenen Medien, in denen sich
dieselben bewegen und gegenüber der fortschreitenden Ent¬
wicklung zur aufrechten Haltung. — Mattauscheck stu¬
diert die Histologie der Arachnoidea spinalis mit Berück¬
sichtigung pathologischer Prozesse.
Bleuler- Burghölzli.
V. Steiner: Handbuch der praktischen Hygiene und
Unfallverhütung in Industrie, Gewerbe, Bergbau. I. Band.
Wien 1908, im Selbstverläge, Wien II/l, Am Tabor 18.
Das Buch ist im wesentlichen für Gewerbetreibende und
Industrielle, sowie Gewerbeinspektionsbeamte bestimmt und
trägt dementsprechend auch keinen wissenschaftlichen, sondern,
wie die zahlreichen Hinweise aut Bezugsquellen und die beige¬
gebenen Annoncen beweisen,mehr einen industriellen Charakter.
Dabei tritt die Unfallverhütung der Gewerbehygiene gegenüber
in den Vordergrund. In dem Bestreben, die wichtigsten hygie¬
nischen Grundsätze knapp zu fassen, ist vielfach so weit ge¬
gangen worden, dass erhebliche Missverständnisse und Irr-
tümer bei Laien nicht ganz ausgeschlossen erscheinen. Im
übrigen ist die Darstellung und Einteilung des Stoffes als prak¬
tisch zu bezeichnen, und die Kürze vielleicht durch die Ab¬
neigung der betreffenden Berufskategorien, für welche das
Buch bestimmt ist, sich literarisch mit diesen Wissensgebieten
zu beschäftigen, gerechtfertigt. Dem Arzte wird dis Buch in
den Fragen der industriellen Unfälle ein nützlicher Wegweiser
sein können. Martin H ah n - München.
Studien zur Geschichte des Militärsanitätswes ens im 17.
und 18. Jahrhundert, mit besonderer Berücksichtigui ig der kur-
bayerischen Armee. Beiträge zur Geschichte der V edizin von
Dr. Joseph Schuster, Kgl. bayer. Oberstabsarzt a D. Zweite
verbesserte Auflage. München 1908. Lindauer >che Buch¬
handlung. 97 Seiten.
Das Buch bringt in gedrängter Kürze ein auss< rordentlich
reiches und neues sanitätsgeschichtliches Material. Auf Grund
sorgfältigsten Quellenstudiums entrollt Verfasser e n Bild des
seinerzeitigen Standes des Sanitätswesens und t er Heeres¬
hygiene. Er vermag es uns begreiflich zu machen wie durch
die fehlende militärische Organisation der Aerzt ■ und den
Mangel an geschulten Aerzten, an Pflegepersonal und einer
zielbewussten Heereshygiene so grosse Menscher Verluste in
den einzelnen Feldzügen zustande kommen konnl ;n. — Die
liebevolle Schilderung einzelner bedeutender Aer: tc der da¬
maligen Zeit und ihrer besonderen Verdienste, inter ssante An¬
gaben über Instrumentarium und Inhalt der Feldk* ;ten, wert¬
volle, kritische Streifblicke über die Entstehung < es jetzigen
Sanitätsoffizierkorps verleihen den „Studien“ ein ie Lektüre
ungemein anregendes allgemeines Interesse. v. H e u s s.
Original fro-m
UNIVERSIT7 OF CALIFORNIA
2. Tebruar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
251
Neueste Journalllteratur.
Deutsche Zeitschrift für Chirurgie. 95. Bd. 6. Heft. No¬
vember 1908.
31) A. Läwen: Ueber die Serumbehandlung des Milzbrandes
beim Menschen.
7 Fälle von Milzbrand, die mit Sobernheimsehem Serum
(30—40 ccm event. 2 mal intravenös injiziert, später kleinere Dosen)
zeigen, dass bei allen mit schweren Allgemeinstörungen einhergehen¬
den Fällen die Seruminjektionen vorgenommen werden sollen.
32) Rudolf Stich: Exstirpation eines Aneurysma arterlo-veno-
sum der Poplitea. Ein Beitrag zur zirkulären Gefässnaht am Men¬
schen. (Aus der Bonner chirurgischen Klinik.)
Bei einem 16 jährigen Fabrikarbeiter, bei dem sich im Anschluss
an eine Eisensplitterverletzung ein Aneurysma arterio-venosum in
der Kniekehle entwickelte wurde das Aneurysma reseziert und nach
Ligatur der Vene, die zirkuläre Gefässnaht der Arterie nach C a r r e 1
gemacht.
Bei der Nachuntersuchung nach 5 Monaten deutliche Pulsation
der A. dorsalis pedis und Tib. post., die vorher vollkommen fehlte.
Literaturzusammenstellung.
33) H. F1 ö r c k e n: Experimenteller Beitrag zur Frage des
Kollateralkreislaufs der Niere. (Aus der Würzburger chirurgischen
Klinik.)
Im wesentlichen an Katzen angestellte Versuche, die in der
Weise ausgeführt wurden, dass in einer Sitzung die Nephrotomie und
Implantation des Netzes in die Nephrotomiewunde, in einer zweiten
Sitzung die Unterbindung der Nierenarterie oder der Arterie und
Vene ausgeführt wurde, beweisen, dass eine Gefässverschiebung
zwischen Netz und Niere, die geeignet wäre, die Nekrose der Niere
nach Unterbindung der Gefässe zu verhüten (Parlavecchio)
nicht eintritt.
34) H. 11 o und J. Soyesima: lieber die chirurgische Behand¬
lung des Magengeschwürs und seiner Folgezustände. (Aus der
Kaiserl. chir. Universitätsklinik Kyoto.)
21 Fälle von Pylorusstenose infolge Ulcus, die durch Gastro¬
enterostomie geheilt oder gebessert wurden.
Wegen der Möglichkeit der peptischen Jejunalgeschwiire wer¬
den Verff. in Zukunft die laterale Gastroduodenostomie bezw. die
modifizierte Pyloroplastik zunächst erwägen.
35) Otto Jüngling: Ueber die Behandlung der Prostatahyper¬
trophie mittels Injektion von artfremdem Blut. (Aus der chir. Uni¬
versitätsklinik Berlin.)
In Analogie der Bier sehen Karzinombehandlung mit Blutiniek-
tion wurden in 15 Fällen wiederholte Injektionen von artfremdem
Blut in die Prostata vorgenommen.
4 Fälle blieben unbeeinflusst, die übrigen erfuhren eine Besse¬
rung. die in Kräftigerwerden des Urinstrahls, Herabsetzung der Zahl
der Miktionen, Beeinflussung der Zystitis bestand.
Eine Erklärung der Beeinflussung durch die Injektionen entbehrt
noch der exakten Unterlagen.
H. Flörcken - Würzburg.
Zentralblatt für Chirurgie. No. 1. u. 2.
F. Sauerbruch -Greifswald: Die Behandlung der Angiome
mit gefrorener Kohlensäure.
F. S a u e r b r u c h empfiehlt, gestützt auf eigene Erfahrungen
und gute kosmetische Erfolge, die einfache und wirksame Behand¬
lungsmethode, die er im Augustnahosoital zu Chicago anwenden sah.
Man lässt aus einer Kohlensäurebombe (wie sie bei Gefriermikrotomen
angewandt wird etc.) das Gas in ziemlich starkem Strahl in ein vor¬
gehaltenes Mullstück ausströmen, ein Stückchen des dabei entstehen¬
den intensiv kalten Schnees wird auf die Stelle des Angioms gelegt
und bleibt dort 10—20 Sekunden liegen, worauf sofort hochgradige
Kontraktion der Gefässe und umschriebene Anämie des Tumors ein¬
tritt und so kann in derselben Sitzung mehrmals an anderer Stelle
dieser Schnee aufgelegt werden und wird die ganze Behandlung in
Abständen von 8—10 Tagen so lange fortgesetzt, bis der Tumor ver¬
schwunden. L. hat die Behandlung auch auf oberflächliche Gesichts¬
karzinome mit günstigem Erfolge angewandt und empfiehlt die Me¬
thode zur Nachprüfung.
H. Kehr: Zur Hepatikusdrainage.
Um das Nachaussenleiten fast sämtlicher Galle bei der gewöhn¬
lichen Hepatikusdrainage zu umgehen und die danach entstehende
Appetitlosigkeit etc. zu vermeiden, benützt K. jetzt T-förmige dünne
Gummiröhren, die er so in den Hepatikus resp. Choledochus einfiihrt.
dass sie \% cm im Hepatikus und Vz cm im Choledochus liegt, beim
Herausziehen reisst die junge Narbe nicht ein und die Heilung wird
nicht gestört. K. legt über das Rohr zur Verkleinerung der Chole-
dochusinzision so viel Nähte (die er lang lässt), dass nur ein ganz
feiner Spalt bleibt, aus dem das Rohr herausführt und legt 2 Tampons
um das Rohr. Das Längsrohr soll möglichst duodenalwärts liegen.
Anfangs fliesst fast sämtliche Galle nach aussen, am 6. Tag wird
das nach aussen führende Rohr abgeklemmt und nun muss die Galle
ins Duodenum fliessen. Ist ein Hindernis duodenalwärts, so würde die
Galle neben dem nach aussen führenden Rohr in die Tampons fliessen.
was 8 Tage nach der Operation, da die Bauchhöhle durch Adhäsionen
dann abgeschlossen ist, nichts schadet. Das Rohr nimmt K. ge-
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wohnlich am 12.-14. Tag heraus. Die Gummiröhren sind bei Helwig
(Halberstadt) erhältlich.
K i r s t e i n - Königsberg: Zur Technik entfernbarer versenkter
Nähte unter besonderer Berücksichtigung der Bassinlnaht.
Schilderung einer besonderen Kreuznaht, die das Entfernen der
Fäden (am 12.—14. Tage) leicht gestattet.
No. 2. W. J. v. S t o c k u m - Rotterdam: Prostatectomla supra-
pubica extravesicalis.
In dem Bestreben, die suprapubische Prostatektomie zu ver¬
bessern, d. h. die Gefahren derselben zu verringern, ging St. in der
Weise vor, dass er von medianem Schnitt von der Wurzel des Penis
nach oben die Haut und Lin. alb. spaltete, die Rekti mittelst Haken
auseinanderzog und mit dem Finger hinter der Symphyse bis auf
den Anfangsteil der Urethra und Prostata einging. Auf der grössten
Höhe der Prostata, ein wenig neben der Mittellinie machte St. kleinen
senkrechten Schnitt in die Prostatakapsel und konnte nun durch diese
Oeffnung mit einem, später mit zwei Finger die Prostata leicht aus-
lösen, wobei ein vorher in die Blase eingeführter Nelaton zur Orien¬
tierung half. Die Auslösung geschah ebenso leicht wie bei der Opera¬
tion nach Freyer. Zur Ableitung des Urins wurde ein kleines
Knopfloch im Scheitel der Blase angelegt, doch glaubt St., dass man
dies entbehren und gleich bei der Operation einen Dauerkatheter
(nachdem die anfängliche Blutung durch einen fest eingelegten Tam¬
pon gestillt ist) einlegen kann. Die Blase spülte St. täglich einige
Male mit 0,5 proz. Arg. nitr.-Lösung durch das Drainrohr aus. Sehr.
Zeitschrift für Geburtshilfe und Gynäkologie. Band 63
Heft 3. Stuttgart 1908, F. Enke.
O. Küstner -Breslau: Kaiserschnitt, Rückblicke und Aus¬
blicke.
In einer ca. 80 Seiten starken Arbeit behandelt K. monographisch
die Sectio caesarea, die in nicht ganz 15 Jahren 104 mal ausgeführt
wurde.
Rud. O e r i - Basel: Untersuchungen über die Desinfektion mit
einem Azeton-Alkoholgemisch nach v. H c r f f.
Die Methode vereinfacht durch Weglassen der Biirstenseifen-
waschung das Desinfektionsverfahren ganz bedeutend. Sie garantiert
eine an Keimfreiheit grenzende Keimarmut der Hände, eignet sich zur
Schnelldesinfektion und besitzt gute Dauerwirkung. Da sie auch das
Operieren ohne Handschuhe gestattet, ist sie auch in der Hebammen¬
geburtshilfe und in kriegschirurgischen Massnahmen empfehlenswert.
Die Mischung besteht aus Azeton und 95 proz. Alkohol zu gleichen
Teilen.
R. Pfisterer - Basel: Ueber die Wertigkeit der reinen Alkohol-
deslnfektlon.
Die Arbeit ist eine Ergänzung der vorigen. Die reine Alkohol¬
desinfektion ist weniger empfehlenswert als die Azeton-Alkohol-Des-
infektion. Sic genügt nur für kurzdauernde Notoperationen. Die Prü¬
fung an Geübten und Ungeübten ergab bemerkenswerte Unterschiede,
die erkennen lassen, dass die Desinfektion gelernt sein muss und mit
grösster Sorgfalt bei gespanntester Aufmerksamkeit auszuführen ist.
K. Holzapfel - Kiel: Ueber die Beziehung der Kopfgeschwulst
zum Leben der Frucht
Beobachtungen und Versuche lassen Verf. zu dem Schluss kom¬
men, dass wir bei der Geburt aus der Beschaffenheit der Kopfge¬
schwulst nicht erkennen können, ob das Kind frischtot oder lebend
ist. Auch am toten Kinde, und zwar noch geraume Zeit nach dem
Tode, kann durch Druckunterschied das Gewebe stark ödematös in¬
filtriert werden.
J. W a 11 a r t - St. Ludwig i. E.: Untersuchungen über das Corpus
luteum und die interstitielle Eierstocksdrüse während der Schwanger¬
schaft.
Obwohl ihrer Genese und Bedeutung nach verschieden, bietet das
histologische Bild auffallende Aehnlichkciten. Details müssen im
Original nachgelesen werden.
E. Gräfen her g-Kiel: Sind die Chorloanglome echte Ge¬
schwülste?
Die Geschwulsttheorie der angiomartigen Plazentarverände-
rungen ist nicht aufrecht zu erhalten; es handelt sich um primäre
Schädigungen der interviüösen Räume durch lokale mütterliche Ge-
fässalterationen. Die Cborioangiome sind also keine Geschwülste,
sondern eigenartig degenerierte Chorionzotten.
Th. P e t r i - München: Zur Interpositio uteri vesico-vaginalls.
Ref. cf. diese Wochenschrift, 1908, No. 30, pag. 1618.
O. Herbert - München: Zur Behandlung der Hämatozele nach
ektopischer Schwangerschaft.
Ref. ibidem.
E. Ingerslev -Kopenhagen: Ueber den Besuch Heinrich
van Deventers In Kopenhagen.
Y. I w a s e - Tokio-Tübingen: Ueber die zyklische Umwandlung
der Uterusschleimhaut.
Der von Hitschmann und Adler aufgestellten Behauptung,
dass beim geschlechtsreifcn Weibe mit seinem wellenförmigen Lebens¬
prozesse der Bau der Uterusschleimhaut eine festliegende zyklische
Umwandlung erfährt, stimmt Verf. mit der Einschränkung zu, dass
dieselbe nicht vollständig gleichmässig vor sich geht, sondern indi¬
viduell, und, je nach der untersuchten Stelle, selbst bei ein und
derselben Frau zu derselben Zeit mehr oder weniger verschieden ist.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
252
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
Im grossen und ganzen tritt die Umwandlung der Mukosa regel¬
mässig ein, bei den Drüsen ausgeprägter als bei den Stromazellen.
Am auffälligsten sind die Veränderungen in der prämenstruellen Phase
und zwar in Form von papillären Wucherungen der Schleimhautober¬
fläche kurz vor der Periode. Auch postmenstruell und im Intervall
sind charakteristische Veränderungen histologisch nachweisbar.
J. Vo i g t - Qöttingen: Intraligamentär entwickelte Ovarlal-
gravidität mit Hämatombildung im Ligamentum latum.
Die Diagnose des seltenen Falles wurde erst bei der vaginalen
Koeliotomie gestellt. Genaue Beschreibung des Präparates und seiner
biologischen Eigentümlichkeiten.
E. E i c k e - Breslau: Nabelabfall und Nabelheilung bei Fortlas-
sung des täglichen Bades an der Hand 12 jähriger klinischer Er¬
fahrung.
Statistische Zusammenstellung. 7300 Kinder mit 196 Füllen von
Nabelaffektion. Nur 6 Todesfälle, für die Sepsis vom Nabel ausgehend
verantwortlich gemacht werden musste. Unter den 196 Fällen ver¬
liefen 56 mit Fieber. Der 2—3 cm lange Nabelschnurrest wird mit
steriler Watte versorgt. Das Kind wird nicht gebadet, sondern nur
gewaschen. Verbandwechsel in normalen Fällen frühestens am 5.
Tage. Bei Nabeleiterung werden Alkoholverbände empfohlen. Der
normale Nabelabfall erfolgt in der Regel am Ende der 1. Woche.
Die Statistik spricht deutlich für den Wert der Fortlassung des Bades,
da die Morbidität der gebadeten Kinder an Nabelaffektionen mehr
als doppelt so gross ist als bei nichtgebadcten.
Werner- Hamburg.
Zentrafblatt für Gynäkologie. No. 2.
O. K ü s t n e r: Welche Proflxur-(AntefixatIons-)Meihode Ist bei
fixierter Retroverslo-flexlo am zweckmässlgsten?
Der typische Alexander-Adams eignet sich nur bei völlig frei be¬
weglichem Uterus. Sobald Adhäsionen vorhanden sind, müssen diese
erst gelöst werden, wozu Laparotomie erforderlich ist. Statt der
sonst üblichen Ventrifixur empfiehlt K. nach Trennung der Adhären¬
zen und event. Adnexkorrektur die A 1 e x a n d e r - A d a m s sehe
Operation auch dann auszuführen, eventuell nur auf einer Seite, was
meist genügt; oder nach Rumpf und Palm für die Laparotomie
K ü s t n e r s suprasymphysären Kreuzschnitt zu wählen und von
ihm aus den typischen Alexander-Adams anzuschliessen.
O. G r ö n € - Malmö; Ein Fall von primärer Peritonealschwanger¬
schaft.
Nach Veit kommt eine Drimäre Abdominalschwangerschaft beim
Menschen nicht vor. Alle bisher publizierten Fälle sind nicht ge¬
nügend bewiesen. G. glaubt, eine einwandfreie Beobachtung gemacht
zu haben.
Eine 23 jährige II. Para kam mit der klinischen Diagnose: „rechts¬
seitige Tubargravidität“ zur Laparotomie. Beide Adnexe waren
makroskopisch völlig normal. Die rechte Tube wurde zu näherer
Untersuchung exstirpiert. Auf der rechten Seite des Beckenperi¬
toneums fand sich eine markstückgrosse, blutende Fläche mit rauher
Oberfläche; dieselbe wird mit einem schmalen Streifen vom um¬
gebenden, normalen Peritoneum exstirpiert. Verlauf normal; Heilung.
Die genau wiedergegebene makro- und mikroskopische Unter¬
suchung ergab, dass es sich um Extrauteringravidität gehandelt,
deren Implantationsstelle die genannte Stelle des Beckenperitoneums
war, also primäre Peritonealschwangerschaft. Eine andere Implan¬
tationsstelle hat weder durch die makroskopische Untersuchung von
Tuben und Ovarien bei der Operation, noch durch die mikroskopische
Untersuchung der rechten Tube in Serienschnitten nachgewiesen
werden können. J a f f e - Hamburg.
Archiv für Hygiene. 68. Bd., 3. Heft. 1908.
1) Gustav K a b r e h I - Prag : Studien über den Filtrationseffekt
der Grundwässer. III. Teil.
Die Arbeit umfasst 1. die Beziehungen der Fassungslinie zu den
Oberflächenwässern, besonders den in der Nachbarschaft befindlichen
Flüssen; 2. das Verhältnis der Fassungslinie zu den mit menschlichen
Wohnungen bebauten Bezirken, in welchen sich Sammelstellen für
Abfallstoffe (Abortgruben, Düngerhaufen) befinden; 3. das Verhältnis
der Fassungslinie zur landwirtschaftlichen Bearbeitung der Felder,
insbesondere dem mit Düngung verbundenen Ackerbau.
2) Karl S ü p f 1 e - Freiburg i. B.: Die Vakzinelmmunität. Eine
kritische und experimentelle Studie.
Verf., welcher durch eigene experimentelle Studien an den Fra¬
gen der Vakzineimmunität lebhaften Anteil genommen hat, gibt in
folgenden Kapiteln eine Uebersicht über die vielbearbeitete und inter¬
essante Materie: I. Empfänglichkeit der Versuchstiere für Variola und
Vakzine. 2. Verhalten des Virus im Organismus. 3. Die Vakzine¬
immunität der Versuchstiere. 4. Die Vakzineimmunität des Menschen
4. Immunisierung ohne Erzeugung einer Hautpustel. 5. Antigen und
Antikörper. 6. Theorie der Variolavakzineimmunität. Seine Ergeb¬
nisse lauten: Die lokale Insertion des Vakzineerregers hat nur eine
lokale Manifestation und Reproduktion des Erregers zur Folge. Von
der Haftstelle aus bewirkt der Vakzineerreger die Entstehung der Im¬
munität. Diese Immunität ist eine histogenc und erstreckt sich auf
diejenigen Epithellagen, welche mit der Stelle der Pustelhildung eine
ernährungsphysiologische Einheit bilden. Immunität der Haut ent¬
steht auch nach subkutaner und intravenöser Vakzinezufuhr. Auch
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durch Injektion von Lymphe, welche eine Stunde auf 60° erwärmt
wurde, kann — jedoch nicht konstant — Hautimmunität erzeugt wer¬
den. Setzt man Lymphe der Dialyse durch Zellulosesäckchen in vitro
aus, so erhält man ein Dialysat, dessen subkutane Injektion in man¬
chen Fällen partielle Immunität gegen eine nachfolgende Kutan¬
impfung bewirkt. Nach kutaner, subkutaner oder intravenöser Vak¬
zination erscheinen im Blutserum, aber nicht regelmässig, Antikörper,
deren Wirkung sich in einer Abtötung des Vakzinevirus äussert.
R. 0. Neumann -Heidelberg.
Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie und psychisch-
gerichtliche Medizin. Band 65, Heft 6. 1908.
N a e c k e - Hubertusburg: Vergleichung der Hirnoberfläche von
Paralytikern mit der von Geistesgesunden.
Der, namentlich durch seine Abhandlungen über den endogene-
tischen Faktor in der Aetiologie der progressiven Paralyse bekannte
Verf. gibt in dieser Abhandlung mehr, als was die Ueberschrift ver¬
rät — nämlich einen Ueberblick über seine Anschauungen auf dem
Gebiete der Paralyseätiologie. Bei den Paralytikern treten die wirk¬
lich selteneren, auf deutliche Wachstumsstörung hinweisenden, be¬
sonders agenetischen Anomalien an den Hirnwindungen und Furchen
viel häufiger auf als bei Normalen. Ist dem aber so, dann spricht dies
sehr dafür, dass das Gehirn der Paralytiker meist ab ovo abnorm
minderwertig ist. Die erbliche Belastung bei Paralyse ist eine ganz
erhebliche und unterscheidet sich kaum von derjenigen der übrigen
Geisteskranken. Auch charaktcrologisch unterscheiden sich die Para¬
lytiker schon von Kindesbeinen an oft von den Normalen — vielleicht
ebenso häufig wie die anderen Geisteskranken. Die Deszendenz der
Paralvtiker ist häufig minderwertig oder anderweit erkrankt. Noch
eine Reihe anderer Momente sprechen für eine meist angeborene
..Invalidität“ des paralytischen Gehirnes. Der Hauptfaktor in der
Paralyse ist in den meisten Fällen die angeborene Gehirndisposition.
Y o s h i k a w a - Japan (Charitee Berlin): Ueber feinere Ver¬
änderungen im Gehirn nach Kopftrauma.
Mitteilung von 7 Krankengeschichten und histologischen Unter¬
suchungen der Gehirne.
Ganter- Wormditt (Ostpreussen): Ueber die Beschaffenheit
des Schädeldaches und über einige innere Degenerationszeichen.
Die Beschaffenheit des Schädeldaches steht in keiner Beziehung
zur Art der psychischen Krankheit, zum Lebensalter, zur Krankheits¬
dauer, Körperlänge, zum Körpergewicht, aber sie steht möglicher¬
weise in Beziehung zum Hirngewicht. (Die gewiss sorgfältigen
Untersuchungen des Verf. leiden an einigen Mängeln. So ist z. B. zu
bestreiten, dass man auch bei grosser Uebung die Dicke, d. h. das
Volumen des Schädeldaches abschätzen kann usw.) Die Dementia
praecox stellt den höchsten Prozentsatz an den Fällen mit Degenera¬
tionszeichen; ihr folgen die Imbezillität und Epilepsie, die präsenilen
und senilen Störungen und zuletzt die progressive Paralyse.
Klieneberger -Breslau: Ueber die juvenile Paralyse.
Mitteilung von 7 interessanten Krankengeschichten.
Schäfer- Hamburg: Paranoia?
Psychiatrische Besprechung einiger Fälle von anscheinend un¬
motiviertem oder nicht genügend motiviertem Selbstmord.
Rosenbach -St. Petersburg: Drei Fälle simulierter Geistes¬
störung mit dem Symptom „falscher Antworten“.
Römer- Stuttgart: Nekrolog .1. L. A. Koch.
Eingehende und liebevolle Beschreibung des Lebensganges von
Koch, der — auch ausserhalb der Psychiatrie — weitesten Kreisen
namentlich auch dadurch bekannt geworden ist, dass er Wort und
Begriff der psychopathischen Minderwertigkeit prägte, sowie wissen¬
schaftlich begründete und verfocht. Reichardt - Würzburg.
Zieglers Beiträge zur pathologischen Anatomie und all¬
gemeinen Pathologie. Jahrgang 1908. 44 . Bd. l.Heft.
1) Oskar Meyer: Zur Kenntnis der Gefässe einseitig kon¬
genital verlagerter Nieren und Hufeisennieren. (Aus dem pathologi¬
schen Institut zu Halle a. S.)
Von den beschriebenen Fällen betrafen 7 einseitig verlagerte
(tiefstehende) Nieren (3 rechts und 5 linkerseits) und 7 waren Huf¬
eisennieren, die beobachteten abnormen Gefässversorgungen werden
vom ontogenetischen Standpunkt aus besprochen.
2) Fritz Loening: Ueber sarkomähnliche Umwandlung in
einem suprarenalen Nierentumor. (Aus dem Pathol. Institut zu
Leipzig.)
L. fand bei der histologischen Untersuchung des Tumors, der
von einer 47 jährigen, an den Folgen der Operation verstorbenen Frau
stammte, neben charakteristischem Tumorgewebe gerade in den
offenbar stärker verdichteten Geschwulstabschnit¬
ten so eigenartige Umgestaltungen der epithelialen Ge¬
schwulstzellen, dass diese Teile vielfach ganz den Eindruck eines
spindelzelligen Sarkoms erwecken konnten. Bei dieser
grossen morphologischen Aehnlichkeit derartiger Komplexe mit Ele¬
menten von sicher bindegewebigem Ursprung warnt L. mit Recht
vor der vielfach zu tage tretenden Neigung, in an und für sich rein
epithelialen Geschwülsten sarkomatöse Veränderungen anzunehmen:
doch sollen damit nicht die — freilich seltenen — Fälle einer wirk«
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
2. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
253
liehen Kombination von Krebs und Sarkom bestritten
werden.
3) H. Z i n g e r 1 e: Ueber einen Fall von Hydroencephalocele
frontalis. (Aus der Klinik für Nerven- und Geisteskranke in Graz.)
Verf. nimmt ebenso wie für seinen früher mitgeteilten Fall von
Okzipitalhernie so auch für die vorliegende Beobachtung, die einen
7 cm langen Embryo betraf, an, dass eine in ihrer ersten Ursache
freilich unerklärliche Missbildung der Neuralanlage, nämlich eine
Hyperplasie einzelner Gehirnteile die Ursache dieser Hirn-
brüche sei.
4) E. Krompecher: Zur Hlstogenese und Morphologie der
Mischgeschwülste der Haut sowie der Speichel- und Schleimdrüsen.
(Aus dem Pathol. Institut No. II der Kgl. ungarischen Universität
zu Budapest.)
K. hat den Begriff der sog. undifferenzierten „Basalzellen¬
krebse“ eingeführt; dieselben gehen von der Basalzellenschichte,
der untersten an das Bindegewebe direkt angrenzenden Epithel-
zellenlage aus und treten histologisch in soliden, drüsenartigen oder
schlauchartigen Formationen auf, oder das Epithel ist in hyalines oder
schleimiges Stroma eingebettet. In der vorliegenden Arbeit beschreibt
nun K. 5 verschiedene Basalzellenkrebse der Haut, die gewisse Unter¬
schiede von dem gewöhnlichen Typus bieten, dagegen eine derartige
Analogie mit den sogen. Mischgeschwülsten („Zylindromen, Endo-
theliomen, plexiformen Sarkomen“) der Speicheldrüsen aufweisen,
dass K. auch diese Parotistumoren als schleimige resp. hyaline
Basalzellenkrebse auffassen will.
5) Derselbe: Ueber die Beziehungen zwischen Epithel und
Bindegewebe bei den Mischgeschwülsten der Haut und der Speichel¬
drüsen und über das Entstehen der Karzinosarkome.
K. ist bekanntlich in einer Reihe von Arbeiten mit grossem Nach¬
druck dafür eingetreten, dass der Satz: „Omnis cellula e cellula
ejusdem generis“ hinsichtlich des Epithels keine allgemeine Gültigkeit
mehr besitzt, dass ein direkter Uebergang von Epithel in Binde¬
gewebe nicht nur möglich, sondern unter gewissen Bedingungen
nicht einmal selten sei. Auch die vorliegende umfangreiche Arbeit,
auf die im einzelnen kritisch einzugehen hier nicht der Platz ist, ver¬
folgt den gleichen Zweck, nämlich Beweise für diese Anschauungen
des Verfassers zu liefern: auf Grund zum Teil entwicklungsgeschicht¬
licher Studien und andererseits gestützt auf Beobachtungen an seinen
Basalzellenkrebsen (der Haut, Speicheldrüsen etc.), sucht K. das Los¬
lösen und Eindringen, ja die Umwandlung des Epithels in das Binde¬
gewebe nachzuweisen und ferner glaubt K. auf dieser ersten Er¬
kenntnis fussend auch die Umwandlung des Karzinom¬
gewebes direkt in Sarkomgewebe bei seinen Beob¬
achtungen von Karzinosarkomen verfolgen zu können.
6) Gotthold Herxheimer: Das Carcinoma sarcomatodes,
nebst Beschreibung eines einschlägigen Tumors des Oesophagus.
(Aus der Prosektur des städt. Krankenhauses zu Wiesbaden.)
Den bei einem 67 jährigen Mann beobachteten Tumor, der an
der Hand der einschlägigen kritisch gesichteten und sorgfältig ge¬
sammelten Literatur beschrieben wird, charakterisiert H. als ver¬
hornendes Plattenepithelkarzinom, kombiniert mit Spindclzellen-
sarkom (zuletzt dieses überwiegend); wahrscheinlich handelte es
sich — wie bei den diesbezüglichen experimentellen Beobachtungen
an Mäusetumoren — um ein Karzinom, dessen bindegewebiges Gerüst¬
werk (Stroma) sarkomatös entartete, um das Karzinom fast zu
überwuchern, doch könnte auch eine gleichzeitige Entwicklung einer
Karzinom- und einer Sarkomanlage im Oesophagus angenommen
werden. H. lehnt einen direkten Uebergang der Krebszellen in
Sarkomzellen — im Sinne Krompechers (s. o.) — „natur-
gemäss“ ab.
7) Eduard Rehn: Atypische Leukämie mit ausschliesslicher
Beteiligung des extramedullären hämatopoetischen Systems. (Aus
dem Pathol. Institut zu Freiburg i. Br.)
Die vorliegende Mitteilung betrifft einen 59jährigen Mann; bei
demselben fanden sich auffallenderweise die sämtlichen im embryo¬
nalen Leben mehr oder weniger mit hämatopoetischer Funktion aus¬
gestatteten Organe von den geschilderten fremdartigen, myeloischen
Zellwucherungen zum Teil hochgradig ergriffen, während das Knochen¬
mark unverändert gefunden wurde, so dass schon aus diesem Grunde
eine Einschwemmung von dorther ausgeschlossen ist. Der Fall steht
nach R.s Angabe bisher als einzig da.
Privatdozent Dr. Merkel- Erlangen.
| Berliner klinische Wochenschrift. No. 4. 1909.
V 1) H. Chiari -Strassburg: Tödliche Hämoptoe aus Berstung
von Aneurysmen in, ihrem Ursprünge nach, nicht tuberkulösen
Bronchiektasien.
Verf. berichtet über 2 Fälle, in welchen die Berstung von
Aneurysmen in der Wand von nicht tuberkulösen Kavernen die töd¬
liche Blutung verursachte. Wahrscheinlich handelte es sich in beiden
Fällen um sogen, atelektatische Kavernen. Bemerkenswert war auch
das lange Persistieren relativ reichlichen alveolären Lungengewebes
zwischen den bronchiektatischen Höhlen.
2) A. R. v. R u e d ige r - Ry d y g i e r - Lemberg: Weitere Er¬
fahrungen über die Behandlung des Rhinoskleroms mit Röntgen¬
strahlen.
Verf., welcher schon früher die Tiefenwirkungen der Röntgen-
Strahlen betont hat, konnte bei sehr langer Behandlung sogar Hei-
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lungen genannter Krankheit beobachten. Im ganzen wurden 14 Fälle,
über welche Krankengeschichten vorgelegt sind, behandelt, meist
Mädchen im jugendlichen Alter. Ueber die Technik ist das Original
zu vergleichen.
3) H. S t r a u s s - Berlin: Beiträge zur Slgmoskopie.
In seinem Vortrage demonstrierte Verf. ein durch die Sigmo-
skopie konstatiertes Doppelkarzinom der Flexura sigmoidea eines
65 jährigen Mannes, ferner ein Phantom zur Erlernung dieser Unter¬
suchungsmethode, sowie eine für letztere konstruierte Beleuchtungs¬
vorrichtung. Für alle Fälle von Mastdarmblutungen ist die Sigrno-
skopie anzuwenden.
4) C. B r u h n s und L. Halberstädter - Berlin resp. Char¬
lottenburg: Zur praktischen Bedeutung der Serodiagnostik der
Syphilis.
Den mitgeteilten Untersuchungsergebnissen liegen 231 unter¬
suchte Fülle zu Grunde und zwar haben sich die Veriasser besonders
mit der Untersuchung von Fällen aus den Latenzperioden befasst, so¬
wie mit dem Einflüsse der Behandlung auf das Verhalten der Reaktion.
Der negative Ausfall der Probe in der Frühperiode ist nicht gleich¬
bedeutend mit Heilung, andererseits besteht kein Anhaltspunkt dafür,
dass bei Fällen mit geschwundenen Symptomen, aber noch positiver
Reaktion die Behandlung ungenügend gewesen ist. Für die Spät¬
periode hat der negative Ausfall auch keine allzugrosse prognostische
Bedeutung. Im ganzen stehen die Verf. auf dem Standpunkt, dass
unsere Prognosenstellung und unsere Behandlung durch den Ausfall
der Reaktion nur wenig gegen früher verändert ist.
5) E. M e i r o w s k y - Berlin: Ueber die von Bauer vor¬
geschlagene Technik der Wassermann -A. Neisser-Bruck-
sehen Reaktion.
Aus den im einzelnen mitgeteilten Untersuchungsergebnissen
kommt Verf. zu dem Schlüsse, dass die Abänderungsvorschläge
Bauers eine Erleichterung der Technik nicht bedeuten.
6) J. Cohn-Berlin: Zur Behandlung schwerer Harnröhren-
strikturen.
An der Hand einer Anzahl mit den Krankengeschichten mit¬
geteilter Fälle wird das Vorgehen bei bestimmten Verhältnissen aus¬
einandergesetzt. Die Hauptsache bleibt darnach immer die allmäh¬
liche Erweiterung durch Bougies, während Thiosinamin und Fibrolysin
nach den gemachten Erfahrungen keinen Einfluss auf Narben in der
Harnröhre ausiiben. Adrenalin ist oft nützlich. Wo allmähliche Er¬
weiterung nicht möglich ist, ist das Le Fort sehe Verfahren der
Urethrotomia interna vorzuziehen.
7) Marcus -Pyrmont: Verbessertes Verfahren zur Bestimmung
der antltryptischen Kraft des Blutes.
Eignet sich nicht zu kurzem Auszuge.
8) H. Hirschfeld: und M. J a c o b y - Berlin: Zur Kenntnis
der übertragbaren Hühnerleukämie.
Die Verf. haben zunächst Uebertragungsversuche auf Affen ge¬
macht, die Tiere wurden nicht leukämisch und gingen ein. Ferner
wurden Uebertragungen an Hühnern versucht. Unter den Versuchs¬
tieren hatten die Verf. zufällig blutkranke Hühner, von denen aus
die Uebertragung auf andere Hühner gelang.
9) F. L. Kohlrausch -Charlottenburg und C. Mayer-
Wiesbaden: Ueber Radlumkataphorese.
Aus den Ergebnissen ist hervorzuheben, dass man bei einem
radioaktiven Bade ohne Kataphorese im Urin keine Spur Emanation
findet. Die mitgeteilten therapeutischen Erfolge bei chronischen
Gelenkentzündungen, Ischias, Gicht etc. werden als im allgemeinen
befriedigende angegeben.
10) M. B ö n n i g e r - Pankow: Die Bestimmung des Blut¬
körperchenvolumens .
Der Artikel bringt eine Beschreibung des hiezu angewendeten
Instrumentariums sowie der Technik. Wir müssen auf den Original¬
artikel verweisen.
11) P. F r ä n k e l - Berlin-Schöneberg: Eulatin bei Pertussis.
Bei dem genannten Mittel handelt es sich um eine Kombination
von Brom, Benzoesäure und Antipyrin. Verf. gab das Medikament
2—5 mal täglich in einer Menge von !4 g in Haferschleim oder Milch.
Unter 14 behandelten Fällen war der Erfolg in 9 Fällen ein guter.
5 kurze Krankengeschichten sind mitgeteilt.
Dr. Grassmann - München.
/Deutsche medizinische Wochenschrift. No. 3. 1909.
\l) G. K 1 e m p e r e r - Berlin: Ueber Verfettung der Nieren.
Vortrag, gehalten im Verein für innere Medizin am 2. Nov. 1908,
ref. M. med. W. 190S, No. 45, S. 2361.
2) Paul Cohnheim -Berlin: Infusorien bei gut- und bösartigen
Magenleiden, nebst Bemerkungen über die sogen. Infusorienenterltis.
Vortrag, gehalten im Verein für innere Medizin am 19. Okt. 1908,
ref. M. med. W. 1908, No. 44, S. 2306.
3) August A c k e r m a n n - Bonn: Auftreten der Raupe von
Aglossa pinguinalls Im Darm.
Im Stuhlgang eines 3K* jährigen Jungen fand sich eine noch
lebende kleine Raupe des Schmetterlings Aglossa pinguinalis, welche
vielleicht mit der Butter verzehrt worden war, sich im Darm weiter
entwickelte, aber auffallend pigmentarm wurde. Verfasser nimmt an,
dass solche Einwanderungen, z. B. auch von Muszidenlarven häufiger
stattfinden, auch Störungen machen, aber nicht entdeckt werden.
4) Oskar P o s n e r - Karlsbad: Beitrag zur Kenntnis der sym¬
ptomatischen Xanthome bei chronischem Ikterus.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
254
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
Bei 37 jähriger Frau entwickelte sich auf Grundlage einer Leber¬
zirrhose mit Ikterus ohne Aszites eine schubweise und symmetrisch
über den ganzen Körper sich ausbreitende Xanthomatose, besonders
stark an den einem Druck ausgesetzten Hautpartieu und an einer
früheren Laparotomienarbe. Auch die Mund- und Vaginalschleimhaut
waren befallen. Die Therapie konnte nur symptomatisch sein.
5) Richard W ah 1 e - Czernowitz: Ueber Orientierungsstörungen.
Verfasser unterscheidet Orientierungsstörungen Gesunder, welche
nur etwas zähe festgehaltene Irrtiimer darstellen, und die tiefer
liegende Störung, welche sich in vermeintlichem Rückwärtsstehen
vorne befindlicher Gegenstände äussert, und für welche Verfasser
eine Art Dämmerzustand voraussetzt.
6) Felix F r a n ke - Braunschweig: Zur Pathologie und Therapie
der falschen (erworbenen) Divertikel des Dickdarms.
In einem Fall von „chronischer Sigmoiditis“ fand sich bei der
Laparotomie die schon vermutete Divertikelbildung. Da die Reizung
und Verdickung des Darms offenbar von zahlreichen falschen Diver¬
tikeln ausging, resezierte Verf. die Flexur. Er erörtert das inter¬
essante, noch nicht genügend bekannte Leiden nach der klinischen
und pathologisch-anatomischen Seite.
7) T re p 1 i n - Sahlenburg: Zur chirurgischen Behandlung der
sogen, essentiellen Nierenblutungen.
Bei einem 16 jährigen Jungen, welcher im Anschluss an chronische
Schenkelhalsosteomyelitis heftige Blutungen der gleichseitigen Niere
bekam, führte T. die Dekapsulation aus, worauf zunächst die Blutungen
und allmählich auch die Albuminurie sich verloren. Bei doppelseitiger
essentieller Blutung würde T. diesen verhältnismässig schonenden
Eingriff besonders empfehlen.
8) Xylander -Dresden: Einige weitere Versuche mit Vitralln.
Vitralin ist eine Anstrichfarbe, welche auf die vegetativen Formen
der Krankheitserreger, die mit ihr in Berührung kommen, (Kranken¬
zimmer), abtötend wirkt; Versuche zeigten, dass diese desinfizierende
Kraft noch nach einem Jahre erhalten war. Der Anstrich ist glatt,
verträgt das Abwaschen mit den gebräuchlichen Desinfektionsmitteln.
9) H. B o r u 11 a u - Uerlin: Wesen und Bedeutung der patho¬
logischen Elektrophyslologle. Ueberblick.
10) R. Bassenge-Berlin: Zur immunisierenden Wirkung von
bakteriellen Lezithinauszügen.
Verfasser macht ergänzende Bemerkungen zu seinen früheren
Mitteilungen, veranlasst durch mehrere ihm widersprechende Arbeiten.
10) O. Schweissinger -Dresden: Ein neuer Phosphorleber¬
tran.
S. weist darauf hin, dass das geschützte Präparat „Phosrhachit“
kein neuer Phosphorlebertran sei, sondern dass er den Limonenzusatz
schon 1902 empfohlen habe. R. Grashey - München.
Oesterreichische Literatur.
Wiener klinische Wochenschrift.
No. 3. E. Miesovicz -Krakau: lieber experimentelle lierz-
hypertrophle. r
M. studierte an Kaninchen die Beziehungen zwischen der nach
intravenösen Adrenalininjektioncn entstandenen Herzhypertrophie
und den eben dadurch bewirkten anatomischen Veränderungen der
Aorta. Es zeigte sich, dass auch ohne Veränderungen an der Aorta
recht deutliche Herzhypertrophie vorhanden sein kann. Der Grad
der Herzhypertrophie scheint auch nicht direkt von der Zahl und
Grösse der Injektionen abzuhängen, schon nach ziemlich wenig In¬
jektionen kann die Herzhypertrophie sich zeigen. Es ist anzunehmen,
dass es sich dabei um eine anhaltende, die Blutdrucksteigerung weit
überdauernde direkte Wirkung des Adrenalins auf den Herzmuskel
handelt.
J. Schiffmann und R. Kohn - Wien: Zur Kenntnis der
Opsonine beim Puerperalprozess.
Untersuchungen an 8 Puerperalkranken ergaben bei 7 derselben
bedeutend grössere Schwankungen im opsonischen Index als bei Ge¬
sunden. Ein Zusammenhang der Schwankungen mit der Fieberkurve
und dem sonstigen Verlauf war nicht zu erkennen, auch für die Pro¬
gnose gestattete der opsonische Index keine Schlüsse zu ziehen. Im
übrigen ist die Methodik so schwierig und zeitraubend, dass sie für
den gewöhnlichen klinischen Betrieb nicht geeignet, sondern speziellen
Personen oder Instituten zu überlassen ist.
St. K i r k o v i c - Sofia: Zur Diagnose der maiarischen Spleno¬
megalien.
Die eingehenden Betrachtungen beziehen sich grossenteils auf
die Stellung der paramalarischen Erkrankungen, der Pseudoleukämie
nach dem Typus Cohnheim-Pinkus und des Morbus Banti zur
Malaria. Verf. neigt dazu, einen grossen Teil dieser Fälle der Malaria
zuzurechnen, speziell viele Fälle von Morbus Banti als paramalarisch
aufzufassen. Namentlich in Malariagegenden fällt es schwer, diese
verschiedenen Typen von der Malaria sicher abzutrennen.
E. Mayrhofer - Wien: Einiges zur Esbach sehen quanti¬
tativen Eiweissbestimmung und über eine neue Kreatininverbindung.
Zur kurzen Wiedergabe nicht geeignet.
F. G a n g h o f n e r - Prag: Ueber die Behandlung tuberkulöser
Kinder mit dem Antituberkuloseserum von Marmorek auf rektalem
Wege.
Nach der in der Einleitung gegebenen Literaturübersicht hat die
Mehrzahl der Autoren von Heilerfolgen des Serums berichtet; G.
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vermag solche nach Erfahrungen an 32 Kindern nicht zu bestätigen.
Die erzielten Besserungen gehen nicht über das hinaus, was auch sonst
mit der entsprechenden auch bei diesen Fällen geübten Allgemein¬
behandlung ohne Serumtherapie sich erzielen lässt. Nach G. ist es
auch nicht wahrscheinlich, dass vom Rektum aus die Antitoxine des
Serums für gewöhnlich in nennenswerten Mengen resorbiert werden.
Ausser etwaigen Durchfällen sind unangenehme Nebenwirkungen
nicht aufgetreten.
J. Wach er-Wien: Pericardltis exsudativa luetica im Erup.
tionsstadium mit Ausgang in vollkommene Heilung.
Der durch die Ueberschrift charakterisierte Fall eines 21 jährigen
graviden Mädchens hot in der Literatur sehr wenig Vorgänger. Die
Behandlung bestand in 32 Sukzinimidinjektionen und 10 Einreibungen.
Bergeat - München.
Amerikanische Literatur.
G. W. McCaskey: Ueber die Viskosität des Blutes und
ihren Wert in der klinischen Medizin. (J. Am. M. Ass., Chicago,
No. 20.)
Die Viskosität des Blutes ist eine wichtige physikalische Eigen¬
schaft, abhängig sowohl von den Blutkörperchen als dem Plasma, und
nimmt bedeutenden Anteil an dem peripherischen Widerstand des
Blutkreislaufes. Die Viskosität ist bedeutenden Schwankungen unter¬
worfen infolge der physiologischen Veränderungen, welche von der
Nahrung, Flüssigkeitsaufnahme, Bewegung usw. abhängen. Unter
pathologischen Verhältnissen sind die Veränderungen bedeutend
grösser, und die Viskosität kann so sehr gesteigert werden (z. B.
wenn das Blut mit CO* überladen ist), dass das Herz dieselbe nur
mit Mühe bewältigen kann. Die Viskosität des Blutes ist tatsächlich
niedrig in der grossen Mehrzahl von Fällen chronischer Nierenent¬
zündung infolge der bestehenden Hydrämie, aber in einem früheren
Stadium kommt wahrscheinlich eine hohe Viskosität vor. Es ist wahr¬
scheinlich, dass ein verstärkter peripherischer Widerstand im Blut¬
kreislauf, hervorgerufen durch eine gesteigerte Viskosität des Blutes,
eine der Hauptursachen der Herzhypertrophie bei der B r i g h t sehen
Nierenkrankheit bildet. Der Aderlass vermindert die Viskosität des
Blutes im hohen Grade, indem dadurch demselben die iesten Be
standteile entzogen und die Säfte in den Geweben verdünnt werden.
Der Alkohol steigert die Viskosität des Blutes in hohem Masse, bildet
auf diese Weise ein Hindernis im peripherischen Blutkreislauf und
strengt das Herz an.
G. E. Pah ler; Ueber die Behandlung des Epithelioms durch
Röntgenstrahlen. (J. Am. M. Ass., Chicago, No. 21.)
Wenn Epitheliome an der Oberfläche des Gesichtes und der
Hand frühzeitig mit Röntgenstrahlen behandelt werden, sind die Re¬
sultate beinahe in allen Fällen vortrefflich. Diese Resultate werden
erzielt ohne Schmerz zu verursachen und ohne nennenswerte Narben
zu hinterlassen, und sind wahrscheinlich dauernder als die irgend
einer anderen Behandlungsmethode. Epitheliome begleitet von senilen
Keratosen weichen der Röntgenbehandlung ziemlich schnell, allein es
bestellt immer eine Neigung zur Wiederkehr. Bei tiefen ulzerieren-
den Epitheliomen mit verhärteter fibröser Basis sind die Resultate
nicht befriedigend und alle solchen Geschwülste sollten exzidiert wer¬
den. Wenn das letztere nicht möglich ist, so wird die Röntgenbe¬
handlung oft den Schmerz lindern, die Eiterung vermindern und das
Leben auf längere Zeit erhalten. Epitheliome der Schleimhaut der
unteren Lippe und der Wangen sollten exzidiert und nachher das
Drüsengebiet mit Röntgenstrahlen behandelt werden.
B. Vincent: Ueber akute Appendizitis bei Kindern. (N. York
M. J., No. 14.)
Es ist schwierig eine frühzeitige Diagnose zu stellen und die
ersten Stadien und mildere Formen werden leicht übersehen. Das
Bauchfell wird frühzeitig in Mitleidenschaft gezogen uni Eiterung
tritt in den ersten Stadien auf. Die diffuse Peritonitis ist wahr¬
scheinlich häufig, doch besteht eine noch grössere Neigung lokalisierte
Abszesse zu bilden. Ein Kind ist niemals zu jung und selten so
schwach, dass man von einem chirurgischen Eingriff abstehen sollte.
Aber der Umfang der Operation sollte immer nach dem Zustande
eines jeden Patienten bestimmt werden. Kinder überstehen kurze
Operationen gut, sterben aber zuweilen infolge langdauernder und
unmotivierter Versuche mehr zu tun als absolut notwend g ist. Die
Prognose ist bei Kindern ungewisser als bei Erwachsenen. Das Alter
ist ein sehr wichtiger Faktor. Bei Kindern unter fünf Jahren ist
die Prognose nicht so günstig als bei Erwachsenen, und bei Säuglingen
ist sie sehr ungünstig.
P. H. Hiss: Ueber die günstige Wirkung von Leukozyten¬
extrakten bei Infizierten Tieren. (J. Med. Research, Boston, No. 3.)
Leukozytenextrakte von normalen Kaninchen haben eine deut¬
liche heilende Wirkung auf Allgemeininfektionen, die unter gewöhn¬
lichen Verhältnissen schnell den Tod herbeiführen würden Extrakte
von Kaninchen sind auch wirksam bei Meerschweinchen, indem sie
dieselben gegen tödliche Infektionen schützen. Leukozy :enextrakte
von immunisierten Tieren scheinen, wenigstens in einigen Fällen,
grössere Heilkraft zu besitzen als solche, die von norm? len Tieren
gewonnen werden. Es ist wahrscheinlich, dass wir in der Extrakten
von Leukozyten und möglicherweise der blutbildenden Organe ein
Mittel besitzen, Infektionen zu bekämpfen, deren Ursache jene Mikro¬
organismen sind, welche nach der gewöhnlichen Annahme Endotoxin-
Qriginal fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
2. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
255
Vergiftungen hervorrufen und welche der Wirkung der Immunsera
hartnäckigen Widerstand leisten.
E. M. Houghton & C. H. Merril: Die diuretische Wirkung
des Adrenalins und das aktive Prinzip der Hypophyse. (J. Am. M.
Ass., Chicago, No. 22.)
Experimente lehren uns, dass die gesteigerte Harnabsonderung
narkotisierter Tiere viel mehr von der Erhöhung des Blutdruckes,
welcher durch die intravenöse Injektion der Adrenalinlösung oder des
Hypophysenextraktes hervorgerufen wird, als von einer spezifischen
Tätigkeit der harnabsondernden Zellen der Nieren abhängt. Es ist
jedoch möglich, dass eine spezifische Einwirkung auf die Nieren statt¬
findet, aber wenn dies der Fall ist, so geschieht es in geringerem
Grade als bei Anwendung einer einprozentigen Salzlösung. Die mi¬
kroskopische Untersuchung der periundierten Niere zeigte, dass
während der Ausführung der Experimente eine bedeutende Vergrös-
serung des Organes bestand. Dieser Umstand würde einer schnelleren
Ausscheidung des Harnes günstig sein, besonders wenn er von einem
höheren Blutdruck begleitet ist; es besteht jedoch nicht derselbe
Grad von Dehnung und Erweiterung der Blutgefässe der Nieren
wie dies bei Anwendung der Salzlösung der fall ist. Wenn das
Hypophysenextrakt eine spezifische sekretorische Wirkung besitzt,
wie S h a f e r glaubt, sollte sich dies durch eine vermehrte Harn¬
absonderung manifestieren, wenn dasselbe mit den Sekretionszellen
der Nieren in Berührung kommt. Wenn sie diese Wirkung wirklich
hat, so besitzt sie sie in einem weit geringeren Grade als die
Salzlösung.
W. B. James: Klinische Studien über einige Formen von
Arrhythmie des Herzens. (Am. J. Med. Sc., Phila., No. 4.)
Verf. beobachtete zwei Fälle dieser Art und kommt zu folgen¬
den Schlüssen. 1. Fälle von vollständigem Herzblock, die den Tod
herbeiführen, kommen vor, ohne dass sie je das Stokes -Adams-
sche Syndrom aufweisen. 2. Das Stokes-Adams sehe Syndrom
kommt vor, ohne dass eine atrio-ventrikuläre Störung besteht. 3. Es
gibt ein anderes, sehr ähnliches Syndrom, welches in Tachykardie
bei Mitral- und Trikuspidalinsuffizienz verbunden mit Ohnmachts- und
epilepsieähnlichen Anfällen besteht. 4. Die physiologischen End¬
resultate dieser Zustände sind ' dieselben wie beim Stokes-
Adams sehen Syndrom, indem viele Systolen ausfallen, da sie un¬
fähig sind die Aortenklappe zu öffnen, während die physiologische
Ursache gänzlich verschieden ist, da sie in einem Falle in Hyper-
arrhythmizität des atrio-ventrikulären Bündels, im anderen in Sper¬
rung des letzteren besteht.
R. W. L o v e 11: Ueber Kinderparalyse, eine Studie von 635
Fällen am Kinderhospital zu Boston, mit besonderer Berücksichtigung
der Behandlung. (J. Am. M. Ass., Chicago, No. 20.)
Die Kinderparalyse ist keine so furchtbare Krankheit, als ge¬
wöhnlich angenommen wird. Eine teilweise Lähmung kommt häufig
vor; nicht gebrauchte und gestreckte Muskeln scheinen gelähmt zu
sein, es besteht aber eine Möglichkeit, dieselben funktionsfähig zu
machen. Neben der mechanischen Behandlung sollten Versuche mit
Massage, Elektrizität und besonders mit Muskelübungen gemacht
werden, um die intakten Zellen in teilweise zerstörten Gruppen zur
Tätigkeit zu wecken. Nach Sehnenüberpflanzung ist die Entwick¬
lung der transplantierten Sehnen durch Muskeliibungcn notwendig,
um gute Resultate zu erzielen.
W. C. Hollopeter: Ueber die Frühsymptome der Kinder¬
tuberkulose. (J. Am. Ass., Chicago, No. 21.)
Die Kindertuberkulose ist eine Infektionskrankheit, die keine
strengbegrenzte Inkubationsperiode hat. Die typischen Tuberkulose¬
formen kommen während der Kinderjahre selten vor. Diese Krank¬
heit kann am besten durch Auiklärung des Volkes bekämpft werden.
Dasselbe sollte belehrt werden, dass schwächliche Gesundheit, von
irgendwelcher Ursache herrührend, die Infektion durch den Tuberkel¬
bazillus sehr begünstigt. Blutarmut, Gewichtsverlust verbunden mit
Katarrh des Magendarmkanals sind ziemlich sichere Frühsymptome.
C. M. Rees: Ueber Arteriosklerose der Gebärmutter. (Am.
J. Obstet., N. Y., No. 5.)
Verf. berichtet über 3 Fälle schwerer Gebärmutterblutungen,
deren Ursache in Arteriosklerose dieses Organs zu suchen war.
Er kommt zu folgenden Schlüssen: 1. Die Arteriosklerose der Gebär¬
mutter ist schwierig zu diagnostizieren. 2. Diese Gebärmutter-
erkrankung kommt bei Frauen zwischen 40 und 50 Jahren und bei sol¬
chen, die Kinder geboren haben, weit häufiger vor, als gewöhnlich
angenommen w'ird. 3. Gebärmutterblutungen unter den beschrie¬
benen Verhältnissen bringen das Leben der Kranken in Gefahr und
können nur durch die Hysterektomie dauernd geheilt werden.
S. L. Ziegler: Ueber Reflexneurosen, verursacht durch Ab¬
normitäten der Nase und der Augen. (N. York Med. J., No. 19.)
Nase und Augen sind wichtige Faktoren in der Aetiologie der Re¬
flexneurosen und sollten daher immer zuerst untersucht werden, be¬
vor man nach einer anderen Ursache sucht. Nasen- und Augen¬
reflexe haben manche Manifestationen gemeinsam und sollten daher
so früh als möglich differenziert werden. Ueberanstrengung der
Augen infolge Ametropie, subnormale Akkommodation oder Störungen
des Muskelgleichgewichts sollten sorgfältig korrigiert werden. Bei
Schrumpfung des Augapfels mit kontrahierender Ziliarnarbe sollte
das Auge enukleiert werden. Druckkontakte in der Nase rufen
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stets Reflexstörungen hervor, wenn diese Kontakte eine hyper¬
ästhetische Stelle treffen, und sollten daher gehoben werden. Jedes
Hindernis der freien Atmung sollte entfernt werden.
J. C. Da Costa und E. J. G. Be ar ds 1 e y: Ueber die
Widerstandskraft der Diabetiker gegen bakterielle Infektionen. (Am.
J. Med. Sc., Phila., No. 3.)
Bei Diabetikern ist die Widerstandskraft des Blutes bedeutend
geringer als unter normalen Verhältnissen. Für den Streptokokkus,
den Staphylokokkus und den Tuberkelbazillus ist nach dem opso¬
nischen Index die Widerstandskraft des Diabetikers um ein Drittel
geringer als unter normalen Verhältnissen. Die Anwendung der
opsonischen Untersuchungsmethode gibt uns ein Mittel in die Hand,
den Grad zu bestimmen, bis zu welchem die Vitalität des Patienten
abgeschwächt worden. Diese Probe ist namentlich wertvoll bei Pa¬
tienten, die von einer Säureintoxikation bedroht sind, und in jenen
Fällen, bei denen eine übermässige ülykosurie vorkommt. Die opso¬
nische Probe wird auch gute Dienste leisten bei der Untersuchung
einer Reihe anderer pathologischer Zustände, wie Gicht, Gelbsucht,
Leberzirrhose, Krebs, äusserste Blutarmut usw.
T. Smith: Das Verhältnis zwischen der Menschen- und Rinder¬
tuberkulose, mit besonderer Berücksichtigung der Frage der Trans¬
formation des menschlichen und anderer Typen des Tuberkelbazillus.
(Boston Med. and Surg. J., No. 22.)
Die Wisenschaft ist gegenwärtig noch nicht in der Lage, positiv
zu sagen, ob ein gewisser Typus des Tuberkelbazillus sich in einen
anderen verwandeln kann oder nicht Die Untersuchungsmethoden
sind noch zu unvollkommen, um uns ein sicheres Resultat zu liefern.
Inzwischen dürfen wir mit gutem Grund annehmen, dass eine regel¬
mässige und allgemeine Verwandlung des bovinen Typus in den
menschlichen und umgekehrt nicht vorkommt.
C. F. Wahrer: Eine Epidemie hämorrhagischer Nierenentzün¬
dung nach Scharlachfieber. (J. Am. M. Ass., Chicago, No. 17.)
Im südöstlichen Teile von Iowa trat im letzten Jahre eine Schar¬
lachepidemie auf. Die Mortalität war dabei gering, indem von
195 Fällen nur 6 mit Tod abgingen. Dagegen trat bei 35 Fällen
hämorrhagische Nierenentzündung auf. Von den 6 tödlichen Fällen
waren nur 2, bei denen die Todesursache auf Nierenentzündung zu¬
rückzuführen war, alle anderen erholten sich von dieser sonst so ge¬
fährlichen Komplikation.
W. O. Pauli: Ueber Plazentarsyphilis, eine Studie syphi¬
litischer Plazenten mit Rücksicht auf die Gegenwart der Spirochaete
pallfda. (Bull. Johns Hopkins Hosp., Baltimore, No. 212.)
Die Spirochaete pallida wird in syphilitischen Plazenten selten
gefunden und dann nur nach langem, sorgfältigem Suchen. Die ana¬
tomischen Veränderungen der Plazenta sind das Resultat von
Toxinen, hervorgerufen durch die Spirochaete pallida in den fötalen
Organen, und nicht die direkte Wirkung der Organismen auf die Villi.
Die Plazenta ist nicht der Infektionsherd. Die Tatsache, dass die
Spirochaete pallida niemals im mütterlichen Teile der Plazenta ge¬
funden wird, sondern nur in den Blutgefässen und im Stroma der föta¬
len Villi, lässt vermuten, dass die Plazenta der Invasion der Spiro¬
chäten grösseren Widerstand leistet, was wahrscheinlich dem stetigen
Zuströmen von Antikörpern oder Immunsubstanzen aus dem mütter¬
lichen Blutkreislauf zuzuschreiben ist.
F. C. Harris und B. C. C o r b u s: Ueber den klinischen Wert
der Spirochaete pallida für die Diagnose und Behandlung der Syphi¬
lis. (J. Am. M. Ass., Chicago, No. 23.)
Das Auffinden der Spirochaete pallida bildet eine sichere Dia¬
gnose der Syphilis, aber ihre Abwesenheit schliesst Syphilis nicht
aus. Wenn die Spirochäte in einer primären Läsion vorgefunden
wdrd, so ist es nicht notwendig, sondern geradezu schädlich, auf
sekundäre Manifestationen zu warten. Die folgerichtigste Behand¬
lung besteht in der Exzision des Schankers und in einem sofortigen
energischen antisyphilitischen Verfahren.
R. D. Rudolf: Ueber den Blutdruck bei der Arteriosklerose.
(Am. J. Med. Sc., Phila., No. 3.)
In vielen Fällen von ausgesprochener Arteriosklerose ist der
Blutdruck nicht erhöht Dies ist dem Umstande zuzuschreiben, dass
die Krankheit auf einen Teil des Arteriensystems beschränkt ist oder
dass das Herz in seiner Arbeit nachgelassen hat, so dass der Blut¬
druck, der früher hoch war, nun gefallen ist. Andererseits ist in vielen
Fällen von Arteriosklerose der Blutdruck über dem normalen Stande.
Man darf in einem gegebenen Falle von Arteriosklerose, bei welchem
der Blutdruck hoch ist, den erhöhten Blutdruck weder der erkrankten
Gefässwand zuschreiben, noch annehmen, dass die Sklerose die Folge
des gesteigerten Blutdruckes sei. Es kann z. B. die arterielle Ver¬
härtung von Syphilis herrühren und der erhöhte Blutdruck von krank¬
haften Zuständen nervöser oder toxischer Natur, welche durch ge¬
eignete Behandlung mehr oder weniger gehoben werden können, ab¬
hängig sein.
H. L. Kretschmer: Ueber die Pathologie und Zystoskopie
der Cystitls cystica. (Surg., Gynec. and Obstet., Chicago, No. 3.)
Cystitis cystica kann allein oder in Verbindung mit Zystenbil¬
dungen in den Harnleitern und im Nierenbecken Vorkommen. Wenn
die Zystenbildungen in den oberen Harnwegen Vorkommen, werden
sie klinisch nicht erkannt, wenn sie aber in der Blase auftreten, sollten
Original frnm
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
256
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
sie stets entdeckt werden, da sie ein klassisches zystoskopisches Bild
darbieten. Es unterliegt keinem Zweifel, dass andauernde Reiz¬
zustände eine wichtige Rolle in der Bildung dieser Zysten spielen,
was durch Experimente bewiesen werden kann. Hierfür spricht auch
ihr Vorkommen unter solchen pathologischen Verhältnissen, wie
Blasenstein, chronische Blasenentzündung, Tumoren usw. Aller
Wahrscheinlichkeit nach sind diese Zystenbildungen nicht parasi¬
tischer Natur.
J, T. Williams: Ueber die Beziehungen des Karzinoms des
Corpus uteri zu den Flbrolden. (N. York Med. J., No. 15.)
Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen Karzinom des
Corpus uteri und den Fibromyomen. Dieser Zusammenhang ist
augenscheinlich auf gewisse gemeinsame ätiologische Faktoren zu¬
rückzuführen. Die Neigung der Fibroide in Karzinom auszuarten ist
kein Qrund, dieselben unter allen Umständen operativ zu entfernen,
vorausgesetzt, dass die Patientin genau beobachtet werden kann.
Bedeutendes Zunehmen des Blutverlustes bei einem Fibroid oder das
Erscheinen eines vaginalen Ausflusses sind verdächtige Zeichen der
Entwicklung eines Karzinoms. Ein Fibroid, bei welchem irgend eines
dieser Symptome gegenwärtig ist, sollte mit der Kürette behandelt
werden, damit das Endometrium untersucht werden kann, auch wenn
man sich bereits entschlossen hat, eine Radikaloperation vorzu-
’nehmen. In allen Fällen von Fibroiden kompliziert mit Adenokarzi¬
nom des Korpus ist die totale Hysterektomie jeder anderen Operation
vorzuziehen.
J. W. Williams: Hat die Pubiotomle ihre Berechtigung?
(Am. J. Obstet., N. Y., No. 2.)
Von 13 Fällen von Pubiotomie, die im Johns Hopkins Hospital
ausgeführt wurden, starb in zweien die Mutter und in dreien das
Kind, doch konnte von den letzteren Todesfällen nur einer der Opera¬
tion selbst zugeschrieben werden. In allen Fällen wurde unmittel¬
bar nach der Operation die Entbindung entweder mit der Zange oder
durch Wendung vollbracht. Dammrisse kamen in 3 Fällen, ein tiefer
Scheidenriss in einem Falle vor. Verletzungen der Blase wurden
gänzlich vermieden, obschon 9 der Patientinnen Erstgebärende waren.
Die Pubiotomie ist zu empfehlen, wenn die Conjugata vera
nicht weniger als 7 cm beträgt. Bei Multiparae, die mehrere schwere
Geburten hinter sich haben, ist der Kaiserschnitt vorzuziehen. Die
Pubiotomie sollte an Stelle der hohen Zangengeburt, der prophylak¬
tischen Wendung und der Kraniotomie am lebenden Kinde bei nicht
infizierten Frauen angewendet werden. Sie sollte nicht gebraucht
werden bei infizierten Patientinnen oder nach Misslingen der Ent¬
bindung durch andere Mittel. Die Pubiotomie sollte als eine primäre
Operation angesehen werden, deren Gefahren in der Infektion, tiefen
Dammrissen und Blutungen bestehen.
A. Car re 11: Resultate der Transplantation von Blutgefässen,
Organen und Gliedern. (J. Am. M. Ass., Chicago, No. 20.)
Man kann bei der Ueberpflanzung frischer Blutgefässe voll¬
kommene Dauerresultate erlangen, und Arterien, welche mehrere
Tage und Wochen ausserhalb des Körpers gehalten worden, können
mit Erfolg transplantiert werden. Die Resultate waren nach mehr
als einem Jahre nach der Operation ausgezeichnet. Experimente
haben bewiesen, dass transplantierte Nieren funktionieren, dass ein
Tier, an welchem beide Nieren entfernt und die eine wieder implan¬
tiert worden, sich vollständig erholen und wenigstens 8 Monate lang
in vollkommener Gesundheit leben kann. Endlich haben die Experi¬
mente gezeigt, dass wenn ein amputiertes Bein eines Hundes durch
ein Bein eines anderen Hundes ersetzt worden ist, dasselbe in nor¬
maler Weise ausheilt.
Vorläufiger Bericht der Narkosekommisslon der American Medi¬
cal Association. (J. Am. M. Ass., Chicago, No. 19.)
Die Kommision kam zu folgenden Schlüssen: 1. Die Aether-
narkose ist in allen gewöhnlichen Fällen vorzuziehen. 2. Der Ge¬
brauch des Chloroforms ist nicht anzuempfehlen, wenn dasselbe nicht
von einem erfahrenen Arzte dargereicht werden kann. 3. Es ist
wünschenswert, dass geschickte Narkotiseure speziell herangebildet
werden, und die Studierenden sollten hierzu besser unterrichtet wer¬
den. 4. Der Gebrauch des Lachgases in Verbindung mit Luft oder
Sauerstoff verspricht eine bedeutende Zukunft zu haben.
W. B. Burns: Erfolgreiche Unterbindung der Arteria innomi-
nata. (J. Am. M. Ass., Chicago, No. 20.)
Seinem eigenen Falle fügt Verf. eine Uebersicht aller Fälle, die
in der Literatur vorgekommen, bei.
A. E. Halstead: Zur chirurgischen Behandlung des Magen-
und Duodenalgeschwürs. (Internat. J. Surg., N. Y., No. 9.)
In der Mehrzahl aller Fälle befindet sich das Geschwür inner¬
halb der oberen 2 Zoll des Zwölffingerdarms oder im pylorischen
Antrum, so dass die Exzision ohne Entfernung eines bedeutenden
Teiles des Magens unmöglich ist. Die Pylorektomie sollte daher nicht
angewandt werden auser in Fällen, in denen Verdacht auf Karzinom
vorliegt. Da die meisten chronischen Geschwüre in der Nähe des
Pylorus gelegen sind und die meisten derselben eine Stenose des
Kanals verursachen, erscheint die Gastroenterostomie als die ein¬
fachste und empfehlenswerteste Operation.
L. L. Hill: Ueber Herzverletzungen. (Med. Rec., N. Y., No. 12.)
Verf. operierte 3 Fälle von Herzverwundung mit bestem Erfolg.
A. A 11 e m a n n.
Auswärtige Briefe.
Wiener Briefe.
(Eigener Bericht.)
Eine staatliche serodiagnostische Untersuchungsanstalt für Syphi¬
lis. — Oesterreichische Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts¬
krankheiten. — Ein drohender Ausstand der Triester Hilfsärzte. —
Aerztliche Sozialpolitik.
An der Wiener Klinik iür Hautkrankheiten und Syphilis dp
Professor Dr. Ernst Finger wurde eine staatliche serodiagnostiscin.
Untersuchungsanstalt kreiert. Sie besteht eigentlich schon seit vielen
Jahren, indem daselbst die bekannte Wasse r man n sehe Reaktion
schon an mehr als 4600 Personen zu diagnostischen Zwecken aus¬
geführt wurde, das Unterrichtsministerium hat aber in jüngster Zeit
die Verfügung getroffen, dass die genannte Klinik verpflichtet sei, iür
die Kranken der Wiener Spitäler diese Untersuchung über Ansuchen
der Vorstände der Abteilungen unentgeltlich zu machen, dass sie aber
berechtigt sei, von bemittelten Personen für eine solche Unter¬
suchung das sicherlich geringe Honorar von 20 Kronen einzuheben.
Aehnliche Institute bestehen bekanntlich auch in Breslau und Ber¬
lin, sie sind auch dort mit einer Klinik für Syphilis in Verbindung
da nur eine solche Klinik das für die Serodiagnose der Syphilis not¬
wendige Kontroll- und Vergleichsinaterial zur Verfügung hat.
Die Oesterreichische Gesellschaft zur Bekämpfung der Ge¬
schlechtskrankheiten entfaltet eine überaus rührige und fruchtbare
Tätigkeit. Die erste Sitzung der diesjährigen Saison hatte wieder Herrn
Prof. Finger zum Vorsitzenden, der in einer längeren Ansprache
über die Arbeiten der Gesellschaft Bericht erstattete. Die Berichte
über die von dieser Gesellschaft im Vorjahre veranstaltete En¬
quete sind seither als ein Band der D. Zeitschr. z. Bekämpfung d.
Geschlechtskrankh. erschienen. Der Vorstand, in welchem Aerzte.
Juristen, Verwaltungsbeamte etc. vertreten sind, beschäftige sich jetzt
mit der Bearbeitung des reichen Materials dieser Enquete. Da seien
es zwei Fragen, welche derzeit besonders in Betracht gezogen wür¬
den. Die eine sei, ob sich Massnahmen treffen Hessen hinsichtlich der
Bestrafung der fahrlässigen oder wissentlichen Uebertragung der Ge¬
schlechtskrankheiten, sodann der Zwangsbehandlung Geschlechts¬
kranker, endlich der obligaten ärztlichen Anzeigepflicht bei Ge¬
schlechtskrankheiten. Die juristischen Experten in der Enquete haben
betont, dass unser Strafgesetz in dieser Beziehung einer Ergänzung
bedürfe und dass mit Hinsicht auf die Bedeutung und Ausbreitung der
Geschlechtskrankheiten und die Indolenz der Bevölkerung diesen
gegenüber die Erlassung spezieller Strafbestimmungen gegen die Ver¬
breitung von Geschlechtskrankheiten sehr wohl am Platze seien.
Nachdem aber eine Revision unseres Strafgesetzes in absehbarer
Zeit nicht zu erwarten sei, habe die Oesterreichische Gesellschaft zur
Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten aus ihrer Mitte ein Komitee
eingesetzt, welches einen solchen Gesetzesentwurf ausarbeiten solle.
Dieser werde sodann im Ausschüsse der Gesellschaft beraten und
schliesslich als Petition den gesetzgebenden Körperschaften und zu¬
ständigen Behörden überreicht werden.
Die zweite zu erörternde Frage sei die der sexuellen Aufklärung
unserer Jugend. Wohl habe die Enquete deren allseitig anerkannte
Notwendigkeit ergeben, doch sei man sich über das Technische
der Sache, über das Wie? Wann? und Wo? noch nicht ganz klar.
Darum habe die Gesellschaft die bekannte Führerin der Frauen¬
bewegung in Deutschland, die Frau Lischnewska, gebeten, hier
einen Vortrag über dieses Thema zu halten. Frau Lischnewska
aus Berlin erledigte sich dieser schwierigen Aufgabe in allseits be¬
friedigender Weise, indem sie eine im Anschlüsse an die Erwerbunc
naturwissenschaftlicher bezw. biologischer Kenntnisse in der Schule
zu erfolgende stufenweise sexuelle Aufklärung der Jusend emp¬
fahl. Da wo die Mütter sich hierzu eignen, seien auch diese für die
Aufgabe heranzuziehen. An den geistreichen Vortrag der gelehrten
Dame knüpfte sich eine eingehende Diskussion.
Der Reichsverband der österreichischen Aerzteorganisationen
verlautbart folgendes: Die Triester Hilfsärzte (Assistenten, Sekundar-
ärzte und Aspiranten des dortigen städtischen Krankenhauses) sind
im Begriffe, in den Ausstand zu treten. Grund hierzu ist: für Triest
und Istrien wurde vor kurzem in St. Giovanni, % Stunde von Triest
entfernt, eine neue Landesirrenanstalt eröffnet; eine Kmkurrenz-
ausschreibung zur Besetzung der systematisierten beiden fl ssistenten-
stellen (jede mit Gehalt von 1600 K) und der beiden Sei undararzt-
stellen (mit je 1200 K dotiert) war erfolglos, da sich ke in einziger
Arzt fand, der den Dienst um ein so lächerliches Gehalt ii jernebm ert
wollte. Der Gemeindeausschuss griff nun zu einem je walt¬
akt e. Er will diese Subalternarztesstellen zwangst eise da¬
durch besetzen, dass er die neuernannten Sekundarärzi i des all¬
gemeinen Krankenhauses, die, um sich dort auszubilden u d eben im
allgemeinen Krankenhause Assistenten und Sekundärärzte :u werden,
zwei Jahre und darüber als unentgeltliche Aspiranten
sich ausniitzen Hessen, zwingen will, den Dienst in der net errichteten
Irrenanstalt, um den sich kein Arzt beworben hatte, zu ü ernehmen
Ja, noch mehr! Der Gemeindeausschuss wollte statt 4 nur nicnr
einen einzigen Arzt mit einem Gehalt von 1200 K ohne Nebenein¬
kommen anstellen, erhöhte über Vorstellungen dieses Ge lalt später
auf 1500 K jährlich und Wagengeld von jährlich 400 K (die Einzelfahrt
kostet 3 K), dekretierte aber, dass in Hinkunft jeder As istent und
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UMIVERSITY OF CALIFORNIA
2. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
257
Sekundararzt zwei Jahre und drei Monate in der Irrenanstalt dienen
müsse. Dieser Beschluss habe auch rückwirkende Kraft.
Die Triester Hilfsärzte wünschten nun eine vollkommene Tren¬
nung des Dienstes im Krankenhause und in der Irrenanstalt, zumal
das Krankenhaus selbst eine psychiatrische Abteilung besitzt, sie
wehren sich entschieden gegen jedwede zu ihrem Schaden verfügte
Abänderungen der Dienstverfügungen, die zur Zeit ihrer Aufnahme
in Kraft waren, sie bestreiten aber dem Gemeindeausschusse nicht
das Recht, für neu eintretende Aerzte neue Bestimmungen
zu treffen. Die 21 Subalternärzte haben einmütig beschlossen, im
Falle einer zwangsweisen Uebersetzung oder einer anderen Repres¬
salie mit dem sofortigen Ausstande zu antworten und den
Dienst insolange nicht aufzunehmen, als der betroffene Kollege nicht
als Sekundararzt im allgemeinen Krankenhause belassen wird.
Der Reichsverband österreichischer Aerzteorganisationen aner¬
kennt die gerechten Forderungen der Triester Hilfsärzte, warnt alle
Aerzte schon jetzt, falls der Ausstand erklärt werden sollte, eine
solche Stelle auch nur ausnahmsweise, geschweige denn zur dauern¬
den Besorgung anzunehmen und erklärt diese Stellen für den Fall des
Ausstandes als gesperrt.
Es sei uns gestattet, hier eine allgemeine Bemerkung zu machen.
Es gibt bei uns und — wie wir gelesen haben — auch im Deutschen
Reiche noch immer Aerzte, welche derartigen Bestrebungen von
Hilfsärzten der Spitäler, sich eine günstigere materielle Entlohnung
zu verschaffen oder — wie in diesem Falle — sich gegen ein Unrecht
energisch zur Wehre zu setzen, nur widerwillig folgen oder gar arg
kritisieren. Die einen sagen, sie hätten es in ihrer Jugend als Volon¬
tär und Assistent noch viel schlechter gehabt und hätten sich später¬
hin dennoch durchgerungen; die anderen predigen salbungsvoll, dass
die Spitalsärzte in erster Linie zu ihrer eigenen wissenschaftlichen
Aus- resp. Fortbildung den Spitalsdienst leisten und dass sie daher
während dieser Dienstzeit mehr auf die Erwerbung von Kenntnissen
und Fertigkeiten als auf Geldgewinn bedacht sein sollten. Auch litten
die schönen Ideale des Arztes, die Ideale der Humanität und Nächsten¬
liebe, der Selbstaufopferung im Dienste für die kranke Menschheit etc.
durch so frühzeitige Bestrebungen der Spitalsärzte in uneinbring¬
licher Weise. Wir halten diesen Standpunkt für einen verfehlten, weil
rückständigen. Den Medizinern von heute können unserer Ansicht
nach nichtfriihgenugdie Ideen einer gereiften ärztlichen Sozial¬
politik eingeimpft werden; nicht früh genug kann den jungen Aerzten
eingeprägt werden, dass sie sich stets ihres Wertes bewusst seien
und sich ihren Leistungen entsprechend entlohnen lassen. Haben
sich die jungen Doctores juris, die bei den Advokaten jahrelang ihre
praktische Ausbildung erwerben müssen, dadurch abhalten lassen,
sich für diese ihre Dienstzeit angemessene, von Jahr zu Jahr an¬
steigende Gehälter zu sichern? Gewiss nicht, da sie sich ihrer wirk¬
lichen Leistungen jederzeit bewusst waren. Wir können nicht weit¬
läufig werden und müssen schliessen. Früh genug wird für diese Spi¬
talsärzte der schwere Kampf ums Dasein beginnen; sie sollen es
jetzt schon wissen und sich dessen stets erinnern, dass es eine grosse
Standesorganisation gibt, die sie — die Schwachen — vor Bedrük-
kungen der Starken schützte, die ihnen auch die schädigende Kon¬
kurrenz seitens der Kollegen vom Halse hielt, die ihnen — kurz ge¬
sagt — als sie in Not waren, zu Hilfe kam. Dass solche Aerzte später¬
hin treue Anhänger ärztlicher Organisationen sein, dass sie an dem
Aufbau und der Entwicklung unserer Organisationen lebhaften An¬
teil nehmen werden, das alles ist ja so selbstverständlich, dass man
auch darüber nicht viel Worte zu verlieren braucht. Und dass
schliesslich nur eine stramme und umsichtige Standesorganisation
uns Aerzten den Kampf ums Dasein ermöglicht, das ist so oft und in
so überzeugender Weise in dieser Wochenschrift aus^eführt worden,
dass eine Wiederholung völlig überflüssig erscheint. Aus allen diesen
Gründen erklären wir uns mit dem Vorgehen unserer Reichsorgani¬
sation vollkommen einverstanden.
Vereins* und Kongressberichte.
Verein filr innere Medizin zu Berlin.
(Eigener Bericht)
Sitzung vom 25. Januar 1909.
Herr S t r u be 11 - Dresden a. G.: Zur Vakzinetherapie.
Da W r i g h t die Kontrolle des opsonischen Index bei der Vak¬
zinetherapie für unumgänglich notwendig hielt, könnte der Praktiker
nur in Verbindung mit einem opsonischen Laboratorium eine Vakzine-
Behandlung durchführen. Man kann indessen die Behandlung einer
lokalen Tuberkulose nach einmaliger Bestimmung des Index durch¬
führen. Lokale Staphylokokkenerkrankungen kann man mit Vak¬
zine ohne Bestimmung des opsonischen Index behandeln. Bei durch
Staphylokokken bedingten Allgemeinerkrankungen (Sepsis) darf man
niemals ohne Ueberwachung des opsonischen Index die Vakzine¬
therapie anwenden. Auch W r i g h t hat jetzt die gleichen Grund¬
sätze für Vakzinebehandlung proklamiert.
Herr Rosenhelm: Präparate von Schimmelpilzinfektionen
bei Karzinom der Flexura slgmoidea.
Bei einem 61 jährigen Mann konnte allein durch die rekto-
skopische Untersuchung die Diagnose Karzinom gestellt werden. Ein
weisser nekroseähnlicher Belag des Tumors erwies sich als ays
Schimmelpilzen bestehend. Zum erstenmale intra vitam wurde hier
eine Intestinalmykose diagnostiziert.
Herr Arndt: Demonstration eines Falles von leukämischer
Hauterkrankung bei einem 78 jährigen Mann. Er zeigte zirkumskripte
Tumoren der Haut als Folge einer pseudoleukämischen Erkrankung.
Die Gesamtleukozytenzahl ist nicht vermehrt, es besteht nur eine
relative Lymphozytose (73 Proz.). Einen Fall von Lymphodermia
perniciosa zeigt er in Abbildungen.
Herr Bönniger: Kammervenenpuls ohne Trikuspldalinsufü-
zlenz.
In diesem Falle waren die Erscheinungen am Herzen zurück¬
zuführen auf eine ulzeröse Endokarditis der Aortenklappen, die zu
einer Perforation in den rechten Verlauf geführt hatte. (Obduktions¬
ergebnis.)
Herr G. Klemperer: 1. Demonstration einer ulzerösen Endo¬
karditis nach Gonorrhöe; im Verlaufe von 14 Tagen war unter
Schüttelfrösten der Tod eingetreten. 2. Ein enorm grosses Emphy-
sema bullosum. In solchen Fällen kann durch heftige Husten-
stösse eine derartig ausgedehnte Blase platzen und zu einem Pneumo¬
thorax führen. 3. zeigt er ein Pleuraexsudat eines Tuberkulösen mit
zahllosen Cholestearinkristallen. Das Vorhandensein derselben deutet
auf Zellzerfall hin. 4. Zwei Fälle von Gastritis phlegmonosa, welche
sich auf der Basis eines Karzinoms und eines chronischen Ulcus ent¬
wickelt hatten.
Herren R. Ehrmann und Th. Frankl: Ueber die Wirkung des
Phenolphthaleins auf Fermente, Toxine und Protozoen.
Auf Fermente, wie z. B. Pepsin und Trypsin hat geringer Phenol¬
phthaleinzusatz eine spezifisch-toxische Wirkung, wie sie ein Zusatz
von gleich konzentriertem Phenol usw. nicht hat. Bezüglich der
Toxine und Protozoen sind die Untersuchungen noch nicht abge¬
schlossen.
Herren R. Ehrmann und U. Friedemann: Versuche über
ein neues Anreicherungsverfahren für Typhusbazillen.
Kolibazillen werden durch Phenolphthaleinlösungen abgetötet,
Typhusbazillen dagegen nicht. Eine neue Anreicherungsmethode für
Typhusbazillen auf Grund dieser Befunde ist in Ausarbeitung. Ausser¬
dem dürften die Versuche für Infektionen vom Darmkanal und von
der Haut aus vielleicht von therapeutischer Bedeutung werden.
_ W. E.
Medizinische Gesellschaft zu Chemnitz.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 11. November 1908.
Herr Elchmeyer demonstriert zwei geheilte Fälle von Skal-
plerung, die im Jahre 1907 kurze Zeit hinter einander in das Stadt¬
krankenhaus Chemnitz eingeliefert wurden. In beiden Fällen handelt
es sich um junge Fabrikarbeiterinnen, die mit dem herabhängenden
bezw. locker gebundenen Haar in eine rotierende Transmissionswelle
geraten waren. Während bei der einen Patientin der ganze Skalp
einschliesslich Stirnbaut und Augenbrauen sowie fast zwei Drittel der
linken Ohrmuschel abgerissen wurden, liess sich bei der anderen die
Kopfschwarte, die zwar auch in toto abgelöst, aber nur teilweise
herausgerissen war, zum Teil erhalten. Sowohl die Totalskalpierung
wie der grosse Testierende Defekt der zweiten Patientin wurden
durch Thierschsche Transplantation zur Heilung gebracht.
E. erwähnt noch einen dritten, i. J. 1897 im Stadtkrankenhäus
Chemnitz behandelten Fall, bei dem die ganze Kopfschwarte abgelöst
und in den Nacken zurückgeschlagen war. Der Skalp, der noch
durch einen breiten Stiel mit der Nackenhaut in Verbindung stand,
liess sich durch Wiederauflegen und Naht vollständig erhalten. Die
Verletzung war dadurch entstanden, dass die Patientin, eine 40 jährige
Gutsbesitzersfrau, mit dem herabhängenden Haarzopf in die Welle
einer Häckselmaschine geriet und herumgcschleudert wurde.
Herr Thiimer stellt einen 19jhrigen Burschen mit „losen
Schultern“ vor. Der Fall unterscheidet sich in wesentlichen Punkten
von den häufiger zu beobachtenden Fällen „loser Schultern“ para¬
lytischen Ursprunges und tritt ausschliesslich in Erscheinung durch
den Ausfall der Funktion beider Mm. serrati anteriores. An der Hand
einer genauen Anamnese und unter Berücksichtigung des Umstandes,
dass bisher irgendwelche Verschlimmerung der vorhandenen Stö¬
rungen nicht zu beobachten war und alle übrigen Schultermuskeln
bei der elektrischen Untersuchung durchaus normales Verhalten
zeigten, kann bei dem gleichzeitigen Vorhandensein trophischer Stö¬
rungen im Fazialisgebiete und an den Integumenten der Brust und
Axilla die Diagnose mit Sicherheit auf kongenitalen und iso¬
lierten Defekt beider Mm. serrati anteriores gestellt werden.
Herr Wiehe gibt einen Ueberblick über die Fortschritte auf
dem Gebiete der urologlschen Diagnostik. Besprochen werden in
dem Vortrage, der für praktische Aerzte berechnet ist, neben der
Diagnostik, wie sie in allgemeiner Praxis möglich ist, bei dem Ge¬
biete der Gonorrhöe die Urethroskopie nach Ober kinder. Gold¬
schmidt und Wossidlo, bei den Blasenkrankhciten der Blasen¬
katheterismus, die Zystoskopie und der Uretherenkatheterismus. Da¬
neben wurde der Prostatahypertrophie und namentlich der Uro¬
genitaltuberkulose besondere Beachtung geschenkt.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
258
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
Aerztlicher Verein in Frankfurt a. M.
(Offizielles Protokoll.)
Ordentliche Sitzung vom 2. November 1908
abends 7 Uhr im Hörsaal des Dr. Senckenbergischen-
ßibliothekgebäudes.
Vorsitzender: Herr Ed i n g e r.
Schriftführer: Herr Cahen-Brach.
Herr Fischer demonstriert einige Präparate aus dem patho¬
logischen Institut.
Herr Deutsch: Zur Säuglingsernährung.
Der Vortragende berichtet nach kurzer Besprechung der
älteren Anschauungen über die neuen Forschungsergebnisse
in der Säuglingsernährung, wonach die Ernährungsstörungen
der Säuglinge grösstenteils nicht als Darmerkrankungen, son¬
dern als Stoffwechselstörungen, die Darmstörungen als deren
spätere Folgeerscheinungen aufzufassen sind (F i n k e 1 s t e i n,
Czerny-Keller). Die Grundlagen dieser umwälzenden
Anschauungen sind: klinisch-experimentelle Beobachtung,
methodische Emährungs- und Stoffwechseluntersuchungen mit
den einzelnen Nahrungskomponenten (Eiweiss, Fett, Kohle¬
hydrate, Mineralien, Molke). Ihre wichtigsten Ergebnisse sind:
Skepsis und Vorsicht in der künstlichen Ernährung überhaupt,
individualisierende Handhabung derselben — Aufstellung um¬
grenzter Krankheitsbilder (Milchnährschaden, Mehlnähr¬
schaden, exsudative Biathese, Spasmophilie (Czerny),
Bilanzstörung, Dekomposition, Intoxikation (F i n k e 1 s t e i n),
— Aufstellung therapeutischer Indikationen.
In diesem Rahmen ist das chronische Ekzem der Säuglinge
von Czerny als Teilerscheinung einer konstitutionellen
Anomalie erkannt und mit der Ernährung in Zusammenhang
gebracht worden. Der Vortragende hat sich seit etwa 2 Jahren
bemüht, durch genauere Untersuchungen und methodische Er¬
nährungsversuche diesem Zusammenhang näher zu kommen,
und bei einer Anzahl solcher Fälle den Einfluss von Ueber-
ernährung, Unterernährung, der Frauenmilch, des Fettes, der
Molke und der Vegetabilien auf den Verlauf der Exsudations¬
erscheinungen zu studieren. Er ist zu dem Ergebnis gekommen,
dass das Milchfett und die Molke gemeinsam die Schädlichkeit
ausmachen. Molkenfreie Nahrungsgemische wirken deutlich
auf die Heilung ein, fettfreie ebenfalls, aber weniger; am
sichersten jedoch mölke- und fettfreie Kost. Mit der von
Finkeistein angegebenen salzarmen und fettreichen Kost
hat der Vortragende und andere unbefriedigende Erfahrungen
gemacht, einzelne Autoren haben unangenehme Nebenwir¬
kungen (Gewichtsverluste, Kollaps gesehen).
D. behandelt das Säuglingsekzem mit einer Suppe („Ei¬
weissuppe), die analog einer Keller sehen Malzsuppe ohne
Milch, aus 10 Proz. Malzextrakt, 5 Proz. Mehl und 1 Proz.
Nutrose in Wasser zubereitet wird. Dieselbe enthält demnach
2 Proz. Eiweiss (davon 1 Proz. Kasein), 0,05 Proz. Fett, 11 Proz.
Kohlehydrate, 0,37 Proz. Mineralien. Ihr Brennwert ist be¬
rechnet auf 520 Kalorien, experimentell bestimmt auf 470
Kalorien pro 1 Liter. Der Tagesbedarf berechnet sich ent¬
sprechend dem Energiequotienten durchschnittlich auf etwa
200 g auf 1 kg Körpergewicht.
Der Vortr. berichtet unter Vorlage der Kurven über
14 Fälle, denen diese Kost verabreicht wurde, darunter 6 Fälle
mit ausgebreiteten, teilweise alten Hauterkrankungen. 3 dieser
Kinder waren an der Brust erkrankt; ihnen wurden 2—3 Mahl¬
zeiten an der Brust gelassen. Die Suppe wurde fast immer
gern genommen und gut vertragen; in keinem Falle hat sie
Schaden oder auch nur Gewichtsverlust gebracht. Der Erfolg
ist nur in einem Fall ausgeblieben. In einigen Fällen ging der
Ausschlag auffallend rasch zurück. In 2 Fällen traten einige
Zeit nach Aufgeben der Regimes leichte Rezidive ein.
Ferner wurde die Kost in einem Falle von Säuglingsasthma
und in einigen Fällen von Spasmophilie gegeben, doch er¬
lauben diese Fälle kein Urteil. In einem Falle ausgesprochener
Tiermilchidiosynkrasie (beim Versuch des Abstillens Durch¬
fall und Eklampsie, bei jedem neuen Versuch Durchfall und
Allgemeinstörungen, sobald einschleichend 50 g Kuhmilch,
Buttermilch oder Ziegenmilch erreicht war, wurde die „Eiweiss¬
suppe“ neben der schwach sezernierenden Brust 8 Monate hin¬
durch mit sehr befriedigendem prnährungserfolg gegeben.
Die Gewichtszunahmen waren bei Darreichung der Suppe
allein nur einige Male gut, meistens ganz ungenügend. Wohl
nicht .infolge eigentlicher Unterernährung, sondern negativer
Salzbilanz; wenigstens ging in fast allen Fällen die flache
Gewichtskurve rasch steil in die Höhe, sobald kleine Mengen
Frauenmilch oder auch nur Gemüsesuppe daneben gegeben
wurde.
Deshalb empfiehlt es sich, die „Eiweisssuppe“ nur im An¬
fang der Behandlung allein zu reichen (längere Darreichung
scheint gefährlich), jüngeren Säuglingen etwas Ammenmilch,
älteren Suppe, oder Gemüse und Brot daneben zu geben, aber
keine Kuhmilch.
Diskussion: Herr Th. Baef kann die von Deutsch
•beobachteten günstigen Erfahrungen mit der Eiweissuppe nur be¬
stätigen. Er erwähnt speziell zwei schwere Fälle von chronischem
niczem bei Kindern, bei denen eine monatelang fortgesetzte Therapie
mit den verschiedensten äusseren Mitteln ohne jeden Erfolg war.
Kurze Zeit nach Verabreichung der veränderten Nahrung heilten die
Ekzeme. Dass hier in der Tat die veränderte Ernährung die Heilung
des Ekzems herbeiführte, zeigte sich an einem Falle, bei welchem
nach Aussetzen der Eiweissuppe das Ekzem sofort rezidivierte. um
nach neuerlicher Darreichung zu verschwinden^
Herr C u n o.
Herr Rosenhaupt: Durch Veröffentlichungen von Czerny
und durch die Beobachtung, dass vorwiegend überernährte Säuglinge
das typische Ekzem der exsudativen Diathese zeigen, veranlasst, lege
ich schon seit mehreren Jahren den Hauptwert auf die diä¬
tetische Behandlung. Im Gegensatz zu Herrn Kollegen Deutsch
i n J e ä° c h der Ansicht, dass mehr die quantitative Verminderung
der Nahrung nach ihrem kalorischen Wert, als die qualitative Ver¬
änderung von Bedeutung ist. Dafür scheint mir schon die Tatsacht
zu sprechen, dass nach konsumierenden Krankheiten die Ekzeme
spontan verschwinden. Allerdings scheint mir die Verringerung der
Fettzufuhr von Bedeutung, während die Molke als ätiologischer
raktor meines Erachtens unwesentlich ist. Dafür sprechen meine
Erfolge bei einer Ernährung mit M a g e r m i 1 c h, die noch dadurch in
ihrem klinisch-experimentellen Wert gestützt werden, dass ich hei
Rückkehr zur Vollmilch ein promptes Rezidiv auftreten sah.
Ein Absetzen der Brustkinder ist wohl nie indiziert. — Mehr
geeignet als die vom Vortr. empfohlene Methode, wenn möglich, noch
ein zweites Kind anzulegen, erscheint mir die, das Kind nur kur/
anzulegen und seinem Flüssigkeitsbedürfnis durch eine Beigabe em?r
nahrstoffarmen Flüssigkeit (Thee, Schleimabkochung mit Saccharin)
zu genügen. Das Anlegen eines zweiten Kindes fuhrt sicher oft durch
Vermehrung des physiologischen Saugreizes zur unerwünschten Ver¬
mehrung der Milchmenge.
Herren H. Rehn, Hirschberg, Hohenemser.
Herr Deutsch erwidert Herrn Cuno und Herrn Rosen¬
haupt, dass man nach seinen Ergebnissen eben nicht mit Unter¬
ernährung, auch nicht mit Entziehung der Molke allein oder des
Fettes allein auskomme, sondern, dass beide unter Erhdtung des
nötigen Kalorienbetrages aus der Nahrung entfernt werden müssen.
— Mit Reduktion der Nahrung wurde kein ausreichender Ertöte er¬
zielt; ebensowenig mit der fettarmen holländischen Säuglii igsnahrung
oder mit Magermilch, mit der überhaupt keine genügende Ernährung
möglich ist. Die von Czerny empfohlene Diät lässt si h erst für
ältere Säuglinge richtig durchführen; dem Vortragentk n hat sie
weniger geleistet als das ganz milchfreie Regime. Herrn Hirsch-
ber g gegenüber bemerkt D.: Die konstitutionellen Ekz« me unter¬
scheiden sich durch Aussehen. Sitz und Ausdehnung oft ga nicht von
den ektogenen; man muss nach anderen Zeichen der Diath se suchen.
Hierauf wird in eine Besprechung des Kampfes d * Aerzte*
Vereinsbundes mit den Lebensversicherungsgesellschaften • ingetreten.
Herr Eiermann: Im Anschluss an das zu Beginn < sr Sitzung
verlesene Schreiben des Leipziger Verbandes gibt Redner ein kurzes
Bild der historischen Entwicklung der ganzen Frage, aus < ir hervor¬
geht, dass der L. V. nur den ihm gewordenen Auftrag < ;s Aerzte-
vereinsbuudes bezw. Danziger Aerztetages ausführt. Er e wähnt das
Protestschreiben, das von einer vor kurzem hier stattget bten Ver¬
sammlung von über 40 Vertrauensärzten an den Leip: ger wirt¬
schaftlichen Verband ergangen sei, und betont den Wide spruch, in
den sich die Unterzeichner jener Resolution gebracht hä en, indem
sie sich hierbei gegen einen Beschluss des Aerztetages w ndten, bei
dem sie ja seihst indirekt durch die dem Delegierten da ärztlichen
Vereins zum Aerztetag gegebene Direktive mitgewi t hätten.
Ebenso nähmen sie Steilung gegen den ärztlichen Vereii dem alh 1
Teilnehmer der Versammlung als Mitglieder angehörei nachdem
dessen Vorstand vor wenigen Tagen zum Ausharren im anrpf. w
Unterstützung des L. V. und zur Unterzeichnung der m diesem
gesandten Erklärung aufgefordert habe. Jetzt gebe e nur eine
Parole: Bei der Stange bleiben.
Herr Streng erwidert Herrn Eier mann, dass ' gemein¬
schaftlich mit Herrn Scholz eine Versammlung von jrtrauens-
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2. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
259
ärzten- der verschiedenen Versicherungsgesellschaften einberufen
habe, damit diese unter sich über die Beschlüsse des Leipziger Ver¬
bandes beraten sollten, da sie diejenigen seien, -die zumeist von dem
ganzen Streit betroffen sind.
Herr Hirschberg: Wenn auch die Resolution der Vertrauens¬
ärzte nicht als ein Votum betrachtet werden kann, das gegen einen
Beschluss des ärztlichen Vereins gerichtet war — denn ein solcher
lag nicht vor — so ist die Resolution doch als ein bedauerlicher
taktischer Fehler zu bezeichnen, denn sie erschwert die Aktion des
Leipziger Verbandes, welche nur dann erfolgreich für uns sein kann,
wenn die Aerzte Deutschlands sich einstimmig ihm anschliessen.
Uebrigens sind die beiden wesentlichen Forderungen des Leipziger
Verbandes angenommen worden: 1. haben sich die versammelten
Vertrauensärzte bereit erklärt, den Revers zu unterschreiben und ich
hoffe, sie haben es bereits alle getan und 2. haben sie sich verpflichtet,
den Gesellschaften zu schreiben, dass sie bis zur Erledigung der An¬
gelegenheit auf der Kampftaxe bestehen müssten und ich hoffe, dass
aile auch diese Verpflichtung erfüllt haben.
Herr B e n a r i o betont zunächst, dass Herr Eiermann keine
authentische Schilderung der Versammlung geben könne, da er deren
Verlauf nur durch dritte Personen kennen gelernt habe. Dann wendet
er sich mit aller Entschiedenheit gegen die Auffassung, als ob die
Besprechung eine Fronde gegen den L. W. V. gebildet habe; im Gegen¬
teil wurden alle Teilnehmer verpflichtet, den Revers zu unter¬
schreiben. Die Versammlung habe sich gegen die Kampfesart und
besonders gegen das Wort „Kampftaxe“ gewendet unter Betonung
der verschiedenartigen Verhältnisse der Differenzen mit Lebens¬
versicherungsgesellschaften und Krankenkassen. Die nach Leipzig
abgesandte Resolution habe lediglich den Zweck verfolgt, zum bal¬
digen Friedensschluss zu mahnen, da die Versicherungsärzte mit den
Bezahlungen vollständig zufrieden sind und waren. — Im übrigen er¬
kenne er keinem das Recht zu, über die Zweckmässigkeit einer pri¬
vaten Besprechung zu entscheiden.
Herr Abraham: Nach der Mitteilung des Herrn E i e r m a n n
fand eine Besprechung unter einer Anzahl hiesiger Aerzte statt. Es
wäre wünschenswert gewesen, wenn zu dieser Besprechung die
hiesigen Vertreter des Leipziger Verbandes eingeladen worden wären,
was.nicht der Fall war.
Herr Hainebach: Die Behauptung des Herrn B e n a r i o,
dass die Vertrauensärzte mit den von den Versicherungsgesellschaften
gezahlten Honoraren ganz zufrieden seien, ist nicht richtig. Auf den
Aerztetagen zu Münster und Danzig sind es gerade Versicherungs¬
ärzte gewesen, die die Hauptrufer im Streite waren. Eime Schädigung
ihrer Interessen brauchen die Versicherungsärzte durch den jetzigen
Kampfzustand nicht zu befürchten. Der L. V. besitzt schon die Mittel,
um zu verhindern, dass die jetzigen Vertrauensärzte aus ihren Stellen
verdrängt werden, da diese ja ev. gesperrt werden können.
Herr Hübner bemerkt, dass nach seiner Wahrnehmung die
Anzahl der Kollegen ziemlich gross sei, die meinten, der Kampf hätte,
wenn irgend möglich, vermieden werden sollen. Dem Aerzteverband
machen sie natürlich keinen Vorwurf, sondern glauben, dass der
Aerztetag sich nicht hätte auf ganz bestimmte Forderungen fest¬
legen sollen. Die Unterzeichnung der Erklärung hält er für absolut
geboten, daneben aber stehe dem einzelnen volle Freiheit der Kritik
zu, die ja freilich jetzt zu spät kommt, aber doch dazu beiträgt, die
Stimmung in der Aerzteschaft kund zu tun.
Herr Eier mann (Schlusswort) spricht zunächst seine Be¬
friedigung darüber aus, aus der lebhaften Diskussion die Stimmung der
Versammlung erkannt zu haben, was für ihn von Wert für die dem-
nächstige Vertrauensmänner Versammlung des L. V. sei. Die Aus¬
legung, die Herr Benario dem Sinne der stattgehabten Ver¬
trauensärzteversammlung und deren Resolution gegeben habe, sei
ihm neu; brs jetzt habe er von zahlreichen Teilnehmern immer nur
gehört, dass in der Versammlung gegen die Sache selbst, nicht gegen
die Art der Behandlung der Frage durch den L. V. gesprochen
worden sei. Das Recht zur Kritik habe er nie jemandem bestritten
— das könne er am wenigsten — aber gegen die Art des Vorgehens
und gegen, das Forum, von dem dieses ausgehe, habe er sich gewandt.
Und das sei auch sein Recht. Er sei nach wie vor der Ueberzeugung,
dass die Resolution besser unterblieben wäre.
ln einer persönlichen Bemerkung stellt Herr Benario fest.Mass
ihm nur durch den Schluss der Sitzung, auf den der Herr Vorsitzende
gedrängt hat, unmöglich gemacht wurde, auf persönliche Bemer¬
kungen des Herrn Eiermann zu erwidern, und ersucht um Auf¬
nahme dieser Tatsache in das Protokoll.
Münchener Gesellschaft für Kinderheilkunde.
(Eigener Bericht)
Sitzung vom 15. Januar 1909.
Herr Trum pp: Ueber eine anatomisch und klinisch bemerkens¬
werte Anomalie des Laryngotrachealrohres.
Fast völlige Aplasie des Ringknorpels und der beiden ersten
Trachealknorpel bei einem an Miliartuberkulose verstorbenen VA jähr.
Kinde, das trotz dieser Anomalie in vivo niemals Funktionsstörungen
v on Seiten des Larynx geboten hatte. (Demonstration des ana¬
tomischen Präparates.) An die Besprechung dieses Falles knüpfte
1 rumpp kritische Bemerkungen über die Aetiologie des Stridor
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laryngis congenitus an, der nach seiner Vermutnug auf einer ange¬
borenen Schwäche der Glottiserweiterer beruht.
Diskussion: Herr Hoffman n.
Herr Moro: Lymphatismus und Skrofulöse.
Die Skrofulöse ist eine besondere, unter einem klinisch wohl cha¬
rakterisiertem Bilde verlaufende Form der Tuberkulose im Kindes¬
alter. Das Krankheitsbild ist vor allem gekennzeichnet durch die
grossen Neigung zu Entzündungsreaktion rezidivierender Natur (bes.
Lymphdrüsen, Schleimhaut und Integument betreffend) und durch
einen relativ gutartigen Verlauf der Tuberkuloseinfektion.
Die klinischen Erscheinungen der Skrofulöse weisen mit jenem
Bild, das Escherichals lymphatische Dyskrasie, Czerny als ex¬
sudative Diathese bezeichnet hat und mit gewissen Symptomen-
komplexen des Arthritismus der Franzosen (Lymphatismus) grosse
Aehnlichkeiten auf. Hier handelt es sich aber im Wesen um ererbte
Konstitutionsanomalien degenerativer Natur, die prinzipiell mit Tuber¬
kulose nicht zu tun haben. Von letzterer Tatsache kann man sich
heute leicht überzeugen. Die Tuberkulinreaktionen verlaufen bei
lymphatischen Kindern nicht selten (im ersten Lebensjahr fast regel¬
mässig) negativ. Ausnahmsweise begegnet man negativen Reaktionen
auch bei älteren, mit allen äusseren Zeichen der Skrofulöse behafteten
Lymphatikern. Dass nicht alle so gearteten Kinder tuberkulös sind,
wusste man schon lange und der unbefriedigende Versuch, diese
klinisch so ähnlichen Krankheitsbilder in ein bestimmtes Symstem
hineinzuzwängen, verschuldete wohl hauptsächlich die grosse Un¬
sicherheit in der Beurteilung des Wesens der Skrofulöse.
Unterzieht man sich der Mühe, der Vorgeschichte skrofulo-tuber-
kulöser Kinder nachzuspüren, so erfährt man fast regelmässig Daten,
die auf eine bereits während der Säuglingsperiode erfolgte Mani¬
festation des Lymphatismus hinweisen: Gneis, Milchschorf, Lichen
urticatus, Ekzeme, hartnäckiges Wundsein, rezidivierende, ausge¬
breitete Katarrhe der Luftwege usf.; auch der gewesene Bestand
einer Landkartenzunge ist nach der Beschreibung mancher Eltern
zu erkennen.
Czerny weist mit Recht nachdrücklich daraufhin, dass diesen
Kindern eine erhöhte Erregbarkeit ihres Nervensystems eigentüm¬
lich ist (neuropathische Konstitution), die sich in der verschiedensten
Weise äussern kann. Dafür spricht m. E. ganz besonders der Um¬
stand, dass die oben erwähnten Entzündungsreaktionen fast durch¬
wegs angioneurotiseher Natur sind. [Ekzemeruptionen oft
in symmetrischer Anordnung. Urtikaria, Lingua geographica, rezidi¬
vierende Bronchitiden mit Neigung zu Asthmaanfällen *)]. Diese
Reaktionen können bei lymphatischen Kindern durch die verschieden¬
artigsten Reize ausgelöst werden. Als solche kommen vor allem
alimentäre und infektiöse Schädigungen, sowie die Abkühlung (Er¬
kältung) in Betracht.
Werden diese Kinder von solchen Reizen zu wiederholten Malen
betroffen, dann stellt sich häufig bei ihnen der Zustand einer kli¬
nischen, nichtspezifischen Ueberempfindlichkeit ein. Die
Rezidiven erfolgen beschleunigt und stärker, ohne ihren Charakter
der verschiedenen Natur der Reize entsprechend zu ändern. Es sei
daran erinnert, dass auch die Kuhpockenimpfung, sowie gewisse
Dermato- und Epizoonosen bei diesen Kindern von weit stürmischeren
Erscheinungen begleitet zu sein pflegen, als bei normalen Individuen.
Dieser Ueberempfindlichkeit dürfte eine gesteigerte, nervöse Erreg¬
barkeit (speziell der Vasomotoren) wesentlich zu gründe liegen.
Es ist begreiflich, dass eine Infektion, die, wie* keine zweite
auch beim Normalen zu rezidivierenden Entzündungsreaktionen ver¬
schiedenster Art Veranlassung gibt, nämlich jene der Tuberkulose,
bei lymphatischen Kindern unter einem besonders krassen Bilde ver¬
laufen muss. Aber wir begegnen wiederum den alten Reaktions¬
formen: hartnäckigen oder bald vorübergehenden Haut-, Schleimhaut-
und Lymphdrüsenentzündungen primärer und sekundärer Natur.
Nach diesen Ausführungen wäre die Skrofulöse in
ihrem Wesen als das besondere Bild der Abwehr¬
reaktion des lymphatischen Kindes gegenüber
einer gelegentlich erfolgten T u b e r k u 1 o s e i n f e k-
tion aufzufassen. Die lymphatische Konstitution wäre die
Vorbedingung für das Krankheitsbild der Skrofulöse; ersteres wäre
der primäre, letzteres der sekundäre von der Tuberkuloseinfektion
herbeigeführte Zustand. **)
Wollte man der Lymphe und ihren Elementen eine besondere
Wirkung gegenüber dem Tuberkelbazillus vindizieren (Bartel und
N e u m a n n), so läge eine Erklärung für den relativ günstigen Ver¬
lauf der Tuberkulose im Organismus des Lymphatikers bald zur Hand.
Untersuchungen; die ich gemeinsam mit Uffenheimer angestellt
*) Hier sei ausserdem an die von Escherich erkannte Dis¬
position der lymphatischen Kinder zu Tetanie erinnert.
•*) Vergleiche dazu eine Diskussionsbemerkung Escherichs
zum Vortrage Bartels: Ueber die hypoplastischc Konstitution und
ihre Bedeutung. Sitzungsbericht der Gesellschaft für innere Medizin
und Kinderheilkunde in Wien, No. 10, 1908, pag. 125, Absatz 2: „Ein
grosser Teil dieser Kinder geht dann durch frühzeitige Infektion mit
dem Tuberkelbazillus in das Bild der torpiden Skrofulöse über“. Auf
diese Notiz hat mich Herr Hofrat Escherich in Wien, nach Mit¬
teilung meiner unabhängig von ihm gewonnenen Aufiassung, freund-
lichst aufmerksam machen lassen.
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260
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
habe, konnten uns aber von dieser besonderen Eigenschaft der
menschlichen Lymphe nicht überzeugen. Ich nehme vielmehr an,
dass der relativ günstige Verlauf der lebhaften Entzündungsreaktion
zu verdanken ist, mit der der Lymphatiker den Folgen der Tuber¬
kuloseinfektion auf Schritt und Tritt begegnet; denn die Entzündung
ist eines der wirksamsten Abwehrmittel, das dem Menschen gegen¬
über dem Tuberkelbazillus und seinen Produkten zur Verfügung
steht. Im Uebrigen kann von einem relativ günstigen Verlauf der
Tuberkuloseinfektion im Organismus des Lymphatikers nur bei ver¬
gleichsweiser Berücksichtigung der klinisch manifesten Tuberkulose¬
formen die Rede sein.
An der Diskussion beteiligten sich die Herren Ibrahim,
Seitz, Hoffmann, Moro. Moro.
Aus den Wiener medizinischen Gesellschaften.
(Eigener Bericht.)
K. k. Gesellschaft der Aerzte.
Dozent Dr. Max Herz: lieber Herzbeengung.
Der Vortragende bezeichnet als Herzbeengung, bezw. als
relative Thoraxenge eine Störung des räumlichen Verhält¬
nisses zwischen dem Herzvolumen und dem Brustraum. Man müsse
sich bei allen Kreislaufstörungen nicht nur fragen, inwieweit eine
herabgesetzte Kraft des Herzmuskels oder erhöhte Kreislaufwider¬
stände in Betracht kommen, sondern auch nach dem Anteile, den
eine event. räumliche Behinderung der Herztätigkeit an ihrem Zu¬
standekommen habe. Schon unter normalen Verhältnissen füllt das
Herz den ihm zur Verfügung stehenden Raum beinahe vollständig
aus, so dass besonders im sagittalen Durchmesser zwischen Wirbel¬
säule und Sternum schon eine geringe Volumszunahme des Herzens
oder eine kleine Verengerung des Querschnittes des Brustraumes ge¬
nügt, um eine relative Thoraxenge zu erzeugen. Ist das Missver¬
hältnis nicht gross, dann weicht das Herz dem ihm zwischen Sternum
und Wirbelsäule drohenden Drucke durch eine Verschiebung
seiner Masse nach links aus. Diesen Zustand, der durch
eine Verschiebung des linken Randes der Herzdämpfung charakteri¬
siert ist, nennt der Verf. die relative Thoraxenge ersten Grades.
Bei höheren Graden der Enge wird das Herz zwischen
Wirbelsäule und vorderer Brustwand zusammengedrückt und kommt
dadurch in die Lage, seine Bewegungen in charakteristischer und
intensiver Weise auf die Brustwand zu übertragen. So ist ein
resistenter Spitzenstoss nach Ansicht des Vortragenden
nicht nur für eine Hypertrophie des linken Ventrikels, sondern auch
für eine Herzbeengung zweiten Grades charakteristisch, ebenso die
energischen Pulsationen des Sternums und der ganzen
Herzgegend. Die Pulsationen der Interkostalräume beweisen nicht
nur eine Hypertrophie des rechten Ventrikels, sondern auch, dass
dem Herzen nicht der normale Spielraum für seine Aktion zur Ver¬
fügung steht. Dadurch, dass das Herz gezwungen ist, die Brustwand
zu verschieben, leistet es eine ausserwesentliche Arbeit, welche bei
gesundem Herzmuskel ohne Bedeutung ist, ein geschwächtes Herz
hingegen in der Erhaltung eines ungestörten Kreislaufes wesentlich
behindern kann. Während der Diastole presst die zurückweichende
Brustwand das Herz zusammen, wodurch die normale Saugwirkung
der Diastole der Herzkammern vermindert wird.
Ausserdem leidet durch die ständige Belastung die normale
Durchblutung des Muskels und kann zu Ernährungsstörungen des¬
selben führen. In besonders hohem Grade kann der rechte Ventrikel,
der zwischen dem hypertrophierten linken Ventrikel und der vorderen
Brustwand eingekeilt ist, in Mitleidenschaft gezogen werden. Dieser
Umstand erklärt die Störung im kleinen Kreislauf bei blosser Hyper¬
trophie des linken Ventrikels.
Die Herzbeengung findet nicht nur in den sagittalen und queren
Durchmessern des Brustraumes statt, sondern auch im vertikalen
durch Hochstand des Zwerchfelles, z. B. bei Meteorismus, Schwanger¬
schaft u. dergl. Unter solchen Verhältnissen tritt eine Querlage
des Herzens ein, zugleich mit einem systolischen Ge¬
räusche, welches häufig zu Fehldiagnosen Anlass gibt.
Der höchste Grad der Einklemmung ist dadurch gekennzeichnet,
dass fast die ganze Kraft der Ventrikelsystole auf die Vorstülpungen
der Brustwand verwendet wird. Sie findet sich bei starker Dilatation
des Herzens, bei welcher sich die Herzmuskelfasern nicht vollständig
verkürzen können, sondern sich ihre Kontraktion schon im Beginne
der Austreibungsmethode erschöpft. Man sieht unter solchen Verhält¬
nissen über dem Herzen alle Anzeichen einer erregten Herztätigkeit
und findet im Gegensatz hiezu an den peripheren Arterien einen
minimalen Puls.
Verein Deutscher Aerzte in Prag.
(Eigener Bericht.)
Sitzung vom 8. Januar 1909.
Herr Imhofer: Ueber Phonasthenie bei Sängern.
Vortr. hat 32 Fälle dieser von Th. Flat au zuerst beschriebenen
Berufsneurose beobachtet, als deren Wesen er die Durchbrechung des
Prinzipes des kleinsten Kraftausmasses bei der phonischen Leistung
auffasst. Aetiologisch kommt vor allem falsche Schulung in Betracht,
dann aber auch alle Momente, welche die Leistungsfähigkeit der
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Kehlkopfmuskulatur herabsetzen (Anämie etc.). Die Diagnose lässt
sich durch Beobachtung bestimmter, an typischen Stellen einsetzen¬
der und durch verschiedene Methoden (Elektrizität, Kompression)
ausgleichbarer Tondefekte stellen, darf aber niemals auf die Anamnese
allein aufgebaut werden. Die diagnostische Ausgleichmethode gibt
auch die Grundlage für die Therapie. Neben der typischen Form
kennt Herr I m h o f e r noch eine bisher noch nicht beschriebene
akute Form, von der er ein Beispiel gibt. Bei dieser Form ist der
ganze Dekursus bis zum Versagen der Stimme auf einige Tage zu¬
sammengedrängt. Ohne Therapie kommt diese Form nicht zur
restitutio ad integrum.
Herr Münzer: Zur Diagnose des totalen Gallengangver-
Schlusses.
An der Hand zweier Fälle bespricht der Vortr. die klinischen
Erscheinungen, welche durch eine Behinderung des Galleneintrittes
in den Darm hervorgerufen werden, sowie die die Diagnose er¬
möglichenden Untersuchungsmethoden. In klinischer Beziehung be¬
tont er, dass der Magen solcher Kranker, soweit er nicht primär in
Mitleidenschaft gezogen, normal arbeitet, wofür der Ausfall der
Sahli sehen Desmoidreaktion spricht. Ebenso führt der Ausfall der
Stuhluntersuchung nach S c h m i d t - S t r a s b u rg e r scher Probe-
diät zu gleichem Resultate. Die Angaben Schmidts, dass bei
Gallenmangel im Darm der Stuhl sehr sauer ist und nicht gärt, be¬
stätigt Herr M., wobei er seine Darmgärungsröhrchen demonstriert.
Der Stuhl zeigt weiter negative Sublimatprobe. Auch durch die
Harnuntersuchung kann die Diagnose gestellt werden, da bei totalem
Gallengangabschluss Urobilin resp. Urobilinogen im Harne fehlt. Als
Urobilinprobe empfiehlt der Vortr. die S c h 1 e s i n g e r sehe Me¬
thode in der Ausführung Hildebrandts, wobei er bemerkt, dass
man fast noch sicherere Resultate nach dem Vorgehen Sa h 1 i s erhält.
Als Urobilinogenprobe ist die Benzaldehydprobe nach Eh r lieh -
Pröschen sehr brauchbar, doch verwendet M. zur Extraktion
des Farbstoffes Amylalkohol. Zum sicheren Nachweis, dass es sich
um Urobilin resp. Urobilinogen handelt, ist jedoch der spektro¬
skopische Nachweis nötig. Den sichersten Beweis, dass es sich um
totalen Gallengangverschluss handelt, gibt die Harnuntersuchung.
O. Wiener.
Aus den französischen medizinischen Gesellschaften.
Soci&g de Chirurgie.
Sitzung vom 11. November 1908.
Zur Behandlung der Trigeminusneuralgien mit oberflächlichen Al-
kohollnjektlonen.
Ricard stimmt mit M o r e s t i n darin überein, dass die tiefen
Alkoholinjektionen sehr schwierig sind und man statt derselben die
oberflächlichen in die peripheren Nerventeile vornehmen soll, ln
5 Fällen hat er diese Injektionen mit 90 0 Alkohol gemacht und viermal
vorzügliche Resultate, die 15—18 Monate nun anhalten, erzielt. Diese
Injektionen sind einfach und leicht zu machen und sollten jedenfalls
immer zuerst bei der so langwierigen Behandlung der Trigeminus¬
neuralgie versucht werden.
Die totale Zystektomie.
L e g u e u berichtet über einen Fall von Marion, wo bei einer
Frau wegen, mit abundanten Blutungen verbundener, zahlreicher
Papillome der Blase die totale Zystektomie ausgeführt und die Ure-
teren dabei in der Wunde gelassen wurden. Nach einigen Monaten
traten Erscheinungen von Pyelonephritis beiderseits auf und eine
doppelseitige Nephrotomie konnte den Tod der Patientin nicht ver¬
hüten. L. erklärt die Zystektomie für eine im allgemeinen leichte
Operation, aber die Ureteren bilden den schwarzen Punkt derselben,
sie in der Wunde zu lassen ist fehlerhafter, als die Versenkung in
den Darm; aber in beiden Fällen bleiben die Folgen der Operation
unsicher und beunruhigend.
T u f f i e r hält es für notwendig, bei der Zystektomie ringsum die
Ureterenöffnungen ein Stückchen Schleimhaut zu erhalten, da auf diese
Weise der Sphinkter uretero-vesicalis erhalten bleibt.
B r o c a bezweifelt, ob die Erhaltung dieses Sphinkters verhin¬
dern kann, dass eine aszendierende Infektion entsteht.
Im weiteren Verlauf der Diskussion vertraten die meisten Redner
die Ansicht, dass die Implantation der Ureteren in das Colon des-
cendens das relativ beste Verfahren bei der totalen Blasenexstirpation
sei und G u i n a r d und C h a p u t berichten von derart operierten
Patientinnen, die bereits seit 8 und 10 Jahren sich vollkommener
Gesundheit erfreuen.
Aus ärztlichen Standesvereinen.
Neuer Standesverein Münchener Aerzte.
Sitzung vom 21. Januar 1909.
Die Sitzung, über welche hier in Kürze zu berichten ist, hatte
sich grösstenteils mit internen Angelegenheiten des N. St. V. zu be¬
fassen. Nach Bekanntgabe einer Anzahl in den Einlauf gelangter,
eine Bespechung nicht erfordernden Schriftstücke betonte der 1. Vor¬
sitzende als hauptsächlichstes und erfreuliches Ereignis seit der
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2 . Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
26t
letzten Sitzung den Friedensschluss mit dem Verbände der deutschen
Lebensversicherungsgesellschaften. Aus der Konfliktszeit sind noch
Angriffe gegen den N.St.V. übrig geblieben, welche ihn notgedrungen
wohl noch längere Zeit beschäftigen müssen. Zur Differenz des
N.St.V. mit dem Geschäftsausschuss des D. Ae. V. B. wird vom Vor¬
sitzenden konstatiert, dass der N.St.V. durch ein ausführliches Schrei¬
ben vom 8. Dezember vor. Jrs. die wesentlichsten Punkte des früher
schon hier erwähnten Beschlusses des Geschäftsausschusses gegen
den N.St.V. angefochten hat. Mit Hinweis auf die Art der polemischen
Ausnützung dieses Beschlusses hat der Neue Standesverein die Ver¬
öffentlichung seines Schreibens vom 8. Dezember im Vereinsblatt
sofort und wiederholt beim Geschäftsausschuss beantragt. Bis jetzt
ist diese Veröffentlichung nicht erfolgt. An der über diesen Punkt
sich entwickelnden Diskussion beteiligten sich die Herren B. Spatz,
Höflmayr, Craemer, Becker und Referent.
Innerhalb des Berichtes über die Dezembersitzung der hiesigen
Sektion des L. V. brachte der 1. Vorsitzende auch die im bayer. ärztl.
Korr.-Blatt über diese Sitzung erschienen Berichte, sowie die im
nämlichen Blatte veröffentlichten polemischen Artikel gegen den
N.St.V. zur Kenntnis und Besprechung. Diese Artikel, welche die be¬
reits als unwahr gekennzeichneten Aufstellungen der „Rhein. Aerzte-
Korr.“ gegen den N.St.V. trotzdem neuerdings verbreiten, bildeten
das Thema eingehender Erörterung. An der Debatte beteiligten sich
ausser dem 1. Vorsitzenden die Herren Höflmayr, Spatz,
Caspar, Siebert, Lamping und Referent.
Ueber die Reversfrage in der Abteilung für freie Arztwahl, die
augenscheinlich ein sehr typisches Beispiel abgibt für die lokale
Ueberspannung der Organisation, verbreitete sich Herr Lukas im
Sinne von Ausführungen, die schon aus dem Berichte der letzten
Sitzung der Abteilung bekannt sind. In demselben Sinn würdigte
der Vorsitzende die überaus grosse grundsätzliche Bedeutung dieser
Angelegenheit und erklärte die Uebereinstimmung des Vereines mit
dem von D. Lukas vertretenen Standpunkte.
Bei der Vorstandswahl wurde die bisherige Vorstandschaft
wiedergewählt und ihr der Dank für die Führung der Geschäfte
votiert. In das Schieds- und Ehrengericht wurde Bezirksarzt Dr.
Becker als Ersatzmann hinzugewählt. Schluss nach 12 Uhr.
Grassmann.
Verschiedenes.
Die Zunahme des slavischen Studententums an der Münchener
medizinischen Fakultät.
Wie der „Augsb. Abendztg.“ (20. u. 25. I. 09) zu entnehmen ist.
hat eine Versammlung Münchener Studenten an den akademischen
Senat einen Antrag gerichtet, nach welchem den Tschechen für die
Dauer der Ausschreitungen in Prag die Immatrikulation zu versagen
ist, was aber von der akademischen Behörde abgewiesen wurde.
Vielleicht darf im Anschlüsse hieran ein kurzes Streiflicht auf das
slavische Studententum an der medizinischen Fakultät der Münchener
Hochschule geworfen werden, das sich in den letzten Jahren ganz
unerwartet vermehrt hat — wohl zum grossen Teil infolge der uner¬
quicklichen, durch Vermengung mit Politik zerrütteten Universitäts¬
verhältnisse in den Ländern russischer Sprache. — Man wundert sich
beim Eintritt in Hörsäle und Kliniken oft geradezu über die auffallend
starke Vertretung der slavischen Rasse unter den Zuhörern, und wenn
man vor und nach dem Unterricht in Gängen und Garderoben ein
klein wenig aufmerkt, kann man die verschiedensten slavischen
Idiome leichthin studieren. Fragt man unsere Studenten über ihre
slavischen Kommilitonen, so wird man — auch von objektiven, ruhigen»
Leuten — selten eine erfreulich klingende Antwort bekommen. Da¬
durch, dass die Russen wegen der Entfernung von der Heimat oder
wegen der schlimmen politischen Verhältnisse zuhause auch während
der Universitätsferien hier verweilen, sind sie gegenüber vielen
deutschen Studenten im Vorteil bei der Inskription und Belegung von
Plätzen. Es fällt nämlich der Beginn des Einschreibetermins vor
Beginn der Vorlesungen; die meisten auswärtigen deutschen Studenten
pflegen aber nur knapp vor dem Anfänge des Lehrbetriebes hier ein¬
zutreffen, was ja wohl seine volle Berechtigung hat. Inzwischen sind
aber in den Instituten, wo man sich für eine bestimmte Sitzgelegen¬
heit einzeichnen muss — es trifft dies hier bei den naturwissenschaft¬
lichen und vorklin/ischen Fächern zu —, die guten Plätze längst ver-
Kriffen. Da nun ferner infolge mangels jeder Examenskontrolle der
slavische Student seinen Studiengang einrichten kann, wie es ihm
behagt, ist er leicht imstande, nur eine beschränkte Zahl von Fächern
zu belegen, ist aber auch von wegen seiner reichlichen Arbeitspausen
imstande, — obwohl er nur höchst selten als Praktikant eingezeichnet
ist — den klinischen Saal so frühzeitig zu erreichen, -dass er mit seinen
Uenossen längst die ersten Reihen besetzt hat, bis die deutschen
Kommilitonen aus der knapp vorher beendeten Unterrichtsstunde eines
anderen Klinikers ankeuchen können. Sie müssen sich mit den
schlechteren Sitzplätzen oder den noch schlechteren Stehplätzen be¬
gnügen. Selbstredend sind auch die Kurse nicht frei von den
slavischen Gästen, was der deutsche Student bei den gewiss nicht
ausreichenden räumlichen Verhältnissen unserer älteren Institute,
sowie bei der im Medizinerkreise ja bekannten Schwierigkeit der
Versorgung all der vielen, mehr oder minder Wissbegierigen mit
Leichenmaterial in der Anatomie, mit geeignetem Krankenmaterial in
jlen praktisch klinischen Kursen etc. — oft mit grossem Missfallen
bemerken muss. Recht häufig hat jedoch dies Missfallen seinen Grund
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in mehr äusserlichen Dingen, nämlich in der ganz saloppen Art, mit der
sich einzelne durchwegs oder teilweise zu trägen pflegen, ferner in
einer gerade dem Slaven eigenen, leider von den Kursleitern nicht
immer rechtzeitig erkannten allzu egozentrischen Beharrlichkeit, die
das Prinzip hat, aus dem dargebotenen Material, sei es lebend oder
leblos, auf Kosten des Materials, wie der ebenfalls lernwilligen
Kommilitonen herauszuschlagen, w'as nur möglich ist. Und sind auch
sehr begabte und gebildete Menschen unter den Slaven, so wird
man doch nicht annehmen dürfen, dass alle, die uns als Gäste beehren,
alles zum guten Ende führen können, zumal sie, oft der deutschen
Sprache nur ganz mangelhaft mächtig, zwar die Belehrung und An¬
weisung des Lehrpersonals anhören, aber nicht erfassen, auch zu einer
geordneten Frage nicht den Ausdruck bei der Hand haben und des¬
halb lieber auf eigene Faust und nach eigenem Ermessen losarbeiten.
Man sollte doch bedenken, dass es sich hier um Studenten handelt,
die oft die Vorbedingungen des Absolutoriums einer dem deutschen
Gymnasium etc. gleichwertigen Schule nicht erfüllten, welche auch
nicht mit der Absicht zu uns kommen, schliesslich über das an
unserer Hochschule Gelernte im Examen Rechenschaft zu geben,
welche aber, wie man dann und wann hören kann, das eventuelle
Entgegenkommen der Universitätsbehörden in finanzieller Hinsicht
durchaus nicht immer zu würdigen wissen, oder auch nicht würdigen
wollen. — Bedenkt man noch, dass die Ueberfiillung der Hörsäle und
der scheinbare Materialmangel manchen nicht gerade sehr ener¬
gischen, wenn auch nicht schlecht veranlagten Studenten aus dem
Reiche träge und interesselos macht, so drängt sich die Frage lebhaft
auf — bei aller Achtung subjektiver und objektiver Freiheit des
akademischen Bürgers —, ob es nicht Mittel und Wege gibt, den
Slavenstrom an die medizinische Fakultät etwas zu hemmen, oder
doch die Bedingungen für das Vegetieren weniger gut vorgebildeter
slavischer Elemente zu erschweren. Schon hörte man ja aus der
Schweiz und von Universitäten aus dem. Norden und Westen des
Reiches, dass man sich überlege, wie dem übermässigen Zuzuge des
fremden — namentlich slavischen Studententums zu steuern sei.
Wäre es beispielsweise nicht möglich, ähnlich dem Brauche am hie¬
sigen Polytechnikum bei Verteilung der Zeichenplätze, für aus¬
ländische Studenten überhaupt einen eigenen
Inskriptionstermin anzusetzen, der nicht vor den
tatsächlichen Beginn (1. V. bezw. 1. XI.) der Vor¬
lesungen u»nd Kurse fallen dürfte? Natürlich muss die
Zulassung zur Hochschule überhaupt strengen Bedingungen unter¬
worfen sein und soll mit der Gewährung von pekuniären Erleich¬
terungen nicht nur sparsam vorgegangen werden, sondern es wäre
im Gegenteil zu überlegen, ob nicht da und dort, wo eine Ueber-
füllung den Lehrbetrieb erschwert, von dem Studenten, dessen Vater
kein Steuerzahler des deutschen Reiches ist, eine höhere Gebühr
gefordert w r erden kann, als von dem einheimischen. Jedenfalls wäre
die grosse Zahl der Medizin Studierenden der akademischen Behörde
für beschränkende Massnahmen irgend welcher Art dankbar.
Gr.
Aus dem Etat des preussischen Abgeordnetenhauses.
(Medizinalwesen und Universitäten.)
Die dauernden Ausgaben, welche der Etat von 1909 für
das Medizinalwesen bestimmt, schliessen ungefähr in der
gleichen Höhe ab wie im vorjährigen Etat, nämlich mit 4 757 000 M.
(gegen 4 708 000 M. in 1908). •) Auch in den einzelnen Positionen
sind keine wesentlichen Unterschiede vorhanden. An Besoldungen
für 39 Mitglieder und 36 Assessoren der Medizinalkollegien, 38 Re¬
gierungs- und Medizinalräte und 7 vollbesoldete Kreisärzte als stän¬
dige Hilfarbeiter bei den Regierungen sind zusammen 336 000 M. aus¬
geworfen; für 48 vollbesoldete und 449 nicht vollbesoldete Kreisärzte.
16 Gerichtsärzte, den Leiter des Hebammenlehrinstitutes an der
Charitee, 2 Amtsphysiker und 7 Aerzte der französischen Kolonie
zusammen 1515 OCX) M (16 000 mehr als 1908), dazu kommen
Wohnungsgeldzuschüsse im Betrage von 62 000 M., Remunerierung
von 43 Kreisassistenzärzten und von Hilfsarbeitern im Bureaudienst
bei den Mcdizinalkollegien sowie Beihilfen für die Wahrnehmung von
Obliegenheiten des Kreisarztes durch Gemeindeärzte 64 000 M.
Sächliche Ausgaben der Medizinalkollcgien, Dienstaufwandsentschä¬
digungen, Vertretung von Regierungs- und Medizinalräten sowie von
Kreisärzten, die als ständige Hilfsarbeiter bei Regierungen beschäftigt
werden, Prüfung von Rezepten und Rechnungen über Arzneien. Tage¬
gelder und Reisekosten für die auswärtigen Mitglieder der Provin-
zial-Medizinalkollegien, Erstattung schriftlicher Gutachten und Be¬
richte über die Beaufsichtigung der Privat-Irren- etc. Anstalten
179 000 M., Beihilfen zum Studium medizinal-technischer Einrichtungen
3000 M., Tagegelder und Reisekosten der Kreisinedizinalbcamten
865 000 M., Remunerierung der Mitglieder und Beamten der Kom¬
missionen für die Staatsprüfungen nebst sächlichen Ausgaben
200 000 M. Etwaige Ersparnisse dieses Fonds können zur Unter¬
stützung bedürftiger und würdiger Studierender oder Aerzte oder der
Hinterbliebenen der letzteren verwendet werden. Am Institut für
Infektionskrankheiten sind an Besoldungen für den Direktor. 4 Ab-
teilungsvorstehcr. 2 Abteilungsleiter 44 500 M. ausgeworfen; als nicht
pensionsfähige Remuneration für Geheimrat Koch 5000 M., als
Remunerierung von 11 Assistenten und von wissenschaftlichen Hilfs¬
kräften 27 000 M. Gewährung von freien Verpflcgungstagen an
*) Die Zahlen sind abgerundet wiedergegeben.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
262
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
\ r o. 5.
Kranke, die ein besonderes Interesse bieten, sowie zur Unterhaltung
eines Laboratoriums für Qeheimrat Koch (3000 M.) und Geschäfts¬
bedürfnisse zusammen 119 000 M. Institut für experimentelle
Therapie: Besoldung für den Direktor, 3 wissenschaftliche Mitglieder
und 3 Assistenten 26 000 M., Geschäftsbedürfnisse 63 000 M., Versuchs¬
und Prüfungsanstalt für Wasserversorgung und Abwässerbeseitigung:
Besoldung für den Vorsteher, 2 Abteilungsvorsteher, 2 Bauinspektoren
und 6 wissenschaftliche Mitglieder 48 000 M., Geschäftsbedürfnisse
53 000 M. Für Bad Bertrich sind an persönlichen und sächlichen Aus¬
gaben 63 500 M. (13 000 mehr als 1908) bestimmt. Das hygienische
Institut in Posen erfordert für den Direktor, den pathologischen
Anatomen und den Chemiker 18 000 M., dazu 2000 M. Wohnungsgeld¬
zuschüsse und 1000 M. Honorar für Abhaltung von Kursen; ausser¬
dem als Remunerierung von 4 Assistenten ca. 8000 M., Geschäfts¬
bedürfnisse 14 000 M. Hygienisches Institut in Beuthen: Gehalt des
Direktors 4 800 M. und 660 M. Wohnungsgeldzuschuss, Remunerierung
eines Chemikers mit 3000 M. und zweier Assistenten mit je 1800 M.,
Geschäftsbedürfnisse 11500 M. Medizinal-Untersuchungsämter;
3 vollbesoldete Kreisärzte als Vorsteher der Untersuchungsämter in
Gumbinnen, Stettin und Münster, zusammen 12 500 M., 7 nicht voll¬
besoldete Kreisärzte als Vorsteher der 7 anderen Untersuchungs¬
ämter 19 000 M., dazu Wohnungsgeldzuschüsse 1800 M., Remu¬
nerierung von 6 Kreisassistenzärzten 7200 M., Geschäftsbedürfnisse
55 000 M. Vermehrung des hilfsärztlichen Personals an den öffent¬
lichen Irrenanstalten 6000 M. Das Impfwesen erfordert für 8 Impf¬
anstalten an Besoldungen für das ärztliche Personal 40 000 M., an
sächlichen Ausgaben 68 000 M. Unterstützungen für aktive Medizinal¬
beamte 7 500 M., Unterstützungen für ausgeschiedene Medizinal¬
beamte sowie für Witwen und Waisen von Medizinalbeamten
50 000 M. Für medizinalpolizeiliche Zwecke (darunter 8000 M. für
sanitätspolizeiliche Kontrolle behufs Abwehr der Choleragefahr und
20 000 M. für das Lepraheim im Kreise Memel) 205 000 M. Für
Zwecke der Hafen- und Schiffsüberwachung 50 000 M., für Aus¬
führung des Gesetzes betr. die Bekämpfung übertragbarer Krank¬
heiten 180 000 M. (50 000 M. weniger als im Vorjahr, weil sich er¬
geben hat, dass der bisherige Betrag von 230 000 M. über das
Bedürfnis hinausging). Die hier ersparte Summe ist der folgenden
Position „Unterstützung des Hebammenwesens“ hinzugefügt, die so¬
mit auf 100 000 M. erhöht ist, weil die Erhebungen über die
Hebammenverhältnisse ergeben haben, dass die bisher eingestellten
Mittel nicht ausreichten, um den leistungsunfähigen Verbänden ge¬
nügende Beihilfen zu gewähren. Unter den „verschiedenen Aus¬
gaben“ sind zu nennen Zuschüsse an mehrere Aerzte in armen und
wenig bevölkerten Distrikten von je 1 800 M. (bei dreien 600, 500
bezw. 90 M.). Beihilfe an das Zentralkomitee für das ärztliche Fort-
bildungswesen 15 000 M.
Einmalige Ausgaben für das Medizinal wesen:
Abhaltung von Fortbildungskursen für Medizinalbeamte 30 000 M.,
Beihilfe an das Institut für experimentelle Therapie zur Erforschung
der Krebskrankheit 25 000 M., Möbel und Apparate für das hygienische
Institut in Beuthen ca. 1000 M., Ergänzung der inneren Ausstattung
der Medizinaluntersuchungsämter 10 000 M., Ausstattungsgegenstände,
Apparate etc. für die Impfanstalten 4000 M., Bekämpfung der Granu¬
löse 350 000 M. Als Begründung wird hinzugefiigt, dass eine be¬
merkenswerte Abnahme namentlich der schweren Fälle erzielt wurde:
um die Bekämpfungsarbeiten fortzusetzen, ist die gleiche Summe wie
im Vorjahre erforderlich. Bekämpfung des Typhus im Regierungs¬
bezirk Trier 20 000 M., Unterhaltung einer bakteriologischen Ein¬
richtung in Saarbrücken (zur Bekämpfung des Typhus) 22 000 M.,
Beihilfen zu Forschungen über Ursachen und Verbreitung der Krebs¬
krankheit 10000 M., bauliche Herstellungen und Apparate für das
Lepraheim im Kreise Memel 2 600 M., innere Einrichtung der
Quarantäneanstalt in Swinemünde 2000 M., Verteilung von Druck¬
schriften und Versandgefässen gemäss den Ausführungsbestimmungen
zu den Gesetzen betr. die Bekämpfung gemeingefährlicher bezw.
übertragbarer Krankheiten 10 000 M., Beihilfen zur Anstellung von
Weinkellerkontrolleuren 10 000 M. Ingesamt im Extraordinarium
496 000 M.
Für die Universitäten betragen die dauernden Aus¬
gaben 14 597 000 M. (285 000 M. mehr als 1908). An den Mehr¬
beträgen sind die medizinischen Fakultäten in folgender Weise be¬
teiligt: Königsberg: Bauliche Veränderungen am hygienischen
Institut für Zwecke des Untersuchungsamtes 1000 M. Berlin:
Errichtung eines Ersatzordinariats 8 700 M. Sächliche Ausgaben:
Für das physiologische Institut 5000 M., die Universitäts-Ohrenklinik
2000 M., die Universitäts-Frauenklinik 3000 M., das zahnärztlche
Institut 6600 M., das hygienische Institut 1000 M., das psychologische
Institut 1000 M., das chemische Institut 2000 M., die Frauenklinik der
Charitee 1 700 M., die Ohrenklinik der Charitee 1000 M., die aka¬
demische Ailskunftsstelle 1000 M. Breslau: Anschaffung von elek¬
trischen Apparaten 350 M., sächliche Ausgaben für das gerichts¬
ärztliche Institut 600 M., für die Ohrenklinik Remuneration von
2 Assistenten 1 200 M., Wohnungsgeldzuschuss für den Direktor des
pharmazeutischen Institutes 900 M. Halle: Für die klinischen An¬
stalten zu sächlichen Mehrausgaben 2 200 M., für die Frauenklinik
Remuneration eines Assistenten 1200 M., sächliche Ausgaben
2 500 M., Instrumente und Apparate für die medizinische Poliklinik
1000 Mi, Erhöhung der Beihilfe für die Poliklinik für Haut- und
Geschlechtskrankheiten 4 200 M., sächliche Ausgaben für das che-
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mische Institut 1300 M., für das physikalische Institut 500 M.
Halle: Errichtung eines Ersatzordinariats 5 100 M., Errichtung einer
Abteilungsvorsteherstelle am physiologischen Institut 3 400 M., Er¬
höhung der Beihilfe für die Kinderpoliklinik 1000 M.,Remuneration
eines Assistenten am chemischen Institut 1 200 M. Dagegen ver¬
mindert sich der Etat um 3 400 M. durch Wegfall eines Extra¬
ordinariats. Göttingen: Für Sammlungszwecke und Instrumente
am pharmakologischen Institut 300 M., Erweiterungsbauten bei der
medizinischen Klinik und sächliche Ausgaben der Kliniken 5000
Erhöhung der Subvention der Poliklinik iür Ohren-, Nasen- und Hals¬
krankheiten 1100 M. Marburg: Sächliche Ausgaben für das
pathologische Institut 600 M., die medizinische Klinik 4 600 M., die
chirurgische Klinik 900 M., die Frauenklinik 16 000 M. Bonn: Remu¬
neration eines Assistenten an der medizinischen Klinik 1 200 M., an
der chirurgischen Klinik 1 200 M., Aufnahmestation und Poliklinik für
Geistes- und Nervenkranke zu sächlichen Ausgaben 6 400 M. Hier
vermindert sich der Etat um 1 200 M. durch Wegfall einer Assistenten¬
stelle am pharmakologischen Institut und um 1300 M. durch Um¬
wandlung der Prosektorstelle am anatomischen Institut in eine
niedriger dotierte Stelle. Münster: Für das physiologische Institut
zu wissenschaftlichen Zwecken 1000 M., für das anatomische und
zoologische Institut für einen Assistenten 1 200 M., zu wissenschaft¬
lichen Zwecken 2 500 M. Das Chariteekrankenhaus er¬
fordert einen Zuschuss von 687 000 M. (1000 M. mehr als 1908), Pflege
der Leibesübungen an den Universitäten 20 000 M. Jährliche Zu¬
schüsse an etatsmässige Professoren mit geringfügigen Bezügen
340 000 M. (45 000 M. mehr als 1908). Der Mehrbetrag stammt aus
höheren Einnahmen an staatlichen Honoraranteilen. Soweit der
Fonds nicht erforderlich ist, um jährliche Zuschüsse von 800 M. den
nach Dienstalterszulagen besoldeten Professoren zu gewähren, darf
er verwendet werden zu besonderen Besoldungszulagen an etats¬
mässige Professoren, zu Entschädigungen für Ausfälle an zuge¬
sicherten Kollegienhonoraren und zu ausserordentlichen Remune¬
rationen und Unterstützungen an Universitätslehrer bis zum Gesamt¬
beträge von 75 000 M. Für Heranziehung und Erhaltung ausgezeich¬
neter Dozenten sind 175 000 M. ausgeworfen, für Remunerierung von
besonderen Lehraufträgen 62 000 M. (12 000 M. mehr), für Stipendien
an Privatdozenten und jüngere für die Universitätslaufbahn voraus¬
sichtlich geeignete Gelehrte 60 000 M. (für den einzelnen Empfänger
höchstens 6000 M.), Unterstützungen an die Hinterbliebenen von
Universitätslehrern 324 000 M. (65 000 M. mehr), Stipendien und
Unterstützungen für würdige und bedürftige Studierende 75 000 M.
Einmalige Ausgaben für die Universitäten:
Königsberg: Instrumente und Apparate für die chirurgische
Klinik 6000 M., bauliche Veränderungen in der Frauenklinik 55 000 M..
Um- und Erweiterungsbau der Augenklinik 16 000 M.. Neubau der
Ohrenklinik 94 000 M. Berlin: Anmietung von Räumen im Kaiserin
Friedrich Hause für das ärztliche Fortbildungswesen für Zwecke der
Universität 15 600 M., bauliche Aenderungen im anatomischen Institut
36 000 M., bauliche Aenderungen im pharmakologischen Institut
6 000 M., Ergänzung der inneren Einrichtung, der Sammlung, der
Bibliothek, Instrumente und Apparate für dieses Institut 14 000 M.
Für das königliche Klinikum: Verstärkung des Inventarfonds 5 000 M..
bauliche Aenderungen 40 000 M., Deckung eines Fehlbetrages
55 000 M., Instrumente und Apparate 6000 M. Röntgeninstrumen¬
tarium für die Poliklinik für orthopädische Chirurgie 2 400 M., Deckung
eines Fehlbetrages bei der Universitäts-Frauenklinik 19 000 M., Ver¬
stärkung des Inventarfonds an dieser Klinik 8000 M., Deckung eines
Fehlbetrages am zahnärztlichen Institut 12 500 M., Instrumente und
Apparate für dieses Institut 5000 M. Für Zwecke der Syphilis¬
forschung bei der Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten der
Charitee 10 000 M., Deckung eines Fehlbetrages bei der Frauenklinik
der Charitee 8 000 M., Instrumente und Apparate für die 1. medi¬
zinische Klinik der Charitee 10 000 M. Greifswald: Bauliche
Veränderungen im anatomischen Institut 9 000 M., im pathologischen
Institut 10 000 M., am Universitätskrankenhause 2 400 M. t an der
chirurgischen Klinik 80 000 M., Deckung eines Fehlbetrages am
Universitätskrankenhause 38 600 M., Herstellung hochwertiger Sera
zur Blutuntersuchung für gerichtliche Zwecke für das hygienische
Institut 3000 M. Breslau: Elektrisch-apparative Einrichtungen
der medizinischen Institute 8000 M., verschiedene bauliche Ver¬
änderungen und Erweiterungsbauten an den klinischen Anstalten
ca. 140 000 M., für Zwecke der Syphilisforschung 10000 M. Halle:
Verschiedene bauliche Veränderungen am hygienischen Institut, den
klinischen Anstalten und der Frauenklinik 55 000 M., Instrumente und
Apparate für die medizinische Klinik 10 500 M., Desinfektionsapparat
für die psychiatrische Klinik 2100 M. Kiel: Vermehrung der Mikro¬
skopierplätze beim hygienischen Institut 2800 M., Instrumente und
Apparate für die medizinische Klinik 8000 M., Oelfarbenanstrich in den
Räumen der chirurgischen Klinik 10 000 M., Erweiterung der Klinik
für Haut- und Geschlechtskrankheiten 10 000 M., bauliche Verände¬
rungen an der medizinischen und psychiatrischen Klinik 6400 M.
Göttingen: Instrumente und Apparate für das pharmakologische
Institut 3000 M., Desinfektionsapparat für die medizinische Klinik
2350 M. Marburg: Elektrische Verdunklungseinrichtung i:n Hör¬
saal des anatomischen Instituts 1700 M., bauliche Veränderungen im
Physiologischen Institut 5000 M.; Apparate und Instrumente für das
Pharmakologische Institut 3000 M., für die chirurgische Klinik 9000 M.
Erweiterung der Frauenklinik 115 000 M., Deckung eines Fehlbetrages
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
2. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
263
bei dieser Klinik 14 000 M. Bonn: Bauliche Veränderungen am
anatomischen Institut ca. 100 000 M., Instrumente und Apparate für
dieses Institut 6000 M.; für das hygienische Institut zur Erforschung
der Ruhr 3000 M., bauliche Veränderungen und Erweiterungsbauten
an verschiedenen Kliniken 162 000 M., mediko-mechanische Apparate
für die chirurgische Klinik 3500 M. Münster: Ergänzung des ana¬
tomischen Unterrichtsmaterials für das anatomische und zoologische
Institut 8000 M. Chariteekrankenhaus Berlin: Teilweise
Deckung des Fehlbetrages 400 000 M., Neubau der I. und II. medi¬
zinischen Klinik und Poliklinik 720 000 M., Apparate und Instrumente
dazu 40 000 M., Neubau einer Ohrenklinik und Poliklinik 100 000 M.,
für die I. medizinische Klinik zur Erforschung der Krebskrankheit
14 000 M. Herausgabe einer Universitätstatistik 40 000 M.. Zuschüsse
zu Errichtungen für Röntgenuntersuchungen 10 000 M., Zuschüsse für
den zahnärztlichen Unterricht 12 000 M., zur Ergänzung der appara¬
tiven Ausstattung der naturwissenschaftlichen Universitätsinstitute
14 000 M. M. K.
Jubiläumsstiftung für die Behandlung von unbemittelten orthopädisch-
chirurgischen Kranken in Heidelberg.
Die der Professor Dr. V u 1 p i u s sehen orthopädischen Klinik in
Heidelberg zur Verfügung stehende Jubiläumsstiftung für die Behand¬
lung von unbemittelten orthopädisch-chirurgischen Kranken im Jahres¬
betrag von 10 000 Mark kam 1908 zu Gute 236 Knaben und Mädchen
an 12 763 Verpflegungstagen. Es waren also durchschnittlich etwa
35 Kinder auf Grund einer Unterstützung in der Klinik untergebracht.
Folgende Krankheitszustände kamen zur Behandlung: Lähmungen
des Gehirns und Rückenmarks und deren Folgen 49, Missbildungen der
Füsse (Klump-, Plattfüsse etc.) 43, Verkrümmung und Entzündung der
Wirbelsäule 34, Entzündung der Knochen und Gelenke und deren
Folgen 33, angeborene Verrenkung des Hüftgelenks 30, rachitische
Verkrümmungen der Beine 29, verschiedenartige angeborene und er¬
worbene Missbildungen 18. Es wurden gegen 200 Operationen aus¬
geführt, und 300 Gipsverbände angelegt.
Anfragen und Anmeldungen für das laufende Jahr wird gebeten
zu richten: An die Verwaltung der Prof. Vulpiusschen Klinik in
Heidelberg, Luisenstr. 1—3.
Galerie hervorragender Aerzte und Naturforscher.
Der heutigen Nummer liegt das 237. Blatt der Galerie bei: Paul
Ehrlich. Aus Anlass der Verleihung des medizinischen Nobel¬
preises an ihn. Vergl. den Artikel auf Seite 245.
Tagesgeschichtliche Notizen.
München, 30. J'anuar 1909*).
— An der Spitze der heutigen Nummer sind wir in der Lage,
die bedeutende, gedankenreiche Rede zu bringen, die Geheimrat
Ehrlich am 11. Dezember v. J. bei Entgegennahme des Nobel¬
preises in Stockholm gehalten hat. In dem Vortrage erläutert
Ehrlich seine Vorstellungen über die feinsten chemischen Vorgänge
in der Zelle und entwickelt aus ihnen seine Theorie der Immunität,
der Assimilation von Nährstoffen und einer rationellen Arzneimittel¬
anwendung. Der Vortrag wird aufs beste ergänzt durch das meister¬
hafte Essay, in dem Geheimrat Wassermann das Lebenswerk
E h r 1 i c h s unseren Lesern darlegt. Der „Lebensgedanke“ Ehr-
1 i c h s, von dem Wassermann sagt, dass er ununterbrochen das
gesamte wissenschaftliche Wirken Ehrlichs durchziehe, der Ge¬
danke nämlich, dass im Leben der Zelle und des Organismus chemische
Affinitäten zu gewissen Stoffen eine fundamentale Rolle spielen,
kommt in seiner Nobel-Rede zu plastischem Ausdruck.
— Die „A e r z 11. Mitteilungen“ bringen in ihrer No. 4
eine Zusammenstellung der zum Kampf mit den Lebensver¬
sicherungsgesellschaften erschienenen Aeusserungen der
Fachpresse. Sie können diese Urteile, die eine erfreuliche Ueberein-
stimmung zeigen, in die Worte zusammenfassen: „ideell ein bedeu¬
tungsvoller Sieg, materiell ein zufriedenstellender Erfolg“. Nur an
die Aeusserungen der Münch. med. Wochenschr. wird dabei ein etwas
befremdlicher Kommentar geknüpft. Es wird gesagt, die Münch, med.
Wochenschr. sei mit ihrem Urteil (in No. 1) aus dem Outsiderwinkel,
in den sie sich habe drängen lassen, auf den guten alten Boden zu¬
rückgekehrt, auf dem sie jahrelang eine der wärmsten Vorkämpfer¬
innen der wirtschaftlichen Organisation gewesen sei. Die M. m. W.
ist aber tatsächlich während des Kampfes von Anfang an auf
Seite der Organisation gestanden. In der ersten Notiz, in
der wir zu dem Kampfe Stellung nahmen (in No. 45 vom 10. Nov.,
S. 2367) schrieben wir: „wir stehen vor der vollendeten
Tatsache und das Ansehen unserer Organisation
steht auf dem Spiel. Die Angelegenheit zu einem
befriedigenden Abschluss zu bringen, ist eine
Ehrensache der deutschen Aerzte. Nur durch Zu¬
sammenhalten, dem weise Mässigung im weiteren
Vorgehen seitens der Führer gegenüberstehen
muss, kann dies erreicht werde n‘\ Hiernach kann über
unsere Stellung kein Zweifel sein. Wenn wir uns für den Kampf nicht
sonderlich begeistern konnten und einen baldigen ehrenvollen Frieden
wünschten, so befanden wir uns in Uebereinstimmung mit der grossen
Mehrzahl der organisationstreuen Kollegen. Der Grund, der uns in
*) Die Nummer musste mit Rücksicht auf den Feiertag am
2. Februar schon heute abgeschlossen werden.
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den Geruch des Outsidertums gebracht hat, muss also ein anderer
sein und er liegt offenbar darin, dass die M. m. W. auch Stimmungs¬
berichte aus vertrauensärztlichen Kreisen und aus solchen Vereinen
aufnahm, die sich dem Kampfe gegenüber zeitweise ablehnend ver¬
hielten. Da es sich hier um eine Frage von prinzipieller Be¬
deutung handelt, gehen wir auf die Sache ein; sonst hätten wir
wahrlich keinen Grund, uns wegen unserer Haltung zu verteidigen.
Det Kampf mit den Lebensversicherungsgesellschaften brach
über Nacht herein. Eine Erörterung in den Vereinen war nicht vor¬
ausgegangen, die zunächst beteiligten Aerzte waren nicht gehört
worden. Nach Lage der Sache wäre dies im gegebenen Falle auch
nicht wohl möglich gewesen; um so weniger aber war man berechtigt,
die nachträglich erfolgte Stellungnahme dieser Kollegen, die in
manchen Städten zunächst ablehnend ausfiel, zu unterdrücken. Eben¬
sowenig war es Sache der Fachpresse, den Vereinen, die in den
ersten Erörterungen sich dem Kampfe gegenüber zurückhaltend
zeigten, das Wort zu verweigern. Die Möglichkeit der freien Mei¬
nungsäusserung muss zumindest im Beginn eines solchen, unvermittelt
hereinbrechenden Kampfes, gewahrt bleiben. Es ist eine schlechte
und allgemein verlassene Politik, in einem Kampfe nur Sieges¬
berichte zu bringen und jedes ungünstige Moment sorgfältig zu ver¬
schweigen. Es müsste schlecht um eine Sache bestellt sein, die durch
eine allseitige Besprechung und durch ungeschminkte Darstellung der
Lage gefährdet werden könnte.
Umgekehrt kann eine Sache auch dadurch nicht gefördert
werden, dass man den Gegner verunglimpft und den noch nicht ent¬
schlossenen Kampfgenossen anrempelt. In diesem Punkte ist im
letzten Kampfe viel gefehlt worden und wir teilen ganz die im
folgenden mitgeteilte Ansicht der Aerztl. Mitteilung aus und für
Baden: „Verschwiegen werden darf auch nicht im Hinblick auf
etwaige zukünftige Kämpfe, dass die Vernachlässigung des Grund¬
satzes „fortiter in re, suaviter in modo“, die, so weit der letzte Teil
in Betracht kommt, wenigstens im Beginne des Kampfes auf unserer
Seite vorgekommen, nicht geeignet war, die Kampfesfreude bei dem¬
jenigen Teil der Aerzteschaft zu erhöhen, der diesen Grundsatz auch
einem Gegner gegenüber festgehalten wissen möchte, der selbst nicht
wählerisch in seinen Mitteln ist. Der an und für sich nebensächliche
Umstand verdient erwähnt zu werden, nicht weil der Lebensverband
aus ihm in einer lächerlich übertriebenen Weise Kapital zu schlagen
versucht hat, sondern weil er in unseren eigenen Reihen vielfach
Anstoss erregt hat. So wenig die Sympathien und Antipathien unserer
Gegner oder des unbeteiligten Publikums in den wirtschaftlichen
Kämpfen unseres Standes, die, wie sich immer mehr zeigt, einzig und
allein durch die Kraft unserer Organisation zu unserem Gunsten ent¬
schieden werden, eine Rolle spielen, für die Einigkeit, Begeisterung
und Opferwilligkeit zahlreicher Kollegen kommen solche Impon¬
derabilien um so mehr in Betracht und müssen berücksichtigt werden!'.
Der ärztliche Stand hat von den Arbeiterorganisationen die
Grundlagen seiner eigenen Organisation herübergenommen und von
ihnen auch die Mittel im sozialen Kampfe gelernt. Die Art und Weise
der Anwendung dieser Mittel muss jedoch dem Bildungsgrad des
ärztlichen Standes angemessen sein. Der Terrorismus einer gewissen
Partei, die jede eigene Meinungsäusserung verpönt und in ihrer
Presse den Gegner mit allen Mitteln herabsetzt, darf in die sozialen
Kämpfe der Aerzte nicht Eingang finden, wenn diese bleiben sollen,
was auch der jüngste Kampf wieder war, die einmütige Willens¬
äusserung der geschlossenen Aerzteschaft.
— Im Prüfungsjahr 1907/08 wurden in Bayern 199 Aerzte
approbiert und zwar 136 in München, 35 in Würzburg und 28 in
Erlangen. Ferner erhietten die Approbation 63 Zahnärzte (26 in
München und 37 in Würzburg), 29 Tierärzte und 124 Apotheker.
— Den bei der Polizeidirektion München als bezirksärztliche
Assistenten verwendeten Aerzten wurde für die Dauer dieser Ver¬
wendung der Titel „P o 1 i z e i a r z t“ verliehen.
— Man schreibt uns aus Hamburg: Am 13. und 14. Februar
wird hier eine Darwin-Gedenkfeier im grösseren Stil ab¬
gehalten, die von allen hiesigen medizinischen und naturwissen¬
schaftlichen Vereinen unterstützt wird. An der Spitze steht der
ärztliche Verein, der naturwissenschaftliche Verein und die geo¬
graphische Gesellschaft. Am 13. werden Vorträge von Prof.
Kraepelin -Hamburg (Das Leben und die Persönlichkeit D.s),
Prof. Walde y er - Berlin (D.s Lehre) und Prof. G o 11 s c h e -
Hamburg (D. als Geologe) gehalten; am 14. sprechen Prof. Detmer-
Jena über D. als Botaniker und Prof. Klaatsch - Breslau über den
gegenwärtigen Stand der Lehre von der Abstammung des Menschen.
Ausserdem soll am 14. eine Besichtigung des Hagenbeckschen Tier¬
parks unter sachverständiger Leitung stattfinden. Der Zutritt zu
diesen Veranstaltungen ist nur für die Mitglieder der verschiedenen
Vereine resp. deren Angehörige. Jedes Mitglied hat 2 Karten zur
Verfügung erhalten.
— „Volkstümliche Vortragskurse über Säuglingspflege“ (5 Vor¬
träge mit Demonstrationen) wird in Greifswald vom 1. Februar
ab der Direktor der dortigen Universitätskmderklinik Professor
Dr. P e i p e r abhalten, (hc.)
— In England wird die Gründung eines britischen Insti¬
tuts für Radiumforschung beabsichtigt. Das Institut soll
sich nicht allein mit Forschungsarbeiten befassen, sondern auch eine
medizinische Abteilung enthalten, in der die Möglichkeit der Ver¬
wendung des Radiums zu Heilzwecken durch Versuche an Kranken
dargetan werden soll. Dem Rat des Instituts gehören Frederie
Original frorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
264
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 5.
Treves, William Ramsay und Professor Joseph John Thomson
an. Für Entdeckungen auf diesem Gebiet hat Ernst Cassel einen
ansehnlichen Fonds gestiftet, und in Cornwall hat sich eine Gesell¬
schaft gebildet, um die Gewinnung von Radium aus der Pechblende
zu betreiben.
— Der Augenarzt Dr. S t e i n k ü h 1 e r in Zittau hat sich nach
Abessinien begeben, um dort im Aufträge König Meneliks eine
Augenklinik einzurichten.
— Das „deutsche Komitee für ärztliche Studien¬
reisen“, Vorsitzende: Exzellenz v. Leyden, Geh. Med.-Rat Prof.
Dr. v. Strümpell, Geh. Med.-Rat Prof. Dr. His und k. k. Reg.-
Rat Prof. Dr. Glax, welches seit 9 Jahren besteht, macht hierdurch,
um Irrtümern vorzubeugen, bekannt, dass es mit der von dem
praktischen Arzt und Zahnarzt Dr. Leipziger -Berlin in diesem
Jahre zum ersten Mal zu veranstaltenden ärztlichen Frühjahrs- und
Studienreise in keinerlei Beziehungen steht.
— Cholera. Russland. Nach dem amtlichen Ausweise vom
9. Januar sind während der letzten Berichtswoche in der Stadt
Petersburg 96 Erkrankungen (und 40 Todesfälle), im Gouvernement
Tomsk 12 (6) und im Dongebiet 3 (1), zusammen 111 Erkrankungen
(und 47 Todesfälle) an der Cholera angezeigt worden. Für die Vor¬
woche stellte sich die Gesamtzahl nach amtlichen Ergänzungen auf
218 (94). — Straits Settlements. In Singapore sind vom 11. bis
17. Dezember an der Cholera 16 Personen erkrankt und 13 gestorben.
— Pest. Deutsch-Ostafrika. In Daressalam ist in der Ein¬
geborenenstadt am 28. Dezember ein neuer Pestfall gemeldet worden.
— Türkei. In Bagdad sind vom 4. bis 10. Januar 2 Personen an der
Pest erkrankt. — Aegypten. Vom 26. Dezember bis 1. Januar sind
an der Pest 14 Personen erkrankt (und 8 gestorben). Die Zahl der
vom 1. Januar bis 31. Dezember v. J. in Aegypten festgestellten Pest¬
erkrankungen wird auf 1511, der Todesfälle an Pest auf 780 angegeben.
Im Vergleich zum Jahre 1907, in welchem 1253 Pestfälle gemeldet
waren, ist deren Zahl um 258 oder 20 Proz. gestiegen. — Britisch-
Ostindien. Vom 6. bis 12. Dezember v. J. sind in ganz Indien 2044 Er¬
krankungen und 1588 Todesfälle an der Pest zur Anzeige gelangt.
— In der zweiten Jahreswoche, vom 10. bis 16. Januar 1909,
hatten von deutschen Städten über 40 000 Einwohner die grösste
Sterblichkeit Rostock mit 32,7, die geringste Mülheim a. Rh. mit
8,5 Todesfällen pro Jahr und 1000 Einwohner. Mehr als ein Zehntel
aller Gestorbenen starb an Scharlach in Dortmund, Gelsenkirchen,
Hagen, Recklinghausen, Zabrze, an Masern und Röteln in Buer, an
Keuchhusten in Boxhagen-Rummelsburg, Steglitz, Zabrze.
V. d. K. G.-A.
(Hochschulnachrichten.)
Berlin. Der Medizinalminister hat genehmigt, dass das neue
hygienische Institut zum physiologischen Institut umgewandelt wird.
Damit erscheint die Uebernahme der Professur für Physiologie durch
Geheimrat R u b n e r gesichert.
Breslau. Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Wilhelm Uhthoff,
Direktor der Universitäts-Augenklinik, ist von der Wiener medi¬
zinischen Fakultät an Stelle des kürzlich plötzlich verstorbenen
Hofrats Prof. Dr. Schnabel in Wien vorgeschlagen worden.
— Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Wilhelm Uhthoff, z. Z. Rektor der
Universität, wurde zum Generaloberarzt der Armee ernannt.
F r e i b u r g i. Br. Der Direktor der Universitäts-Augenklinik,
Professor Dr. Th. A x e n f e 1 d, wurde zum Geheimen Hofrat ernannt.
Diese Ernennung steht im Zusammenhang mit dem Verzicht auf eine
ehrenvolle Berufung nach Wien (als Nachfolger des verstorbenen
Hofrat Schnabel), welche ihm von der dortigen Fakultät an¬
getragen worden war.
Marburg. In der Medizinischen Fakultät der Universität Mar¬
burg habilitierte sich mit einer Antrittsvorlesung „Ursachen und
Behandlung des Haarausfalles“ Dr. med. Hans Hübner, bisher
Oberarzt des Prostituiertenkrankenhauses in Frankfurt a. M.. für das
Fach der Dermatologie. Das Thema der Habilitationsschrift lautet:
Beitrag zur Histologie der normalen Urethra und der chronischen
Urethritis des Mannes.
Wien. Der Privatdozent für Anatomie Dr. S. v. Schu¬
macher wurde zum ausserordentlichen Professor ernannt.
Amtliches.
(Bayern.)
An die K. Regierungen, Kammern des Innern.
Die Qualifikation der approbierten Aerzte betr.
Die Entschliessung des K. Staatsministeriums des Innern vom
1. November 1880 No. 16380, die Qualifikation der approbierten Aerzte
betreffend, wird in nachstehender Weise abgeändert:
Ziff. 1 hat zu lauten: In Zukunft sind nur jene approbierten
Aerzte einer Qualifikation zu unterstellen, welche eine Prüfung firr
den ärztlichen Staatsdienst bestanden haben, sohin die Prüfung für den
ärztlichen Staatsdienst nach der Verordnung vom 6. Februar 1876
oder der nach der Verordnung vom 7. November 1908.
Ziff. 2 hat zu lauten: Von einer Qualifikation sind auszunehmen
alle Aerzte, welche
a) eine der unter Ziff. 1 aufgeführten Prüfungen für den ärzt¬
lichen Staatsdienst nicht bestanden,
b) das fünfzigste Lebensjahr bereits zurückgelegt haben.
Ziff. 6 Abs. 2 hat zu lauten: Für die Feststellung der Noten
wird auf die genaue Beachtung der in Ziff. 4 der Entschliessung des
K. Staatsministeriums des Innern vom 28. Juli 1897, die ärztlichen
Jahresberichte betreffend, M. A. Bl. S. 316, enthaltenen Bestimmungen
ganz besonders aufmerksam gemacht. Auch die Teilnahme am ärzt¬
lichen Vereinsleben ist in Würdigung zu nehmen.
Der Vordruck der Qualifikationstabelle ist unter Ziff. IV c ent¬
sprechen zu ändern.
München, den 8. Januar 1909.
v. Brettreich.
Sammlung
für die durch die Katastrophe in Süditalien betroffenen Aerzte und
deren Hinterbliebene:
Uebertrag: M. 2212.70. Dr. H o r n u n g - Schloss Marbach
M. 10.—, San.-Rat Süsserott - Wismar i. M. M. 10.—, Dr. Th.
Lohnstein - Berlin M. 3.—■, San.-Rat H e n n i g e - Magdeburg
M. 4.—, Dr. Beuthner -Berlin M. 5.—, Dr. R. Henning-Gön¬
ningen M. 5.—, Dr. Herold- Erlangen M. 5.—■, Dr. B.-Augsburg
M. 5.—, Geh. Rät Wa 11 i c h s - Altona M. 10—, Dr. Jäger-Bon¬
dorf M. 3.—, Dr. Hebel- Sterbfritz M. 3.50, Dr. C 1 o s s - Schwab.
Hall M. 3.—, Dr. D r e s s e 1 - Saalfeld a. S. M. 3.—, Dr. Poesche!*
Weikersheim i. W. M. 5—, Dr. W e i s e - Roschütz M. 5.—, San.-R.
Velten-Sandau M. 10.—, Hofrat Scheidemandel M. 10.—.
Prof. J a m i n - Erlangen M. 20.—, San.-Rat Dr. O. Vogler- Bad
Ems M. 20.—, Dr. Hardt-Edingen a. N. M. 20.—, Dr. Baron-
Dresden M. 5.—, Privatdozent Dr. Scheibe- München M. 10.—.
Med.-Rat Altendorf -Prym M. 1.50, Dr. G. W. Otto-Dresden
M. 5.—, Dr. M a 1 a d e - Treptow a. T. M. 5.—Geh. San.-Rat
R. Schwabach-Berlin M. 10.—, Dr. Rob. M ü 11 e r - Braun¬
schweig M. 10—, Dr. Schultze I -Apolda M. 5.—, Dr. Gülden-
a p f e 1 - Langenhursdorf i. Sa. M. 5.—, Dr. F. und H. - Berlin M. 10—,
San.-Rat F1 e m m i n g - Schwerin M. 3.—, Dr. Thiele- Charlotten¬
burg M. 3.—, Dr. Schneider -Alt Reichenau i. Schl. M. 3.—,
Dr. Glaser-Tiegenhof M. 3.—, Dr. Schonlau -Steinheim i. W.
M. 5.—, Dr. J. Christoph -Dresden M. 5.—, Dr. Ueberhorst-
Blankenstein a. R. M. 5.—, Dr. Stadler- Ibbenbüren M. 5.—.
Dr. Grunert -Rathenow a. H. M. 10.—, Dr. A. Lewy M. 5.—,
Dr. Stern-Kassel M. 5—, San.-Rat Michels-Hattingen M. 10.—.
Dr. S c h u 1 z e - Weissenberg M. 5.—, San.-Rat R e i s s n e r - Erfurt
M. 5.—, Geh. San.-Rat Führer- Wolfhagen M. 5.—, San.-Rat Bis¬
kamp- Hess. Lichtenau M. 5.—, Dr. Ulrich- Barmen M. 5.—.
Dr. Dreydorff -Leipzig M. 10.—, Hofrat A. Fischer -Dresden
M. 10.—, Geh.-Rat v. Michel-Berlin M. 20.—, Dr. Klein-Windsheim
M. 5.—, Dr. Riedel- Rothenburg o. T. M. 10.—, Dr. Grundier-
Bichl M. 10.—, Prof. R o s e n b e r g e r - Würzburg M. 10.—■, Dr.
Hartwig- Pyritz M. 5.—, San.-Rat Middeldorpf - Hirschberg
i. Schl. M. 5.—, Med.-R. N a u c k - Hattingen M. 5.—, Geh. Med.-Rat
Theobald - Oldenburg M. 5.—, Dr. V o 11 h e i m - Treptow a. R.
M. 5.—, San.-Rat Wächter -Altona M. 10.—•, Dr. W.-Schwerin
M. 10.—, Dr. C h r i s t - Langenlonsheim M. 10.—, San.-Rat Ros-
socha- Fischhausen O.-Pr. M. 3—, Dr. Buren- Wassenberg
M. 3.—, Geh.-Rat B.-Greifswald M. 3.—•, Dr. Fahmüller-
Ergoldsbach M. 10.—, Dr. Binswanger - München M. 10.—.
Dr. Kronacher - München M. 10.—, Geh.-Rat v. Leube-Würz¬
burg M. 25.—, Hofrat O p p e n h e i m e r - Würzburg M. 50—, Dr.
Frank- Schlitz M. 5.—, Dr. Weinberger - Rastatt M. 10.—.
Dr. K o h 1 m e y e r-Breslau M. 10.—, Dr. K r o n h e i m e r-Nürn¬
berg M. 5.—. Summe M. 2799.70.
Weitere Beiträge werden dankend entgegengenommen.
Die Redaktion der Münch, med. Wochenschr.
München, Arnulfstr. 26.
Uebersicht der Sterbefälle in München
während der 2. Jahreswoche vom 10. bis 16. Januar 1909.
Bevölkerungszahl 566 000.
Todesursachen: Angeborene Lebensschw. (1. Leb.-M.) 6 (15‘).
Altersschw. (üb. 60 Jahre) 4 (3), Kindbettfieber — (—), and. Folgen d.
Geburt 1 (—), Scharlach 1 (1), Masern u. Röteln 4 (4), Diphth. u.
Krupp 4 (1), Keuchhusten 4 (2), Typhus — (—), übertragb. Tierkrankh.
— (—), Rose (Erysipel) 1 (i), and. Wundinfektionskr. (einschl. Blut-
u. Eitervergift.) — (2), Tuberkul. d. Lungen 14 (24), Tuberkul. and.
Org. 4 (4), Miliartuberkul. — (2), Lungenentzünd. (Pneumon.) 10 (13),
Influenza — (3), and. übertragb. Krankh. 1 (2), Entzünd, d. Atraungs-
organe 8 (4), sonst. Krankh. derselb. 4 (4), organ. Herzleiden 21 (19),
sonst. Kr. d. Kreislaufsorg, (einschl. Herzschlag) 5 (8), Gehirnschlag
10 (5), Geisteskrankh. 1 (—), Fraisen, Eklamps. d. Kinder 7 (4), and.
Krankh. d. Nervensystems 2 (2), Magen- u. Darm.-Kat, Brechdurchfall
(einschl. Abzehrung) 11 (15), Krankh. d. Leber 3 (3), Krankh. des
Bauchfells 1 (3), and. Krankh. d. Verdauungsorg. 5 (10), Krankh. d.
Harn- u. Geschlechtsorg. 6 (5), Krebs (Karzinom, Kankroid) 11 (13),
and. Neubildg. (einschl. Sarkom) 6 (3), Selbstmord 1 (—), Tod durch
fremde Hand — (—), Unglücksfälle 5 (2), alle übrig. Krankh. 4 (5).. i
Die Gesamtzahl der Sterbefälle 165 (182), Verhältniszahl auf i
das Jahr und 1000 Einwohner im allgemeinen 15,2 (16,7), für die
über dem 1. Lebensjahre stehende Bevölkerung 11,7 (12,7).
*) Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die Fälle der Vorwoche.
Vertat von 1 . r. L«kniB* ln Mflnchcn. — Druck van E. MOhlthalen Buch- nnd KunatdruckCrel A.O.. München.
Digitized b'
'V Google
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
AchtungT Nicht brechen! (Kunstbeilage).
Diese Nummer enthält 56 Seite* Text.
Die Münchener Medlz. Wochenschrift erscheint wöchentlich im
Umfang von durchschnittlich 6—7 Bogen. * Preis der einzelnen
Nummer 80 • Bezugspreis in Deutschland und Ausland siehe
♦ *■ • * unten unter Bezugsbedingungen. • • « •
MÜNCHENER
Zusendungen sind zu adressieren: Für die Redaktion Arnulf¬
strasse 26. Bureauzeit der Redaktion von 8*/«—1 Uhr. • Für
Abonnement an J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 26. • Für
• Inserate und Beilagen an Rudolf Mosse, Promenadeplatz 16. •
Medizinische Wochenschrift.
ORGAN FÜR AMTLICHE UND PRAKTISCHE ÄRZTE.
Herausgegeben von
(LUngerer, Ch. Bäomler, O.r.Bellinger, H. Cupschmasn, B. Hederich, if.r. Leobe, G. i Merkel, J.r. Hiebei, F.Penzoldt, fl. r. Banke, B. Spatz, F. t. Winekel,
München. Freiburg i. B.
Leipzig.
Eisenach. Würzburg Nürnberg.
Erlangen. München. München. München.
No. 6. 9. Februar 1909
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
Verlag: J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 26.
56. Jahrgang.
Bezugsbedingungen: Die Münchener mediz. Wochenschrift kostet im Vierteljahr in Deutschland direkt vom Verlag sowie bei allen Postanstalten und Buchhandlungen
Mk. 6.—, nach dem Auslande Mk. 8.—, nach Oesterreich-Ungarn und Luxemburg Mk. 7.—. Billiger und zu empfehlen ist der Bezug durch die Postämter in
Belgien (Frk. 8.08), Dänemark (Kr. 6.07), Italien (Frk. 8.68), Luxemburg (Mk. 6.52)< Niederlande (Fl. 4.15), Norwegen (Kr. 5.93), Oesterreich-Ungarn (Kr. 7.32),
Rumänien (Frk. 9.—), Russland: in Städten mit Zeitungspostämtem Rubel 2.85, bet den übrigen Postanstalten ohne Zustellgeb. Rubel 3.05, Schweden (Kr. 5.95),
Schweiz (Frk. 8.05).
Inhalt
Originalien: Pankow, Der Einfluss der Kastration und der Hysterektomie auf
das spätere Befinden der operierten Frauen. (Aus der Universitäts-Frauen¬
klinik in Freibur^ i. Br.) S. 265.
W i t z e 1, Ueber die Schutzarbeit im Baachraume und über die funktionelle
Behandlung Laparotomierter. (Illustr.) S. 269.
Mayer, Zum Friihaufstehen der Wöchnerinnen. (Aus der Kgl. Universitäts-
Frauenklinik in Marburg a. L.) S. 273.
Da nie Isen, Himpunktion. (Aus der chirurgischen Klinik der Universität
Breslau.) S. 276.
Braeuning, Die Entfaltung des Magens. (Aus der innere* Abteilung des
städtischen Krankenhauses zu Stettin!) (Illustr.) S. 277.
Kästle, Rieder und Rosenthal, Ueber kinematographisch aufgenom¬
mene Röntgenogramme (Bio-Röntgenographie) der inneren Organe des
Menschen. (Illustr.) S. 280,
Königer, Zur DifTerentialdiagnose der Zwerchfellhemie und des einseitigen
idiopathischen Zwerchfellhochstandes (infolge von Zwerchfell-Atrophie).
(Aus der medizinischen Klinik zu Erlangen.) (Illustr.) S. 282.
Flesch, Die Plastizität der Lebersubstanz. (Illustr.) S. 286.
Gaehtgens, Ueber fötale Typhusinfektion. (Aus dem Institut für Hygiene
und Bakteriologie zu Strassburg i. Eis.) S. 288.
Hammer, Kurzer Bericht über vorwiegend zahnärztliche Untersuchungen
in der Baseler Missionsmittejschule zu Bonaberi (Kamerun). S. 290.
Kurz, Die Malignität bei Ovarialkystomen. S. 291.
Gr über, Elias MctschnikofT. S. 291.
Eversbusch, Die Entwicklung der Augenheilkunde an der Universität
Landshut-München. (Aus der Kgl. Universitätsklinik und Poliklinik für
Augenkranko in München.) S. 293.
Aeritllche Standesangelegenheiten: Koelsch, „Landesgewerbearzt“. S. 296
Bücberanzeigen und Referate: Mo mb arg, Der Gang des Menschen und die
Fussgeschwulst. Ref.: Prof. Dr. F. L a n g e - München. S. 297.
Gerber, Die Komplikationen der Stirnhöhlenentzündungen. Beiträge zur
Anatomie, Pathologie und Klinik der Stirnhöhlen. Ref: Dr. Max Senator-
Berlin. S. 297.
v. Ksmarch: Hygienisches Taschenbuch für Medizinal- und Verwaltungs¬
beamte, Aerzte, Techniker und Schulmänner. Ref.: Prof. Dr. Neumann-
Heidclberg. S. 297.
Lomer, Kurzgefasster praktischer Ratgeber für Irrenärzte und solche, die
es werden wollen. Ref.: Dr. Germanus Flat au-Dresden. S. 298.
Kielleuthner, Bericht über urologische Forschungsergebnisse aus dem
zweiten Halbjahr 1908. S. 298.
Neueste Journalliteratur. Beiträge zur Klinik der Tuberkulose und
spezifischen Tuberkulose-Forschung. Band 11, Heft 3. — Zeitschrift für
diätetische und physikalische Therapie. Bd. 12, Heft 8—10. — Mitteilungen
aus den Grenzgebieten der Medizin und Chirurgie. 19. Band, 4. Heft. —
Gynäkologische Rundschau. 1. Heft. — Zeitschrift für gynäkologische Uro¬
logie. Band 1, Heft 2. — Archiv für Verdauungskrankheiten mit Einschluss
der Stoffwechselpalhologic und der Diätetik. Band 14, Heft 5. — Soziale
Medizin und Hygiene. Bd. 3, No. 12. — Berliner künische Wochenschrift.
No. 6. — Deutsche medizinische Wochenschrift. No. 4. — Oesterreichische
Literatur. — Italienische Literatur. — Belgische Literatur. — Inaugural¬
dissertationen. S. 300.
Auswärtige Briefe: Berliner Briefe. — Hamburger Brief. S. 308.
Vereins- und Kongressberichte: Berliner mcdizinischeGesellschaft,
3. Februar 1909: Demonstrationen. — Jakoby und H i r s c h f e 1 d, Experi¬
mentell erzeugte Leukämie bei Hühnern. S. 309.
Verein für innereMedizin zu Berlin, 1. Februar 1909: His, Gicht
und Rheumatismus. S. 309.
Aerztlicher Verein in Frankfurt a. M., 16. November 1908: Demon¬
strationen. S. 310.
Verein der Aerzte in Halle a. S., 26. November 1908: Fromme.
Thrombose und Friihaufstehen im Wochenbett. — Veit, Weiteres zur
Diagnose des Puerperalfiebers. — 9. Dezember 1903. S. 310,
Aerztlicher Verein in Hamburg, 26. Januar 1909: Demonstrationen.
— Denece, Blutdruckstudien. S. 313.
Biologische Abteilung des ärztlichen Vereins in Hamburg,
24. November 1908: Demonstrationen. — Delbanco: Kraurosis glandis
et praeputii penis. — F r ä n k e 1, Ueber die histologische Diagnose der Ge¬
schwülste. S. 314.
Gynäkologische Gesellschaft in München, 14. Januar 1909:
Demonstration. — Ziegenspeck, Ueber Beckenmessung. — Döde r 1 e i n .
Ueber extraperitonealen Kaiserschnitt. — 21. Januar 1909: Demonstrationen.
— Klein, Ergebnisse der Behandlung des Uteruskarzinoms. S. 314.
Nürnberger medizinische Gesellschaft und Poliklinik,
15. Oktober 1908: Stauder, Ueber den Magenkrampf. — Demonstrationen.
— 5. November 1908: Grünbaum, Ueber übertragene extrauterine Gra¬
vidität. — Weigel, Osteomyelitis nach Trauma. S. 315.
Aerztlicher Verein Rostock, 14. Oktober 1908: Nagel, Ueber die
unbewusste Funktion der Sinnesorgane. S. 315.
Natur wissenschaftlich-medizinischer Verein zu Strass-
burg, 18. Dezember 1908: Schwalbe, Ueber die Richtung der Haare
bei Säugetieren, speziell beim Menschen. S. 315.
Aus den Wiener medizinischen Gesellschaften: Gesellschaft
für innere Medizin und Kinderheilkunde. S. 316.
Wissenschaft 1. Gesellschaft deutscher Aerzte in Böhme*.
S. 317.
AusdenfranzösischenmedizinischenGesellschaften: SociöKS
m^dicale des höpitaux. S. 317.
Aus den englischen medizin. Gesellschaften: Royal Society of
Mcdicine, Surgical section. S. 317.
Seminar für soziale Medizin. S. 317.
Verschiedenes: Ersatz für Gummifingerlinge. — Für die Praxis. — Gerichtliche
Entscheidungen. — TherapeutischeNotizen: Schwefelwasser-Trink¬
kuren. — Galerie hervorragender Aerzte und Naturforscher. S. 318.
Tagesgeschichtliche Notizen: Der Kampf um die freie Arztwahl in Köln. —
Hilfsfonds für die vom Erdbeben in Süditalien betroffenen Aerztefamilien.
— Ergebnisse der Krankenversicherung. — Humbert L-Preis. — Gynäkol.
Gesellschaft Wien. — Ernennung. — Röntgeninstitut. — Kaiser Friedrich-
Krankenhaus San Remo. — Kongressnachrichten. — Literarisches. — Embolie
der Arteria rad. — Hochschulnachrichten: Berlin, Giessen, Heidel¬
berg, Kiel, Marburg. Strassburg i. Eis., Jena; Lausanne, Lemberg, Leyden,
Lyon, Paris, Prag. Neapel, Pavia. — Marques, Ranneft, Coppinger, Denison f-
S. 320.
Amtliches; (Bayern.) S. 320.
Bekanntmachung: Die Schutzpockenimpfung im Jahre 1909 betr.
Sammlung für die durch die Katastrophe in Süditalien be¬
troffenen Aerzte und deren Hinterbliebenen. S. 320.
Statistik: Mortalität in München. S. 264.
Umschlag: Offene ärztliche Stellen. — Personalnachrichten. — Inserate.
Beilage: Galerie hervorragender Aerzte und Naturforscher: EliasMetschnikoff.
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Herausgegeben von
0. r. ingerer, Ch. Blamier, 0. r. Bollioger, H. Carschniaoo, H. Sellerich, W. r. Leube.G. r. Merkel, J. r. Michel, F. Penzoldi, H. r. Ranke, I. Spelz, 1i Wiockel,
München. Freiburg i. B. München. Leipzig. Eisenach. Würzburg Nürnberg. Ber.tn Erlangen. München. München München.
No. 6. 0. Februar 1909.
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
Verlag: J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 26.
56. Jahrgang.
Originalien.
Aus der Universitäts-Frauenklinik in Freiburg i. Br. (Direktor:
Prof. K r ö n i g).
Der Einfluss der Kastration und der Hysterektomie auf
das spätere Befinden der operierten Frauen.
Von Dr. Pankow, Privatdozent.
(Nach einem Vortrage.),
Mit Recht gilt heute die Entfernung beider Ovarien als ein
Eingriff, d'en man möglichst auf die Fälle doppelseitiger Ge-
schwulstbildung beschränken soll, da die Ausschaltung dieser
Organe mit oft schweren Störungen für das Allgemeinbefinden
der operierten Frauen verbunden sein kann. Diese Störungen
können vasomotorischer, trophischer und psychischer Natur
sein. Sie haben in abgeschwächter Form ihr Analogon in dem
physiologischen Vorgang des Erlöschens der Ovulationstätig¬
keit, im Klimakterium.
Psychische Störungen treten noch am seltensten auf; sie
äussern sich meist in Gedächtnisschwäche und in gemütlichen
Depressionen, die gewöhnlich nur leichter Art sind, zuweilen
jedoch ernste Formen annehmen und zu schweren Psychosen
führen können.
Klinisch am auffallendsten, häufigsten und den Patientinnen
am lästigsten sind die vasomotorischen Störungen. Neben
Schwindelanfällen, Schweissausbrüchen, Ohrensausen, Kopf¬
schmerzen etc. sind es vor allen Dingen Blutandrang nach dem
Kopf und Herzbeschwerden, welche die Frauen zuweilen uner¬
träglich quälen und völlig arbeitsunfähig machen können. Täg¬
lich, selbst stündlich mehrmals und in schweren Fällen sogar
alle paar Minuten haben solche Kranke das Gefühl, als stiege
ihnen alles Blut in den Kopf. 7 Sie sehen hochrot im Gesicht
aus und klagen über Herzklopfen und Atemnot, so dass das
Bedürfnis nach Abkühlung und frischer Luft sie ins Freie treibt.
Gewöhnlich hält dieser Zustand V *—1 Minute an und wird von
den Patientinnen sehr charakteristisch als fliegende Hitze oder
Wallungen geschildert. Treten diese Beschwerden auch
Nachts auf, so werden die Frauen ganz besonders erschöpft
und unglücklich und gerade dadurch werden leichtere psy¬
chische Depressionen nicht selten wesentlich verschlimmert.
Die trophischen Störungen zeigen sich in zweierlei Form,
einmal in einem pathologischen Fettansatz, der zuweilen höhere
Grade erreichen kann und dann in einer Atrophie des ganzen
Genitalapparates. Schon wenige Monate post operationem
werden die Labien welk, die Vagina verliert ihre Fältelung und
wird glatt, derb und trocken. Der Uterus selbst atrophiert,
wie Palpation und Sondenuntersuchung zeigen, ebenfalls schnell
und hat nach 1 —2 Jahren meist die Grosse eines senil atro¬
phischen Uterus angenommen. Klinisch sind diese trophischen
Störungen deshalb zuweilen von Bedeutung, weil durch die
Atrophie der Vagina die Kohabitation oft schmerzhaft, wenn
nicht überhaupt unmöglich gemacht wird.
Verbunden mit diesen Folgeerscheinungen ist meist auch
eine Abnahme der Libido und Voluptas, die nur zuweilen eine
vorübergehende Steigerung erfahren kann.
Die Ursache dieser sogenannten Ausfallserscheinungen
liegt nicht wie man früher annahm, in nervösen Einflüssen,
sondern wohl sicher in d)er Ausschaltung der Sekretions-
No. 6.
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Gck igle
(Nachdruck der Originalartikel ist nicht gestattet.)
Produkte der Ovarien, die wir ja als eine Drüse mit innerer
Sekretion erkannt haben. Für diese Annahme sprechen die
unzweideutigen Beobachtungen nach Reimplantation der Eier¬
stöcke. Löst man diese nämlich aus ihren Verbindungen
heraus, und implantiert sie an einer anderen Stelle, selbst
ausserhalb der Bauchhöhle unter die Haut, zerstört man also
die nervösen Bahnen, so bleiben die Ausfallserscheinungen stets
dann aus, wenn die Ovarien einheilen und damit weiterhin ihr
Sekret bilden und in die Blutbahn überführen können.
Während so die Störungen in dem Befinden der Frauen
nach der Kastration einen klinisch und anatomisch wohlbe¬
kannten Symptomenkomplex darstellen, wird die Einwirkung
der Hysterektomie bei Erhaltung der Ovarien auf den Gesamt¬
organismus des geschlechtsreifen Weibes auch heute noch sehr
verschieden beurteilt. Die einen- setzen sie vollkommen in
Parallele mit den Erscheinungen nach der Kastration, die
anderen geben nur graduelle Unterschiede zu, die dritten wollen
ihr schliesslich überhaupt gar keine Bedeutung beilegen.
Es ist wunderbar, dass trotz der Fülle des Beobachtungs¬
materials, das uns heute zur Verfügung steht, eine solche Un¬
gleichheit der Beurteilung überhaupt noch möglich ist.
Ich glaube, dass die Schuld hieran ganz ausschliesslich der
Beobachtungsmodus trägt. Und zwar scheint mir der Fehler
früherer Beobachtungen darin zu legen, dass man die post-
operativen Beschwerden der Frauen wohl sorgfältig registriert,
die ante operativen Klagen hingegen nicht genügend berück¬
sichtigt hat.
Um hierüber ein einwandsfreies Urteil zu bekommen,
haben deshalb mein früherer KQassrstent Rauscher und ich
in einer Serie von 150 Fällen von Uterusexstirpationen, die von
unserem Chef in Jena und Freiburg ausgeführt wurden, ge¬
naue Aufzeichnungen über den objektiven Befund und das sub¬
jektive Befinden der Frauen gemacht, und zwar nicht bloss
nach, sondern in allererster Linie — und das möchte ich als
den wesentlichsten Punkt unserer Untersuchungen hinstellen
— auch vor der Operation. Um ein von einander möglichst
unabhängiges Urteil zu bekommen, sind wir so verfahren, dass
der eine hauptsächlich das Jenenser, der andere hauptsächlich
das Freiburger Material weiterbeobachtet hat. Bei den jahre¬
langen, wiederholten, oft 5—6 mal bei derselben Patientin vor¬
genommenen Nachuntersuchungen haben wir dann die ante-
und postoperativen Beschwerden mit einander verglichen, um
daraus Schlüsse zu ziehen über die Bedeutung des entfernten
Organs für den Gesamtorganismus der Frau.
Hier hat sich nun zunächst gezeigt, wie überraschend
schnell die a n t e operativen Beschwerden, auch bei nicht un-
intelligenten Frauen, aus dem Gedächtnis schwinden. Haben
wir doch, besonders wenn die erste Nachuntersuchung erst
längere Zeit nach der Operation erfolgte, bei Fragen über die
anteoperativen Beschwerden oft ganz andere Angaben be¬
kommen, als wir vor der Operation notiert hatten. Ich brauche
wohl nicht zu erwähnen, dass wir selbsverständlich alles ver¬
mieden haben, was etwa wie ein Hineinfragen in die Patien¬
tinnen hätte gedeutet werden können.
Diese Aenderung in den Angaben ist ja psychologisch
durchaus verständlich. Vor der Operation sind es eben die
grobsinnlichen Eindrücke des lokalen Leidens, meist also die
Blutungen und bei grossen Tumoren die dadurch bedingten Er¬
scheinungen, welche das subjektive Befinden der Frau vollauf
X
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
266
MüEnchEner medizinische Wochenschrift.
beherrschen, so dass die begleitenden Allgemeinerscheinungen
oft gänzlich in den Hintergrund gedrängt werden. Nach der
Operation aber treten mit dem Wegfall dieser grobsinnlichen
Eindrücke mit einem Male die vorher mehr oder weniger un¬
beachteten Begleiterscheinungen in den Vordergrund und im¬
ponieren dann den Frauen leicht als etwas gänzlich neues, erst
durch die Operation entstandenes.
Das sind keine theoretischen Möglichkeiten, die ich hier
aufstelle, sondern vielfache und für die Beurteilung äusserst
wichtige Erfahrungstatsachen.
Unter Berücksichtigung dieser Punkte haben wir, wie ge¬
sagt, im ganzen 150 Fälle von Totalexstirpation des Uterus mit
Zurücklassung eines oder beider Ovarien zur Nachuntersuchung
bekommen. Ich hebe noch ausdrücklich hervor, dass wir brief¬
liche Nachprüfungen wegen der absoluten Unzuverlässigkeit
der Angaben gerade in solch schwierigen Fragen überhaupt
nicht vorgenommen, sondern alle Frauen persönlich selbst
nachuntersucht haben
Bei der grossen Zahl und Verschiedenheit der als Ausfalls¬
erscheinungen oder Molimina menstrualia bezeichneten Sym¬
ptome war von vornherein zu erwarten, dass die klinischen
Bilder ausserordentlich mannigfaltige sein würden. Deshalb
muss ich mich hier auch darauf beschränken, aus diesen in
Kleinigkeiten oft sehr stark differierenden, in den Hauptsachen
aber doch wiederum übereinstimmenden Resultaten nur die
Hauptfolgerungen unserer Untersuchungen in kurzen Sätzen
wiederzugeben. Bezüglich der Einzelheiten verweise ich auf
die spätere ausführliche Publikation.
Zunächst muss unter allen Umständen die Trennung des
Materiales in zwei Gruppen durchgeführt werden, und zwar in
Frauen, bei denen schon ante operationem nervöse Beschwer¬
den resp. eine Hystero-Neurasthenie bestanden, und in solche,
bei denen vor der Operation das Nervensystem gesund war.
Anfangs wollten wir absichtlich diese Trennung nicht vor¬
nehmen, um nicht den Anschein zu erwecken, als sollte mit der
nervösen Disposition ein neues Moment eingeschaltet werden,
auf das man dann etwaige Beschwerden hätte beziehen können.
Je mehr Frauen wir aber zur Nachuntersuchung bekamen, um
so zwingender ergab sich die Notwendigkeit einer solchen
Trennung, die dann bei der Beurteilung der verschiedenen post¬
operativen Erscheinungen streng durchgeführt wurde. Haben
doch auch schon Fritsch u. a. darauf hingewiesen, dass bei
nervösen Frauen die postoperativen Beschwerden meist eine
viel schwerere Form annehmen, und es ist eine bekannte Tat¬
sache, dass auch die Beschwerden der physiologischen Klimax
bei nervös belasteten Frauen im allgemeinen weit intensiver
und störender auftreten, als bei gesunden. Es ist deshalb von
grosser Wichtigkeit, dass die Diagnose Nervositas oder
Hystero-Neurasthenie bereits vor der Operation gestellt wird.
Dazu kommt, dass ja gerade derartige nervöse Leiden nicht
selten mit Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Schwindel, Herz¬
klopfen, Wallungen etc. verbunden sind, die wir im allgemeinen
als Ausfallserscheinungen bezeichnen, die aber doch etwas
Pathognomonisches für die Kastration durchaus nicht dar¬
stellen. Hat man nun bei derartigen Kranken diese Beschwer¬
den wegen des gynäkologischen Hauptleidens vor der Ope¬
ration nicht genügend beachtet und die Diagnose einer ner¬
vösen Erkrankung nicht gestellt, so kann man post operationem
leicht dazu kommen, derartige, rein nervöse Klagen als erst
durch die Operation bedingt anzusehen und den Effekt des
Eingriffes vollkommen falsch zu deuten.
Fernerhin ist es unbedingt nötig, dass man die Trennung
aufrecht erhält zwischen den zur Zeit des Periodentermins
eintretenden Beschwerden, den sogen. Molimina menstrualia
und den als sogen. Ausfallserscheinungen unabhängig vom
Menstruationstermin sich zeigenden Erscheinungen.
Unter den Molimina menstrualia verstehen wir Beschwer¬
den, die zur Zeit der Menses oder nach der Hysterektomie an
dem Termin der nicht mehr eintretenden Periode in die Er¬
scheinung treten. Sie sind hauptsächlich lokaler Natur, Kreuz¬
schmerzen und Rückenschmerzen, die nach dem Leib und den
Seiten hin ausstrahlen und Schmerzen und Druckgefühl im
Becken. Daneben aber finden wir, ähnlich wie bei der Dys¬
menorrhöe auch eine Reihe Beschwerden nicht lokaler son¬
No. 6.
dern allgemeiner Art, wie Kopfschmerzen, Herzklopfen, Blut¬
andrang etc. die wir als durch vasomotorische Störungen be¬
dingt ansehen müssen. Gerade bezüglich dieser Molimina men¬
strualia nun sind die Ansichten der verschiedenen Autoren noch
recht verschieden. Da diese Beschwerden meist gleich nach
der Operation wahrnehmbar sind, um dann in etwa V »—1 Jahr
vollständig zu verschwinden, so war es nahe¬
liegend, in ihnen den Ausdruck für eine nach der Operation
zunächst noch vorhandene Funktion der Eierstöcke zu er¬
blicken, andererseits ihr Verschwinden auf eine rasch ein¬
tretende Atrophie der Ovarien zurückzuführen. Dem wider¬
sprechen aber die Tatsachen. Einmal wissen wir, dass die¬
selben Beschwerden auch nach der Kastration, also nach
sofortiger, vollständiger Ausschaltung der Ovarienfunktion
ebenfalls beobachtet werden. Dann haben uns auch anatomische
Untersuchungen gezeigt, dass die Ovarien nach der Hyster¬
ektomie durchaus nicht zu Grunde gehen, sondern noch jahre¬
lang voll funktionsfähig bleiben. Die erste Beobachtung hat
dazu geführt, die postoperativ konstatierten Molimina men¬
strualia als rein zentral bedingt anzusprechen. Die zweite
Wahrnehmung hingegen hat manche Operateure veranlasst,
die Zurücklassung der Ovarien bei Hysterektomie als nachteilig
anzusehen, da ihre fortdauernde Funktion das auslösende Mo¬
ment für die periodisch auftretenden Beschwerden sein sollte.
Werth war der erste, welcher die postoperativen Be¬
schwerden periodischer Natur nach Hysterektomie in Zusam¬
menhang mit den bereits vor der Operation bei den Frauen
bestandenen Molimina bei der Menstruation brachte. Er machte
darauf aufmerksam, dass die Molimina menstrualia fast aus¬
schliesslich bei solchen Operierten zur Beobachtung kamen,
die bereits vor der Operation an dysmennorrhoischen Zu¬
ständen litten. Diese Annahme Werths, dass die Molimina
menstrualia postoperativa nicht erst nach der Operation neu
entstanden, sondern vielmehr als eine Fortdauer schon vorher
dagewesener menstrueller Beschwerden anzusehen sind,
können wir nach unseren eigenen Beobachtungen voll und ganz
bestätigen. Wie vor der Operation zur Zeit, der Periode treten
auch nach Entfernung des Uterus die Beschwerden regelmässig
um dieselbe Zeit wieder ein. Da wir heute wissen, dass Men¬
struation und Ovulation zeitlich nicht zusammen fallen, ja sogar
durch grössere Intervalle getrennt sein können, so glauben wir
aus diesem Grunde auch nicht, dass die Tätigkeit der Ovarien
die direkt auslösende Ursache für die Molimina menstrualia
sind, sondern dass es sich vielmehr bei der Persistenz dieser
Schmerzen, um einen zentralen Vorgang handelt. Aehnlich
wie nach einer Amputation in dem entfernten Gliede scheinbar
noch Schmerzen empfunden werden können, so, glauben wir.
werden auch hier noch nach der Entfernung des Uterus die
altgewohnten Schmerzen einfach gewohnheitsgemäss an die
alten Stellen vom Gehirn aus projiziert. So ist es wenigstens
am einfachsten zu erklären, warum diese Schmerzen noch eine
Zeitlang fortbestehen und selbst nach der Kastration noch wahr¬
genommen werden können.
Jedenfalls ergab die Beobachtung unserer Patientinnen
stets folgendes:
In allen Fällen, bei nervösen und nichtnervösen Frauen,
bei denen wir post operationem Molimina menstrualia lokaler
Natur nachweisen konnten, waren sie auch schon vor der
Operation vorhanden gewesen. Bei keiner Frau fand sich in
beiden Gruppen eine Zunahme der lokalen Beschwerden und
bei keiner traten Beschwerden auf, wo sie nicht bereits vorher
während der Periode bestanden hatten. Nur wenige Male
sahen vir bei sehr nervösen Frauen von den Allgemeinerschei¬
nungen der Molimina Wallungen und Kopfschmerzen neu auf¬
treten, die aber nicht so stark waren, dass sie das Allgemein¬
befinden wesentlich hätten beeinträchtigen können. Da nun
aber die nicht an die menstruellen Zeiten gebundenen sogen.
Ausfallserscheinungen nicht selten zum Periodenendtermin
sich verschlimmern, so ist es nicht ausgeschlossen, dass es
sich bei diesen wenigen Frauen um Patientinnen handelte, bei
denen die sonst nicht bemerkten Allgemeinerscheinungen um
die Menstruationszeit deutlich in die Erscheinung traten. Dem
gegenüber sahen wir dagegen oftmals, dass sich die Molimina
menstrualca nach der Operation erheblich besserten oder auch
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
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sogleich ganz aufhörten und zwar, wie das von den meisten
Untersuchern bereits hervorgehoben ist, gewöhnlich im Laufe
von X A —1 Jahr. Wir kommen also bezüglich der Molimina
menstrualia zu folgendem Schluss: „Die als Molimina men-
strualia gedeuteten Beschwerden treten im Anschluss an die
Hysterektomie ohne Adnexe niemals neu auf. Sind sie vor¬
handen, so sind sie als Fortdauer der anteoperativen Men¬
struationsbeschwerden aufzufassen, die dann nach der Opera¬
tion entweder sofort aufhören oder beim Fortbestehen doch
innerhalb von Va—1 Jahr durchweg abzuklingen pflegen. Eine
Verschlimmerung der Allgemeinsymptome wird gelegentlich
bei nervös belasteten Frauen beobachtet.
Gegenüber diesen Molimina menstrualia, die periodisch auf-
treten, ist das Bild ein ganz anderes bei den nicht an die men¬
struellen Zeiten gebundenen als „Ausfallserscheinungen“ be-
zeichneten Allgemeinerscheinungen.
Da wir mit dem Worte Ausfallserscheinung im allgemeinen
die Vorstellung der vorausgegangenen Kastration verbinden,
bei den in Rede stehenden Hysterektomien aber gerade immer
eines oder beide Ovarien, worin übrigens nach unseren Be¬
obachtungen gar kein Unterschied besteht, zurückgelassen
wurden, so wäre es besser, diese Bezeichnung für die im An¬
schluss an eine Entfernung der Gebärmutter auftretenden
Störungen überhaupt ganz fallen zu lassen. Schon eingangs
erwähnte ich, dass ganz ähnliche Beschwerden auch bei ner¬
vösen Erkrankungen beobachtet werden. Ebenso wenig wie
wir aber daran denken, in solchen Fällen die gleichen Sym¬
ptome als Ausfallserscheinungen zu bezeichnen, und ebenso
wenig wir sie selbst bei dem ähnlichsten Bilde, den klimak¬
terischen Beschwerden, so nennen, ebenso wenig sollten wir
es auch bei der Hysterektomie tun.
Die Wahl des gleichen Namens resultiert aus der Annahme,
dass die Entstehungen dieser Störungen auch nach der Exstir¬
pation des Uterus ohne Adnexe auf eine Atrophie der Ovarien
zurückzuführen sei, die mehr oder minder schnell im Anschluss
an die Operation eintretcn sollte. Besonders Abel, der nach
3 jähriger Beobachtungsdauer diese sogen. Ausfallserschei¬
nungen in jedem Falle auch nach der Uterusexstirpation ohne
Ovarien auftreten sah, stützt seine Angaben auf die Annahme
einer sekundären Atrophie der Eierstöcke, die er bei seiner
Nachuntersuchung palpatorisch nachgewiesen haben will. Eine
solche Beweisführung kann aber nicht anerkannt werden.
Sind wir doch oftmals, wie wir das bei unseren eigenen Nach¬
untersuchungen immer wieder beobachtet haben, vollkommen
ausser Stande, die zurückgelassenen Ovarien zu tasten oder
wohl gar, wie Abel es tut, ihre Grösse einwandsfrei zu
schätzen und daraus eine Atrophie derselben zu diagnostizieren.
Die Möglichkeit, die Eierstöcke zu palpieren, beruht aber nicht
auf einer Atrophie derselben, sondern sie ist hauptsächlich wohl
bedingt durch ihre Retraktion an die hintere Beckenwand.
Demgemäss ist es auch kein Wunder, dass unsere Nachbeob¬
achtungen das regelmässige Eintreten der sogen. Ausfalls¬
erscheinungen nach spätestens 3 Jahren nicht bestätigen
konnten. Dann aber erwähnte ich auch bereits, dass die An¬
nahme einer sekundären Atrophie der Ovarien auf Grund
anatomischer Untersuchungen ebenfalls nicht zu Recht besteht.
Kann man doch noch nach Jahren, wie das eine ganze Reihe
histologischer Präparate beweisen, in den bei einer Hyster¬
ektomie zurückgelassenen Ovarien frische Corpora lutea und
reifende Follikel als Zeichen anhaltender Funktion nachweisen.
Man war deshalb dazu gekommen, für die Auslösung dieser
Beschwerden eine gewisse Insuffizienz der Ovarien anzu¬
nehmen. Man suchte diese Insuffizienz zu erklären durch die
Schädigung resp. durch die teilweise Ausschaltung der Gefäss-
verbindungen der Eierstöcke und der damit verbundenen Her¬
absetzung ihrer Ernährungsbedingungen. Nach den oben er¬
wähnten anatomischen Untersuchungen ist aber eine Grössen¬
abnahme der zurückgelassenen Ovarien nicht konstatiert
worden, soweit sie nicht auch durch eine inzwischen normaler¬
weise mögliche Altersatrophie zu erklären gewesen wäre.
Wir müssten darum annehmen, dass es sich in solchen Fällen
nur um eine qualitative Insuffizienz, um eine Herabsetzung der
sekretorischen Tätigkeit gehandelt hätte. Da aber auch die
Ausfallserscheinungen nach der Hysterektomie, wenn auch oft
erst nach längerer Zeit, allmählich wieder abzuklingen pflegen,
so müssten wir weiterhin annehmen, dass die Ovarien im Laufe
der Zeit wieder ihre volle Funktion erlangen könnten, was nach
einem so langen Zeitraum aber kaum anzunehmen wäre, oder
dass der Körper sich allmählich an die geringere Sekretaus¬
scheidung gewöhnte und schliesslich aufhörte, mit den als Aus¬
fallserscheinungen benannten Symptomen darauf zu reagieren.
Aber auch gegen die Annahme einer solchen sekretorischen
Insuffizienz, sprechen eigene Beobachtungen, die wir bei
Frauen haben anstellen können, bei welchen wir die Transplan¬
tation der Ovarien ausgeführt hatten. Aehnlich wie nach
einer Kastration sahen wir auch bei solchen Patientinnen zu¬
nächst manchmal sehr deutlich Ausfallserscheinungen auftreten.
Sobald aber die Periode wieder eingetreten war, nach 3 bis
6 Monaten, sahen wir auch, dass die Ausfallserscheinungen
sich sehr schnell besserten, und bald ganz wieder ver¬
schwanden. Die histologische Untersuchung solcher Eier¬
stöcke nun, die ich 3 l A Jahre nach der Transplantation vor¬
nehmen konnte, ergab, dass zwar noch voll funktionsfähiges
Gewebe, wenn auch nur mehr in geringer Menge vorhanden
war, dass jedoch der bei weitem grösste Teil des Ovariums zu
Grunde gegangen war. Von jedem Eierstock war nur noch ein
zirka kirschgrosser Rest übrig geblieben, der bei beiden wieder¬
um noch grösstenteils zystisch verändert war. Trotz dieses
geringen Restes aber menstruierte die Frau regelmässig und
Ausfallserscheinungen bestanden nicht.
Das spricht gegen die Annahme, dass man es bei dem
Eintritt der sogen. Ausfallserscheinungen zwar nicht mit einer
völligen Atrophie, wohl aber mit einer Insuffizienz der Eier¬
stöcke zu tun habe. Dagegen sprachen aber auch weiterhin die
sehr häufigen klinischen Beobachtungen, dass man bei Zurück¬
lassung auch nur minimaler Ovarialreste ausser der Fortdauer
der Menstruation auch das Ausbleiben der Ausfallserscheinungen
beobachten kann, trotzdem doch gerade in solchen Fällen die
Herabsetzung auch der sekretorischen Funktionen eine ganz
unzweifelhafte ist.
Schliesslich aber ergeben sich uns auch aus unseren Nach¬
untersuchungen gewisse, zum Teil sehr auffallende Differenzen,
dtie uns dahin drängen, einen Unterschied zu machen zwischen
den Ausfallserscheinungen nach Kastration und den im Ge¬
folge der Hysterektomie auftretenden Allgemeinerscheinungen.
Am auffallendsten ist dieser Unterschied in der Gruppe der
trophischen Störungen und hier wiederum ganz besonders hin¬
sichtlich der sekundären Atrophie der Geschlechtsteile.
Während- wir nach der Kastration schon sehr bald den
Fettschwund der grossen Labien beobachten können, die
Schrumpfung der ganzen Vulva, die trichterförmige Einziehung
des Introitus und die Verengerung der Vagina, die besonders
bei Nulliparen bis zur Kohabitationsunmöglichkeit führen kann,
fehlten bei allen unseren Nachuntersuchungen derartige Er¬
scheinungen durchgehends vollständig.
Das aber ist ein so eklatanter Unterschied gegenüber den
Folgen der Kastration, dass man schon allein hieraus mit
zwingender Notwendigkeit den Schluss ziehen muss, dass die
Ursache der klinischen Erscheinungen nach der Entfernung der
Ovarien einerseits und nach der Wegnahme des Uterus an¬
dererseits nicht auf einer einheitlichen Ursache beruhen können.
Allerdings hat W e r t h auf Grund gleicher Beobachtungen
die Ansicht ausgesprochen, dass die Schwelle, bei welcher eine
Herabsetzung der inneren Sekretion des Eierstockes vaso¬
motorische Störungen hervorruft, dem normalen Zustande
näher liegt, als diejenige, bei welcher sich ein Nachlass des
trophischen Einflusses herausstellt. Bei Berücksichtigung der
oben erwähnten anatomisch-experimentellen Beobachtungen
können wir uns aber dieser Anschauung nicht anschliessen.
Auch der Vergleich der anderen Symptome ergibt wesent¬
liche Unterschiede zwischen der Kastration und der Hyster¬
ektomie. So haben wir nach der Hysterektomie eine stärkere
Gewichtszunahme nur selten beobachtet, besonders auch nicht
bei den jüngeren unserer Patientinnen, die ja gerade wiederum
nach der Kastration oft sehr darunter zu leiden haben. Aller¬
dings muss ich hier betonen, dass wir eine Gewichtszunahme
von 8—10 Pfund innerhalb einer Beobachtungszeit von 2 bis
3 Jahren nicht gerechnet haben. Das hat seinen Grund darin,
r
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Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
268
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
dass in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle die Hyster¬
ektomie wegen Blutungen vorgenommen war oder wegen
Myomen, die ebenfalls zum grössten Teil mit Blutungen ver¬
bunden waren. Dadurch aber werden die Patientinnen immer
etwas geschwächt und vor der Operation in ihrem Gewichts¬
zustand reduziert, so dass wir glaubten, dass derartige leichte
postoperative Gewichtszunahmen in einer so langen Beob¬
achtungszeit etwas selbstverständliches seien und wenigstens
als „pathologischer Fettansatz“ nicht berücksichtigt werden
dürften. Ebenso haben wir dann auch grössere Gewichts¬
zunahmen nicht berücksichtigt, wenn in unseren vor der
Operation aufgenommenen Befunden eine erhebliche Gewichts¬
abnahme während der Dauer der Erkrankung ganz ausdrücklich
notiert worden war. Trotzdem aber bleibt doch eine, wenn
auch geringe Zahl von Frauen übrig, bei denen ein starker Fett¬
ansatz und eine grössere Gewichtszunahme nach der Operation
zu konstatieren war. Allerdings handelte es sich hier meist
um Frauen im klimakterischen Alter und es ist ja bekannt, dass
derartige Gewichtszunahmen auch bei gesunden Frauen im
Klimakterium beobachtet werden. Der Beweis davon, ob es
sich bei unseren Patientinnen um Folgen der Hysterektomie
oder um Erscheinungen der normalen Klimax gehandelt hat, ist
kaum zu erbringen, da sich ein prozentuales Verhältnis der
Adipositas im normalen Klimakterium kaum wird aufstellen
lassen. Jedenfalls ist der Fettansatz eine nur seltene Folge
der Hysterektomie und im Gegensatz zur Kastration sind
gerade junge Individuen am wenigsten davon betroffen.
Auch bezüglich der psychischen Störungen besteht nach
unseren Beobachtungen ein deutlicher Unterschied zwischen
der Kastration und der Hysterektomie. So schwere Störungen,
wie wir sie besonders bei jungen Individuen nach der Ent¬
fernung der Eierstöcke beobachten konnten, haben wir nach
der Uterusexstirpation niemals gesehen. In wenigen Fällen
klagten die Frauen nur über deutlich ausgesprochene gemüt¬
liche Depression und Gedächtnisschwäche. Aber auch hier
handelte es sich wiederum um Frauen nahe dem klimak¬
terischen Alter und hinsichtlich dieser Beschwerden hatten wir
dsa subjektive Empfinden, dass sie nicht häufiger seien, wie
im normalen Klimakterium auch. Auch hier also wieder ein
auffallender Gegensatz zwischen Hysterektomie und Kastration,
nach der gerade wiederum bei jungen Patientinnen die
schwersten psychischen Erscheinungen eintreten.
Am interessantesten ist der Vergleich der vasomotorischen
Störungen, deren Symptome ja das Hervorstechende in dem
Bild der sogen. Ausfallserscheinungen nach der Kastration, wie
nach der Hysterektomie sind.
Zunächst gilt für diese vasomotorischen Störungen das¬
selbe wie für die Molimina menstrualia, nämlich dass auch hier
wiederum eine Reihe von Frauen derartige ganz typische
vasomotorische Erscheinungen bereits vor der Operation auf¬
zuweisen hatte.
Bei der weiteren Beobachtung dieser Frauen ergab sich
nun ein sehr wechselndes Bild. Einmal besserten sich die Er¬
scheinungen im Anschluss an die Operation mehr oder minder
schnell und hörten bei einem Teil der Patientinnen auch ganz
auf. Bei einer anderen Reihe von Frauen dagegen blieben die
Beschwerden vor wie nach der Operation völlig gleich und bei
noch anderen schliesslich trat eine deutliche Verschlimmerung
im Anschluss an die Operation ein. Dann aber konnten wir
auch konstatieren, dass die Beschwerden erst post operationem
als etwas wirklich neues in die Erscheinung traten, bei
Frauen die vorher sicherlich nicht darunter gelitten hatten.
Auch hier waren wiederum die Resultate in der Gruppe
der nervösen Frauen ungünstiger, als in der anderen. Was die
Zeit des Eintrittes der Beschwerden anlangt, so können sich
dieselben bald oder erst kürzere oder längere Zeit nach der
Operation einstellen. Nicht bestätigen aber können wir, wie
schon einmal erwähnt die Angabe von Abel, dass in keinem
Falle nach 3 jähriger Beobachtungszeit die vasomotorischen
Störungen fehlten.
Aber auch wenn sie vorhanden sind, so nehmen sie doch
niemals oder höchstens in seltenen Fällen bei hochgradig ner¬
vösen Patientinnen die schweren Formen an, wie die Ausfalls¬
erscheinungen nach Kastration. Nur bei solchen schwer ner¬
No. 6
vösen Frauen sahen wir gelegentlich, dass die Arbeitsfähigkeit
stark vermindert oder sogar völlig aufgehoben und das sub¬
jektive Befinden erheblich beeinträchtigt wurde. Bei den an¬
deren Frauen war die Arbeitsfähigkeit meist gar nicht oder
nur vorübergehend unerheblich verringert und ebenso das
Allgemeinbefinden nicht oder nur unwesentlich gestört. Im
Gegenteil ergaben der Vergleich der ante- und postoperativen
Notizen, ebenso wie die subjektiven Angaben der Frauen, dass
im allgemeinen trotz dieser Beschwerden das Befinden und die
Arbeitsfähigkeit wesentlich gehoben waren.
Am unangenehmsten machten sich von den verschiedenen
Symptomen die Wallungen geltend, und in einzelnen Fällen
auch recht lästige Herzpalpitationen, die dann, wie sich die
betreffenden Patientinnen fast übereinstimmend auszudrücken
pflegten, mit „Herzangst“ verbunden waren. Das sind vor¬
nehmlich auch die Fälle, in denen das subjektive Befinden stark
beeinträchtigt und die Arbeitsfähigkeit grösstenteils oder auch
ganz aufgehoben war. Die spezialistische Untersuchung, die
wir in solchen Fällen ausgesprochener Herzbeschwerden, wenn
möglich jedesmal vornehmen Hessen, ergab niemals ein organi¬
sches Herzleiden, sondern die Diagnose lautete stets auf ner¬
vöse Herzstörungen. Wiederholt fanden sich auch anhaltende
Kopfschmerzen und ein ausgesprochenes, namentlich beim
Bücken verstärktes Schwindelgefühl. Der darekte Zusammen¬
hang dieser Beschwerden mit den schon vor der Operation
verzeichneten, meist durch die Anämie bedingten gleichartigen
Erscheinungen war in der Mehrzahl der Fälle jedoch unver¬
kennbar. Demgemäss gingen die Beschwerden auch, falls die
Blutveränderungen noch nicht irreparable geworden waren,
gewöhnlich mehr oder minder schnell post operationem in Bes¬
serung oder Heilung über.
Zusammengenommen also ähneln diese Störungen der
vasomotorischen Gruppe den nach Kastration auftretenden
Ausfallserscheinungen. Dass sie nicht mit ihnen identisch zu
sein brauchen und auch nicht aus derselben Ursache heraus
entstanden sein müssen, erhellt schon aus dem Umstande, dass,
wie schon einmal gesagt, ganz gleiche Symptome z. B. auch
bei nervösen Frauen und bei anämisch-chlorotischen Patien¬
tinnen auftreten können. Es besteht aber auch ein unbestreit¬
barer Gegensatz hinsichtlich der Schwere zwischen den vaso¬
motorischen Erscheinungen nach der Hysterektomie und den
Ausfallserscheinungen nach der Kastration.
Noch augenscheinlicher aber ist der Unterschied zwischen
beiden bezüglich des Alters der davon befallenen Patientinnen.
Nach der Kastration treten die Beschwerden besonders
heftig auf bei jugendlichen Individuen und sie sind im allge¬
meinen um so häufiger und schwerer, je jünger die betreffenden
Frauen sind. Dem gegenüber hat nach unseren- Beobachtungen
gerade die überwiegende Mehrzahl der jugendlichen Patien¬
tinnen die Hysterektomie ohne Entfernung der Ovarien ganz
vorzüglich vertragen, ohne überhaupt, wenigstens in der uns
zur Verfügung stehenden Beobachtungszeit, irgend welche
Ausfallserscheinungen bekommen zu haben. Hingegen fanden
wir diese um so schneller ung häufiger auftreten, je näher die
Frauen der Grenze des klimakterischen Alters standen.
Das Hess den Gedanken in uns aufkommen, dass es sich
bei diesen vasomotorischen Störungen überhaupt nur um
klimakterische Beschwerden handeln könnte und dass die
Operation, vielleicht nur insofern eine vermittelnde Rolle
spielte, als das Eintreten der Klimax dadurch beschleunigt
würde. Wenn auch die Annahme, dass es sich um rein klimak¬
terische Symptome handelt, vielleicht auch für eine Reihe von
Patientinnen zutreffen kann, so widerspricht der Verallgemeine¬
rung aber die Beobachtung, dass die Beschwerden auch bei
solchen Frauen sehr schnell eintreten können, bei denen nach
den ganzen anteoperativen Aufzeichnungen an eine bevor¬
stehende Klimax noch durchaus nicht zu denken war und vor
allem die Tatsache, dass in manchen Fällen die Beschwerden
so schnell und unvermittelt im Anschluss an die Operation auf¬
traten, dass bei ihnen unbedingt die Hysterektomie als die
auslösende Ursache angesehen werden musste.
Wenn wir das einerseits festhalten-, andererseits aber
sehen, dass die Ausfallserscheinungen nach Kastration nicht
bloss hinsichtlich der Genitalatrophie und der Häufigkeit des
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9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
269
pathologischen Fettansatzes, sondern auch hinsichtlich der
Schwere der psychischen Erscheinungen und der durch die
verschiedensten Ursachen auslösbaren vasomotorischen Stö¬
rungen so ausserordentlich verschieden sind von diesen nach
der Hysterektomie beobachteten Allgemeinerscheinungen, so
drängt uns, besonders bei der Berücksichtigung der anatomi¬
schen Befunde transplantierter und bei der Hysterektomie zu¬
rückgelassener Ovarien alles darauf hin, nicht irgend welche
Veränderungen in den Ovarien, sondern allein den Ausfall des
Uterus selbst für die Entstehung der Beschwerden verant¬
wortlich zu machen.
Immer mehr spricht ja dafür, dass wir es in dem Uterus
mit einem Organ zu tun haben, das nicht bloss in dem Ablauf
der Qenerationstätigkeit seine Rolle zu erfüllen hat, sondern
dem auch sonst noch eine Bedeutung für den Haushalt des
Körpers zukommt. Gerade, dass sein Ausfall in einer Reihe von
Fällen imstande ist, bestimmte Störungen im Gesamtorganismus
der Frau hervorzurufen, bekräftigt diese Annahme. Wir gehen
deshalb wohl nicht fehl, wenn wir ebenso, wie für das Ovarium,
so auch für den Uterus eine besondere innere Sekretion
annehmen, deren Ausfall die geschilderten Beschwerden zur
Folge haben kann.
Es handelt sich also auch bei diesen Störungen um echte
Ausfallserscheinungen, die aber nicht in Abhängigkeit stehen
von den Ovarien, sondern allein von dem Ausfall des Uterus
selbst.
Um aber ein für alle Male ein Zusammenwerfen und Ver¬
wechseln mit den Kastrationsbeschwerden zu vermeiden,
möchten wir vorschlagen, die Ausfallserscheinungen nach Ent¬
fernung der Ovarien als „ovarielle“, die Ausfallserscheinungen
nach Entfernung des Uterus aber als „uterine“ Ausfallserschei¬
nungen zu bezeichnen.
Bezüglich der uterinen Ausfallserscheinungen ergibt sich
nun noch einmal kurz zusammengefasst aus unseren Unter¬
suchungen folgendes:
„Die Hysterektomie mit Zurücklassung eines oder beider
Ovarien löst Molimina menstrualia nicht aus. Bestehen solche,
so hören sie entweder gleich nach der Operation auf, oder sie
klinigen von K—1 Jahr vollständig ab. Eine Zunahme der
Allgemeinerscheinungen der Molimina menstrualia wird ge¬
legentlich bei nervös erkrankten Frauen beobachtet. Von
einem pathologischen Fettansatz ist die Hysterektomie nur
selten, von einer Genitalatrophie überhaupt nicht begleitet und
sie unterscheidet sich dadurch in auffallender Weise von der
Kastration. Sie ist aber insofern auch kein ganz irrelevanter
Eingriff, als in. einem gewissen Prozentsatz der Fälle Be¬
schwerden auftreten, die in ihren Symptomen zwar den Aus¬
fallserscheinungen nach Kastration gleichen, im Gegensatz zu
diesen aber hauptsächlich ältere Frauen treffen und im allge¬
meinen erheblich gelinder verlaufen. Ihre Entstehung beruht
nicht auf atrophischen Veränderungen der Ovarien, sondern
ausschliesslich auf dem Ausfall des Uterus selbst. Man sollte
sie daher als „uterine“ Ausfallserscheinungen bezeichnen.
Ueber die Schutzarbeit im Bauchraume und Ober die
funktionelle Behandlung Laparotomierter.*)
Von Professor Oskar Witzei in Düsseldorf.
In den Anschauungen über die Aseptik im Bauchraume hat
sich in der letzten Zeit ein Wandel vollzogen, der für die
Sicherheit und den Erfolg des operativen Vorgehens von
grösster Bedeutung geworden ist. Ein Eingriff mit Eröffnung
der Bauchhöhle erscheint nicht mehr, wie früher, als etwas an
sich mit besonderer Gefahr verbundenes, er ist im Gegenteil
ein Unternehmen, für dessen glücklichen Ausgang sich ganz
besonders günstige Verhältnisse bieten. Freilich müssen wir
die letzteren kennen und sie zum Zwecke der Heilung zu nützen
wissen.
In dem Cavum peritonei erblicken wir nicht mehr den
grossen unheimlichen Sack, zur Brutstätte für feindliche Mikro-
*) Vortrag, gehalten zu Utrecht in der gemeinsamen Sitzung
der Vereinigungen der holländischen und der niederrheinisch-west¬
fälischen Chirurgen.
Organismen ebenso geeignet wie für schnelle Verbreitung in¬
fektiöser Produkte. Wir sehen im Bauchrauine den
Ort für eine ausgezeichnete Schutzarbeit. —
Als Teil des inneren Schutzgewebssystems, des Lymph-
apparates, leistet das Peritoneum, von der Peristaltik der ein¬
geschlossenen Organe wesentlich unterstützt, wie wir immer
mehr erkennen konnten, ganz Hervorragendes. Seine grosse
Duplikatur, das Netz, das früher als ein Aergemis dem
Chirurgen erschien, durch Prolaps die Technik störend, durch
Verwachsung schmerzhafte und gefährliche Zustände herbei¬
führend, in ihm sehen wir jetzt den treuen Ekkehard des
Bauchraumes, der jederzeit und überall eintritt, wo es Not tut:
als Blutregulator, als flacher mächtiger Aufsaugschwamm, als
„Schutzmann“ — policeman — besten Sinnes. Man ist ihm
gerecht worden im Urteil und in der Behandlung. Das Omen¬
tum wird nicht mehr als Störenfried schlecht, sondern fein
säuberlich behandelt.
Wenn wir als zwiefache Aufgabe der heiligen Hermandad
einerseits die Einschränkung der Revolten ansehen und an¬
dererseits das Unschädlichmachen und Abführen der Schäd¬
linge, dann wird Entsprechendes vom Bauchfell in bester
Weise geleistet.
Die Abschlussarbeit, welche zu schützenden Ver¬
klebungen und Verwachsungen führt, ist längst bekannt und
geschätzt, sowohl bei spontaner Perforation der Bauch-, und
Organwandungen, als auch bei den Durchtrennungen, wie sie
traumatisch zufällig und gewollt operativ geschehen. Wir
haben erkannt, wie fast zielsuchend das Netz sich schützend
dahin legt, wo ganz besonders Gefahr droht. — Mit Aetzungert
vor Eröffnung des parietalen Bauchfelles, mit fixierender Naht
durch letzteres hindurch oder nach ausgeführtem Bauchschnitt
ist künstlich der Schutz der Adhäsionen chirurgisch utilisiert
worden.
Die Säuberungsarbeit geschieht durch den Lymph-
ström, welcher anhaltend durch den grossen Lymphspalt sich
ergiesst. Er bewirkt eine Selbstausspülung auf physiologischer
Bahn bei geschlossenem Cavum abdominis, vom Blute
kommend aus dem Bauchraume Noxen mitnehmend und sie in
das Blut und die allgemeine Säftemasse fortführend. Dort
werden sie unschädlich gemacht, — oder es wirkt die Summe
des Toxischen vernichtend auf den Gesamtorganismus. —
Wir dürfen der Säuberung durch den physiologischen Strom
in weitgehender Weise vertrauen und wissen, dass ein gut
unterstützter Körper beim Unschädlichmachen des ihm zuge¬
führten viel leisten kann.
Halten wir eine Oeffnung der Bauchwan¬
dung durch ein Drainrohr oder durch Tam¬
ponade klaffend, dann ergiesst sich der peri¬
toneale Lymphstrom zum kleinen oder grös¬
seren Teile nach aussen. Naturgemäss ist es der
Teil, welcher allein oder am meisten schädliche Beimischung
führt. Nur wenig von letzterer fällt, in die allgemeine Säfte¬
masse auf dem physiologischen Wege gelangend, dort der Ver¬
arbeitung anheim. — Zweck der Drainage oder Tamponade ist
eine möglichst vollkommene Ablenkung des Schädlichen nach
aussen. Dass diese Elimination nur unter Verlust wertvoller
Flüssigkeit möglich ist, muss wohl beachtet und der Ersatz in
Rechnung gezogen werden. Dem Uebermass dieses Verlustes
tritt allerdings die Abschlussarbeit mit Bildung einer Barriere
entgegen, und dies in gut zweckerfüllender Weise dann, wenn
ein gewisser niederer Grad der Infektiosität erreicht und eine
stärkere Spülung nicht mehr von Nöten ist.
Für gute Leistung der Schutzarbeit des
Peritoneums ist eine gute Vitalität desselben
Voraussetzung. Mit dieser Erkenntnis ist die Vorsicht
und Umsicht bei der Behandlung desselben während der Ein¬
griffe gewachsen. — Früher ist das Bauchfell geradezu miss¬
handelt worden. Man denke an den mechanischen Insult der
vielfach unzweckmässigen und zwecklosen Manipulationen, an
die Abkühlung und Eintrocknung durch Eventeration, an die
wenn auch nur oberflächliche, so doch die Funktion auf grosse
Ausdehnung hin aufhebende, Aetzung durch Antiseptika. Es
wurde geradezu eine breite,' wunde, nekrotische Fläche ge¬
schaffen, die als Boden für die Infektion bestgeeignet war. —
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 6
Zwar sind wir auch heute nicht in der Lage, ohne Beschädigung
der Serosa an den Abdominalorganen zu arbeiten, aber zweck¬
bewusst streben wir ein Minimum der Noxen in
Extensität und Intensität an, indem wir den
Angriff auf einen möglichst kleinen Teil be¬
schränken, an diesem zart, feucht und warm
arbeiten, und die Einwirkung chemisch dif¬
ferenter Stoffe vermeiden.
Ist hierzu der gepriesene „kleine Bauchschnitt“
geeignet? Ganz gewiss nicht, sofern er die eben genannte
Art des Arbeitens stört, und bei schlechter Orientierung zum
Wühlen in der Tiefe, zum Herausziehen und Hineinstopfen
nicht gewünschter Teile, zu schlechter, unsicherer Ver¬
sorgung derselben, zu mechanischer Beleidigung der Bauch¬
wunde selbst führt. — Es wird niemand den Schnitt ohne
Zweck grösser als erforderlich machen. Wir betonen nach¬
drücklich den Grundsatz, dass der Schnitt so klein zu
machen sei, als dies erlaubt ist, und fügen ebenfalls
mit Nachdruck hinzu, dass die Beschränkung der
Schnittlänge in erster Linie ermöglicht wer¬
den soll durch eine gute Diagnose. — Die Dia¬
gnose führen wir mit allen Mitteln internmedizinischer und
chirurgischer Untersuchung soweit als irgendmöglich. Dann
wird entsprechend Ort und Art des Schnittes gewählt. Bei
eröffnetem Bauchraume wird in schonender aber sicherer
Weise die Orientierung weitergeführt. Es ist unter allen Um¬
ständen richtig und wichtig, für einen glatten weiteren Verlauf
des Eingriffes, den Schnitt so gross zu machen, dass durch
diese erste Feststellung vollste Klarheit über die Art und den
Umfang des Vorzunehmenden entsteht. Die Indikation
muss jetzt eine definitive werden.
Denn nunmehr nehmen wir das vor, was ich kurz als
Bipartitio cavi abdominis bezeichnet habe: Wir
teilen die Bauchhöhle ein in einen, meist überwiegend
grossen Teil, der auf Grund unserer diagnostischen Fest¬
stellungen nicht mehr berührt zu werden braucht. Sein Ab¬
schluss geschieht so, dass nichts vorfallen kann, um mechanisch
lädiert, infiziert oder sonstwie insultiert zurückgestopft werden
zu müssen, — und einen kleineren Teil, in dem am vor¬
gelagerten, — ekperitonealisierten, — selbstredend
in schonender Weise gearbeitet wird.
Die Schaffung der E x p o s i t u r mit Anwendung warmer,
in Kochsalzlösung ausgedrückter Kompressen ist eine Aufgabe,
welche bei gewissenhaftem Vorgehen schneller und leichter
erlernt und beherrscht wird, als es beim ersten Zusehen den
Anschein hat. Die Sicherheit aber, welche bei durchdachter,
planmässiger Blosslegung des zu bearbeitenden Teiles für das
weitere Vorgehen ersteht, lässt die verwendete Zeit im
weiteren, auch ohne jedes Hasten, reichlich einbringen.
innere Abschluss¬
kompresse
äussere Abschluss¬
kompresse
Wechselkompressc
Wir nehmen die Bipartitio cavi abdominis vor (Fig. l) mit
einer oder mit mehreren entsprechend gestalteten feuchtwarmen
Kompressen, die wir als innere Abschlusskom¬
pressen (i) ganz einführen. — Bei tunlichst in die Höhe ge¬
zogenem Rande des Bauchschnittes wird derselbe flach weit¬
hin geschoben, zwischen der Bauchwand und den Kontentis,
deren Prolaps gehindert werden soll. Die letzt freibleibenden
Ränder werden um das, mit einer Kompresse oder sonst¬
wie gefasste und angezogene, zu j „Ekperitonealisierende“
herum in die Tiefe gedrängt und bilden eine allseitige Scheide¬
wand gegen den nicht mehr zu berührenden Bauchinhalt. —
Die aus einem, event. gespaltenen, oder aus mehreren Stücken
hergestellte „innere Abschlusskompresse“ verschwindet also
in abdomine, wie ein grosser ausgebreiteter Kragen, durch
dessen Oeffnung die Teile gezogen werden, an denen operiert
werden soll. Der flache Teil des Kompressekragens haftet
von selber, und umso besser, je weiter er unter den Bauch¬
decken hingeführt wurde. Der einwärts umgeschlagene und
um das zu exponierende — ohne Schnürung — angeordnete
Halsteil bedarf nur ausnahmsweise der Fixierung durch einige
Klemmen, denn er wird in seiner Lagerung erhalten durch
die „äussere Abschlusskompresse“ (a). Eben¬
falls eine Art flachen Kragens bildend, bedeckt diese aussen
die Bauchoberfläche, schützt dann, um die Ränder der Bauch¬
wunde geführt, dieselben vor den Insulten der Berührung, vor
Eintrocknung, Abkühlung und vor Infektion und gelangt, in die
Tiefe geführt, allseitig an den herausgehobenen Teil, an dem
sie ringsum mit nicht zu tief fassenden Klemmen bei stetigem
anhebendem Zuge befestigt wird. — Vom übrigen Bauchraume
sicher abgeschlossen, gestützt, gehoben von feuchtwarmen
Kompressen liegt jetzt ekperitonealisiert — d. h. von dem
Hauptteil des Cavum peritonei abgeschlossen — im Bereiche
der Bauchwunde, noch vertieft oder frei, der Teil der Bauch-
eingeweide, an dem operiert werden soll. Er braucht nicht
mit der Hand, nicht mit Instrumenten gehalten zu werden. -
Einfache oder verschieden gespaltene, gelochte Wechsel-
kompressen (w) kommen des weiteren in Gebrauch
während der Ausführung der Operation.
Es handelt sich bei dem Geschilderten um etwas mehr als
ein „sicheres Abstopfen“, das ja überall bei Bauchschnitten in
Anwendung gezogen wird. — Wie die Technik der einzelnen
Operationen, so haben wir auch die jeweilig beste Art dieser
mechanischen Aseptik so ausgebildet, dass die Bipartitio jedes¬
mal eine vollkommene und sichere ist, bevor auch nur die Ge¬
fahr einer Infektion von einem in der Expositur eröffneten
Hohlraume eintritt. Es ergibt sich von selbst, dass wir bei
Abszessen, bei Kotfisteln u. dergl. nach entsprechend in der
Nachbarschaft weit geöffnetem freien Peritoneum erst für den
Abschluss mit der inneren Kompresse und möglichst auch mit
der äusseren Kompresse sorgen, bevor wir unter dem Schutze
dieses Abschlusses an dem Ekperitonealisierten weiter Vor¬
gehen.
Die Schemata zeigen die erforderliche Anordnung bei der
Appendizektomie (Fig. 1), bei einer Operation im Becken
Fig. 2 . Operation im Becken.
i innere Absehlusskompressc, a äussere Absclilusskompresse.
w Wechselkompresse.
(Fig. 2), bei der Gastroenterostomose (Fig. 3) und bei der
Cholezystektomie (Fig. 4). Die letztere äst noch in einem
Photogramm wiedergegeben, welches nach Beendigung der
Herauslagerung und Fixierung der Leber und Gallenblase durch
die Kompresse aufgenommen wurde: bis zum Duodenum hinab
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
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9. Februar 1909.
frei zugängig liegt die Gallenblase jnit den grossen Gallen¬
gängen vor (Fig. 5).
Es darf wohl hervorgehoben werden, dass mit den ein¬
fachsten, überall vorhandenen Mitteln gearbeitet wird. — Dass
die Durchführung des Verfahrens durchaus nicht schwierig, bei
einiger Uebung sogar eine leichte ist, davon wird man sich
durch den Versuch überzeugen. — Eine wirklich angenehme
Ueberraschung wird dabei noch die Sicherheit bringen, mit der
in mechanisch schonendster Weise an den in der Expositur
fixierten Teilen manipuliert werden kann. — Unvergleichlich ist
die Beruhigung, mit der man auf Sauberkeit und ungestörte
Funktionstüchtigkeit des übrigen Bauchfelles rechnen kann.
/
Fig. 4.- Cholezystektomie.
Für den Teil unserer Arbeit, welcher nach Erledigung des
in der Expositur zu geschehenden beginnt, für die „Nach-
behandlun g“, haben wir danach zu streben, dass sie eine
,.funktionelle“ sei in dem Sinne, dass die
physiologischen Funktionen der Gewebe, so¬
wie die der Organe in den Dienst einer guten
Heilung e i n g e s t e 11t werden. Hier haben, das Peri¬
toneum betreffend, auf Grund unserer vorher gegebenen Auf¬
fassung folgende Erwägungen Platz zu greifen.
Bei den Hantierungen in der Expositur, mögen dieselben
auch noch so umsichtig und geschickt im Sinne eines „zarten-
feuchten-warmen“ Arbeitens geschehen, wird das Peritoneum
stets geschädigt und dadurch für den weiteren Verlauf geradezu
hilfsbedürftig. Der helfende Ausgleich muss von dem grossen,
nicht berührten Teile kommen, gegeben durch die physio¬
logische Funktion desselben, die Durchströmung.
Und wir rechnen nicht nur damit, dass diese Durchströmung
in gewöhnlicher Grösse sich vollziehen, wir halten zur Leistung
des helfenden Ausgleichs eine Erhöhung derselben unter allen
Umständen für angebracht und gut. Vermehrung der Flüssig¬
keitszufuhr, besonders auch durch subkutane Infusion von
Kochsalzlösung, Steigerung der Herzaktion, Anregung der Peri¬
staltik sind die Mittel dazu. — Von der Art des Eingriffes an dem
Ekperitonealisierten, von dem Zustande, in. dem wir die Teile
in das Abdomen zurückbringen, hängt es aber ab, wie wir den
Heilfaktor der Durchströmung benutzen, ob wir insbesondere
ihn zum kleinen oder grösseren Teile nach aussen ablenken
oder nicht, ob wir drainieren, tamponieren oder die Bauch¬
wunde vollkommen schliessen.
Die vollständige Schliessung des Bauch¬
raumes ergibt sich als selbstverständlich da, wo eine In¬
fektion an dem operierten Teile überhaupt ausgeschlossen war.
Mit gut unterbundenen Gefässen und mit möglichster Vermei¬
dung von Defekten des Bauchfellüberzuges werden dieselben,
tunlichst zwischen die anderen Intestina, versenkt, wo es an¬
geht, zwischen bewegliche, gesunde Darmschlingen: „glatt an
glatt“ oder auch „wund an glatt“. — Vom Blute zum Blute hin
zieht der Strom durch den grossen Lymphspalt. Zum Teil
schon in ihm selber, des weiteren in der gesamten Säftemasse
werden die Noxen unschädlich, die wir von keiner Wunde fern
halten können, die also auch hier nicht fernzuhalten waren. —
Im Gegensatz zu der ungemein grossen Furcht auch vor der
geringsten operativen Infektion, welche früher herrschte,
wissen wir heute, dass die natürliche Schutzarbeit gerade im
Bauchraume eine sehr energische und sichere ist, und dass
man ihr, wo ärztliches Können versagen musste, noch recht
viel Zutrauen durfte.
Fig. 5. Leberrand aus der Bauchwunde herausgekippt, durch die
innere und äussere Abschlusskompresse sicher ekperitonealisiert
gehalten, Gallenblase in geschlitzter Wechselkompresse zur sub¬
peritonealen Ausschälung fertig (Anordnung der Narkose mit extremer
Kopfreklination, pulsfühlende Hand für die Photographie entblösst).
Die Möglichkeit einer teil weisen Strom¬
ablenkung enthebt uns aber dieser Notwendigkeit fast für
alle zweifelhaften Fälle. — Mit der Gefahr des „toten Raumes“,
welcher entsteht, wenn „wund gegen wund“ liegt und ein Ab¬
schluss zustande kommt durch Verklebungen, sind wir seit
Mikulicz bekannt geworden. — Wenn sicher oder mit
grösster Wahrscheinlichkeit nach der Versenkung operativ
lädierter Teile „wund an wund“ kommen muss, dann halten
wir es für gewagt, die Bauchwunde völlig zu schliessen und
der physiologischen Wegschwemmung zu vertrauen, besonders
dann, wenn ein, das Mass des in aseptischer Wunde Unver¬
meidlichen, überschreitender Grad der Infektion angenommen
werden muss. — Indes für die breite Sacktamponade mit ihren
unerfreulichen Folgen, der inneren Verwachsung und des
Bauchnarbenbruches, besteht meist nicht die Notwendigkeit. —
Bei ungestörtem Hauptstrome lenken wir einen Teilstrom aus
der Nachbarschaft des Reponierten durch die nur teilweise offen
gelassene Wunde nach aussen. — Es gilt in diesem Teilstrom
das Sekret aufzunehmen, das innen an der wunden Stelle sich
bildet, und dasselbe sicher hinauszubringen durch den Bauch¬
wandspalt. — Zur Aufnahme genügt ein Streifen gut saugender
Gaze, der in der Gegend der wunden Partie innen ausgebreitet
ist, jedoch ohne Berührung einer etwaigen Nahtstelle, da er
sonst mit den Fäden verfilzt und die Naht beim Herausziehen
gefährdet. — Die Hinausleitung der Flüssigkeit gelingt nicht
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 6
sicher, wenn man den Streifen einfach zur Wunde hinausführt.
Er wird hier sehr leicht zusammengedrückt, abgeklemmt. Wir
haben ihn deshalb mit einem entsprechend dicken und langen
Koch ersehen Qlasdrainrohr kombiniert zu einem „Fahnen¬
tampon“. In dem herausgeleiteten Teil des Qazestreifens
ist das starre Rohr eingewickelt und so die Drainage gesichert.
Es fliesst heraus das eigentliche Wundsekret, gefördert durch
einen abgelenkten Teil des physiologischen Stromes. — Nach
3—4 Tagen ist der Abschluss gegen den übrigen Bauchraum
erfolgt. Mit Vorsicht kann das Qlasrohr herausgezogen, nach
einigen weiteren Tagen der Qazestreifen herausgedreht, um
event. für kurze Zeit im Bereiche der Bauchwandung durch
ein dünnes Qlasdrain ersetzt zu werden. — Die Gefahr der
Entstehung eines Bauchbruches ist nicht vorhanden. Das ist
noch ein ganz besonderer Vorzug dieser Art zu drainieren.
Zu einer Selbstausspülung, Autoirrigation,
wird die Ablenkung des Stromes, wenn sie
mehr oder weniger total geschieht, durch die
breite Tamponade, wie sie zuerst Mikulicz mit
seinem Sacktampon auszuführen zeigte. — Wir haben bei An¬
wendung des allgemein gebräuchlichen, an sich vorzüglichen
Verfahrens wiederholt einige Missstände gesehen, die uns zu
einer Abänderung führten. Der Zweck, bei drohender Ver¬
breitung schwer infektiöser Prozesse durch den ganzen Bauch-
raum hindurch den Strom auch von dem nicht e*griffenen Teil
nach aussen zu lenken, oder nach operativer Entleerung eines
bereits überall verbreiteten Ergusses die Selbstausschwem¬
mung herbeizuführen, kann nur erreicht werden, wenn innen
der Sack mit seinen Buchten weithin nach verschiedenen Seiten
geführt wird. Dazu gehört aber eine grosse Masse, die es
nötig macht, die äussere Bauchöffnung sehr breit aufzulassen.
Näht man zu, nur einen kleinen Teil offen lassend, dann kommt
es zu einem festen Druck auf den Halsteil und der Tampon
wirkt nicht mehr ableitend, sondern direkt verstopfend. —
So haben wir denn, um letzteres zu vermeiden, zuerst ein
dickes kurzes Glasrohr in den Halsteil des Tampons eingeführt;
dann mehrere, die innen nach verschiedenen Richtungen lagen.
Jetzt legen wir drei und mehr dicke Glasröhren, die in dicke,
gleich dem Stiele vielfach durchlochte Kugeln auslaufen, an
Stelle des Gazefüllsels in die Buchten des Sackes hinein. Nur
im Halsteil kommt zwischen die sich hier kreuzenden Röhren
etwas Gaze. — Bis zu ziemlich dichter Umfassung des Sack¬
halses kann die Bauchwunde durch Naht geschlossen werden.
In einer unmittelbar folgenden, in dieser Wochenschrift
erscheinenden Arbeit meines Oberarztes P. Janssen
wird in eingehender Weise die Anwendung des Vorstehenden
auf die lokale und diffuse Peritonitis geschildert werden.
Die Frau, von der wir in Abbild. 5 in Kompressenschutz nur die
zur Exstirpation fertig vorgelagerte Gallenblase sehen, wurde vor¬
gestellt und photographiert am ersten Tage nach der Operation im
Sessel sitzend, Spinat mit Ei essend; am 7. Tage angekleidet, stehend
nach Herausnahme der Hautnähte die geheilte Wunde zeigend. Ent¬
sprechend wurden nach Gastrostomosen, Gastroenterostomosen in
Bildern Etappen fixiert, welche bezeichnend erscheinen für unsere
„funktionelle“ Weiterbehandlung.
An anderer Stelle, in der Festschrift zu „v. Bergmanns
70. Geburtstag“ 19060 habe ich in der Arbeit über die post¬
operative Thromboembolie die Grundsätze der
funktionellen Behandlung dargetan, zu denen wir im Laufe von
über 15 Jahren gekommen sind, unser gesamtes Handeln vor,
während und nach einer Operation aufeinander abstimmend,
um bestmöglich die durch den Eingriff gebrachte Gefährdung
abzuwehren mit Nützung der natürlichen Schutzkräfte des Kör¬
pers.
Es gibt keinen Eingriff, der nicht, wenigstens örtlich, eine
Schädigung brächte. Gewöhnlich erstreckt sich letztere auch
auf die Nachbarschaft und, fernwirkend, auf den Gesamtkörper.
Die Sorge des Arztes, keinen weiteren Schaden hinzukommen
zu lassen, begegnete sich früher mit den Wünschen des vor
Schmerz bangenden Kranken, in der Anschauung, dass nach
Operationen örtliche und allgemeine Ruhe erstes Erfordernis
sei. Funktionelle Ausschaltung des operierten Organes, so
z. B. des genähten Magens, Ruhe des ganzen Abdomens, des
*) Veröffentlicht auch in Bd. 85 der D. Zeitschr. f. Chir.
ganzen Körpers erschien bis vor kurzem unerlässliche Be¬
dingung für weiteren glücklichen Verlauf
Von einer Erörterung der Prophylaxe der Thromboembolie
ausgehend, habe ich 1. c. das Falsche, ja Gefährliche dieser alt¬
hergebrachten Anschauung dargetan und gefordert: „mi t dem
alten Satze: Optimum remedium quies est, zu
brechen. Fort mit der erzwungenen Ruhe des
Körpers und möglichst fort mit der künst¬
lichen Ruhigste 11 un g des verletzten Teiles
nach Operationen. Die Vollfunktion der Or¬
gane ungestört gleich nach dem Erwachen aus
der Narkose zu ermöglichen und sich voll¬
ziehen zu lassen, muss der Zweck der abge¬
änderten Nachbehandlung sein.“
Auf die Gründe zu dieser, im Laufe der Jahre für Ope¬
rationen aller Regionen und für Verletzungen ausgebildeten
Art der Behandlung hier näher einzugehen, erübrigt sich um¬
somehr, als auch von anderen Chirurgen (so besonders von
amerikanischen, Bo 1 d t, und bei uns von Kümmel 1), und von
Gynäkologen für das Verfahren eingetreten wird, als sich be¬
sonders die Klinik von F r i t s c h mit uns in erfreuliche Ueber-
einstimmung sowohl bezüglich der theoretischen Auffassung
als auch der von mir am Schlüsse der zitierten Arbeit emp¬
fohlenen therapeutischen Massnahmen gestellt hat. Seitens
der Bonner gynäkologischen Klinik ist eine Sammelforschung
im Gange, von der wir für das neue Verfahren der funktioneilen
Weiterbehandlung Operierter Gewinn erwarten dürfen.’)
Nur eins bedarf indes besonderer Hervorhebung. Vielfach
gehen die Besprechungen unter der Bezeichnung: Ueber das
„Frühaufstehen nach Laparotomien“ u. dergl. — Wenn das
Frühaufstehenlassen das Wesentliche unserer Neuerung sein
soll, dann raten wir sie lieber bleiben zu lassen! Die funk¬
tionelle Behandlung muss sein ein ganzes
System des Handelns, welches die Vorberei¬
tung zur Operation, unsere Leistungen wäh¬
rend derselben — besonders die grosse Trias
des Wundschutzes, deroperativenHantierung
und der Schmerzverhütung — und bis zum
Schluss die weiteren Massnahmen aufein¬
ander abstimmt zu dem Zwecke, die örtliche,
nachbarliche, entfernte Funktion als Fak¬
toreneinerguten, schnellen und doch sicheren
Heilung zu gewinnen.
Der normale Ablauf der örtlichen und allgemeineren Funk¬
tion wohl auch eine Steigerung derselben dient zur Abwehr der
Gefährdung, welche durch Operationen und Verletzungen ver¬
anlasst wird. Deshalb stellen wir für alle Operationen, bei
denen Zeit dafür ist, die allgemeine und örtliche Widerstands¬
fähigkeit so hoch als möglich, und setzen bei plötzlich an uns
herantretenden operativen Aufgaben das etwaige Minus der¬
selben in die Rechnung prognostisch und i nid ikato risch ein.
— Durch die Art des Wundschutzes, zumal des mechanischen,
wie er vorher für den Bauchraum geschildert wurde, durch
Blutsparung, durch zartes Hantieren an den Teilen und durch
eine so schonend als irgend möglich herbeigeführte Schmerz¬
verhütung, halten wir die Widerstands- und die Funktions¬
fähigkeit so hoch als möglich. Vielfach ist die technische Be¬
handlung der Teile eine ganz andere geworden und insbe¬
sondere ist die Art der Wiedervereinigung gepflegt worden mit
Hinsicht auf die sofortige oder doch baldige Wiedereinstellung
in Funktion.
Es wurde oben dargetan, wie wir uns für die Benutzung
des Lymphstromes nach Bauchschnitten von der Auffassung
leiten lassen müssen, dass die Durchströmung eine Funktion
und zwar die örtliche ist, die in den Dienst der Heilung gestellt
werden muss.
Was muss zur funktionellen Behandlung noch weiter
geschehen?
Die Entscheidung über das Utilisieren des Lymphstromes
ist gleich massgebend auch für die Art der Versorgung
a ) Vergl. Zur helle: Thrombose und Embolie nach gynäko¬
logischen Operationen, und meine sowie S e 11 h e i m s Bemerkungen
in der Diskussion. Monatsschr. f. Geburtsh. u. Gynäkol., Bd. 27
u. 28.
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0. Februar 1009.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
273
der Bauchwunde. Mag die letztere ganz oder nur zum
Teil geschlossen werden, die Vereinigung hat, wie auch
K ü m m e 11 verlangt, so sicher zu geschehen, dass dieselbe
jeder physiologischen funktionellen Aufgabe gewachsen ist.
Aus der Bauchnaht ist bei uns ein wichtiger Akt geworden,
den wir als „Laparoplastik“ bezeichnen. Sie soll in der Vor¬
sicht der Durchführung nicht nur Prophylaxe gegen Narben¬
brüche bringen, sondern ein wichtiges Glied in der Kette der
Massnahmen funktioneller Behandlung bilden.
Was fernerhin im Sinne der letzteren nach Laparotomien
zu geschehen hat, ist unter Umständen, so bei der Perforations¬
peritonitis die Hauptsache, bald, nach aseptischen Eingriffen,
nur relativ wenig.
Reichlichste Erfahrung der Chirurgie hat gelehrt, dass ein
Fall von Gallenblasenexstirpation, bei dem nach guter Ver¬
sorgung des Stumpfes ein Gazestreifen von der wunden Nische
nach aussen geleitet wurde, ohne weitere besondere Mass¬
nahme zur Heilung kam in 3—4 Wochen, von denen der
grösste Teil im Bette zugebracht wurde. Wir kennen aber
auch ebenso die akute Magendilatation, welche als nachbarliche
Störung gelegentlich bedrohlichst auftritt, die Tympanie des
künstlich ruhig gestellten Abdomens, die im Zusammenwirken
mit anderen Schädigungen, so solchen des Lungenkreislaufes,
das Herz zur Erschöpfung bringen kann. Diese Störungen
vermeiden wir durch funktionelle Behandlung.
Wir regen die Funktion der Bauchorgane
in Sonderheit die Peristaltik an durch die
Nahrungszufuhr, besonders auch durch Zufuhr von
Flüssigkeit, um für die Durchströmung das Blut
wasserreich zu machen. Wir wenden ferner an eine syste¬
matische Wärmeapplikation.
Es ist wirklich erfreulich, mit welcher Sicherheit und zu
welcher Behaglichkeit für den Kranken die Gasauftreibung des
Magendarmkanals zu vermeiden ist, wenn schon einige Stunden
nach der Laparotomie das elektrischeTeilbad über das
leicht zugedeckte Abdomen für 20—30 Minuten gestellt, und
diese Massnahme in Pausen von 3—4 Stunden wiederholt
wird, während inzwischen grosse heisse Umschäge auf¬
gelegt werden. Es führt zugleich die Wärmeanwendung eine
grosse Minderung des Wundschmerzes mit sich,
sofern sie ihn nicht ganz aufhebt. — Die schon vor den
Operationen erlernten und systematisch geübten tiefen At¬
mungen, die für das Abdomen ebenso wichtig sind als sie ein
Erfordernis darstellen zur Verhütung der progressiven Throm¬
bose, für die Vermeidung vonLungen- und Herzstörung, werden
event. auch ohne Darreichungen von kleinen Dosen Morphium
(20 mal in der halben Stunde nach der Uhr, wie unsere strenge
Vorschrift lautet) willig ausgeführt.
Für denjenigen Chirurgen, der bedacht ist als ganzer Arzt
zu handeln — und nur ein solcher mag sich mit der funktionellen
Behandlung versuchen — ergeben sich etwaige weitere Er¬
fordernisse von selbst — insbesondere die Anordnung zum
Aufsitzen im Sessel, zum Aufsein und Umher¬
gehen, aber auch — die Zügelung verfrühter Auf¬
stehgelüste des Kranken. — Wenn Seilheim berichtet,
dass in Schanghai aus einem Hospital die operierten Chinesen,
sobald sie aus der Narkose erwachten, davonzulaufen pflegten,
so können wir wohl annehmen, dass ihnen dies gewöhnlich
gut bekommen mag. Ich habe aber schon früher betont, und
Z u r h e 11 e hat sich mir angeschlossen, dass die Entscheidung
über die Zweckmässigkeit und voraussichtliche Bekömmlich¬
keit des „Frühaufstehenlassens“ Sache einer sorgfältigen Er¬
wägung des Arztes in jedem einzelnen Falle bleiben muss. —
Die Vorteile des Aufseins, d. h. der hiermit verbundenen funk¬
tioneilen Leistungen, lassen sich unter Umständen auch auf
anderem und, in besonderen Fällen vielleicht besserem, Wege
erreichen durch Massage, aktive und passive Bewegungen,
Umlagerungen in Kombination mit guter Atemgymnastik und
Darreichung von inneren Mitteln. — Das Aufstehen in den
ersten Tagen ist nicht ein Ziel an sich, sondern nur ein Zeichen,
das im Laufe der neueren Behandlung Laparotomierter, wie
Operierter und Verletzter überhaupt, besonders sprechend zur
Geltung kommt.
No. 6.
Aus der Kgl. Universitäts-Frauenklinik in Marburg a/L.
(Direktor: Prof. Dr. W. Stoeckel).
Zum Frühaufstehen der Wöchnerinnen.
Von Dr. Karl Mayer, Assistent der Klinik.
Auf der VIII. Versammlung der Deutschen Gesellschaft für
Gynäkologie machte K ü s t n e r den Vorschlag, die Wöchne¬
rinnen früher als bisher üblich, aufstehen zu lassen. Diese
Anregungen wurden von Olshausen unter dem Beifall der
Versammlung scharf zurückgewiesen und es blieb dabei, dass
eine mindestens 10 tägige Bettruhe für die Wöchnerin für not¬
wendig erachtet wurde, weil man nur von vollständiger Körper¬
ruhe eine normale Rückbildung der durch die Schwangerschaft
und Geburt gedehnten Muskeln und Weichteile erhoffte. Erst
als in den letzten Jahren auf allen Gebieten der Medizin die
Mechanotherapie sich immer mehr einbürgerte, und man er¬
kannte, dass nicht allein die Ruhe, sondern in gleichem Masse
zweckentsprechende Uebung ein geschädigtes Organ in seiner
Funktion wiederherstellte, lag es nahe, diese Erfahrungen auch
bei Nachbehandlung Entbundener und Operierter zu verwerten.
K r ö n i g *) nahm die K ü s t n e r sehen Vorschläge wieder
auf und auf Grund seiner günstigen Resultate wurden auch an
anderen Kliniken Versuche mit dem Frühaufstehen gemacht,
mit dem Ergebnis, dass es nicht beim Versuch blieb, sondern
Prinzip wurde, bald nach der Geburt die Wöchnerinnen ausser
Bett zu bringen.
Diese Kliniken waren die Kgl. Frauenklinik der Charite 3 )
in Berlin und die Kieler Klinik 3 ). Auf der diesjährigen Ver¬
sammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Köln stand
die Diskussion über die Frage des Frühaufstehens im Vorder¬
grund des Interesses und die Freunde des Frühaufstehens haben
sich seit dieser Zeit sicher nicht vermindert.
Auch an unserer Klinik ist seit Anfang 1908 mit dem alten
Prinzip der 9 tägigen Bettruhe, wie sie an der bisherigen
Ah lfe Id sehen Klinik üblich war, gebrochen worden, und
es soll in Kürze über unsere Erfahrungen, die sich auf
300 Fälle erstrecken, berichtet werden.
Ausgehend von der Tatsache, dass der durch die Geburts¬
arbeit stark angestrengte Körper fraglos zunächst einer be¬
stimmten Zeit der Ruhe bedarf, und dass nicht jede Frau in
gleich starker Weise durch Schwangerschaft und Geburt an¬
gegriffen wird, haben wir nicht in schematischer Weise die
Wöchnerinnen schon am 1. oder 2. Tag nach der Geburt zum
Aufstehen gezwungen. Als Fingerzeig für den Zeitpunkt des
Aufstehens galt uns das natürliche Gefühl der Wöchnerin, sich
vollständig von dem durch die Entbindung bedingten Schock
erholt zu haben. Wir stellten also unseren Wöchnerinnen voll¬
ständig anheim, entweder liegen zu bleiben, oder aufzustehen
schon vom ersten Tage nach der Geburt ab, und da haben wir
die Erfahrung gemacht, dass die Frauen gar keine Lust zeigten,
schon am 1. oder 2. Tag post partum aufzustehen. Und zwar
waren es gerade die Frauen der arbeitenden Stände, die bis
zum Tage der Entbindung schwere körperliche Arbeit ver¬
richtet hatten, die froh waren, einige Tage Bettruhe geniessen
zu dürfen. Machten wir solchen Frauen am Tage nach der
Entbindung den Vorschlag, aufzustehen, so baten sie zum Teil
direkt darum, doch im Bett bleiben zu dürfen. Ebenso äusser-
ten Privatpatienten nie am 1. oder 2. Tag nach der Geburt
Verlangen, aufzustehen. Die Wöchnerinnen hatten also noch
das Bedürfnis nach Ruhe und erst vom 4. Tage an durch¬
schnittlich fühlten sie sich so wohl, dass sie aufzustehen
wünschten.
Wenn wir also von Frühaufstehen der Wöchnerinnen
reden, so verstehen wir darunter nicht schon das Ausserbett-
bringen am Tage post partum, sondern Aufgabe der Bettruhe
vom 4. Tage ab oder einige Tage später.
Unsere Statistik lässt sich demnach folgendermassen ein¬
teilen.
4 ) Krönig: Uebung und Schonung in der Geburtshilfe und
Gynäkologie. D. med. Wochenschr. 1907, No. 38.
9 ) Martin: Zur Bettruhe im Wochenbett. Monatsschr. f. Ge-
burtsh. u. Gynäkol., XXVII, 2.
*) v. Alvensleben: Das Aufstehen der Wöchnerinnen in den
ersten Tagen des Wochenbettes. Zentralbl. f. Gynäkol. 1908, No. 36.
2
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274
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 6.
Es standen auf:
Am 3. Tage 4 Wöchnerinnen
, 4. * 40
, 5. „ 137
„ 6. * 84
» 7. „ 35
Davon waren 153 Erstgebärende und 147 Mehrgebärende.
Wir halten auch den Gewinn von nur 2—3 Tagen früheren
Aufstehens, als es bisher vorgeschrieben war, schon deswegen
für einen Vorteil, weil die Frauen aus Platzmangel, was natür¬
lich nicht ausschlaggebend sein darf, öfters vorher entlassen
werden müssen, ehe sie sich einigermassen erholt haben. In
einer Anstalt, wie der unserigen, wo sehr viele Mädchen aus
den niederen Ständen Unterkunft finden, die möglichst früh für
sich selber und ihr Kind wieder sorgen müssen, ist es sehr
erwünscht, -wenn sie in einem einigermassen gekräftigten Zu¬
stand entlassen werden können, und das ist der Fall, wenn sie
mehrere und nicht wie bisher nur 1 Tag vor der Entlassung
ausser Bett waren.
In erster Linie werden wir uns nun fragen müssen, hat das
Abweichen von der bisherigen 10 tägigen Bettruhe augenblick¬
liche Gefahren oder spätere Nachteile für diie Wöchnerin im Ge¬
folge und sind die Einwände, die man gegen das Frühaufstehen
erhoben hat, berechtigt?
Als augenblickliche Gefahren und Nachteile hat man an¬
geführt:
1. Einfluss auf die Rückbildung und richtige Lage der Ge¬
schlechtsorgane,
2. Einfluss auf die Rückbildung der übrigen gedehnten
Weichteile (Bauchdecken, Beckenboden),
3. Entstehung von Thrombosen und Embolien,
4. Wirkung auf das Allgemeinbefinden (Puls, Temperatur),
d. h. auf die Morbidität überhaupt
Zu Punkt 1 „Rückbildung und Lage der Ge¬
schlechtsorgane“ wäre zu bemerken, dass auf Grund
unserer Erfahrungen bei den 300 Fällen in keinem
Falle eine ernste Störung eingetreten ist. Der Uterus
lag bei der Entlassung 288 mal in ausgesprochener Anteversio-
flexio, war gut zurückgebildet, faustgross, 1—2 Querfinger
die Symphyse überragend. In 12 Fällen lag der Uterus in
Retroversioflexio und war ebenfalls gut zurückgebildet. Wir
haben zum Vergleiche die Statistik vom Jahre 1907 heran¬
gezogen und fanden hier unter 416 Fällen den Uterus 393 mal
in Anteflexionsstellung, 15 mal in Mittelstellung und nur in
8 Fällen lag der Uterus retrovertiert-flektiert. Daraus geht
hervor, dass also bei den Frühaufgestandenen fast immer eine
ausgesprochene Anteflexions- oder Retroflexionsstellung des
Uterus vorhanden war, während eine Mittelstellung in keinem
Falle konstatiert werden konnte.
Die Lochien waren am 10. Tage bei der Entlassung in
39 Fällen mässig blutig tingiert. Diesen Befund haben wir
jedoch gerade so häufig bei Frauen, die eine 10 tägige Bett¬
ruhe einhielten. Eine schlechte Kontraktion des Uterusmuskels
scheint hiervon nicht die Ursache zu sein, denn wir beobachten
selten Subinvolutio uteri. Vielleicht lässt sich diese Blutung
als Effekt der Körperbewegung überhaupt auffassen.
In gleicher Weise haben wir in Bezug auf die Rückbildung
der gedehnten Bauchdecken keine Unregelmässigkeiten oder
Störungen gesehen. Ob das Entstehen von Hängebäuchen
durch Frühaufstehen beeinflusst wird, lässt sich nicht ent¬
scheiden, da unsere Beobachtungszeit noch viel zu kurz ist.
Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass der beste Schutz vor
Hängebäuchen in rationeller Ein^icklung des Leibes und
aktiver Uebung besteht und dass also durch zweckmässige
Binden bei nicht zu spät wieder aufgenommener Körper¬
bewegung diese Gefahr illusorisch gemacht wird. Eine solche
zweckmässige Binde aber, welche so gelegt sein soll, dass
sie gleichmässig elastisch gewickelt, auch die Insertions- und
Endpunkte der gedehnten Muskeln umfasst, ist sehr teuer und
nicht jede Wöchnerin kann sich eine solche anschaffen. So
beläuft sich der Preis der „Kaiserbinde 4 ), welche diese er¬
wähnten Vorzüge besitzt und von Prof. S t o e c k e 1 erprobt
und vielfach in der Privatpraxis angewendet wird, auf 12 Mk.
4 ) Zu haben im Baby-Bazar in Köln.
Fieberhaft gestört waren bei unsern 300 Frühauigestan-
denen- die Wochenbetten in 27 Fällen, d. i. eine Morbidität von
10,8 Proz. Dabei war 8mal nur eine einmalige Tem¬
peratursteigerung von über 38° zu konstatieren. Entweder
handelte es sich um Lochiometra oder es war kein objektiver
Krankheitsbefund festzustellen; 1 mal waren bei einer Früh¬
geburt im 7. Monat (marzeriertes Kind) Plazentarreste zurück¬
geblieben, welche am 1. Tage nach der Geburt entfernt wurden.
In weiteren 8 Fällen traten mastitische Reizerscheinungen auf,
zu deren Heilung in 7 Fällen die Anwendung der Bier sehen
Stauung genügte, während einmal mehrfach inzidiert werden
musste.
11 mal waren Temperatursteigerungen vorhanden, die mit
dem Aufstehen direkt in Zusammenhang gebracht werden
könnten. Darunter stieg einmal am Tage des Aufstehens
(5. Tag) die Temperatur unter Schüttelfrost auf 38,7". Eine
bestimmte Ursache für dieses Fieber konnte nicht gefunden
werden, da am nächsten Tage unter Bettruhe wieder normale
Verhältnisse eintraten.
In den übrigen 10 Fällen handelte es sich immer um
Temperatursteigerungen, die erst 2 oder 3 Tage nach dem
ersten Aufstehen auftraten. Mehrere Male verminderte sich
der Lochialfluss etwas und auf Ergotin trat in allen Fällen
wieder normale Temperatur ein, ohne dass Bettruhe nötig war.
Nur 1 mal trat bei einer Erstgebärenden, nachdem sie schon
4 Tage ausser Bett gewesen war, plötzlich Schüttelfrost unter
Temperaturanstieg auf 39,3° auf. Ein objektiver Krankheits¬
befund konnte nicht festgestellt werden. Allerdings wurden
in dem Scheidensekret der betreffenden Wöchnerin hämo¬
lytische Streptokokken gefunden. Am anderen Tage wurden
unter Bettruhe Puls und Temperatur wieder vollständig normal.
Bezüglich der Wirkung auf das Allgemeinbefinden wurde
festgestellt, dass das Aufstehen sehr häufig eine vermehrte
Pulsfrequenz von etwa 10 Schlägen in der Minute verursachte.
Einige Male wurde über geringen Schwindel geklagt, Ohn¬
machtsanfälle haben wir nicht beobachtet.
Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir annehmen, dass in
den oben erwähnten Fällen von Fieber eine Lochiometra die
Ursache desselben war. Diese Lochiomtera kann man sich
wohl aus der durch das Frühaufstehen bedingten Lage des
Uterus (stark ausgesprochene Anteversioflexio) erklären. Eben¬
so sind die 2 Fälle von Temperatursteigerung unter Schüttel¬
frost verständlich, da infolge der Körperbewegung kleine
Risse im Geburtskanal vielleicht an der festen Verklebung ge¬
hindert werden, und so Bakterien in den Körper eindringen
lassen konnten.
Die Antwort auf die Frage, sind im Gefolge des Früh-
aufstehens augenblickliche Nachteile oder Gefahren vorhanden,
muss also lauten: Eskann durchstarke Abknickung
des Uterus nach vorne, die durch Frühauf¬
stehen bedingt wird, Stauung des Lochial¬
abflusses (Lochiometra) entstehen, ferner
können durch frühzeitige Körperbewegungen
Keime in noch nicht vollständig verklebte
Risswunden eindringen und so Störungendes
Allgemeinbefindens hervorrufen. (Unsere beiden
Fälle mit Schüttelfrost.) Driese Gefahrenscheinenaber
nichtderartigezusein, dassinihneneineKon-
traIndikation gegen das Frühaufstehen er¬
blickt werden kann, denn sie sind auch bei
10tägiger Bettruhe nicht mit Sicherheit aus-
zuschli essen.
Können nun infolge des Frühaufstehens spätere Einflüsse
sich geltend machen?
Die Hauptbefürchtung, die ausgesprochen wurde und wird,
war die, dass sich bei Frühaufgestandenen viel leichter eine
Senkung des Uterus und der Scheide entwickeln könnte. Diese
Ansicht hätte gewiss ihre volle Berechtigung, wenn noch
unsere alten Anschauungen über die Enststehung des Pro¬
lapses gelten würden. Seitdem aber durch Halban und
Tandler hauptsächlich nachgewiesen wurde, dass nicht eine
Erschlaffung der Ligamente, Parametrien etc. die Vor¬
bedingungen zur Entstehung eines Prolapses bilden, sondern
ein zu grosser Hiatus genitalis und eine Insuffizienz der Ver-
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9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
275
Schlussapparate des Beckenausganges, so sind diese Be¬
fürchtungen hinfällig. Sind wir auch nicht in der Lage, diese
unsere Anschauungen durch Kontrolluntersuchungen zu stützen,
so lassen uns doch die Untersuchungsbefunde bei den Ent¬
lassungen darauf schliessen, ob Entstehung eines Prolapses zu
befürchten ist.
Uebereinstimmend mit den bisherigen Beobachtungen
fanden wir, wie schon erwähnt, in 288 Fällen ausgesprochene
Anteversioflexio uteri, die Scheide langgestreckt, die Portio
hoch hinten oben, gute Rückbildung der Beckenbodenmusku¬
latur, verhältnismässig engen Introitus vaginae, so dass
Touchieren mit 2 Fingern häufig schmerzhaft empfunden wurde
alles Verhältnisse, die unserer heutigen Ansicht von der Ent¬
stehung der Prolapse widersprechen.
Wir können also, da wir noch keine Kontrolluntersuchungen
anstellen konnten, nicht die Behauptung aufstellen, wohl aber
mit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen, dass das Früh-
aufstehen der Wöchnerinnen keine bleibenden Nachteile im Ge¬
folge haben dürfte. Da aber bisher der Nachweis noch nicht
erbracht ist, dass die bisherige Wochenbettsbehandlung den
Wöchnerinnen geschadet hat, so hat der Bruch mit dem alten
therapeutischen Grundsatz der strikten Einhaltung einer
10 tägigen Bettruhe nur dann Berechtigung, wenn wir von dem
Frühaufstehen bestimmte Vorteile erwarten dürfen.
Diese Vorteile finden wir vor allen Dingen in dem guten
Allgemeinbefinden der Frauen, einhergehend mit einer be¬
deutenden Besserung der Morbiditätsstatistik. Die allgemeinen
Körperfunktionen, Respiration, Zirkulation, Verdauung, Aus¬
übung des Nährgeschäftes sind sehr gute, jedenfalls besser als
früher. Die Besserung der Morbiditätsstatistik ist vor allen
Dingen in die Augen springend. Unter 427 Wöchnerinnen im
Jahre 1907 waren 92 Fälle fieberhaft gestört, darunter be¬
fanden sich 8 Mastitiden, also eine Gesamtmorbidität von
21,3 Proz. gegenüber 10,8 Proz. unserer Frühaufgestandenen.
Dabei wäre in erster Linie zu konstatieren, dass wir bei
unsern 300 Frühaufgestandenen nie eine Thrombose oder
Embolie gesehen haben, während in der Zeit von November
1907 bis November 1908 unter 197 Frauen, welche die 10 tägige
Bettruhe eingehalten hatten, 3 Thrombosen und im Gefolge
1 Embolie, also 1,5 Proz., beobachtet wurden. Wenn auch
glücklicherweise die Zahl der Thrombosen und Embolien im
Wochenbett gering ist — Rieländer 6 ) fand an dem Material
der Marburger Klinik unter 6000 Fällen 23, d. h. 0,4 Proz.,
Z u r h e 11 e ") an dem Bonner Material 0,48 Proz. — und aus
unserer Zahl von 300 Fällen kein bestimmter Schluss gezogen
werden darf, so ist es doch erfreulich, feststellen zu können,
dass diese Prozentzahl sehr klein geworden ist.
Auffallen muss bei unserer Morbiditätsstatistik die ver¬
hältnismässig hohe Zahl der Mastitiden — unter 300 Frühauf¬
gestandenen 8 — während im Jahre 1907 unter 427 Wöchne¬
rinnen ebenfalls nur 8 Fälle von Mastitis vorkamen.
Dieser Unterschied ist verständlich, wenn man die Prozent¬
zahl der Stillfähigkeit zum Vergleiche heranzieht. Es haben
nämlich von unseren 300 Frühaufgestandenen 286 überhaupt
ihre Kinder angelegt und gestillt — d. h. 95 Proz. —, wäh¬
rend von 427 Wöchnerinnen, die 10 tägige Bettruhe einhielten,
r.ur 272, d. h. 63 Proz. gestillt haben.
Bei diesen Zahlen sind allerdings in beiden Jahrgängen
auch die Fälle mitgerechnet, wo neben Muttermilch auch noch
andere Nahrung gegeben wurde. Es soll mit den Prozent¬
zahlen der Unterschied im Stillvermögen überhaupt ausgedrückt
werden, und wir können somit auf Grund unserer Statistik
die Angaben Krönigs, dass das Frühaufstehen einen gün¬
stigen Einfluss auf das Stillgeschäft ausübt, bestätigen. Unseres
Erachtens dürfen aber die Fälle von Mastitis nicht in die Ver¬
gleichsstatistik der Morbidität aufgenommen werden; denn das
Frühaufstehen wird eine Mastitis weder beschleunigen noch
hintanhalten. Ferner können diejenigen Fälle nicht mit¬
gerechnet werden, bei denen vor dem Aufstehen eine ein-
5 ) Rieländer: Ueber Venenthrombosen im Wochenbett.
Monatsschr. f. Geburtsh. u. Gynäkol., XXIV, 2.
8 ) Zurhelle: Zur Thrombosenprophylaxe. Zentralbl. f. Gyn.
1908, No. 43.
malige Temperatursteigerung vorhanden war. Es bleiben also
nur die 11 Fälle, in denen nach dem Aufstehen Temperatur-
Steigerung eintrat, d. h. also eine Morbidität unse¬
rer Frühaufgestandenen» von.4,4 Proz. gegen¬
über 19,6 Proz. der Frauen, welche der bis¬
herigen Wochenbettsbehandlung unterwor¬
fen waren.
Der Unterschied der Morbiditätsstatistik ist also ein ganz
erheblicher und zwar liegt der Schwerpunkt darin, dass
Thrombosen und Embolien vollständig
fehlen.
Einhergehend mit dieser Beobachtung ist das Allgemein¬
befinden und der Kräftezustand bei der Entlassung am 10. Tage
sehr gut, jedenfalls besser als bei der bisherigen Wochenbetts¬
behandlung. Darin liegt aber gerade der Vorteil für Anstalten,
in denen viele Mädchen niederkommen, dass man die jungen
Wöchnerinnen am 10. Tage in einem Zustand entlassen kann,
der sie eher befähigt, ihren Lebensunterhalt wieder zu ver¬
dienen, als es bisher der Fall war.
Wenn nun auch das Frühaufstehen nach unseren Er¬
fahrungen (vergl. die 2 Fälle mit Auftreten von Schüttelfrost)
doch nicht so ganz harmlos und ungefährlich erscheint, so
stehen wir doch auf dem Standpunkt im Hinblick auf die er¬
wähnten Vorteile, dass der Bruch mit der jetzigen 10 tägigen
Bettruhe seine Berechtigung hat. Jedenfalls aber ist
es sicherlich nicht die Regel und notwendig,
dass die Wöchnerinnen schon am 1. Tage nach
der Geburt das Bett verlassen wollen und
können. Deshalb halten wir es für humaner, wenn man
ihnen nach der physiologischen Anstrengung, die sie durch¬
gemacht haben, wenigstens so lange Bettruhe gönnt, als sie
es selber wünschen.
Ebenso überlassen \yir es den Frauen ganz, ob sie am
1. Tage des Aufstehens ruhig im Lehnstuhl sitzen oder schon
etwas im Zimmer umhergehen wollen. Gewöhnlich sind die
Wöchnerinnen, wenn sie 14—1 Stunde ausser Bett waren und
etwas umhergegangen sind, so müde, dass sie das Bett gerne
wieder aufsuchen. Am 2. Tage des Aufstehens ist dann in der
Dauer des Aufbleibens gewöhnlich schon- ein grosser Unter¬
schied gegenüber dem ersten Tage vorhanden, die Frauen
bleiben gerne mehrere Stunden auf und am 3. Tage verbringen
sie schon den grössten Teil des Tages ausser Bett.
Soll nun ein Unterschied gemacht werden zwischen den
Frauen der arbeitenden Stände und solchen in gut situierter
Stellung, zwischen Anstaltsbehandlung und Praxis?
In diesen Fragen möchten wir unseren Standpunkt dahin
präzisieren, dass wir für Anstalten das Frühaufstehen emp¬
fehlen können, jedenfalls dringend wünschen, dass möglichst
überall weitere Erfahrungen gesammelt werden möchten.
In der Privatpraxis werden wir wohlhabenderen Frauen,
wenn sie wollen, vom 3. Tage ab gestatten, aufzustehen;
denn diese Frauen werden sich sicher den Anordnungen des
Hausarztes fügen, ja viele werden es mit Freude begrüssen,
wenn sie nicht mehr die strikte bisherige 10 tägige Bettruhe
einzuhalten brauchen, während sic sich doch gesund fühlen.
Wir werden sogar besonders nach grösseren Blutverlusten
die Frauen möglichst bald hoch bringen, da wir die Erfahrung
gemacht haben, dass nach gynäkologischen Operationen
Thrombosen und Embolien durch frühzeitiges Ausserbett-
bringen vermindert werden und nach Z u r h e 11 e 7 ) die Frauen
der besseren Stände viel eher zu Thrombose prädisponieren
als die Frauen der unteren Volksschichten.
Für die Frauen der arbeitenden Stände sind für die Praxis
etwas andere Grundsätze massgebend. Wenn diese Frauen
aufstehen, so warten ihrer so viel Pflichten, dass die Gefahr
einer Ueberanstrengung der durch Schwangerschaft und Ge¬
burt gedehnten Weichteile nicht nur wahrscheinlich, sondern
ziemlich sicher ist. Wenn solche Frauen die bisher geübte
Bettruhe einhalten, so leisten sie ihrer Familie sicher einen
besseren Dienst, indem sie keinen dauernden Schaden sich zu-
7 ) Zur helle: Thrombose und Embolie nach gynäkologischen
Operationen. Archiv f. Gynäkol., Bd. 84.
8 ) Martin, s. pag. 2.
2 *
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276
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 6.
ziehen, als wenn sie einige Tage früher wie sonst ihre häus¬
lichen Verpflichtungen hätten übernehmen können.
Es wird deshalb für die Hebammenlehrer Pflicht sein, nach
wie vor die Notwendigkeit einer längeren Bettruhe für die
Wöchnerinnen zu lehren, und es soll dem Arzt überlassen
bleiben, hier individualisierend neue Grundsätze, die zuvor in
Anstalten erprobt sind, in die bisher geübte Leitung des
Wochenbettes hineinzutragen.
Selbstverständlich werden aber auch ganz bestimmte
Kontraindikationen gegen das Frühaufstehen der Wöchnerinnen
überhaupt vorhanden sein.
Als solche erachten wir in erster Linie Geburten bei schon
bestehenden alten Dammrissen oder beim Entstehen von
solchen während der Geburt. Hier fehlen eben die Voraus¬
setzungen, welche mit ziemlicher Sicherheit das spätere Auf¬
treten eines Prolapses verhüten Jassen, und man darf wohl an¬
nehmen, dass ein grosser Teil der Prolapse der arbeitenden
Frauen eben auf Rechnung des Frühaufstehens zu setzen ist
in den Fällen, wo nach der Geburt keine genügende Festigkeit
des Verschlussapparates der Beckenorgane vorhanden war.
Als weitere wichtige Kontraindikation erachten wir eine
in der Schwangerschaft oder während der Geburt konstatierte
Gonorrhöe. Wenn wir wissen, dass eine Gonorrhöe in Bett¬
ruhe bedeutend milder verläuft, so dürfen wir eine Frischent¬
bundene nicht einer Gefahr des Aufflackerns des gonorrhoischen
Prozesses aussetzen.
Dass eine unter der Geburt erworbene Infektion durch
Aufstehen schon am 1. Tage post partum einen schwereren
Verlauf nehmen kann, ist ja wahrscheinlich, und Martin 8 )
findet dann eine Kontraindikation gegen das Aufstehen als ge¬
geben, wenn nur der Verdacht einer Infektion intra partum
vorliegt. Diese Kontraindikation kommt bei unserer Methode
des Frühaufstehens nicht in Betracht, da solche Infektionen
bis zum 4. Wochenbettstage ja ihre Anwesenheit zu dokumen¬
tieren pflegen.
Nach unseren Erfahrungen müssen wir also die Forde¬
rung einer mindestens mehrtägigen Bettruhe
für die junge Mutter beibehalten und zwar leiten uns bei
unserem Vorgehen nicht hauptsächlich Gründe strikter Not¬
wendigkeit, sondern Rücksichten der Humanität.
Aus der chirurgischen Klinik der Universität Breslau (Direktor:
Prof. Dr. K ü 11 n e r).
Hirnpunktion/)
Von Privatdozent Dr. Wilhelm D a n i e 1 s e n.
M. H.! Wer sich mit der Chirurgie der Gehirnkrankheiten
eingehend beschäftigt, kann sich dem Eindruck der Freude
über die Fortschritte in ihrer Diagnostik, Lokalisationslehre
und operativen Behandlung nicht entziehen. Indessen ist die
Zahl der Kranken, bei denen uns eine präzise Ort- und Art¬
diagnose gelingt, doch verhältnismässig gering, und oft genug
müssen wir trotz des Aufgebotes aller diagnostischen Hilfs¬
mittel unsere Ohnmacht eingestehen, genaue Unterlagen für
den chirurgischen Eingriff gewinnen zu können. Da ist es denn
kein Wunder, wenn jeder Versuch, die Erkennung dieser Krank¬
heitsprozesse zu fördern, mit Freuden begrüsst wird. Es ist
daher auch unsere Pflicht, jede Anregung auf diesem Gebiet
mit Ernst und Sorgfalt zu prüfen, und die Erfolge und Miss¬
erfolge neuer diagnostischer Methoden kritisch zu vergleichen.
Die Forschungen der letzten Jahre haben eine ganze Reihe
von Methoden hervorgebracht, um Art und Sitz einer Gehirn¬
erkrankung zu erkennen. Hierher gehören die Syphilis- und
Tuberkulinreaktionen, die Röntgenphotographie und die Hirn¬
punktion. Durch die Einführung der Hirnpunktion hat
Neisser vor 4 Jahrein eine beachtenswerte diagnostische
Methode geschaffen, welche ihm nach seinen Mitteilungen bei
der Diagnose der Art und des Sitzes verschiedener Hirnleiden
vorzügliche Dienste geleistet hat. Im Laufe der Jahre sind
nun eine Reihe von Erfahrungen veröffentlicht worden, welche
im allgemeinen die Vorzüge der Methode bestätigen, doch
j °) Vortrag, gehalten am 8. Januar 1909 in der Medizinischen
bfektion der Schlesischen Gesellschaft für Vaterländische Kultur.
herrschen im einzelnen noch manche Meinungsverschieden¬
heiten, wie es uns u. a. der kürzlich veröffentlichte Briefwechsel
zwischen Oppenheim und Fedor Krause wiederum deut¬
lich bewiesen hat. Wenn man sich in der Literatur umsieht
oder sich im Fachgenossenkreise über die Frage der Anwen¬
dung der Hirnpunktion ausspricht, dann stösst man auf die
widersprechendsten Urteile. Während man auf der einen Seite
einem Optimismus begegnet, für den es in der Anwendung
dieser diagnostischen Methode keine Grenzen gibt, findet man
andererseits Ansichten, welche die Gefahren der Hirnpunktion
weit überschätzen. Bei so weitgehenden Meimmgsdifferenzen
ist es notwendig, die Erfahrungen Einzelner zu sammeln, um
ein klares Bild gewinnen und den Wert oder Unwert der Me¬
thode prüfen zu können. Aus diesem Grunde erlaube ich mir,
Ihnen kurz unsere bei einer grossen Anzahl von Hirnpunktionen
gemachten Erfahrungen und unsere Indikationen für ihre An¬
wendung mitzuteilen.
Gleich zum Beginn meiner speziellen Ausführungen will
ich ausdrücklich hervorheben, dass wir auf dem Standpunkt
stehen, eine diagnostische Hirnpunktion nur dann vorzunehmen,
wenn sämtüche andere Untersuchungsmethoden uns keinen
präzisen Anhalt zur genauen Lokalisation und anatomischen
Charakterisierung des Krankheitsherdes zu geben vermögen.
Wir stellen also diese Punktion keineswegs auf dieselbe Stufe
wie andere diagnostische Punktionen, sondern reservieren sie
stets als letztes diagnostisches Hilfsmittel. Wo also schon
durch andere Untersuchungsmethoden mit Sicherheit Art und
Sitz eines Gehirntumors diagnostiziert worden war, wurde die
Punktion ebensowenig ausgeführt, wie bei denjenigen Kranken,
w*o durch den übrigen Befund sich gar kein Anhalt für die
Bestimmung des Leidens finden liess.
Ausgeführt wurden bei uns die Punktionen bisher nur bei
Verdacht auf Hirntumoren, nicht bei Blutungen oder
Abszessen. Vollen Erfolg hatte sie in 3 Fällen: Zweimal
wurden Tumormassen aspiriert, und die Kranken konnten einer
erfolgreichen chirurgischen Therapie unterworfen w r erden.
Hier gab nur die Punktion die für eine Operation genügend
sichere Unterlage. Einmal schlossen wir aus dem Befunde auf
einen Hydrozephalus internus, eine Diagnose, welche später
durch die Autopsie bestätigt wurde. Dass wir nur über eine
so geringe Zahl positiver Erfolge verfügen, hat seinen Grund
darin, dass wir uns in der ungewöhnlich glücklichen Lage be¬
finden, bei den uns überwiesenen Kranken in der Regel bereits
eine ausserordentlich exakte Diagnosen- und Indikations¬
stellung vorzufinden. Den positiven Erfolgen reiht sich die
grosse Zahl negativer Resultate an, die teils nur bewiesen, dass
an der punktierten Stelle kein Tumor sei, teils einen Tumor
gänzlich ausschliessen Hessen und dadurch auch von wert¬
vollem Nutzen für das weitere Vorgehen waren. So gelang es,
bei einem Kranken durch mehrfache Punktion mit grösster
Wahrscheinlichkeit einen Tumor auszuschliessen. Die später
ausgeführte Sektion ergab, dass es sich um einen sogen.
Pseudotumor handelte. Bei mehreren Kranken entleerte ich
bei der diagnostischen Punktion aus einem der Seitenventrikei
oder aus den lymphatischen Zysternen oberhalb des Klein¬
hirns grössere Mengen Liquor cerebrospinalis und erleichterte
schon dadurch etwas das schreckliche Los der bedauerns¬
werten Kranken. Ich hegte dabei die Hoffnung, dass es durch
Beseitigung der infolge der Flüssigkeitsansammlung im Vorder¬
grund der Erscheinung stehenden Gehirndrucksymptome ge¬
lingen möge, die Diagnosenstellung zu fördern. Leider haben
wir nach dieser Seite hin kein positives Resultat verzeichnen
können.
Selbstverständlich ist jede Punktion mit einer gewissen
Gefahr verbunden, die zwar in den meisten Fällen vermieden
werden kann. Ich selbst habe im Anschluss an eine Him-
punktion eine Kranke verloren. Bei ihr fand ich im linken
Seiten Ventrikel eine unter hohem Druck stehende Liquor¬
ansammlung, die ich zum Teil entleerte. Im Anschluss an diese
Punktion entwickelte sich eine stets mässig sezernierende
Fistel, welche sich nach Wochen plötzlich schloss. Es war
zu einer Infektion gekommen; die Kranke starb am folgenden
Tage an eitriger Meningitis. Tuberkulose lag nicht vor. Es
ist dies unter vielen der einzige Fall, wo sich an die Punktion
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9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
277
eines unter hohem Drucke stehenden Ventrikels eine Fistel an¬
schloss, ein trauriges Nachspiel, auf welches meines Wissens
bisher noch nicht hingewiesen worden ist. Wenn solche Er¬
eignisse auch glücklicherweise selten sind, so wird man doch
gut tun, mit ihnen zu rechnen.
Während Krause die Gefahr der Blutung ziemlich
hoch anschlägt, kann ich mich dieser Ansicht nicht ganz an-
schliessen. Sowohl bei den von mir ausgeführten Hirnpunk¬
tionen als auch bei denen, welchen ich beizuwohnen Gelegen¬
heit hatte, habe ich unangenehme Blutungen niemals gesehen.
Im allgemeinen gelingt es ja auch, die in ihrem Verlauf ziem¬
lich genau bekannten Hirnarterien zu vermeiden. Indessen ist
def Verlauf der Art. mening. med. mit ihren Seitenästen doch
nicht immer so regelmässig, dass ihre Verletzung mit absoluter
Sicherheit ausgeschlossen werden könnte. Bei der Sektion
eines Kranken, der kurze Zeit vorher punktiert worden war,
fanden wir, dass die Punktionsnadel mitten durch den Sulcus
arteriosus hindurchgeführt worden war; er hatte glücklicher¬
weise die offenbar ausgewichene Arterie nur in ihrer Adventitia
geschädigt. Viel grösser erscheint mir die Gefahr einer
venösen Blutung; indessen glaube ich, dass sie stark über¬
schätzt wird. Zu dieser Ansicht führt mich ein Ereignis bei der
Punktion eines Kleinhirns. Nachdem ich die Nadel durch die
Dura gestossen hatte, aspirierte ich etwa 5 ccm frischen
venösen Blutes. Ich nahm eine Verletzung einer kleinen Vene
an, weil ich nur an der Oberfläche, nicht aber in der Tiefe des
Kleinhirns Blut aufzusaugen vermochte. Bei der später aus¬
geführten Autopsie fand sich, dass meine Punktionsnadel
mitten durch den Sinus transversus gedrungen war, jedoch
ohne dass es zu einer Blutung aus diesem Gefäss gekommen
war. Zwar ist dieses Ereignis höchst wunderbar, aber ich
kann mir doch wohl vorstellen, dass durch den starken Hirn¬
druck der Sinus so fest an den knöchernen Schädel gedrückt
wurde, dass es aus dem kleinen Stichkanal zu keinem Blut¬
austritt kommen konnte. Wenn wir sehen, wie mächtig sich
die Gehirnsubstanz bei bestehendem Hirndruck in die Trepa¬
nationsöffnung vorwölbt, liegt die Annahme nicht fern, dass
dieser Druck auch bei uneröffnetem Schädel für eine wirksame
Kompression einer Vene ausreichend ist. Zu fürchten ist wohl
zweifellos die Blutung bei einer Gefässneubildung, worauf uns
Fedor Krause aufmerksam macht. Er glaubt, dass es bei
einer Punktion dieser an sich gutartigen Geschwulst zu lebens¬
gefährlichen Blutungen in die Arachnoidealräume kommen
kann. Wenn auch solche Tumoren sehr selten sind, so muss
doch an diese Möglichkeit gedacht werden.
Infektionen von aussen wird man wohl bei der
Punktion mit Sicherheit verhüten können, indessen wird es.,
worauf ich schon hinwies, nicht immer möglich sein, sie bei
lange sezernierenden Fisteln zu umgehen. Ueber die Infek¬
tionsgefahr bei den Punktionen geschlossener Abszesse kann
ich mich aus eigener Anschauung nicht äussern. Wir haben
bisher vermieden, Abszesse zu punktieren, weil wir einerseits
die Infektion fürchteten, andererseits aber die Diagnose bei
unseren Kranken genügend begründet war, um daraufhin trepa¬
nieren zu können. Dass die Gefahr der Infektion wirklich so
gross ist, wie man fast allgemein fürchtet, glaube ich nicht.
N e i s s e r hat akute Abszesse ohne nachfolgende Infektion
punktiert, auch Herr Prof. K ü 11 n e r teilt mir ähnliche Er¬
fahrungen mit. Vielleicht verhindert auch hier der vermehrte
Hirndruck das Ausfliessen des Eiters.
M. H.! Soll die Hirnpunktion nicht dem Schicksal so
vieler Neuerungen auf dem Gebiete der Medizin verfallen, dann
muss sie vor einer allzuweiten oder vielmehr schrankenlosen
Indikation bewahrt werden. Zunächst soll im allgemeinen
die diagnostische Hirnpunktion nur nach Versagen aller anderen
diagnostischen Methoden angewandt werden, wenn gewisse
Herderscheinungen auf einen lokalisierten Krankheitsprozess
schliessen lassen, der durch die Punktion einer operativen
Therapie zugänglich gemacht werden kann. Sind diese Be¬
dingungen erfüllt, dann punktieren wir im besonderen erstens,
wenn eine genaue Diagnose zwischen Stirnhirn- oder Klein-
himerkrankung nicht gestellt werden kann, und zweitens, um
bei bestehender Hemianopsie durch die Punktion Aufschlüsse
über den Sitz der Erkrankung im Schläfen-, Scheitel- oder
Hinterhauptslappen zu gewinnen. Auch werden wir uns in
zweifelhaften Fällen bei extraduralen Hämatomen oder Ab¬
szessen zur Sicherung der Diagnose der Hirnpunktion be¬
dienen. Als Kontraindikation gilt uns nur der Verdacht auf
eine gefässreiche Neubildung.
Wir betrachten somit die Hirnpunktion als ein wertvolles
diagnostisches Hilfsmittel zur Erkennung der Art und des
Sitzes einer Gehirnerkrankung. Sie ist nicht ungefährlich.
Trotzdem aber wenden wir sie bei der eben mitgeteilten Indi¬
kationsstellung an, wenn wir mit ihrer Hilfe ein Leben zu
erretten hoffen können.
4us der inneren Abteilung des städtischen Krankenhauses zu
Stettin (Direktor: Prof. Dr. E. Neisser).
Die Entfaltung des Magens.
(Untersuchungen mit Röntgenstrahlen.)
Von Dr. med. H. B r a e u n i n g.
Die Untersuchung des Magens mit Röntgenstrahlen hat in
Bezug auf Form, Lage und Peristaltik des Magens eine Fülle
wichtiger neuer Tatsachen gebracht. Auch der Modus, nach
dem sich der leere Magen anfüllt, wenn wir Nahrung zu uns
nehmen, ist gelegentlich beobachtet, aber, so weit mir bekannt
ist, noch niemals genau studiert und noch nicht klinisch ver¬
wertet worden. Nach einer grossen Anzahl von Beobachtungen,
die ich über die Entfaltung des Magens anstellte, habe ich den
Eindruck gewonnen, dass dieselbe eine Funktion des Magens
erkennen lässt, die nicht nur von theoretischem Interesse ist,
sondern zur Erkennung einiger Krankheiten auch praktisch
wertvoll ist. Deshalb gebe ich meine Beobachtungen im fol¬
genden wieder.
Wenn man einen Menschen vor der Röntgenlampe 200 g
Kartoffelbrei mit 30 g Wismut gemischt essen lässt und seinen
Thorax in schräger Richtung durchleuchtet, so sieht man, dass
der Bissen verhältnismässig lange im Munde verweilt, ehe er
in die Speiseröhre gelangt, dann aber im Verlaufe von etwa
4 Sekunden die Speiseröhre passiert und meist ohne Aufenthalt
durch das Zwerchfell hindurchtritt.
5—10 Sekunden nachdem der erste Bissen in den Mund
genommen wurde, erscheint er unter der linken Zwerchfell¬
kuppel [Fig. Ia 1 )]. Gleichzeitig mit ihm tritt über ihm die aus
verschluckter Luft bestehende Magenblase auf. Nun fällt aber
der Bissen nicht etwa w'ie in einen leeren Sack in den Magen
hinein bis zur Höhe des Nabels herab, vielmehr bleibt er dicht
unter dem Zwerchfell liegen. Während der zu Untersuchende
weiter isst, wächst der Schatten im Magen und nimmt all¬
mählich eine keilförmige Gestalt an. Dieser Keil schiebt sich
langsam in den Magen hinein, man erhält den Eindruck, dass
der Speisebrei sich gegen einen verhältnismässig grossen
Widerstand vorwärts drängt. Nach 3—4 Minuten haben die
zu Untersuchenden meist die 200 g Kartoffelbrei gegessen,
aber erst nach 5—10 Minuten hat er den tiefsten Punkt im
Magen erreicht. Dieser Verlauf findet sich in äusserst charak¬
teristischer Weise bei allen normalen Mägen.
ä &
Fig. I.
F i g. I stellt diesen Vorgang dar. F i g. I c ist 3 Minuten nach Be¬
ginn der Mahlzeit gezeichnet, d 6 Minuten, e 11 Minuten nach Be¬
ginn.
l ) Diese und alle folgenden Abbildungen sind Photographien
nach Schirmpausen. X bedeutet den Nabel.
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278
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 6.
Anders verhält es sich, wenn wir nicht Kartoffelbrei geben,
sondern 200 g Milch, in der Wismut suspendiert ist, trinken
lassen. Hier sehen wir (bei schräger Durchleuchtung) die
Flüssigkeit schneller in die Speiseröhre gelangen als vorher
den Brei, auch in der Speiseröhre selbst bewegt sie sich etwas
schneller vorwärts.
Wir sehen dann nach wenigen Sekunden den Wismut¬
schatten unter der linken Zwerchfellkuppel erscheinen und
schnell bis zum tiefsten Punkt
wenigen Sekunden erreicht ist.
Hg. II
des Magens fliessen, der in
Fig. Ila-c stellt Schirm¬
pausen dar, wenige Sekunden
nachdem einige Schluck Milch
mit Wismut getrunken worden
waren, a stellt den ersten sicht¬
baren Schatten dar. Er bewegte
sich so schnell nach unten, dass
er dicht unter dem Zwerchfell
nicht gezeichnet werden konnte,
b und c zeigen, wie sich dann
in wenigen Sekunden die Flüssig¬
keit am unteren Magenpol an¬
sammelt.
Dann dehnt sich der Magen weiter aus und zwar nicht
in der Längsrichtung, sondern nach rechts und links, wie Ab¬
bildung III zeigt:
x e x c x
Fig. III.
Fig. III. Es wird vor dem Schirm etwa Liter Milch mit
Wismut getrunken. Diese Pause stammt von einem anderen Patien¬
ten als Fig. II. Die ersten Sekunden wurde nicht gezeichnet.
Diese beiden Entfaltungsarten des Magens sind typisch-,
sie kehren- bei gleicher Versuchsanordnung bei gesunden
Magen stets wieder. Gibt man weichere Nahrung als Kar¬
toffelbrei, z. B. den von den meisten Untersuchern jetzt an¬
gewandten Griesbrei, so sieht man eine Entfaltung, welche
ein Mittelding zwischen beiden beschriebenen Entfaltungs¬
arten ist.
Aus diesen Beobachtungen können wir folgende Schlüsse
ziehen: Der normale Magen stellt im leeren Zustande ein
schlauchartiges Organ dar mit ziemlich schlaffen Wandungen,
welches zum grossen Teil links von der Mittellinie liegt und
vertikal verläuft. Wird ein Schluck einer verhältnismässig
konsistenten breiigen Nahrung genommen, so wird durch den
mechanischen Reiz dieser Speise eine reflektorische
Kontraktion der Muskulatur des Magens ausgelöst, und
nur allmählich überwindet der Brei den ihm entgegengesetzten
Widerstand.
Flüssigkeiten werden schnell durch den Oesophagus ge¬
spritzt und gelangen in den Magen, ohne dass dieser sich
reflektorisch kontrahiert.
Wir müssen also zwei Kontraktionsarten des Magens
unterscheiden: einmal die tonische Kontraktion, welche ein-
tritt, sobald festere Nahrungsmittel in- den Mageneingang ge¬
langen, und besonders deutlich am Fundus des Magens zu
sehen ist, und zweitens die peristaltischen Wellen, welche
wenige Minuten nach der Anfüllung des Magens sichtbar
werden, am Fundus nur oberflächlich sind und nach dem
Pylorus zu immer lebhafter werden.
Der genannte Reflex ist in erster Linie eine Funktion des
Magenfundus. Bei Erkrankung des Fundus ist anzunehmen,
dass er gestört ist. Dies ist tatsächlich der Fall. Wenn
beispielsweise ein Magen überdehnt ist, und dadurch seine
Fundiismuskulatur insuffizient geworden ist, so ist sie nicht
mehr imstande, dem cirrdringendcn Speisebrei einen nennens¬
werten Widerstand entgegenzusetzen, die Entfaltung verläuft
dann, wie bei der Anfüllung des Magens mit Flüssigkeit.
Jedoch nicht jeder überdehnte Magen zeigt eine Insuffi¬
zienz seiner Fundusmuskulatur:
Fig. IV stellt den Manen eines 16 jähriger, jungen Mannes dar
mit Magengeschwür und Pylorusstenose. Der untere Magenpol steht
etwas tief und die Entleerung ist sehr verzögert, nach 3 Stunden war
der Magenschatten noch fast ebenso gross, wie unmittelbar nach Ab¬
nahme von 200 g Kartoffelbrei und 30 g Wismut. Dennoch lässt die
Entfaltung nichts Krankhaftes erkennen. Fig. IV d ist nach 3 Minuten
aufgenommen.
Fig. V. stellt etwa das
erste Stadium der Insuffi¬
zienz dar. Es ist der Magen
eines an Pyloruskarzinom
leidenden Patienten. Das
Karzinom ist an dem Ausfall
des Antrum pylori im Rönt¬
genbild zu erkennen und
durch Operation bestätigt.
Hier schiebt sich der Speise¬
brei nicht keilförmig in den
Magen hinab, auch wurde
der untere Magenpol weit
schneller erreicht, als in dem
vorher zitierten Fall. Aber
andererseits war die Ent¬
faltung nicht so schnell, wie
nach dem Genuss von Flüssigkeiten, so dass zwei Schirmpausen an¬
gefertigt werden konnten, ehe der Magen vollkommen entfaltet waj.
Fig VI.
eine vollkommene Erschlaffung der
Fällen handelt es sich um narbige
Fig. VI und VII zeigen
Fundusmuskulatur. In beiden
Pylorusstenose, in beiden
Fällen fällt der erste Bissen
in wenigen Minuten zum
unteren Magenpol.
Fig. VI stammt von
einem Patienten, bei wel¬
chem sich nüchtern 400 ccm
Retentionen fanden. Bei der
Operation fand sich an Stelle
des Pylorus ein harter, un¬
regelmässiger, etwas weni¬
ger als kieinfingcrdicker
Strang, eine Lichtung war in
ihm nicht palpabel. Der Py¬
lorus war in ältere Ad¬
häsionen eingeheilt. Fig. Via
stellt den ersten Bissen dar.
sobald er unter dem Zwerchfell erschien. Fig. VI c ist 3 Mi¬
nuten nach Beginn des Essens gezeichnet. Fig. VI d 9 Minu¬
ten danach. Obwohl die Fundusmuskulatur vollkommen erschlafft ist,
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9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
279
besteht kein nennenswerter Tiefstand des unteren Magenpols, wie
Fig. VI e zeigt: sie stellt den Magen dar nach Genuss von 200 g
Kartoffelbrei und V» Liter Milch mit Wismut.
F i g. VII stellt den Magen eines Patienten dar, der ebenfalls an
Pylorusstenose litt. Unmittelbar vor der Durchleuchtung wurden mit
dem Magenschlauch 2 l /s Liter Retensionen aus dem Magen entfernt.
Die Operation ergab einen stark verdickten, harten Pylorus, kein
Karzinom. Via zeigt den 1. Bissen. VI b ist nach 2\'i Minuten ge¬
zeichnet. Auch hier steht der untere Magenpol bei leerem Magen
oder geringer Belastung (VI a u. b) nicht sonderlich tief, obgleich,
wie gesagt, unmittelbar vorher der Magen sehr stark gedehnt war.
Anders verhält es sich hier dagegen bei grösserer Anfüllung. Fig. VI c
ist gezeichnet, nachdem ausser den 200 g Kartoffelbrei und 30 g Wis¬
mut noch Vs ; Liter Milch getrunken war. Es tritt bei dieser Belastung
des Magens ein deutlicher Tiefstand seines unteren Poles ein.
Um eine ausgesprochene P t o s e des Magens handelt es
sich in den beiden folgenden Fällen, in denen auch bei leerem
Magen oder relativ geringer Belastung (wie sie 200 g Kartoffel¬
brei und 30 g Wismut darstellt) der untere Pol wesentlich tiefer
stand als der Nabel. In diesen beiden Fällen fand ich eine
schlaffe Fundusmuskulatur. Die Entfaltung des Magens ähnelte
das eine Mal bei Darreichung von Kartoffelbrei sehr der Ent¬
faltung, die der gesunde Magen bei Flüssigkeitsdarreichung
zeigt, im anderen Falle war sie ihr vollkommen gleich. Eine
normale Entfaltung habe ich bei Magen mit ausgesprochener
Ptose niemals gefunden.
F i g. VIII stellt den Magen einer Patientin dar, welche alle Sym¬
ptome der Ptose bot. Man sah die Magenperistaltik. Die kleine
Kurvatur lag unterhalb des Nabels, die grosse Kurvatur 2—3 quer¬
fingerbreit über der Symphyse. Nüchtern enthielt der Magen Re¬
tensionen. Bei der Operation fand sich an der vorderen Magenwand
nahe der kleinen Kurvatur eine weissliche, etwas harte Stelle (Ulcus-
narbe?). Die Pylorusringmuskulatur fühlte sich etwas verdickt an.
Fig. Villa zeigt wieder den ersten Bissen, sobald er unter dem
Zwerchfell sichtbar war. Die folgenden Zeichnungen lassen die Ent-
ialtung nach rechts und links erkennen, analog der in Fig. III für
Flüssigkeiten im normalen Magen dargestellten. VIII d ist nach
4 Minuten gezeichnet.
F i g. IX stellt den Magen einer Patientin dar. die seit etwa
n— 10 Jahren an Magenbeschwerden leidet. Ob ein Ulcus bestanden
hat oder besteht ist nicht sicher festzustellen. Der Thorax ist schmal
und lang. Der Bauch tritt unterhalb des Nabels weiter hervor als
oberhalb desselben. Die Muskulatur der Bauchdecken ist straff und
kräftig. Früh nüchtern finden sich keine Retentionen. Das Röntgen¬
bild zeigt eine Ptose bei leidlich kräftiger Fundusmuskulatur.
Fig. VIII c ist 2Vs Minuten, d 4Vs Minuten nach Beginn der Mahlzeit
gezeichnet, VIII e nach etwa 3 Stunden (200 g Kartoffelbrei + 30 g
Wismut). Während sonst erst nach 5—6 Minuten der Speisebrei in
Nabelhöhe gelangt ist, ist das hier in 2 V 2 Minuten der Fall. Früher
als 4M* Minuten nach Beginn der Mahlzeit ist der untere Magenpol
erreicht. Eine gewisse Schlaffheit des Fundus besteht also offenbar,
aber sie ist bei weitem nicht so ausgesprochen wie in dem Fig. VIII
wiedergegebenen Falle. Die keilförmige Gestalt des Speisebreies in
Fig. IX a und b zeigt ebenfalls, dass noch eine gewisse Spannung
des Fundus besteht.
Die geschilderten. Fälle zeigen, dass bei Dehnung des
Magens infolge von Pylorusstenose eine mehr oder weniger
beträchtliche Erschlaffung der Fundusmuskulatur bestehen
kann, aber nicht immer besteht. Offenbar tritt die Erschlaffung
des Fundus erst dann ein, wenn die Ueberdehnung längere Zeit
besteht, sie ist bei Pylorusstenose das Sekundäre: Der in
Fig. IV wiedergebene Patient war erst wenige Monate er¬
krankt, während die in Fig. VI und VII abgebildeten Magen
seit Jahren erkrankt waren, wie aus den beträchtlichen Ver¬
änderungen, die sich bei der Operation fanden, und aus der
Anamnese hervorgeht.
Bei Ptose des Magens fand sich stets eine Insuffizienz der
Fundusmuskulatur.
Die Zahl der beobachteten Fälle ist noch zu gering und
die Zeit, welche ich sie in Beobachtung habe, zu kurz, als dass
ich angeben könnte, welche Bedeutung die Entfaltung des
Magens für die Prognose der genannten Erkranungen hat.
Von besonderem Interesse scheint es mir zu sein, ob ein Fundus,
der infolge von Ueberdehnung bei Pylorusstenose erschlafft ist,
seine Kraft wieder erhält, wenn der Magen durch Gastro¬
enterostomie entlastet ist.
In den oben erwähnten Fällen handelte es sich um Pa¬
tienten, die so charakteristische krankhafte Veränderungen des
Magens boten, dass auch ohne die Beobachtung der Entfaltung
des Magens Diagnose und Therapie sicher waren. Eine
grössere Bedeutung erlangt das Symptom der Entfaltung des
Magens, wenn es uns in Fällen einen Aufschluss gibt, in denen
die übrigen klinischen Methoden versagen. Dies scheint mir
bei einer Reihe Erkrankungen der Fall zu sein. Ich gebe im
folgenden die Schirmpausen der Magen von 2 Patienten wieder,
deren einziges objektives pathologisches Symptom, die zu
schnelle Entfaltung war.
Fig. X.
Fig. X stammt von einer 62jährigen Patientin, die an un¬
bestimmten Magenbeschwerden litt: schnelle Sättigung nach kleinen
Mahlzeiten, Druck vor dem Magen etc. Mit den üblichen klinischen
Methoden waren keine nennenswerten Veränderungen am Magen
nachzuweisen. Aber beide Nieren und die Leber standen etwas
tief und waren zu fühlen. Vor wenigen Monaten war sie wegen
Senkung des Uterus operiert. Abb. X zeigt die Entfaltung des
Magens. Man sieht den Speisebrei nicht keilförmig, sondern lang¬
gestreckt zum unteren Magenpol sinken. Nach etwa 3 Minuten
(Fig. X c) ist der untere Pol erreicht. Dann dehnt sich der Magen
nach rechts und links aus wie bei der Anfüllung mit Flüssigkeit.
Fig. X d zeigt den Magen nach 5 Minuten, e nach in Minuten. Ein
nennenswerter Tiefstand findet sich nicht (X bedeutet den Nabel).
Der untere Magenpol steht zwar einige Finger breit unter dem Nabel,
aber wir haben das bei unseren meisten Patientinnen beobachtet, ohne
dass sie irgendwelche Beschwerden davon hatten.
Fig. XI zeigt die Entfaltung des Magens eines Patienten, welcher
seit 1900 über Magenbescliwerden klagt: Schmerzen in der Magen¬
gegend, besonders vor dem Essen, bisweilen Erbrechen. Er kann sich
nicht sattessen, weil sonst ein Gefühl von Vollsein auftritt. Er fühlt
sich matt. Der Stuhl ist hart. Im Stuhl oder Erbrechen sei niemals
Blut gewesen. Mageninhalt nach Ewaldschem Probefrühstück:
HCl + 35, ges. Azid. + 60, Menge 175 ccm, gut verdaut. Riegel-
sche Mahlzeit nach 4 Stunden: HCl +55, ges. Azid. + 110. Menge
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280
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 6.
130 ccm. Früh nüchtern war der Magen stets leer. Form des Leibes
normal. Muskulatur der Bauchdecken gut gespannt, keine Diastase
der Rekti. Beim Palpieren hat er unter dem Nabel „ein etwas
fremdes Gefühl“.
Fig. IX.
Bei der Röntgenuntersuchung zeigte sich zunächst früh nüchtern
eine Luftblase im Magen (Fig. XI a). Ferner fand sich eine beschleu¬
nigte Entfaltung des Magens: Fig. XI d ist nach einer Minute ge¬
zeichnet, hier ist schon der untere Magenpol erreicht. Nun folgt die
Fig. XII.
Ausdehnung nach rechts und links. XII f stellt den Magen nach
3 Minuten dar. Danach ass Patient weitere 100 g Kartoffelbrei mit
Wismut, so dass er im ganzen 300 g zu sich genommen hatte, und das
Gefühl des Vollseins des Magens auftrat. Fig. XII g zeigt den Magen
in diesem Zustand. Man sieht, dass trotz der relativen Erschlaffung
des Fundus auch bei grosser Belastung kein Tiefstand des unteren
Magenpoles eintritt. 8 Tage später wurde abermals eine Durch¬
leuchtung vorgenommen. Die Magenblase fehlte diesmal (es war
kurz vorher der Magen mit dem Magenschlauch entleert, ohne zu
spülen). Die Entfaltung verlief diesmal noch schneller als vor
8 Tagen.
Was die Deutung der beiden letztgenannten Fälle anbetrifft,
so scheint mir für den ersten von ihnen (Fig. X) die Annahme
am wahrscheinlichsten, dass es sich um eine beginnende Sen¬
kung des Magens handelt. Dafür spricht die Senkung der
übrigen Bauchorgane (Leber, Nieren, Uterus). Aus der Form
des Magens allein konnten wir die Diagnose der Gastroptose
in diesem Falle nicht stellen. Die Angelhakenform, die dieser
Magen deutlich zeigt, und die von Holzknecht als Zeichen
der beginnenden Senkung des Magens angesprochen wird,
kann man klinisch nicht verwerten, wenn sie allein auftritt, da
sie sich bei 80 Proz. aller Gesunden findet. Ebensowenig ver¬
wertbar ist der geringe Tiefstand des unteren Poles, welcher
sich, wie schon gesagt, bei unseren meisten Patientinnen findet.
Trotz Angelhakenform und Tiefstand seines unteren Poles
konnte der Magen gesund sein und nur seine Lage verändert
haben. Aus der mangelhaften Entfaltung geht aber hervor, dass
auch der Magen selbst erkrankt war.
Wir haben es hier also mit einem Magen zu tun im ersten
Stadium einer als krankhaft zu bezeichnenden Senkung, im
Gegensatz zu jenen minimalen Senkungen mit gesunder Magen¬
wand, die wir bei 80 Proz. der Gesunden finden (Angelhaken-
form nach H o I z k n e c h t).
Schwieriger ist die Deutung des anderen Falles (Fig. XI).
Nach Analogie des vorigen Falles konnte man ja auch ihn als
beginnende Ptose bezeichnen. Doch scheint mir dies nicht an¬
gängig, bevor man eine grössere Anzahl derartiger Magen
beobachtet hat, und gefunden hat, dass sich bei ihnen später
noch andere Zeichen der Ptose einstellen. In unserem Falle
fehlten zur Zeit alle objektiven Zeichen einer Ptose, wie aus
dem angegebenen Befund hervorgeht. Dass eine Fundus¬
erschlaffung besteht, wird auch durch die Magenblase, die sich
bei der ersten Durchleuchtung im nüchternen Magen fand,
etwas erhärtet, doch müsste man, wenn man aus der Magen¬
blase allein einen Schluss ziehen wollte, an mehreren Tagen
durchleuchten, da nur die chronische Magenblase beweisend
ist (Hoffman n). Dass die vielleicht zufällige Magenblase
nicht die Ursache der schnellen Entfaltung war, geht daraus
hervor, dass bei der zweiten Durchleuchtung die Blase im
leeren Magen fehlte, die Entfaltung aber noch schneller vor
sich ging als das erste Mal. Als Ursache der Erschlaffung des
Fundus kann man hier vielleicht eine zeitweilige Ueberdehnung
des Magens annehmen, da nach der Anamnese und dem für
hiesige Verhältnisse etwas hohen Salzsäuregehalt es nicht
unwahrscheinlich ist, dass ein Magengeschwür besteht, welches
ja vorübergehende Pylorusstenose machen könnte, wenn es
am Pylorus sitzt.
Von der Magenblase ist gesagt worden, dass sie ausser
für Senkung des Magens und Erschlaffung des Fundus auch
für nervöse Zustände charakteristisch sei. Ob dies auch für die
mangelhafte Entfaltung der Fall ist, bleibt zu beweisen. Gleich¬
wertig sind beide Symptome sicherlich nicht, da ich häufig eine
mangelhafte Entfaltung fand, wo keine Magenblase bestand.
Die Prüfung der Magenentfaltung zur Konstatierung eines
schlaffen Fundus hat vor der Untersuchung der Magenblase
auch den Vorteil, dass man' mit einmaliger Untersuchung zum
Ziel kommt.
Mit der Beobachtung der Entfaltung des Magens haben
wir ein Mittel gefunden, uns über das Verhalten der Fundus¬
muskulatur zu orientieren. Veränderte Magenentfaltung, Er¬
schlaffung des Fundus bildet gelegentlich das einzige objektive
krankhafte Symptom des Magens bei Patienten mit vielerlei
subjektiven Beschwerden. Die Beobachtung der Entfaltung
des Magens verspricht zur Klärung der Frage von der Ent¬
stehung der Gastroptose beizutragen.
lieber kinematographisch aufgenommene Röntgeno¬
gramme (Bio-Röntgenographie) der inneren Organe
des Menschen.
Vorläufige Mitteilung.
Von Dr. C. Kästle, Prof. Dr. H. Rieder und Dipl.-Ing.
Dr. phil. J. Rosenthal.
Der Wunsch, kinematographische Röntgenaufnahmen vom
Menschen herzustellen, ist nahezu so alt wie das medizinische
Röntgenverfahren selbst.
Im Jahre 1897 hat schon Macintyre (wie Levy-
D o r n in den Fortschritten auf dem Gebiete der Röntgen¬
strahlen, Bd. I, pag. 200, 1898 referierte) die Bewegung der
das Knie bildenden Knochen mit Hilfe des Kinematographen
vorgeführt. 1905 hat Levy-Dorn und 1907 A. Köhler
in ähnlicher Weise Röntgenogramme von Körperteilen, und
zwar ersterer von Extremitäten, letzterer vom Thorax in ver¬
schiedenen Bewegungsphasen hergestellt und künstlich zu
Kinematogrammen kombiniert. Ferner hat E y k m a n seit dem
Jahre 1901 in mehreren Abhandlungen das Verhalten des Kehl¬
kopfes beim Schlingakt mittels Röntgenbildern in einzelnen
Phasen zur röntgenographischen Darstellung gebracht; er
erreichte dieses dadurch, dass er die Bewegung des Adams¬
apfels beim Schlingakt benützte, um die Röntgenröhre mit
einem einzigen Induktionsschlag einzuschalten. Durch Wieder¬
holung solcher Einschaltungen bei mehreren aufeinander fol¬
genden Schlingakten — natürlich immer in der gleichen Phase
— erzielte er ein hinreichend exponiertes Röntgenbikl einer be¬
stimmten Phase des genannten Vorganges.
In gemeinsamer Arbeit haben wir uns seit langem bemüht,
wirkliche kinematographische Röntgenaufnahmen in Bewegung
befindlicher Organe herzustellen. Nach Ueberwindung zum
Teil grosser Schwierigkeiten können wir jetzt über einige,
bereits Ende des vergangenen Jahres gelungene Versuche be¬
richten.
Das Wesen des von uns Angestrebten und Erreichten -
und wie wir wohl sagen dürfen in der Röntgentechnik völlig
Neuen — besteht in der Herstellung einer genügenden Anzahl
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
281
l
I
von aufeinanderfolgenden Röntgenmomentaufnahmen eines in
Bewegung befindlichen Organes, während des ein¬
maligen Ablaufes dieses Bewegungsvor¬
ganges.
Wir nennen diese Methode „Bio-Röntgeno-
g r a p h i e“.
Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3.
Fig. 4. Fig. 5. Fig. 6.
Für das Studium der Bewegungen gewisser Körperorgane
ist das genannte Prinzip wohl das einzig brauchbare. Ein Bei¬
spiel bietet die Bewegung des Magens, die durch keine der bis¬
her verwendeten Methoden dargestellt werden kann und deren
Studium ebenso sehr vom wissenschaftlichen als vom prak¬
tischen Standpunkt aus grosse Bedeutung hat.
Wenn wir auch in der Lage sind, am Durchleuchtungs¬
schirm die Bewegung des Magens zu verfolgen, so können wir
dies — im Vergleich zu kinematographischen Aufnahmen —
doch nur in unvollkommener Weise; denn
1. zeigt das Durchleuchtungsverfahren im Gegensatz zu
dem photographischen an und für sich Details — auf die es hier
wesentlich ankommt — nur undeutlich oder gar nicht, ab¬
gesehen von den allen subjektiven Methoden mehr oder weni¬
ger anhaftenden Mängeln,
2. kann am Durchleuchtungsschirm der Ablauf der Be¬
wegung an allen Punkten gleichzeitig nicht übersehen
werden und
3. erfolgt die Bewegung häufig so rasch, dass das Auge
die Analyse des Bewegungsvorganges in der gegebenen Zeit
nicht ausführen kann.
Hieraus ergibt sich ohne weiteres der grosse Wert der
Bio-Röntgenographie: als Mittel zur Analyse der an
inneren Organen sich abspielenden Bewegungsvor¬
gänge. Darin sehen wir die hauptsächlichste Bedeutung
unserer Methode, wenn wir auch den Wert der Zusammen¬
fassung aller Einzelstadien des Bewegungsvorganges im kine¬
matographischen Bild keineswegs unterschätzen.
Wir haben zunächst unsere Aufmerksamkeit der Gelenks-,
Atmungs- und Magenbewegung zugewandt. Auf die beiden
letztgenannten Vorgänge beziehen sich die beigegebenen Ab¬
bildungen, die von den Originalen (Grösse 18 X 24 cm) gepaust
und auf zinkographischem Wege — verkleinert — dar¬
gestellt sind.
Zu den Abbildungen bemerken wir folgendes:
1. Bio-röntgenographische Darstellung
der Atmung.
No. 6.
Die Untersuchung wurde angestellt an einem 35 jährigen
gesunden Mann in aufrechter Stellung während einer tiefen Ein-
und Ausatmung (beginnend mit dem Moment tiefsten Inspiriums
und wieder mit ihm endend). Während dieses Vorganges er¬
folgte 12maliger Filmwechsel; wir haben auch Aufnahmen mit
10 maligem Filmwechsel während einer Atem phase (Ex-
Fig. 10. Fig. 11. Fig. 12.
spiration) hergestellt; es zeigte sich jedoch, dass 6 Bilder für
die kinematographische Wiedergabe einer Phase ausreichend
sind.
Um scharfe Röngenogramme der in ununterbrochener Be¬
wegung befindlichen Organe zu erhalten, durfte natürlich die
Expositionszeit für jede einzelne Aufnahme nur einen sehr
kleinen Bruchteil einer Sekunde betragen. Aus dem gleichen
Grunde mussten auch besonders scharf zeichnende Röhren ver¬
wendet werden. Beiden Punkten konnten wir in vorzüglichei
Weise mittels des R o s e n t h a 1 sehen Universalinduktors ge¬
nügen.
Die auf den Bildern sichtbaren Marken rühren von Blei¬
plättchen her und dienen als Fixpunkte für die Einstellung beim
Vergleich der verschiedenen Phasenbilder.
Die Bio-Röntgenogramme der (in den Figuren 1—12) zur
Darstellung gebrachten linken Thoraxhälfte zeigen in eklatanter
Weise die bedeutende Veränderung der Herzsilhouette sowie
der Stellung und Form der Zwerchfellkuppe während der At¬
mung und die Stellungsänderung der einzelnen Rippen.
2. Bio-röntgenographische Darstellung
der Magen beweg ung.
Die Röntgenogramme (Fig. 13—22) sind von einem 19 jäh¬
rigen Mädchen gewonnen, welchem kurz vor der Aufnahme
der in üblicher Weise hergestellte Wismutbrei verabreicht
worden war. Sie wurden aufgenommen bei mässig tiefer In¬
spiration, und zwar während einer Atempause, um die Peri¬
staltik unbeeinflusst von der Atembewegung darzustellen. Bei
Äer relativen Langsamkeit der Bewegungen des Magens konn¬
ten die zeitlichen Zwischenräume zwischen den einzelnen Auf¬
nahmen grösser bemessen werden, als dies bei der Darstellung
der Atembewegung der Fall war; dagegen musste jede einzelne
Aufnahme natürlich auch hier wieder aus den bereits oben
genannten Gründen in einem sehr kleinen Bruchteil einer Se¬
kunde erfolgen.
Wir haben bis jetzt nur wenige Mägen nach der neuen
Methode untersuchen können. Unsere bisherigen Beobach¬
tungen weisen aber schon darauf hin, dass die Magenbe-
3
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wegungen am Antrum pyiorr sich ganz anders ab¬
spielen als man bisher angenommen hat. Als Beleg
hiefür möchten wir auf die beigegebenen Figuren hin-
Fig. 15. Fig. 16.
Fig. 19. Fig. 20.
Fig. 21. Fig. 22.
weisen, nach welchen die Bewegungsvorgänge folgen-
dermassen ablaufen: An der grossen Kurvatur gegen¬
über dem Angulus bildet sich eine Einschnürung, welche
sich allmählig vertieft und gegen den Pylorus zu wandert (siehe
Fig. 19 —22 und 13—15). Etwa gleichzeitig mit dem Eintritt
dieser Einschnürung entwickelt sich an der tiefsten Stelle des
Angulus eine Verbreiterung (Fig. 18), an welcher unmittelbar
darauf (Fig. 19) eine zunächst kleine, bald aber grösser und
grösser werdende Ausbuchtung auftritt (Fig. 20—22 und 13
bis 17). Mit fortschreitender Abschnürung des Antrums py-
loruswärts entsteht aus der vorerwähnten Ausbuchtung in Ver¬
bindung mit dem entsprechenden gegenüberliegenden Teil der
grossen Kurvatur die ursprüngliche Konfiguration des Antrum,
an dem sich die geschilderten Bewegungsvorgänge dann auis
neue abspielen. (Die über dem Pylorus sichtbaren,, unregel¬
mässig gestalteten Figuren rühren von Wismutpartikeln im An¬
fangsteil des Duodenums her.)
In einer späteren ausführlicheren Mitteilung gedenken wir
an Hand von Original-Bio-Röntgenogrammen hierauf zurück¬
zukommen, desgleichen auf die technische Seite der neuen
Methode und auf die Anwendung der letzteren auch auf andere
Körperorgane.
Es besteht unseres Erachtens kein Zweifel, dass die Bio-
röntgenographie ebenso wie für die Erforschung physio¬
logischer auch für das Studium pathologischer Be¬
wegungsvorgänge an inneren Organen sich als wertvoll er¬
weisen wind.
Aus der medizinischen Klinik zu Erlangen (Direktor: Geh. Hof¬
rat Prof. Dr. Penzoldt).
Zur Differentialdiagnose der Zwerchfellhernie und des
einseitigen idiopathischen Zwerchfellhochstandes (infolge
von Zwerchfell-Atrophie).*)
Von Privatdozent Dr. med. H. König er, Oberarzt an der
medizinischen Klinik.
M. H.! Die Beobachtung eines neuen einschlägigen
Krankheitsfalles ist die Veranlassung, dass ich mir erlaube,
Ihre Aufmerksamkeit kurz auf die heute noch bestehenden
Schwierigkeiten der klinischen Unterscheidung der Zwerch¬
fellhernie und der einseitigen Zwerchfellatrophie
(der sogen. Eventratio diaphragmatica) zu lenken.
Die Kranke, die ich Ihnen hier vorstelle, ein 27 jähriges Fräulein
H. aus N., Schneiderin von Beruf, suchte zum ersten Male an.
22. II. 08 die medizinische Klinik auf mit der Angabe, dass sie seit
etwa acht Tagen an heftigen Schmerzen in der linken Brustseite, an
Atemnot und geringem Fieber (ohne Husten und ohne Auswurt)
erkrankt sei.
Bei der objektiven Untersuchung wurde folgender Befund er¬
hoben, wie er im wesentlichen auch jetzt noch besteht: Ausser einer
leichten Struma, einem geringen Exophthalmus und den Zeichen einer
etwas gesteigerten allgemeinen Erregbarkeit fällt sofort eine leichte
Vorwölbung des linken Rippenbogens und des linken Epigastriunis
und ein Zurückbleiben der linken Seite bei der Atmung auf. Eine
Atemnot ist in der Ruhe nicht zu bemerken. Ueber der rechte n
Lunge bei der Perkussion und Auskultation durchweg normale Ver¬
hältnisse. Links hinten steht die untere Lungengrenze 2—3cm
höher als rechts und ist schlecht verschieblich; oberhalb der Grenze
der Schall wohl etwas tympanitisch, aber nicht erheblich verändert;
dagegen ist das Atemgeräusch über der unteren Hälfte des linken
Unterlappens auffällig abgeschwächt. Diese (zunächst festgestellten)
Veränderungen, das bestehende mässige Fieber von 38,5 0 und die sub¬
jektiven Klagen entsprachen also einigermassen der Diagnose Pleu¬
ritis, unter welcher die Patientin der Klinik überwiesen war.
Bei der physikalischen Untersuchung der vorderen Brust¬
wand bot sich mir nun aber ein eigentümlicher Befund: Links
von der 2. Rippe abwärts heller tympanltischer
Schall, der nach unten ohne Grenze in den Magenschall übergeht.
Linkerseits keine Herzdämpfung. Statt dessen auf
dem unteren Sternum und rechts daneben eine ziemlich grosse
Dämpfung, deren rechte Grenze 3cm vom rechten Sternal-
rand ziemlich steil nach oben bis zum Ansatz der 2. Rippe verläuft,
während die linke ungefähr dem linken Sternalrand entspricht:
über dieser Dämpfung laute reine Herztöne. Im Bereich des tym-
panitischen Schalles überall deutliches Atemgeräusch zu hören, frei¬
lich leiser als rechts. Schon deswegen war (ganz abgesehen von
dem relativen Wohlbefinden, dem Mangel von Dyspnoe etc.) ein
Pneumothorax nicht gerade wahrscheinlich, der tympanitische Schall
schien vielmehr von dem geblähten Magen herzurühren, der auch das
linke Epigastrium vorw’ölbte. Die vorgew'ölbte linke Hälfte des
*) Nach einem im ärztlichen Bezirksvercin Erlangen ani lffe
Mai 1908 gehaltenen Vortrage.
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9. Februar 1909.
MÜENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
m
Epigast ri um auffallend druckschnierzhaft. Hinzufügen will ich,
dass später bei Stäbchen-Plessimeter-Perkussion an der linken Brust¬
wand bisweilen metallische Phänomene und beim Schütteln des
Rumpfes auch Plätschergeräusche zu hören waren, dass ferner nach
Genuss einer grösseren Flüssigkeitsmenge eine
grössere Dämpfung links hinten unten auftrat, welche nach Vorn¬
überbeugen des Rumpfes verschwand, während dafür in der ge¬
bückten Haltung eine intensive Dämpfung in dem bei aufrechter
Stellung tympanitisch schallenden Bezirk der vorderen Brustwand
nachweisbar wurde.
War es schon nach dem Ergebnis der Perkussion und Aus¬
kultation sehr wahrscheinlich, dass wir es mit einem Hochstand
des Magens und Verdrängung des Herzens nach
rechts auf Grund einer Abnormität des Zwerchfells zu
tun hatten, so bestätigte die Durchleuchtung des Brustkorbes mit Rönt¬
genstrahlen in kürzester Frist die gehegte Vermutung. Bei der Rönt¬
gendurchleuchtung sah man vor allem sofort die Dextro-
kardie, das Herz lag vor und rechts von der Wirbelsäule; die
steil nach aufwärts verlaufende rechte Grenze stimmte sehr gut
mit der ohne Voreingenommenheit gefundenen Grenze der relativen
Herzdämpfung überein. Die rechte Zwerchfellkuppe stand in nor¬
maler Höhe und bewegte sich bei der Atmung in normaler Weise;
linkerseits wurde die Zwerchfellkuppc an der ge¬
wöhnlichen Stelle vermisst, dagegen sah man etwa
handbreit höher einen scharfen, linienförmigen
Schatten in einem nach oben konvexen Bogen vom Mediastinum
zur linken Brustwand hinüberziehen. Unter dieser Linie fand
sich ein grosser, lufthaltiger Hohlraum, dessen untere
und äussere Begrenzung zu verschiedenen Zeiten wechselte. Wenn
die Patientin kurz vor der Durchleuchtung eine grössere Menge
(Yz Liter) Flüssigkeit getrunken hatte, so trat im unteren Teil des
Hohlraumes ein nach oben horizontal begrenzter Schatten auf, der bei
Bewegungen der Patientin hin und her schwankte; gelegentlich waren
in diesem Flüssigkeitsspiegel auch in der Ruhe deutliche
regelmässige Wellen zu beobachten, welche offenbar durch die Fort¬
leitung der pulsatorischen Bewegung des Herzens hervorgerufen
wurden. Eine photographische Aufnahme, die in sitzender
Stellung in dorsoventraler Richtung bei ziemlich tiefer Inspiration
aufgenommen wurde, lässt sowohl die Dextrokardie wie den etwa
die untere Hälfte des linken Lungenfeldes einnehmenden grossen luft¬
haltigen Hohlraum mit seiner oberen bogenförmigen Begrenzung gut
erkennen; unterhalb des Luftraumes liegt (in der Höhe des Zwerch-
fellstandes der anderen Seite) ein unregelmässiger dunkler Schatten,
der z. T. wohl durch die Milz verursacht wird; darunter sieht man
einen kleineren lufthaltigen Raum, offenbar das Colon descendens.
(Siehe Abbild.)
Ein anderes nach Genuss von Wismutbrei aufgenommenes Bild,
auf dessen Reproduktion ich leider aus technischen Gründen ver¬
zichten muss, zeigt den Brei in ovaler Form im Hohlraum zusammen¬
geballt. An der Tatsache, dass der grosse Hohlraum vom Magen
gebildet wird, ist nach alledem nicht zu zweifeln.
Wichtiger als die photographischen Momentbilder ist unstreitig
die längere und wiederholte Beobachtung des
Durchleuchtungsbild es auf dem Röntgenschirm. Es war
dabei zu bemerken, dass die Grösse des lufthaltigen Hohlraumes je
nach dem Füllungszustand des Magens wechselte; der bogenförmige
Schatten war aber zu den verschiedensten Zeiten immer in der
gleichen Weise zu sehen. Während der Phase der Inspiration schien
bei der einfachen dorsoventralen Durchleuchtung die Schattenlinie
um ein wenig nach abwärts zu gehen, tatsächlich war aber diese
Bewegung nur eine scheinbare, es wurde diese Erscheinung nur
durch die gleichzeitige Hebung der Rippen vorgetäuscht: Bei or-
thodiagraphischer Aufzeichnung war eine mess¬
bare respiratorische Bewegung des linienförmigen
Schattens nicht festzustellen.
Erwähnt sei noch, dass die motorische und chemische Funktion
des Magens normal war, dass aber eine Messung der Druckverhält¬
nisse im Magen nicht vorgenommen werden konnte, da die Patientin
nach Einführung der Magensonde, sobald diese die Gegend der Kardia
passierte, regelmässig krampfhafte Schmerzen und unüberwindlichen
Würgreiz bekam.
Die festgestellte Hinaufdrängung von Baucheingeweiden
in den Thoraxraum konnte ihre Ursache nur in einer Erkran¬
kung der linken Zwerchfellhälfte haben.
Es sind nun aber verschiedene Anomalien des
Zwerchfelles bekannt, die zu einem solchen abnormen
Hochstand des Magens führen können:
Erstens gibt es Spaltbildungen im Zwerchfell
mit Durchtritt von Baucheingeweiden* in die Brusthöhle: die
eigentliche Hernia d i a p h r a g m a t i c a, die man als
Hernia d. v e r a bezeichnet, wenn die Eingeweide von einem
aus Peritoneum und event. auch aus Pleura gebildeten Bruch¬
sack eingehüllt bleiben, dagegen als Hernia d. spuria oder
falsa, wenn> nicht nur das Zwerchfell, sondern auch Peri¬
toneum und Pleura durchbrochen sind, so dass die Bauch¬
organe frei in die Brusthöhle hineinragen. Diese letzteren
falschen Zwerchfellhernien, die nach strengem chirurgischen
Sprachgebrauch zu den Prolapsen gehören, kommen etwa 7 mal
so häufig vor, als die (mit einem Bruchsack versehenen)
wahren Hernien.
Zweitens kommt eine abnorme Ausbuchtung
des in< seiner Kontinuität erhaltenen Zwerchfells in den Thorax¬
raum vor: Dabei ist eine Zwerchfellhälfte hochgradig gedehnt
und in einen grossen dünnwandigen Sack umgewandelt,
welcher hoch in den Brustkorb hineinragt. Dieser Zustand,
den man mit dem unzweckmässigen Namen „Eventratio
diaphragmatica“ belegt hat, ist im Vergleich zu der
Hernie äusserst selten. Obgleich die Anomalie bereits
seit dem Beginn des vorigen Jahrhunderts bekannt ist 1 ), sind
bisher kaum 10 Fälle davon beschrieben, während über
500 Zwerchfellhernien publiziert worden sind. Die Ur¬
sachen der Erkrankung, die bisher nur an der linken
Zwerchfellhälfte beobachtet wurde, sind noch ziemlich unklar.
Soweit man sich aus den wenigen anatomischen Unter¬
suchungen ein Urteil zu bilden vermag, scheint es sich in den
meisten Fällen um kongenitale Veränderungen gehandelt
zu haben. So fand Tho m a [4] zwischen den aus Pleura und
Peritoneum bestehenden Deckblättern eine mittlere schleier¬
ähnlich durchbrochene Membran aus derbem sehni¬
gen Bindegewebe, die hinten und seitlich in die mus¬
kulösen Platten des Zwerchfelles überging, während sie vorn
nur wenige Muskelfasern enthielt. Der ausgebuchtete Teil des
Zwerchfelles wurde also im wesentlichen durch einen binde¬
gewebigen Sack gebildet, die Muskulatur aber war
offenbar nur in den basalen Teilen des Zwerch¬
felles entwickelt und Hess, soweit sie überhaupt vor¬
handen war, keine degenerativen Veränderungen erkennen.
Thoma nahm um so bestimmter einen Entwicklungs-
fehler an, als das gleichzeitige Vorhandensein von sieben
pathologischen Bauchfellausstülpungen auf kongenitale Stö¬
rungen in der Entwicklung der Bauchhöhlenwandung hinwies.
Aehnlich war der anatomische Befund in einem Falle von
D oering [9]. Dagegen konstatierte Ben da im Falle
von Glaser [10], dass die Muskulatur der er¬
krankten linken Zwerchhälfte vollkommen angelegt
war, dass aber an Stelle der Muskelfasern parallele
Stränge von Fettzellen getreten waren; es schien
eine Muskelatrophie mit Iipomatöser Pseudo¬
hypertrophie vorzuliegen. Die Annahme von F. A.
Hoffman n [15], dass der bei chronischer Aufblähung von
Magen und Darm ziemlich oft beobachtete leichte Hochstand
des linken Zwerchfelles das Anfangsstadium der Eventratio
sei, hat schon wegen der Seltenheit des letzteren Leidens und
wegen des Mangels von Uebergängen zwischen den doch recht
verschiedenen Krankheitszuständen wenig Wahrschein¬
lichkeit für sich; eine einfache mechanische Hinauf-
drän-gung des Zwerchfelles hat allem Anschein nach niemals
jene hochgradige Atrophie des Zwerchfells zur Folge. Viel¬
mehr liegt den Fällen von Eventratio offenbar immer eine
D Genauere historische Angaben finden sich in den Arbeiten
von Thoma [4] und von Glaser [10].
3 *
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Qrifmal fram
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
schwere Veränderung der Zwerchfellmusku¬
latur zu Gründe, die entweder auf Entwicklungsfehlern oder
auf einer erworbenen Schädigung des Nervus phrenicus oder
der Muskulatur selbst beruht.
Dringend zu wünschen ist eine Umänderung der
Nomenklatur, dader Name „Eventratio“, welcher
zuerst von J. L. Petit und Cruveilhier [l] gebraucht
worden zu sein scheint und leider von den späteren Autoren
beibehalten wurde, den eigentümlichen Zustand in
keiner Weise kennzeichnet und nur zu Verwir¬
rungen Anlass geben kann. Unter einer Eventration verstehen
die Chirurgen einen solchen Eingeweidebruch, bei dem der
grösste Teil der Eingeweide ausserhalb der Bauchhöhle ge¬
lagert ist, das Wort „Eventration“ bezeichnet
also nicht die Form, sondern lediglich die Grösse
der Eingeweidedislokation. Der Name „Eventratio
diaphragmatica“ besagt daher an sich nichts
über die Natur der Zwerchfellanomalie; er dürfte in erster
Linie für die Fälle mit grossem Zwerchfell¬
defekt zutreffen, bei denen tatsächlich ein grosser Teil des
Bauchinhaltes in die Brusthöhle verlagert ist; so sagt
Leichtenstern [3]: „Die kongenitalen Defekte betreffen
häufig grosse Partien des Zwerchfelles und gehen oft mit
wahrer Eventration einher.“ Für den Zwerch¬
fellhochstand aber, bei dem die Eingeweide doch im
Bereich der vom Zwerchfell abgeschlossenen und nur etwas
erweiterten Bauchhöhle bleiben, ist d e r N a m e „Even¬
tratio“ wohl am allerwenigsten geeignet, und ich
möchte daher, einer Anregung meines hochverehrten Chefs
Herrn Prof. P e n z o 1 d t folgend, nachdrücklich eine Ab¬
schaffung dieser willkürlichen und nichtssagenden Benennung
befürworten.
Klinisch charakterisiert sich die bisher als Eventratio
diaphragmatica bezeichnete Erkrankung als ein einseiti¬
ger (linksseitiger) extremer Zwerchfellhoch¬
stand mit beträchtlicher Verminderung bezw.
Aufhebung der Bewegungsfähigkeit — die Funk¬
tionsstörung bedarf freilich noch einer sorgfältigen Unter¬
suchung — beim Mangel irgendwelcher beson¬
deren, den Stand und die Bewegung des Zwerchfelles be¬
einflussenden mechanischen Momente. Zur Un¬
terscheidung von dem gewöhnlichen Zwerchfell¬
hochstand durch mechanische Hinaufdrängung möchten
wir für diesen auf einer Erkrankung der
Z w e r chf e 11 m u sk u la t u r beruhenden Hoch¬
stand den Namen „idiopathischer Zwerchfell¬
hochstand“ vorschlagen, während die anatomische
Grundlage der Erkrankung einstweilen wohl am treffendsten
als Zwerchfellatrophie zu bezeichnen sein dürfte.
Welche Veränderung liegt nun in unserem Ealle vor?
M. H., unsere objektiven Feststellungen reichen auch unter Be¬
rücksichtigung der in der Literatur niedergelegten Erfahrungen
nicht zu einer sicheren Diagnose aus. Gestatten Sie mir,
mit einigen Worten auf die Geschichte der klini¬
schen Diagnose der Zwerchfellhernien einzugehen!
Obwohl Leichtenstern[2] bereits im Jahre 1874 eine
Zwerchfellherme mit aller Sicherheit intra vitam diagnostiziert
und die Grundlagen dieser Diagnose in einer mustergültigen
Beschreibung festgelegt hat, ist die Auffindung von Zwerch¬
fellhernien am Lebenden auch später nur in ganz verein¬
zelten Fällen geglückt. In neuester Zeit bot sich nun in der
Röntgendurchleuchtung ein diagnostisches Hilfsmittel, das zu¬
erst von Hirsch [6] angewendet wurde. Aber nur in einem
Teil der untersuchten Fälle (so in denjenigen von Strup-
p 1 e r [7] und Herz [12]) gelang es damit, die Diagnose einer
Zwerchfellhernie zu sichern. In anderen Fällen (und speziell
auch in dem von Hirsch [6] mitgeteilten Falle) stellten sich
Schwierigkeiten in den Weg. Zufällig waren nämlich um jene
Zeit kurz nach einander zwei Fälle von idiopathi¬
schem Zwerchfellhochstand zur Beobachtung ge¬
langt, welche beide durch die Autopsie aufgeklärt wurden, im
Jahre 1902 ein von D o e r i n g [9] publizierter Fall, der aller¬
dings nicht mit Röntgenstrahlen untersucht war, und im Jahre
1903 ein Fall von Glaser [10], welcher früher von W i d e n -
No. 6.
mann [8] als Zwerchfellhernie beschrieben worden war. In
dem letzteren Falle war das hinaufgedrängte Zwerchfeü bei
der Röntgendurchleuchtung als bogenförmige Linie im linken
Brustraum zu sehen gewesen; man hatte aber, obwohl die
Kuppel inspiratorisch etwas nach abwärts gerückt war (W i -
denmann), einen weiter unten liegenden Schatten irrtümlich
als Zwerchfell angesprochen, deswegen die Diagnose auf Hernie
gestellt und sogar einen Operationsversuch gemacht.
Die Aehnlichkeit des Röntgenbildes dieses
autoptisch sichergestellten Falles von Zwerchfell¬
hochstand mit demjenigen des Hirsch sehen Falles er¬
weckte nun vielerorts den Verdacht auf das Bestehen
einer gleichartigen Erkrankung; besonders waren
es Hildebrand und Hess [11], welche mit einer grös¬
seren Zahl von Beweismitteln für die Diagnose „Eventratio“
in dem Hirsch sehen Falle eintraten. Ausserdem aber
wurden in auffällig rascher Folge auf Grund des
Röntgenbefundes neue Fälle von „Eventratio“ be¬
schrieben. So wurde von Lotze [16] in der Leipziger
Klinik eine Eventratio diagnostiziert, weil man hier (im Gegen¬
satz zum Hirsch sehen Falle) Zwerchfellbewegungen ober¬
halb der eingeführten Sonde zu sehen glaubte; die ein Jahr
darnach von Risel [17] ausgeführte Sektion ergab aber eine
grosse Hernia spuria. Und Arnsperger [19] geht in einer
kürzlich erschienenen Arbeit so weit, nahezu sämtliche in den
letzten Jahren publizierten Fälle von Zwerchfellanomalie (die
Fälle von Hirsch, Struppler, Herz, Kienböck [18])
auf Grund des Röntgenbefundes zur Eventratio zu rechnen
und ihnen einen neuen Fall mit der klinischen Diagnose Even¬
tratio anzuschliessen (dessen Krankengeschichte mir mit viel
grösserer Wahrscheinlichkeit für eine traumatische Hernie zu
sprechen scheint).
Dem gegenüber ist zu bedenken, dass die plötzliche
Häufung der klinischen Diagnose „Even¬
tratio“ vorläufig in striktem Widerspruch zu der
pathologisch-anatomischen Erfahrung von der eminenten
Seltenheit dieses Leidens steht. Tatsächlich ist denn auch das
Vorhandensein eines Zwerchfellhochstandes in den in Rede
stehenden Fällen keineswegs wahrscheinlich gemacht. Die
immer wieder aufgeworfene Frage, ob die „bogenförmige
Schattenlinie“ des Röntgenbildes durch Magenwand allein
oder durch Magenwand und Zwerchfell gebildet wird, ist
deswegen so schwer zu beantworten, weil in den Fällen von
idiopathischem Hochstand das Zwerchfell zwar in seiner
Kontinuität erhalten, aber degeneriert und nicht ordentlich
funktionsfähig ist. Daher braucht der linienförmige Schatten,
auch wenn er das Zwerchfell enthält, sich bei der Atmung nicht
zu bewegen; und andererseits kann die Linie sich wohl respira¬
torisch mitbewegen, auch wenn sie nur von der Magenwand
gebildet wird, nämlich dann, wenn der Magen an der Durch¬
trittsstelle mit dem Zwerchfell zusammenhängt und so passiv
mit heruntergezogen wird. Deshalb darf man meines Er¬
achtens auch der von Jam in [13] bei Phrenikusreizung be¬
obachteten geringen Bewegung der medialen Partien des
Schattens kein so entscheidendes Gewicht beilegen, wie es
Hess [14] tut, zumal Jam ins orthodiagraphische Aufzeich¬
nungen ergaben, dass die (von Hess u. a. als Hauptbeweis¬
mittel angeführte) vermeintliche respiratorische
Bewegung des bogenförmigen Schattens minimal war.
Gegen die von Hirsch zu Gunsten der Hernie aus¬
gelegte Beobachtung, dass die in den Magen eingeführte Sonde
sich mit einer scharfen Abknickung nach oben wendete, sind
von Hildebrand und Hess [11] berechtigte Bedenken ge-
äussert. Aber wenn man auch zugibt, dass die Beweisführung
von Hirsch unzureichend war, so sind doch andererseits
alle von Hildebrand und Hess u. a. aufgezählten Mo¬
mente, welche die Beteiligung des Zwerchfelles an der bogen¬
förmigen Schattenlinie dartun sollten, tatsächlich ebenso wenig
stichhaltig. Beachtenswert ist eine Angabe von Herz [12],
welcher an der in einer Zwerchfellhernie gelegenen Flexura
lienalis — der Magen lag in diesem Falle an normaler Stelle —
eine paradoxe respiratorische Bewegung, Hebung bei der In¬
spiration und Senkung bei der Exspiration, zu sehen glaubte.
Da es sich aber auch hierbei nicht um eine regelmässige Er-
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
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scheinung, sondern um ein verhältnismässig seltenes Vorkomm¬
nis zu handeln scheint, so müssen wir sagen, dass die Rönt¬
genuntersuchung, so sehr sie die Erkennung einer
Zwerchfellanomalie an sich erleichtert, einstweilen, wenigstens
in manchen Fällen, nicht imstande ist, die
wichtige klinische Entscheidung zwischen
Hernie und Hochstand herbeizuführen.
So ist es auch in unserem Falle! Lediglich auf
Grund des Röntgenbildes lässt sich die Frage,
ob die Schattenlinie durch Magenwand und Zwerchfell oder
durch Magenwand allein gebildet wird, nicht beant¬
worten. Ich glaube aber, dass wir dem Ziele näher kommen,
wenn wir unsere alten, freilich mühevolleren klinischen Me¬
thoden zu Hilfe nehmen.
Neben einer genauen und unter den verschiedensten Be¬
dingungen wiederholten Feststellung des physikalischen Be¬
fundes scheint mir namentlich auch die Anamnese nicht so
ganz selten von erheblichem diagnostischem
W e r t zu sein. Der Zwerchfellhochstand wird jedenfalls meist
leichter ertragen (im Falle von D o e r i n g [9] verlief er fast
symptomlos), er macht keine so häufigen und heftigen
Zerrungsschmerzen wie die Hernie und keine schweren Ein¬
klemmungserscheinungen; das unaufgeklärte tagelang an¬
haltende Erbrechen im Falle von Qlaser [10] ist zum min¬
desten als ungewöhnlich anzusehen. Die Ursache eines
idiopathischen Zwerchfellhochstandes (z. B. eine Erkrankung
des Nervus phrenicus?) dürfte (bei der noch herrschenden Un¬
klarheit über die Pathogenese) anamnestisch kaum zu ermitteln
sein. Anders dagegen bei der Hernie! Wenn die Anamnese
z. B. auf eine traumatische Entstehung des Leidens hin¬
weist, so darf man wohl getrost daraufhin der Diagnose einer
Hernie den Vorzug geben, wie es Kienböck [18] kürzlich
in einem auch radiologisch genau untersuchten Falle getan hat.
In unserem Falle ergibt nun die Vorgeschichte der
jetzt 27 jährigen Patientin, dass die Krankheitserscheinungen
erst relativ kurze Zeit bestehen und rasch zugenommen haben.
Als Schulkind war die Patientin sehr kräftig und „wild wie ein
Junge“, es war ihr kein Baum und keine Mauer zu hoch. Mit 14
Jahren lernte sie tanzen, dann wurde sie im Schneidern und Bügeln
ausgebildet, sie fühlte sich stets gesund und leistungsfähig. Im Alter
von 17 und 22 Jahren erlitt sie mehrere schwere seelische Auf¬
regungen, sie war von dieser Zeit ab nervös, hatte aber niemals
Atembeschwerden oder Magenstörungen. Im Jahre 1905 hatte sie
einige Wochen stechende Schmerzen in der linken Brustseite und
Kopfschmerzen; auf Bromsalz und kohlensaure Bäder Besserung.
Später wieder gesund. Im Winter 1906/07 hat sie noch sehr viel ge¬
tanzt, ohne jegliche Beschwerden.
Frühestens seit dem Sommer 1907 hat die Patientin bei An¬
strengungen bisweilen leichte Atembeschwerden und Herzklopfen be¬
obachtet. Im Herbst 1907 bekam sie mehrmals beim Verlassen
geschlossener Räume und Hinaustreten ins Freie plötzlich ein Ge¬
fühl von Luftmangel, so dass sie einige Minuten stehen bleiben
und tief atmen musste; einige Male dabei auch Schmerzen unter
demlinkenRippenbogen. Im Dezember 1907 wurden, als die
Patientin viel Treppen steigen musste, die Atembeschwerden und die
Schmerzen häufiger. Seit Weihnachten 1907 haben diese Beschwer¬
den immer mehr zugenommen: Auch bei ganz ruhigem Verhalten
stellte sich bisweilen ein kurzdauernder Schmerz am linken
Rippenbogen und zwar aneiner ganz bestimmten, eng um¬
schriebenen, etwa „fingerkopfgrossen" Stelle ein. Bei je¬
der Anstrengung aber bekam die Patientin heftigere
Schmerzen am linken Rippenbogen, Atemnot und Herzklopfen,
letzteres oft „furchtbar stark“ und zwar „in der Mitte der Brust“,
oft auch stechende Schmerzen am Rücken. Mitte Januar 1908 wurde
Patientin beim Tanzen plötzlich schwindlig, blass und matt; darauf
folgte ein länger anhaltendes Herzklopfen und starke Schmerzen am
linken Rippenbogen.
Mitte Februar 1908 bekam die Patientin plötzlich einen
Anfall von sehr heftigen Schmerzen am linken Rippen¬
bogen, die mehrere Tage anhielten; zugleich bildete sich eine Vor¬
wölbung der linken unteren Brustgegend aus, die
untersten Rippen links vorn waren angeblich so stark vorgewölbt,
dass es nach dem Ausspruch ihrer Mitschneiderinnen „wie ein zweiter
Busen“ aussah. Auf kalte Umschläge Besserung, aber diese Gegend
ist seitdem immer noch etwas aufgetrieben und empfindlich ge¬
blieben, die Patientin kann daselbst nicht den leisesten Druck ver¬
tragen.
Während des Aufenthaltes der Patientin in der medizinischen
Klinik vom 22. II. bis 5. III. 08 besserten sich die Beschwerden rasch,
nach Wiederaufnahme der Arbeit kehrten sie jedoch zeitweise recht
heftig wieder, namentlich bei leerem Magen und nach sehr reich¬
licher Nahrungszufuhr. Beim Aufsein fühlt sich die Patientin wohler
als im Bett, insbesondere kann sie nicht auf der linken Seite liegen,
auch bei starkem Erheben des linken Armes stellen sich Schmerzen
am Rippenbogen ein.
M. H.! Diese anamnestischen Erhebungen scheinen mir
doch ganz lehrreich zu sein. Nach vorübergehenden leichteren
Störungen im Jahre 1905 haben sich in dem vorliegendem Falle
seit dem Dezember 1907 häufige Anfälle von Atembeschwerden
zugleich mit heftigen Schmerzen an einer eng umschriebenen
Stelle unterhalb des linken Rippenbogens eingestellt, worauf
sich im Februar 1908 plötzlich eine äusserst schmerzhafte Auf¬
treibung am linken Rippenbogen entwickelte, die sich nur
langsam zurückbildete und zum Teil noch heute besteht.
Nehmen wir dazu die oben geschilderten Magenbeschwerden,
die krampfhaften Magenschmerzen bei der Sondeneinführung,
die Vorwölbung und hochgradige Druckempfindlichkeit des
linken Epigastriums, die Schmerzen bei linker Seitenlage und
beim Erheben des linken Armes, so sind dieseklinischen
Erscheinungen nur durch die Annahme fortwähren¬
der Zerrungen und Knickungen der Einge¬
weide, insbesondere des Magens zu erklären, wie
sie wohl als charakteristisch für das Vorhanden¬
sein einer Hernie bezeichnet werden dürfen. Und so,
glaube ich, weisen uns die klinischen Erscheinungen den Weg
zur Diagnose einer Hernie, wenn das Röntgenbild
dem von Widenmann und Glaser publizierten Falle von
Zwerchfellhochstand auch noch so ähnlich sehen mag.
Zwar bedarf die Deutung der Röntgenbilder noch weiterer
Aufklärung durch anatomische Untersuchungen; es ist aber
trotz aller Einwendungen sehr wahrscheinlich, dass der viel¬
umstrittene bogenförmige Schatten auch durch die Magenwand
allein hervorgerufen sein kann, wie es Hirsch in dem ersten
mit Röntgenstrahlen untersuchten Fall von Zwerchfellhernie
angenommen hat. Für die klinische Diagnose des
idiopathischen Zwerchfellhochstandes aber
müssen zuverlässigere Beweise abgewartet
werden, als sie in den bisher unter der Diagnose „Even¬
tratio diaphragmatica“ veröffentlichten Fällen beigebracht
werden konnten.
Literatu r:
1. Cruveilhier: Traitö d’anatomie pathologique gönerale.
Tome I, p. 618 (zitiert nach Thoma). — 2. Leichtenstern:
Zur Diagnose der Hernia diaphragmatica. Berlin, klin. Wochenschr.,
1874, No. 40—44. — 3. Derselbe: Verengerungen, Verschliessungen
und Lageveränderungen des Darmes, v. Ziemssens Handbuch der
speziellen Pathologie und Therapie, Bd. VII, 2, pag. 440, 1876. — 4.
Thoma R.: Vier Fälle von Hernia diaphragmatica. Virchows Ar¬
chiv, Bd. 88, pag. 515—555, 1882. — 5. Grosser Otto: Ueber
Zwerchfellhernien. (Statistik von 433 Fällen.) Wien. klin. Wochen¬
schrift, 1899, pag. 655. — 6. Hirsch Karl: Zur klinischen Diagnose
der Zwerchfellhernie. Münch, med. Wochenschr., 1900, No. 29. — 7.
Struppler Theodor: Ueber den physikalischen Befund und die
neueren klinischen Hilfsmittel bei der Diagnose Zwerchfellhernie.
Deutsches Archiv für klin. Med., 1901, Bd.. 70, pag. 1. — 8. Widen¬
mann: Zur Kasuistik der Zwerchfellhernien beim Lebenden. Berl.
klin. Wochenschr., 1901, pag. 279. — 9. Doering Hans: Ueber
Eventratio diaphragmatica. Deutsch. Archiv f. klin. Med„ 1902, Bd.
72, pag. 407. — 10. Glaser Felix: Ueber Eventratio diaphragmatica.
Deutsch. Archiv f. klin. Med., 1903, Bd. 78, pag. 370. — 11. Hilde-
brand H. und Hess O.: Zur Differentialdiagnose zwischen Hernia
diaphragmatica und Eventratio diaphragmatica. Münch, med. Wo¬
chenschrift, 1905, pag. 745. — 12. Herz Albert: Zur Diagnostik der
Zwerchfellhernie. Münch, med. Wochenschr., 1905, pag. 1925. — 13.
Jam in Friedrich: Ueber den Einfluss der Phrenikusreizung beim
Menschen nach Röntgenuntersuchungen. Festschrift für J. Rosen¬
thal, 1906. G. Thieme, Leipzig. — 14. Hess Otto: Ueber Even¬
tratio diaphragmatica. Deutsche med. Wochenschr., 1906, No. 49,
pag. 1990. — 15. H o f f m a n n F. A.: Ueber die moderne Therapie der
chronischen Herzkrankheiten. Berl. klin. Wochenschr., 1906, No. 14,
pag. 412. — 16. Lotze Konrad: Ueber Eventratio diaphragmatica.
Deutsche med. Wochenschr., 1906, pag. 1622. — 17. Risel W.:
Mehrere Fälle von Zwerchfellhernien. Münch, med. Wochenschr.,
1907, pag. 637. — 18. Kienböck R.: Ein Fall von Zwerchfell¬
hernie mit Röntgenuntersuchung. Zeitschr. f. klin. Med., 1907, Bd.
62, pag. 321. — 19. Arnsperger Hans: Ueber Eventratio dia¬
phragmatica. Deutsch. Arch. f. klin. Med., 1908, Bd. 93, pag. 88.
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286
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 6.
Die Plastizität der Lebersubstanz*).
Von Professor Dr. Max Flesch.
Die anatomische Beschreibung der Leber bezeichnet einige
der an ihrer Oberfläche sichtbaren Vertiefungen nach den an
der Stelle der letzteren gelegenen Organen als Eindrücke; man
spricht von einer Impressio renalis und Impressio colica; es
wird damit zum Ausdruck gebracht, dass man die Lebersub¬
stanz für weich, jene Furchen als Wirkung des Druckes der
Nachbarorgane ansehe. Ebenso bekannt ist aus der patho¬
logischen Anatomie der Leber ihre Verunstaltung durch eine
„Schnürfurche“ als Folge eines durch lange Zeit fortgesetzten
Druckes durch das Tragen von Korsetten und Gürteln. Auch
die nicht seltenen sagittalen Furchen auf der Konvexität der
Leber sind von manchen Autoren, so (nach H e n 1 e) von
Cruveilhier als Schnürwirkung auf die weiche Leber¬
substanz angesehen worden, als Abdrücke nämlich von ver¬
meintlichen Faltungen- des Zwerchfelles infolge der queren Ein¬
schnürung des Thorax. Wir sehen daraus — eine Prüfung der
Tatsachen wird uns noch beschäftigen — dass die Plastizität
der Lebersubstanz, auch wenn sie nicht als besondere Eigen¬
schaft des Organes aufgeführt wird, gewissermassen die Vor¬
aussetzung für deren Formbeschreibung in der Norm wie in
pathologischen Zuständen gewesen ist. Es lässt sich aber
zeigen, dass diese Eigenschaft eine grössere Beachtung ver¬
dient als ihr durch diese stillschweigende Anerkennung zu Teil
wird: es kann die Plastizität der Lebersubstanz uns über das
bisher beachtete hinaus manche Aufklärung bezüglich gewisser
Befunde nicht nur bei der Obduktion, sondern bei der chirur¬
gischem Inangriffnahme beibringen.
Für die praktische Behandlung des Themas ist es wichtig,
vorher dem Begriff der Plastizität eine gewisse Beschränkung
zu geben. Eine Veränderlichkeit der Form eines Organes durch
den Druck benachbarter Organe im Gang d-er normalen Ent¬
wicklung, durch Druckwirkung von Fremdkörpern bei patho¬
logischen Zuständen oder bei künstlichen mechanischen Ein¬
griffen kommt wohl allen Geweben zu. Die Beispiele aus der
normalen Anatomie sind zahlreich; ich brauche nur etwa an
die Impressiones cerebrales der Schädelknochen zu erinnern.
Aus der Pathologie sei die Aushöhlung der Wirbelknochen
durch- die andrängende aneurysmatisch erweiterte Aorta er¬
wähnt. Die absichtliche Deformation des Schädels des Flat-
head-Indianers, die unblutige Klumpfussbehandlung, die zahn¬
ärztlichen- Erfolge bei orthodontischen Behandlungen des
Kiefers illustrieren die künstliche mechanische Umgestaltung.
Die hier gewählten Beispiele sind für die Auffassung der
Plastizität der lebenden Substanz nach mehreren Richtungen
instruktiv. Vor allem wissen wir, dass es sich bei diesen Um¬
bildungsprozessen keineswegs um einen dem modellieren eines
Tonklumpens vergleichbaren Vorgang handelt: es wird nicht
einfach durch Druck vorhandene Substanz an eine andere
Stelle geschoben und so das Bildungsmaterial in eine andere
Form gebracht. Die Umgestaltung des Knochens erfolgt be¬
kanntlich durch Auflösung der dem Druck ausgesetzten Sub¬
stanz; je nach Umständen — mechanische Druck- und Zug¬
wirkungen — stellt eine Neubildung von Knochensubstanz
anderwärts das Gleichgewicht her. Und weiter ist in den an¬
geführten Fällen — ich habe sie deshalb gewählt — nicht die
weichere unter den sich bedrängenden Massen, „der klügere
der nachgibt“: ganz entgegen dem scheinbar Selbstverständ¬
lichen, passt sich vielmehr der harte Knochen der Form des
Weichgebildes an. Nicht der mechanische Druck der Masse,
sondern die innere Spannkraft des mit einer bestimmten Wachs¬
tumsenergie vordringenden Weichgebildes wirkt in letzter
Linie formbestimmend'.
Die Beurteilung, ob die Modellierung der Oberfläche
eines Organes Folge einer plastischen Gestaltupg -durch den
Druck eines Nachbarorgancs sei, wird also erst dann möglich
sein, wenn wir ausser der Eigenform jedes einzelnen Körper¬
teiles auch dessen Spannungsverhältnisse und die der an¬
grenzenden Gebilde kennen. Nach beiden Richtungen kann die
*) Vorgetragen im Frankfurter ärztlicher Verein am 5. Okto¬
ber 1908.
blosse Betrachtung des aus dtem Zusammenhang gelösten
Einzelorganes nicht genügen. Mit Recht wird bezüglich der
Beschreibung der äusseren Formen eines Organes heute ver¬
langt, dass der Herausnahme die Härtung in situ vorauszugehen
habe. Aber auch das zeigt uns nur die Gestalt des Organes
unter den augenblicklich gegebenen Verhältnissen, d. h. bei¬
spielsweise mit den Folgen eines etwa zur Zeit der Härtung
wirkenden Druckes, etwa an der Leber, also Uebertreibung
oder Verminderung der Impressio colica je nachdem zufällig
der Dickdarm während der Härtung oder des Gefrierens leer
oder mit Kot und Gasen gefüllt war. Es wird die Biegung
des Rückenmarkes von der Stellung abhängen, welche man dem
Halse der Leiche vor dem Härten gegeben hat usw. Die
Eigenform eines Organes, wie sie sich aus seiner Massen¬
verteilung und den elastischen Spannungsverhältnissen
zwischen oberflächlichen und; inneren Gewebsschichten ergibt,
ist auch aus der vorgängigen Härtung in situ nicht immer
klarzustellen.
Am eklatantesten zeigt sich uns das bei der Untersuchung
des Rückenmarkes. Das herausgenommene Mark sehen wir
bekanntlich als flachen, zylindrischen Strang der Unterlage
anliegen. In situ erscheint es verschieden gekrümmt, je nach
der Haltung der Wirbelsäule und — deren Form entsprechend
— je nach dem Lebensalter, fast gerade bei dem Neugeborenen,
erst später in den bekannten Biegungen gekrümmt. Dem¬
entsprechend gehen alle älteren Beschreibungen über die Bie¬
gungen des Rückenmarkes hinweg. Erst seit meine, zum Teil
mit Dr. E b e 1 i n g gemeinsam ausgeführten Untersuchungen 1 )
den Nachweis erbracht haben, dass das Rückenmark seine
Eigenform mit ganz charakteristischen Biegungen besitzt, ist in
den meisten Lehrbüchern eine „Nackenkrümmung“ in die Be¬
schreibung aufgenommen worden. Wir gingen damals so vor,
dass wir das isolierte Mark zur Härtung in Flüssigkeiten
brachten, deren spezifisches Gewicht möglichst genau auf das
des Markes abgestuft war, so dass es bis zu beendeter Här¬
tung frei schwimmend aufbewahrt wurde. Es gelang auf
diesem Weg zu zeigen, dass selbst die S-Biegung des Vogel¬
skeletts sich in der Eigenform des Rückenmarkes abspiegelt.
Daraus folgt nun aber keineswegs, dass die Form der Wirbel¬
säule sich aus der des Rückenmarkes ableite: man könnte ja
durch die Anpassung des Schädels an die Gehirnform zu
diesem Trugschluss versucht sein. Wir wissen aber, dass für
die Skelettform die mechanischen Verhältnisse der Körper¬
belastung und des Muskelzuges ausschlaggebend, dass also
Rückenmark und Gehirn einer gleichartigen Beeinflussung
unterlegen sind. Das Verhältnis des frei in seinem Kanal auf¬
gehängten Markes zu der Wand des Rohres ist eben ein ganz
anderes, als das des seiner Hülle unmittelbar anliegenden
Gehirns.
Zeigt uns das hier vom Rückenmark besprochene, welche
Schwierigkeiten unter Umständen bei der Bestimmung der
Eigenform eines Organes zu überwinden 1 sind, so leitet uns
aber auch das Ergebnis der Erörterung auf den Weg, der uns
eine Scheidung dessen vollziehen lässt, was in der Gestalt der
Leber als Ausdruck ihrer Wachstumenergie, was als plastische
Anpassung aufzufassen ist.
Eine Beeinflussung der Form der Leber w r ird sich aus dein
Anliegen von Nachbarorganen vorübergehend oder auf die
Dauer herausstellen können, sei es, dass deren Druck als Folge
ihrer Wachstumsenergie stärker ist als die eigene Wachs¬
tumsenergie der Leber, sei es, dass er, durch mechanische Ein¬
wirkungen herbeigeführt, das Gewebe derart schädigt, dass es
atrophisch schwindet. Das erklärt uns einmal die Entstehung
der mehr benannten Impressionen, Colica und Renalis; es ge¬
hört dahin noch die Incisura oesophagea hepatis, und die Inci-
sura pro vcsica fellea. Mechanischen Schwund des Leber-
gew'ebes bewirken entzündliche Stränge, Tumoren, auch fort¬
gesetzter Druck des Rippenbogens, w enn vorher die Leber so¬
weit nach unten gedrückt ist, dass das möglich wird. Aber
in diesen beiden Fällen kommt die Plastizität der Lebersub¬
stanz nicht in Betracht. An den Stellen, an welchen Nachbar-
a ) Die untere Ilalskrürnmung des Rückenmarkes der Säugetiere.
Archiv f. Anatomie u. Physiologie 1885, Anat. Abteilung S. 102.
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9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
287
organe zum Abdruck kommen, geschieht das, weil eben, wo
diese stärker wachsen, sie und nicht Lebersubstanz sich aus¬
bilden; keineswegs wird vorhandene Lebersubstanz zur Seite
gedrückt; man kann die Impressionen und Inzisuren nirgends
besser sehen, als am Neugeborenen. Und dass der atrophische
Schwund der Lebersubstanz im Grund des Schnürstreifens
oder in der syphilitischen Zirrhosennarbe ein* plastischer Um¬
lagerungsvorgang ist, bedarf keiner Auseinandersetzung.
So beschränkt sich für uns das Gebiet der plastischen
Veränderungen der Leber auf die Fälle, in welchen eine schein¬
bare Verschiebung vorhandener Substanz, bezw. eine An¬
passung der Gestaltung des Organes an äussere Druck¬
wirkungen stattfindet. Die Frage tritt hier an uns heran, ob
an der lebenden Substanz eine Verlagerung der Materie, wie
sie etwa beim Kneten des Tones stattfindet, überhaupt möglich
sei? Es ist wohl klar, dass das nur so weit dehnbar ist, als
die Umlagerung ohne Kontinuitätsrennung stattfinden kann.
Sobald die Entfernung eines Elmentarteilchens von seinem
Ort eine gewisse Grösse erreicht, müssen Zerreissungen unver¬
meidlich sein, die den Untergang der ihrer Ernährung be¬
raubten Substanzteile bewirken kann. Eine solche Plastizität
kennen wir am Menschen nur bei „Kotgeschwülsten“ und allen¬
falls bei mit breiigem Inhalt erfüllten Dermoiden; das ist beides
nicht mit einer Plastizität lebenden Substanzen Beziehung zu
setzen. Dagegen wird die plastische Beeinflussung des Leber¬
gewebes verständlich, wenn wir sie mit der etwa des öde-
matösen Hautgewebes vergleichen. An der gewaltigen Vas¬
kularisation der Leber liegt es allein, dass ihre Konfiguration
durch äusseren Druck grössere Aenderungen erfahren kann,
als irgend ein anderer Körperteil.
Die Bedeutung der Blutfülle für die Form und die Grösse
der Leber versteht man am leichtesten durch die Untersuchung
am Neugeborenen und bei Kindern. Je nach der Blutfülle kann
hier die Leber als breite, die ganze obere Hälfte der Bauch¬
höhle ausfüllende, durch eine quer in der Höhe des Nabels von
rechts nach links verlaufende Kontur begrenzte Masse er¬
scheinen (Fig. 1 u. 2) oder im entgegengesetzten Extrem —
während die Norm dem Zustand des Erwachsenen entspricht
(Fig. 3) — unter dem Rippenbogen hinter aufgetriebenen
Kolonschlingen verborgen sein. (Fig. 4). Es würde zu weit
führen, hier auf die für die Blutfülle der Leber massgebenden
Bedingungen einzugehen. Nur das sei betont, dass gerade bej
Hochstand des Zwerchfells, wenn überhaupt keine Lungen¬
atmung stattgefunden hat — Fig. 1 u. 2 zeigen das an durch
Kephalotripsie entwickelten Kindern — man jenen extremen
Tiefstand des unteren Leberrandes findet, der einem ganz
enormen Volum des blutüberfüllten Organes entspricht. Der
rechte und der linke Lappen erscheinen dabei als annähernd
gleich grosse Vierecke, bis nach allmählichem Absickern des
Blutes die bekannte Form sich herstellt. Die Plastizität der
Lebersubstanz ist sonach die Folge des eigenartigen „kavernös¬
drüsigen“ Baues als welcher die Leberstruktur stereotyp in
dem Examen eines bekannten Anatomen definiert werden
musste. Arm an Stützgewebe ist das Parenchym von einer
enormen Blutfülle gebläht; es kann durch Wegdrängen der
alle Maschenfülle ausfüllenden Flüssigkeit an der einen Stelle
komprimiert, an der anderen durch Einpressen von Blut auf¬
geschwemmt werden. Dass das in der Tat so ist, kann man
besonders gut bei künstlichen Injektionen mit Karminleim oder
Indigosuspension sehen. Unter den Augen des Experimen¬
tators erheben sich an den zufällig zuerst sich füllenden Par¬
tien dicke Knoten, die als Tumoren vorübergehend über das
Niveau der Oberfläche ragen. Ist die Injektion zu Ende, hat
sich das ausgeglichen; das Organ ist aber doppelt und dreifach
so gross als vorher eine künstliche Stauungsleber.
Wenn wir die plastischen Veränderungen der Leberform
auf Aenderungen der Blutfülle grösserer oder kleinerer Teile
des Organes zurückführen, wird uns manches aus den wech¬
selnden Befunden bei Obduktionen und Operationen leichter
verständlich. Weitergehende Volumänderungen bei der Stau¬
ungsleber Herzkranker unter Digitalisgcbrauch haben nichts
auffallendes; das Organ, das den Rippenrand um mehr als
Handbreite überragt hat, kehrt bei geeigneter Behandlung,
Bettruhe und Digitalis in Verbindung mit reichlicher Diaphorese
und Diurese, in wenigen Tagen in die normalen Grenzen zu¬
rück. In gleicher Weise wird die durch Schnüren weit nach
unten gedrängte rechte Leberhälfte in wenigen Tagen unfühl¬
bar. Mir ist ein solcher Fall bekannt, in welchem in Wider¬
spruch mit dem Hausarzt ein Nierentumor irrtümlich aus defn
Befund des weit über den Rippenbogen vortretenden rechten
Lebenlappens diagnostiziert wurde; die Laparotomie, die
h Leber, o Omentum majut. c Colon.
Situs eines Kindes von 8 Monaten,
h Leber, c Colon.
Fig. 4.
Situs bei einem Kinde von 24 Wochen. Voll-
ständige Verdeckung der Leber durch das
vorgelagerte, geblähte Colon mit hochgezo¬
gener Netzschürze.
c tr Colon transversum. o Netzschürze.
seitens eines der grössten Chirurgen auf Beschluss eines Kol¬
legiums von 7 Aerzten vorgenommen wurde, ergab einen voll¬
ständig negativen Befund. In der Zeit der Vorbereitung hatte
sich bei andauernder Bettruhe der „Tumor“ verloren. Die
Operation war gleichwohl nicht ohne Erfolg, weil die Patientin
sich wegen der grossen Bauchnarbe nicht mehr schnüren kann.
Auf demselben Weg erklären sich wohl auch die Aenderungen
des anatomischen Verhaltens der operativ blossgelegten Leber
gegenüber dem perkutorischen Befund oder selbst dem Zu¬
stand bei der Eröffnung der Bauchhöhle: die tiefe Rinne, aus
welcher die mit Steinen prall gefüllte Gallenblase ausgeschält
worden ist, flacht sich, fast unter dem Messer, zur seichten
Furche ab; ein dick vorgewulsteter linker Lappen erscheint
wenige Minuten nach dem Lösen von Netzsträngen scharf-
randig wie in der Norm usf. Und nun kommen wir zurück zu
der Frage nach der Beteiligung der Nachbarorgane an den
Druckdeformationen. Vor allem scheint es mir jetzt am
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288
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 6.
Platze, auf die wie erwähnt schon von Cruveilhier be¬
schriebenen sagittalen Furchen auf der Konvexität zurück¬
zukommen. Hier handelt es sich um akut entstehende Druck-
ohnehin durch die Eigenart ihrer Herkunft grössere Füllungs¬
schwankungen erfahren als irgend andere im Körper. Von
dieser Erwägung ausgehend, wird es sich vielleicht lohnen, in
Situs bei einem Manne (Alter nicht bekannt) mit Ver¬
lagerung des Colons auf den linken Leberlappen,
Bezeichnung entsprechend Figur 6.
Situs einer Frau mit hochgradiger Schrumpfleber (Lues)
bei Vorlagerung des Colon transversum (c. tr.)
Leber, coe Zökum. S Flexura sigmoidea.
deformationen; das beweist uns die absolut normale Be¬
schaffenheit des Lebergewebes und des Peritonealüberzuges,
soweit er in das Gebiet der Furche fällt. Die Furchen rühren
aber nicht von Faltungen des Zwerchfelles her, sondern sie
entsprechen genau — wie man gelegentlich an ganz frischen
Leiclien sehen kann — stark kontrahierten Muskelbündeln des
Diaphragma. Gelegentlich findet man auch in der Milz solche
Abdrücke. Und soweit meine Beobachtungen reichen, finden
sich diese Zwerchfellabdrücke am ausgeprägtesten da, wo ein
schwerer Todeskampf mit langem dyspnoischem Ringen statt¬
gefunden hat. — Eine andere Art der Kompressionsfurche im
Lebergewebe findet sich auf der Konvexität: bei Individuen,
bei welchen jeder Verdacht auf Schnüren etc. ausgeschlossen
ist, vor allem hydropischen mit tuberkulösen Veränderungen,
ist die vergrösserte Leber auf der Konvexität des linken Lap¬
pens quer eingedrückt durch den Rand des Rippenbogens Die
mächtig aufgetriebenen Därme haben die Substanz von unten
her gegen den Knorpelrand gedrückt. Merkwürdiger noch ist
das Entstehen einer Impression durch eine seltenere Lagen¬
veränderung des Querdarmes: Wenn dieser sich unter be¬
stimmten Verhältnissen, nämlich starker Auftreibung bei leerem
Dünndarm, vor die Leber gelagert hat (Fig. 5 und 6) — es
kommt vor, dass diese Verlagerung durch Adhäsionen der
Netzschürze an der Konvexität dauernd fixiert wird —, dann
findet sich eine seichte Impression auf der Konvexität, bedingt
durch den Druck des zwischen Diaphragma und Leber ein¬
gezwängten Darmes (Fig. 7).
So bleibt bei aller Einschränkung des Heranziehens der
Plastizität des Lebergewebes noch manches, worüber die Mög¬
lichkeit einer passiven Formveränderung durch Aenderung der
Blutfülle Aufschluss zu geben vermag. Es handelt sich dabei
keineswegs um eine nur der Leber zukommende Eigentümlich¬
keit; auch bei anderen Organen werden die Schwankungen
des Blutdruckes und der Blutverteilung unter Umständen Ver¬
änderungen der Form und der Grösse bewirken können.
Nirgends aber — allenfalls die Milz ausgenommen — werden
diese Schwankungen den Grad erreichen können, wie bei der
Leber, dem „kavernös-drüsigen“ Gebilde, dessen Blutbahnen
der klinischen Untersuchung der Beachtung der respiratori¬
schen Verschiebungen und der Volumschwankungen der Leber
auch die Prüfung auf partielle Veränderungen ihrer Form
durch plastische Anpassung anzureihen.
Aus dem Institut für Hygiene und Bakteriologie zu Strass¬
burg i. Eis. (Direktor: Prof. Dr. Förster).
Ueber fötale Typhusinfektion.
Von Dr. Walter Gaehtgens.
Bei dem Typhus abdominalis treten in den Vordergrund
des pathologisch-anatomischen Befundes die Darmverände¬
rungen, deren Verschiedenheit in Zahl und Ausdehnung, an¬
gefangen von der blossen Rötung und Schwellung einzelner
P e y e r scher Plaques oder auch nur einzelner Solitärfollikel
bis zur ausgedehnten Geschwürsbildung und Perforation, hin¬
länglich bekannt ist. Immerhin sind in der Literatur auch eine
Reihe von Beobachtungen veröffentlicht worden, welche jede
Andeutung einer Darmveränderung bei der Sektion vermissen
Hessen und bei denen lediglich durch den Nachweis der Ba¬
zillen in den Organen der Typhus diagnostiziert werden konnte.
Auch für derartige Fälle, wie sie von Banti, Karlinski,
Du Cazal, Flexner, Chiari und Kraus und zahl¬
reichen anderen Autoren ‘) beschrieben worden sind, nimmt
N e u f e 1 d l ) vorausgegangene geringfügige Krankheitspro¬
zesse des Darmes an, die zur Zeit der Autopsie nicht mehr
erkennbar waren. Andererseits wissen wir aber auch, dass
der Typhusbazillus, ohne nachweisbare Darmläsionen zu ver¬
anlassen, zuweilen eine wirkliche Septikämie hervorzurufen
vermag. Diese beim Neugeborenen resp. beim Fötus ge¬
machten Beobachtungen sind zwar zum Teil insofern nicht
als einwandsfrei zu betrachten, als die Identifizierung der iso¬
lierten Kulturen, zumal sie zu einer Zeit erfolgte, wo die
kulturellen und biologischen Eigenschaften des Typhus¬
bazillus noch nicht hinlänglich durchforscht waren, den An-
*) Zitiert nach Neufeld: Kolle und Wassermann: Hand¬
buch der pathogenen Mikroorganismen, Bd. II, pag. 274.
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9. Februar 1909.
MUKNCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
289
forderungen der modernen bakteriologischen Diagnostik nicht
immer genügen konnte. Jedoch verlieren auch diese Befunde
nicht ihre Bedeutung für die Kasuistik, da durch spätere sorg¬
fältige Beobachtungen das Vorkommen dieser immerhin sel¬
tenen Fälle sichergestellt wurde.
Zuerst berichtete Reh er [2] über intrauterine Typhusinfektion
bei einer im 6. Schwangerschaftsmonate stehenden Typhuskranken,
welche in der 3. Krankheitswoche abortierte. Bei dem 30 cm langen
Fötus Hessen sich keine Darmgeschwüre und keine Veränderungen des
Follikelapparates nachweisen. Aus der Leber wurden Mikroben ge¬
züchtet, die als Typhusbazillen angesprochen werden konnten.
Einen ähnlichen Fall beschreibt Neuhauss [3], Am 4. fieber¬
freien Tage nach einem Typhusrezidiv, das in der 4. Krankheitswoche
aufgetreten war, brachte eine Patientin einen ca. 4 Monate alten
Fötus zur Welt. Im Darme Hessen sich die für Typhus charakteristi¬
schen Veränderungen nicht nachweisen, die Milz war nicht vergrös-
sert. Aus Lunge, Milz und Niere wurden Typhusbazillen gezüchtet,
während die Untersuchung von Leber, Qehim und Darminhalt ein
negatives Ergebnis hatte.
Chantemesse und W i d a 1 [4] beobachteten ebenfalls im
4. Qraviditätsmonat einen Abort, der am 12. Krankheitstage erfolgte.
Aus dem Plazentarblut Hessen sich reichlich Typhusbazillen züchten.
Ferner konnten sie im Tierversuch bei einem 24 Stunden nach der
Impfung verendeten trächtigen Meerschweinchen Typhusbazillen im
Amnionwasser feststellen. Ein anderes Meerschweinchen abortierte
24 Stunden nach intraperitonealer Impfung. Die 2 Föten enthielten in
der Leber und Milz Typhusbazillen. Das Muttertier blieb am Leben.
Sehr eingehend und sorgfältig ist die Identifizierung der iso¬
lierten Bakterien von E b e r t h [5] ausgeführt worden. Eine Typhus¬
kranke, im 5. Monat gravida, abortiert in der 3. Krankheitswoche.
Der Fötus kommt in deri Eihäuten abgestorben zur Welt. Aus dem
Herzblut, der Milz und den Lungen gelingt die Züchtung echter Ty¬
phusbazillen. In Plazentaschnitten lassen sich in den intervillösen
Räumen zwischen den Blutkörperchen gar nicht selten kleine, abge¬
rundete Stäbchen von dem Aussehen der Typhusbazillen nachweisen.
Hildebrandt [6] berichtet über die Frühgeburt eines 7 Mo¬
nate alten toten Knaben bei einer Typhuspatientin in der 2. Krank¬
heitswoche. Die Züchtung des Eberth-Oaffkysehen Bazillus
gelang aus dem Nabelschnurblut, dem Herzblut, der Milz, Leber und
einer Mesenterialdrüse. In 2 Schnittpräparaten der Plazenta konnten
spärliche Stäbchen von charakteristischer Form in den Bluträumen
der Placenta materna beobachtet werden.
Die von Ernst [7] beschriebene intrauterine Typhusinfektion
unterscheidet sich von den vorigen dadurch, dass das von einer
Typhuskranken in der 36. Schwangerschaftswoche geborene Kind
lebend zur Welt kam und erst nach fast 4 Tagen starb. Aus Herzblut
und Milz Hessen sich durch die Kultur als Typhusbazillen identifizierte
Mikroben züchten. Als Ursache für die fötale Infektion nimmt Ernst
eine wenige Tage vor der Erkrankung bei einem Unfall erfolgte Lä¬
sion der Plazenta an, durch welche der Uebertritt der Typhusbazillen
auf den Fötus ermöglicht wurde.
Der von Giglio [8] beobachtete Fall betrifft den Abort einer
Typhuspatientin, die am 46. Krankheitstage einen ca. 3 Monate alten
Fötus zur Welt brachte. Für Leber, Milz, Blut und die Eingeweide
Hess sich der Nachweis von Typhusbazillen durch die Kultur er¬
bringen. Anatomische Veränderungen Hessen sich am Fötus nicht
feststellen. In einzelnen Schnitten der Plazenta konnten in den inter¬
villösen Räumen zwischen den Blutkörperchen Stäbchen nachge¬
wiesen werden.
Frascani [9] berichtet über Abort bei 3 typhuskranken Frauen
(2 im 7., 1 im 8. Schwangerschaftsmonat). Im 1. Falle wurde in
den Organen des Fötus und den Lochien ein koliähnlicher Bazillus
gefunden. Im 2. Falle Hessen sich sowohl aus dem Blute der Mutter,
als auch den inneren Organen des Fötus, im 3. dagegen nur aus
der Plazenta Typhusbazillen züchten. In Tierversuchen, welche an
trächtigen Kaninchen und Meerschweinchen mit Bouillonkulturen
ausgeführt wurden, erfolgte die Ausstossung der Früchte konstant
und Hess sich der Nachweis der eingeimpften Bazillen in ihnen fast
immer ermöglichen.
Janiszewski [10] beobachtete bei einer Typhuspatientin im 8.
Graviditätsmonat die Frühgeburt am 21. Krankheitstage. Das Kind
starb nach 8 Tagen. Aus Lunge, Milz, Niere, einer Mesenterialdrüse
und einem Stück Darm Hessen sich Typhusbazillen züchten.
Ueber die Geburt einer lebenden Frucht berichten auch H. W.
Freund und E. Levy [11]. Bei einer Typhuskranken erfolgte in
der 4. Woche ohne erkennbare Veranlassung die Ausstossung einer
ca. 5 Monate alten lebenden Frucht, die gleich nach der Abnabelung
starb. Aus dem Plazentarblut und der Milz Hessen sich Typhus¬
bazillen isolieren; die Untersuchung des fötalen Herzblutes hatte da¬
gegen ein negatives Ergebnis. Die anatomische Untersuchung des
Fötus und der Nachgeburtsteile Hess keine Veränderungen (Blu¬
tungen oder Zerstörungen der Zotten und ihres Epithels) erkennen,
welche die Unterbrechung der Schwangerschaft und den Uebergang
der Typhusbazillen von der Mutter auf den Fötus hätten erklären
können.
D ü r c k [12] beschreibt die Geburt eines ziemlich gut entwickel¬
ten, lebensfähigen Knaben, dessen Mutter in der 4. Woche an Typhus
No. 6.
darniederlag. Das Kind starb nach 9 Stunden. Aus der Leber und
Milz wurden Typhusbazillen und Staphylokokken gezüchtet. Das
Kind wies, abgesehen von einer Schwellung der Milz und der Leber
und leichtem Aszites, bei der Sektion keine pathologischen Verände¬
rungen seiner Organe auf.
Der von B1 u m e r [13] durch Sektion und bakteriologische Unter¬
suchung sichergestellte Fall von kongenitalem Typhus unterscheidet
sich von den vorigen insofern, als die Mutter nicht während der Ge¬
burt, sondern schon 4 Monate vorher Typhus durchgemacht hatte.
Schliesslich berichtete Kubr [14] über eine 26jährige Gravida,
die während eines Typhusrezidives im 5. Monate abortierte. Der
Typhus war anamnestisch, klinisch und durch die Agglutination fest¬
gestellt. An der Plazenta Hessen sich keine Veränderungen nach¬
weisen. Aus den Organen des Fötus wurden Typhusbazillen ge¬
züchtet.
Diesen Beobachtungen schliesst sich ein Fall an, der jüngst
in dem hiesigen bakteriologischen Institute zur Untersuchung
gelangte.
Die im 4. Monat gravide Frau S. Br. erkrankte am 1. September
1908 plötzlich unter Schüttelfrost und hatte über allgemeine Mattig¬
keit, Schwindel und Kopfweh zu klagen. Die im weiteren Verlaufe
der Krankheit auftretenden klinischen Symptome sprachen für Typhus
abdominalis und machten die Aufnahme der Patientin auf den Typhus¬
saal der medizinischen Klinik notwendig. Der Typhusverdacht konnte
durch mehrfache bakteriologische Untersuchungen bestätigt werden.
Am 18. IX. agglutinierte das Serum der Patientin Typhusbazillen
in einer Verdünnung 1:200 (nicht höher geprüft); am 19. IX. wurden
aus dem Blute in der Kayser-Conradisehen Galle, am 23. IX.
aus den Fäzes Bazillen gezüchtet, die sowohl kulturell als auch sero¬
logisch als Typhusbazillen identifiziert werden konnten.
Am 23. IX. erfolgte gegen 3 Uhr morgens der Abgang von etwa
100 ccm Blutwasser unter wehenartigen Schmerzen, die schon am
Abend vorher begonnen haben sollen. Die Ausräumung des Abortes
wurde gegen 8 Uhr morgens vorgenommen. Nachblutungen traten
nicht auf. Der Typhus verlief im übrigen ohne Rezidive und Kompli¬
kationen. Am 10. XI. konnte die Patientin als genesen aus der Klinik
entlassen werden, nachdem sich auch durch 2 vorherige Unter¬
suchungen Typhusbazillen in den Fäzes und im Urin nicht mehr hatten
nachweisen lassen.
Der 15 cm lange Fötus, der von Herrn Geheimrat Moritz dem
bakteriologischen Institute überwiesen wurde, zeigte ein durchaus
frisches Aussehen, obwohl er vor der Untersuchung 36 Stunden lang
im Eisschranke aufbewahrt worden war. Unter Beobachtung asep¬
tischer Kautelen erfolgte die Oeffnung der Leibeshöhle und die Ver¬
impfung kleiner Teilchen aller Organe auf Endo- und Malachitgrün¬
agarplatten. Nach 24 Stunden hatte ausnahmslos auf allen Platten
eine überaus reiche Entwicklung von hellen, glasigen Kolonien statt¬
gefunden, die im hängenden Tropfen von einem auf 1 :100 ver¬
dünnten Typhusimmunserum typisch aeelutiniert wurden. Die wei¬
tere kulturelle sowie serodiagnostische Untersuchung mit einem hoch¬
wertigen Immunserum führte zu dem Ergebnis, dass die isolierten
Bakterien zweifellos als Typhusbazillen anzusprechen wären. Auf¬
fallend war die ungeheuer grosse Zahl von Kolonien, die schon auf
der Endoplatte, also ohne Anreicherung, bei allen Impfproben — Ge¬
hirn, Herzblut, Lunge, Leber, Galle, Milz, beide Nieren, Inhalt des
Magens, Duodenum, Ileum und Kolon — zur Entwicklung gelangt
war. Das aus dem Herzen gewonnene fötale Blutserum vermochte
Typhusbazillen in einer Verdünnung von 1:50 nicht zu aggluti-
nieren. Anatomische Veränderungen, insbesondere am Darmtraktus,
waren nicht erkennbar.
An der Plazenta waren makroskopische Veränderungen nicht
wahrnehmbar. Einige der Plazenta anhaftende Blutkoagula wurden
in sterilisierter Rindergalle bei 37° C gezüchtet und nach 1,2 und
mehreren Tagen Proben davon auf Endoagar verimpft. Typhus¬
bazillen liesen sich bei diesem Verfahren niemals züchten, dagegen
wurde regelmässig die Entwicklung zahlreicher koli- und kokkenähn-
licher Kolonien beobachtet. Mit grösster Wahrscheinlichkeit muss
dieser Befund einer Verunreinigung zugeschrieben werden, der die
Plazenta während der Aufbewahrung und des Transportes ausgesetzt
war. In Uebereinstimniung damit stand auch das Ergebnis der histo¬
logischen Untersuchung. Bei einer grossen Zahl von Schnitten, die
von mehreren aus verschiedenen Teilen der Plazenta entnommenen
Stücken angefertigt worden waren, Hessen sich nur in vereinzelten
Präparaten in den intervillösen Räumen zwischen den Blutkörperchen
spärliche Kokken und plumpe Stäbchen feststellen. Bei einigen Prä¬
paraten, die vor der Härtung und Paraffineinbettung zur Anreicherung
etwa 18 Stunden lang bei einer Temperatur von 37° C. gehalten wor¬
den w'aren, war dementsprechend der Nachweis derselben Mikroben¬
arten häufiger und in grösseren Mengen möglich. In den Chorion¬
zotten selbst oder in ihren Gefässen waren dagegen Bakterien nie¬
mals wahrnehmbar. Auch Hämorrhagien oder Zerstörungen des
Zottenepithels Hessen sich nicht erkennen.
Diese Beobachtung bewist also wieder aufs neue, dass
ein Uebertritt der pathogenen Keime von der Mutter auf den
Fötus möglich ist. Ob in unserem Falle das Eindringen der
Mikroorganismen auf eine Hämorrhagie im Bereiche der
Chorionzotten zurückzuführen ist, dafür hat das Ergebnis der
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 6.
mikroskopischen Untersuchung, ebenso wie bei allen anderen
Beobachtungen, Anhaltspunkte nicht bieten können. Sehr
wohl denkbar wäre die Erklärung von D ü r c k, „dass man eine
direkte aktive Läsion des Zottenepithels durch die in die
Placenta materna eingeschwemmten Mikroorganismen nach
der Analogie von deren Wirkung auf die Zellverbände anderer
Organe annehmen könne“. Wir hätten uns demgemäss in
unserem Falle den Verlauf der Infektion in der Weise vorzu¬
stellen, dass die aus dem Blute der Mutter in den fötalen
Kreislauf eingedrungenen Typhusbazillen sich hier rapide ver¬
mehrten, bis durch den Infektionstod der Frucht der Beginn des
Abortes eingeleitet wurde. Die Ausstossung des Fötus erfolgte
dann zu einer Zeit, als die Krankheitskeime in dem Blute der
Mutter nicht mehr kreisten. Dafür spricht das Fehlen der
Typhusbakterien in dem Plazentarblute, während die An¬
wesenheit anderer Mikrobenarten, wie schon erwähnt, mit
grössterWahrscheinlichkeit auf eine nachherige Verunreinigung
zurückgeführt werden muss. Gegen die Annahme, dass das
Eindringen der Typhuskeime erst während des Verlaufes der
Geburt erfolgte, indem nach den ersten Wehen durch eine
partielle Lösung und Zerreissung der Plazenta eine direkte
Kommunikation zwischen mütterlichem und fötalen Blute
geschaffen wurde, spricht der auffallend reiche Gehalt aller
untersuchten Organe an Eberth-Gaffkysehen Stäbchen 1 .
Dieser liesse sich auch nicht durch die 36stündige Frist,
die von der Ausstossung des Fötus bis zur bakteriologischen
Untersuchung verstrich, hinreichend erklären, da die Auf¬
bewahrung bei Eisschranktemperatur erfolgte. Wir müssen
vielmehr annehmen, dass sich die Typhusbazillen bereits in dem
lebenden kindlichen Organismus überaus schnell vermehrt
haben, und dass, mit Rücksicht auf das frische Aussehen des
Fötus, die Ausstossung der Frucht kurze Zeit nach dem Tode
erfolgt sein muss.
Wir haben es also beim Fötus mit einer wirklichen Typhus-
septikämie zu tun, d. h. „einer Allgemeinerkrankung, bei
welcher die Erreger nicht nur in das Blut eindringen, sondern
sich auch im kreisenden Blute zu halten und zu vermehren im¬
stande sind“. Diesem gewaltsamen Ansturm vermag der zarte
fötale Organismus nicht zu widerstehen, da seine natürlichen
Schutzkräfte noch nicht oder erst in unzureichendem Masse
ausgebiklet zu sein scheinen. Der Verlauf der Infektion ist ein
so stürmischer, dass es nicht einmal zum Auftreten der be¬
kannten Infektionsreaktionen kommt, indem, wie in unserem
Falle, Agglutinine vermisst werden. Anders haben wir uns
den Gang der Typhusinfektion beim Erwachsenen vorzustellen,
wie aus den Ausführungen von Professor Förster auf dem
Naturforscherkongress in Dresden 1907 [15] und aus seinem
Vortrage für die Strassburger Aerzte vom 4. II. 1908 [16] her¬
vorgeht. Während beim Fötus die Krankheitskeime direkt in
die Blutbahn gelangen, müssen wir für den Erwachsenen nach
den* Beobachtungen von E. L e v y und Gaehtgens[l7] über
die Verbreitung der Typhusbazillen in den Lymphdrüsen bei
Typhusleichen annehmen, dass die Krankheitserreger in der
Regel wohl vom Darm aus — vielleicht kämen auch gelegent¬
lich die Rachentonsillen in Betracht — auf dem Lymphwege
in das Innere des Körpers eindringen und sich zunächst in den
Mesenterialdrüsen ansiedeln und vermehren. Von hier aus
senden sie dann ihre Stoffwechelprodukte in die Blutbahn, um
dann bald darauf selbst in den Kreislauf überzutreten. Auf dem
Blutwege gelangen sie nun in die anderen Organe und zwar
vornehmlich in die Leber und durch diese in die Gallenblase,
wo sie weiter wuchern und nach Chiari [18] regelmässig
zu entzündlichen Veränderungen der verschiedensten Inten¬
sität Veranlassung geben. Aus der Gallenblase treten die
Typhusbazillen in den Darm über und werden mit den Fäzes
zusammen ausgeschieden, soweit sie nicht vorher zu Grunde
gehen.
Literatur.
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pathogenen Mikroorganismen 1903, Bd. II, p. 275. — 2. Reh er: Zur
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auf Kind. Ebenda 1889, Bd. VII, p. 889—899. — 7. Ernst: Intra¬
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von der Mutter zum Fötus. Zentralbl. f. Gynäkol. 1890, Jahrg. XIV.
p. 819—824. — 9. Frascani: Osservazioni cliniche e ricerche spen-
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gen. ital. di clin. med. 1892, p. 282. Referiert in v. Baumgartens
Jahresbericht 1892, VIII, p. 237. — 10. Janiszewski: Ueber-
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Jahrg. 40, No. 38, p. 705—706. — 11. H. W. F r e u n d und E. Lev y;
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Wochenschr. 1895, Jahrg. 32, No. 25, p. 539—542. — 12. Dürck:
Ueber intrauterine Typhus- und Mischinfektion einer lebenden Frucht.
Münch, med. Wochenschr. 1896, Jahrg. 43, No. 36. — 13. Blumer:
Haemorrhagie infection in an infant due to the typhoid bacillus.
Journ. of the Americ. med. assoc., 29. Dez. Ref. in v. Baumgartens
Jahresbericht 1900, Bd. XVI. — 14. Kubr: Intrauterine Typhusinfek¬
tion. Casop 16k. cesk. 1907, No. 43. Ref. D. med. Wochenschr. 1907.
Jahrg. 33, No. 6, p. 329. — 15. Förster: Ueber die Beziehungen des
Typhus und Paratyphus zu den Gallewegen. Münch, med. Wochen¬
schrift 1908, Jahrg. 55, No. 1. — 16. Förster: Ueber Typhusbazillen¬
träger. Strassburger med. Ztg. 1908, Jahrg. V, H. 2, p. 46—48. —
17. E. Lewy und Gaehtgens: Ueber die Verbreitung der Typhus¬
bazillen in den Lymphdrüsen bei Typhusleichen. Arbeiten a. d.
Kais. Gesundheitsamte 1908, Bd. 28, H. 1, p. 168—171. —
18. H. Chiariv Ueber Typhus abdominalis und Paratyphus in ihren
Beziehungen zu den Gallenwegen. Verhandl. d. D. pathol. Gesellsch.
11. Tagung, gehalten in Dresden vom 16. bis 19. IX. 07, p. 143—155.
Kurzer Bericht über vorwiegend zahnärztliche Unter¬
suchungen in der Baseler Missionsmittelschule zu
Bonaberi (Kamerun).
Von Dr. med. W. Hammer, appr. Arzt, zur Zeit in Berlin.
Mit gütiger Erlaubnis des Herrn Hauptlehrers, Missionar
Stahl, untersuchte ich im Herbst 1908 die 63 Knaben, die
die Missionsmittelschule in Bonaberi besuchten, vorwiegend
auf ihr Gebiss hin. Ich fand:
Vorhandensein aller dem Lebensalter entsprechenden
Zähne 62 mal.
Fehlen eines Zahnes (des linken unteren Stockzahnes)
bei einem 13 jährigen Jungen mit sonst gutem, sorgfältig ge¬
pflegten Gebisse.
Zahnstein ohne schwarze Verfärbung des Schmelzes
irgend eines Zahnes 10 mal.
Der Zahnstein war auf die Schneidezähne beschränkt: 4 mal (bei
einem 18-, einem 19-, 15- und 13 jährigen), 1 mal war ein Eckzahn
(r. u.) nebst beiden mittleren unteren Schneidezähnen mit Zahn¬
stein belegt (bei einem 15 jährigen). Fast alle Schneide-, Back- und
Mahlzähne waren bei einem 16 jährigen zahnsteinbelegt, bei dem ein
oberer Schneidezahn nach der Mundhöhle zu eingerückt war. Zwei
obere Back- und die unteren und oberen Schneidezähne waren bei
einem 16 jährigen befallen. Ein einziger oberer Backzahn bei einem
15 jährigen. Die unteren Back- und Mahlzähne bei einem 16 jährigen.
Die Mundhöhlenfläche der unteren Schneide- und eines ersten unteren
Backzahnes bei einem 17jährigen, der zugleich Nagelbeisser
war.
Eine (etwa stecknadelkopfgrosse) Durchlöcherung
des Schmelzes fand sich in der Kaufläche des 2. oberen
rechten Backzahns, so dass ein Sondenknopf auf (schmerz¬
loses) Zahnbein stiess, bei einem 19 jährigen.
Gleichzeitig fand ich bei ihm Schwarzfärbung der Mundhöhlen-
fläche der oberen Schneidezähne, sowie Schwarzfärbung im Schmelze
der oberen Back- und Mahlzähne rechts und links.
Schwarzfärbung des Schmelzes ohne Zahn¬
stein fand ich 28 mal
und zwar 6 mal nur im Gebiete der Schneidezähne (bei Schülern
von 19, 17, 16 [mit künstlichen Gitterschneidezähnen], 16, 15, 15
Jahren, im Gebiete der Eckzähne 1 mal (14 jähriger), im Gebiete der
Backen- oder Mahlzähne 10 mal (bei einem 16-, 19-, 18-, 19-, 16-,
15-, 17-, 17-, 17-, 17-, 14 jährigen), im Gebiete der Eck- und Backen¬
oder Mahlzähne 1 mal (bei einem 14 jährigen), im Gebiete von
Schneide- und Back- oder Mahlzähnen 6 mal (bei einem 18-, 19-, 16-.
12-, 12-, 14 jährigen), im Gebiete aller Zahngattungen 3 mal (bei einem
17-, 15-, 14 jährigen).
Gleichzeitiges Bestehen von Zahnstein und schwarzer
Verfärbung des Zahnschmelzes fand ich bei 16 Jungen.
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9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
291
(17-, 18-, 15-, 17-, 19-, 18-, 20-, 15-, 16-, 15-, 17-, 18-, 18-,
15-, 17-, 15 jährig.)
So hatte ein 17jähriger reichlich Zahnstein an sämtlichen
Back-, Mahl- und Schneidezähnen, dabei schwarze Fleckung eines
oberen Schneidezahnes, ein 18 jähriger reichlich Zahnstein an der
Mundhöhlenfläche sämtlicher unterer Schneide- und Backzähne.
Gitterzähne, durch Abfeilen gewonnen an Stelle der oberen Schneide¬
zähne.
Vollständiges, zahnsteinfreies, gelbweisses Gebiss, bei
dem ich keine schwarzen Flecke im Schmelze beobachtete,
zählte ich 7 mal (bei einem 16-, 15-, 17-, 21-, 13-, 15-, 12 jährigen).
Wurzelerkrankungen, Zahnfisteln, „hohle“ Zähne waren nicht
vorhanden. Als Nebenbefunde seien erwähnt: leiden¬
schaftliche Nägelbeisserei 8mal (bei einem 17-,
15-, 17-, 18-, 15-, 15-, 18-, 17 jährigen, bei diesem letzten mit
tadellosem Gebisse). Ferner je einmal Augenzittern (Nystag¬
mus), Lippenausschlag (Herpes febrilis e malaria tropica),
Ohrausschlag (Ekzema e scrophulosi) und anscheinend skrofu¬
löse Schwellung aller Halsdrüsen. Ausserhalb der Schule
konnte ich häufig kariöse Zähne beobachten, ich sah anderer¬
seits bei einem 20 jährigen Duallamädchen einen Nebenback¬
zahn zwischen dem 2. Back- und dem 1. Mahlzahn links oben,
bei einem Kruneger sogar 3 solcher Nebenzähne verteilt auf
die oberen Back- und Mahlzähne, alle Nebenzähne standen
nach der Gaumenreihe zu, so dass das Mädchen 33, der Kru¬
neger 35 Zähne hatten.
Im Innern zahlte ein Neger für Entfernung eines hohlen
Zahnes nach glaubwürdiger Versicherung eines Kribier Kauf¬
manns Gummi im Werte von 63 M. und ausserdem noch
einen Hammel. Ein Unteroffizier erhielt angeblich 10 M.
Geldeswert für Ziehen eines Zahnes, allerdings auch tief im
Inneren des Landes. Die Duallaschüler treiben regelmässige
Zahnpflege durch Bürsten mit Wurzeln (Sisakos), die geklopft
werden, so dass das Ende watteartig in Wasser quillt und mit
milongos (Einzahl: milongo), die der Neger Bonaberis 2 Stun¬
den am Krabbenfluss aufwärts abschneidet. Die Rindenschicht
dieser Rohre wird am Ende entfernt, so dass ein Zahnpinsel
entsteht, der nach Abnutzung durch Lösung einer neuen
Rindenschicht wieder brauchbar wird und vielleicht auch für
unsere deutschen Kranken-, Erziehungs-, Irrenanstalten bald
einen billigen Ersatz der europäischen Zahnbürsten, die sich
bekanntlich nach Abnutzung nicht ergänzen lassen, abgeben
wird. Ob in den Negerbürsten, wie von den Schwarzen be¬
hauptet wird, zahnerhaltende (wir würden sagen keimtötende)
Säfte enthalten sind, will ich später näher prüfen. Ich erwarb
zu dem Zweck 100 sisakos und 100 milongos in Bonaberi frei
an Bord des Schiffs für zusammen 2 M., so dass wir vielleicht
mit Vorteil für unsere europäischen Anstalten Negerzahn¬
bürsten einführen können.
Die verhältnismässige Vorzüglichkeit des Negergebisses
gegenüber demjenigen der Kinder in unseren Mittelschulen
und in unseren Volksschulen, führe ich neben der schon von den
12 jährigen geübten Zahnpflege und neben dem Genüsse reich¬
lichen Obstes in kaltem Zustande in Bonaberi auf den Genuss
der Muttermilch zurück (Kuhmilch wird den Negerkindern dort
nicht gegeben, so dass die nichtgestillten Kinder dem Tode
in grosser Zahl verfallen müssen). Ausserdem schätzen die
dortigen Neger Hängebrüste mit reichlich Milch als schön, wie
ja dort nicht die Jungfrau, sondern die Mutter, besonders die
Gebärerin vieler lebender Kinder geehrt wird.
Die Malignität bei Ovarialkystomen.
Bemerkung zu dem Aufsatz von Krankenhausoberarzt Dr.
Lunckenbein - Ansbach in No. 52 der Münch, med.
Wochenschrift, 29. Dezember 1908.
Von Dr. J. Kurz- Abbazia.
Obwohl von seiten der Kliniker und vielbeschäftigter Gynäko¬
logen sicherlich zahlreiche Fälle angeführt werden könnten, welche
Belege für die bekannte und von Lunckenbein neuerdings be¬
tonte Tatsache liefern, dass „Ovarialkystome, auch wenn sie makro¬
skopisch keine maligne Degeneration erkennen lassen, bei genauer
histologischer Untersuchung ihrer Wandungen doch maligne Herde
aufweisen“, so sei es mir doch gestattet im folgenden kurz über
einen einschlägigen Fall zu berichten, den ich gemeinsam mit Herrn
Regierungsrat Prof. Q1 a x im November 1906 in Abbazia beobachten
konnte, einerseits, weil der genau verfolgte Dekursus so recht die
Wichtigkeit obiger These Lunckenbeins veranschaulicht und
dann wegen der Schwierigkeiten, die sich anfänglich der richtigen
Deutung des Krankheitsbildes entgegenstellten.
Die 23 jährige, einer gesunden argentinischen Familie entstam¬
mende, jung verheiratete Patientin, bisher angeblich stets gesund,
war seit mehreren Wochen an Magenbeschwerden, hauptsächlich
häufigem Erbrechen erkrankt, wozu sich in letzter Zeit Fieber, Hin¬
fälligkeit und quälender Husten gesellten. Die von Prof. G1 a x vor¬
genommene Untersuchung ergab eine leichte Einziehung unter der
linken Klavikula, Dämpfung der linken Lungenspitze bei fehlendem
Atmungsgeräusch an dieser Stelle, die Zeichen einer Pleuritis sicca
über der Mitte des linken Oberlappens. Dabei bestand ein starker,
durch nichts zu bekämpfender Hustenreiz, Fieber, eine unverhältnis¬
mässig hohe Pulsfrequenz. Aus diesen Symptomen, im Zusammen¬
halt mit der Tatsache, dass ein zuverlässiger Untersucher 10 Tage
früher noch keine Dämpfung finden konnte, dass also ein rezenter Pro¬
zess keinerlei auskultatorische Zeichen darbot, stellte Prof. G1 a x
die Diagnose Neoplasma malignum pulmonis, die durch den weiteren
Verlauf (himbeergelee-ähnliche Beschaffenheit des Sputums, das elasti¬
sche Fasern, jedoch nie Tuberkelbazillen enthielt, linksseitige Stimm¬
bandlähmung. rasch fortschreitende Kachexie etc.) bekräftigt wurde.
In Anbetracht der einigeinale ausgebliebenen Menstruation wurde
eine beginnende Gravidität als Ursache der Magenstörungen suppo-
niert, und die auf Wunsch des Ordinarius von mir vorgenommene
bimanuelle Untersuchung ergab einen dem Ende des III. Lunarmonates
entsprechend vergrösserten Uterus. Hier sei gleich bemerkt, dass
die Gravidität bis zu dem unter den Symptomen quälendster Dys¬
pnoe und völliger Erschöpfung am 11. Januar 1907 in der Heimat
erfolgten Exitus keine Unterbrechung erfuhr. Der Verlauf konnte
aufs genaueste beobachtet werden, da ich auf Verlangen der Pa¬
tientin und ihres Mannes den Transport nach Südamerika zu leiten
hatte. Es sei nur kurz das Auftreten von harten Drüsentumoren in
der Achselhöhle und einer Metastase im linken Musculus deltoides,
sowie öfterer starker Hämoptysen während der Heimreise erwähnt.
Von einem Bruder der Kranken, einem jungen Mediziner, erfuhr
ich erst in ihrem Hause, dass vor einigen Jahren eine kleine Operation
an der Patientin vorgenommen worden sei. Der auf mein dringendes
Verlangen berufene Arzt erklärte, eine harmlose Ovarialzyste damals
exstirpiert zu haben, deren Wand an einer kleinen Stelle vielleicht
den Verdacht einer Degeneration hätte erwecken können. Eine histo¬
logische Untersuchung sei nicht vorgenommen worden.
Damit schien mir der Befund klargestellt zu sein. Die nach
Exstirpation des Kystoms zurückgebliebenen Keime dürften infolge
der durch die Gravidität bedingten günstigen Wachstumsverhältnisse
zu rascher Proliferation angeregt worden sein und zur Metastasierung
in der Lunge geführt haben.
Bei epikritischer Betrachtung des Falles dürfte die Annahme ge¬
rechtfertigt erscheinen, dass ein radikalerer Eingriff statt der ein¬
fachen Zystenexstirpation den traurigen Ausgang wahrscheinlich ver¬
zögern, vielleicht hätte hintanhalten können, so dass auch hieraus
die Wichtigkeit der Mahnung Lunckenbeins, auf eventuelle
Degeneration scheinbar „harmloser Ovarialzysten“ zu achten, erhellt.
Elias Metschnikoff.
Wer etwa in einer Pause der Verhandlungen die bakterio¬
logische Sektion eines internationalen hygienischen oder medi¬
zinischen Kongresses betritt, dem fällt sehr bald ein kräftig ge-
bauterMann auf, mit ein wenig ungeordnetem, langem Haar, eine
Brille auf der mächtigen Nase, der seinem schon stark mit Grau
durchsetzten Vollbart zutrotz mit jugendlicher Lebhaftigkeit
und offenbar in heftiger geistiger Erregung mitten in einem
dichten Kreise von Zuhörern doziert und debattiert. Es spru¬
delt nur so von seinen Lippen und seine Hände, der Kopf, die
Arme, manchmal der ganze Oberkörper suchen durch ihre Be¬
wegungen den Sätzen besonderen Nachdruck zu geben. Mit
eiliger Hand streicht er sich dazwischen das bei den lebhaften
Bewegungen immer wieder in die Stirne fallende Haar zurück
oder trocknet er sich den Schweiss, den ihm Erregung und
Eifer, seine Zuhörer zu überzeugen, aus allen Poren treiben.
Der fremde Ankömmling kann sich des Lächelns kaum er¬
wehren, meint er doch, einen Besessenen vor sich zu haben.
Und so sehr Unrecht hat er dabei eigentlich gar nicht! Nur ist
es ein ganz besonderer, ein überaus edler Dämon, der aus
diesem Manne spricht. Der Ankömmling tritt näher und merkt
aus den Mienen der Hörer, dass hier nicht etwa ein gewöhn¬
licher Rhetor spricht, ein Winkeladvokat irgend eine Sonder¬
lingslehre verteidigt, denn diese Mienen verraten gespannte Auf¬
merksamkeit, aufrichtige Achtung, ja eine ganz leise und heim¬
lich lächelnde, herzliche Liebe zu dem Sprecher. Dass der ein
ungewöhnliches Ingenium besitzen müsse, erkennt der näher
Hinzugetretene alsbald mit Staunen daran, dass der Redestrom
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 6.
bald französisch, bald deutsch, bald englisch dahinfliesst, je
nach der Nationalität des gerade Angesprochenen, ohne
Stocken, mühelos die Sprache wechselnd, immer im gleichen
Tempo und mit einer Reinheit der Aussprache, mit einem
Reichtum des Wortschatzes und mit einer Feinheit des Sprach¬
gefühls, dass man jedesmal glauben möchte, die Sprache,
welche der Redner gerade gebraucht, sei seine Muttersprache.
Und der Inhalt dieser Rede? Auch wer nichts von Bakterio¬
logie und Immunität versteht muss ebenso, wie der Sachver¬
ständige, welcher den vorgetragenen Lehren etwa nicht völlig
zustimmt, sofort erkennen und anerkennen, dass hier nichts
spricht, als die ehrliche Ueberzeugung; der redliche Wille, die
Wahrheit zu finden und zu verbreiten. Leidenschaftliche Liebe
zur Wissenschaft, sie ist offenbar der Dämon, der diesen Mann
regiert und nötigt, seine geistige Kraft in vollem Strome aus¬
zugeben, der jeden Nebengedanken, namentlich jeden Gedanken
an die eigene Person aus ihm verdrängt, in solchen Zeiten ihn
selbst auf Essen und Trinken vergessen macht. „Schlage mich,
aber höre mich an! Höre mich an und erkenne, dass ich die
Richtigkeit meiner Meinung beweisen kann!“ *
Nun ruft die Glocke zum Wiederbeginn der offiziellen Ver¬
handlung. Eifrig und hastig rafft der erhitzte Gelehrte die
Protokolle und Tafeln und Abhandlungen, welche er als Be¬
weismittel mit sich führt, zusammen und den schweren Pack
unterm Arm sucht er rasch ein bescheidenes Plätzchen, von
dem aus er unermüdet alsbald mit gespannter Aufmerksamkeit
den Referaten und Diskussionen folgt. Bald greift er selbst mit
umfassenden Kenntnissen und reichen Erfahrungen fördernd
ein; immer tapfer und kampflustig in Abwehr und Angriff, aber
immer vornehm und ritterlich im Gebrauch seiner Waffen.
Ohne Zweifel haben wir einen Führer auf dem Gebiete der bio¬
logischen Wissenschaften vor uns. Aber wenn wir es nicht
aus dem Inhalte seiner Reden entnehmen, sein schlichtes Auf¬
treten würde es uns nicht verraten, welche Stellung er in der
Wissenschaft einnimmt. Nichts von dem schnarrenden Kom¬
mandoton eines Generals der Wissenschaft, nichts von unnah¬
barem, stets nach den Weihrauchwolken der Verehrung ver¬
langendem Hohepriestertum; überhaupt nichts von Pose und
nichts von den gewalttätigen Instinkten der Autorität. Der
grünste Jüngling kann sicher sein, au ihm einen achtungsvollen
Zuhörer, einen rückhaltlosen Ratgeber, einen mit ihm gleich auf
gleich verkehrenden, sofort in Feuer geratenden Debatter zu
finden. Das Ideal dieses Mannes wäre offenbar jene Anarchie,
in welcher Vernunft und guter Wille jede Rangordnung und
alle Gesetze überflüssig machen würden! Wie sich bei den
Debatten zeigt, ist er zwar äusserst hartnäckig in seinen An¬
sichten und kaum zu überzeugen, auch dann, wenn er einmal
mit seiner Meinung sicher im Unrecht ist. Aber man wird
ihm darob nicht böse, denn sein Widerstand erfolgt offenbar
nicht aus Rechthaberei und nicht aus Eitelkeit oder Missgunst
gegen fremden Erfolg. Man merkt es ja bald, mit welcher
Herzlichkeit er jeden tüchtig Mitstrebenden begrüsst, mit wel¬
cher warmen Begeisterung ihn jeder Fortschritt der Wissen¬
schaft erfüllt, gleichgültig, wem er zu verdanken ist; wie der
brutale Trieb, andere klein zu machen, um selbst desto grösser
zu erscheinen, der so manchen grossen Gelehrten erniedrigt,
unserem Manne völlig fern liegt! So ist er zum guten Geiste
der Verhandlungen der bakteriologischen Sektion geworden,
deren wissenschaftliche Höbe und Urbanität jeden Teilnehmer
immer wieder mit tiefster Befriedigung erfüllt.
Dies ist der Russe Elias Metschnikoff. der jüngst
neben Paul Ehrlich den Nobelpreis für Medizin erbalten hat;
m eh r als ein hervorragender Gelehrter: ein reiner und guter
Mensch, eine der liebenswürdigsten Verkörperungen des
enthusiastischen Wesens seines Volkes, eine wirkliche Zierde
der Menschheit.
Das Aeussere seines Lebenslaufes ist bald erzählt. Die ent¬
scheidenden Ereignisse eines solchen, allein auf die Wissenschaft
gerichteten Daseins sind neue Einsichten und fruchtbare Ein¬
fälle. Metschnikoff wurde am 15. Mai 1845 auf einem
Landgute im Gouvernement Charkow geboren. Seit dem
Jahre 1862 studierte er an der Universität Charkow Natur¬
wissenschaft und von 1864 bis 1867 an den Universitäten
Giessen, Göttingen und München Zoologie. Im Jahre 1870
wurde er Professor der Zoologie in Odessa und blieb in dieser
Stellung bis zum Jahre 1886, als er die Leitung der bakterio¬
logischen Station in Odessa übernahm. Schon im Jahre 1890
gab er aber diese Stellung wieder auf und übersiedelte nach
Paris, wo er in Pasteurs Institut eintrat. Seit 1904 ist er
2. Direktor dieses Insitutes. An seiner Gattin Olga hat er eine
treue Lebensgefährtin gefunden, die auch seine wissenschaft¬
lichen Sorgen teilt und sich selbst durch einige tüchtige For¬
schungen hervorgetan hat.
Die grosse Hauptleistung Metschnikoffs besteht be¬
kanntlich darin, dass er als der erste klar erfasst hat, welche
ausserordentliche Wichtigkeit die P h a g o z y t o s e, die Fress¬
tätigkeit und Verdauungsarbeit gewisser Zellen des Mesoderms
für die Befreiung des Körpers von den krankheitserregenden
Mikrobien besitzt. Mit unermüdlicher Zähigkeit verteidigt er
seine Lehre seit 25 Jahren; mit wahrem Bienenfleiss, mit nicht
gemeinem Scharfsinn und seltener Erfindungsgabe trägt er bis
heute immer neue Tatsachen der Beobachtung und des Experi¬
mentes zu ihrer Stütze und zur Widerlegung der gegen sie
erhabenen Einwände zusammen. Eine ausserordentlich grosse
Bereicherung unseres Wissens überhaupt, eine ungemeine Ver¬
tiefung der bakteriologischen und biologischen Probleme ist
dabei direkt und indirekt von ihm und seinen Schülern herbei¬
geführt worden. Wenn ihm auch nicht der volle Sieg seiner
Anschauung beschieden war, dass die Phagozyten die vor¬
derste Schlachtreihe und zugleich die allein ausschlaggebenden
Verteidiger des Organismus gegen die Ansteckung bilden, die
Hauptträger der Immunität seien, so hat Metschnikofi
doch gerade in den letzten Jahren den Triumph erlebt, dass
die hohe Bedeutung dieser Zellen nun auch in Deutschland all-
seitige Anerkennung gefunden hat, wo die Bakteriologen mit
spärlichen Ausnahmen allzulange das Gewicht seiner For¬
schungen uniterschätzt hatten.
Die Phagozytentheorie ist durch den Opsoninrummel der
jüngsten Zeit auch in den Kreisen der ärztlichen Praktiker so
populär geworden, dass es überflüssig sein dürfte, bei dieser
Gelegenheit ihre starken wie ihre schwachen Seiten zu be¬
leuchten. Weniger allgemein bekannt sind ihre Anfänge. Es
sei daher mit kurzen Worten über jene ersten Abhandlungen
Metschnikoffs berichtet. Sie sind hervorragend durch
die Fülle neuer exakter Beobachtungen und durch die Weite
des Blickes, mit der sie sofort zusammengefasst wurden.
Jene grundlegenden Beobachtungen, welche seiner wissen¬
schaftlichen Arbeit dauernd die Richtung geben sollten, hat
Metschnikoff — schon damals ein Zoologe von Ruf und
durch seine Untersuchungen über die Entwicklungsgeschichte
der wirbellosen Tiere zu hohem Ansehen gelangt — im zoo¬
logischen Institute von Prof. Claus in Wien gemacht. Sie
sind unter dem Titel „Untersuchungen über die intrazelluläre
Verdauung bei wirbellosen Tieren“ in den Arbeiten aus dem
zoologischen Institute in Wien, V, 2, S. 141 u. ff. im Jahre 1883
publiziert worden und wurden noch im Jahre 1883 ergänzt
durch „Untersuchungen über die mesodermalen Phagozyten
einiger Wirbeltiere“, welche in No. 18 des Biologischen Zen¬
tralblattes jenes Jahres S.560 ff. erschienen sind, sowie im Jahre
1884 durch einen Aufsatz in der Allg. Wiener Med. Ztg. No. 27
u. ff. „Eine neue Entzündungstheorie (Entzündung und intra¬
zelluläre Verdauung)“. Erst später im Jahre 1884 folgten dann
in Virchows Archiv die gewöhnlich zitierten Abhandlungen
„Ueber eine neue Sprosspilzkrankheit der Daphnien“ (96. Bd.,
S. 177) und „Ueber die Beziehungen der Phagozyten zu den
Milzbrandbazillen“ (97. Bd., S. 502).
Die Erkenntnis der Rolle der Phagozyten bei der Abwehr
von parasitischen Mikrobien war bei M e t s c h n i k o f f das
Ergebnis umfassender Studien über die Tätigkeit dieser Zellen
im normalen Leben der Tiere. Er findet, dass bei Süsswasser¬
schwämmen die Ernährung mit geformter Nahrung regelmässig
durch Wanderzellen erfolgt, welche diese Nahrungsstoffe auf¬
nehmen, weitertragen und verdauen. Ganz denselben Vorgang
findet er bei anderen wirbellosen Tieren wieder. Alle diese
„Fresszellen“ oder „Phagozyten“, wie sie Metschnikoff
hier zum ersten Male nennt, gehören dem Mesoderm an. Be¬
weglich gewordene Bindegewejbszellen, Lymphkörperchen und
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9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
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weisse Blutkörperchen beteiligen sich in gleicher Weise an
dieser Arbeit. Sie sind ebenso eifrig dabei, wenn es sich um
die Resorption unbrauchbar gewordener Teile des eigenen Kör¬
pers handelt. Dieser Vorgang wird insbesondere an der Meta¬
morphose der Larve Auricularia der Holothurie Synapta genau
studiert. Die Seesternlarve Bipinnaria und der Mollusk Phyl-
lirhoe dienen hauptsächlich zum Studium des Verhaltens der
Fresszellen gegenüber Fremdkörperchen, wie Karmin, Erythro¬
zyten des Menschep »welche den Tieren unter die Haut ge¬
spritzt werden. Auch hier erfolgt in der Regel Aufnahme und
wenn möglich intrazelluläre Verdauung. Aber es kommen auch
Ausnahmen vor; so bleiben z. B. die Eier von Sphaerechinus
gramilaris unter der Haut von Phyllirhoe unberührt.
Der Anblick dieser vielseitigen Verdauungstätigkeit der
Fresszellen bringt Metschnikoff auf den. ihn von nun an
völlig beherrschenden Qedanken, dass diese Zellen vermöge
ihrer Verdauungsfähigkeit auch die Schutzwehr des Organis¬
mus gegen die Mikrobien seien, dass der Einschluss von Bak¬
terien in Zellen des Tierleibes, wie er damals schon, insbeson¬
dere von Robert Koch festgestellt worden war (Milzbrand¬
bazillen, Mäuseseptikämiebazillen, Tuberkelbazillen in Leuko¬
zyten, Tubenkelbazillen in Riesenzellen) als der wichtigste Teil
des Kampfes des Organismus gegen die Krankheitserreger auf¬
gefasst werden müsse. Er injiziert Bakterien unter die Haut
von Bipinnaria und Phyllirhoe und sieht, wie sie in der Tat
von den Fresszellen gefressen und aufgelöst werden, wie aber
auch unter Umständen sie selbst in den Zellen sich vermehren
und diese zerstören. Er dehnt seine Beobachtungen auf die
Wirbeltiere aus und findet auch hier die Fresszellen, an der
Arbeit. Z. B. findet er bei Fröschen, die er künstlich septi-
kämisch gemacht hat, insbesondere in der Milz energisch tätige
Phagozyten.
Diese Beobachtungen bringen ihn zu einer neuen Auf¬
fassung der Entzündung: Nicht die Erkrankung der Gefäss-
wand ist ihr Wesen, sondern die Mobilisierung der Binde¬
gewebszellen bezw. die Zuwanderung der Leukozyten. Er
beobachtet z. B. wie im Schwänze der Tritonlarven nach
Aetzung mit Höllenstein die sternförmigen Bindegewebszellen
Erythrozyten, Karmin- und andere Pigmentkörnchen fressen.
Bei den Tieren ohne geschlossenem Gefässystem erfolgt die
Anhäufung der Fresszellen am Orte des entzündlichen Reizes
geradeso wie bei denen, welche ein solches Blutgefässystem
besitzen. Wenn sich die Bakterien im Blute vermehren, wie
z. B. bei Rekurrens, erfolgt keine Auswanderung der Leuko¬
zyten, obwohl doch hier die Qefässwand erst recht erkranken
müsste, sondern die Leukozyten nehmen diesmal innerhalb der
Blutbahn den Kampf gegen die Eindringlinge auf. Das Verhal¬
ten der Qefässwand bei der Entzündung ist also von sekun¬
därer Bedeutung. Man sieht, dass Metschnikoff seine
Theorie schon in diesen ersten Abhandlungen beisammen hat.
Alles weitere ist nur Ausführung des Grundgedankens.
Der zufällige Fund einer spontanen Sprosspilzkrankheit
beim Wasserflohe Daphnia gibt Metschnikoff bald darauf
Gelegenheit, die Aufnahme und den Untergang der para¬
sitischen Sprosspilzzellen in den Fresszellen im durchsichtigen
Körper dieser Tiere zu beobachten. Dies befestigt ihn in der
Ueberzeugung, auf der richtigen Fährte zu sein, und nachdem
er noch festgestellt hat, dass in dem Körper des bei gewöhn¬
licher Temperatur gegen Milzbrand immunen Frosches voll-
virulente Milzbrandbazillen phagozytiert und zerstört werden,
in dem empfänglichen Körper des Kaninchens oder Meer¬
schweinchens aber nicht, dass aber auch in diesen Tieren die
abgeschwächten Rassen der Milzbrandbazillen der Phago¬
zytose verfallen, steht seine Theorie für ihn felsenfest.
Metschnikoff hat sich nicht bloss um die Phago¬
zyten gekümmert, wenn er auch bei allen Vorgängen der Infek¬
tion und Immunität nach Beziehungen zu ihnen sucht. Er be¬
herrscht, wie kaum ein anderer, das Gesamtgebiet der Infek¬
tionslehre und hat sich in seinem grossen Werke „L’Immunite
dans les maladies infectieuses“, Paris, Masson, 1901 (deutsch:
„Immunität bei Infektionskrankheiten“vonJ.Meyer,Jena 1902),
in dem zum ersten Male ein Gesamtüberblick über den Stand
der Forschung gegeben wurde, ebenso wie schon früher in
seiner „Pathologie comparee de l’inflammation“, Paris,
Masson, 1892, ein unvergängliches Denkmal gesetzt.
Das Alter hat bisher der unvergleichlichen Arbeitskraft
und Arbeitslust M e t s c hn i k o f f s nichts anhaben können und
vor wenigen Jahren noch (1903) ist ihm in Gemeinschaft mit
Roux die bahnbrechende wissenschaftliche Tat gelungen, die
Uebertragbarkeit der Syphilis auf Tiere, zunächst auf den
Schimpanse endgültig sicherzustellen. Alle seine Freunde —
und M e t s c h n i k o f f hat nur Freunde! — wünschen ihm von
Herzen noch viele Jahre voll Gesundheit und Kraft und erfolg¬
reichem Schaffen. Metschnikoff glaubt ja eine wesent¬
liche Ursache unserer Kurzlebigkeit entdeckt und damit auch
das Mittel, das Leben zu verlängern, gefunden zu haben. Möge
es sich an ihm zuerst bewähren! M. Gruber.
Aus der Kgl. Universitätsklinik und Poliklinik für Augenkranke
in München.
Die Entwicklung der Augenheilkunde an der Universität
Landshut-MUnchen.*)
Von Dr. O. Eversbusch, Vorstand der Anstalt.
Lediglich das Gefühl innerer Verpflichtung hat mich ver¬
anlasst, einen Kreis von angesehenen Männern der verschie¬
densten Berufs- und Lebensstellungen, zu bitten, mit ihrer Ge¬
genwart diese für unsere Anstalt so bedeutungsvolle Stunde
zu beehren.
An diesem in seinen Hauptzügen wenigstens äusser-
1 i c h nunmehr zur Vollendung gelangten Werke, das dem Aus¬
bau von Lehre und Wissenschaft wie der Pflege und Heilung
Hilfsbedürftiger gleichmässig zu dienen berufen ist, haben nicht
Wenige Anteil.
So komme ich denn gern zuerst auch an dieser Stelle der
Pflicht nach, Allen herzlichst zu danken, die mich bei der, wenn
auch ehrenvollen, so doch durchaus nicht leichten Aufgabe, die
nun hinter mir liegt, mit wohlerwogenem Rate unterstützten
oder Schwierigkeiten wie Hindernisse verschiedenster Art aus
dem Wege räumen halfen.
So wurde es z. B. nur durch das Entgegenkommen der
Verwaltung des Heilig-Geist-Spitales möglich,
den Bau der Anstalt wenigstens in seinem Hauptteil bereits im
Jahre 1904 in Angriff zu nehmen und ihn — im weiteren Verlauf
mit Errichtung des die Dampfwäscherei und andere Zubehöre
des Institutes enthaltenden Nebengebäudes — soweit durch¬
zuführen, dass schon am 18. Juni 1907 die Verlegung der
Krankenabteilungen wie auch des ambulatorisch-poliklinischen
Dienstes aus dem alten Hause in das neue erfolgen konnte.
Erst mit der Vollendung der Abbruchsarbeiten der ausge¬
dehnten Gebäude der Spitalstiftung, die erst nach Vollendung
des Ersatzbaues am Dom Pedroplatz begonnen werden konn¬
ten, ergab sich sodann die Möglichkeit auch den noch fehlen¬
den Abschnitt unserer Anstalt zu erbauen und den Kranken¬
garten an der Südseite in Angriff zu nehmen.
Hatte der erste Teil des Bauprogrammes allerhand unlieb¬
same Unterbrechungen durch Streiks zu verzeichnen, so ging
der zweite — begünstigt vor allem durch vorzügliche Witte¬
rung — erfreulicherweise um so schneller von statten.
Nicht immer frommt im Leben die sofortige Erfüllung
eines Wunsches, so sehnlich sie auch von den Sterblichen er¬
hofft werden mag. Ja nicht selten erkennen wir hinterher, dass
die Verzögerung der Grund zu einer erspriesslicheren Verwirk¬
lichung dessen führte, was wir mit allen Fasern unseres Herzens
ersehnten und zu ersehnen berechtigt waren. So ist denn auch
alles, was sich erst dem Beginne und dann einer un¬
unterbrochenen sowie zweckentsprechenden
DurchführungdesBaues dieser vielgegliederten Lehr-
und Heilanstalt entgegenstellte, der Ausgestaltung des Ganzen
wie auch der Einzelheiten schliesslioh nicht von Nachteil, son¬
dern von Vorteil gewesen.
Daher konnte denn manches, was Anstaltsvorstand und
Bauleitung bei den verschiedenen Besichtigungen von muster-
•) Rede bei der feierlichen Eröffnung (18. Januar 1909) der neuen
Kgl. Universitätsklinik und Poliklinik für Augenkranke in München.
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 6.
gültigen Bauten der Neuzeit in Nähe und Ferne oder aus Be¬
schreibungen von neuerrichteten Universitätskliniken oder von
städtischen Krankenhäusern des In- und Auslandes im Laufe
der verflossenen fünf Jahre kennen lernten, nutzbringend —
nicht allzu selten gleichsam noch gerade im letzten Augen¬
blicke und noch zur richtigen Zeit — als Abänderung oder
Ergänzung dessen, was ursprünglich geplant und reiflichst über¬
legt worden war — und als wesentliche Verbesserung hinzuge¬
fügt und verwertet werden.
So ist denn nun ein Institut entstanden, das in unmittel¬
barer Nachbarschaft der anderen Attribute der medizinischen
Fakultät unserer Universität und obgleich inmitten der Stadt
gelegen, doch nicht wie unser altes Heim von seiner Umgebung
beengt erscheint, sondern — umgeben von eigenen wie nachbar¬
lichen gärtnerischen Anlagen —des für ein Kranke beherbergen¬
des Haus so überaus wichtigen Vorzuges einer von allen Seiten
freien Lage und damit auch des genügenden Zutrittes von Licht
und Luft zu allen Tages- wie Jahreszeiten teilhaftig ist und
bleiben wird.
Auch für die nach fachmännischem Urteil bis auf weiteres
wohl ausgeschlossene Notwendigkeit einer etwaigen Vergrösse-
rung der Anstalt — wie sie sich vielleicht durch neu auF
tauchende wissenschaftliche Erfordernisse ergeben könnte —
ist durch die noch zur Verfügung stehenden- Räumlichkeiten im
Dachgeschosse ausreichend Vorsorge getroffen, so dass man
wohl mit gutem Grund Voraussagen kann, dass auf lange Zeit
hinaus das, was hier neu entstand, den Bedürfnissen von Gegen-
wart und Zukunft gerecht werden dürfte; mögen auch die An¬
schauungen über die zweckmässigste Anlage einer ophthalmo-
logischen Universitätsklinik und Poliklinik sich ändern. Denn
auch diesem Fall wurde von Anfang bis Ende des Baues unter
sorglichster Erwägung aller etwa in Betracht kommenden Mög¬
lichkeiten Rechnung getragen, so dass wir uns der zuversicht¬
lichen Hoffnung hingeben, dass auch andere wissenschaftliche
Richtungen, als sie jetzt in der Augenheilkunde im Vordergrund
stehen, ihre sachgamässe Pflege in der neuen Arbeitsstätte fin¬
den können, ohne dass durchgreifende und kostspielige Ab¬
änderungen der vorhandenen Einrichtungen notwendig werden
dürften.
Der Wert dessen, was wir in diesem Hause besitzen, das
wir, nachdem es zum Teil länger denn seit Jahr und Tag in
Benützung genommen, nun völlig ausgebaut vor uns sehen, tritt
uns besonders eindrucksvoll entgegen, wenn wir uns — auch
nur in kurzen Umrissen — die Vergangenheit ins Gedächtnis
zurückrufen.
Der erste deutsche Universitätslehrer, der die Wichtigkeit
klinischer Hospitäler erkannte und auch als erster im jetzigen
Königreich Bayern Augen krankein eigener Anstalt
undpoliklinisch behandelte, w r ar kein geringerer als
Philipp Franz v. W a 11 h e r, ein Sohn der sonnigen Rheinpfalz
und ein Schüler von Joh. Peter Frank und Adam Beer in
W'ien.
Am 18. Februar 1803 in Landshut zum Dr. philos. med.
et Chirurg, promoviert und als Augenarzt approbiert wurde
Walther noch im selben Jahre Oberwundarzt des Bam-
berger allgemeinen Krankenhauses und Professor der Chi¬
rurgie und Entbindungskunst an der dortigen medizinisch¬
chirurgischen Schule. Aber bereits am 14. Dezember 1804
wurde er von dort — im Alter von nahezu 23 Jahren — an die
Universität in Landshut berufen.
Er kündigte nach Beginn seiner Lehrtätigkeit in Lands¬
hut für das Winteremester 1805/06 — also vor mehr als 100
Jahren — an: Lehre von der Erkenntnis und Heilung der Augen¬
krankheiten (theoretische und klinische Kurse) mit dem Zusatze,
dass die schon geschehene Eröffnung der klinischen
Augenkrankenanstalt in einem eigenen Programm an¬
gezeigt werde. Auch die Ankündigung für das Wintersemester
1806/07 meldet: Klinik im Augen kranken-Institut; und
die vom Sommersemester 1807: Medizinisch-chirurgisch-oph-
thalmologische Klinik i n- und ausserhalb des Kran¬
kenhauses.
In Uebereinstimmung damit führt denn auch R e i t h o f e r
in seiner Geschichte und Beschreibung der Universität Lands¬
hut 1811 unter den klinischen Instituten neben der medizini¬
schen und chirurgischen die Augenklinik an. Er fügt ferner
— nach einer Aufzeichnung der Zahl der Kranken und der Ope¬
rationen — hinzu, dass „aus diesem Verzeichnisse beiläufig zu
erfahren ist, dass das chirurgische und Augenkranken-Klinikum
insbesondere von keinem ähnlichen an irgend einer deutschen
Universität, selbst an den in grösseren Hospitälern errichteten
nicht an Frequenz und Wichtigkeit der Krankheitsfälle, an der
Anzahl grösserer Operationen und anderer wichtigen Vorfälle
übertroffen und nur von den berühmtesten Anstalten dieser
Art erreicht werden dürfte“.
Alle klinischen Anstalten waren in einem Gebäude im sog.
blauen Viertel der Stadt (ausserdem gab es in Landsbut ein
rotes, gelbes und weisses Viertel) — in der oberen Ländgasse
— untergebracht, das ehemals das Landschafts-Präsenzhaus,
erst als Unterkunft für die Ursuljnernonnen, von 1780 ange¬
fangen als Wohnung des Herzogs Wilhelm von Bayern und
seiner Gemahlin MariaAnna und zuletzt dem Bartholomäer-
Institut gedient hatte.
„Was die Bauart und Einrichtung des grossen schönen
Gebäudes“, fügt der Chronist hinzu, „belangt, so weiss man
ohnehin, dass unter der Regierung des Königs Maximilian Jo¬
seph die öffentlichen Gebäude im einfach-grossen Style, mit ge¬
höriger Bequemlichkeit und Raumhaltigkeit erbaut worden“.
Wie sehr auch die Bewohner von Landshut den nicht nur
nach verschiedenen Richtungen und auch auf unserem Gebiete
schriftstellerisch tätigen, sondern auch ebenso praktisch tüch¬
tigen und scharf beobachtenden Gründer und Leiter der schnell
aufblühenden chirurgischen und ophthalmiatrischen Klinik und
Poliklinik schätzten, bezeugten sie beim Gedanken der Tren¬
nung von ihm durch die gerüchtweise verlautete Wegberufung
in einer an König Max I. gerichteten Eingabe des Magistrates
und der gesamten Bürgerschaft um seine Erhaltung bei ihrer
Universität; unter Hervorhebung der Tatsache, dass unter
Walthers eifriger Leiung der chirurgischen und augenärzt¬
lichen Klinik das Krankenhaus als klinische Anstalt zu einem
Attribute der Stadt und der Universität angewachsen sei, „das
allen übrigen gemeinnützigen Anstalten, welche wir haben, den
Vorrang abstreitet“.
Aus diesem Arbeitsgebiete schied Walther, indem er
— bereits 1816 und 1817 hatte er ehrenvolle Berufungen nach
Halle-Wittenberg und Heidelberg abgelehnt —
nach dem Schlüsse des Wintersemesters 1818/19 Landshut mit
der neu aufblühenden rheinischen Hochschule in Bonn ver¬
tauschte.
Mit seinem Weggang beginnt eine nicht sehr rühmliche
Zeit. Denn es entwickelte sich nach und nach in der medi¬
zinischen Fakultät ein beklagenswerter Stillstand, der sich
auch noch geraume Zeit nach der Verlegung der Hochschule
von Landshut nach München insbesondere auch für die von
W a 11 h e r so eifrig gepflegten Arbeitsgebiete empfindlich fühl¬
bar machen sollte.
Zwar rief man den schon damals sehr angesehenen Ge¬
lehrten, bei dessen Berufung nach Bonn die Studierendei»
Landshuts eine Eingabe an die Ständeverammlung des König¬
reiches machten „um Beibehaltung ihres allgeliebten Lehrers,
dem sie vorzüglichst die Blüte und den Ruhm der Universität
verdanken“, aus einer glänzenden und ehrenvollen Stellung, in
der seine Tätigkeit als Chirurg und Augenarzt ihren Höhepunkt
erreichte, am 11. März 1830, also nach 11 Jahren wieder an die
inzwischen in die Landeshauptstadt verlegte Universität zu¬
rück.
Aber schon nach sechs Jahren sah sich Walther veran¬
lasst von seiner Tätigkeit an der chirurgischen und ophthalmo-
logischen Abteilung im allgemeinen Krartkenhause zurückzu¬
treten. Denn sein Plan, wie zuletzt in Bonn, durch organi¬
satorische Aenderungen auch hier eine musterhafte chirurgische
Klinik und Heilanstalt für Augenkranke einzurichten, stiess aui
offenen und versteckten Widerspruch und wurde vereitelt;
und als nun auch sein Gesuch beim Ministerium um Zuteilung
eines Sekundararztes für die Kinik auch dann noch abschlägig
besohieden wurde, als Walther sich erbot, den Gehalt des
Hilfsarztes selbst zu bestreiten, bat er um Enthebung von seiner
Stelle. Diese wurde ihm am 30. November 1836 gewährt.
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9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
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Dieser plötzliche Rücktritt von Walther, dem damals
die erste Stelle unter den deutschen zeitgenössischen Aerzten
zugestanden wurde, erregte in den Kreisen der Aerzte und
Forscher des In- und Auslandes grosse Sensation.
Nach dem Rücktritt setzte Walther zwar noch
seine Vorlesungen über Pathologie -und Therapie der
chirurgischen Krankheiten und über Augenheilkunde eine Zeit¬
lang fort; im übrigen aber widmete er seine Zeit und Kraft der
schriftstellerischen Tätigkeit. Namentlich arbeitete er an seinem
Hauptwerk, einem sechsbändigen System der Chirurgie,
in dessen dritten und vierten Bande die Lehre von den Augen¬
krankheiten abgehandelt wird.
Wie unzulänglich damals und auch später noch der Zustand
der in Betracht kommenden Krankenabteilung war, den Wal¬
ther der Aenderung bedürftig erachtete, geht unter anderem
daraus hervor, dass bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts
für die männlichen und weiblichen Augenkranken im Kranken¬
haus nur je ein Saal im Erdgeschoss, dann von 1855
bis 1871 je ein solcher im 1. Sock zur Verfügung stand. Und
wie es mit den hygienischen Verhältnissen bestellt war, kann
man aus dem Aufsatz von J. N. v. Nussbaums „Sonst und
Jetzt“ erfahren, in dem er hervorhebt, dass das Spital seit 20
bis 30 Jahren pyämisch und so unzulänglich sei — er braucht
hier einen noch drastischeren Ausdruck —, „wie es stets war“.
Uebrigens liessen auch an anderen Orten, z. B. in W ü r z -
bürg, zu dieser Zeit die Einrichtungen für einen klinischen
Betrieb der Augenheilkunde viel zu wünschen übrig. So wurde,
wie ich einer gütigen Mitteilung von Herrn Kollegen H e 1 f -
reich entnehme, 1807 dem Professor Barthel v. Sieb old
auf seine Bitte umUeberweisung eines 'besonderen für Operation
und Nachbehandlung von Starkranken eingerichteten Zimmers
ein solches von der grossherzoglich toskanischen Landesdirek¬
tion mit dem Vorbehalte bewilligt, dass es bei zeitweiligem
Nichtvorhandensein von Starpatienten zur Kur für Wahnsinnige
und andere dringende Kranke verwendet würde. Im Jahre 1841
aber beschied das Oberpflegamt des Juliusspitales ein von Caj.
v.Textor gestelltes Ansuchen zur Herstellung einer eigenen
Abteilung für Augenkranke durch Ueberlassung von zwei Zim¬
mern mit je 6 Betten und entsprechender Einrichtung nicht
allein mit Rücksicht auf den Kostenpunkt und Raummangel ab¬
schlägig, sondern bezeichnete dabei auch die bisher von dem
Oberwundarzte betätigte Unterbringung von Augenkranken in
einigen für andere Zwecke freigehaltenen Zimmern für die
Folge als nicht tunlich. Es hatte also bei einem ständigen
Zimmer sein Verbleiben und wurde Textor nur noch anheim¬
gegeben, bei zeitweilig grösserem Raumbedarf für Augen¬
kranke ein oder das andere der für chirurgische Kranke be¬
stimmten Zimmer durch Entlassung unheilbarer oder besonders
langwieriger Fälle frei zu machen.
Nicht viel besser war es inzwischen Walthers Nach¬
folger an der Universität Landsbut, Franz R e i s i n g e r, dem
Stifter unseres „R e i s i n g e r i a n u m“ gegangen.
Auch er, dem die Vorlesungen über Walthers Lehr¬
fächer übertragen wurden, trat, reich ausgestattet mit Wissen
und Erfahrungen, die er auf bedeutenden Reisen in
Deutschland, Frankreich und England bei berühmten Lehrern
(unter anderem bei Langenbeck d. Ae. in Göt¬
ti n g e n, bei Astley Cooper in London) und in
eigener Tätigkeit als Wundarzt in Augsburg gesammelt
hatte, am 3. Mai 1819 zum Extraordinarius ernannt,
sein Lehramt mit Eifer und Wärme, ja mit Begeisterung
an und war in aufopfernder Selbstlosigkeit bestrebt, seine Wirk -
amkeit für die Universität so fruchtbringend wie möglich zu
machen. Im Vertrauen auf seine Geschicklichkeit, seinen Wert
und seinen guten Willen steuerteer geraden Wegs auf das vor¬
gesteckte Ziel los und achtete nicht darauf, ob er etwa manch¬
mal untenvegs an Jemanden anstiess und diesen in seiner her¬
gebrachten Bequemlichkeit störte.
So kam es denn alsbald zu Misshelligkeiten aller Art, die
trotzdem, dass R e i s i n g e r wenn auch nicht immer formell
so doch stets materiell im Rechte war, schliesslich dahin führ¬
ten, dass er, nachdem er noch 2 Jahre zuvor zum Ordinarius
befördert worden war, am 13. März 1824 als ordentlicher Pro¬
fessor der Entbindungslehre nach Erlangen versetzt wurde.
Wiederholte, auch vom akademischen Senat zu Landshut
unterstützte Bittgesuche, in denen R e i s i n g e r bei der aller¬
höchsten Stelle unter Betonung des Umstandes, dass es sein
einziges Streben war, „seinen Vorgänger zu ersetzen“, darauf
hinwies, dass eine solche Versetzung, bisher bei Universitäts¬
professoren ganz ungewöhnlich, seinen Ruf als Chirurg und
Augenarzt vernichte, besonders da man ihm ein ganz
fremdes Fach überweise, hatten keinen Erfolg. Man suchte
zwar weiterhin nun diese Strafversetzung zu mildern, dass
man Reisinger „zum Beweise des wohlgefälligen Aner¬
kenntnisses seiner in Lan-dishut bewiesenen gemeinnützigen
Tätigkeit“, — die nebenbei bemerkt von unbefangenen
Zeit- und Universitätsgenossen als ebenso sorgfältig und
für andere Institutsvorstände als vorbildlich anerkannt
worden war — taxfrei den Charakter eines Hofrates
verlieh. Auch bot man ihm die mittlerweile durch
den Tod Schregers erledigte Erlanger Lehrkanzel
für Chirurgie an. — Indessen vergeblich.
Denn die plötzliche Entfernung von dem ihm an¬
vertrauten und ans Herz gewachsenen Lehramt in
Landshut erschütterte Reisinger nicht bloss geistig, son¬
dern ergriff ihn auch körperlich so, dass er schwer er¬
krankte und wiederholt um dauernden Ruhestand bat,
der ihm auch schliesslich nach langen von kleinlicher Be¬
drückungssucht nicht freien Verhandlungen auf Grund einer Er¬
klärung des damaligen Referenten in Medizinalangelegenheiten,
dass Professor R e i s i n g e r an einem organischen Fehler des
Herzens leide, auf unbestimmte Zeit und unter dem Vorbehalte
einer Wiederverwendung im Staatsdienst am 28. August 1826
gewährt wurde. Dazu kam es aber nicht mehr — man wollte
ihn nämlich später, 1830, zum Professor der nach der Ver¬
legung der Universität nach München in Landshut errichteten
chirurgischen Schule machen —, sondern Reisinger nahm
1826 die Stelle eines Oberwundarztes am Augsburger allge¬
meinen Krankenhause an, an dem ihm im Jahre 1831 die städti¬
schen Behörden auch die Direktion übertrugen.
Hier wirkte R. noch nahezu 30 Jahre bis zu seinem Tode
(20. April 1855) wie als weithin berühmter Arzt so auch als
echter uneigennütziger Menschenfreund und Stifter charitativer
Einrichtungen.
So errichtete er neben einer Reihe von wohltätigen Anstal¬
ten, deren segensreiche Bedeutung gerade unsere Zeit vollaui
zu schätzen weiss — ich führe nur als Beispiele an: die Anstalt
für Beförderung des Stillens von Wöchne¬
rinnen, eine Bewahranstalt der Säuglinge,
eine Anstalt zur Verhütung des Brustkrebses
— 1839 auch eine Augenheilanstalt für Kranke
vom Lande.
So war denn unsere Fakultät einer Kraft allerersten Ranges
verlustig gegangen.
Denn, seinem Amtsvorgänger geistig völlig ebenbürtig, war
auch Reisinger darauf bedacht, den medizinischen Unter¬
richt möglichst nutzbringend zu gestalten: so z. B. durch den
Schülern zugängliche Sammlungen von Präparaten, von Ab¬
bildungen, Instrumenten und Büchern, wie auch durch Herbei¬
ziehung der Studierenden zu eigenen praktischen Demonstra¬
tionen, wie er sie bei dem Unterrichte in der Anatomie in Eng¬
land kennen gelernt hatte. Um den Eifer anzuregen, bestimmte
er für die „würdigsten Kandidaten“ — Praktikanten würden
wir heute sagen — aus eigenen Mitteln jährlich zwei Preise, die
in chirurgischen Instrumenten bestanden.
Auch die Klinik, die „hinsichtlich der Zweckmässigkeit des
Gebäudes unmöglich jenen Anstalten gleichsteht, mit denen
erst in neuester Zeit so manche andere deutsche Universität be¬
glückt wurde“, suchte er zu verbessern. So bestimmte er für
die Augenkranken — sollte der Ausspruch des etwa gleich¬
altrigen Justinus Kerner: „Grün tut keinem Auge weh“
schon damals wirksam gewesen sein? — grün ausgemalte Zim¬
mer mit grünen Vorhängen, die nach Bedürfnis das Licht ent¬
weder bloss von oben oder nur von unten einfallen liessen;
u. dergl. mehr.
Und wie hoch ist auch heute noch Reisinger ins¬
besondere ophthalmologisch zu bewerten! Wie dankbar sind
wir bei der Staroperation in schwierig gelagerten Fällen das
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296
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
von ihm angegebene Doppelhäkchen benutzen zu können?
Und wer liest nicht heute noch mit Nutzen und Befriedigung
seine Inauguraldissertation „de exercitationibus chirotechnicis
et de constructione atque usu phantasmatis in ophthalmologia“,
die er in deutscher Sprache unter dem Titel: „Ueber die
Konstruktion und den Gebrauch eines Phan¬
toms i n d e r A u g e n h e i 1 k u n s t“ in Bd. 1 der Beiträge
zur Chirurgie und Augenheilkunde veröffentlichte. Ich ver¬
weise ferner auf die Abhandlungen in den von ihm heraus¬
gegebenen Bayerischen Annalen, ersten Bandes erstes Stück,
von denen ich als die bemerkenswertesten hervorhebe die Mit¬
teilungen : „Ueberdie Anwendung undden Nutzen
nasskalter Ueberschläge nach Augenopera¬
tion e n“, ferner den Beitrag: „Sicherung einer radi¬
kalen Kur der Striktur des Nasenkanals als
Bedingung der Tränensackwassersucht oder
Tränensackfistel durch Anwendung eines
bleiernen gerinnten Stiftes; des weiteren die
kasuistische Notiz über: „Die Heilung einer sar-
komatösen Ausstülpung des oberen Augen¬
lides durch Ausschneiden eines Stückes der
inneren Augenlidhau t“, und endlich vor allem den
grundlegenden Aufsatz über „Die Keratoplastik, ein
Versuch zur Erweiterung der Augenheil-
k u n s t“, in dem R e i s i n g e r auf Grund von Experimenten
am Kaninchen als Erster den Gedanken erörterte, eine un¬
brauchbare oder zerstörte menschliche Hornhaut durch eine
gesunde durchsichtige Kornea eines Tieres zu ersetzen.
Ebenso beklagenswert ist, dass nach dem Tode Philipp
Wilhelms — er lehrte, seit 1821 als Privatdozent an der
Würzburger Fakultät tätig, hier zunächst als Extraordinarius,
seit dem 31. Oktober 1827 als Ordinarius der Chirurgie und
war nach Walthers Rücktritt auf seine Bitte um Verleihung
der chirurgischen Klinik, „deren gegenwärtige Lage wie das
gänzliche Darniederliegen alles chirurgischen Unterrichtes der
akademische Senat selbst kennt“, am 13. März 1837 zum Nach¬
folger von Philipp v. W a 11 h e r im allgemeinen Kranken¬
hause ernannt worden — der Ende des Jahres 1840
von Erlangen hierher berufene Ludwig S t r o m e y e r, der
Erfinder der Schieioperation, sich in München so wenig
heimisch fühlte, dass er bereits im Oktober 1842 einem Rufe
nach Freiburg i. Breisgau folgte.
Mit ihm verlor München einen wie auf unserem Spezial¬
gebiet physiologisch-klinisch so auch chirurgisch und, wie die
Folgezeit lehrte, insbesondere kriegschirurgisch so tüchtigen
Mann, dass er in unserer Geschichte neben Pirogoff als
der eigentliche Begründer der modernen Kriegsheilkunde be¬
zeichnet wird. Was insbesondere Strom eyer als lebens¬
rettender Arzt und Mensch am Krankenbette bedeutete,
erschliesst uns der geist- und eindrucksvolle Essay von
Dr. Georg Hirth über ein Selbsterlebnis im III. Band seiner
kleinen Schriften.
(Schluss folgt.)
Aerztliche Standesangelegenheiten.
„Landesgewerbearzt.“
Zur Einführung.
Von Dr. med. Franz Koelsch, K. Landesgewerbearzt.
„Das kostbarste Kapital der Staaten und der Gesellschaft ist der
Mensch.“ Kein Wunder, wenn in Beherzigung dieses Ausspruches
(Kronprinz Rudolf bei Eröffnung des VI. hygienischen Kongresses in
Wien 1887) alle zivilisierten Staaten wetteiferten, diese Werte zu
schützen und zu konservieren, wenn insbesondere bei der beispiel¬
losen Entwicklung der Industrie in unseren Tagen auch die rege
Fürsorge für die oft unter den ungünstigsten Bedingungen schaffenden
Arbeiter sich geltend machte, wenn die meisten Industriestaaten durch
gesetzliche Bestimmungen Arbeiterfürsorge und Arbeiterschutz zu
regeln sich entschlossen. Während jedoch England, die Schweiz,
Belgien, die Niederlande, seit längerer Zeit schon der Mitwirkung
der Aerzte bei der Durchführung der Arbeiterschutzgesetze nicht ent-
raten zu können glaubten, war bis in die jüngste Zeit in Deutschland
die ärztliche Gewerbeaufsicht sowie die ärztliche Förderung der
Gewerbehygiene im Rahmen der Arbeiterschutzgesetze völlig unbe¬
kannt. Erst in den letzten .lahren nahmen — nicht zum wenigsten
infolge energischen Drängens der ärztlichen Standesvertretungen
No. 6.
wie der grossen Arbeiterorganisationen — einige der deutschen
Bundesstaaten ärztliche Mithilfe an: Württemberg und Baden zogen
je einen Arzt — sei es im N e b e n a m te als Berater der Gewerbe¬
aufsichtsorgane, sei es als wirklichen Gewerbeinspektor mit eigenem
Bezirk — zum Gewerbeaufsichtsdienst bei; Bayern darf seit dem
1. Januar 1909 die Priorität für sich in Anspruch nehmen, zuerst unter
den deutschen Bundesstaaten einen Arzt im Hauptamte als sach¬
verständigen Beirat der Zentralinspektion für Fabriken und Gewerbe
aufgestellt zu haben. Es wird wohl keiner weiteren Ausführungen
mehr bedürfen, die allseitig anerkannte Notwendigkeit und Zweck¬
mässigkeit dieses Schrittes darzulegen. Vielmehr sei es gestattet,
einige der wichtigsten Gesichtspunkte aus dem weiten Arbeitsgebiet
des „Landesgewerbearztes“ programmatisch zu erörtern. Als selbst¬
ständigem Gewerbeaufsichtsbeamten obliegt dem Gewerbearzt die
Aufsicht über den hygienischen Schutz der Arbeiter im Rahmen der
Gewerbeordnung, die Kontrolle der Betriebe sowie die Feststellung
und tunlichste Abstellung allgemeiner und spezifischer Schädigungen
der Arbeiter selbst oder der Umgebung. Bei einer grösseren Zahl
dieser Kontrollbesuche mag ja ein „ärztlicher“ Gewerbeaufsichts¬
beamter nicht dringend erforderlich erscheinen, wenn es sich nur um
allgemein-hygienische Massnahmen, Besichtigung der Arbeitsräume.
Ventilation, Beheizung und Beleuchtung, Regelung der Arbeitszeiten.
Anbringung von Schutzvorrichtungen an Maschinen u. dergl. handelt.
Andererseits wird der praktisch geschulte Blick des Arztes auch
bei diesen Betriebsbesichtigungen auf gar manche Punkte stossen, die
seitens des nur technisch vorgebildeten Beamten vielleicht gar keine
oder nur geringfügige Beachtung gefunden hätten. Zu dieser selbst¬
ständigen Aufsichtstätigkeit gesellt sich als eine weitere, wich¬
tigere Aufgabe die wissenschaftliche Untersuchung derjenigen ge¬
werblichen Gesundheitsschädigungen, welche von den Gewerbe¬
aufsichtsbehörden, Berginspektionen, Amts- und praktischen Aerzten.
endlich von« Krankenkassen angezeigt werden — eine Aufgabe, welche
also die selbstlose Mitwirkung der weitesten ärztlichen Kreise zur
Voraussetzung hat. Wenn nun auch seitens des K. Staatsministeriums
des Innern bereits eine diesbezügliche Anregung an die Amtsärzte
ergangen ist, so möchte ich selbst auch alle ärztlichen Kreise, besonders
die Kassenärzte, zu dieser Beisteuerung kasuistischen Materials auf-
fordern; nur auf Grund einer systematischen Erforschung der ge¬
gebenen Beobachtungen des praktischen Lebens wird sich eine
brauchbare Darstellung der Berufsschädlichkeiten aufbauen lassen.
„Die Aerzte in den industriellen Bezirken müssen die Gesandten sein,
korrespondierende Mitglieder, Lieferanten von Fällen, Beobachtungen
und Problemen für das Studium“ wie Prof. D e v o t o - Mailand in
seiner glanzvollen Ansprache anlässlich der im Vorjahre erfolgten
Eröffnung seiner Klinik für Gewerbekrankheiten bemerkte.
Allerdings wird ja die Beurteilung manch eines verdächtigen
Falles gewerblicher Schädigung besonders durch Giftstoffe nicht ge¬
ringe Schwierigkeiten bieten, da gar viele Noxen nur ganz langsam
und oft nur in wenig charakteristischer Weise auf den Organismus
einwirken. In den meisten Fällen finden wir nicht eine einzige, viej-
mehr eine ganze Reihe allgemeiner und spezifischer Berufsschädlich¬
keiten. Aber auch schon ganz bekannte gewerbliche Gifte werden
infolge Verunreinigung der Materialien, unvollkommener Anwendung
der gebotenen Schutzeinrichtungen gar oft nicht erwartet, bislang
dunkle Krankheitsbilder hervorzurufen imstande sein. Endlich wäre
bei unserer rastlos fortschreitenden Industrie an die Erzeugung oder
Verwendung ganz neuer Substanzen zu erinnern, deren krank-
machende Erscheinungsformen erst noch entdeckt und studiert werden
müssen. Die Sammlung dieses kasuistischen Materials setzt allerdings
auch einige Kenntnis der in den einzelnen Fällen angewandten tech¬
nologischen Tatsachen voraus, ganz besonders ist dabei auf eine
detaillierte Angabe der Beschäftigungsart jedes einzelnen erkrankten
Arbeiters hinzuweisen, endlich wären Alter, Dauer der mit der ge¬
nannten Beschäftigung verbrachten Zeit, allgemeine Arbeitszeit, Lohn-
und Ernährungsverhältnisse etc. einer Beachtung wert.
Die öffentlichen Krankenkassen dürften schon aus „egoistischen"
Gründen Interesse dafür haben, dass die gewerblichen Schädigungen
ihrer Mitglieder genauer durchforscht und Massnahmen zur Ver¬
hütung derartiger Krankheiten getroffen werden. Die Mitwirkung
dieser Krankenkassen wird ganz besonders durch Aufstellung einer
zweckmässigen Morbiditäts- bezw. Berufsstatistik wertvoll werden,
für welche weitere Anregungen Vorbehalten bleiben. Die bisherigen
diesbezüglichen Aufzeichnungen entsprachen aus verschiedenen
Gründen nicht vollkommen den Erwartungen.
ln demselben Grade wie die Berufshygiene der industriellen
Arbeiter bedarf auch das Kleingewerbe, die Heimarbeit und Haus¬
industrie einer Durchforschung und detaillierten Untersuchung: ge¬
rade hier, unter den oft denkbar ungünstigsten Wohnungs-, Luft- und
Lichtverhältnissen, bei der unbeschränkten Arbeitszeit und meist
kärglichen Entlohnung, müssen gewerbliche Schädigungen noch
viel verheerender den Organismus treffen, als dies in den wohl über¬
wachten, gut eingerichteten Fabriken der Fall sein kann. Auch muss
die mögliche Schädigung der in den dumpfen Behausungen mit¬
wohnenden Familienangehörigen umsomehr zur eingehenden Beob¬
achtung dieser kleingewerblichen Produktionsformen hinweisen.
Neben dieser praktischen Betätigung obliegt dem Landes¬
gewerbearzt die Beratung des K. Arbeitermuseums bezüglich medi¬
zinisch-hygienischer Ausstellungsobjekte, Wanderausstellungen und
Vorträge. Die Belehrung von Arbeitgebern und Arbeitern über spe-
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9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
297
ziehe Berufsschädigungen und deren mögliche Verhütung, über
allgemeine Fragen der Ernährung, Alkoholprophylaxe u. a. wird
weiterhin eine wesentliche Aufgabe des Gewerbearztes bilden.
Inwieweit bei dem weiteren Ausbau des gewerbeärztlichen
Dienstes die Einrichtung eines Laboratoriums etwa nach belgischem
Muster, von konsultativen Instituten in den grösseren Industriezentren
nach Mailänder Vorbild (unentgeltliche Beratung der Arbeiter über
Berufswahl, Berufswechsel, verdächtige Krankheitssymptome u. a.)
erforderlich werden — diese Fragen werden sich wohl erst im Laufe
der nächsten Jahre beantworten lassen. Notwendig wird dabei in
erster Linie eine Aenderung verschiedener gesetzlicher und poli¬
zeilicher Bestimmungen werden müssen bezüglich der Anmeldepflicht
für jeden Betrieb, in welchem Giftstoffe zur Erzeugung oder Ver¬
wendung gelangen, bezüglich gesetzlicher Meldung jedes gewerb¬
lichen Vergiftungsfalles durch den Unternehmer sowie den behandeln¬
den Arzt, vermehrte Einführung von unabhängigen Betriebs¬
ärzten nach § 120 e der Gewerbeordnung. England mit seiner hoch-
entwickelten Industrie mag uns hiebei zum Vorbild dienen.
Wohl stehen ja auch diesen absichtlich nur andeutungsweise an¬
geführten Vorschlägen gewichtige juridische sowie technologische
Fragen gegenüber. Ich erinnere nur an die durch rein subjektive
Momente oft variable Diagnose der gewerblichen Vergiftung, ich
erinnere weiterhin an die Tatsache, dass völlig ungiftige Substanzen
bei ihrer Darstellung oder weiteren Verarbeitung event. Produkte be¬
dingen, die durchaus toxisch wirken, während andererseits sehr giftige
Substanzen, z. B. Zyankali, durchaus nicht giftig zu sein brauchen im
gewerbehygienischen Sinne.
Jedenfalls wird die Gesetzgebung eine den praktischen Bedürf¬
nissen entsprechende Fassung zu finden wissen. Wichtiger und be¬
deutungsvoller erscheint daher vorerst die Mithilfe des ärztlichen
Standes. Mögen diese Zeilen anregen zum Interesse an der Materie
und zu einschlägigen Beobachtungen — mögen; sie eine Sturmflut
kasuistischer Mitteilungen auslösen. Viele Tausende von Arbeitern
werden der künftigen Besserstellung ihrer hygienischen Bedingungen
Dank wissen. Nicht zum mindesten können alle Kollegen meines
Dankes für gütige Mitteilungen und Anregungen versichert sein.
Bücheranzeigen und Referate.
Momburg: Der Gang des Menschen und die Fuss-
geschwulst. Mit 22 Tafeln und 8 Textfiguren. Berlin, 1908.
Verlag von August HirschwaId, N.-W., Unter den Linden 68.
Preis 5 M.
Den breitesten und wertvollsten Teil des Buches bilden
die Untersuchungen des Verfassers über die Lage der Meta¬
tarsalknochen. Früher hat man allgemein angenommen, dass
die Köpfchen der Metatarsen einen Bogen bilden, dessen End¬
punkte von den Köpfchen des 1. und 5. Metatarsus und dessen
Scheitel vom Köpfchen des 3. Metatarsus gebildet werden. An
diesen Anschauungen hält auch heute noch ein Teil der Ana¬
tomen und Chirurgen fest.
Im Jahre 1882 hat B e e 1 y die Lehre vom Quergewölbe
des Fusses bekämpft und die Behauptung aufgestellt, dass der
normale Fuss hauptsächlich mit dem Köpfchen des 2. und 3.
Mittelfussknochens bei der Belastung den Boden berührt. Der
Verfasser schliesst sich auf Grund seiner eigenen Unter¬
suchungen (Fussabdruck in Lehm und Röntgenbilder) der
Bee ly sehen Anschauung an. Auch die Tatsache, dass die
Knochenbrüche, welche die sogen. Fussgeschwulst verur¬
sachen, fast ausschliesslich am 2. und 3. Metatarsus beob¬
achtet werden, spricht dafür, dass der 2. und 3. Metatarsus bei
der Belastung sehr stark in Anspruch genommen werden. Der
Referent kann bestätigen, dass häufig die Köpfchen des 3. und
4. Metatarsus tiefer als die vom 1. und 5. Metatarsus liegen,
und deshalb das Hauptgewicht zu tragen haben.
Eine andere Frage ist aber die, ob ein solcher Fussbau
normal ist. Die Füsse der Kulturvölker haben durch das
Schuhwerk, durch das harte Pflaster und durch einseitige Be¬
nützung erhebliche Veränderungen erlitten, so dass die Frage:
was ist ein normaler Fuss, wohl nicht so leicht zu ent¬
scheiden ist.
Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, dass ein Kollege,
der Gelegenheit hat, bei Naturvölkern unveränderte Füsse zu
beobachten, solche Untersuchungen von neuem aufnimmt.
Ausser diesen Untersuchungen über die vorderen Stützpunkte
des Fusses gibt der Verfasser eine ausführliche Darstellung der
Aetiologie, Diagnose, Prophylaxe und Behandlung der Fuss¬
geschwulst.
Das Buch, dessen Lektüre durch eine klare Schreibweise
und zahlreiche instruktive Abbildungen sehr erleichtert wird,
verdient warme Empfehlung. F. Lange- München.
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P. H. Gerber -Königsberg i. Pr.: Die Komplikationen
der Stirnhöhlenentzündungen. Beiträge zur Anatomie, Patho¬
logie und Klinik der Stirnhöhlen. Mit zahlreichen Tabellen,
36 Abbildungen im Text und 2 Tafeln. S. K a r g e r, Berlin 1909.
457 Seiten. Preis 15 M.
Wenn wir auch seit kurzer Zeit gewohnt sind, dass die
Literatur unseres Spezialfaches sich aufs eingehendste in die
Bearbeitung kleiner Teilgebiete vertieft, so ruft doch jedesmal
eine Neuerscheinung dieser Zersplitterungsmethode stets
wieder im ersten Augenblick ein gewisses Gefühl der Ueber-
raschung hervor. So auch eine umfangreiche Monographie
über die Komplikationen der Stirnhöhlenentzündungen; und
doch kann man bei näherer Bekanntschaft mit dem Buche
dem Autor in seinen Bestrebungen nur beipflichten. Ger¬
ber hat sich, wie er in der Vorrede selbst sagt und wie uns
Spezialkollegen auch von früheren Gelegenheiten bekannt,
schon lange diesem Gebiete mit Interesse zugewandt und be¬
sitzt daher ein wohlbegründetes Recht, seine Erfahrungen in
der zusammenfassenden Form eines Werkes herausgegeben.
Das Buch ist mit grosser Gründlichkeit und kritischer Ab¬
wägung aller auf diesem Gebiete bekannten Beiträge abgefasst.
Ueberraschend- ist die genaue und liebevolle Bearbeitung der
deutschen und ausländischen Literatur, mit gewisser Vorliebe
freilich für die französische. G. will keine Pathologie der Stirn¬
höhlenentzündungen überhaupt schreiben, sondern zieht ledig¬
lich die Fälle, die zu Komplikationen geführt haben, in seine
Betrachtung; hierbei zeigt es sich, dass der Begriff der Kom¬
plikationen viel weiter zu fassen ist, als allgemein üblich, dass
sie häufiger Vorkommen und entschieden einer ernsteren Be¬
achtung bedürfen, als gewöhnlich geschieht, da sie immerhin
oft genug ihren lokalen Charakter verlieren und zu Schädi¬
gungen benachbarter Organe, sowie des ganzen Körpers, ja
selbst zum Exitus führen können. Mit Recht verweist G. auf
die Otologie, auch hier galten früher die Komplikationen der
Mittelohreiterung insbesondere die Warzenfortsatzerkrankung
bei Spezialisten und praktischen Aerzten für weniger belangreich,
bis die bessere Erkenntnis zunächst der Otologen und weiter
die Verbreitung dieser Erkenntnis bei Aerzten und Publikum
den Dingen die hohe Bedeutung und verdiente Würdigung ver¬
schafft hat, die sie heute besitzen. Das Gleiche beabsichtigt
G. für die Stirnhöhlenerkrankungen; auch für sie soll gezeigt
werden, dass sie keine quantite negligeable sind, die gelegent¬
lich einmal zu ernstem Vorgehen veranlassen kann, sondern dass
sie eine schlummernde Gefahr bilden, die der Spezialist und der
Praktiker kennen und beachten soll. Dieser Nachweis ist, nach
des Rezensenten Ansicht, dem-Verfasser bei seiner wohl-
geordneten, gründlich durchgearbeiteten Materialfülle ent¬
schieden gelungen, und damit die Empfehlung des Werkes von
selbst ausgesprochen, dem Spezialisten zur Nachachtung, dem
Praktiker zur Anbahnung besseren Verständnisses. Auf wei¬
tere Einzelheiten kann nicht eingegangen werden, es sei nur er¬
wähnt, was ja ohnehin selbstverständlich, dass G. im allge¬
meinen eine eingehendere aktive Therapie als bisher empfiehlt
und die Indikationen für die Operation erheblich vermehrt
wissen will.
Die beigegebenen Abbildungen — Photographien von
Patienten und Röntgenogramme — sind wohlgelungen und
bieten auch dem Rhinologen von Fach manches Interessante
und Neue, so dass sie das Verständnis entschieden erhöhen.
Als störend empfand Rezensent eine unverkennbare Weit¬
schweifigkeit der Diktion, im besonderen die recht ausgedehnte
wörtliche Anführung von Zitaten, mit entschiedener Bevor¬
zugung französischer Autoren. Man kann sich der Empfindung
nicht erwehren, als wäre eine grössere Prägnanz dem Ver¬
ständnis des Gesagten und der Uebersichtlichkeit des Inhaltes
vorteilhafter gewesen. Max Senator- Berlin.
Erwin v. Esmarch: Hygienisches Taschenbuch für
Medizinal- und Verwaltungsbeamte, Aerzte, Techniker und
Schulmänner. Berlin, Julius Springer, 1908. 4. Auflage.
324 Seiten. 4 Mark.
Die neue Auflage des v. Esmarch sehen Taschen¬
buches bringt gleich der Vorgängerin eine überraschende
Fülle von Stoff, der für den praktischen und theoretischen
Hygieniker gleich wichtig ist. Allen Neuerungen seit den
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298
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
Na. 6.
letzten 6 Jahren, die besonders auf praktischem Gebiet lagen,
ist iti umfassendster Weise Rechnung getragen worden, und
es ist nichts übergangen, was die Technik an Brauchbarem
für die ausübende Hygiene gebracht hat. Immer wieder von
neuem gefallen die übersichtlichen präzisen Zusammen¬
stellungen, die in ganz trefflicher Weise über jedes einzelne
Kapitel orientieren, ganz gleichgültig, ob wir über Abfallstoffe,
Schulhygiene, Infektionskrankheiten oder anderes etwas wissen
wollen. Die Angaben der Bezugsquellen sind revidiert und er¬
weitert, so dass auch in dieser Beziehung der Hygieniker und
Techniker einen zuverlässigen Ratgeber zur Hand hat. Viel
trägt zur leichten Uebersicht aiicji das setzerische Arrangement
bei. Es ist ein brauchbares Buch, das man um so mehr schätzen
lernt, je öfter man es benützt.
R. O. Neumann - Heidelberg.
Georg Lomer: Kurzgefasster praktischer Ratgeber für
Irrenärzte und solche, die es werden wollen. Wiesbaden.
Verlag von J. F. Bergmann, 1908. 33 Seiten. Preis 1 M.
Der Ratgeber erschöpft sich in 10 Abschnitten mit folgen¬
den Ueberschriften — Allgemeines über den Umgang mit
Geisteskranken. Umgang mit Personal. Die Visite. Kranken¬
aufnahme. Der Wachsaal. Krankenuntersuchung. Thera¬
peutische Winke. Verkehr der Kranken mit der Aussenwelt.
Dienstlicher Schriftverkehr des Arztes. Gesetzeskunde —,
deren Inhalt nicht ganz hält, was der mehr verheissende Titel
verspricht. K u r z g e f a s s t ist er, vielleicht manchmal allzu
kurz; praktisch — darüber lässt sich streiten; für Irren¬
ärzte — keinesfalls; für solche, die es werden
wollen — allenfalls! Germanus F1 a t a u - Dresden.
Bericht J über urologische Forschungsergebnisse aus dem
zweiten Halbjahr 1908.
Das Ende des verflossenen Jahres brachte uns aus Frankreich ein
prächtiges Werk von Al bar ran: „Medecine operatoire des voies
urinaires“, das ebenso wie die „Röntgendiagnostik des uropoetischen
Systems“ des Hamburgers Haenisch in einer der nächsten
Nummern einer eingehenden Besprechung unterzogen werden soll. Von
Walkers Studie „The renal function in urinary surgery“ war an
dieser Stelle bereits des längeren die Rede. Neuere Bücher unseres
Spezialgebietes sind ferner: Wallaces „Prostatic enlargement“.
das einen interessanten Beitrag zu dieser viel diskutierten Frage gibt,
sowie Desnos und Minets „Traitee des maladies des voies uri¬
naires“, ein Werk, das alles, angefangen von den kleinen manuellen
Feinheiten der täglichen Praxis bis zu der Technik der Nieren- und
Blasenoperationen bringt. Die Gynäkologen haben erfreulicher Weise
unter Stöckels Führung eine Zeitschrift für gynäkologische
Urologie begründet und schaffen zusammen mit den Andrologen an
dem Ausbau unserer Spezialwissenschaft.
Erfahrungen über Nieren tuberkulöse und End¬
resultate von 7! Nephrektomien wegen Tuber¬
kulose legt K r ö n 1 e i n in den Fol. urol., Bd. III, Nov. 1908, nieder.
Sie verdienen besonders auch deswegen unsere Aufmerksamkeit, da
kein operierter Fall der Beobachtung entging und das Schicksal aller
seit 1890 Nephrektomierten bis zum Zeitpunkt dieser Publikation ver¬
folgt werden konnte. Im Laufe dieser 18 Jahre sind 18 Patienten ge¬
storben, 53 sind noch am Leben; die direkte (bis 1. Monat p. Op.)
Operationsmortalität dieser 71 Fälle beträgt 5,6 Proz. Da von diesen
18 Todesfällen 14 auf das erste Jahr nach der Operation fallen, zieht
K. den Schluss, dass ein wegen Tuberkulose Nephrektomierter die
Aussicht hat, noch jahrelang am Leben zu bleiben, wenn er mir das
erste Jahr nach der Operation zurückgelegt hat. Als Todesursache
steht natürlich ganz im Vordergründe die Tuberkulose, besonders die
Miliartuberkulose, während die spätere tuberkulöse Erkrankung der
Testierenden Niere sehr selten ist. Die Heilresultate mehren sich mit
der Länge der Beobachtungszeit; Tuberkulose anderer Organe kann
unter dem Einflüsse der Operation sich bessern, ja sogar ausheilen..
Zirkumskripte, besonders auf die Ureterenostien beschränkte Blasen¬
tuberkulose heilt gewöhnlich, ausgedehnte tuberkulöse Zerstörungen
der Schleimhaut dagegen sehr schwer aus. Die Zunahme des Körper¬
gewichtes nach der Operation ist Regel. Einige wegen Nierentube:;-
kulose operierte Frauen haben Geburten ohne irgend welche Nach¬
teile für die Testierende Niere durchgemacht.
Die für die Therapie so wichtige Frage der Spontanheilung
der Nierentuberkulose behandelt v. R i h m e r in den Fol.
urol. Bd. III, H. 3. Von verschiedenen Autoren wurde bisher be¬
hauptet, die Nierentuberkulose sei eine Krankheit, welche oft ohne
Operation zur Heilung gelangen könne. R. unterzieht die diesbezüg¬
lichen Arbeiten einer genauen Durchsicht und zeigt, dass der weitaus
grösste Teil dieser Heilungen einer sachlichen Kritik nicht Stand
halten kann. Er selbst hat 3 Fälle operiert, die man für eine Spontan¬
heilung der Niere hätte ansprechen können. Es war nämlich längere
Zeit ein Rückgang in der Eiterausscheidung zu bemerken, der Harn
klärte sich auf. Und doch war von einer eigentlichen Heilung der
Tuberkulose keine Rede. Sie war auf dem Wege der Vernarbung
eingetreten; Hand in Hand fand eine Ureterobiiteration statt. Dabei
war die Niere als Organ zu Grunde gegangen, die Heilung war also
eine unvollkommene. Im Verlauf des „Heilungsprozesses“ w^urdc Ln
jedem Falle die Blase tuberkulös infiziert. Nach der Exstirpation der
Niere besserte sich der allgemeine Gesundheitszustand ganz erheblich;
jede Patientin hat rasch an Gewicht zugenommen. Es ist demnach
auch in solchen Fällen sehr rationell, das funktionsunfähige Organ
und damit einen tuberkulösen Herd aus der Niere zu entfernen, ins¬
besondere auch deshalb, w r eil derartige operierte Fälle zeigen, da^s
die Nephrektomie den Kranken erheblichen Nutzen bringt.
Wie bekannt, sind für Nierentuberkulose ausser anderen Zeichen
sekundäre Blasenveränderungen charakteristisch, welche sich be¬
sonders auf die Gegend der Ureteröffnung der affizierten Niere be¬
schränken. Zystoskopisch sieht man da Erosionen, chrakteristiscbe
Geschwüre, bisweilen auch einzelne oder einen Kranz von grau-
gelblichen Tuberkeln, oft nur eine einfache Infiltration der Schleim¬
haut mit kleinen Blutergüssen, alles Befunde, welche das Vorhanden¬
sein eines tuberkulösen Herdes in der Niere wahrscheinlich erscheine
lassen. L e s c h n o f f führt nun im Zentralbl. f. innere Med.. No. 46. US
einen seltenen Fall an, bei dem an Stelle dieser gewöhnlichen Ver¬
änderungen ein zirkumskriptes, hartnäckiges Oedema bullosum der
Ureterengegend bestand: („O edema bullosum der Harn¬
blase bei Tuberkulose der Nieren“). Gewöhnlich wird
dieses Oedem von Gynäkologen bei Exsudaten der inneren Ge¬
schlechtsorgane, welche in unmittelbarer Nachbarschaft der Blase
liegen, beobachtet; es wird als eine Erscheinung entzündlicher
Natur betrachtet. Verf. nimmt nun an, dass in diesem Falle die
toxischen Eigenschaften des aus einer tuberkulösen Niere stammenden
Harns durch Ausübung eines permanenten Reizes auf das Blasen¬
epithel in der Nähe des Ureterostiums die Bildung dieses zirkum¬
skripten bullösen Oedems bewirkt habe; es w r ich spontan, als die
tuberkulöse Niere entfernt war, nachdem es vorher längere Zeit den
verschiedensten Mitteln getrotzt hatte.
In einer äusserst fleissigen Arbeit gibt E. B i r c h e r an der
Hand eigener Fälle ein Bild von dem heutigen Stande der Kennt¬
nisse über Zystenniere. („U eber Zystenniere n“, Fol. urolog.,
Bd. III, H. 1.) So reich auch die Literatur, die hier vollständig be¬
rücksichtigt wurde, ist, so unsicher sind noch unsere Kenntnisse
dieser recht seltenen Krankheit. Das klinische Bild zeigt folgende
Symptome: Hämaturie, Polyurie, Nachweis der Tumoren in abdomine.
Lendenschmerz und urämische Erscheinungen. Die Affektion kann unter
dem Bilde der chronisch-interstitiellen Nephritis verlaufen, aber auch
völlig ohne Symptome sein. Die Zystennieren führen mit wenigen
Ausnahmen infolge der zystischen Degeneration durch Urämie oder
sekundäre Folgekrankheiten zum Tode. Die Prognose ist in jedem
Falle auch hinsichtlich der Therapie ungünstig zu stellen. Die Dia¬
gnose ist besonders bei längerer Beobachtung möglich, doch ist meist
das klinische Bild ein derartig polymorphes, dass verschiedene Deu¬
tungen möglich sind. Sicher wird die Diagnose erst dann sein, wenn
für diese Erkrankung spezifische Symptome wde die einigermale ge¬
fundenen „rosettenförmige Gebilde“ bekannt sein werden. Palpations-.
Urin- und Punktionsbefund sind nicht spezifisch für Zvstennieren.
Indikation für eine Operation können Hämaturie, heftige Schmer¬
zen, Spannungs- und Druckgefühl, Eiterung der Zyste sein. Die
Nephrektomie, die meist gar nichts nützt, sondern eher verschlimmert,
ist auszuschliessen; es ist mit der Inzision und der Abtragung der
oberflächlichen Zysten auszukommen, eventuell kann der Sektions¬
schnitt, w r enn die Zysten mehr dem Kelche zu gelegen sind, gemacht
werden. Die funktionelle Nierenprüfung ist in jedem Falle zur Indi¬
kationsstellung auszuführen.
Auf Grund einiger recht guter Erfolge empfiehlt .1. Gobiet im
Zentralbl. f. Chir., No. 40, 1908 auf wärmste die „Fixation der
Wanderniere und Wanderleber mit Magnesium¬
platten“. Die gewöhnlichen Verfahren der Nephropexie be¬
friedigten Verf. in keiner Weise. Die sichere Fixation der Niere a.n
annähernd normaler Stelle scheitert meist an der Unsicherheit dir
Naht. G. geht nun in der Weise vor, dass er die Niere zwischen
Magnesiumplatten und Rippen mittels Silberdraht fixiert. Die Me¬
thode ist rasch und leicht auszuführen, der momentane Erfolg ein
aussergewöhnlich guter. Auch der Dauererfolg scheint viel ver¬
sprechend zu sein; nach den Untersuchungen Payrs, der ja die
resorbierbaren Magnesiumplatten zur Naht von parenchymatösen Or¬
ganen eingeführt hatte, hat das Magnesiummetall die Eigenschaft
eine ausserordentlich lebhafte Bindegewebsproliferation zu erzeugen;
eine genügend feste Narbenbildung um das fixierte Organ dürfte daher
die Folge sein.
Wie die Lithotripsie im Anfänge des vorigen Jahrhunderts zum
erstenmal in der urologischen Chirurgie auftauchte, so ist die
Prostatektomie gerade jetzt eine der Fragen, welche im Mittel¬
punkte des Interesses stehen. Während vor einigen Jahren noch der
perineale Weg als der beste für die Entfernung der vergrösserten
Prostata angesehen wurde, hat jetzt die Operation der Drüse von der
Blase aus die meisten Anhänger gefunden.
In seiner Studie „Valeur comp a ree des diverses
prostatectomics“ präzisiert C a t h e I i n seinen Standpunkt aui
Grund einer Reihe von nach verschiedenen Methoden operierten
OrigiriiTfrorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
Digitized “Go sie
9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
299
Fällen. Er hält die F r e y e r sehe, suprapubische Methode der
Prostatektomie für die Methode der Wahl; sie ist schnell auszuführen
und sicher in ihren späteren Folgen. Zwar ist auf einige Punkte das
Augenmerk zu richten: auf die ziemlich häufige Gefahr einer Hämor-
rhagie, die Schwierigkeit einer guten Drainage, die Möglichkeit von
Fisteln und endlich auf die etwas höhere Mortalität gegenüber der
perinealen Methode. Trotzdem diese letztere Methode demnach
gefahrloser ist, birgt sie doch für die Zukunft eine solche Men^e
Unnanoehmlichkeiten in sich, dass der transvesikale Weg ihr vor¬
zuziehen ist. Die Unannehmlichkeiten der perinealen Methode sind
hauptsächlich die Gefahr der Rektumverletzung und der daraus ent¬
stehenden Fisteln, die Leichtigkeit einer Bulbusverletzung, die Unmög¬
lichkeit, sehr grosse Prostatatumoren herauszubekommen, die Schwie¬
rigkeit, einen Mittellappen zu entfernen und endlich die Unannehm¬
lichkeit der späteren Sondeneinführung.
Für die Praxis haben sich dem Verf. folgende Regeln bewährt:
Ist die Prostata klein, vernarbt oder vereitert, so wird man die sub¬
totale perineale Prostatektomie machen; ist sie sehr gross, — was
meist der Fall — so wird man die transvesikale Prostatektomie aus¬
führen; ist die Drüse besonders nach der Blase zu vergrössert, so witd
man zweckmässig die kombinierte (transvesikale und perineale)
Operation machen. Bei Prostatakarzinom soll man sich dagegen jedes
Eingriffes enthalten.
Ueber seine Erfahrungen bei 45 Prostataektomien (34 gutartige.
11 Karzinome) berichtet Brongersma: Quelques obser-
vations sur la prostatectomie transvesicale
(Extrait du bull, de l’assoc. franc. d’urol. Evreux 1908). Die Technik
der Operation, die Vor- und Nachbehandlung ist im wesentlichen die
gleiche, wie sie die F r e y e r sehe Schule angibt. Dagegen sind die
mitgeteilten Resultate recht interessant für die Bewertung dieser
Operation. Von 34 wegen gutartiger Prostatahypertrophie
Operierten starben 6 = 17,7 Proz. und zwar an Niereninsuffizienz,
Herz- und Lungenaffektionen, Schock. Von den 28 Geheilten konnten
27 nach 3—8 Monaten gut urinieren, einer behielt eine Retention von
100 ccm. Einmal musste eine postoperative Epididymitis noch an¬
gegangen werden, einmal kam es zur Bildung von Steinen. Die
Fernresultate von 24 vor 4 1 /* Jahren operierten Fällen sind glänzend
zu nennen: alle haben normale Harnentleerung; nur in einem Falle
Auftreten einer leichten Striktur; dagegen in 4 Fällen Potentia
coeundi et ejaculandi. Demgegenüber sind die Resultate bei Kar¬
zinom der Drüse recht schlecht. Von 11 Patienten haben nur 5 die
Operation überlebt. Von diesen starben in den ersten Monaten 3 an
Metastasen und Kachexie, und nur 2 leben 6 Monate p. oper.
Auf Grund dieser Ergebnisse stellt B. folgende Indikationen zur
operativen Behandlung auf: Im Beginne der Hypertrophie, wenn gar
keine oder nur akute komplette Retention vorliegt, ist die Indikation
eine bedingte, da der Patient in diesem Stadium bei zweckmässigem
Regime lange Zeit sich wohl befinden kann; nur ist auf beginnendes
Karzinom (10—25 Proz. der Hypertrophien) zu achten. Eine abso¬
lute Indikation bilden (bei befriedigendem Allgemeinbefinden und guter
Nierenfunktion): Inkomplette chronische Retention mit oder ohne
Dilatation, komplette chronische Retention, dann noch kleine harte,
noch nicht höckerige Karzinome, die der fibrösen Form der Hyper¬
trophie sehr ähneln.
In seinem Vortrage „Contribution to the surgery of
the prostate“ (Annales of surg., Aug. 1908) teilt Alexander
die von ihm geübte Operationsmethode der Harnröhrenmastdarm¬
fisteln mit, wie solche ab und zu nach Prostataexstirpation auftreten.
Die Methode deckt sich im grossen Ganzen mit der bei uns gebräuch¬
lichen. Den Vorzug des Originellen können dagegen seine Mit¬
teilungen über die nach Prostataoperationen sich manchmal ein¬
stellenden Harninkontinenzen erheben: Er teilt sie in 4 Grade eia:
1. andauerndes Harnträufeln, 2. oftmaligen Urindrang, 3. zeitweiliges
Harnträufeln, 4. Harnträufeln im Stehen. Die Ursache dieses äusserst
lästigen Zustandes ist eine Verletzung der Fasern des Muse, sphinct.;
er tritt nach des Verfassers Erfahrungen besonders dann ein, wenn
eine Zerreissung des Daches der Urethra prostatica stattgefunden hat.
Die von A. empfohlene Behandlungsmethode stellt sich als reine
Uebungstherapie dar. Die Blase wird mit warmer Salzlösung, die
mittels Katheters eingespritzt wurde, auf einen mittleren Fiillungs-
grad gebracht und in diesem Zustande durch Schliessen des Katheters
einige Minuten lang belassen. Der Katheter wird entfernt, und der
Patient angewiesen, so lange als möglich die Flüssigkeit zu halten.
Nach kurzer Zeit tritt eine Besserung ein; allmählich erlangt der
Patient die Fähigkeit, den Muskel willkürlich zu kontrahieren und ist
schliesslich auch imstande, den Strahl beim Urinieren nach Belieben
zu unterbrechen.
Den recht seltenen Fall einer Lithiasis prostatica von
Anfang an zu beobachten hatte R. Bonnean Gelegenheit. (Lithiase
prostatique. Ann. d. malad, des org. genit.-urin., 08, H. 14.) Bei der
Untersuchung eines Mannes, der verschiedene Gonorrhöen durch¬
gemacht hatte, fand B. in der ersten Urinportion einige wenige Fäden;
die übrigen Harnproben waren normal. Die Prostata war nicht ver¬
grössert, ohne Buckel. Bei der Massage jedoch entleerte Pat. eine
gauze Menge weisslicher, lamellöser Konkremente von 1—4 mm
Länge und Vs —1 mm Dicke. Die Prostatamassage wurde anfangs alle
4—5 Tage, dann alle 8 Tage vorgenommen, die Ausscheidung der
Konkremente verringerte sich immer mehr. Auch die Beschaffenheit
änderte sich unter dieser Behandlung; während die anfangs ent¬
leerten „Concretions“ aus organisiertem, mit phosphorsaurem Kalk
imprägniertem Stroma bestanden, trat nach einiger Zeit die krüme¬
lige Konsistenz vollkommen zurück. Schliesslich verschwand das
ganze pathologische Phänomen vollkommen.
Von neuen Gesichtspunkten aus behandelt M. Porosz eine in
der täglichen Praxis recht häufig vorkommende Krankheit „d i e
Reflexneurosen der Prostata“ in der Zeitschr. f. Urol.,
Bd. II, H. 9. Viele Klagen neurasthenischer Kranken, die ausserhalb
unseres Faches zu liegen scheinen, dürfen wir nicht ungeduldig ab¬
weisen, weil die Wurzel vieler Neurasthenie in der Prostata zu finden
ist und nach Behebung des Prostataleidens auch die allgemeine Neu¬
rasthenie mit ihren Fernsyptomcn heilt. Sehr viele Neurosen kommen
während und nach der Prostatitis zum Vorschein. Aber auch ohne
diese sind bei einfacher Atonie der Prostata solche zu finden. Die
Störungen zeigen sich sowohl bei der Harnentleerung als auch bei
der genitalen Funktion. Sic sind: häufiger Harndrang, oftmalige Harn¬
entleerung, Nachträufeln, schweres Beginnen und öftere Unter¬
brechung der Entleerung. Dann gehäufte Pollutionen, Spermatorrhoe
(ev. mit Prostatorrhoe), geschwächte Erektionen, Ejaculatio praecox,
gesteigerte Librdo, Urethrorrhoe ex libidine, vermindertes Wollust¬
gefühl, unvollkommene Ejakulation. Eine der unangenehmsten Neu¬
rosen ist endlich die Hyperästhesie der Prostata. Sind nun die Pa¬
tienten mit Aton. prost, nicht neurasthenisch, so bleiben diese
Symptome isoliert; sind sie aber neurasthenisch, so treten die ge¬
wöhnlichen Kopf-, Kreuz-, Rückenschmerzen, Palpatio cordis und
Magenbeschwerden auf. Eine Reihe von Krankengeschichten, bei
denen durch geeignete Behandlung diese Symptome nach längerer
Dauer verschwanden, sind beigegeben.
Während die papillomatösen Wucherungen des
Blasenhalses und der hinteren Harnröhre schon am
Ende des 17. Jahrhunderts bekannt und beschrieben waren, hat die
Frage über deren Beziehungen zum Mechanismus der Harnentleerung
und zur sexuellen Neurasthenie erst vor verhältnismässig kurzer Zeit
ihre Bearbeitung erfahren; eine zusammenfassende Skizze gibt
R. W. Fr an k in der Zeitschr. f. Urol., Bd. II. H. 10. Die meist nicht
sehr grossen Exkreszenzen, die sich auch über die ganze Blasen¬
schleimhaut verbreiten können, sitzen oft so vor dem Orific. intern,
vesic., dass sie vom Urinstrom in die Harnröhre hineingerissen
werden. Zuweilen sitzen sie in der Nähe des Samenhügels oder auf
demselben, was für die Symptomatologie von grosser Bedeutung ist.
Durch das Kvstoskop betrachtet sieht man sehr schön das Flottieren
der zarten Gebilde in der Flüssigkeit, das gleiche Bild erhält man;
wenn man die Wucherungen durch das Go ld s c h m i d t sehe
Urethroskop betrachtet.
Die auffälligsten Symptome dieser Erkrankung sind Blutung und
Abgang von Geschwulstteilen; dazu kann eine Zystitis treten, die.
abgesehen von mangelhafter Durchführung der Antisepsis auch durch
Obstipation zustande kommt. Meist frühzeitig treten Störungen in
der Harnentleerung auf. Dadurch, dass ein oder mehrere Geschwülste
sich ventilartig vor die Blasenmündung legen, kann unvollständiges
Entleeren der Blase oder vollständige Harnverhaltung erzeugt
werden. Die Kranken lernen es bald, durch gewisse Stellungen des
Körpers die Blasenmündung von der darauf liegenden Geschwmlst-
masse frei zu machen. Sitzen diese Exkreszenzen bis in die hintere
Harnröhre herein, so kann hochgradiger Harndrang, ja sogar In¬
kontinenz eintreten. Von besonderem Interesse sind die oft ver¬
kannten Irritationen und Neuralgien (Erektion, vermehrte Geschlechts¬
lust, schmerzhafter Priapismus), die durch das Vorhandensein von
polypösen Wucherungen in der Nähe des Samenhügels zustande
kommen.
Eine erfolgreiche Behandlung dieser Erkrankung ist nur durch
Entfernung der Geschwülste denkbar. Abgesehen von der Eröffnung
der Blase und hinteren Harnröhre ist diese Erkrankung speziell für
die Anwendung des endoskopischen Tubus, event. des Operations-
zystoskopes geeignet. Für Fälle, in welchen derartige Eingriffe nicht
möglich sind, hat Ja net das Resorzin empfohlen. Was die Technik
betrifft, so werden die Eingriffe unter lokaler Anästhesie ausgeführt.
Zweckmässig w r ird dem Anästhetikum ein Hämostatikum zugesetzt.
Für die nötige Antisepsis nach dem Eingriff ist zu sorgen. Zum Fassen
und Abtragen werden ausser dem schon von G r ii n f e I d u. a. ge¬
brauchten Instrumenten die vom Verfasser angegebenen empfohlen.
Einige ausführliche Krankengeschichten derartiger Fälle illustrieren
F.s Ausführungen.
Ueber eine ganz eigenartige, bis jetzt nicht bekannte Krankheit
„Endemie f u n i c u 1 i t i s“ schreibt A. Castell ani im Lancet,
4. Juli 1908. Er hatte verschiedene Male Gelegenheit, eine akute,
gewöhnlich einseitige eitrige Entzündung des Samenstranges zu be¬
obachten, die endemisch auftrat und epidemischen Charakter hatte.
Zur Klärung der Aetiologie wurden 5 Fälle bakteriologisch untersucht:
ein Gram-positiver Diplokokkus wurde regelmässig sowohl im Eiter
als auch in der Blutbahn gefunden. Doch sieht Verfasser in ihm nicht
den eigentlichen Erreger der Erkrankung, sondern hält ihn für den
Begleiter der sekundären eitrigen Veränderungen. Die Erkrankung
hat einen durchaus bösartigen Charakter, da sie in der Regel nicht
spontan ausheilt; bleibt der eitrige Prozess unoperiert, so ist Septi-
kämie eine sehr häufig eintretende Folgeerscheinung.
Drei Fälle von Thrombose einer Vene des Sam e n -
Stranges innerhalb des L c i s t e n k a n a 1 c s mit gleich-
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Original fr am
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300
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 6.
zeitiger Hydrozele des Samenstranges konnte R a n s o h o f f beob¬
achten („Venous thrombosis and hydrocele of the inguinal canal“,
Annals off surg., Aug. 1908). Aetiologisch waren Ueberanstrengungen
bei Tennis und Golf, einmal Druck eines Bruchbandes anzuschuldigen.
Klinisch äusserte sich die Erkrankung in einer zylindrischen An¬
schwellung im Samenstrange, die bis in den Leistenkanal zu verfolgen
war. In zwei Fällen war eine Epididymitis leichten Grades auf-
getretea Die Therapie bestand in allen Fällen nur in Bettruhe und
kühlenden Umschlägen; nach 2—3 Wochen waren sämtliche Krank¬
heitserscheinungen verschwunden.
Das den Praktiker wohl sehr interessierende Kapitel der Bak-
teriurie — der bloss durch Mikroorganismen verursachten Trü¬
bung des frisch gelassenen Urins — behandelt F. W e i s z in aus¬
führlicher Weise in der Zeitschr. f. Urol., Bd. II, H. 10. Was ihre
Aetiologie betrifft, so können, abgesehen von der Katheterinfektion, di.e
Bakterien durch den Blutkreislauf direkt oder durch die Nieren in
den Harn gelangen. Dass die geschädigte Darmwand des Menschen
unter gewissen Umständen für Bakterien durchlässig wird, ist bekannt,
strittig dagegen, ob dies bei normalem Zustande derselben der Fall
sein kann; doch genügt nach einwandsfreien experimentellen Unter¬
suchungen eine einfache Koprostase ohne grössere anatomische
Läsion, um Bakterien aus dem Darm austreten zu lassen. Der Weg
der Einwanderung des Bact. col. vom Rektum durch die Gewebe
zwischen Blase und Rektum (Bindegewebsschicht, Prostata, Samen-
biasen usw.) ist gewiss.
Die Trübung des Harns bleibt oft die ein-zige Krankheitserschei¬
nung; manchmal fällt noch der äusserst unangenehme Geruch auf.
Ab und zu treten noch lokale Symptome auf, die einer chronischen
Urethritis oder Prostatitis entsprechen, oder allgemeine Symptome,
die in Verdauungs- und nervösen Störungen bestehen. Die Diagnose
der Bakteriurie, die meist chronischen Verlauf hat, ist mit freiem
Auge leicht zu machen durch das glitzernde Opaleszieren und den
ekelerregenden Geruch. Die Prognose hängt von der Art der In¬
fektion ab. Bei direkter Verbindung zwischen Blase und Mastdarm
ist sie absolut schlecht, zweifelhaft, wo die Trübung durch die Pro¬
stata verursacht wird.
Die Therapie hat das ätiologische Moment zu berücksichtigen;
event. Behandlung einer Urethritis, Prostatitis, Spermatozystitis und
Striktur kann von wesentlichem Einflüsse sein. Empfehlenswert ist
die Lokalbehandlung mit Arg. nitr.-Instillationen oder Waschungen
mit 1—5 prom. Sublimat- und Oxyzyanatlösungen. ferner grosse Dosen
der Harndesinfizientia. Neuerdings wird die autovakzine Injektions¬
therapie des die Krankheit verursachenden und so gezüchteten Ba¬
zillus empfohlen.
Wohl manchem, der sich mit Funktionsprüfungen der Niere be¬
fasst, ist es aufgefallen, dass bei Kombination von Phloridzininjektion
mit subkutaner Einführung von Indigkarmin die Zuckerausscheidung
manchmal ausbleibt, während eine solche prompt erfolgt, wenn bei
demselben Patienten Phloridzin allein injiziert wird. Die hemmenden
Ursachen dieser Erscheinung auf experimentellem Wege festzustellen,
hat sich A. Seelig zur Aufgabe gemacht und gibt seine Resultate
in den „Bemerkungen über die Beeinflussung der
Phloridzinglykosurie durch subkutane Indig-
k a r m i n i n j e k t i o n e n“ (Zeitschr. f. Urol.. Bd. II, H. 7). Die
zahlreichen an Tieren gemachten Versuche brachten jedoch leider
keine klärenden Resultate: häufig blieb -bei dem gleichzeitigen Ein¬
verleiben von Phloridzin und Indigkarmin die Glykosurie aus. während
sie ein anderes Mal unter gleichen Bedingungen pünktlich auftra}.
Die Ursachen dieser wechselnden Verhältnisse konnten nicht fest¬
gestellt werden; weder die Nahrung, noch die Reaktion* des Urins,
noch die Stärke der Diurese waren von entscheidendem Einflüsse.
Zweckmässiger Weise wird der Untersucher demnach das Phloridzin
vor dem Indigkarmin injizieren, um sich vor diagnostischen Irr-
tümern zu schützen.
Eine neue Methode, den- Harn jeder einzelnen
Niere getrennt aufzufangen, gibt R. K u t n e r in der Zeit¬
schrift für ärztliche Fortbildung No. 17, 1908 an. Sie beruht darauf,
dass das Zystoskop ausser der üblichen Optik und Beleuchtung zwei
Kanäle enthält, deren einer dazu bestimmt ist, mittels einer ein¬
fachen Luftpumpe das Instrument zum Ansaugen an die Blasenwand
zu bringen, während der andere Kanal der Ableitung -des Harns dienj.
Der eine Kanal (Zentralkanal) mündet trichterförmig nach innen und
ihn überall umgrenzend der periphere Ringkanal, an den die Saus¬
vorrichtung angeschlossen wird. Bedeckt man nun damit die Harn¬
leitermündung, so saugt er sich rings um diese fest und der Ham
fliesst dann durch den Zentralkanal ohne weiteres ab.
Ein Vorteil dieser neuen Methode ist, wie zugegeben werden
muss, die absolute Unmöglichkeit einer Infektion des Harnleiters oder
der Niere; auch die Erregung von Blutungen, wie sie durch das
Hinaufschieben des Harnleiterkatheters manchmal hervorgerufen
werden, ist ausgeschlossen. Der Hauptvorteil dürfte meines Er¬
achtens darin bestehen, dass der ganze Harn (nur allzu leicht fliegst
neben dem Katheter ein Teil des Harns in die Blase) der Unter¬
suchung zugefiihrt wird.
Ob diese Methode, mit der bis jetzt bei Frauen gearbeitet wurde,
auch bei Männern, ob sie bei Prostatikern* deren Harnleitermündunge.n
oft in der Tiefe des Rezessus liegen, erfolgreich angewendet werden
kann, ob sic endlich ein zeitig den Harn beider Nieren (und
das ist doch in den meisten Fällen von grösstem Interesse) gesondert
zutage fördern kann, bleibt einstweilen zweifelhaft.
In der Therapie wurde von den Elberfelder Farbenfabriken
jüngst ein neues Sandelölpräparat, das T h y r e s o 1, in den Handei
gebracht, das, wie aus einer Reihe guter Berichte erhellt, Gonosan
wenigstens gleichkommt.
Von technischen Neuerungen seien erwähnt das ver¬
besserte Ureteren- und Operationszystoskop von C a s p e r (Zeitschr.
f. Urol., Bd. II, H. 10); ein Operationszystoskop von Strauss (Zeit¬
schr. f. Urol., Bd. II, H. 11) zur Ausschabung der Blase bei schweren
Zystitiden, sowie ein für Gynäkologen wirklich brauchbares Uni-
versalinstrument von M i r a b e a u (Zeitschr. f. gynäkol. Urol., Bd. I,
H. 2). Kielleuthner -München.
Neueste Journalliteratur.
Beiträge zur KUnik der Tuberkulose und spezifischen
Tuberkulose-Forschung. Herausgegeben von Prof. Ludolph
Brauer. Band XI. Heft 3.
Fr. Wetzeil: Beiträge zur perkutanen Tuberkulinreaküonv
nach Moro. ’
W. hat an 221 Fällen sicherer Tuberkulosen verschiedener Stadien
und Lokalisierung und Gesunden die Mo rösche Tuberkulinsalben-
raktion nachgeprüft; diese Applikation scheint ihm gegenüber den Re¬
aktionen von v.Pirquet und Wolf f-Ei sn er einige Vorzüge zu haben,
aber auch die Schwächen derselben zu teilen. Verf. kommt zu folgen¬
den Schlüssen: Die Salbenreaktion ist bei Erwachsenen praktisch
noch nicht brauchbar, da sie auch latente tuberkulöse Herde anzeigt
und bei klinisch der Tuberkulose Unverdächtigen in 70 Proz. der
Fälle positiv ausfällt. Negativer Ausfall deutet bei sicher Tuber¬
kulösen auf ungünstige Prognose. Bei Kindern unter 8—10 Jahren
lässt der positive Ausfall mit grosser Wahrscheinlichkeit auf aktive
Tuberkulose schliessen. Die Stärke der Reaktion gibt keine Auf¬
schlüsse über die Schwere der Erkrankung.
W. Weinberg: Zur Frage des Schicksals der Kinder tuber- -
kulöser Mütter und des künstlichen Abortus.
Der verdienstvolle Autor stellt fest, dass mindestens 15,6 Proz/
der Kinder tuberkulöser Frauen aus deren letztem Lebens¬
jahr das Alter der Fortpflanzungsfäihgkeit erreichten. Anderer¬
seits beträgt die Zahl der durch den künstlichen Abortus am Leben
erhaltenen Mütter ca. 16,7 Proz.; gerettete mütterliche und kindliche
Leben halten sich also ungefähr das Gleichgewicht.
A. Voigt: Karzinomähnliche Wucherung der Tubenschleim- >
haut bei Salpingitis tuberculosa.
In einem Fall von Salpingitis tuberculosa, den Verf. anatomisch
untersuchte, fand sich eine eigentümliche Epithelwucherung der
Schleimhaut, in der die um Tuberkelknötchen angeordneten soliden
Epithelstränge den Verdacht des Karzinoms erregen konnten; destru-
ierendes Wachstum derselben fehlte aber. Die Ursache zu dieser
Epithelwucherung ist wahrscheinlich in chemisch-toxischen Ein¬
flüssen der Tuberkelbazillen zu suchen.
K. Kaufmann: Unsere Erfahrungen mit Serum Marmorek. /
K. hat das Marmorekserum bei 19 Lungenkranken — 15 mal
rektal, 4 mal subkutan — angewandt und berichtet ausführlich über
den Verlauf unter besonderer Notierung des Verhaltens des Arneth-
schen Blutbildes. Die Heilerfolge waren überwiegend schlecht:
Verf. hält das Mittel nicht nur für nutzlos, sondern
auch wegen seiner schädlichen Nebenwirkungen
für nicht ungefährlich. Das neutrophile Blutbild „besserte“
sich meist, auch wenn der Zustand des Patienten sich verschlechterte.
P. Eisen und A. H a t z f e 1 d: Ist die zytodlagnostische Unter- /
suchung des Sputums als Mittel zur Frühdiagnose der Lungentuber-/
kulose verwendbar?
Die Verf. haben die Angabe Wolff-Eisners von der früh¬
diagnostischen Bedeutung der Lymphozytose im Sputum der
Phthisiker nachgeprüft und kommen zu folgenden Schlüssen: Im
Sputum von Anfangsstadien der Lungentuberkulose finden sich die
polymorphkernigen Leukozyten in ganz überwiegender Anzahl; das¬
selbe Bild, eine reine Leukozytose und keine Lympho¬
zytose zeigen auch fast stets die Sputa von Fällen des II. und
III. Stadiums. Die zytodiagnostische Untersuchung des Sputums ist
darum als Mittel zur Frühdiagnose nicht verwendbar, zumal auch die
verschiedenen Formen der chronischen Bronchitis ein ähnliches
zytologisches Bild zeigen. Im Gegensatz zu Arnheim fanden die
Verf. auch im Pertussissputum aller Stadien niemals Lymphozytose.
M. Franke: Experimentelle Untersuchungen über den Einfluss/
und den Unterschied der Wirkung zwischen dem Menschen- und Perl •/ ,
suchttuberkulin auf das Blut und die blutbildenden Organe der Tiere:
Verf. kommt auf Grund zahlreicher Experimentaluntersuchungen
an Meerschweinchen, Kaninchen und Hunden zu folgendem Ergebnis: ,
Die Toxine der Bazillen der menschlichen Tuberkulose haben auf das
Blut und die blutbildenden Organe eine entgegengesetzte Wirkung. ;
wie die Toxine der Bazillen der bovinen Tuberkulose; und zwar rufen
die ersteren eine Polyzythämie mit Vermehrung der Leukozyten, vor¬
wiegend derjenigen mit granuliertem Protoplasma, hervor, die
letztere aber eine Oligozythämie mit Abnahme der Leukozyten,
vorwiegend der neutrophilen polymorphkernigen unter Zunahme der
Lymphozyten. Hans Curschmann -Mainz.
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9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
301
Zeitschrift für diätetische und physikalische Therapie.
Bd. XII, Heft 8—10.
W. Baumeister: Ueber den Harzburger Krodobrunnen.
Derselbe ist ein Kochsalzbrunnen von starker osmotischer Kon¬
zentration ohne messbare Radioaktivität. Das Harzburger Krodo¬
wasser hat einen Gefrierpunkt von A = —0,90—0,93; in den Magen¬
gebracht erfährt es eine Herabsetzung seiner osmotischen Konzen¬
tration. In mittleren Dosen (400 ccm) zugeführt, führt das Krodo-
wasser zu einer Herabminderung der Salzsäurewerte im Magen. Das
Krodo-Probefrühstück zeigt geringere Werte als das Thee-Probe-
frühstück. Ferner übt das Krodowasser einen motorischen Reiz auf
den Magen aus. Es teilt also das Krodowasser ein bei Magenaffek¬
tionen sehr brauchbares Hilfsmitel dar.
Erich Plate: Mit welchen äusseren Mitteln können wir die Auf¬
saugung aus der Pleurahöhle beeinflussen?
Experimentelle Untersuchungen an Kaninchen ergaben folgende,
für die Praxis wichtige Resultate: Zur Anregung der Resorption eines
Exsudates sind von physikalischen Mitteln am meisten zu empfehlen:
1. feuchte Umschläge mit wasserdichter Bedeckung, 2. feuchte
Wärme in Gestalt von Breiumschlägen, 3. Vibrationen, 4. 96proz.
Alkoholumschläge nach Salzwedels Methode und besonders
5. Heissluftbehandlung. Mit P r i e s s n i t z sehen Umschlägen ist
kaum ein Erfolg zu erzielen; Eisblase wirkt resorptionshemmerfd.
(Literatur!)
F. L. Kohlrausch und F. Nagelschmidt: Die physikali¬
schen Grundlagen der Radlumemanationstheraple.
Angaben über die Technik des Emanationsgehaltes eines Stoffes,
mit Besprechung der verschiedenen, therapeutisch empfohlenen Ra¬
diumpräparate.
1. Emanosal (wertlos).
2. Keil sehe Tabletten (nicht zu empfehlen).
3. Radiovispräparate (praktisch unbrauchbar).
4. Präparate der Apotheke „zur Austria“ Wien
(wenig zu empfehlen).
5. Radiogen (sehr empfehlenswert).
6. Kreuznacher Präparate (wenig zu empfehlen).
7. Fangoschlamm aus Bataglia, Radiogenmoor
und Radiogenschlamm (besonders letzterer ziemlich aktiv).
Erik E. F a b e r: Ueber Adiposalgle.
Die Adiposalgie = Zellulitis — Pannikulitis ist eine Erkrankung,
deren wesentlichstes Symptom Schmerzen und Empfindlichkeit des
Fettgewebes darstellen. Das subkutane Fettgewebe fühlt sich derb
an und zeigt häufig knotige Verdickungen. Die erkrankten Individuen,
meist Frauen, zeigen eine starke Empfindlichkeit gegen Kälte, ferner
gegen Traumen, indem leicht Sugillationen und Ekchymosen ent¬
stehen. Die Krankheit darf nicht mit kutanen Hyperästhesien ver¬
wechselt werden. Ihre Aetiologie ist unbekannt. Sie ist besonders
häufig bei fetten Frauen mit Ichias an der kranken Extremität.
Therapeutisch am wirksamsten ist die Massage; sie besteht in
Kneten und Reiben der ergriffenen Partie und ist natürlicherweise
sehr schmerzhaft. Ferner sind angezeigt hydrotherapeutische Kuren,
Schwitzprozeduren und Entfettungskuren. (Literatur!)
J. M. W o 1 p e: Erfahrungen über die Wirkung des Lullus-
brunnens bei Verdauungskrankheiten.
Der Lullusbrunnen in Hersfeld wirkt, wie iede alkalisch-sul-
fatische Quelle, abführend-purgierend und ist in Fällen von chro¬
nischer Obstipation und mit ihr verbundener Leiden wärmstens zu
empfehlen. Die Azidität des Magensafts wird beim Gebrauch des
Lullusbrunnens herabgesetzt; dies ist in sämtlichen Fällen von Hyper¬
azidität und Hyperchiorhydrie zu verwerten; in Fällen von Hyper¬
sekretion und Gastrosukkorrhöe wirkt die Lullusquelle sekretions¬
hemmend. Schrumpf - Strassburg.
Mitteilungen aus den Grenzgebieten der Medizin und
Chirurgie. 19. Band, 4.Heft. Jena 1909, Gustav Fischer.
30) H. S h i o t a: Ueber die tuberkulolden Veränderungen der
peripheren Nerven bei Lepra nervorum. (Aus der chirurgischen
Klinik der kaiserlichen Universität zu Tokio.)
Verfasser beschreibt 6 Fälle, bei welchen die Lepra mit
motorischen Störungen einsetzte. Das makroskopische und mikro¬
skopische Bild der eigentümlichen, fluktuierenden Nervenverdickungen
(N. supraorbitalis, peroneus, radialis, ulnaris) wird beschrieben.
Namentlich die histologische Uebereinstimmung mit tuberkulösen
Granulationen ist sehr auffallend. Die Therapie besteht in Exkochle-
ation, bezw. Exstirpation der kranken Nervenpartien.
31) L. Käst und S. J. Meitzer: Die Sensibilität der Bauch¬
organe. (Aus dem Rockefeller Institute for Medical Research,
New York.)
Ausgedehnte Untersuchungen führten zu der Erkenntnis, dass
die Bauchorgane von Hunden, Katzen und Kaninchen eine Schmerz¬
empfindlichkeit besitzen, welche durch Entzündung steigerungsfähig
ist. Durch extensive Eröffnung der Bauchhöhle und Manipulation der
Eingeweide wird ein stark hemmender Einfluss auf die motorischen
und sensiblen Mechanismen des gastrointestinalen Traktes ausgeübt
insbesondere bei schwächlichen oder geschwächten Tieren. Die
Hemmungswelle breitet sich innerhalb des Zentralnervensystems
weiter aus, es kommt zu Schockwirkung, allgemeiner Apathie. Reizt
man dagegen den Darm von einer kleinen Oeffnung des Abdomens
aus oder zieht nur eine kleine Schlinge für kurze Zeit heraus, so lässt
sich die Empfindlichkeit deutlich nachweisen. So erscheinen manche
Widersprüche erklärlich.
32) Stanislav Kostlivy: Leber- und Pankreasläsionen ln ihren
Beziehungen zum chromaffinen System. (Aus der böhmischen
chirurgischen Klinik in Prag.)
Nach Verfassers Untersuchungen besteht ein Konnex von Funk¬
tionsstörungen der Leber und Sekretionsanomalien des chromaffinen
Systems. Er untersuchte bei Fällen, welche auf Insuffizienz des
Leberparenchyms verdächtig waren, die Einwirkung des Serums
auf das enukleierte Froschauge und bestimmte dann die Konzentration
des. im Serum enthaltenen Adrenalins nach einer Tabelle. Adrenalin
war nur in den Fällen frei geworden, in welchen die Leberzellen
degenerativ gelitten haben mussten, nicht bei einfacher Gallenstauung.
Ob wahre Hypersekretion oder mangelhafte Bildung von Adrenalin
vorliegt, lässt Verfasser untenschieden. Ein vollständig passives Ver¬
halten des Pankreas bei diesen Vorgängen hält er für unwahr¬
scheinlich.
33) Otto Hess- Göttingen: Pankreasnekrose und chronische
Pankreatitis.
Nach seihen Untersuchungen hält Verfasser eine Giftwirkung
des Trypsins für unwahrscheinlich. Frische Drüse des normalen
Hundes enthält weder im Hungerzustand noch während der Ver¬
dauung Trypsin, und auch das nekrotische Pankreas entfaltet nur
nach Eindringen des aktivierenden Duodenalsaftes eine geringe
tryptische Wirkung. Bei Implantation eines bereits zerfallenen
bakterienhaltigen Pankreas wirkt die Resorption von Fäulnis¬
produkten mit, es ist keine spezifische Giftwirkung. Diagnostisch
misst H. der Leukozytose keine Bedeutung und auch der Cam-
m i d g e sehen Reaktion nur sehr beschränkten Wert bei. Experimen¬
tell zeigte sich, dass jede Pankreaspartie, deren Sekretabfluss auf¬
gehoben wird, der Sklerose verfällt. Der im untern Ende des Ductus
choledochus festsitzende Gallenstein kann das Kanalsystem des
Pankreaskopfes oder anderer Teile komprimieren, und deren Sklerose
herbeiführen.
34) K ü 1 b s (med. Klinik Kiel): Experimentelle Untersuchungen
über Herz und Trauma.
Bei Hunden konnte Verfasser durch eine relativ geringe stumpfe
Gewalteinwirkung (Schlag mit einem Holzstab) oft ausgedehnte
Herzverletzungen ohne wesentliche Veränderungen der Haut und
Thoraxwand erzeugen. Es fanden sich Blutungen besonders in die
Klappen, auch in den Herzmuskel und das Perikard. Trotz aus¬
gedehnter organischer Veränderungen konnte man reine Herztöne
hören. Bei der Entstehung der Veränderungen schien die Nach¬
giebigkeit des Thorax eine grosse Rolle zu spielen. Je weicher er
ist, desto mehr leiden die innern Organe (also bei jungen Tieren).
K. beobachtete unter anderem plötzlichen Herzstillstand ohne Ruptur.
35) Max Brandes: Ein Beitrag zur Fremdkörpertuberkulose
des Peritoneums. (Aus dem pathologischen Institut des herzoglichen
Krankenhauses zu Braunschweig.)
Bei einem 43 jährigen Mann Perforation eines Magengeschwürs
kurz nach dem Mittagessen (Bohnensuppe). Einige Stunden später
Laparotomie, Uebernähung der Perforationsöffnung. Gastroenter¬
ostomie, Spülung der Bauchhöhle. Zunächst glatte Heilung, nach
6 Wochen Tod an Lungengangrän. Bei der Sektion fand sich eine
ausgedehnte Fremdkörpertuberkulose (Fremdkörpergranulose). Auf
den histologischen CharakterUeTTjefr. Riesenzellen geht B. näher ein,
er fasst sie als Abkömmlinge fixer Bindegewebszellen auf.
*36) Karl Försterling -Mörs: Entzündliche Thrombose fast
de& gesamten peripheren Venensystems. („Springende Throm¬
bosen“, „Thrombophlebitis migrans**.) (Aus der chirurgischen Ab¬
teilung des städtischen Krankenhauses I zu Hannover.)
Bei dem beschriebenen Fall (24 jähriger Mann), welcher einem
Magenkarzinom erlag, erkrankten sprungweise fortschreitend und
sich wieder erholend fast alle peripheren Venen unter entzündlicher
Thrombosenbildung. Die Aetiologie blieb vollkommen dunkel.
R. Grashey-München.
Gynäkologische Rundschau. Jahrgang III. 1. Heft.
J. Veit-Halle: Zur Diagnose des Puerperalfiebers.
Der Verf. gibt in dieser Arbeit einen Ueberblick über die Er¬
fahrungen, welche in seiner Klinik bezüglich des Nachweises hämo-
lysierender Streptokokken beim Puerperalfieber gemacht worden
sind; er fasst dieselben in folgende Schlussätze zusammen: 1. Ent¬
nahme des Lochialsekretes aus dem unteren Teil der Scheide genügt.
2. Der nichthämolytische Streptokokkus scheidet als Erreger der ge¬
wöhnlichen Formen des Puerperalfiebers aus. 3. Die bedenklichen
Formen des Puerperalfiebers, das durch den hämolytischen Strepto¬
kokkus bedingt ist, werden durch die Methode von Fromme und
vor allem durch die bakteriologische Blutuntersuchung erkannt. Ihre
Bedenklichkeit charakterisiert sich in der Uebertragungsmöglichkeit.
Max Henkel-Greifswald: Ueber den Wert der bakteriologi¬
schen Urinuntersuchung zur Differenzierung kompliziert erscheinen¬
der gynäkologischer Krankheitsbilder. (Aus der Kgl. Universitäts-
Frauenklinik zu Greifswald.)
Als Beleg hierfür berichtet Verf. 3 Fälle (Wanderniere mit inter¬
mittierender Hydronephrose, aszendierende Pyelitis und Pyelitis in-
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
302
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
folge Perimetritis), in welchen die Untersuchung der Harnorganc mit
den modernen Hilfsmitteln eine exakte Diagnosenstellung ermöglichte.
Die Behandlung der Pyelitis besteht in derartigen Fällen in Spülung
des Nierenbeckens mit Wildunger Wasser, beim Nachweis von Bak¬
terien in Instillation von Arg. nitric.-Lösung in das Nierenbecken.
Welponer und R. C r i s t o f o 1 e 11 i - Triest und Wien:
Zwei Beckenpräparate nach Hebosteotomie. (Aus der Klinik Schauta
und der Triester Qebäranstalt.) (Mit 2 Textfiguren.)
I. 22 jährige II. Para mit einfach plattrachitischem Becken, Conj.
vera 8% cm. 1. Geburt: Abort; 2. Geburt: Hebosteotomie, Inzision
im Muttermund, Forzeps; Kind lebend, 3600g; Blasenverletzung,
später geheilt. Nach 6 Monaten Bildung einer Hernie, ein Jahr post
operationem Suizidium.
II. 28 jährige III. Para, allgemein verengtes, rachitisches Becken.
Conj. vera 7% cm. 1 Geburt: Kraniotomie; 2. Geburt: Hebosteo¬
tomie, hoher Forzeps; Kind 3500g, 52cm; 3. Geburt: Vorzeitiger
Blasensprung, Fieber in der Geburt, Wendung und Extraktion wegen
schlechter Herztöne, Kind lebt, 2650 g, 50 cm. Tod der Mutter am
16. Tage p. p. an Sepsis.
Beschreibung beider Becken, die Hebosteotomiewunde ist im
ersten Falle bindegewebig, im zweiten mit massigen^ knöchernen
Kallus geheilt.
Erich O p i t z - Düsseldorf: Zur Nferendekapsulation bei Ek¬
lampsie. (Aus der akademischen Frauenklinik in Düsseldorf.)
Unter Mitteilung von 5 einschlägigen Fällen Empfehlung der
Sippel-Edebohlssehen Nierendekapsulation für solche Fälle, in
denen nach der Entbindung die Krampfanfälle nicht aufhören. Im
ganzen konnte Verf. 32 Fälle aus der Literatur zusammenstellen,
davon nur 27 zugängig. Mortalität 7 :27. Besonders in den Fällen,
wo eine starke Spannung der Nierenkapsel gefunden wird, ist die
Operation von Nutzen. Zum Schluss Beschreibung der Technik der
Operation.
Friedrich A h 1 f e 1 d - Marburg: Die Rechtsverhältnisse des
Nasciturus.
In seiner Monographie „Nasciturus" schlug A h 1 f e 1 d vor,
statt des jetzigen § 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches: „Die Rechts¬
fähigkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung der Geburt“ zu
setzen: „Die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit dem sicheren
Nachweis seiner Existenz“.
In der vorliegenden Arbeit berichtet Verf. einen forensisch in¬
teressanten Fall, in dem diese Aenderung des Gesetzes von wesent¬
lichem Einfluss gewesen wäre.
A. Rieländer - Marburg.
Zeitschrift für gynäkologische Urologie. Herausgegeben
von Professor W. Stoeckel -Marburg. Band I, Heft 2.
Ernst H o 1 z b a c h - Tübingen: Ueber die Funktion des Harn¬
apparates nach Operationen In Inhalationsnarkose und Lumbal¬
anästhesie. (Aus der Universitäts-Frauenklinik zu Tübingen.)
Der Verf. hat in dieser sehr instruktiven Arbeit Messungen der
Urinmenge während und nach gynäkologischen Operationen ange¬
stellt. er kommt zu dem Ergebnis, dass während der ganzen Dauer
der Operation die Nierenarbeit fast vollständig stillsteht. Bald nach
der Operation setzt dieselbe in verstärktem Masse ein, die dazu
nötige Flüssigkeitsmenge wird dem Körper entzogen. Was nun die
Blasenfunktion betrifft, so ergibt sich, dass die postoperative Harn¬
entleerung nicht parallel mit der Nierenarbeit einhergeht, sondern
dass spontan nur wenife Urin entleert wird, sehr häufig eine erhebliche
Menge Residualharn zuriickbleibt. Hierdurch kann Ueberdehnung
der Blasenwand und Stagnationszystitis eintreten. Für die Praxis
folgt, dass auch bei spontaner Urinentleerung nach Operationen die
Harnmenge genau zu kontrollieren ist und dass mit der Anwendung
des Katheters nicht zu lange gewartet werden darf.
Wilhelm Z a n g e m e i s t e r-Königsberg: Weibliche Inkontinenz
durch Narbenzug. (Aus der Kgl. Universitäts-Frauenklinik in Kö¬
nigsberg.)
Verf. empfiehlt zur Heilung der weiblichen Inkontinenz durch
Narbenzug in erster Linie Versuche mit Massage. Injektionen von
Thiosinamin resp. Fibrolysin waren ohne Erfolg und sehr schmerz¬
haft. Bei alten, sehr rigiden Narben ist eine quere Trennung, Mo¬
bilisation und sagittale Vernähung zu versuchen.
Wilhelm Zangemeister -Königsberg: Verschluss der weib¬
lichen Blase. (Mit 2 farbigen Abbildungen auf Tafel und 1 Textfigur.)
Beschreibung und schematische Darstellung der Anordnung der
Muskulatur der weiblichen Harnröhre.
Erich Z u r h e 11 e - Bonn: Zur Behandlung schwerer Entzün¬
dungen der weiblichen Blase. (Aus der Universitäts-Frauenklinik in
Bonn.)
Beschreibung eines rückläufigen Katheters für Dauerspülungen
der Blase. Zur Behandlung hartnäckiger Zystitiden empfiehlt Ver‘
nach gründlicher Auswaschung der Blase etwa 100 ccm lauwarmer
1 proz. Kollargollösung mit einer Stempelspritze in die Blase einzu¬
spritzen und darin längere Zeit halten zu lassen; diese Methode ,i?t
weniger schmerzlos als die Anwendung von Arg. nitric.
Heinrich Sieber- Marburg: Ueber den Blasensltus nach Zysto-
zelenoperationen. (Aus der Kgl. Universitäts-Frauenklinik in Mar¬
burg.)
No. 6.
Die Arbeit enthält zystoskopische Untersuchungen nach Pro¬
lapsoperationen: vordere Kolporrhaphie ohne und mit Vaginifixura
uteri, Schau tasche Prolapsoperation und Totalexstirpation mit
doppelter Kolporrhaphie. Tabellarische Uebersicht der untersuchten
30 Fälle. Bei Vaginifixur waren stets Blasenbeschwerden und ent¬
zündliche Veränderungen verschiedenen Grades zu konstatieren; die
Schautasche Operation ergab die besten subjektiven und ob¬
jektiven Resultate.
Charles D e v a u x - Freiburg i. Br.: Ein Beitrag zur Lehre der
„essentiellen“ Hämaturie.
Mitteilung eines Falles von rechtsseitiger Hämaturie, Nephrek¬
tomie; die Funktionsprüfung ergab eine bedeutende Funktionsminder¬
wertigkeit der blutenden Seite in der blutfreien Periode.
Sigmund Mirabeau -München: Ein zystoskopisches Instru¬
mentarium für den Frauenarzt. (Mit 5 Abbildungen im Text.)
Erwin Kehrer-Heidelberg: Die Nierendekapsulation bei
Eklampsie. (Sammelreferat.) A. Rieländer - Marburg.
Archiv für Verdauungskrankheiten mit Einschluss der
Stoffwechselpathologie und der Diätetik. Redigiert von Prof.
J. Boas-Berlin. Bd. XIV, Heft 5.
33) P e t r i - Baden-Baden: Ueber den Einfluss des Wasserstoff¬
superoxyds auf die Sekretion des Magens. (Aus der med. Universi¬
tätsklinik in Halle [Prof. A. S c h m i d t].)
Die von Petri hierüber angestellten Versuche ergaben, dass
bei Verabreichung von Wasserstoffsuperoxyd in reiner ca. Vs proz.
Lösung eine intensive säurehemmende Wirkung auf die Magensaft¬
sekretion ausgeübt wird, so zwar, dass die Azidität des Mageninhaltes
auch bei beträchtlichem Säureüberschuss selbst bis zum Verschwin¬
den der freien HCl herabgesetzt wird. Da ferner in der ganzen lan¬
gen Versuchsreihe niemals Klagen über Drücken oder Brennen nach
Wasserstoffsuperoxydmedikation zu hören waren, glaubt Verf„ ohne
den Wert einer Oel- resp. Fetttherapie in der Behandlung der Gastrek-
tasiep nach Stenose und Pylorospasmus sowie des Ulcus und der
Hyperchlorhydrie zu unterschätzen, doch für die Fälle, in denen Oel
nicht vertragen oder nur mit Widerwillen genommen wird, das
Wasserstoffsuperoxyd bezw. das Magnesiumperhydrol (3 mal 1 g täg¬
lich) als Ersatzmittel Vorschlägen zu sollen.
34) S c h ö n h e i m - Ofen-Pest: Ueber die Veränderung des
Magenchemismus nach Gastroenterostomie. (Aus der VI. med. Ab¬
teilung des St. Stefanspitales [Prof. Dr. A. H i r s c h 1 e r].)
Die widersprechenden Ansichten der verschiedenen Forscher
über die physiologischen Verhältnisse nach der Gastroenterostomie
hatten Katzenstein bekanntlich veranlasst, den Einfluss der
Gastroenterostomie auf die chemischen Vorgänge im Magen auf ex¬
perimentellem Wege durch Versuche an Hunden klarzustellen. Die
dabei gewonnenen Schlüsse lauteten, dass die Azidität nach Gastro¬
enterostomie, auch bei im Magen nicht nachweisbarem Pankreas¬
saft und Galle, herabgesetzt ist, sind diese jedoch nachweisbar, dass
dann die Azidität gleich 0; ferner vermögen wir durch reine Fleisch¬
kost die Azidität zur normalen zu erheben und umgekehrt durch
Wasser und Fettdarreichung die Azidität herabzusetzen, da hierdurch
reflektorisch Gallen- und Pankreassaftsekretion erhöht wird.
Schönheim fand nun bei 5 gastroenterostomierten Patienten obige
Sätze in der Hauptsache bestätigt und lauten seine Ergebnisse kurz
wie folgt. In den meisten Fällen von Gastroenterostomie regurgitiert
Galle und Pankreassaft in den Magen und setzen diese alkalischen
Darmsäfte durch chemische Reaktion die Azidität des Magensaftes
herab. Durch fette Speisen, häufige Mahlzeiten, sowie reichliche
Wasserzufuhr gelingt es, die Salzsäure gänzlich zu eliminieren, was
uns besonders bei der Ulcusbehandlung sehr zustatten kommt.
d5) Ury-Berlin: Zur Lehre von den Abführmitteln. (Aus der
chemischen Abteilung des pathologischen Institutes zu Berlin [Proi.
S a 1 k o w s k i].) II. Ueber das Vorkommen von gelösten Substanzen
in den Fäzes bei gesteigerter Darmperistaltik. III. Zur Theorie der
Abführmittelwirkung.
Im vorliegenden II. Abschnitt seiner Arbeit zur Lehre von den
Abführmitteln behandelt Ury das Vorkommen gelöster Substanzen
in den Fäzes bei gesteigerter Darmperistaltik und stellte er hierzu
Versuche an mit Traubenzucker, Albumosen und Albumin sowie wei¬
ter mit salizylsaurem Natron, Jodkali und Lithiumverbindungen. Aus
all diesen Versuchen geht hervor, dass es nur schwer gelingt, irgend¬
wie erhebliche Mengen von gelösten Verdauungsprodukten bezw.
leicht löslicher und in den Fäzes wieder leicht aufzufindender Sub¬
stanzen durch Steigerung der Peristaltik der Resorption zu entziehen.
Was die uns in erster Linie interessierende Chlorresorption bei diar-
rhoischen Darmentleerungen anlangt, so dürfen wir annehmen, dass
bei Darreichung geringerer Mengen Chlor und genügender zeitlicher
Differenz bis zum Auftreten diarrhoischer Stühle das in dem wässe¬
rigen Fäzesextrakt übergehende Chlor im wesentlichen aus dem
Körperinneren stammt, während bei einem Ueberfluten des Organis¬
mus mit Chlor ein Teil des im wässerigen Extrakt nachgewiesenen
Chlors sicher von der Nahrung herrührt. Das III. Kapitel von Urys
Arbeit befasst sich mit der Theorie der Abführmittel und muss nach
des Verfassers Ansicht für viele Abführmittel neben der gesteigerten
Peristaltik eine gesteigerte Sekretion, eine richtige Hypersekretion
in den Darm hinein angenommen werden.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
36) F r i c k e r - Bern: Ueber das Vorkommen der sog. „langen
Bazillen M im Verdauungstraktus und ihre Beziehung zu den Funktions¬
störungen des Magens.
Nachdem Fr ick er im ersten Teil seiner Arbeit das Auftreten
der langen Bazillen in grosser Menge ausser in Mundhöhle und Magen,
woselbst ihr Vorkommen ja schon seit geraumer Zeit bekannt war,
auch im Speiseröhren- und Darminhalt nachgewiesen, befasst er sich
im 2. Teil mit der Frage nach den Beziehungen zwischen den langen
Bazillen und den Funktionsstörungen des Magens. Auf Grund der
Zusammenstellung seiner Untersuchungsergebnisse glaubt sich Ver¬
fasser zu dem Schlüsse berechtigt, dass überall da eine starke Ver¬
mehrung der Fadenbazillen vorkommt, wo Chemismus und Motilität
gleichzeitig erheblich gestört sind, im Gegensatz zu anderen Sapro-
phyten, wie Hefe und Sarzine, bei denen allein eine Herabsetzung
der motorischen Funktion genügt, um eine Anreicherung im Magen
zu ermöglichen. Eine pathognomonische Bedeutung vermag
F r i c k e r im Nachweis der langen Bazillen ebensowenig zu er¬
blicken, wie im positiven Befund der diagnostisch gleichwertigen
Milchsäure. A. Jordan.
Soziale Medizin und Hygiene. Vormals Monatsschrift für
soziale Medizin, Bd, III, No. 12, Dezember 1908.
M e i n e r t - Dresden: Wo stehen wir mit der Bekämpfung der
Säuglingssterblichkeit? (Nach einem in der Abteilung für Hygiene der
79. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte [Dresden,
September 1907] gehaltenen Vortrag.)
Eiin 20 jähriges Studium der Säuglingssterblichkeit und aus¬
gedehnte Vergleiche mit anderen Orten haben M. zu der Auffassung
geführt, dass die in der heissen Jahreszeit auftretenden Magen-Darm¬
erkrankungen nicht durch verdorbene oder verunreinigte Milch, son¬
dern durch thermische Schädlichkeiten (Steigen der Bodentemperatur
bei hoher Aussentemperatur) bedingt sei. Auch Länder mit reiner
Brusternährung (Aegypten) weisen eine grosse Sommersterblichkeit
auf, die wie bei uns, in luftarmen und windentrückten Quartieren
am höchsten ist. Der in letzter Zeit beobachtete Rückgang der Säug¬
lingssterblichkeit ist nicht auf die grössere Sorgfalt bei der Ernährung
und Milchzubereitung zurückzuführen, sondern auf die Besserung (?)
der Wohnungsverhältnisse und auf das Hinausrücken der Bewohner
unserer Gressstädte an die Peripherie.
Die auf die Bekämpfung hinzielenden Bestrebungen haben daher
vor allem diese Tatsache sich zu Nutze zu machen.
L. Eisenstadt -Berlin: Die Bedeutung der Arzneibehandlung
für das Heilverfahren der Krankenversicherung. (Fortsetzung und
Schluss.)
Verf. ist der Ansicht, dass das Medikament in seiner Bedeutung
für die Massenkrankheiten eher unterschätzt als überschätzt wird.
Durch Hinweis auf die spezifische und vorzügliche Wirkung einer
Reihe von Arzneistoffen (Salizylpräparate, Digitalis, Sedativa, Arsen 1 .
Eisen, Brom) begründet er die Notwendigkeit arzneilicher Behand¬
lung in der Versicherungspraxis. Uebertriebene Sparsamkeit ist dabei
ebenso zu vermeiden wie Verschleuderung. Die Verordnung ein¬
zelner Nährpräparate, die er als appetitanregende und blutbildende
Mittel schätzt, sollte nicht absolut ausgeschlossen sein. Sonderver¬
träge der Kassen mit den Fabrikanten könnten billigere Bezugspreise
ermöglichen. Db> Anwendung der appetitanregenden Tinkturen
möchte er wegen ihres Alkoholgehaltes in der Verordnung ein¬
geschränkt wissen. Die Berliner Magistralformeln sind in manchem
Punkte, wie des näheren gezeigt wird, reformbedürftig. Eine jähr¬
liche Aufstellung der in der Versicherungspraxis zweckmässigen und
zuverlässigen Mittel, eine Herausgabe erprobter Rezepte und Arznei¬
verschreibungen und schliesslich eine entsprechende Prüfung und Be¬
gutachtung der neuen Arzneimittel durch eine zentrale ärztliche In¬
stanz scheint ihm wünschenswert. (In München haben diese Vor¬
schläge durch eine jährlich erscheinende Vorzugstaxe, durch die Aus¬
gabe eines Arzneiverordnungsbuches und die Tätigkeit der Arznei¬
mittelkommission zum Teil bereits Verwirklichung erfahren. Anm.
d. Ref.) F. P e r u t z - München.
/ Berliner klinische Wochenschrift. No. 5. 1909.
I 1)E. M e y e r - Königsberg i. Pr.: Ueber psychische Ursachen
getagger Störungen.
Nach den Erfahrungen des Verf. spielen psychische Ursachen
bei der Entstehung von Geisteskrankheiten eine erheblich grössere
Rolle, als heutzutage meist angenommen wird. Er teilt zwei für diese
Anschauung sprechende eigene Beobachtungen mit, wo sich, beidemale
im Anschluss an Operationen und offenbar unter dem Einflüsse damit
verbundener psychischer Faktoren, geistige Störungen, bestehend
in Erregungs- und Verwirrtheitszuständen entwickelten. Bei beiden
Patientinnen kam es zur Heilung.
2) J. Hirschberg und E. G r u n m a c h - Berlin: Ueber
doppelseitiges Sehnervenleiden bei Turmschädel.
Vergl. Referat Seite 107 der Münch, med. Wochenschr. 1909.
3) A. D ii h r s s e n - Berlin: Die Laparo-Koipohysterotomie (eine
Kombination der Ritgenschen Gastro-Elytrotomie und des vagi¬
nalen Kaiserschnitts) als neue Therapie des engen Beckens.
4) E. Solms-Charlottenburg: Die Anwendung des vaginalen
Kaiserschnitts bei engem Becken (Laparo-Koipohysterotomie).
Bezüglich der beiden vorstehenden Artikel vergleiche Bericht
der Münch, med. Wochenschr. S. 155 über die Sitzung der Berliner
med. Gesellschaft vom 13. Januar 1909.
5) F. ü u d z e n t- Berlin: Ueber Behandlung mit der Kuhn-
schen Lungensaugmaske.
Die genannte Behandlungsmethode wurde zunächst bei anämi¬
schen und chlorotischen Patientinnen angewendet, welche sonst
keinerlei medikamentöse Verordnung erhielten. In allen Fällen nahm
der Hämoglobingehalt zu. Eine Zunahme der weissen Blutkörperchen
erfolgt nicht. Das subjektive Befinden wurde immer besser. Auch
wurde Besserung von Schlaflosigkeit erzielt. Unangenehme Neben¬
erscheinungen wurden nicht beobachtet. Ferner wird noch über 7
behandelte Lungenkranke berichtet. Zwei dieser Fälle sind als zu¬
nächst geheilt anzusehen, in mehreren wurde eine Besserung erzielt.
6) G. S t ü m p k e - Berlin: Ueber Jodophllle der Leukozyten bei
dermatologischen Affektionen.
Verf. hat zur Nachprüfung der Angaben der Autoren eine
grössere Anzahl dermatologisch Kranker, besonders auch an
Gonorrhöe und Ulcus molle Erkrankte, auf das Vorkommen jodo-
philer Leukozyten untersucht. Bei den mit Blasenbildung einher¬
gehenden Erkrankungen konnte in den Leukozyten des Blasenserums
durchweg eine hochgradige Jodophilie festgestellt werden. In
letzterer sieht Verf. ein Symptom gesteigerter biologischer Vorgänge.
Eine einheitliche Ursache für das Auftreten der jodophilen Substanzen
in den Körperzellen ist kaum anzunehmen.
7) F. D a v i d s o h n - Berlin: Röntgenstrahlenmessung in der
Praxis.
Nach einer Uebersicht früherer Methoden bezeichnet Verf. die
von Schwarz 1906 angegebene Methode, bei welcher aus dem
Grade der Trübung des sögen. Kalmelogens auf das Röntgenlicht-
mass geschlossen wird, als die einfachste und beste Methode. Für die
qualitative Messung empfiehlt sich am meisten der Härtemesser
von B e e z.
8) A. L ö w y und G. Meyer: Zur Frage der manuellen künst¬
lichen Atmung Erwachsener.
Die Verf. kritisieren im einzelnen die jüngst von Schäfer-
Edinburg angegebene Atmungsmethode, bei welcher der Ertrunkene
auf den Bauch gelegt und der Thorax vom Rücken her durch das
Gewicht des Helfers zur Herstellung der Exspiration zusammenge¬
presst wird. Nach den Erörterungen der Verf. kann das genannte
Verfahren mit dem bekannten S i 1 v e s t e r sehen nicht konkurrieren.
Bezüglich des letzteren wird vorgeschlagen, den Ertrunkenen zu¬
nächst kurze Zeit auf den Bauch zu legen, um das Ausfliessen des
Wassers zu erleichtern, dann aber die künstliche Atmung in der von
Silvester angegebenen Art zu betätigen.
9) E. U n g e r - Berlin: Ein operierter Fall von Arachnltls circum¬
scripta syphilitica der hinteren Schädelgrube.
Bei der 31 jährigen Patientin handelte es sich um eine lokalisierte
syphilitische Meningitis, welche zur Bildung von Verwachsungen und
zu einer umschriebenen Flüssigkeitsansammlung in der Gegend des
rechten Kleinhirnbrückenw'inkels geführt hat. Durch die Operation
wurde die Zyste beseitigt und die fast vollständige Erblindung der
Kranken wieder zur Heilung gebracht.
10) D. O 11 o 1 e n g h i - Siena: Ueber eine besondere Methode
zur Untersuchung des präventiven und kurativen Wertes der Medi¬
kamente hei den Trypano>omlasen.
Verf. schlägt vor, bei den Experimentiertieren, wofür er Meer¬
schweinchen, Ratten benennt, die Infektion in der Peritonealhöhle zu
bewerkstelligen und dann den Verlauf dieser Infektion mittelst Unter¬
suchung der Peritonealflüssigkeit zu verfolgen. Es kann dann viel
rascher als bei anderen Methoden der Wert eines Mittels festgestellt
w r erden, wde Verf. an seinen Ergebnissen bei 4 Untersuchungsgruppeu
des näheren darlegt.
11) F. Strassmann -Berlin: Gerichtsärztliche Wünsche zur
Reform der Strafprozessordnung.
Dieselben beziehen sich erstens auf die Anordnung der Unter¬
suchungshaft, zweitens auf die Bestimmungen über die Beobachtung
eines Angeschuldigten in der Irrenanstalt und drittens auf eine Be¬
stimmung über die Kosten in Privatklageverfahren, w'enn der Be¬
klagte w r egcn Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen wird.
Dr. Grassmann -München.
C Deutsche medizinische Wochenschrift. No. 4. 1909.
V 1) Felix Hirschfeld -Berlin: Zur Entstehung des Diabetes.
(VoKtag im Verein für innere Medizin am 19. X. 08, ref. Münch, med,
Wochenschr. 1908, No. 44, S. 2306.)
2) Berthold G o 1 d b e rg - Wildungen: Die Form der Leuko¬
zyten Im Harn bei Tuberkulose der Harnwege. (Vergl. Bericht über
die Naturforscherversammlung 1908, Münch, med. Wochenschr.
No. 45, S. 2357.)
3) v. Salle- Berlin: Kasuistischer Beitrag zur Kenntnis der
Chylurie.
25 jähriger Patient, seit 10 Jahren wechselnde Schmerzen in der
linken Nierengegend. Nur der linke Ureter scheidet chylösen Urin
aus, der Chylusgehalt nimmt zu bei Bettruhe, auch etw'as bei ver¬
mehrter Fettzufuhr. Verabreichter Lebertran konnte einwandfrei
im Harn nachgewiesen werden. Verfasser nimmt an, dass der
Chylus entweder direkt oder auf dem Wege des Ductus thoracicus in.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
304
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 6.
die Lymphgefässe der linksseitigen Harnorgane oder direkt in das
Nierenbecken, resp. den Ureter gelangte.
4) Rodenwaldt* Hamburg: Ueber Filariasis.
Bemerkungen zur Filarienpathologie im Anschluss an den in
gleicher Wochenschrift 1908 erschienenen Artikel von zur Verth.
5) Oskar A r o n s o h n - Berlin: Ein seltener Fall von perverser
Sexualbetätigung.
Verf. schildert einen Masturbanten, welcher durch fetischistische,
homosexuelle und sadistische Vorstellungen beherrscht wurde.
6) Q. Axhausen-Berlin: Zur Frage der sogen, akuten post-
operativen Magendilatation, nebst Bemerkungen zur Technik der hin¬
teren Gastroenterostomie.
ln 2 Fällen von komplettem Darmverschluss hoch oben nahe der
Flexura duodenojejunalis bestanden keine Symptome, die an akute
Magendilatation erinnert hätten. Verf. hält es daher für unwahr¬
scheinlich, dass die „akute Magendilatation“ auf einen primären Duo¬
denalverschluss zurückzuführen ist. Da nach einer hinteren Gastro¬
enterostomie öfters eine fatale Adhäsionsbildung, ausgehend vom
Mesokolonschlitz, beobachtet wurde, schlägt Verf. vor, nach M a y o
den Rand des Mesokolonschlitzes mit in die letzte Serosanaht der
Anastomose hereinzunehmen, so dass der Wundrand in die Ana-
stomosenrinne zu liegen kommt.
7) W i e m a n n - Flensburg: Das Coecum mobile und die chro¬
nische Appendizitis.
Verf. äussert sich zur Frage der chronischen, vom Wurmfortsatz
unabhängigen Blinddarmbeschwerden und deren mögliche Beseitigung
durch die Fixation des Zoekums nach W i 1 m s.
8) M o m b u r g - Spandau: Die Stützpunkte des Fusscs beim
Gehen und Stehen.
Die Hauptstützpunkte des Fusses beim Gehen und Stehen sind
nach M. der Kalkaneus und die Köpfchen des 2. und 3. Metatarsus,
während die Köpfchen des 1 ., 4. und 5. nur bei ungleichmässiger Be¬
lastung (Gehen auf schiefer Ebene) als Nebenstützen in Betracht
kommen.
9) M a r t e n s - Bochum: Zur Diagnose und Behandlung der
Nasennebenhöhieneiterungen.
In der Saugmethode sieht Verf. ein wesentliches Hilfsmittel zur
Diagnose und Therapie der Eiterungen der Nasennebenhöhlen. Er
verwendet eine Strahlpumpe mit Vakuummeter.
10) Hans Schneider -Hamburg: Ueber Desinfektionsmittel¬
prüfung und neuere Desinfektionsmittel. Vortrag auf der Natur¬
forscherversammlung 1908.
Verf. zählt 12 Punkte auf, welche bei einer wissenschaftlichen
Desinfektionsmittelprüfung beobachtet werden sollen. Von den
neueren formaldehydhaltigen Desinfektionsmitteln lobt er das Mor-
b i c i d, auch die Prüfung der neuen, aus Diphenyloxalester be¬
stehenden Karbolsäuretabletten fiel günstig aus („Phenostal“).
11) A x m a n n - Erfurt: Schutzbrillen aus optischem Glase.
Verf. liess Brillen aus Schottschem Glase herstellen, welche
sich zum Schutze gegen kurzwellige Strahlen (Finsen-, Uviol-, Queck¬
silberlampe) bewährten. R. Grashey - München.
Oesterrcichische Literatur.
Wiener klinische Wochenschrift.
No. 4. J. Bartel-Wien: Zur Frage der Infektionswege der
Tuberkulose.
Vorgetragen auf dem internationalen Tuberkulosekongress in
Washington.
J. Bartel-Wien: Ueber Immunisierungsversuche gegen
Tuberkulose.
Vorgetragen ebendort. Besprochen Münch, med. Wochenschr.
1908, S. 2308.
J. Astolfoni -Padua: Ueber den Einfluss des Neralteins auf
Puls und Blutdruck.
Das Neraltein ist ein chemisch dem Phenazetin, Laktophenin
usw. nahestehendes Antipyretikum und Analgetikum. Spezielle
Untersuchungen am Menschen zeigten eine Steigerung des Blut¬
druckes, Steigen der Pulshöhe, Abnahme der Pulszahl im allgemeinen
für die Dauer einer Stunde. Dosen von 1—3 g wurden ohne störende
Nebenerscheinungen gut vertragen.
J. G o b i e t - Orlau: Ein Fall von ausgetragener Schwanger¬
schaft, kompliziert mit Krebs der Gebärmutter, beider Eierstöcke
und des Wurmfortsatzes als Metastasen eines Magenkrebses.
Absterben des ausgetragenen Kindes infolge mechanischer Ge¬
burtshindernisse durch die karzinomatösen Tumoren an Uterus und
Ovarien. Entfernung des uneröffneten Uterus und der Karzinom¬
massen durch Laparotomie mit Resektion und Implantation eines
Ureters. Nach der Operation wurde bei einem Verbandwechsel das
ausgedehnte Magenkarzinom gefunden. Der Heilverlauf war ein
glatter, der Operationserfolg zunächst befriedigend trotz der fort¬
geschrittenen Entwicklung des Karzinoms. Bemerkenswert ist an
dem Fall u. a. auch die ungestörte Entwicklung der Gravidität unter
den ungünstigen mechanischen Verhältnissen.
K. D e u t s c h - Wien: Zur Kenntnis der Luesspätformen der
männlichen und weiblichen Brustdrüse.
Beschreibung dreier Fälle: der eine mit Ulzeration einhergehende
machte eine Exkochleation notwendig, in den beiden anderen heilte
die diffuse Infiltration unter der antiluetischen Behandlung. Die Unter¬
scheidung von anderen chirurgischen Erkrankungen der Mamma wird
durch die Serumprobe eine wesentliche Erleichterung erfahren.
L. Kluger- Krakau: Eigenartiger Fall von Purpura haemor-
rhagica fulminans bei einer Erwachsenen.
Der mit Haut- und Schleimhautblutungen einhergehende Fall
(22 jähr. Frau in der Stillperiode) verlief tödlich innerhalb 6 Tagen
Die Purpura schloss sich an eine Angina an, bei der Sektion fand sich
noch eine chronische Nephritis, Lymphdrüsentuberkulose, Miliartuber¬
kulose der Leber.
J. F 1 e s c h - Wien: Tumor der Schädelbasis extrakraniellen
Ursprunges.
Der hier beschriebene Fall, dem ein von der obersten Hals¬
wirbeln in die Sinus ethmoidales, maxillares und frontales sich er¬
streckendes Karzinom zugrunde liegt, gibt Anlass zu Vergleichen mit
einem ähnlichen, wo der Tumor von dem Keilbeinflügel ausging. Der
erstere Fall war durch Schmerzen im Gebiet des Occipitalis major,
später des dritten Trigeminusastes ausgezeichnet, während der
zweite zunächst den Schmerz auf die beiden ersten Trigeminusäste
lokalisiert zeigte. Da die extrakraniellen Geschwülste häufiger
operative Möglichkeiten bieten, ist das Ausdehnungsgebiet der
Schmerzen von besonderer Bedeutung.
Wiener klinisch-therapeutische Wochenschrift
No. 42. F. H e i n s i u s - Berlin: Nierenexstirpation bei Ureter¬
fisteln und schwerer Pyelitis wegen sekundärer Erkrankung der ari¬
deren Niere.
Die genaue klinische Beobachtung (Temperaturmessung) der
Patientin wies auf die Pyelitis hin und die Urinuntersuchung zeigte
im Harn der anderen Niere eines Tages granulierte Zylinder bei
gleichzeitig auftretenden Oedemen. Nun wurde die pyelitische Niere
exstirpiert und es trat rasche, völlige Genesung ein. Die zunächst
geplante Ureterfisteloperation wäre unter diesen Umständen sicher
mindestens erfolglos gewesen.
No. 43. A. K r o k i e w i c z - Krakau: Konjunktivale Tuberkulln-V
reaktion bei Krebskranken. > \
K. hat kürzlich über das nicht allzu seltene Vorkommen der
positiven Tuberkulinaugenprobe bei nicht tuberkulösen Erkrankungen
Angaben gemacht (Referat: Münch, med. Wochenschr. 1908, S. 1756).
Hier wird ein positiv reagierender Fall von Magenkarzinom mit all¬
gemeiner Karzinose berichtet, bei dem die Sektion keine Tuberkulose
nachwies, ähnlich wie in einem Fall von M a s s a r y und Weil. i
No. 43 H. Hoppe-Cincinnati: Ueber Zerebralrheumatismus.
Zerebrale Komplikationen des akuten Gelenkrheumatismus |
scheinen vor der Zeit der Salizylbehandlung häufiger gewesen zu sein,
als jetzt. Delirium, Gesichts- und Gehörshalluzinationen, Koma und |
Pupillenungleichheit charakterisierten einen hier beschriebenen Fall,
bei dem sich die zerebralen Erscheinungen nach 10 Tagen verloren.
Vielleicht liegt solchen Fällen eine toxämische seröse Meningitis zu
Grunde. Die Therapie muss sich gegen die Hyperpyrexie richten
(lauwarme Waschungen, Eiswasserklystiere, antirheumatische Medi¬
kamente, event. Jodkali, Digitalis), zu vermeiden sind Narkotika.
No. 44. J. T e i ss i e r - Lyon: Die Serumtherapie der Nephri¬
tiden.
T. hat an 7 Kranken Versuche mit der subkutanen Injektion von
Serum gemacht, welches aus dem Nierenvenenblut von Ziegen ge¬
wonnen war. Gewisse Erfolge waren sowohl bei akuter wie chro¬
nischer Nephritis zu beobachten; akute Anfälle oder Nachschübe
dürften am zugänglichsten für die unschädliche Behandlung sein.
No. 44. F. N a t h a n - Berlin: Ein seltener Fall von Fremd¬
körper Im Mittelohr bei einem 1V4 jährigen Kinde.
Dem masernkranken Knaben wurde von einem Spielgenossen
eine Nähnadel ins Ohr gestossen, deren eine Hälfte durch die Mutter
sofort herausgezogen wurde. Mangels eines besonderen Befundes
wurde in der Annahme, es habe sich nur um ein Nadelstück gehandelt,
zugewartet. Nach 3 Monaten fieberhafte Erkrankung und Schmerzen
im Ohr, aus dessen perforiertem Trommelfell das Nadelstück hervor¬
ragte und mit eingefädeltem Zwirn herausgezogen wurde. Länge
2 cm. Glatte Heilung unter Ablauf der gleichzeitigen Pneumonie.
Der durch die Reaktionslosigkeit begünstigten exspektativen Behand¬
lung ist jedenfalls die Erhaltung des Hörvermögens und der günstige
Verlauf zu danken.
No. 36—45. W. P e x a - Prag: Die Kindertetanie (SpasmopMlie)
und ihre Pathogenese.
Eine Uebersicht über die gegenwärtigen Anschauungen und
neuen Forschungsergebnisse.
No. 46. G. Muskat-Berlin: Probleme der Plattfussbehand-
lung.
Nach Erörterung der Pathologie (89 Proz. entstehen durch sta¬
tische Verhältnisse) bespricht M. die Therapie: Einreibungen mit
grüner Seife, heisse Bäder, Stauungshyperämie, Mobilisierung des
Plattfusses, Heftpflasterverbände, Schuheinlagen. Von besonderem
Wert ist die Prophylaxis durch geeignetes Verhalten, wofür sich auch
Merkblätter empfehlen, wie sie von der Deutschen Gesellschaft für
öffentliche Gesundheitspflege verbreitet werden.
No. 47. A. L e d e r e r - Cazin (Bosnien): Beitrag zur Mergal-
behandlung der Syphilis.
Für die Fälle, wo eine interne Behandlung der Syphilis vor¬
gezogen wird, empfiehlt sich die Verwendung des Mergals nach den
Original Frc“m ""
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9. Februar 1909.
MUKNCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
305
Erfahrungen des Verfassers sehr wohl; es wird leicht resorbiert, gut
vertragen und zeigt im allgemeinen eine prompte Wirkung.
No. 48. E. F r e u n d - Triest: Erfahrungen über die Behandlung
der Gonorrhöe mit Protargol.
Mit der von M ö 11 er empfohlenen Abortivbehandlung (5 g
4 proz. Protargollösung 10 Minuten in der Urethra gehalten) hat Verf.
keine guten Erfahrungen gemacht. Für die Behandlung der Urethritis
posterior empfiehlt er die Einspritzung von Protargol in Blasenhals
und Blase in Analogie der von Kromayer (Münch, med. Wochen-
schr. 1907, No. 1) angegebenen Albarginbehandlung. Alle Einzel¬
heiten sind im Original einzusehen. B e r g e a t - München.
Italienische Literatur.
T a m a s i a (Leiter des Instituts für gerichtliche Medizin in
Padua): Leber die Dorsalvenen der Hand als Mittel der Identifizierung
einer Persönlichkeit (Qazzetta degli osped., 1908, No. 92.)
Die Konfiguration des Venennetzes des Handrückens ist in hohem
ürade individuell: fast niemals erhält man, selbst wenn man tausende
von Händen untersucht, wie dies T. getan hat, die gleichen Figuren.
T. gibt 6 Typen an, welche aber im einzelnen immer noch ge¬
nügende individuelle Differenzen bieten. Eine wichtige Rolle spielt
bei der Gestaltung dieses Venennetzes auch die Heredität.
Niemals ist das Venennetz der rechten und linken Hand gleich.
Eine Aufnahme beider durch Photographie gibt ungleich zuverlässigere
Merkmale als manche der von B e r t i 11 o n durch Masse erhobene
Befunde. Die Probe würde nur versagen in denjenigen Fällen, wo
es sich um spätere Verstümmelungen oder pathologische Verände¬
rungen der Hände handelt.
Pr an di bringt aus der geburtshilflichen Klinik Turins einen
Beitrag zu den Entzündungen der Zervix (Zervizitis und Endozervl-
zltls) ln der Schwangerschaft und die Behandlung derselben. (Gaz-
zetta degli osped., 1908, N. 101.)
Die Zervizitis und Endozervizitis in der Schwangerschaft ist
viel häufiger als man gewöhnlich annimmt, und befällt vorzugsweise
Mehrgebärende.
Dieselbe kann Veranlassung zu einer Reihe allgemeiner subjek¬
tiver Störungen werden, welche mikrobischen Ursprungs sind und
welche oft zunächst nicht einen Zusammenhang mit der Genitalsphäre
erkennen lassen. Ausserdem äussern diese Entzündungszustände
einen nicht genug gewürdigten deletären Einfluss auf die Schwanger¬
schaft, können die Ursachen wiederholter Aborte sein: sie können
die Austreibungsperiode verlängern, zu frühzeitiger Ruptur der Ei¬
häute führen, zu einem durch infektiöse Prozesse gestörten Wochen¬
bett und zu mannigfachen Leiden der Gebärmutter.
Die B o s s i sehe Kur gegen dieses Leiden hat sich in der geburts¬
hilflich-gynäkologischen Klinik Turins besonders erprobt. Sie be¬
steht in einer allgemeinen tonischen Behandlung, in Vermeidung des
Koitus und in einer örtlichen; zur letzteren gehören schwache Su¬
blimatausspülungen alle 6—8 Tage, Kauterisationen mit Karbolsäure
50 auf 100 Alkohol und in Bestreuung mit einem Pulver von Salol,
Jodol, Bismut, Amylum und Lykopodium. Die Bossische Kur hat
keinen schädlichen Einfluss auf den normalen Ablauf der Schwanger¬
schaft.
Velobra: Typhus und Paratyphus, (il Morgagni, November
1908.)
Der Abdominaltyphus als Symptomenkomplex bietet keine kli¬
nisch wahrnehmbaren Unterschiede, je nachdem das bakteriologische
Agens der E b e r t h sehe Bazillus, der Paratyphus A oder B oder
der Kolibazillus ist.
Die Differentialdiagnose hat nur ein bakteriologisches Interesse
und kann nur durch den direkten Nachweis des Bazillus im Blute ge¬
führt werden.
Obgleich Kulturversuche und serumdiagnostische Proben den Be-,
weis liefern, dass zwischen Typhusbazillus, Paratyphus A und B und
Kolibazillus enge verwandtschaftliche Beziehungen bestehen, so
müssen sie doch als drei bakteriologisch gut zu differenzierende Keime
betrachtet werden.
Vom hygienischen und prophylaktischen Standpunkte ist die Tat¬
sache von besonderer Wichtigkeit, dass zum Unterschied vom
Typhusbazillus und Kolibazillus das Hauptübertragungsvehikel für
den Paratyphus das Fleisch der Schlachttiere ist, welches äusserlich
als verdorben nicht kenntlich zu sein braucht.
Der Paratyphus B, bakteriologisch auch bekannt unter dem
Namen Bazillus Gärtner, ist neuerdings in den Fäzes und im Darm
von ganz gesunden Schlachttieren gefunden worden; ein Faktum,
welches namentlich auch bei Wurstvergiftungen Berücksichtigung
verdient.
Wichtig erscheint ferner, dass die Psittakosis = die Papagei¬
krankheit, welche vom Papagei auf den Menschen übertragen wer¬
den kann, auf einem Bazillus beruht, welcher morphologisch, kul¬
turell und biologisch sich in nichts vom Paratyphus B unterscheidet.
O r t a 1 i: Intravenöse Sublimatlnjektlonen bei akutem Gelenk¬
rheumatismus. (Gazzetta degli osped. 1908, No. 98.)
Die bakteriologische Aetiologie des akuten Gelenkrheumatismus
ist noch nicht genügend geklärt; jedenfalls aber scheint sie nicht eine
einheitliche zu sein. O. berichtet aus dem Hospital zu Cesena über
3 Fälle, in welchen die Salizylbehandlung vollständig versagte und
intravenöse Injektionen von Sublimat in Dosen nicht unter 5 und nicht
über 10 mg sich von staunenswertem Erfolg erwiesen. Nur 3 oder 4
Injektionen waren in jedem Falle notwendig, sie erwiesen sich von
unmittelbarer Wirkung auf das Fieber und auf alle örtlichen Erschei¬
nungen, einschliesslich schwerer Herzkomplikationen, so dass man
den Eindruck gewinnen musste, dass es sich um ein Spezifikum
handle. O. ist geneigt, dem Mittel mehr eine antitoxische als eine
antibakterielle Wirkung zuzuschreiben. Er betont, dass diese Be¬
handlung von dem Kliniker B a c c e 11 i in die Praxis eingeführt ist,
ausser bei Lues namentlich bei allen septikämischen Prozessen, so
bei Puerperalfieber, bei Milzbrand usw., und dass sie sich immer als
vollkommen unschädlich erwiesen habe. Auch in den vorliegenden
Fällen seien keinerlei unerwünschte Nebenwirkungen örtlicher oder
allgemeiner Art zu konstatieren gewesen.
O. führt eine grosse Anzahl italienischer Autoren an, welche bei
akutem Gelenkrheumatismus die gleichen günstigen Erfolge be¬
obachteten.
Pancrazio: Beitrag zur Behandlung des Tetanus. (Gazzetta
degli osped. 1908, No. 116.)
In einer Mitteilung an die medizinische Akademie zu- Padua
illustriert P. die seit dem Jahre 1906 im Bürgerhospital zu Padua
durch D’Ancona eingeführte Behandlung. Will man vom Tetanus¬
heilserum den Erfolg sehen, wie man ihn nach Laboratoriumsexperi¬
menten zu erwarten berechtigt ist, so muss dasselbe in möglichsten
Kontakt mit dem Nervensystem gebracht werden, in welchem sich
die Tetanustoxine fixiert haben. Zu diesem Zweck empfiehlt sich Ein¬
verleibung in den Rückenmarkskanal mittels Lumbalpunktion, und
zwar darf man die Dosis nicht zu klein bemessen, nicht unter 20 ccm,
bis 40 ccm in schweren Fällen, und öfter wiederholt. Nur wenn man
wegen der Rigidität der Wirbelsäule die Lumbalpunktion nicht
machen kann, empfiehlt sich die Injektion tief in die Muskulatur. In
einem schweren Falle wurden 180 ccm in die Muskulatur und 40 ccm
in den Spinalkanal injiziert. Immer handelte es sich um hochwertiges,
vom Institut in Rom bezogenes Serum. Nebenher kann man Chloral
und warme Bäder anwenden.
In den meisten, selbst schweren Fällen wird der Ausgang bei
dieser Behandlung ein günstiger sein; im übrigen hat man sich bei
der Prognose zu vergegenwärtigen, dass das Tetanustoxin in den
verschiedenen Fällen an Qualität und Quantität verschieden sein kann
und mehr oder weniger lange Zeit zur Fixierung im Zentralnerven¬
system gehabt hat. Verschieden wird auch in den einzelnen Fällen
die Resistenz des Nervensystems gegen das Gift sein.
Perugia: Ueber die Gerinnbarkeit des Blutes Epileptischer
und über die Wirkung der Kalksalze auf die Blutgerinnung, (il Mor¬
gagni, Okt. 1908.)
Die Untersuchungen P.s wurden an 36 Epileptikern der Irrenheil¬
anstalt Venedigs gemacht. In allen Fällen handelte es sich um essen¬
tielle Epilepsie. Die Untersuchungen wurden innerhalb eines Monats
gemacht und waren von Kontrolluntersuchungen des Blutes von 20
normalen Bediensteten der Anstalt begleitet.
Zur Prüfung der Gerinnungsfähigkeit wurde eine neue Methode
von C i u f f i n i benutzt, welche sich gut bewährt (dieselbe ist be¬
schrieben il policlinico Sez. med., fase. 1 u. 2, 1908).
Bemerkenswert erscheint, dass in allen Fällen die Gerinnungs¬
fähigkeit mehr oder weniger herabgesetzt war, und dass dieselbe
normal wurde durch Einfuhr von Kalksalzen, welche um so schneller
wirkte, je assimilierbarer das Präparat war.
Indessen zeigten die Kalksalze keinerlei therapeutische Wirkung
auf den Gang der Krankheit, wenigstens sicher nicht auf die Zahl
der Anfälle.
Eine Beziehung der Anfälle zur Kalkarmut des Blutes in dem
Sinne, dass bestimmte Unterschiede vor und nach dem Anfalle kon¬
statiert werden konnten, war nicht nachzuweisen.
Es ist anzunehmen, dass die schwerere Gerinnbarkeit des Blutes
zu den konvulsivischen Erscheinungen in keinerlei ursächlichem Ver¬
hältnis steht, sondern dass beide Symptome gleicherweise die Folgen
der im Nervensystem liegenden Ursache sind.
D e 1 i t a 1 a und R u j u berichten aus dem pharmakologischen
Institut in der Irrenanstalt der Universität Sassari über Bromural,
eine Verbindung von Brom und Baldrian mit Harnstoff nach der For-
mel chJ > CH. rB.C.O.HN. NCN. 2H. Das Präparat aus der chemi¬
schen Fabrik Knoll & Co., Ludwigshafen wird gegeben in Tabletten
ä 0,30 g.
Van der Eeckhout studierte das Verhalten des Präparates
vom pharmakologischen Standpunkt; eine Reihe von Autoren, so
Erb, Krieger, van den Velden, Runk, Linke. Spezia
bestätigten die therapeutische Wirkung.
D. und R. kommen am Schluse ihrer Untersuchungen, welche sich
auf 32 Fälle erstrecken, zu folgendem Resultat:
1. Bromural hindert im Glase nicht die gastrische und nicht die
pankreatische Eiweissverdauung;
2. bei gesunden Individuen bringt es keine Verzögerung moto¬
rischer Tätigkeit des Magens;
3. in der Gabe von 1—2 Tabletten bringt es in Fällen von leichter
Neurasthenie einen ruhigen Schlaf von 4—5 Stunden, indessen ist es
in der gleichen Gabe in schweren Fällen von Neurasthenie mit
psychischer Störung unwirksam.
4. In den Gaben von 2—5 Tabletten machte das Mittel in der
Regel nach 15—60 Minuten Schlaf von 2—5stündiger Dauer bei ein-
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Original fr am
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
306
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. ().
fachen Depressions- und melancholischen Zuständen, auch den mit
Delirium verbundenen; ebenso bei leichten maniakalischen Zuständen,
seniler Demenz und bei mit Exzitation verbundener Paranoia.
Die Dauer des Schlafes ist, wie a priori anzunehmen, abhängig
von der Intensität der Erregungszustände; indessen auch wenn kein
Schlaf erfolgt, ist die sedative Wirkung unverkennbar.
Das Mittel erwies sich unwirksam auch in der Dosis von 5 Ta¬
bletten bei katatonischen Erregungszuständen, bei halluzinatorischen
Epilepsieäquivalenten und postapoplektischer Exzitation; aber
in den gleichen Fällen wiesen sich Brompräparate, Opiate, Hyos¬
zyamin und warme Bäder unwirksam.
5. Der Schlaf hat alle Zeichen des natürlichen Schlafes und
keinerlei unliebsame Nebenerscheinungen. In Summa verdient das
Mittel einen bevorzugten Platz unter den Hypnotizis. (il Morgagni,
November 1908.)
Roman elli rühmt die in der Genueser Klinik eingeführte
und auch in diesen Berichten erwähnte R i v a 11 a sehe Reaktion
zur Differentialdiagnostik zwischen Exsudaten und Transsudaten. In
einem mit 1 prom. Essigsäurelösung gefüllten Reagcnzglase hinter¬
lässt ein Tropfen der pathologischen Flüssigkeit, wenn sie ein Ex¬
sudat ist, eine Trübung und Fällung, während beim Transsudat die
Flüssigkeit klar bleibt.
Diese Methode sollte systematisch in der Differentialdiagnose
pathologischer Flüssigkeiten angewandt werden: sie ist bei ihrer
grossen Einfachheit wie Romanei li an 52 Fällen in der Klinik
Genuas erprobte, ebenso sicher wie die zeitraubende mikroskopische
Untersuchung der Flüssigkeit. (Gazzetta degli osped. 1908, No. 107.)
S i m o n i n i plädierte auf dem 6. Kongress für Pädiatrie in Pavia
(Estratto degli atti del Congresso VI pediatrico, 1907) für einen patho¬
genetischen Zusammenhang insuffizienter Nebenschilddrüsenfunktion
und Chorea.
Bei der Nebenschilddrüsen beraubten Tieren will er Tremor,
unkoordinierte unwillkürliche Schnappbewegungen und bisweilen Kon¬
vulsionen beobachtet haben, ferner eine Veränderung des psychischen
Verhaltens. Der Tremor erstreckt sich zuerst auf die Masseteren,
dann auf die Schultern und nach und nach auf alle Muskeln des Kör¬
pers. Oft besteht derselbe in brüsken Stössen oder in intermittieren¬
den und tonischen Kontraktionen; oft in athetoseartigen Bewegungen.
Die Einfuhr von Parathyreoidin vermindert diese Erscheinungen,
kann sie unter Umständen auch ganz zurückhalten und den lokalen
Ablauf verhindern.
S. beschreibt einige Fälle von Chorea bei Kindern, bei welchen
die Nebenschilddrüsenopotherapie günstige Resultate ergab.
Massini: Zur Behandlung der Magenhyperazidität und der
Gastrosukkorhöe (Morbus Reichmann) durch Eumydrin. (Gazzetta
degli osped. 1908. No. 113.)
Das Eumydrin wurde in Italien zuerst in der Klinik Genuas bei
Magenkranken angewandt und über die Erfolge auf dem Kongress für
innere Medizin, Rom 1906 berichtet. Seitdem sind die günstigen Er¬
folge von verschiedenen Autoren bestätigt. Das Mittel übt in der
Gabe von 1—-2Vs mg pro dosi, 3 mal täglich gegeben, meist kurz nach,
oft auch eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten, einen hemmenden
Einfluss aus bei motorischen und sekretorischen Störungen des
Magens und Darmes. Es empfiehlt sich die Verordnung zugleich
mit Alkalien, so zitronensaurem Natron oder phosphorsaurer Am¬
moniakmagnesia.
Vor dem Atropin hat das Eumydrin den Vorzug geringerer Gif¬
tigkeit; es wirkt nicht nur auf den Magenchemismus, indem es die
Salzsäureabsonderung auf das richtige Mass reduziert, sondern auf
die Magenkontraktionen, welche es seltener und ergiebiger macht.
Ausserdem tritt nach seiner Anwendung eine Vermehrung des Harn¬
stoffs, der Sulfate und Phosphate ein und «ine Verminderung des Chlor,
aber unbedeutend.
Valagussa berichtet aus der pädriatrischen Klinik Roms über
eine Reihe sehr sorgfältiger Experimentaluntersuchungen über die
Entstehung der postdiphtherischen Lähmungen. (Rassegna di bac-
terio-opo e sieroterapia Milano, Sept. u. Okt. 1908.)
Er berichtet ausführlich über die bei seinen Experimenten an¬
gewandte Technik und erläutert die gewonnenen Befunde an den
Nervenelementen durch instruktive Bilder.
Die experimentellen Diphtherielähmungen, so schliesst er, erhält
man auf dem Wege einer aszendierenden Neuritis; die Läsion des
peripherischen Nerven ist intensiver und deutlicher als die Läsion
zentraler Nervenelemente, welche oft fehlen kann.
Nimmt man dem Diphtheriebazillus die Fähigkeit. Toxine zu se-
zernieren, so hört damit auch seine Fähigkeit, Läsionen des peri¬
pheren wie zentralen Nervensystems herbeizuführen auf; ein Beweis,
dass es sich bei dieser Lähmung nicht um ein Gift der Bazillenkörper
handelt.
Auch erwiesen sich Bazillenkörper anderer pathogener Organis¬
men an sich unfähig, analoge Läsionen an den Nervenelementen zu
ergänzen, wie man sie durch Diphtherietoxine erlangen kann.
Bezüglich des Entstehens der spät sich äussernden Diphtherie¬
lähmungen sind die Ansichten der Autoren noch vielfach geteilt. V.
hält sie für bedingt entweder dadurch, dass im Körper zirkulierendes
Toxin auch bei der Serumbehandlung nicht neutralisiert wird (die
wahrscheinlichste Hypothese) oder dass sich im Muskelgewebe, wel¬
ches nächst dem Nervensystem die grösste Prädilektionsstelle ist.
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nichtfixiertes Toxin permanent erhalten hat, oder dass lebende Diph¬
theriebazillen in den Fäzes der geheilten Kinder längere Zeit, nachdem
die Wirkung der passiven Immunisierung bereits aufgehört hat. ilu
toxinbildendes Vermögen wieder aufnehmen.
P o g g i 11 i: Ueber Glykogen im Auswurf und seine diagnosti¬
sche und prognostische Bedeutung. (Gazzetta degli osped., 19(8.
S. 113.)
Der Italiener M o s c a t i machte (1907 rif. med. S. 26) aui die
diagnostische und prognostische Bedeutung des Glykogens im Aus¬
wurf aufmerksam. P. berichtet aus dem Hospital Grossetos von
einem Material von 25 Kranken mit reichlichem Sputum. 11 dieser
Kranken litten an Lungentuberkulose, 4 an akuter und chronischer
Bronchitis, 3 an metapneumonischen Lungenabszessen und 7 an krup¬
pöser Pneumonie. Zum Nachweis des Prozentgehaltes des Glykogens
wandte er die Pflüger sehe Probe an, zum einfachen Nachweis
der Glykogenreaktion die Bräutigam-Edel sehe Jodreaktion aui
Glykogen, welche auch bei kleineren Sputummengen anwendbar ist.
In den 11 Fällen von Lungentuberkulose war der Glykogen¬
gehalt ein beträchtlicher von 0,50 Proz. bis 3,75 Proz.; nur in einem
Falle, wo es sich um Spitzentuberkulose im Beginn mit Hämoptoe
handelte, betrug er 0,15 Proz. In allen übrigen Fällen von Lungcn-
und Bronchienanektionen mit z. T. bedeutenden Auswurfmengen fehlt!
6 mal überhaupt das Glykogen, nur in einem Falle mit putrider
Bronchitis und Bronchiektasen betrug der Glykogengehalt 0.25. in
allen übrigen Fällen 0,05—0,06 Proz.
Die Lunge erzeugt, so schliesst P., normaler Weise Glykogen,
und nur in einigen krankhaften Zuständen ist diese Eigenschaft ii.
übertriebenem Masse vorhanden. So handelt es sich bei der Tuber¬
kulose um einen wahren Vorgang glykogener Infiltration. Die ver¬
mehrte Aufnahme des Glykogens durch die Zellen des Lungenge¬
webes könnte man auffassen als eine Tendenz, in rapider Weise über¬
flüssiges Spar- und Nährmaterial zu inkorporieren, welches nötig ist
für die Aufbauprozesse, wie sie durch die verminderte Resistenz
dieser Zellen erforderlich ist. Die vermehrte Ausscheidung des Gly¬
kogens durch den Auswurf stellt einen beträchtlichen Stoffverhist für
den Körper dar, und somit ist der Glykogengehalt des Sputums nicht
nur von diagnostischer, sondern auch von prognostischer Bedeutung.
Hager- Magdeburg.
Belgische Literatur.
J. Bordet und G e n g o u - Brüssel: Das Keuchhustenendotoxin.
(Journal medical de Bruxelles, 3. September 1908.)
Schon früher haben B. und G. ihre Untersuchungen über den
Keuchhustenbazillus publiziert; sie haben versucht, das Keuchhusten¬
endotoxin zu isolieren und'zur Immunisierung zu verwenden. Als
Endotoxin bezeichnen sie die schwer diffundierenden, an den Bazillen-
körper gebundenen Toxine. B. hat schon darauf aufmerksam ge¬
macht, dass bei der intraperitonealen Infektion mit Typhusbazillen
die Vergiftung vielmehr von einem speziellen, von den toten Bak¬
terienkörper sich entwickelnden Gift als von dem eigentlichen Endo¬
toxin verursacht sei. Es ist also notwendig, für Immunisationszv ccke
ausschliesslich Lösungen eines von Bakterienkörpern vollständig
freien Endotoxins zu verwenden. Die Vorbereitung der klaren Lo¬
sung von Keuchhustenendotoxin wurde nach der Methode von Bes-
redka gemacht (s. Original); ccm war für ein Meerschweinchen
bei intraperitonealer Einspritzung tödlich. Nach subkutaner Dar¬
reichung entsteht eine ausgedehnte Hautnekrose mit Ulzeration und
verhältnismässig geringe Allgemeinerscheinungen. Diese Tatsache
stehen in Zusammenhang mit B. und G.s ersten Mitteilungen: der
Keuchhustenbazillus sezerniert ein sehr stark erregendes Gift, dessen
Lokalwirkung auf die Schleimhäute die starken Hustenanfälle ver¬
ursacht. Chloroform, Toluol, Thymol schwächen das Toxin. Imniuni-
sierungsversuche gaben keine Resultate mit lebendigen Kulturen: die
Versuche mit dem Endotoxin sind nicht vollendet.
Yernaux Nestor: Ueber Digitalisvergiftung. (Archives inter¬
nationales de pharmacodynamie XVIII, 1—2, 1908.)
In den Anfangsstadien der Digitalisvergiftung kommt überhäuft
keine Herzwirkung zu stände; bei den therapeutisch wirksamen Dosen
beim Menschen auch nicht. Die nützliche Wirkung entsteht aus¬
schliesslich durch eine Erregung der Vagi, rein nervöser Natur, lange
noch bevor das Hcrzfleisch reagiert. Zu gleicher Zeit tritt eine deut¬
liche Gefässverengung auf, und gerade daher kann die Droge so Gel
helfen. Sie entfaltet nämlich eine schonende Wirkung auf das
Herz, welches seltener und regelmässiger schlägt. Die Gefahr einer
Blutdrucksenkung besteht dabei nicht, weil die Gefässwirkuug ihr
entgegenwirkt, und so wird ein Teil der Herzarbeit auf die Gelasse
übertragen. Die hemmende Digitaliswirkung wird beim Tier durch
künstliche Atmung gehoben. Ein Herz, das mit gifthaltigem Blut ge¬
speist wird, schlägt nicht unregelmässig. In dem Augenblick, wo die
ersten Erscheinungen der Vergiftung beim Tiere auüretcn. ist kein
Digitalin mehr im Blut nachweisbar, sogar nach intravenöser Ein¬
spritzung.
Vaclac Piave c-Prag: Die Herzwirkung der Methylderivate
des Xanthins. (Archives internationales de pharmacodynamie. Gent,
1908, XVIII, 5—6.)
Die Untersuchungen des Verf. ergaben folgende Schlüsse: 1. Die
exzitomotorische Wirkung auf die Herztätigkeit kommt nicht bloss
dem Koffein, sondern auch dem Theobromin und Theophyllin zu. Ja.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
307
dieselbe ist bei diesen beiden Präparaten, speziell beim Theophyllin,
mehr entwickelt als beim Koffein; 2. diese exzitomotorische Wirkung
ist sehr labil und kann durch verschiedene, gleichzeitig auf das Myo¬
kard einwirkende Einflüsse depressiven oder exzitativen Charakters
leicht unterdrückt werden; 3) die exzitomotorische Wirkung der ge¬
nannten Präparate kommt namentlich dann zur Geltung, wenn die
motorische Funktion des Herzens vermindert ist, die Vorräte an po¬
tentieller chemischer Energie aber noch nicht erschöpft sind. Wahr¬
scheinlich handelte es sich um eine Steigerung der Oxydation; 4. es
bestehen offenbar Differenzen in der Allgemeinwirkung, welche das
Koffein in der klinischen Indikation auf die eine, das Theobromin mit
dem Theophyllin an die andere Seite stellt. Koffein ist ein Analcpti-
kum im allgemeinen. Theobromin und Theophyllin sind Kardiaka und
Diuretika, und ihre Indikation richtet sich nach der Art und dem Sta¬
dium der Krankheit. Die Allgemeinwirkung dieser beiden Präparate
ist eher eine depressive und daher ist sie beim Kollaps, trotz ihrer
exzitomotorischen Wirkung auf das Herz kontraindiziert.
Maldagne -Löwen: Ueber die Toxine und Antitoxine des
Staphylococcus pyogenes. (Archives internationales de pharmaco-
dynamie, XVIII., 5—6, Gent, 1908.)
Der Staphylococcus pyogenes scheidet wenigstens zwei Toxine
aus, welche vom Verf. Leukozidin und Staphylolysin genannt wer¬
den. Sie sind nicht absolut spezifisch, d. h. sie können ihre toxische
Wirkung auch auf andere Zellen entfalten als auf diejenigen, welche
gewöhnlich angegriffen werden. Nach Immunisierung von Kaninchen
mit diesen zwei Körpern entstehen zwei verschiedene Antitoxine. Sta¬
phylokokkentoxine sind sehr bald nach der Einspritzung im Blute
nicht mehr nachweisbar, nicht weil sie sich auf die Blutzellen fixieren,
sondern weil sie in verschiedenen Organen zerstöit werden. Myelo¬
zyten wirken nicht bloss antitoxisch, sondern auch bakterizid. Die
Antikörper bleiben lange Zeit im Blute und haben in dieser Hinsicht
von den Toxinen ganz abweichende Eigenschaften.
De Busscher und Schönfeld -Gent: Häufigkeit der Zer-
reissungen des Mesenteriums In Fällen von Lumbago traumatica. (So-
ciete de medecine de Gand, 4. August 1908.)
Verfasser haben mehrere, für die Unfallheilkunde wichtige Fälle
von Traumen gesehen, bei denen der heftige Schmerz in der Lumbal¬
gegend als Lumbago traumatica erklärt und ohne Erfolg mit den ge¬
wöhnlichen Mitteln behandelt wurde. Nach einiger Zeit war ein
Exsudat in der Bauchhöhle nachweisbar, das nach einigen Tagen
strenger Bettruhe und dem Tragen einer guten Leibbinde verschwand.
Hier war sehr wahrscheinlich eine Zcrreissung des Mesenteriums vor¬
handen. Solche Fälle haben gewöhnlich keine schweren Folgen, nur
könnte eine starke Blutung eine Laparotomie notwendig machen.
Inauguraldissertationen *).
Johannes Berlin liefert in seinem Beitrag zur Kasuistik
der Schussverletzungen des Auges (aus der Universitäts-
Augenklinik zu Giessen) — 2 Verletzungen durch Schrot, 3 durch
Geschosse grösseren Kalibers, eine durch Schiesspulver — einen wei¬
teren Beweis dafür, dass die früher allgemein verbreitete Ansicht,
ein durch Schuss verletztes Auge sei ohne weiteres als verloren zu
betrachten, heutzutage nur noch bei einem Teil der Fälle zutrifft.
Bei einer grossen Anzahl gelingt es doch, durch aseptische Behand¬
lung der Wunde das Auge seiner Form nach zu erhalten, und unter
diesen wiederum ist ein nicht geringer Prozentsatz, bei dem das
Sehvermögen in mehr oder weniger grossem Umfange erhalten bezw.
wiederhergestellt wird. (Giessen 1908, 39 S.)
Fritz L o e b.
Neu erschienene Dissertationen.
Universität Berlin. Januar 1909.
Rabino witsch Gittel Frau: Aetiologische Beziehungen der
Epilepsie zur Paranoia chronica.
Euithlen Friedrich: Ueber das Verhalten der Chromatophoren bei
der Regeneration pigmenthaltiger Haut.
Mayer Eduard: Wie ist die Koliagglutination im Verlauf von Darm-
tuberkulose zu beurteilen?
Nicol Kurt: Die interne Therapie der Zystitis, ihre Entwicklung und
Bedeutung. Mit besonderer Berücksichtigung eines neuen Uro¬
tropinderivates, des Borovertins.
Strauss Friedrich: Ueber heilende Niereninfarkte.
Haube r Franz: Migräne und Schmerzdämmerzustände.
Brock mann Karl: Die Gicht, ihre diätetische und physikalische
Behandlung.
Dreher Friedrich: Ueber Gaumenspalten.
Sc h e i b n e r Rudolf: Behandlung der subkutanen Nierenverletzungen.
Grinn Leon: Ueber die verschiedenen Operationsmethoden der
Oberschenkelhernien. Reinhardt.
Universität Bonn. Juli 1908.
Briigelmann: Ueber Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett
jugendlicher Erstgebärender.
Weber: Ueber Dissoziation von Vorhof- und Kammerrhythmus.
August 1908.
Fabricius: Ein Beitrag zur klinischen Beurteilung des krank¬
haften Wandertriebes.
*) Zusendung von Dissertationen an die Adresse der Redaktion,
München, Arnulfstrasse 26, erbeten. Besprechung Vorbehalten.
Hartmann: Das Thiosinamin und seine therapeutische Anwendung;
Hedding: Beiträge zur Kenntnis des induzierten Irreseins.
September 1908.
Rudolph: Eine Hemmungsbildung weiblicher Geschlechtsorgane.
Oktober 1908.
Göring: Zur Begutachtung geisteskranker Sittlichkeitsverbrecher.
Hertz: Ueber kongenitalen Verschluss der Urethra.
Müser: Ueber den primären Krebs der Lungen und Bronchien.
Peusquens: Ein Fall von Sirenenbildung.
Seitz: Die Leber als Vorratskammer für Eiweissstoffe.
Riedel: Ueber Darminvagination.
November 1908.
Bocr: Pneumonienephritis und Nephritiden nach anderen Infektions¬
krankheiten.
Schunck: Muskelverknöcherung nach Spontanluxation bei Arthro-
pathia tabica.
Dezember 1908.
Bleek: Ueber renale Massenblutungen.
Lack mann: Ueber das Frühaufstehern nach gynäkologischen
Untersuchungen.
Universität Breslau.
August 1908. Nichts erschienen.
September 1908 bis Januar 1909.
Maasc Karl: Zur Kritik der sogenannten Ophthalmodiagnose der
Tuberkulose.
Gross Otto: Augenleiden als Ursache der Invalidität.
Mcidner Siegfried: Ueber die Genese der Dehnungsgeschwüre im
Darm.
Wahrenholz Karl: Ueber die Nabelgeschwülste unter Mitteilung
eines Falles von Cholestom des Nabels.
Flöter Max: Ueber Eosinophilie und einen neuen Fall von pleuraler
Eosinophilie.
Weber Richard: Ueber ventrifixierende Methoden bei Verlagerung
der Beckenorgane.
Sicwczynski Hans: 108 Geburten unter Morphiumskopolamin.
Seewald Oswald: Anatomische Untersuchungen über die Sehnen¬
scheiden der Fussbeuge in Beziehung zur sogen. Tendovaginitis
und Perimysitis crepitans.
Willim Raphael: Ueber die Beziehungen zwischen Säuglings¬
sterblichkeit und Sommertemperatur.
Mandelbaum Hcrsch: Hg-Injektionen und ihre Einwirkung auf
die Nieren.
Peschke Karl: Ueber multiple tuberkulöse Darmstenosen.
Universität Freiburg. Januar 1909.
Czarno (Tscharno) Sch. W.: Ueber die schweren, nach Hebotomic
beobachteten Komplikationen.
Ra bi no witsch L.: Beiträge zur Therapie der Eklampsie (mit
besonderer Berücksichtigung der Nierendekapsulation).
Penner Cornelius: Ueber Pyelitis.
Wälder Artur: Zur chiurgischcn Behandlung der freien Puerperal¬
peritonitis.
Levy Walter: Die Bolustherapie, ihre Geschichte und Begründung
durch Empirie und Experiment.
Universität Greifswald. Januar 1909.
Hcnschcl August Joseph: Ein Fall von Acardiacus acephalus.
Universität Heidelberg. Januar 1909.
Kehrer Ferdinand Adalbert: Beitrag zur Lehre von den „heredi¬
tären“ Muskelatrophien.
Landau Lasar: Ein Fall von Hernia diaphragmatica. H.
Universität München. Januar 1909.
v. Tappeiner Franz Hugo: Untersuchungen über den Angriffsort
der fluoreszierenden Substanzen auf rote Blutkörperchen.
Grundier Eugen: Zur Kenntnis der Leichengeburt.
Wienhues Heinrich: Ueber Endarteriitis productiva.
Matthae us Eduard: Ueber einen Fall von traumatischem, ent¬
zündlichen Bauchdeckentumor.
Flad Johannes: Die Verletzungen der Tuba Eustachii.
Holzmann Willy: Blutdruck bei Alkoholberauschten.
Stepp Wilhelm: Experimentelle Untersuchungen über die Bedeutung
der Kochsalzretention für die Genese des nephritisehen Oedems.
Universität Rostock. Januar 1909.
Wada Gachio: Ueber die Hypertrichosis sacro-lumbalis mit Spina
bifida occulta.
Kluth Karl: Beitrag zu einer allgemeinen Entwicklungstheorie.
Miinchmeyer Otto: Kritischer Bericht über 1000 Lumbal¬
anästhesien mit Stovain (Billon).
Voss Ulrich: Die P a r i n a u d sehe Konjunktivitis.
Universität Tübingen. Januar 1909.
Haldenwang Otto: Ueber echte Schenkelhalsfrakturen im kind¬
lichen und jugendlichen Alter.
Krieg Eberhard: Ueber die primären Tumoren der Trachea.
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308
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 6.
Auswärtige Briefe.
Berliner Briefe.
(Eigener Bericht)
Bakteriologische Untersuchungsstelien für ansteckende Krank¬
heiten. — Wünsche der Turnlehrer für die Ausstellung ärztlicher
Turnbefreiungsatteste. — Erhebung eines Beitrages von den Patienten
in den Unlversitätspollkllnlken.
Mit Beginn dieses Jahres ist für den Bezirk der Stadt Berlin
eine Einrichtung zur Bekämpfung der übertragbaren Krankheiten
getroffen worden, in der die grossen Vorstädte Charlottenburg,
Schöneberg, Wilmersdorf der Mutterstadt vorausgegangen waren.
Wie in diesen, sind jetzt auch in Berlin bakteriologische Unter¬
suchungsanstalten eröffnet worden, in denen auf Wunsch der Aerzte
in allen Fällen, in denen diese den Verdacht auf eine ansteckende
Krankheit haben, zur Sicherung der Diagnose die bakteriologische
Untersuchung ausgeführt wird. Die Anstalten sind das städtische
Untersuchungsamt, das Institut für Infektionskrankheiten und das
hygienische Institut. Die Untersuchungen erstrecken sich auf Tuber¬
kulose, Diphtherie, Genickstarre, Typhus, Ruhr, Milzbrand. Rotz,
Trichinose, Fleisch-, Fisch- und Wurstvergiftungen. Der Betrieb ist
äusserst einfach gestaltet. In jeder Apotheke sind Versandgefässe,
die mit der Adresse des zuständigen Untersuchungsamtes versehen
sind, unentgeltlich zu haben, eine Anweisung zur geeigneten Ent¬
nahme und Verpackung des Untersuchungsmateriales ist beigegeben,
die Versendung erfolgt durch die Post, die Untersuchung ist unent¬
geltlich. Sobald sie beendet ist, wird dem Arzt von dem Ergebnis
Mitteilung gemacht. In einem Ausschreiben fordert der Polizei¬
präsident die Aerzte auf, von der Einrichtung ausgiebigen Gebrauch
zu machen.
Während hier die städtischen Behörden auf Grund der Fort¬
schritte der Wissenschaft den hygienischen Bestrebungen gebührend
Rechnung tragen, hört man von Bestrebungen städtischer Beamter,
der Berliner Turnlehrer, welche von absoluter Verständnislosigkeit
für den Geist der Hygiene zeugen und das körperliche Wohl der
Schulkinder, das zu fördern doch die eigentliche Aufgabe der Turn¬
lehrer sein sollte, eher zu schädigen geeignet sind. In der „Turn¬
vereinigung Berliner Lehrer“ wurde darüber Klage geführt, dass von
den Schülern der höheren Lehranstalten auffallend viele, 30 Proz.
und mehr, vom Turnunterricht befreit sind; die Mittel aber, die der
Verein vorschlägt, um den leichtfertigen Befreiungen zu steuern, sind
mehr als wunderlich. Die Turnzensur soll in allen Zeugnissen, auch
dem Einjährigen- und Reifezeugnis, derjenigen eines Nebenfaches wie
Erdkunde u. dergl. an Bedeutung gleichstehen, der Grund einer Turn¬
befreiung soll auf dem Zeugnis angegeben sein. Gegen diese For¬
derungen, deren Unzweckmässigkeit auf der Hand liegt, mögen die
Pädagogen Einspruch erheben. Anders steht es mit der folgenden:
Kranke Schüler werden in der Regel wohl von den Turnübungen,
aber nicht von den Turnstunden befreit. Also zur Strafe für ihre
Krankheit sollen sie Zusehen, wie ihre Kameraden tun dürfen, was
ihnen versagt ist, und die Zeit, die sie sehr zweckmässig in frischer
Luft zur Herstellung ihrer Gesundheit verwenden könnten, lieber in
der staubigen Turnhalle zubringen. Am stärksten aber ist die letzte
These, welche verlangt, dass die Formulare zu Befreiungs¬
gesuchen im Vordruck sämtliche Krankheiten enthalten sollen, die eine
Befreiung vom Turnunterricht rechtfertigen, und dass diese For¬
mulare stets von beamteten Aerzten, nicht vom Hausarzte auszufüllen
sind. Der erste Teil dieser These braucht wohl kaum ernst ge¬
nommen zu werden, man müsse denn als Formular das sehr ausführ¬
liche Inhaltsverzeichnis eines Lehrbuches der gesamten Pathologie
benutzen wollen; desto ernster aber der zweite Teil, denn er bewegt
sich in derselben Richtung wie Anordnungen, welche von den Be¬
hörden getroffen wurden und darauf hinauslaufen, die Bedeutung
hausärztlicher Atteste auf ein Mindestmass herabzusetzen. Vor
einigen Jahren hatte der damalige Kultusminister eine apokryphe
Verordnung eines seiner Vorgänger herausgesucht und den Schul¬
leitern aufgeben, bei Gesuchen um Befreiung vom Zeichenunterricht
nicht das Attest des behandelnden Arztes anzuerkennen, sondern
die Beibringung des Attestes eines Augenarztes zu verlangen: Es
führte das zu unhaltbaren und manchmal recht wunderlichen Zu¬
ständen, z. B. wurde das Attest eines Augenarztes verlangt, nachdem
der behandelnde Arzt als Grund der Befreiung vom Zeichenunter¬
richt eine Skoliose bezeichnet hatte. Die Aerztekammer nahm sich
der Sache an, richtete an den Minister ein entsprechendes Gesuch,
aber bis jetzt ist die Verordnung nicht zurückgezogen worden. Im
Gegenteil, es ist ganz kürzlich eine neue Verordnung des Handels¬
ministers erlassen worden, welche den gleichen Geist atmet. Nach
ihr sollen bei der Bearbeitung von Rentenanträgen die behandelnden
Aerzte in den Hintergrund treten und die Untersuchung und Begut¬
achtung der Antragsteller durch Vertrauensärzte erfolgen. Zur
Uebernahme dieser Vertrauensarztstellen scheinen die Medizinal¬
beamten in erster Reihe in Aussicht genommen zu sein. Auch mit
dieser Frage hat die Aerztekammer sich beschäftigt, aber nach den
früheren Erfahrungen wird man auch hier auf keinen schnellen Er¬
folg rechnen dürfen. Wenn nunmehr auch eine Vereinigung von
Lehrern sich bemüht, hausärztliche Atteste zu degradieren und sie
durch amtsärztliche zu ersetzen, so müssen wir gegen solche Ver¬
suche energischen Protest einlegen; und das aus doppeltem Grunde.
Das von der Vereinigung der Turnlehrer gestellte Ansinnen bedeutet
nicht nur eine Beleidigung des ärztlichen Standes, sondern auch eine
gesundheitliche Schädigung der Schuljugend; denn es wäre gar nicht
zu vermeiden, dass dem Kreisarzt, der doch vielfach ausserhalb
der Praxis steht, ein Leiden bei einmaliger Untersuchung entgeht
welches dem Hausarzt auf Grund langjähriger Beobachtung bekannt
ist. Ebenso kann in zweifelhaften Fällen der Hausarzt besser und
häufig sogar nur er beurteilen, welchen Einfluss der Turnunterricht
auf den betreffenden Schüler ausübt.
Die Berliner Universitätspolikliniken erfreuen sich eines von
Jahr zu Jahr steigenden Zuspruches, der von der Aerzteschaft stets
mit grossem Missfallen beobachtet wurde, den aber jetzt auch die
Regierung mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu be¬
trachten scheint. Denn diese Riesenfrequenz hat zwar den Vorteil
dass den Anstalten ein unerschöpfliches Unterrichts- und Forschungs¬
material zur Verfügung steht, für die Staatskasse aber den Nachteil,
dass die Kosten für die Unterhaltung dieser Institute von Jahr zu
Jahr wachsen. Das gilt besonders für die Polikliniken, welche neben
der Behandlung auch Verbandzeug unentgeltlich geben, und die Folge
ist, dass sie alljährlich einen nicht unbeträchtlichen Fehlbetrag im
Etat aufweisen. Zur Bestreitung der durch Preissteigerungen ver¬
ursachten Mehrausgaben wird zwar beabsichtigt, die Einnahmen
durch Erhöhung der Kurkostensätze zu steigern; so ist schon
jetzt eine Einrichtung getroffen, durch die die Besucher der staatlichen
Polikliniken zur Deckung der Unkosten mit herangezogen werden
sollen. Das geschieht in der Form, dass jeder Patient für 25 Pfg.
eine Marke zu lösen hat, die eine Woche Gültigkeit hat; befreit von
dieser Steuer sind Ortsarme und nachweislich Zahlungsunfähige. Ob
die Massregel den gewünschten Erfolg haben wird, bleibt abzu¬
warten; es ist nicht ausgeschlossen, dass unter denen, die die 25 Pfg.
sparen wollen, auch solche sind, die für Lehrzwecke wichtig sind,
und dass diese wegbleiben, sobald sie der Behandlung nicht mehr
dringend bedürfen, aber zur Demonstration noch sehr erwünscht
wären. Die vielen Bessersituierten aber werden sich durch die kleine
Abgabe nicht abschrecken lassen. Die ganze Massregel erscheint als
ein Versuch mit untauglichen Mitteln und macht jedenfalls den Ein¬
druck der Kleinlichkeit. In der chirurgischen Universitätspoliklinik
ist vor etwa Jahrefrist ein sehr anerkennenswerter Versuch gemacht
worden, zahlungsfähige Patienten, die nicht als Unterrichts- oder
Forschungsmaterial Interesse bieten, fern zu halten. Wenn man auf
diesem Wege zielbewusst und mit der nötigen Strenge fortfahren
würde, könnte man vermutlich mehr erreichen. Da unter den etwa
100 000 Besuchern der staatlichen Polikliniken sehr viel kostspieliger
Ballast ist, so brauchte man diesen ja nur, wenigstens teilweise, zu
entfernen. Dann hätten die Angestellten nicht über Ueberbürdung.
die Aerzte nicht über Entziehung von Arbeitsgelegenheit und Ein¬
nahmequellen und die Staatskasse nicht über wachsende Fehlbeträge
zu klagen. M. K.
Hamburger Brief.
(Eigener Bericht.)
Erste Tagung der Vereinigung Nordwestdeutscher Chirurgen.
Unter lebhafter Beteiligung fand am 23. Januar die erste Tagung
der Vereinigung Nordwestdeutscher Chirurgen im
Eppendorfer Krankenhause unter Vorsitz von Prof. Kümmell statt,
über deren Gründung in No. 2 dieser Wochenschr. berichtet worden
ist. Es war ein glücklicher Gedanke der einberufenden Herren
Professoren Kümmell und König, die dirigierenden und prak¬
tizierenden Chirurgen Nordwestdeutschlands zu einer freien und
zwanglosen Vereinigung zusammen zu schliessen, wie sie in ähnlicher
Weise bei den rheinischen Chirurgen seit mehreren Jahren sich
bewährt hat, und der Erfolg der ersten Tagung hat ihnen vollauf
Recht gegeben. Einige 60 Chirurgen waren dem Rufe gefolgt und
haben ihre Zustimmung und ihren Beitritt zur neuen Vereinigung er¬
klärt. Ausser den dirigierenden Chirurgen Hamburgs, Altonas und
deren Umgebung hatten alle grösseren Städte Nordwestdeutschlands
ihre Vertreter geschickt. Von namhaften Chirurgen waren er¬
schienen Anschütz und N e u b e r aus Kiel, Müller aus Rostock.
Sattler, Kulenkampff und Schüssler aus Bremen, Roth
aus Lübeck, Schädel aus Flensburg und viele andere. Auch der
Generalarzt G o e b e 1 aus Altona wurde unter den Anwesenden
bemerkt.
Den Vorsitz führte Prof. Kümmell, der die Erschienenen be-
grüsste und einen kurzen Entwurf von Statuten und Geschäfts¬
ordnung vorlegte, welcher mit geringen Abänderungen genehmigt
wurde. Danach kann Jeder Mitglied der Vereinigung Nordwest¬
deutscher Chirurgen werden, welcher Mitglied der deutschen Gesell¬
schaft für Chirurgie ist. Ausnahmen sollen hiervon auf Empfehlung
eines Mitgliedes gestattet sein, worüber dann die Lokalkomitees zu
entscheiden haben. Die Versammlungen finden dreimal im Jahr in
den Monaten Januar, Juni und Oktober statt. Die Wahl des Vor¬
sitzenden und den Zeitpunkt der Sitzung bestimmen die Mitglieder
der betr. Stadt. Als nächster Sitzungsort wurde Kiel gewählt, als
Zeitpunkt auf Vorschlag der anwesenden Kieler Herren ein Tag kurz
nach Beendigung der Kieler Woche.
Während der Vorsitzende je nach dem Ort der Tagung wechseln
soll, wurde der Schriftführer als ständiger Amtsinhaber gewählt. Die
Versammlung übertrug dies Amt Prof. K ö n i g in Altona, der schon
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9. Februar 1$09.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
309
bisher als provisorischer Schriftführer und Kassier gewirkt hatte.
Als Beitrag wurde 5 M. jährlich zur Deckung der laufenden Unkosten
beschlossen. Die Veröffentlichungen der Vorträge und Demon¬
strationen sollen im Zentralblatt für Chirurgie stattfinden.
Nach Erledigung des geschäftlichen Teils kam der wissenschaft¬
liche zu seinem Recht, dessen Kosten ausschliesslich von den diri¬
gierenden Aerzten Hamburgs und Altonas und ihren Assistenten ge¬
tragen wurde und der zum Teil höchst interessante Vorführungen
brachte. Es sprachen Prof. Kümmelt über die Endresultate nach
Frühaufstehen der Laparotomierten, Prof. König über ein Verfahren
zur Sicherung des Verschlusses grosser Bauchwandbrüche, Dr.
W i e s i n g e r demonstrierte ein Präparat totaler Darmausschaltung,
Dr. C o r d u a - Harburg sprach über die von Sonnenburg auf¬
gebrachte Frage, ob eine Heilung der Appendizitis mit Rizinusöl
möglich ist?, die C. energisch verneinte, Dr. S u d e c k demonstrierte
eine Implantationsprothese nach Unterkieferresektion, Dr. Ringel
sprach über Thorakoplastik bei Kindern, Prof. Kümmell über
operative Behandlung der Epilepsie, zur Operation der Hypospadie
und der Hirschsprung sehen Krankheit und über Oesophagus-
ersatz durch den Dünndarm, Dr. Kotzenberg über Durchschnei¬
dung der hinteren Wurzeln bei Littlescher Krankheit, Dr. Man-
n e 1 über Peritonitis kleiner Mädchen, Dr. Oehlecker über die
Frühdiagnose der Osteomyelitis, schliesslich Prof. Lenhartz über
Lungengangrän. Alle Vorträge waren von Demonstrationen von
Kranken, Präparaten oder Röntgenbildern begleitet und meist von
einer sehr angeregten Diskussion gefolgt.
Nach Schluss der wissenschaftlichen Sitzung hielt ein Festmahl
in den schönen Räumen des hiesigen Palasthotels die Teilnehmer noch
für mehrere Stunden beisammen, so dass auch der soziale Teil der
Zusammenkunft noch zu seinem Recht 'kam.
Der Verlauf dieser ersten Tagung der Vereinigung nordwest¬
deutscher Chirurgen erlaubt wohl, dem neuen Unternehmen eine gute
Prognose zu stellen. Wenn auch zugegeben werden soll, dass in
Hamburg die Verhältnisse für einen glücklichen Verlauf solcher Kon¬
gresse besonders günstig liegen, so besteht doch wohl kein Zweifel,
dass dies auch in den anderen grösseren Städten, die in Frage kom¬
men, also besonders Kiel, Rostock, Bremen und Lübeck, möglich sein
wird. Manches hängt hierbei auch von äusseren Umständen mit ab.
Vielleicht wird es sich empfehlen, die beiden Wintersitzungen nach
Hamburg-Altona zu verlegen und die Sommersitzung in einer der
anderen Städte abhalten zu lassen. Auch die Wahl des Tages spielt
hierbei eine Rolle; schon auf der ersten Tagung sprachen sich viele
Stimmen für Sonntag, statt des bisher vorgeschlagenen Sonnabend
aus. Aber die Hauptsache bleibt doch, dass entschieden ein Be¬
dürfnis für derartige mehr lokale Spezialkongresse vorzuliegeji
scheint, weil auf den grossen deutschen und internationalen Chirurgen¬
kongressen die Fülle des Materials und der Besucher allmählich so
gross geworden ist, dass eine Vertiefung in einzelne, selbst wichtige
Fragen kaum noch möglich ist.
Hamburg, 24. Januar 1909. K. J.
Vereins- und Kongressberichte.
Berliner medizinische Gesellschaft
(Eigener Bericht.)
Sitzung vom 3. Februar 1909.
Vor der Tagesordnung:
Herr Heinz Wohlgemuth: Demonstration eines Myxo-
sarkoms aus einem Lipom entstanden.
Demonstriert ein Lipom, das Uebergänge zum Myxom und
Sarkom zeigt . Es sollen Lipome entfernt werden, wenn sie starkes
Wachstum zeigen.
Herr Leuk: Demonstration des Löhning-Stiedasehen
Gastroskops am Patienten.
Demonstriert einige schöne Bilder von Magenaufnahmen; in
einem Fall hat er allerdings eine Perforation bekommen.
Herr L ö h n i n g hat ebenfalls mit seinem Apparat einen
Unglücksfall gehabt; der Apparat gestattet, alle Veränderungen im
Magen bis zum Pylorus exakt festzustellen.
Herren Jakoby und Hans Hirschfeld: Experimentell er¬
zeugte Leukämie bei Hühnern.
Seit Ellermann und Bang ist man in der Lage, mit
Leukämie bei Tieren experimentell zu arbeiten. Sie fanden 2 Hühner
mit schwerem Blutbild; bei dem einen liess sich die Vermehrung
aller Leukozytenarten auf das Bestehen einer Hühnertuberkulose
zurückführen. Bei einem zweiten Huhn fand sich eine Leukämie und
es gelang, weitere Tiere mit Leukämie zu infizieren.
Herr Hans Hirschfeld: Man darf die Blutbilder vom
Menschen nicht auf die Blutbilder vom Huhn übertragen. Die ge¬
wöhnliche Leukozytose in ihrer bekannten Form als Polynukleose
zeigt sich beim Huhn in einer Vermehrung sämtlicher Leukozyten¬
arten; man würde ohne Kenntnis dieser Verhaltens den in Präpa¬
raten demonstrierten Fall unbedingt für eine Leukämie halten. Bei
einem zweiten Huhn fand sich jedoch eine echte lymphatische Leu¬
kämie, die sich übertragen liess. Die experimentell mit Leukämie
infizierten Tiere bekamen eine lymphatische Leukämie, die ana¬
tomisch absolut der beim Menschen beobachteten gleicht.
Herr Ledermann demonstriert 3 Fälle von Lichen ruber.
Herr Bruck 2 Fälle von PI aut-Vincent scher Angina,
die fast beschwerde- und fieberfrei verliefen. Fusiforme Bazillen
waren in grosser Menge vorhanden.
Dazu Herr B1 a s c h k o: Klinisch kann die Affektion mit Primär¬
affekten oder merkurieller Pseudodiphtherie verwechselt werden.
Therapeutisch empfiehlt sich Pinseln mit 20proz. Chromsäure.
Tagesordnung:
Diskussion über den Vortrag des Herrn Albu: Die Be¬
wertung der Viszeralptose als Konstitutionsanomalie.
Herr Zondeck: Das Wesen der Wanderniere, selbst ihre
Diagnose ist ungeklärt. Die Ergebnisse der einzelnen Autoren sind
different, aber selbst die des einzelnen Untersuchers differieren nach
dem Wesen des Materials. Er kann der Meinung von Albu, dass
eine tiefe Lage der Konstitutionsanomalie darstellt, nicht beipflichten.
Herr Falk führt Beispiele an (Uterussenkung bei Virgines, Dick¬
darmverlagerung, Anlage einer 13. Rippe), die, aus der Entwicklungs¬
geschichte entnommen, für die Albu sehe Anschauung sprechen, dass
es sich bei der Enteroptose um eine Konstitutionsanomalie (Freund-
scher Infantilismus) handelt. Die Entstehung der Anomalien wird
durch die Qravidität gefördert.
Herr P e i s e r äussert sich über die Beziehungen des Zwerch¬
fells zur Enteroptose. Die Therapie muss besonders auf die Atem¬
gymnastik Wert legen.
Herr Ewald: Zur Viszeralptose gehört 1. eine Anlage und
2. eine Gelegenheitsursache. Er empfiehlt therapeutisch die An¬
legung einer Bandage aus Heftpflasterstreifen.
Herr Holländer wendet sich in sehr humorvollen Aus¬
führungen gegen die Differentialdiagnosen, die Albu aus Gemälden
gezogen. Ob die Eva enteroptotisch oder schwanger war, wird nie¬
mand beweisen können. Da das Schönheitsideal wechselt, so kann
man nicht aus den Darstellungen von Künstlern den Schluss ziehen,
dass die Menschen zu einer Zeit so oder so gestaltet gewesen seien
(cf. unseren letzten Bericht). Er erinnert an den Wechsel des
Schönheitsideals, das vor 20 Jahren kypho-lordotisch mit ent¬
wickelten sekundären Geschlechtscharakteren, gegenwärtig infan¬
til ist.
Herr Senator hebt hervor, dass die Kenntnis der Enteroptose
in Deutschland nicht Ewald, sondern Landau zu danken ist. Ob¬
wohl er in Berücksichtigung zieht, dass die Autoren differente Resul¬
tate haben, so möchte er die A1 b u sehe Statistik mit grösster Skepsis
betrachten. Die Diagnose der Wanderniere beim Mann ist stets
so unsicher, dass er stets seine eigene Diagnose angezweifelt hat und
sie nur anerkennt, wenn die Röntgenuntersuchung die Richtigkeit d.er
Untersuchung bestätigt hat.
Herr F u 1 d wendet sich noch einmal dagegen, dass man aus
künstlerischen Darstellungen einen Schluss auf das Aussehen der
damals lebenden Menschen zieht, besonders da die in Betracht
kommenden Künstler nahezu um dieselbe Zeit gelebt haben.
(NB. Herr Holländer hatte übrigens Diapositive von Plastiken
gezeigt, die im Antiquarium des Berliner Museums vorhanden sind
und deutlich zeigen, dass man in Kleinasien zur hellenistischen Zeit
Skulpturen verfertigt hat, die unverkennbar den kypho-lordotischen
und den enteroptotisch-phthisischen Typus zeigen.
Wolff-Eisner.
Verein für innere Medizin zu Berlin.
(Eigener Bericht)
Sitzung vom 1. Februar 1909.
Tagesordnung:
Herr Hls: Gicht und Rheumatismus.
Die chronischen Arthritiden bilden eine Crux medicorum; wie
bei einem Land ohne Grenzen ist die Einteilung in Provinzen oft
schwierig, ja man kann eine Art Wahlkreisgeometrie feststellen. Die
Therapie hängt hier von der Theorie ab; wer die Arthritiden als eine
Konstitutionsanomalie auffasst, wird stets versuchen, eine Besserung
mit Antigichtmitteln wie Colchicum etc. herbeiführen.
Erst 1800 wurde die Arthritis chronica als eine besondere Krank¬
heit von der Gicht abgetrennt. Das Wesen der Gicht, wie es sich
nach den neueren Anschauungen repräsentiert, ist kürzlich von
Brugsch an dieser Stelle ausführlich abgehandelt worden. Die
Harnsäure ist das Greifbarste von den Veränderungen der Gicht,
erschöpft aber ihr Wesen in keiner Weise. Es gibt eine Reihe von
Symptomen, die mit der Harnsäure nichts zu tun haben: Myalgie.
Gastritis, Neuralgie, Dermatosen u. a.
Es ist ja möglich, dass beim Purinstoffwechsel ausser der Harn¬
säure noch andere Nebenprodukte abfallen; nicht jedes Schlemmen
führt zur Gicht, es gehört dazu eine erworbene oder ererbte Dis¬
position.
Die Konstitutionskrankheiten stehen zur Zeit wissenschaftlich
in schlechtem Ruf, seitdem Virchow es ausgesprochen hat, „es
gibt keine Konstitutionskrankheiten, sondern nur Organkrankheiten“.
Es ist dies wahrscheinlich richtig, aber bisher noch nicht für alle Fälle
strikt bewiesen. Es gibt eben Zellveränderungen, welche sich bisher
dem Nachweis entziehen. Rosenbach und Martius haben aber
den Begriff der Konstitutionskrankheiten mit neuem Inhalt gefüllt:
Immunität, Ueberempfindlichkeitserscheinungen u. a.
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Qrifmal ffom
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
31Ü
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT,
No. 6.
Der Begriff der Diathese war in Deutschland seit dem Obsiegen
der pathologischen Anatomie verschwunden; in England hatte man
unter dem Einfluss alter hippokratischer Ideen der klinischen Beob¬
achtung mehr Raum gelassen; unter dem Einfluss von Czerny führt
sich der Begriff der Diathese von dem Gebiet der Kinderheilkunde
wieder in die innere Medizin ein.
ln Frankreich ist der Begriff des Arthritismus geschaffen worden,
dem eine ausserordentliche Ausdehnung gegeben worden ist. Be¬
sonders in der praxis aurea schafft die Luxuskonsumption u. a. viel
häufiger derartige Krankheitsbilder, als man sie im Krankenhaus zu
sehen bekommt.
H i s unterscheidet klinisch folgende hierher gehörende Krank¬
heitsformen:
1. sekundärer chronischer Gelenkrheumatismus.
2. primärer chronischer Gelenkrheumatismus; befällt vor allem
die kleinen Phalangealgelenke,
3. mono- oder oligoarthritische; Beispiel: Malum coxae senile
oft nach Traumen,
4. Bechterew- Marie-Striim pell sehe Krankheit der
Wirbelsäule (Osteopathie rizomelique),
5. Heberden sehe Knoten.
Anatomisch kann man im wesentlichen 2 Formen differen¬
zieren:
1. Beginn der Affektion mit Knorpelwucherung und Auffaserung;
erst sekundäre Beteiligung der Synovialis.
2. Beginn analog dem akuten Gelenkrheumatismus: Beginn in
der Kapsel, Zottenbildung, Abstossung solcher Zotten (Gelenk¬
mäuse etc.).
Als "ätiologische Momente kommen in Betracht:
1. Trauma,
2. Blutungen in die Gelenke,
3. Tuberkulose, Osteomyelitis,
4. akuter Gelenkrheumatismus,
5. andere Infektionen: Scharlach, Varizellen, Typhus, Sepsis,
Gonorrhöe, Lues, Tuberkulose etc.
Aber auch die ätiologische Einheit schafft absolut keine ana¬
tomischen Einheiten; die Gonorrhöe kann, wie bekannt, exsudative,
infiltrative Prozesse, sogar Ankylosen herbeiführen.
Poncet beschreibt eine tuberkulöse Arthritis ohne Tuberkel
und Tuberkelbazillen, ein Ausdruck einer Toxinwirkung, eine Alt
larvierter Tuberkulose; ihr Vorkommen ist jedoch noch nicht ab¬
solut gesichert.
Eine Reihe chronischer Arthritiden erweckt den Eindruck van
chronischen Infektionskrankheiten durch die dauernden Fieberschübe,
die begleitende Endo- und Perikarditis.
Der Nachweis einer einheitlichen Aetiologie ist bisher jedoch
misslungen.
Heberdensche Knötchen haben eine endogene Ursache in
Analogie zu den Trommelschlegelfingern bei Lungenabszess, Lungen¬
gangrän und Lungenphthise; der Prozess gelangt zur Heilung, wenn
der Abszess oder die Gangrän zur Ausheilung gekommen ist.
Das Material des Redners reicht nach seiner Ansicht nicht zu
einer statistischen Verwertung; aber nur an Beispielen aus den letzten
Monaten von familiärer gichtischer resp. Arthritisdiathese führt er
den Beweis, dass der Zusammenhang chronischer Rheumatismen mit
anderen endogenen Krankheiten mehr Beachtung verdient, als der
Frage gewöhnlich in Deutschland gewidmet wird.
Die Einheitlichkeit des gichtisch-arthritischen Prozesses ver¬
suchte er, gemeinsam mit B e i t z k e anatomisch nachzuweisen, fc-
doch ohne Erfolg.
Von 92 Personen zeigten bei der Sektion 62 eine Auffaserung des
Knorpels am Ellenbogen. Frühstadien dieser Knorpeldegeneration
finden sich schon in ganz frühem Alter. Sie scheinen sich bei eingr
durch Infektionskrankheiten bedingten Schädigung der Knorpel¬
ernährung einstellen zu können.
Vortr. hat weiter eine Reihe von Stoffwechselversuchen mit
G i r o n n e angestellt, aus denen hervorgeht, dass die typische Aende-
rung des Stoffwechsels nach Darreichung von nukleinsaurem Natron
nur bei typischer Gicht, nicht Arthritismen eintritt.
Zur Differentialdiagnose von Gicht und Arthritismus hat Potain
die Röntgenstrahlen empfohlen und eine Lakunenbildung in den
Knochen als typisch für Gicht angesehen. Er führte diese Lakunen¬
bildung auf einen Ersatz der röntgenundurchlässigen Präparate durch
Urate zurück. Mit Unrecht; wie demonstrierte Präparate des Vortr.
ergeben, werden die Lakunen durch Nekrosen im Knochen hervor¬
gerufen, die durch Harnsäureanhäufung erzeugt worden sind. Rings
um diese finden sich sehr zahlreiche typische Riesenzellen.
Vortr. kommt auf Grund seiner Beobachtungen zu folgenden
Schlussfolgerungen:
1. Bei der Aetiologie der Gicht macht die Aenderung des Purin¬
stoffwechsels nur einen Teil aus.
2. Die Gicht ist eine Form der arthritischen Diathese.
3. Die anderen Formen der nicht als Gicht auftretenden arthrj-
tischen Diathese gehen ohne nachweisbare Störung des Purinstoff-
wechsels einher.
4. Die Differentialdiagnosc zwischen den gichtischen und den
anderen Formen der Diathese geschieht mit Hilfe der erwähnten
diagnostischen Elemente, spez. mit Hilfe der Untersuchung des Purin-
stoffwechsels.
5. Wo der Purinstoffwechsel gestört ist, liegt echte Gicht vor;
wo er nicht gestört ist, eine andere Form der arthritischen Diathese.
6. Therapeutisches.
Fast jeder Arthritiker bekommt heute von Aerzten oder von
Bekannten den Rat, lakto-vegetarisch zu leben. Dies hat bei gut
genährten Individuen nichts zu sagen. Die schweren Formen des
Arthritismus führen aber zu Amvloid, Kachexie, Phthise etc. ln
solchen Fällen setzt die lakto-vegetarische Diät die Gefahr der Unter¬
ernährung, die bei solchen Fällen oft nicht wieder gut zu machen ist.
Nur bei echter Gicht (bei Störung des Purinstoffwechsels), beim
Fehlen dieser Anomalie und bei Arthritikern mit erblicher gichtischer
Belastung ist eine lakto-vegetarische Diät anzuordnen. Es ist dieser
therapeutische Erfolg zwar nur durchaus negativer Natur, bewirkt
aber, dass in vielen Fällen eine nutzlose Schädigung vermieden wird-
Schluss der Diskussion über die Vorträge der Herren Fritz
Lesser und BIaschko; Die klinische Verwertung der W asser-
mann sehe Reaktion.
Herr Heller: Die Fälle, in denen der Praktiker die Wasser-
m a n n sehe Reaktion anw'endet, sind nicht allzu zahlreich; doch
gibt es Fälle, in denen ihr eine ausschlaggebende Bedeutung zu¬
kommt. Bei sekundärer Syphilis war eine grosse Anzahl negativer
Resultate der Reaktion vorhanden, noch mehr bei latenter Syphilis.
In einer grossen Anzahl von Fällen differierten die Ergebnisse zw eier
Untersucher (L. Michaelis, Halberstätter u. a.).
Herr Mühsam: Die Differenz der Resultate ist auf die ver¬
schiedenen verwendeten Extrakte zurückzuführen. Es gibt Fälle,
wo die Reaktion nach Quecksilber nicht negativ wird, wohl aber
durch Atoxyl.
Herr C i t r o n erklärt die Reaktion als eine Immunitätsreaktion.
Herr Wassermann erklärt nochmals die Methode für die
Praxis reif und berührt nur 3 Hauptpunkte:
1. ist die Reaktion spezifisch: das ist jetzt in hin¬
reichendem Masse bewiesen. Es gibt in unseren Zonen keine Krank¬
heit, bei der die richtig angestellte Reaktion positiv ausfällt.
2. die Extraktfrage. Mit Recht habe er auf der Anwen¬
dung der wässerigen Extrakte aus luetischer Leber bestanden. Nur
die Tatsache, dass es für praktische Zwecke nicht genug luetisch-:
Lebern gibt, lasse ihn konzedieren, alkoholische Extrakte aus nor¬
malen Organen anzuwenden. Positive Resultate seien einwandfrei
negative bedürfen event. einer Nachprüfung.
3. Der Hauptwert ist der prophylaktische. Die Paralytiker geben
in 100 Proz. die Reaktion; dies ist so sicher, dass ein Fall ohne
Reaktion mit Sicherheit als nicht paralytisch aufgefasst werden muss.
Rein prophylaktisch hat man daher die Verpflichtung, jeden
Syphilitiker von der Hemmungsreaktion möglichst zu befreien.
Weitere Diskussion vertagt. Wolff-Eisner.
Aerztlicher Verein in Frankfurt a. M.
(Offizielles Protokoll.)
Ordentliche Sitzung vom 16. November 1908
abends 7 Uhr im Hörsaal des Dr. Senckenberg isehen
Bibliothekgebäudes.
Vorsitzender: Herr Ed i n g e r.
Schriftführer: Herr Cahen-Brach.
Herr v. Mettenhelmer stellt ein 7monatliches Kind mit
Mongolenfleck vor.
Herr Rosenhaupt: Dr. Siegfried We iss-Wien hat eine
Melkgarnitur zur hygienischen Kinder- und Kuhmilchgewinnung im
Kleinen angegeben, die unter der Bezeichnung „Sterilae“ in den
Handel gebracht wird. Die stallhygienischen Massnahmen in der
Milchfiltration und Tiefkühlung, sowie die Reinhaltung der dazu
nötigen Vorrichtungen werden durch ihn aus den Händen der oft
hygienischen Neuerungen ablehnend gegenüberstehenden bäuerlichen
Produzenten, in die Hände des Konsumenten verlegt, w'as bei dem
Sommeraufenthalt auf dem Land mit Kindern von grosser Bedeutung
ist. Eine etwa 1 Liter fassende Kanne, die in einem gut isolierten,
zur Aufnahme der Kühlsole bestimmten Holzeimer steht, wird in den
Stall gebracht, und es wird dann in die eingepasste Filtervorrichtung
eingemolken.
Auf Anfrage des Herrn Cahen-Brach erklärt der Vortr..
dass ihm Mitteilungen, wie sich der Apparat in der Praxis bewährt
habe, nicht bekannt seien.
Herr B. Fischer: Demonstrationen.
Verein der Aerzte in Halle a. S.
(Bericht des Vereins.)
14. Sitzung vom 25. November 1908.
Vorsitzender: Herr Veit.
Schriftführer: Herr Herschel.
Herr F. F r o m m e - Halle: Thrombose und Friihaufstehen im
Wochenbett.
Fromme berichtet ausführlich über einen Fall normaler
Geburt, bei dem die Wöchnerin am 2. Tage aurge-
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9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT,
311
standen war, am dritten mit Fieber erkrankte, das Fieber hielt
noch die beiden folgenden Tage an, schwand dann; am 9. Tage
nochmals Temperatur bis 39,8, am 10. Tage wieder normal, am
11. Tage nachmittags plötzlich tödliche Embolie.
Aus dem Lochialsekrete waren während des Fiebers hämolytische
Streptokokken gezüchtet worden. Bei der Sektion erwies sich die
ganze linke Vena spermatica thrombosiert, in den Lungenarterien
sassen fingerdicke Emboli. Aus den erweichten Teilen der Thromben
in der Spermatika konnten im Ausstrichpräparate Streptokokkenketten
sichtbar gemacht werden, die aber in der Kultur nicht mehr zum
Wachstum gebracht werden konnten. Eine anaerobe Kultur wurde
leider nicht angelegt.
Der Fall demonstriert die infektiöse Natur der Thrombose im
Wochenbett und ist ein typischer Beweis für die von dem Vor¬
tragenden des öfteren geäusserten Ansichten *), dass die meisten
Thrombosen nach Geburt und Operation einer Infektion der Venen
ihren Ursprung verdanken. Vortr. führt des Näheren aus, dass unter
dieser Annahme der infektiösen Natur der Thrombose im Wochen¬
bett und nach der Operation ein frühes Aufstehen und frühzeitige Be¬
wegungen die Thrombosen nicht werden einschränken können, und
führt zur Stütze dieser Ansicht einige statistische Daten über Früh-
aufgestandene anderer Kliniken an, bei denen die Thrombose absolut
nicht vollständig durch das frühe Ausserbettbringen eliminiert wer¬
den konnte. Die Wichtigkeit eines solchen Falles für den praktischen
Arzt wird ins richtige Licht gesetzt. Das frühe Aufstehen der
Wöchnerinnen soll vorläufig für die Kliniken reserviert bleiben, bis
die Unschädlichkeit erkannt ist, und es absolut sicher ist, dass wir
mehr damit erreichen, als mit einer längeren, bisher üblichen Bett¬
ruhe. Nur unter diesen beiden Voraussetzungen wird sich das frühe
Aufstehen auch in der Praxis einführen lassen; Fälle, wie der
obige sprechen nicht zu seinen Gunsten; wenn auch das frühe Auf¬
stehen die Thrombose nicht verursacht hat, so wird vom Publikum ein
Zusammenhang trotzdem konstruiert werden.
Diskussion: Herr Eberth.
Herr Veit: Ich möchte doch wagen, meinem hochverehrten ;
Herrn Kollegen Eberth zu widersprechen. Gerade die marantischen
Thrombosen nach Infektionskrankheiten sollte man nicht zu gunsten
der mechanischen Entstehung der Embolien anführen. Wir wissen,
dass sehr viel häufiger, als man es denkt. Keime im Blute bei Infek¬
tionskrankheiten kreisen und dass sie wohl als virulente Keime über¬
wunden werden, dass aber ihre thrombenbildende Fähigkeit bestehen
bleibt. Für diejenigen, welche überzeugt sind, dass Embolien mit
leichten, lokal bleibenden Infektionen in ursächlicher Verbindung
stehen, zeigt Herrn Frommes Falt, dass diese nicht durch Friih-
aufstehen zu vermeiden sind; diejenigen, welche an die rein me¬
chanische Entstehung der Thrombosen glauben, mögen weitere Er¬
fahrungen zu sammeln für nötig halten, ich habe bisher bei gewöhn¬
licher Wochenbettsbehandlung überhaupt noch keine tödliche Embolie
im Wochenbett gesehen; das war erst der Zeit der Versuche mit dem !
Frühaufstehen Vorbehalten. Trotz der Meinung K r ö n i g s, dass er j
einen gewaltigen Fortschritt gemacht hat, glaube ich m dem frühen j
Aufstelien in Hinsicht der Embolie keinen Fortschritt, sondern eineiig
Rückschritt zu sehen. Ob in anderer Hinsicht das Verfahren von
Nutzen ist, müssen weitere Erfahrungen lehren. .
Herr Veit: Weiteres zur Diagnose des Puerperalfiebers.
Im Anschluss an seinen vor etwa einem Jahr hier ge¬
haltenen Vortrag erörtert Vortr. die Einwürfe gegen seine An¬
schauungen und die weiteren Erfahrungen. Vortr. gab an, dass
der hämolytische Streptokokkus für die Entstehung der ge¬
wöhnlichen Fälle puerperaler Infektion als ursächlicher Keim
angeschuldigt werden muss. Damit sollte nicht gesagt sein,
dass jede Frau mit diesem Keim in ihrem Genitalkanal sterben
müsse; ebenso wenig sollte nun jeder andere Keim ausge¬
schlossen werden. Nur der gewöhnliche leicht übertragbare
Keim ist dieser hämolytische Streptokokkus. Hierbei die Fälle,
die ungefähr alle tödlich verlaufen, auszusondern, ist nicht ganz
leicht; es gelingt am leichtesten durch den Nachweis der
Keime im Blut und event. nach einem Kulturverfahren
von Fromme, das allerdings etwas länger dauert. Aus dem
Befund von Belägen gelingt die Unterscheidung nicht.
Frauen, bei denen der Keim gefunden wird, ohne Fieber
zu machen, bezeichnet Vortr. als Bazillenträger und er¬
weist die Gefahr dieser Fälle durch eine Pneumonie eines Neu¬
geborenen, die durch den hämolytischen Streptokokkus be¬
dingt war, und deren Keime mit den in der Scheide der Mutter
gefundenen übereinstimmten.
Vortr. charakterisiert die Fortschritte in der Strepto¬
kokkenforschung dadurch, dass er erstens gezeigt hat, dass
die Sekretentnahme aus der Scheide genügt und z w e i t e n s
*) Fromme: Verhandlungen der Versammlung deutscher Na¬
turforscher und Aerzte, Köln 1908. Ref. Münch, med. Wochenschr.
1908, S. 2258.
durch die Ausscheidung der nichthämolysierenden Strepto¬
kokken, die zwar Fieber, auch wohl Thrombosen und Embo¬
lien machen könnten, aber für die schweren und für die über¬
tragbaren Erkrankungen nicht anzuschuldigen seien. End¬
lich ist es wichtig, zu wissen, dass man die bedenklichen Fälle
durch den Nachweis des hämolytischen Streptokokkus im Blute
erkennen könne. Wichtig ist dies alles für die P r o p h y 1 a x e,
für die Bewertung therapeutischer Vorschläge
und für die frühe Erkenntnis schwerer Fälle.
Diskussion: Herr C. Fraenkel bemerkt zunächst, dass
in seinem Institut von Herrn Dr. Käthe seit mehreren Monaten
umfangreiche Untersuchungen des Scheidensekretes ausgeführt wor¬
den sind, das hier von prakt. Aerzten aus der Provinz zur Untersuchung
auf seinen Gehalt an Streptokokken eingesandt worden war, weil in
Anlehnung an den früheren Bericht von Herrn Dr. F r o m m e ein
tatsächlicher und bemerkenswerter Unterschied zwischen hämolyti¬
schen und nichthämolytischen Streptokokken für die Prognose von
Wochenbetterkrankungen angenommen und auch den Aerzten mitge¬
teilt worden war. Leider haben sich jedoch die Erwartungen, die
man hiernach an die Einreihung der etwa gefundenen Mikroorganis¬
men in die Klasse der blutlösenden oder der nicht blutlösenden
Streptokokken geknüpft hatte, nicht oder nur zuin geringsten Teile
bestätigt. Zunächst erwähnt der Vortragende, dass bisher 71 Fälle
von Wochenbetterkrankungen untersucht worden sind. Unter diesen
wurden im Lochialsekret 38 mal hämolytische Streptokokken gefun¬
den. Von diesen 38 Frauen sind nur 2 zugrunde gegangen, während
26 der hierher gehörigen Fälle am Leben geblieben sind, und von
10 Patientinnen keine Nachricht über ihr weiteres Befinden bisher ein¬
gelaufen ist. Von den 26 Erkrankten, die nach kürzerer oder längerer
Krankheit wieder genesen sind, haben einige auch nur ein ganz kurz¬
dauerndes Fieber durchgemacht und sind schon nach wenigen Tagen
wieder als gesund gemeldet worden. In 8 Fällen sind nicht blut¬
lösende Streptokokken gezüchtet worden. Von diesen ist nur in
3 Fällen genauere Nachricht zu erhalten gew esen, und zwar hat sich
hier kein einziges Mal ein tödlicher Ausgang eingestellt. In einem
Falle w r ar der Krankheitsverlauf ein ganz kurzer, einmal hat er
3 Wochen, einmal länger als 4 Wochen angedauert. Hatte sich so¬
mit auch bei dem Vorkommen von nicht hämolytischen Streptokokken
in dem letzteren Falle ein Krankheitszustand entwickelt, der nicht
gerade zu den leichtesten oder zu den leichteren gerechnet werden
kann, so sei endlich noch darauf verwiesen, dass auch bei ganz nor¬
malen Wöchnerinnen sich wiederholentlich hämolytische Strepto¬
kokken haben naclnveisen lassen.
Nach diesen ganz kurz berichteten Ergebnissen scheint es also
nicht so, als ob der Unterschied zwischen blutlösenden und nicht
blutlösenden Streptokokken imstande wäre, über den Charakter der
bestehenden Infektion genauen Aufschluss zu erteilen. Natürlich wer¬
den hier noch weitere Untersuchungen nötig sein, um den Tatbestand
aufzuklären. Jedenfalls aber hat sich das Hygienische Institut schon
seit vielen Wochen bezw. Monaten veranlasst gesehen, den anfäng¬
lich angegebenen Ausweis über die voraussichtliche Dauer bezw.
Bösartigkeit der Krankheit weiterhin einzustellen und nur noch an
der Bitte festzuhalten, ihm das Material zwecks weiterer Aufklärung
der hier vorliegenden Verhältnisse zuzusenden.
Herr Veit: Ich habe nicht behauptet, dass jede Frau, in deren
Scheide der hämolytische Streptokokkus gefunden wird, sterben muss,
sondern nur, dass sie qua Infektion bedenklich ist; auch habe ich nicht
geläugnet, dass man in der Scheide nicht hämolytische Formen findet.
Nur sind diese Fälle leichter und w r enn sie zugrunde gehen, so ge¬
schieht das meist unter dem Bilde der Pyäniie. Auch ist die Gefahr
der Uebertragung bei ihnen nicht so gross.
Herr Fromme: Meine Ansichten über die Wichtigkeit der
Hämolyse als Unterscheidungsmerkmal verschiedener Streptokokken¬
arten haben sich nicht geändert. Wir finden fast regelmässig bei
schweren Streptokokkenfiebern im Wochenbett den hämolytischen
Keim, wär haben regelmässig bei Befunden reichlicher, andauernder
Mengen von Streptokokken im Blute gesehen, dass die Streptokokken
hämolytisch sind, und dass alle unsere Patientinnen mit derartig
schwerer Erkrankung zugrunde gegangen sind, mit Ausnahme einer
einzigen. Ich glaube schon früher genügend betont zu haben, dass
ich unter einer Streptokokkämie nicht einen einmaligen Befund ein¬
zelner weniger Kolonien im Blute verstehe — das kann Vorkommen,
die Keime können verschleppt werden, der Körper kann aber da¬
mit fertig werden — und ich habe auch niemals behauptet, dass der¬
artige Frauen nun absolut verloren wären. Ich betone das aus¬
drücklich neueren Ausführungen von H o f m e i e r und P o I a n o
gegenüber. Sondern ich habe nur die schlechte Prognose der reinen
Streptokokkämie betont, das heisst der Erkrankung, bei der das Blut
nicht ein oder mehrere Male den Keimen als Transportmittel dient,
bei der die Keime aber wegen der grossen Resistenz des Blutes
wieder aus ihm verschwinden, sondern bei der das Blut tagelang
Streptokokken, und zwar in wachsender Anzahl beherbergt, bei der
das Blut also quasi Nährboden für die Keime ist. Die Fälle sind bis
jetzt verloren, darin geben mir ja auch andere Untersucher, z. B.
Henkel, Recht.
Was bis jetzt in der Diskussion aber nicht genügend zum Aus¬
druck gekommen ist, ist meiner Ansicht nach die Tatsache, dass nicht
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312
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
nur ein virulenter Keim zum Hervorbringen der Erkrankung gehört,
sondern auch dass er an die rechte Stelle zum Angreifen, also an eine
Wunde kommt und weiter, dass die Widerstandskraft des Individuums
da, wo der Keim angreift, geschwächt ist. Wir haben es ja in unserer
Klinik zuerst erwiesen, jetzt folgen andere Untersucher nach, dass
die hämolytischen Streptokokken auch bei normalen Wöchnerinnen
oder nur bei ganz leichten Erkrankungen Vorkommen. Sind sie des¬
halb weniger virulent? Wir können es nicht sagen, da wir die
Widerstandskraft des betreffenden Individuums nicht bestimmen
können. Darin liegt meiner Meinung nach ein sehr gewichtiger Punkt,
der wohl vorläufig alle noch so klugen Laboratoriumsexperimente zur
Klärung aller klinischen Tatsachen nicht ausreichen lassen wird.
Gutartiger, weniger zur Progredienz geneigt als die hämo¬
lytischen Streptokokken sind auf jeden Fall die nicht hämolytischen
Streptokokken. Wir haben auch sie öfters bei leichten Puerperal¬
fieberfällen gefunden, wir haben sie auch als die Erreger einer puer¬
peralen Peritonitis feststellen können. Den Weg zum Peritoneum
hatten die nichthämolytischen Streptokokken offenbar auf dem Wege
durch die Tuben erreicht. Dieser Fall von puerperaler
Peritonitis durch nicht hämolytische Keime ist
der einzige, den ich bis jetzt durch einfache In¬
zision in beiden Lendengegenden und Drainage
nach dem Vorgänge Bumms heilen konnte. Alle
anderen Peritonitiden im Puerperium haben wir
nicht durchbringen können, trotz frühzeitiger Inzision, trotz
Anlegung von Darmfisteln, und zwar aus dem einfachen
Grunde, weil sie der Ausdruck einer Allgemein¬
infektion, bedingt durch hämolytische Keime
waren. Der nicht hämolytische Streptokokkus ist also sicher gut¬
artiger, weniger zur Progredienz geneigt, als sein hämolytischer
Bruder.
Was nun die von mir zur Unterscheidung hämolytischer zurzeit
virulenter von hämolytischen nicht virulenten Streptokokken an¬
gegebene Reaktion anbetrifft, die darin besteht, dass man eine be¬
stimmte Menge Keime auf gewaschenen roten Blutkörperchen, dem
Blutschwamm züchtet, so hat sie sich mir des weiteren vollständig
bestätigt (s. Zentralbl. f. Gynäkol. 1908, No. 37). Die von mir bis
jetzt auf diese Weise untersuchten 34 virulenten und nicht virulenten
hämolytischen. Stämme ergaben ohne Ausnahme das Resultat, dass
die virulenten nur in bestimmten, zählbaren Mengen zum Auskeimen
gelangten, die nicht virulenten dagegen in unzählbaren Mengen. Die
Tatsache, die ich weiter feststellen konnte, dass schon ein 3 Stunden
langes Verweilen der Keime im Blutschwamm genügt, um die Diffe¬
renzierung zwischen virulenten und nicht virulenten Keimen zu
machen, scheint mir die Methode zur Anwendung in der Praxis nur
brauchbarer gemacht zu haben, ebenso dass man ältere, auch ver¬
schieden* alte Bouillonkulturen zur Aussaat benutzen kann. Ich bin
mir keinen Augenblick im Unklaren darüber, dass als Grund der
Reaktion lediglich der für die virulenten Streptokokken ungünstige
Nährboden anzusehen ist, und dass keine bakteriziden Kräfte etc.
dabei im Spiele sind. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass man
auch mal einen Stamm finden wird, der mit meiner Reaktion sich als
virulent dokumentiert, trotzdem er nur von einem relativ ungefähr¬
lichen Puerperalfieber stammt. Das wird sicher Vorkommen und
findet seine Erklärung ungezwungen darin, dass wir bei unseren Ex¬
perimenten in vitro einen grossen Faktor, der im lebenden Körper
eine Rolle spielt, unberücksichtigt lassen müssen, nämlich die in¬
dividuelle Widerstandskraft der Patientin.
Herr Käthe: Im Anschluss an die Ausführungen meines Chefs,
des Herrn Geheimrat F r ä n k e 1, möchte ich mir erlauben, kurz auf
einige weitere interessante, nicht gerade alltägliche bakteriologische
Befunde hinzuweisen, die unsere Untersuchungen der Lochialsekrete
fiebernder Wöchnerinnen ergeben haben. In zwei Fällen zeigte das
Ausstrichpräparat das charakteristische Bild, das wir bei der Angina
Vincenti s. Plautii zu sehen gewöhnt sind: fusiforme Stäbchen und
Spirillen; das eine Mal besonders die letzteren in ganz enormer
Zahl. Was die ätiologische Bedeutung dieser beiden Mikroorganismen
betrifft, so stehen wir ja heute im allgemeinen auf dem Standpunkte,
dass die pathologischen Veränderungen, bei denen sie anzutreffen
sind, nicht ursprünglich durch sie veranlasst wurden. Sie spielen
vielmehr eine, wenn auch nicht völlig belanglose, so doch sekundäre
Rolle. Auf einem irgendwie in seiner Vitalität geschwächten Gewebe
siedeln sie sich an, kommen zur Entwicklung und tragen nun selbst
zum Zerfall des Gewebes bei — kurz, es sind Nosoparasiten. So er¬
klärt sich ihr Vorkommen bei Noma und sonstigen gangränösen Pro¬
zessen der Mundhöhle. Besonders bei luetischen Affektionen der Ton¬
sillen wurden sie in letzter Zeit häufig gefunden, ferner auch bei
Diphtherie, eine Tatsache, die ich an dem grossen Material unseres
Untersuchungsamtes nicht selten bestätigt fand. Als Nosoparasiten
möchte ich die Fusiformen und Spirillen auch auffassen, wenn sie
sich im Lochialsekret fiebernder Wöchnerinnen finden. Die durch
den Geburtsakt in höherem oder geringerem Grade alterierten Ge¬
webe des Geburtskanals bieten einen guten Boden für ihre Ansiedlung.
In dem einen Fall dauerte die fieberhafte Erkrankung bis zu 2 Wochen,
über den Ausgang der anderen habe ich noch keine Nachricht er¬
halten.
Dass übrigens in seltenen Fällen wenigstens die Fusiformen
eine selbständige pathogene Bedeutung erlangen können, geht daraus
No. 6.
hervor, dass sie bei eitrigen Prozessen innerer Organe in Reinkultur
gefunden sind. Ich kann die Kasuistik um einen Fall vermehren, ln
dem Punktat eines Hirnabszesses fand ich Fusiforme in Unmassen in
Reinkultur.
Weiterhin konnte ich im Laufe des letzten halben Jahres 3 mal
Diphtheriebazillen im Lochialsekret fiebernder Wöchnerinnen nach-
weisen. Die Erkrankung ging in 2 Fällen mit der Bildung sehr volu¬
minöser Pseudomembranen einher. Einmal fand ich die Diphtherie¬
bazillen in Gemeinschaft mit hämolytischen Streptokokken. Die bei¬
den anderen Patientinnen sind genesen, die letztere machte ein sich
über mehrere Monate erstreckendes Krankenlager durch und musste
schliesslich wegen eines parametranen Abszesses operiert werden.
Sie starb an den Folgen des Eingriffes. Im Abszesseiter fand ich
Streptokokken in Reinkultur.
Einen, wenn auch praktisch nicht wesentlichen, so doch theo¬
retisch sehr interessanten, meines Wissens bisher überhaupt noch nicht
erhobenen Befund stellt der mir einmal geglückte Nachweis von
Typhusbazillen im Lochialsekret dar. Da ich über diesen Fall
ebenso wie über andere systematische Untersuchungen an klinisch
genau beobachteten Typhuspatienten an anderer Stelle ausführlich
berichten will, möchte ich mich hier nur mit der kürzen Erwähnung
begnügen.
Schliesslich fand ich in einer Reihe von Lochialsekreten ausser
Bazillen der Friedländergruppe noch das Bact. coli haemolyticum.
Da ich seit einiger Zeit mit ausgedehnteren Untersuchungen über das
Vorkommen und die ätiologische Bedeutung dieses Mikroorganismus
beschäftigt bin, die jedoch noch nicht abgeschlossen sind, unterlasse
ich es, genauer darauf einzugehen.
Was nun weiterhin die von Herrn Fromme angegebene Re¬
aktion zur Unterscheidung von hämolytischen virulenten und nicht
virulenten Streptokokken betrifft, so habe ich mir natürlich sofort
angelegen sein lassen, sie an unserem Material, besonders an dem
aus Lochialsekreten gewonnenen, nachzuprüfen. Denn es unterliegt
keinem Zweifel, dass diese ganze Frage von allergrösster prak¬
tischer Bedeutung ist.
Wenn ich Ihnen meine Resultate mitteile, so tue ich es in dem
Bewusstsein, vorderhand noch nicht zu bindenden Schlüssen be¬
rechtigt zu sein, dazu ist das Material, auf das ich mich stütze, noch
zu klein. Ich habe bisher 21 Streptokokkenstämme dem Fromme¬
schen Versuch unterworfen. Um das Ergebnis gleich vorweg zu
nehmen, so kann ich sagen, dass ich im grossen und ganzen zu den
gleichen Resultaten wie Herr Fromme gelangt bin. Doch habe
ich auch einige Ausnahmen von der von ihm aufgestellten Regel be¬
kommen, die geeignet sind, dem Werte seiner Reaktion einigen Ein¬
trag zu tun. 6 Streptokokkenstämme, von denen 3 aus Lochialsekre¬
ten völlig fieberfreier Wöchnerinnen, 1 aus dem Wochenfluss einer
nur 2 Tage fiebernden Patientin, einer aus einer Pleuritis und der
letzte aus einem Keuchhustensputum stammten, verhielten sich ent¬
sprechend der Fromme sehen Regel, d. h. nach 12—13 ständigem
Verweilen im Blutschwamm bei Bruttemperatur hatten sie sich ausser¬
ordentlich vermehrt. Nun aber die Abweichungen. Ein Strepto¬
kokkenstamm, der aus dem Lochialsekret einer völlig normalen Wöch¬
nerin gezüchtet war, zeigte nach 13 Stunden eine starke Hemmung
des Wachstums, wäre also nach F r o m m e als virulent zu bezeichnen.
Andererseits hatte sich ein anderer Stamm, der aus dem Eiter eines
parametranen Abszesses gezüchtet wurde — die Patientin ist in¬
zwischen gestorben — nach 13 Stunden ausserordentlich stark ver¬
mehrt.
Für die Auffassung dieser komplizierten Verhältnisse scheinen
nur folgende 2 Fälle von besonderer Wichtigkeit: aus dem Scheiden¬
sekret einer durchaus normalen Wöchnerin wurden hämolytische
Streptokokken gezüchtet, die sich im Sinne der Fromme sehen Re¬
aktion als nicht virulent erwiesen. Das Kind der Frau starb 24 Stun¬
den post partum. Die Sektion ergab eine hochgradige Pneumonie
beider Lungen, in einer Ausdehnung, wie ich sie in mehrjähriger
pathologisch-anatomischer Praxis mich nicht erinnere je beobachtet
zu haben. Die histologisch-bakteriologische Untersuchung ergab
neben Fruchtwasserbestandteilen Unmassen von Streptokokken und
einige Stäbchen in den Alveolen. Die kulturelle Untersuchung zeigte,
dass es sich um hämolytische Streptokokken nahezu in Reinkultur
handelte. Die Stäbchen gehörten in die Gruppe der Schleimbildner.
Der kausale Zusammenhang ist klar: das Kind hat intra paituin
Fruchtwasser bezw. Scheideninhalt aspiriert und in diesem Strepto¬
kokken, welche die so überaus foudroyant verlaufende Pneumonie
hervorriefen. Die Streptokokken aus der Lunge verhielten sich im
Fromme sehen Versuch durchaus analog denen aus der mütter¬
lichen Vagina, sie sind zweifellos identisch und im Sinne Frommes
als avirulent zu bezeichnen. Nur riefen sie in den Genitalien der
Mutter keine Krankheitserscheinungen hervor, in der Lunge des Kin¬
des erzeugten sie eine schwere Pneumonie. Ich komme auf die Be¬
urteilung dieses Verhaltens gleich nachher noch zurück.
Eine starke Hemmung des Wachstums zeigten weiterhin
8 Stämme, die aus schweren Krankheitsprozessen stammten; sie
geben also eine Bestätigung der Fromme sehen Regel. Ein Stamm
entsprach ihr nicht; hier hatte die fieberhafte Erkrankung nur l Tau
gedauert. Der Ausgang der übrigen Fälle ist mir zur Zeit noch nicht
bekannt, so dass ich für sie die Entscheidung noch in suspenso
lassen muss.
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Original fmm
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9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
313
M. H.! Wir glaubten eine Zeitlang in der Eigenschaft der Hämo¬
lyse ein sicheres Charakteristikum für die Pathogenität der Strepto¬
kokken zu besitzen. Diese Erwartung hat sich leider nicht bestätigt.
Auch anderweitige kulturelle oder morphologische Unterschiede geben
keine bestimmten Anhaltspunkte nach dieser Richtung. Der Ausfall
des Tierversuchs besagt sehr wenig hinsichtlich der Pathogenität
eines Stammes. Wir gehen also hier noch recht im Dunkeln. Um
so mehr müssen wir jeden neuen Weg, der sich uns zeigt, verfolgen,
in der Hoffnung, auf ihm zu einem Ziele zu gelangen. In diesem Sinne
ist das Fromme sehe Verfahren mit Freuden zu begrüssen und wir
werden es uns angelegen sein lassen, es weiterhin auf seine Leistungs¬
fähigkeit zu prüfen. Es versteht sich von selbst, dass an und für sich
einige negative Resultate noch keineswegs gegen den Wert einer Re¬
aktion sprechen. Die bakteriologische Wissenschaft gibt uns dafür
Beispiele in genügender Menge.
Andererseits möchte ich es aber auch nicht unterlassen, auf ein
prinzipielles Bedenken hinzuweisen, das ich derartigen Versuchen
gegenüber habe. Herr Fromme sagt in seiner letzten Publikation
„über die Unterscheidung der hämolytischen virulenten von den
hämolytischen nicht virulenten Streptokokken“, dass es doch auch
sehr auf die variierende Widerstandskraft des Individuums gegenüber
den Keimen ankomme. Ich stimme darin mit ihm völlig überein, ja,
ich glaube, hierin liegt der springende Punkt der ganzen Frage.
Diese Seite wird leider noch immer viel zu sehr vernachlässigt, ob¬
wohl ihr sicher die allergrösste Bedeutung beizumessen ist. Das
Ausschlaggebende ist bei der Streptokokkeninfektion die Resistenz des
Individuums überhaupt und natürlich auch die mehr oder minder
grosse spezielle Resistenz des infizierten Organs, die wechselnde
lokale Disposition bezw. Immunität. Ich kann Ihnen dafür kein
besseres Beispiel anführen, als die beiden bereits erwähnten Fälle:
die Mutter beherbergt die Streptokokken in ihren puerperalen Geni¬
talien und erkrankt nicht, das an Immunstoffen arme Neugeborene
erleidet eine Infektion mit den gleichen Keimen von der Lunge aus
und geht rapid zugrunde.
Ich glaube, bevor es uns nicht gelingt, bestimmte objektiv fest¬
zustellende Anhaltspunkte für die Widerstandsfähigkeit des infizierten
Individuums auf irgend eine Weise zu finden, werden wir auf diesem
Gebiete nicht viel weiter kommen. Vorderhand lässt sich nur sagen:
eine fiebernde Wöchnerin mit hämolytischen Streptokokken in ihrem
Genitaltraktus ist ceteris paribus von vornherein mehr gefährdet als
eine andere, die sie nicht aufweist, aber die Prognose müssen wir
aus dem klinischen Verhalten ableiten.
Aber noch eines möchte ich betonen, m. H., damit Sie aus meinen
Worten keine falschen Schlüsse ziehen. Wenn auch nach meiner An¬
sicht der Befund hämolytischer Streptokokken bei einer fiebernden
Wöchnerin nichts Sicheres bezüglich der Prognose besagt, so haben
wir auf der anderen Seite die Frau als infektiös, als Trägerin von
Bakterien zu betrachten, die die schwersten Infektionen, besonders
puerperale, hervorrufen können. Ich meine, wir sollen, bevor wir
keine neue Kenntnis auf diesem Gebiete gewonnen haben, solche
Frauen auch praktisch als infektiös betrachten und darauf hinzuwirken
suchen, dass in solchem Falle uns sanitätspolizeiliche Massnahmen an
die Hand gegeben werden, die eine Weiterverbreitung der Keime zu
verhüten im stände sind.
Herr Heynemann berichtet kurz über Opsoninuntersuchungen
bei fieberfreien und fiebernden Wöchnerinnen, die gemeinschaftlich
mit Barth an der Frauenklinik zu Halle ausgeführt wurden und
ausführlich in der Zeitschrift für Geburtshilfe und Gynäkologie ver¬
öffentlicht werden. Sodann sei es durchaus berechtigt, den ausge¬
sprochen hämolytischen Streptococcus erysipelatos von dem nicht¬
hämolytischen Strept. viridans zu unterscheiden und diese Unterschei¬
dung auch prognostisch zu verwerten. Von 17 Wöchnerinnen, bei
denen hämolytische Streptokokken im Blute nachzuweisen waren,
blieb nur eine am Leben. Bei längerem Verlaufe des Falles er¬
schienen diese Keime immer wieder im Blute bis der Tod der W öch¬
nerin erfolgte. Wurden nichthämolytische Streptokokken im Blute
nachgewiesen, so waren diese alsbald wieder aus dem Blute ver¬
schwunden, diese Fälle genasen. Der nichthämolytische Strepto¬
kokkus unterschied sich in seinem Verhalten bei der puerperalen In¬
fektion nicht von dem Bact. coli, dem Friedländer sehen Kapsel¬
bazillus usw. Es sei nicht zu bestreiten, dass auch diese Keime alle
einmal im Wochenbett zu tödlich verlaufenden Infektionen führen
könnten. Sicherlich seien dies aber nur grosse Ausnahmen. In Halle
wurden solche Fälle nicht beobachtet.
An der Diskussion beteiligt sich noch Herr K n e i s e.
Herr Veit (Schlusswort): Ich habe nicht die Literatur über
die Uebertragung mütterlicher Veränderungen aus der Scheide auf die
Neugeborenen angeführt, daher habe ich hier nur mein Einverständnis
mit den Ausführungen der beiden Herren festzustellen. Auch mit
Herrn Käthe glaube ich in den praktischen Schlüssen übereinzu¬
stimmen: wir halten beide den hämolytischen Streptokokkus für be¬
denklich und so viel ich verstanden habe, hält auch Herr Käthe
bei diesem Keim den Fall für verdächtig. Auch ist er mit mir wohl
darin einig, dass man lieber einen Fall zu viel als einen zu wenig als
verdächtig bezeichnen soll.
Mit dem Nachweis des hämolytischen Streptokokkus in dem
vaginalen Lochialsekret kann man die Prognose nur dubia stellen,
niemals pessima.
15. Sitzung vom 9. Dezember 1908.
Vorsitzender: Herr V e i t.
Schriftführer: Herr Herschel.
Folgender Beschluss wird gefasst:
Der Verein der Aerzte setzt als Mindestsätze, die nur für die
weniger Bemittelten gelten, fest: für eine Beratung in der Sprech¬
stunde oder durch den Fernsprecher 1.50 M., für einen Hausbesuch
2 M.
Als niedrigste Sätze für die sonstigen allgemeinen Verrichtungen
sowie für die besonderen Leistungen gelten die niedrigsten Sätze der
preussischen Gebührenordnung vom 15. Mai 1906. Mit letzterer in
Uebereinstimmung gilt als niedrigstes Honorar für Besuche, die sofort
oder zu einer bestimmten Zeit verlangt werden, das Doppelte und für
Nachtbesuche das zwei- bis dreifache der obigen Sätze.
Aerztlicher Verein in Hamburg.
(Eigener Bericht.)
Sitzung vom 26. Januar 1909.
Vorsitzender: Herr Kümmel l.
Herr P. Wulff demonstriert
a) einen früher schon vorgestellten Fall von zystischer Dilatation
des vesikalen Ureterendes, den er mittels einer einfachen Methode
operiert und zur Heilung gebracht hat. Dieselbe besteht im wesent¬
lichen in der Anlegung einer neuen Oeffnung mit dem Brenner d<?s
Operationszystoskopes.
b) einen Fall von primärer Prostatatnberk«iose. Die Erkran¬
kung hatte die Erscheinungen einer einfachen Prostatahypertrophie
bei einem Herrn von 70 Jahren hervorgerufen; nur die Rektalunter¬
suchung zeigte Knotenbildung der Prostata, während alle anderen
Urogenitalorgane gesund waren. Entfernung der Prostata mittels
Sectio alta vor 7 Wochen. Patient ist fast völlig geheilt und kann den
Urin wieder normal entleeren. Das Merkwürdige des Falles besteht
in der primären Erkrankung der Prostata, während alle anderen Or¬
gane gesund waren, speziell keine Eiterung des Urins vorhanden
war, wodurch in dem Symptomenkomplex alle Drangerscheinungen
fehlten und die Entfernung mittels Sectio alta möglich war.
c) im Anschluss daran 6 wegen Prostatahypertrophie exstlrplerte
Vorsteherdrüsen. W. bespricht zuerst die Indikation zur Operation
an der Hand seiner Fälle, die er nur gegeben sieht, wenn trotz
ständigem Katheterismus hiebei Eiterungen auftreten und vor allem
die Drangerscheinungen nicht nachlassen. Diese Symptome bedrohen
das Leben unmittelbar und sind deswegen strikte Operations¬
indikation. Die Resultate der Operation waren gute, alle Fälle haben
die Operation überstanden und sind bis auf den letzten erst kürzlich
operierten geheilt, indem kein Residualurin mehr besteht und die
Patienten keinerlei Beschwerden mehr haben.
Herr Delbanco: Demonstration a) eines Kindes mit Urti¬
caria pigmentosa, b) eines 10 jährigen Knaben mit einer seit dem
3. Lebensjahre bestehenden Alopecia areata, einer an Händen und
Füssen in gleicher Weise ausgebildeten Onychogryphosis, Hutchin¬
son scher Zahnbildung und Imbezilität. Untersuchung auf Wasser¬
mann wegen Verdachts auf Lues hereditaria tarda beim Kind und
der Mutter negativ. Diagnose: Etat d£g6n£r6.
Herr Holzmann: 15jähriges Mädchen kam mit der Diagnose:
Halsentzündung und epileptische Krämpfe ins Krankenhaus. Oedeme,
uraemische Krämpfe, Nephritis acuta haemorrhagica. Nach aus¬
giebigem Aderlass Nachlassen der Krämpfe. Wassermann sehe
Reaktion positiv. Für Lues weder bei dem jungen Mädchen, noch
bei den Eltern Anhaltspunkte. 14 Tage später ist die Hemmung ge¬
ringer und 8 Tage später verschwindet die Reaktion ganz. Eine
Desquamation lässt jetzt die Diagnose auf Scharlach sicher zu. De¬
monstration der Reaktion durch Photogramme in natürlichen Farben.
HerrDeneke: Blutdruckstudien.
Vortragender gibt einen Ueberblick über die verschiedenen
Methoden der Blutdruckmessung, zeigt die dabei gebrauchten Appa¬
rate und erläutert deren Anwendung an Projektionsbildern. Um
einen auch für den Praktiker brauchbaren und nicht zu teuren Ap¬
parat zu schaffen, hat D. den Riva-Rocci in eine transportable
und stets gebrauchsfertige Form gebracht.
In einem Futteral, das als Stativ dient, befindet sich das Hg-
Manometer, die v. Recklinghausen sehe Manschette, das Ge¬
bläse und ein „Winkelstück“, diese Teile durch Druckschläuche
fertig verbunden, die Schläuche an den Ansatzstellen durch Um¬
schnürung gedichtet. Oszillatorische Bestimmungen werden durch
einen Absperrhahn am Winkelstück ermöglicht, durch den das Ge¬
bläse ausgeschaltet wird. Der Preis des Apparats, der anderweitig
näher beschrieben werden wird, beträgt einschliesslich Hg 39 M., ist
also auch für den Praktiker erschwingbar.
Redner geht dann ein auf die klinische Bedeutung der Blutdruck¬
messung, bespricht die Beziehungen zwischen Schlagvolumen und
Blutdruckamplitude und gibt einen Ueberblick über die verschiedenen
Krankheitsgruppen, bei denen erheblichere Veränderungen des Blut¬
drucks beobachtet werden und diesen Beobachtungen diagnostische
und therapeutische Fingerzeige entnommen werden können. Er
schliesst mit dem Hinweise auf die hohe Bedeutung, die der Beob-
A
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Original fr am
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
314
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 6.
achtung der Blutdruckverhältnisse, speziell bei der richtigen Aus¬
wahl der Narkosemittel, und bei der Bekämpfung des Schocks zu¬
erkannt wird. Werner.
Biologische Abteilung des ärztlichen Vereins in Hamburg.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 24. November 1908.
Vorsitzender: Herr S c h o 11 m ü 11 e r.
Schriftführer: Herr Handmann i. V.
Herr D e 1 b a n c o demonstriert an der Hand von Photographien
die seltene Missbildung der linken Hand eines ca. 10 jährigen Arabers
aus Algier. Es handelt sich um einen Riesenwuchs der 3., 4., 5. Finger.
Der 4. und 5. Finger sind zusammengewachsen und durch eine Art
Flughautbildung nach der Seite eines überzähligen 6. Fingers ge¬
krümmt. An dem Unterarm war bei Betastung eine Abnormität der
Knochen nicht zu fühlen. Eine Röntgenaufnahme war D. bei der
Kürze seines Aufenthaltes in Algier nicht möglich geworden. Der
Fall bietet ein Seitenstück und eine Ergänzung zu dem von Herrn
Preyser im ärztlichen Verein kürzlich demonstrierten Fall von
Riesenwuchs von Fingern bei einem Neugeborenen. Eine Erklärung
für diese Missbildung besitzen wir noch nicht.
Herr Delbanco: Kraurosis glandis et praeputii penls.
D. hat an 3 Fällen eine chronische Schrumpfung des inneren
Präputialblattes und der Glans beobachtet, welche makroskopisch
und mikroskopisch dem atrophierendcn Prozess der Kraurosis vulvae
entspricht. In zwei Fällen war es zu einer eine Operation benötigen¬
den Phimose gekommen. Jucken und andere sehr belästigende Par-
ästhesien begleiten die Schrumpfung und rufen in den hochgradigen
Neurasthenikern deprimierende Vorstellungen über die Art des Lei¬
dens wach. Die Nomenklatur bereitet hier Schwierigkeiten, weil die
anatomische und klinische Definition der Kraurosis vulvae, welche
D. an insgesamt 5 Fällen studiert hat. zu einer einheitlichen Auffassung
der Autoren noch nicht geführt hat. Für D. ist die Kraurosis vulvae
ein Morbus sui generis. Für die Genese kommt ein lang¬
dauernder voraufgegangener Katarrh nicht in Betracht, ebensowenig
wie für die männliche Kraurosis glandii et praeputii eine Dermatitis
nraeputialis anzuschuldigen ist. Für die Kraurosis vulvae schliesst
D. sich im wesentlichen Prochownicks Ausführungen an (diese
Sektion 1901). Ueber die Histologie der männlichen Kraurosis äussert
sich D. nur kurz an der Hand von Präparaten. Das Genauere be¬
hält er sich vor, wenn er über seine Untersuchungen zur Kraurosis
vulvae berichten wird. Veränderung des Epithels, Abplattung der
Stachelschicht, mächtiges Oedem des Bindegewebes mit Verände¬
rungen und Schwund der elastischen Fasern, besondere entzündliche
und Neubildungsvorgänge neben Beteiligung der Gefässe und Nerven
werden kurz skizziert. Die von Kraus und Fuchs aus der K r e i -
b i c h sehen Klinik beschriebenen Fälle von Leukoplakia penis haben
mit D.s Fällen keine Berührung.
Diskussion: Herr Fraenkel: Es ist ja sehr schwer, aus
der Betrachtung von 2 mikroskopischen Präparaten und einigen Pro-
iektionsbildern ein Urteil über den Charakter der in Rede stehenden
Erkrankung zu gewinnen. Aber so viel ich sehe, liegen hier durch¬
weg nur Veränderungen vor, die nach keiner Richtung etwas Spe¬
zifisches an sich haben. Es wäre sehr wünschenswert, wenn Herr
Delbanco etwas präziser definieren wollte, worin er das Spe¬
zifische des von ihm geschilderten Krankheitsprozesses erblickt.
Herr Delbanco erwidert, dass es ihm nur darauf ankomme,
für ein prägnantes klinisches Krankheitsbild eine Reihe von histo¬
logischen Veränderungen zu fixieren, deren Nebeneinander ihm sonst
an der Vorhaut noch nicht begegnet sei. Für viele scharf charakteri¬
sierte Krankheitsbilder an der äusseren Haut (Lues mitinbegriffen,
Lichen usf.) gelinge es noch nicht, ein anatomisches Substrat zu
geben, welches die Feinheiten der Klinik erkläre.
Herr Franke: Demonstrationen.
Herr Frankel: Ueber die histologische Diagnose der
Geschwülste. (Erschien in extenso in No. 49, 1908 dieser
Wochenschrift.)
Diskussion: Herr König hebt den Nutzen der Dathologisch-
histologischen Geschwulstdiagnose für das chirurgische Handeln her¬
vor und hält es für dankenswert, dass Herr Fraenkel dies gegen
die Ansichten des Herrn Rovsing ins rechte Licht setzt. K. hat
erst vor kurzem wieder bei einer aus der Markhöhle des Unter¬
kiefers herauswachsenden sarkomähnlichen Geschwulst inter opera-
tionem einen Gefrierschnitt anfertigen lassen und auf Grund der Dia¬
gnose „Fibrom“ das junge Mädchen vor der Exarticulatio mandibulae
bewahrt. Auch in den langen Röhrenknochen gibt es Tumoren, die
trotz Röntgen mit Sicherheit erst durch das Mikroskop erkannt wer¬
den können (zystische Fibrome u. dergl.). Die Beispiele Hessen sich
leicht vermehren.
Voraussetzung ist, dass in richtiger Weise die Probeexzision ge¬
macht wird; warnen muss man vor der Diagnose aus Zellkonglome-
raten. die mit dem Urin entleert worden sind.
Nie aber kann das pathologisch-histologisch Untersuchungs-
ergehnis an dem exzidierten Stückchen allein Entscheidungen von
weittragender Bedeutung in klinischem Sinne fällen. Die letzte
Verantwortung hat eben der Chirurg, und deshalb muss er so viel
von pathologischer Anatomie verstehen, dass er entweder ganz selb¬
ständig oder nach Einsicht der Präparate und Besprechung mit dem
untersuchenden pathologischen Anatomen beurteilen kann, wie weit
er sein Vorgehen auf das Ergebnis der Untersuchung gründen darf.
Herr Fraenkel (Schlusswort): Es freut mich, von einem so er¬
fahrenen Chirurgen, wie Herr König es ist, bestätigt zu hören, dass
auch er den Rovsingschen Standpunkt nicht teilt
und welchen Wert er der mikroskopischen Ge¬
schwulstuntersuchung für die Diagnose und den
Modus des chirurgischen Handelns, ob konservativ oder
radikal-operativ, beilegt. Der von ihm angeführte Fall war ja
in dieser Beziehung sehr lehrreich. Mit Recht hat Herr König
hervorgehoben, dass man sich hüten soll, aus den Befunden an mit
dem Urin entleerten Geschwulstbröckeln, Schlussfolgerungen auf den
histologischen Charakter der dabei in Betracht kommenden Blasen¬
tumoren zu ziehen. Dass sich Herr König auch meiner Auffassung
über die Bedeutung von Lymphdrüsengeschwiilsten angeschlossen
hat, gewährt mir eine besondere Genugtuung.
Gynäkologische Gesellschaft in München.
(Eigener Bericht.)
Sitzung vom 14. Januar 1909.
Herr Döderlein demonstriert eine Kranke, bei der durch
Operation eine generalisierte, eitrige, exsudative Peritonitis geheilt
wurde.
Herr Ziegenspeck: Ueber Beckenmessung. (Vortrag, ge¬
halten auf der Naturforscherversammlung in Köln 1908.)
Herr Döderlein: Ueber extraperitonealen Kaiserschnitt.
Redner geht von verschiedenen Wandlungen aus, die die Technik
des Kaiserschnittes im Laufe der Zeiten durchgemacht hat. Die
neueste Phase darin ist die Entwicklung des extraperitonealen Kaiser¬
schnittes, der schon vor nahezu 100 Jahren von R i t g e n erdacht
und auch in einem Fall, allerdings mit unglücklichem Ausgange, aus¬
geführt worden war. Der intraperitoneale Kaiserschnitt zeigt auch
heute noch, trotz aller Verbesserungen, unter denen namentlich die
Sänge rsche Nahtmethode und die verschiedenen Schnittrichtungen,
in der vorderen oder hinteren Wand, oder im Fundus uteri, hervor¬
gehoben seien, nicht ganz befriedigende Resultate. Fast alle Opera¬
teure berichten, nach teilweise vielen, guten Erfahrungen und Hei¬
lungen in grösserer Serie, über unerwartete Todesfälle, die die rich¬
tige Befriedigung über die Operation nicht aufkommen lassen.
Der Ursachen mögen mehrere sein. Vor allem wird immer
mehr die im Operationsgebiet selbst gelegene Infektionsquelle ge¬
fürchtet, die entweder durch eine primäre Peritonitis oder durch
sekundäre Infektion der Uteruswunde und deren Wiederaufplatzen den
Tod herbeiführt. Auch die grosse Neigung der Uteruswunde zu Ver¬
wachsungen, namentlich mit Darmschlingen, vereitelt die Erfolge.
Dies mögen die Hauptgründe sein, warum der Vorschlag von
Frank, den Kaiserschnitt extraperitoneal durchzuführen, allseitig
Aufnahme fand, namentlich seit S e 11 h e i m mit verschiedenen tech¬
nischen Vorschlägen dieses Verfahren noch weiter ausbildete. Redner
geht auf die Einzelheiten dieser verschiedenen Operationsmethoden
näher ein. Wenn, wie dies nun bei den meisten dieser Methoden
der Fall ist, grundsätzlich die Peritonealhöhle, wenn auch nur zeit¬
weise, zur Eröffnung kommt, um dann durch temporäres oder defini¬
tives Vernähen des Peritoneum parietale mit dem Peritoneum des
Uterus, einen Abschluss der Bauchhöhle wieder zu gewinnen, so
leiden diese Verfahren daran, dass sie nicht extraperitoneal im eigent¬
lichen Sinne genannt werden dürfen und sind, sondern vielmehr trans¬
peritoneal, so dass sie doch keine Sicherheit gegen Verunreinigungen
der Peritonealhöhle bieten.
Redner übt nun ein rein extraperitoneales Verfahren, indem er
mit Hilfe des Pfannenstielquerschnittes, aber ohne Eröffnung des Peri¬
toneums sich einen Zugang zu den seitlichen extraperitonealen Par¬
tien des unteren Uterinsegmentes verschafft. Durch das seitliche
Vorgehen vermeidet er den dem S e 11 h e i m sehen Verfahren an¬
haftenden Nachteil der Ablösung der Blase von dem Peritoneum so¬
wohl wie von dem Geburtskanal. Es braucht hierbei die Blase über¬
haupt nicht abgelöst zu werden. Die an der seitlichen Beckenkante
leicht auffindbare Umschlagfalte des Peritoneums wird etwas nach
oben zu verschoben und sodann durch Längsschnitt der Zervikalkanal
bis zum äusseren Muttermund aufgeschnitten. Das Kind wird bei
Schädellage mit Zange, bei Beckenendlage mit Manualextraktion ent¬
wickelt, die Plazenta exprimiert und das Uterusgewebe durch fort¬
laufende Katgutnaht verschlossen. In reinen Fällen bedarf es keiner
Drainage des parazervikalen Gewebes, bei suspekten oder infizierten
Fällen wird eine solche nach der Scheide zu zweckmässig sein. Die
Bauchwunde wird vollständig verschlossen.
Es werden 2 Frauen demonstriert, bei der einen ist die Operation
vor 3 Wochen ausgeführt, bei der anderen vor einigen Stunden.
Redner hat im ganzen in 3 Fällen auf diese Weise operiert. (Er¬
scheint ausführlich im Zentralbl. f. Gyn.. 1909, No. 4.) (Autoreferat.)
Diskussion die Herren: Amann, Ziegen speck.
G. Wiener- München.
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9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
315
Sitzung vom 21. Januar 1909.
Herr Mirabeau demonstriert: a) 2 Fälle von Missed abort.
b) Fall von Extrauterlgravidität, c) Ein Blasenpapillom, d) Ovarial¬
tumor bei myomdtösem graviden Uterus, e) einen Q r a w 11 z sehen
Tumor, f) 2 tuberkulöse Nieren, g) Uteruskarzinom, jetzt 7 Jahre
rezidivfrei.
Herr Klein: Ergebnisse der Behandlung des Uteruskarzinoms.
(Vortrag wurde gehalten im ärztlichen Verein München. Erscheint
als Autoreferat bei den Sitzungsprotokollen dieses Vereines.)
Diskussion: die Herren Doederlein, Ludwig S e i t z,
Albrecht, Theilhaber, Schmidt, Klein.
Q. Wiener- München.
Nürnberger medizinische Gesellschaft und Poliklinik.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 15. Oktober 1908.
Vorsitzender: Herr Flat au.
Herr S t a u d e r hält einen umfassenden referierenden Vor¬
trag „Ueber den Magenkrampf“.
Herr F1 a t a u demonstriert:
1. ein Fibrom des Ovariums mit zystischer Degeneration.
2. ein gewaltiges retroperitoneal gelegenes Myom.
3. Cystadenoma pseudomyxomatosum ovarii utriusque, kompli¬
ziert mit starkem Aszites bei bestehender Gravidität.
Herr Emmerich spricht über:
1. Antiskierosin.
2. Regenerol.
3. ein entsprechendes hier hergestelltes Präparat.
4. über Oromaltin.
Sitzung vom 5. November 1908.
Vorsitzender: Herr Flat au.
Herr Grünbaum: Ueber übertragene extrauterinc Gravidität.
(Erscheint ausführlich an anderer Stelle.)
Vortragender bespricht die Gründe, weshalb ausgetragene bezw.
übertragene Gravidität zu den seltensten Ereignissen gehören und de¬
monstriert ein durch Operation gewonnenes Präparat. Dem Vortr.
gelang es, den Eisack der links und hinter dem Uterus gelegen war,
in toto mit der ausgetragenen Frucht und Plazenta aus den mit dem
Eisack fest verwachsenen Darmschlingen herauszuschälen und zu
exstirpieren. Insbesondere war das Kolon in seiner ganzen Aus¬
dehnung an dem Tumor fest adharent. Die Appendix musste, da sie
ebenfalls adharent war, exstirpiert werden. Das Kind war Irisch
nicht mazeriert, zeigte aber in ausgebildeter Weise die einer extra¬
uterinen Frucht charakteristischen Missbildungen, plattgedrückte Ex¬
tremitäten, extrem zusammengekauerte Körperstellung (Igelform).
Anamnestisch hervorzuheben ist, dass die letzte Periode der Pat.
15 Monate ante operationem war. Im 9. Monat der Gravidität be¬
kam sie eine schwere Schwangerschaftsnephritis mit riesigen
Oedemen, die bei sachgemässer Behandlung vollständig zur Aus¬
heilung kam. Die Vornahme einer damals vorgeschlagenen Opera¬
tion wurde verweigert. Erst 6 Monate nach dem Ende der Gravidi¬
tät entschloss sich Pat. zur Operation, da sie wegen dauernder Be¬
schwerden in ihrer Arbeitsfähigkeit gestört war. Die Operation selbst
verlief sehr günstig; die grosse Wunde heilte per primam, nachdem
ein wegen Gefahr der Nachblutung und nicht ganz ausreichender
Peritonealisierung nach oben geleiteter Drain entfernt war. 4 Wochen
post operationem war Pat. wieder arbeitsfähig.
Herr Weigel berichtet über einen Fall von Osteomyelitis nach
Trauma unter Hinweis auf die Demonstration des Herrn Dr. Ger-
1 ach vom 20. VI. 1907 (vgl. Münch, med. Wochenschr. 1907, No. 51)
und sein Schicksal vor den verschiedenen Instanzen der staatlichen
Unfallversicherung. Die Berufsgenossenschaft hat den Renten¬
anspruch des Verletzten abgewiesen, das Schiedsgericht für Arbeiter¬
versicherung ihn auf Grund eines eingehenden schriftlichen Gutachten
Weigels anerkannt, und das Reichsversicherungsamt hat ihn nach
eingelegtem Rekurs der Berufsgenossenschaft schliesslich wieder ver¬
worfen. weil die unfallmässige Entstehung nicht genügend wahrschein¬
lich sei. Weigel begründet seine von der Auffassung des Reichs¬
versicherungsamtes abweichende Ansicht in diesem Fall.
Der Fall ist sowohl medizinisch wie unfallrechtlich von Interesse.
Ersteres deshalb, weil er zu den verschiedensten diagnostischen Irr-
tümern Anlass gab: Neuritis, Gelenkrheumatismus, Sepsis, Schulter¬
gelenksverrenkung. Der letzte diagnostische Irrtum gab sogar An¬
lass zu Repositionsversuchen, wobei eine Fraktur des osteomyelitisch
erkrankten Oberarmschaftes eintrat. Trotzdem und trotz der im
Anschluss daran aufgenommenen Röntgenbilder gab eine Autorität
auf dem Gebiet der Unfallbegutachtung in einem von der Berufs¬
genossenschaft eingeholten Gutachten seine Meinung dahin ab. dass
es sich nur um einen septischen Gelenkrheumatismus handeln könne.
Die eigentliche Ursache zu all diesen Irrtümern war, abgesehen
von der Fehldiagnose im Anfang, der Umstand, dass es erst nach
Monaten — trotz der Schwere des Krankheitsbildes — zum Durch¬
bruch von Eiter und zur Abstossung von Sequestern kam.
Unfallrechtlich ist der Fall interessant wegen der entgegen¬
gesetzten Beantwortung, welche die Frage gefunden hat, ob die Er¬
krankung als Unfallfolge oder als spontan entstanden aufzufassen
ist. Weigel vertrat die erstere, Berufsgenossenschaft und Reichs¬
versicherungsamt die letztere Auffassung. Der Fall soll womöglich
in extenso veröffentlicht werden.
Aerztlicher Verein Rostock.
Sitzung vom 14. Oktober 1908.
Herr Nagel sprach Ueber die unbewusste Funktion der
Sinnesorgane.
Neben den vielstudierten subjektiven Sinnesfunktionen ist eine
andere Gruppe von Tätigkeiterscheinungen der Sinnesorgane im all¬
gemeinen zu wenig beachtet worden, obgleich ihre biologische Be¬
deutung gross ist. Es handelt sich dabei um Erregungen der Sinnes¬
nerven, die überhaupt nicht, oder nur mittelbar aufs bewusste
Empfinden einwirken. Von den in mancher Beziehung ihnen ähnlichen,
als „Reflexe“ wohlbekannten Wirkungen unterscheiden sich die hier
gemeinten dadurch, dass bei ihnen kein als unmittelbare Folge des
Sinnesreizes aufzufassender bestimmter Vorgang sich einstellt, sondern
der Erregbarkeits- und Tätigkeitszustand bestimmter Organsysteme
in einer meist sehr unauffälligen, aber darum nicht minder bedeutungs¬
vollen Weise beherrscht wird. Der wohl am besten bekannte der¬
artige Fall liegt bei den zentripetalen Nerven vor, deren funktionelles
Zentrum das Kleinhirn ist, dem Ramus vestibularis nervi acustici und
den sensiblen Nerven der Muskeln, Sehnen und Gelenke. Die Be¬
deutung dieser Nerven liegt nur zum kleinsten Teil darin, dass sie die
Empfindung der Körper- und Gliederlage sowie die Empfindung der
Bewegung vermitteln, sondern weit bedeutungsvoller ist der Um¬
stand, dass durch Vermittelung dieser Nerven der normale Tonus
der gesamten Körpermuskulatur erhalten und das so überaus wichtige
reguläre Zusammenarbeiten der antagonistischen Muskelpaare und
damit die Dämpfung und Glättung der willkürlichen Bewegungen
garantiert wird. Das wird nicht durch einen „Muskel si n n“
oder durch „Gelenkempfindungen“ bezw. „Widerstands-
empfindungen“ bewirkt, sondern durch nicht ins Bewusstsein
tretende Nebenwirkungen.
Ein ähnlicher Fall liegt beim Geruchsorgan vor. Hier spielen
zwar auch die bewussten Empfindungen eine gewisse Rolle, aber für
das Gedeihen des ganzen Organismus wichtiger sind die unbewussten
Wirkungen, die sich z. B. darin äussern, dass durch Geruchsreize
die Sekretion des Magensaftes angeregt und der Magen für die Ver¬
dauung vorbereitet wird. Auch der Trieb zur Nahrungsaufnahme,
der Appetit wird durch diese Reize erregt. Anregung des Sexual¬
triebs durch Gerüche steht bei Tieren ganz fest und ist beim Menschen
höchst wahrscheinlich. Es braucht sich dabei nicht um bew r usst
werdende Geruchsreize zu handeln, sondern der ganze Vorgang
dürfte sich im allgemeinen ausserhalb des Bewusstseins abspielen.
Diese Erscheinungen sind wissenschaftlicher Forschung natürlich sehr
wenig zugängig, sie dürfen darum aber nicht ignoriert oder ab¬
geleugnet werden,.wie es bisher vielfach geschah, w r eil man sich das
Funktionieren besonders der höheren Sinnesorgane stets nur als ein
bewusstes vorstellte.
Naturwissen8chafH.-medizinischer Verein zu Strassburg.
(Medizinische Sektion.)
(Bericht des Vereins.)
Sitzung vom 18. Dezember 1908.
G. Schwalbe: Ueber die Richtung der Haare bei
Säugetieren, speziell beim Menschen.
Der Vortragende gab zunächst eine Uebersicht über die
seit Eschricht und Voigt bekannten Verhältnisse der
Haarrichtung beim menschlichen Embryo und die bisherigen
Versuche, diese scheinbar so regellosen Richtungen zu er¬
klären. Von allen diesen Erklärungsversuchen ist nur der von
Voigt ausgesprochene einigermassen berechtigt, dass die
Haarspitzen während des Wachstums der stärkeren Dehnungs¬
richtung der Haut folgen. Allerdings muss dieser Satz dahin
modifiziert werden, dass eine gleichmässige Dehnung (Wachs¬
tum) der ganzen Haut (Epidermis und Korium) keine Schief¬
stellung der ursprünglich vertikalen Haaranlagen verursachen,
sondern dass dies letztere nur durch eine Verschiedenheit des
Wachstums von Epidermis und Korium bewirkt werden kann.
An 2 übereinander gelegten Gummiplatten, in welche Nadeln
vertikal eingesteckt w erden, lässt sich sehr leicht zeigen, dass
bei stärkerer Dehnung der oberflächlichen, welche die Epi¬
dermis veranschaulicht, die Nadeln bei einseitiger Spannung
nach der Zugrichtung sich neigen. Würde ein bestimmter
Abschnitt der Epidermis gleichmässig interstitiell sich aus¬
dehnen, so würden die Haare von einer neutralen Zone (Punkt
oder Linie) aus nach entgegengesetzten Richtungen sich neigen,
also divergent werden, wie es z. B. in der Kopfhaut der Fall
ist. Bei stärkerer gleichmässiger Spannung des Korium tritt
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316
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 6.
umgekehrt, wie das Modell zeigt, Konvergenz der Haar¬
spitzen ein.
Aber diese Ableitung der Haarrichtung von bestimmten,
für verschiedene Stellen der Haut verschiedenen Wachstums¬
verhältnissen sagt nichts aus über die letzten Ursachen. Man
wird hier fragen müssen, welches sind die Ursachen der so
verschiedenen Wachstumsverhältnisse.
Der Vortragende wählt deshalb eine andere Ausgangsbasis
für das Verständnis der Haarrichtungen. Schon im Jahre 1877
hatte er hervorgehoben, dass bei den Fischen die Stellung der
Schuppen zur Oberfläche des Körpers der Ausdruck der
Bewegungsrichtung sein müsse: die Schuppen stellen sich ent¬
gegengesetzt der Bewegungsrichtung mit ihrem freien Rande
kaudal gerichtet ein. Würden sie senkrecht stehen, so müssten
sie durch die vorwärts gerichtete Bewegung des Tieres kau¬
dal umgelegt werden. Dasselbe Prinzip ist nun nach den
Untersuchungen des Vortragenden für die Haarrichtung bei
den Säugetieren anzunehmen. Im einfachsten Falle sind sämt¬
liche Härchen an Kopf, Rumpf und 1 Beinen kaudal gerichtet,
wie dies sehr schön beim Meerschweinchen zu erkennen ist.
Von dieser einfachen Richtung treten nun bei Ausbildung ver¬
schiedener Bewegungsformen, die ihrerseits mit Wuchsver¬
hältnissen, z. B. Grosse der Beine, Länge des Halses etc. in
inniger Wechselwirkung stehen, Abänderungen der ursprüng¬
lichen Richtung des Haarkleides ein, und zwar an bestimmten
Stellen, die mit den Bewegungsformen eng Zusammenhängen.
Man kann diese Stellen als Störungsgebiete bezeichnen.
Der Vortragende hat dieselben eingehend bei Embryonen von
Halbaffen und Affen untersucht und gefunden, dass sie
mit den beim Menschen bekannten Umkehrgebieten der Haar¬
richtung übereinstimmen. Es sind vor allem die Halsbeuge,
die Achsel- und Leistengegend, welche hier zu nennen sind.
Sie müssen als mehr oder weniger tief einschneidende Falten
die Haarrichtung schon beim Embryo in dem Sinne beein¬
flussen, dass die innerhalb einer solchen Spalte hervor¬
sprossenden Haare nach der Seite des geringsten Wider¬
standes, also nach der Oeffnung der Falte zu gerichtet werden;
beim Oeffnen der Falten werden dann die Härchen des einen
Faltenschenkels die ursprünglich kraniokaudale Richtung be¬
wahren, die des anderen aber umgekehrte, aufsteigende Rich¬
tung angenommen haben, während die den beiden Seiten der
Einfaltung benachbarten Härchen lateral sich gewendet haben.
So entsteht die aufsteigende Richtung der Härchen am Halse,
die absteigende an der Brust, so entsteht das divergierende
Zentrum der Leistengegend, während die Achselhöhle bei den
Primaten kompliziertere Verhältnisse zeigt. Eine beim
menschlichen Embryo scharf und tief entwickelte Falte ob r ~-
halb des Mons pubis veranlasst die oberhalb derselben befind¬
lichen Haare eine zum Nabel aufsteigende Richtung anzu¬
nehmen, während die unterhalb der Falte stehenden ihre
kraniokaudale Richtung bewahren. Bei starker Ausbildung
einer Nackenfalte bildet sich ein Nackenzentrum wie bei
Tarsius, von welchem die Haare am Hinterhaupt aufsteigen,
am Rücken absteigen. Der Vortragende musste der Kürze der
Zeit wegen; darauf verzichten, alle einzelnen Störüngsgebiete
der Haarrichtung zu besprechen; insbesondere musste ein ge¬
naues Eingehen auf die interessanten Verhältnisse der Kopf¬
behaarung, des Scheitelwirbels etc. unterbleiben. In Betreff
der bekannten Neigung der Haare des Oberarmes und Unter¬
armes nach dem Ellbogen zu wird hervorgehoben, dass eine
solche Stellung bei reinen Quadrupeden als entgegengesetzt
der Bewegungsrichtung geboten ist. Bei gebeugtem Arm ist
sie am Unterarm mehr transversal, beim Fötus mit fötal ge¬
beugtem Unterarm in Fortsetzung der distalen Richtung der
Oberarmhaare; bei Streckung des Armes müssen sich dann die
Unterarmhaare dem Ellbogen zu neigen.
In neuester Zeit hat K i d. d versucht, eine Reihe von Eigene
tümlichkeiten der menschlichen Haarrichtung auf sein Prinzip
der use inheritance, Vererbung von Gewohnheiten, zurück¬
zuführen. Es soll z. B. die sternale Störungsstelle beim Men¬
schen durch das Tragen von Kleidern hervorgerufen sein. Ab¬
gesehen davon, dass diese Stelle viel tiefer liegt, als die obere
Grenze der gewöhnlichen Kleidung, findet sich eine solche
Störungsstelle auch bei allen Affen. Auch die anderen von
| K i d d auf use inheritance zurückgeführten Fälle lassen sich
leicht widerlegen.
Man kann nach allem also als Hauptgrund für die Mehr¬
zahl der Abweichungen der Haarrichtung von der primären
kraniokaudalen die Ausbildung der Beugungsfalten betrachten.
Ueberhaupt werden die Haarrichtungsverhältnisse um so kom¬
plizierter, je mehr die Bewegungsformen der verschiedenen
Säuger von der einfach quadrupeden abweicht (Springen,
Klettern etc.).
Hat nun die aufrechte Stellung des Menschen 'wesentliche
Aenderungen im Haarkleid des Menschen hervorgerufen? Es
scheint dies der Fall zu sein. Während bei der Mehrzahl der
Primaten die Rückenhaare in schlichtem Strich kraniokaudal
verlaufen, nach den Seiten mehr oder weniger schräg ventral-
wärts abbiegen und in die Bauchbehaarung auslaufen, findet
sich beim menschlichen Fötus eine seitliche Divergenzlinie
zwischen oberer und unterer Extremität. Dieselbe liegt aber
nicht so weit seitlich, wie sie von Voigt abgebildet wird,
sondern entschieden ventral, etw r a der E s c h r i c h t scheu
Abbildung entsprechend, bald durch die Mammilla herab¬
ziehend, bald etwas lateral von dieser. Von dieser Divergenz¬
linie ziehen die Härchen einerseits ventralwärts, sich an¬
schliessend an die Richtungsverhältnisse der ventralen Här¬
chen, welche bei Mensch und Affen im allgemeinen überein¬
stimmen. Dorsalwärts verlaufen die Härchen von der er¬
wähnten Divergenzlinie zum Rücken, die der Achselhöhle be¬
nachbarten erst aufsteigend, dann sich bogenförmig zur Mitte
des Rückens, wie die übrigen kaudal folgenden herabsenkend,
alle sich schliesslich in kraniokaudaler Richtung den kranio¬
kaudal verlaufenden medialen Rückenhaaren anschliessend.
Diese eigentümliche Anordnung findet sich beim Menschen
allein; der dem Menschen am nächsten stehende, aber über¬
wiegend quadrupede Schimpanse hat wie andere Affen die be¬
schriebene Divergenzlinie nicht. Beim aufrecht stehenden
Menschen wird die Haarrichtung an der platten ventralen Seite
des Körpers durch die Vorwärtsbewegung nicht beeinflusst; es
werden dagegen die der Seite des Körpers angehörigen Här¬
chen durch die Vorwärtsbewegung nach rückwärts umgelegt
werden. Es scheint mir also diese dem Menschen eigene Haar¬
richtung durch das eingangs in den Vordergrund gestellte Prin¬
zip, dass die Haarrichtung entgegengesetzt der Bewegungs¬
richtung ist, seine Erklärung finden zu können. Sie ist auf den
aufrechten Gang des Menschen zurück zu führen. So würde
selbst im Haarkleid des Menschen der aufrechte Gang seine
Spuren zurückgelassen haben.
Aus den Wiener medizinischen Gesellschaften.
(Eigener Bericht.)
Gesellschaft für Innere Medizin und Kinderheilkunde.
Prof. Dr. Herrn. Schlesinger: Ueber die Anwendung der
Skopolamin-Morphium-Dionin-Injektionen bei der Behandlung chro¬
nischer schmerzhafter Erkrankungen.
Ueber Anregung von befreundeter Seite verwendet Vortr. seit
3 Jahren das Skopolamin in Kombination mit Morphium und Dionin
bei der Behandlung chronischer Affektionen, welche unter heftigen
Schmerzen verlaufen, so dass dauernd Morphium gegeben werden
müsste, namentlich bei Kranken mit Neoplasmen, besonders Wirbel¬
karzinomen, und bei hartnäckigen schweren Neuralgien. Das Sko¬
polamin-Morphium hat sich dem Vortr. in einer grossen Zahl von
Fällen so gut bewährt, dass er das Mittel in Hinkunft bei der Be¬
handlung schmerzhafter Leiden nicht missen möchte. Die ange¬
wandte Lösung hat folgende Zusammensetzung: Scooolamini hydro-
brom. 0.0025, Morphii muriat. 0,2, Dionini 0,3, Aqu. dest. 10 g. Von
dieser Lösung werden täglich 1—2 halbe Pravazsehe Spritzen sub¬
kutan verabfolgt, event. wird allmählich bis auf 2 volle Spritzen
gestiegen, wenn auch dann keine Schmerzfreiheit eingetreten ist. so
wird die Skopolamindosis bei gleichbleibender Morphium- und
Dioninmenge allmählich bis auf 0.004:10 Wasser gesteigert. Vortr.
hat es kaum je notwendig gehabt, über 2 Pravaz sehe Spritzen
der letzteren Lösung hinauszugehen. Man kann auch in der Weise
verfahren, dass ungemischt eine wässerige Skopolaminlösung für sich
und ebenso die Morphium-Dionin-Lösung gleichzeitig oder gleich nach
einander injiziert werden. Die Wirkung auf den Schmerz ist ausser¬
ordentlich rasch, der Kranke wird binnen wenigen Minuten, längstens
in V \—Stunde schmerzfrei und bleibt es durch mehrere Stunden,
manchmal sogar den ganzen Tag. Dabei ist hervorzuheben, dass
es sich nicht um einen Dämmerschlaf handelt, wie er künstlich von
den Geburtshelfern oder auch von Chirurgen herbeigeführt wird.
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9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
317
Das Sensorium der Kranken ist vollständig frei und das Erinnerungs¬
vermögen nicht gestört, man kann mit den Kranken sprechen, sie
erklären, sie wären vollkommen schmerzfrei und haben eine auf¬
fallende Euphorie.
Die angegebene Lösung, welche wesentlich weniger Skopolamin
als die gewöhnlich in der Geburtshilfe, Chirurgie oder Psychiatrie an¬
gewandten Mischungen enthält, wurde in vielen Fällen wochenlang,
in manchen Fällen auch monatelang täglich verwendet, ohne dass
Intoxikationserscheinungen beobachtet wurden. Es wird weder über
Trockenheit des Mundes geklagt, noch treten Sehstörungen oder
Störungen der Herztätigkeit auf. In ganz vereinzelten Fällen hat
Vortr. vorübergehende Verwirrtheit beobachtet, und auch da nur als
einen ganz transitorischen Zustand, der sich bei späteren Injektionen
nicht wiederholt hat. Bei mehreren dieser Kranken war man bereits
vor Einleitung der Behandlung bei sehr grossen Morphiumdosen
angelangt, mehrere Pat. hatten bereits 0,2, sogar 0,3 g Morphium täg¬
lich erhalten, ohne vollkommen befriedigt zu sein. Bei Einleitung der
Morphium-Skopolaminbehandlung wurde die tägliche Morphium¬
menge bis auf Vio der früheren Gabe herabgesetzt, ohne dass Absjj-
nenzerscheinungen auftraten, die Kranken rühmten im Gegenteil die
bessere Wirkung der Injektion. Vortr. würde nicht anstehen, bei
Herzkranken, die bereits Morphinisten sind, eventuell das Mittel in
den früher angeführten Dosen zur Anwendung zu bringen.
Zum Schlüsse betonte der Vortragende, dass er sich in seinen
Ausführungen ausschliesslich auf die chronische Behandlung mit
Morphium-Skopolamin bezogen habe. Er hat verschiedene Lö¬
sungen versucht, bis er bei der früher angegebenen Mischung stehen
blieb, da dieselbe befriedigende Resultate ergeben hat. Die Lösung
muss frisch bereitet sein und soil zuverlässig reines Skopolamin ent¬
halten, getrübte Lösungen dürfen nicht verwendet werden. Es würde
sich mit Rücksicht auf die gewonnenen Erfahrungen empfehlen, die
Morphium-Skopolamin-Anwendur.g bei Entziehungskuren von Mor¬
phinisten zu versuchen.
Wissenschaft!. Gesellschaft deutscher Aerzte in Böhmen.
(Offizielles Protokoll.)
Versammlung am 15. Januar 1909.
/ B. Kretz: lieber Phtblseogenese:
Der Gang der Entwicklung der häufigsten Tuberkuloseform beim
' Menschen ist noch nicht geklärt. Von den verbreitetsten Anschau¬
ungen sind es die von Birch-Hirschfeld (primäre Bronchitis
und Peribronchitis caseosa mit Haften des Bazillus im Epithel), ge¬
stützt durch die Versuche Flügges (Meerschweincheninfektion
durch versprayte Bazillen) sowie die Ansicht, dass die Phthise eine
am Wege der Blutbahn vermittelte metastatische Lungenerkrankung
sei. Durch die Entdeckung Kochs hat man erkannt, dass granuläre
und infiltrierende Tuberkulose eine einheitliche bakterielle Aetiologie
haben, aber die Enstehung der typischen Spitzenaffektion konnten
erst Versuche aus jüngerer Vergangenheit einigermassen erklären:
Massive Infektion erzeugt im Tiere immer eine Form der Tuber¬
kulose, die der akut oder subakut generalisierenden Tuberkulose des
Menschen analog ist. Diese Fälle zeigen einen typischen Primär¬
affekt. Ausnahmen bilden hier die akut generalisierten Tuberkulosen
bei direkter Injektion der Bazillen in das Blut oder die durch In¬
halation erzeugten. Dagegen führt die langsam verlaufende Infektion
im Experimente typisch zur prävalierenden Oberlappenerkrankung.
Die Versuche Flügges, Orths und Baumgartens zeigten,
dass die Phthise der Effekt jener Infektionsform ist, die zu einer
geringen Anzahl von Metastasen führt. Der Weg, auf dem dieser End¬
effekt eintritt, ist offenbar für die Lokalisation im Oberlappen, die sich
schliesslich typisch findet, ohne Belang. Die Erklärung der Viel¬
gestaltigkeit der Experimente geben die Erfahrungen über die
Differenz im Verhalten des infizierten Organismus, je nachdem er
jungfräulich dem Tuberkelbazillus gegenübersteht, oder ob er schon
unter seiner Einwirkung gestanden hat oder unter der Andauer der¬
selben noch steht. — Die Periode vor den krankhaften Erscheinungen
nach der Infektion mit den Bazillen ist charakterisiert durch die
Deponierung der Tuberkelbazillen im lymphatischen Apparat (Bar¬
tels lymphoides Stadium der Tuberkulose). Dieses Stadium ist
symptomlos und zugleich jene Periode der Infektion, in der eine be¬
trächtliche Steigerung der Reaktion zwischen Bazillus und Infiziertem
eintritt. Den Weg, auf welchem die Bazillen in die Lymphdrüsen ge¬
langen, konnte erst Orth nachweisen. Durch Verimpfung des Blutes
nach Infektion ohne Schleimhautverletzung zeigte er, dass schon in
den ersten Stunden nach der Bazillenzufuhr sich die Krankheitserreger
im zirkulierenden Blute finden. Der Gang der Infektion ist also
folgender: Eintritt eines Teiles der Bazillen sehr früh in die allgemeine
Zirkulation des Blutes, teilweise Deponierung im Lymphapparate
und unter dem Einfluss der Verarbeitung dieser Elemente starkes An¬
steigen der Reaktionsfähigkeit des Infizierten auf die restlichen
Infektionserreger: mit der andauernden Propagation der überlebenden
Bazillen im Infizierten Entwicklung der Tuberkuloseeruption in den
Organen unter gleichzeitigem Auftreten der Krankheitssymptome.
Der Primäraffekt ist immer dann kenntlich, wenn dabei ein Bazillen¬
depot geschaffen wird, das zur Zeit des Eintretens der morbiden
Reaktion noch nicht geschwunden ist. Die Infektion mit wenig
Bazillen oder die erworbene Steigerung der Resistenz des Infizierten
verläuft in den Etappen der Blutinvasion, Deponierung in den Lymph¬
drüsen und Reaktionsänderung. Zur Zeit der sich entwickelnden
gesteigerten Reaktion des Infizierten sind aber nur mehr sehr wenig
Infektionsträger da; wenn diese jetzt via Lymphbahn in das Blut ge¬
langen, zirkulieren sie nicht mehr wie indifferente Pigmentkörper im
ganzen Organismus, sondern sie werden im ersten Kapillargebiet
abgefangen; sie bleiben also beim typischen Einbruch in die Cava
Superior in den Pulmonalarterienästen stecken. Da keine Emboli
aus dem oberen Hohlvencngebiete typisch in die oberen Lungen¬
arterienäste gelangen, ist der Effekt des Einbruches via Lymphbahn
in das Blut typisch vergesellschaftet mit der Spitzenerkrankung der
Lunge. R o t k y - Prag.
Aus den französischen medizinischen Gesellschaften.
SocI6t6 m&Hcale des höpltaux.
Sitzung vom 20. November 1908.
Behandlung der Hämorrhaglen mit subkutanen Gelatineinjektionen.
C h a p u t hat mit 5 g einer 1 proz. Gelatinelösung in einer Anzahl
von Fällen sekundärer (postoperativer) Blutungen sehr gute Erfolge
gehabt. Er rät daher in solchen Fällen anstatt sofort die blutende
Wunde zu öffnen, eine subkutane Gelatineinjektion zu machen: die
Hämorrhagie wird zum Stillstand kommen, der Kranke sich erholen
und einige Stunden später der operative Eingriff viel mehr Aussicht
auf Erfolg haben. An einem der Kranken wurde festgestelit, dass das
Blut, welches normalerweise in 7 Minuten koagulierte, nach Gelatine¬
injektion in 3 Minuten koagulierte. Die Anwendung der subkutanen
Gelatine ist indiziert bei Berstung einer Tubenschwangerschaft und
in Fällen innerer Blutungen.
Marfan hat in einem Falle von Purpura haemorrhagica mit
Epistaxis, Stomatorrhagie und Melaena in kurzer Zeit Aufhören der
Blutverluste mit täglicher Verabreichung von 12 g Gelatine per os
(6 g morgens und 6 g abends in 20 proz. Lösung) erzielt.
B a r i 6 berichtet über manchmal beträchtliche, wenn auch
vorübergehende Temperaturerhöhung infolge dieser. Injektionen; in
einem Falle stieg das Thermometer auf ca. 40°.
C h a u f f a r d hält es für genügend, aber jedenfalls erforderlich,
die Gelatinelösung im Brutofen bei 115° während 1VI« Stunden zu
sterilisieren.
Aus den englischen medizinischen Gesellschaften.
Royal Society of Medicine, Surgical section.
Sitzung vom 10. November 1908.
Wie und warum man den Wurmfortsatz zu erhalten suchen soll.
C. B. Keetly beruft sich auf die Untersuchungen von Mac-
ewen, welche ergeben haben, dass der Wurmfortsatz durchaus
nicht ein physiologisch unnützes Organ darstellt, wie gewöhnlich an¬
genommen wird. Ausserdem kann man damit nach der von Redner
mehrfach ausgeführten Operation, der Appendikostomie, sich einen
sehr nützlichen Zugang zum Zoekum schaffen. Die Gefährlichkeit
der Appendizitis ist durch die Beziehungen des Wurmfortsatzes zum
Peritoneum bedingt, und wenn, wie bei dieser Operation, die Appen¬
dix so verpflanzt wird, dass sie ganz oder wenigstens zum grössten
Teile in der Abdominalwand dauernd eingeschlossen ist, so kann, wie
aus K.s tatsächlichen Beobachtungen sich ergibt, sogar die per¬
forierende Appendizitis verhältnismässig harmlos verlaufen. Bei
Striktur ist, wenn man nicht ohne weiteres den Teil resezieren will,
dieses Verfahren das einzige gegebene. Auch Konkremente und
Knickungen geben Indikationen dafür. Des weiteren nennt K. fol¬
gende Erkrankungen als Fälle, bei denen die Appendikostomie durch
Herstellung eines Zugangs zum Darmkanal gute Dienste leistet: Ko¬
litis von verschiedener Art, manche Fälle von Intussuszeption; Darm¬
blutung, Ileotyphus, Fälle von Enterektomie oder Kolektomie; Darm¬
blähung bei toxischert Zuständen; hartnäckige Obstipation und Fälle,
welche Nährklystiere erfordern. Seine Deduktionen basieren nicht
bloss auf theoretischen Ueberlegungen, sondern werden durch Mit¬
teilung zahlreicher Fälle mit mehrjährigen Erfahrungen gestützt.
L. A. B i d w e 11 konstatiert, dass die vom Vorredner operierten
Fälle von chronischer Obstipation Nutzen gehabt haben.
W. G. Spencer kann der Appendix keinerlei funktionelle Be¬
deutung beimessen.
H. F. Waterhouse hebt die Operation als wertvoll bei ulze-
rativer Kolitis und bei vielen Fällen von muköser Kolitis hervor.
Seminar für soziale Medizin
der Ortsgruppe Berlin des Verbandes der Aerzte Deutschlands.
(Wirtschaftliche Abteilung des deutschen Aerztevereinsbundes).
Programm des Zyklus VII.
Gesamtthema; Die Simulation und Uebertreibung von Krank¬
heiten. Ihre Erkennung, Beurteilung und ihre Bedeutung für das
staatliche und private Versicherungswesen.
I. Zwei allgemeine Vorträge des Herrn Geh. Medizinalrat Dr.
L. Becker, Vertrauensarztes der Arbeiterschiedsgerichte. Montag,
den 1. März 1909. Montag, den 8. März 1909.
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318
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
II. Fünf Vorträge aus Sondergebieten.
Dienstag, den 2. März 1909. Herr Privatdozent Dr. Schuster:
Simulation und Uebertreibung von Nervenleiden.
Freitag, den 5. März 1909. Herr Professor Dr. Sommer-
Giessen: Demonstration und Erläuterung seiner graphischen Apparate.
Dienstag, den 9. März 1909. Herr Dr. W. Mühsam: Simulation
und Uebertreibung von Augenleiden.
Freitag, den 12. März 1909. Herr Dr. A. Peyser: Simulation
und Uebertreibung von Ohrenleiden.
Montag, den 15. März 1909. Herr Dr. G. Glücksmann:
Simulation und Uebertreibung von Krankheiten der Verdauungsorgane.
Sämtliche Vorträge finden im Kaiserin-Friedrich-Hause für das
ärztliche Fortbildungswesen, Luisenplatz 2—4, statt und beginnen um
8 Uhr abends pünktlich.
Die Teilnahme ist unentgeltlich, jedoch nur nach gebührenfreier
Lösung einer Karte gestattet.
Meldungen sind an Dr. A. P e y s e r, C. 54, Hackescher Markt 1
zu richten.
Verschiedenes.
Ersatz für Gummifingerlinge.
Da der Gummihandschuh den Etat der Kliniken sowie den des
Praktikers immer mehr belastet, so empfiehlt sich als Ersatz zunächst
des Fingerlings (z. B. bei Rektumpalpation) der Gebrauch des Gold-
schlägerhäutchens *), welches ich seit Jahren vielfach be¬
nütze. Es wird gewonnen aus dem Blättermagen des Rindes und
stellt ein ungemein feines Gewebe dar. Feucht gemacht, schmiegt es
sich der Hand leicht an. Nach einmaliger Verwendung wird es be¬
seitigt, denn der Preis ist ein ganz geringer. Eine Spur Vaseline
macht die Undurchlässigkeit vollkommen, ebenso dürfte die Auf¬
bewahrung in Formalindämpfen oder kurzes Verweilen in einer Subli¬
matlösung betreffs der Sterilisierung befriedigen. Auch zum Ventil¬
verschluss eines Katheters oder einer Kanüle mag das Häutchen
dienen. Vielleicht könnten die genannten Eigenschaften in einer
Doktor-Arbeit näher geprüft werden. Kuntzen - München.
Gerichtliche Entscheidungen.
Ueber einen Fall, in dem das „Gesundbeten“ Gegenstand einer
Zivilklage war, berichtet die Voss. Ztg.: Ein Mann, der sich, seine
Ehefrau und seine kleine Tochter bei einer Anhängerin der „Christian
Science“ in Behandlung gegeben hatte, hatte dafür in Raten 60 M.
bezahlt, war aber dann der Meinung, dass die Heilmethode unwirksam
gewesen sei und klagte auf Rückgabe der 60 M. Die Klage be¬
hauptete: Die Verklagte habe infolge der vielen Misserfolge ihrer
Methode gewusst, dass durch Gebete Krankheiten nicht beseitigt
werden können und deshalb dem Kläger zum Zwecke des Geld¬
erwerbs unwahre Tatsachen mitgeteilt. Der Kläger behauptete
ferner, der ganze zwischen ihm und der Verklagten abgeschlossene
Vertrag sei nichtig, da er gegen die guten Sitten verstosse. Das
Amtsgericht Charlottenburg hatte den Kläger abgewiesen, seine
hiergegen eingelegte Berufung ist aber von der 3. Zivilkammer des
hiesigen Landegrichtes III für begründet erachtet worden. Ausser
anderen durchgreifenden rechtlichen Gesichtspunkten hat die Zivil¬
kammer anerkannt, dass die ganze Vereinbarung gegen die guten
Sitten verstosse. Es heisst in dieser Beziehung u. a.: „Es würde
mit gesunden sozialen Zuständen völlig unvereinbar sein, wenn der
gewerbsmässige Abschluss von Verträgen rechtliche Anerkennung
fände, bei denen der Vertragswille der Parteien darauf gerichtet isjt,
dass die eine Partei gegen feste Bezahlung ihr angeblich besonders
enges Verhältnis zu Gott benutzen soll, um einen angeblichen Ein¬
griff übersinnlicher Kräfte in das Leben der anderen Partei herbej-
zuführen; der Glaube, dass jemand kraft besonderer göttlicher Gabe
in der Lage sei, die Kranken zu heilen, mag in mehr oder minder
weiten Kreisen bestehen; die Anmassung einer solchen Heilkraft aber
in Verbindung mit der Ausübung eines auf diese Heilkraft sich
gründenden, den Gelderwerb bezweckenden Gewerbebetriebs wider¬
streitet dem allgemeinen Sittlichkeitsempfinden, zum mindesten der
gebildeten Kreise, also der Kulturträger, und kann daher rechtlichen
Schutz nicht geniessen. Ausserdem erscheint das öffentliche Interesse
an einer geregelten Gesundheitspflege im Volke dadurch gefährdet,
dass durch den Einfluss der Christian Science Kranke der sach-
gemässen und rechtzeitigen Behandlung durch den Arzt, den be¬
rufenen Hüter der Gesundheit des Volkes, entzogen werden. Dem¬
nach muss Verträgen, wie dem zwischen Kläger und den Beklagten
abgeschlossenen, die rechtliche Anerkennung versagt werden, und da¬
raus folgt die Rückzahlungspflicht der Beklagten.
Man kann mir wünschen, dass dieses vortreffliche Urteil Schule
machen und dass der darin zum Ausdruck kommende gesunde Men¬
schenverstand auch bei anderen Kurpfuscherprozcssen die Herrschaft
gewinnen möchte.
Therapeutische Notizen.
Dr. Max Penschuck in Offenbach a. M. fertigt seit einigen
Monaten sog. Darmtabletten an, deren Bestandteile 0,17 Extr.
Cascarae sagradae nach geschehener Ausscheidung des Bitterstoffs
und 0,03 Phenolphthalein sind. Die Entbitterung geschieht nach einem
*) Erhältlich bei Flora, Marienplatz.
No. 6.
patentamtlich gesicherten Verfahren. Eine Tablette des Abends, bei
Kindern Vs Tablette, reicht aus, um am andern Tag, ohne irgendwelche
Beschwerden oder Darmschmerzen zu erregen, die vorhandenen
Fäzes zu entleeren. Wo 1 Tablette nicht ausreicht, nimmt Patient
2 Stück mit etwas Aepfelkompott oder einem Esslöffel voll Wasser.
Das Mittel ist vielfach schon in der Praxis angewendet worden,
verdient diese Empfehlung und ist auch von mir erprobt.
Freiburg i. B., 11. I. 09. Dr. Woli.
Sch wefelwasser-T rinkkuren verdienen nach H e u b -
n e r bei Kindern weit häufiger angewendet zu werden, als das bisher
geschieht (Ther. Mon.-Hefte 11, 1908). Besonders empfehlenswert
sind diese Kuren bei chronischen Rachenkatarrhen der Kinder, die
nach K- viel häufiger sind als gemeinhin angenommen wird, und zu
ganz charakteristischen sekundären Erscheinungen (Appetitlosigkeit.
Brechneigung, Verstopfung) führen. H. verwendet meistens das
Weilbacher Schwefelwasser und lässt dasselbe 4 —6 Wochen lang
brauchen. Auch das üureigeler Wasser ist empfehlenswert. Das
Kind nimmt morgens nüchtern im Bett ein Weinglas voll und nach
dem Ankleiden ein zweites; Vs Stunde später nimmt es das erste
Frühstück. Unter Umständen kann man auch des Abends noch ein
Glas voll nehmen lassen. Das Wasser soll kühl getrunken werden.
Irgend welche nachteilige Folgen wurden von einer solchen Kur nie
beobachtet. Kr.
Galerie hervorragender Aerzte und Naturforscher.
Der heutigen Nummer liegt das 238. Blatt der Galerie bei: Elias
Metschnikoff. Aus Anlass der Verleihung des medizinischen
Nobelpreises an ihn. Vergl. den Artikel auf S. 291.
Tagesgeschichtliche Notizen.
München, 9. Februar 1909.
— Der Kampf um die freie Arztwahl in Köln ist am
1. ds. Mts. in das akute Stadium getreten. An diesem Tage w r urden
die Kölner Aerzte, die bisher die Kölner Kassenkranken auf Grund
freier Arztwahl behandelten, von dieser Praxis ausgeschlossen und
an ihrer Stelle der kassenärztliche Dienst den, nach der Rhein.
Aerztekorr. 62, Aerzten übertragen, die sich bereit finden liessen.
ihren um ihre Existenz und um ideale Güter ihres Standes kämpfenden
Kollegen in den Rücken zu fallen. Dadurch unterscheidet sich der
Kölner Kampf von allen bisherigen Kassenkämpfen: nicht die Aerzte
haben ihre Stellungen gekündigt, um die freie Arztwahl durchzu¬
setzen, sondern die Kassen haben ihre bisherigen Aerzte entlassen,
um die ihnen lästige freie Arztwahl wieder abzuschaffen. Schon da¬
durch ergibt sich eine wesentliche Verschärfung der Lage gegen¬
über früheren Kämpfen, die auch eine Verschärfung der Kampfmittel
gerechtfertigt erscheinen lässt. So haben die Kölner Kollegen be¬
schlossen: 1. kein Mitglied einer der fraglichen Kassen, 2. keines von
deren versicherten Angehörigen, 3. auch keines von den nicht-
versicherten Angehörigen irgendwie zu behandeln, auch nicht gegen
Baarzahlung, auch nicht in Notfällen. Zur Behandlung in den
städtischen Polikliniken ist die Vorweisung des Armenscheines er¬
forderlich. Diese Massregeln unterscheiden sich von früheren haupt¬
sächlich dadurch, dass die ärztliche Hilfe auch in Notfällen verweigert
werden soll. Es wird den Kölner Kollegen schwer genug gefallen
sein, zu diesem äussersten Mittel zu greifen. Es ist aber zu be¬
denken, dass ja 62 Aerzte vorhanden sind, die zur Behandlung der
Notfälle sicher ausreichen. Die Schwerkranken werden also der
nötigen ärztlichen Hilfe nicht entbehren. Wenn den 62 aber über
diesen Dienstleistungen die Zeit für die übrigen kassenärztiiehen
Funktionen zu knapp wird, so ist das eben gerade der gewollte
Effekt. Das harte Wort von der „Boykottierung von Kranken und
Sterbenden“, das der Staatssekretär v. Bethmann-Hollwegam
5. ds. mit Bezug auf den Kölner Kampf im Reichstag aussprach, trifft
also nicht zu.
Wir werden diese, wichtige Andeutungen über die geplante
Regelung des Verhältnisses zwischen Krankenkassen und Aerzten
enthaltende, Rede des Herrn Staatssekretärs des genaueren mitteilen,
sobald der Wortlaut vorliegt. Für heute sei nur konstatiert, dass
auch d i e Bemerkung nicht zutrifft, dass die deutschen Aerzte, die
nach Ansicht des Staatssekretärs zum grossen Teil mit dem Kampf
in Köln nicht einverstanden seien, durch die Klammer des Koalitions¬
zwangs, unter dem Druck eines Ehrengerichtsverfahrens zusammen-
gehalten würden. Abgesehen davon, dass noch kein Kampf, den die
ärztliche Organisation durchzukämpfen genötigt war, so sehr von den
Sympathien der gesamten Aerzteschaft getragen war, wie der in
Köln, kann nicht von einem Koalitions z w a n g, noch weniger aber
von einem Druck eines Ehrengerichtsverfahrens, gesprochen werden.
Die ärztliche Organisation ist eine freiwillige; gerade vermöge
ihrer Freiwilligkeit hat sie bei den allem Zwang abholden Aerzten
in so kurzer Zeit allgemeine Ausbreitung gefunden. Die Ehren¬
gerichte aber, es sind offenbar die preussischen gemeint, haben sich
jeden Eingreifens in die Kämpfe der Organisation enthalten; wenn
das Ehrengericht der Rheinprovinz vor kurzem 8 der neuen Kölner
Kassenärzte zu Geldstrafen verurteilte, so geschah es nicht wegen
ihrer -Stellungnahme im Kampf, sondern weil sie ihr freiwillig ge¬
gebenes Ehrenwort gebrochen haben.
Angesichts des schweren Kampfes, in dem die ärztliche Organi¬
sation steht, scheinen auch die Feinde dieser Organisation innerhalb
Ürigiral fTTJrn
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9. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
?\()
unseres Standes die Zeit für günstig zu halten, um neue Schwierig¬
keiten zu bereiten. Das beweist das nachstehende Schreiben, das
ein Komitee, aus 3 Aerzten bestehend, in letzter Zeit an Bahn- und
sonstige festangestellte Aerzte, versandt hat:
„Berlin, Bochum, Magdeburg, Januar 1909.
Sehr geehrter Herr Kollege!
Es ist angeregt worden, alle die Aerzte Deutschlands, die mit
den einseitigen Bestrebungen der bestehenden Aerzteorganisationen
zu Gunsten der freien Arztwahl nicht einverstanden sind, vielmehr
strenge Neutralität der Aerzteorganisationen dem Arztsystem gegen¬
über fordern, zu einem engeren Zusammenschlüsse aufzurufen. Zur
Beratung, ob und auf welchem Wege dies erreicht werden kann,
ist eine Versammlung von Vertrauensmännern, die gegen Ostern in
Mitteldeutschland stattfinden soll, vorgeschlagen. Wir erlauben uns
die Anfrage, ob Sie (oder Ihr Verein) diesem Plane näher zu treten
geneigt sein würden.
Ebenso bitten wir, uns Adressen von Vereinen oder von
Kollegen, die sich obiger Forderung anschliessen, freundlichst mit-
teilen zu wollen. Besonders aus Süddeutschland und aus dem Osten
Deutschlands wären uns Adressen erwünscht.
Mit kollegialem Grusse!
Koppel- Berlin. Busch- Bochum. P. Köhler- Magdeburg.
Ihre gefl. Antwort erbitten uns an die Adresse: Dr. Paul
Köhler-Magdeburg N., Lübeckstr. 28.“
Aus Süddeutschland werden die Herren vergeblich auf Adressen,
wenigstens von Vereinen, warten. Uns wenigstens ist kein Verein
bekannt, der zu einem Vorstoss gegen die freie Arztwahl zu haben
sein könnte. Es gibt viele, die die freie Arztwahl nicht um den
Preis eines ärztlichen Bürgerkrieges erkauft sehen wollen, es gibt
aber wohl keinen, der nicht in der Einführung der freien Arztwahl
das wichtigste Ziel der ärztlichen Organisation erblicken würde.
Wir hoffen, dass der Misserfolg dieses Komitees ebenso vollständig
sein möge wie der endliche Sieg der Kölner Aerzte.
— Unter dem Vorsitze von Geheimrat v. B o 11 i n g e r, dem
derzeitigen Rektor magnificus der Universität München hat sich nun
auch in Deutschland ein Komitee gebildet zur Sammlung eines
Hilfsfonds für die vom Erdbeben in Süditalien be¬
troffenen Aerztefamilien. Dem Komitee gehören eine
grosse Zahl von Professoren und Aerzten aus allen Teilen des
Reiches an. In der konstituierenden Sitzung des Komitees, die am
1. ds. in München stattfand, wurde beschlossen, einen Aufruf zu Bei¬
trägen an die deutsche Aerzteschaft zu erlassen. Gleichzeitig wurden
Erhebungen eingeleitet über die Zahl der einer Unterstützung be¬
dürftigen Angehörigen von Aerzten. Da hierüber jedoch in der gegen¬
wärtigen Verwirrung zuverlässige Angaben kaum zu erhalten sein
werden, andererseits bei der Grösse der Katastrophe an der Tatsache,
dass Aerzte in grösserer Zahl betrofien wurden, ein Zweifel nicht
besteht, so wird die Sammlung unterdessen ihren Fortgang nehmen.
Beiträge nehmen entgegen Hofrat Dr. B. Spat z, München, Arnulf¬
strasse 26 und J. F. Lehmanns Verlag, München, Paul Heyse-
strasse 26.
— Im Reichs-Arbeitsblatt wird eine Zusammenstellung der Er¬
gebnisse der Krankenversicherung im Deutschen Reiche in
‘den Jahren 1902—1907 veröffentlicht. Wir entnehmen derselben
iolgende Zahlen:
Jahr
Zahl i
der
Kassen
Mitglieder
Ausgaben pro Mitglied für
ärztliche Arznei-und
Behandlung | Heilmittel
1902
23 214 I
9 858 066
3,80
2,69
1903
23 271
10 224 297
3,99
2,82
1904
23 193
10 710 720
4,47
3,00
1905
23 127
11 184 476
4,75
3,09
1906
23 214'
11 689 388
4,90
3,09
1907
23 232
12 138 966
5,22
3,31
Die Tabelle zeigt die erfreuliche Tatsache einer stetigen Besse¬
rung in der Bewertung der ärztlichen Leistung.
— Das orthopädische Institut Rizzoli in Bologna
(San Michele in Bosco) erlässt die Preisausschreibung zum Preise
Humbert I. Dieser Preis von L. 3 500 wird nach dem Beschlüsse
des Proviniazrates von Bologna zugeteilt: „Dem besten Werke oder
der besten Erfindung auf orthopädischem Gebiete“. An dem Kon¬
kurse können sowohl italienische als ausländische Aerzte teilnehmen.
Die Konkurs- und Preiszuteilungsbestimmungen sind in einem be¬
sonderen Reglement enthalten, das auf Wunsch zugeschickt wird.
Die Teilnahme an dem Konkurse muss dem Präses des Instituts
Rizzoli in Bologna (Giuseppe B a c c h e 11 i) gemeldet werden. Der
Konkurs wird am 31. Dezember 1909 geschlossen.
— Man schreibt uns: Auf Einladung der geburtshiflich-
gynäkologischen Gesellschaft in Wien hielt am 12.Januar
Prof. Dr. Gustav Klein aus München einen Vortrag über „Geschichte
der geburtshilflichen und medizinischen Abbildung vom 9.—16. Jahr¬
hundert* 4 (mit Projektionsbildern). Der Vortragende wurde durch
lebhaften Beifall und durch Ueberreichung des klassischen Werkes
„GeschichtederGeburtshilfeinWien“ von J. F i s c h e r,
welches ihm der Vorsitzende, Hofrat S. S c h a u t a, namens der
Gesellschaft übergab, ausgezeichnet.
— Dem geschäftsführenden Mitgliede des sächsischen Landes-
medizinalkollegiums, Obermedizinakat Dr. L u f f t, ist die Stelle des
medizinischen Beirates bei der Kreishauptmannschaft Dresden über¬
tragen worden. Sein Nachfolger im Landesmedizinalkollegium ist
Bezirksarzt Medizinalrat Dr. Streit in Bautzen.
— In Dresden wurde das erste zahnärztliche Röntgeninstitut vom
Zahnarzt Spinner eröffnet.
— Das Kaiser Friedrich Krankenhaus in San-Remo ver¬
sendet seinen 20. Jahresbericht. Das Haus nimmt Fälle aller Art
von jedem am Orte behandelnden Arzte auf und gibt geschulte
Schwestern auch zur Pflege in Hotels und Privathäusern ab. Auf¬
nahmebedingungen durch die Direktion.
— Der 5. Kongress der deutschen Röntgengesellschaft findet
am Sonntag, den 18. April 1909 in Berlin im Langenbeck-
hause statt. Vorträge und Demonstrationen sind bei dem Schrift¬
führer der Gesellschaft, Herrn Dr. I m m e 1 m a n n, Berlin W. 35,
Lützowstr. 72 anzumelden.
— Die 30. öffentliche Versammlung der balneologischen
Gesellschaft tagt unter dem Vorsitz von Geh. Rat B r i e g e r
in Berlin vom 4. bis 9. März 1909. Die Sitzungen finden statt im
Hörsaale des poliklinischen Instituts der Universität, Ziegelstr. 18/19,
Portal V. 62 Vorträge sind angemeldet.
— Im Verlage der Gebrüder Bornträger -Berlin erscheint
eine neue wissenschaftlich-technische Zeitschrift unter dem Titel
„W asser und Abwasse r“, Zentralblatt für Wasserversorgung
und Beseitigung flüssiger und fester Abfallstoffe. Die Zeitschrift,
herausgegeben von den Herren der K. Prüfungsanstalt für Wasser¬
versorgung und Abwasserbeseitigung: K. Bauinspektor Dr. ing.
Schiele und Dr. W e 1 d e r t, bringt 24 Hefte im Jahr in 14 tägigen
Zwischenräumen zum Preise von M. 30.— pro Band.
— Mit Bezug auf die Mitteilung eines Falles von Embolie
der Arteria radialis und ulnaris des linken Armes von
Dr. C. H ö p f f n e r in No. 4 d. W. macht Herr Dr. Fr. S c h r o e n in
Weidenberg darauf aufmerksam, dass er in No. 76 und 77, 1902 der
„Allg. med. Zentralzeitung“ einen ganz ähnlichen Fall (Embolie der
Art. radial, dextra nach metapneumonischem Exsudat) veröffent¬
licht hat.
(Berichtigung.) In No. 4, S. 169, Sp. 1, Z. 27 v. o. statt
„Formol“ zu lesen: „Ferment“.
(Hochschulnachrichten.)
Berlin. Dem Privatdozenten für allgemeine Pathologie und
pathologische Anatomie und Prosektor am pathologischen Institut der
Berliner Universität, Dr. med.. Hermann B e i t z k e wurde der Pro¬
fessortitel verliehen. — Seinen 70. Geburtstag feierte am 3. ds. der
Physiologe, Geh. Regierungsrat Professor Dr. Hermann Munk in
Berlin, (hc.)
Breslau. Wie wir hören sind für den nach Wien berufenen
Direktor der medizinischen Klinik Geh. Med.-Rat Prof. Dr. v. S t r ü m-
p e 11 aequo loco an erster Stelle vorgeschlagen Geh, Med.-Rat Prof.
Dr. Minkowski - Greifswald und Geh. Med.-Rat Prof. Dr. M o r i t z-
Strassburg, an zweiter Stelle Prof. Dr. Brauer- Marburg, an dritter
Prof. Dr. Ste rn-Breslau.
Giessen. Für innere Medizin habilitierte sich der Assistenz¬
arzt an der medizinischen Klinik, Dr. med. Hermann Hohlweg.
In der Probevorlesung sprach er über „Neue Hilfsmittel zur Früh¬
diagnose der Lungentuberkulose“, (hc.)
Heidelberg. Der hiesigen Universität ist von einem aus¬
wärtigen Förderer der Wissenschaft die Summe von 130 000 M. ge¬
schenkt worden zur Gründung eines radiologischen Instituts, das
schon zu Ostern ins Leben treten soll.
Kiel. Für Geburtshilfe und Gynäkologie habilitierte sich Dr.
med. Franz Cohn, erster Assistenzarzt an der Frauenklinik, (hc.)
Königsberg. Professor Geh. Medizinalrat Dr. med. Richard
Pfeiffer ist zum Nachfolger des Geheimrats K. Flügge auf
den Lehrstuhl der Hygiene an der Universität Breslau berufen
worden, (hc.)
Marburg. In der medizinischen Fakultät der Universität
Marburg habilitierte sich der Oberarzt der medizinischen Klinik Dj\
med. Oskar Bruns für das Fach der inneren Medizin mit einer
Antrittsvorlesung: „Die Ursachen und das Wesen der Dyspnoe". Pas
Thema der Habilitationsarbeit lautete: „Ueber Folgezustände beim
einseitigen Pneumothorax (experimentelle Studien)“.
Strassburg i. Eis. Der a. o. Professor für innere Medizin
Dr. Oswald Kohts ist auf seinen Antrag vom 1. April 1909 emeritiert
worden. Derselbe wurde vom genannten Tage ab von der Leitung
der Kinderklinik entbunden, wird aber die Leitung der medizinischen
Poliklinik bis zum Oktober 1909 auftragsweise weiterführen, (hc.)
Jena. Geheimrat Müller, Direktor des pathologischen Insti¬
tuts, gedenkt am 1. April ds. Jrs. von seinem Lehramte zurückzutreten.
Lausanne. Der Privatdozent für Augenheilkunde Dr.
S. E p e r o n wurde zum ausserordentlichen Professor ernannt.
Lemberg. Dr. J. Pruszynski habilitierte sich als Privat¬
dozent für Pharmakologie.
Leyden. Dr. J. H. Z a i j e r habilitierte sich als Privatdozent
für Urologie.
Lyon. Dr. CI u z e t, bisher aggregiert der med. Fakultät zu
Toulouse, wurde zum Professor der medizinischen Physik ernannt.
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Original ffo-rri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
320
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
Paris. Dr. Q. B a 11 e t, Professor der Geschichte der Medizin
und Chirurgie, wurde auf Ansuchen zum Professor der Klinik der
Geistes- und Gehirnkrankheiten an Stelle des verstorbenen Prof.
J o f f r o y ernannt. — Dr. P. D e 1 b e t wurde zum Professor der
chirurgischen Klinik, Dr. Hartmann zum Professor der Operations¬
und Instrumentenlehre ernannt.
Prag. Der Privatdozent für Pädiatrie an der tschechischen
med. Klinik, Dr. H. S v e h 1 a, erhielt den Titel eines ausserordent¬
lichen Professors.
Neapel. Der Privatdozent an der med. Fakultät zu Padua
Dr. Fr. G a 1 d i habilitierte sich als Privatdozent für interne Pathologie.
P a v i a. Dr. G. B. S i g u r t ä habilitierte sich als Privatdozent
für Urologie.
(Todesfälle.)
Dr. J. E. Marques, früher Professor der medizinischen Klinik
an der med. Fakultät zu Coimbra.
Dr. S. B. R a n n e f t, früher Privatdozent für Orthopädie an der
med. Fakultät zu Groningen.
Dr. Ch. Coppinger, Professor der Physiologie an der katho¬
lischen Universität zu Dublin.
Dr. Ch. D e n i s o n, früher Professor der Klimatologie am
Denver and Gross College of Medicine.
Amtliches.
(Bayern.)
An die K. Regierungen, Kammern des Innern, Distriktsverwaltungs¬
behörden und K. Bezirksärzte.
Den Landesgewerbearzt betr.
Mit dem 1. Januar 1909 ist bei dem K. Staatsministerium des
K. Hauses und des Aeussern ein Landesgewerbearzt als
hygienischer Berater der Gewerbeaufsichtsbeamten und der Berg¬
inspektoren aufgestellt worden.
Auf Grund der vorläufigen Dienstanweisung ist ihm als selbst¬
ständige Tätigkeit die Vornahme von Betriebsbesichtigungen in
gesundheitsgefährlichen Gewerbezweigen, einschliesslich der Haus¬
industrie, dann die Untersuchung gewerblicher Erkrankungen,
namentlich Vergiftungen, und die Begutachtung von Massnahmen zur
Verhütung solcher Erscheinungen übertragen. Der Landesgewerbe¬
arzt hat bei seinen Dienstreisen und Betriebsbesichtigungen mit dem
örtlich zuständigen K. Bezirksarzt Fühlung zu suchen.
Der Tätigkeit des Landesgewerbearztes kommt auf dem Gebiete
der Gewerbegesundheitspflege die grösste Bedeutung zu. Ihre Wirk¬
samkeit hängt wesentlich davon ab, dass der Landesgewerbearzt
förderliche Unterstützung bei den beamteten Aerzten und bei den mit
der Arbeiterversicherung, namentlich der Krankenversicherung be¬
fassten Stellen findet.
Die Bezirksärzte haben hiernach dem Landesgewerbearzt dienst¬
freundlich entgegen zu kommen, Beobachtungen auf gewerbe¬
hygienischem Gebiete, vor allem über gewerbliche Erkrankungen und
Vergiftungen und über Verdachtsfälle von solchen Gesundheits¬
störungen, unaufgefordert mitzuteilen und bei der Aerzteschaft ihrer
Bezirke dahin zu wirken, dass auch diese den Landesgewerbearzt
tunlichst unterstützt und ihn von Beobachtungen der bezeichneten
Art, sei es unmittelbar, sei es durch Vermittelung des Bezirksarztes
oder der Distriktspolizeibehörde, verständigt.
Die öffentlichen Krankenkassen (Orts-, Betriebs-, Bau- und
Knappschaftskassen) erhalten durch die Krankheitsbescheinigungen
einen fortlaufenden Ueberblick über den Gesundheitsstand ihrer Mit¬
glieder; sic werden ohne besonderen Aufwand an Zeit und Kosten
imstande sein, dem Landesgewerbearzte auf sein Ersuchen erforder¬
liche Aufschlüsse zu erteilen und von wichtigeren Erscheinungen
unaufgefordert Mitteilung zu machen. Besonderer Wert ist darauf
zu legen, dass gewerbliche Erkrankungen und Vergiftungen, auch
verdächtige Fälle, rechtzeitig dem Landesgewerbearzt bekannt
werden. Die Kassenärzte können von den Kassenverwaltungen bei
Abschluss von Verträgen verpflichtet werden, derartige Wahr¬
nehmungen zur Weiterleitung an den Landesgewerbearzt mitzuteilen.
Da die Bekämpfung der gewerblichen Erkrankungen im eigensten
Interesse der Krankenkassen liegt, so darf von ihnen eine ent¬
sprechende Unterstützung des Landesgewerbearztes erwartet werden.
Im Einverständnis mit dem K. Staatsministerium des K. Hauses
und des Aeussern werden die K. Bezirksärzte angewiesen, sich nach
den vorstehenden Anweisungen zu verhalten. Die Regierungen,
Kammern des Innern, und die Distriktsverwaltungsbehörden haben
dafür zu sorgen, dass die beteiligten Kreise entsprechend verständigt
werden.
München, den 4. Januar 1909.
v. Brettreich.
Bekanntmachung.
Die Schutzpocketümpfung Im Jahre 1909 betr.
An die K. Bezirksärzte und die übrigen öffentlichen Impfärzte.
K. Staatsministerium des Innern.
Die K. Zentralimpfanstalt ist beauftragt, auch für das diesjährige
Impfgcsch cift selbstgezüchtete Lymphe abzugeben.
Zur Bemessung des Lymphebedarfs und der Lympheabsendungs¬
termine haben die Impfärzte spätestens bis 10. April lfd. Jrs. an die
K. Zentralimpfanstalt (München, am Neudeck No. 1) einen genauen
Impfplan einzusenden mit Angabe der in Aussicht genommenen
Termine und des für jeden Termin erforderlichen Bedarfs.
Hiebei wird auf die Bekanntmachung des K. Staatsministeriums
des Innern vom 21. Dezember 1899, den Vollzug des Impfgesetzes
betreffend (Gesetz- und Verordnungsblatt S. 1054) und auf die vom
K. Zentralimpfarzt Medizinalrat Dr. Stumpf in No. 5 der Münch,
med. Wochenschr. vom 1. Februar 1898 publizierte Abhandlung über
Züchtung von Tierlymphe hingewiesen.
München, den 22. Januar 1909.
i. A.: gez.: v. Krazeisen.
Sammlung
für die durch die Katastrophe in Süditalien betroffenen Aerzte und
deren Hinterbliebene:
Uebertrag M. 2799.70. Sanitätsrat Klotz- Dresden M. 20.—.
Geh. San.-Rat W e t z e 1 - Wilmersdorf M. 10.—, Med.-Rat Dütsch-
k e - Erfurt M. 5.—, Dr. Michaelsen - Görlitz M. 5.—, Dr. R. M.-
Berlin M. 5. — Dr. E. Steffen- Berlin M. 5.—, San.-Rat A. H ei-
rn a n n - Berlin M. 5.—, San.-Rat Daube- Frankfurt a.M. M. 5—.
Dr. K a u f m a n n - Heilstätte Grünewald b. Wittlich M. 15.—, Dr.
Wendeier -Berlin M. 10.—, Dr. Halle-Charlottenburg M. 10.—.
Dr. Haar mann-Hordel M. 10—, Dr. Wolff-Metz M. 10.—.
Hofrat Kay-Friedrichshafen M. 10.—, Dr. Hausladen -Schäft¬
larn M. 5.—, Dr. W e r n e r - Burgfarrnbach M. 5.—, San.-Rat Stein-
brück-Quedlinburg M. 5.—, San.-Rat Matthaei -Graefenroda
M. 10.—, Dr. T h ü m m e 1 - Seehausen M. 5.—, Dr. A r o n h e i m -
Gevelsberg i. W. M. 10.—, Dr. Roether -Offenbach a. M. M. 10. —.
Prof. A. Hartmann -Berlin M. 25.—, Dr. Pfaffrath -Düsseldorf
M. 10—, Prof. Biedert-Strassburg M. 3.—, Dr. Braun-Horrem
M. 10.—, Dr.Sell-Hohensalza M. 10.—, Dr. Ei er mann-Frankfurts. M.
M. 25.—, Prof. Kutner -Berlin M. 20.—, Bezirksarzt Raab.
Dr. Weinig, Dr. H ö f e r - Schwabach M. 30—, Dr. H o 1 -
z i n g e r - Bayreuth M. 10.—, Dr. A i c h e r - Eichendorf M. 10.-.
Prof. Messerer - München M. 10.—, Dr. Hesse- Kissingen
M. 15.—, Bezirksarzt Schneller -Berneck M. 5.—, Dr. Kraft-
Peiting M. 5.—, Dr, Echerer -Wartenberg M. 5.—, Stabs¬
arzt C 1 a s e n - Coburg M. 5.—, Dr. Fertig- Hanau M. 5.—,
Frl. Dr. Kachel- München M. 10.—, Med.-Rat Brian- Karlsruhe
M. 5.—, Med.-Rat S e 11 e g a s t - Bergen a. Rüg. M. 5.—, San.-Rat
Beckhaus - Königslutter M. 5.—, Dr. Eisfeld- Groningen
M. 10.—, San.-Rat Z u m p e - Dresden M. 10.—, K. H.-E. M. 5.—, Dr.
Neuburger -Nürnberg M. 5.—, Dr. N.-Charlottenburg M. 5.—.
Dr. P a 11 i k a n - München M. 5.—, Dr. B 1 ü m k e - Bethel M. 5.—,
San.-Rat L ü c k e r - Pr. Oldendorf M. 10.—, Dr. Romann- Utting
M. 5.—, Dr. Schindler -Berlin M. 10.—, Oberarzt Dr. N e u p e r t -
Erlangen M. 5.—, Bezirksarzt Dr. B i s c h o f f - Erlangen M. 5—,
Dr. K a t z e n st e i n - München M. 10.—, Dr. R a b o w - Lausanne
M. 10.—, Dr. Bornemann -Limbach i. S. M. 3.—, Oberstabs¬
arzt a. D. Schultes-Grabowsee M. 10.—, Medizinalrat Wür-
s c h m i dt - Erlangen M. 10.—, Dr. Bon ne-Kl. Flottbeck M. 5.—,
Hofrat Länderer -Göppingen M. 20—, Aerztl. Standesverein
S. W., Berlin M. 100.—. Summe M. 3450.70.
Weitere Beiträge werden dankend entgegengenommen.
Die Redaktion der Münch, med. Wochenschr.
München, Arnulfstr. 26.
Uebersicht der Sterbefälle in Manchen
während der 3. Jahreswoche vom 17. bis 23. Januar 1909.
Bevölkerungszahl 566 000.
Todesursachen: Angeborene Lebensschw. (1. Leb.-M.) 20 (6 l ).
Altersschw. (üb. 60 Jahre) 4 (4), Kindbettfieber 1 (—), and. Folgend.
Geburt — (1), Scharlach 4 (1), Masern u. Röteln 2 (4), Diphth. u.
Krupp 5 (4), Keuchhusten 3 (4), Typhus — (—), übertragb. Tierkrankh.
— (—), Rose (Erysipel) 1 (1), and. Wundinfektionskr. (einschl. Blut-
u. Eitervergift.) 1 ( -), Tuberkul. d. Lungen 23 (14), Tuberkul. and.
Org. 4 (4), Miliartuberkul. 1 (-), Lungenentzünd. (Pneumon.) 16 (10),
Influenza 2 (—), and. übertragb. Krankh. — (1), Entzünd, d. Atmungs¬
organe 6 (8), sonst. Krankh. derselb. 4 (4), organ. Herzleiden 10(21),
sonst. Kr. d. Kreislaufsorg, (einschl. Herzschlag) 3 (5), Gehirnschlag
6 (10), Geisteskranke 1 (1), Fraisen, Eklamps. d. Kinder 5 (7), and.
Krankh. d. Nervensystems 4 (2), Magen- u. Darm.-Kat, Brechdurchfall
(einschl. Abzehrung) 7 (11), Krankh. d. Leber 1 (3), Krankh. des
Bauchfells — (1), and. Krankh. d. Verdauungsorg. 7 (5), Krankh. d.
Harn- u. Geschlechtsorg. 1 (6), Krebs (Karzinom, Kankroid) 8 (11),
and. Neubildg. (einschl. Sarkom) 3 (6), Selbstmord 2 (1), Tod durch
fremde Hand 2 (—), Unglücksfälle 4 (5), alle übrig. Krankh. 8 (4).
Die Gesamtzahl der Sterbefälle 169 (165), Verhältniszahl auf
das Jahr und 1000 Einwohner im allgemeinen 15,5 (15,2), für die
über dem 1. Lebensjahre stehende Bevölkerung 11,5 (11,7).
*) Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die Fälle der Vorwoche.
Varia« rea 1. F. Lahnau La Mftachaa. - Dreck reo E. Müblthakra Bach- wA Kaastdnickerei A.O.. MOacben.
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Qrigiriial frorri
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Achtung! Nicht brechen! (Kunstbeilase)
Diese Nnmrner enthält 66 Selten Text.
Die Münchener Mediz. Wochenschrift erscheint wöchentlich im
Umfang- von durchschnittlich 6-7 Bogen. »Preis der einzelnen
Nummer 80 * Bezugspreis in Deutschland und Ausland siehe
unten unter Bezugsbedingungen, *
MÜNCHENER
Zusendungen sind zu adressieren: Für die Redaktion Arnulf-
Strasse 26. Bureauzeit der Redaktion von 8*/»—1 Uhr. • Für
Abonnement an J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 26. • Für
• Inserate und Beilagen an Rudolf Mosse, Promenadeplatz 16. •
Medizinische Wochenschrift.
ORGAN FÜR AMTLICHE UND PRAKTISCHE ÄRZTE.
Herausgegeben von
Or innerer CUäomler, (Lv.Bollinger, H. Cursdimano, H. Hellerich, W. v. Leube, C. v. Merkel, J.». Michel, P. Penzoldl, ö. v. Ranke, B. Spatz, P.rJinckel,
U. I. augcrcr, un.MUUU«, . Ei!P „ sch . WfclbBr(t NOrnlKn. Berlin. Erlan^n Manchen. München Manchen.
München. Freiburg i. B. München.
No. 7. 16. Februar 1909
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
Voarinor- i F irihrnnnn. Paul Hevsestrasse 26.
56. Jahrgang.
Inhalt:
Originalicn: Moritz, Was erfahren wir durch unsere klinischen Blutdruck¬
messungen beim Menschen? (Illustr.) S. 321.
S l ä u b 1 i, Lieber die Verbreitungsart der Trichinellen. S. 325.
B a e t z n p r . Die Bedeutung der Wassermann sehen Serum-Reaktion lur
die Differential-Diagnose der chirurgischen Syphilis. (Aus der Kgl. chirur¬
gischen Universitätsklinik zu Berlin.) S. 330.
Bade, Demonstration schwierig zur Heilung gebrachter Fälle von angeborener
Höflverrenkung. (Aus der orthopädischen Anstalt des Dr. B&dc-Hannover.)
(Illustr.) S. 334. , 0 00f7
Asch, Die Erkrankungen der Harnblasenmuskulatur, b. 33z.
Sohcnck und Tecklenburg, Uebcr die Strauss-Levasehe Molihtäts-
nrüfung des Magens mittels des Fetlzwiebackfriihstilcks. (Aus der inneren
A Ll .UnonitnUu FrunVflirl >1 M I S. 338.
Bd 4 No. 1. — Berliner klinische Wochenschrift. No. 6. — Deutsche
medizinische Wochenschrift. No. 5. — Korrespondenzblatt für Schweizer
Aerztc. No. 2. — Oesterreichischc Literatur. — Englische Literatur. —
Inauguraldissertationen. S. 354.
Auswärtige Briefe: Kölner Brief. — Briefe aus England. — Briefe aus Amerika.
S. 363.
Jirujuilg uea JiMigscuo nmivio uvt. ...............ö ooo
Abteilung des Heiliggeist-Hospitales Frankfurt a. M.) b. 338
S i 111 e r, Kongenitale Nabelschnurhemie; Spontanheilung. (Aus der medi¬
zinischen Klinik Marburg a. L.) (Illustr.) S. 340. _
Siegel, Ein Fall von traumatischer Gangrän der Gallenblase, b. 341
Kaupc, Eine Milchpumpen Verbesserung. (Illustr.) S. 343.
Kuhn, Zur Theorie und Praxis des Druckdifferenzverfahrens. (Aus dem
Elisabeth-Krankenhaus Kassel.) (Illustr.) S. 343.
Kaufmann, Ueber ein Spezialeiektroskop für Urethroskopie und direkte
Zystoskopie. S. 344.
Sobotta, Charles Darwin. S. 344. , TT •
Evcrshusch, Die Entwicklung der Augcnheilknnde an der Universität
Landshnt-München. (Aus der Kgl. Universitätsklinik und Poliklinik für
Augenkranke in München.) (Schluss.) S. 347.
Aerztllche Standeiangelegenheiten: Erdt, Bemerkungen zu den Vorschriften
für das Verfahren der Aerzte bei den gerichtlichen Untersuchungen von
Leichen (M. B. vom 7. Juli 1908). (Illustr.) S. 350.
Eihecker, Vorschriften für das Verfahren der Aerzte bei gerichtlichen
Untersuchungen von Leichen. S. 351.
Bücheranzeigen und Referate: Schmorl, Die pathologisch-histologischen Unter-
suchungsmelhoden. Ref.: Prof. Dr. G. II a u s e r - Erlangen. S. 352.
Strasser, Lehrbuch der Muskel- und Gelenkmechanik. Ref.: Professor
Dr. F. Lange-München. S. 352. _ ,
Onodi, Das Gehirn und die Nebenhöhlen der Nase. Ref.: Privatdozent
Dr. Scheibe- München. S. 352. w r
Kaufmann, Beiträge zur Pathologie des Stoffwechsels bei Psychosen. Ref.:
Dr. Gennanus Flatau-Dresdcn. S. 352.
Czaplewsky, Kurzes Lehrbuch der Desinfektion. Ref.: Ministerialrat
Dr. Dieudonn6-München. S. 353. _ „
Cohn, Kursus der Zahnheilkunde. Ref : Dr. B r u b a c li e r S 353.
Förster, Goethes naturwissenschaftliche Philosophie und Weltanschauung.
Ref.: Dr. Gr assmann-München. S. 353.
Claude, Schule und Elektrizität S. 354 R ,
Neueste Journallitcratur: Zeitschrift für klinische Medizin. 67. Bd
1. bis 3. Heft. — Zeitschrift für Tuberkulose. Bd. 13, Heft o. Archiv für
klinische Chirurgie. 88. Bd.. 2. Heft. - Zentralblatt für CJnrurfre. No. 4. -
Monatsschrift für Geburtshilfe und Gynäkologie. Bd. 28, Heft 0. Zentral¬
blatt für Gynäkologie. No. 3 u. 4. — Gynäkologische Rundschau. 2. Hclt.
— Monatsschrift für Kinderheilkunde. Band 7, No. 9. — Frankfurter Zeit¬
schrift für Pathologie. 2. Bd., 4. Heft. — Soziale Medizin und Hygiene.
Vereins- und Kongressberichte: Aerztlicher Lokalvercin Augsburg.
22 Dezember 1908: Demonstrationen. — 26. Januar 1909: Böhm, Hygie¬
nische Verhältnisse der Stadt Augsburg. — Demonstration. S 365.
Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden, 21. No¬
vember 1908: Demonstrationen. — Schmaltz, Ueber das Verhalten des
weichen Gaumens bei zerebraler Hemiplegie. — Rostoski, Ueber chro¬
nische Tropendmrrhöcn (Sprue). — Weisswange und Rietschel, Leber
Eklampsie bei Mutter und Kind. S. 366.
Verein der Aerzte in Halle a. S., 16. Dezember 1908: Krüger,
Ueber herzlose Missgeburten (Acardii). S. 367.
Nürnberger medizinische G c s e 11 s c h a f t u n d P o 1 1 k 11 n i k.
19. November 1908: Mayer, Ueber örtliche und zeitliche Einflüsse bei der
Verbreitung des Abdominaltyphus. — Frankenburger, Ergebnisse des
Walderholungsstättenaufenlhaltes. S. 368.
Aerztlicher Verein Rostock, 9. Januar 1909: Peters, Was ist und
wie behandeln wir die Skrofulöse ? S. 369.
Medizinisch - Naturwissenschaftlicher Verein Tübingen,
14. Dezember 1908*. F i e s s 1 e r, Zur Behandlung der Placenta pracym. —
Ketzer* Experimentelle Untersuchungen über den StolThaushalt in der
Gravidität. — Holzbach, Ueber die Funktion des Harnapparates nach
Operationen in Inhalationsnarkose und Lumbalanästhesie. S. 369.
Berliner medizinische Gesellschaft, 10. Februar 1909: Demon¬
strationen. — Har log, Das frühe Aufstehen nach Laparotomien, b. 372.
Aus den Wiener medizinischen Gesellschaften: Gesellschaft
für innere Medizin und Kinderheilkunde. S. 372.
Verschiedenes: Private Unfallversicherung in Landgemeinden. — Stethoskop. —
Aus den Parlamenten. — Galerie hervorragender Aerzte und Naturforscher.
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richten: Breslau; Czernowilz, Wien. — Brat t- S. 374.
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troffenen Aerzte und deren Hinterbliebenen. S. 376.
Korrespondenz: Schädigt lvollargol die Niere? S. 376.
Statistik: Generalkrankcnrapport über die K. Bayer. Armee für den Monat
Dezember 1909. — Mortalität in München. S. 376.
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München. Freiburg i. B. München. Leipzig. Eisenach. Würzburg Nürnberg. Berlin Erlangen. München. München. München.
No. 7. 16. Februar 1909.
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
Verlag: J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 26.
56. Jahrgang.
Originalien.
Was erfahren wir durch unsere klinischen Blutdruck¬
messungen beim Menschen?*) r \
Von F, Moritz. ^
M. H.! Die Aufgabe des Blutkreislaufes besteht darin, die
Blutfülle in den Organen zu regeln und für den Wechsel des
Blutes in denselben zu sorgen. Wenn wir uns dabei zunächst
das Gefässystem als ein Netz von Röhren vorstellen wollen, die
aktiven Schwankungen zu ihrer Weite nicht unterliegen, so
würde in diesem Falde beides, Blutfülle sowohl wie die Ge¬
schwindigkeit mit der das Blut sich erneuert, ausschliesslich
von der Höhe des Blutdruckes in der Aorta abhängen. Wäre
der Aortendruck das eine Mal hoch und das andere Mal niedrig,
so würde notwendig im ersten Fall auch die Füllung des arte¬
riellen Systems und die Blutgeschwindigkeit im Kreisläufe
grösser sein, als im zweiten.
Nur die eine Voraussetzung wäre noch zu machen, dass
nämlich in beiden Fällen der Druck am venösen Ende des
Kreislaufs derselbe bliebe oder jedenfalls mit Ansteigen des
Aortendruckes nicht auch wesentlich in die Höhe ginge. Es
ist leicht einzusehen, warum unter dieser Bedingung das ge¬
schilderte Verhalten Platz greifen müsste. In dem Falle des
höheren Aortendruckes würde auch weiter stromabwärts in
den Arterien und im Kapillarsystem noch ein erhöhter Druck
herrschen müssen. Die elastischen Gefäs 9 wan-dungen müssten
dadurch stärker ausgedehnt werden, mit anderen Worten, die
Füllung des arteriellen und Kapillarsystems müsste zunehmen.
Nun wissen wir aber, dass weitere Röhren der Flüssigkeits¬
bewegung weniger Widerstand entgegensetzen als engere.
Schon aus diesem Grunde würde also die Blutbewegung unter
dem höheren Aortendruck notwendig gefördert werden. In der
gleichen Richtung wirkt aber noch der Umstand, dass unter
der gemachten Annahme, dass der venöse Druck sich nicht
Wesentlich ändere, bei Erhöhung des Aortendrucks das Strom¬
gefälle in dem ganzen System zunehmen muss. Mit einem
grösseren Stromgefälle aber wächst bekanntlich die Strom¬
geschwindigkeit.
Fragen wir uns, unter welchen Bedingungen die soeben
erörterten Verhältnisse im Kreislauf tatsächlich eintreten könn¬
ten, so ist hierauf nur eine Antwort möglich. Es müsste, um
unter sonst gleichen Umständen den Aortendruck in die Höhe
zu bringen, die in der Zeiteinheit, sagen wir in der Minute,
vom Herzen geförderte Blutmenge zugenommen haben. Denn
dies würde notwendig zu einer vermehrten Füllung des ganzen
arteriellen Systems und also auch zu Druckerhöhung daselbst
führen. Da andererseits das Herz in dem Masse als es mehr
Blut nach vorwärts auswirft, auch mehr von rückwärts aus¬
schöpft, so wird der venöse Druck nicht steigen, er wird eher
sogar sinken. Das gesamte Stromgefälle des Kreislaufs nimmt
also zu, die Stromgeschwindigkeit bleibt dauernd vermehrt.
Die umgekehrte Wirkung würde eine Verkleinerung des Mirwi-
tenvolums des Herzens zur Fodge haben. Es braucht dies nicht
näher ausgeführt zu werden. J
Es sind also die Bedingungen veränderter Herzleistung, |
*) Fortbildungsvortrag, gehalten am 3. November 1908.
No. 7.
(Nachdruck der Originalartikel ist nicht gestattet.)
die Bewältigung grösserer oder kleinerer Blutmengen in der
Zeiteinheit, die unserer obigen Annahme einer Veränderung des
Aortendruckes bei aktiv sich nicht veränderndem Gefässystem
zugrunde liegen müssen und bloss die Bestimmung des Aorten¬
druckes resp. die Bestimmung des diesem proportional gehen¬
den Druckes in einer anderen Arterie würde genügen, um den
Schluss auf Vergrösserung oder Verkleinerung des Strom¬
volums, Vergrösserung oder Verkleinerung der Blutgeschwin-
digkeit zu ziehen.
Um diese Verhältnise und die noch weiterhin zu erörternden
uns anschaulich zu machen, wollen wir ein einfaches Modell be¬
nützen, das ich mir zu diesem Zweck zusammengestellt habe (Fig. 1).
ß ü
Es besteht aus einer Glasröhre (G), durch welche aus einer Ma¬
ri o 11 e sehen Flasche (F) rote (z. B. mit Rhodaneisen) gefärbte
Flüssigkeit strömt. Diese Röhre repräsentiert das Strombett des
Kreislaufs. Sie endet frei in einem umgebogenen, das venöse Kreis¬
laufende darstellenden Röhrchen (V), an dem'die ablaufende Flüssig¬
keitsmenge mit einem Messzylinder direkt bestimmt werden kann.
Der Abfluss kann, um einen Versuch unterbrechen zu können, durch
den im Röhrchen V angebrachten Hahn H abgestellt werden. An
zwei Punkten des Rohres G, nämlich an einem mehr stromaufwärts
gelegenen Punkte B und einem mehr stromabwärts gelegenen D.
zweigen Manometerröhren ab. Dieselben laufen zunächst aufeinander
zu, um dann neben einander parallel aufzusteigen. Auf diese Weise
lässt sich der gegenseitige Flüssigkeitsstand in ihnen gut vergleichen.
Der Punkt B stelle einen bestimmten Punkt des arteriellen Kreislaufs,
wir wollen annehmen die Brachialis, dar und der Punkt D eine weiter
abwärts gelegene Stelle, wir wollen annehmen eine Fingcrarterie.
An der Skala, die den Manometcrstand abzulesen gestattet, ist eine
seitliche Klappe (K) angebracht, durch welche man das Manometer D
verdecken kann, so dass alsdann nur das eine Manometer B. ent¬
sprechend einer isolierten Druckmessung an der Brachialis, sichtbar
bleibt. Unterhalb D, an dem mit I bezeichneten Punkt ist die Glas¬
röhre durch ein Stückchen Gummischlauch unterbrochen. Eine
Klemmschraube gestattet, diese Stelle zu verengern. Das Gleiche
ist zwischen den beiden Manometern nahe D, am Punkte II der
Fall. Auch hier ist durch eine Gummiverbindung mit Klemmschraube
J
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322
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
die Möglichkeit einer Verengerung der Gefässbahn gegeben 1 ). Eine
Klemmschraube (oder Glashahn) befindet sich endlich auch noch an
Punkt III, um das Manometer D absperren zu können. Die Ma¬
ri o 11 e sehe Flasche kann auf einem Holzgestell, das mehrere
Stufen (1, 2, 3) zeigt, auf verschiedene Höhen gebracht werden. Der
Flüssigkeitsabfluss erfolgt dann aus ihr unter wechselndem Druck
und somit auch in wechselnder Menge, so dass hierdurch Verände¬
rungen in der Herzleistung nachgeahmt werden können.
Wir benutzen das Modell nun zunächst in folgen¬
der Weise: Versuch 1: Die Klemmschraube II ist
ganz, die Klemmschraube I aber so weit geöffnet,
dass bei dem Stand der M a r i o 11 e sehen Flasche
auf der höchsten Stufe (3) die Flüssigkeit in Manometer B
sich etwas (ca. 5—10 cm) tiefer einstellt als der Flüssigkeits¬
spiegel beim Flaschenstand 2 und bei an V abgeschlossenem
Kreislauf steht (vorher auszuprobieren). Das Manometer D ist
verdeckt. Wir sehen, dass bei den Grössenverhältnissen, wie
sie an unserem Modell gerade gegeben sind, die Flüssigkeit im
Manometer B sich bei 84 cm über dem Glasrohr G eingestellt
hat. Am Punkt B haben wir also 84 cm Druck. Wir messen
nunmehr die aus V ausfltessende Flüssigkeitsmenge und er¬
halten in der Viertelminute 87 ccm. Versuch2: Nun ändern
wir den Stand der Mariotteschen Flasche, wir stellen sie
auf Stufe 2. Sonst bleibt alles unverändert. Wir haben also
nur die Grösse der Herzlaistung verändert und war verringert.
Die Ablesung ergibt: Stand des Manometers B bei 66cm,
Flüssigkeit aus V in % Minute 79 ccm. Hier ist also der zu¬
erst erörterte Fall realisiert. Arterielle Druckhöhe und Strom¬
geschwindigkeit ändern sich in gleichem Sinne, ausschliesslich
abhängig von einer ebensolchen Aenderung in der Herzledstung.
Unter diesen einfachsten Verhältnissen würde also die
Blutdruckmessung an einer bestimmten Stelle des arteriellen
Systems, beispielsweise an der Arteria brachialis, wo wir ja
mit dem Apparat von Riva-Rocci messen, ein wichtiges,
eindeutiges Resultat ergeben. Bei höherem Druck hätten w r ir
auf erhöhte Herzledstung und grössere Stromgeschwdndigkeit,
also auf bessere Kreislauf Verhältnisse zu schlossen, bei nie¬
drigerem Druck auf das Gegenteil. Indessen so einfach liegen
die Dinge wohl nur ganz ausnahmsweise, vielleicht nie. Die
Druckhöhen dm arteriellen System werden 'keineswegs allein
durch die Menge des vom Herzen ausgeworfenen Blutes, son¬
dern ebenso sehr und meist noch mehr durch den Grad der
Widerstände im Gefässystem bedingt. Steigen die Wider¬
stände, wie es vor allem durch eine Kontraktion der kleinsten
präkapillaren Arterien der Fall ist, so geht der arterielle Druck
in die Höhe und umgekehrt. Wir wollen uns auch hiervon
wieder an dem Modell überzeugen. Versuch 3: Wir lassen die
M a r i o 11 e sehe Flasche auf Stufe 2 stehen, wobei die Flüs¬
sigkeit im Manometer B sich, wie wir uns erinnern, auf den
Druck von 66 om eingestellt batte, schrauben nun aber die
Klemmschraube I etwas zu. Alsbald sehen wir die Flüssig¬
keit im Manometer B steigen und wir können es so einrdchten,
dass sie sich genau auf den Druck von 84 cm, denselben Druck
also, der vorher dem Stand der M a r i o 11 e sehen Flasche auf
der obersten Stufe entsprach, ednstellt. Die Druckmessung
an der Brachialis würde in diesen beiden Fällen also genau
dasselbe Resultat ergeben. Dass die Kreislaufverhältnisse im
übrigen aber keineswegs dieselben sind, ergibt ohne weiteres
die Bestimmung der Stromgeschwindigkeit. In einer K Minute
erhalten wir jetzt nur 28 ccm, gegen vorher 87 ccm. Wir haben
also eine einleuchtende Illustration zu der Tatsache gewonnen,
dass sich aus Druckmessungen an einer Stelle des Kreislaufes
noch gar nichts über das Stromverhalten als solches, speziell
über die Stromgeschwindigkeit folgern lässt.
Lassen sich nun, m. H., an unserem Modell die Unter¬
schiede, die bei gleichem Niveaustamde im Manometer B in der
Stromgeschwindigkeit je nach der Grösse des Gefässwider-
standes bestehen können, nur durch direkte Messung desStram-
volumens feststellen? Keineswegs. Die Unterschiede treten
sofort hervor, wenn wir auch das zweite Manometer zur Be¬
obachtung mit heranziehen. Versuch 4: Wir decken unser
*) Man kann statt dessen an diesen Stellen auch Hähne ein-
setzen, die zur Widerstandserhöhung teilweise geschlossen werden.
Die Versuche fallen mit Hähnen noch exakter aus.
Manometer D nun auf, stellen die Druckflasche auf die oberste
Stufe und richten den Gefässwiderstand am Hahn I so ein, dass
der Druck im Manometer B wieder 84 cm wird. Im Mano¬
meter D finden wir unter diesen Bedingungen einen Druck von
46 cm, zwischen beiden Manometern also eine Differenz, ein
„Druckgefälle“ von 38 cm. Versuch5: Postieren wir hierauf
die Druckflasche auf die zweite Stufe und bringen durch Wi¬
derstandserhöhung an der Schraube I den Druck in B aber¬
mals auf 84 cm, so sehen wir jetzt im Manometer D einen
Druck nicht von 46 sondern von 77 cm, ein Druckgefälle also
von nur 7 cm. Dieses verminderte Druckgefälle gibt uns ohne
weiteres über die veränderten Kreislaufverhältnisse Aufschluss,
es weist nach bekannten hydrodynamischen Gesetzen auf eine
Verringerung auch der Stromgeschwindigkeit hin.
In diesem Verhalten scheint nun ein wichtiger Fingerzeig
zu liegen, wie man auch beim Menschen über Veränderungen
der Stromgeschwiindigkeit Aufschluss erlangen könnte. Man
müsste den arteriellen Druck an zw ei verschiedenen Punkten
des Gefässystems, z. B. mit dem Riva-Rocci sehen Apparat
am Oberarm und mit dem Gärtner sehen an einer Finger¬
arterie bestimmen und die Grösse der Druckdifferenz als Mass¬
stab für die Stromgeschwindigkeit benutzen.
Indessen so verlockend das auf den ersten Blick aussieht,
es erhoben sich doch alsbald Bedenken. Wenn man verglei¬
chende derartige Gefällbestimmungen am Arm zu Schluss¬
folgerungen über die Stromgeschwiindigkeit, sei es bei ver¬
schiedenen Menschen, sei es bei demselben Menschen unter
verschiedenen Bedingungen benutzen wollte, so müsste man
voraussetzen können, dass zwischen dem Messpunkt am Ober¬
arm und dem am Finger immer ein relativ gleiches Mass von
Gefässwiderstand sich befände, eine Annahme, deren Unwahr-
scheinlichkeit auf der Hand liegt Es hat, sowie diese Voraus¬
setzung nicht zutrifft, das Gesetz von der Proportionalität zwi¬
schen Druckgefälle und Stromgeschwindigkeit selbstverständ¬
lich keine Gültigkeit mehr.
Denn wenn der Teil des Gefälles, der zur Ueberwindung
des Gefässwiderstandes verbraucht wird, aus einer (annähernd)
Konstanten zu einer Variablen wird, so entfällt natürlich jede
Möglichkeit, das Gesamtgefälle als Geschwindigkeitsmassstab
zu verwerten.
Versuch 6: Es ist leicht, diese Verhältnisse an unserem
Modell zu demonstrieren. Es befindet sich dasselbe vom (letz¬
ten Versuch No. 5 her noch unter den Bedingungen, wo bei
hohem Druck in der Brachialis und ebenfalls hohem Druck in
den Fingerarterien ein geringes Stromgefälle und dement-
prechend eine geringe Stromgeschwindigkeit herrschte. Wir
erinnern uns, dass wir bei einem Stromgefälle von 7 cm
ein Stromvolum von 28 ccm in K Minute ermittelten.
Vorher hatten wir in Versuch 4 bei einem Stromgefälle
von 38 cm ein Stromvolum von 87 ccm beobachtet. Wir wollen
nun den Gefässwiderstand zwischen den beiden Messpunkten
B und D (Brachialis und Fingerarterien) vermehren, indem wir
die Klemme am Punkte II enger stellen. Alsbald sehen wir den
Manometerstand -in B steigen (auf 87 cm), den in D aber sinken
(auf 51 cm). Das Gefälle zw ischen B und D, vorher 7 cm, hat
jetzt eine Grösse von 36 cm erreicht. Wir haben es also an¬
nähernd auf dieselbe Höhe wie in Versuch No. 4 gebracht Da¬
mals entsprach dieses Druckgefälle, wie gesagt, einem Strom-
volum von 87 oem in der Viertelminute. Bestimmen wir das
Stromvolum jetzt wieder, so finden wir, dass es nunmehr nur
18 ccm beträgt, also nicht nur sehr viel weniger wie bei dem
früheren Versuch mit gleichem, sondern auch weniger als bei
dem letzten Versuch mit dem viel kleineren Gefälle. Es wird
eben jetzt ein sehr grosser Teil des Gefälles zur Ueberwindung
des erhöhten Zwischenwiderstandes verbraucht, für die Strom¬
beschleunigung bleibt nur ein kleiner Rest übrig.
Es ist ja nun allerdings nicht wahrscheinlich, dass tatsäch¬
lich beim Menschen zwischen der Brachialis und den Finger¬
arterien so grosse Unterschiede im Gefässwiderstand Vor¬
kommen werden, dass eine scheinbar vollständige Verkehrung
der Beziehungen zwischen Stromgefälle und Stromgeschwdn-
digkeit ©intritt, wie wir sie an unserem Modell herbeiführten.
Auf alle Fälle steht aber fest, dass man geringeren Differenzen
im Unterarmgefälle, insofern sie als Ausdruck einer gleichsinni-
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Original fmm ~ ~ ~
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
323
gen Veränderung der Stromgeschwindigkedt gelten sollen, eine
grosse Skepsis wiird entgegenbringen müssen, ganz abgesehen
davon, dass unsere Messverfahren mit dem Riva-Rocci-
schen und dem Gärtner sehen Apparat als so fein und genau,
wie man sie für ganz subtile Messungen wünschen müsste, nicht
gelten können. Es liegen übrigens, meines Wissens, ver¬
gleichende Untersuchungen darüber, was sich bei verschie¬
denen physiologischen Zuständen bei einer vergleichenden Be¬
stimmung des Brachialis- und Fingerdrucks ergibt, nicht vor.
Es wäre immerhin erwünscht, dies festzustellen.
Lassen sich denn nun sonst keine Anhaltspunkte am Ge-
fässystem gewinnen, nach denen wir aus dem Druck verhalten
auf die Stromgeschwindigkeit resp., was auf dasselbe hinaus¬
läuft, auf das in einer gewissen Zeit vom Herzen beförderte
Flüssigkeitsvolum, sagen wir das MinutenvoJum, schliessen
könnten ?
In der Tat, es gibt noch eine derartige Perspektive. Die
Art, wie wir bisher unser Modell funktionieren Kessen, deckt
sich in einem wichtigen Punkte nicht mit den Verhältnissen am
natürlichen Kreislauf. Wir Hessen den Strom unter dem kon¬
stanten Druck der M a ri o t te sehen Flasche vor sich gehen,
im natürlichen Kreislauf geschieht dies aber bekanntlich unter
periodischen Druckschwankungen. Die Herzsystole erzeugt
jedesmal eine Drucksteigerung, die sich auf den am Ende der
vorausgegangenen Diastole noch vorhandenen Druck aufsetzt.
Wir haben also in regelmässiger Folge ein Druckmaximum und
-minimum, das man gewöhnlich auch als svstolischen und dia¬
stolischen Druck bezeichnet. Wir können -diesen Vorgang an
unserem Modell nachahmen, indem wir den Flüssigkeitszufluss
von der Mariotteschen Flasche her periodisch unter¬
brechen und freigeben. Man erzielt dies in einfachster Weise,
indem man den zuführenden Schlauch S genau im Takt eines
langsam schlagenden Metronoms immer für die Zeit zwischen
zwei Schlägen mit den Fingern abwechselnd schliesst und
öffnet
Versuch 7: Wir machen jetzt einen solchen Versuch an
unserem Modell, und zwar mit der vom vorhergehenden Ver¬
such 6 noch bestehenden Anordnung, d. h. bei grossem, aber
durch Erhöhung des Zwischenwiderstandes II herbeigeführtem
Gefälle, dem, wie unsere direkte Messung ergab, nur ein klei¬
nes Stromvolum entsprach. Wir klappen dabei unser Mano¬
meter D zu, so, als ob wir nur eine Druckmessung an der Bra¬
chialis, entsprechend dem offenbleibenden Manometer B, vor¬
nähmen *). Wir sehen nun alsbald an dem Manometer B rhyth¬
mische Druckschwankungen zwischen dem maximalen und
minimalen Druck auftreten. Die „Druckamplitude“, wie man
diese Grösse zu nennen pflegt, beträgt, wie mein Assistent be¬
stimmt — ich selbst muss meine ganze Aufmerksamkeit der
exakten, rhythmischen Kompression des Schlauches zu¬
wenden —, ca. 14 cm. In der Viertelminute fliessen dabei, wie
wieder mein Assistent durch direkte Messung feststellt, 17 ccm
Flüssigkeit aus V ab.
Versuch 8: Und nunmehr stellen wir die Bedingungen
wieder her, wie sie in dem Versuch No. 5 herrschten, d. h.
wir schalten den besonderen Widerstand an Punkt II durch
völliges Aufdrehen der Schraube daselbst, wieder ganz aus
und sehen dementsprechend das Stromgefälle von B zu D von
36 cm wieder auf 7 cm sinken. Wir erinnern uns aber, dass
diesem niedrigeren Gefälle, weil nun der abnorme Druckver¬
brauch am Zwischenwiderstand II wegfällt, doch ein grösseres
Stromvolum entsprach, als wir es bei Einschaltung des Zwi¬
schenwiderstandes in Versuch No. 6 fanden. Was sagt nun
jetzt die AmpKtudenbestimmung? Ich komprimiere wieder
rhythmisch im gleichen Takt wie vorher den Schlauch S und
mein Assistent stellt fest, dass jetzt eine Druckamplitude von
ca. 20 cm besteht. Die Messung des Stromvolums ergibt für
eine Viertelmmute 23 ccm, also eine deutliche Steigerung gegen¬
über dem vorigen Versuche.
Wir haben also gefunden, dass zwischen der „Druck-
ampHtude“ oder, wie eine andere Bezeichnung lautet, dem
„Pulsdrucke“ und der Stromgeschwindigkeit Proportionalbe-
*) Es empfiehlt sich bei den folgenden Versuchen das Mano¬
meter D überhaupt abzusperren.
Ziehungen bestehen, wobei uns Täuschungen, wie sie uns beim
Stromgefälle bei abnormem Zwischenwiderstand begegneten,
nicht unterlaufen können. Durchaus gleichartige, nur noch viel
schlagendere Ergebnisse erhalten wir, wenn wir die Druck¬
amplitude unter den Bedingungen von Versuch 1 und 3 mit
einander vergleichen.
Die Bestimmung der Druckamplitude ist also für das Stu¬
dium der Kreislaufverhältnisse von grossem Interesse und man
hat stie denn auch beim Menschen in verschiedener Weise,
auf sphygmographischem, palpatorischem, auskultatorischem
und oszillatorischem Wege vorzunehmen gesucht.
Wenn man die Manschette des bekannten Riva-Roccisehen
Blutdruckmessungsapparates (breite Form nach v. Reckling¬
hausen) allmählich aufbläst, so muss ein Punkt kommen, wo der
Manschettendruck eben den minimalen oder diastolischen Druck in
der Arterie übersteigt. Bei diesem Drucke muss die Arterie offenbar
am Ende der Diastole zusammenfallen, um sich mit der systolischen
Drucksteigerung dann wieder zu öffnen. Bei dieser Oeffnung der
Arterie aber wird Kraft verbraucht, so dass unterhalb der Kom¬
pressionsstelle von jetzt ab die Druckamplitude kleiner ausfällt als
vorher und zwar wird sie kleiner und kleiner in dem Masse, als man
den Manschettendruck über den diastolischen hinaus mehr und mehr
erhöht. Ist der Manschettendruck bis auf die Höhe des systolischen
Druckes gestiegen d. i. also dem Druckmaximum in der Arterie gleich
geworden, so dringt überhaupt kein Blut mehr unter der Manschette
durch, es fällt jede Druckschwankung unterhalb der Manschette fort.
Diese Vorgänge lassen sich mit Hilfe eines Sphygmographen ver¬
folgen. Bringt man einen Sphygmographen an der Radialis an und
steigert allmählig den Manschettendruck des am Oberarm angelegten
Riva-Rocci sehen Apparates, so zeigt der Druck, bei dem die
kurvenhöhe des Sphygmographen eben kleiner werden, den dia¬
stolischen oder Minimaldruck in der Brachialis und der Druck, bei
dem die Pulskurve ganz verschwindet, den systolischen oder
Maximaldruck an. In dieser Weise kann man also die Pulskurve, die
bekanntlich ja eine Druckkurve ist, in absolutem Masse eichen, und
so das gewinnen, was Sahli das absolute Sphygmogramm genannt
hat. a )
Einen einfacheren Weg geht S t r a s b u r g e r, der den Punkt,
wo die Pulswellen an der Radialis bei Erreichung des diastolischen
Druckes in der Manschette eben kleiner werden, durch Palpation zu
bestimmen sucht. *) Leider ist diese Methode aber ungenauer,
als die erstgenannte. Sie ergibt in der Regel zu hohe Werte für den
diastolischen Blutdruck, indem die ersten unbedeutenden Verkleine¬
rungen der Pulswelle dem fühlenden Finger entgehen. Dagegen
ist die palpatorische Feststellung des systolischen Brachialisdruckes.
durch Ermittelung des Manschettendruckes, bei dem der Radialpuls
für den palpierenden Finger ganz verschwindet, genügend genau.
Sie entspricht der allgemein geübten, von Riva-Rocci ange¬
gebenen Methode.
Bei der auskultatorischen Methode (Korotkow-Fellner*)
benützt man das Auftreten eines Arterientones über der Arteria
cubitalis während der Oberarmkompression mittels der v. Reck¬
linghausen sehen Manschette, um den Punkt des Maximal- und
Minimaldruckes zu bestimmen. Man komprimiert zunächst über den
Maximaldruck hinaus und lässt den Druck hierauf allmählich sinken.
Dann gilt das erste Auftreten eines Tones als Signal dafür, dass der
Manschettendruck eben den Maximaldruck passiert hat und das
Verschwinden des Tones, dass der Minimaldruck überschritten wurde.
Es sind offenbar die brüsken Füllungsänderungen, welche die kom¬
primierte Arterie im Bereich der Druckamplitude erfährt, welche zu
dem Auftreten eines Tones führen.
Die bisher gebräuchlichste Methode endlich, um auf „oszilla-
torischem“ Wege die Druckamplitude zu bestimmen, ist die mit dem
ingeniösen Apparat v.Recklinghausens*). Sie beruht auf der Ueber-
legung, dass in der Oberarmmanschette des Riva-Rocci sehen
Apparates offenbar dann besonders grosse Volumschwankungen be¬
ginnen müssen, wenn eben die Arterie unter dem Manschettendruck
in der Diastole kollabiert, der Manschettendruck also annähernd gleich
dem diastolischen Druck ist. Denn nun schwankt ja die Arterien¬
füllung bei jedem Herzschlag zwischen 0 und jener Grösse hin und
her, welche dem systolischen Druckzuwachs entspricht. Diese
grossen Volumschwankungen werden in dem v. Reckling¬
hausen sehen Apparat durch das Oszillieren eines Zeigers direkt
sichtbar gemacht. Man kann übrigens die Volumschwankungen in
der Manschette auch graphisch fixieren und so der Messung zu¬
gänglich machen.
*) Ueber das absolute Sphygmogramm. D. Archiv f. klin. Med.,
Bd. 81.
4 ) Ein Verfahren zur Messung des diastol. Druckes usw. Zeit¬
schrift f. klin. Med., Bd. 54.
5 ) Verhandlungen des 24. Kongresses für innere Medizin. 1907.
S. 404.
•) Ueber unblutige Blutdruckmessung. Archiv f. exp. Pathol.
u. Pharmakol., Bd. 55, S. 412.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
m
No. 7.
Die Verwendung der am Menschen bestimmten Druck-
ampliitude zu Schlussfolgerungen über die Kreislaufverhältnisse
ist indessen doch nicht so einfach und eindeutig, als es nach
unseren Modellversuchen erscheinen könnte. Man hat geglaubt
sie ohne weiteres dem Schlagvolum des Herzens proportional
setzen zu können, wodurch freilich eine sehr wichtige Grösse
aufs einfachste bestimmt wäre. Das ist aber nicht angängig.
Machen wir uns im Einzelnen klar wie im Gefässystein die
periodische Druckschwankunig zu stände kommt. Das Schlag¬
volum des Herzens dehnt die Aorta und das übrige Arterien¬
system aus. Die gedehnten Gefässe entwickeln einen höheren
Spannungsdruck und eben dieser bedingt und bestimmt den ar¬
teriellen Druckzuwachs. Sind die Gefässe weicher und dehn¬
barer, so wird bei gleichem Schlagvolum, also gleicher Deh¬
nung, doch der Spannungszuwachs geringer ausfallen, der ar¬
terielle Druck also weniger ansteigen, als wenn sie härter und
weniger nachgiebig wären. Die gleiche Druckamplitude bei
zwei Menschen könnte also nur dann auf ein gleiches Schlag¬
volum schliessen lassen, wenn man die gleiche Dehnbarkeit der
Gefässe bei ihnen voraussetzte. Dass diese Voraussetzung
nicht immer zutreffen wird, liegt auf der Hand. Ein älterer
Mensch, ein Arteriosklerotiker wird vermutlich härtere, we¬
niger dehnbare Arterien haben, als ein jüngerer, arterienge¬
sunder 7 ). Bei jenem wird also bei gleichem Schlagvolum eine
grössere Druckamplitude resultieren.
Aber auch bei demselben Menschen müssen hier zu ver¬
schiedenen Zeiten Unterschiede Vorkommen können, je nach¬
dem durch den Grad des Kontraktionszustandes seiner Arterien
diese mehr oder weniger leicht dehnbar sind und ihr gesamter
Hohlraum sich verkleinert oder vergrössert hat. Bei gleichem
Schlagvolum, also gleichem Füllungszuwachs, wird ein er¬
weitertes und nachgiebiges arterielles System einen kleineren
Druckzuwachs, also eine kleinere Druckamplitude zeigen als
ein enges und wenig nachgiebiges. Gefässkrampf im arteriellen
System steigert ceteris paribus also die Druckamplitude, Ge-
fässkollaps vermindert sie. Ebenso muss eine primär be¬
sonders geräumige Anlage des arteriellen Systems die Druck¬
amplitude ceteris paribus verkleinern, eine enge Anlage sie ver-
grössern. Auch die Frequenz des Pulses muss hier Einfluss
haben können. Bei raschem Puls fliesst ein verhältnismässig
grosser Teil des gesamten Sohlagvolums des Herzens schon
während der Systole aus dem arteriellen System ab und ent¬
geht so der Anteilnahme an der Drucksteigerung. Bei lang¬
samem Puls ist die Quote des Gesamtschlagvolums, die wäh¬
rend der Systole das arterielle System verlässt, kleiner. Ein
langsamer Puls vergrössert also ceteris paribus die Druck¬
amplitude.
Mehr als dieses fällt aber der Umstand ins Gewicht, dass
die Dehnbarkeit der Arterienwände je nach dem Grad ihrer
Anfangsdehnung sehr erheblich wechselt. Je mehr eine Arterie
vorher schon gedehnt ist, einen um so grösseren Widerstand
setzt sie weiterer Dehnung entgegen, eine um so grössere Span¬
nungszunahme erfährt sie also bei demselben Füllungszuwachs.
Das gleiche Schlagvolum in ein Gefässystem hinein, das von
vornherein schon stark gefüllt und gedehnt ist, also unter
hohem Druck steht, führt zu einem grösseren Druckzuwachs,
als wenn es -im arteriellen System eine geringere Füllung und
Dehnung, also einen geringeren Anfangsdruck vorfindet.
Glücklicherweise lässt sich nun für den Einfluss, den die
Höhe der Anfangsspannung des Arterienrohrs, also des diastoli¬
schen Druckes, auf die Druckamplitude ausübt, ein annähernder
Ausdruok gewinnen. Experimentelle Untersuchungen, die wir
über die Beziehungen zwischen Füllung und Druck in der Aorta 8 )
angestellt haben, haben gezeigt, dass man allerdings nicht aus
dem blossen Druckzuwachs (Druckamplitude) auf den Füllungs¬
zuwachs (Schlagvolum) schliessen könne, wohl aber aus einem
7 ) Strasburger: Ueber die Elastizität der Aorta bei be¬
ginnender Arteriosklerose. Münch, mcd. Wochenschr. 1907, No. 15.
8 ) Fürst und Soetbeer: Experimentelle Untersuchungen
über die Beziehungen zwischen Füllung und Druck in der Aorta.
D. Archiv f. klin. Med., Bd. 90, H. 1/2, s. auch Strasburger: Ueber
den Einfluss der Aortenelastizität auf das Verhältnis zwischen Puls¬
druck und Schlagvolum des Herzens. Dasselbe Archiv, Bd. 91,
S. 378 ff.
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Quotienten, dessen Zähler die Druckamplitude und dessen Nen¬
ner annähernd der mittlere arterielle Druck an der Stelle der
Messung ist.
Bezeichnet a die Amplitude, d den diastolichen Druck, v das
Schlagvolum der einzelnen Systole und K eine Konstante, so
a
lautet die Formel v = K d + a Als mittleren Blutdruck pflegt
3
man gewöhnlich den Wert d -f 2 a zu betrachten. Die Differenz
zwischen d -f- und d + } ist nicht so gross, dass man nicht
noch einen brauchbaren Annäherungswert erhielte, wenn man
den ersteren für den letzteren setzt. Man erhält also als
a + d
relatives Mass für das Schlagvolum den Ausdruck _ a Ich
glaube, dass dieser Annäherungswert Beachtung verdient. Man
wird ihn bei Kreislaufstudien mit der Vorsicht verwenden
dürfen, welche angesichts unserer vorher gemachten Ueber-
legungen angezeigt erscheint. Man wird insbesondere also be¬
rücksichtigen müssen, dass bei Menschen mit starren Arterien,
mit kontrahiertem Arteriensystem und mit langsamem Pulse
der Ausdruck eher zu hohe, bei Menschen mit kollabierten Ar¬
terien und mit frequentem Pulse eher zu niedrige Werte gibt.
Eine interessante weitere Benutzung erlaubt der Wert
d+_a auf Grund folgender Ueberlegung. Wenn dieser Wert
2
ein relatives Mass des Schlagvolums des Herzens darstellt,
so muss sein Produkt mit dem mittleren Blutdruck ein relatives
Mass der Arbeit sein, die das Herz bei jeder einzelnen Systole
leistet (Herzarbeit = Schlagvolum mal Blutdruck). Dieses
Produkt ist aber, wie sich ohne weiteres ergibt, der
blosse Wert a. Die Druckamplitude ist also ein approxi¬
matives und relatives Mass für die Arbeit des Herzens bei
jedem einzelnen Herzschlage. Daraus folgt ohne weiteres, dass
das Produkt der Pulsamplitude mit der Zahl der Herzschläge m
der Minute (n) also der Wert a n, das sogen. Amplituden¬
frequenzprodukt, ein relatives Mass für die Herzarbeit in der
Zeiteinheit darstellt. Mit dieser Deutung des Amplituden-
frequenzproduktes weiche Ich von der Auffassung v. Reck¬
linghausens ab, der den Wert a n unter bestimmten
Voraussetzungen als Mass des Minutenvolums betrachtet ).
Indessen, m. H., so verlockend es erscheint, von so ein¬
fachen Werten, als sie sich uns hier ergeben haben, nun aus¬
gedehnten praktischen Gebrauch zu machen, so muss ich doch
noch einmal zur Vorsicht mahnen. Ich muss bekennen, dass
ich alle uns bisher zur Verfügung stehenden Methoden der
Bestimmung der Druckamplitude einschliesslich der mit dem
schönen Apparate von v. Recklinghausen, noch nicht für
so exakt halte, als dass nicht bei ihnen doch recht sehr in>
Gewicht fallende Ungenauigkeiten unterlaufen könnten. Ur.d
zweitens muss darauf hingewiesen werden, dass es nicht sicher,
vielmehr unwahrscheinlich ist, dass wir am Arm des Men¬
schen, den wir ja fast ausschliesslich zu den Druckmessungen
verwenden, immer die gleiche Quote des Gesamtkreislaufes
repräsentiert finden. Die Beziehungen des Druckverhaltens
am Arm zu dem Druckverhalten in der Aorta werden kaum
immer die gleichen sein und es wird immer eine Unsicherheit
an einem Verfahren haften müssen, das aus dem Kreislaui am
Arm, und sei er auch noch so genau nach Druck und Strom*
volum bekannt, auf die entsprechenden Grössen in der Aorta
zu schliessen sich unterfängt. Diese letztere Ueberlegung
wiegt um so schwerer, wenn wir bedenken, dass zwischen dem
Kreislauf in den Abdominalorganen (Splanchnikusgebiet) und
dem in der Peripherie nachgewiesenermassen eine Art von
Antagonismus besteht, indem bei besonders reichlicher Durch¬
blutung des Körperinnern die Peripherie verhältnismässig blut¬
arm ist und umgekehrt. An diese Dinge wird man auch bei
allen noch etwa zu erwartenden Fortschritten auf dem Gebiet
der Druckmessung zu denken haben.
°) v. Recklinghausen: Was wir durch die Pulsdruckkurve
und durch die Pulsdruckamplitude über den grossen Kreislaui er¬
fahren. Archiv f. exper. Pathol. u. Pharmakol., Bd. 56, S. 24.
Original frorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
Sahli, der sich um die Kritik bestehender und die Aus¬
bildung neuer klinischer Untersuchungsmethcden schon viele
Verdienste erworben hat, hat kürzlich eine eigenartige neue
Methode der Kreislaufuntersuchung als „Sphygmobolometrie“
beschrieben 10 ). Er misst den Arbeitswert der Pulswelle, die in
den gegen den Unterarm abgeschnürten Oberarm einschiesst,
um aus ihr auf die vom Herzen bei der Systole entwickelte
Kraft zu schliessen. Ich hege indessen Zweifel, ob wir auf
diesem Wege neue Aufschlüsse bekommen werden. Die
lebendige Kraft der in Frage stehenden Blutwelle muss ab-
hängen von der Menge und von der Geschwindigkeit des ein¬
schiessenden Blutes. Bei Abbindung des Oberarms gegen den
Unterarm stellt die Subklavia, Axillaris und Brachialis des be¬
treffenden Armes annähernd einen blinden Anhang der Aorta
dar. Die Blutsäule in demselben wird am Ende der Diastole
(während der Diastole ist das Blut rückwärts gegen die Aorta
zu geströmt) nahezu den Minimaldruck der Aorta aufweisen.
Wieviel Blut und mit welcher Geschwindigkeit dasselbe nun
während der nächsten Systole einströmt, das hängt ab von der
individuellen Kapazität des betreffenden Arteriengebietes, von
dem individuellen Widerstand, den das Blut in Subklavia und
Axillaris findet, und von der Druckdifferenz zwischen Maximal-
und Minimaldruck in der Aorta, also von der Druckamplitude
daselbst. Abgesehen von den individuellen Bedingungen in den
Arterien, die unbekannt bleiben und uns auch nichts über das
Geschehen in der Aorta besagen könnten, und die hier viel¬
leicht nur noch störender als bei den auf reine Druckbestim¬
mungen hinausgehenden Untersuchungsmethoden einwirken,
bleiben also nur der Maximal- und Minimaldruck der Aorta als
das Resultat bestimmend übrig, Grössen, die wir ja auch bei
den übrigen Methoden aufzudecken suchen.
O. Müller hat jüngst eine plethysmographische
Methode in Aussicht gestellt 11 ), bei der er den zu¬
nächst anämisch gemachten Arm in einen Plethysmographen
bringt und dann durch allmählige Verringerung des Kom-
pressionsdruükes das Blut bis zu betimmten Stellen des Ar¬
teriensystems, dann in das Kapillar- und endlich in das Venen¬
system einströmen lässt. Indem er sowohl den Druck misst,
unter dem das Blut eben bis an eine bestimmte Stelle der
Arterien, bis in das Kapillar- oder bis in das Venensystem ge-*
langt und ebenso die bei dieser Druckverminderung aus dem
Plethysmographen ausfliessenden Wassermengen bestimmt,
hofft er sowohl über den Druckabfall im Armkreislauf als über
die Blutmengen, die sich in den einzelnen Gefässabschnitten be¬
finden Aufschluss zu erhalten. Einzelheiten über die Technik
stehen noch aus. Es darf aber jetzt wohl schon eingewendet
werden, dass aus dem Druck, unter dem sich das Blut den
Weg bis zu gewissen Stellen des Gefässystems bahnt, während
die weitere Bahn noch verschlossen bleibt, sich Schlüsse auf
den Druckabfall im völlig frei gegebenen Kreislauf, auf den es
doch ankommt, nicht ziehen lassen.
Also, wie Sie sehen, m. H., Schwierigkeiten über Schwie¬
rigkeiten, sobald wir tiefer in das Geschehen im Kreislauf ein¬
zudringen versuchen. Trotzdem braucht man aber keinen aus¬
schliesslich skeptischen oder gar negierenden Standpunkt
gegenüber dem praktischen Wert von Blutdruckmessungen ein¬
zunehmen. Im Gegenteil ist es gerade die einfachste, ver¬
breitetste und einwandfreieste Methode, die palpatorische Be¬
stimmung des maximalen Blutdrucks in der Brachialis nach
dem Verfahren von Riva-Rocci (breite Manschette nach
v. R e c k 1 i n g h a u s e n) mit der Sie praktisch überaus wich¬
tige Aufschlüsse erzielen können. Ganz vorwiegend sind es
die abnormen Erhöhungen des systolischen Blutdruckes, die
unser Interesse beanspruchen, Erhöhungen, die sich zum
guten Teil auf chronische Nephritiden, zu einem anderen Teil
auf idiopathische Hypertonie beziehen, bei denen nicht selten
Arteriosklerose mitspielt und die vereinzelt auch mit anderen
Zuständen, z. B. mit Hyperglobulie des Blutes, d. h. abnorm
grosser Zahl von roten Blutkörperchen einhergehen oder auch
,0 ) Sahli: Ueber Sphygmobolometrie etc. D. nied. Wocehn-
schriit 1907, No. 16 u. 17.
M ) 0. Müller: Das absolute Plethyoniograrmii. Münch, mcd.
Wochenschr. 1908, No. 35.
einmal mit kardialen Stauungszuständen, der sog. Hoohdruck-
stauung Sahlis Zusammenhängen. Weniger bedeutungsvoll
ist im allgemeinen der Nachweis abnorm niedriger Blutdruck¬
werte, da sich die Fälle von starkem Darniederliegen des Kreis¬
laufes in der Regel auch am Pulse nicht verkennen lassen.
Das gleiche kann man für die Fälle eines abnorm hohen Blut¬
druckes nicht sagen. Auch dem Geübten kommen immer wie¬
der Fälle vor, wo er sich beim Pulsfühlen in der Beurteilung
abnorm hoher Pulsspannungen irrt. Insbesondere ist dies bei
engem Arterienrohr der Fall: Der Grund hierfür liegt darin,
dass zur Kompression eines kleinen Gefässes bei gleich grosser
Innenspannung nach bekannten hydraulischen Gesetzen doch
nur ein geringerer Kraftaufwand seitens des Fingers nötig ist,
als wenn es sich um ein weites Gefäss handelt.
Hier ist also die Druckmessung gerade auch für den Prak¬
tiker von grossem Wert. Abgesehen von diagnostischem
Interesse macht die Konstatierung abnorm hoher Blutdruck¬
werte auch auf gewisse Gefahren aufmerksam, nicht nur auf
die näher rückende Gefahr von Berstung schadhafter Gefäss-
stellen, sondern vor allem auch auf die Gefahr rascherer Ab¬
nützung des Herzens, die eintritt, w enn das Organ jahraus jahr¬
ein sich gegen einen abnorm hohen Druck zu entleeren hat. Man
wird also bei Hypertonikern, die sich nicht ganz selten schon
aus Personen jugendlichen Alters rekrutieren, gut daran tun,
die diätetischen Reiz- und Errcgungsmittel des Kreislaufs,
Kaffee, Thee, Alkohol, Tabak, Gewürze usw. (auch Fleisch
scheint eine Rolle zu spielen) möglichst zu vermindern oder
auszuschalten und ihnen auch in Bezug auf körperliche An¬
strengung (Sport u. dergl.) die den Blutdruck noch weiter er¬
heblich erhöhen, grosse Vorsicht anzuempfehlen. Es ist be¬
merkenswert, dass man auf diesem Wege recht Erhebliches er¬
reichen kann. Insbesondere sieht man bei reiner Milchdiät
Hypertonien manchmal stark zurückgehen. Medikamentös
kommen Jodpräparate in Betracht.
Ich bin am Schlüsse. Die Aufgabe, die ich mir stellte, war
es vornehmlich, Ihnen die Grenzen vorzuführen, die der Ver¬
wertbarkeit der heute üblichen Methoden der Blutdruckmessung
gezogen sind. Wir haben gesehen, dass die Grenzen, sow r eit
sie sicheres Terrain urnschliessen, zurzeit noch verhältnis¬
mässig eng sind. Innerhalb dieser Grenzen hat aber die Blut¬
druckmessung praktisch eine erhebliche diagnostische und pro¬
phylaktisch-therapeutische Bedeutung.
Ueber die Verbreitungsart der Trichinellen.*)
Von Privatdozent Dr. med. Carl Stäub li (Basel), zurzeit
in St. Moritz.
Nachdem durch Zenker an seinem berühmten Dresdner
Fall die Bedeutung der Trichinellen als Krankheitserreger in
der menschlichen Pathologie nachgewiesen worden war, und
er im weiteren als wesentliches, für den Menschen in Frage
kommendes Moment den Genuss trichinellcnhaltigcn Schweine¬
fleisches erkannt hatte,stellte sich als zweite für die Bekämpfung
der Trichinose wichtige Frage in den Vordergrund, auf welche
Weise die Schweine ihre Trichinellen erwerben. — Wir werden
später nochmals auf die Streitfrage zurückkommen, welche sich
hauptsächlich zwischen Leuckart und Zenker darüber
entspann, ob die Ratte oder das Schwein der eigentliche
Triehinellenträger sei, in welchem sich die Trichinelle von
Generation zu Generation fortpflanze. — Der wesentliche In¬
fektionsmodus war auch für das Schwein unzweifelhaft die
Aufnahme trichinellenhaltigcn Fleisches. Daneben wurde noch
eine andere Ansteckungsmöglichkeit in Erwägung gezogen,
nämlich die Infektion durch trichinelienhaltige Fäzes trichi-
nellenkrankcr Menschen und Tiere. Im Prinzip unterscheidet
sich dieser Infektionsmodus von demjenigen der Aufnahme von
Muskeltrichinellen dadurch, dass es sich nicht um eine weitere
Generationsfolge handelt, sondern einfach die sonst im selben
*) Da der Name T r i c h i n a schon vor Owen von Meigen (1830)
einer Dipterengattung gegeben \worden war, wurde die Nematoden¬
art gemäss den internatioalen Nomenklaturregeln von dem Zoologen
A. R a i 11 i e t 1895 auf Trichinella spiralis umgetauft. (Siehe
auch M. Braun: Die tierischen Parasiten des Menschen. 4. Aufl.
Wiirzburg 1908.)
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Original frorri
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
326
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
Wirte vor sich gehende Propagation der jungen Brut zum Teil I
in einen anderen Wirt verlegt wird. Dieser Infektionsmodus
kann also höchstens bewirken, dass statt einem event. zwei
oder mehrere Individuen infiziert werden, niemals aber für sich
die Erhaltung der Trichinelien von Generation zu Generation
sichern. Das zeigt schon, dass es sich dabei bezüglich der
Verbreitung der Trichinelien höchstens um einen Nebenweg
von untergeordneter Bedeutung handeln kann, und es erscheint
nur schwer verständlich, wie die Uebertragung durch die
Fäzes in der Frage der Trichinellenverbreitung überhaupt
einmal eine so grosse Rolle spielen konnte. Die Erkenntnis,
dass die Darmtrichinellen und die Embryonen nur eine geringe
Lebensfähigkeit besitzen, die Erfahrung, dass es schwer hält,
in den Fäzes von trichinellenkranken Menschen und Tieren
Trichinellen zu finden 1 ), und der Umstand, dass direkt ange-
stellte Versuche bezüglich der Uebertragung von Darm-
trichinellen nur selten zu eineito positiven Ergebnis führten 2 ),
und auch bei positiven Fällen* Versuchfehler nicht immer mit
Sicherheit auszuschliessen waren 3 ), hatten zur Folge, dass die
von vielen Forschern, u. a. auch von V i r c h o w und anfäng¬
lich ebenso von Zenker vertretene Meinung, dass dieser In¬
fektionsmodus bei der Verbreitung der Trichinellen unter den
Schweinen eine wesentliche Rolle spiele, immer mehr an Be¬
deutung verlor. Während meiner mehrjährigen Beschäftigung
mit den Trichinellen und den durch sie hervorgerufenen patho¬
logischen Erscheinungen bei Mensch und Tier 4 ) habe ich die
Ueberzeugung gewonnen, dass dieser Umschwung der Mei¬
nungen volle Berechtigung hat. Dafür sprachen folgende Mo¬
mente, die sich mir in Uebereinstimmung mit Beobachtungen,
die auch von anderer Seite schon gemacht worden waren, er¬
gaben: Die Darmtrichinellen bohren sich grossenteils in die
Darmwand ein, bei. leichter und mittelschwerer Infektion wer¬
den sie am besten in den von der Schleimhaut abgekratzten
Partien gesucht; nur bei schwerer Infektion, wo der Darm
paralytisch erschlafft und mit blutig-seröser Flüssigkeit erfüllt
ist, findet man die Trichinen mitunter auch in grösserer
Menge im Darminhalt. Bei zwei an Trichinosis leidenden
Patienten, die reichliche Mengen von Glyzerin per os erhielten,
habe ich (auf der Klinik von Prof. Friedr. v. Müller) mit
J ) H. M. Höyberg (Beitrag zur Biologie der Trichine, Zeit¬
schrift für Tiermedizin, Bd. XI, 1907, pag. 209) erwähnt, dass u. a.
von Leuckart Beobachtungen gemacht wurden, die häufig Tri¬
chinenweibchen in den Fäzes und zwar in nicht geringer
Menge nachwiesen. An der zitierten Stelle heisst es aber bei
Leuckart: Allerdings gelang es, am vierten Tage nach der Füt¬
terung (des Schafes) mit trichinigem Fleisch in dem die Kotballen
umhüllenden Schleime einzelne geschlechtsreife Darmtrichinen
nachzuweisen, aber von Muskeltrichinen fand sich später bei der in
der vierten Woche vorgenommenen Sektion keine Spur. (Die betr.
Stellen sind im Original nicht gesperrt gedruckt.)
2 ) R. Leuckart (Die menschlichen Parasiten. Leipzig und
Heidelberg, Bd. II, 1876, pag. 558) schreibt über seine diesbezüglichen
Versuche selbst: „Eine Zeit lang glaubte man allerdings auf Orund
des von mir zuerst in dieser Weise angestellten Fütterungsversuches,
dass der mit trächtigen Trichinen besetzte Darm eines Tieres ein
ebenso untrügliches und gutes Infektionsmaterial abgebe, wie das
trichinige Fleisch, allein im Laufe der Zeit ist man mit Recht
von dieser Ansicht zurückgekommen.“ Er möchte die Möglichkeit
eines Zufalles, wie er auch von K ü h n e für einen seiner Versuche in
der Form einer Spontaninfektion des betr. Kaninchens mit Muskel-
trichinellen angenommen worden war, nicht von der Hand weisen, da
sich auch die Ratten der Qiessener Anatomie, in der sein Institut
lag,.,als trichinös erwiesen. Leuckart erwähnt deshalb auch an
anderer Stelle (pag. 560): „Ueberdies hat die Annahme einer direkten
Uebertragung geschlechtsreifer Trichinen in den Darm eines neuen
Wirtes an sich eine geringe Wahrscheinlichkeit, da diese Würmer in
auffallendem Gegensatz zu den Muskeltrichinen, die eine ungewöhn¬
liche Resistenzkraft besitzen, so empfindlich sind, dass sie der Ein¬
wirkung der Verdauungssäfte wohl schwerlich einen genügenden
Widerstand zu bieten imstande sein dürften.“
3 ) Hierzu gehört es auch, wenn die Uebertragung des Darm¬
inhaltes zu früh nach der Infektion mit Muskeltrichinellen erfolgt,
d. h. zu einer Zeit, wo eventuell noch kleine Muskelstückchen mit
wohlerhaltenen Muskeltrichinellen im Darm enthalten sind.
4 ) Siehe u. a.: Beitrag zur Kenntnis der Verbreitungsart der
Trichinenembryonen. Vierteljahrschr. der Naturforschenden Gesell¬
schaft Zürich, Jahrg. L, 1905, pag. 163. — Klinische und experimen¬
telle Untersuchungen über Trichinosis und über die Eosinophilie im
allgemeinen. D. Arch. f. klin. Med., Bd. 85, 1905, pag. 286.
No. 7.
mehreren Coassistenten tagtäglich mit grosser Ausdauer in
den diarrhoischen Stühlen nach Trichinellen gesucht, vergeblich.
Auch bei Versuchstieren fand ich nur selten und dann nur spär¬
liche Trichinellen in den Fäzes. Diese Beobachtung stimmt voll¬
ständig mit den Versuchen Fiedlers überein, der Versuchs¬
tiere mit grossen Dosen auch der stärksten Abführmittel be¬
handelte und nur ganz ausnahmsweise Parasiten in den Fäzes
entdecken konnte. Diese negativen Fäzesuntersuchungen haben
auch insofern eine Bedeutung, als in den Lehrbüchern über
Diagnostik meist angeführt wird, dass man zwecks Stellung
der Diagnose den Stuhl nach Trichinellen untersuchen soll, es
andererseits nach den vorliegenden Resultaten aber nicht an¬
gezeigt erscheint, zwecks Stellung der Diagnose die kostbare
Zeit mit mühsamen und wenig aussichtsvollen Fäzesunter¬
suchungen zu verlieren. Aus der Beobachtung Fied-
1 e r s geht ferner hervor, dass wir von Abführmitteln
bei der Trichinose keinen grossen therapeutischen Er¬
folg erwarten können. Fiedler 5 ) nahm allerdings an, dass
die abgetöteten Trichinellen event. kn unteren Abschnitt des
Darmes aufgelöst werden; dass dies nicht der Fall ist,
werden wir später sehen 8 ). Eine weitere Beobachtung ging
dahin, dass die aus dem Darme entnommenen Darmtrichinellen
selbst bei Zimmerwärme schon nach wenigen Stunden keine
Bewegung mehr zeigen. Die Frage schien mir dahin erledigt,
dass die Infektion mit Fäzes praktisch garkeine
Rolle spielen kann 7 ). Wenn wir alle die an sich schon
geringen Wahrscheinlichkeiten (dass lebende Trichinellen den
Darm verlassen, dass die betreffenden Fäzes überhaupt von
einem Tier aufgefressen werden, dass die Darmtrichinellen in
den Fäzes dann noch am Leben sind, dass sie vom Magensaft
nicht geschädigt werden) mit einander kombinieren, so er¬
halten wir eine resultierende Wahrscheinlich¬
keit, die praktisch gleich null ist.
Zwei Veröffentlichungen stehen nun mit den zahlreichen,
von anderer Seite gemachten und den eigenen Erfahrungen
in scharfem Widerspruch. J. C h a t i n, der im Aufträge der
französischen Regierung in Havre die Untersuchung der ameri¬
kanischen Fleisch waren auf Trichinellen vorzunehmen hatte,
berichtet in „La trichine et la trichinöse“, Paris
1883, dass er bei einer Reihe von Meerschweinchen, die mit
amerikanischem Schweinefleisch gefüttert worden waren, zahl¬
reiche Embryonen in den Fäzes gefunden habe. Es ist dies
um so auffallender, als es vielen früheren Untersuchen
und auch mir nie gelungen war, eine grössere Zahl freier
Embryonen im Darmlumen zu finden, und man bei den ver¬
einzelten positiven Befunden zudem eine künstliche Geburt durch
den bei der Untersuchung auf die trächtige Darmtrichinelle
ausgeübten Druck nicht ausschfiessen konnte. Hier glaube ich,
5 ) A. Fiedler: Archiv der Heilk., V, 1864, p. I.
®) Bei den spärlichen, in den Fäzes von Tieren gefundenen
Darmtrichinellen konnte ich nie Bewegung konstatieren; ich habe viel¬
mehr, wie ein noch zu besprechender Versuch zeigte, allen Anlass,
anzunehmen, dass es sich dabei um bereits abgestorbene Darmtrichi¬
nellen handelt. Es scheint mir zudem nicht ausgeschlossen, dass
bei den in der Literatur niedergelegten positiven Befunden auch Täu¬
schungen resp. Verwechslungen mit in den Fäzes enthaltenen pflanz¬
lichen und tierischen Haaren unterlaufen sind. Oft ist ihre Form so,
dass man an ausgelaugte Trichinellenleiber denken könnte. Hier dürfte
der Platz sein, sich auch einer Beobachtung zu erinnern, die K n o c h
bereits im Jahre 1864 (s. Deutsche Klinik pag. 7) machte. Er erwähnt,
dass er beim Kaninchen bei starker, durch Extr. sem. Cinae ver¬
ursachter Diarrhöe selbst bei genauester Untersuchung der Fäzes keine
Darmtrichinellen entdecken konnte; statt der einen Nematodenart fand
er aber eine andere, die „Oxyuris ambigua“, „die leicht Veranlassung
zu Verwechslung mit den Darmtrichinen geben kann“. Ueberhaupt
finden sich in der Trichinelienliteratur zahlreiche Verwechslungen mit
anderen Nematoden.
7 ) Eine Infektion könnte allerdings auch so zustande kommen,
dass bei diarrhoischen Stuhlentleerungen Muskelstückchen mit nicht
frei gewordenen Muskeltrichinellen den Darm verlassen und dann
von Schweinen gefressen werden. Aber auch diese theoretische Mög¬
lichkeit fällt praktisch kaum in Betracht. Das Abgehen unverdauter
grösserer Muskelstückchen ist immerhin etwas seltenes, und die
Wahrscheinlichkeit, dass sie dann gerade von einem Schweine ge¬
fressen werden, ebenfalls sehr gering. Und wenn das auch noch der
Fall wäre, so würde es sich in letzter Linie nur darum handeln, dass
Muskeltrichinellen, statt direkt, erst nach Passage eines fremden
Darmes aufgenommen wurden.
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16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
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dass der Verdacht begründet ist, Chat in habe im Meer¬
schweinchendarm in grosser Menge enthaltene kleinere Para¬
siten fälschlicherweise alsTrichinellenembryonen gedeutet. Die
Oberflächlichkeit, die in anderer Beziehung die C h a t i n sehen
Untersuchungen auszeichnen, mögen einen solchen Verdacht
noch bekräftigen. Es entging ihm, dass die jungen Trichinelien
in die Muskelfassern eindringen. Er bezeichnet geradezu die
V i r c h o w sehe Lehre für veraltet. Nach ihm vollzieht sich
die Entwicklung der Muskeltrichinelien primär im Bindegewebe.
Dann ist seine bildliche Darstellung der Trichinelienembryonen
und jungen Muskeltrichinelien (abgerundetes, ziemlich dickes
Vorderende, mit spitz zulaufendem Hinterende) ganz falsch.
Eine zweite Atbeit stammt von Höyberg 8 ). Verfasser
berichtet darin von dem überraschenden Resultat, dass er
durch eine systematische Untersuchung der Fäzes von 26 ziem¬
lich stark trichinigen Ratten einen längeren Zeitraum hin¬
durch fortwährend Trichmellen, sowohl Männchen wtie Weib¬
chen, und zwar oft in nicht geringer Menge, gefunden habe.
Auch berichtet er, in 4 Wochen alten, feucht auf bewahrten
Fäzes noch lebende, bewegliche Darmtrichinellen gefunden zu
haben. Die Infektion durch Verbitterung trichinöser Fäzes
soll ihm bei 11 von 14 Ratten gelungen sein. Er kommt daher
zum Schlüsse, dass die Infektion durch Fäzes trichinöser Tiere
ein Faktor sei, iden man bei der Bekämpfung der Trichinose
im allgemeinen und der Schweinetnichinose im besonderen
mit in Anschlag bringen müsse. Aus den mitgeteilten Ver¬
suchen des Verfassers ist kaum das Resultat verständlich
(siehe z. B. Versuch III). Vorausgesetzt, dass tatsächlich in
den Fäzes Darmtrichinellen enthalten waren, so kann deren
Zahl mit Rücksicht auf die meist negativen Befunde ernsthafter
früherer Untersucher und auch der eigenen Beobachtungen
nur eine kleine gewesen sein. Zudem schreibt Verfasser an
anderer Stelle: „Aus diesen Versuchen geht her¬
vor, dass die mit dem Kote aufgenommenen
trächtigen T r i ch i n e n w e i b c h e n zwar zum
grössten Teil durch den Magensaft zerstört
werden, dass aber jedenfalls ein Teil darin enthaltener
Embryonen, von dem noch nioht vollständig verdauten Leibe
der Muttertrichinen umschlossen, den Magen ungefährdet
passiert, um dann, im Darm vollends frei geworden, in die
Darmwand einzudringen etc.“ Vergegenwärtigen wir uns nun,
dass ein und dasselbe Trichinellen Weibchen wohl sicher über
tausend Embryonen ablegt, dass sich aber die Geburt über
mehrere Wochen hinzieht und in ein und demselben Monat
auf jeden Fall nur eine geringe Zahl vollständig aus¬
gebildeter, zu selbständigem Leben fähiger Embryonen im
Muttertier enthalten sind, so ist uns -bei Berücksichtigung
aller angeführten Momente eine so starke Infektion (wie sie
Höyberg angibt: in jedem Präparat 5—6) sehr schwer ver¬
ständlich. Es drängt sich unwillkürlich der Gedanke auf, es
sei bei der Untersuchung eine Unregelmässigkeit unterlaufen,
die dem Verfasser selbst entgangen ist. Wir denken z. B. an
eine Mitverfütterung kleiner, von der Fütterung mit trichinigem
Material im betreffenden Käfig zurückgebliebener Muskel¬
reste etc.
Auch einige andere Beobachtungen Höybergs fordern
die Kritik heraus. So erwähnt er in einer andern Arbeit 9 )
bereits am 3. Tage nach der Fütterung Embryonen ent¬
haltende Darmtrichinellen. Dann schliesst er aus Serum¬
übertragungsversuchen, wobei er K—Vio des erhältlichen
Serums von Ratten (die selbst nicht einmal an der Infektion
starben und über die kein Vermerk steht, ob sie überhaupt
Krankhedtssymptome gezeigt hatten) andern Tierspezies meist
im Verhältnis von V 20 —V*o ihres Körpergewichtes injizierte,
die dann nicht starben und auch nicht erkrankten: „Aus meinen
•) a. a. O. Die betreffende Mitteilung hat bereits in ein ver¬
breitetes Lehrbuch Aufnahme gefunden. So schreibt M. Braun in
der neuesten (4.) Auflage seines Buches: „Die tierischen Parasiten
des Menschen“, Würzburg 1908, pag. 319: „Ratten können aber auch
dadurch infiziert werden, dass sie Fäkalien, welche von frisch in¬
fizierten Tieren stammen und nach aussen gelangte Darmtrichinellen
enthalten, aufnehmen.“
*) Bilden sich bei der Trichinose toxische Stoffe? Zeitschr. f.
Tiermedizin, Bd. X, 1907, pag. 1.
Versuchen- geht also hervor, dass das Blutserum frisch tri-
chinisierter Tiere keine toxischen Stoffe enthält etc.“ An
einer andern Stelle schreibt er: „Im vordem Teil des Dünn¬
darms, nicht weit vom Magen, wurden einige bewegliche
Embryonen nachgewiesen, deren eines Ende etwas dicker
war als das andere, unddieichdaherfürTrichinen-
embryonen halte“. An wieder einer andern Stelle
schreibt er hierüber: „Dagegen fanden sich im vordem Teile
des Dünndarms in der Nähe des Magens eine Menge lebender
Embryonen, an deren einem Ende sich eine eigentümliche,
pfriemenähnliche Verlängerung befand, die geschwinde, aktive
Bewegungen unternahm. -1 Da ich mich viel mit dem Studium
gerade der Embryonen abgegeben habe, eine solche pfriemen¬
ähnliche, aktiv sich bewegende Verlängerung aber nie, auch
mit Oelimmersion nicht, beobachten konnte, so liegt für mich
der Gedanke nahe, dass es sich hier um einen andern, uns hier
nicht interessierenden Darmschmarotzer der Ratte gehandelt hat.
Warum soll denn allles,, was sich im Darm der
Versuchstiere bewegt, gleich Trichinellen
sein?! Höyberg schreibt aber darüber: „Es kann wohl
keinem Zweifel unterliegen, dass dieselbe (die äusserst feine,
pfriemenähnliche Verlängerung) als eine Art Bohrapparat zu
deuten ist, und hiedurch scheint zugleich festgestellt, dass die
jungen Trichinen im Besitze des ihnen bisher abgesprochenen
Mittels sind, um ein aktives Einwandern in die Darmwand (und
event. weiterhin) zu ermöglichen.“
Die kritischen Betrachtungen sollen aber nicht Endzweck
sein; sie gaben mir vielmehr die Anregung, bei der ersten sich
bietenden Gelegenheit mir durch eigene experimentelle Ver¬
suche über die praktische Bedeutung der Fäzesübertragung
ein Bild zu machen. Es wurde mir dies anlässlich eines Auf¬
enthaltes in Zürich ermöglicht, indem mir Herr Prof. Silber-
schmidt in liberalster Weise sein Laboratorium zur Vor¬
nahme verschiedener Versuche zur Verfügung stellte. Es sei
dafür auch hier mein verbindlichster Dank ausgesprochen.
Um bei allfällig negativem Ergebnis ein ganz eindeutiges
Resultat zu erhalten, verfütterte ich statt der Fäzes 10 ) die
Därme frisch trichinisierter Tiere mit den darin enthaltenen
Darmtrichinellen. Ich wählte also Versuchsbedingungen, wie sie
so günstig auch im besten Falle bei der Fäzesübertragung
nicht erreicht werden. Fiel das Resultat negativ aus, so konnte
es als eindeutiger Beweis für die Unmöglichkeit der Infektion
betrachtet werden. Ein positiver Ausfall liess dann allerdings
noch verschiedene Deutungen zu. Ich möchte noch voraus¬
schicken, dass mir bei meinen zahlreichen Versuchen an Meer¬
schweinchen und Ratten die Trichinisierung stets glatt ge¬
lungen war.
Versuch a. Einer weissen Ratte, die jeweilen vorher
24 Stunden gehungert hatte, werden, mit Brod vermischt, verfüttert:
20. X. 08. Die Därme zweier Ratten, die 4 Tage nach Trichini¬
sierung an Darmtrichinose gestorben waren.
25. X. 08. Der Darm einer Ratte, die am 10. Tage nach der In¬
fektion an Darmtrichinose gestorben war.
Ferner die Därme zweier Meerschweinchen, die am 10. Tage
nach starker Infektion getötet worden waren.
Die Fäzes der Ratte a enthielten in den ersten Tagen
nach der Verbitterung der trichinellenhaltigen Därme zahlreiche
Darmtrichinellen, z. T. mit undeutlicher Struktur, meist
mit zahlreichen deutlichen Eiern und Embryonen
im Innern.
In den letzten Tagen des Monats Oktober und in den ersten des
Monats November war die Ratte sichtlich kränklich, erholte sich
dann aber wieder. Sie schien also infiziert worden zu sein; damit
stimmte allerdings nicht überein, dass in ihrem Blut keine Vermehrung
der eosinophilen Zellen zu konstatieren war 11 ). Wie sich zeigte.
10 ) In den Fäzes der Versuchstiere fand ich nur sehr selten
Trichinellen, am häufigsten noch in den ersten Tagen nach der Ver¬
bitterung. Ein noch zu besprechender Versuch lässt mich annehmeu,
dass es sich um das Abgehen von toten (vielleicht schon innerhalb
des Muskels abgestorbener) Trichinellen handelt.
41 ) G. Kaiser (Fortschr. d. Veterinärhygiene, 3. Jahrg., 1905,
H. 2 u. 3) hatte im Ehrlich sehen Institute versucht, die zuerst
beim Menschen beobachtete Eosinophilie bei der Trichineileninfektion
experimentell auch bei der Ratte zu erzeugen. Er konnte aber
eine Vermehrung der eosinophilen Zellen nicht konstatieren, sondern
nur eine Leukozytose im allgemeinen. Ebenso erhielten Williams
und Bentz keine erwähnenswerte Vermehrung der grob-
granullerten Zellen. Ich habe früher darauf hingewiesen, dass
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
Nü. 7.
musste die Erkrankung aber durch Aufnahme massenhafter fremder
Darmbakterien erklärt werden, denn bei der am 24. XI. vorge¬
nommenen Sektion waren in Zwerchfell, in Bauch-, Inter¬
kostal- und Kaumuskeln keine Trichinelien ::
finden.
Es sei noch erwähnt, dass die anderen Meerschweinchen, die zu
gleicher Zeit mit der genau gleichen Menge trichinigen Fleisches
infiziert wurden, wie diejenigen beiden, deren Därme zur Verfütterung
am 25. X. verwendet worden waren, an der Infektion zugrunde gingen.
Es erzeugte also diejenige Menge von
Darmtrichinelien, die als Muskeltrichinellen
aufgenommen, zwei Ratten und zwei Meer¬
schweinchen zu töten vermochte, einer Ratte
weiter verfüttert, nicht die geringste Infek-
t i o n.
Aus diesem Versuche möchte ich im weitern schliessen,
dass die spärlichen Trichinelien, die wir event. in den Fäzes
finden können, wahrscheinlich überhaupt schon tot sind. Er
lehrt, dass abgestorbene Trichinellen beim
Passieren des Magens und Darms auf jeden
Fall nur unwesentlich verändert werden.
Wenn wir also bei therapeutischen Mass¬
nahmen keine Trichinellen im Stuhle finden,
so müssen wir den Schluss ziehen, dass das
Mittel nichts genützt hat; eine Auflösung abge¬
töteter Darmtrichinellen, wie es Fiedler für möglich hielt,
kommt nicht vor.
Da beim Versuche a zwischen dem Tod der
betreffenden Trichinellentiere und der Verfütterung der
Därme immerhin jeweilen einige Stunden vergangen
waren, stellte ich einen weiteren Versuch an,
bei dem 'in Narkose die Därme des tri-
chinisierten Tieres entnommen und nun kör¬
perwarm einer hungernden Ratte verfüttert
wurden. Um Darmtrichinellen aller Entwicklungsstadien zu
verfüttern, wurden die betreffenden zu verwendenden Tiere
jeden Tag mit Muskeltrichinellen infiziert; nur in den letzten
beiden Tagen erhielten sie kein trichiniges Fleisch mehr, um zu
verhindern, dass etwa noch nicht frei gewordene Muskel¬
trichinellen mit verfüttert würden.
Versuch b. Weisse Ratte, erhält am
8. XI. die Därme einer Ratte, die am 3., 4., 5. und 6. mit stark
trichinigem Fleisch infiziert worden und am 8. gestorben war. In
dem verfütterten Darme fanden sich zahlreiche Darmtrichinellen, teils
mit. deutlichen Eiern, aber keinen Embryonen.
es beim Meerschweinchen sehr leicht gelingt, eine ausser¬
ordentlich starke Eosinophilie auf diesem Wege experimentell
zu erzeugen (D. Archiv f. klin. Med., Bd. 85, 1905, pag. 286). Geich¬
zeitig machte ich auch die Beobachtung, dass bei sehr inten¬
siver Infektion dagegen eine Vermehrung der eosinophilen Zellen aus-
bleiben, resp. eine bereits entstandene Eosinophilie wieder verschwin¬
den kann. Die Ratte ist gegenüber dem bei der Trichinose wirk¬
samen Gift viel empfindlicher. Während beim Meerschwein¬
chen auch bei sehr starker Infektion keine intensivere Schädigung
der Erythropoese zu beobachten ist, sehen wir bei der Ratte auch
bei mässiger Infektion eine ausgesprochene Blutgiftwirkung; bei nicht
zu schwerer Infektion tritt nun tatsächlich auch bei der Ratte an¬
fänglich eine Vermehrung der eosinophilen Zellen ein; mit den fort¬
schreitenden pathologischen Erscheinungen von seiten des erythro¬
poetischen Systems verschwindet sie dann wieder. Die negativen
Resultate von Kaiser, sowie Williams und B e n t z dürften
demnach mit einer zu intensiven Trichinisierung zu erklären sein.
(Ohne einer eingehenden kritischen Betrachtung der neuerdings von
Fr. W e i d e n r e i c h in scharfer polemischer Weise vertretenen An¬
sicht über die genetische Beziehung zwischen eosino¬
philen Zellen und zerfallenen Blutkörperchen vor¬
greifen zu wollen, möchte ich hier doch die Aufmerksamkeit
auf die Beobachtung hinlenken, dass eine bereits ent¬
standene Eosinophilie wieder verschwand, als
ein stärkerer Blutzerfall einsetzte und dass
diejenigen Tierspezies, bei der wir keine oder
höchstens eine geringfügige Schädigung der roten
Blutkörperchen beobachten, gerade die grösste
Neigung zur Eosinophilie zeigt, dass bei derjeni¬
gen mit ausgesprochenem Blutzerfall es dagegen
nur schwer zu einer beträchtlichen Vermehrung
der eosinophilen Zellen kommt.) Die genauen Resultate
meiner vergleichend morphologisch- und biologisch-hämatologischen
Versuche habe ich in einer demnächst bei J. F. Bergmann, Wies¬
baden. erscheinenden Monographie „T r i c h i n o s i s“ niedergelegt.
Am 12. XI. die Därme einer Ratte, die am 3., 4., 5., 6. und
10. November stark trichiniges Fleisch erhalten hatte. Im Darm-
Schleim fast keine Trichinellen, in der abgekratzten Darmschleim¬
haut zahlreiche Darmtrichinellen von allen Entwicklungsstadien. Der
Darm wird in Narkose entnommen und körperwarm der hun¬
gernden Ratte verfüttert.
Die Ratte b blieb stets gesund. Im Blute war keine Eosinophilie
zu beobachten.
Da ich vor dem Termin verreisen musste, an dem bei allfälliger
Trichinellenpropagation die spiralige Aufrollung im wesentlichen be¬
endet war, so wurde die Sektion in zuvorkommender Weise von
Herrn Kollegen Huggenberg am 11. XII. ausgeführt und die
Präparate von Herrn Prof. Silberschmidt kontrolliert. Es
konnten in Zwerchfell, Bauch- und Interkostal¬
muskulatur Trichinellen nicht nachgewiesen
werden.
Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass der Uebergang der
Darmtrichinellen von einem Tier auf das andere innerhalb des
körperwarmen Darmes statthatte, und dass dennoch alle darin
enthaltenen Darmtrichinellen bei der Uebertragung zu Grunde
gingen, so dürfen wir dem negativen Resultat einen entscheiden¬
den Wert beilegen. Immerhin wollen wir es nicht als absolut
unmöglich halten, dass auf diesem Wege bei ausgedehnten
Versuchen nicht doch einmal eine, aber dann sicherlich nur
schwache, Infektion gelingen kann. Doch würde sich bei
einem positiven Ergebnis vorerst die Frage aufdrängen, ob
nicht irgend ein Versehen vorliegt. Wir denken an eine bereits
bestandene, oder im Laufe der Untersuchung aufgetretene
spontane Infektion (z. B. durch Ueberreste früherer, in dem
betreffenden Käfige vorgenommener Fütterungen etc.).
Was nun aber die Uebertragung durch Fäzes
betrifft, so können wir mit Rücksicht auf die unverhältnis¬
mässig ungünstigen Bedingungen, die sie für eine Uebertragung
der Infektion in sich schliesst, aus unseren negativen Resul¬
taten den Schluss ziehen: Eine Trichinelleninfek-
tion durch in den Fäzes enthaltene Darm¬
trichinellen (oder Embryonen) kommt nicht
vor.
(Die schon erwähnte theoretische Möglichkeit, dass einmal
bei Diarrhöen vereinzelte unveränderte Muskeltrichinellen ab¬
gehen können, spielt praktisch keine Rolle.)
Die Tatsache, dass die Darmtrichinellen nicht, oder, wenn
wir uns sehr vorsichtig ausdrücken wollen, auf jeden Fall nur
schwer zu infizieren vermögen, gibt uns vielleicht den Schlüssel
für den zwischen R. Leuckart und F. A. Zenker sehr
entschieden geführten Meinungsstreit. L e uc k a r t war be¬
kanntlich der Verfechter der sogen. „Rattentheorie“, d. h. er
nahm an, dass die Ratte der eigentliche Träger
derTrichinelle sei, und dass es gewissermassen nur ein
Seitenweg in der Generationsfolge der Trichinellen sei. wenn
sie in das Schwein (und durch dieses in den Menschen) über¬
trete 12 ). Er wies mit Recht auf die grosse Verbreitung der Ratte,
auf ihre Gefrässigkeit und omnivore Lebensweise und auf ihre
Empfänglichkeit für Trichinelleninfektion hin. Auch war ihm
aufgefallen, dass die Ratten sehr leicht an Trichinelleninfektion
zu Grunde gehen; ihre Leichen würden dann von anderen
Ratten gefressen. Gegenüber dieser, scheinbar überzeugenden
Anschauung hatte Zenkers Auffassung, dass das Schwein
die eigentliche Trichine llenquelle sei, dass
trichinige Ratten nur als Symptom für das Vorhandensein
trichiniger Schweine zu deuten seien, auf den ersten Blick eher
etwas Gesuchtes. Er konnte aber seine Meinung mit dem
grossen statistischen Material, das teils von L e i s e r i n g
selbst, teils auf dessen Anregung hin aus Sachsen, Bayern
und Oesterreich gesammelt worden war, stützen. Da¬
nach waren an insgesamt 29 Beobachtungsorten 704 Ratten
untersucht worden. Im ganzen waren 59, d. h. 8,3 Proz.
trichinös. Da dieser Prozentsatz bedeutend denjenigen trichi¬
niger Schweine übertrifft, schien die Gesamtstatistik eher
Leuckart Recht zu geben. Ganz anders verhält es sich
,J ) Auch M. Braun spricht sich in der neuesten (4.) Auflage
seines Lehrbuches; „Die tierischen Parasiten des Men¬
schen“ folgendermassen aus: ..der normale Wirt für Trichi¬
ne 11 a sp i r a 1 is ist wohl die Haus- und besonders die Wan¬
derratte (Mus rattus und M. decumans).
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16 . Februar 1909.
MÜENCHENE# MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
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aber, wenn, wie es Z e n k e r tat, die Resultate nach den Orten
geordnet werden, wo die Ratten gefangen wurden:
Von 208 Ratten der Fallmeistereien waren trichjnig 46 = 22,1 Proz.
» 224 „ „ Schlächtereien * „ 12 = 5,3 „
„ 272 „ „ and. Lokalitäten „ „ 1 = 0,3 „
Daraus geht unzweifelhaft hervor, dass die Trichinellen-
infektion unter den Ratten von einem weiteren Faktor ab¬
hängig ist, der in den Fallmeistereien am wesentlichsten, in
den Schlächtereien weniger und ausserhalb von Orten, wo
Fleischabfälle umherliegen, kaum vorhanden ist; und dieser
Faktor ist wohl das Fleisch trichiniger Schweine. Das ist
jedenfalls ein überraschendes, aber sprechendes Resultat.
A priori schien für den Fernstehenden die Frage einfach so zu
liegen, dass bei der grossen Empfänglichkeit beider Tierarten,
Ratte und Schwein, für Trichinelleninfektion und bei der
Lebensart beider, alles Mögliche aufzuzehren, weder Ratte
noch Schwein als alleiniger Trichinelienträger angesprochen
werden könne, sondern dass die Generationsfolge ebensowohl
durch Ratte als durch Schwein, oder auch abwechselnd, indem
das Schwein Ratten und Ratten wieder Schweinefleisch fressen,
erhalten werde. Gegenüber dieser, theoretisch wohl be¬
gründeten Anschauung fallen aber die angeführten statistischen
Zahlen schwer ins Gewicht Praktisch scheint tat¬
sächlich das Schwein der eigentliche Ge¬
nerationserhalter der Trichinelien zu sein.
Als wesentliche Ursache dürfte wohl der Um¬
stand ins Gewicht fallen, dass die Ratten sehr
leichtan Darmtrichinosezug runde gehen, und
dass, wie wir gesehen haben, die Darmtrichi¬
nelien (meist) nichtzuinfizierenvermögen. Je¬
dem, der praktisch sich mit Trichinelienversuchen abgegeben
hat, wird aufgefallen sein, dass man die Ratten sehr vorsichtig
füttern muss, wenn sie nicht schon innerhalb weniger Tage zu¬
grunde gehen sollen. Das Meerschweinchen nimmt meist in den
ersten Wochen zu, fängt dann aber sehr häufig vom Ende der 3.
oder Anfang der 4. Woche an, rapid abzumagern, und stirbt in der
4. bis Anfang der 6. Woche. Schweine erkranken meistens gar
nicht an Trichinelleninfektion. Ob dabei nur die Grösse der
Tiere eine Rolle spielt, möchte ich noch nicht entscheiden; tat¬
sächlich liegt eine übermässige Trichinisierung bei der kleinen,
sehr gefrässigen Ratte natürlich näher als beim grösseren Meer¬
schweinchen, das gefüttert werden muss, oder gar etwa beim
Schweine. Obschon ich noch keine genau gewichtsvergleich¬
bare Fütterungen vorgenommen habe, gewann ich doch den
Eindruck, dass die Empfindlichkeit gegenüber der Darmtrichi¬
nose eine besondere Eigenart der Ratten ist. Dass dabei nicht
nur die Menge der aufgenommenen Trichinellen eine Rolle
spielt, sondern auch toxische mit dem trichinigen Fleische resp.
in dessen Trichinelienkapseln aufgenommene, oder von den
freien Darmtrichinelien gebildete Produkte in Frage kommen,
scheint mir daraus hervorzugehen, dass eine Ratte vielfach
grössere Dosen erträgt, wenn diese über mehrere Tage ver¬
teilt verabreicht werden. Frisst nun eine Ratte trichiniges
Schweinefleisch, so bleibt sie wohl meist am Leben und er¬
wirbt Muskeltrichinellen, weil das Schweinefleisch selten so
stark trichinig ist, um in der Menge, die auf einmal auf-
genömmen wird, den Tod der Ratte an Darmtrichinose herbei¬
zuführen. Hat die Ratte trichiniges Fleisch aufgenommen, so
enthält sie nun meist sehr zahlreiche Muskeltrichinellen. Wird
einer Ratte trichiniges Rattenfleisch vorgelegt, so frisst sie
nach der Erfahrung so viel, dass sie (falls das Fleisch nur
cinigermassen zahlreiche Trichinellen enthält, was meist der
Fall ist) unfehlbar an Darmtrichinose zu Grunde geht. Wird
der Kadaver nun von einem Schweine oder einer Ratte ge¬
fressen, so vermögen die Darmtrichinellen nicht zu infizieren,
die Generationsfolge ist unterbrochen. Wird aber jenes
trichinige Rattenfleisch, an dem die Ratte stirbt, von einem
Schweine aufgefressen, so bleibt das Schwein am Leben und
entwickelt nun tausendfältig junge Brut. Damit soll natürlich
nicht gesagt sein, dass eine Ratte, die sich an einer Ratte in¬
fiziert, gelegentlich nicht auch am Leben bleiben kann. Aber
als praktisch hauptsächlich in Frage kommende Infektions¬
quelle, die theoretisch sowohl auf die Ratte, wie auf das
Schwein verlegt werden muss, darf das Schwein gelten. Und
7 .
so können wir mit Gerl ach und Zenker sagen: „Wo
Trichinellen unter den Ratten gefunden werden, da müssen
trichinöse Schweine oder andere Fleischfresser gewesen sein.“
Ich glaube, dass die aus praktischen Versuchen gezogenen
Schlüsse obigen, durch die Statistik begründeten Satz unserem
Verständnis näher bringen kann. Diese Frage hat übrigens
nicht nur theoretisches Interesse, sondern besitzt eine grosse
praktische Bedeutung. Ist nämlich die Ratte der eigentliche
Trichinelienträger, dann sind unsere Aussichten bezüglich der
Bekämpfung der Trichinellenverbreitung sehr gering; wir
können nicht hoffen, die eigentlichen Infektionsträger je aus¬
zurotten. Ist es das Schwein, so wird der Erfolg im
wesentlichen bestimmt von unseren hygienischen Massnahmen
und der Gewissenhaftigkeit, mit der sie durchgeführt werden.
Und in Wirklichkeit darf wohl die starke Abnahme der Trichi¬
nellenverbreitung unter den Schweinen in P r e u s s e n im
wesentlichen der daselbst eingeführten obligatorischen
Trichinelienschau zu gute geschrieben werden.
Andererseits haben sich in Süddeutschland die Beob¬
achtungen frischer Trichinosisfälle eher gemehrt. Während
zur Zeit der grossen Trichinoseepidemien Norddeutschlands in
den 60 er Jahren in Süddeutschland 13 ) überhaupt nur 2 Fälle
(Friedreich in Heidelberg) und in Bayern im besonderen
die ersten Fälle frischer Erkrankung erst im Jahre 1870
(Maurer- Erlangen) zur Beobachtung kamen, wurden gerade
in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Erkrankungen be¬
kannt. Ich erwähne (ohne vollständig sein zu wollen) nur:
1904 München 3 Fälle und 1905 W e i d e n 4 Fälle, über die
ich früher berichtet, 1906 Garnison Ingolstadt 6 Fälle,
1907 Nürnberg (C. Hegler) 1 Fall aus einer Erkrankungs¬
gruppe von ca. 20 Fällen in A m b e r g, 1908 über 60 Er¬
krankungen in Rothenburg o/T. (J. B ö h m). Und dabei
darf man ruhig sagen, dass sicherlich viele Fälle von Trichi¬
nelleninfektion, besonders sporadische und solche leichter Art,
im Leben nicht erkannt werden. Auch können uns die Sek¬
tionsprotokolle der pathologischen Institute im allgemeinen,
d. h. insofern sie sich auf Autopsien beziehen, bei denen nicht
eine genaue mikroskopische Untersuchung der Muskeln vor¬
genommen wurde, über die tatsächliche Verbreitung der Trichi¬
nelleninfektion unter den Menschen keinen Aufschluss geben.
Es liegt in diesen Aussprüchen weder für den praktischen Arzt,
noch für den Pathologen ein Vorwurf, da wir uns einfach einer
Unmöglichkeit gegenüber befinden. Muskeltrichinellen sind mit
blossem Auge eben nur bed starker Verkalkung oder polarer
Verfettung, und auch dann nur für den Geübten und bei be¬
sonders auf die Muskulatur gerichteter Aufmerksamkeit zu er¬
kennen 14 ). Obschon ich mich während mehreren Jahren mit
experimentellen Trichinellenuntersuchungen beschäftige, ist es
mir kaum möglich, bei blosser Besichtigung des Muskels eine
frische Trichinelleninvasion zu erkennen. Es wäre sicher¬
lich von grossem Interesse, an einem grösseren Leichenmaterial
systematische und genaue mikroskopische Untersuchungen
vorzunehmen. Ich möchte hier an eine Mitteilung Wil¬
liams 16 ) erinnern über die Häufigkeit der Trichinosis in den
Vereinigten Staaten, wo bekanntlich die Trichinelleninfektion
unter den Schweinen ausserordentlich stark verbreitet ist, auf¬
fallend spärlich im Verhältnis dagegen die Beobachtungen von
13 ) 1868/69 war auch eine kleine Epidemie südlich der Alpen in
Ravecchia bei Bellinzona (R. Zangger) vorgekommen.
14 ) Hier dürfte ein Ausspruch Virchows (Virchows Archiv.
1860, Bd. XVIII, pag. 330) erwähnt werden, mit dem er begründete,
warum er in einem Jahre 6 Trichinosisfälle angetroffen habe! „Ich
halte dafür, dass diese so unerwartet grosse Häufigkeit nicht etwa
ein Zufall ist, sondern dass eben nur eine sorgfältige Aufmerksamkeit
bei der Autopsie als Grund zu betrachten ist. Jeder Arzt, der Sek¬
tionen macht, weiss, dass die Rücksicht auf die Muskeln, zumal wo
es sich um so feine Verhältnisse handelt, in der Regel durch wichtigere
Gesichtspunkte verdrängt wird, ja dass sehr häufig äussere Um¬
stände eine ausgedehntere Untersuchung hindern. Dazu kommt, dass
bei der oft grossen Zahl von Umstehenden, bei dem Mangel an Zeit
weder jene Ruhe, noch jene günstige Beleuchtung immer gewonnen
wird, welche nötig wäre.“
ia ) H. U. W i 11 i a m s: The frequency of trichinosis in the United
States. Journal of Medical Research, Vol. VI, 1901, p. 64—83. Ref.
Zentralbl. f. Bakteriol., Parasitenk. u. Infektionskrankh., Bd. XXXI,
1902, p. 440.
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
Trichinelienerkrankungen beim Menschen sind. Man erklärt
das wohl mit Recht damit, dass in Nord-Amerika die Unsitte,
Schweinefleisch roh oder nur ungenügend gekocht zu geniessen,
wenig verbreitet ist. Williams hat nun 505 Leichen nach dem
gleichen Grundsatz mikroskopisch untersucht, der bei derUnter-
suchurtg von Schweinen von demTrichinellenschauer angewandt
wird. Er fand bei 5,34 Proz. der Leichen Trichi-
n eilen; nur2mal waren diesemitblossem Auge
erkannt worden; in keinem einzigen Falle
war die Trichinelleninfektion Todesursache.
Diese Beobachtung lehrt jedenfalls, dass die Häufigkeit der
Trichinelleninfektion ausserhalb der Epidemien erheblich unter¬
schätzt wird.
Wenn wir uns erinnern, dass in der Trichinosisliteratur
nicht so selten vermerkt ist, dass Menschen, bei denen man
früher oder später (event. bei der Sektion) eine stattgehabte
Trichinelleninfektion festgestellt hat, über rheumatische Be¬
schwerden geklagt haben, so drängt sich die Frage auf, ob
vielleicht nicht hin und wieder unbestimmte,
rheumatische Beschwerden auf eine Trichi¬
nelleninfektion zurückzuführen sind. Hier
vermag uns die Blutuntersuchung event. einen Fingerzeig zu
geben und eine Muskelexzision anzunegen, da nach überein¬
stimmenden Beobachtungen bei Mensch und Tier eine mässige
Vermehrung der eosinophilen Zellen (2—4 fache der Norm, resp.
5—8 Proz.) noch Monate, ja Jahre 16 ) nach Ueberstehen der
Trichinelleninfektion bestehen bleibt resp. bestehen bleiben
kann.
Jedenfalls haben wir allen Grund, der Trichinelleninfektion
nach wie vor unsere ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Die
Bedingungen liegen immer noch so, dass von heut auf morgen
diese Infektionskrankheit durch- ein epidemisches Auftreten in
den Mittelpunkt ärztlichen Interesses rücken kann 17 ).
Ich beabsichtige nicht, hier etwa die Frage der Ein¬
führung der allgemeinen obligatorischen, mikroskopischen
Trichinellenschau für Bayern 18 ), die Schweiz etc. neuer¬
dings aufwerfen. Sie wurde daselbst und auch in
Frankreich Ende der 70 er und anfangs der 80 er Jahre
von kompetenter Seite eingehend erörtert und im wesentlichen
dahin entschieden, dass mit Rücksicht auf die in diesen Ge¬
genden wenig verbreitete Unsitte des Genusses rohen Schweine¬
fleisches einerseits, dem selteneren Vorkommen der Trichi-
nellen bei den einheimischen Schweinen andererseits, um so
eher von der ausserordentlich kostspieligen, obligatorischen
Trichinellenschau Umgang genommen werden könne, als ein
weiteres, fast sicheres Verhütungsmittel zur Verfügung steht,
nämlich die gründliche Zubereitung (Kochen, Braten etc.) des
Schweinefleisches. Hier muss ich allerdings einen) Stein ins
ruhige Wasser werfen. Es fiel mir auf, dass nicht nur Laien,
sondern auch Aerzte in Bayern und der Schweiz der Meinung
sind, es bestehe in diesen Gegenden eine strenge Trichinellen¬
schau. Und so scheint die Frage wohl berechtigt zu sein, ob
nicht von Zeit zu Zeit das Publikum durch Anzeigen von seiten
der Sanitätsbehörden immer wieder daran erinnert werden
sollte, dass das zum Verkauf gelangende Schweinefleisch nicht
staatlich kontrolliert ist, dass vielmehr die Verhütungsmass-
regeln jedem einzelnen Überbunden sind, und dass diese in
einer tüchtigen Hitzebehandlung des Schweinefleisches be¬
stehen. Eine Unterlassungssünde nach dieser Seite könnte sich
plötzlich einmal schwer rächen.
18 ) Bei einem Versuchstiere beobachtete ich sie noch nach
3Vx Jahren.
17 ) So berichtet J. Böhm (Zeitschr. f. Fleisch- u. Milchhygiene,
XIX. Jahrg., 1908, pag. 17), dass in der Zeit vom 15. Juli bis
10. September 1908, also innerhalb 8 Wochen, unter den in Nürn¬
berg geschlachteten Schweinen 9 trichinöse aufgefunden wurden,
wovon */s aus bayerischen Ställen stammten.
aR ) Bekanntlich ist die obligatorische mikroskopische Trichi¬
nellenschau in Bayern an verschiedenen Orten lokal eingeführt,
so nach Johne in: Nürnberg, Erlangen, Fürth, Hof,
Bayreuth, Ansbach und Schwabach, nach J. Böhm neuer¬
dings nun auch in Rothenburg o.T., Weiden, Unterfarrn¬
bach, Qunzenhausen und Bad Kissingen.
Aus der Kgl. chirurgischen Universitätsklinik zu Berlin (Di¬
rektor: Geheimrat Bier).
Die Bedeutung der Wassermann sehen Serum-Reaktion
für die Differential-Diagnose der chirurgischen Syphilis.
Von Dr. Wilhelm Baetzner, Assistenzarzt der Klinik.
Der praktische Wert der Wassermann sehen Serum¬
reaktion bei Syphilis ist von Vertretern der verschiedensten
Spezialdisziplinen nachgeprüft und vollauf gewürdigt worden.
Auch die Chirurgie hat sich diesen Fortschritt zu Nutze ge¬
macht und die serologische Blutuntersuchung herangezogen,
luetische Krankheitserscheinungen richtig zu deuten und in
ihrer Diagnose zu festigen.
Der technische Apparat ist zwar kompliziert, die Ein¬
arbeitung in die Materie erfordert Zeit und Sachkenntnis, die
Ausführung der Reaktion verlangt ständige Ueberwachung.
so dass sie an Spezialinstitute gebunden ist. Brauchbare und
einwandfreie Resultate gibt nur die von Wassermann an¬
gegebene, mit Hilfe der Komplementbindung ausgeführte Me¬
thode mit wässerigem oder alkoholischem Extrakt, während
andere zwar technisch vereinfachte Modifikationen, wie die
Ausflockungsmethode (Porges-Meier) und die von For-
n e t angegebene Präzipitation nicht sicher arbeiten.
Seit November 1907*) habe ich an ca. 120 Fällen des Kran¬
kenmaterials der hiesigen Kgl. chirurgischen Universitätsklinik
serodiagnostische Blutuntersuchungen vorgenommen.
Ohne über alle untersuchten Fälle hier in extenso zu be¬
richten, will ich kurz die allgemeinen Leitsätze niederlegen, die
wir bei unseren Untersuchungen bestätigt fanden.
1. Die Serumreaktion ist spezifisch..
2. Der positive Ausfall beweist, dass Lues vorhanden war
oder noch ist
Er ist der Ausdruck einer konstitutionellen Veränderung
und gibt keine Organdiagnose.
Der lokale, zur Behandlung stehende Erkrankungsherd
braucht bei positivem Ausfall der Serumreaktion nicht luetischer
Genese zu sein.
3. Der negative Ausfall beweist nicht, dass keine Lues
vorhanden war oder ist.
Es gibt Versager, d. h. die Serumreaktion ist zuweilen
negativ bei manifester Syphilis.
Der negative Ausfall der Serumreaktion ist für die Diagnose
wohl zu verwerten, wenn andere klinische Erhebungen mit¬
berücksichtigt werden.
Die chirurgische Lues tritt im allgemeinen in typischen
Krankheitsbildern auf. Aber ihre Erkennung unterliegt auch
bei Heranziehung aller diagnostischen Hilfsmittel und unter
Mitberücksichtigung aller lokalen und allgemeinen Symptome
mitunter erheblichen Schwierigkeiten.
Denn die mannigfachen Formen, unter denen die syphi¬
litischen Produkte in den Geweben und Organen in Erschei¬
nung treten, zeigen häufig so auffallende klinische Aehnlich-
keiten mit pathologischen Veränderungen anderer ätiologischer
Herkunft, dass ihre sichere Erkennung bei aller Erfahrung nicht
möglich ist.
Ein neues diagnostisches Hilfsmittel, wie es
uns die Wassermann sehe serologische Blutuntersuchung
an die Hand gibt, war deshalb besonders wertvoll.
Die differential diagnostische Bedeutung
der Wassermann sehen Blutuntersuchung hervorzuheben
und kritisch zu beleuchten, ist der Zweck der folgenden Aus¬
führungen. Die Frage nach der Sicherheit der Probe, nach
ihren theoretischen Grundlagen, nach ihrer praktisch-therapeu¬
tischen Verwertbarkeit, wurde ganz unberücksichtigt gelassen.
Für die Auswahl der folgenden 25 Krankengeschichten
waren hauptsächlich zwei Erwägungen massgebend: Einmal
wurden nur Fälle angeführt, bei denen die Anamnese auf Sy¬
philis negativ war und deren klinisches Bild auch bei richtiger
Abschätzung aller geläufigen spezifischen Merkmale und bei
4 ) Herrn Geh. Rat Wassermann sage ich an dieser Stelle
verbindlichen Dank für die gütige Ueberlassung eines Arbeitsplatzes
im Kgl. Institut für Infektionskrankheiten, ebenso seinem Assistenten
Herrn Dr. Georg Meier für seine liebenswürdige Unterstützung.
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16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
331
genügender Würdigung des Gesamtbildes eine verschiedene
diagnostische Deutung zuliess, und wo deshalb die Heran¬
ziehung eines weiteren als wertvoll erkannten Diagnostikums
— des biologischen Nachweises der Syphilis — zur Klärung
differentialdiagnostischer Schwierigkeiten wünschenswert er¬
schien.
Zum anderen bestand die Absicht, ohne einem strengen
Einteilungsprinzip zu folgen, einzelne Paradigmata der ver¬
schiedenen Erkrankungsgruppen, der Haut und Schleimhaut,
der Gelenke und Knochen, der Muskeln und Drüsen und endlich
einzelner Organe anzuführen, die in Frequenz und klinischer
Bedeutung einiges Interesse beanspruchen.
Wir beginnen mit Erkrankungen der Haut und Schleim¬
haut.
1. Fr., 52 Jahre alt. Früher gesund. Seit Ende November 1907
bemerkte Patient eine Borke an der Unterlippe, die zeitweise blutete.
Am 7. Januar 1908 der Poliklinik wegen Carcinoma labii inf. zur
Operation überwiesen.
Status: An der Unterlippe, in der Nähe des rechten Mundwinkels,
an der Grenze des Lippenrots eine kleine ca. pfennigstückgrosse,
rundliche, harte, plattenartig sklerosierte, mit Borken bedeckte
Stelle, die nach Entfernung der Borke leicht blutete. Der Geschwürs¬
grund ist leicht zerklüftet, komedonenartige Pfropfe lassen sich nicht
ausdrücken. Keine Drüsenschwellung.
Differentialdiagnose: Primäraffekt oder Karzinom.
Serumreaktion: stark positiv. Die vorgenommene Probeexzision
ergibt kleinzelliges Infiltrat mit Wucherung der Bindegewebszellen,
zahlreiche Gefässbildung mit reichlichen obliterierten Gefässlumina
(Endovasculitis obliterans syphilitica?) (Dr. R h e i n d o r f.)
Die Diagnose Primäraffekt findet ihre Bestätigung nach 4 Wochen
durch Auftreten der Roseola.
2. Sch., 39 Jahre alt. Eltern und Geschwister gesund. Seit
8 Jahren verheiratet und gesund.
Patient wird anfangs März beim Rasieren leicht geschnitten;
es bildete sich ein kleiner Knoten, der auf der Höhe eine Borke zeigte,
die einige Tage später bei wiederholtem Rasieren wieder abgekratzt
wurde, eiterte und leicht blutete. Später kratzte Patient die Borken
öfters selbst ab. 7. April 1907 Poliklinik.
Status: Rundlicher, etwas erhabener kirschgrosser Knoten der
Kinnhaut Zentrum geschwürig zerfallen, Umgebung mässig gerötet.
In der rechten Submaxillargegend einige geschwollene, sehr empfind¬
liche Drüsen.
Diagnose: Infizierte Schnittwunde, Furunkel mit sekundärer
Drüsenschwellung.
Da Patient auffallend schlecht aussieht, Verdacht auf Lues, Blut¬
untersuchung negativ, 8 Tage später wiederholt stark positiv.
3 Wochen später Roseola.
3. K-, Frl. Vor 5 Wochen beim Küssen in die Lippenschleimhaut
gebissen; die Bisswunde blutete leicht und zeigte nach einiger Zeit
Schorfbildung. Seit 8 Tagen Drüsenschwellung.
Poliklinik: 27. III. 1908.
Status: An der Innenseite des Lippenrots, ungefähr in der
Mitte der Unterlippe, kleine ca. erbsengrosse, mit Borken be¬
setzte Stelle, die von normaler Schleimhaut umgeben ist und keinerlei
Verhärtung zeigt. Nach Entfernung der Borke zeigt sich eine granu¬
lierende Geschwürsfläche, die leicht blutet.
Die Submentaldrüse ist mässig geschwollen und druckemp¬
findlich.
Differentialdiagnose: Infizierte Bisswunde oder Primäraffekt.
Serumreaktion: stark positiv. 2 Wochen später Allgemein¬
erscheinungen.
Geben die Primäraffekte schon durch ihre äusserliche Aehnlich-
keit mit anderen Erkrankungen zu Verwechslungen Anlass, so treten
sie zuweilen mit so schlecht gezeichneten klinischen Merkmalen auf,
dass ihre Erkennung unmöglich ist. In diesen Fällen tritt die Blut¬
untersuchung in ihr Recht, zumal da auch das histologische Ergebnis
nicht eindeutig ist. Der mit Hilfe der biologischen Methode erbrachte
exakte Nachweis der Syphilis mehrere Wochen vor Auftreten der
Roseola scheint beachtenswert für die Frage der primären Exzision.
4. Sch., Arbeiter, 27 Jahre. Poliklinik: 25. IV. 08.
Seit 6 Wochen in erfolgloser ärztlicher Behandlung wegen an¬
geblich tuberkulösen Geschwürs über dem Brustbein.
Status: Ueber dem unteren Drittel des Manubrium sterni ca.
fünfmarkstückgrosses Geschwür mit zackigen, unterminierten Rän¬
dern. Der Geschwürsgrund ist zerklüftet und eitrig belegt. Knochen
scheinbar intakt.
Differentialdiagnose: Ulcus gummosum oder tuberkulöses Ge¬
schwür.
Serumreaktion: positiv. Geschwür nach 3 Wochen durch Jod¬
kalium geheilt.
5. Sch., 30 Jahre alt, Arbeitersfrau.
2 normale, 2 prämature Partus. Seit August 1905 Stuhlver¬
stopfung. Seit Juli schmerzhafte Diarrhöen. Der Stuhl ist mit Eiter
und Blut vermischt.
In die Klinik aufgenommen 17. September 1908.
Status: Schlechter Ernährungszustand. Incontinentia alvi. Aus
der Analöffnung läuft spontan dünnflüssiger, eitriger Stuhl. Die Haut
in der Umgebung des Anus fühlt sich derb infiltriert an. Hinter dem
Sphincter ani ist eine ringförmige, derbe, starre, oberflächlich ulze-
rierte Masse abzutasten. Das Lumen des Rektum ist für den kleinen
Finger nicht mehr durchgängig. Genitalbefund normal.
Auch per vaginam ist an der Hinterwand der Scheide die Ver¬
härtung zu fühlen. Inguinaldrüsen geschwollen und schmerzhaft.
Temperatur 39,5.
Diagnose: Strictura recti. Aetiologie: Syphilis, Gonorrhöe oder
Karzinom?
Serumreaktion: stark positiv. Hg und Jod brachte Besserung.
Schliessen wir hiemit die Reihe der Erkrankungen der
Haut und Schleimhaut, so mögen einige weitere Fälle ohne
Krankengeschichten kurz erwähnt sein.
So entschied der positive Ausfall der Blutprobe für iso¬
liertes Gumma je an Stirn, Gesicht und am Rücken, wo gut¬
artige Geschwülste nicht auszuschliessen waren. Einmal wurde
ein scheinbares Weichteilsarkom am Unterschenkel als Gumma;
ein vermeintlicher ausgedehnter Lupus am Nacken als papulo-
serpiginöses Syphilid erkannt. Der negative Ausfall Hess uns
ein angeblich fieberlos aufgetretenes Erythema nodosum fest¬
stellen, wo wir an multiple Gummata dachten und endlich
wurde eine ausgedehnte Tb. cutis verrucosa der Hand festge¬
stellt, wo wir zerfallene Gummata diagnostizierten.
Auch bei der systematischen Untersuchung einer grossen
durchgehenden Reihe von Unterschenkelgeschwüren hat die
Blutuntersuchung uns beachtenswerte Hinweise gegeben.
Ganz harmlos scheinende Ulcera der Unterschenkel, deren
klinisches Bild nie eine syphilitische Herkunft verraten hätte,
wurden durch den positiven Ausfall der Serumreaktion als
luetisch erkannt. Andererseits zwang uns öfter der negative
Ausfall, unsere Diagnose zu rektifizieren, wo wir auf Grund gut
gezeichneter Merkmale des Befundes und Verlaufes, durch mul¬
tiples Auftreten Gruppierung und Form, eine spezifische Aetio¬
logie annehmen zu dürfen glaubten. Die Richtigkeit des sero¬
logischen Ergebnisses wurde durch die weitere Beobachtung
bestätigt.
Drei Muskelerkrankungen mögen folgen, die ebenfalls zei¬
gen, welch schätzbare Dienste die Reaktion für die Erkennung
ihrer syphilitischen Genese zu leisten vermag.
6. P., 34 Jahre alt. Früher nie ernstlich krank. Seit November
1907 bemerkt Patient eine Anschwellung des linken Kniegelenks, die
ohne eine bestimmte Ursache auftrat.
Status: Hydrops genu sin. Im unteren Drittel der Quadrizeps-
muskulatur ist ein kindsfaustgrosser, derber, beweglicher Tumor zu
fühlen. Beim Anspannen des Muskels ist der Tumor nicht mehr genau
abzugrenzen. Der Tumor ist ohne jegliche Sensation aufgetreten.
Differentialdiagnose: Fibrom, Sarkom oder Gumma.
Serumreaktion: stark positiv.
Diagnose: Gumma. Jodkalium bringt den Tumor allmählich zum
Schwinden.
7. J., Frau, 26 Jahre alt. 5 gesunde Kinder, 2 Aborte.
Im September 1907 bemerkte Patientin eine kleine harte Stelle
in der Zungenspitze, die von einem spitzen Zahn herrühren sollte.
Poliklinik: 18. II. 08.
Status: haselnussgrosser, zirkumskripter derber Tumor in der
Zungenspitze. Schleimhaut unverändert.
Differentialdiagnose: Zungengumma. Solider Tumor, solitärer
tuberkulöser Knoten.
Serumreaktion: stark positiv. Schmierkur erfolgreich.
Diagnose: Solitäres Gumma der Zunge.
8. K., 52 Jahre alt. Seit ca. 4 Wochen Kieferklemme.
Status: Brettharte Infiltration des linken Muse, masseter; auf
Druck sehr schmerzhaft. Kiefersperre.
Klinische Diagnose: Entzündliche Kieferklemme (ausgehend von
durchbrechendem Weisheitszahn).
Da nach der Zahnextraktion die Infiltration nicht zurückgeht,
wird an eine luetische Myositis gedacht.
Serumreaktion: stark positiv. Durch Jodkalium Heilung.
Diagnose: diffuse syphilitische Myositis.
Wenn wir uns nun zu den Erkrankungen der Gelenke und
Knochen wenden, so stellt uns bekanntlich die Diagnose syphi¬
litischer Gelenkentzündungen vor ganz besonders schwierige
Aufgaben.
Besonders Tuberkulose, akuter und chronischer Gelenk¬
rheumatismus und Gonorrhöe, treten in kritische Konkurrenz.
9. R. A., 15 Jahre alt. Vater, Mutter und ein Bruder angeblich
gesund. Seit zwei Jahren sich allmählich entwickelnde schmerzlose
Wasseransammlung in beiden Kniegelenken.
Status: Hydrops genu duplex. Sonst keinerlei Krankheits¬
symptome.
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MÜNCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
332
No. 7.
Röntgenbild: ohne besondere Merkmale.
Serumreaktion: Die Punktionsflüssigkeit stark positiv.
10. L. A., 9 Jahre alt. Eltern und Geschwister gesund. Seit
ca. 2 Monaten schmerzlose und allmähliche Anschwellung beider
Kniegelenke.
Status: Beide Kniegelenke sind geschwollen. Die Bursae ex-
tensorum beiderseits prall gefüllt. Patella tanzt.
Röntgenbild: Verbreiterte unregelmässige Epiphysenlinie.
Serumreaktion: stark positiv.
11. L., 14 Jahre alt. Eltern gesund. Kräftig und gesund aus¬
sehender Junge. Seit 4 Monaten ein dickes Knie ohne nachweisbare
Ursache.
Status: Hydrops genu serosus.
Röntgenbild: ohne Befund.
Serumreaktion: stark positiv.
Erregten auch im Fall 9 und 10 die Symmetrie und das
langsame und schmerzlose Entstehen des Hydrops den Ver¬
dacht auf Lues, so war eine bestimmte ätiologische Diagnose
vollends im Fall 11, wo nur ein einseitiger Hydrops bestand,
beim Fehlen anderer Stigmata der Heredosyphilis (Keratitis,
Zahneinkerbung, Ohrerkrankungen etc.) nicht möglich.
Denn bekanntlich geben auch die Röntgenbilder keine un¬
terscheidenden Merkmale. Die Veränderungen an den Wachs¬
tumszonen, die W e g e n e r unter Osteochondritis syphilitica
zusammengefasst hat, geben im Röntgenogramm Bilder, die
nicht bloss bei Heredosyphilis gefunden werden.
Man findet eine mehr oder weniger verbreiterte, unregel¬
mässig verlaufende Epiphysenlinie, die zuweilen Zacken aus¬
sendet, zuweilen guirlandenförmig verläuft, oft ein eingelagertes
Zwischenstück zeigt; ferner Aufhellungszonen der Metaphyse
und Diaphyse, die als Ausdruck einer Atrophie aufzufassen
sind und endlich quer verlaufende Verdichtungsstreifen, die
man wohl als durch das Wachstum in die Metaphyse vorge¬
schobene Naifoenbildungen zu deuten hat. Alle diese Verände¬
rungen aber, die keineswegs durchgängig am Knochensystem
bei hereditär Syphilitischen gefunden werden, können auch
bei Knochenaffektionen auf anderer Basis, speziell bei Rha-
chitis, gefunden werden. Da auch das therapeutische Ex¬
periment gerade in diesen Fällen zuweilen versagt, so stellt
hier oftmals der positive Ausfall der Serumreaktion das einzig
sichere Merkmal für die Erbsyphilis dar.
12. B., Frau, 42 Jahre alt. Früher nie ernstlich krank gewesen.
1 gesundes Kind, seit Ya Jahr Ausfluss.
Mitte Oktober erkrankte Patientin mit geringem Fieber und mit
Schmerzen im linken Schultergelenk. Später trat eine Bewegungs¬
behinderung im Schultergelenk ein, die innerhalb der folgenden zwei
Monate trotz verschiedener therapeutischer Massnahmen zur völligen
Schulterversteifung führte.
Poliklinik: 4. Januar 1908.
Status: Schulterwölbung abgeflacht, Schultermuskeln, besonders
der Deltoideus atrophisch. Bewegungen im Schultergelenk aktiv und
passiv ganz aufgehoben. Starre Fixation des Humeruskopfes.
Röntgenbild zeigt starke Atrophie der Schulterknochen.
Klinische Diagnose: Omarthritis gon. subacuta.
Dreiwöchentliche Stauung ohne den erwarteten Erfolg, deshalb
Verdacht auf Lues.
Serumreaktion: Stark positiv. Nach 14tägigem Jodgebrauch
gute Funktion des Schultergelenks.
13. W. L., 36 Jahre alt. Poliklinik 10. XII. 08.
Seit ca. 10 Tagen ganz unerträgliche Schmerzen im linken Knie¬
gelenk; die ohne bekannte Ursache auftraten. Antirheumatische
Mittel ohne Erfolg. Kein Tripper.
Status: Das linke Kniegelenk wird in massiger Beugung fixiert
gehalten. Kaum sichtbare Schwellung der Kniegelenkgegend. Ganz
massiger Gelenkerguss. Das Knie fühlt sich heiss an.
Aktive und passive Bewegungen ganz enorm schmerzhaft.
An der Aussenseite der Patella gerade über der Gelenklinie
druckschmerzhafte Stelle; hier scheint die Kapsel verdickt zu sein.
Röntgenbild ohne wesentlichen Befund.
Verdacht auf Lues.
Serumreaktion: Stark positiv.
Nach dreitägigem Jodkaliumgebrauch Schmerzhaftigkeit ge¬
hoben; nach 8 Tagen volle Gebrauchsfähigkeit des linken Beines.
Auch bei der Differentialdiagnose der Knochenerkran¬
kungen müssen wir häufig die serologische Untersuchung
heranztehen. Denn sowohl bei den hereditären wie erwor¬
benen luetischen Knochenaffektionen begegnen wir häufig
genug diagnostischen Irrtümem, wenn Tuberkulose eitrige Peri¬
ostitis und Osteomyelitis und endlich Tumoren mit in Frage
gestellt sind.
14. G., 23 Jahre alt, früher nie krank.
Seit einigen Tagen heftige Schmerzen in der linken Hand.
Fieber.
Status: Spindelförmige Auftreibung des Metakarpus II, mässige
Verdickung und Rötung der darüber liegenden Weichteile.
Röntgenaufnahme: Zentral gelegene, zirkumskripte Aufhellungs¬
zone ohne Verdichtung der Tela ossea und ohne Periostwucherung.
Differentialdiagnose: Osteomyelitischer Abszess des Meta¬
karpus II oder isoliertes Gumma.
Die positive Serumreaktion entschied für Gumma.
Operation: Aufmeisselung. Weiches gallertartiges Gewebe m*
opaken Einsprengungen. Steril!
15. M., 42 Jahre alt. Früher nie krank.
Seit längerer Zeit unangenehme Sensationen im linken Unter¬
arm, speziell in der Gegend des Olekranon.
Status: Leichte ödematöse Schwellung des linken Unterarms,
ganz mässige diffuse Verdickung der Ulna.
Röntgenbild: Die Ulna zeigt unregelmässig höckerige, auf¬
gefaserte, wie angenagte Konturlinie. Das Strukturbild infolge
Sklerosierung undeutlich.
Differentialdiagnose: Osteomyelitis gummosa diffusa. Sklern-
sierende Form der eiterigen Osteomyelitis.
Serumreaktion: Positiv. Jodkalium brachte wesentliche
Besserung!
Diagnose: Gummöse Osteomyelitis ulnae.
16. W. M., 15 Jahre alt. Vater tot, Mutter und 5 Geschwister
leben und sind gesund. Als Kind skrofulös.
Seit ca. 7 Jahren an beiden Händen Anschwellungen, die auf¬
brachen und Eiter absonderten.
Status: Metakarpus I und III links sind spindelförmig auf¬
getrieben. Ueber beiden eitrige Fisteln, in deren Tiefe die Sonde auf
rauhen Knochen stösst.
Die Grundphalanx des 4. Fingers rechts ist ebenfalls verdickt,
dorsal findet sich eine am Knochen adhärente, narbige Einziehung
der Haut.
Röntgenbild: Diffus Sklerosierung des Metakarpus I und 111
Differenzierung zwischen Kortikalis und Periost nicht mehr möglich
Kleinhaselnussgrosse, kreisrunde Aufhellungszone in der Grund¬
phalanx des 4. Fingers.
An den Metakarpi verbreiterte Epiphysenlinien.
Klinische Diagnose: Multiple Knochentuberkulose.
Röntgenbild spricht für Lues. Unter spezifischer Behandlung
schliessen sich die Fisteln.
Serumreaktion: Stark positiv.
17. E., Frau, 30 Jahre alt. 1 Partus.
Als Kind Wirbelsäulenerkrankung und eitrige Hüftgelenksent¬
zündung. 1907 Unterschenkelgeschwür.
Seit 4 Monaten besteht eine harte Geschwulst an der linken
Brustseite, die in letzter Zeit sehr rasch wuchs und lebhafte
Schmerzen verursachte. Seit 8 Tagen hat Patientin einen kleinen
harten Knoten über dem linken Schlüsselbein bemerkt.
Aufnahme in die Klinik 24. XI. 08.
Status: Schlecht genährte blasse Frau. Ueber der 7. .bis
12. Rippe links zwischen der Mammillar- und Axillarlinie ungefähr
faustgrosse, kugelige, gegen ihre Umgebung scharf abgegrenzte Ge¬
schwulst, über der die unveränderte Haut nur wenig verschieblich ist.
Die Oeschwulst ist mit ihrer Unterlage fest verwachsen. Ihre Kon¬
sistenz ist hart.
In der Achselhöhle und in der Supraklavikulargrube links hasel¬
nussgrosse, harte Drüsen.
Am linken Unterschenkel gezackte, pigmentierte Narbe.
Im Röntgenbild scheinen die befallenen Rippen unverändert.
Differentialdiagnose: Tuberkulose oder Gumma. Sarkom der
Brustwand?
Probeexzision: Brustwandtumor: mikroskopisch fibrös entzünd¬
liches kernarmes Gewebe.
Serumreaktion: Stark positiv. Unter Jodkalium verschwand
der Tumor.
Diagnose: Gumma der Brustwand.
18. M., 39 Jahre alt, angeblich nie krank. Vater eines gesunden
Kindes.
Seit 3 Wochen bemerkt er eine Anschwellung am rechten
Scheitelbein, die sich weich anfühlt und auffallend rasch wuchs. Seit
einigen Tagen anfallsweise auftretende Schmerzen, speziell der
rechten Nackenseite.
Ein Nervenarzt, den er konsultiert, überweist ihn zur Klinik
am 3. IX. 08.
Status: Gut genährter Mann; an der okzipitalen Seite des rechten
Scheitelbeins befindet sich eine halbkugelige Geschwulst, die unge¬
fähr in der Ausdehnung eines Fünfmarkstückes dem Schädelknochen
untrennbar aufsitzt, und über der die normale mit Haar bedeckte
Haut leicht verschiebbar ist. Die Geschwulst ist weich, scheinbar
fluktuierend, zeigt keine Pulsation. Druck auf die Geschwulst bringt
keinen Gehirnreiz hervor. Das ganze hintere Schädelsegment scheint
hyperostotisch verdickt zu sein. An einer Stelle der Peripherie der
Geschwulst ist ein deutlicher Knochenwall zu fühlen, welcher
dem Niveau des Schädeldaches an der Basis der Geschwulst sicii' 1
die Höhe schiebt. Es bestehen heftige Kopfschmerzen und Sensi¬
bilitätsstörungen der rechten Extremität. Achillessehnenreflex rechts
aufgehoben.
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Original frorn
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
J
16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
333
Differentialdiagnose: Sarcoma calvariae oder Qumma.
Serumreaktion: Positiv.
Nach 14 tägiger Jodkaliumtherapie Tumor verschwunden.
Wie mitunter in ganz zweifelhaften Fällen bei Be¬
rücksichtigung der blossen Eventualität eines
luetischen Ursprungs der Erkrankung die Serum¬
reaktion uns die richtige Diagnose ermöglicht, mögen einige
Drüsenerkrankungen illustrieren.
19. Sch., Arbeiter, 37 Jahre alt. Eltern gesund. 2 gesunde
Kinder.
November 06 Drüsenschwellung der linken Halsseite, die auf
Umschläge etwas zurückging. Zeitweise nächtliche Kopfschmerzen.
Status: Am rechten Unterkieferwinkel gut mannesfaustgrosser
höckeriger, schmerzhafter Drüsentumor mit der Haut verwachsen.
Konsistenz in der Peripherie ziemlich derb, in der Mitte Zeichen von
Erweichung.
Diagnose: Lymphomata colli. Einfach hyperplastisches Lym¬
phom, Tuberkulose, Sarkom oder Qumma?
Serumreaktion: Stark positiv. Nach 6wöchentlichem Jodkali¬
gebrauch Drüsentumor verschwunden.
Diagnose: Lymphadenitis gummosa diffusa.
20. W., Frau, 30 Jahre alt. Früher nie ernstlich krank. Seit
einem Jahr verheiratet. Mann gesund.
Seit einiger Zeit bemerkte Patientin Drüsenanschwellungen der
rechten Submaxillargegend.
Status: Lymphomata colli.
Es fällt eine längliche, blaurote Narbe unterhalb des rechten
Mundwinkels auf, die auf Befragen von einer Eiterpustel herrühren
soll, die aber den Verdacht erweckt, von einem Primäraffekt her¬
zurühren.
Serumreaktion: Stark positiv. Durch Hg-Kur verschwinden
die Drüsen.
Zum Schluss mögen noch einige Organenkrankungen an¬
geführt sein, die auch kasuistisches Interesse haben.
21. R., Frau, 42 Jahre alt. Früher gesund. Ein gesundes Kind.
Seit 2—3 Monaten langsame und mässig schmerzhafte An¬
schwellung der rechten Ohrspeicheldrüse. Nach und nach bildeten
sich derbe, harte, deutlich fühlbare Knoten. Der konsultierte Arzt
überweist die Patientin zur Operation wegen bösartiger Geschwulst.
Status: Blasse, abgemagerte Frau. Die rechte Parotisgegend ist
eingenommen von einer höckerigen Geschwulst, die nach unten über
den Kieferwinkel sich erstreckt, nach oben bis zur Haargrenze, nach
vorn bis zur Mitte der Wange, nach hinten bis zum Ohr geht. Die
Geschwulst fühlt sich derb und knollig an und ist druckschmerzhaft.
Sie ist mit der Haut verwachsen und auf ihrer Unterlage kaum ver¬
schieblich. Sie gehört der Parotis an. Die postaurikularen und sub-
maxillaren Drüsen sind hart und geschwollen. Kieferklemme. Sonst
keine Krankheitsveränderungen. Keine Fazialislähmung vorhanden,
Möglichkeit einer Lues angenommen.
Klinische Diagnose: Carcinoma (?) parotidis.
Serumreaktion: Stark positiv.
Nach 3 Wochen mit Jodkali wesentliche Besserung.
Diagnose: Parotitis syphilitica.
22. K., Frau, 33 Jahre alt. I Abort.
Seit 1 Jahr Appetitlosigkeit, Kollern im Leib, Qewichtsabnahme.
Status: Leidlicher Ernährungszustand. Im Epigastrium zwischen
Nabel und Processus ensiformis eine die Bauchdecken leicht vor¬
wölbende Qeschwulst, die bei der Atmung auf- und absteigt. Palpa-
torisch ist ein undeutlicher, walzenförmiger Tumor festzustellen von
Walnussgrösse, der dem tastenden Finger leicht entschlüpft. Beim
Aufblähen des Magens wird er deutlicher gefühlt. Kolonaufblähung
verdeckt den Tumor.
Magenchemismus: Salzsäure positiv. Milchsäure negativ.
Differentialdiagnose: Magentumor? vielleicht Lebergeschwulst?
Serumreaktion: Positiv.
Probelaparotomie: Linksseitiger gummöser Schnürlappen der
Leber mit Schwielenzügen.
23. R. K., 4 Monate alt. Vater und Mutter angeblich ganz gesund.
Erstes Kind.
Seit einiger Zeit bemerkt die Mutter eine Lähmung des linken
Armes.
Status: Kräftig entwickelter Knabe. Der linke Arm hängt schlaff
am Thorax herab. Der Vorderarm steht proniert. Der Handrücken
ist gegen den Rumpf gerichtet. Spontane Bewegungen werden nur
mit den Fingern ausgeführt. Auch auf grobe mechanische Insulte
(Kniffe) erfolgt keine Abwehrbewegung. Aeusserlich ist am Ober¬
arm nichts festzustellen. Keine fühlbare Kubitaldrüse.
Die Nervenuntersuchung ergibt keinen Anhalt für eine Lähmung
(Dr. Cassierer).
Serumreaktion: Stark positiv. Jodkali brachte Heilung.
Diagnose: Parrotsche Pseudoparalyse des linken Oberarmes.
Röntgenbild: Der Humerusschaft ist fast in seiner ganzen Aus¬
dehnung von einer knöchernen periostalen Schale umgeben.
In den Leitsätzen wurde chon darauf hingewiesen, dass ein
positives serologisches Ergebnis eigentlich nur aussagt, dass
der Organismus zu irgend einer Zeit eine Spirochäteneinwan¬
derung durchgemacht hat. Für die syphilitische Genese eines
lokal auftretenden Krankheitsprozesses braucht die Serumreak¬
tion nichts auszusagen. Denn es ist klar, dass Produkte ver¬
schiedener Krankheitsursachen zu gleicher Zeit nebeneinander
bestehen können; wir wissen, dass gerade Tuberkulose und
hereditäre Lues sich häufig vergesellschaften und dass über¬
haupt ein durch das syphilitische Virus geschwächter Körper
anderen Infektionen leicht ausgesetzt ist.
Hier sind dieGrenzenderVerwertbarkeitder
Serumreaktion für die Differentialdiagnose.
Diese Erwägungen bedürfen bei der Diagnosenstellung
ernster Beachtung.
Man gebe sich nicht vorschnell und ausschliesslich zu¬
frieden mit dem serologischen Entscheid; verwerte denselben
vielmehr nur im Einklang mit den übrigen klinischen Sym¬
ptomen, denn sonst versäumt man damit eventuell den richtigen
Zeitpunkt einer radikalen Therapie. Zwei Krankengeschichten
mögen angeführt sein, die hierfür besonders lehrreich sind.
24. T., 69 Jahre alte Frau. Angeblich nie krank.
Zwei Jahre zuvor trat an der linken Nasenseite ein Pickel auf,
den Patientin sich öfters aufkratzte. Salbenbehandlung. Auch drei¬
monatliche Röntgenbestrahlung brachte keine Besserung, vielmehr
entwickelte sich nach und nach ein grösseres Geschwür.
Poliklinik: 14. II. 08.
Status: An der linken Nasolabialfalte etwa pfennigstückgrosses,
kreisrundes Geschwür, mit harten derb infiltrierten, scharfkantigen,
steil abfallenden Rändern. Das Geschwür greift kraterförmig in die
Tiefe und mündet mit einer bohnengrossen Perforationsöffnung in die
Nase. Der Geschwürsgrund ist mit schmutzigen, teils eitrigen, teils
speckigen Granulationen bedeckt. Die Haut in der Umgebung des
Geschwürs ist stark gerötet.
Differentialdiagnose: Karzinom, Lues, Röntgenulcus?
Serumreaktion: Positiv, deshalb antisyphitische Behandlung, die
aber fast ohne jede Einwirkung auf das Geschwür ist und nur ganz
vorübergehende Reinigung herbeiführt.
Die hierauf vorgenommene mikroskopische Untersuchung ergab
ein K a r z i n o m. (Es handelt sich vielleicht um ein auf der Basis
eines Ulcus lueticum entstandenes Karzinom.)
25. K-, Frau. 34 Jahre alt. Früher gesund. 3 Partus, 0 Abortus.
Seit 4 Jahren bemerkte Patientin an der Aussenseite des rechten
Unterschenkels einen ca. fünfmarkstückgrossen, flachen Knoten, der
schmerzlos, aber stetig wuchs. In letzter Zeit schien er sehr schnell
zu wachsen und verursachte oft starke Schmerzen.
Ueberweisung zur Klinik 9. I. 08.
Status: Am rechten Unterschenkel, im Bereich des oberen
äusseren Drittel der Tibia eine mannsfaustgrsse scharf abgegrenzte
Geschwulst, über der die wenig veränderte Haut kaum abhebbar ist.
Konsistenz sehr hart: fast knochenhart. Der Tumor ist auf der Unter¬
lage nicht verschieblich, erscheint vielmehr fest mit dem Knochen
verwachsen.
Das Röntgenbild zeigt leichte Atrophie der Tibia und scheinbar
einen Ansatz einer periostalen Knochenspindel.
Diagnose: Gumma periostale oder Sarcoma crurls.
Serodiagnostik: Positiv.
Operation mit der Aussicht einer eventuellen Amputatio cruris
wird abgelehnt.
Die soäter von anderer Seite vorgenommene Operation ergab
aber ein Chondrom der Weichteile.
Kommen wir nun auf Grund unseres klinischen Materiales
zu einer Zusammenfassung, so lässt sich über den Wert der
Wassermann sehen Serumreaktion fiir die Differentiat-
diagnose kurz folgendes sagen:
Wo die klinische Symptomatologie im Verein mit histologi-
chen, röntgenologischen und bakteriologischen Ergebnissen hin¬
reichend für die Diagnose auf Lues erscheint, stellt das sero¬
logische Ergebnis ein sehr beachtenswertes ergänzendes Sym¬
ptom dar.
Bei unklaren klinischen Bildern, bei isoliert auftretenden
Herden, wird das differentialdiagnostische Problem durch den
Ausfall der Blutuntersuchung wesentlich eingeengt und zwar
derart, dass das positive Resultat unsere Vermutungsdiagnose
kontrolliert und vervollständigt und im Einklang mit den übrigen
Symptomen unsere Schlussdiagnose im bejahenden Sinne be¬
einflusst. Der negative Ausfall bildet nur ausnahmsweise ein
verwertbares Merkmal, indem es als letzte Bestätigung eines
auch klinisch wahrscheinlich negativen Untersuchungsergeb¬
nisses gelten kann.
Die Methode hat aber auch ihre Fehlerquellen. Einmal
gibt sie keine Organdiagnose, zum anderen ist ein negativer
Ausfall zuweilen beobachtet trotz manifester Luessymptome.
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
Wenn hierdurch auch der Wert der Methode eine Ein¬
schränkung erleidet, so ist sie doch von grossem wissenschaft¬
lichen Interesse und praktischem Wert und verdient in un¬
serem diagnostischen Rüstzeug eine genügende Würdigung und
ausgedehnte Verwendung.
Aus der orthopädischen Anstalt des Dr. Bade, Hannover.
Demonstration schwierig zur Heilung gebrachter Fälle
von angeborener Hüftverrenkung*).
Von Dr. Peter Bade in Hannover.
M. H.! Zu dem Entschluss, Ihnen eine Reihe von kon¬
genital verrenkt gewesenen Hüftkindem vorzustellen, bin ich.
besonders aus dem Grunde getrieben worden, weil im letzten
Jahre sich wieder einige Stimmen meldeten, die der unblutigen
Behandlung zu enge Grenzen ziehen. So hat Ludloff auf
dem letzten Orthopädenkongress eine neue unblutige Methode
wieder angegeben, Deutschlän-der hat in einer Arbeit
ausgesprochen, dass wir unser Augenmerk wieder mehr der
blutigen Behandlung zuwenden müssten, und endlich hat
W i t z e 1 in Düsseldorf in einem akademischen Vortrag aus¬
gesprochen, dass der blutigen Behandlung die Zukunft gehöre.
Das muss den praktischen Arzt besonders zu einer Zeit ver¬
wirren, wo der Franzose C a 1 o t von seinen glänzenden Er¬
folgen mit der unblutigen Therapie spricht, wo unter den
deutschen Orthopäden Lange, Drehmann, Drees¬
mann, Narath, Joachimsthal u. a. von einem sehr
hohen Prozentsatz unblutig geheilter Fälle berichten, wo ich im
Vorwort meines Buches über die angeborene Hüftverrenkung
von dem „vollständigen Sieg“ der unblutigen Behandlung
sprechen durfte und diese Ansicht durch meine Darlegung über¬
zeugend beweisen zu können glaubte.
Die 11 Fälle, die ich Ihnen zeige, haben das Gemeinsame,
dass sie
1. unter tatsächlich schwierigen Verhältnissen zur Heilung
gebracht worden sind. Wenn also die unblutige Therapie hier
versagt hätte, so hätte man selbst bei diesen ungünstigen Fällen
ein absprechendes Urteil noch nicht über die unblutige Behand¬
lung fällen dürfen, sondern hätte dies für günstigere Fälle auf¬
sparen müssen.
Die Fälle haben ferner 2. das Gemeinsame, dass stets eine
konzentrische Ausbildung der Pfanne eingetreten ist, und end¬
lich, dass nicht bloss der anatomische Erfolg ein sehr guter,
sondern auch das funktionelle Resultat ein durchaus gutes ist,
so dass es Ihnen kaum möglich sein wird, dem Gange der
Kinder etwas anzusehen.
Sie werden, so hoffe ich, durch die Demonstration mit mir
die Ueberzeugung bekommen, dass die unblutige Therapie,
selbst in schwierigen Fällen, ein gutes Resultat zeitigen kann.
Dass es deshalb auch nicht richtig ist, bei einem etwaigen Ver¬
sagen der Methode dies der Methode an sich zur Last zu
legen und darum sofort die viel eingreifendere, ja gefährliche,
blutige Behandlung zu empfehlen. Erst dann wäre diese
Empfehlung gerechtfertigt, wenn der Beweis geliefert wäre,
dass sie in den Fällen anatomisch und funktionell bessere Re¬
sultate lieferte, als die unblutige. Das hat aber bis jetzt noch
keiner vermocht.
Also meine Herren, ich bitte Sie dringend, im Interesse
unserer Patienten, bleiben Sie bei der unblutigen Behandlung
und wenn Sie anfangs Misserfolge haben sollten, verdammen
Sie die Methode nicht, legen Sie die Schuld nicht auf die un¬
günstigen anatomischen Verhältnisse, sondern suchen Sie sie
lieber bei einer noch nicht exakt durchgebildeten Technik, bei
eigener menschlicher Unvollkommenheit.
M. H.! Diese beiden ersten Fälle (Fig. 1—4) waren doppelseitige
Luxationen, die kompliziert waren durch doppelseitige Coxa vara.
Der Knabe ist jetzt 8 Jahre alt. seit 4 Jahren ist er reponiert (Fig. 1—2).
Wegen seiner doppelseitigen Coxa vara musste ich ihn einzeitig behan¬
deln. Ich musste dafür sorgen, dass durch langdauernde Fixation des
Kopfes am richtigen Orte der Pfanne zunächst eine doppelseitige An¬
kylose entstand. Diese musste allmählich durch Mobilisierung beseitigt
werden. Daher liess ich die immobilisierenden Verbände 8Vz Monate
lang liegen. Es wurde dadurch eine vollkommene Festigkeit an beiden
Seiten erzielt. Die Nachbehandlung war insofern erschwert, als die
•) Nach einem auf der Versammlung der Naturforscher und
Aerzte in Köln gehaltenen Vortrag.
eine Seite sehr bald, die andere von selbst nicht beweglich werden
wollte. Dadurch entstand die Gefahr, dass die eine Seite reluxieren
konnte. Dieser Gefahr musste entgegengearbeitet werden dadurch.
dass die zweite nicht mobile Seite sehr energisch durch die Nach¬
behandlung beweglich gemacht wurde. Den Erfolg der Behandlung
sehen Sie (Fig. 2). Auf dem Röntgenbild sehen Sie, dass trotz der Coxa
vara sich die kleinen Köpfe konzentrisch in die Pfanne eingewiihlt
haben, am Gange der Kinder ist nichts, das an die doppelseitige
Luxation erinnert. Nur die Trochanteren, welche breit abstehen, lassen
erkennen, dass die doppelseitige Coxa vara noch vorhanden ist.
Das 7 jährige Mädchen hatte ebenfalls Lux. cox. cong. und auch
doppelseitiger Coxa vara (Fig. 3). Es ist seit 3Ys Jahren reponiert. Es
\
ist auch auf dem Wege der Ankylosierung zur Heilung gebracht. Da
die Röntgenuntersuchungen nach dem ersten Verbandwechsel zeigten,
dass die Köpfe sehr weit von den Pfannen, wohl aber im Niveau
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
335
standen, musste das Hüftgelenk in stärkere Flexion gebracht werden.
Jetzt zeigte die Kontrollröntgenuntersuchung, dass Kopf und Pfannen¬
grund sich bedeutend genähert hatten. Wäre die gewöhnliche Ab¬
duktion angewandt, ohne zur Flexion über die Frontalebene herüber¬
zugehen, so wäre sicherlich keine Heilung erreicht worden. Röntgen¬
bild (Fig. 4) und der Gang des Kindes zeigen Ihnen sicher diese.
Das 3. Kind (Fig. 5 u. 6) ist 6 Jahre alt, war doppelseitig
luxiert und ist seit 3 Jahren geheilt. Bei ihm war eine beträcht¬
liche Verdrehung des oberen Schenkelendes nach vorn (Anteversion).
Diese Anteversion war in diesem Falle so hochgradig, wie Sie
namentlich auf dem Bilde nach der Heilung sehen, dass der Winkel,
den sonst Schaft und Hals miteinander bilden, verschwunden ist, viel-
Fig. 5.
mehr Kopf, Hals und Schaft geradlinig in einander übergehen (Fig. 6).
Ferner war die primäre Festigkeit an der einen Seite ganz aus¬
serordentlich schlechte. Die eingerenkte Hüfte schnappte sofort aus,
wenn sie noch in rechtwinkliger Abduktion stand, sobald man das Bein
losliess. Wegen dieser so sehr ungleichen Verhältnisse behandelte ich
beide Seiten zweizeitig. Ich bin der festen Ueberzeugung, dass
Fig. 6.
bei einer einzeitigen Behandlung sicher es zu einer Reluxation der
schlecht stabilen Seite gekommen wäre, weil die Seite nicht richtig
funktionell zu belasten gewesen wäre. Jetzt zeigen Ihnen aber die
Röntgenbilder, trotz der hochgradigen Anteversion, beiderseits tadel¬
los konzentrisch ausgebildete Pfannen, und der Gang des Kindes lässt
auch nicht das geringste zu wünschen übrig. Die Verbanddauer be¬
trug im ganzen hier 16 Monate.
M. H.! Die nächsten 3 Kinder sind einseitige Fälle (Fig. 1
bis 12), die das gemeinsame haben, dass sie anderwärts mehr¬
fachen Repositionsversuchen unterzogen waren und immer re-
luxierten. Ich habe sie trotzdem durch unblutige Behandlung
zur vollständigen Heilung gebracht, sicher schon allein ein ge¬
nügender Beweis für den Wert der Methode.
Fig. 7. Fig. 8.
Diese jetzt 7 jährige Patientin hatte eine linksseitige Luxation.
(Fig. 7). Sie ist im 5. Jahr von mir unblutig reponiert worden, nachdem
vorher anderwärts 3 Repositionsversuche gemacht worden waren. Bei
dem letzten hatte sie eine Schenkelhalsfraktur bekommen. Deswegen
musste ich noch % Jahr lang mit dem erneuten Reponieren warten,
weil der Kallus noch zu weich und bei dem Reponieren die Fraktur
hätte wieder eintreten können. Nachdem die Zeit verstrichen, repo-
nierte ich sie, es Hessen sich deutlich 2 Finrenkungsgeräusche ver¬
nehmen. Erst dann, wenn man das zweite vernommen, kann man an
die Reposition glauben, wenn die Festigkeit eine schlechte ist in der
ersten Stellung. Das war sic auch hier. Trotzdem gelang durch
8 monatliche Fixation und durch eine Nachbehandlungszeit von 4 Mo¬
naten, in der auf der gesunden Seite eine hohe Sohle getragen wurde,
um das reponierte Bein noch immer in der Abduktionsstellung zu
lassen, die dauernde Heilung, von der Sie sich wiederum durch die
manuelle Untersuchung, durch den Gang des Kindes und durch das
Röntgennegativ (Fig 8) überzeugen können.
Die Heilung bei dieser Patientin, die jetzt 10 Jahre alt ist, be¬
steht seit 6 Jahren. Vor 7 Jahren war sie erfolglos einer unblutigen
Reposition unterzogen wurden (Fig. 9).
Fig. 9 Fig.110.
Ich erreichte die Heilung 1. durch exakte Reposition und 2. durch
eine lange, 9 Monate hindurch dauernde Fixationsperiode. Ferner
dadurch, dass ich, um die Ausgestaltung der Pfanne zu erzwingen,
während 7 Monate lang den Kniekappenzug anwandte. Es wird zu
dem Zwecke der Verband oberhalb des Kniegelenkes entfernt und nun
eine Lederkappe um die Kondylen des Oberschenkels gelegt. Diese
Kappe wird kräftig in der Richtung der Femurachse gezogen, so dass
ein kräftigerer Druck des Femurkopfes gegen die Pfanne statt¬
findet, als es im Gipsverband möglich ist. Auch hier wurde, trotz¬
dem die Festigkeit eine schlechte war, auf jede Bandage in der Nach¬
behandlungsperiode verzichtet, sondern nur eine hohe Sohle auf der
gesunden Seite während 3 Monaten getragen. Das Röntgenbild
zeigt Ihnen (Fig. 10), dass sich in diesen 6 Jahren Pfanne und Kopf
so entwickelt haben, dass sie dem Normalzustand sehr nahe stehen.
Weniger der Norm ähnlich hat sich das Gelenk bei diesem
1 2Vz jährigen Mädchen entwickelt. Sie wurde aber auch erst mit
9 Y 2 Jahren von mir eingerenkt, nachdem sie im 6. Lebensjahre schon
zweimal einer unblutigen Behandlung erfolglos unterzogen war
(Fig. 11).
Fig. 11. Fig. 12.
Auch hier war nach exakter Reposition durch Kniekappenzug
und 5 Y 2 monatlicher Verbanddauer konzentrische Ausgestaltung der
Pfanne erreicht (Fig 12). Wie schwer aber bei so alten Kindern die
Beseitigung der durch die Repositions- und Retentionsbehandlung er¬
zielten Ankylose ist, möge Ihnen daraus klar werden, dass das Kind
bis jetzt noch, also 3 Jahre nach der Reposition, noch immer nach-
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336
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
behandelt wird. Wenn auch die Nachbehandlung durch den Arzt nur
im ersten Jahre notwendig war, muss das Kind zu Hause noch täglich
mobilisiert werden, und es müssen immer noch Nachtextensionszüge
angelegt werden. Der Qang des Kindes zeigt Ihnen aber, dass die
vielen Mühen nicht nutzlos gewesen sind.
Das 15 jähr. Mädchen, das ich Ihnen jetzt zeige (Fig. 13 u. 14) ist
ein ähnlicher Fall, nur wurde er erst mit 12 Jahren von mir reponiert.
Sie sehen auch auf dem Röntgenbilde hier, i^ie der Kopf genau im Zen¬
trum der Pfanne steht, dass aber der Hals ausserordentlich kurz ist.
Diesem Kinde können Sie am Gange noch ganz wenig das ankylotisch
gewesene Gelenk anmerken. Es ist natürlich klar, dass bei einem
15 jährigen Mädchen die volle Funktion sich nicht so schnell und so
gut wieder herstellt, wie bei einem 3 jährig reponierten. Aber gerade
deswegen zeige ich Ihnen das Kind, damit der Arzt sieht, was im
allergünstigsten Falle, d. h. bei allergünstigster anatomischer Heilung
so alter Fälle funktionell zu erwarten ist. Schicken Sie lieber die
Kinder früher zur Behandlung.
Diese 3 Kinder, die Sie hier gehen sehen und von denen ich Ihnen jetzt
noch Bilder herumschicke (Fig. 15—20) haben das Gemeinsame, dass
sie zwar früh in meine Behandlung kamen, dass aber in allen Fällen
eine hochgradige Anteversion des Schenkelhalses bestand und die
primäre Festigkeit eine sehr schlechte . war. Sie wissen, dass
Schede die Osteotomie des Schenkelhalses verlangte, um die Ante¬
version zu beseitigen. Diese Operation erscheint sehr einleuchtend,
denn man sagt sich, wenn das Ende des Femur um ca. 60° nach
vorne gedreht ist, so wird der Kopf besser in der Pfanne Halt finden
sobald die pathologische Drehung beseitigt ist. Aber der Erfolg war
nicht auf Seiten Schedes. Nun hat Reiner aus der Lorenz-
schen Schule vorgeschlagcn, man solle, um die Anteversion zu be¬
seitigen, vor der Einrenkung durch Osteoklasie des Femur das Femur¬
ende so drehen, dass der Schenkel die Normaldrehung besitze und
dann erst einrenken. Ich glaube nicht, dass diese Voroperation
nötig ist.
M. H.! Diese Fälle mögen Ihnen zeigen, dass nicht die
Anteversion der Grund zur Reluxation ist, denn sonst wären
meine Fälle sicher reluxiert. Wenn die Fälle selbst mit hoch¬
gradigster Anteversion früh zur Behandlung kommen, so geht
die Anteversion allmählich zurück, sobald man eine genügende
Festigkeit im Hüftgelenk erzielt hat. Das ist aber die Haupt¬
sache: genügende Festigkeit im Hüftgelenk. Diese können
Sie aber, wenn Sie sorgsam mit Röntgenstrahlen kontrollieren
und recht lange die Verbände liegen lassen, wenn Sie besonders
dafür sorgen, dass im letzten Verband genügend die Einwärts¬
rotation gewahrt wird, erreichen. Ueberlassen Sie getrost die
Anteversion sich selbst,- sie geht zurück und stört die Retention
nicht. Wenn Sie aber überhaupt nicht ordentlich reponieren und
nicht während der ganzen Retentionsperiode, also etwa
9 Monate lang, die konzentrische Feststellung des Kopfes
nicht bewahren können, so sind Fehler in der Verband¬
anlegung gemacht worden. Ich kann versichern, dass in
allen Fällen, wo ich überhaupt eine wirkliche
Reposition erreichte, auch die Retention
während der ganzen Verbandperiode bis zum
Abnehmen des letzten Verbandes gewahrt
werdenkonnte. Reluxationen treten immer erst 8 Tage bis
4 Wochen nach Abnahme des letzten Verbandes ein, und zwar,
wie mir die Durchsicht meines Materiales zeigt, in etwa lOProz.
der Fälle. Machen Sie aber vor der eigentlichen Reposition und
Retentionsbehandlung schon die Osteoklasie des Femur, um die
Anteversion zu beseitigen, wer sagt Ihnen, dass Sie dann wirk¬
lich imstande sind, den Kopf zu retinieren? Meiner Erfahrung
nach ist die Anteversion nicht Schuld an Misserfolgen.
Zum Schluss zeige ich Ihnen noch ein 6 jähr. Mädchen (Fig. 21 u. 22).
das, als ich es im 3. Jahre einrenkte, noch keinen knöchernen Kopf an
der luxierten Seite hatte, während er auf der gesunden Seite schon sehr
gut ausgebildet war, wie Sie sich auf dem Röntgenbilde überzeugen
können. Trotzdem also scheinbar gar kein Kopf vorhanden war, fand
die Reposition statt und auch die Retention war, wie Sie sehen, eine
dauernde. Im ersten Jahre nach der Reposition entwickelte sich ein
ganz kleiner, schmaler, sichelförmiger Knochenkern. Jetzt, 3 Jahre
nach der Reposition, sehen Sie, dass der plattgedrückte Kopf aus etwa
3 verschiedenen Ossifikationskernen entstanden ist und auf einem
dicken, kurzen Halse aufsitzt. Dieser unförmige Kopf sitzt aber genau
in der Pfanne. Trotz der Missbildung am Kopfe geht das Kind wie
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16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
$St
ein normales, weil der Kopf, wenn auch platt gedrückt, eben an Völlig
richtiger Stelle sitzt.
Es war meine Absicht, Ihnen noch ein zweites Kind zu zeigen,
bei dem genau der entgegengesetzte Prozess stattgeiunden hatte.
Hier war vor der Einrenkung der Kopf vorhanden gewesen, im Laufe
der Behandlungszeit schwand er jedoch fast ganz, bis auf einen un¬
regelmässig gezackten Kern, und erst später traten wieder neue
Knochenkerne auf, die jetzt ebenfalls zu einer Deformierung des
Kopfes führten. Leider ist das Kind ausgeblieben.
M. H.! Ich bin mit meiner Demonstration zu Ende. Ich
hoffe, durch die Kinder, die Sie gehen sahen und durch die
Röntgenbilder in Ihnen die Ueberzeugung wachgerufen zu
haben, dass es noch nicht so schlecht mit der unblutigen Be¬
handlung der angeborenen Hüftverrenkung steht, wie manche
Autoren es behaupten. Natürlich eine sorgsame, jeden
Fall peinlich kontrollierende Behandlung ist unbedingt
notwendig. Ich bin der festen Ueberzeugung, dass wir
die wenigen Prozente an Misserfolgen, die jetzt noch vorliegen,
auf das Konto zu hohen Alters, oder nicht genügender Technik
mehr zu setzen haben, als auf die so oft angeschuldigten,
ungünstigen anatomischen Verhältnisse. Diese gibt es natür¬
lich, aber sie können auch unblutig durch geeignete sorgsame
Behandlung, in jugendlichen Fällen wohl immer, überwunden
werden.
Oie Erkrankungen der Harnblasenmuskulatur.
Von Dr. Paul Asch, Privatdozent der Universität Strass¬
burg i. E.
Wenn man in jedem Falle von Blasenbeschwerden, insbe¬
sondere starkem und häufigem Harndrang, eventuell verbunden
mit Harnträufeln, bei dem die sonstigen klinischen Unter¬
suchungsmethoden eine exakte Diagnose nicht zulassen, eine
Zystosikopic vornimmt, so wird man eine nicht unbeträchtliche
Anzahl von Blasen mit einer z. T. grossen Menge von Re-
sidaialurin finden, die weder eine Spur von Entzündung noch
auch noch so kleine Tumoren oder Konkremente erkennen
lassen. In den Fällen, die ich hier im Auge habe, ist auch keine
Prostatahj ’srtrophie und keine Striktur vorhanden, welche die
Symptome erklären könnten; ebensowenig zeigen die Schleim¬
haut der Blase und die der Harnröhre Ueberreste einer voraus¬
gegangenen Gonorrhöe oder die Zeichen beginnender Tuber¬
kulose wie lokalisierte Hyperämien, Blutextrakte, Erweiterung
der Gefässe.
Haben wir all die erwähnten Krankheitsbilder ausge¬
schlossen „ so werden wir in einer ersten Reihe von Fällen
No. 7.
eine bereits vielgenannte Veränderung der Blasenwand treffen,
die Trabekelblase, welcher Begriff aber doch wohl zu weit ist
und verschiedene Erkrankungen in sich bergen dürfte. Von
Balkenblase oder Trabekelblase spricht man, wenn ein Teil
der Muskelfasern der Blasenwände derartig ausgeprägt ist,
dass dieselben reliefartig hervorspringen und untereinander
ein über die übrige innere Blasenfläche hervorragendes Balken¬
netz bilden. Dieser Zustand ist zystoskopisch sehr leicht fest¬
zustellen. Am häufigsten findet man denselben bei Strukturen
der Harnröhre und bei Prostatahypertrophie, d. h. in Fällen, in
denen der Entleerung der Blase ein Widerstand entgegenge¬
setzt wird. Hier ist die Hypertrophie der Blasenmuskulatur
als eine kompensatorische aufzufassen: um den grösseren Wi¬
derstand. der sich dem Harnstrom entgegenstellt, zu bewäl¬
tigen, muss die Blasenmuskulatur sich häufiger und in stärkerem
Masse in Tätigkeit versetzen, wodurch eine Arbeitshypertrophie
zustande kommt. Ob auch die bei Tabikern häufig vorkom¬
mende Trabekelblase auf ähnliche Weise zu erklären ist, lasse
ich dahingestellt. Jedenfalls muss man in allen solchen Fällen,
deren Erklärung durch ein organisches Hindernis in den Ham-
wegen selbst nicht gegeben ist, auf Tabes fahnden. Ich habe
in einem Fall von Blasenbeschwerden mit Hamretention und
Trabekelblase die klassischen Symptome der Tabes (Fehlen der
Patellar- und Pupillarreflexe) erst 10 volle Jahre nach Ein¬
setzen der Blasensymptome auftreten sehen, nach welcher Zeit
die Blasenschmerzen auch einen mehr krisenartigen Charakter
annahmen. Man wird daher in allen nichtgeklärten Fällen
eine sehr lange Beobachtungszeit verlangen müssen.
Ich habe nun eine Reihe von Fällen beobachtet, bei denen
trotz Fehlens von Striktur und Prostatahypertrophie
einerseits, von Tabes und sonstigen Erkrankungen des
Zentralnervensystems andererseits die Zystoskopie eine Tra¬
bekelblase erkennen Hess. 4 Fälle betrafen Männer, 7 Frauen.
Zeichen von Hysterie waren in keinem Falle nachweisbar. Am
auffallendsten kommt einem naturgemäss die Retention bei
Frauen vor. Hier ist aber das Krankheitsbild am klarsten, da
man durch Palpation, Zystoskopie und Urethroskopie viel leich¬
ter wie beim Mann einen noch so kleinen Widerstand in den
Ausführungswegen der Harnorgane oder in deren nächster Um¬
gebung (Vagina, Uterus, Rektum) ausscheiden kann. Diese
Frauen klagten meist über häufigen Harndrang, manchmal
Schmerzen in der Blasengegend, und über Harnträufeln. In
diesen Fällen konnten die gewöhnlich für Harnretention bei
Frauen angegebenen Ursachen wie Pessare. Fremdkörper,
Zysten derVagina, Tumoren der Vaginalwandung, Ansammlung
von Fäzes im Rektum ausgeschlossen werden. Auch von
Spasmus konnte keine Rede sein, da der Katheterismus ohne
weiteres gelang. Das sind die Fälle, in denen man ohne zysto-
skopische Untersuchung zu leicht geneigt ist einen Spasmus
oder nach Albarran eine „retention par Inhibition“ anzu¬
nehmen, bei welcher die expulsive Kraft der Blase geschwächt
und die Funktionen des Sphinkters gestört sind. Doch gibt
Albarran 1 ) zu, dass es aseptische Retentionen infolge von
Degeneration der Blasenmuskulatur geben kann, die er freiUch
nur bei Patienten in vorgeschrittenerem Alter beöbaohtet zu
haben scheint und daher als ein Zeichen des Alterns des Or¬
ganismus ansieht. Die von mir zystoskopisch untersuchten
Fälle betrafen dagegen Personen im Alter von 20—35 Jahren,
deren Allgemeinbefinden ein vorzügliches war. Auch konnte
bei ihnen von Arteriosklerose, welchen Faktor L a u n o i s a ) zur
Erklärung der Muskeldegeneration heranzieht, keine Rede sein.
Ebensowenig konnte in meinen Fällen der Alkoholismus als
ätiologischer Faktor herangezogen werden, während Albar¬
ran gerade darauf grossen Wert legt. Albarran, ebenso
L y d s t o n 3 ) haben in ihren zur Autopsie gekommenen Fällen
neben sklerotischen Veränderungen fettige Degeneration der
Blasenwandung vorgefunden. Ich glaube, dass in den eben
besprochenen Fällen die Atrophie eines Teile der Blasen¬
muskulatur das Primäre ist und die Trabekelbildung also auch
hier eine kompensatorische Arbeitshypertrophie darstellt Es
l ) Annales g^nito-urinaires 1908, No. 21.
*) Annales gönito-urinaires 1894, p. 121.
*) Journal of cut. and genit.-urinary diseases 1902, p. 456 nach
Albarran.
3
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Qrifinial frorn
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7
"bleibt dann freilich die Frage der Aetiologie der primären
Mu&kelatrophie offen. Vielleicht spielt hier eine Erkrankung
der Blasennerven oder des ganglionären Blasenzentrums eine
Rolle. Für eine zirkumskripte Poliomyelitis des spinalen Ve-
sikosexualzentrums nach Frankl-Hochwart 4 ) habe ich
keinen Anhaltspunkt finden können. Dieser Autor hat den oben
beschriebenen Symptomenkomplex, aber ohne lokalen Blasen¬
befund, bei schwächlichen Individuen zur Zeit der Sexualreife
konstatiert, während ihre Sexualentwicklung nicht stattgefun¬
den hatte. Im Gegensatz zu der im folgenden zu besprechen¬
den Art der Trabekelblase dürfte die eben beschriebene als
m y o g e n e oder neurogene Trabekelblase zu bezeichnen
sein. Die Schleimhaut über den Trabekeln erscheint atrophisch
und wie gespannt.
Nun gibt es eine Trabekelblase anderer Natur, die ich ihrer
Entstehung nach als narbige oder zikatrizielle bezeichnen
möchte. Hier erscheinen die Trabekeln viel schärfer hervor¬
springend, ein verwickelteres Netz unter sich bildend mit tiefen
und oberflächlichen Nischen, ein wahres Balkenwerk ver¬
wickelter Struktur. Diese Fälle unterscheiden sich von myo-
genen vor allem durch das den Narben eigene, blendend weisse
Aussehen sowohl der Trabekeln selbst als der zwischen den¬
selben liegenden Schleimhautpartien. Das Ganze macht den
Eindruck einer Vernarbung nach vorhergegangener tiefgreifen¬
den Entzündung oder Geschwürsbildung. Diese Trabekelblase
ist stets die Folge einer schweren Zystitis infektiöser, besonders
gonorrhoischer Natur. Hier dürfte der Prozess in den Muskeln
ein von der Schleimhaut fortgeleiteter Infiltrations- und Sklero¬
sierungsprozess sein, vielleicht verbunden mit einer stellen¬
weisen sekundären Arbeitshypertrophie der Muskulatur.
Ich komme zum Schluss zu einer dritten Reihe von Fällen,
in welchen weder Steine noch Strikturen, noch Prostatahyper¬
trophie zu finden war, weiche trotzdem die diesen Krankheiten
entsprechenden klinischen Symptome boten, bei denen aber
zystoskopisch keine eigentlichen Trabekeln zu sehen waren.
Die Oberfläche der Blasenschleimhaut erschien zystoskopisch
vollkommen normal, die Umrisse der Prostata zeigten nichts
Pathologisches. Statt dass aber, wie gewöhnlich, die Blase
konzentrisch sich um ihren Inhalt zusammenzieht, bilden die
Blasenwandungen Etagen. Man sieht, dass die Blasenwan¬
dung nicht imstande ist in allen ihren Teilen sich gleichmässig
zu kontrahieren. Manche Teile erscheinen wie infiltriert, an¬
dere atrophisch. Ja, in manchen Fällen» trat ein Teil der Biasen-
wandung derartig plastisch hervor, dass an einen bösartigen,die
Blasenwandung flächenhaft infiltrierenden Tumor gedacht wer¬
den musste. In diesen Fällen gestattete nur der weitere Verlauf
der Erkrankung die Diagnose infiltrierendes Karzinom auszu-
schliessen. Diese Art der Erkrankung der Harnblasenmusku¬
latur habe ich in 6 Fällen beobachtet, 4 mal bei Frauen, 2 mal
bei Männern. Ich konnte in keinem Fall irgend ein Hindernis
weder in den abführenden Harnwegen noch in deren Umgebung
finden. Auch waren sämtliche Reflexe normal, die sonstigen
Organe boten nichts Pathologisches, insbesondere waren keine
Zeichen von Arteriosklerose nachweisbar. Aller Wahrschein¬
lichkeit nach wird es sich in diesen Fällen um eine Entzündung
oder eine Infiltration der betreffenden Muskelpartien handeln,
vergesellschaftet mit sklerosierenden Prozessen.
Therapeutisch habe ich in manchen der zuletzt beschrie¬
benen Fälle durch eine Art Massage Besserung, ja Verschwin¬
den der subjektiven Symptome erreicht. Die Massage bestand
darin, dass ich unter starkem Druck heisse Borsäurelösung in
die Blase spritzte, was die Muskulatur zu Kontraktionen anregte.
Aus dier inneren Abteilung des Heiliggeist-Hospitales Frank¬
furt a. M. (Direktor: Prof. Dr. Treupel).
Ueber die Strauss-Levasche Motilitätsprüfung des
Magens mittels des Fettzwiebackfrühstücks.
Von Dr. med. Ed. Schenck, Oberarzt der Abteilung,
und Dr. med. F. Tecklenburg, mitleitender Arzt an
Geh.-Rat Prof. Dr. Dappers Sanatorium, Bad Kissingen.
In dem Bestreben, die Funktionen des Magens zu prüfen,
sind eine Reihe von Vorschlägen gemacht worden, deren Zahl
*) Wien. med. Wochenschr. 1907, No. 43.
sich namentlich in den letzten Jahren vermehrt hat. Es lag
diesen Untersuchungen der Gedanke einer tatsächlichen Ver¬
besserung und Vertiefung unserer Einblicke in das Wesen des
Verdauungsprozesses zu gründe; weiterhin aber suchte man
auch durch eine Methodle möglichst vielseitige Aufschlüsse
zu gewinnen und die diagnostische Anwendung der Magen¬
sonde entweder zu vermindern oder gar durch andere Me¬
thoden zu ersetzen; es sei hier nur an die Einführung der
Desmoidkapseln durch Sahli und an die Eichhorn sehen
Perlenversuche erinnert.
Während man wohl behaupten kann, dass ps immer mehr
gelungen ist, verfeinerte Einblicke in die physiologisch¬
chemische Tätigkeit des Magens zu gewinnen, war
die exakte Prüfung der Motilität des Magens mit
jener chemischen Prüfung nicht gleichmässig fortgeschritten.
Standen uns doch an Motilitätsprüfungen zunächst nur
zweierlei Methoden zur Verfügung; einmal die Aus¬
spülung des Magens 6—7 Stunden nach Einnahme eines
Probemittagessens, andererseits die Spülung des Magens
nüchtern des Morgens nach dem Erwachen. Es liegt auf der
Hand, dass mittels der ersten Untersuchung kleinere Unregel¬
mässigkeiten in der Motilität diagnostizierbar waren, während
die Motilitätsprüfung des früh nüchternen Magens lediglich
Motilitätsstörungen gröbster Art zur Kenntnis bringen konnte.
Für rein praktische Verhältnisse genügten beide Methoden,
besonders auch die letztere, namentlich insofern man von
ihrem Ausfälle speziell die Indikation für chirurgische Eingriffe
im Sinne einer Motilitätsverbesserung abhängig machte. Wollte
man jedoch unter Beibehalt dieser Motilitätsprilfungsmethoden
gleichzeitig sekretorische Verhältnisse studieren, so bedurfte
es hierzu einer wiederholten Sondeneinführung. Von dem Ge¬
danken ausgehend, die Motilität des Magens danach zu prüfen,
wie schnell ein. Körper durch Resorption in den Kreislauf ge¬
langt und chemisch in dessen Exkreten nachweisbar sei, ent¬
standen die Salol- und Jodproben. Beide Methoden sind jedoch
nicht in der Praxis zur dauernden Geltung gelangt; ob dies
der neuen Schlaepfer sehen- Nr.-Probe Vorbehalten bleiben
wird, möchten wir nicht entscheiden.
Da sich jedoch immer mehr das Bestreben herausgestellt
hat, ausser jenen gröberen Motilitätsstörungen die Störungen
leichterer und leichtester Art kennen zu lernen, so
mussten sich jene ursprünglichen Methoden der Motilitäts¬
prüfung als nicht mehr ausreichend erweisen. Insbesondere
war es die exakte Definition des Begriffes der Magenatonie,
welche Schwierigkeiten machte. Mit Recht machen Strauss
und Leva darauf aufmerksam, wie wichtig eine exakte Prü¬
fung der Motilitätsstörung leichten Grades ist, weil es Fälle
gibt, wo von einer derartigen Untersuchung therapeutische
Massnahmen verschiedener Art abhängig werden.
In der Absicht nun, eine neue Prüfungsmethode einzu¬
führen, haben Strauss und Leva einen neuen Vorschlag
gemacht, dessen Grundgedanke an und für sich schon in
früheren Methoden sich findet. Sie gehen von dem Gedanken
aus, dem Magen eine bestimmte Arbeit zuzumuten; da es sich
um die Prüfung der rein motorischen Tätigkeit des Magens
handelt, so kam es darauf an, ein Ingestum einzuführen, das
vom Magen lediglich transportiert und nicht digeriert wird.
Kennt man die Masse des eingeführten Ingestums genau und
überzeugt man sich nach einer bestimmten Zeit, wie viel von
diesem Ingestum sich jetzt noch im Magen befindet, so ergibt
sich aus der Differenz, wie viel von der eingeführten Masse
durch Magenarbeit verschwunden ist. Resorption von seiten
des Magens ist physiologischerweise auszuschliessen, also
kann nur noch die Motilität des Magens in Frage kommen und
für die Verminderung der eingeführten Prüfungsmasse ver¬
antwortlich gemacht werden. Eine weitere Bedingung für die
Beschaffenheit des Probeingestums ist die, dass dasselbe im
Magen- selbst gegen fermentative Digestionsprozesse resistent
ist, und dass endlich durch das Ingestum selbst keinerlei Alte¬
ration des Digestionsprozesses stattfindet.
Ein Stoff, der den obigen Anforderungen am besten ent¬
spricht, ist das Fett. Daher ist seine Verwendung zu der¬
artigen Untersuchungen bereits in einer Reihe von Versuchen
zur Geltung gekommen. So entstanden die Vorschläge
M a 11 h i e u s, der dem Probefrühstücksthee eine be-
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Gö gle
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
339
stimmte Menge Oeles zusetzte; ähnlich waren die Versuche
von M e r i n g und Strauss, welche mit Eigelb, bezw. mit
Oelemulsionen arbeiteten; eine Zeit hindurch schien die Me¬
thode Sahlis mittels einer Mehlsuppe mit Butterzusatz
grosse praktische Bedeutung gewinnen zu sollen, allein auch
sie hat mancherlei Kritiken und Einwände sich gefallen lassen
müssen und sich nicht den Platz erobert, den ihr der ingeniös
erdachte Grundgedanke in Aussicht zu stellen versprach.
Immerhin ist sie mutatis mutandis die Grundlage für die neue
Strauss -Levasehe Methode geworden. Was nun die
Methodik dieser neuen Motilitätsprüfung betrifft, so möchten
wir zunächst als ihren Hauptvorzug hervorheben: Grosse Viel¬
seitigkeit des diagnostisch Erreichbaren gepaart mit Einfach¬
heit der Technik und der nötigen Hilfsmittel.
Das Wesen der neuen Untersuchungsmethode besteht
nämlich in Folgendem:
1. Verabreichung eines Probefrühstücks bestehend aus
400 ccm Thee und einem Paketchen eigens hergestellter Fett¬
zwiebacke. Diese sind nach den exakten Angaben der beiden
Autoren präpariert, in konstanter Herstellung beziehbar und
entsprechen in der zum Frühstück verabfolgten Masse einem
Fettgehalt von 5,3—5,6 g reinem Butterfett.
2. Ausheberung dieses Probefrühstücks 1 Stunde nach
Aufnahme desselben.
3. Von diesem Ausgeheberten ist ein Teil (Je mehr desto
besser) durch Expression oder Aspiration zu entnehmen und für
spezielle Untersuchungen der chemischen Beschaffenheit zu
reservieren.
4. Der Rest des Mageninhaltes wird mit einer abgemes¬
senen Menge Wassers bis zur völligen Reinheit des Magens
herausgespült.
5. Die eigentliche Fettbestimmung wird dann mittels
des Refraktometers nach W o 11 n y ausgeführt.
Die von uns angestellten Kontrollversuche sind noch nach
dem von Strauss und Leva in ihrer ersten Publikation in
der „Deut. med. Wochenschr.“ 1907, No. 29 angegebenen Ver¬
fahren gemacht worden.
Wir haben demnach nach den dort enthaltenen Vor¬
schriften folgendermassen gearbeitet:
1. Verwendung des durch Aspiration oder Expression ge¬
wonnenen ersten Teiles — Portion I — zur Bestimmung der
freien Salzsäure, der Gesamtazidität, der Bestimmung des ev.
vorhandenen Salzsäuredefizits und in einigen- Fällen auch der
vorhandenen Pepsinmengen. Den gesamten Rest verwandten
wir, da wir für diese Nachprüfung zunächst auf die Feststellung
des Schichtungskoeffizienten und des spezifischen Gewichtes
verzichteten und lediglich die Motilitätsnachprüfung im Auge
hatten, zur Fettbestimmung. Wir dampften ein bis zu einem
wechselnden Grade der Konsistenz unter selbstverständlich
exakter Verarbeitung des Materials, um uns vor Verlusten zu
schützen. In W o 11 n y sehen Milchfläschchen wurden dann
je 20 ccm des eingedampften Materials mit 3 Tropfen Eisessig
und 1 ccm einer Kupferkalilösung, deren Zusammensetzung von
Strauss und Leva mitgeteilt wird, geschüttelt, dann 4 ccm
Aether hinzugefügt, rasch zugestöpselt und längere Zeit, min¬
destens 5 Minuten kräftig ausgeschüttelt. Uebereinstimmend
mit den Strauss und Leva sehen Angaben, konnten auch
wir auf diese Weise fast ausnahmslos eine schön abgesetzte,
klare Aetherfettschicht erhalten; nur einige Male passierte es
auch uns, dass die Masse gallertartig fest wurde, so dass sich
keine Fettschicht absetzte. Stets gelang es jedoch auf dem
Wege, den die beiden Autoren für diese Fälle angeben, nämlich
Reduktion des Ausgangsmaterials und dafür entsprechender
Mehrzusatz von Wasser, zu brauchbaren Resultaten und Ab¬
setzung einer klaren Fettschicht zu kommen.
Ueber die eigentliche Ablesung des Fettgehaltes im Refrak¬
tometer möchten wir hier nichts weiter hinzufügen und ver¬
weisen in dieser Beziehung auf die Strauss und Leva sehe
Publikation, sowie auf die jedem Refraktometer beigefügte, aus¬
führliche Gebrauchsanweisung. Eines sei jedoch ausdrücklich
hervorgehoben, das ist die leicht erlernbare Technik und die
schnelle Erledigung des ganzen Verfahrens. Zur Regulation
der Temperatur bedienten wir uns eines Wasserdurchlaufes
aus einem seitlich erhöht angebrachten Trichter, was sehr ein¬
fach und vollkommen genau zu bewerkstelligen war. Wir sind
auf diese technischen Punkte hier etwas ausführlicher em-
gegangen, weil sich seit jener ersten Publikation von Strauss
und Leva die Technik geändert hat. Nach den neueren Vor¬
schlägen der beiden Autoren nämlich fällt das Eindampfen weg,
was eine ganz wesentliche Vereinfachung der Methode be¬
deutet. Als Grund für diese Vereinfachung wird an¬
gegeben, dass bei dem ursprünglich W o 11 n y chen Ver¬
fahren die Fettsäuren verseift werden und somit der Be¬
stimmung entgehen. Aus gleicher Betrachtung heraus emp¬
fehlen Strauss und Leva neuerdings auch die Kupferkali¬
lösung wegzulassen und die Menge des zum Ausschütteln
benutzten Aethers von 4,0 auf 4,3 ccm zu erhöhen.
Hieraus ergibt sich die neue vereinfachte Methode, die
demnach nur aus folgenden Massnahmen besteht:
1. 20 ccm des durch Expression und Spülung gewonnenen
Materials werden mit 4,3 ccm Aether versetzt, 5 Minuten ge¬
schüttelt und 5 Minuten zentrifugiert oder dementsprechend
länger absetzen lassen.
2. Anstellung der refraktometrischen Untersuchung.
Wir haben nun eine Reihe von Patienten, meist Magen- und
Darmkranke nach diesem Verfahren untersucht, haben jedoch
dabei, wie bereits oben erwähnt, das alte, ursprüngliche Unter¬
suchungsverfahren in Anwendung gebracht. Im ganzen unter¬
suchten wir etwa 40 Patienten; die Resultate über 34 von ihnen
lassen wir in umstehender Tabelle folgen.
Zur Erläuterung der Tabelle sei kurz gesagt, dass dieselbe
Angaben darüber enthält, wie gross die Gesamtmenge des er¬
haltenen Untersuchungsmaterials vor und nach dem Ein¬
dampfen war; ferner sind die Werte für freie Salzsäure, für
Gesamtsäure und für die Grösse des Salzsäuredefizits an¬
gegeben. Wir stellten für die Ermittelung des Fettprozent¬
wertes jeweils mehrere Untersuchungen an, meistens 3—4;
da jedoch die Zahlen fast stets völlig übereinstimmten und so¬
mit die Berechnung des arithmetischen Mittels bedeutungs¬
los wurde, so fügten wir beistehender Tabelle nur eine Zahl
für den ermittelten Fettrestwert bei.
Tabelle 1.
1
z
Patient
Diagnose
«
tC
c
V
s
«5 i
a> i
O
Menge des
eingedampft.
Mat.
freie H.C1. |
N
t£=
<5
ö
E
Gesamt¬
azidität ||
Fettgehalt
Proz. |
1.
M.A.
Gesund
1800
480
29
60
1,06
2.
R.
1500
325
20
—
60
0,95
3.
W.
<»
2000,
325
25
—
50
0,84
4.
H.
2000
590
25
—
! 45
0.96
5.
Kp.
Carcin. ventric.
2500
580
—
25
18
3,08
6.
Ab.
Anaemie
1675
580
—
0,7
55
2,02
7.
A. B.
Tuberculosis
2*'0ü
175
—
0,5
40
2,28
8.
Kbg.
Dyspeps, nervös.
Diab. Gastritis
2000
350
+0
—
28
1,08
9.
A.
2500
380
—
24
25
1,70
10.
Sch.
Gastritis anaem.
2250
400
—
0,8
40
1,53
1,94
11.
Rz.
Gastritis acut.
2200
450
15
55
12.
K.
Hvster. Erbrechen
2250
400
—
0,8
64
1,69
1,8
0,04
13.
14.
E.
Kl.
Appendizitis
Ulcus ventr.
2000
2200
250
400
25
65
45
90
15.
Wr.
Achylia gastr.
1700
300
—
20
40
0,37
16.
Bl.
Dyspepsia nervös.
Catarrh. gastric.
2760
420
+0
—
34
0,40
17.
Wkm.
2375
275
—
0,4
64
0.42
18.
Wf.
Cirrhosis hepatis
2000
400
15!
50
0,45
0,31
19.
Th
Diabetes; Dyspeps.
1250
300
35
—
47
20.
Hg.
Dyspeps, nervös.
Magendruck
1650
350
35
t —
46
0,25
21.
E
2000
400
15
—
70
0,37
22.
M.
Catarrh. gastric.
3000
450
—
0,5
50
0,51
23.
H.
Catarrh. gastric.
2000
400
—
35
55
0,72
24.
Kr.
Vit. cordis. Magenbeschw.
2000
500
+0
—
60
0,86
25.
N.
Dvspeps. nervös.
2100
520
20
—
45
0,94
0,90
26.
Q.
Gastritis aent.
1500
300
10
—
40
27.
MSch.
Obstipatio
2600
500
20
—
55
0,82
28.
W.
Ulcus ventric.
2500
320
25
—
50
0,79
29.
Gr.
Hysterie
2600
500
0,5
—
52
0,53
0,64
30.
Frd.
Suspic. ulc. ventric.
2100
575
20
—
85
31.
Wl.
Dyspeps, nervös.
2175
510
—
0,5
40
0,61
32.
Schz.
Dvspeps. nervös.
250'
■ 450
±0
—
38
0,37
33.
Hck.
Catarrh. gastric.
1900
385
—
1,3
30
0.87
34.
Rsch.
Carcin. d. Gallenblase
2100
570
18
38
0,98
3*
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340
MÜENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
Betrachten wir die Tabelle, so finden wir durchaus über¬
einstimmend mit S t r a u s s und Leva, dass sich die Mehrzahl
der ermittelten Fettwerte in der Grenze zwischen 0,8—2,0
bewegen.
In ihrer letzten Publikation über dieses Thema, in der Zeit¬
schrift für klinische Medizin, haben S t r a u s s und Leva eine
neue Nomenklatur für die verschiedenen Grade der Motilität
vorgeschlagen, die auch wir hier verwenden wollen.
Sie benennen nämlich:
Die normale Motilität: Eukinese, die gesteigerte Motilität:
Hyperkinese, die leichteren Formen der Motilitätsherabsetzung:
Hypokinese und die erhebliche Motilitätsverlangsamung:
Phaulokinese.
Es scheinen auch nach unserer Untersuchung bei einer als
normal anzusprechenden Motilität die gefundenen Fettrest¬
werte zwischen 0,8—2,0 zu liegen. Wir fanden, wie Tabelle
zeigt, bei Patienten, die wir als magengesund bezeichnen
konnten, Werte von 0,72, 0,96—1,06.
Bei den unter die Bezeichnung Hyperkinese fallenden ist
besonders Fall 14 und Fall 15 interessant. In ersterem Falle,
wo ein zweifelloses Ulcus ventriculi vorlag, ist die
Motilität derartig beschleunigt, dass bloss noch minimale
Spuren (0,04) des genossenen Fettes gefunden werden konnten,
übereinstimmend mit der Tatsache, dass man gerade bei
Hyperazidität und Ulcus sehr häufig bei der Ausheberung des
gegebenen Probefrühstücks keine Reste mehr findet. In
gleicher Weise ist Fall 15 bemerkenswert, bei dem es sich um
eine reine Achylie handelt; auch hier finden wir nur ganz ge¬
ringe Reste des eingeführten Fettes wieder, nämlich nur 0,37.
Auch dies entspricht der Tatsache, dass bei reiner Achylie die
Entleerung häufig sehr schnell vor sich geht. Ueber die an¬
deren Fälle im einzelnen zu sprechen, dürfte sich nicht lohnen,
weil das Nähere aus der Tabelle sich eigentlich von selbst
ergibt. In der nächsten Tabelle haben wir die ermittelten Re¬
sultate noch einmal in der Weise gruppiert, dass wir sie nach
den von den beiden Autoren angegebenen Motilitätsgraden
ordneten und zusammenstellten.
Tabelle 2.
Eukinese
Hyperkinese
Hypokinese
Phaulokinese
No. der
Tab. I
Ermittelt.
Fettwert
No. der
Tab. I
Ermittelt.
Fettwert
No. der
Tab. I
Ermittelt
Fettwert
No. der Ermittelt.
Tab. I : Fettwert
I.
1,06
14.
0,04
6.
2,02
5. * 3,08
2.
0,95
15.
0,37
7.
2,28
3.
0,84
16.
0,40
4.
0,96
17.
0,42
8.
1,08
18.
0,45
9.
1,70
19.
0,31
10.
1,53
20.
0,25
11.
1,94
21.
0,37
I
12.
1,69
22.
0,51
13.
1,8
23.
0,72
24.
0,86
29.
0,53
1
25.
0.94
30.
0,64
. 26.
0,90
31.
0,61
1
27.
0,82
32.
0,37
j
28.
0,79
.33.
0,87
Ä
34.
0,98
i
Fassen wir alles zusammen, so ergibt sich, dass wir durch
diese neue Methode tatsächlich eine Reihe von Aufschlüssen
aus einer einzigen Untersuchung des Magens gewinnen können.
Als besonderer Vorteil kommt jedoch hinzu, dass wir in der
Lage sind, gleichzeitg mit der chemischen Diagnostik auch die
Frage nach der Motilität einer Beantwortung zu unterziehen.
Hier liegt die grosse Bedeutung dieser neuen Methode, die in
dieser Hinsicht in der Tat eine wesentliche Bereicherung
unserer diagnostischen Hilfsmittel darstellt, da sie, wie noch¬
mals erwähnt sein möge, folgende Vorteile bietet:
Bei sehr einfacher Technik und verhältnismässig leicht
zu beschaffender instrumenteller Ausrüstung lassen sich mit
einer einzigen Manipulation diejenigen Fragen, die wir dem
heutigen Stande der Wissenschaft entsprechend bei Unter¬
suchungen des Digestionsapparates stellen müssen, beant¬
worten, nämlich die Fragen nach der sekretorischen und gleich¬
zeitig nach der motorischen Funktion, womit das hauptsächlich
Wissenswerte bei Magenuntersuchungen, wo die resorptive
Funktion nicht in Betracht kommt, aufgeklärt wird.
Literatur:
1. Strauss und Leva: Ueber eine neue Form der Motilitäts-
prüfung des Magens. D. med. Wochenschr. No. 29. 1908. —
2. Strauss und Leva: Untersuchungen über die Motilität des
menschlichen Magens mittels des Fettzwiebackfrühstückes. Zeitschr.
f. klin. Med., Bd. 65, 1908.
Aus der medizinischen Klinik Marburg a. L. (Direktor: Prof.
L. Brauer).
Kongenitale Nabelschnurhernie; Spontanheilung.
Von Dr. Paul S i 111 e r, Assistent der Säuglingsabteilung.
Die Seltenheit des Vorkommens, sowie die aussergewöhn-
liche Spontanheilung mögen die Veröffentlichung des folgenden
Falles rechtfertigen.
Kind Karl T. ist uns am 12. IX. 08 im Alter von 4 Tagen von
der Marburger Frauenklinik, der wir auch die anamnestischen An¬
gaben verdanken, überwiesen. Pat. wurde von einer 18 jährigen
gesunden Erstgebärenden nach normaler Schwangerschaft geboren;
die Geburt verlief spontan.
Die Nabelschnur des im übrigen normal aussehenden Neu¬
geborenen war an ihrer Basis stark dilatiert und bildete da eine
Kugel von der Grösse einer mittelgrossen Apfelsine, deren kurzer,
im Durchschnitt etwa die Grösse eines Fünfmarkstückes erreichender
Stiel der Mitte des Abdomens aufsass (das Bild des Falles bot eine
grosse Aehnlichkeit mit der von Knöpfelmacher im Pfaund¬
ler-Schlossmann sehen Handbuche der Kinderheilkunde, Bd. I.
2, p. 442, mitgeteilten Abbildung aus dem Dresdener Säuglingsheim».
Die eigentliche Nabelschnur entsprang in der Medianlinie, dem am
tiefsten nach unten (genitalwärts) gelegenen Pole des Tumors.
Bei der Aufnahme des Pat. auf die Säuglingsabteilung der med.
Klinik (gleichzeitig wurde auch die Mutter als Amme aufgenommen),
ist der ca. 2 cm von dem Tumor entfernt abgebundene Nabelstran.;
bis zu der Oberfläche des Tumors hin eingetrocknet.
Der Tumor selbst zeigt folgende Beschaffenheit: Die be¬
deckende oberflächliche Schicht besteht aus dem gleichen sulzigen Ge¬
webe wie eine normale Nabelschnur. Vom Abdomen her reicht die
Epidermis nur bis an den Stil des Nabelschnurbruches, sie ragt nicht
über das Niveau des Abdomens heraus. Die Bruchwand fühlt sich
ziemlich dick (ca. V*—-1 cm) ödematös an, Dellen sind nicht eindrück-
bar. — Perkutorisch findet sich über der ganzen Hernie gedämpfter
Schall, jedoch zeigt die Röntgendurchleuchtung als Inhalt keinen deut¬
lichen Schatten, sondern eher lufthaltige Gebilde (Darmschlingen'.
Der mehrfach wiederholte Versuch einer Reposition des Hernien¬
inhaltes misslingt stets, bei etwas energischeren Repositionsversuchen
erfolgt jedesmal Brechen und Abgang von Stuhl.
Da von chirurgischer Seite (Oberarzt Dr. Sauerbruch) mit
Rücksicht auf den etwas schwächlichen Zustand des Kindes (Pat.
wiegt bei der Aufnahme 2325 g) ein operativer Eingriff als nicht tu:
aussichtsvoll gehalten wird, so wird die Hernie nach streng asep¬
tischen Grundsätzen mit Zinkoxyd-Dermatolpuder-Verbänden be¬
handelt, die täglich ein- bis mehrmals gewechselt werden. (Ein binnen
kurzem erfolgender Durchbruch der Hernienwand mit der Gefahr
einer akut einsetzenden Peritonitis schien uns unvermeidbar.)
Am 18. IX. (10. Lebenstag) ist die oberflächliche Gewebsschich:
des Bruchsackes in einer Dicke von ca. 1 mm in ihrer ganzen Aus¬
dehnung gangränös geworden und wird (mitsamt dem eingetrockneten.
Nabelschnurrest) durch demarkierende Eiterung im Laufe der folgen¬
den Tage in einzelnen Fetzen abgestossen. Unter den abgestossencr
Partien tritt eine (anscheinend von Blutgefässen genügend versorgte'
rötliche Wundfläche auf.
Nach Abstossung der gesamten gangränösen Teile beginnt (unu:
weiterer Anwendung von Puderverbänden, abwechselnd mit Zink¬
pastenverbänden) die Wundfläche zu granulieren und von der Grenze
des Hernienstiels ausgehend epidermisiert sich (teilweise nach
Aetzung der Granulationen mit dem Argentumstift) langsam die granu¬
lierende Fläche.
In der Folgezeit treten mehrmals beängstigende Anfälle von
öfters erfolgendem, von den Mahlzeiten unabhängigem Brecher
von saurem gallig gefärbten Schleim auf. Diese Anfälle sind mit
Wahrscheinlichkeit darauf zurückzuführen, dass der sich überhäuteiuk
Bruchsack infolge des durch die Epidermisierung entstehenden Zuge.«
seinen Inhalt nach der Bauchhöhle zu drängte und so einen Druc!*
auf den übrigen Bauchinhalt ausübte. Die während der Zeit dieser
Anfälle (3. Lebenswoche) getrunkenen 3 stündlichen Nahrungsmenge*
(Muttermilch s. o. — 7 Mahlzeiten täglich) betrugen im Durchschnit
unter 30 g.
Am 1. X. muss Pat. wegen Untertemperatur in die Couveuse (bc
26°) gelegt werden.
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Original frorri
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16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
341
Am 10. X. ist die Nabelhernie bis über die Hälfte ihres Umfangs
mit Epidermis bedeckt. Bei der fortschreitenden Epidermisierung
hat sich der Stiel des Bruches allmählich dilatiert (Diastase der
Mm. recti), so dass die Hernie jetzt eine kegelförmige Beschaffen¬
heit angenommen hat (s. Abbildung).
20. X. Der Bruch hat sich bis auf eine dreimarkstückgrosse
Stelle überhäutet. Von der Mitte der Hernie aus, sternförmig nach
der Peripherie zu, laufen auf den überhäuteten Teilen einige stark
dilatierte Venenäste. Die Dilatation dieser Hautvenen findet wohl
dadurch ihre Erklärung, dass (analog wie es bei Behinderung des
Leberkreislaufes im spätem Alter einzutreten pflegt) der vom Bruch¬
sack ausgehende Druck auf die Leber die Entstehung dieses Kol-
lateralkreislaufs über das Ligamentum teres und die Hautvenen be¬
günstigte.
23. X. Pat. wird (aus äusseren Gründen) auf allaitement mixte
gesetzt und bis zum 19. XI. allmählich abgestillt.
Anfang Januar 1908 ist die Hernie vollständig überhäutet.
Das Aussehen derselben hat sich derart geändert, dass sie jetzt das
Bild einer vollständigen Hernie der Linea alba bietet. Die Mm. recti
abdominis zeigen in ihrer ganzen Ausdehnung eine starke Diastase,
aus welcher halbkugelförmig der Bruch sich heraushebt. Die
auf dem Abdomen in sternförmiger Anordnung entstandenen Venen¬
erweiterungen haben sich zum grössten Teile wieder zurückgebildet,
das Auftreten der ausgedehnten Diastase der Recti hat demnach ein
Zurückgehen der Behinderung des Leberkröislaufs zur Folge gehabt.
Auf dem Gipfel bietet die Bruchdecke eine runde, ca. fiinfmarkstück-
grosse. ganz dünne Stelle.
(Das Körpergewicht des Pat. hatte am 9. X. seinen tiefsten Stand
piit 1860 g erreicht und war von da an regelmässig bis Anfang Januar
— Abschluss der Beobachtung — auf 3250 g gestiegen.)
Differentialdiagnostisch auszuschliessen waren
hier vor vorneherein Bildungen, wie sie durch ein aus dem
Nabelring prolabierendes M e c k e 1 sches Divertikel entstehen
(cf. die Abbildungen von Kirmisson: Precis de Chirurgie
infantile; Paris 1906). — Ebenso Hessen sich durch den Röntgen¬
befund (gashaltige Darmschlingen als Inhalt der Hernie) Zysten,
hervorgehend entweder aus einem vom Darme abgesprengten
Teile des Ductus omphalomesenterieus oder Urachuszysten
ausschliessen.
Von den allein in Frage kommenden kongenitalen
Nabelhernien unterscheidet E s t o r (Guide pratique de
Chirurgie infantile; Paris 1904) 2 Formen:
1. Hernien der frühen Embryonalpcricde, vor dem
3. Graviditätsmonat entstehend. Diese meist sehr grossen
Hernien oder eigentlich Ektopien der Baucheingeweidc sind
durch Ausbleiben des Verschlusses der medianen Bauchspalte
verursacht. Der Bruchsack ist eine meist nur dünne, auf der
Innenfläche nicht von Peritoneum überzogene Membran, die
beim Geburtsakt leicht zum Bersten kommt 1 ).
2. Hernien der späteren Fötalperiode, die nach dem
3. Monat entstehen, also zu einer Zeit, „wo der Nabel schon
gebildet ist“, und die immer in die Nabelschnurbasis eintreten.
Dieser Kategorie ist der oben beschriebene Fall zuzuzählen
Als einzige Therapie dieser kongenitalen Nabelhernien
wird von der Mehrzahl der Autoren ein möglichst früher
chirurgischer Eingriff empfohlen, insbesondere wenn eine
Repositon nicht gelingt oder Einklemmungserscheinungen auf-
treten. Kindt (s. Knöpfelmacher 1. c.) berichtet von
50 Heilungen bei 65 operativ behandelten Fällen.
x ) Einen hierher gehörigen spontan geheilten Eall hat Dur¬
lacher unter Zusammenstellung der Literatur beschrieben (Miincli.
med. Wochenschr. 1908, No. 11).
Die Prognose der nicht operierten Fälle ist eine sehr
ungünstige, „meist verlaufen sie tödlich infolge Gangrän und
Ruptur des Bruchsackes; doch hat man auch, nach Ab-
stossung eines Teiles der Umhüllung, Vernarbung durch
Granulation und Heilung eintreten sehen“ (Kirmisson 1. c.).
Ein Fall von traumatischer Gangrän der Gallenblase*)
nebst einigen Bemerkungen über den Wert der Darmauf¬
blähung zur Bestimmung der Lage von Unterleibstumoren.
Von Dr. Ernst Siegel in Frankfurt a. M.
Im Jahre 1903 hat Lewerenz eine Zusammenstellung
der subkutanen Rupturen der Gallenwege traumatischen Ur¬
sprunges gegeben und auf Grund von 60 aus der Literatur
gesammelten Fälle das klinische Bild dieser eigenartigen Ver¬
letzungen dargestellt. Unter 60 Fällen war 23 mal die Gallen¬
blase der Sitz der Ruptur. Den Mechanismus der subkutanen
Ruptur der Gallenblase sowohl wie des Zystikus erklärt er
durch eine Art hydraulischer Pressung. Auch in dem vor¬
liegenden Falle, den ich hier genauer beschreiben will, handelt
es sich um eine traumatische Ruptur der Gallenblase. Aber im
Gegensatz zu allen bisher beschriebenen Fällen, bei denen die
Zerreissung des Organes sofort durch den Unfall selbst erfolgte,
lag bei meinem Patienten keine solche primäre Ruptur vor, son¬
dern eine sekundäre durch traumatische Gangrän bedingte.
Das Zustandekommen dieser letzteren, bisher in der Literatur
unbekannten Form der Gallenblasenläsion, soll nach Be¬
schreibung der Krankengeschichte, nähere Besprechung er¬
fahren.
Am 12 Juni 1908 wurde ich abends um 8V* Uhr von einem
Kollegen in Usingen gebeten, ich möchte noch in der Nacht mit dem
Automobil herauskommen, da bei einem vor 14 Tagen gefallenen
Patienten plötzlich eine solche Verschlimmerung seines Zustandes
mit drohenden Symptomen einer Perforationsperitonitis eingetreten
sei, dass ein operativer Eingriff in Frage komme. Als ich gegen
11 Uhr an Ort und Stelle ankam, hörte ich folgende Anamnese: Der
38 jährige Patient war vor 14 Tagen mit seinem Fahrrad über Land
gefahren. Als er abends heimkehrte, wollte er an einem vor ihm
befindlichen Lastwagen vorüber eilen, dabei geriet er mit dem rech¬
ten Pedale seines Vehikels in einen zur Seite der Landstrasse auf¬
gehäuften Steinhaufen und kam zu Fall. Er gibt an, dass er mit der
rechten Körperseite auf die Lenkstange gestürzt sei. Durch den Fall
auf die Chausseesteine zog er sich zahlreiche Wunden im Gesicht zu.
Trotz der heftigen Schmerzen, die er sofort nach dem Fall in der
rechten Seite verspürte, ging er noch, sein Rad führend, eine halbe
Stunde Wege3 nach Anspach, Hess sich von einem dortigen Arzte
seine Wunden verbinden und fuhr dann mit der Eisenbahn nach
Usingen, wo er jedoch nicht weiter gehen konnte, sondern sich mit
einem Wagen in seine Wohnung fahren liess. Der sofort zugezogene
Hausarzt konstatierte mehrere Rippenbrüche in der rechten Thorax¬
hälfte und einen Bluterguss in die rechte Pleurahöhle. Bluthusten
hat nicht bestanden, auch war Patient fieberfrei. Unter entsprechen¬
der Behandlung ging es in den ersten Tagen ganz gut. Da traten
am 8. Tage heilige Leibschmerzen auf, bei denen selbst grosse Dosen
von Morphium und Opium keine völlige Linderung schafften. Erst als
nach 2 Tagen per rectum ein länglicher blutiger Streifen abgegangen
war, fühlte sich der Kranke wieder wohler. Einige Tage darauf kam
es jedoch zu neuen Unterleibsbeschwerden und zu Temperatursteige¬
rungen bis zu 38,6. Am 12. Juni war anscheinend ein kollapsähnlicher
Zustand mit erneuten heftigen Kolikbeschwerden aufgetreten, so dass
der Hausarzt nebst einem zur Konsultation zugezogenen Kollegen
zu sofortiger Operation riet.
Die objektive Untersuchung ergab folgenden Befund: Soweit man
bei dem schlechten Lampenlicht sehen konnte, war der stark ab¬
gemagerte, fiebernde Patient, leicht ikterisch. Der Puls war wieder
kräftiger, 100. Ucber der rechten Lunge fand sich eine starke
Dämpfung, die hinten über den Angulus scapulae, vorn über die Mam-
milla hinausreichte. Die vordere Dämpfungszone ging direkt in die
Leberdämpfung über und diese reichte bis fast an die Spina anterior
superior ossis ilei heran. Ueber dieser bestand das Gefühl einer
derberen Resistenz. Die Gegend vom rechten Rippenbogen war auf
Druck bis zum Darmbeinstachel herab mässig schmerzhaft. Eine
ziemlich beträchtliche Defense musculajre verhinderte jedoch eine
genauere Untersuchung dieser Gegend. Die Punktion der rechten
Pleurahöhle ergab eine geringe Blutmenge. Anscheinend war keine
sehr breite Flüssigkeitsschicht da, denn die kaum 2 cm weit cin-
geführte Nadel befand sich schon in der Lunge, wie mit Sicherheit aus
den Bewegungen derselben ersichtlich war. Da das gesamte Sym-
ptomenbild nach dieser erstmaligen Untersuchung keine einheitliche
Deutung zuliess, ferner der Kollaps überwunden war und eine mo-
*) Nach einer im ärztlichen Verein zu Frankfurt a. M. gehaltenen
Demonstration.
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342.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
mentane Gefahr nicht mehr bestand, konnte ich mich zu einem Ein¬
griff nicht entschtiessen, dessen Ausgang bei der Unsicherheit der Dia¬
gnose, bei der mangelhaften Beleuchtung und bei den unzulänglichen
Vorbereitungen für eine eventuell sehr komplizierte Operation sehr
zweifelhaft gewesen Wäre. Die Operation gestaltete sich später auch
wirklich so schwierig, dass man ruhig behaupten kann, dass sie bei
einer unsicheren Asepsis, ungeübter Assistenz und ohne die Hilfs¬
mittel eines gut eingerichteten Operationssaales nicht gut ausgegangen
wäre. Da ich den Transport nicht für gefährlich ansah, ordnete ich
an, dass der Patient am nächsten Morgen nach Frankfurt gebracht i
wurde.
Die weitere Beobachtung und wiederholte Untersuchung ergab,
dass der Patient in der Tat leicht ikterisch war. Der Urin zeigte
ebenfalls eine leichte Gallenfarbstoffreaktion, dagegen weder Eiweiss
noch Zucker. Die Resistenz in dem rechten Hypogastrium erwies
sich als ein tumorartiges Gebilde von glatter Oberfläche, nach unten
und innen deutlich abgrenzbar, ohne Bewegung bei der Atmung. Nach
der ganzen Konfiguration konnte es sich nur um einen mit Flüssigkeit
gefüllten Sack, entweder um eine abgeknickte Hydronephrose resp.
Eiterniere oder um eine enorm vergrösserte Gallenblase handeln. Die
Temperatur stieg auf 39,1. Bei Aufblähung des Darmes vom Rektum
her verschwand der Tumor. Zur Sicherung der Diagnose wurde dem
Patienten die Untersuchung in Narkose vorgeschlagen. Selbstver¬
ständlich sollte danach der Operationsplan eingerichtet und der Ein¬
griff sofort angeschlossen werden. Nach Entspannung der Bauch¬
muskulatur durch die Chloroformwirkung konnte man deutlich fühlen,
dass die Gallenblase enorm vergrössert war. Damit war die Deutung
der tumorartigen Resistenz klar und der Operationsplan gegeben.
Durch einen Längsschnitt in der Mitte des rechten Musculus
rectus wurde die Bauchhöhle eröffnet. Die Gallenblase war von
Netzverwachsungen überlagert und noch nicht sichtbar. Nach Lösung
dieser Adhäsionen zeigte sie sich, bis zum Platzen ausgedehnt und in
toto gangränös verfärbt, schwarzgrün, durchschimmernd. Am Fundus
fand sich eine linsengrosse, brandige, perforierte Stelle, welche vorher
ebenfalls durch die Netzadhäsionen verdeckt war, die bisher den Aus¬
fluss des Gallenblaseninhaltes gehindert hatten. Nach Lösung dieser
Adhäsionen stürzte aus der Gallenblase eine grosse Menge jauchig
riechender Flüssigkeit hervor, vermengt mit Blutgerinnseln und dicken
Gallenniederschlägen.
Die kranke Gallenblase wird aus dem Leberbett scharf ausgelöst
und exstirpiert. An der unteren Fläche der Leber sind mehrere bis zu
4cm grosse Risse sichtbar, welche ebenso wie der geringe in der.
Tiefe des rechten Hypogastrium sichtbare Bluterguss noch von dem
Unfalltrauma herrühren. Das Ligamentum hepatocolicum ist fast ganz
quer eingerissen. Der Stumpf der exstirpierten Gallenblase wird
durch Tampon und Drainrohr gesichert. Nacht der Bauchdecken.
Die Rekonvaleszenz ward zuerst durch eine linksseitige Broncho¬
pneumonie, dann durch eine rechtsseitige erschwert und verzögert.
Nach ca. 14 Tagen war bei einem heftigen Hustenstoss eine stärkere
Blutung aus der Wunde erfolgt. Im Anschluss daran trat ein sehr
schmerzhafter Kolikanfall auf und zwei Tage darauf war der Pat.
stark ikterisch. Der Gallenfluss, der nach Durchschneiden der Ab¬
bindungsfäden an dem morschen Zystikusgallenblasenstumpf einge¬
treten war, sistierte sofort nach dem Auftreten des Kolikanfalles. Es
ist wohl anzunehmen, dass ein Blutgerinnsel in den Hepatikus und
Choledochus geraten ist, und dass dadurch eine Gallenstauung mit
Ikterus hervorgerufen wurde. Da die Blutung von selbst stand und
die Tamponade nicht erneuert wurde, ist an eine Kompression der
Gallengänge von aussen wohl kaum zu denken. Nach Ueberwindung
all dieser Komplikationen ist der Patient jetzt völlig geheilt.
Die Diagnose auf Gangrän und Perforation der Gallen¬
blase war vor der Operation wohl ganz unmöglich. Durfte
man auch an eine traumatische Cholezystitis, vielleicht im An¬
schluss an eine bisher latent verlaufene Cholelitfoiasis, denken,
der wahre Sachverhalt war sicher nicht zu vermuten. Erst
die Würdigung der ganzen Anamnese im Anschluss an den
anatomischen Befund, konnte retrospektiv die Entstehung des
Krankheitsbildes erklären. Mit allergrösster Wahrscheinlich¬
keit lag die Sache so, dass der verhängnisvolle Sturz auf die
Lenkstange des Fahrrades neben den Rippenbrüchen und den
Leberrissen auch eine Quetschung der Gallenblase verursacht
hat. Die Folge davon war wohl ein Bluterguss in die Gallen¬
blase. Am 8. Tage kam es zu einer der Steineinklemmung
ähnlichen Verstopfung des Zystikus durch ein solches Blut¬
gerinnsel. Dieses Ereignis hat die heftigen KoMkbeschwerden
hervorgerufen. Mit Durchtritt des Blutgerinnsels und Abgang
desselben durch das Rektum trat eine vorübergehende Bes¬
serung ein. Dieselbe hielt jedoch nicht lange stand. Die
Obturation des Zystikus trat aufs neue ein; Gelegenheit dazu
war durch die zahlreichen bei der Operation gefundenen Blut¬
massen und Gallenniederschläge genugsam gegeben. Auch
kam wohl eine Infektion vom Darm her dazu, so dass bei dem
mangelnden Abfluss des Gallenblaseninhaltes und der durch die
Entzündung gesteigerten Sekretion das Auftreten einer Disten-
tionsgangrän leicht verständlich ist.
Dass eine derartige traumatische Erkrankung der Gallen¬
blase so selten ist, hat seinen Grund wohl darin*, dass geringere
Gewalten die so gut geschützte Gallenblase nicht irritieren und
stärkere meist gleich eine Zerreissung bewirken, namentlich
wenn sie im Augenblick der Gewalteinwinkung den Abfluss
der Galle in die abführenden Wege verhindern. Was dem Fall
ein ganz besonderes Interesse gewährt, ist die Tatsache, die er
lehrt, dass ein Blutgerinnsel ganz dieselben Symptome und
Folgeerscheinungen, Kolik, Entzündung und Gangrän hervor-
rufen kann, wie eine Steineinklemmung. Vielleicht ist die
Krankengeschichte meines Patienten imstande, einiges Licht
in die bisher noch dunklen Beziehungen zwischen Appen¬
dizitis und Trauma zu bringen. Denn es ist wohl keine Frage,
dass eine durch Trauma hervorgerufene viel geringere Blutung
den Wurmfortsatz mit seinem viel engeren Lumen verstopfen
kann. Auch ist im Wurmfortsatz die Infektionsgefahr eine viel
grössere als in der Gallenblase und darum ein destruktiver Pro¬
zess nach Trauma dort noch eher möglich.
Zum Schluss möchte ich noch einige Bemerkungen über
den Wert der Darmaufblähung zur Bestimmung der Lage von
Unterleibstumoren anführen. In allen mir zur Verfügung stehen¬
den Lehrbüchern, der inneren Medizin und Diagnostik, wie
Gerhardt, v. Mering, Penzoldt-Stintzing ist
darauf hingewiesen, dass die Nierentumoren durch Aufblähung
des Darmes vom Rektum aus, eventuell auch durch Gas-
anfüllung des Magens zurückgedrängt und dadurch für die Pal¬
pation weniger deutlich werden. Dieses Symptom ist auch in
der Tat für Nierentumoren charakteristisch, aber wenn man
ihm zu grosses Vertrauen schenkt, kann man doch grosse dia¬
gnostische Irrtümer begehen. Man ist ja heute imstande, durch
den Ureterenkatheterismus sich eine ziemlich sichere Meinung
darüber zu schaffen, ob ein palpabler Tumor der Niere an¬
gehört oder nicht. Aber gerade wenn durch die Darmauf¬
blähung die Zugehörigkeit einer Geschwulst zu der Niere sicher
erwiesen scheint, lässt man sich leicht verführen, die immerhin
eingreifende Untersuchung des Ureterenkatheterismus nicht
vorzunehmen. Auch entschliesst man sich nicht leicht, bei
dekrepiden Individuen ein an sich schon die Kräfte des Pa¬
tienten in Anspruch nehmendes Verfahren anzuwenden, wenn
man doch gleich danach einen operativen Eingriff vornehmen
muss. Umsomehr ist es aber erforderlich, zu wissen, dass
eine Unterleibsgeschwulst durch die Darmaufbähung zurück-
gedrängt und schlechter tastbar werden kann, ohne dass sie
der Niere zugehört. Nach meiner Erfahrung sind es die Tu¬
moren der hinteren Wand des Zoekum und Colon ascendens,
sowie die entzündlichen tumorähnlichen Prozesse im Anschluss
an Gallenblasenentzündungen mit Adhäsionen an das Colon
transversum, welche sich ähnlich wie Nierentumoren verhalten.
So erlebte ich, dass in einem Fall ein Tumor von der Gestalt
der Niere, nach Einführung von Luft in den Darm überhaupt
nicht mehr fühlbar war. Die Operation erwies, dass die hintere
Fläche des Zoekums in eine tuberkulöse Masse aufgegangen
war, welche in Gemeinschaft mit dem verdickten Mesen¬
terium in* der Tat Nierenform angenommen hatte.
Die vergrösserte Gallenblase ist an sich, solange sie ihre
normale Lage einnimmt, kaum mit der Niere zu verwechseln.
Dagegen kann sie durch Verwachsungen mit dem Colon
transversum sehr weit nach aussen disloziert werden. Durch
Schwartenbildung und Netzinfektion, wie sie gerade bei ent¬
zündlichen Affektionen der Gallenblase oft genug auftritt, kann
eine derbere nierenparenchymähnliche Konsistenz vorgetäuscht
werden, welche bei der Lageveränderung nach aussen die
Unterscheidung von einer Niere erst recht erschwert Bläht
man nun bei solch dislozierter und verwachsener Gallenblase
den Darm vom Anus her auf, so wird in der Tat die Gallen¬
blase nach hinten gedrängt, das Kolon überlagert dieselbe und
sie wird bei starker Luftansammlung fast ganz unfühlbar. Auch
hier ist also eine Verwechslung mit einer Nierengeschwulst,
resp. einer Nierenaffektion überhaupt sehr leicht möglich und
man kann sich durch das augenfällige Symptom des Ver¬
schwindens der vorher fühlbaren Geschwulst verführen lassen,
die Diagnose als so gesichert anzusehen, dass man auf weitere
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16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
343
diagnostische Hilfsmittel verzichtet, namentlich wenn obendrein
die Untersuchung des Urins, wie das bei solchen Patienten nicht
selten vorkommt, Albumen, Leukozyten, Zylinder usw. ergibt
Man nimmt dann eventuell eine abgeknickte oder vereiterte
Hydronephrose, einen perinephritischen Abszess oder der¬
gleichen an. Die Operation wird ia sofort den Irrtum aufklären,
aber es ist misslich, nutzlos einen Lumbalschnitt gemacht zu
haben, dessen Vernähung immerhin eine geraume Zeit erfordert.
Ich versage es mir, durch einzelne Krankengeschichten
Beispiele zu bringen, die alle diejenigen wohl schon selbst er¬
lebt haben, welche die Darmaufblähung zur Diagnose der
Nierengeschwülste anwenden. Ich wollte bloss auf die Un¬
sicherheit dieses Verfahrens hinweisen, welches nur einen
sehr kritischen Gebrauch und eine vorsichtige Deutung erlaubt.
Eine Milchpumpenverbesserung.
Von Dr. Walther Kaupe, Spezialarzt für Kinderkrank¬
heiten, Bonn.
In Heft 3 des Jahrganges 1907 dieser Wochenschrift berichtete
ich über eine Milchpumpe, mit der ich vor allem -beabsichtigte,
Frauenmilch steril aufzuiangen und steril dem Säugling, der aus
irgend einem Grunde nicht angelegt werden kann, zu übermitteln.
Die Pumpe hat inzwischen zwar vielfach Anklang gefunden, doch
empfand ich selbst die mangelhafte Saugwirkung des zu diesem
Zwecke vorhandenen Gummiballons als recht störend. Sollte sie
aber genügend sein, dann musste der Ballon einen derartigen Um¬
fang bekommen, dass seine praktische Verwendung nicht hätte in
Frage kommen können.
Ich veranlasste deshalb den Fabrikanten, an meiner Pumpe statt
des Gummiballons einen ganz aus Glas bestehenden Ventilsaug¬
apparat anzubringen, wie ihm dieser patentamtlich geschützt ist.
In das nach oben gebogene Endstück der Milchpumpe, an dem
bislang der Gummiball angebracht war, hängt jetzt ein durch
Schliff gut angepasstes, als Ventil dienendes Glasstäbchen hinab.
Ueber dem Ganzen befindet sich eine längliche Glasglocke, die nach
unten gegen das nach aufwärts gerichtete Endstück der Milchpumpe
hin in einem übergestreiften Stückchen Gummischlaueh ihren Ab¬
schluss findet.
Wird nun diese Glasglocke nach oben geführt, so lockert sich
das Ventilstäbchen und die Luft wird aus der Milchpumpe selbst
herausgesogen. Bei der Abwärtsführung der
Glocke dagegen presst sich das Ventil fest auf
seine Glasunterlage und die Luft findet ihren Aus¬
gang nur zwischen dem Gummischlauch und dem
Endstück der Pumpe. Ist diese Manipulation
mehrfach ausgeführt worden, entsteht innerhalb
der Milchpumpe eine derartige Luftverdünnung,
dass die Milch sich in Strömen ergiesst. Jeden¬
falls ist nunmehr die Saugwirkung eine ganz er¬
hebliche und sie kann je nach Notwendigkeit
stärker oder weniger stark gestaltet werden.
Ich sehe nicht nur deshalb in dieser Aenderung
der Pumpe eine Verbesserung, sondern auch, we.il
jetzt die ganze Pumpe jederzeit auseinander genommen und in allen
ihren Teilen ausgekocht werden kann.
Nach ein- bis zweimaligem Gebrauch hat man genügend Uebung
in der Handhabung des Apparates; es empfiehlt sich nur, nicht zu
stark zu saugen, wie man es anfänglich leicht tut, da sonst gelegent¬
lich mässige Schmerzen entstehen könnten und es auch geschehen
kann, dass die Milchgänge sich zusaugen. Ab und zu lockere man
das Ansatzstück der Pumpe leicht. —
Aus dem Elisabeth-Krankenhaus Kassel.
Zur Theorie und Praxis des Druckdiffferenzverfahrero.
Entgegnung auf die gleichnamige Arbeit von Herrn Dr. med.
Brat und Herrn Prof. Dr. med. Schmieden in No. 47,
Jahrgang 1908 dieser Wochenschrift.
Von Dr. Franz Kuhn in Kassel.
In No. 47 der Münch, med. Wochenschr. letzten Jahrganges
brachten Brat und Schmieden einen beachtenswerten Artikel.
Die grosse Bedeutung desselben liegt in der Tatsache, dass er zeigt,
wie in viel einfacherer und näherliegender Weise, als es die bis
jetzt vorgeschlagenen und viel diskutierten Kammern besorgen, mit
Hilfe der peroralen Intubation die Voraussetzungen der Thorax¬
chirurgie erfüllt und ihre Probleme gelöst werden können. Die
Arbeit tut dar, dass es nach ausgeführter Intubation relativ einfach
ist, mit Hilfe einer Gasbombe und einiger weiterer Einrichtungen
den für die Thoraxchirurgie geforderten Ueberdruck zu liefern und
der Lunge des Menschen zu applizieren.
Nun hätte ich eigentlich zu dem Artikel nicht viel zu sagen; ich
muss mich vielmehr freuen, dass meine Intubation ihre Anerkennung
auch für die Zwecke der Thoraxchirurgie findet.
Meine Freunde aber sind anderer Meinung: Nach dem Tonfall
und der Abfassung des Artikels und der mangelhaften Zitation ein¬
schlägiger älterer Arbeiten könnte es und muss es fast für den Leser
der Abhandlung erscheinen, als ob das darin Mitgeteilte ganz neu
und originell wäre pnd zum erstenmale das in Frage stehende Thema
in dieser Art berührte, bezw. das zur Diskussion gestellte Problem
zu lösen versuchte.
Dem gegenüber müsste mit Nachdruck auf eine Reihe von
Arbeiten*) und auf eine Summe von Bildern verwiesen werden,
welche bereits vor Jahren all das neuerdings Gesagte
bis zur Einzelheit brachten. Für diejenigen Leser der
Münch, med. Wochenschr., welche die Kongresse der letzten Jahre
verfolgten, dürfte dieser Hinweis allerdings kaum nötig sein. Sie
erinnern sich leicht, dass ich der Naturforscherversammlung in
Meran und dem internationalen Kongresse in Lissabon alle diece
Dinge vorgelegt habe. Ebenso werden die engeren Fachkreise aus
der Zeitschrift für Chirurgie die Bilder kennen, welche die druck¬
liefernden Apparate, wie sie damals D r ä g e r unter meiner Mit¬
wirkung für mich baute, darstellen. (Abbildung 4 u. 5 in Zeitschr.
f. Chirurgie, Bd. 81, S. 68 u. 69.)
Um jeden Zweifel zu beseitigen, bitte ich, die damaligen Ab¬
bildungen den von den Berliner Autoren neuerdings publizierten
gegenüber zu stellen. Aus den Abbildungen allein ersieht man dann
schon, dass ich schon damals alle Einzelheiten, angefangen von der
Verwendung der Bombe als Druckquelle, durch den Narkose¬
apparat ä Ia Dräger hindurch, mit Einschluss der L u f t s ä c k e
bezw. -Bälge, und der Abdichtungen im Munde etc. bis zu dem
federnden Glimmerventil als Auslass, genau festgelegt und in
Gebrauch gehabt habe.
Ich freue mich natürlich, dass die Autoren zu ganz analogen
Konstruktionen, mindestens zu den damals von mir festgelegten Prin¬
zipien und Grundmodellen kamen.
Ebenso stehe ich auch nicht an. Ihnen meine Anerkennung aus¬
zudrücken über den neuen Apparat, den ich für ein technisches
Meisterstück halte, und für die Kombination des Ueberdruckmotivs
mit denen der Rettungsapparate.
Aber betonen muss ich, dass hinsichtlich des Ueberdrucks
nichts neues hinzugekommen ist. Dies gilt namentlich
auch bezüglich des von B r a t so sehr betonten Auslassventils.
Abgesehen davon, dass es gar nicht viel anders konstruiert
werden kann, genüge es, zu konstatieren, dass das in meinen Bildern
(in Fig. 4 u. 5) in der rechten Ecke oben photographisch und sche¬
matisch wjedergegebene Mundventil bis auf jede Einzelheit (Glimmer¬
platte, Spiralfederdruck) das Brat sehe ist, und schon 1904 von
Dräger gebaut und von mir verwendet worden ist.
Denjenigen, welche hartnäckiger zweifeln, dürfte das Ueber-
sichtsbild von der Meraner Naturforscherversammlung (obengenannte
Fig. 4) die letzten Bedenken benehmen.
Soweit die Richtigstellung bezüglich meiner damaligen Mit¬
teilungen und der neueren von Brat und Schmieden.
Aber nicht dieser Identifizierung unserer Apparate gilt hier diese
meine Mitteilung. Sie greift vielmehr weiter, und unterzieht alles
bis jetzt Vorliegende, sowohl das von mir als das der Berliner Autoren,
soweit die Ueberdrucknarkose mit Intubation in Frage, ihrer Kritik.
Brat und Schmieden meinen in ihrer Arbeit, für die be¬
sagten Zwecke nur „Präzisionsapparate“ fordern zu müssen.
So sehr mein oben bezeichneter Apparat dieser Forderung ent¬
spricht, glaube ich heute den Autoren in gewissem Sinne wider¬
sprechen zu müssen. Auch ihre eigene Behauptung, „dass die Druck¬
differenzverfahren mehr vom technisch und praktisch-chirurgischen
als vom physiologischen Standpunkt zu beurteilen“ sind, widerspricht
dieser ihrer Forderung.
Ich behaupte, es ist falsch, wenn ein Apparat für
die vorliegenden Zwecke zu exakt arbeitet und da¬
durch zu kompliziert wird, wenn er mit Hilfe von zu viel Mechanis¬
men da mathematische Zahlen und Werte erreichen will, wo keine
solchen gefordert werden.
Aus den letzten Arbeiten von Friedrich, Brauer etc. er¬
sehen wir neuerdings (wie ich schon früher behauptete), dass es
durchaus nicht nötig und erstrebenswert ist, immer konstante und
genau bestimmte Druckwerte in der Lunge zu haben, dass es viel¬
mehr klinisch viel zweckmässiger ist, ab- und zuzugeben, gelegent¬
lich sogar mit niederem Druck zu arbeiten.
Gerade so, wie auch die beiden Berliner Autoren behaupten,
dass „der praktisch-chirurgische Standpunkt überwiegt“, glaube ich
daher, dass es bei Thoraxeröffnungen (z. B. Oesophagusoperationen)
wünschenwert ist, dass sich der Ueberdrucknarkotiseur eng und intim
an die Wünsche und Bedürfnisse des Thoraxoperateurs anpasst, und
ihm momentan und unmittelbar an Druck liefert, was dieser braucht.
*)Kuhn: Ueberdrucknarkose mittels peroraler Intubation.
Zentralbl. f. Chirurgie 1904, No. 41. — Ders.: Perorale Tubage mit
und ohne Druck. Deutsche Zeitschr. f. Chirurgie, Bd. 76 u. 78. I. Teil.
II. Teil. Bd. 81. III. Teil. — Ders.: Asphyxie und Tubage. Therapie
der Gegenwart, Okt. 1905. — Ders.: Erste Hilfe und künstliche At¬
mung. Therap. Monatsh., Febr. 1906.
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
Um dies aber zu können, muss die Druckregulierung einfach
sein und der Narkotiseur muss sie technisch in der Hand haben (dies
wörtlich) und ab- und zugeben können, wie der Feuerwehrmann
an der Feuerspritze oder der Qlasbläser am Qebläse. Daher dürfen
die Apparate nicht zu kompliziert sein; es dürfen nicht zu viel Hebel
und Schrauben in Frage kommen: eine Bombe und ein Handstück,
gehalten und regulierbar von der narkotisierenden Hand und dazu
eine gut vorher ausgeführte Intubation — viel mehr braucht es nicht
und darf es nicht brauchen, wenn unsere Ueberdrucknarkose ärzt¬
liches Gemeingut werden soll.
Ich hoffe bald mit entsprechenden Modellen zu dienen.
Der Narkotiseur hat mittels einer gut gedichteten Intubation die
atmende Lunge gleichsam am Stiel, und zwar um so zuverlässiger,
je besser die Dichtung: jetzt braucht es nur einer Erschwerung der
Exspiration mittels aufgesetzten Ueberdruckmundstückes, gespeist
von der Bombe her, und der Ueberdruck ist unbeschadet der Atmung
in jeder erforderlichen Höhe und Abstufung geliefert.
Der Abfluss der Atmungsluft aus dem Ventil geschieht mittels
Klappe, gemildert durch einen elastischen Ballon: ein solcher nahe
dem Munde kompensiert die Härte eines mechanischen Ventils und
gibt wie ein Windkessel dem System kontinuierlichen Druck und
Weichheit und dient der geblähten Lunge als Luftpolster und federnd¬
elastisches Widerlager.
Auch die Zufuhr des Narkotikums ist laut Versuchen auf ein¬
facherem Wege möglich. Als Beispiel (das aber für den Ueberdruck
der Abänderung bedürfte) führe ich im Anhang einen Narkoseinjektor
an (siehe später).
Um zu schliessen, resümiere ich also: So sehr ich den Apparat
von Brat (Schmieden hat an der Konstruktion keinen Anteil),
der meinen Vorschlägen nachgebildet ist, anerkenne, und seiner
Kombination von Rettungsapparat und Ueberdruckapparat als tech¬
nische Leistung bewundere, so sehr rufe ich nach Vereinfachung.
Einfachheit sei die Devise. Realisieren wir diese
durch einen einfachen Druckapparat in Kombination mit der Intu¬
bation, dann werden wir alsbald in vielen Kliniken den Thorax,
namentlich für Speiseröhrenoperationen etc., frei eröffnen.
Inzwischen rate ich aber mit aller Entschieden¬
heit dazu, den technisch vorzüglichen Brat¬
schen Apparat zu versuchen und anzuwenden: er
leistet, was er verspricht und liefert mit Hilfe der Intubation eine aus¬
gezeichnete Ueberdrucknarkose.
Als Rettungsapparat steht er ohnedies über jeder Empfehlung.
Anhang.
Der Narkoseinjektor.
Das Prinzip des Apparates ist einfach; die beistehende Zeich¬
nung erlaubt eine leichte Orientierung (Fig. 1).
In ein dickeres (äusseres) Röhrchen, das sich nach hinten
kolbenartig erweitert und in dieser Anschwellung einen zuführenden
Trichter trägt, wird ein dünneres (inneres) Röhrchen für zuzu-
fiihrende Druckluft (auch Sauerstoff oder Gebläse) der Art luftdjcht
eingeschraubt, dass das dünnere Röhrchen, ohne es zu dichten,
eine längere Strecke in dem dickeren parallel läuft.
Der Trichter wird mit Mull lose gefüllt und mit einem
dünnen Flanellüberzug abgeschlossen.
Die mechanische Wirkung des Apparates ist nun folgende: Wird
Pressluft durch das dünnere Röhrchen eingelassen, so erzeugt diese
an ihrer Austrittsstelle in dem dickeren Röhrchen und ebenso in der
Erweiterung in der kolbenartigen Anschwellung eine Luftverdünnung,
die sich in Form einer lebhaften Ansaugung auf den Trichter und die
in ihm befindliche Luft geltend macht. Die Stärke der Saugung hängt
von der Stärke des Druckes in der Pressluft und dem Verhältnis der
Lumina beider Röhrchen ab, resp. dein Raum zwischen beiden
Röhrchen. Wird nun auf den Narkosetrichter irgend eine ver¬
dunstende Substanz, seien es medikamentöse oder ätherische Oele,
z. B. Menthol oder Narkotika (Bromäthyl, Aether, Chloroform) oder
andere Körper aufgegossen, so wird durch die starke Saugung ein
lebhafter Luftstrom und mit diesem die flüchtige Substanz in das
Innere des Röhrchen geführt und von da zusammen mit der Press¬
luft aus dem vorderen Rohrende ausgeblasen.
Der Druck der zuletzt austretenden Luft hängt von dem
Mischungsverhältnis der beiden Ströme und der Höhe des Druckes
der eintretenden Pressluft ab, lässt sich aber leicht in jeder be¬
liebigen Höhe halten, leicht verringern und verstärken.
In der praktischen Verwendung gelingt es nun, mit Hilfe des be¬
schriebenen Apparätchens, das im Aeusseren sich in den Grössen¬
verhältnissen einer ganz kleinen Pistole bewegt, aber in jeder Grösse
und mit vielerlei Modifikationen gebaut werden kann, unschwer
1. jede Substanz, die verdunstet, mit Luft zusammen oder Sauer¬
stoff in beliebiger, leicht abzustufender Konzentration zur Inhalation
darzubieten (Menthol, Fichtennadeln). Eventuell
2. einer Druckluft bei der Ueberdrucknarkose narkotisierende
Substanzen in beliebig dosierbarer und rasch modifizierbarer Menge
beizumischen, gleichgültig, ob man mittels Maske, oder mittels Intu¬
bationsrohr und hier wieder gleich mit welcher Abdichtung man
arbeitet. Bei dieser Verwendung verhehle ich mir nicht und betone
es hier ausdrücklich, dass der Injektor für Ueberdruck noch eine
Abänderung und Erweiterung (dem obigen Bilde gegenüber) bedarf.
Auch der Trichter müsste unter Druck stehen.
3. Mit Hilfe des oben gezeichneten Prinzips ist man imstande,
den Roth-Drägersehen Narkoseapparat zu ersetzen.
Jedenfalls lässt sich mit seiner Hilfe die Leistung des Roth-
Dräger Apparates in billiger Weise improvisieren, ebenso wie jene
des Junker sehen . Auch die Einleitung der Narkosedämpfe in den
Rachen, ä ja A r n dt -Kocher, mit Hilfe eines Katheters, der dem
Rohre aufsitzt, durch Nase oder Mund, ist leicht zu bewerkstelligen.
lieber ein Spezialelektroskop für Urethroskopie und
direkte Zystoskopie.
Bemerkungen zu der Arbeit des Herrn Privatdozenten Dr. mei
et phil. W. Brünings in No. 2 1. J. dieser Wochenschrift.
Von Dr. med. R. Kaufmann in Frankfurt a. M.
In seiner Arbeit: „Lieber ein Spezialelektroskop fiir Urethro-
skopie und direkte Zystoskopie“, kritisiert Herr Privatdozent Dr.
B r ü n i n g s den von mir in No. 43, Jahrg. 1908 dieser Wochenschrift
beschriebenen optischen Apparat (Urethroteleskop) zur endoskopi¬
schen Untersuchung der Harnröhre in einer Weise, die ich nicht un¬
widersprochen lassen kann. Was zunächst die Behauptung betrifft,
dass das von mir angegebene „Urethroteleskop“ nur „angeblich neu“
sei, so bemerke ich dazu, dass weder mir noch Herrn Heyne-
m a n n, der sich seit mehr als 20 Jahren mit der Spezialfabrikation
urologischer Instrumente befasst, ein V a 1 e n t i n e sches oder auch
anderes Urethroskop bekannt ist, das in der von mir beschriebenen
und abgebildeten Weise ein Fernrohr am Handgriff trägt. Da mir
zur Zeit meiner Veröffentlichung auch das Brünin gssche Urethro¬
skop — das, nebenbei bemerkt, einen vollständig anderen Typ dar¬
stellt und nur in der Anordnung des Fernrohrs meinem „Ürethro-
teleskop“ gleicht — nicht bekannt war, so durfte ich den von mir
angegebenen optischen Apparat als etwas neues beschreiben und die
Berechtigung hierfür dürfte auch die nachträgliche Reklamation des
Herrn Dr. Brünings mir nicht rauben. Uebrigens hatte auch ich
mein Instrument zur Demonstration auf dem X. Kongress der Deut¬
schen Dermatologischen Gesellschaft angemeldet, kam aber wegen
der Ueberfülle der Tagesordnung nicht mehr zur Demonstration.
Wenn nun weiter Herr Dr. Brünings meinen optischen Ap¬
parat wegen seiner geringen Vergrösserung und Schärfenausdehnung
als unzweckmässig bezeichnet, so muss ich dazu bemerken, dass jede
optische Vorrichtung, welche stärkere Vergrösserung als sie mit
meinem, nach Art eines Opernglases konstruierten Instrumente mög¬
lich ist, erzielt und dabei ein aufrechtes Bild liefert, eine weitere
Linse oder Prisma erfordert. Dadurch wird aber der Apparat nicht
nur komplizierter und dementsprechend teurer, sondern, was sehr
wichtig ist, auch die Lichtschärfe wird erheblich vermindert, so dass
die eventuell erreichte Vergrösserung auf Kosten der Bildschärfe er¬
zielt wird. Denn die Helligkeit der kleinen Valentine sehen Glüh¬
lämpchen lässt sich leider nicht steigern. Vielleicht ist eine Steige¬
rung der Lichtintensität mit den neuen Metallfadenglühlämpchen mög¬
lich. Für die Praxis reicht die mit meinem „Urethroteleskop“ er¬
zielte Vergrösserung vollständig aus und auch die Schärfe der Bilder
lässt bei richtiger Einstellung der Linsen nichts zu wünschen übrig.
Mehrere Kollegen, die mit dem Instrumente arbeiten, haben mir ihre
volle Befriedigung über die damit erzielte Vergrösserung und Schärfe
der Bilder erklärt. Ob und inwieweit das Brüning sehe Urethro¬
skop die bewährten und immer grössere Verbreitung findenden Harn¬
röhrenspiegel mit Innenlampen verdrängen wird, das muss der Zu¬
kunft überlassen werden.
Charles Darwin.
Zur Erinnerung an seinen 100. Geburtstag.
Von Prof. Dr. Sobotta in Würzburg.
Am 12. Februar sind es 100 Jahre, dass in Shrewsbury in
England ein Mann das Licht der Welt erblickte, von dem man
ohne Zweifel sagen darf, dass er der populärste Naturforscher
des verflossenen Jahrhunderts war, Charles Darwin.
Kaum kann sich der Name irgend eines bedeutenden Mannes
des 19. Jahrhunderts, sei es der eines Staatsmannes oder Feld¬
herrn oder der eines Gelehrten einer so weitgehenden Verbrei-
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16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
tung unter fast allen Schichten des Volkes der zivilisierten
Nationen und besonders der deutschen rühmen wie der des
grossen englischen Naturforschers, des grössten Biologen, den
England je hervorgebracht hat.
Darwins Lebensgang ist von dem der meisten Gelehr¬
ten der Jetztzeit so ausserordentlich verschieden, dass es an¬
lässlich der 100. Wiederkehr seines Geburtstages angezeigt
erscheint, in Kürze den Lebenslauf dieses wahrhaft genialen
Mannes hier zu schildern. Er entstammt einer Familie aus
dem Norden Englands. Unter seinen Vorfahren waren in
mehreren Generationen Naturforscher oder Aerzte, sein eigener
Vater war Arzt in Shrewsbury, sein Grossvater Erasmus der
Schöpfer einer allerdings wenig gut begründeten und daher
mehr verspöttelten als anerkannten Deszendenztheorie. Ueber
Darwins Jugend- und Studienzeit sind wir gut unterrichtet,
da wir eine von ihm selbst in seinem 67. Lebensjahre verfasste,
aber ursprünglich nur für seine Kinder bestimmte Autobio¬
graphie besitzen, die sein Sohn Francis Darwin zusammen
mit seinen Briefen herausgegeben hat. In dieser schildert
Darwin mit ausserordentlicher Offenheit und Freimütigkeit
die zahlreichen Eindrücke seiner Schul- und Studienzeit. Be¬
merkenswert aus diesen Aufzeichnungen ist seine Abneigung
gegen die klassischen Sprachen und die alte Geschichte, da¬
gegen der Hang zum Sammeln von Naturalien aller Art und zu
naturwissenschaftlichen Beschäftigungen überhaupt. Er selbst
betrachtete seine Schulzeit für ebenso verloren, wie sein spä-
eres Universitätsstudium.
1825, mit 17 Jahren, wurde er behufs Studiums der Medi¬
zin auf die Universität Edinburg geschickt, wo er sehr schlechte
Lehrer getroffen haben muss, so dass er das Studium eines
Buches nicht allein für ebenbürtig der Vorlesung, sondern
dieser überlegen erklärt. Nicht bloss die menschliche Ana¬
tomie, sondern auch die Geologie, das Gebiet auf dem die
ersten grösseren Erfolge Darwins lagen, langweilten ihn,
die Sezierübungen ekelten ihn sogar an. Er spricht in seiner
Autobiographie selbst das Bedauern darüber aus, dass man ihn
nicht gewaltsam angehalten habe zu präparieren, da ihm der
völlige Mangel an Erfahrung im Zerlegen von Tieren in seinen
späteren Arbeiten ebenso behindert habe, wie die Unfähigkeit
im Zeichnen. Lange Zeit sammelte Darwin tote Insekten,
um keine lebenden töten zu müssen, während er besonders
in der Jugend mit grossem Eifer der Jagd oblag.
Auf Rat seines Vaters vertauschte Darwin, er, der spä¬
ter von seiten der orthodoxen Kirche so ungeheuren Angriffen
ausgesetzt war, das Studium der Medizin mit dem der Theo¬
logie. Aber auch in Cambridge, wo Darwin 1828—1831
diesem Studium oblag, fühlte er sich gänzlich unbefriedigt, ob¬
wohl er beim Abgang das Examen als Baccalaureus artium
(B. A.) bestand. Er erwarb später noch die Würde eines M. A.
(Master of Arts), etwa gleichbedeutend dem Doctor philo-
sophiae bei uns. Das sind aber auch die einzigen Titel und
Würden des grossen Naturforschers geblieben, kein Lehramt,
keine Professur hat er je erstrebt, wohl aber haben ihn später
die angesehensten gelehrten Gesellschaften der Welt (über 70)
zum Ehrenmitglied ernannt.
Der Wendepunkt in D a r w i n s Leben war die Erdumseg¬
lung auf der britischen Brigg „Beagle“, die er, der bisherige
Studierende der Theologie auf Empfehlung des Cambridger
Botanikers He ns low als wissenschaftlicher Begleiter des
Kapitäns Fitz-Roy mitmachte. Die Reise führt nach dem süd¬
lichen Südamerika (Brasilien, Feuerland, Patagonien, Chile,
Peru) und nach verschiedenen Inseln des Stillen Ozeans und
dauerte fast 5 Jahre (27. Dezember 1831 bis 2. Oktober 1836).
Eigentlich trat Darwin diese Reise gänzlich unvorbereitet
an, denn er hatte kein einziges Gebiet der Naturwissenschaften
bisher ernsthaft und auch nur einigermassen methodisch be¬
trieben. Und auch an Bord des „Beagle“ hatte er kaum Ge¬
legenheit aus Büchern das Versäumte nachzuholen. Um so
mehr müssen die gewaltigen Erfolge dieser Reise in Staunen
setzen. Nur ein echtes Genie konnte das zuwege bringen. Zu
Wasser und zu Lande — Darwin unternahm auch weite
Landreisen in Südamerika — wurden Beobachtungen gemacht,
Sammlungen angelegt, die sich in gleicher Weise auf die Geo¬
logie wie auf die Botanik und Zoologie erstreckten. Mächtige
No. 7.
Mb
Eindrücke hinterliessen auf den jungen Gelehrten ebenso die
gewaltigen Kordilleren wie die primitiven Bewohner des
Feuerlandes. Er hat in seiner „Voyage of a naturalist round
the world“ eine weitverbeitete, auch ins Deutsche (von
Carus) übersetzte klassische Schilderung seiner an Ent¬
behrungen und Mühsalen reichen, an wissenschaftlichen Er¬
folgen so überaus fruchtbaren Reise hinterlassen.
Im Herbst 1836 nach der Heimat zurückgekehrt, begab sich
Darwin an die Verarbeitung seines Materials und suchte
tüchtige Mitarbeiter für diesen Zweck. Bereits 1840 begann die
Veröffentlichung der „Zoology of the voyage of H. M. S.
Beagle“, die in 5 Teilen bis 1843 vollendet war. Darwin
selbst hat keinen der 5 Bände selbständig bearbeitet, sondern
entweder nur Anmerkungen geliefert oder (wie bei den fossilen
Säugetieren) die Geologie allein oder die Geographie bearbeitet.
Ueberhaupt widmete sich Darwin anfangs nur der Geologie
und Paläontologie, erst später nehmen die zoologischen Werke
neben botanischen den Vorrang ein. So erschien 1842 eine der
geologischen Arbeiten Darwins, durch die er seinen Ruhm
als Naturforscher mitbegründet hat, die über den Bau und die
Verbreitung der Korallenriffe, eine der hauptsächlichsten Ent¬
deckungen geologischer Natur, die D a r w i n auf seiner grossen
Reise machte; auch später folgten noch mehrere bedeutende
Arbeiten geologischen und paläontologischen Inhalts.
In die Zeit der Bearbeitungen der reichen Sammlungen,
welche die „Beagle“-Expedition geliefert hatte, fällt Darwins
Heirat (Januar 1839)mit seiner Cousine Wedgwood. Dar¬
wins Mutter war die Tochter des bekannten Schöpfers der
englischen Tonwarenindustrie Josiah Wedgwood. Infolge¬
dessen befand sich der grosse englische Naturforscher schon
von Hause aus in sehr günstiger pekuniärer Lage, die ihm er¬
laubte, sich ganz seinen Studien zu widmen, ohne irgend ein
Amt oder eine Besoldung erstreben zu müssen. Ausserdem
haben Darwins Werke n-och bei seinen Lebzeiten selbst für
die heutige Zeit ungewöhnlich hohe Summen eingetragen.
Nach kurzem Aufenthalt in Cambridge Hess sich Darwin
nach der Rückkehr von seiner Erdumseglung zunächst in Lon¬
don nieder, wo er auch die ersten Jahre seiner Ehe verbrachte.
Das Bedürfnis nach Ruhe und die geschwächte Gesundheit
(D. litt auf seiner Reise an einer nicht näher bekannten Krank¬
heit, deren Folgen sich nie völlig verloren haben und die ihm
später nur wenige, bis selbst nur 1 Stunde täglicher Arbeit
erlaubten) bestimmten Darwin, sich 1842 ein Landhaus in
dem kleinen Orte Down in Kent zu kaufen. Hier hat D a r w i n
40 volle Jahre bis zu seinem am 19. April 1882 erfolgten Tode
gelebt und geschafft, ohne je England wieder zu verlassen.
Hier in dieser ländlichen Stille sind seine Hauptwerke entstan¬
den, hier ist die Deszendenzlehre neuerstanden, die Selektions¬
lehre geboren worden. 1859 veröffentlichte Darwin das
Werk, welches ihn unsterblich gemacht hat, sein Hauptwerk,
wie er es selbst nennt, das Buch über die Entstehung der Arten
durch natürliche Zuchtwahl oder die Erhaltung der begünstig-
sten Rassen im Kampfe ums Dasein (On the origin of species
by means of natural selection, or the preservation of favoured
race in the struggle for life. London. Jobn Murray). Dieses
Buch, dessen Inhalt eine Umwälzung auf dem gesamten Ge¬
biete der Naturwissenschaften hervorrief, ist in 6 englischen
Auflagen (24 000 Exemplaren, letzte Auflage 1872) erschienen,
in fast alle Kultursprachen übersetzt worden, mehrfach auch in
die deutsche (die späteren Auflagen von V. Carus). Kaum
je hat ein Buch mehr Aufregung in der Welt verursacht, als das
Darwin sehe über die Entstehung der Arten. Anerkennung,
ja Begeisterung höchsten Grades auf der einen Seite, zum Teil
schroffe Ablehnung auf der anderen.
Die Gedanken Darwins über die Entstehung der Arten
sind in ihm langsam und allmählich gereift und auch sie sind im
wesentlichen eine Frucht seiner grossen naturwissenschaft¬
lichen Reise. Dass sie erst so spät — über 20 Jahre nach Be¬
endigung dieser — der Oeffentlichkeit übergeben wurden, hat
iein äusserHche Gründe. Schon 1839 hat Darwin in einem
nicht zur Veröffentlichung bestimmten Manuskript die Gedan¬
ken der Deszendenz- und Selektionslehre niedergeschrieben;
1844 wurde dieses von dem Botaniker Hooker und dem Geo¬
logen Lyell gelesen. Aber beiden befreundeten Forschern
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346
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
gelang es erst 1858 Darwin zu einer vorläufigen Veröffent¬
lichung zu bewegen, als der damals auf den Molukken weilende,
Darwin ebenfalls befreundete Forscher Wallace Dar¬
win ein Manuskript zusandte, betitelt: „Ueber die Tendenz
der Varietäten, unbegrenzt vom ursprünglichen Typus abzu¬
weichen“, in dem fast genau die gleichen Gedanken entwickelt
waren, wie sie Darwin schon 1839 niedergeschrieben hatte.
Wallace bat, das Manuskript — falls es D a r w i n für wert
hielte — an L y e 11 weiterzugeben, was auch geschah. Es ist
bezeichnend, dass es L y e 11 und H o o k e r nur mit Mühe ge¬
lang, Darwin zu einer vorläufigen Veröffentlichung zu be¬
stimmen. So wenig war der grosse englische Naturforscher
auf Wahrung der Priorität, auf Ruhm und äussere Ehrungen
bedacht, dass er ohne den Einfluss der genannten Männer
Wallace den Vortritt gelassen hätte. Fast wäre also 1858
nicht der Darwinismus, sondern der Wallacismus geboren
worden.
Die Lehren, welchen Darwin in seiner vorläufigen, der
Linnean Society in London 1858 vorgelegten Mitteilung ent¬
wickelt und 1859 ausführlich begründet hat, werden gewöhnlich
dem Entdecker zu Ehren mit dem Namen „Darwinismus“ be¬
zeichnet. Streng genommen darf unter dem Darwinismus nur
die von Darwin zum ersten Male aufgestellte Hypothese von
der natürlichen Zuchtwahl verstanden werden, die Selektions¬
theorie, während die von Darwin gleichzeitig und durchaus
unabhängig von seinen Vorgängern auf diesem Gebiete ver¬
fochtene Lehre der Abstammung der Arten von einer ge¬
meinsamen Grundform, die Deszendenztheorie bereits von Jean
L a m a r c k 1809 aufgestellt wurde. Es sprechen daher viele
Autoren auch von einem Lamarckismus 1 ). Aber auch La¬
ma r c k war nicht der erste, schon 1791 und 1796 hatte sich
Goethe über den Gedanken einer gemeinsamen Abstammung
aller Tiere klar geäussert, ferner Darwins eigener Gross¬
vater Erasmus Darwin (1794 — s. oben). Ausserdem wurde
der Gedanke der Deszendenz auch nach Lamarck und vor
Gh. Darwin von verschiedenen Forschern mehr oder weni¬
ger deutlich ausgesprochen, insbesondere von Etienne Geoffroy
St. Hilaire (1828). Aber ein wichtiger Umstand war der
Ausbreitung der Lamarck sehen Deszendenzlehre hinder¬
lich: die Gegnerschaft des grossen vergleichenden Anatomen
und Zoologen C u v i e r, der in einer Sitzung der Pariser Aka¬
demie 1830 gegenüber St. Hilaire Sieger blieb oder wenig¬
stens zu bleiben schien und der durch seine Autorität einem
weiteren Ausbau der Deszendenzlehre einen unüberwindlichen
Hemmschuh anlegte. C u v i e r s Lehre von der Erhaltung der
Arten, von der selbständigen Entstehung jeder einzelnen Spe¬
zies, blieb einzig und allein durch den Autoritätsglauben Sieger.
Die Deszendenzlehre Lamarcks wurde so gut wie ver¬
gessen.
So standen die Dinge als D a r w i n mit seinem Werke über
die Entstehung der Arten in die Oeffentlichkeit trat. Wenn
auch nicht die Entdeckung der Deszendenzlehre Darwin ohne
weiteres zuerkannt werden kann, so muss ihm doch rückhalt¬
los die Wiederentdeckung und vor allem der Ausbau der Lehre
zugesprochen werden. Insbesondere aber war, wie schon der
äussere Erfolg zeigte, sejne Begründung der Lehre durch die
natürliche Zuchtwahl eine ungleich viel exaktere und tiefere
als die Lamarcks.
Das grosse Verdienst Darwins um die gesamte Natur¬
wissenschaft besteht in der Hauptsache in den folgenden beiden
Punkten: Erstlich er hat die Deszendenzlehre weit strenger
durchgeführt als seine Vorgänger, wobei er ein inzwischen an¬
gesammeltes, namentlich ein reiches embryologisches Tat¬
sachenmaterial verwenden konnte, das seinen Vorgängern
grossenteils oder selbst noch gänzlich zur Begründung ihrer
Lehren fehlte. Auch geht Darwin über Lamarck insofern
hinaus, als er nicht zögert auch den Menschen als ein Endglied
in der Kette der Deszendenz anzusehen (s. a. u.). In einem
besonderen, erst 1871 erschienenen Werke über die Abstam¬
mung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl (The
l ) Neuerdings wird Lamarckismus im Gegensatz zum Dar¬
winismus auch für die Anpassungstlieorie Lamarcks (s. u.) ge¬
braucht.
No. 7.
Descent of man and selection in relation to sex), das auch ins
Deutsche übertragen wurde und nächst dem Werke über den
Ursprung der Arten wohl die bekannteste Schrift Darwins
ist, entwickelt Darwin diesen Gedanken ausführlich, nament¬
lich mit Rücksicht auf die Tatsachen der Entwicklungsge¬
schichte.
Zweitens hat D a r w i n — und das ist sein unbestreitbares
Verdienst — die Lehre von der natürlichen Zuchtwahl, die
Selektionstheorie geschaffen und mit Hilfe dieser Lehre sucht
Darwin die Abstammung der Arten voneinander zu erklären,
ganz im Gegensatz zu Lamarck, der für die Deszendenz
Anpassung der Organismen an die äusseren Lebensbedingungen,
Gewöhnung und Willen des einzelnen Individuums, Vererbung
der Charaktere und erworbener Eigenschaften ins Feld
führte. Darwins Lehre von der natürlichen Zuchtwahl geht
von dem Gedanken der künstlichen Züchtung aus, wie sie Tier-
und Pflanzenzüchter zur Hervorbringung von Varietäten be¬
nützen. In ähnlicher Weise sollen sich nach der Selektions¬
lehre die Arten der Tiere gebildet haben, nur dass an Stelle
der Menschenhand bei der künstlichen Züchtung in der Natur
der Kampf ums Dasein getreten ist. Die Nachkommen mit
kleinen Abweichungen schädlicher Art werden im Kampfe ums
Dasein zu gründe gehen, die mit solchen nützlicher Art werden
aus dem Kampfe als Sieger hervorgehen. Eine besondere Art
der Zuchtwahl ist die geschlechtliche. Beim Kampfe der
Männchen um das Weibchen bleibt der Stärkste Sieger; er
vererbt seine Stärke auf die Nachkommen. So erklärt Dar¬
win das Auftreten der Schutzwaffen beim männlichen Ge-
schlechte (Geweihe etc.), oder die Farbenpracht und den Gesang
der männlichen Vögel, Insekten etc.
Ausser den beiden obengenannten Arbeiten von Darwin
über den Ursprung der Arten und die Abstammung des Men¬
schen sind die bekanntesten und diejenigen, welche für den Me¬
diziner von grösserer Bedeutung sind: Variation der Tiere und
Pflanzen unter dem Einfluss der Domestikation (The Variation
of animals and plants under domestication. 2 Bände, London
1868, deutsch von C a r u s) und Ueber den Ausdrck der Ge¬
mütsbewegungen bei Menschen und Tieren (The expression oi
the emotions in men and animals. London 1867. Deutsch von
C a r u s).
Die Wirkung von Darwins Hauptwerk über die Ent¬
stehung der Arten war eine ganz ungeheure. Während bis
dahin fast alle Naturforscher, selbst der grosse Berliner Anatom
und Physiologe Johannes Müller, der Darwins Erfolge
nicht mehr erlebte (er starb 1858) an der von C u v i e r so
energisch verteidigten Lehre von der Konstanz der Arten wie
an einem Dogma festhielten, Goethe, Lamarck und alle
anderen Vorläufer des Deszendenzgedankens so gut wie ver¬
gessen waren, bahnte sich in überraschend kurzer Zeit ein
Umschwung sondergleichen an. Was vorher kaum ein Natur¬
forscher ernsthaft zu vertreten wagte, das erschien 1859 vielen
als selbstverständlich. Ja nicht wenige gingen noch über D a r-
w i n hinaus und zogen wie H a e c k e 1 sofort die letzten Kon¬
sequenzen in der Uebertragung des Deszendenzgedankens auch
auf den Menschen. 2 )
Mit treffenden Worten hat der Berliner Physiologe E. d u
Bois-Reymond 1876 die Wirkung der Darwin sehen
Veröffentlichung von 1859 charakterisiert: „Es war ein Schlag,
wie die Geschichte der Wissenschaft noch keinen sah: so lange
vorbereitet und doch so plötzlich; so ruhig geführt und doch so
machtvoll treffend; an Wiederhall bis in die fernsten Kreise
menschlicher Erkenntnis, eine wissenschaftliche Tat ohne¬
gleichen.“
Es gibt kaum einen Zweig der Naturwissenschaften, der
nicht durch Darwins Entdeckung berührt worden wäre,
nicht zum wenigsten auch die Medizin. In erster Linie ist
es wohl die Abstammugslehre, welche für die menschliche
Anatomie nicht weniger Bedeutung erlangte wie für die Zoo-
2 ) Es ist nicht richtig, wie vielfach angegeben wird, dass
Darwin erst nach H a e c k e 1 die Deszendenzlehre bis auf d&i
Menschen ausgedehnt hat, wenn auch sein Hauptwerk über diesen
Gegenstand später erschien als das H a e c k e 1 sehe Werk (Anthro-
pogenic). Nur hat der erste Uebersetzer Bronn die entscheidenden
aber klaren Worte Darwins fortgelassen.
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
347
logie, insbesondere musste sie auf die früher und leider allzu¬
lange als prähistorische Archäologie betriebene Anthropologie
befruchtend wirken trotz der heftigen Angriffe, die der Dar¬
winismus und die Deszendenzlehre speziell gerade von dieser
Seite zu erfahren hatte. Ja man darf wohl sagen, dass die Ab¬
stammungslehre auf dem Gebiete der Anthropologie erst in den
letzten Jahren ihre grössten Triumphe gefeiert hat
Und welche Summe von Material hat die Naturwissenschaft
seit Darwin zur Bekräftigung der Deszendenzlehre geliefert.
Die vergleichende Embryologie sowohl wie die vergleichende
Anatomie haben bis auf den heutigen Tag nicht aufgehört un¬
ausgesetzt neue Beweise für die Deszendenz auch des Men¬
schen von niederen Tierformen zu liefern, die Paläontologie
hat viele der Darwin noch völlig unbekannten Zwischen¬
formen inzwischen aufgedeckt und in den letzten Jahren sind
auch die wertvollsten Funde für die Abstammung des Men¬
schengeschlechtes dem Schosse der Erde entrissen worden.
Kein ernsthafter Naturforscher zweifelt heute mehr an dem
Gedanken der Deszendenz aller Lebewesen von gemeinsamen
Urahnen, wenn sich der Stammbaum auch oft viel verwickelter
darstellt, als ihn sich manche Forscher im ersten Eifer für die
gute Sache ausmalten. Anders steht es mit der Selektions¬
theorie. Während hervorragende Gelehrte sie auch heute noch,
ja in noch reinerer Form vertreten wie Darwin, allen voran
der Freiburger Zoologe A. Weismann, der auch die Mo¬
mente verwirft, die Darwin noch neben der natürlichen
Zuchtwahl als ursächlich anerkannte, wie die Vererbung er¬
worbener Eigenschaften, bekämpfen andere nicht minder tüch¬
tige Forscher die Selektionstheorie z. T. sehr energisch und
neigen sich selbst einer Art vitalistischer Auffassung zu (Neo¬
vitalismus). Der Streit wird lange dauern und ob er je ge¬
schlichtet werden kann, ist zweifelhaft. Sollten aber die Anti-
selektionisten Recht behalten, so schmälert dieser Umstand das
Verdienst Darwins nicht im mindesten. Denn ohne Dar-
w i n gäbe es auch keine Deszendenztheorie. Dass sie nicht
neu war, ist ebenso richtig wie dass die L a m a r c k sehe auch
bereits ihre Vorgänger hatte. Aber weder Lamarcks
Theorie noch eine seiner Vorgänger oder Nachfolger konnte an
Boden gewinnen. Erst Darwins Genie war es Vorbehalten,
den Bann zu sprengen, der über der gesamten Naturwissen¬
schaft lag. Wenn neuerdings eine Reihe von Forschern wie¬
derum an die Anpassungslehre Lamarcks anknüpft und
diese im Gegensatz zur Selektionslehre Darwins und beson¬
ders im Gegensatz zur ultradarwinistischen Auffassung Weis¬
manns als Ausgangspunkt wählt, so schmälert auch dieser
Umstand — selbst den Sieg des Lamarckismus vorausgesetzt —
das grosse Verdienst Darwins nicht.
Nicht bloss die rein naturwissenschaftlichen Fächer der
Medizin haben von Darwins Entdeckungen Nutzen gehabt,
die bahnbrechenden Gedanken des grossen englischen Natur¬
forschers haben auch die gesamte praktische Medizin, wenn
auch weniger sichtbar, beeinflusst. Das medizinische Denken
ist seit D a r w i n ein anderes geworden als es vorher war. Der
Gedanke, dass der Mensch nur das Endglied einer tierischen
Ahnenreihe sei, m-usste die Physiologie auf die vergleichende
Physiologie der Tiere himveisen, um die Verrichtungen auch
der Organe höherer Tiere verstehen zu lernen. Die Lehre
von den rudimentären Organen wurde erst mit Rücksicht auf
die Deszendenzlehre verständlich. Aehnliche Einflüsse lassen
sich leicht in der allgemeinen Pathologie und pathologischen
Anatomie feststellen. Auch die Lehre von der natür¬
lichen Zuchtwahl, besonders die der geschlechtlichen Zucht¬
wahl hat auf viele Gebiete der praktischen Medizin eine un¬
verkennbare Wirkung ausgeübt. Die früher fast ausnahmslos
rein teleologische und vitalistische Auffassungsweise der prak¬
tischen Mediziner hat unter dem Einfluss der Darwin sehen
Lehre einer exakteren Anschauungsart Platz gemacht.
Es hat Darwin mit besonderer Genugtuung erfüllt, dass
seine Lehren gerade in Deutschland auf so fruchtbaren Boden
gefallen sind. Und unter den zahlreichen Ehrungen, die ihm
nach Herausgabe seiner Hauptwerke zufielen, steht auch die
Verleihung des preussischen Ordens pour le merite für Wissen¬
schaften (1867). Sein eigenes Vaterland hat ihn mit Ausnahme
weniger Männer, wie Lyell, Huxley, Wallace u. a., lange
verkannt. Kaum irgendwo anders ist Darwin mit solcher
Heftigkeit bekämpft worden wie in England, namentlich von der
orthodoxen Geistlichkeit. Erst nach seinem Tode ehrte man
ihn, indem man ihm den Ehrenplatz in der Westminsterabtei
nicht versagte.
Aus der Kgl. Universitätsklinik und Poliklinik für Augenkranke
in München.
Die Entwicklung der Augenheilkunde an der Universität
LandshuMHQnchen.
Von Dr. O. Eversbusch, Vorstand der Anstalt.
(Schluss.)
Der zum Nachfolger Stromeyers durch König Lud¬
wig I. aus eigenster initiative berufene Gerichtsarzt Dr. C h r i-
stoph Rothmund von V o 1 k a c h i. U. — der Landes¬
herr hatte durch viele Kranke, die nach Kissingen und
Brückenau gingen, von R.s glücklichen Kuren und Opera¬
tionen erfahren — war aus der Schule von T e x t o r hervor¬
gegangen und ein ganz vorzüglicher Techniker. Er führte seine
Operationen mit einer Gewandtheit aus, die derjenigen der
grössten Kliniker der damaligen Zeit mindestens gleichkam,
wenn sie nicht sogar überragte. Durch ihn wurde vornehmlich
die auf das Bedürfnis des praktischen Arztes gerichtete Aus¬
bildung des Kiinizisten betont und gefördert.
Die mit der Erfindung des Augenspiegels 1851 anbrechende
Aera der Augenheilkunde brachte — wie im übrigen Deutsch¬
land — so auch in München ein neues Aufblühen unserer Dis¬
ziplin.
Dem warmen Eintreten des am 22. Dezember 1806 zu Bam¬
berg geborenen und am 23. April 1852 an die Stelle von
R i n g s e i s ernannten Klinikers K a r 1 v. P f e u f f e r, des Re¬
formators des bayerischen Medizinalwesens, der durch die
mit Jakob Henle 1844 begründete „Zeitschrift für
rationelle Medizin“ der Klinik den Boden wiedergab,
der ihr während der Herrschaft des naturphilosophischen Sy¬
stems unter den Füssen gewichen war, ist es zu danken ge¬
wesen, dass bereits Ende der fünfziger Jahre des vorigen Jahr¬
hunderts die Augenheilkunde durch die Errichtung einer ausser¬
ordentlichen Professur von der Chirurgie abgetrennt wurde.
Doch soll nicht vergessen werden, was inzwischen ein
Praktiker, Dr. Joseph Schlagintweit, hier leistete.
Er gründete am 1. Mai 1822 die meines Wissens erste
Münchener Augenheilanstalt, die, wie wir noch hören werden,
später dem Hochschulunterricht dienstbar gemacht wurde. Die
Schlagintweit sehe Anstalt' befand sich nach den Ein¬
tragungen des früher nicht regelmässig erscheinenden Mün¬
chener Adressbuches 1842 in der Schützenstrasse, 1845 in der
Dachauerstrasse, 1850 in der Augustenstrasse. 1852 wieder in
der Schützenstrasse 10 aufgeführt siedelte sie zuletzt (1852)
in das Hans Kasernenstrasse 47 über. Nach amtlicher Fest¬
stellung wurde einige Jahre nach der mit dem Tode des Be¬
gründers erfolgten Auflassung der Anstalt dies Haus ganz
niedergerissen und an seine Stelle das jetzige Haus No. 62
an der Gabelsbergerstrasse erbaut.
Einfachen Verhältnissen entstammend, durch Vermittlung
des Benediktiner-Konventuals Wuehrmann dem Gym¬
nasialstudium zugeführt und in Landshut mit der Dissertation
„DeCataractarum origine“ promoviert, bereitete sich Schlag¬
intweit erst in Wien und Prag und sodann (1816—1818)
auf einer nahezu 2 jährigen Reise über ganz Deutschland, auf
der er die Einrichtungen der medizinischen Anstalten der Uni¬
versitäten Berlin, Erlangen, Giessen. Göttingen,
Marburg und Würzburg und der Krankenhäuser in
Augsburg, Bamberg, Frankfurt a. M. kennen lernte,
für seine später volle 33 Jahre umfassende und erfolgreiche
Wirksamkeit vor.
An seine operative Tätigkeit — „718 Starblinde wurden“,
wie es in der Erinnerungsschrift von Dr. Zimmermann
heisst, „in der grössten Mehrzahl des Glückes zu sehen, wieder
teilhaftig“ — erinnert das von ihm für die künstliche Pupillen¬
bildung erfundene Regenbogenhauthäkchen — „Iriankistron“
genannt.
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348
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
Auch allgemein-medizinisch war Schlagint weit tätig.
Unter anderem leitete er im Winter 1836/37 das Filial-Cholera-
spital des Grafen v. Arco-Valley. Darauf bezieht sich
seine Schrift „Praktische Erfahrungen und Be¬
obachtungen überdie epidemische Brechruhr
in Münche n“. Ebenso war er „sozial“ — wie wir heute
sagen würden — interessiert. So schrieb er 1828 einen Ent¬
wurf zur neuen Organisation des Medizinal¬
armenwesens der Haupt- und Residenzstadt
München.
Wie sein in Nürnberg wirkender älterer zeitgenössischer
Spezialkollege K a p f e r, der Begründer der auch heute noch
blühenden Maximilians-Augenheilanstalt, so legte auch
Schlagintweit die Ergebnisse seiner augenärztlichen
Tätigkeit in kurzen Jahresberichten nieder.
Leider habe ich von diesen trotz aller darauf gerichteten
Bemühungen nur einen einzigen — den fürs Jahr 1852 —
ausfindig machen können.
Aber auch dieser — auf der Rückseite des Titelblattes mit
dem Motto versehen: „Arm sein ist ein Unglück, aber arm
sein und blind zugleich ist wohl das grösste“ — lehrt uns zur
Genüge Schlagintweit als fachmännisch und hygie¬
nisch gut Unterrichteten kennen. So schreibt er den wachsen¬
den Zuspruch zu seinem Wohltätigkeitsinstitut auch „dem neu
erworbenen freundlichen Hause“ (dem bereits von mir ge¬
nannten in der Kasernenstrasse) zu, „welches“, so fährt
Schlagintweit fort, „bed der gesundesten Lage nach
Süden mit einem schattigen Garten (nach Norden) in 4 Separat¬
zimmern und 6 Krankengemächern mit 16 Betten den Augen¬
kranken eine bequemere, komfortabele Aufnahme bietet, ohne
sie den schädlichen Einwirkungen einer Hospitalluft auf ihre
Gesundheit auszusetzen. Sie leben da unter Patienten ihrer
Kategorie, die sich ausser ihres Augenleidens des besten all¬
gemeinen Wohlseins erfreuen“.
Auch beobachtete Schlagintweit bereits eine grosse
Anzahl Augenkranker, die sich infolge von Betrachtung der
Sonnenfinsternis (im August und September 1851) ohne
dunkle Gläser eine Blendung zuzogen, diie er — nicht weit von
der richtigen Deutung entfernt — ohne Augenspiegel, der ja
erst kurz darnach erfunden wurde, auf eine übermässige ab«
norme Reizung der Netzhaut bezog und durch entsprechende
örtliche Blutentziehungen mit Schröpfköpfen oder Blutegeln
und durch gelinde ableitende muriatische Mineralwässer in
Verbindung eines passenden Regimes und Verhaltens beseitigte.
Ebenso glücklich war Schlagintweit in der Be¬
handlung der bösartigen Entzündung der Säug¬
linge. Auch erkannte er bereits — wie ich glaube als
Erster — „ihre Verhütung durch das Prinzip der prophy¬
laktischen Massnahmen als die einzig mögliche sichere
Heilung dieses zerstörenden Augenleidens“ und beantragte er¬
folgreich bei dem Obermedizinalausschuss den Erlass der da¬
rauf bezüglichen Vorschriften für das Hebammenpersonal.
Auch fiel ihm bereits der täglich wachsende Zuspruch
armer, unmittelbar nach der Geburt erblindeter Kinder zur
Aufnahme in das hiesige Blindenerziehungs-Institut und die
Häufigkeit der Erblindung durch jene Augenkrankheit auf. Das
veranlasste ihn zu einer im Auftrag der Regierung von Ober¬
bayern geschriebenen kleinen Schrift.
Mag der heutigen Richtung dies und jenes darin eigenartig
•und merkwürdig erscheinen — man vergesse nicht, dass jene
vor 57 Jahren entstand — und dass manches, was w i r wissen¬
schaftlich und therapeutisch für völlig einwandfrei und richtig
ansehen, bei unseren Epigonen auch einiges Kopfchütteln er¬
regen wird: Der auch uns in der Abwehr dieser Krankheit als
brennend erscheinende Punkt: die Reinlichkeit als Vor¬
beugungsmassnahme und die ununterbrochene Reini¬
gung des bereits erkrankten Auges wird von
Schlagintweit bereits ebenso nachdrücklich eingeschärft
wie „die Verpflichtung der Hebammen — bei Vermeidung der
Disziplinarstrafe — sofort den Eltern die Gefahr für die Augen
des Kindes an das Herz zu legen und sie zur Beiziehung eines
praktischen Arztes in eindringlicher Rede zu veranlassen, nö¬
tigenfalls jedoch selbständig aufzutreten und den Arzt herbei¬
zuholen, wenn sie bei den Neugeborenen die ersten Anzeichen
einer vermehrten Thränen- oder gar Schleimabsonderung aus
den 4 ugen bemerken“.
Schlagintweits auch von der Staatsregierung aner¬
kannte Wirksamkeit ist wie diejenige seines Nachfolgers in
der Anstaltsleitung der Nachwelt äusserlich überliefert durch
eine an der ehemals Rothmundsehen Augenheilanstalt
(Mathildenstrasse 8) im vorigen Jahre angebrachte Gedenk¬
tafel.
Bald nach Schlagintweits Tode (10. August 1854)
übernahm Dr. August Rothmund, der sich unter dem De¬
kanate Pfeuffers mit einer Abhandlung „U e b e r künst¬
liche Pupillen bi Idung“ an der Universität München
habilitiert hatte, die Anstalt.
Auch bei meinem verewigten Lehrer und Vorgänger,
dessen Unterricht von Anfang an das Gepräge der neuen
ophthalmologischen Richtung zeigte, lag nach seinem Bil¬
dungsgänge der Schwerpunkt seiner Leistungen auf dem
klinisch-praktischen Gebiete. Er hatte sich vor Antritt des
Lehramtes bei Eduard v. J ä g e r in Wien, dem Meister in der
Handhabung des kurz zuvor von H e 1 m h o 11 z erfundenen
Augenspiegels; bei A r 11 in Prag, schon damals berühmt wegen
seiner operativen Fertigkeit; bei Albrecht v. Graefe, dem
Begründer der neuen ophthalmologischen Aera; und bei Si¬
chel und Desmarresin Paris genauer mit den Grundlagen
der Augenheilkunde vertraut gemacht.
Die Anstalt entwickelte sich dank R.s operativer Geschick¬
lichkeit unter seiner Leitung innerhalb weniger Jahre derart,
dass die ursprüngliche Zahl der Betten (10) rasch auf 60 anstieg.
In dem Hause Mathildenstrasse 8 war sie bis 1. Mai 1879
untergebracht.
Von literarischen Arbeiten R.s aus dieser Zeit nenne ich
vor allem die Schrift über die Kurzsichtigkeit, in der
er das Auftreten von Staphyloma posticum mit starker Kurz¬
sichtigkeit bei Landleuten und das erblich-familiäre Vorkommen
dieses Uebels betonte; ferner die Abhandlung über Chrom-
hidrose der Augenlider; und namentlich die erst in
der neueren Zeit zur verdienten Wertschätzung gelangte
Mitteilung über subkonjunktivale Kochsalzein¬
spritzungen zur Resorptionsbeförderung von Hornhaut¬
exsudaten.
Im Hause an der Mathildenstrasse fand auch der
klinische Unterricht in der Augenheilkunde statt. Ein
ungefähr 20—24 qm Bodenfläche umfassender Raum zu
ebener Erde, in den durch 2 Rundbogenfenster mässigen
Flächeninhalts nur so viel Licht von Westen hineinfiel, als
das mehrstöckige gegenüberliegende Wohngebäude in der nicht
allzubreiten Strasse eben zuliess, wurde für 30—40 Zuhörer zu
Demonstrationen benützt. Für die Prüfung der zentralen Seh¬
schärfe kam an trüben Tagen eine Probetafel zur Verwendung,
die in dem hinter der Privatklinik nach Osten m gelegenen Gar¬
ten aufgestellt war. Auch sonst erwies sich das Haus mit einem
kleinen schmalen Nebengebäude, das nur Licht von Süden er¬
hielt, je länger desto mehr als unzureichend, indem ausser
den Kranken auch der Anstaltsvorstand mit Familie, der I. Hilfs-
arzt und das Pflegepersonal darin untergebracht waren.
So ist es denn leicht begreiflich, dass Rothmund, der
am 19. März 1863 zum ordentlichen Professor der
Augenheilkunde ernannt worden war, dringend wünschte und
sich fortgesetzt — schon seit Ende der 50 er Jahre — bemühte,
dass ein eigenes Universitätsattribut für Augenheilkunde er¬
richtet wurde.
Aber erst am 1. Mai 1879 ging dieser Wunsch dadurch in
Erfüllung, dass das bisherige kgl. Wilhelmsgymnasium unter
Schaffung eines grösseren Hofraumes durch Beseitigung der
Aula zu einer Augenklinik umgestaltet wurde.
Es ist das schon damals, noch mehr aber später oft — und
nicht immer in freundlicher Art — bemängelt worden. Dass
die Anstalt in der Herzogspitalstrasse — inmitten des dicht-
bebautesten Teiles der Stadt, an einer von Lastfuhrwerken be¬
nutzen Strasse und in unmittelbarer Nähe einer Grossbrauerei
— wenn sie auch in ihren dem Unterrichte gewidmeten Räum¬
lichkeiten gegenüber dem bisherigen Zustand einen wesent¬
lichen Fortschritt bedeutete — im übrigen nach keiner Rich¬
tung hin den Anforderungen entsprach, die schon damals an
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16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
349
ein Krankenhaus und an ein wissenschaftlich-akademisches
Attribut gestellt wurden: das war auch Rothmund von
vornherein klar.
Aber er wollte endlich einmal der kleinen und grossen Un-
zuträglich'keiten und der Fesseln, die jede Privatheilanstalt für
den Besitzer mit sich bringt, ledig werden; und so begnügte
er sich wohl oder übel um so williger mit dem, was man ihm
anbot, als auch die damalige Finanzlage des Landes grössere
Ausgaben unerwünscht erscheinen Hess.
Zu alledem darf nicht übersehen werden, dass die Ge¬
sichtspunkte, naclj denen ein gesundheitlich gut eingerichtetes
Krankenhaus beschaffen sein soll, in Deutschland erst Ende der
80 er und Anfang der 90 er Jahre des vorigen Jahrhunderts vor
allem durch Böhm, Curschmann, Kerschensteiner
und Rubner fest^elegt worden sind.
Selbst wenn also der von mir bereits 1878 angeregte Ge¬
danke, mit den zur Adaptierung des Wilhelmsgymnasium be¬
willigten staatlichen jWitteln und dem Erlös aus diesem — was
insgesamt wohl 300000 M. ausgemacht haben würde — an gün¬
stiger Stelle, auf einem damals noch sehr billigen zum Verkauf
stehenden Grundstücke an der jetzigen äusseren Goethestrasse
eine von Grund aus neue Augenklinik zu bauen, verwirklicht
worden wäre; dennoch würde ähnlich wie in Breslau, wo die
1876 gebaute Universitätsaugenklinik bereits 20 Jahre spätej-
durch einen Neubau ersetzt wurde, auch in München ein neues
Institut, zum mindesten aber eine tiefgreifende den Forderungen
der Neuzeit entsprechende Neugestaltung des schon vorhan¬
denen unumgänglich notwendig geworden sein.
Gleichwohl ist in dem Hause Herzogspitalstrasse 18 —
das auch dadurch geschichtlich bedeutsam geworden ist, dass
hier Bayerns erster gütiger König am 12. Oktober 1825 auf
einem seinem Namenstage zu Ehren gegebenen Balle des da¬
mals dort wohnenden russischen Gesandten Grafen v. Woron-
zow seinen letzten Lebensabend zubrachte — in den mehr denn
28 Jahren, in denen es unseren Zwecken diente, trotz aller
Unzukömmlichkeiten in stiller unermüdeter Tätigkeit viel des
Guten an Kranken getan worden.
Dabei wurde hier auch der Ausbau der ophthalmologischen
Wissenschaft nicht vernachlässigt.
So wurde in dem gegen die unruhige Strasse gelegenen
Zimmer, das vormittags als Untersuchungsraum des Ambu¬
latoriums benutzt wurde, nachmittags, abends und oft bis spät
in die Nacht hinein die durch B. v. G u dd e n eingeführte Me¬
thode der Herstellung von Serienschnitten — unseres
Wissens zuerst — auf das Auge übertragen.
Auf diese Weise gelang es z. B. Rieh. Brugger aus einer
Kornea lückenlos weit über 500 Schnitte herzustellen und da¬
durch, dass der einzelne Schnitt nur VA —2 Zellenlagen enthielt,
für die Entstehung der Epithelblasen bei Keratitis
bullosa eine von den bisherigen Anschauungen wesentlich
abweichende und klarere Deutung zu gewinnen.
Hier kamen auch erfolgreich erstmals am Bulbus die je
nachdem als Abkürzung der mikrotechnischen Arbeit wert¬
volle Durchfärbung des Schnittobjektes — in
toto o.der in einzelnen Segmenten — und das
Prinzip der differenzierenden Färbemethoden
(Norris-Shakespeare, Eosin-Hämatoxylin usw.)
zur Anwendung.
Auch die Entfärbung der Iris mit Erhaltung ihrer
feineren Struktur und die Gewinnung einer ununterbrochenen
gleichmässigen Reihenfolge von allerfeinsten Irisflächen-
s c h n i 11 e n, die unter anderem auch den anatomischen
Grund der bei verschiedenen Tierspezies
quer und längsoval gestalteten Pupille auf¬
deckten, wurde nach vielen vergeblichen Versuchen glücklich
zuwege gebracht.
Auch gelang es schon damals u. a. W ü r d i n g e r auf
diese Weise in einer noch heute beachtenswerten und auch
nicht durch spätere Untersuchungen überholten Arbeit die bei
Kokainanästhesie beobachteten unliebsamen Verän¬
derungen der Hornhaut anatomisch zu begründen
und darzutun, wie ihnen wirksam zu begegnen sei.
Hier entstand auch unter Zugrundelegung eines klinisch wie
anatomisch sorgfältig ausgewählten Beobachtungsmaterials, das
in einer Reihe von Jahren gesammelt war. die Monographie
von Herzog Dr. Karl in Bayern „Ueberdiefeineren
pathologisch-anatomischen Veränderungen
des Auges bei Nierenkrankheite n“.
Auch der neue Zweig am Baum ophthalmologischer Wis¬
senschaft : die vergleichende Augenheilkunde
fand in dieser primitiven Arbeitsstätte erstmals eine nachhal¬
tigere Pflege in Studien ophthalmoskopischer, vergleichend¬
anatomischer, teratologischer und pathologisch-anatomischer
Gattung: Studien, die wie die von Ludwig Bruns. August
Pröbsting, Friedrich Rücker t, R. Schultheis s,
Westrum u. A. zumeist in der auf meine Anregung begrün¬
deten und von Prof. Rud. Berlin (Stuttgart später Ro¬
stock) und m i r geleiteten Zeitschrift für verglei¬
chende Augenheilkunde zum Abdruck gelangten.
Ebenso blieben die klinisch-therapeutischen
Tagesfragen nicht unbeachtet; wenn auch vieles nicht ver¬
öffentlicht wurde, was der Mitteilung wert gewesen wäre.
So wurde z. B. schon 1882 bei einer Kranken, bei der sich
an eine von Rothmund tadellos vollzogene Staroperation
eine fibrinös-eitrige Iridozyklitis anschloss, mit Erfolg das
Weiterschreiten der Infektion durch eine systematische
Inunk tionskur mit der Wirkung hintangehalten, dass eine
später vorgenommene Iridokapsulotomie sogar eine sehr gute
zentrale Sehschärfe erzielte.
Auch wurde hier der erste Fall von Chorioretinitis
punctata sympathica beobachtet und abgebildet. Er
blieb aber unbeachtet, weil er nicht in einer Fachzeitschrift,
sondern an einer entlegeneren Stelle: in der Festschrift zum
300 jährigen Jubiläum der Universität Würzburg, veröffentlicht
wurde. Und dergleichen mehr.
Diesen und anderen zahlreichen Arbeiten aus älterer Zeit
reihen sich solche neueren Datums an. Entweder trugen sie,
wie die erste Mitteilung „Ueber den Gebrauch
der Bierschen Stauungshyperämie bei Augen¬
krankheiten“ oder wie die „Ueber die Verwen¬
dung der elektrischen Glühbirne bei krank¬
haften Veränderungen des Auges“ oder wie die
„Beobachtung der Entfernung eines Eisen¬
splitters in der Linse mit Erhaltung ihrer
Durchs ichtigkei t“, zur Erweiterung der klinisch-thera¬
peutischen Kenntnisse bei; oder es handelte sich um Veröffent¬
lichungen, die sich mit diagnostischen, physiolo¬
gisch-optischen oder anatomisch-technischer*
bezw. pathologisch-anatomischen und patho¬
genetischen Fragen aktueller Art beschäftigen.
Auch die medizinische Fakultät hielt die immer
vordringlicher werdende Frage des Neubaues einer Augenklinik
fortgesetzt im Auge.
So erwirkte sie Ende der 90 er Jahre des vorigen Jahr¬
hunderts für eine neue Augenklinik den Ankauf des ehemaligen
städtischen Bauhofes (an der Ecke der Schiller- und der Petten-
koferstrasse).
Es soll hier nicht auseinandergesetzt werden, warum diese r
Platz schliesslich dennoch dafür nicht verwendet wurde, noc\
auch geschildert werden, wie viele andere Möglichkeiten von
mir vergeblich erwogen wurden, einen passenden Ersatz an
anderer Stelle zu gewinnen. Dass schliesslich dennoch eine
glückliche Lösung der Platzfrage und des Bauprogrammes ge¬
funden wurde, ist nicht zum wenigsten dem Entgegenkommen
unserer städtischen Verwaltung und des Kura¬
toriums des Elisabethen-Heil ig-Geistspi-
t a 1 e s zu verdanken.
Durch Verlegung des genannten Spitales in einen Neubau
in Neuhausen wurde ein Flächenraum frei, der sich vermöge
seines Ausmasses und seiner günstigen Lage in einem ruhigen
Stadteil und in der Nähe der übrigen medizinischen Institute
für die Befriedigung der vordringlichsten klinischen Baube¬
dürfnisse der medizinischen Fakultät: Universitäts¬
klinik und Poliklinik für Augenkranke und
Neubau des Reisingerianum als vorzüglich passend
darstellte.
Dass der gegen die Mathildenstrasse zu gelegene nörd¬
liche Abschnitt des Grundstückes für das ophthalmo-
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350
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
logische Institut gewählt wurde, war, abgesehen davon, dass
er sich als besonders geeignet dafür erwies, deshalb vorteil¬
haft, weil hier sofort mit dem Bau begonnen werden konnte
und so der dringende Wunsch des Anstaltsvorstandes, nament¬
lich im Interesse der Kranken, sobald als nur irgend möglich
aus den ungenügenden Räumlichkeiten des alten Hauses in
bessere Verhältnisse zu kommen, der Verwiridichung schneller
entgegengeführt werden konnte. Denn auch der Versuch, eine
provisorische Abhilfe dadurch zu schaffen, dass von dem Nach¬
barhause HerzogspitaLstr. No. 19 ein Stockwerk hinzugemietet
wurde, erwies sich bei der stetig zunehmenden Zahl der statio¬
nären und ambulatorischen Kranken alsbald als unzulänglich.
Dass ich dabei auch ein Gewicht auf die Erhaltung
der Elisabethenkirche, an die sich die sie flankieren¬
den Institute durchaus harmonisch anschliessen. legte, recht¬
fertigt sich sowohl historisch wie künstlerisch.
Denn einmal diente das Gotteshaus mehr als 80 Jahre dem
Heilig-Geistspital, einer wahrscheinlich durch Herzog Lud¬
wig den Kelheimer 1204 gegründeten Stiftungsanstalt.
Andernteils ist in der Kirche, die in der sog. „Lorettoform“ ge¬
baut wurde, der Zopfstil »in München am reinsten vertreten.
Der am 26. Mai 1903 staatsauf sichtlich genehmigte Kauf¬
vertrag über die Erwerbung des Grundstückes wurde am
30. September 1903 — unter dem Vorbehalte der Genehmigung
durch die Kgl. Staatsregierung und die beiden Kammern des
Landtages — notariell verbrieft.
Die drei letztgenannten Instanzen betätigten darnach ihr
förderliches Wohlwollen für die Sache durch eine möglichst
schnelle Instruierung und Beratung des auf den Neubau der Kli¬
nik bezüglichen Budgetantrages.
Zum Spezialkommissär für die Ausführung des bereits am
30. Juni 1904 begonnenen Neubaues wurde der jetzige Mini¬
sterialrat im Kgl. Staatsministerium des Innern Ludwig
v. Stempel ernannt. Als Vorstand des Baubureaus fungierte
der Kgl. Bauamtmann Wilhelm M a x o n; als Bauführer der
Architekt Philipp G e 1 i u s.
Was den Lageplan des neuen Institutes anlangt, so bietet er
eine T-Form dar; so dass die Fassade des Gebäudes mit der
Längsseite (von Nord nach Süd verlaufend) zur Mathilden¬
strasse hinsieht und auf sie senkrecht — von Osten nach
Westen verlaufend — der in den Garten sich hinziehenden Flü¬
gel gerichtet ist.
Alles, was die heutige wissenschaftliche Heilkunde und
Heilkunst in ihren Arbeitsplan aufgenommen, hat in
unserer neuen Klinik Berücksichtigung gefunden: von
der Erwägung geleitet, dass die Augenheilkunde nicht
nur nicht Zurückbleiben darf hinter den anderen Schwe¬
sterdisziplinen, sondern auch verpflichtet ist zu einer
eifrigen Mitarbeit an den bewegenden Fragen von Ge¬
genwart und Zukunft; und zwar einerlei, ob es sich
handelt um die feinere normale menschliche oder ver¬
gleichende Anatomie und Physiologie des Auges oder
um physiologisch- und pathologisch-chemische, bakterio¬
logisch-serologische oder diagnostisch-therapeutische Pro¬
bleme.
Dass insbesondere in unserem Institut für eine wissen¬
schaftliche Arbeitsgelegenheit zu physiologisch-optischen
Studien und zur Erforschung ihrer Bewertung für die
klinischen Fragen in ausgiebigerem Umfange als ander¬
wärts Sorge zu tragen sei, erschien mir unabweis-
lich. Begann doch hier vor gerade 100 Jahren der Glaser¬
lehrling Joseph Fraunhofer durch die Begründung der
Firma Utzschneider, Reichen b ach und Fraun¬
hofer die bahnbrechende Tätigkeit, die ihn, dessen erstes
Ideal gewesen war, lediglich ein guter Brillenmacher zu wer¬
den, in kurz bemessener Lebenszeit auf dem Gebiete der for¬
schenden und der ausübenden Optik zu imvergänglichen Ruhm
emporführtc.
Mit ihm, der, wie die Inschrift seines Grabdenkmals sagt:
„den Sternenhimmel unserer Erkenntnis näher gerückt“, er-
öffnete sich für München ein die Entwicklung unserer natur¬
wissenschaftlichen Beobachtung in ungeahnte Bahnen lenken¬
des Arbeitsfeld, das erst durch Georg Merz, dann vor allem
durch Karl August v. Steinheil und dessen Sohn Dr. Adolf
S t e i n h e i 1 in vielgestaltiger fruchtbringender Art weiter
ausgebaut hier auch heute noch blüht.
Möge in unserem neuen Heim eine derartige unent¬
wegte und selbstlose Arbeit, wie diese Männer sie leisteten,
sich in reichem Masse betätigen. Dann kann dieses Institut,
von dem aus wir tagtäglich hinübersehen können auf die
schlichte Stätte, in der der erste Professor der Augenheilkunde
an unserer Hochschule vor mehr als einem halben Jahrhundert
den Grund zu seiner jetzigen Blüte legte, je länger desto
mehr eine vorbildliche Pflanzstätte geistigen Fortschrittes wie
die Quelle einer segensreichen Tätigkeit für die Aermsten der
Armen werden.
Aerztliche Standesangelegenheiten.
Bemerkungen zu den Vorschriften für das Verfahren
der Aerzte bei den gerichtlichen Untersuchungen von
Leichen (M. B. v. 7. Juli 1908).
Von Landgerichtsarzt Dr. Er dt in München.
Ein halbes Jahr ist seit Inkrafttreten der neuen Vorschriften für
das Verfahren bei gerichtlichen Untersuchungen von Leichen ver¬
flossen und es lässt sich auf Grund der gemachten Erfahrungen wohl
behaupten, dass ein wesentlicher Fortschritt auf dem praktischen Ge¬
biete der gerichtlichen Medizin erreicht wurde.
Die neuen Vorschriften schüessen sich enger an die für das
Königreich Preussen geltenden Bestimmungen vom 4. Januar 1905
an, so dass jetzt in fast allen Bundesstaaten ein im wesentlichen ein¬
heitliches Verfahren eingeführt ist" 1 ).
Nachstehend seien die wesentlichen Unterschiede zwischen der
früheren Instruktion und den jetzigen Vorschriften kurz zusammen¬
gestellt. Die zu den einzelnen Paragraphen gefügten Erörterungen
entsprechen teils Erwägungen, welche sich mir beim Vollzüge unwill¬
kürlich aufdrängten, teils Versuchen, w'elche ich anstellte, um eine
möglichst praktische Handhabung zu erzielen. Die Veröffentlichung
derselben -dürfte namentlich auswärtigen Kollegen, welche gerichtliche
Obduktionen meist im Landbezirke ausführen, nicht unwillkommen
sein.
Die allgemeinen Bestimmungen der Vorschriften für das Ver¬
fahren der Aerzte bei den gerichtlichen Untersuchungen an Leichen
enthalten, der Strafprozessordnung entsprechend, keine wesentliche
Aenderung.
Zu der Beiziehung des zweiten Arztes (§ 2) sei im Hinweis
auf die M. B. vom 20. Januar 1904 die Bemerkung gestattet, dass
sowohl, was Zweck der gerichtlichen Obduktion anlangt, als auch in
Bezug auf Zeitersparnis, ein Punkt, der besonders bei grossen Ent¬
fernungen und an trüben Wintertagen ins Gewicht fällt, das beste
Resultat wohl dann erreicht wird, wenn der zweite, sezierende Arzt
ein mit der Technik jahrelang vertrauter und in der Gerichtspraxis
eingearbeiteter Kollege ist. Ein öfterer Wechsel in dieser Hinsicht
verzögert die sichere Ausführung der Obduktion und erschwert
dem Qerichtsarzte erheblich die Feststellung des Befundes, wie ich
auf Qrund meiner früheren Erfahrungen nur bestätigen kann.
§ 4 Ziffer 2 bildet eine wichtige Ergänzung im Verfahren bei
Exhumierungen, wenn der Verdacht auf eine Vergiftung vorliegt.
Zu § 5: Die Instrumente erhielten eine Vermehrung durch den
Metallkatheter, dagegen kam -die Spritze in Wegfall.
Zu § 11. Die mikroskopische Untersuchung während oder un¬
mittelbar nach der Obduktion dürfte nur in besonderen Fällen aus¬
geführt werden können, z. B. beim Vorhandensein grösserer Sektions¬
lokale (in Krankenhäusern, wo geeignete Beleuchtung und ein gutes
Mikroskop zur Verfügung steht). Das Mitschleppen eines Mikroskops
in dem nichts weniger als handlichen Instrumentenkasten, zu welchem
meist der ominöse, viereckige „Giftkasten“ sich gesellt, erübrigt sich
bei Obduktionen auf dem Lande schon dadurch, dass eine ent¬
sprechende, wenn auch noch so einfache mikroskopische Unter¬
suchung in den kleinen dunklen Bauernstuben, oft Scheunen, in
welchen die Obduktion eben gerade noch ausführbar ist, unmöglich
wird. Man wird deshalb in kleinen Gläschen mit Schraubenverschluss
Blut, Flüssigkeiten, Gewebsstückchen, letztere in lOproz. Formaiin-
lösung, mit nach Hause nehmen und dort in Ruhe untersuchen, falls
eine Einsendung an das Kgl. Medizinalkomitee (Anhang III) nicht ge¬
boten erscheint. Besonders ist dies zu empiehlen, wenn Verdacht
auf Fettembolie u. dergl. vorhanden ist. Die Mitnahme eines Fläschchens
Formalin zur Bereitung einer lOproz. Lösung und zwei kleinerer
Gläschen sollte bei keiner Obduktion versäumt werden.
Zu § 13 u. ff.: Bei der inneren Besichtigung sind unter § 15
Ziffer 1 und § 19 Ziffer 8: praktische Schnittmethoden, abweichend
von dem gewöhnlichen Kinnschnitte angegeben, welche die Ueber-
sicht über die Halsorgane ausserordentlich erleichtern.
Zu § 20: Die in den neuen Vorschriften empfohlene Reihenfolge
bei der Untersuchung der Bauchorgane weicht von der früher
*) Nur Württemberg und Baden hatten bis 1908 noch ab¬
weichende Vorschriften.
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16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
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üblichen darin ab, dass statt Dünn- und Dickdarm, Magen, Zwölf¬
fingerdarm, Leber, Pankreas und Milz, Geschlechtsorgane nun zu¬
erst Milz, dann Nieren und Nebennieren, Harnblase, Geschlechts¬
organe, Mastdarm, nach diesen Duodenum und Magen, Leber, Pankreas
und die Därme untersucht werden. Das Verfahren nach § 2u Ziffer 2
hat sich uns in allen Hüllen als praktisch erwiesen, da nach Unter¬
bindung und Herausnahme der Därme die Uebersicht über die Bauch¬
organe und grossen Gefässe sehr erleichtert wird. Dies ist be¬
sonders der Fall bei Verletzungen der grossen Blutgefässe des Kreuz¬
beins und der Beckenknochen, wo die meist blutige Infiltration der
Weichteile auf den Sitz der Verletzung hinweist. Empfehlenswert ist
es, ausser den im Anhang IV B verzeichneten Durchschnittsgewichten
der Organe sich auch die Druchschnittsmasse zum Vergleiche mit
den Vorgefundenen Massen zu notieren.
Zu § 21: Bei Vergiftungen sind ausser den 4 grossen Gefässen
des „Giftkastens“ nach den neuen Vorschriften noch mehrere kleine
nötig. Diese können im Hintransporte in den grösseren Gläsern ver¬
packt werden, nach ihrer Füllung findet man wohl überall ein
Kistchen und bereitwillige Hände zur Verpackung und Einsendung.
Als Verpackungsmaterial benützen wir Häcksel, Sägmehl, Papier
u. dergl. Das Kistchen wird ebenso mit dem Amtssiegel versehen,
wie der Giftkasten. Man benötigt 4—5 kleinere Giäser und zwar für
Blut aus den Gefässen, Dickdarm und Kot, Nieren, event. rechte und
linke gesondert, Harn. Die 4 grossen Gefässe sind für Teile der
Lunge, des Herzens, der Milz und des Gehirns, Magen, Speiseröhre,
Därme und Inhalt, Leber und Gallenblase zu verwenden. Bleibt ein
grosses Glas frei, so können 2 kleinere wieder darin Platz finden,
ln der Praxis sind diese Neuerungen leicht ausführbar.
Zur eventuellen bakteriologischen Untersuchung (bei Verdacht
auf Botulinvergiftung, bei Sepsis usw.) hat sich mir ein einfacher
Apparat, den ich bei Obduktionen stets
mitführe, als zweckentsprechend erwiesen
(vide auch Anhang III der Vorschriften).
Derselbe besteht aus einer 23 cm
langen, runden Messinghülse, 5 1 /« cm
im Durchmesser, deren Deckel durch
Bajonettverschluss fest angepresst ist. Im
Innern ist an 2 Messingträgern in der
Mitte der Hülse ein Ring angebracht, in
welchen ein Reagenzglas mit den nötigen
Kapillarröhrchen Platz findet. Der Pfropfen
dieses Glases wird durch einen Stift im
Innern des Deckels festgehalten. Rings
um das Reagenzglas kann Schnee oder
. Eis in kleinen Stückchen, mit Salz ver-
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a Aussenseite
b Durchschnitt • gebracht werden. l )
Eine Vereinfachung des „Giftkastens“ ist mir nicht gelungen; die
chemische Untersuchung benötigt eben einer gewissen Menge und die
darnach berechneten Gläser bedürfen eines guten Schutzes beim
Transport auf holperigen Wegen. Ein Versuch, die grösseren Gläser
in einer Reihe anzuordnen, ergab ein noch grösseres Gewicht des
Kastens, wie bisher.
Wohl alle Kollegen werden die grosse Verbesserung geschätzt
haben, welche die Anwendung von Formalin statt des früheren Wein¬
geistes mit sich bringt. Die leichte Herstellung der Lösung, die treff¬
liche Konservierung der Objekte, machen das Formalin unentbehr¬
lich. Professor Dr. Dürck hat schon 1906 (Münch, med. Wochen¬
schrift No. 30) darauf hingewiesen.
Zu § 22: Die Vorschriften über Oeffnung der Leichen Neu¬
geborener sind im Vergleiche zu den früheren etwas knapper gehalten,
im wesentlichen jedoch die gleichen.
Zu § 29, Ziffer 5: Diese lautet: „Das begründete Gutachten muss
von beiden Gerichtsärzten unterschrieben und wenn ein beamteter
Arzt die Leichenöffnung vorgenommen hat, mit dessen Amtssiegel
versehen sein“. Diese Fassung ist gleichlautend dem § 30 der preus-
sischen Vorschriften. Nach der früheren Fassung hatte das Schluss¬
gutachten nur derjenige Sachverständige, von welchem es erholt
wurde, zu unterschreiben und, wenn es ein Amtsarzt war, mit dem
Amtssiegel zu versehen. In der Regel wird das motivierte Schluss¬
gutachten von dem Landgerichtsarzte auf Grund des Obduktions¬
ergebnisses unter Bezugnahme auf die einzelnen Erhebungen erstattet.
Mit der Unterzeichnung des Schlussgutachtens durch den 2. Arzt
bekundet dieser sein Einverständnis mit den im Gutachten nieder-
gelegten Schlussfolgerungen. Er wird deshalb verlangen müssen,
dass auch ihm das gesamte Aktenmaterial vorgelegt wird. Nach den
preussischen Vorschriften hat der 2. Arzt, falls er abweichender
Ansicht ist, dies in einem besonderen Obduktionsbericht zu be¬
gründen. Dies wird wohl auch in Bayern gefordert werden müssen.
Entsprechend der von der Obduktion unabhängigen Tätigkeit, welche
jeweils vom Richter eigens erfordert wird, dürfte dann, wenn ein
Nichtamtsarzt als 2. Arzt fungierte, für die Mitunterzeichnung eines
Schlussgutachtens eine besondere Liquidation statthaft sein. (Ziffer 8
der Gebührenord. f. ärztl. Dienstl. bei Behörden K. A. V. vom
17. November 1902.)
’) Die Hülse ist samt Zubehör bei Böhm und Wied e m a n n,
München, erhältlich.
Vorschriften für das Verfahren der Aerzte bei ge¬
richtlichen Untersuchungen von Leichen.
Die mit Ministerialbekanntmachung vom 9. Dezember 1880
(JMBI. 1881, S. 6, MAB1. 1880, S. 431) erlassene „Instruktion für das
Verfahren der Aerzte im Königreich Bayern bei der gerichtlichen
Untersuchung menschlicher Leichen“ ist umgearbeitet unter dem
Titel „Vorschriften für das Verfahren der Aerzte bei gerichtlichen
Untersuchungen von Leichen“ mit Ministerialbekanntmachung vom
7. Juli 1908 als Beilage 14 des MAB1. und als Anlage zu Stück X des
JMBI. veröffentlicht worden; es erscheint deshalb die frühere In¬
struktion sowohl wie auch die Ministerialbekanntmachung vom
9. Dezember 1880 als aufgehoben.
Die Vergleichung der neuen Vorschriften samt der neuen Ver¬
öffentlichungsbekanntmachung vom 7. Juli 1908 (JMBI. 1908, S. 152)
mit der bisherigen Instruktion samt der bisherigen Veröffentlichungs¬
bekanntmachung vom 9. Dezember 1880 (JMBI. 1881, S. 6) gibt zu
einem doppelten Bedenken Anlass.
I. Die neue Veröffentlichungsbekanntmachung vom 7. Juli 1908
enthält keinerlei nähere Weisung; sie stellt lediglich die Tatsache der
erfolgten Umarbeitung und der nunmehr veranlassten Veröffentlichung
fest. Die bisherige Veröffentlichungsbekanntmachung vom 9. Dezem¬
ber 1880 dagegen enthielt eine wichtige Unterscheidung in ihrem
Abs. 3 welcher lautete:
„Die in den §§ 1—4, 6—12, 13 Abs. 1, 27—33 dieser In¬
struktion enthaltenen Anordnungen sind als bindend anzusehen. '
Den übrigen Bestimmungen der Instruktion kommt zwar die Eigen¬
schaft bindender Vorschriften nicht zu, im Interesse einer ge¬
deihlichen Strafrechtspflege und der wünschenswerten Gleich-
mässigkeit des Verfahrens muss aber den beteiligten Aerzten gleich¬
wohl auf das Dringendste empfohlen werden, auch diese Bestim¬
mungen tunlichst genau zu beobachten.“
Es fragt sich nun, ob diese Unterscheidung nach der bisherigen
Veröffentlichungsbekanntmachung vom 9. Dezember 1880 in bindende
und in nichtbindende Anordnungen der Instruktion gegenüber der
diese Unterscheidung weder ausdrücklich erneuernden, noch aus¬
drücklich aufhebenden neuen Veröffentlichungsbekanntmachung vom
7. Juli 1908 hinsichtlich der umgearbeiteten Vorschriften fortbesteht
oder nicht.
So sehr der Inhalt der neuen Vorschriften mit jenem der bis¬
herigen Instruktion sich deckt und in der Hauptsache auch Ueberein-
stimmung in der äusseren Einteilung der beiden Anweisungen besteht,
so ist doch in der Textanordnung wenigstens bezüglich der früheren
§§ 27—33 eine so wesentliche Verschiebung eingetreten, dass von
einer analogen Anwendung des Abs. 3 der bisherigen Veroffent-
lichungsbekanntmachung vom 9. Dezember 1880 auf die umgear¬
beiteten Vorschriften ohne weiteres wohl nicht zu sprechen ist. Es
dürfte daher eine ausdrückliche Erwähnung und eine Anpassung an
die neue Ziffernfolge der Vorschriften in der neuen Veröffentlichungs¬
bekanntmachung im Ergänzungswege zu erfolgen haben, wenn — wie
nach Sachlage wohl anzunehmen ist — die bisherige Unterscheidung
in bindende und nichtbindende Anordnungen auch bezüglich der umge¬
arbeiteten Vorschriften beibehalten sein soll.
Für Einhaltung der bindenden Vorschriften ist der die Leichen¬
öffnung leitende Richter verantwortlich; er muss von vornherein vor
Meinungsverschiedenheiten mit den beigezogenen Aerzten über den
notwendigen Bestandteil der Amtshandlung gesichert sein. Dies kann
nur dadurch erreicht werden, dass die bindenden Anordnungen auch
der neuen Vorschriften ziffernmüssig bestimmt werden.
Es geht auch nicht an, zu sagen, mangels einer erneuten Unter¬
scheidung seien eben die umgearbeiteten Vorschriften in ihrem ganzen
Umfang bindende Anordnungen; dagegen spricht der Gesamtinhalt der
Vorschriften, der sich als Anordnung für alle möglichen Einzel¬
fälle, die sich wohl seltenst oder gar nie zu einem Einheitsfall ver¬
dichten werden, zusammensetzt. Für den der Regel nach gegebenen
Einzelfall sind natürlich nicht alle Anordnungen der umgearbeiteten
Vorschriften bindende Bestimmungen. Es erübrigt daher nichts als
erneute ziffernmässige Aufführung des bindenden Teils der neuen
Vorschriften.
II. Der früher und jetzt von den „Vergiftungsfallen“ handelnde
§ 21 war in der Instruktion in Abs. 12 ergänzt durch die Ministerial¬
bekanntmachung vom 8. Dezember 1891 (JMBI. 1892, S. 1), welche
bestimmte:
„Bei Verdacht auf Vergiftung mit Phosphor, Karbolsäure und
Jodoform sind die zur mikroskopischen Untersuchung bestimmten
Teile menschlicher Leichen durch Uebergiessen mit konzentrierter
Kochsalzlösung (Einpöckeln) zu konservieren und so dem Richter
zur weiteren Veranlassung zu übergeben.“
Diese Sonderbestimmungen enthalten die umgearbeiteten Vor¬
schriften nicht mehr, ohne dass sie durch die Veröffentlichungs¬
bekanntmachung vom 7. Juli 1908 au^Irücklich aufgehoben wäre;
auch Anhang III schweigt sich darüber aus. Eine stillschweigende
Aufhebung wäre nach der wohlbegründeten Abänderung der Ein¬
leitungsworte des § 21, wo an Steile des Wortes „Vergiftung“ der
genauere Ausdruck „Vergiftung vom Munde aus“ getreten ist, nicht
gerade ausgeschlossen; es könnte ja auch das in der Ministerialbe-
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Original fr am
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
352
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
kanntmachung vom 8. Dezember 1891 angeordnete technische Ver¬
fahren des Einpöckelns bei Verdacht auf Phosphor-, Karbolsäure- und
Jodoformvergiftung inzwischen medizinisch-wissenschaftlich und ins¬
besondere zugunsten der Formalinbehandlung veraltert sein: der
Richter kann dies nicht von sich aus nachprüfen. Andererseits aber
könnte eine Ausserachtlassung der Vorschrift über die etwa doch
auch heute noch technisch richtige Methode des Einpöckelns bei Ver¬
dacht auf Phosphor-, Karbolsäure- und Jodoformvergiftung für die
Strafrechtspflege im einzelnen misslich und verhängnisvoll werden;
dies um so mehr, als es sich um leicht zugängliche Giftstoffe und
deshalb um objektiv naheliegende Möglichkeit solcher Vergiftungsfälle
handelt. Ist die Vorschrift vom 8. Dezember 1891 noch gültig, so
gehört sie der Vollständigkeit wegen in die umgearbeiteten Vor¬
schriften und zwar unter ihren § 21, Abs. 4 aufgenommen. Ist die
Vorschrift vom 8. Dezember 1891 aber, was kaum anzunehmen ist,
medizinisch-wissenschaftlich veraltert, so gehört sie ausdrücklich
aufgehoben.
In dem einen Falle ist eine Ergänzung der Vorschriften selbst,
in dem anderen eine Ergänzung der Veröffenthchungsbekanntmachung
vom 7. Juli 1908 erforderlich; auf keipen Fall aber ist die derzeitige
Fassung der Vorschriften und der Veröffentlichungsbekanntmachung
für die Sachlage genügend.
Deggendorf, 14. Januar 1909.
August E i b e c k e r, Kgl. Amtsrichter.
Bücheranzeigen und Referate.
Darwin. Seine Bedeutung im Ringen um Weltanschau¬
ung und Lebenswert. 6 Aufsätze von W. Bölsche, Bruno
Wille, Eduard David, Max A p e I, Rud. P e n z i g und
Friedrich Naumann. 8 °. Berlin-Sohöneberg. Euchverlag
der Hilfe. 123 Seiten. Preis 1 M.
Sechs hervorragende Forscher haben sich in dem kleinen,
überaus empfehlenswerten Büchlein zur Ehrung des grossen
englischen Naturforschers anlässlich der hundertsten Wieder¬
kehr seines Geburtstages zusammengetan. Bölsche be¬
handelt Darwins Vorgänger (Goethe, Lamarck u. a.),
Wille betitelt seinen Beitrag „Wie die Natur zweckmässig
bildet“, David bespricht den Darwinismus und die soziale
Entwicklung, A p e 1 Darwinismus und Philosophie, P e n z i g
Darwinismus und Ethik und Naumann das heikle Kapitel
Religion und Darwinismus. S o b o 11 a - Würzburg.
Dr. G. Schmor 1: Die pathologisch-histologischen Unter¬
suchungsmethoden. Vierte, neu bearbeitete Auflage. Leipzig,
Verlag von F. C. W. Vogel, 1907. Preis: M. 8.75.
Die neue Auflage des beliebten S c h m o r 1 sehen Buches
ist, obwohl die Grundanlage die gleiche geblieben ist, doch sehr
wesentlich verändert und erweitert. Namentlich wurden die
Abschnitte über die Untersuchung der Verkalkung, des Blutes
und der blutbildenden Organe und das Kapitel über die Pro¬
tozoen entsprechend den Fortschritten, welche die Unter¬
suchungsmethoden gerade auf diesen Gebieten in den letzten
Jahren gemacht haben, völlig umgearbeitet. Die Gefrierme¬
thode, welche durch ihre grosse Vervollkommnung ganz be¬
sonders an Bedeutung gewonnen hat, ist in der neuen Auflage
in einem eigenen Kapitel behandelt. Auch die Untersuchung
bei Dunkelfeldbeleuchtung und die Untersuchung von Spiro¬
chäten wurden durch Einfügung eines besonderen Kapitels be¬
rücksichtigt.
Ein grosser Vorzug des Buches ist es, dass von den vielen
inzwischen wieder veröffentlichten Färbe- und sonstigen Me¬
thoden nur solche aufgenommen wurden, welche siich dem
Verf. auf Grund eigener Nachprüfung für pathologisch-histo¬
logische Zwecke als zuverlässig erwiesen haben.
Das Schmo rische Werk leistet für pathologisch-histo¬
logische Untersuchungen so ausgezeichnete Dienste, dass es in
keinem pathologisch-histologischem Laboratorium fehlen sollte.
Dr. G. Hauser.
H. Strasser: Lehrbuch der Muskel- und Gelenk¬
mechanik. 1 . Band allgemeiner Teil mit 100 Textfiguren.
Berlin, Verlag von Julius Springer, 1908. Preis 7 M.
Das Verständnis für die Bewegungen der Gelenke und die
T ätigkeit der Muskeln wird erschlossen durch die Lehren der
Mechanik. Alle Aerzte, deren Arbeitsgebiet nähere Beziehung
zu den Muskeln und Gelenken hat, sollten deshalb mit deren
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Mechanik vertraut sein. In Wirklichkeit besitzen aber nur
wenige Anatomen und Physiologen diese Kenntnisse. Ganz
ungenügend aber ist das Wissen derjenigen Aerzte, welche
tagtäglich in der Praxis mit der Muskel- und Gelenkmechanik
zu tun haben. Ich meine die Chirurgen und Orthopäden, welche
bei der Bildung neuer Gelenkflächen in ankylotischen Gelenken
oder bei der Sehnenverpflanzung oder bei der Behandlung der
Belastungsdeformitäten, der X- und O-Beine, der Plattfüsse etc.,
so dringend die Kenntnisse der Mechanik brauchen könnten und
in Wirklichkeit so wenig davon wissen.
Diesem Missstande will das vorliegende Buch des Berner
Anatomen Strasser abhelfen. Der bisher erschienene
1. Band, allgemeiner Teil, bringt zunächst die Grundlagen der
Mechanik, dann werden die allgemeinen Verhältnisse des
Skeletts und der Muskeln und endlich die allgemeinen Probleme
der Gelenk- und Muskelmechanik besprochen.
Die schwierige Aufgabe, den spröden Stoff der Mechanik
in einer für den Arzt leicht verständlichen Weise zu behandeln,
hat der Verfasser in vorzüglicher Weise gelöst.
Die Hoffnung des Verfassers, dass sich auch der Durch¬
schnittsmediziner eingehender mit dem Studium der Mechanik
befassen würde, wird sich vielleicht nicht in vollem Umfange
erfüllen. Aber die Aerzte, die sich mit der Muskel- und
Gelenkmechanik theoretisch oder praktisch zu beschäftigen
hatten, werden gern zu einem Buche greifen, das tatsächlich
einem dringenden Bedürfnis entspricht, und das einen vor¬
trefflichen Führer auf dem für den Arzt etwas glatten Parkett
der Mechanik bildet. F. L a n g e - München.
A. O no d i - Ofen-Pest: Das Gehirn und die Nebenhöhlen
der Nase. Mit 63 Tafeln nach photographischen Aufnahmen.
Alfred Holder. Wien und Leipzig 1908. Preis 10 Mark.
Auf 63 instruktiven Tafeln wird das Nachbarverhältnis des
Gehirns zu der Stirnhöhle, Keilbeinhöhle und den Siebbein¬
zellen klargelegt. Die Tafeln sind z. T. photographische Auf¬
nahmen von Frontal- und Sagittalschnitten durch Hirn und
Nase, z. T. ist die durch Röntgenaufnahme festgestellte Aus¬
breitung der Nebenhöhlen auf das Gehirn projiziert. Auch
einige Aufnahmen der Stirnhöhlen von Knochenschädeln mit
Röntgenstrahlen und mit elektrischem Licht sind reproduziert.
Stirnhöhle und Siebbeinzellen entsprechen meist dem Ge¬
biete des Stirnlappens, sie können sich aber auch bis zum
Schläfelappen und bis zum Stirnlappen der anderen Seite er¬
strecken. Die Keilbeinihöhle liegt im Gebiete des Tuber cine-
reum und des Schläfelappens, kann sich aber auch bis zur
Brücke ausdehnen.
Bei der explorativen Hirnpunktion von der Stirnhöhle aus
soll in der Höhe bis zu 18 mm oberhalb des Bodens der vor¬
deren Schädelgrube die Nadel nicht tiefer als 4—5 cm und
20 mm über der Gehirnbasis nur 2—3 cm tief eingestossen wer¬
den, da sonst der Seitenventrikel und die Ganglien verletzt
werden können.
In der Einleitung bestätigt Onodi die Seltenheit der
rhinogenen Hirnabszesse. Unter 13 400 Sektionen, über die er
berichtet, fanden sich nur 4, während otitische zerebrale Kom¬
plikationen darunter 45 vorhanden waren.
Die Ausstattung ist vorzüglich. Scheibe.
Max Kaufmann: Beiträge zur Pathologie des Stoff¬
wechsels bei Psychosen. Erster Teil: Die progressive Para¬
lyse. (Aus der Universitätsklinik Halle a. S.) Mit 9 Kurven¬
tafeln im Text. Jena, Verlag von Gustav Fischer, 1908.
188 Seiten. Preis 6 M.
Das Buch bringt die ausführlichen Berichte über Stoff¬
wechseluntersuchungen bei einer Reihe von Fällen von pro¬
gressiver Paralyse. Diese Untersuchungen werden als noch
nicht abgeschlossen, als Fragmente bezeichnet, die vor allen
Dingen das Interesse für die naturwissenschaftliche Art der
Beobachtung von Geisteskranken wachrufen und dazu anregen
sollen, ausser der progressiven Paralyse auch alle übrigen
Geisteskrankheiten physiologisch-chemisch zu durchforschen,
um aus den vergleichenden Untersuchungen event. Schlüsse
für die einzelnen Psychosen ziehen zu können. Verf. will die
physiologisch - chemischen Untersuchungsmethoden in den
Orifinal from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
353
Vordergrund der ganzen psychiatrischen Tätigeit stellen, be¬
sonders im Hinblick auf die Vorteile, die die innere Medizin
mit der modernen Untersuchungsmethode erzielt hat und im
Hinblick darauf, dass vor allen Dingen die Therapie dadurch
eine viel rationellere, eine wissenschaftliche, geworden ist.
Die Berichte enthalten eine Fülle interessanter Einzelheiten,
auf die alle einzugehen, wir uns versagen müssen. Sie müssen
im Original studiert werden.
Als wichtig sei hervorgehoben, dass bei der progressiven
Paralyse oft vorübergehend eine Störung der Oxydation ge¬
funden wurde, die sich in der Ansammlung von chemischen
Zwischenprodukten äussert. Das „aseptische Fieber“ kann,
wie Verf. annimmt, zuweilen durch solche, vielleicht körper¬
fremde Stoffe, hervorgerufen werden und dann dieselben durch
eine erhöhte Oxydation beseitigen. Eines der wichtigsten Pro¬
bleme scheint die Ergründung des paralytischen Fiebers zu sein.
Eine wiederholte Temperatursteigerung ohne körperliche Ur¬
sachen ist für den Verf. immer ein Grund, den Fall als schwer¬
verlaufend anzunehmen.
Die Frage der gestörten Wasserbilanz bei Geisteskranken
wird als eine der wichtigsten in der ganzen Psychiatrie be¬
zeichnet. Dieselbe scheint besonders bei akuten Fällen ge¬
stört zu sein. Verf. hält es nach seinen Beobachtungen für sehr
wahrscheinlich, dass solche Fälle wohl durch geeignete Mittel
gebessert, event. sogar vor dem Exitus bewahrt werden
könnten, wenn es gelänge, wenn auch nur vorübergehend,
den Organismus zu befähigen, das nötige Wasser zu retinieren.
Wasserzufuhr, auch subkutan, hat keinen Erfolg. Aus ein¬
wandsfreien Beobachtungen gehe hervor, dass durch das
Natrium lacticum, wahrscheinlich überhaupt durch schwerver¬
brennliche Salze, die Gewichtszunahme und die Wasser¬
retention gesteigert werden können, wodurch dann die Kranken
bedeutend ruhiger würden. Deshalb sei es gerechtfertigt, bei
solchen verzweifelten Fällen, die rapid abnehmen und das Bild
vollkommener Austrocknung bieten, irgend ein pflanzensaures
Salz, event. subkutan, beizubringen.
Beim Paralytiker erweist sich im Stoffwechsel die An¬
passungsfähigkeit als stark gestört.
Für die Frage, ob das kranke Gehirn den Stoffwechsel be¬
einflusst oder ob umgekehrt die Veränderung des Stoffwechsels
das Gehirn krank macht, hat bei dem bisher vorliegenden Ma¬
terial die Annahme eines Circulus vitiosus die meiste Berechti¬
gung, dass also das kranke Gehirn den Stoffwechsel verändert
und dass die Stoffwechselgifte wieder auf das Gehirn nachteilig
wirken. Hier hat die Therapie einzusetzen. Gelingt es näm¬
lich, Zwischenprodukte des Stoffwechsels zu eliminieren, ge¬
lingt es, den nachteiligen Einfluss des kranken Herzens auf die
Funktion des Organismus zu paralysieren, so ist eher die Mög¬
lichkeit der Heilung gegeben.
Bei der Paralyse empfiehlt sich, wenn auch nicht zur
Heilung, so doch um den Eintritt einer, event. weit gehenden
Remission zu erzielen oder rascher herbeizuführen, der Ver¬
such einer zweckentsprechenden Ernährungstherapie und zwar
einer eiweissarmen Kost, da überreichliche Eiweisszufuhr auf
Grund vieler Versuche bei Paralytikern unter Umständen
schwere Fieberattacken und grosse psychische Erregung her¬
vorruft.
Ferner müsse man sich die günstigen Erfolge eines bak¬
teriellen Fiebers ohne dessen Schädlichkeiten therapeutisch für
die Psychosen zunutze machen. Man muss auf Mittel sinnen,
um das Oxydationsvermögen zu heben. Von der erst in
neuerer Zeit mehr beachteten Katalyse, der Einleitung kata¬
lytischer Vorgänge, überhaupt von der physikalischen Chemie
glaubt Verf. sich für später therapeutisch noch viel versprechen
zu dürfen.
Bei der Indikanurie der Geisteskranken, der ein Kapitel ge¬
widmet ist, soll die Affektion des Nervensystems als primäre
Ursache nicht ganz von der Hand zu weisen sein; sie sei aber
auch noch nicht allgemein bewiesen.
Die rasche Gerinnbarkeit und der vermehrte Fibringehalt
des Bluts, besonders bei solchen Paralytikern, die oft von para¬
lytischen Anfällen heimgesucht werden, muss die anatomische
Forschung anregen, zu untersuchen, ob nicht besondere Stö¬
rungen im Gefässystem des Gehirns sich nachweisen lassen.
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Ueber Untersuchungen des Blutes im einzelnen und der
Lumbalflüssigkeit wird in besonderen Kapiteln berichtet.
(Einem Paralytiker wurden an 4 aufeinander folgenden Tagen
insgesamt 191 ccm Lumbalflüssigkeit abgelassen! Ref.)
Die progressive Paralyse hat mit den hebephrenischen Er¬
krankungen manche Analogien des Stoffwechsels.
Wie weit sich die progressive Paralyse auch physiologisch¬
chemisch aus den anderen Geisteskrankheiten heraushebt, ver¬
spricht Verf. später bei der Besprechung der Gesamtresultate
seiner Stoffwechseluntersuchungen dartun zu wollen.
Germanus F1 a t a u - Dresden.
Max Kauffmann: Beiträge zur Pathologie des Stoff¬
wechsels bei Psychosen. Zweiter Teil: Die Epilepsie. (Aus
der Universitäts-Nervenklinik in Halle a. S.) Mit 6 Kurven¬
tafeln im Text. Verlag von Gustav Fischer. Jena 1908.
199 Seiten. Preis 6 Mark.
Das Buch bringt in ausführlicher Darstellung die Resultate
sorgfältiger Stoffwechseluntersuchunigen bei fünf Fällen von
Epilepsie, die auch, wenn auch nur vorübergehend, Symptome
geistiger Störung zeigten. Bei diesen Versuchen wurde auch
besonderer Wert auf eingehende Beobachtung der Körper¬
temperatur gelegt und auf die physiologisch-chemische Unter¬
suchung des Blutes und der Lumbalflüssigkeit. Bei der Mannig¬
faltigkeit der Stoffwechselstörungen bei der Epilepsie und den
vielen zum Teil sehr interessanten Einzelheiten der Arbeit ist es
nicht möglich, die Untersuchungsergebnisse und die vom Verf.
hieraus für die Aetiologie der Epilepsie und für die Auslösung
der epileptischen Anfälle gezogenen Schlüsse in befriedigender
Weise in der gedrängten Kürze eines Referates zu übersicht¬
licher Veranschaulichung zu bringen. Deshalb seien alle, die
sich für die moderne Richtung der physiologisch-chemischen
Erforschung der Geisteskrankheiten interessieren, auf das Stu¬
dium des Originals verwiesen.
Germanus F1 a t a u - Dresden.
E. Czaplewski: Kurzes Lehrbuch der Desinfektion.
Dritte umgearbeitete Auflage. Bonn 1908. M. Hager.
In der neuen Auflage wurden eine Reihe von Aenderungen
und Umarbeitungen vorgenommen, wobei das deutsche Reichs¬
gesetz zur Bekämpfung ansteckender Krankheiten, sowie das
preussische Landesgesetz zur Bekämpfung übertragbarer
Krankheiten eingehend berücksichtigt wurde. Auch die Kon¬
trolle der Dampfdesinfektionsapparate ist entsprechend den
neueren Forschungen, bei denen der Verf. selbst mitgewirkt
hat, vollständig umgearbeitet. Das Buch ist zur Unterstützung
bei Desinfektorenkursen, sowie zur raschen Orientierung für
Aerzte, Medizinal- und Verwaltungbeamte und für Desinfek¬
toren sehr zu empfehlen, da es wissenschaftlich und dabei doch
allgemein verständlich ist. • Dieudonne.
Korrad Cohn: Kursus der Zahnheilkunde. IV. Auf¬
lage. Berlin 1908. Fischers med. Buchhandlung. 792 S.
16 Mark.
Die Neuauflage des vorliegenden Buches hat in ver¬
schiedenen Kapiteln Erweiterungen erfahren, die besonders
beachtenswert sind: so bei der Lokalanästhesie die Methodik
der regionären Anästhesie; die eingehendere Abhandlung der
Abwehrmittel des Körpers gegen Bakterieninvasion; einige
neuangewendete Arzneimittel und eingehendere Besprechung
der Wurzelbehandlung resp. Wurzelfüllung, wobei in erster
Linie das früher nie erwähnte Zement — dem Ref. bereits 1893
in der Deutsch. Monatsschr. f. Zahnheilkunde das Wort redete
— als bestes Füllungsmaterial genannt wird. Im übrigen ist
dem hoc loco 1906, S. 322 Gesagten nichts beizufügen.
Brubacher.
Goethes naturwissenschaftliche Philosophie und Welt¬
anschauung. Mit ausführlichen Belegen aus seinen Werken.
Von Brix Förster. Annaberg, Erzgebirge, Grasers Ver¬
lag (R. Liesch e) 1909. 128 Seiten. Preis M. 2.80.
Vornehmlich zwei Aufgaben hat sich der Verfasser der
vorliegenden Schrift gestellt: Einmal aus sämtlichen Werken
Goethes dessen Aussprüche oder sonstige Aeusserungen
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
354
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
über Philosophie, Religion, naturwissenschaftliche Ansichten
zusammenzustellen und zweitens dem inneren Zusammenhänge
dieser Aeusserungen unseres Dichterfürsten nachzuspüren.
Mit unendlichem Sammelfleisse ist dieses Material aufgesucht,
kritisch gesichtet und systematisch gruppiert. F. kommt .auf
Grund dieses Quellenstudiums zur Ueberzeugung, dass Wolf¬
gang der Einzige in seiner Grundauffassung der Welt Pantheist
gewesen ist und dass der grosse Heide seit 1780 sicher niemals
ein Anhänger des christlichen Kirchenglaubens war. Durch die
höchst mühevolle Zusammenstellung der Originaläusserungen
Goethes, welche jedem ermöglicht, sich auf Grundlage der¬
selben seine eigene Meinung über die naturwissenschaftliche
und philosophische Auffassung Goethes zu bilden, hat sich
der Verf. der Studie entschieden umsomehr ein grosses Ver¬
dienst erworben, als gerade auch solche Aussprüche angeführt
sind, welche nicht tagtäglich in der sonstigen Goetheliteratur
wiederkehren. Dr. Grassmann -München.
Schule der Elektrizität. Gemeinverständliche Darstellung
der Elektrik und ihrer Anwendungen nach den modernen An¬
schauungen und Plaudereien über die neuen Strahlungen.
Nach G. Claude, L’Electricite pour tout le monde. Für
Deutschland bearbeitet von Wa. O s t w a 1 d. Mit über 400
Abbildungen und Tafeln. Leipzig 1909. Verlag von Dr.
Werner Klinkhardt. Preis M. 8.—.
Bei der allgemeinen Bedeutung, welche die Elektrizität
heutzutage für unser ganzes Leben gewonnen hat, sind Werke,
welche dieses schwierige Gebiet der Physik allgemein ver¬
ständlich darstellen, ein Bedürfnis. Es gibt auch bereits der¬
artige Werke; aber kaum eines, das sowohl den wissenschaft¬
lichen Teil so anschaulich, wie gleichzeitig den technischen
Teil so vollständig behandelte, wie das vorliegende. Unter¬
stützt von zahlreichen Abbildungen und Experimenten werden
Begriff der Elektrizität, Gleichstrom, Elektromagnetismus,
Wechselströme mit ihren praktischen Anwendungen (elek¬
trische Beleuchtung, Elektrochemie, Telegraphie und Tele¬
phon, Elektromotoren etc.) erläutert. Den Schluss bildet ein
Kapitel über die Hertz sehe Theorie, die Röntgenstrahlen
und das Radium. Wenn man sich über manche Plattheiten
der Sprache hinwegsetzt, wird auch derjenige, dem die Ele¬
mente der Elektrik geläufig sind, der sich aber über Einzel¬
heiten der Technik zu unterrichten wünscht, das Buch mit
Nutzen zu Rate ziehen.
Neueste Journalliteratur.
Zeitschrift ffir klinische Medizin. 67. Band. 1. bis 3. Heft.
Festschrift für F. v. Koränyi.
1) A. v. Koränyi: Die Schwellenwertperkussion des Magens.
Mit der Schwellenwertperkussion auf den leise aufgelegten Finger
kann die Projektion dfer Magenblase, ferner die Magenprojektion nach
unten mit einer Genauigkeit bestimmt werden, welche jener der Be¬
stimmung der absoluten Herzdämpfung kaum nachsteht, da der Per¬
kussionsschall des Magens auserhalb der Magenblase absolut dumpf
ist. Gelingt die scharfe Umgrenzung der Magenblase, so wird die Per¬
kussion richtig ausgeführt und dann können auch die Grenzen ver¬
lässlich bestimmt werden. Wenn die Magenblase in der Rückenlage
im Epigastrium Hegt, kann Plätsch-er ge rausch leicht erzeugt werden.
Abnorm gross wird die Magenblase bei Magercektasie, motorischer In¬
suffizienz und Atonie. Bei hochgradiger Atonie kann auch die Form
der Magenblase abnorm werden, oval, langgezogen, elliptisch.
2) R. Bä 1 int: Beiträge zur Physiologie und Pathologie der
sensiblen Wurzeln des Rückenmarkes.
Die Untersuchungen an 17 Fällen von Alkoholneuritis, bei welcher
die Erkrankung des Optikus, die Neuritis retrobulbaris und die Er¬
krankung der hinteren Wurzeln, kenntlich an Sensibilitätsausfalls¬
erscheinungen, koordinierte Erscheinungen sind, ergaben 2 bevor¬
zugte Lokalisationsgebiete für die letzteren, eine obere und eine untere
Segmentgruppe. Die obere Grenze der oberen Gruppe ist die medio¬
ventrale bezw. mediodorsale Mittellinie der oberen Extremität, die
obere Grenze der unteren Gruppe ist die Richtungslinie der unteren
Extremität. An gesunden Individuen liess sich ferner feststellen, dass
gewisse Gebiete der Haut hyperalgetisch sind, und ziwar bei der Mehr¬
zahl der Fälle die gleichen Stellen. Diese Stellen sind segmentartig
angeordnet; die obere Gruppe entspricht dem 1., 2. und 3., oft auch
noch dem 4. und 5. Dorsalsegment, die untere Gruppe dem 1. Sakral-
und vielleicht dem 5. Lumbalsegment. Die oberen Grenzen sind die
mediodorsale bezw. medioventrale Richtungslinie, der oberen und
die Richtungslinie der unteren Extremität. Die unteren Grenzen sind
viel weniger konstant. Unter gewissen Umständen, z. B. beim Fieber,
vergrössern sich diese Gebiete und die Hyperalgesie nimmt auch an
Intensität zu. Es entsprechen die hyperalgetischen Gebiete also den¬
jenigen, welche unter pathologischen Verhältnissen zuerst hypalgetisch
werden.
3) J. v. E 1 i s c h e r und K. Engel: Ueber die Röntgenbehand¬
lung von Blutkrankheiten.
Zu einem kurzen Referate nicht geeignet.
4) J. Bence: Experimentelle Beiträge zur Entstehung der
nephrltischen Oedeme.
Die Untersuchungen des Verfassers führten zu folgenden Ergeb¬
nissen Das Gewicht der Tiere mit Niereninsuffizienz nimmt nicht in
dem Masse ab, wie das der Normaltiere, es besteht also bei jeder
Form von Niereninsuffizienz selbst ohne Wasserzufuhr eine relative
Wasserretention teils in der vergrösserten Blutmenge, teils in
Oed einen. Die Vergrösserung der Blutmenge wird bei mangelnder
Wasserzuiuhr durch einen Flüssigkeitsstrom von den Geweben zu den
Gefässen bewirkt, welcher sofort nach Ausschaltung der Nierentätig¬
keit, also gleich nach der Nephrektomie, bei Urantieren nach dem Zu¬
standekommen der Armine festzustellen ist. Die Zunahme der Blut¬
menge hat einen progressiven Charakter und erreicht ihren Höhepunkt
knapp vor dem Tode des Tieres. Die Oedementstehung ist von keiner
Abnahme der Blutmenge -begleitet, also kann eine erhöhte Durchlässig¬
keit der Gefässe infolge der Niereninsuffizienz nicht angenommen
werden. Die Entstehung der hydrämischen Plethora wie der Oedeme
ist auf eine veränderte Verteilung des Wassers zwischen den Ge¬
weben einerseits und dem Blut und den serösen Höhlen andererseits
zurückzuführen. Alle diese Vorgänge entstehen auch ohne Wasser¬
zufuhr, werden aber durch eine solche entsprechend verstärkt.
5) K. Engel: Ueber Diabetes Insipidus.
Der Verfasser berichtet über seine Untersuchungen an 7 Fällen
von Polyurie, von denen bei 4 ein Diabetes insipidus zugrunde lag.
während bei den übrigen primäre Polydipsie und Polyphagie vor¬
lag. Es zeigte sich nun, dass in den 4 Fällen von Diabetes insipidus
die konzentrierende Fähigkeit der Nieren zwar sehr mangelhaft war,
aber nicht völlig fehlte, da im Fieber, bei Waserverbot, bei Kochsalz¬
zufuhr, allerdings nur ganz vorübergehend, Harn von höherer mole¬
kularer Konzentration ausgeschieden wurde. Theozin sowie Hypno-
tika, wie Bromnaturium und Veronal waren ohne Einfluss. Bei einem
Verdünnungsversuch mit Salvatorquelle zeigte sich die Zunahme der
Wassersekretion verspätet und länger anhaltend. Der Brechungs¬
index des Blutserums liess nicht immer eine Konzentrationserhöhung
des Serums erkennen, auch wenn der betreffende Kranke heftig
durstete. Es ist möglich, dass beim Diabetes «insipidus ein fortdauern¬
der, Wassersekretion auslösender Reiz vom Nervensystem den
Nieren zugeführt wird, wenn sich auch über den Ort, wo dieser Reiz
angreift, in den Glomerulis, in den Harnkanälchen oder in beiden, oder
in den Nierenkapillaren nichts Bestimmtes sagen «lässt.
6) J. Kentzler: Untersuchungen über Phagozytose und
Opsonine.
Der Verfasser befreite bei seinen Versuchen das zu untersuchende
Blut «durch Zentrifugieren und Waschen von seinen eigenen Opso¬
ninen und setzte dann zu der Suspension der korpuskularen Elemente
ein Serum mit normalem Opsoningehalt und als Bakterien Staphylo¬
kokken aus 24 ständiger Agarkultur (10—12 Millionen pro Kubikmilli¬
meter) zu und bestimmte nun den Grad der Phagozytose. Dabei er¬
gab sich dass weder Hyperleukozytose erzeugende Agentien, wie
Natr. nucleinic. oder Impfung mit Staphylokokken, noch Leukopenie
hervorrufende Mittel, wie Cholin, bei Kaninchen einen Einfluss auf die
Phagozytose bezw. den opsonischen Index hatten. Auch bei mensch¬
lichen Hyperleukozytosen und Leukopenien, wie bei Appendizitis
bezw. Typhus abdominalis, war kein deutlicher Einfluss auf die Phago¬
zytose zu sehen. Bei 4 Fällen von Leukämie war ebenfalls keine
deutliche Beeinflussung des opsonischen Index zu beobachten. Unter¬
suchung über die Einwirkung von Komplementbindung auf die opso¬
nische Wirksamkeit des Serums ergaben, dass die opsonische Wirk¬
samkeit durch Komplementbindung herabgesetzt wird und dass die
opsonische Wirkung mit einem Komplementverbrauch einhergeht. ,
7) G. K i r ä 1 y f i: Ueber die Virulenzveränderung der Tuberkel- V
bazillen im Verlauf der spezifischen Behandlung.
Die Untersuchungen des Verfassers ergaben, dass «das Sputum der
spezifisch nach der Sp e n g l e r sehen Methode behandelten Tuber¬
kulösen bei Meerschweinchen die gewöhnliche experimentelle Tuber¬
kulose erzeugt, wenn es vor der Impfung nicht erwärmt wurde. Wird
das Sputum vorher auf 60° erwärmt, so sind die mit ihm erzeugbaren
tuberkulösen Veränderungen beim Meerschweinchen umgekehrt paral¬
lel dem Fortschritte der spezifischen Therapie. Wenn die spezifische
Therapie genügend lange fortgesetzt wurde, gehen« die Versuchstiere
an einer schweren Kachexie ohne tuberkulöse Gewebsveränderungen
zugrunde. Wenn die spezifische Behandlung ausgesetzt wird oder
wenn sich der Zustand der Kranken während der Behandlung ver¬
schlimmert, nimmt das Sputum wieder die Eigenschaften des ge¬
wöhnlichen tuberkulösen Sputums an; es stehen somit die Verände¬
rungen des Sputums mit den Prozessen in Zusammenhang, welche die
Besserung bei der spezifischen Behandlung bedingen.
8) G. M o r e 11 i: Ueber die Wirkung der Kuhn sehen Lungen- \/
saugmaske bei Herzkrankheiten. c\
Die Versuche des Verfassers ergaben bei sämtlichen Fällen Zu¬
nahme der Atemfrequenz und Abnahme der Pulsfrequenz, Abnahme
des Blutdruckes und oft, aber nicht immer, Zunahme der roten Blut-
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16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
355
körperchen. Bei Mitralinsuffizienz wird die Verstärkung -des 2. Pul-
monaltones durch die Anwendung der Lungensaugmaske kaum be¬
einflusst, bei der Mitralstenose wird die Akzentuierung bedeutend
vermindert oder ganz aufgehoben. Im allgemeinen ist also die An¬
wendung der Saugmaske bei Herzkrankheiten zu empfehlen.
9) J. Benczur: Das Verhalten des Refraktionswertes des Blut¬
serums nach Aufnahme von Kochsalz.
Der Verfasser kommt bei seinen Untersuchungen zu- dem Er¬
gebnisse, dass der Refraktionswert des Blutserums nach Einnahme
von Kochsalz auf den leeren Magen anfangs ein wenig steigt, nach
einer Stunde spätestens jedoch beträchtlich sinkt bis zur 5. Stunde.
Wird das Kochsalz nicht auf völlig leeren Magen gegeben, so ent¬
steht keine Eindickung des Blutes. Der Refraktionswert bleibt in der
1. Stunde unverändert oder es ist eine geringe Verdünnung nachweis¬
bar, welche in der 3. bis 4. Stunde ihr Maximum erreicht und bis zur
5. Stunde besteht. Bei Kochsalzzufuhr in den leeren Magen kommt
eine lebhafte Verdünnungssekretion zu stände und dadurch eine B-lut-
eindickung, wenn der Magen nicht leer ist wird die Verdünnung
durch den Wassergehalt des Inhaltes bewirkt und darum fehlt die
Erhöhung des Refraktionswertes; -durch Resorption des Kochsalzes
kommt es dann zur Wasseranziehung aus den Geweben, um die nor¬
male und molekulare Konzentration des Blutes zu erhalten, und daher
zu einer relativen Eiweissverminderung und dementsprechend zum
Sinken des Refraktionswertes.
10) R. Engel und O. Orszäg: Untersuchungen über den Zu¬
sammenhang des Eiweissgehaltes des Blutserums und der serösen
Flüssigkeltsergüsse.
Die Verf. erzeugten durch Kantharidinpflaster ein mit seröser
Flüssigkeit gefülltes Bläschen und verglichen den Refraktionswert die¬
ser serösen Flüssigkeit mit dem des Blutserums sowie dem ander¬
weitiger seröser Ergüsse bei demselben Kranken. Die Refraktions¬
werte gingen einander stets parallel. Durch schwächeres Kantharidin¬
pflaster konnte kein Exsudat mit anderem Refraktionswert erzeugt
werden. Ein ständiges, charakteristisches Verhalten zwischen dem
Blutserum- und dem Bläschenserumeiweissgehalte konnte nirgends,
auch nicht bei den verschiedensten Krankheiten gefunden werden.
Bei zwei Fällen von schwerer Anämie war der Unterschied in den
Refraktionswerten des Blutserums und des Bläscheninhaltes ein sehr
geringer, so dass man eine Veränderung der Kapillaren annehmen
musste, wodurch sie unter dem Einfluss des Entzündungsreizes fast
vollkommen durchlässig für das Eiweiss des Blutserums wurden.
11) A. Barcza: Ein Fall von Perforation eines Aortenaneurys¬
mas In die obere Hohlvene.
Zu einem kurzen Referate nicht geeignet.
12) B. M o I n d r: Ueber die Frage des Uebertrittes von Pankreas¬
saft ln den Magen.
Der Verf. führte nach dem Vorgänge B o 1 d y r e f f s bei ver¬
schiedenen Kranken 200 ccm Olivenöl in den nüchternen leeren Magen
und heberte nach einer halben Stunde aus. Die vom Oel getrennte
Flüssigkeit wurde auf ihren Salzsäuregehalt, die Gesamtazidität, sowie
ihren Pepsin- und Trypsingehalt quantitativ nach Volhard unter¬
sucht. Bei 2 von 4 Fällen von Stenosis pylori fehlte das Trypsin
völlig, bei Magenkarzinom und Gastroptose war der Trypsingehalt
ein sehr hoher; bei Ulcus ventriculi ein sehr geringer; bei Hyper¬
azidität mit Ausnahme eines Falles war er ebenfalls sehr gering, bei
Diabetikern ziemlich gering, bei den sonstigen untersuchten Krank¬
heiten der verschiedensten Art sehr wechselnd. Der Pepsingehalt
stand meist im umgekehrten Verhältnis zum Trypsingehalt. Je stär¬
ker der Gallegehalt der ausgeheberten Flüssigkeit war, um so stärker
war auch der Trypsingehalt, weil das Pepsin durch die Galle gefällt
und dann unwirksam auf das Trypsin wird.
13) 0. Orszäg: Ueber den Stickstoffgehalt des Sputums bei
Lungengangrän.
Die Untersuchungen an 4 Fällen ergaben sehr verschiedene, stark
schwankende Werte für den absoluten und prozentischen N-gehalt
des Sputums; die Werte waren völlig unabhängig von einander und
von dem Befinden des Kranken. Der grösste N-Verlust im Sputum
an einem Tag betrug 3,248 g. Der Refraktionswert des Sputums ent¬
sprach seinem Eiweissgehalte, ging also parallel seinem N-gehalt.
14) T. v. Kern: Beiträge zur Wirkung des Yoghurtbazillus (Ba¬
cillus bulgarus) auf den Bacillus coli.
Der Verf. bestimmte die Zahl der aus den Fäzes gezüchteten Koli-
kolonien vor und während des Gebrauches von Milch, die mit Lakto-
bazilline in Gärung versetzt war und fand eine Abhahme der Koli-
kolonien unter dem Einfluss des Yoghurts. Bei der Züchtung auf
Agar aus Bouillonkulturen wuchsen der Bacillus bulgarus und der
Kolibazillus nebeneinander ohne Störung. Wenn jedoch die Koli-
kulturen auf Agar angelegt wurden, der mit toxinhaltigem Extrakt
aus den Leibern von Bacill. bulgar. versetzt war, so gelangten nur
sehr wenig Kolonien zur Entwicklung.
15) N. Roth; Ueber die Cammidgesche Pankreasreaktion.
Die Nachprüfung der C a m m i d g e sehen Reaktion, welche darin
besteht, dass bei Pankreaserkrankungen im zucker- und eiweissfreien
(ev. durch Gärung von Zucker befreiten) Harn durch Kochen mit
Salzsäure (welche hinterher mit Bleikarbonat entfernt wird), ein mit
Natriumazetat und salzsaurem Phenylhydrazin, nadelförmige zu Ro¬
setten und Garben angeordnete Kristalle bildender Körper entsteht,
ergab dem Verf. keine eindeutigen Resultate; die theoretische Basis
der Reaktion ist auch sehr wenig befriedigend.
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16) F. Schrank: Experimentelle Beiträge zur antagonistischen
Wirkung des Adrenalins und Chlorkalziums.
Die Untersuchungen ergaben, dass das Chlorkalzium bei gleich¬
zeitiger Adrenalinverabreichung die Entstehung der Arterionekrose
nicht zu verhindern vermag, dass es aber verzögernd auf die Er¬
weiterung der Pupille des in ein Gemisch von Chlorkalzium und
Adrenalin gesetzten Froschauges wirkt, dass endlich die subkutane
Injektion von Chlorkalzium die Adrenalinglykosurie hemmt bezw.
verhindert.
17) J. K ent zier und J. v. Benczur: Ueber die Wirkung
der Antlpyretika auf die Phagozytose.
Die Versuche der Verfasser ergaben: Bezüglich der Phagozytose
wiesen die verschiedenen Antipyretika keine wesentlichen Unter¬
schiede auf. Sicher erkennbare Wirkungen waren überhaupt nicht
festzustellen. Die Antipyretika üben auch dann keine besondere Wir¬
kung auf die Phagozytose aus, wenn sie mit den einzelnen benützten
Storren längere Zeit unmittelbar in Berührung waren. Die Konzen¬
tration der Antipyretika zwischen den Grenzen 1 :100—1 : 1000 ruft
auch keine wesentliche Aenderung der Phagozytose hervor. Die in
den lebenden Körper gebrachten Antipyretika verursachen eine kleine
und rasch vorübergehende Steigerung der Phagozytose; diese Stei¬
gerung ist jedoch nicht so gross, dass sie als Zeichen dafür, dass
die Fiebermittel die Schutzkräite des Organismus beeinflussen, ange¬
sehen werden könnte. Bei fiebernden Kranken beeinflussten die ge¬
gebenen Fiebermittel den Phagozytärindex des Blutes nicht.
Lindemann - München.
Zeitschrift für Tuberkulose. Bd., 13. Heft 5.
E. v. Leyden: Nachruf für Friedrich Althoif.
v. L e u b e - Würzburg: Fürsorge für die vorgeschrittenen Fälle X
von Tuberkulose.
Auf der (allerdings durchaus nicht allumfassenden) Voraus¬
setzung, dass der Schutz des gesunden Menschen vor Ansteckung
die eigentliche Prophylaxe sei, wird dargelegt, dass die Schwer-
kranken von den Gesunden getrennt werden müssen. Von den ver¬
schiedenen Möglichkeiten: Errichtung besonderer Anstalten für
solche, besonderer Stationen („Krankenhaus-Sanatorien“) in Kran¬
kenhäusern oder endlich nur besonderer Räume in diesen, wird die
zweitgenannte als wichtigste empfohlen. Eventuell ist jede neue
Konzession von einer solchen Abteilung abhängig zu machen. Analog
ist bei der Wohnungsfürsorge der Tuberkulösen die Beschaffung eines
eigenen Zimmers der wichtigste Punkt.
Prof. Dr. med. K n o p f - New York: Der Internationale Tuberku¬
losekongress ln Washington vom 21. September bis 12. Oktober 1908.
Ein Bericht.
K. Schäffer -Refsnäs (Dänemark): Rezidivierende tuberkulöse Y
Polyarthritis (tuberkulöser Gelenkrheumatismus). ^
Mit Poncet teilt Verfasser den rhumatisme tuberculeux in
3 Gruppen ein, die häufigste, die reinen Arthralgien, die zweite mit
Erguss in die Gelenkhöhle, der rheumatischen Polyarthritis am
meisten gleichend, und die dritte unter dem Bilde des chronischen
Gelenkrheumatismus verlaufend. Die Ursache ist toxisch. Wahr¬
scheinlich wirken die Toxine unmittelbar auf die Synovialis. Die Dia¬
gnose ist schwierig und nur durch Exklusion zu stellen. Die Pro¬
gnose hängt vom Hauptleiden ab. Die Hydrotherapie ist mit Aus¬
nahme der des Hauptleidens symptomatisch und besteht in heissen
Umschlägen, Bier scher Stauung, Cryogenin, Massage und Wasser.
11 Fälle erläutern das Ganze. Ein Literaturverzeichnis ist angefügt.
Landesrat Dr. A 11 h o f f - Westfalen: Die Abkürzung der Kur¬
dauer bei Lungenkranken.
Das was Dr. Roepke in der gleichen Zeitschrift für alle Sach¬
verständigen schon genügend widerlegt hat, wird mit sehr zuversicht¬
lichen und Roepke manchmal ziemlich kühl abtuenden Worten mit
einem grossen Zahlmateriale wiederum behauptet, dass nämlich die
in Lipps-pringe untergebrachten Kranken schon in 4—6 Wochen die¬
selben Dauererfolge haben, die in Heilstätten erst in 12 Wochen er¬
zielt werden. Es wird diese Massregel auch für Heilstätten em¬
pfohlen. Der Unterschied zwischen einer solchen Sommerfrische und
der Heilstättenkur mit all ihren hier nicht näher zu erörternden Ein¬
wirkungen wird dabei völlig verkannt.
Dr. E. R u m p f - Ebersteinburg: Die Unterbringung Schwerkran- N-
ker und der § 25 der Invalidenversicherung.
Schwerkranke gehören in ein Krankenhaus, in die Heilstätte ge¬
hören nur heilbare und besserungsfähige Kranke.
Teesi Kurashig e- Osaka (Japan): Ueber ein äusseres Syip- x
ptom der Lungentuberkulose.
Eine lange Tabelle soll zeigen, dass bei 93 Proz. der Fälle von
Lungentuberkulose die Temporalvenen der kranken Seite erweitert
sind. Eine Reihe von Ausnahmen wird allerdings zugegeben.
Dr. W. Honjio-Osaka (Japan): Ein Fall von kongenitaler Tu- ><
berkulose. /
Genaue Beschreibung des Falles
Liebe- Waldhof Elgershausen.
Archiv für klinische Chirurgie. 88. Band, 2. Heft. Berlin,
Hirschwald 1909.
10) König- Grunewald: Bemerkungen zur klinischen Geschichte
der Arthritis deformans auf Grund von Beobachtungen. (Mit 2 Text¬
figuren.)
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356
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
K. hat bei mehreren Offizieren mittleren Alters die Beobachtung
gemacht, dass sie Schmerzen im Hüftgelenk bekamen, wenn sie nach
der Beförderung zum Hauptmann anfingen zu reiten; die Schmerzen
traten aber nur beim Schrittreiten auf. In allen Fällen ergab die
Röntgenuntersuchung die Zeichen einer beginnenden Arthritis
deformans. Den Umstand, dass die Beschwerden nur beim Schritt¬
reiten entstanden, erklärt K. so, dass die Hüftgelenke dabei nicht
festgestellt sind, während sie beim Trab und Qalopp fixiert sind und
deswegen nicht schmerzen.
Die Arthritis deformans des Hüftgelenks kommt also nicht selten
bereits im frühen und frühesten Mannesalter zur Beobachtung, kann
aber lange Zeit fast symptomlos verlaufen, trotzdem das Röntgen¬
bild bereits deutliche Krankheitszeichen nachweist. Der Verlauf der
Erkrankung kann, wie ein seit 12 Jahren beobachteter Fall beweist,
ausserordentlich langsam sein.
Die Ursache der Erkrankung sieht K. in Störungen der Mechanik
des Gelenkes, vor allem in einer nicht vollständigen Kongruenz der
Gelenkflächen; kongenitale oder durch Erkrankungen in der Kindheit
(Rachitis) hervorgerufene Veränderungen der Gelenkflächen werden
dafür verantwortlich zu machen sein. K. erinnert auch an die von
P r e i s e r vor kurzem beschriebenen Fälle von abnormer Stellung
der Gelenkpfanne, äussert aber gegen die Untersuchungsmethode und
die Schlussfolgerungen P r e i s e r s Bedenken, da’ gleichzeitig mit der
Hüftgelenkserkrankung meist auch Veränderungen an anderen Ge¬
lenken nachweisbar sind, für die die abnorme Stellung der Hüft-
pfanne nicht verantwortlich gemacht werden kann.
11) Borchardt und R o t h m a n n - Berlin: Zur Kenntnis
der Echinokokken der Wirbelsäule und des Rückenmarks. (Mit
6 Textfiguren.)
Die Verf. hatten Gelegenheit, bei einem Falle von Echinokokkus
im Wirbelkanal die Diagnose richtig zu stellen und zu operieren. Es
handelte sich um eine 46 jährige Fleischersfrau, bei der 6 Jahre vor¬
her bereits eine Echinokokkusgeschwulst an der Wirbelsäule operativ
beseitigt worden war und die mit einer vollständigen Querschnitts¬
lähmung des Rückenmarks zur Aufnahme kam. Die Operation ergab
ausser zahlreichen Echinokokkusblasen in der Riickenmuskulatur
einen grossen Echinokokkus vor der Wirbelsäule, der die Wirbel¬
körper zum Teil zerstört hatte und in den Wirbelkanal eingebrochen
war. Das Rückenmark war durch mehrere extradural gelegene
Blasen komprimiert. Die Frau starb kurz nach der glatt verlaufenen
Operation an Lungenembolie.
Bezüglich des klinischen und anatomischen Bildes der Echino¬
kokken der Wirbelsäule ergibt eine Zusammenstellung der 48 bis jetzt
bekannt gewordenen Fälle folgendes: die das Rückenmark schädigen¬
den Echinokokkusgeschwülste sind nicht häufig. Eigentliche Rücken¬
marksechinokokken sind bisher nicht beobachtet worden. Echino¬
kokken der Rückenmarkshäute sind nur in vereinzelten Fällen be¬
kannt geworden. Die Mehrzahl der einschlägigen Fälle betrifft pri¬
märe Echinokokken der Wirbelsäule oder ausserhalb der Wirbelsäule
gelegene Echinokokken, die sekundär die Wirbelsäule angegriffen
haben. In beiden Fällen liegen die durch den Knochen oder die
Intervertebrallöcher in den Wirbelkanal eingedrungenen Echino¬
kokken extradural. Es gibt 2 Prädilektionsstellen der an der Wirbel¬
säule lokalisierten Echinokokken: das hintere Mediastinum ohne Mit¬
beteiligung der Pleura in der Höhe des 2. bis 6. Brustwirbels mit
sekundärer Beteiligung der betreffenden Rippen und Wirbelkörper;
zweitens das Gebiet des retroperitonealen Bindegewebes und der
Beckenknochen in der Nachbarschaft der lumbosakralen Wirbelsäule.
Die Diagnose kann in den meisten Fällen bereits im Beginn der
Rückenmarkskompression auf Grund der in der Rückengegend oder
im Becken gelegenen Echinokokkusgeschwülste, deren Punktion den
Nachweis von Hacken und von Bernsteinsäure gestattet, gestellt
werden. Fehlen derartige Tumoren, so ist der Befund auf der
Röntgenplatte von grösster Wichtigkeit. Auch der mehrere Jahre
der Rückenmarkskompression voraufgehende Schmerz im Gebiet des
Echinokokkus ist von Bedeutung. Die operative Behandlung muss
so frühzeitig wie möglich in Angriff genommen werden. Sie ver¬
spricht, trotz weitgehender Rückenmarkskompression bei dem extra¬
duralen Sitz des Echinokokkus gute Erfolge, vorausgesetzt, dass das
vom Echinokokkus ergriffene Gewebe in toto entfernt werden kann.
12) Carrel: Doppelte Nephrektomie und Relmplantatlon einer
Niere. (Rockefeller-Institut für medizinische Forschung in New York.)
In weiterer Verfolgung seiner früheren Versuche hat C. bei
6 Hunden beide Nieren entfernt und die eine wieder mittels Gefäss-
und Ureterennaht implantiert. Die hochinteressanten Versuche, deren
Technik genau beschrieben wird, ergaben folgendes Resultat: Von den
6 operierten Hunden starb einer an den Folgen der Operation selbst.
Dies war ein alter Hund mit Arteriosklerose; derselbe verendete
3 Tage nach der Transplantation an beiderseitiger Pneumonie wie ein
bejahrter Mensch infolge einer schweren Operation. Die 5 anderen
Tiere heilten nach der Operation aus. Eines derselben hatte jedoch
ausgedehnte Lungentuberkulose und musste 21 Tage nach der Ope¬
ration getötet werden. Zwei davon zeigten sekundäre Verengung der
Ureteranastomose, woran sie 17 resp. 31 Tage nach der Operation
eingingen. Das 4. Tier starb nach 6 wöchigem besten Befinden
2 Monate und 6 Tage nach der Operation an aszendicrender Pyelitis,
1 k rvorgerufen durch Balanitis, die bereits vor der Operation vor¬
handen war. Der 5. Hund zeigte keinerlei Komplikationen und be¬
findet sich 8 Monate nach der Operation bei bester Gesundheit.
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Die Technik der Gefässnaht ist also auch an so kleinen Gefässen
wie den Nierenarterien mittelgrosser Hunde soweit entwickelt, dass
jede von den Gefässen herrührende Komplikation vermieden werden
kann. Die Stellen der Gefässnähte waren bei der Sektion in der
Regel kaum mehr aufzufinden. Die Naht des Ureters bietet dagegen
noch grössere Schwierigkeiten. Die temporäre Unterbrechung der
Zirkulation in der Niere, die zwischen 38 und 50 Minuten dauerte,
ferner die Durchspülung des Organes mit Locke scher Lösung und
die Durchtrennung sämtlicher Nierennerven hat auf die Funktion des
Organes nicht den schädlichen Einfluss, an den man im allgemeinen
glaubt. Der eine der gelungenen Versuche, bei dem das Tier
8 Monate nach der Operation vollständig gesund und munter ist. be¬
weist diese Tatsache.
13) v. Khautz jun.: Zur Frage der Bakteriämie bei Ileus und
postoperativer Darmlähmung. (Chirurgische Abteilung und patho¬
logisches Laboratorium der allgemeinen Poliklinik in Wien.)
Verf. hat versucht, durch Beobachtung an Menschen und durch
Tierversuche die Frage zu entscheiden, ob der Tod bei Ileus durch
eine Bakterieninvasion der Blutbahn verursacht wird. Seine Be¬
obachtungen haben indessen ergeben, dass eine Bakterienüber¬
schwemmung des Blutes ohne Peritonitis nicht nachweisbar ist. Sind
beim Ileus Bakterien im Blutkreislauf vorhanden, so besteht gleich¬
zeitig dieselbe Infektion im Peritoneum, in der Regel mit makro¬
skopischen Entzündungserscheinungen.
14) Ehrlich: Zur Statistik des Zungenkarzinoms. (I. chirur¬
gische Universitätsklinik in Wien.)
In der Klinik v. Eiseisberg kamen in den letzten Jahren
51 Fälle von Zungenkarzinomen zur Operation, von denen 13 starben
und 7 dauernd geheilt wurden.
Bezüglich der operativen Technik muss auch für die beginnenden
Fälle nicht nur die prinzipielle Entfernung der Submaxillardrüsen.
sondern auch der tiefen Halsdrüsen verlangt werden. Die Exstirpation
des primären Tumors ohne Drüsenausräumung ist in der Mehrzahl
der Fälle zu verwerfen. Von den zur Freilegung des Operations¬
terrains in Gebrauch stehenden Hilfsoperationen gibt die temporäre
Kieferspaltung den besten Zugang. Ausser bei den auf die seitliche
Pharynxwand und die Epiglottis übergreifenden Karzinomen ist die
Kieferspaltung in der Medianlinie vorzunehmen. In der Nachbehand¬
lung ist auf die Vermeidung von Lobulärpneumonien infolge sekun¬
därer Aspiration und von Dekubitalgeschwiiren des Rachens (durch
Schlundsonden) besonderes Gewicht zu legen. Zur Nachbehandlung
operierter Karzinome bei luetischen Individuen ist der längere interne
Gebrauch von Jodkali zu empfehlen. Die Röntgenbehandlung ist beim
Zungenkarzinom vollständig nutzlos. Durch die Versuche, damit
Heilung zu erzielen, werden häufig kostbare Wochen und Monate
verloren, bis die Fälle inoperabel sind.
15) Rasumowsky - Kasan: Zur Kasuistik der ausgedehnten
Magenresektionen. (Mit 1 Textfigur.)
Verf. beschreibt 3 Fälle von ausgedehnten Magenresektionen
wegen Karzinom. Bei 2 mussten Teile der Leber mit entfernt werden.
Von 5 im ganzen ausgeführten Resektionen kamen 3 zur Heilung.
R. stellt die in der russischen Literatur mitgeteilten Magen¬
operationen wegen Karzinom zusammen. Auffallend ist die geringe
Zahl der in Russland selbst von den ersten Chirurgen operierten
Fälle. Die meisten Operateure verfügen nur über einzelne Fälle.
16) Opokin: Lungen- und Pleuraaktlnomykose nach den
Beobachtungen russischer Autoren. (Chirurgische Fakultätsklinik
in Kasan.)
4 Beobachtungen aus der Klinik von Rasumowsky und 53
Fälle aus der russischen Literatur geben dem Verf. die Veranlassung,
die Pathologie der Lungen- und Pleuraaktinomykose zu besprechen.
Er kommt zu folgenden Schlussfolgerungen: Die Lungen- und Pleura¬
aktinomykose kommt in Russland augenscheinlich öfter vor als in
anderen Ländern. Die primäre Lungenaktinomykose kommt verhält¬
nismässig oft vor, verläuft aber nicht selten unerkannt, zum Beispiel
unter der Diagnose Tuberkulose usw. Im Interesse der frühen
Diagnose müssen alle Fälle von chronischen putriden Bronchitiden
und Pleurapneumonien mit ungewöhnlichem Verlauf auf Aktinomykose
untersucht worden. Bei der Frühdiagnose der Lungenaktinomykose
hat die bakteriologische Diagnose, sowie die Röntgenoskopie und die
Radiographie sehr grosse Bedeutung. Die aktinomvkotische Affek¬
tion des Brustkorbes ist gewöhnlich die Folge der Lungen- und
Pleuraaktinomykose. wenn sie nicht die Fortsetzung der Halsaktino-
mykose ist und den direkten Uebergang des Prozesses von der
Brustdrüse aus darstellt. Die Ausbreitung des Prozesses am Brust¬
korb deutet nicht immer auf eine diffuse Lungenaffektion hin und in
diesem Sinne muss jeder Fall streng individualisiert werden. Vom
Standpunkte der Lungenchirurgen aus ist die Aktinomykose ein wenig
dankbares Objekt im Vergleich zu anderen Lungenkrankheiten. Das
operative Eingreifen hat im ersten Stadium der Krankheit noch die
grössten Chancen auf Erfolg, da sich zu dieser Zeit noch keine
Metastasen gebildet haben. Die radikale Operationsmethode besteht
in der möglichst vollkommenen Entfernung der Herde und Fistel¬
gänge bis in das gesunde Gewebe hinein.
17) Hashimoto und K u r o i w a - Tokio: Ueber Hirn¬
abszesse nach Schussverletzungen im japanisch-russischen Kriege.
(Mit 22 Textfiguren.)
Unter 741 von den Verfassern behandelten Schussverletzungen
des Schädels wurden 10 mal sekundäre Abszesse beobachtet. 9 von
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16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
35;
diesen Fällen kamen zur Sektion. Die Krankengeschichten der Fälle
sind ausführlich mitgeteilt. Schematische Zeichnungen illustrieren die
Schussrichtung und die Lage der Abszesse. Die anatomischen Ver¬
hältnisse und Symptome der Fälle sind ausführlich besprochen.
Bei allen Fällen wurde der Versuch der Operation gemacht, aber
stets mit ungünstigem Ausgang. Die Aussichten für die Operation
dieser sekundären Hirnabszesse sind somit äusserst ungünstig. Nur
durch eine zweckmässige Behandlung der Schüdelschiisse an der
Front kann dem Entstehen der Hirnabszesse vorgebeugt werden,
ln Betracht kommt dabei namentlich die frühzeitige Operation der
Tangentialschüsse, bei denen häufig Splitter bis tief in die Gehirn¬
substanz hineingetrieben werden. Der Gefahr eines weiten Trans¬
portes dürfen die Schädelschüsse nicht ausgesetzt werden.^ Sie
müssen unter sorgfältigster ärztlicher Aufsicht bleiben, bis die Gefahr
der Entstehung eines Hirnabszesses auszuschliessen ist.
18) Schultze: Zur Statistik und Klinik der Diphtherie im
Krankenhause Bethanien zu Berlin (1903—1908). (Mit 3 Kurven.)
Statistische Bearbeitung von 602 Diphtheriefällen in Hinblick aut
den Wert der Serumanwendung. Von den 602 Fällen starben 106
— 17,61 Proz. In den Jahren vor der Anwendung des Serums starben
dagegen von 4575 Kranken 53,4 Proz. Während früher bei 60,5 Proz.
der Aufgenommenen die Tracheotomie gemacht werden musste, war
sie in den letzten Jahren nur bei 32,3 Proz. nötig. Die günstige Wir¬
kung des Serums äusserte sich vor allem auch darin, dass unter
233 Fällen von ausgeprägter Larynxstenose die Tracheotomie 36 mal
nicht nötig wurde.
In eklatanter Weise kam die Wirkung des Serums ferner zum
Ausdruck bei Berücksichtigung des Termins seiner Anwendung.
Während von den am 1. Krankheitstage Eingespritzten 6,98 Proz.
starben, gingen von den am 6. Krankenheitstage Eingespritzten
45 Proz. zu Grunde und zwar in lückenloser Progression. Die Ein¬
wirkung des Serums war also eine ganz unzweifelhafte. Schädi¬
gungen durch das Serum kamen nicht zur Beobachtung.
19) Riedl: Osteotomie des Keilbeins bei Hallux valgus. (Chir.
Abteilung des städt. Krankenhauses in Linz a. D.) (Mit 4 Textfiguren.)
Verf. empfiehlt eine neue, von Brenner angegebene Ope¬
rationsmethode. Sie besteht in der Entfernung eines Knochenkeiles,
dessen Basis nach aussen gerichtet ist, aus dem ersten Keilbein.
Nach Entfernung des Keiles lässt sich die Adduktionsstellung des
1. Metatarsus und die Deformität der grossen Zehe ohne Schwierig¬
keiten beseitigen. Die Operation wurde bei einer 25 jähr. Patientin
an beiden Füssen ausgeführt und hat zu sehr gutem funktionellen
Resultate geführt. Die beigegebenen Röntgenbilder scheinen sehr zu
Gunsten des Verfahrens zu sprechen.
20) v. R e y h e r: Die Infektion der Schussverletzungen. (Kriegs¬
chirurgische Mitteilungen vom russisch-japanischen Kriege aus der
Kolonne I. M. der Kaiserin Marie.) (Mit 3 Kurven.)
Die Beobachtungen des Verf. im russisch-japanischen Kriege
haben ihn zu der Ansicht geführt, dass die Lehre von Bergmann,
jede Schussverletzung sei von vornherein als steril zu betrachten,
nicht richtig ist. Da sowohl das Projektil selbst, wie namentlich
die Kleidung der Verwundeten und die Haut als infiziert angesehen
werden muss, ist auch jede Schussverlctzung im Kriege von vorn¬
herein infiziert. Die häufige Primärinfektion kommt unter anderen
auch darin zum Ausdruck, dass sehr oft Geschosse, die zuerst ein¬
geheilt sind, später noch zu Eiterungen Anlass geben. Wenn ein
grosser Teil der Verwundeten ohne Eiterung zur Heilung kommt, so
beweist das nur, dass der Organismus befähigt ist, sehr häufig der
Infektion Herr zu werden. Von dem Materiale des Verfassers waren
20 Proz. der Mantelgeschosswunden und 62 Proz. der Schrapnell¬
verletzungen infiziert. Die Sekundärinfektion spielt im Kriege nur
eine untergeordnete Rolle, wenn nicht grosse Fehler, wie Tamponade
der Wunden, Sondierung u. dergl. gemacht werden; die meisten In¬
fektionen sind primärer Natur. Die Hauptinfektionsgeiahr liegt bei
Wunden durch Mantelgeschosse in den mitgerissenen Tuchfasern,
bei Schrapnellkugeln in den mitgerissenen Kleiderfetzen.
Bezüglich der Behandlung muss das strenge Einhalten einer
Schablone bei den vorn arbeitenden Acrzten und eine einheitliche
Verbandmethode befürwortet werden. Trockener aseptischer Ver¬
band, Unterbindung der durchgeschlagenen Arterien und die aus¬
giebigste Anwendung von fixierenden Verbänden sind das Wesent¬
liche. Dazu kommt die Mitgabe von Verbandkarten an die Ver¬
letzten, in denen Datum und Art der Verwundung und des Verbandes
angegeben sind; dies ist die einzige Art, um einem allzu häufigen Ver¬
bandwechsel entgegenzuarbeiten. Wegen des besonders schweren
Verlaufes der Infektion am Oberschenkel empfiehlt R., die stecken¬
gebliebenen Geschosse und Kleiderfetzen aus dem Oberschenkel schon
im Feldlazarett zu entfernen. Reinhaltung der Kleider der Soldaten
und häufige Hautpflege sind wichtige Forderungen, die sich aber
meist nicht durchführen lassen. Bei tetanusverdächtigen Wunden
ist prophylaktische Seruminjektion zu empfehlen.
21) Kleinere Mitteilungen.
Ehler: Ein Beitrag zur Plastik der Skalierung. (Allgemeines
öffentliches Krankenhaus in Pilgram.) (Mit 1 Textfigur.)
Bei einem Falle von Skalierung bildete E. aus den Resten der
Haardecke oberhalb der Ohren 2 Lappen, die auf der Höhe der
Stirn vereinigt wurden. Die Lappen heilten gut an und der Haar¬
wuchs erhielt sich. Durch die Haarbedeckung an der normalen Haar¬
grenze war die Entstellung wesentlich verringert. Ein vorher an-
gestellter Versuch, die abgerissene Kopfhaut direkt aufzuheilcn, war
fehlgeschlagen. H e i n e k e - Leipzig.
Zentralblatt für Chirurgie. No. 4.
Karl D a h 1 g r e n: Modifikation der Gastrojeiunostomie in
Y-form.
Nach D. kann die Art der Inzision in der Magenwand bei der
vorzüglich in Betracht kommenden Gastrojeiunostomie in den
Pylorusteil nicht gleichgültig für die weitere Entstehung des Circulus
vit. sein. Da die zirkulare Muskclschicht die kräftigere ist, so muss ein
diese quer teilender Schnitt die beste Passage verschaffen, eine lineare
Oeffnung in der Magenwand bei Y-Gastrojejunostomie gilt nicht als
hinreichende Garantie für die unbehinderte Passage und deshalb ent¬
fernt D. mit einer eigenen Zange ein Stück aus der Magenwand, so
dass eine mehr ovale Oeffnung statt der linearen entsteht (s. Abb.).
F. K a r e w s k i: Doppelquetschzange für Magendarmoperationen.
Mitteilung eines nach dem vortrefflichen G r a s e r sehen Prinzip
konstruierten Instrumentes, das die Durchschneidung des Intestinums
in eine möglichst schmale, keinen Inhalt mehr beherbergende Gewebs-
schicht verlegt und beide Enden bei ihrer Trennung absolut sicher
verschliesst und bei weiteren Manipulationen gut handlich macht
(s. Abb.).
Arth. Schlesinger: Zur Technik der Pharyngotomia supra-
hyoldea.
Sch. schildert sein Verfahien, bei dem er nach Einleitung
peroraler Tubage Querschnitt dicht über dem Zungenbein durch
Haut, Faszie und Platysma machte, in der Mittellinie jedoch die
Zungenbeinkiefer- und Zungenbein-Zungenmuskeln stumpf ausein-
anderdrängte und die Pharynxwand dann möglichst dicht am Zungen¬
bein quer inzidierte, ein nahe der Epiglottis sitzendes Karzinom konnte
so gut abgetragen werden und glaubt Sch., dass die einfache Ope¬
ration bald die temporäre Unterkieierresektion bei Zungengeschwül¬
sten, vielleicht auch Tonsillengeschwiilsten verdrängen werde, da
die Eröffnung des Pharynx in wenig Minuten beendet, höchstens
1—2 oberflächliche Venen zu unterbinden sind, Nervenverletzung aus¬
geschlossen ist. Sehr.
Monatsschrift für Geburtshilfe und Gynäkologie. Band
XXVIII. Heft 6.
1) M a r t i n - Berlin: Offener Brief an die Herren Professoren
K r ö n i g und S e 11 h e i m.
Der Brief richtet sich gegen die Stellungnahme von K. und S.
zur Therapie der Placenta praevia mittelst suprasymphysärem Kaiser¬
schnitt.
2) Friedjung - Wien: Beitrag zur Kenntnis der Spätlaktation.
Verf. beschreibt einen Fall, in dem eine 6 Wochen lang unbe¬
nutzte Brust wieder dem Kinde nutzbar gemacht und zur Laktation
angeregt wurde. Die höchste Leistung im Verlauf von 3 Monaten
war 305 g pro die. Wenn auch trotz aller Mühe kein besseres
Resultat erzielt wurde, so hält es Verf. doch für wünschenswert.
Versuche dieser Art künftig weiter zu machen.
3) B o n d i - Wien: Zur Anatomie der Zysten der kleinen Scham¬
lippe.
In der kleinen Schamlippe kommen im Gegensatz zu den übrigen
Teilen der Vulva ziemlich häufig Schleimzysten mit und ohne Flim¬
merbesatz vor, in denen es durch aktives Wachstum des Epithels oder
Bindegewebes zur Bildung papillärer Ekkreszenzen kommen kann.
Für die Entstehung scheinen versprengte Teile des Wolffsehen
Ganges und verlagerte Schleimdrüsen des Vestibulum in Frage zu
kommen. Diese Tumoren können durch ihre Grösse und durch se¬
kundäre Erscheinungen (Intertrigo, Vereiterung) Störungen machen.
4) S c h a f f e r- Wien: lieber Bau und Funktion des Eileiter¬
epithels beim Menschen und bei Säugetieren. (Schluss..)
Zu kurzem Referat nicht geeignet.
Weinbrenner - Magdeburg..
• Zentralblatt für Gynäkologie. No. 3 u. 4, 1909.
W. H a n n e s - Breslau: Was leistet die moderne Therapie bei
der Placenta praevia?
H. tritt gegenüber S e 11 h e i m und K r ö n i g für die Hyster-
euryse ein, deren Vorzüge er an dem Material der Breslauer Klinik
und Poliklinik demonstriert. Es handelte sich im ganzen um 246 Fälle.
Von den 246 Frauen sind 16 gestorben “ 6,6 Proz.; von den mit
Hystereuryse behandelten 143 nur 8 • - 5,5 Proz. Ueber die Resultate
für die Kinder gibt folgende Tabelle Auskunft:
Hvstereurvse.
86 Fälle,
60 lebende Kinder
Bfasensprengung ....
17 „
17
Zange .
4 „
2
Wendung und Extraktion
25 „
20
Kolpeurvse.
15
3
147 Fälle, 102 lebende Kinder
Im ganzen also 70 Proz. lebende Kinder.
Fr. Engelmann-Dortmund: Ein Beitrag zur Serodiagnostik
der Lues in der Geburtshilfe.
Gesunde Mütter, die vom Vater infizierte luetische Kinder zeugen,
bleiben bekanntlich immun gegen Syphilis (Collessches Gesetz),
ebenso umgekehrt bleibt ein von syphilitischen Eltern stammendes.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
356
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
trotzdem gesund gebliebenes Kind symptomfrei, auch wenn cs einer
luetischen Infektion ausgesetzt wird (P r o f e t a sches Gesetz).
Bauer hat durch die Wassermann sehe Reaktion nachgewiesen,
dass diese Gesetze nicht zu Recht bestehen. * Die scheinbar gesunden
Mütter kongenital luetischer Kinder und die scheinbar gesunden
Säuglinge luetischer Mütter geben positive Reaktion, sind also latent
syphilitisch. Den praktischen Beweis für die Richtigkeit dieses
Schlusses erbringt E. durch eine Beobachtung, wo eine symptomfreie
Brau, aus deren erster Ehe mit einem notorisch luetischen Manne
luetische Kinder entsprossen waren, mit einem notorisch gesunden
Manne wieder luetische Kinder erzeugte. Also offenbar Vererbung
der Lues durch die vollkommen symptomfreie Mutter auf das Kind,
aber keine Infektion des Mannes.
E. Scipiades -Ofen-Pest: Die Ophthalmoblennorrhöea und
das Argentum aceticum.
. S. tritt wieder, wie schon wiederholt, für die 1 proz. Solut. Arg.
acet. als bestes Prophylaktikum gegen Blennorrhoea neon. ein. Die
Morbidität sank dabei auf 1,1 Prom. gegenüber 2 Prom. bei Argent.
nitr. Die konjunktivalen Reaktionen betrugen bei Argent. nitr.
90 Proz., die sekundären Konjunktividen bei Arg. acet. 3 Proz. gegen¬
über 9 Proz. bei Arg. nitr. Einen Vorzug des von H e r f f kürzlich
empfohlenen Sophols kann S. nicht anerkennen. Von den Ersatz¬
mitteln des Argent. nitr., Protargol, Argyrol, Sophol und Arg. acet.
zieht S. letzteres auf Grund seiner Erfahrungen den übrigen vor.
K. Eisenstein - Szegedin: Extraktion des hochstehenden
Stelsses mit meiner Steisszange.
E. beschreibt eine von ihm konstruierte Steisszange, deren
Zusammensetzung jedoch ohne die beigefügten Abbildungen nicht
verständlich wäre. Er verwendete dieselbe in einem Falle mit hoch¬
stehendem Steiss bei einer VI. Para, deren frühere Geburten normal
gewesen waten. Die Geburt war in 5 Minuten beendet, doch hält
E. den Fall selbst nicht für ganz beweisend, da es sich um eine Frau
handelte, die 5 mal spontan geboren hatte, und die Anlegung der
Zange teilweise experimenti causa geschah. Zu haben bei
H. Reiner in Wien.
Guggisberg -Bern: Ueber einen Fall von Prolapsus uteri
Inversi.
Bemerkenswert an dem Fall war besonders, dass die Inversio
uteri spontan entstand. Eine 22 jährige Frau (? Para) gebar mit
raschen, kräftigen Wehen das Kind in Hinterhauptslage. Beim
Pressen in der Nachgeburtsperiode kam es zu totalem Prolaps des
invertierten Uterus. Die Reinversion gelang nach Lösung der Pla¬
zenta leicht. Es entwickelte sich eine septische Endometritis und
Peritonitis, der Patientin trotz Laparotomie und Drainage der Bauch¬
höhle erlag.
S. C h a z a n: Zur Abortbehandlung.
Bei der Wahl der Methode (ob digitale oder Instrumenten¬
behandlung) sind die frischen von den veralteten Fällen, andererseits
solche mit grösseren retinierten Eihautresten von denen mit Dezidua-
teilen streng zu unterscheiden. Ch. warnt besonders vor der scha-
blonenmässigen Anwendung der Kürette bei Abort.
A. Döderlein - München: Ueber den extraperitonealen
Kaiserschnitt.
Die Gefahren des gewöhnlichen Kaiserschnitts, welche besonders
durch die Infektion und Verwachsungen des Uterus mit der Bauch¬
wand und den Darmschlingen unter einander gegeben sind, haben
zu den extraperitonealen und transperitonealen Methoden geführt,
wie sie von Frank, Veit, Sellheim, Pfannenstiel u. a. an¬
gegeben worden sind. Die Schwierigkeiten dieser Operationsverfahren
verblassten D. zu einer neuen, extraperitonealen Methode, die er in
2 Fällen ausübte. D. bahnt sich seitlich einen Weg zu dem extra¬
peritonealen Teil des unteren Uterinsegments, eröffnet dies durch einen
grossen longitudinalen Schnitt und extrahiert dann das Kind. Sehr
zu empfehlen ist dabei das Anlegen der Zange. Die Operation bleibt
beschränkt auf solche Fälle von engem Becken, wo die Hebosteotomie
nicht angebracht erscheint.
Dm. v. Ott: Die Resultate der Anwendung der direkten Be¬
leuchtung der Bauchhöhle, des Dickdarmes und der Harnblase bei
den Operationen und zu diagnostischen Zwecken.
v. 0. berichtet über die günstigen Resultate der von ihm zuerst
1902 empfohlenen Methode. Sie erweiterte die Indikationen der vagi¬
nalen Köliotomie und verbesserte deren Resultate. Die Kolono¬
skopie stellte die Stelle der Darmstenosen fest; die innere Beleuch¬
tung der Harnblase ermöglichte ausser der Katheterisation der Harn¬
leiter die Feststellung einer malignen Neubildung in der Blasenwand.
W. Liepmann: Zur Technik und Kritik der Plazentar¬
forschung.
L. polemisiert gegen Lichtenstein, der die plazentare
Theorie der Eklampsie verwirft und die von Freund angestellten
Versuche nur auf embolische Prozesse zurückführen will. Nach L.
wird die plazentare Theorie durch weitere exakte biologische und
chemische Untersuchungen mehr und mehr an Boden gewinnen.
R. Graf und K. L a n d s t e i n e r - Wien: Versuche über die
Giftigkeit des Blutserums bei Eklampsie.
Verfasser benutzten zu ihren Versuchen Ratten, denen sie das
vorgewärmte Serum retroperitoneal injizierten. Sie verwendeten
Eklampsiesera, Normalsera, Retroplazentarsera normaler Gebärender,
Sera von Kranken und Tiersera. Die Eklampsiesera zeigten aller¬
dings erhöhte Toxizität, doch liegt kein Grund vor, die im Serum
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nachweisbaren toxischen Stoffe als der Eklampsie eigentümlich anzu¬
sehen. Aehnliche Erscheinungen boten auch Tiere, denen Sera von
Kranken, nicht Eklamptischen, injiziert wurden.
Die Versuche sprechen also dafür, dass im Blute Eklamptischer
die normalen toxischen Stoffe vermehrt sind, nicht aber für eine
Spezifizität derselben. J a f f 6 - Hamburg.
Gynäkologische Rundschau. Jahrgang III. 2. Heft.
Hugo S e 11 h e i m - Tübingen: Die Blutstillung während der
Nachgeburtszeit bei Placenta praevia und tiefem Sitz der Plazenta.
(Aus der Frauenklinik der Universität Tübingen.)
Bei der Ausführung des extraperitonealen Kaiserschnittes zur
Entbindung bei Placenta praevia konnte der Verf. die Wirkung der
angewandten blutstillenden Mittel ad oculos demonstrieren. Man hat
zu unterscheiden eine Blutung aus dem kontraktionsfähigen Uterus¬
abschnitt und dem kontraktionsunfähigen Uterusabschnitt; man stillt
dieselbe in ersterem Falle mit kontraktionsbefördernden Mitteln, in
letzterem mit Mitteln, welche zur Anregung der Thrombose geeignet
sind. Für die Praxis empfiehlt Verf. zuerst Anwendung von kon-
traktionsförnden Mitteln, alsdann die Tamponade; blutet es bei
Placenta praevia nach der Tamponade weiter, so füge man alle mit
der Tamponade vereinbaren kontraktionsbefördernden Mittel, wie
Massage, Ergotin, eventuell die bimanuelle Kompression des tampo¬
nierten Uterus hinzu.
H. G a n s - Königsberg: Der Prolaps der Plazenta. (Aus der
k. Universitäts-Frauenklinik zu Königsberg i. Pr.)
Mitteilung eines einschlägigen Falles: 34 jährige VIII. Para mit
Hydramnion, Fusslage; Extraktion am Beckenende, Mädchen, 3050 g.
49 cm, Anenzephalus mit Rachischisis, frischtot; Wochenbett fieberlos.
Als Aetiologie für den Prolaps der Plazenta sieht Verf. die plötz¬
lich erfolgte Entleerung des Hydramnion an.
Lajos G ö t h - Klausenburg: Erfahrungen über Lumbalanästhesie
in der Gynäkologie. (Aus der geburtshilflich-gynäkologischen Klinik
der k. ungarischen Franz Joseph-Universität in Klausenburg (Ungarn).
Bericht über 72 Fälle von Lumbalanästhesie mit B i 11 o n s
Stovainlösung (0,07—0,08), die erreichte Anästhesie war in 61 Fällen
vollkommen; von Nebenerscheinungen wurden bemerkt: Brechreiz.
Erbrechen, schwacher Puls, verlangsamter Puls, Asphyxie (durch
künstliche Atmung gebessert) 1 mal Exitus (Atmungslähmung).
2mal von Nachwirkungen: Erbrechen, erhöhte Temperatur, Kopf¬
schmerzen.
Die beiden Todesfälle sind ausführlicher mitgeteilt, sie betrafen
eine 50- und 20 jährige Patientin, beide mit malignem Ovarialtumor
und Aszites; Sektion ergab in beiden Fällen Ovarialkarzinom mit
Metastasen, quoad punctionem negativ. Verf. glaubt die Schuld geben
zu müssen der starken Aszitesansammlung mit Empordrängen des
Zwerchfells und hochgradiger Beeinträchtigung der Atmung. Be¬
kräftigt wurde diese Anschauung durch einen ähnlichen, wieder¬
belebten Fall von Asphyxie, in welchem eine grosse Ovarialzyste,
welche bis an den Rippenbogen reichte, entfernt wurde. Verf. hält
die Lumbalanästhesie für „ein noch nicht ganz geklärtes, in allen
Einzelheiten überblickbares Verfahren, jedoch für eine wertvolle
Bereicherung der operativen Tätigkeit“.
R. Lumpe: Die Prinzipien und Grundlagen des Hebammen-
unterrlchtes.
Verf. empfiehlt in ausführlicher Darlegung der einzelnen Punkte
des Unterrichtsstoffes möglichste Einfachheit des Unterrichts.
A. Rieländer-Marburg.
Monatsschrift für Kinderheilkunde. Band VII. No. Q.
(Dezember) 1908.
1) Ashby t: Nachruf von John Thomson.
2) Dr. Aug. Berkholz: Der Scharlach und seine Kompli¬
kationen. (Aus der Infektionsabteilung des Stadtkrankenhauses zu
Riga.)
Der Scharlach äussert sich primär nur in dem charakteristischen
Exanthem und Enanthem, sekundär in den nicht weniger Charakter?
istischen Erscheinungen am Herzen und an den Nieren. Die grösste
Mehrzahl der Scharlachfälle kompliziert sich mit Streptokokken¬
infektionen; diese sekundäre Infektion kann zu septischen lokalen
Komplikationen in allen Organen oder zur allgemeinen Sepsis führen.
In der regelmässigen Schädigung des Parenchyms von Herz und
Nieren durch das Scharlachgift liegt mit ein Grund für den oft bös¬
artigen Verlauf der sekundären Streptokokkeninfektion. Aus diesen
am Krankenbett gesammelten Erfahrungen ergibt sich für B. in thera¬
peutischer Hinsicht die Forderung, im Verlauf jeglicher Scharlach¬
infektion dem Herzen und den Nieren eine besondere Schonung an¬
gedeihen zu lassen. Ersteres geschieht durch langdauernde Bettruhe,
die Schonung der Nieren hauptsächlich durch Einschränkung der
Flüssigkeitszufuhr.
3) Dr. K. Basch-Prag: Zur Thymusexstirpation beim jungen
Huhn.
Kritik und Nachprüfung der in Bd. VI, No. 7 der Monatschrift für
Kinderheilkunde publizierten Versuche von Rud. F i s c h 1. Dieselben
werden als lückenhaft hingestellt, so dass sie nicht genügen, um die
physiologische Bedeutung der Thymus aufzuklären. „Eine syste¬
matisch geübte anatomische Untersuchung der Versuchstiere hätte
. auch darüber belehrt, dass die Thymus, wie beim Menschen, so auch
1 bei einer Reihe von Tieren noch postfötal wächst, eine Erscheinung,
Original frn-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
359
die das Unrichtige der Anschauung, dass die Thymus nur als ein der
Atrophie verfallendes Gewebe im Körper zurückbleibt, deutlich vor
Augen führt“.
Referate. Vereinsberichte. Buchbesprechungen.
Albert Uffenheimer -München.
Frankfurter Zeitschrift für Pathologie. Bepründet von
Eugen Albrecht. Herausgegeben von Bernhard Fischer.
2. Bd., 4. Heft.
I. Originalarbeiten.
1) Adolf S c ha r p f f : Ueber das Verhalten der Gefässe bei akuten
Infektionskrankheiten. (Aus dem pathologischen Institut des Kranken¬
hauses Nürnberg.)
Bei verschiedenen akuten Infektionskrankheiten, wie Typhus,
Pneumonie, Diphtherie, Scharlach, septisch-pyämischen Erkrankungen
kommen besonders in den peripheren Arterien gelegentlich Gefäss-
veränderungen vor, die, wie Wiesel zuerst ausführte, haupt¬
sächlich in degenerativen Veränderungen der kontraktilen und elasti¬
schen Elemente der Media, also weniger in entzündlichen Vorgängen
bestehen, aber diese Veränderungen sind nicht so stark und so regel¬
mässig, wie dies Wiesel auf Grund seiner Untersuchungen annahm.
Sch. glaubt, dass von Wiesel verschiedene Befunde, die wohl als
physiologische Variationen angesehen werden können, als patho¬
logische Veränderungen beschrieben wurden.
2) Karl W e g e 1 i n: Ueber die Blutknötchen an den Herzklappen
der Neugeborenen. (Aus dem pathologischen Institut der Universität
Bern.)
Die sog. „Klappenhämatome“, für die W. den richtigeren Namen
„Blutknötchen oder Blutzysten“' vorschlägt, sind nicht als Gefäss-
ektasien aufzufassen, sondern sie entstehen dadurch, dass bei den Atrio¬
ventrikularklappen von der Ventrikelseite, bei den Semilunarklappen
von der Seite der Sinus Valsalvae das Blut in präexistente Buchten
und Kanäle, die mit Endothel ausgekleidet sind, eingepresst wird,
wobei sich die Buchten an ihren Enden unter dem Drucke des Veu-
trikelblutes erweitern, während ihre Ansätze, die ventilartig wirken und
wohl Blut eindringen, nicht aber es austreten lassen, allmählich durch
Verklebung sich gegen die Herzhöhlen abschliessen.
Die Lokalisation der Knötchen am freien Rand ergibt sich aus
der hier vorhandenen geringen Menge der elastischen Fasern, die Aus¬
weitung der Buchten begünstigt. Das endliche Schicksal der Knöt¬
chen ist Organisation nach vorangehender hyalinisierender Verschmel¬
zung der Blutkörperchen.
3) E. Meirowsky: Ueber Pigmentbildung ln vom Körper los¬
gelöster Haut. (Aus der Universitätsklinik für Hautkrankheiten in
Breslau.)
Werden dem Lebenden exzidierte Hautstück dien über Wasser,
um die Austrocknung zu verhindern, im Wärmeschrank längere Zeit
einer Temperatur von 56° ausgesetzt, so zeigen sie nach 1—3 Tagen
intensive Pigmentierung bis zur Schwarzfärbung. Am markantesten
gelingt der Versuch an Hautteilen, die normalerweise schon be¬
sondere Tendenz zur Pigmentbildung zeigen, so z. B. an der Prä-
putialhaut. Auch die Leichenhaut zeigt Zunahme der Pigmentierung,
aber nicht später als 34 Stunden nach dem Tode der Leiche ent¬
nommen; m einem Falle von Addison scher Krankheit trat in der
Leichenhaut -besonders intensive Pigmentierung auf, also auch hier
in einer Haut mit besonderer Disposition zur Pigmentierung.
M. zieht aus diesen Beobachtungen den Schluss, dass die Neu¬
bildung des Pigments nicht unbedingt an das Leben der Zelle ge¬
bunden ist, sondern wohl das Resultat einer Fermentwirkung in der
Epithelzelle ist, da ein Zusammenhang mit dem Blute aus der ex-
zidierten Haut ausgeschlossen ist, das Phänomen übrigens auch bei
einer Temperatur eintritt, in der die Eiweisskörper der Zelle ge¬
ronnen sind. Damit ist auch ein wichtiger Beweis gegen die Theorie
von der „Pigmenteinwanderung in die Epidermis“ (Ehrmann) ge¬
funden. Erwähnt mag noch werden, dass bei den Versuchen die
pyroninrote Kernsubstanz in den Zellen eine enorme Vermehrung
erfährt.
4) Hugo R i b b e r t: Darmpolyp und Karzinom.
R. betont an der Hand eines neuen Falles von Dai-mpolyp, der
Uebergänge in Karzinom zeigte, seine alte Lehre, dass das Epithel
vor Beginn der Krebswucherung keine anderen biologischen Charak¬
tere gewinnt, sondern an und für sich an den später zu Karzinom
wendenden Stellen geringere Differenzierung zeige, und erst unter
dem Einflüsse besonderer Veränderungen im Bindegewebe die Tiefen¬
wucherung beginne. Eine Umwandlung von Polyp in Karzinom
kommt nicht vor, sondern am Polypen löst erst an einer oder
mehreren Stellen bindegewebige Umwandlung die Möglichkeit des
Eindringens des Epithels in Bindegewebe aus. Die Karzinomzellen
sind demnach keine neue Zellart, sondern nur aus dem Verbände aus¬
geschaltete selbständig gewordene Epithelien.
5) S. Schönberg: Weitere Untersuchungen des Herzens bei
chronischer Arhythmie. (Aus dem pathol. Institut der Universität
Basel.)
In 11 Fällen von Pulsus irregularis perpetuus fanden sich typische
Veränderungen, bestehend in einer mehr oder minder starken lympho-
zytären Infiltration des Wenckebach sehen Uebergangsbündels
und dessen Umgebung; in chronischen Fällen war starke sklerotische
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Umwandlung des vermehrten intermuskulären Bindegewebes dieser
Stellen zu beobachten. Die übrigen Herzabschnitte zeigen geringe
oder keine Veränderungen. In Fällen gewöhnlicher Arhythmie oder
einfacher myokarditischer Arhythmie fehlen diese also für die
Arhythmia perpetua charakteristischen anatomischen Veränderungen.
6) Karl Wegelin: Ueber Rankenneurome. (Aus dem pathol.
Institut der Universität Bern.)
In den Rankeneuromen kommt eine Neubildung markloser oder
markhaltiger Nervenfasern nicht vor; die präexistenten Nervenfasern
verlängern sich nur; sekundär können Markscheiden und Achsen¬
zylinder degenerieren. Die Verdickung der Nervenstämme beim
Rankenneurom beruht auf einer Verdickung des bindegewebigen Ner-
venteiles, des Endo- und Perineuriums; die Schwann sehen Kerne
vermehren sich wahrscheinlich nicht. Langhanssehe Blasenzellen,
geschwellte Endothelien des Endoneuriums, kommen in diesen Ge¬
schwülsten ebenfalls vor. In einem der von W. beschriebenen Fälle
trat sarkomatöse Entartung der Geschwulst ein. Was die Stellung
der Rankenneurome zur Geschwulstsystematik anlangt, so zählt sie
W. den Geschwülsten mit kongenitaler fehlerhafter Gewebsmischung,
den Albrecht sehen Hamartomen zu.
7) Ernst Ruppanner: Ueber tuberkulöse Strumen. (Ein Bei¬
trag zur Schilddrüsentuberkulose.) (Aus dem pathol. Institut und der
Chirurg. Klinik Basel.)
Mitteilung von 3 Fällen von tuberkulöser Struma nebst Ueber-
sicht über die im allgemeinen spärliche Literatur. In einem Falle
waren die Tuberkel ausschliesslich in intrathyreoidalen Lymphknöt¬
chen lokalisiert, in einem Falle waren die Tuberkel ausschliesslich
im Interstitium, in einem dritten lagen sie z. T. intrafollikulär; Riesen¬
zellen scheinen z. T. aus den Epithelien hervorgehen zu können.
8) Hans Hübner: Beitrag zur Histologie der normalen Urethra
und der chronischen Urethritis des Mannes. (Aus der Hautklinik des
städt. Krankenhauses und dem Senckenberg ischen pathol. Insti¬
tut in Frankfurt a. M.)
Die Untersuchungen von H. kommen zu folgenden praktisch
wichtigen Schlüssen: In der Urethra kommen normalerweise kleinere,
manchmal auch grössere Plattenepithelherde innerhalb des Zylinder¬
epithels vor; diese Plattenepithelherde setzen anfänglich zwar dem
Eintritt von Gonokokken grösseren Widerstand als das • Zylinder¬
epithel entgegen, lassen aber, wenn der Prozess einmal in die Tiefe
gedrungen ist, denselben durch therapeutische Eingriffe nur sehr
schwer zur Ausheilung bringen; es wird sich unter diesen Platten¬
epithelinseln in der Regel ein narbig schrumpfendes strukturierendes
Bindegewebe bilden. Das Plattenepithel ist also nicht durch Meta¬
plasie des Zylinderepithels infolge der Entzündung entstanden, son¬
dern ist präexistent, sein Vorhandensein ist ein ungünstiger Faktor
in der Ausheilung der Gonorrhöe.
9) Felix v. Werdt: Ein Fall von Dystrophia musculorum pro¬
gressiva mit Sektionsbefund. (Aus der med. Klinik und dem pathol.-
anatom. Institut Basel.)
Beschreibung eines typischen Falles obiger Krankheit, in dem
besonders interessant ist, dass die Erkrankung nach einem Partus
mit anschliessender Phlebitis im 46. Lebensjahr einsetzte.
10) Martha Freudenstein: Ueber die Entwicklung des
Knochenmarks in heterotopen Knochenbildungen. (Aus dem pathol.
Institut Zürich.)
Die Ausbildung des Knochenmarkes ist ausser in den knorpligen
Organen an vorhergehende Nekrose mit Verkalkung gebunden; die
Ursache der perichondraten Ossifikation liegt in der asbestartigen
Degeneration des Knorpels. Zuerst entsteht das Knochenmark in
Form verstreuter myeloider Zelleninfiltration, erst nachträglich bildet
sich der Knochen. Das Mark resorbiert den Kalk, bildet Lakunen
und apponiert dann erst Knocbenbälkchen. Das Knochenmark selbst
entsteht in dem Bindegewebe, seine eigentlichen Parenchymzellen,
insbesondere die Myelozyten entstehen wahrscheinlich in der Wand
oder der Umgebung der einwachsenden Blutgefässe.
11) Ernst Ruppanner: Ueber einen Autopsiebefund bei Per¬
thes scher Druckstauung. (Aus dem pathol.-anatom. Institut Basel.)
15 jähriger Liftjunge, der zwischen Fahrstuhl und den Boden
eines Stockwerkes eingeklemmt wurde. Schwerere innere Ver¬
letzungen wurden, abgesehen von den Stauungsblutungen und der
allgemeinen Hyperämie der Organe, nicht gefunden. R. führt den
letalen Ausgang auf den bestandenen Status lymphaticus zurück.
12) Felix v. Werdt: Beiderseitige diffuse Sarkomatose der
Nieren bei Mediastinaltumor. (Aus dem pathol. Institut Basel.)
Der Mediastinaltumor imponierte als primäre Geschwulst und
schien aus der Thymusdrüse hervorgegangen zu sein (11 Jahre alter
Knabe). Die Nieren waren enorm vergrössert, boten makroskopisch
das Bild der grossen weissen Niere und zeigten mikroskopisch eine
diffuse Substition des ganzen Interstitiums durch die Geschwulstzcllen;
auffallend dabei war, dass das eigentliche Nierenparenchym, Tubuli
wie Glomeru-li nirgends gestört oder durchbrochen, sondern lediglich
komprimiert war. Der Fall unterscheidet sich dadurch prinzipiell von
den gewöhnlichen primären oder sekundären Nierensankomen.
II. Kritische Rundschau.
Eugen Albrecht: Die Erlahmung des hypertrophlerten Herz¬
muskels. (Aus dem Nachlass Eugen A 1 b r e c h t s.)
Zu kurzem Referat nicht geeignet.
Oberndorfer - München.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
360
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
Soziale Medizin und Hygiene. Vormals Monatsschrift für
soziale Medizin, Bd. IV, No. 1, Januar 1909.
H o b o h m - Hamburg: Die Aufgaben des Medizinalbeamten bet
der Beaufsichtigung des Nahrungsmittelverkehrs. (Fortsetzung folgt.)
A. Elster-Jena: Der gegenwärtige Stand der Arbeitshygiene.
Verf. gibt einen Uebcrblick über die in den einzelnen Staaten be¬
stehenden gesetzlichen Vorschriften, durch die in den gewerblichen
Betrieben die Sicherheit von Leben und Gesundheit im allgemeinen
gewährleistet werden soll, er fasst die fiir die gesundheitsgefähr¬
lichen Gewerbe erlassenen Vorschriften resp. Verbote zusammen und
zählt die Bestimmungen des besonderen Gesundheitsschutzes für
Frauen, Wöchnerinnenschutz und jugendliche Arbeiter auf. Von Be¬
strebungen, die auf die Arbeitshygiene der Heimarbeiter hinzielen,
sind erst vereinzelte Ansätze vorhanden. Weitere Fortschritte auf
dem Gebiet moderner Arbeitshygiene sind wohl am besten aut dem
Wege internationaler Vereinbarung zu erreichen.
Th. Rumpf: Ueber den vorläufigen Entwurf eines Gesetzes
betreffend die Ausübung der Heilkunde durch nichtapprobierte Per¬
sonen und den Geheimmittelverkehr.
Detailkritik und Abänderungsvorschläge des Gesetzentwurfes; zu
kurzer Besprechung nicht geeignet.
Fritz L o e b - München: Titelzusammenstellung der an den deut¬
schen, französischen und schweizerischen Universitäten in den Uni¬
versitätsjahren 1905 06 und 1906 07 erschienenen Schriften, die sich
auf soziale Medizin und Hygiene beziehen. (Fortsetzung folgt.)
F. P e r u t z - München.
f Berliner klinische Wochenschrift. No. 6. 1909.
V. Babes, A. V a s i 1 i u und N. Gheorghus: Ueber kom¬
binierte Behandlung der Pellagra mittels Atoxyl und arsenlger Säure.
Die therapeutischen Ergebnisse dieser Behandlungsart waren
sehr günstige, indem alle 14 so behandelten Patienten schon nach
Kurzer Zeit geheilt wurden, wobei allerdings noch abzuwarten ist.
ob später etwa Rezidive auftreten. Es wurden 1—4 mal 0,5 Atoxyl
in Injektionen und 4 mg arseniger Säure innerlich verabreicht, sowie
eine arsenhaltige Salbe eingerieben. Die Heilung trat nach 6 bis
28 Tagen ein. Mehrere dieser Kranken hatten seit 5—20 Jahren an
Pellagra gelitten.
2) A. S t i c d a - Königsberg i. Pr.: Zur Symptomatologie der
Tuberkulose des Ileosakralgelenkes.
Auf Grund eigener Beobachtungen betont Verf. die diagnostische
Bedeutung des sogen. Trendelcnburg sehen Phänomens, welches
darin besteht, dass beim Erheben des gesundseitigen Beines, also
beim Stehen auf dem krankseitigen Beine, die Beckenhälfte der ge¬
sunden Seite herabsinkt. Die Erscheinung beruht auf einer Insuf¬
fizienz der Mm. glutaeus medius und minimus. Ein Fall, in welchem
genanntes Phänomen deutlich vorhanden war, wird eingehend ge¬
schildert. In 3 weiteren Fällen fand es sich nur einmal angedeutet.
Der Artikel bringt schliesslich noch Bemerkungen zur Behandlung des
genannten Leidens.
3) G. Axhauscn - Berlin: Zur Kenntnis der Meningitis serosa
acuta.
Mitteilung der eingehenden Krankengeschichte, sowie einer Epi¬
krise, des Falles eines 11jährigen Mädchens, bei welchem sich nach
einem Steinwurfe gegen die linke Stirnseite ein schweres Krankheits¬
bild entwickelte, welches in der im Titel angegebenen Art gedeutet
werden muss. Die Heilung erfolgte durch operativen Eingriff, bei
welchem sich ein bullöses Oedem vorfand.
4) Wassermeyer -Kiel: Beitrag zur Lehre von der Caisson¬
myelitis.
Verf. teilt zwei typische Fälle genannter Erkrankung mit. bei
denen sich Seiten- und Hinterstrangerscheinungen, im ersten Falle
auch zerebrale Symptome und als besonders quälend schmerzhafte
Parästhesien, vorwiegend im After und Skrotum, vorfanden. Es trat
keine vollständige Heilung ein, vielmehr blieben Krankheitssymptome
von seiten des Brustmarkes zurück, welche die beidken Arbeiter
dauernd arbeitsunfähig machen.
5) Otto Juliusburger -Steglitz: Zur Psychotherapie und
Psychoanalyse.
Mitteilung der Krankheits- und Behandlungsgeschichte einer
42jährigen Frau, wo die im Sinne Freuds vorgenommene Trauma¬
analyse für die Behandlung wichtige Ergebnisse lieferte.
6) A. P e y s e r und R. Landsberger - Berlin: Indikationen,
neue Methoden und Ergebnisse der kieferorthopädischen Mund¬
atmungsbehandlung.
Das Wesentliche dieser Behandlungsmethode besteht darin, dass
bei hochgaumigen Patienten mittels eigener Apparate längere Zeit
ein Druck auf die Seitenwände des Gaumens ausgeübt wird, wo¬
durch eine Besserung der Nasenatmung und ein Verschwinden patho¬
logischer Mundatmung herbeigeführt werden kann. Nach näherer
Schilderung der Indikationen dieser Gaumendehnungen werden 6 Fälle
eingehender mitgeteilt, in welchen das Verfahren einen vollen Erfolg
zü erzielen vermochte, trotzdem schon alle möglichen anderen thera¬
peutischen Eingriffe vergeblich vorgenommen worden waren. L. gibt
dann noch nähere Ausführungen über das Technische dieser Methode.
7) C. Posner und W. S c h ef f e r - Berlin: Beiträge zur kli¬
nischen Mikroskopie und Mikrophotographie.
Hinsichtlich der von C. Posne r angestellten Untersuchungen
über die Genitalsekrete des Mannes vergleiche Referat Seite 155 der
Münch, med. Wochenschr. 1909.
8) M. P o r o s z - Ofen-Pest : Epididymltls sympathica (Porosz)
und nicht Epididymitis erotica (W a e 1 s c h).
Auf Grund einer neueren Beobachtung kann Verf. die Berechti¬
gung der von W a e 1 s c h gewählten Bezeichnung der genannten
Affektion nicht anerkennen, weil er sich davon überzeugt hat. dass
die Erscheinungen der akuten Skrotumschwellung durchaus nicht
immer mit irgend welchen Sexualvorgängen Zusammenhängen
müssen. In dem von ihm mitgeteilten Falle, welcher einer 45 jährigen,
schwer neurasthenischen Photographen betraf, traten die bezeich-
neten Erscheinungen bei allen möglichen Gelegenheiten, schon ober¬
flächlichen, durchaus nicht sexuellen Gemütserregungen auf.
9) Hugo Marx-Berlin: Geformte Verletzungen.
Unter dieser Bezeichnung sind solche Verletzungen zu ver¬
stehen, welche durch ihre besondere Gestalt das verletzende In¬
strument erkennen lassen. Verf. bringt aus seiner gerichtsärztlichen
Erfahrung eine grössere Anzahl solcher Beobachtungen in seinem Ar¬
tikel zur Kenntnis, welche naturgemäss für forensische Zwecke von
grosser Bedeutung sind. Grassmann - München.
/ Deutsche medizinische Wochenschrift. No. 5. 1909.
1) L. K u 11 n e r - Berlin: Die operative Behandlung des Magen-
karzjnoms, ihre Indikationen und ihre Prognose. Klinischer Vortrag.
Verf. mahnt, die richtige Mitte zu halten zwischen Ueber-
scluitzung und Unterschätzung der chirurgischen Therapie.
2) H. Finkclstein -Berlin: Ueber alimentäres Fieber.
Vortrag im Verein für innere Medizin am 7. XII. 08, ref. Münch.
med. Wochenschr. 1908, No. 50, pag. 2630.
3) Ludwig F. M e y e r - Berlin: Experimentelle Untersuchungen
zum alimentären Fieber.
Vortrag im Verein für innere Medizin am 13. XII. 08, ref. Münch,
med. Wochenschr. 1908, No. 51, pag. 2692.
4) R. von den V e 1 d e n - Düsseldorf : Die stomachale und
intravenöse Behandlung innerer Blutungen mit Kochsalz.
Nach Gabe von 5—15 g Kochsalz per os erhöht sich beim
Menschen in der Regel die Gerinnungsfähigkeit des Blutes; sie er¬
reicht nach 7—15 Minuten ihr Maximum, nach 1— IV 2 Stunden ist
der Anfangswert wieder hergestellt. Verf. vermutet, dass bei dem
starken,* zwischen Blut und Gewebe angeregten Säfteaustausch aus
den Geweben eine Komponente des Gerinnungsaktes mobilisiert wird.
Dieselbe „Ausschwemmungserscheinung“ lässt sich mit den Bromiden,
aber nicht mit den Jodiden erzielen. Abwechselnde Bromsalz- und
Kochsalzmedikation bewährte sich gut bei Hämoptoe. Bei intra¬
venöser Therapie (3—5 ccm sterile NaCl-Lösung in die Armvene)
tritt der Effekt schon nach 2 Minuten und intensiver, ohne unange¬
nehme Nebenwirkung ein, dauert aber nur 1 Stunde; empfehlenswert
bei Magendarmblutungen.
5) Erich Z a b e 1- Rostock: Zur Kasuistik und Symptomatologie
der Vergiftungen mit Bismutum subnitricum.
In den 3 beobachteten Fällen kamen nach Einnahme des Wismut-
bieies folgende Symptome: Uebelkeit, Schwächegefühl, Blässe, Kopf¬
schmerz, Schwindel, Schweissausbruch. In einem Falle war nur
7,5 g Bism. subnitr. verabreicht worden. Seit Verf. Bism. carbonicum
für die Röntgenuntersuchung verwendet, hat er nie mehr Neben¬
erscheinungen beobachtet.
6) K o t z e n b e r g - Hamburg-Eppendorf: Zur Therapie und
Bakteriologie der eitrigen Perforationsperitonitis.
Für die beste Operationsmethode erklärt Verf. die von Rehn
und N ö t z e 1 angegebene Technik. Sie wurde nur durch Anwendung
von Glastrains und Vioforinspiilung modifiziert. Von 34 so be¬
handelten diffusen eitrigen Peritonitiden starben nur 5. Verf. be¬
stimmte bei 21 Fällen (gemeinsam mit Much) den opsonischen Index;
es ergaben sich 20 positive Kolireaktionen; nur ein Fall reagierte
allein auf Staphylokokken. 16 Kolireaktionen waren rein, 4 reagierten
ausser auf Koli noch auf Staphylo- oder Streptokokken. Bei 6 Fällen
mit reiner Kolireaktion lag eine kulturelle Mischinfektion vor. Der
opsonische Index bewährte sich zu diagnostischen Zwecken sehr gut,
zu prognostischen dagegen nicht.
7) v. Notthafft - München: Beiträge zur Kenntnis der Atoxyl-
wirkung bei Syphilis, besonders bei ausschliesslich lokaler Appli¬
kation. (Schluss folgt.)
8) Georg Lockemann - Berlin: Zur Frage der Ausscheidung
des Atoxyls durch den Harn.
Auseinandersetzung mit Blumenthal.
9) Otto L e e r s - Berlin: Die Ausschaltung organischer Farbstotf-
beimengungen beim spektroskopischen Blutnachweis.
Zu obigem Zweck empfiehlt Verf. die Mazeration des blutver¬
dächtigen Objekts mittels Kalilauge-Alkohol aa und die Einengung des
gelösten Blutfarbstoffes durch Pyridin. Das durch einige Tropfen
frischen Schweieiammons geklärte Pyridin zeigt Hämachromogen-
spektrum. Für Indigogewebe eignet sich besser die Takayama-
sche Probe.
10) Bruno Fellner jun.-Franzensbad: Das Pulsometer.
Ein praktisches Instrument zur Bestimmung der Stromgeschwin¬
digkeit des Blutes am lebenden Menschen. Demonstriert auf der
Naturforscherversammlung 1908, ref. Münch, med. Wochenschr.
No. 45, pag. 2356. R. Grashey - München.
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
361
Korrespondenzblatt für Schweizer Aerzte. XXXIX. Jahr¬
gang. No. 2 .
W.Kolle: Die Ergebnisse der neueren Forschungen über die
Syphilisätiologie und. Syphilisdiagnostik, im besonderen die Sero¬
diagnostik. (Vortrag, gehalten im ärztl. Zentralverein in Olten.)
Zusammenfassung der wichtigsten neuen Erkenntnisse über
Spirochaete pallida, Affen- und Kaninchensyphilis und Serodiagnostik.
Die Untersuchungen im Berner Institut zur Erforschung der Infektions¬
krankheiten ergaben, dass die Wassermann sehe Reaktion für
byphilis „charakteristisch, nicht aber spezifisch“ im Sinne der Bak¬
teriologie ist, und dass die dabei tätigen Stoffe nicht eigentliche Anti¬
gene und Antikörper sind. Endlich wird die — nicht mehr anerkannte
— Immunität besprochen und die Verschiedenartigkeit der Krankheits¬
prozesse nach Stadien durch Umstimmung der Gewebe erklärt.
Emst R u p p a u e r: Ueber Stauungsblutungen nach Kompression
des Rumpfes. (Aus der chirurgischen Klinik in Basel nach einem in der
me f d * Gesellschaft Basel gehaltenen Vortrag.) (Mit 2 Abbildungen
auf Tafel.)
Schilderung von 4 Fällen und Besprechung der Erscheinungen
und der Aetiologie (Drucksteigerung, Fehlen von Venenklappen,
unterstützt noch durch Glottisverschluss und Bauchpresse).
Pischinger.
Oesterreichische Literatur.
Wiener klinische Wochenschrift.
No. 5. H. S c h 1 e s i n g e r - Wien:
siblen Innervation des Uterus.
Referiert in No. 4, Seite 211.
Zur Lehre von der §eo-
E. S c h ü t z - Wien: Ueber Mageninhaltsbefunde bei „akutem
Magenkatarrh**.
Bei 54 sorgfältig ausgewählten Fällen von akuter Magenindis¬
position (akutem Magenkatarrh) zeigte nur in einem Sechstel der
Mageninhalt normales Verhalten. Bei einem Drittel waren die Zeichen
schlechter Chymifikation, ebenso oft vermehrter Schleimgehalt nach¬
zuweisen. Bei einem Drittel war die Azidität normal, bei etwa der
Hälfte bestand Hyperazidität, bei einem Fünftel Sub- und Anazidität.
Im allgemeinen ist hier daher der Gebrauch von Salzsäure nicht an¬
gezeigt. Wenn die dyspeptischen Erscheinungen länger als 14 Tage
anhalten, ist bei solchen Fällen, welche mehr als „verdorbener Ma.aen“
zu bezeichnen wären, eine genauere Prüfung des Mageninhaltes vor¬
zunehmen.
A. v. Reuss-Wien: Ueber das Vorkommen von Glykokol! im
Harne des Kindes.
^ er Erage des Vorkommens von Aminosäuren, speziell von
ulykokoll, im Harn des Kindes war bisher noch strittig. Nach den
Befunden an 14 Kindern im Alter von 2 Wochen bis zu 11 Jahren
erachtet Verf. das Glykokoll auch für das Kind als einen normalen,
von Ernährung und Lebensalter unabhängigen Harnbestandteil: auch
von dem Säugling, der in der Milch eine glykokollarme Nahrung
erhält,- wird es ausgeschieden. Das Glykokoll ist als ein Produkt des
intermediären Stoffwechsels anzusehen, das namentlich, wie es
scheint bei Schädigung des Leberparenchyms in grösserer Menge
zur Ausscheidung gelangt.
L. Arzt- Wien: Zur Diagnose des akuten Rotzes.
Beschreibung eines Falles. Die klinische Beobachtung, welche
auch an Tynhus denken liess, und die Obduktion nahmen eine krv-'to-
genetische Pyämie an. Erst die genaue bakteriologische Unter¬
suchung konstatierte Rotz in einwandfreier Weise. Später stellte sich
erst heraus, dass der Verstorbene Pferdemetzger war. Die Infektion
kam wahrscheinlich durch Schrunden an den Händen zustande. Es
bestanden nur wenige Hautabszesse, fehlten die tieferen Abszesse der
Muskulatur und in der Lunge: die Pustelbildung war eine auser-
gewöhnlich spärliche; eitrigschleimige Sekretion aus der Nase zeigte
sich erst kurz vor dem Tode.
G. Stief Ie r-Linz: Ueber familiäre und iuvenile Tabes mit
iQfantliismus nach Lues acquislta.
St. hatte Gelegenheit, an zwei verwandten Familien die luetische
Infektion von 10 Personen zu beobachten. Von diesen erkrankten 3
an Tabes, der Vater, welcher die Lues im Alter von 37 Jahren, ein
£°tin und eine Tochter, welche sie mit 5 bezw. lVa Jahren akauiriert
naben. Seit der Infektion sind nun 13 Jahre verflossen, inzwischen
nat sich bei den drei Personen das Bild der Tabes deutlich ent¬
wickelt. Besondere Beachtung verdient der bei dem 18 jährigen
^ohn und über 14 jährigen Mädchen bestehende ausgesprochene b-
fantilismus. während sich die zur gleichen Zeit infizierten Geschwister
ganz normal entwickelten. Die Frage des Zusammenhanges des
Infantilismus mit der Tabes oder der Lues bedarf noch der weiteren
Klärung.
M. K e s s 1 e r: Ein neues Tamponadeinstrumentarium.
Beschreibung eines von Kozlowski -Drohobycz angegebenen
Instrumentariums, das aus einem festhaltenden Spekulum und aus
nxationszangen besteht, deren Krümmung es gestattet, sie nach oben
und unten so zu fixieren, dass sie nicht hindernd im Operations-
Bereich sich finden. So lassen sich tatsächlich ohne Assistenz die
Iamponade und dergleichen Eingriffe ausführen.
Bergeat - München.
Englische Literatur.
Sir Arthur Macan: Die chirurgische Behandlung der puerpe¬
ralen Sepsis. (Dublin Journal, November 1908.)
Verf. verwirft durchaus die Ausschabung des puerperal-sep¬
tischen Uterus, höchstens darf man das Ausbürsten des Uterus (6cou-
villonage der Franzosen) machen. Bei allgemeiner Peritonitis mache
man einen grossen Schnitt in der Mittellinie und mehrere Seitenschnitte
zur Drainage, vor allem eröffne man stets den Douglas von der
Scheide aus. Gleichzeitig entferne man den septischen Uterus nach
P o r r o. Bei Darmlähmung eröffne man den Darm nahe dem Duo¬
denum, nahe dem Zoekum und etwa in der Mitte zwischen diesen
beiden Punkten; man verlagere den Darm vor die Wunde, umgebe
ihn mit Xeroformgaze und führe ein kleines Drain ein. Ausserdem
lasse man 50 ccm einer 2 proz. Lösung von Kollargol im Peritoneal¬
sack. Prophylaktisch kann man in diesen Fällen folgende Operation
machen. Der septische Uterus wird gut ausgespült und fest mit
10 proz. Jodoformgaze tamponiert. Dann eröffnet man von der
Scheide her den Douglas, lässt die dort befindliche Flüssigkeit ab
und tamponiert den Douglas ganz fest mit Jodoformgaze aus, so dass
der Uterus gewissermassen von der Bauchhöhle abgeschlossen ist.
Gleichzeitig gibt man sehr reichliche subkutane und rektale Kochsalz¬
eingiessungen. Frisch vereiterte Tuben und Ovarien lasse man in
Ruhe, die vaginale Radikaloperation ist durchaus zu verwerfen; höch¬
stens darf man grössere Eitersäcke von der Scheide aus eröffnen und
drainieren. Die Unterbindung thrombosierter Venen gibt bei akuten
Fällen sehr schlechte Resultate, bei chronischen Fällen sind die Er¬
folge zwar besser, doch werden diese Fälle auch ohne Operation
öfters besser. Die Venenunterbindung mache man transperitoneal
durch einen Medianschnitt; findet man (was bei der unsicheren Dia¬
gnose vorkommt) beide Venae hypogastricae gesund, so lasse man
sie natürlich in Ruhe und entferne den Uterus nach Porro und
brenne den Stumpf mit dem Glüheisen aus.
D. P. D. W i 1 k i e: Vakzinebehandlung bei tuberkulösen Mlsch-
Infektlonen. (Edinburgh Med. Journ., Nov. 1908.)
Die Heilung von Wunden nach Operationen bei tuberkulösen
Mischinfektionen beruht zum Teil auf der Natur der Mikroben. Wund¬
infektionen mit Staphylococcus albus sind günstiger als mit aureus
oder Streptokokken; z. T. beruht es auf dem opsonischen Index des
Patienten gegenüber dem bei ihm vorhandenen Mikroorganismus.
Es empfiehlt sich, schon vor der Operation den Mikroorganismus zu
bestimmen, ihn zu züchten und von ihm eine „persönliche“ Vakzine
zu gewinnen, mit der der Kranke behandelt wird. Operationen sind
aufzuschieben, bis die der Behandlung folgende negative Phase ver¬
schwunden ist und womöglich einer positiven gewichen ist. Bei Sta¬
phylokokken verschwindet die negative Phase gewöhnlich 36 Stun¬
den nach der Impfung. Fälle, bei denen nach der Operation eine
Fistel zurückgeblieben ist, werden durch Behandlung mit einer ge¬
eigneten Vakzine meist allgemein und lokal rasch gebessert. Die
lokale Wirkung wird wesentlich gesteigert durch gleichzeitige An¬
wendung der Stauungsbinde oder der Saugaooarate. Es ist in der
grossen Mehrzahl der Fälle überflüssig, die Behandlung unter Kon¬
trolle des opsonischen Index vorzunehmen, der opsonische Index hat
nur dann einen Wert, wenn er sehr häufig bestimmt wird; die Be¬
handlung lässt sich aber auch ohne ihn gut durchführen.
James Miller: Die Vakzinebehandlung infektiöser Erkran¬
kungen. (Glasgow Med. Journ., Nov. 1908.)
Verf. berichtet zuerst über die Vakzinebehandlung der chro¬
nischen Acne vulgaris, die ihm ausgezeichnete Erfolge gegeben hat.
Man muss die Behandlung aber unter steter Kontrolle des opsonischen
Indet ausführen, da sonst leicht durch zu grosse Dosen Verschlimme¬
rungen auftreten (siehe die gegenteilige Behauptung in der oben re¬
ferierten Arbeit von W i I k i e. Refer.). Man muss oft viele Ein¬
spritzungen (z. B. in einem der zitierten Fälle 14) machen und man
soll gleichzeitig lokal behandeln. Dann beschreibt Verf. einen recht
interessanten Fall von akuter Infektion der Harnwege durch den
Pneumococcus Friedländer; auch dieser Fall kam durch Behandlung
mit einer persönlichen Vakzine rasch zur Heilung. Bei Tuberkulose
muss man vor und nach den ersten Injektionen den opsonischen In¬
dex bestimmen; hat man die richtige Dosis gefunden, so kann man
ohne den Index zu nehmen weiterbehandeln. Verf. spritzt als höchste
Dosis Vroo mg ein. In manchen Fällen empfiehlt sich, gleichzeitig er¬
hitztes Pferdeserum (5 ccm) einzuspritzen. (Warum, wird nicht er¬
klärt. Refer.). Verf. gibt Indextabellen.
Hugh T. A s h b y: Acldosis oostanaesthetlca oder spät auf tretende
Chloroformvergiftung. (Med. Chronicle. November 1908.)
Der in England in den letzten Jahren mehrfach beschriebene
Symptomenkomplex tritt meist bei Kindern auf; es ist bisher un¬
möglich, prophvlaktisch etwas dagegen zu tun. Die Krankheit ver¬
läuft meist tödlich und tritt fast nur nach Chloroformnarkosen auf
und zwar häufig nach unbedeutenden, kurzen Operationen. Das
Kind ist anfangs noch ganz wohl, die ersten Svmotome treten etwa
30 Stunden nach der Operation auf. Das Kind beginnt an unstill¬
barem Erbrechen zu leiden, wird bald benommen und deliriert, der
Tod erfolgt gewöhnlich etwa 48 Stunden nach der Operation. Am
Ende des Lebens besteht deutlicher Lufthunger. Wahrscheinlich be¬
stand in diesen Fällen schon vor der Operation Fettleber: aus diesem
Fett werden Oxvbuttersäure, diazetische Säure und Azeton geformt,
gehen in das Blut über und erscheinen im Urin. Die Kohlensäure
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362
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
wird nicht ausgeschieden, da die Natrium- und Kaliumbasen im Blute
sich mit den Fettsäuren verbinden. Prophylaktisch kann man vor
und nach der Operation grosse Mengen Zuckers geben, um den
Glykogengehalt der Leber auf der Höhe zu halten. Bei eingetretener
Azidosis gebe man grosse Dosen Natr. bicarbonicum und citricum
zur Neutralisierung der Fettsäuren.
Robert Ollereushaw: Klinische Untersuchungen über die
Wirkung der neueren Hypnotika und der schmerzstillenden Mittel.
(Medical Chronicle, Oktober 1908.))
Chloretone in Dosen von 0,3 mehrfach genommen, hat bei Fällen
von Seekrankheit, die gastrischer Natur sind, eine recht günstige Wir¬
kung (Ref. kann dies bestätigen). Bei Seekrankheit zerebellaren
oder zerebralen Ursprunges ist es dagegen wirkungslos. Es ist ein
gutes Mittel bei Chorea. Als Hypnotikum ist es wertlos. Brometone
ist ein gutes Sedativum bei der Schlaflosigkeit in Fällen seniler De¬
menz (Chloretone war hier ohne Wirkung). Bei Epilepsie ist es zu-
. weilen von Wert. Es hat keinen analgetischen Effekt, ist aber zu¬
weilen als Hypnotikum brauchbar. Chloralamid ist kein gutes
Hpynotikum, bei Kindern wirkt eine heute gegebene Dosis manchmal
gut in der folgenden Nacht. Phenalgin, dessen von den Fabrikanten
angegebene Formel unmöglich ist, besteht wahrscheinlich aus 2 Teilen
Azetanilid mit 1 Teil Natr. bicarbonicum und Ammon, carbon., ein
sehr ähnlich zusammengesetztes Mittel wird als Ammonol verkauft.
Als Hypnotikum ist es in ungefährlichen Dosen unwirksam; als
Analgetikum ist es brauchbar, doch ist es ziemlich gefährlich, da es
Herzdepression, Frösteln und Unbehagen hervorruft. (Ref. fand es
nützlich in gewissen Fällen von Dysmenorrhöe..) Veronal hat sich
ihm in Fällen ernsterer Schlaflosigkeit sehr bewährt. Bei zu grossen
Dosen kommt es zu eigentümlichen Spasmen, die in einem Falle einen
Hirntumor vortäuschten und zur Operation führten. Bromural zeigte
sich sehr brauchbar in Fällen von Melancholie und Hysterie, die mit
Schlaflosigkeit verbunden waren, und zwar besonders bei Frauen.
Der durch Bromural erzeugte Schlaf ist von kürzerer Dauer aber er¬
frischender als ein Chloralschlaf. Die Wirkung tritt rasch ein und
ohne jede Nebenwirkung. Isopral steht in seiner hypnotischen Wir¬
kung etwa zwischen Veronal und Bromural, selbst nach Einzeldosen
von 2,0 wurden keine üblen Nebenwirkungen beobachtet. Es
schmeckt sehr schlecht, wenn innerlich genommen; man kann des¬
halb 4,0 folgender Lösung in die Haut einreiben lassen: Isopral 30,0,
Ol. Ricini Alcoh. absol. äa 10,0. Es wirkt nach Einreibung sehr sicher
und ohne Nebenwirkungen. Man muss aber darauf achten, dass die
Person, die die Einreibung macht, sich vorher die Hand dick mit
Lanolin einfettet und sich sofort nachher gründlich abseift, da sie sonst
zu viel Isopral resorbiert und ebenfalls schläft. Gewöhnung an das
Mittel oder Herzdepression traten auch nach länger fortgesetztem Ge¬
brauche nicht auf. Neuronal ist zwar ein starkwirkendes Hypnoti¬
kum, sollte aber wegen seiner, das Gehirn und Herz deprimierenden
Eigenschaften lieber vermieden werden. Mesotan ist bei Einreibungen
ein ausgezeichnetes Mittel gegen rheumatische Schmerzen, es ist
aber zu teuer und kann ersetzt werden durch Gaultheriaöl oder
synthetisches Methylsalizylat, das nur den achten Teil kostet.
E. M. Corner: Die Patellarfraktur. (Practitioner, Oktober
1908.)
Verf. hat das grosse Material des St. Thomas-Hospitals ver¬
arbeitet. Er empfiehlt frische Patellarfrakturen so frisch als möglich
zu operieren. Es ist nötig alle Blutgerinnsel aus dem Gelenk zu
entfernen. Die Knochenenden werden mit Draht oder Seide (eine
Naht genügt) vereinigt und dann wird der seitliche Kapselapparat
sorgfältig genäht. Die Knochennaht kann subkutan gemacht werden,
die Naht des Bandapparates von Seitenschnitten aus; es ist gut eine
Narbe über der Patella selbst zu vermeiden. Man verbinde mit
Kollodium und lege keine Schienen an. Leichte Bewegungen und
Massage sind am zweiten Tage nach der Operation zu beginnen, sehr
wichtig ist es, die Patella seitwärts zu bewegen, um Verwachsungen
mit der Unterlage zu verhüten. Man soll den Patienten erst gehen
lassen, nachdem die volle Beweglichkeit im Knie zurückgekehrt ist
(nach 4 bis 6 Wochen). Es ist ganz einerlei, ob die Knochen knöchern
oder fibrös vereinigt werden, die Hauptsache ist die gute Vereinigung
des Bandapparates und die volle Beweglichkeit der Patella. Die
Knochennähte lockern sich später immer, selbst wenn es zu knö¬
cherner Vereinigung kommt. Die Operation muss sehr früh und
aseptisch gemacht werden, dann kann man sofort mit der Massage
beginnen. (Ref. hat schon 1895 im Zentralblatt für Chirurgie eine
Arbeit über die Behandlung der Kniescheibenbrüche veröffentlicht
und darauf hingewiesen, dass es ganz einerlei ist, ob eine fibröse
oder eine knöcherne Vereinigung eintritt. Er hat seither noch sehr
viele Kniescheibenbrüche gesehen und teils genäht, teils aber auch mit
der 1895 empfohlenen Methode behandelt, bei welcher der Kranke
ohne jeden Verband sofort herumgeht und gründlich massiert und
elektrisiert wird. Diese Methode, die er auch jetzt namentlich bei
älteren Leuten vielfach anwendet, hat ihm ausgezeichnete Resultate
ergeben in allen Fällen, in denen der Bandapparat nicht zu stark zer¬
rissen war.)
Comyns B e r k e 1 e v und Victor B o n n e y; Die Werthelm-
sche Krebsoperation. (Brit. Med. Journ., 3. Oktober 1908.)
Verfasser haben seit einiger Zeit diese Operation ausgeführt und
teilen ihre Erfahrungen mit. Sie haben ein neues (abgebildetes) In¬
strument zum sicheren Verschluss der Scheide angegeben, was prak¬
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tisch zu sein scheint. Zwei Tage vor der Operation wird der Krebs
gründlich ausgeschabt und ausgebrannt und dann täglich durch ein
Spekulum reine Karbolsäure appliziert, ausserdem gibt man Formalin¬
ausspülungen (1 :1000); unmittelbar vor der Narkose wird zum letzten
Male Karbol appliziert und die Scheide dann fest mit Jodoformgaze
ausgestopft. Während der Operation, kurz vor der Amputation der
Scheide wird der Tampon entfernt, der sich mit den Sekreten voll¬
gesogen hat und die Scheide rein zurücklässt. Am Schlüsse wird
die Scheide nicht genäht, sondern bleibt ohne Tamponade offen. Es
ist sehr wichtig, während der Operation jede Verunreinigung der
Wundränder zu vermeiden, die Verfasser versuchen dies dadurch,
dass sie ein steriles Tuch sofort nach Eröffnung des Peritoneums
an Peritoneum und Bauchwunde jederseits annähen und so die Wunde
abschliessen. Die Dauer der Operation betrug zwischen 55 und 165
Minuten. Von 18 operierten Fällen starben 3 und zwar an Sepsis, in
je einem Falle kam es zur Ausbildung einer vesikovaginalen, uretero-
vaginalen resp. rektalen Fistel. Die Verfasser glauben entschieden,
dass die Operation bestimmt ist, die anderen Methoden zu ver¬
drängen.
L. Hill und M. Flack: Sauerstoff und Muskelbewegung als
Behandlungsmethoden. (Ibidem.)
Sauerstoffeinatmungen gefolgt oder begleitet von Muskel¬
übungen sind eine wirksame Behandlungsmethode bei fetten, kurz¬
atmigen Personen, bei starken Essern, die sich zu wenig Bewegung
machen und bei Fällen von Emphysem und Herzkrankheiten, die man
sonst mit abgestuften Uebungen behandelt. Auch in den Tropen, wo
die Europäer oft wenig Lust zu den doch so notwendigen körper¬
lichen Uebungen haben, kann man Sauerstoffeinatmungen machen
lassen, da diese die späteren Uebungen wesentlich erleichtern. Verf.
hat einen kleinen Apparat angegeben, der gleichzeitig als Generator
und Inhalator des Sauerstoffes dient. Der Apparat besteht aus einem
Gummiballon mit Mundstück und Hahn an einem Ende und einem
Metallgefäss am anderen Ende. In das Gefäss, das höher gehalten
wird als der Ball, gibt man 1 Würfel Oxalith (Na*Oa); in den
luftleer gemachten Ball gibt man etwa 1% Liter Wasser. Das Gefäss
und der Ball werden dann geschlossen. Lässt man nun etwas Wasser
in das Gefäss laufen, so bildet sich Sauerstoff und Aetznatron; der
Kranke atmet aus dem Ballon ein und schüttelt ihn gleichzeitig, damit
das Aetznatron die gebildete Kohlensäure absorbiert. Hill hat an
sich selbst, an Athleten (Marathonrennern), an Arbeitern und an
Pferden die günstige Wirkung des Sauerstoffes studiert und gefunden,
dass Sauerstoffeinatmungen kurz vor grossen Anstrengungen das In¬
dividuum befähigen, viel mehr und viel leichter zu arbeiten als sonst.
Flack begleitete am 19. September den bekannten Wettschwimmer
W o 1 f f e auf seinem letzten diesjährigen Versuche, den Kanal zu
durchschwimmen. W o 1 f f e begann um 6 Uhr morgens zu schwim¬
men und zwar von Dover aus, kurz nach 6 Uhr abends (also nach
12 Stunden) wurde er unruhig und verlangte, dass der Lotse den
kleinen Dampfer verlasse und ihn in einem kleinen Boote begleite,
da er fürchtete, seine Kräfte würden ihn verlassen. Um 7 Uhr 45 Mi¬
nuten verlangte er dringend aus dem Wasser in das Boot gehoben
zu werden, da er sein Wettschwimmen aufgeben wolle. Er atmete
sehr schwer und hastig und obwohl er noch ganz mechanisch die
Schwimmbewegungen machte, kam er doch nicht mehr von der
Stelle. Man veraniasste ihn nun auf dem Rücken liegend, Sauerstoff
einzuatmen und er tat dies für 4 Minuten. Nach dieser Zeit begann
er wieder kräftig zu schwimmen, man gab nun jede Viertelstunde
Sauerstoff und der Erfolg war ein sehr bedeutender. Er kam bis
etwa 1 Kilometer an die französische Küste, musste aber schliesslich
doch wegen „Krampfes“ infolge der grossen Kälte aufgeben. Am
nächsten Morgen war er völlig frisch und die Verfasser glauben,
dass er zweifellos die Küste erreicht hätte, wenn er etwas früher mit
dem Sauerstoff begonnen hätte.
Theodor Thompson: Familiäre Atrophie der Handmuskeln.
(Brain. Vol. XXXI, Teil CXXII..)
Von 64 Mitgliedern einer Familie in 4 Generationen zeigten 7
Atrophie der Handmuskeln. In der ersten Generation (2 Personen)
kam kein Fall vor, in der zweiten (7 Personen, 3 Männer, 4 Frauen)
war 1 Mann affiziert; in der dritten Generation (19 Personen, 7 Män¬
ner und 12 Frauen) waren 4 affiziert und zwar 2 Männer und 2 Frauen.
In der vierten Generation (30 Personen, 12 Männer, 18 Frauen) waren
1 Mann und 1 Frau ergriffen. Viele Mitglieder der vier Generationen
sind aber noch unter dem Pubertätsalter, d. h. zu jung, um die ersten
Spuren dieser Erkrankung zu zeigen. In allen untersuchten Fällen
begann die Erkrankung im 16. Lebensjahre mit Atrophie der Daumen¬
muskulatur, später erkrankten auch die übrigen Handmuskeln, alle
anderen Muskeln blieben gesund. Es werden genaue Krankenge¬
schichten mit elektrischen Befunden gegeben, auch die genauen Ver¬
wandtschaftsverhältnisse erörtert. In zwei mit Radiographie unter¬
suchten Fällen fand man Halsrippen und glaubt Verf., dass die Atrophie
etwas sekundärer ist und durch die Halsrippen hervorgerufen wird.
Philipp W. Mathew: Ueber hereditäre Brachydaktyüe. (Brit.
Med. Journ., 3. Oktober 1908.)
Verf. bildet einen solchen Fall ab und gibt die genaue Familien¬
geschichte, nach der die Deformität bei 12 Mitgliedern in 5 Ge¬
nerationen derselben Familie beobachtet wurde.
John L. Todd: Die Verhütung der Schlafkrankheit. (Brit. Med
Journ., 10. Oktober 1908.)
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
363
Es ist nicht allein die Qlossina palpalis, die die Krankheit über¬
trägt, sondern alle anderen Qlossinae und überhaupt alle beissenden
Fliegen. Da man nun diese Fliegen nicht kontrollieren kann, muss
man alles versuchen, um den Parasiten auszurotten. Dies ist um so
wichtiger, als die Krankheit langsam, aber bisher unaufhaltsam ihren
Weg gegen Süden fortsetzt. Man muss also vor allem die Einwan¬
derung kranker oder verdächtiger Personen in bisher noch unver-
seuchte Gegenden zu verhüten suchen. Es muss eine strenge Qua¬
rantäne gehandhabt werden; dasselbe gilt für die Gegenden, in denen
nur vereinzelte Fälle vorgekommen sind. Diese Fälle sind zu iso¬
lieren in fliegenfreien Distrikten und hier zu behandeln. Man muss
ferner in unverseuchten Gegenden versuchen die Dörfer der Ein¬
geborenen von den Flüssen und sumpfigen Niederungen fort in höher¬
gelegene, fliegenfreie Distrikte zu verlegen. Um die Dörfer dürfen
keine hohen, schattengebenden Pflanzungen (z. B. Bananen oder
Maniocs) angelegt werden, sondern es müssen niedrige Pflanzen (Erd¬
nüsse, süsse Kartoffeln etc.) angebaut werden. Die ganze Bekämp¬
fung der Schlafkrankheit ist in die Hände eines besonders zu diesem
Zwecke angestellten Korps zu legen, das über genügende und gut
ausgebildete Hilfskräfte und reichliche Geldmittel verfügt.
(Schluss folgt.)
Inauguraldissertationen *).
S. Weiss: Ueber die Infiltrationen der Hirnge-
fässe bei der progressiven Paralyse. Freiburg i. Br.
1908. 23 Seiten. Ergebnisse: 1. Die zelligen Infiltrationen der
Hirngefässe bei der progressiven Paralyse finden sich zahlreicher in
der Rinde als im Mark. Innerhalb der Rinde sind sie am stärksten
ausgeprägt in ihren mittleren Schithten, d. h. in den mittleren, un¬
regelmässigen und grossen Pyramidenzellenschichten. 2. In der Mehr¬
zahl der Fälle weisen Zentral- und Frontalwindung die meisten, die
Okzipitalwindung die geringsten Infiltrate auf. 3. Zwischen der Aus¬
breitung und Stärke der Infiltrate und der Dauer des Krankheits¬
prozesses lassen sich keine Beziehungen herstellen; es ist also aus
dem Verhalten der Infiltrate kein Schluss auf die Dauer der abge¬
laufenen Erkrankung gestattet. 4. Es besteht vielleicht ein gewisser
Zusammenhang zwischen den klinisch auftretenden Anfällen und den
sich post mortem findenden Gefässinfiltrationen. 5. Neben den zelligen
Infiltraten findet sich Pigment. Es fehlt nur dann, wenn die Zell¬
ansammlungen sehr geringgradig sind. Es findet sich häufiger bei
chronischen Fällen; eine Beziehung zu den paralytischen Anfällen hat
es nicht.
Heinrich Feigen: Die Bakterienmenge des Dünn¬
darmes und ihre Beeinflussung durch Antiseptika.
Aus der medizinischen Universitätsklinik Bonn. 1. Die stark desin¬
fizierenden Mittel, hauptsächlich das Kalomel, haben einen antisepti¬
schen Effekt bei der Desinfektion des Dünndarmes nur insofern, als
sie durch Herbeiführen einer Laxation ein mechanisches Fortschwem¬
men der Bakterien und ihres Nährbodens veranlassen. Das tun sie
nicht, ohne gleichzeitig den Darm in höchst bedenklicher Weise zu
schädigen, was wiederum zu einer Vermehrung der Bakterien statt
der gewollten Verminderung führt. 2. Die Laxation können wir mit
anderen Mitteln aber ohne eine Schädigung des Darmes veranlassen.
Auf Grund seiner Versuche behauptet Verf. dies vom Purgen, bei
dessen Anwendung eine deutliche Bakterienverminderung, aber kei¬
nerlei Schädigung wahrzunehmen war. Das Purgen scheint besonders
zweckmässig zu sein, da die starke Darmsaftsekretion auch die in
der Tiefe der Schleimhaut und in den Lymphbahnen sitzenden Bak¬
terien herausschwemmt, welche einem Desinfiziens nicht mehr zu¬
gänglich waren. 3. Ohne jeglichen Erfolg auf die Bakterienverminde¬
rung waren die Sauerstoffträger und das Isoform. (Bonn 1908.))
Fritz L o e b.
Neuerschienene Dissertationen.
Universität Halle. Januar 1909.
Güttich Alfred: Ein Fall von Magenleberkrebs im Kindesalter.
Rettig Paul: Ueber caput obstipum musculare.
Ritter Hans: Das Herz bei Mitralstenose.
Universität Strassburg. Monat Januar 1909.
S c h a 1 c k Edmund: Nicht parasitäre Milzzysten.
Olilmann Joseph: Atoxyl in der Syphilistherapie.
Zuckermann Boris: Ueber den Wortschatz der Aphatikcr.
Universität Würzburg. Januar 1909.
»erdens Gustav: Zur Kasuistik und Statistik der Hodentuinoren.
Kotschenreuther Alois: Ueber Serumtherapie bei epidemischer
Genickstarre.
Rdppel Markus: Haben Geisteskranke andere Schädel als Nicht¬
geisteskranke?
7 Zusendung von Dissertationen an die Adresse der Redaktion,
München, Arnulfstrasse 26, erbeten. Besprechung Vorbehalten.
Auswärtige Briefe.
Kölner Brief.
(Eigener Bericht.)
Köln, den 11. Februar 1909.
Mit dem 1. Februar 1909 sind die Kölner Aerzte von der Be¬
handlung der Krankenkassenmitglieder ausgeschlossen, da mit diesem
Zeitpunkt der bisherige, seiner Zeit mit der Regierung abgeschlossene
Vertrag abgelaufen war und die Kassen, wie bereits früher mitgeteilt
(Münch, med. Wochenschr. 1908, p. 1092), mit der organisierten
Aerzteschaft keine Verträge mehr abschliessen wollten. Einzig und
allein geht der Kampf der Kassen gegen die ärztliche Wirtschaji-
und Standesorganisation. Die Geldfrage spielt keine Rolle. Denn
wie der stellvertretende Vorsitzende des Krankenkassenverbaades
noch in einer grossen Versammlung am 31. I. 09 erklärte, wollen die
Kassen keine Ersparnisse an dem Aerztehonorar machen.
In der langen Zeit von über % Jahren, die den Kassen zur
Verfügung stand, haben sie im ganzen nur 54 Aerzte anwerben
können; unter diesen 24 Aerztcn aus Leipzig, die in der Unter¬
stützung von gesperrten Kassen einen handwerksmässigen Beruf
erblickt zu haben scheinen; man hat diese Herren angeworben, ob¬
wohl die Leipziger Krankenkasse die hiesigen Kassen ausdrücklich
gewarnt hat. Ferner sind unter diesen 54 Aerzten 14 Kölner Aerzte.
die leider den Lockungen der Kasse nicht haben widerstehen können,
obwohl die grösste Mehrzahl derselben sich vorher ehrenwört¬
lich verpflichtet hatte, nicht mit den Kassen abzuschliessen; diese
kleine Zahl verschuldet in letzter Linie den ganzen zur Zeit in seinen
Folgen noch unabsehbaren Zwist; denn ohne deren Mitwirkung hätten
die Kassen, wie sie selbst sagen, den Kampf nie gewagt. Acht von
diesen Kölner Aerzten sind vor wenigen Tagen von dem ärztlichen
Ehrengericht in Koblenz wegen Ehrenwortbruch verurteilt worden.
Interessant ist es, wie die Kassen sich diesem ehrengerichtlichen
Urteil gegenüber verhalten. Die Richter — es waren keine Kölner
Aerzte — werden zunächst angegriffen, weil sie Mitglieder des Leip¬
ziger Verbandes seien; ferner „müssten“ — wie der stellvertretende
Vorsitzende des Krankenkassenverbandes sagte — „die Heeren
Ehrenrichter den Kassenvorständen gestatten, ein eigenes
Urteil darüber zu fällen, ob sich die (8) Herren zur Zeit des Ab¬
schlusses (ihrer Verträge) für frei halten konnten oder nicht“. Also
die Krankenkassen Vorstände und nicht die ärzt¬
lichen Ehrenrichter entscheiden, ob ein Arzt sein
Ehrenwort gebrochen hat.
Ausser den 24 Leipziger und den 14 Kölner Aerzten sind es noch
16 andere Aerzte aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands,
die „ihre bewährten Kräfte“ den Kölner Kassen zur Verfügung
stellen zu müssen glaubten. Alle diese 54 Herren sollen nach aus¬
drücklicher Versicherung der Kassen erst nach sorgfältigster Prütung
angestellt worden sein, weil ihnen die glänzendsten Zeugnisse zur
Seite stünden. Auch die Regierung soll die Qualität dieser Herren
geprüft und angeblich nichts an ihnen auszusetzen haben. Also,
„stünden den Kölner Krankenkassen die bewährtesten ärztlichen
Kräfte zur Verfügung und zwar in einer Zahl, die die von der Re¬
gierung geforderte Zahl wesentlich überschreite“. So hört man es in
allen Versammlungen der Krankenkassen, so verkünden es die
Krankenkassenvorstände in allen Zeitungen.
Wenn aber die Kölner Kassen die besten Aerzte und noch dazu
in überreicher Zahl seit dem 1. Februar haben, wie darf man da
von einem Streik derjenigen Aerzte sprechen, die von den Kranken¬
kassen vom 1. Februar an von der Behandlung der Krankenkassen-
mitglieder ausgesperrt sind! Wenn die Kassen ärztlich so vorzüglich
versorgt sind, warum denn auf einmal der bittere Kampf gegen die
ausgesperrten, standestreuen Kölner Aerzte? Gegen einen toten
Gegner führt man doch keinen Kampf. Warum ruft man jetzt die
Gesetzgebung an, um dem „frivolen Spiel des Leipziger Verband.es
Einhalt zu gebieten“, da der Leipziger Verband eine „nationale“
Gefahr sei?
Die Antwort ist die, dass die Angaben der Krankenkassen nicht
richtig sind. Es sind keine bewährten Kräfte, die man angewonben
hat; es genügt die kleine Anzahl der angeworbenen Aerzte ganz und
gar nicht für Köln, seine Vororte und Aussenorte.
Man täuscht die Krankenkassenmitglieder absichtlich über die
Zahl der Aerzte, indem man in den Verzeichnissen die einzelnen
Aerzte mehrfach aufführt: einmal als praktischer Arzt und dann noch
besonders als Spezialarzt, einmal in Köln und dann auch noch in den
Vororten wohnend.
Deshalb auch die Wut der Krankenkassen gegen die standes¬
treuen Aerzte, die man neuerdings beschuldigt, dass sie Kranke
und Sterbende boykottierten. Was ist nun Wahres an diesen
ungeheuerlichen Vorwurf, den man unbegreiflicher Weise auch auf
der Reichstagstribüne wiederholt hat?
Die Krankenkassen haben die standestreuen Aerzte Kölns van
der Behandlung ihrer Mitglieder ausgesperrt; wenn also von Boykott
gesprochen wird, sind die Aerzte die Boykottierten. Die Kranken¬
kassen erklären ausdrücklich, dass sie vorzügliche und überreiche
ärztliche Kräfte zur Verfügung haben. Wie kann da ein Sterbender
oder Kranker boykottiert werden? W r enn aber Kranke oder Ster¬
bende ohne Hilfe sind, so tragen doch einzig und allein die Kranken¬
kassen und nicht die Aerzte daran die Schuld.
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364
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
Um das Publikum über das unverantwortliche Qebahren der
Krankenkassen wegzutäuschen, posaunt man in alle Welt, dass die
Kölner Aerzte Sterbende ohne Hilfe Hessen. Auch das ist nicht wahr.
Wohl sind die standestreuen Kölner Aerzte durch Beschluss ver¬
pflichtet, den Mitgliedern der Krankenkassen und ihren Angehörigen
die ärztliche Hilfe, auch gegen Bezahlung, zu verweigern, aber
bei lebensgefährlichen Verletzungen und lebens¬
gefährlichen Blutungen, so lautet der allen standestreue.n
Kollegen schon vor dem 1. Februar mitgeteilte Beschluss, ist eine
einmalige und zwar unentgeltliche Hilfe zu leisten.
So ist es auch bis jetzt stets gehandhabt worden.
Der weiteren Entwicklung des Kampfes sieht die Kölner Aerzte-
schaft, wenn auch ernsten, so doch ruhigen Sinnes entgegen. Er¬
hebend ist die völlige Einigkeit der standestreuen Aerzte Kölns und
seiner Vororte, wie sie auch wieder in der gestern abgehaltenen
grossen Versammlung zum Ausdruck kam. Einig unter sich, unter¬
stützt von der gesamten standestreuen Aerzteschaft Deutschlands
können die Kölner Aerzte festen Sinnes den kommenden Tagen ent¬
gegensehen. Wie in der gestrigen Versammlung betont wurde,
bewahrt die Kölner bürgerliche Presse in diesem Kampfe eine anzu¬
erkennende Neutralität, nur die sozialdemokratische Presse verteidigt
täglich die Krankenkassen und bringt täglich zum grössten Teil
unwahre Berichte. Ausser der sozialdemokratischen Presse ist nun
den Kölner Aerzten auch in der Person des Staatssekretärs des
Innern v. Bethmann-Hollweg ein Gegner entstanden, dessen
Worte vom 5. II. im Reichstage ob ihrer Unrichtigkeit geradezu ver¬
blüffend wirkten. Die Kölner Aerzte haben dazu in folgender Reso¬
lution in der gestrigen Versammlung Stellung genommen:
Die heutige Versammlung der organisierten Aerzte von Köln
und Umgegend spricht ihr lebhaftes Bedauern aus über die sie und
die gesamte standestreue deutsche Aerzteschaft schwer kränkenden
Aeusserungen des Staatssekretärs des Innern von Bethmann-
Hollweg in der Reichstagssitzung vom 5. Februar dieses Jahres.
Die Versammlung erklärt ausdrücklich, dass die Vorwürfe des
Staatssekretärs gegen die Aerzte von falschen Voraussetzungen aus¬
gehend durchaus unbegründet und nur verständlich sind unter Vor¬
aussetzung völlig ungenügender und unrichtiger Information.
Die Versammlung versichert die schwer beleidigten Ehren¬
richter ihres vollen Vertrauens in der Ueberzeugung, dass sie unbe¬
irrt durch alle Angriffe, woher sie auch kommen mögen, im Interesse
des Ansehens ihres Standes ihre Tätigkeit als Ehrenrichter wie bis¬
her ohne Ansehen der Person und nach den Grundsätzen der Gerech¬
tigkeit und Billigkeit auch weiterhin ausiiben werden.
Die Versammlung weist weiter entschieden den Vorwurf zurück,
dass die alten Kölner Aerzte „Kranke und Sterbende boykottierten“.
Sie stellt vielmehr fest, dass
1. der Kölner Kassenverband am 1. Februar 1909 die bisherigen
Kassenärzte von der Kassentätigkeit ausgeschlossen hat, dass also
in Wirklichkeit die Aerzte die Boykottierten sind.
2. dass der Kölner Krankenkassenverband vor Ausbruch des
Kampfes öffentlich unter Billigung der Regierung bekannt gegeben
hat, er sei reichlich mit tüchtigen Aerzten versorgt.
3. dass die ausgeschlossenen und boykottierten alten Aerzte
trotzdem sich nicht weigern, in mit Lebensgefahr verbundenen
Notfällen, unentgeltliche Hilfe zu leisten.
Die heutige Versammlung der alten Kölner Aerzte weist daher
die Vorwürfe des Staatssekretärs v. Bethmann-Hollweg als
unbegründet entschieden zurück und gibt wiederholt
ihrem lebhaften Bedauern Ausdruck, dass von so hoher Stelle durch
völlig haltlose Anschuldigungen das Ansehen der gesamten Aerzte¬
schaft Deutschlands herabgesetzt und die Lage der um ihre Existenz
und ihr Ansehen gegen Kassenwillkür kämpfenden Kölner Aerzte noch
mehr erschwert wird.
Briefe aus England.
Das Gesetz über die Beurkundung der Geburten. — Die neue
Denkschrift des Local Governement Board an die Santtätsbeamten.
— Das medizinische Adressbuch für 1909. — Anstellung eines Hof¬
bakteriologen. — Die Dankesschuld der Medizin an Deutschland.
Im Jahre 1908 wurde ein Gesetz erlassen, das als die „Notifi-
cation of Births Act“ bekannt ist. Jeder Geburtsfall muss dem
Sanitätsamt der Stadt, in der er vorgekommen ist, innerhalb
36 Stunden angezeigt werden. Bezahlung für diese neue Mehr¬
leistung. welche das Parlament dem Aerztestand zumutet, findet nicht
statt. Der Zweck des Gesetzes ist, für eine raschere Mitteilung der
Geburten zu sorgen, als sie durch die übliche Beurkundung, die 3 bis
6 Wochen braucht, stattfindet. Da viele Kinder in den ersten Stunden
oder Wochen nach der Geburt sterben, so ist es klar, dass eine der¬
artig verzögerte Beurkundung nicht dazu dienen kann, um Mass¬
nahmen zur Herabsetzung der Kindersterblichkeit durchzuführen.
Eine raschere Anzeige der Geburten mag bis zu einem gewissen
Grade dazu dienlich sein, wenn der Gesundheitsbeamte sich darum
bemüht, dass jedem neugeborenen Kinde die geeignete Nahrung und
Pflege zuteil wird. Für die Aerzte bedeutet das neue Gesetz eine
vermehrte unbezahlte Belastung. Bis jetzt ist das Gesetz nicht all¬
gemein durchgeführt, da seine Einführung für die Distrikts- und
Gemeinderäte fakultativ ist. Immerhin ist es in England bereits in
ziemlich weitem Umfang zur Durchführung gekommen. Vor mehreren
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Wochen sollte es auch in einem der Distrikte von London eingeführt
werden. Bevor jedoch noch die endgültige Entscheidung getroffen
war, wurde seitens der beteiligten praktischen Aerzte Einspruch er¬
hoben. Diese überreichten der Distriktsverwaltung den folgenden
prachtvoll abgefassten Protest:
„Nachdem die Unterzeichneten, in dem Distrikte von Hackney
praktizierenden Aerzte gehört haben, dass die Absicht besteht, sie zu
zwingen, ihre Dienste in Sachen der rascheren Beurkundung der
Geburten unentgeltlich zur Verfügung zu stellen (wie dies bereits in
Sachen der Beurkundung der Sterbefälle der Fall ist) protestieren wir
in der entschiedensten Weise gegen eine derartige Zumutung, die
wir für eine schreiende Ungerechtigkeit und ein eklatantes Bei¬
spiel von Klassengesetzgebung betrachten, durch welche der gelernte
Arbeiter auf Befehl seine Dienste dem Staat zur Verfügung stellen
soll und zwar ohne dass er vorher befragt wurde oder für seine Be¬
mühungen entlohnt würde. Wir kennen kein Beispiel, das den elemen¬
taren Forderungen der Gerechtigkeit mehr widerspricht und da es
von einer Stelle kommt, die eingesetzt ist, um Gerechtigkeit zu
üben, so sind wir ebenso sehr überrascht wie entrüstet. Wir können
nur annehmen, dass diejenigen, die eine solche Massregel begut¬
achten, entweder unwissend oder gleichgültig gegenüber sind den
Rechten eines Standes, der jetzt schon von seiner Zeit und Geschick¬
lichkeit für das allgemeine Beste mehr opfert als irgend ein anderer
Stand, und es ist ein eigentümlicher Lohn für diese Dienste, wenn
man von uns verlangt, dass wir, weil wir bisher freiwillig schon viel
geleistet haben, in Zukunft zwangsweise noch mehr leisten sollen.
Mit demselben Rechte, mit dem man den Arzt zwingen will, seine Arbeit
unbezahlt dem Staate zu widmen, könnte man von einem Zimmer¬
mann oder einem andern Handwerker verlangen, dass er seine Kraft
unbezahlt für städtische Arbeiten zur Verfügung stellt“. Unter den
Unterzeichnern dieses geharnischten Protestes befinden sich die an¬
gesehensten Aerzte des Distriktes und wir zweifeln nicht, dass ihr
furchtloses Vorgehen Beachtung finden wird. Die meisten englischen
Aerzte sind rechte Toren in solchen Angelegenheiten. Sie wagen es
nicht, ein deutliches Wort zu sprechen aus Furcht, ihre Worte oder
Handlungen könnten als nicht ganz standesgemäss betrachtet werden.
Erst wenn dieser Zopf unserm Stande abgeschnitten sein wird, wird
dieser zu seinem Rechte und zu dem Wohlstände kommen, der ihm
gebührt.
Vor einigen Wochen erliess das Local Government Board, die
erste Behörde für medizinische Angelegenheiten in England, ein neues
Memorandum an die Sanitätsbeamten. Es bezieht sich auf die Ab¬
fassung ihrer jährlichen Berichte. In Zukunft müssen alle Fälle von Rotz
und Milzbrand aufgeführt werden, ebenso alle bekannt gewordenen
Fälle von Tiertuberkulose. Es wird von neuem betont, dass die ärzt¬
liche Ueberwachung der Schulkinder unter der Oberaufsicht der
Sanitätsbeamten stehen muss. Es wird ferner auf die wichtige Frage
der tuberkulösen Milch Bezug genommen. Jeder Sanitätsbeamte muss
in Zukunft in seinem Jahresbericht angeben, ob ihm in seinem Bezirk
Fälle von Tuberkulose bekannt geworden sind oder nicht, welche
Massregeln von ihm in bezug auf die Desinfektion der Häuser ge¬
troffen wurden und welche Einrichtungen bestehen für die Unter¬
bringung von Fällen vorgeschrittener Tuberkulose in Krankenhäusern.
Alle diese wichtigen Punkte müssen in den künftigen Jahresberichten
erwähnt werden, und ich zweifle nicht, dass sie den Wert dieser
Berichte in statistischer und hygienischer Beziehung bedeutend ver¬
mehren werden.
Das ärztliche Adressbuch für 1909 ist soeben herausgekommen.
Die Gesamtzahl der in England approbierten Aerzte ist jetzt 39 993
(im Vorjahre 39 703). Die Zahl der Aerzte nimmt auf dem Gebiete
von London stetig ab. Im vorigen Jahre waren es im ganzen 6580,
heute sind es nur noch 6420. Diese Zahlen sind interessant, denn sie
zeigen, dass, während die Zahl der Aerzte in England ständig zu¬
nimmt, eine Abwanderung der Aerzte von London stattfindet. Das
mag teilweise auf den ausserordentlichen Missbrauch der Hospitäler
in unserer Metrooole zurückzuführen sein. Dieser trifft hauptsächlich
die im Osten praktizierenden Aerzte, aber es leidet auch die gesamte
Aerztewelt darunter. Es gibt wohl kein anderes Land in der Welt,
wo man Reiche und Arme in den Wartezimmern der grossen Spitäler
so einträchtig nebeneinander sitzen sieht, um des Rates eines be¬
rühmten Arztes teilhaftig zu werden, der törichterweise seine Dienste
allen ohne Rücksicht auf Vermögen unentgeltlich leistet. Es wäre
hohe Zeit, dass unsere Hospitäler in staatliche Verwaltung genommen
würden, und dass ihre Aerzte in angemessener Weise für ihre Dienste
bezahlt würden.
Vor kurzem wurde ein neues Hofamt gegründet mit dem Titel
eines „Bacteriologist to His Majestys Household“. Ernannt wurde
vom König für diese Stelle Dr. Spitta, der für dieses ehrenvolle
Amt jedenfalls sehr geeignet erscheint. Wir fürchten nur, dass seine
Pflichten nicht sehr anstrengend sein werden. Immerhin zeigt die
Ernennung, welch hohen Ansehens die Bakteriologie sich in England
erfreut. So sehr wird die Bedeutung der Bakteriologie gewürdigt,
dass die Kandidaten für den ärztlichen Staatsdienst eine ausgedehnte
Kenntnis in diesem Fache nachweisen müssen.
Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, auf eine Fage zu
sprechen zu kommen, die für jeden Deutschen von Interesse sein
muss. Ich meine den Blödsinn, der in letzter Zeit über die englisch¬
deutschen Beziehungen in der englischen Tagespresse zu lesen waren.
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1 6 . Februar 190$.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
365
Wer, wie ich, die Qeftihle der gebildeten Engländer Deutschland
gegenüber kennt, darf ruhig behaupten, dass es immer die der
Achtung und Hochschätzung sind. Wenn das unvernünftige Qehetze
in der Presse beider Länder nicht wäre, so könnte unmöglich ein
Schatten von Missstimmung zwischen England und Deutschland be¬
stehen. Was die Medizin betrifft, so steht England tief in der Schuld
Deutschlands. Deutsche Medizin ist die Verkörperung des Beste.!
und Modernsten in unserem Fach. Von Deutschland erhalten wir
unsere neuesten und besten Arzneimittel, von Deutschland gehen die
intensivsten Anregungen und Gedanken für die wissenschaftliche For¬
schung aus, ohne Deutschland würden wir in der Medizin ein armes
Volk sein *). Ich erinnere weiter an die Wohltaten, die unsere
Kranken in deutschen Kurorten geniessen. Ich als Engländer liebe
Deutschland und die Deutschen. Wenn die Engländer Deutschland
besser kennen würden, vor allem, wenn sie besser deutsch schreiben
und sprechen würden, so würden sie in Deutschland nicht einen Feind
erblicken, wie uns die Tagespresse glauben machen möchte, sondern
einen wirklichen Freund, der die Bruderhand dem Bewohner unseres
Insellandes entgegenstreckt Möge bald der Tag kommen, wo jeder
Engländer Deutschland als ein befreundetes Land betrachten wird,
ein Land voll von neuen Interessen und würdig unter allen Ländern
Europas geehrt zu werden. J. B.
Briefe aus Amerika.
C a r r e 1 s chirurgische Experimente. — Errichtung eines Bundes¬
sanitätsamtes. — Die Bubonenpest an der Pazifischen Küste.
Die Erfolge, welche Alexis Garrel, eines der hervorragendsten
Mitglieder des Rockefeller Institutes, in der Transplantation von Or¬
ganen erzielt hat, haben in jüngster Zeit allgemeines Aufsehen erregt.
C a r r e 1 ist ein junger Franzose, aus dem südlichen Frankreich ge¬
bürtig. Er studierte an der Universität zu Lyon, wo er sich früh¬
zeitig mit Organtransplantationen beschäftigte. Da er jedoch in
Lyon nicht die gehörige Anerkennung und Unterstützung fand, kam
er im Jahre 1905 nach Chicago. Daselbst machte er Aufsehen durch
die Ueberpflanzung der Niere eines Hundes in den Hals des Tieres.
Im Jahre 1906 folgte C a r r e 1 einem Rufe an das Rockefeller Institut.
in New York, wo er seitdem tätig gewesen ist.
C a r r e 1 s Erfolge beruhen hauptsächlich auf einer wunderbaren
Geschicklichkeit in der Gefässchirurgie. Er hat eine neue Methode,
zertrennte Blutgefässe zu vereinigen, erfunden. Um Thromben¬
bildungen zu verhüten, näht er zuerst die Intima mit einer sehr feinen
Nadel. Zur grösseren Vorsicht bestreicht er den Seidenfaden mit
Vaselin, um zu verhüten, dass das Blut mit der kleinen Wunde in
Berührung komme. Hierauf bringt er die T. media und die T. externa
mit einer einzigen Naht zusammen.
Diese Methode und C a r r e 1 s grosse Geschicklichkeit in der
Anwendung derselben machte es ihm möglich, höchst interessante
Experimente auszuführen. So entfernte er ein Stück der Aorta eines
Hundes und setzte ein entsprechendes Stück der Aorta eines anderen
Hundes an dessen Stelle, wobei das Tier sich vollständig erholte. In
gleicher Weise hat er Venen an Stelle von Arterien und Arterien an
Stelle von Venen verpflanzt. Hierbei stellte es sich heraus, dass die
transplantierten Venen sich verstärkten und verdickten und der
Struktur der Arterien sich näherten. Das Umgekehrte fand statt,
wenn Arterien an Stelle von Venen verpflanzt wurden.
Von ganz besonderem Interesse sind Versuche, welche C a r r e 1
mit der Aufbewahrung herausgeschnittener Blutgefässe machte. Er
fand nämlich, dass wenn Arterien und Venen, welche Hunden und
Katzen entnommen und in einem Eisschrank aufbewahrt wurden,
dann nach mehreren Tagen wieder in ein Tier überpflanzt wurden,
dieselben ihre Funktion wieder aufnahmen und das Tier am Leben
blieb.
Ungewöhnliches leistete C a r r e 1 in der Organtransplantation.
Er überpflanzte das Herz eines Hundes in den Hals eines anderen
Hundes, indem er die Art. carotis communis mit der Aorta des im¬
plantierten Herzens vereinigte und die Vena jugularis mit der Vena
cava, so dass das Tier zwei pulsierende Herzen hatte, deren eines
88, das andere 100 Pulsschläge zeigte.
C a r r e 1 hat eine grosse Anzahl von Versuchen mit Nierentrans¬
plantationen gemacht. 1 ) Er entfernte beide Nieren eines Hundes, setzte
die eine Niere wieder ein und das Tier erholte sich vollkommen.
Er entfernte die Nieren eines Hundes und setzte an deren Stelle die
Nieren eines anderen Hundes. Die gleichen Experimente wurden mit
Katzen ausgeführt. In allen diesen Fällen lebten die Tiere von
mehreren Tagen bis mehrere Monate. In anderen Versuchen ampu¬
tierte C a r r e 1 das Hinterbein eines Hundes und setzte an dessen
Stelle ein gleich grosses Bein eines anderen Hundes und das Tier
erholte sich vollständig. Ein anderes Experiment bestand darin, dass
er (Jie rechte Seite des Kopfes eines Hundes, d. h. die ganze Region,
welche von der Art. carotis externa genährt wird, mit Einschluss des
•) Hier geht unser Korrespondent in seiner freundlichen Aner¬
kennung der deutschen Medizin denn doch zu weit. Man braucht
nur Jenner, Darwin, Lister zu nennen, um darüber klar zu
sein, dass England Deutschland in Verdiensten um die Medizin nicht
nachsteht. Red.
*) Vergl. auch das Referat über die Arbeit von C a r r e 1 im
Archiv f. klin. Chir., diese Nummer S. 356.
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Ohres, des äusseren knorpeligen Gehörganges, des Bindegewebes, der
Drüsen etc. entfernte und an deren Stelle die entsprechenden Teile
eines andern Hundes setzte. Das Tier erholte sich schnell, starb aber
drei Wochen nach der Operation an Blutvergiftung.
Experimente haben auch gezeigt, das es nicht notwendig ist.
dass die transplantierten Organe von derselben Gattung herstammen.
C a r r e 1 hat die Art. carotis von einem Hunde auf eine Katze über¬
pflanzt, wobei das Tier am Leben blieb. Dieselben Versuche ge¬
langen mit Hunden, denen Arterien von Kaninchen und Katzen ein¬
gesetzt wurden. Ob Arterien, weiche Tieren entnommen worden,
mit Erfolg auf Menschen übertragen werden können, ist noch eine
offene Frage; dagegen hat Ca r r e 1 gezeigt, dass das Gegenteil mög¬
lich ist, indem er ein Stück der Art. poplitea, welches er einem
Manne entnahm, auf einen Hund überpflanzte, wo es sich als voll¬
kommen funktionsfähig erwies.
C a r r e 1 hat auch eine neue Methode der Bluttransfusion
erfunden, indem er die Arterie des blutspendenden Individuums mit
der Arterie des Patienten durch eine Gefässnaht vereinigt, so dass
eine vollkommene Blutzirkulation zwischen den beiden Individuen
hergestellt wird.
Inwieweit diese Experimente für die Chirurgie praktisch ver¬
wertbar werden können, ist eine Frage der Zukunft; jedenfalls zeugen
sie von der wunderbaren Geschicklichkeit und dem genialen Geiste
des jungen Franzosen. Interessant wird es sein zu beobachten,
welchen Einfluss das Bekanntwerden dieser Experimente auf die
Agitation gegen die Vivisektion, die noch immer in vollem Gange ist,
haben wird.
Die Aerzteschaft dieses Landes macht gegenwärtig grosse An¬
strengungen die Errichtung eines Bundessanitätsamtes herbeizuführen.
Während der letzten Wahlkampagne hatten beide Parteien Postulate
in ihre Programme aufgenommen, welche in allgemeinen Ausdrücken
auf eine ähnliche Einrichtung hinzielten. Die verschiedenen Bureaus,
welche sich gegenwärtig mit der Administration der öffentlichen
Gesundheitspflege befassen, sind verschiedenen Verwaltungszweigen
unterstellt, so dass eine einheitliche Leitung unmöglich ist. So ist
z. B. die Tätigkeit des Public Health and Marine Hospital Service
dem Finanzdepartement unterstellt; das Bureau of Chemistry, dem
die Ueberwachung des Nahrungsmittelgesetzes obliegt, bildet eine
Abteilung des Landwirtschaftsdepartements; das statistische Bureau,
dem die Statistik der öffentlichen Gesundheitspflege zufällt, untersteht
dem Handelsdepartement usw. Bei dieser Sachlage ist es erklärlich,
wenn die Aerzte eine Zentralbehörde verlangen, der alle Interessen
der öffentlichen Gesundheitspflege unterstellt werden sollen.
Zu gleicher Zeit agitiert man für eine zahlreichere Vertretung
des Aerztestandes in den gesetzgebenden Körperschaften. Gegen¬
wärtig sitzen nur 4 Aerzte im Unterhaus und nur 1 im Senat. Es
ist wirklich zum Erstaunen, dass ein so gebildeter und einflussreicher
Stand, der mit der Masse des Volkes in so enge Berührung kommt,
in der gesetzgebenden Versammlung nicht zahlreicher vertreten ist,
und dies fällt umsomehr auf, wenn man bedenkt, dass in den beiden
Kammern Frankreichs 96 Aerzte sitzen.
Die Bubonenpest trat an der pazifischen Küste zuerst im
Jahre 1906 auf. Es kam damals eine bedeutende Anzahl von Todes¬
fällen vor, doch wurde durch die energischen Massregeln der Be¬
hörden eine allgemeine Epidemie verhütet. Die Vertilgung der RatJen,
als der Träger der Krankheit, wurde systematisch betrieben. Dabei
machte man die Entdeckung, dass auch einige Erdeichhörnchen, ein
Tierchen von der Grösse einer Ratte, mit dieser Krankheit infiziert
waren. Da seit längerer Zeit keine Pestfälle mehr vorgekommen
sind, so ist anzunehmen, dass die Pestgefahr vorüber ist.
_Albert A11 e m a n n.
Vereins* und Kongressberichte.
Aerztlicher Lokalverein Augsburg.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 22. Dezember 1908.
Vorsitzender: Herr Ernst Mayr.
Herr Welsch stellt einen Fall von Lichen ruber vor, bespricht
Diagnose und Therapie.
Herr Pfeiffer stellt einen 44 jährigen Patienten vor, der vor
20 Jahren infolge Lungengangrän nach wiederholter rechtsseitiger
Lungen- und Rippenfellentzündung den Verlust der ganzen rechten
Lunge erlitten hat.
Patient ist trotz des kolossalen Defektes nach einer vor 7 Jahren
vorgenommenen Rippenresektion vollkommen erwerbsfähig ge¬
worden.
Herr Schmidt-Bäumler demonstriert eine Dermoidzyste,
die durch Operation nach eingetretener Stieldrehung entfernt wurde.
Ferner ein über mannskopfgrosses Myom.
Er bespricht dann an der Hand dieser Fälle die Indikations¬
stellung zur Operation.
Herr Ernst Mayr zeigt eine grössere Anzahl pathologisch ver¬
änderter Bulbi, die durch Enukleation gewonnen wurden.
Ausserdem berichtet er über die regionäre Verteilung der Blen-
norrhoea neonatorum in Augsburg an der Hand des Materials der
Augenklinik und gibt dann eine Zusammenstellung über das Vor¬
kommen des Trachoms in Schwaben.
Original frarn
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366
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
Sitzung vom 26. Januar 1909.
Vorsitzender: Herr Ernst Mayr.
Erledigung des Einlaufs und geschäftlicher Angelegenheiten.
Herr Böhm bespricht an der Hand des offiziellen Jahresberichts
die hygienischen Verhältnisse der Stadt Augsburg im Jahre 1908.
Herr Ernst Mayr demonstriert einen Bulbus mit Glioma retinae.
Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 21. November 1908.
Vor der Tagesordnung:
Herr O. Kaiser: Demonstration: Nephritis bei Schwanger¬
schaft.
Herr Do mm er: Demonstration eines Urethrotomes zur An¬
wendung bei Strikturen der hinteren Harnröhre.
Herr Nahmmacher: Demonstration über Radiumstrahlen.
Herr N. berichtet über die Behandlung einer 46 jährigen Patientin
mit Radiumstrahlen wegen inoperablen Rektumkarzinoms mit Per¬
foration nach der Vagina. Patientin hat 4 mal geboren, das letzte Mal
vor 2 Jahren, ist immer gesund gewesen. Seit Januar 1907 hat
Patientin Darmbeschwerden, die in häufigem Stuhldrängen, Brennen
und Blutungen beim Stuhlgang bestanden. Im Mai 1907 wurde
Karzinom festgestellt und die Operation empfohlen. Patientin wurde
aber noch ein halbes Jahr von einer Kurpfuscherin mit Mastdarm¬
massage behandelt, bis Anfang Dezember ein Durchbruch nach der
Vagina erfolgte. Anfang Januar 1908 wurde die Operation wegen
Inoperabilität des Karzinoms von Herrn Geh. Rat C r e d 6, Dr.
Grieshammer und Dr. Peters abgelehnt. Die Patientin hat
seit ihrer Krankheit grosse Gewichtsabnahme gehabt. Mitte Januar
kam Patientin zu Dr. N. wegen Radiumbehandlung. Der Zustand war
ein trostloser. Heruntergekommene, aufgeregte Patientin, bei welcher
der Stuhlgang sich durch eine etwa pfennigstückgrosse Perforation
durch die Vagina entleerte. Die Patientin war dauernd schmutzig
und durch den Geruch sich und ihren Angehörigen zur Last. Es be¬
stand ein etwa fünfmarkstückgrosses karzinomatöses Ulcus an der
vorderen Darmwand hinter dem Sphinkter mit einem pfennigstück¬
grossen Durchbruch nach der Vagina. Die Patientin wurde ohne
Anwendung von anderen Behandlungsmethoden
12 Wochen lang mit Radium bestrahlt und zwar täglich 18—20 Stun¬
den lang mit 10 mg Radiumbromid im Rektum und 10 mg Radium¬
bromid in der Vagina. Die Neubildung wurde gewisermassen zwi¬
schen zwei Feuer genommen. 5 Wochen nach der ersten Behandlung
wurde prophylaktisch nochmals 3 Wochen lang dieselbe Behandlung
vorgenommen. Patientin wurde Anfang Mai aus der Klinik entlassen.
Nach etwa 8 Wochen der ersten Behandlung war die Perforation
bis zu einer Haarfistel geheilt, die sich während der weiteren Behand¬
lung auch noch vollständig geschlossen hat. Die Stuhlentleerungen
waren normale durch das Rektum, Patientin hatte keine Beschwerden
mehr. Bei der Entlassung Anfang Mai bestand eine flügelartige, nach
drei Seiten hin ausstrahlende Narbe an der vorderen Darmwand hinter
dem Sphinkter und hinter der hinteren Darmwand einige Drüsen bis
zu Kirschgrösse, welche durch die Radiumbehandlung nur insofern
beeinflusst wurden, dass sie nicht grösser geworden waren. An
Stelle der Perforation befindet sich in der Vagina eine kleine seichte
Einziehung. Dieser Status ist bis heute geblieben, die Patientin
hat ohne jede Kunsthilfe auf natürlichem Wege Stuhlentleerungen,
hat ausgezeichneten Appetit, keine Beschwerden und hat seit Sep¬
tember 9 Pfund Gewichtszunahme gehabt. Patientin wird jetzt noch
wöchentlich einmal im Rektum bestrahlt, um dadurch das Wachsen
der angegebenen Drüsen möglichst hintanzuhalten. Der durch
die Radiumbehandlung erzielte Erfolg ist bisher
durch keine einzige Behandlungsmethode, auch
nicht durch die Radikaloperation, möglich ge¬
wesen. Neben dem Schluss der Perforation ist als
günstigstes Resultat die Erhaltung des Schliess-
muskels zu betrachten. Die Patientin ist natürlich nicht ge¬
heilt, da Metastasen genügend vorhanden sind, sie ist aber in einen
den normalen Verhältnissen entsprechenden und beschwerdefreien
Zustand gebracht worden.
Diskussion. Herr Gmeiner fragt, ob Vortragender den
histologischen Nachweis für die Geschwulst geführt hat.
Herr Grieshammer kennt die Patientin und bestätigt den
vom Vortragenden dargestellten Anfangsbefund, der die Inopera¬
bilität der Neubildung erwies.
Herr Peters schliesst sich dem an.
Herr Nahmmacher hat die histologische Untersuchung wegen
der Gefahr einer Blutung bei der Probeexzision unterlassen.
Herr Otto bestätigt als Hausarzt der Patientin die Beob¬
achtungen des Vortragenden.
Herr G. Schmor 1: In einem anderen von Herrn Nahm¬
macher mit Radium behandelten Fall von Portiokarzinom hat Sch.
post mortem eine radikale Ausheilung und glatte Narbe an der Portio
feststellen können. Die Frau war an einer Metastase des Karzinoms
auf der Beckenschaufel zugrunde gegangen; gegen Metastasen gibt
also Radium keine Sicherheit.
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Herr Schma 11z (für Herrn Tetzner): Ueber das Verhalten
des weichen Gaumens bei zerebraler Hemiplegie. (Erscheint im
neurologischen Zentralblatt.)
Herr Rostoski: Ueber chronische Tropendiarrhöen (Sprue).
Während mit 2 Ausnahmen aus früherer Zeit alle bisher be¬
schriebenen Fälle von Sprue aus dem südöstlichen Asien (einschliess¬
lich des malayischen Archipels) stammen, akquirierte der vom Vortr.
beobachtete 36 Jahre alte Kaufmann die Krankheit vor 3 Jahren in
Haiti. Seit Juni 1908 ist er wieder in Deutschland, ohne dass sich
hier eine Besserung seines Leidens bemerkbar gemacht hätte. Es
besteht starke Abmagerung (Gewicht 47 kg) und Abnahme des
Hämoglobingehaltes (55 Proz. nach Sahli). Mehrmals täglich
werden unter heftigen Schmerzen voluminöse, flüssige, reichlich mit
Gasblasen durchsetzte Stuhlgänge entleert von grauweisser, später
gelblichweisser Farbe und saurer Reaktion. Schleim in grossen
Fetzen und Blut fehlen, dagegen fand man Schleim in kleinsten
Partikelchen und bei mikroskopischer Untersuchung reichlich Fett,
weniger Muskelfasern und wenig Stärkereste. Die Menge der Fäzes
betrug bis zu 2Va Liter pro Tag. Im Munde traten schubweise
schmerzhafte Aphtheneruptionen auf, die in höchstens 8—10 Tagen
wieder abheilteu. Der Mageninhalt nach Probefrühsttick enthielt
Schleim und keimfreie HCl. Die von Knud Fab er als Erreger be¬
schriebenen Diplokokken konnten nicht gefunden werden. Komple¬
mentbindung nach Wassermann mit alkoholischem Organextrakt
trat nicht ein. Besserung bezw. Heilung wurde durch konsequent
durchgeführte reine Milchdiät mit eingeschobenen Tagen, an denen
nur rohes Fleisch verabreicht wurde, erzielt, nachdem grosse Dosen
Salzsäure mit kohlehydratfreier Kost, Bolus alba, Laktobazillin, Wis¬
mut etc. ohne wesentlichen Erfolg angewendet waren.
Herr Weisswange und Herr Rietscbel: Ueber Eklampsie
bei Mutter und Kind. (Mit Demonstrationen.)
Eine der interessantesten und zweifellos dramatischsten Krank¬
heiten, die dem Geburtshelfer entgegentreten, ist die Eklampsie. Sie
steht gegenwärtig immer noch im Mittelpunkt der theoretischen und
klinischen Erörterungen und trotzdem eine ausserordentlich! grosse
und subtile Arbeit der Erklärung dieses Krankheitsbildes gewidmet
worden ist und noch wird, ist eine völlige Einigung bisher noch nicht
erreicht. Auch in therapeutischer Hinsicht gehen die Ansichten noch
sehr auseinander. Trotzdem scheint es, als ob einer mehr aktiveren,
wenn ich mich so ausdrücken darf, chirurgischen Therapie grössere
Erfolge für Mutter und Kind beschieden sind als der expektativen
Methode. Bei dem Interesse, welches die Eklampsiefrage gegen¬
wärtig besitzt, dürften Sie es mir vielleicht gestatten. Ihnen über einen
Fall schwerster Eklampsie zu berichten, der insofern noch besonders
Interesse hervorrufen dürfte, als auch das Kind durch die Eklampsie
der Mutter sehr geschädigt wurde und Erscheinungen bot, die darauf
hinweisen, dass das Kind von der Mutter aus durch das Gift der
Eklampsie infiziert worden ist.
Herr Kollege R i e t s c h e 1 wird die Liebenswürdigkeit haben.
Ihnen über seine Beobachtungen bei dem Kinde Näheres zu berichten.
Es handelte sich um eine 42 jährige Frau, die 6 Schwanger¬
schaften und eine Frühgeburt durchgemacht hatte und im 8. Monat der
7. Schwangerschaft stand. Anamnestisch ist zu bemerken, dass die
Mutter der Patientin an Wassersucht gestorben ist die 6 voran¬
gegangenen Geburten sollen alle spontan verlaufen sein bei normalem
Wochenbett. Auch die gegenwärtige Schwangerschaft soll normal
verlaufen sein, bis 8 Wochen vor Ausbruch der Eklampsie. Ende
Juni bemerkte Pat. Schwellungen an den Beinen und zunehmende
Oedeme. Als ich am 27. August gerufen wurde, fand ich eine stark
dispnoische Frau vor mit enormen Oedemen am ganzen Körper. Die¬
selben waren so stark, dass auch an den Mammae tiefer Fingerdruck
zurückblieb. Auch bestanden starke Gefässstörungen. Der Urin
bildete beim Kochen eine starre Säule. Nachmittags 3 Uhr machte
ich auf die Gefahr einer drohenden Eklampsie aufmerksam und riet
zur Aufnahme ms Krankenhaus. Abends 9 Uhr wurde die Pat. bereits
im Krankenwagen bei mir eingeliefert im schwersten eklamptischen
Zustand, dunkelblaurot mit zerbissener Zunge, der Puls war miserabel,
Atmung stertorös. Die Anfälle waren so schwer, dass eine Pause
in denselben überhaupt nicht mehr eintrat. Bei dem ausserordentlich
schweren, besorgniserregenden Zustand schien mir die sofortige Ent¬
bindung absolut angezeigt; dieselbe konnte nach Lage der Sache
(8. Schwangerschaftsmonat vollständig erhaltene Zervix) nur im
vaginalen Kaiserschnitt bestehen. Nach Einstellen der Portio wird
der Muttermund angehakt, durch einen Querschnitt die Blase zurück¬
geschoben und nun durch immer höher eingesetzte Klammern der
Zervix in der Mittellinie gespalten, bis über den inneren Muttermund
hinaus. Da noch nicht genügend Platz war, wird auch die hintere
Wand gespalten. Darauf wird mit der Zange ein stark* asphyktisches
8 Monate altes Kind entwickelt, das bald zum Leben gebracht wird.
Nach Entfernung der Plazenta werden die Schnittwunden mit Katgut
vereinigt und eine reichliche Kochsalzinfusion gemacht.
Der vor der Operation gewonnene Urin enthielt im Esbach
über 20 Prom. Ich stellte die Prognose für Mutter und Kind ausser¬
ordentlich ungünstig, bin aber in der angenehmen Lage, Ihnen beide
heute in günstigem Gesundheitszustand vorführen zu können. Das
Kind hat sich im Säuglingsheim unter der sorgfältigen Pflege des
Herrn Dr. R i e t s c h e 1 gut erholt. — Die Mutter hatte bereits am
nächsten Morgen nur noch 5 Yz Prom., der Urin enthielt mikroskopisch
sehr viele Zylinder, Blutkörperchen, Nieren- und Blasenepithelien.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
Der Zustand war die nächsten Tage sehr besorgniserregend, es be¬
stand Hydrothorax und starke Herzschwäche. Es stellten sich im
weitern Verlauf mehrfach Thrombosen ein, so eine ziemlich aus.-
k r edehnte in der Vena saphena mit starken Schmerzen. Der bald bis
auf V* Prom. herabsinkende Eiweissgehalt war wechselnd, ver¬
schwand nach Wochen tageweis, um von Zeit zu Zeit wieder aufzu-
treteit, bis er vom 48. Tage nach der Operation an ganz verschwand.
Die Urinmenge wechselte ebenfalls, sank bis 600, um sich allmählich
wieder etwas zu steigern und betrug kurz vor der Entlassung 12 bis
1500 ccm. — Die Frau hat sich dann allmählich soweit erholt, wie ich
Sie Ihnen heute vorführen kann.
Meine Herren, es war dies einer der schwersten Eklampsiefälle,
die ich bisher gesehen. Er hat mir in kurzer Zeit zum 2. Male gezeigt,
dass der vaginale Kaiserschnitt eine wichtige und leistungsfähige
Bereicherung unseres therapeutischen Rüstzeuges ist. Ich habe die
Ueberzeugung, dass ich zwei Fälle schwerster Eklampsie, die ich im
letzten Jahre zu beobachten Gelegenheit hatte, ohne den vaginalen
Kaiserschnitt nicht durchgebracht hätte.
Herr Rietschel demonstriert das Kind dieser Frau, das am
ersten Tag ins Säuglingsheim aufgenommen wurde. Das Kind war
benommen, hatte ein doppelseitiges Kephalhämatom, Fazialisparese
links und ein Hämatom am Auge. Das Kind blieb auffallend lange
dement, doch schluckte es aus der Flasche, völlige Bewusslosigkeit
bestand also nicht. Die Pupillen gleich weit reagierbar. Krämpfe
und Zuckungen wurden nicht beobachtet. Am 14. Tag wurde die
erste Untersuchung des Urins vorgenommen (ohne Katheter); sie er¬
gab eine deutliche hämorrhagische Nephritis (Blut, Zylinder, Epi-
thelien, Eiweiss 1 Prom.). Diese Nephritis klang nach 10 Tagen ab,
und zu gleicher Zeit nahm die Benommenheit ab, und das Gewicht zu.
Der Fall ist wohl trotz des Fehlens der Krämpfe als echte Eklampsie
bei Neugeborenen anzusprechen.
Kurze kritische Besprechung der Literatur. Die Fälle sind viel¬
leicht klinisch gar nicht so selten, werden wohl aber meist nicht
diagnostiziert, weil eine Untersuchung des Urins unterlassen wird.
Zum Schluss Demonstration, wie man bei zartem Kind ohne Kathe¬
terismus Urin auffangen kann.
Diskussion: Herr Geipe 1: Die pathologischerseits an den
Nieren Neugeborenener zu konstatierenden Veränderungen sind meist
auffallend gering. Bei Säuglingen kommt auch hämorrhagische
Nephritis ohne Eklampsie der Mutter vor. Auch in den anderen Or¬
ganen des Säuglings sind nur spärliche Veränderungen bei Eklampsie
zu finden.
Herr Prüsmann: Der Unterschied zwischen reflektorischer
und toxischer Eklampsie ist wohl nicht aufrecht zu erhalten, sondern
nur das zwischen leichten und schweren Fällen.
Herr Peters hat die vom Vortragenden vorgestellte Frau vor
der Operation gesehen und zu sofortiger Entbindung geraten; jedoch
ist auch bei schweren Fällen mit Metreuryse und ohne blutige Ope¬
ration gelegentlich auszukommen. Er empfiehlt auch die intrarektalen
NaCl-Einläufe.
Verein der Aerzte in Halle a. S.
(Bericht des Vereins.)
Ausserordentliche Sitzung vom 16. Dez. 1908.
Stellvertretender Vorsitzender: Hejr Kruckenberg.
Schriftführer: Herr Herschel.
Es wird folgende Resolution angenommen:
Nachdem der Deutsche Aerztevereinsbund die Regelung des Ver¬
hältnisses der Aerzteschaft zu den Lebensversicherungsgesellschaften
laut Beschluss des diesjährigen Aerztetages zu Danzig dem Leip¬
ziger Verbände als seiner wirtschaftlichen Abteilung übertragen hat.
hält der Verein der Aerzte zu Halle a. S. seine Mitglieder für ver¬
pflichtet, alle Massnahmen des letzteren im Kampfe mit den Lebens¬
versicherungsgesellschaften unbedingt zu befolgen.
Herr Krüger: Ueber herzlose Missgeburten (Acardii).
M. H.! Es ist Ihnen allen bekannt, dass bei den eineiigen Zwil¬
lingen grössere Unterschiede der Entwicklung und grössere Ge¬
wichtsdifferenzen beider Zwillinge Vorkommen, als bei den zwei¬
eiigen. Sie wissen auch, dass die merkwürdigsten Missbildungen
bei eineiigen Zwillingen gefunden werden; erklärlich, da die Miss¬
bildung durch Gefässanastomosen am Leben erhalten werden kann,
während dieselbe als Einlingsmissbildung sehr frühzeitig zugrunde-
Kehen und als Abort ausgestossen werden müsste.
Auch kommen bei der eineiigen Zwillingsschwangerschaft patho¬
logische Zustände, z. B. Frühgeburt und akutes Hydramnion relativ
häufig vor. Eine befriedigende Erklärung dafür gibt es noch nicht.
Ich hoffe nun, durch die Demonstration zweier Missbildungen
einiges dem Verständnis näher zu bringen.
Sehr spät erst erkannte man die innigen Beziehungen eineiiger
Zwillinge zu einander. Portal soll im Jahre 1685 bereits die dop¬
pelte Unterbindung der Nabelschnur des einen Zwillings empfohlen
haben, weil der zweite sich sonst verbluten könnte; von Levret
(1766) wird behauptet, er habe bereits die Gefässverbindungen ge¬
kannt. Besondere Aufmerksamkeit aber schenkte man erst dem Stu¬
dium der Plazentarverhältnisse eineiiger Zwillinge seit Hüters
Arbeit im Jahre 1845, und in neuerer Zeit haben wir den sorgfältigen
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36f
Untersuchungen von Schatz wesentliche Fortschritte unserer Er¬
kenntnis zu verdanken.
Ich möchte mir nun erlauben, Ihnen eine Plazenta zu demon¬
strieren, wie ich sie bei Schatz unter den vielen Abbildungen nicht
fand, und wie sie jedenfalls selten vorkommt. Ich habe die Gefässe
der einen Nabelschnur injiziert. Sie sehen, dass die Injektions¬
massen an der Insertion der Schnur direkt in die andere übergehen.
Beide Nabelschnüre haben zwei Arterien und eine Vene. Bei einer
so engen Anastomose ist es selbstverständlich, dass eine Ernährung
des einen Zwillings durch den anderen möglich ist. Ja, diese Er¬
nährung wird sogar erfolgen müssen, intakte Gefässwände voraus¬
gesetzt —, selbst wenn dem anderen Zwilling die lebenswichtigsten
Organe, z. B. das Herz, fehlen. Die Zirkulation erfolgt natürlich in
umgekehrter Richtung: Wir haben dann einen Holoakardius vor uns,
eine Missbildung, der jegliche Herzanlage fehlt.
E. Schwalbe teilt die Holoakardien in drei Gruppen ein: 1.
solche, deren Defekte sich speziell auf die obere Körperhälfte be¬
schränken (Holoacardii acephali), 2. solche, deren Defekte die untere
Körperhälfte betreffen (Holoacardii acorni, von denen nur vier sichere
Fälle bekannt sind) und 3. solche, deren Defekte nicht in einer be¬
stimmten Körpergegend lokalisiert erscheinen (Holoacardii amorphi).
Ich kann Ihnen von diesen herzlosen Missgeburten zwei Exem¬
plare zeigen: 1. Den zu dieser Placenta gehörenden Holoacardius
acephalus, oder richtiger gesagt, da einiges der oberen Körperhälfte
gut ausgebildet ist, einen Holoacardius paracephalus und 2. einen
Holoacardius amorphus, einen formlosen Klumpen, dem jegliche
menschliche Gestalt fehlt; er ist, wie Sie sehen, durch einen dünnen
Gefässstiel mit seinem Zwillingsbruder verbunden.
Ueber die Aetiologie der Akardie hat man sich noch nicht ge¬
einigt. Nach einigen Autoren entsteht sie sekundär, d. h. das be¬
reits angelegte Herz geht später zu gründe, nach anderen kommt ein
primäres Fehlen jeglicher Herzanlage vor. Jedenfalls muss man an
die erste Möglichkeit bei der Form der Akardie stets denken, bei der
Rudimente eines wenn auch nicht mehr funktionierenden Herzens
vorhanden sind: Hemiakardie, während beim Fehlen jeglicher An¬
lage eine primäre Agenesie — eine Holoakardie — vorliegt, wenn
man nicht die Möglichkeit zugeben muss, dass eine Herzanlage se¬
kundär zerstört ist. Zur Beantwortung dieser Frage ist natürlich eine
genaue Gefässpräparation nötig. In der Literatur existieren darüber
aber noch relativ wenige Untersuchungen, weil derartige Präpara¬
tionen recht schwierig sind. Auch findet man häufig die Angabe,
dass „im Interesse der Erhaltung des Präparats“ von genauerer
Durcharbeitung Abstand genommen ist.
Ich bin nun in der Lage, Ihnen Skizzen des Gefässverlaufes
zweier Holoakardier zu zeigen. Hier die eines Amorphus. Sie sehen
zwei im Darmmesenterium bogenförmig verlaufende Gefässe: eine
Arterie und eine Vene, die dann kranialwärts verlaufen und sich
verzweigen, ohne irgend eine Verbindung miteinander zu haben. Die
Missbildung habe ich unter Wasser präpariert, indem ich vorsichtig
nur mit feinen Pinzetten Faser für Faser zerzupfte, und jedes Organ
mikroskopisch untersuchte. Ich glaube daher eine Herzanlage, wenn
sie vorhanden gewesen wäre, nicht übersehen haben zu können.
Ferner zeige ich Ihnen hier den Gefässverlauf des Holoacardius
paracephalus. Die genauere Präparation wurde leider erst nach
Herausnahme einiger Organe vorgenommen, und war daher kompli¬
ziert. Durch die liebenswürdige Unterstützung des Herrn Professor
Eisler gelang es aber, wenigstens die Hauptgefässstämme deutlich
zu machen. Sie haben hier im Abdomen zwei primitive Venen, von
denen aber nur eine kranialwärts verläuft, hier eine längs verlaufende
Aorta. Beide Gefässe teilen sich in der zu erwartenden Herzgegend,
ohne eine Verbindung miteinander zu haben. Von irgend einer Herz¬
andeutung keine Spur.
Wir können also sagen, dass die Gefässentwicklung auf primi¬
tiver Stufe stehen geblieben ist, auf einer Stufe, in der die Herz¬
anlage die Gefässe überhaupt noch nicht getroffen hat. Nach neueren
embryologischen Untersuchungen wissen wir nämlich, dass das Herz
unabhängig von den Gefässen entsteht und sich erst später mit ihnen
vereinigt. Für den menschlichen Embryo ist es noch nicht erwiesen,
aber sehr wahrscheinlich. Allerdings ist eine Zerstörung einer Herz¬
anlage, die aber eine Verbindung mit den Gefässen noch nicht ge¬
funden hat, nicht ausgeschlossen. Sehen wir doch gerade in der
Gegend der zu erwartenden Herzanlage eine äusserlich deutliche
Narbenbildung. Immerhin lässt sich sagen — und das möchte ich
besonders betonen —, dass die Entstehung dieser Missbildung in
eine sehr frühe Zeit des embryonalen Lebens zu verlegen ist. Ich
betone das deshalb, weil gerade wieder in allerneuester Zeit (confer.
Monatsschr. f. Geburtsh. u. Gynäkol., Bd. XXVIII, S. 324, Schu¬
bert: Herzlose Missgeburten) behauptet wird, die Umkehr des Kreis¬
laufes im 2. Zwilling sei an allen Missbildungen schuld. Damit ver¬
legt man die Entstehung der Akardie für viele Fälle in eine viel zu
späte Zeit des embryonalen Lebens.
Neben diesen interessanten Gefässanomalien zeigt der Holo¬
acardius paracephalus noch andere seltene Eigentümlichkeiten, auf
die ich mir erlauben möchte kurz einzugehen.
An der unteren Körperhälfte (die auf der Zeichnung nur an*
gedeutet ist) sieht man etwa von der Nabelgegend abwärts keine
wesentlichen Abweichungen. Die Genitalien sind wohlgebildet, die
Füsse zeigen geringe Klumpfussstellung. Alle Anomalien betreffen
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
368
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
nur die obere Bauch-, Brust-, Hals- und Gesichtsgegend, also die
kranio-ventrale Körperpartie, während der Qehirnschädel und der
Rücken, äusserlich nichts Abnormes bieten. Dieser Holoakardius ist
27 cm lang, 677 g schwer, wurde zugleich mit einem 39 cm langen,
925 g schweren Zwillingsbruder geboren.
Es ist klar, dass die Arbeit der Zirkulation, die nur von einem
Herzen übernommen wurde, einer überaus grossen Kraftanstrengung
bedurfte. Daraus resultierte eine deutliche Herzhypertrophie. Die
Kompensationsmöglichkeit des embryonalen Herzens ist aber eine
beschränkte, und auf die Herzhypertrophie folgte die Herzdilatation.
Auch an anderen Organen beider Zwillinge konnte man die
Störungen der Zirkulation erkennen; während die Missbildung die
Zeichen einer chronischen Stauung zeigte, bot der kräftige
Zwilling das Bild einer akuten Störung dar. Es ist klar, dass, im
Anschluss an diese intrauterinen fötalen Erkrankungen andere Stö¬
rungen erfolgen können, z. B. Absterben der Früchte und Früh¬
geburt. In unserem Falle entwickelte sich innerhalb von ca. 16 Tagen
ein akutes Hydramnion. Die Fruchtwassermenge betrug ca. 8 Liter.
Die Entstehung dieser Art des akuten Hydramnions, bei der der
eine Zwilling ein Oligohydramnios ist, also abnorm wenig Frucht¬
wasser hat, der andere dagegen ein Polyhydramnios ist, ist noch
nicht in allen Punkten aufgeklärt.
Das klinische Krankheitsbild ist erst seit dem Jahre 1882 durch
Schatz bekannt geworden. Ohne mich auf die bisherigen Theorien
des Zustandekommens dieser Störung einlassen zu wollen, die mir
nämlich hierfür alle nicht recht plausibel erscheinen, möchte ich nur
hervorheben, dass in unserem Falle weder Teile der Eihäute, noch
der Plazenta sich makroskopisch oder mikroskopisch unterschieden.
Die inneren Organe beider Zwillinge boten dagegen die grössten
Differenzen dar. Am auffallendsten war die Beschaffenheit beider
Nieren. Die der Missbildung nämlich zeigten durch Blutungen frisch
zertrümmertes, kaum noch funktionierendes Gewebe, die des Makro-
kardius waren tadellos ausgebildet und* boten das Bild der Hyper¬
trophie. So scheint mir in diesem Falle die plötzliche Fruchtwasser¬
ansammlung durch plötzlich einsetzende, kräftige Urinsekretion, zum
grössten Teile bedingt; die Ursache derselben bildete der plötzliche
Funktionsausfall der Nieren des Arkadius.
Ich möchte mir dann erlauben, m. H., näher auf die interessante
Doppelbildung einzugehen, zu der der Amorphus gehört. Nach Ernst
Schwalbe gibt es nicht gesonderte und freie Doppelbildungen.
Hier haben wir es mit einer freien Doppelbildung zu tun; beide Zwil¬
linge sind durch einen kurzen Gefässstiel miteinander verbunden.
Der eine Zwilling hat eine gut ausgebildete obere Körperhälfte,
während wir an der unteren Körperpartie die mannigfachsten Miss¬
bildungen erkennen. Zunächst eine deutliche Lordose der Lenden¬
wirbelsäule, einen mit Haut überkleideten zystischen Sack, in der
Lendengegend beginnend und bis zum kaudalen Ende reichend. (Eine
Hydromeningozele.) An der ventralen Seite bemerkt man einen
grossen, nur von vorderer Verschlussmembran überzogenen Bauch¬
bruch (sog. Nabelschnurbruch), während von einer eigentlichen Nabel¬
schnur nichts zu sehen ist. Die Plazenta habe ich nicht gesehen. Es
soll aber keine Nabelschnur vorhanden gewesen sein. Ausserdem
erkennen Sie eine Ektopie der Blase, eine Eventeratio eines Darm¬
stückes und eine kleine Vorbuckelung, die Teile der inneren Geni¬
talien darstellt. Neben diesen Missbildungen haben wir es hier mit
einer Andeutung einer Sirenenbildung zu tun. Sie wissen allerdings,
dass es bei der echten Sirenenbildung zu einer wirklichen Verschmel¬
zung der unteren Extremitäten oder Teilen derselben kommt. Zu
gleicher Zeit ist die Plantarfläche des Fusses (wenn vorhanden) stets
nach oben gerichtet. Diese äusserlich leicht erkennbaren Anomalien
sind nun stets mit anderen Missbildungen der unteren Körperhälfte
kombiniert: Fehlen oder rudimentäre Anlage der äusseren Genitalien
und der Harnröhrenmündung, desgleichen ist meistens ein Anus nicht
vorhanden, und schliesslich findet man bei den Sirenen nur zwei
Nabelgefässe, die nach Weigert als Dottergefässe zu betrach¬
ten sind.
Wenn wir daraufhin unsere Missbildung betrachten, so sehen
wir, dass ihr gleichfalls äussere Genitalien fehlen, abgesehen von
zwei warzenförmigen Bildungen, die vielleicht als Genitalrudimente
gedeutet werden können, wir vermissen ferner eine Harnröhrenmün¬
dung und einen After. Statt der drei Nabelgefässe finden wir nur
2 Gefässe ein zuführendes und ein abführendes. Schliesslich erkennen
wir eine Rotation des einen Beines, die nach Fischer nicht als
Rotation, sondern als ursprüngliche embryonale Stellung des
Beines zu betrachten ist. So gehen wir nicht fehl, wenn wir diese
Missbildung, wie es auch von anderer Seite mehrfach geschehen
ist, in das grosse Gebiet der Sirenenbildung rubrizieren.
Interessant ist es nun, dass der andere Zwilling, der Amorphus,
der nur die Grösse einer Faust hat, bei näherer Untersuchung sich
ebenfalls als eine sirenenähnliche Missbildung entpuppte.
Ich möchte zunächst erwähnen, dass es mir bei diesem Amorphus
gelang, so viele verschiedene, allerdings winzig kleine Organe nach¬
zuweisen, wie ich es in der Literatur noch nicht beschrieben gefunden
habe. Sie haben hier die Mundöffnung, dann folgt die Speiseröhre,
die bald blind endigt, die Schilddrüse, die Karotisdrüse, dann eine
abgeschnürte Blase, die ein Stück des Verdauungsschlauches dar¬
stellt. Hier beginnt dann von neuem der Darm, es ist ein 58 cm
langes Stück Dünndarm; den Abschluss bildet ein blindendigendes
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kurzes Dickdarmstück. Von anderen inneren Organen fand ich zwei
Leberanlagen, die stielförmig miteinander verbunden waren, ein
Stück Pankreas, das ringförmig den Darm umgab, die Milz, die
Nebennieren und viele Lymphdrüsen. Schliesslich war noch ein
kleinhirsekorngrosses Organ vorhanden, das ich als Rudiment des
W o 1 f f sehen Körpers gedeutet habe.
Wir sehen also auch hier, dass die Defekte speziell das Urogeni¬
talsystem betreffen, wie wir es bei den Sirenen zu sehen gewöhnt
sind. Es kommt dann noch dazu, dass die beiderseits angelegten
Beckenhälften sirenenartig verschmolzen sind und dass wir hier
zwei typische Dottergefäse fanden. Als eine Missbildung, die mit
der Sirenenbildung nichts zu tun hat, ist der bei dem Amorphus gleich¬
falls vorhandene grosse Nabelschnurbruch aufzufassen.
Ich darf also noch einmal darauf hinweisen, dass beide Zwillinge
Missbildungen der gleichen Art darstellen: Sirenenbildung, kombiniert
mit grossen nur von vorderer Verschlussmembran überzogenen
Bauchbrüchen, sog. Nabelschnurbrüchen. Wir müssen also annehmen,
dass auf beide Embryonalanlagen Störungen der gleichen Art ein¬
gewirkt haben, deren Effekt graduell aber ein verschiedener ist.
Betreffs der Frage der A k a r d i e haben wir gesehen, dass bei
beiden Missbildungen — dem Amorphus und dem Parazephalus —
trotz gänzlichen Fehlens eines Herzens eine Weiterentwicklung durch
enge und frühzeitig entstandene Gefässanastomosen ermöglicht war
Bei beiden Halsakardiis müssen wir annehmen, dass das Herz
primär gefehlt hat. Diese Annahme wird uns verständlicher er¬
scheinen, wenn wir bedenken, dass sich das Herz unabhängig von
den Gefässen anlegt und sich erst später mit ihnen verbindet.
Es ist demnach nicht richtig, das Zustandekommen der Akardie
nur sekundär erklären zu wollen: Primäre und sekundäre Akardie
kommen vor.
Nürnberger medizinische Gesellschaft und Poliklinik.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 19. November 1908.
Vorsitzender: Herr Flat au.
Herr O. Mayer: Ueber örtliche und zeitliche Einflüsse bei
der Verbreitung des Abdominaltyphus.
Vortragender weist auf die ausschlaggebende Bedeutung hin,
welche namentlich von älteren Autoren örtlichen und zeitlichen Ein¬
flüssen bei der Verbreitung des Abdominaltyphus zugesprochen wurde.
Er bespricht sodann eine grössere Anzahl älterer und neuerer epi¬
demiologischer und experimenteller Beobachtungen über die Lebens¬
dauer der Typhusbazillen ausserhalb des menschlichen Körpers, na¬
mentlich in Erde, Fäzes, Abortinhalt, Dungstoffen usf.
Er selbst kommt auf Grund der in der bayerischen Rheinpfalz
seit langem von den dortigen Medizinalbeamten und Aerzten ge¬
machten, sowie eigenen 3 jährigen Erfahrungen, welche an zahl¬
reichen Beispielen besprochen und in 21 Diagrammen demonstriert
werden, zu dem Schlüsse, dass nach allen Beobachtungen in der
Pfalz in Uebereinstimmung mit den bisherigen neueren experimen¬
tellen Untersuchungen über die Lebensfähigkeit der Typhusbaziilen
ausserhalb des menschlichen Körpers und den diesbezüglichen epi¬
demiologischen Beobachtungen eine längere Lebensdauer der Typhus¬
bazillen in der Aussenwelt unter natürlichen Verhältnissen nicht
wahrscheinlich ist und örtliche wie zeitliche Einflüsse nur als Be¬
günstigung des direkten und indirekten Kontaktes wirksam zu sein
scheinen. Das gehäufte Auftreten des Typhus im Beginn der heissen
Zeit glaubt Vortragender vorwiegend auf Neuausbriiche in endemi¬
schen Typhusorten nach längerem typhusfreien Intervall zurückfiihren
zu können und macht die Typhusdauerausscheider hiefür verant¬
wortlich. Der Uebertragung der Typhusbazillen durch Fliegen komme
dabei offenbar eine nicht untergeordnete Bedeutung zu. .
(Erscheint an anderer Stelle.) v /
Herr Frankenburger: Ergebnisse des Walderholuüßs-
stättenaufenthaltes. / ^
Der Vortragende berichtet über die in der Fürsorgestelle für
Lungenkranke von ihm in diesem Jahre gemachten Feststellungen
über die Beeinflussung des Befindens Tuberkulöser durch Wald¬
erholungsstättenaufenthalt.
Das Walderholungsheim „Frida Schrammstiftung“ war in diesem
Jahre vom 4. Mai bis 15. Oktober geöffnet und hatte 547 Pfleglinge
(286 Männer, 221 Frauen und 40 Kinder).
Von den Eingewiesenen waren 319 Tuberkulöse oder Tuber¬
kuloseverdächtige. Von diesen wurden 156 vor der Aufnahme in der
Fürsorgestelle untersucht und sofort nach der Entlassung kontrolliert.
Von diesen 156 waren nur tuberkuloseverdächtig 61 (= 39,1 Proz.).
sicher tuberkulös waren 95 (= 60,9 Proz.). Von den Tuberkulosen
gehörten 37 (= 38,95 Proz.) dem Stadium I, 39 (= 41,05 Proz.) dem
Stadium II, 19 (= 20 Proz.) dem Stadium III an.
Die durchschnittliche Aufenthaltszeit dieser Kranken betrug 6 bis
8 Wochen. '
Von den 156 Pfleglingen erreichten 140 = 89,74 Proz. einen
guten Erfolg; bei 8 blieb der Zustand gleich; bei 8 konnte eine Ver¬
schlimmerung nicht verhütet werden.
Von den 61 Tuberkuloseverdächtigen erzielten 58 = 95 Proz.
erhebliche Besserungen ihres Befundes, 2 blieben in gleichem Zustand.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
369
einer zeigte Körpergewichtsabnahme bei unsicherem Lungenbefund;
dieser wurde der Heilstätte zugeführt.
Von den 37 Tuberkulosen des Stadiums I zeigten 34 positiven
Erfolg, davon 24 Besserung des objektiven Befundes. 10 erhebliche
Gewichtszunahmen bei gleichbleibendem (geringem) Lungenbefund.
Fortschritte der Erkrankung während des Aufenthaltes zeigten 2
Kranke, welche inzwischen ebenfalls in Heilstättcnbchandlung kamen.
Von den 39 Kranken des Stadiums 11 zeigten 35 guten Erfolg,
davon 16 eine erhebliche Besserung des objektiven Befundes.
Auch von 19 Kranken des 111 Stadiums zeigten noch 8 eine
günstige Beeinflussung des objektiven Befundes.
Vortragender glaubt aus diesen Beobachtungen eine weitere
Stütze für seine in seinem vorjährigen Vortrage (s. diese Wochcnschr.
No. 17 und 18, 1908) niedergclegten Behauptungen entnehmen zu
können.
Aerztlicher Verein Rostock.
Sitzung vorn 9. Januar 19U9.
Herr Peters: Was Ist und wie behandeln wir die Skrofulöse?
In der Einleitung erwähnt Vortr. einige neuere Autoren, welche
Tuberkulose und Skrofulöse identifizieren und spricht sich gegen diese
Anschauung aus. Er ist vielmehr mit Ponfick u. a. der Meinung,
dass der Krankheitsbegriff der Skrofulöse beizubehalten und prin¬
zipiell von der Tuberkulose zu trennen sei.
Auch unter den Rhinologen herrschen keine einheitlichen An¬
schauungen. Während die einen alles Heil von der Entfernung
adenoider Wucherungen erwarten, erkennen andere eine lymphatische
Konstitution an, ohne den Zusammenhang mit der Tuberkulose aut-
zugeben.
Die Augenärzte stehen bezüglich der Abgrenzung des Krank¬
heitsbildes der skrofulösen Augenarfektionen der Bewertung endo¬
gener und äusserer Schädlichkeiten vor denselben Schwierigkeiten,
welche das Ekzem den Dermatologen darbietet, ln neuerer Zeit tritt
jedoch die Bedeutung des endogenen Faktors immer deutlicher hervor.
Es ist ein grosses Verdienst von Czerny, durch die Aufstellung
des Krankheitsbildes der exsudativen Diathese eine weitere Klar¬
stellung angebahnt zu haben. Wenn es sich weiterhin bestätigt, dass
lediglich fehlerhafte oder zu reichliche Ernährung neben einer ange¬
borenen Disposition die Hauptschuld an den verschiedenen Formen des
skrofulösen Habitus trägt, dann erwächst daraus besonders den Haus¬
ärzten die Pflicht, in der Behandlung der skrofulösen Kinder weit
mehr individualisierend als bisher zu verfahren, wo die verschiedenen
Spezialisten die ganze Ernährungsfrage etwas schematisch oder sum¬
marisch behandelt haben.
Der Vortrag erscheint ausführlich in einer medizinischen Fach¬
zeitschrift.
Diskussion; Herr Brüning will die Skrofulöse von der
Tuberkulose getrennt wissen und ergänzt die Mitteilungen des Vor¬
tragenden dahin, dass entgegen der anfänglichen Ansicht Czernys
von dem Fehlen der Magendarmstörungen bei der von ihm zuerst ge¬
schilderten „exsudativen Diathese“, diese nach Untersuchungen von
Langstein u. a. nicht mehr bezweifelt werden können.
Herr Kobert hält den Lebertran für die Behandlung der sogen,
„erethischen“ Form der Skrofulöse für recht brauchbar.
Herr S c h w a 1 b e betont, dass man das von Czerny beschrie¬
bene Krankheitsbild der exsudativen Diathese nicht ohne weiteres mit
Skrofulöse identifizieren dari und hält gerade die Anlage, die Dia¬
these. für recht bedeutsam.
Herr Körner spricht sich dahin aus, dass das Bild der Ton-
sillarhypcrtrophie nicht in allen Fällen von exsudativer Diathese vor¬
handen sei.
Herr W. Müller hält den Ausdruck Diathese iiir schlecht ge¬
wählt und glaubt, dass er bald wieder’'verschwänden wird.
Herr An schütz macht auf die Bedeutung kariöser Zähne iiir
die „skrofulösen“ Halsdrüsenanschwellungen aufmerksam.
Herr W. Schmidt empfiehlt die Bezeichnung Keratitis ekzema-
tosa an Stelle der bisher meist üblichen K. phlctaenulosa und iragt
Herrn Kobert w r egen der gleichzeitigen Anwendung von Jodeisen*
lebertran und Kalomel.
Herr Kobert gibt den Rat. statt des minimale Mengen Eisen
enthaltenden Jodeisenlebertran das Ferr. oxydat. zu verordnen, und
empfiehlt für die Behandlung der tuberkulösen Skrofulöse auch
das Jod.
Herr Peters: Schlusswort.
Medizinisch-Naturwissenschaftlicher Verein Tübingen.
(Medizinische Abteilung.)
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 14. Dezember 190S.
Vorsitzender: Herr Seil.heim,
stellvertretender Schriftführer: Herr v. Brunn.
Herr Flessler: Zur Behandlung der Placenta praevia. (Er¬
schien ausführlich in No. 4 dieser Wochenschrift.)
Diskussion: Herr Seil he im: Ueber das, was noch im
Schosse der Zukunft liegt, nämlich, ob der extraperitoneale Uterus¬
schnitt sich in der Behandlung der Placenta praevia einen Platz er¬
obern wird oder nicht, will ich heute nicht weiter sprechen, sondern
versuchen, diejenigen Einblicke für die Verhält¬
nisse der Praxis nützlich zu machen, welche ich
bei Freilegung der Blutungsquellen und durch den
Einfluss der gebräuchlichen Blutstillungsmittel
gewonnen habe.
Verblutungsfälle passieren in Praxis und Klinik unter den Händen
geschicktester Geburtshelfer. Wer zur Totalexstirpation des Uterus
seine Zuflucht nahm, bekennt damit nur den Bankrott der üblichen
anderen Blutstillungsmittel. Die Blutstillung bei Placenta
praevia in der Nachgeburtsperiode ist also un¬
sicher.
Bekanntere Ursachen des Misserfolges sind Verrechnungen
in der Widerstandsfähigkeit des Organismus. Uebersieht
man z. B. eine gleichzeitig bestehende Nephritis oder rechnet man
nicht mit den vor Ankunft des Arztes verlorenen Blutmengen, so wird
man bei weiteren, vielleicht nur minimalen, Blutverlusten leicht von
der Katastrophe überrascht. Dann kommt die charakteristische
Ausflucht: „Ich habe nach Ausstossung der Plazenta den Zustand
stundenlang überwacht: es hat bis zum unvermuteten Tode der Pa¬
tientin nie mehr als höchstens einige Tropfen geblutet“. Steter
Tropfen höhlt den Stein! Die hieraus zu ziehende Nutzanwendung:
Bei der Placenta praevia ist während der Nach¬
geburtsperiode mit jedem Tropfen Blut zu rechnen,
weil häufig die Frau schon vor Anwesenheit des
Arztes das zulässige Quantum Blut verloren hat.
Eine ungenaue Diagnose der Blutungsquelle ist
nicht selten Schuld an diesem Unglück. Wenn man einen gehörigen
Zervixriss mit Mitteln zur Erzielung von Kontraktion oder Thrombose
behandelt, anstatt ihn kurzerhand zuzuklemmen, oder wenn man bei
ausgesprochener Placenta praevia mehr an die Kontraktion des kon¬
traktionsfähigen unteren Uterusabschnittes als an die besser ange¬
brachte Thrombose appelliert, wird man nicht leicht Herr der Si¬
tuation werden.
Richtige Heilmittel ungeschickt angewendet,
können mehr schaden als nützen: Tamponade durch gewaltsames Ein-
keilen von Gaze macht in der weichen Zervixwand vorhandene kleine
Risse grösser oder fügt neue hinzu.
Die Theorie für die Blutstillung an der PIa-
zcntarstelle lautet: Anregung der Kontraktion der
U t e r u s w r a n d bei Plazentarsitz im kontraktions¬
fähig e ii Uterusabschnitt, Anregung der Thrombose
bei Plazentarsitz im kontraktionsunfähigen
Uterusabschnitt. Kontraktionsfähig im Sinne prompter
blutstillender Wirkung ist der Uteruskörper; kontraktions¬
unfähig in diesem Sinne ist der Boden der Placenta praevia
im Isthmus oder Zervix, die Plazentarstelle auf einem
Uterusseptum oder auf einem Myomknoten. Kon¬
traktionsbefördernd wirken Reize, wrnlche den Uterus¬
muskel treffen, mechanische, wäe Reiben und Drücken, ther¬
mische. wie heisse und kalte Ausspülungen und chemische,
wäe Chlorwasser lokal und Ergotin etc. per os oder subkutan ange¬
wandt. Vorübergehenden vorzüglichen Ersatz für die ausblei¬
bende Kontraktion bietet die bimanuelle Kompres¬
sion des Uterus. Thromboseanregend wärkt vor allem
die Tamponade mit Gaze.
Die Theorie empfiehlt die Tamponade als sou¬
veränes Mittel gegen die Nachblutungbei Placenta
praevia und zwar im Körper deshalb locker, um dem Tampon
einen gewissen Halt zu geben: im Ausführungsgang massig
fest, um einen Druck gegen die blutende Stelle auszuüben, ohne je¬
doch den Hals übermässig auszuweiten, und in den Scheidegc-
w ö I b c n fest, um gewissermassen den Uterushals von aussen her
zusammenzud rücken.
Dass diese Theorie und die daraus «hergeleitete Therapie der
Placenta praevia mittelst Tamponade richtig ist, fand ich in einem
der Fälle von extraperitonealem Uterusschnitt zuverlässig be¬
stätigt. Die Plazenta sass nur im Isthmus und Zer-
v i x. Die Körperhöhlc w ar völlig frei. Der Körper zog sich auf
Reize hin fest zusammen. Die an und für sich mässige Blu¬
tung aus der Plazentarstclle im Ausführungsgang
wurde durch den Kontraktionszustand des Uterus¬
körpers in keiner Weise beeinflusst. Tamponade
stillte sofort die Blutung. Für Fälle von ausschliesslichem
Sitz der Placenta praevia im Ausfiihruncsgange ist die die Thrombose
befördernde Tamponade das souveräne Mittel. Kontraktionserregende
Mittel w irken nicht durch die Kontraktion, sondern nur durch etwaige
gleichzeitige Anregung der Thrombose, sofern sie überhaupt nützen.
Dass man mit der Tamponade allein bei Placenta praevia
unter Umständen nicht auskommt. zeigte ein zweiter Fall. Bei
einer Erstgebärenden mit Spfiindigem Kinde überdeckte die sehr
grosse Placenta den äusseren Muttermund, zog an der ausgedehnten
Zervix- und Isthnmswand in die Höhe nach hinten links und rechts:
nach vorne reichte sie mit einem grossen Abschnitte
hoch in den Körper hinauf. Die Blutung bei Ablösung der
Plazenta war stärker als ich in irgend einem der seitherigen Fälle
gesehen hatte. Tamponade von Zervix und Isthmus sti’Itc die Blu-
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
tung aus diesen Teilen prompt, es blutete jedoch noch intensiv
aus dem korporalen Abschnitt der Plazentarstelle. Andrücken eines
Tampons war in diesem Abschnitt ohne bleibenden Erfolg. Sobald
ich mit dem festeren Druck nachliess, begann die Blutung von neuem.
Erst energische Massage, Aufdrücken von Kompressen, die in
heisse Kochsalzlösung getaucht waren, regten den Uterus zu starken
Kontraktionen an, in deren Folge die Blutung stand. Der
Neigung des Uterus, zu erschlaffen, einer Gefahr für weitere Blutungen
aus der Plazentarstelle im Körper, wurde durch mehrfache subkutane
Ergotininjektionen vorgebeugt. Dieser zweite Fall beweist
prompte Wirkung der Tamponade auf die Blutung
aus dem kontraktionsunfähigen Teile und prompte
Wirkung kontraktionserregender Mittel auf die
Blutung aus dem kontraktionsfähig.en Teil.
Damit ist exakt nachgewiesen, was die praktische Erfahrung
schon lange annimmt, nämlich, dass man die Blutung aus der
Plazentarstelle im kontraktionsfähigen Abschnitt
des Uterus am besten mit kontraktionsfördern¬
den Mitteln stillt und bei Blutung aus der Plazen¬
tarstelle im kontraktionsunfähigen Teile des
Uterus zur Thrombose seine Zuflucht nimmt.
Wer diese prompte Wirkung richtig angewendeter Blutstillungs¬
mittel am blutenden Uterus während seiner Studienjahre in dieser
Weise ad oculos demonstriert erhält, wird daraus bleibenden Nutzen
für die Praxis ziehen. Speziell für die Verhältnisse bei
Placenta praevia ist der extraperitoneale Uterus¬
schnitt das beste Unterrichtsmittel, um den Schüler
über den Situs der Plazenta, die Zerreisslichkeit der abnorm sitzenden
Plazentarstelle und über die Wirkung der Tamponade etc. zu orien¬
tieren.
Nicht allein für -den Unterricht, sondern auch für die Praxis
ist Brauchbares gewonnen worden durch ein Be¬
schreiten dieses neuen Weges.
Die beständige einseitige Befolgung an und für sich richtiger
Prinzipien reicht häufig nicht aus. Wenn wir daraufhin den ersten
Fall betrachten, wo die Plazenta nur im kontraktions¬
unfähigen Uterusabschnitte sass, so würde für solche
Fälle die Anwendung der Tamponade für die Erregung der Thrombose
zur Blutstillung genügen können. Wenn wir den alltäglichen Fall
einer Atonie bei Sitz der Plazenta im kontraktions¬
fähigen Abschnitt ins Auge fassen, so ist das adäquate Mittel
zur Blutstillung die Anregung der Kontraktion. In Wirklichkeit
sitzt aber die Plazenta häufig weder allein im kon¬
traktionsunfähigen. noch allein im kontraktions¬
fähigen Teile des Uterus, sondern erstreckt sich
mehr oder weniger weit von einem Abschnitte in
den anderen. In solchen Fällen muss man zur si¬
cheren Blutstillungsowohl Kontraktion ais Throm¬
bose anregen.
Nach der Erfahrung am aufgeschnittenen Uterus er¬
scheint als empfehlenswertestes Verfahren die Kombination der Tam¬
ponade mit der Massage und eventuell mit der Kompression zwischen
beiden Fäusten. Für leichtere Fälle genügt vielleicht entweder eine
Ausspülung des Uterus mit verdünntem Chlorwasser, welches gegen¬
über den anderen Spülmitteln völlig gefahrlos ist und obendrein kon-
traktions- und thromboseerregend wirkt; oder aber die Tamponade,
wenn man dabei den Körper etwas mehr bedeckt.
Beim extraperitonealen Uterusschnitte sind die Beziehungen
des Plazentarsitzes zum kontraktionsfähigen und
kontraktionsunfähigen Teile leicht zu dem Zwecke fest¬
zustellen, um bei der Behandlung als Richtschnur dienen zu können.
Ob man bei solcher Einsicht in die Blutungsquellen und bei einer
danach sich richtenden Behandlung gelegentlich zur Beherr¬
schung der Blutung die Tota1exs t i rpat i o n des
Uterus [wozu K r ö n i g *) sich bereit erklärt] notwendig haben
wird, vermag selbstredend nur die Praxis lehren. Nach allem, was
ich bei einem klassischen Kaiserschnitt wegen Placenta praevia
gesehen habe, würde ich vor einer Totalexstirpation den Versuch
unternehmen, mittelst starker Torsion des Uterus sämt¬
liche Gefässe vorübergehend abzuknicken.
In der Praxis hat man für die Beziehungen des Plazentarsitzes
zum kontraktionsfähigen und kontraktionsunfähigen Teile Anhalts¬
punkte in dem Verhältnis des Plazentarrandes zu dem Mutter¬
munde, in der Grösse der geborenen Plazenta, im Sitze des Eihaut¬
risses und unter Umständen in der Betastung der Plazentarstelle.
Häufig geht aber in der Praxis das Probieren übers Studieren.
Steht die Blutung nach Anwendung kontrak¬
tionsfördernder Mittel nicht, bei vermeintlichem
tiefen Sitz der Plazenta, bei welchem also das Gros
im Körper und ein Teil vielleicht im Isthmus in¬
serierte, dann zaudere man nicht, diesen Mitteln
die Tamponade hinzuzufügen.
Blutet es bei Placenta praevia nach der Tam¬
ponade weiter, so füge man alle mit der Tamponade
vereinbarenden, kontraktionsfördernden Mittel,
*) Krönig: Zentralbl. f. Gyn., 1908, No. 46.
wie Massage, Ergotin, eventuell die bimanuelle
Kompression des tamponierten Uterus hinzu.
Anstatt fortgesetzt unzulängliche Mittel zu wiederholen, sollte
man im Zweifelsfalle solche planmässige Kombination thrombose-
anregender und kontraktionsfördernder Mittel probieren.
Herr Mayer: Ich möchte nur zur Diagnose der Intensität einer
Blutung, die wir nicht selbst haben beobachten können, eine kurze Be¬
merkung machen. Das ist, wie Sie eben von Herrn Prof. Seil¬
heim hörten, eine wichtige Frage.
Die gebräuchlichen Lehrbücher der Geburtshilfe geben überein¬
stimmend an, dass neben anderen Zeichen der Anämie auch eine
Alteration des Pulses auftritt, bestehend in starker Beschleunigung
und Verschlechterung der Qualität. Im allgemeinen stimmt das auch,
indem das Herz durch Vermehrung seiner Aktion die von ihm ge¬
forderte Arbeit zu leisten versucht. Die Umkehrung dieses Satzes
stimmt aber häufig nicht. Wir sind oft nicht berechtigt, aus der Tat¬
sache, dass der Puls nicht beschleunigt ist, anzunehmen, dass der
vorausgegangene Blutverlust nur gering gewesen sei. In solchen
Fällen müssen wir uns sehr nach dem sonstigen Zustande des Or¬
ganismus richten. Erweist er sich als nicht oder nur wenig ge¬
schädigt, dann darf das Fehlen der Pulsbeschleunigung für die An¬
nahme einer nur geringen Blutung verwertet werden. Sind aber
schon andere Zeichen der Störung des Organismus aufgetreten — ich
bezeichne als ganz besonders wichtig Beschleunigung der Atmung
und Lufthunger — dann verliert der Puls immer mehr an diagnosti¬
schem Werte. In solchen Situationen ist er oft nicht nur nicht be¬
schleunigt, sondern verlangsamt bis herab zu 60 und noch tiefer. Hier
wäre es sehr falsch, mit Rücksicht auf den langsamen Puls nur ge¬
ringen Blutverlust und eine nur geringe Gefahr anzunehmen. Offen¬
bar drückt sich da in der Pulsverlangsamung eine bereits einge¬
tretene Schädigung des Herzens aus, das zur Mehrleistung nicht
mehr im stände ist. Dieser Zustand erinnert zuweilen an gewisse
sonstige prämortale und agonale Verhältnisse, wo man geradezu
warten muss, bis einer Herzkontraktion eine andere folgt und
schliesslich jede die letzte zu sein scheint.
Ich wollte auf diese Erscheinung hinweisen, weil ich schon wie¬
derholt erlebt habe, dass die geburtsleitenden Personen den Zustand
völlig verkannt hatten und sich für ihre Auffassung auf den lang¬
samen Puls beriefen, während in einem Fall der kurz nachher ein¬
getretene Exitus über die tatsächliche Situation keinen Zweifel liess.
Herr Roth: In letzter Zeit sind mir einige Fälle von Nachblutung
zur Behandlung gekommen, bei welchen als einzige Ursache der
vorherige Genuss von Champagner zu eruieren war, der nicht bloss
in der Stadt, sondern auch auf dem Land als erstes Hilfsmittel bereit¬
gestellt wird.
Anfrage, wie sich der extraperitoneale Uterusschnitt in der
Praxis etwa gestalten und ermöglichen könne.
Herr Abegg: Sind nach Ausführung des extraperitonealen
Kaiserschnittes keine unheilvollen Folgen für eine spätere Spontan¬
geburt zu erwarten? Etwa dadurch, dass die Narbe am unteren Ab¬
schnitte der Gebärmutter selbst oder eine Verwachsung mit der Um¬
gebung eine unüberwindliche Wehenschwäche verursacht? Kann
man deshalb einer Frau, welche ein lebendes Kind dringend zu
haben wünscht, im Anfang der Geburt zu diesem Kaiserschnitt un¬
bedingt raten?
Herr S e 11 h e i m: Die Frage, die Herr Kollege Roth aufge¬
worfen hat, „ob auch der Praktiker imstande sei, ohne
weitere Hilfe draussen den extraperitonealen
Uterusschnitt ausüben“, ist sehr interessant. Was später
kommen wird, lässt sich schwer Voraussagen. So wie die Verhältnisse
heute liegen, kann man sich aber wenigstens eine Möglichkeit
konstruieren, wie die jetzt noch auf die Kliniken beschränkten
grösseren operativen geburtshilflichen Eingriffe mehr zum Allgemein¬
gut praktischer Geburtshelfer werden. Freilich muss sich bis dahin
noch manches ändern. Die Schwierigkeiten liegen in
der Hauptsache in der Ungunst des Milieus, in wel¬
chem der Praktiker arbeiten muss. Man spricht heute
oft von einem Unterschied zwischen der Geburtshilfe
der Klinik und der Praxis. Die Statuierung dieses Unter¬
schiedes verletzt sowohl den klinischen Lehrer als den Praktiker.
Entweder hat der Lehrer seine Pflicht nicht getan, und den Schüler
nicht so ausgebildet, dass er in jeder Situation bestehen kann, oder
der Schüler hat nichts gelernt. Die Klinik wird immer einen Vor¬
sprung vor der Praxis haben, solange sie wenigstens vorbildlich sein
soll. Das hindert aber nicht, dass jeder wirkliche Fortschritt auch
Allgemeingut der Aerzte werden kann. Was brauchbar ist, könnte
sich jeder unserer Schüler von mittlerer Begabung aneignen. Die
meisten Aerzte geben sich aber damit zufrieden, der Minimalforde¬
rung, welche der Staat mit der Berechtigung zu praktizieren ver¬
knüpft, zu genügen. Sie übersehen, dass zur vollständigen
Beherrschung der Geburtshilfe eine besondere Schulung gehört, eben¬
so wie für einen, der Chirurgie treibt. Ausser den notwendigen
Kenntnissen und Fertigkeiten, welche das Operieren erfordert, bedarf
es einer technischen Ausbildung, um das Milieu, in dem operiert wer¬
den soll, in gehöriger Weise umzugestalten. Die meisten haben nicht
einmal Lust, über den vom Staate ausgeübten Zwang hinaus sich die
Qualifikation des modernen Geburtshelfers zu erwerben. Die Lust
kann den jungen Aerzten freilich vergehen, wenn sie sehen, dass die-
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16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
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jenigen, welche die aseptische Beobachtung und Behandlung der Ge¬
burt beherrschen gelernt haben, bei der praktischen Ausübung des
Berufes auf die grössten Schwierigkeiten stossen. Wenn man heute
in dem ersten besten Zimmer einen Kaiserschnitt so machen will,
dass man ruhig schlafen kann, dann kostet es einen solchen Auf¬
wand für die aseptische Umgestaltung des Lokals und so viel Zeit
für die Vorbereitungen, dass sich nur wenige den Luxus, sich in
ihrer Privatwohnung operieren zu lassen, gestatten könnten. Wer es
billiger macht, macht es schlechter. Ein solches umständliches Ver¬
fahren passt für die Geburtshilfe um so weniger, als man, um recht¬
zeitig fertig zu sein, mit seinen Vorbereitungen schon anfangen
müsste, wenn der Eingriff noch zweifelhaft ist. Fängt man zu früh
an, dann riskiert man, den ganzen Aufwand vergeblich getrieben
zu haben. Fängt man zu spät an, dann muss man schlecht vorbereitet
operieren. Es darf nicht verhehlt werden, dass zur modernen Ge¬
burtshilfe eine vollständige Beherrschung der Asepsis gehört und ein
aseptisches Lokal für schwerere Eingriffe zur Verfügung stehen muss.
Jeder Kommune erwächst die Verpflichtung, ihren Geburtshelfern
ebensogut die Möglichkeit zum aseptischen Operieren zu verschaffen,
wie sie sich dieser Verpflichtung ihren Chirurgen gegenüber schon
lange unterzieht. Nur wenn der Praktiker Gelegenheit bekommt, das
Gelernte anzuwenden, wird es sich für ihn auch lohnen, mehr Ge¬
burtshilfe zu lernen als das Minimalquantum, das genügt, um das
Staatsexamen machen zu dürfen. Dann wäre auch der Boden ge¬
ebnet, dass unsere letzten Fortschritte in der Geburtshilfe zum All¬
gemeingut der praktischen Geburtshelfer werden und dem Publikum
im weitesten Umfang zum Segen gereichen könnten. An der Ausbil¬
dung von guten Geburtshelfern fehlt es nicht. Zweifellos haben wir
mehr gute Geburtshelfer als Gebärhäuser und weniger Gebärhäuser
als Kreissende, die in ein Gebärhaus gehörten.
Auf die Frage des Herrn A b e g g kann ich nicht eher defini¬
tive Antwort geben, als bis Frauen nach extraperitonealem Uterus¬
schnitt — denn solche Fälle sind von ihm wohl in erster Linie ge¬
meint — wieder schwanger geworden und niedergekommen sind.
Bis jetzt kann ich nur sagen, dass sich keine Funktionsstörungen bei
der Menstruation eingestellt haben.
Nach den Ergebnissen des vaginalen Kaiserschnittes,
der sich im gleichen Gebiete wie der extraperitoneale Uterusschnitt
abspielt, zu urteilen, braucht man aber nicht auf besondere Geburts¬
störung gefasst zu sein.
Hinsichtlich der Wiederherstellung der Funktion
scheint mir der extraperitoneale Uterusschnitt gün¬
stiger alsderklassische Kaiserschnitt. Der klassische
Kaiserschnitt fällt aus dem Rahmen der allgemein beliebten An¬
lehnung der Kunsthilfe an den natürlichen Vorgang heraus. Er trifft
nicht jenen Ort, auf welchen die Natur uns selbst deutlich hinweist,
indem sie durch Dehnung die Stelle präpariert, wo ein die Zer-
reissung nachbildender Schnitt am besten angebracht werden kann.
Man lädiert auffallenderweise das Zentrum des Brut- und
Gebärapparates statt, wie es natürlich wäre, dessen Aus¬
führungsgang. Diese Rücksichtslosigkeit ist um so verwunder¬
licher, als der natürliche Schutz von Hals und Isthmus durch stetig
fortschreitende Verlagerung ins Beckenbindegewebe in dem Masse
steigt, wie diese Teile ihrer Funktion als Ausführungsgang in
Schwangerschaft und Geburt näherrücken**). Die Verletzung
des Uterus wird zweifellos geringer, sobald man
sie in den physiologisch minderwertigeren und
durch das Bestreben der Natur mehr geschützten
Teil verlegt, wie es der extraperitoneale Uterus¬
schnitt tut. Die Narbe passt nach ihrer Struktur und ihren
physikalischen Eigenschaften viel besser zur Funktion des Uterus¬
halses als zu der des Körpers.
Herr Fetzer: Experimentelle Untersuchungen über den StoH-
haushalt ln der Gravidität.
An der Hand des Eisenstoffwechsels in der Gravidität weist Vor¬
tragender beim Kaninchen experimentell nach:
Es ist möglich, die stoffliche Zusammensetzung der Früchte
durch entsprechende Ernährung der Muttertieres während der Gra¬
vidität willkürlich zu beeinflussen.
Das Muttertier ist in der Schwangerschaft bei genügender Eisen¬
zufuhr befähigt, Eisen in seinem Organismus aufzuspeichern.
Steht die Mutter während der Gravidität unter eisenarmer Er¬
nährung, so ermöglicht sie zunächst dennoch die Entwicklung der
Früchte dadurch, dass sie vom eigenen, in ihrem Organismus auf-
gebauten Eisen flott macht und davon den Föten zuführt.
Diese Stoffwanderung hat aber seine Grenzen. Das Muttertier
greift nicht im Interesse der Föten die für seine eigenen vitalen Funk¬
tionen nötigen Eisenmengen an. Diese werden zäh festgehalten.
Sind die disponiblen Eisenmengen im mütterlichen Organismus
verbraucht, so gehen die Früchte intrauterin zugrunde. Es tritt im
Experiment Abort ein.
(Erscheint ausführlich an anderer Stelle.)
Diskussion: Herr J acob j weist im Anschluss an den Vor¬
trag auf die Auffassung Schmiedebergs hin, dass dem Eisen
neben seiner Bedeutung für den Organismus als Bestandteil des
••) cf. Sellheim: Zur Behandlung der Placenta praevia.
D. med. Wothenschr., No. 40, 1908.
Hämoglobins noch eine solche als ein den Gewebetonus beeinflussen¬
der Faktor zukomme.
J. glaubt, dass dieser letztere Effekt durch eine Wirkung der Fe-
Ionen und in ähnlichem Sinne auch der Ca-Ionen auf die kolloiden
Moleküle des Protoplasmas zu erklären sei. Unter dem Einfluss der
durch diese Ionen bedingten elektrischen Entladung der Kolloidmole¬
küle, kommt es zu einer Polymerisierung (Kondensierung) derselben,
d. h. zur Bildung grösserer Molekülkomplexe, zur sog. Ausflockung.
Diese Veränderung der Protoplasmakolloide bedingt aber unter
Herabsetzung der molekularen Konzentration und unter Wasseraus¬
tritt eine Veränderung des Quellungszustandes, d. h. eine Verdichtung
der Gewebe mit einem eventuell veränderten Verlauf ihrer Assimi-
lisation und ihrer Dissimilisation.
Auf Grund einer solchen Auffassung könnte das Wesen der
Chlorose, vielleicht auch der Skrofulöse, dann als eine zu geringe
Polemerisierungsneigung der Protoplasmakolloide betrachtet werden
und würde damit der heilsame Einfluss der Eisen- und der Kalk¬
therapie, wie er auch bei der Anwendung der Mineralquellen in Frage
kommt, verständlicher.
Unter dem Einfluss der Kondensierungswirkung würde auch die
Bildung der grossen Hämoglobinmoleküle erleichtert werden.
Diese Gesichtspunkte sind von J. in dem, dem Kaiserl. Gesund¬
heitsamt 1905 überreichten Entwurf zur Einleitung für das Deutsche
Bäderbuch, das, als Manuskript gedruckt, sich in den Universitäts¬
bibliotheken befindet, ausführlicher dargelegt.
Herr Fetze r: Die vom Herrn Vorredner erwähnten Gewichts¬
differenzen sind allerdings auffallend. Auch bei den Würfen zeigt
sich Aehnliches. Untersuchungen über das Mengenverhältnis des
Eisens zu den übrigen anorganischen Bausteinen an dem vorhandenen
Materiale sind noch im Gange. Auch bei früheren, an verschiedenen
Tieren angestellten Versuchen über Eisenresorption entsprach nicht
immer eine entsprechende Zunahme des Gewichts des ganzen Tieres.
Herr Romberg: Die Ausführungen des Herrn J a c o b j über
den tonisierenden Einfluss des Eisens finden eine gute Bestätigung in
der Erfahrung, dass bei Chlorotischen, namentlich der besser situier¬
ten Kreise die stärkeren Grade der Erkrankung ganz gewöhnlich von
einer Wasserretention im Körper begleitet sind. Die bekannten chlo¬
rotischen Oedeme sind der schliessliche, ohne weiteres erkennbare
Ausdruck dieser Wasseretention. An einer Stelle des Körpers kann
man die Wasserzurückhaltung direkt sehen, an der Papille des Seh¬
nerven. Wie H e s s - Wiirzburg meist bei Leipziger Patientinnen
von mir festgestellt hat, zeigt sie nicht selten eine Schwellung, die
an Stauungspapille erinnern kann. Unter der Einwirkung des thera¬
peutisch gegebenen Eisens pflegt zunächst die Wasserretention unter
reichlicher Diurese zu schwinden, das Körpergewicht entsprechend,
oft um mehrere Kilogramm zu sinken. Viel langsamer gleicht sich die
Veränderung des Blutes aus. Wohl sehen wir bei den verschieden¬
sten Ernährungsstörungen ähnliche Wasserretentionen. Sie sind aber
bei der Chlorose auffallend stark und der spezifische Einfluss des
Eisens auf ihr Verschwinden ist so deutlich, dass ein allgemein toni-
sierender Einfluss des Eisens im Sinne Schmiedebergs auch
dadurch wahrscheinlich wird.
Herr Molzbach: Ueber die Funktion des Harnapparates
nach Operationen In Inhalationsnarkose und Lumbalanästhesie.
Vortragender berichtet über die Beeinflussung der physio¬
logischen Harnausscheidung durch Operationen in Narkose und Lum¬
balanästhesie an Hand klinischer Daten.
Die Harnausscheidung unterbleibt während operativer Eingriffe
fast vollständig; eine Beeinflussung der Nierenarbeit durch den Blut¬
druck ist nach den angestellten Messungen dabei nicht zu konsta¬
tieren. Der Grund des Sekretionsstillstandes ist wahrscheinlich in
der Ueberschwemmung des Blutes mit noch nicht harnfähigen Zer¬
fallsprodukten zu suchen. Nach Beendigung des Eingriffes wird durch
um so intensivere Arbeit der Ausfall wieder kompensiert. Flüssig¬
keitsbilanzen ergeben, dass die Fliissigkeitsabgabe am 1. Tage p. op.
die Aufnahme stets beträchtlich überwiegt; es tritt Harnflut ein. Der
Urin ist dabei hoch gestellt, reich an geformten Bestandteilen, beson¬
ders an Leukozyten, und oft eiweisshaltig. Der Vergleich mit dem
Modus der Harnausscheidung des Wöchnerinnenharns ergibt ganz
ähnliche Erscheinungen, so dass der ganze Vorgang von der Art der
verbrauchten Narkotika wenig beeinflusst scheint und wohl in der
Hauptsache als die Konsequenz aus einer grossen Arbeitsleistung
des Organismus mit entsprechender Vermehrung der Zerfallsprodukte
und entsprechenden Veränderungen in der Harnausfuhr aufgefasst
werden muss. Das entstehende Flüssigkeitsdefizit wird im Ver¬
lauf der ersten Woche p. op. aus der Nahrung gedeckt.
Die p. op. Blasenarbeit setzt nicht parallel der Nierenarbeit ein.
Es mangelt das Gefühl für den Füllungszustand der Blase, entweder
durch die die Sensibilität herabsetzende Nachwirkung der Narkotika
oder durch die gleichzeitige starke Erregung grosser Gruppen anderer
sensibler Nerven (Wundschmerz). Der Blasenreflex wird dadurch
lange nicht perzipiert oder auch oft willkürlich unterdrückt. Die
nach Unterleibsoperationen häufigen Residualharn-Ischurien entstehen
unabhängig von der Anästhesie, besonders oft bei Schädigungen des
Nerven- und Gefässapparats der Blase. Die Folgen sind über der
Blasenwand, Zystitis und Pyelitis. Es ergibt sich daraus die Not¬
wendigkeit sorgfältiger Harnkontrolle nach operativen Eingriffen.
Ebenso ist der Organismus in seinem Bestreben, nach Operationen
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372
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
grosse Mengen harnfühiger Zerfallsprodukte auszuscheiden, durch Zu¬
fuhr entsprechender Flüssigkeitsmengen zu unterstützen. (Erscheint
ausführlich in der Zeitschr. f. gynäkol. Urologie, Bd. I, H. 2.)
Diskussion: Herr S c h 1 a y e r fragt, ob auch Narkosen
ohne Operation bezüglich Einwirkung auf die Urinabsonderung ver¬
folgt wurden, und weist daraufhin, dass die sekundäre Abnahme der
Urinausscheidung nach der Narkose durch Fieber einerseits und durch
Wundheilungsvorgänge andererseits stark beeinflusst werden kann.
Herr Holzbach: Die Untersuchungen erstreckten sich im
wesentlichen auf operative Fälle, speziell solche, deren Konvaleszenz
ungestört war. Störungen im postoperativen Verlauf verschieben die
Ergebnisse der Harnbilanzen bedeutend, wofür Beispiele angeführt
werden.
Berliner medizinische Gesellschaft.
(Eigener Bericht.)
Sitzung vom 10. Februar 1909.
Vor der Tagesordnung demonstriert Herr Latz einen Fall von
andauernden Magengeräuschen auf hysterischer Basis, die unab¬
hängig von der Nahrungsaufnahme auftreten. Bei der Inspiration
entsteht ein Spasmus des Pylorus und an der Kardia, wie durch
Röntgenbilder nachgewiesen wurde.
Herr Unger demonstriert einen Hund, dem er in Verbindung
mit Reiche nach dem Vorgang von Garrel (vergl. den Ameri¬
kanischen Brief in dieser No.) beide Nieren eines anderen Hundes
eingesetzt hat.
Herr Fuld einen Fall von Wanderniere beim Manne (Nephro¬
ptose, die Beschwerden macht).
Schluss der Diskussion über den Vortrag des Herrn Albu:
Die Bewertung der Viszeralptose als Konstitutionsanomalie.
Herr Kausch: Zwischen Thorax phthisicus und paralyticus von
Phthisikus bestehen bei grosser Aehnlichkeit doch grosse Differenzen
in der Gestaltung der oberen Thoraxapertur.
Herr B ö n n i g e r studiert die Gastroptose im Beziehung zur
Körpergestalt, weil man hier in der Lage ist, den Grad der Senkung
objektiv festzustellen. Die Viszeralptose ist keine Konstitutions¬
anomalie; sie spielt nur dabei eine grosse Rolle. Durch Prophylaxe
lässt sich viel erreichen: Erweiterung des Thoraxumfanges durch
Sport und durch Vermeidung von Kompression des Bauchinhaltes.
Herr Landau hält die Splanchnoptose für eine im postfötalen
Leben durch mechanische Ursachen erworbene Erkrankung:
1. durch Brüche, Hängebauch etc.,
2. durch konsumierende Erkrankungen, besonders bei schnell er¬
folgendem Fettschwund,
3. Hyperextension der Bauchdecken bei Tumoren, rasch sich
folgenden Schwangerschaften etc.
Die Therapie der Enteroptose ist abhängig von der wissenschaft¬
lichen Auffassung der Enteroptose; von der seinigen aus wendet er
sich gegen die Annähung der einzelnen Organe und will die kausale
Therapie angewandt wissen: Mast- und Liegekuren, physikalische
Heilmethoden, Stärkung der Bauchmuskeln durch schwedische Gvin-
nastik. Nützlich sind ferner Leibbinden. Ex juvantibus muss er
diese Therapie als äusserst wertvoll auf Grund seiner reichen Er¬
fahrungen bezeichnen.
Herr M o s s e hält es nicht für möglich, auf Grund der Per¬
kussion beim Säugling die Lage des Magens und Darms zu differen¬
zieren und die Schlüsse zu ziehen, die Albu aus der Feststellung
der Viszeralptose beim Säugling gezogen hat.
Herr Posner empfiehlt eine gewisse Vorsicht bei Nierenpal¬
pationen, nach denen oft recht grosse Eiweissmengen, häufig sogar
Blut ausgeschieden werden. Wie auch Fuld schon erwähnt hat,
sind auf die Nieren drückende Pelotten kontraindiziert.
Herr Fuchs: viszeralptotische Individuen haben häufig eine in¬
suffiziente Muskulatur.
Herr Orth verteidigt gegenüber M o s s e den von ihm als
pathologisch angesehenen Steilstand des Magens.
Herr Albu (Schlusswort) wollte nicht auf die altbekannte ak¬
quirierte Viszeralptose, sondern auf den angegebenen pathologischen
Zustand hinweisen. Er leugnet, dass die Viszeralptose beim Säugling
ein physiologischer Zustand ist.
Er stellt den Bericht in der vorletzten Münch, med. Wochenschr.
dahin richtig, dass er nicht gemeint habe, dass alle Menschen zur
Zeit der enteroptotische Individuen darstellenden Künstler entero-
ptotisch gewesen sind, sondern nur eine grosse Anzahl.
Herr C. H a r t o g: Das frühe Aufstehen nach Laparotomien.
Die theoretischen Einwände gegen frühes Aufstehen sind Nach¬
blutungen, Aufplatzen der Nähte, Emboliegefahr etc. Diese Einwände
sind nicht berechtigt, weil postoperatives Erbrechen in viel höherem
Masse diese Gefahren im Gefolge haben müsste. Bei der heutigen
Technik der sorgfältigen Naht sind diese Gefahren absolut nicht zu
fürchten. Keine Vermehrung der Brüche ist bei seinem Material
hervorgetreten.
Besonders zu erwähnen ist die Emboliegefahr, sie ist nicht zu
leugnen; aber die lockeren Thrombosen der ersten Tage sind wenig
gefährlich. Tatsächlich ist die Emboliegefahr nach dem frühen Auf¬
stehen auf V» der früheren Fälle Vk Proz. gegen 1 Proz.) nach La¬
parotomien zurückgegangen.
Eine Reihe von Klinikern wendet heute das frühe Aufstehen an.
Vortr. geht in der Weise vor, dass er 24 Stunden nach der Operation
Seitenlage einnehmen lässt, was das Abgehen von Flatus sehr be¬
günstigt. Nach 2—3 Tagen lässt er aufstehen, und zwar nur, wenn
die Patienten es selbst wünschen. Die Folgen des Vorgehens sind
die denkbar günstigsten. Pneumonien, selbst bei alten Leuten, werden
bei diesem Vorgehen kaum beobachtet. Wolff-Eisner.
Aus den Wiener medizinischen Gesellschaften.
(Eigener Bericht)
Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde.
Bonbons ^ c ** * c ^ : Grünfärbung des Urins nach Genuss von
lassend Hrin^* 1 w 6S Kind c " tleerte Krönen Harn. Der frisch ?e-
ee,rhfltti/t «-n 5 ,e rüne Färbung: mit Chloroform aus-
üher h nt* M « der ,1\ rbSt0 « mit blauer Farbe in das Chloroform
“i be „ r - h P' e Mutter selbst gab an, dass das Kind jedesmal, wenn es
rhnifS'™ü e Art von Bonbolls esse — es waren Haselnüsse mit
h ';,.c d i, l ' b ?™ Ke " — s ' cll er einen grünen Harn entleerte. Es
” “ , h ’V de 2' Versuche, dass nicht der Genuss der Haselnüsse,
sondern der des bchokoladeuberzuges prompt die Orünfürbung des
Harns (Vindurie) auslöse. Wenn das Kind 10 Stück Bonbons ass. so
war der nach 6 Stunden gelassene Urin schon grünlich, die Grün-
« e? 8 nahm noch zu und hielt ca. 24 Stunden lang an; nach 28 bis
36 stunden war der Farbstoff völlig ausgeschieden. Auch ältere
Personen wurden zu den Versuchen herangezogen; sie assen 8 Stück
Donbons und bekamen ebenfalls einen grünen Harn. Dieser Farbstoff
gehörte wte die Untersuchung ergab, in die Gruppe der Teerfarb¬
stoffe. Wiewohl der Farbstoff sich als unschädlich erwies, wurde die
üonbonsfabrik auf diesen Umstand aufmerksam gemacht, der Anlass
zur Beunruhigung gab.
In der Diskussion erwähnte Dr. K. Leiner eines Falles
von Rot harnen bei einem 10 Jahre alten Kinde. Der frisch ge-
l?- SSe 5f " arn ze ' gte eine rot irisierende Farbe, die an Eosin erinnerte.
* « u tpraparat liess sich mit diesem Urin gut färben. Der Farb¬
stoff rührte von der roten Glasur eines Pfefferkuchens her: es stellte
sich auch heraus, dass bei der Anfertigung dieser Glasur ein eosin-
haltiger Farbstoff in Verwendung gekommen war. Die rote Ver¬
färbung des Urins hielt hei dem Kinde 3 Tage lang an.
Dr. Karl Wirth: Untersuchungen der Zerebrospinalflüssigkeit
nach Nonne-Apelt.
Die Untersuchungen des Vortr., welche an der med. Abteilung
des Prof. H. Schlesinger ausgeführt wurden, haben die Er¬
gebnisse von Nonne-Apelt im grossen und ganzen bestätigt. Es
handelt sich dabei um folgendes: Wenn man von einer 80 proz., in
der Hitze gesättigten, sodann filtrierten und erkalteten Ammonium¬
sulfatlösung gleiche Mengen mit einer Spinalflüssigkeit zusammen¬
gibt und diese Mischung 3 Minuten lang stehen lässt, so wird man
bei einer normalen Spinalfliissigkeit keine Veränderung konstatieren,
d. h. die Flüssigkeit bleibt klar. Bei gewissen Erkrankungen des
Zerebrospinalsystems jedoch, besonders bei luetischen, tritt innerhalb
3 Minuten eine mehr oder weniger deutliche Trübung auf, welche
auf dem Ausfall von Globulinen und Nukleoalbuminen beruht. Die
zur Probe benützte Spinalflüssigkeit darf kein Blut enthalten, da auch
das Serumalbumin und Hämoglobin durch Ammoniumsulfat gefällt
werden, wodurch ein positiver Ausfall der Reaktion vorgetäuscht
werden könnte. Die bei positiver Reaktion innerhalb 3 Minuten ent¬
standene Trübung wurde gemeinhin als „Phase I" bezeichnet zum
Unterschied von „Phase II“. Wird nämlich die Flüssigkeit, welche
Phase I gegeben hat, vom Niederschlage filtriert, angesäuert und
gekocht, so entsteht in allen Fällen eine Trübung (Ausfall von Albu¬
minen), die bedeutungslos ist, da diese Reaktion in jeder Spinalrliissig-
keit entsteht. Nach Nonne-Apelt tritt Phase I der Reaktion in
einem auffallend hohen Prozentsätze bei denjenigen Erkrankungen
auf, welche auf luetischer Basis beruhen, daneben aber bei orga¬
nischen Nervenkrankheiten ohne luetische Aetiologie. Phase I fehlt
nach Nonne-Apelt bei klinisch ausgeheilter Lues; sie fehlt aber
auch bei funktionellen Neurosen, auch wenn Lues in der Anamnese
festgestellt ist, aber noch keine organische Erkrankung des Zentral¬
nervensystems vorliegt. Die Reaktion gibt also ein feines Reagens
für die Differentialdiagnose von Tabes und beginnender progressiver
Paralyse und andererseits den Neurosen ab. Die Untersuchungen des
Vortr. haben ergeben, dass in allen Fällen von luetischer Erkrankung
die Nonne-Apelt sehe Reaktion positiv ausfiel. Negative Re¬
sultate zeigten 2 Fälle von Syringomyelie, 1 Fall von Hydrozephalus
nach Genickstarre, 1 Fall von Tumor cerebri ohne Anhaltspunkt für
Lues in der Anamnese. In einem Falle mit Erscheinungen einer Fchris
intermittens hepatica luetica und funktioneller Neurose war die
Wassermann sehe Reaktion im Blut positiv, die Nonne-
Apelt sehe Reaktion dagegen negativ ausgefallen. Das erlaubte den
Schluss, dass in diesem Falle das Zentralnervensystem derzeit noch
intakt ist. In 3 Fällen von multipler Sklerose fiel die Reaktion
(Phase I) zweimal positiv, einmal negativ aus. Diese Reaktion stellt
mithin eine wertvolle Bereicherung unserer diagnostischen Hilfsmittel
dar, insbesondere zur Differentialdiagnose zwischen beginnender
Tabes und Paralyse einerseits und der Neurasthenie andererseits.
Prof. Dr. H. Schlesinger: Unempfindlichkeit der Bizeps¬
sehne als Symptom bei Tabes dorsalis.
Bekanntlich hat A b a d i e die Unempfindlichkeit der Achilles¬
sehne bei Tabes als Symptom dieser Erkrankung angegeben. Nach
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16. Februar !<)($.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
373
Sch.s Erfahrungen ist dieses Phänomen sehr häufig und oft ein Früh¬
symptom der Tabes. Sch. hat aber auch eine Unempfindlichkeit oder
Unterempfindlichkeit der Sehne des Bizeps brachii bei Tabes ajs
häufiges Symptom, mehrmals als Frühsymptom, feststellen können.
Unter 20 daraufhin untersuchten Tabikern war das A b a d i e sehe
Symptom 16 mal auf beiden Seiten, 2 mal einseitig vorhanden, der
Verlust oder eine hochgradige Verminderung der Druckempfindlich¬
keit der Bizepssehnen und des Muskels 6 mal einseitig und 13 mal
doppelseitig.
Verschiedenes.
Private Unfallversicherung in Landgemeinden.
Um die Missstände, die sich für die landwirtschaftliche Be¬
völkerung aus der Karenzzeit ergeben, zu beseitigen, hat der prakt.
Arzt Dr. Jaks (Med. Reform, 190N, No. 37) die sozialpolitisch und
sozialmedizinisch hochbedeutsame Idee, die selbständigen Bauern,
welche der Krankenversicherung nicht unterliegen und für die Karenz¬
zeit leer ausgehen, zu einem gemeindlichen Zusammenschluss und zur
Gründung einer auf dem Prinzip der Gegenseitig¬
keit beruhenden Gemeinde-Unfallversicherung zu
bewegen, nicht nur konzipiert, sondern auch in dem ca. 900 Ein¬
wohner zählenden Dorf Stetten in die Tat umgesetzt.
Die Aufgabe dieser Gemeindeversicherung ist, alle Unfälle ohne
Unterschied zwischen Betriebs- und hauswirtschaftlichen Unfällen bis
zur Zeitdauer von 90 Tagen zu entschädigen. Nach den Berechnungen
des Schöpfers dieser neuen, einen goldenen Mittelweg zwischen
staatlicher und privater Unfallversicherung einschlagenden Art der
Versicherung, die vor allem auch den Vorzug des Wegfalls aller Ver¬
waltungskosten hat, genügt ein jährlicher Beitrag von 1 M. für jedes
einzelne selbständige Mitglied, von 2 M. für die verheirateten Mit¬
glieder, deren sämtliche über 16 Jahre alten Familienangehörigen
männlichen und weiblichen Geschlechtes dann mitversichert sind.
Es wird kaum eine noch nicht vorhandene Kategorie von Ver¬
sicherungsmöglichkeit geben, deren Motivierung und finanzielle Ba-
sierung so einleuchtend und Erfolg versprechend wäre, wie diese: es
handelt sich um eine Bevölkerungsklasse, die infolge ihrer exzeptio¬
nellen Stellung in der sozialen Versicherung einer ergänzenden Ver¬
sicherung unbedingt bedurfte, da die Nachteile des Mangels der Ver¬
sicherungspflicht in den ersten 13 Wochen sich in Bezug auf Unfälle
nach zwei Seiten hin unliebsam bemerkbar machte; der Verletzte
entbehrt oft in den ersten 13 Wochen sachgernässer Hilfe und behält
dadurch manchmal einen dauernden Schaden zurück, der vielleicht
vermieden oder vermindert hätte werden können, was wiederum
dann auch das Budget der landwirtschaftlichen B.-G. empfindlich er¬
höht. Andererseits braucht sich die Ergänzungsversicherung nur auf
einen kleinen, streng begrenzten Zeitraum (von 90 Tagen) zu er¬
strecken; die eventuell notwendig werdenden Entschädigungssummen
sind deshalb keine grossen, können also durch kleinere Beiträge ge¬
deckt werden; eine länger dauernde Belastung durch Rentenzahlungen
u. dergl. fällt ganz fort; das Prinzip der Selbstverwaltung und De¬
zentralisation verursacht keine Verwaltungsunkosten — alles in allem:
nur Vorteile für den Bauern, die Berufsgenossenschaft und auch die
Aerzte.
Die nächste Zukunft wird ja lehren, wie sich in der Praxis die
Unternehmung bewährt. Man kann aber wohl heute schon sagen,
dass die Erfolge allseitig befriedigende sein werden. Den Landärzten,
die ja ebenfalls an dem Ganzen interessiert sind, liegt es ob, die
Jaks sehe Idee aufzugreifen und zur Durchführung zu bringen, event.
auch später eine Erweiterung der Gemeindeversicherung auf Krank¬
heitsfälle in die Wege zu leiten. Mögen recht Viele in Bälde damit
beginnen. Schwab- Berlin-Schöneberg.
Das Stethoskop mit Muscheln aus elastischem Gummi
von Dr. G. F r e u d e n t h a 1 in Peine b. Hann, unterscheidet sich
dadurch von anderen, dass die sonst aus Hartgummi oder anderen
nicht elastischen Materialien hergestellten Muscheln jetzt ganz aus
Weichgummi angefertigt werden. Hierdurch ist erreicht worden,
dass sich die obere, grosse Muschel dem Ohre des Arztes fest und
passend anlegt. Desgleichen schmiegt sich die untere, kleine Muschel
dem Körper des Untersuchten (Rippen etc.) an und belästigt ihn
weder durch Druck noch Kälte. Durch den fast luftdichten Weich¬
gummiabschluss soll der Schall von den Organen deutlich übertragen,
die sonst vom Höhrrohr wie vom Körper stammenden, störenden
Nebengeräusche vermieden werden. Das Zwischenrohr ist in die
Muscheln konisch eingeklemmt. Hergcstellt wird das Hörrohr
(D.R.G.M.) von der Hannoverschen Gummi-Kamm-Compagnie in
Hannover-Limmer.
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Aus den Parlamenten.
(Deutscher Reichstag.)
Bei der Beratung des Etats des Reichsamt des Innern äusserte
sich (am 5. II.) der Staatsekretär v. Bethmann-Hollweg ausführlich
über die Reform der Arbeiter Versicherung oder, wie er das
neue Gesetz zu nennen vorschlug, die „Reichsversicherungsordnung“.
Seine Ausführungen waren allerdings unverbindlich und sollten nur
seine persönliche Ansicht wiedergeben, denn der Entwurf hat dem
Bundesrat noch nicht Vorgelegen, doch wird das voraussichtlich noch
im Laufe dieses Monats geschehen; gleichzeitig soll der Entwurf ver¬
öffentlicht und der Kritik der Allgemeinheit unterbreitet werden. In
ihrer äusseren Form soll die Versicherungsgesetzgebung einheitlich
gestaltet werden; im Gegensatz zu Herrn M u g d a n, der die drei
grossen Versicherungszweige als selbständige Organe erhalten wissen
wollte, glaubt der Staatssekretär die Vereinheitlichung vorziehen zu
sollen, weil dadurch das oft sehr umständliche und ungleichmässige
Verfahren, bei dem die einzelnen Angelegenheiten bald an die ordent¬
lichen Gerichte, bald an die Verwaltungsgerichte und noch an andere
Körperschaften verwiesen werden, vereinfacht würde. Die wichtig¬
sten und umfangreichsten Veränderungen wird die Krankenversiche¬
rung erfahren. Sie soll auf das Gesinde der land- und forstwirtschaft¬
lichen Arbeiter ausgedehnt werden. In den Ortkrankenkassen soll das
Krankenkassenwesen möglichst zentralisiert werden, um die Lei¬
stungsfähigkeit dieser Kassen zu erhöhen. Die Einbeziehung der ge¬
nannten Berufsgruppen in die obligatorische Versicherung ist eine
anerkannte sozialpolitische Forderung; in welcher Weise auch den
Aerzten Kompensationen für die weitere Ausschaltung eines grossen
Teiles der Aerzte aus der freien Praxis geschaffen werden, darüber
äusserte er sich nicht, er erkannte nur im Verlaufe der Debatte an,
dass die Stellung der Aerzte dadurch erschwert werde. Dagegen
ging er ausführlicher auf das Verhältnis zwischen Krankenkassen und
Aerzten ein. Zur Schlichtung der Streitigkeiten sollen Schieds¬
gerichte geschaffen werden. Was die verschiedenen Arztsysteme
betrifft, so soll kein bestimmtes System vorgeschrieben werden; so¬
wohl das der beschränkten wie der unbeschränkten freien Arztwahl
und auch das der fixierten Kassenärzte habe sich bewährt, ein jedes
müsse den lokalen Verhältnissen angepasst werden, und die Vor¬
bedingung sei, dass Kassen und Aerzte Hand in Hand arbeiten.
Daran aber habe es vielfach gefehlt, man brauche nur an Köln zu
denken. Und nun sprach der Staatssekretär über das Streikrecht der
Aerzte, das er bestreitet und als einen ungesunden Auswuchs des
Koalitionsprinzips betrachtet. Die Boykottierung eines Kranken oder,
wie es geschehen könne, eines Sterbenden, sei ein Rückfall in un¬
soziale Zustände schlimmster Art, und das müsse verhindert werden,
aber oft ständen die Aerzte bei der Boykottierung Kranker sogar unter
dem Zwange der Ehrengerichte. Man kann nicht behaupten, dass
aus diesen Ausführungen des Staatssekretärs gerade das vielgerühmte
Wohlwollen für die Aerzte spricht. Dass es nur ganz ausnahmsweise
vorgekommen ist, dass Schwerkranken ärztliche Hilfe verweigert
wurde, scheint der Staatssekretär nicht zu wissen, ebensowenig,
dass in diesen Fällen von einem Druck der Ehrengerichte keine Rede
war. Es ist sicherlich zuzugeben, dass der ärztliche Stand höhere
soziale Güter zu verteidigen hat und in seinem Beruf von einem
grösseren Verantwortlichkeitsgefühl getragen sein muss, als der
gewerbliche Arbeiter, ja als jeder andere Beruf überhaupt, und dass
bei ihm die Arbeitseinstellung nur eine Massregel äusserster Not¬
wehr sein darf. Aber wir dürfen auch sagen, dass dieser Grundsatz
— von wenigen Ausnahmen abgesehen — stets gewahrt wurde.
Dafür finden wir in der Rede des Staatssekretärs nirgends ein Wort
der Anerkennung. Anerkannt wird nur, dass die Aerzte sich in
schwieriger Lage befinden; wie diese Lage zu verbessern ist, darüber
finden wir keinerlei Andeutungen, ebenso wenig wie es in Zukunft
verhindert werden soll, dass die Aerzte bei der Verteidigung ihrer
wirtschaftlichen Existenz in die Notwehr gedrängt werden. Die in
Aussicht gestellten Schiedsgerichte können wohl schwerlich die
Frage erschöpfen.
Die Ausführungen des Staatssekretärs blieben nicht unwider¬
sprochen, mit grosser Wärme vertrat der nationalliberale Abgeordnete
A r n i n g den Standpunkt der Aerzte. Er erinnerte daran, dass das
Krankenversicherungsgesetz, da es ohne Zuziehung der Aerzte zu¬
stande kam, zu ihren Ungunsten ausgefallen ist. Die Unabhängigkeit
des Aerztestandes müsse unter allen Umständen erhalten werden,
dagegen aber ist vielfach gesündigt worden. Durch die Not der Ver¬
hältnisse ist der Stand herabgedrückt worden, die Arbeitslast ist ge¬
wachsen und der Einnahmedurchschnitt gesunken. Um dem weiteren
Niedergang Einhalt zu tun, ist eine Organisation geschaffen worden,
mit der man rechnen muss. Redner nahm auch für die Aerzte das
Recht der Arbeitsverweigerung in Anspruch, wenn man auch die
Form, in der von diesem Recht Gebrauch gemacht wurde, in ver¬
einzelten Fällen beanstanden könne. In Fällen dringender Not haben
die Aerzte ihre Hilie nicht verweigert. Redner ging dann auf die
Verhältnisse in Köln ein und schilderte die Zustände, wie sie vor
5 Jahren dort bestanden, die Ablehnung der freien Arztwahl durch
die Kassen, die Annahme von Streikbrechern, unter denen sich
Morphinisten, Verbrecher und Helfershelfer von Kurpfuschern be¬
fanden, und das schliessliche Eingreifen der Aufsichtsbehörde. Den
damals geschlossenen Vertrag haben die Kassen nun gekündigt, um
die freie Arztwahl wieder abzuschaffen; sie boten den Aerzten Einzel-
Original fro-m
UMIVERSITY OF CALIFORNIA
374
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 7.
vertrüge an, die nur einige wenige annahmen. Dringende Nothilfe
wird nicht versagt, im übrigen stehen den Kassen im ganzen nur
54 Aerzte zur Verfügung. Sie verkünden jedoch, wie der Abgeordnete
Stru ve ergänzend hinzufügte, urbi et orbi, dass sie eine genügende
Anzahl und einwandfreie Aerzte haben. Wie diese einwandfreien
Aerzte aussehen, darüber aber könne man sich ein Bild machen, wenn
man erfährt, dass fast die Hälfte aus Leipzig zugezogen sind, und dass
die Leipziger Ortskrankenkasse den Kölner Krankenkassenverein vor
ihnen gewarnt hat; es handelt sich also um bekannte Streikbrecher.
Dass sich unter den 30 000 deutschen Aerzten nur eine so kleine Zahl
Outsiders fand, ist ein gutes Zeichen für das Solidaritätsgefühl des
Aerztestandes. Wenn für ganz Köln und seine Vororte nur ca. 50
Aerzte zur Verfügung stehen, so ist das eben keine ausreichende
Versorgung. Die Folge davon muss sein, dass es in Krankheitsfällen
an der nötigen Hilfe mangelt, und schuld daran ist die Verwaltung
der Krankenkassen, die nicht imstande war, rechtzeitig für die nötige
Zahl von Aerzten zu sorgen; schuld daran trägt aber auch die
Regierung, wenn sie mit verschränkten Armen diesen Zuständen
zusieht. Herr Struve forderte daher zum Schluss den Staats¬
sekretär auf, nach Köln anzuordnen, dass jede Beschwerde über
nicht genügende ärztliche Versorgung sofort auf kürzestem Wege
erledigt werde.
Herr v. Bethmann-Hollweg verwahrte sich zwar Herrn
A r n i n g gegenüber gegen den Vorwurf, dass seine Ausführungen
über den Missbrauch des Koalitionsrechts sich auf die Kölner Aerzte
bezogen, sie könnten aber, wie Herr Struve ihm entgegenhielt,
gar nicht anders aufgefasst werden. Er sprach auch nochmals aus¬
drücklich die Warnung aus, dass die Koalitionen der Aerzte nicht
unvorsichtig mit den materiellen Koalitionsmitteln umgehen mögen.
Im übrigen erkannte er an, dass die Verhältnisse der Aerzte durch
die Versicherungsgesetzgebung in ungünstiger Weise beeinflusst
worden sind, und dass dies durch die beabsichtigte Ausdehnung der
Versicherungspflicht noch mehr geschehen werde. Deshalb habe er
die betreffenden Abschnitte der Versicherungsordnung in gemein¬
schaftlicher Beratung mit Kassenbeamten und Aerztevertretern er¬
örtert, und er freue sich, dass dabei die geplante Einrichtung von
Einigungs- und Schiedsbehörden den Beifall der Beteiligten gefunden
habe.
Die grosse Zuversicht, mit der der Staatssekretär von diesen
Schiedsgerichten spricht, wird hoffentlich begründet sein; und ebenso
wie die Regierung würden es die Aerzte mit grosser Befriedigung
begrüssen, wenn Aerztestreiks und langwierige Streitigkeiten über¬
haupt aus der Welt geschaffen würden. Es liegt aber sowohl im all¬
gemeinen wie im ärztlichen Interesse, dass der ärztliche Stand seine
Unabhängigkeit in ethischer und materieller Hinsicht bewahren kann,
und dass er wirtschaftlich nicht noch tiefer herabsinkt. Leider haben
wir nichts darüber erfahren, wie man in dem Gesetzentwurf diesen
Forderungen gerecht zu werden versucht hat, wir werden daher
mit einiger Spannung der Veröffentlichung des Entwurfs entgegen¬
sehen.
Es scheint, dass man im Reichstage keine Gelegenheit vorüber
gehen lassen will, um Stimmung gegen die Aerzte zu machen. Der
Rede des Staatssekretärs, die schon jetzt viel böses Blut gemacht hat
und den sehr berechtigten energischen Protest der Kölner Kollegen
hervorgerufen hat, kann man noch zugute halten, dass sie mehr
unvorsichtig als feindlich gesinnt war; denn er wollte sie dahin inter¬
pretiert wissen, dass seine Ausführungen über den Missbrauch des
Koalititionsfecht allgemeiner Natur waren und sich gar nicht auf die
Kölner Aerzte bezogen; er berief sich zum Beweise dafü# auf seine
Aeusserung, dass die Kölner Verhältnisse ihm in ihren Details unbe¬
kannt seien. Die gleiche Entschuldigung wird man aber den Aeus-
serungen, die der Abgeordnete S t a d t h a g e n bei der weiteren
Beratung des Etats des Reichsamtes des Innern machte, nicht zu¬
gestehen können. Bei dem Kapitel „Reichszuschuss zur Invaliden¬
versicherung“ führte er Klage darüber, dass die Rentenkontrolle seit
einigen Jahren sehr scharf gehandhabt werde; für die Kontrollarbeit
werden Hunderttausende an die Aerzte verschwendet, um eventuell
kleine Renten zu sparen. Die Aerzte hätten viele Invalide zu Unrecht
erwerbsfähig geschrieben und richteten sich in ihren Urteilen meist
nach den Wünschen derjenigen, welche sie bezahlen, darum herrschte
im Volke das grösste Misstrauen gegen die Aerzte. Der Zweck dieser
unerhörten Angriffe ist ja durchsichtig genug. An^sichts des Kölner
Streites, angesichts der bevorstehenden Arbeiterversicherungsreform
kommt es der sozialdemokratischen Partei, die die Interessen der
Krankenkassen vertritt, viel darauf an, im Parlament und im Volk
die Aerzte als unsozial, volksfeindlich und auch materiell gut gestellt
zu schildern: „Hunderttausende werden an sie verschwendet“.
Wenn auch ein Widerspruch erfolgt, er dringt nicht überall hin. und
semper aliquid haeret. Der politische Kampf erlaubt ja mancherlei
Mittel, die sonst nicht zu den gewöhnlichen gehören, aber es gebt
doch zu weit, unter dem Schutze der parlamentarischen Immunität
die unglaublichsten Beleidigungen unbewiesen gegen einen hoch¬
achtbaren Stand zu schleudern. Herr v. Oertzen nahm die Aerzte
gegen die Vorwürfe des Herrn Stadthagen in Schutz und wies
sie mit aller Entschiedenheit zurück. Dass die Aerzte vielfach miss¬
trauisch sind, gab er zu; das aber sei ihre Pflicht, denn sie würden
oft von Simulanten getäuscht. Herr C u n o bemängelte die bekannte
Anweisung des preussischen Handelsministers über die Erwerbung
von Invalidenrenten, das Verfahren werde dadurch ausserordentlich
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erschwert; er bedauerte es, dass der behandelnde Arzt zu Qunsten
des Vertrauensarztes ausgeschaltet werde. M. K.
Galerie hervorragender Aerzte und Naturforscher.
Der heutigen Nummer liegt das 239. Blatt der Galerie bei: Charles
Darwin. Aus Anlass der Feier seines 100. Geburtstages. Vergl.
den Artikel auf Seite 344 dieser Nummer.
Tagesgeschichtliche Notizen.
München, 15. Februar 1909.
— An anderer Steile d. No. veröffentlichen wir den Aufruf
des Deutschen Komitees zur Sammlung eines Hilfsfonds für
die vom Erdbeben in Süditalien betroffenen
Aerztefamilien. Der Aufruf erscheint zu ungünstiger Zeit, da
durch verheerende Ueberschwemmungen in weiten Gegenden unseres
eigenen Vaterlandes ein plötzlicher Notstand eingetreten ist und die
Aerzte im besonderen durch Köln in Anspruch genommen sind.
Trotzdem hoffen wir, dass der Aufruf nicht ungehört bleiben wird;
wir sind vielmehr überzeugt, da& viele Kollegen, ohne die näher
liegenden Pflichten zu versäumen, in der Lage und gewillt sein werden,
ein Schärflein für die Hinterbliebenen der verunglückten italienischen
Aerzte beizusteuern. Es brauchen keine grossen Beträge zu sein.
Da alle Nationen an der Sammlung teilnehmen, wird der Zweck
erreicht werden, wenn viele Kollegen auch nur kleine Beiträge bei¬
steuern. — Die Zahl der infolge der Katastrophe verunglückten
Aerzte ist begreiflicherweise noch nicht fcstgestellt; dass sie aber
sehr bedeutend ist, beweist ein uns zugegangenes Namensverzeichnis
der bisher als tot gemeldeten; es sind dies aus Messina 34, aus
Reggio 4, aus anderen Orten 2.
— Aus Anlass der süditalienischen Katastrophe tritt auch die
bekannte wilde Akademie, die Accademia fisico-chimica
Italiana in Palermo mit der Bitte um Beiträge für die ver¬
unglückten Aerzte an ihre „Mitglieder“ heran. Vor der Sammlung
dieser wenig vertrauenswürdigen Körperschaft braucht wohl nicht
erst gewarnt zu werden.
— Nach den Andeutungen, die Staatssekretär v. Bethmann-
Hollweg über die Reform des Krankenversicherungs¬
gesetzes im Reichstag machte, wird der Gesetzentwurf den
Aerzten keine besonderen Ueberraschungen bringen, sondern es wird
bei dem, was im Anschluss an die Konferenz im Reichamt des Innern
im Juni v. J. über die Reform in Bezug auf das Verhältnis der Aerzte
zu den Krankenkassen bekannt wurde, sein Bewenden haben. Ins¬
besondere bestätigt sich die in jüngster Zeit in der Fachpresse auf¬
getauchte Befürchtung nicht, dass die in Aussicht genommenen
Schiedsgerichte verbindliche Kraft haben würden, wodurch also die
ärztliche Organisation bei Konflikten mit Kassen vollkommen ausge-
schaltet würde. Auch vom Kurierzwang und anderen frommen Wün¬
schen unserer Gegner ist keine Rede. Im Uebrigen hat die Rede
des Staatssekretärs in weiten ärztlichen Kreisen ausserordentliche
Erbitterung erregt. Am meisten natürlich in Köln selbst, wo eine
Aerzteversammlung ein sehr scharfe Protestkundgebung beschloss
(siehe den Kölner Brief S. 363). Zur Zeit jener Versammlung dürfte
die Abschwächung, die der Staatssekretär seinen Worten nachträg¬
lich zu teil werden licss, noch nicht bekannt gewesen sein. Der
Staatssekretär versichert, und man wird daran nicht zweifeln, dass
seine Ausführungen sich nicht auf die Kölner Aerzte bezogen, son¬
dern allgemeiner Natur gewesen seien. Eine unhaltbare Kritik der
ärztlichen Organisation stellen die Ausführungen auch nach dieser
Interpretation dar. Wie dem Staatssekretär von seiten der ärztlichen
Reichstagsmitglieder A r n i n g und Struve entgegnet wurde, ist aus
unserem Reichstagsbericht (S. 373) zu ersehen.
— Zur Frage der Feuerbestattung in Preussen er¬
fährt die Voss. Ztg., dass jetzt ein Gesetzentwurf vom Ministerium
des Innern fertig vorliegt, nachdem alle Bedenken, die einer landes¬
gesetzlichen Regelung entgegenstanden, weil Reichsinteressen von der
Angelegenheit berührt werden könnten, endgültig beseitigt worden
sind. Neben dem Ministerium des Innern ist auch das Kultusmini¬
sterium an der Feuerbestattungsfrage beteiligt, soweit sanitäre An¬
gelegenheiten und Kirchhofsverhältnisse in Frage kommen. Wie
weiter verlautet, wird der Gesetzentwurf alsbald nach Erledigung
der noch notwendigen Erwägungen technischer Art dem Staats¬
ministerium zugehen.
— Der Medizinalreferent Ministerialrat im bayer. Staatsmini¬
sterium des Innern Dr. Adolf Dieudonnö wurde zum auser-
ordentlichen (ärztlichen) Mitglied des Obersten Schulrates er¬
nannt. (hc.)
— Herr Kollege Dr. Otto Neustätter -München, der sich
durch seine verdienstvollen Bestrebungen zur Bekämpfung der Kur¬
pfuscherei bekannt gemacht hat, hat einen Ruf, in die Leitung der
grossen Hygieneausstellung Dresden 1911 einzutreten, an¬
genommen. Dr. Neustätter begibt sich schon in diesem Monat
nach Dresden, um die Vorbereitungsarbeiten für die Ausstellung zu
übernehmen.
— Ein kurzfristiger Zyklus über soziale Medizin
und Hygiene mit besonderer Berücksichtigung der sozialen Ge¬
setzgebung und Jugendfürsorge wird vom Zentralkomitee für das
ärztliche Fortbildungswesen in Preussen unter Förderung des Reichs-
Qriginal frn-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
16. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
375
aussehusses für das ärztliche Fortbildungswesen und in Verbindung
mit dem Seminar für soziale Medizin in Berlin vom 17.—30. April d. J.
veranstaltet. Zur Teilnahme an dem Zyklus ist jeder deutsche
Arzt unentgeltlich berechtigt; es wird lediglich eine Einschreib¬
gebühr (Mk. 10.—) zur Deckung der sächlichen Unkosten erhoben.
Der Zyklus wird theoretische Vorträge, klinische Vorlesungen am
Krankenbett, Demonstrationen, sowie Besichtigungen von Anstalten
und Betrieben umfassen. Alle Zuschriften sind zu richten an das
Bureau des Zentralkomitees, NW. 6, Luisenplatz 2—4 (Kaiserin Fried¬
rich-Haus für das ärztliche Fortbildungswesen), wo auch Programme
unentgeltlich erhältlich sind.
— Am 1. Februar d. J. ist ein „Deutsches Zentral¬
komitee zur Zahnpflege in den Schulen“ begründet
worden, das sich die Aufgabe gestellt hat, den Kindern der Volks¬
schulen zahnärztliche Behandlung zu ermöglichen und das Verständnis
einer rationellen Zahnpflege im Volke zu verbreiten. Diesem Zwecke
soll die Einführung von Belehrungen über Zahnpflege und die Einrich¬
tung von Schulzahnkliniken dienen, auf deren Einrichtung das Komitee
in allen grösseren und mittleren Städten des Reiches hinzuwirken be¬
strebt ist. Die Arbeiten führt ein Ausschuss von 32 Mitgliedern. Den
Ehrenvorsitz hat Staatsminister Dr. v. Stüdt übernommen, Vor¬
sitzender ist Staatsminister v. Möller, dessen Stellvertreter die
Herren Geh. Obermedizinalrat Prof. Dr. Kirchner, Stadtschulrat
Dr. Fischer, Prof. Dr. Williger sind. Schriftführer sind Zahn¬
arzt Dr. Erich Schmidt und Zähnarzt Prof. H a h 1. Meldungen
zum Beitritt nimmt der erste Schriftführer Dr. Erich Schmidt,
Berlin W. 9, Potsdamerstrasse 133 entgegen. Der Jahresbeitrag be¬
trägt mindestens 3 M.
— Die am 11. Juni 1908 von dem Geheimen Regierungsrat Dr.
v. Böttinger in Elberfeld mit einem Kapital von 100 000 M. zu
Ehren A11 h o f f s ins Leben gerufene Stiftung, die zu Lebzeiten Alt-
h o f f s auf dessen Wunsch den Namen Wilhelmsstiftung erhielt (vergl.
1908, S. 2367), wurde jetzt nach dem Tode Althoffs mit Ge¬
nehmigung des Kaisers „Friedrich Althoff-Stiftung“ be¬
nannt Die Stiftung dient zum Besten preussischer Gelehrter und
ihrer Hinterbliebenen.
— Die Leitung des XVI. internationalen medizini¬
schen Kongresses teilt mit, dass die Manuskripte der Referate
bis zum 28. Februar, welches Datum nunmehr als der späteste
Termin festgesetzt ist, an das Kongressbureau, Ofen-Pest VIII.
Esterhäzygasse 7, einzusenden sind. Den Mitgliedsbeitrag von
25 Kronen österr.-ungar. Währung wolle man mittels Postanweisung
an den Schatzmeister des Kongresses, Herrn Prof. Dr. v. E 1 i s c h e r
(Ofen-Pest VIII. Esterhäzygasse 7) einsenden.
— Die diesjährige Generalversammlung des deut¬
schen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuber¬
kulose findet in Berlin am 22. Mai und im Anschluss daran eine
Sitzung des Ausschusses am 24. Mai im Reichstagsgebäude statt.
— Der XII. internationale Kongress gegen den
Alkoholismus wird vom 18.—24. Juli d. J. in London statt¬
finden. Preis der Mitgliedskarte 5 M. Anmeldungen sind an die
Geschäftsstelle des Kongresses, 33. Paternoster Row, London, E. C.
(Offices of the National Temperence League) zu richten; von dort
wird auf Wunsch auch das ausführliche Programm übermittelt
werden. Unmittelbar vor dem Kongress wird eine von der Deutschen
Gartenstadtgesellschaft veranstaltete soziale Studienreise durch einige
englische Industriezentren stattfinden, bei der die dortigen hervor¬
ragenden sozialen Einrichtungen, besonders in Bezug auf Wohnungs¬
reform und Alkoholbekämpfung berücksichtigt werden sollen.
— Der Verband Deutscher ärztlicher Heil¬
anstaltsbesitzer hält seine 9. ordentliche Jahresversammlung
am 4. März d. J., vormittags 10 V 2 Uhr im Auditorium des Pharmako¬
logischen Instituts (Dorotheenstr. 34 a) in Berlin ab.
— Im Verlage von F. Den ticke in Wien erschien das 1. Heit
einer neuen Zeitschrift für öffentliches Gesundheitswesen: „Der
A m t s a r z t“, die als offizielles Organ des im vor. Jahre gegründeten
Reichsverbandes österreichischer Amtsärzte dienen wird. Die Schrifl-
leitung besorgen die Herren Dr. M. L a n d m a n n, k. k. Polizei¬
bezirksarzt, Dr. G. Paul, Direktor der Staatsimpfanstalt und Dr.. J.
Schaffran, städt. Bezirksarzt in Wien.
— Das vom Kgl. Medizinalrat Dr. Henkel, Bezirksarzt der
Stadt München, bearbeitete Verzeichnis des polizeilich
zur Praxis angemeldeten Sanitätspersonals und der
Sanitätsanstalten in München für das Jahr 1909 weist 751 Zivilärzte
und 20 Militärärzte somit 771 Aerzte auf; 22 Aerzte sind Bahnärzte,
20 Schulärzte, 26 Armenärzte. Die Zahl der Zahnärzte ist 85, die der
approbierten Bader 175, der Hebammen 274. Apotheken zählt Mün¬
chen 68, öffentliche Krankenanstalten 10, private 40.
— Cholera. Russland. Vom 17. bis 23. Januar sind in der
Stadt Petersburg 273 Erkrankungen (und 114 Todesfälle), im Gouv.
Tomsk 3 (1) und im Dongebiet 13 (7), zusammen 289 Erkrankungen
(und 122 Todesfälle) an der Cholera angezeigt worden. — Persien.
In der Sitzung des Gesundheitsrats zu Teheran vom 4. Januar wurde
amtlich mitgeteilt, das die Cholera in Täbris vollkommen erloschen
ist. — Britisch-Ostindien. In Kalkutta starben vom 20. Dezember
bis 2. Januar 20 Personen an der Cholera. — Straits Settlements. In
Singapore sind vom 18. bis 31. Dezember an der Cholera 36 Personen
erkrankt und 35 gestorben.
— Pest. Türkei. In Bagdad wurden vom 18. bis 24. Januar
4 neue Erkrankungen (und 2 Todesfälle) an der Pest festgestellt, in
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Djedda vom 16. bis 24. Januar 3 (3). — Aegypten. Vom 23. bis
29. Januar sind an der Pest 6 Personen erkrankt (und 2 gestorben). —
Britisch-Ostindien. Während der beiden Wochen vom 13. bis 26. De¬
zember v. J. sind in ganz Indien 2249 + 2075 Erkrankungen und
1788 + 1683 Todesfälle an der Pest zur Anzeige gelangt.
— In der 4. Jahreswoche, vom 24.—30. Januar 1909, hatten von
deutschen Städten über 40 000 Einwohner die grösste Sterblichkeit
Gross-Lichterfelde mit 31,9, die geringste Hamm mit 4,8 Todesfällen
pro Jahr und 1000 Einwohner. Mehr als ein Zehntel aller Ge¬
storbenen starb an Masern und Röteln in Aachen, Barmen, an Diph¬
therie und Krupp in Recklinghausen, Thorn, Worms.
V. d. K. G.-A.
(Hochschujnachrichten.)
Breslau. Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Oskar Minkowski,
Direktor der med. Klinik der Universität Greifswald, ist als Nach¬
folger von Prof. Strümpell nach Breslau berufen. Neben ihm
war aequo loco vorgeschlagen Moritz- Strassburg und an zweiter
Stelle, ebenso aequo loco Stern -Breslau und Brauer-Mar¬
burg (vergl. vor. No.). Als Nachfolger von Geheimrat Flügge.hat
an unsere Universität Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Richard Pfeiffer
in Königsberg i. Pr. einen Ruf erhalten, welchem er Folge leisten
wird. — Rector magnif. Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Uhthoff
wurde von der Gesellschaft der Augenärzte in Moskau zum Ehren-
mitgliede ernannt.
Czernowitz. Als Nachfolger von Dr. L u k s c h wurde Dr.
Hugo Raubitschek zum Prosektor und Direktor des bakterio¬
logischen Laboratoriums ernannt, (hc.)
Wien. Als Privatdozenten habilitierten sich DDr. M. Wein¬
berger (innere Medizin) und K. B u c u r a (Geburtshilfe und
Gynäkologie).
(Todesfälle.)
In Meran starb im Alter von 41 Jahren Dr. Heinrich Brat aus
Berlin, ein Arzt, der durch seine Arbeiten über Gewerbehygiene,
besonders aber durch seine Apparate zur künstlichen Atmung und zur
Anwendung des Druckdifferenzverfahrens bei Operationen (letzterer
gemeinschaftlich mit Schmieden veröffentlicht in dieser Wochen¬
schrift, 1908, No. 47) sich einen Namen gemacht hat.
Aufruf
an die deutschen Aerzte zur Sammlung eines Hilfsfonds für
die vom Erdbeben In Südltallen betroffenen Aerztefamilfen.
Kollegen!
Die furchtbare Katastrophe, die über die süditalienischen Pro¬
vinzen Sizilien und Kalabrien hereingebrochen ist, hat unermessliches
Unglück über diese Länder gebracht und die blühende Stadt Messina
und viele andere Ortschaften von Grund aus zerstört. Von Tag zu
Tag wächst noch die Erkenntnis von dem Umfange der angerichteten
Verwüstung und von der Grösse des dadurch hervorgerufeneo
Jammers.
Alle Nationen der Erde wetteifern darum, in dieser schrecklichen
Lage Hilfe zu bringen, und schon sind grosse Summen aufgebracht
worden, die genügen dürften, um der momentanen Not, soweit dies
möglich ist, zu steuern.
Die Folgen der Katastrophe werden aber lang nachhaltende sein
und es ist Pflicht der Nächstenliebe, über den Augenblick hinaus an
die Zukunft derer zu denken, die durch das Unglück ihres Ernährers
beraubt wurden.
Auch viele Aerzte haben bei der Katastrophe Gesundheit und
Leben eingebüsst. Viele sind nicht mehr imstande, für sich und die
Ihrigen zu sorgen, andere haben Frau und Kinder in Not und Elend
zurücklassen müssen. Genauere Angaben über die Zahl der Ge¬
schädigten werden sobald wie möglich in der Fachpresse gemacht
werden. Sicher ist, dass Hilfe not tut; sie zu bringen, ist eine edle
Aufgabe der Kollegialität.
Es ist daher die Gründung eines internationalen ärztlichen Hilfs¬
fonds angeregt worden. Schon haben sich in Belgien, in Frankreich,
in Holland, in Russland, in Spanien, in Italien Ausschüsse gebildet,
welche die Einleitung von Sammlungen in die Hand genommen habeji.
Mit dem vereinigten Ergebnis dieser Sammlung soll eine Stiftung
begründet werden, deren Mittel dazu dienen sollen, die Zukunft der
hinterlassenen Kinder zu sichern und den Müttern die Aufgabe zu
erleichtern, den jungen Waisen die Erziehung angedeihen zu lassen*
die ihnen nach der sozialen Stellung des verstorbenen Vaters zu¬
kommt. Die Königin von Italien hat das Protektorat über diese
Stiftung, die den Namen „Pro Italia medical“ führen soll, übernommen.
Auch die deutschen Aerzte werden ihre Mitwirkung an diesem
schönen kollegialen Werk nicht versagen. Viele haben auch bereits
auf den Aufruf des Professors Galii in der Fachpresse hin ihre
Opferwilligkeit durch die Tat bewiesen. Um den Zweck zu er¬
reichen, ist jedoch eine viel allgemeinere Beteiligung an der Samm¬
lung nötig.
Die Unterzeichneten sind daher zusammengetreten, um den Auf¬
ruf an alle deutschen Aerzte ergehen zu lassen, nach Kräften zur
Linderung der Not unserer italienischen Kollegen und ihrer Familien
beizusteuern. Möge keiner Zurückbleiben! Auch die kleinste Gabe
ist willkommen.
Dass die eingehenden Gelder ungeschmälert für ihren eigentlichen
Zweck verwendet werden, wird die angelegentliche Sorge des
Komitees sein.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
o76
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIET.
No. 7.
Die Sammlung der „Münchener med. Wochenschrift“ wird mit
der hierdurch eingeleiteten verschmolzen.
Zur Entgegennahme von Beiträgen sind bereit:
Hofrat Dr. B. Spatz, München, Arnulfstr. 26.
J. F. Lehmanns Verlag, München, Paul Heysestr. 26.
Der geschäftsführende Ausschuss:
üeheimrat Professor Dr. v. Bollinger - München (Vorsitzender),
Exzellenz Generalstabsarzt Dr. v. Bestei me y er - München, Mini¬
sterialrat Prof. Dr. D i e u d o n n e - München, Kreisincdizinalrat Prof.
Dr. Messerer - München, Prof. Dr. Fr. v. Müller- München, Dr.
Kehm - München, Dr. V o c k e - München. Hofrat Dr. Spatz-
Miinchen (Schriftführer).
Geh.-Rat Proi. Dr. v. Angerer - München. Prof. Dr. Aschaf fen-
b u r g - Köln, Dr. B e r g e a t - München, Geh. Med.-Rat v. Ura¬
nia n n - Halle, Prof. Dr. Brandenburg- Berlin. Prof. Dr.
Brauer- Marburg, S.-R. Dr. B r u n k - Bromberg, Staatsrat Dr.
v. Bruns-Tübingen, Geh. Med.-Rat Prof. E. Bumm -Berlin, Prof.
C h i a r i - Strassburg, Hofrat C r ä m e r - München, Geh. Med.-Rat
Prof. Dr. C r a m e r - Göttingen, Geh.-Rat Prof. Dr. Curschmann-
Leipzig, Exz. Wirkl. Geh. Rat Prof. Dr. C z e r n y - Heidelberg, Be¬
zirksarzt Dr. v. D a 1 l’A r in i - München, Geh. Hofrat Dr. Deahna-
Stuttgart, Reg.- u. Med.-Rat Dr. D e m u t h - Speyer, Prof. Dr. Dö-
d e r 1 e i n- München, Dr. D o e r f 1 e r - Regensburg, Professor Dr.
E d i n g e r - Frankfurt a. M., Reg.- u. Med.-Rat Dr. Egger-Würz¬
burg, Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Ehrlich- Frankfurt a. M., Dr.
Eiermann - Frankfurt a. M., Geh.-Rat Prof. Dr. Evcrsbusch-
München, Prof. Dr. Fehling- Strassburg i. E., Geh. Hofrat Prof.
Dr. F 1 e i n e r - Heidelberg, Prof. Dr. Förster- Strassburg i. E..
Geh. Med.-Rat Dr. Frankel- Halle a. S., Prof. Dr. v. F r a n q u e -
Giessen, Dr. Franz- Schleiz, Prof. Dr. G a 11 i - Rapallo, Hofrat
Dr. Ganser- Dresden, Prof. Dr. Graser- Erlangen, Ob.-Med.-Rat
Prof. Dr. v. Gruber - München, Hofrat Dr. H a e n e 1 - Dresden,
Dr. Hagen- Augsburg, San.-Rat Dr. Hartmann - Hanau. Dr.
Hartmann -Leipzig, Prof. Dr. Hauser-Erlangen, Prof. Dr.
Henke- Königsberg i. Pr., Med.-Rat Dr. Henkel- München, Prof.
M. Henkel-Greifswald, Proi. Dr. Hochhaus -Köln, Hofrat Dr.
R. v. H ö s s 1 i n - München, Prof. Dr. A. Hoffman n - Düsseldorf,
Geh. Med.Rat Prof. Dr. F. Hofmann -Leipzig, Med.-Rat Dr. Hof-
m a n n - Würzburg, Geh. Hofrat Prof. Dr. H o f m e i e r - Wiirzburg,
Prof. Dr. Hoppe-Seyler - Kiel, Hofrat Dr. Jochner - München,
Prof. Dr. Jung- Erlangen, Hofrat br. Jungengel - Bamberg, Geh.
Hofrat Prof, Dr. Königshöfer - Stuttgart, Dr. K r e c k e - München,
Prof. Dr. v. K r e h 1 - Heidelberg, Prof. Dr. Kümmell- Hamburg,
Prof. Dr. Küttner -Breslau, Prof. Dr. Kutner -Berlin, Dr. Rud.
Lennhoff- Berlin, Geh. San.-Rat Prof. Dr. Len t - Köln, Geh.-Rat
Prof. Dr. v. L e u b e - Würzburg, Prof. Dr. L e x e r - Königsberg, Geh.
Med.-Rat Prof. Dr. Lichtheim -Königsberg, Med.-Rat Dr. Lind-
mann- Mannheim, Geh. Med.-Rat Prof. Dr. L ö b k e r - Bochum, Geh.
Med.-Rat Prof. Dr. Madelung -Strassburg, Geh. Med.-Rat Prv:.t\
Dr. Martin- Berlin, Prof. Dr. M a r t i u s - Rostock, Prof. Dr. Mat¬
th e s - Köln, Hofrat Dr. Mayr- Augsburg. Prof. Dr. Menge-
Heidelberg, Ob.-Med.-Rat Dr. v. Merkel- Nürnberg, Geh.-Rat Proi.
Dr. v. Michel- Berlin, Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Minkowski-
Greifswald, Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Moritz- Strassburg i. E., Prof.
Dr. Müller- Rostock, San.-Rat Dr. M u g d a n - Berlin. Dr. Mun¬
ter- Berlin, Geh. Hofrat Prof. Dr. N a r a t h - Heidelberg, Prof. Dr.
Opitz- Düsseldorf, Prof. Dr. Payr- Greifswald, Geh.-Rat Prof. Dr.
P e n z o 1 d t - Erlangen, Geh. Med.-Rat Prof. Dr. P f a n n e n s t i e 1 -
Kiel, Dr. Plaut- Hamburg, PrcVf. Dr. Postier - Berlin, Dr. R e h m -
München, Prof. Dr. Riedinger- Wiirzburg, Kreis-Med.-Rat Dr.
Roger- Augsburg, Prof. Dr. v. R o m b e r g - Tübingen, Prof. Dr.
Rostoski - Dresden, Dr. Sardemann - Marburg, Med.-Rat Dr.
Scheel- Rostock, Prof. Dr. Schirmer - Strassburg i. E., Prof.
Dr. Schlossmann - Düsseldorf, Geh. Med.-Rat Professor Dr.
Schmidt-Rimpler - Halle a. S., Geh. Med.-Rat Prof. Dr.
S c h m o r 1 - Dresden, Hofrat Dr. S c h r e i b e r - Augsburg, Hofrat
Dr. Schuh- Nürnberg, Prof. Dr. Sommer- Giessen, Geh. Med.-Rat
Prof. Dr. S t i n t z i n g-Jena, Prof. Dr. S t o c c k e 1 - Marburg, Geh.
Med.-Rat Prof. Dr. v. Strümpell - Breslau, Prof. Dr. Tilmann-
Köln, Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Trendelen bürg - Leipzig. Prof.
Dr. V o i t - Giessen, San.-Rat Dr. Wentscher - Thorn, Geh.-Rat
Prof. Dr. v. W i n c k e 1 - München, Dr. Winkel mann - Barmen.
Med.-Rat Prof. Dr. Winter- Königsberg, Geh. Med.-Rat Prof.
Dr. W i t z e 1 - Düsseldorf, Hofrat Dr. Wohlmuth - München.
Verzeichnis der eingelaufenen Spenden:
Bisherige Sammlung der Münch, med. Wochenschr. M. 3450.70.
Hofrat Schuh- Nürnberg M. 20.—, Prof. H. R.-Miinchen M. 20.—.
Prof. H a u s e r - Erlangen M. 20—, Prof. H o p p e - S e y 1 e r - Kiel
M. 20.—, Dr. Horn- Markt Redwitz M. 5.—, Dr. Heilbronn -
Gailingen M. 5.—, Prof. Dr. Payr- Greifswald M. 15.—, Medizin.
Verein Stolp i. Pom. M. 10.—, Prof. Dr. S. A. K n o p f - New York
M. 100.—, Hofrat T h e i 1 h a b e r - München M. 10.—, Dr. Berbe-
rieh- Baden-Lichtental M. 5.—, Obermedizinalrat v. Merkel-
Nürnberg M. 20.—, Prof. Dr. v. Strümpell- Breslau M. 20.—, Prof.
Dr. Sommer- Giessen M. 10.—, Dr. Schweder - Radzionkau
1. Schl. M. 5.—. Dr. S z u m a n n - Thorn M. 4.—, Dr. Steinborn-
VcrlM von I. P. « «n Münctaen. — Druck von E
Thorn M. 3.—, Dr. v. S w i n a r s k i - Thorn M. 3.—, San.-Rat
VV e n t s c h c r M. 2 ( 1 .—, Prof. J. Riedinger- Wiirzburg M. 15.— .
Summe: M. 3780.70.
Korrespondenz.
Schädigt Kollargol die Niere?
Ich habe eine Frau (als Konsilarius) mit einer schweren Puer¬
peralsepsis gesehen und liess Kollargol in Dosen von 3: 100 als
Klysma, 1:200 innerlich und als Ung. Credö anwenden. Nunmehr
bekam die Frau, nach abgelaufener Sepsis, eine schwere akute
Nephritis, die ich selbstverständlich auf die vorausgegangene schwere
Infektion beziehe. Die Angehörigen der Frau wollen jedoch die
angewendete Kollargoltherapie anschuldigen. Im ganzen wurden
vielleicht 15 g verbraucht. • Ich wäre den Herren Kollegen, die viel¬
leicht einige Aufklärungen geben könnten, für ihre Liebenswürdigkeit
sehr verbunden.
Reichenberg (Deutsch-Böhmen), 25. Januar 1909.
Dr. Th. C 1 o i n.
Generalkrankenrapport über die K. Bayer. Armee
für den Monat Dezember 1908.
Iststärke des Heeres:
67136 Mann, 125 Kadetten, 166 Unteroffiziersvorschüter.
Mann
| Kadetten
UnterofHz.-
vorachfiler
1. Bestand waren
am 3(i. Novbr. 1908:
1412
1 3
9
[ im Lazarett:
1040
—
9
2. Zugang:
{ im Revier :
1332
7 1
—
1 in Summa:
2372
7
9
Im ganzen sind behandelt:
3784
10
18
°/«ü der Iststärke:
56,4
80,0
108,4
dienstfähig:
2523
10 j
11
u /ooder Erkrankten:
666,8
1000,0
611,1
gestorben:
8
—
—
“/•oder Erkrankten:
dienstunbrauchbar:
2,1
—
—
mit Versorgung:
22
—
—
3. Abgang:
ohne „
Auf Grund vor der
7
—
—
Einstellung in den Militär-
dienst vorhanden gewese¬
ner Leiden als dtenstun-
brauchbar erkannt und
entlassen :
92
_
_
anderweitig:
110
—
5
in Summa:
2762
10
16
4. Bestand
bleiben
30. Dez. 1908: |
[ in Summa:
°/oo der Iststärke :
1022
15,2
—
2
12,0
davon im Lazarett:
[ davon im Revier:
803
219
—
2
Von den in Ziffer 3 aufgefühlten Gestorbenen haben gelitten an:
Miliartuberkulose 1, Lungentuberkulose 2. eitriger Hirnhautentzün¬
dung 1, akutem infektiösem Darmkatarrh 1 und chronischer Nieren¬
entzündung 1. Durch Selbstmord (Erschiessen) endete 1 Mann.
Ausserhalb der militärärztlichen Behandlung starb 1 Mann an
tuberkulöser Hirnhautentzündung und Halsabszess während eines Ur¬
laubs, 1 endete durch Selbstmord (Erschiessen).
Der Gesamtverlust der Armee durch Tod betrug demnach im
Monat Dezember 11 Mann.
Uebersicht der Sterbefälle in München
während der 4. Jahreswoche vom 24. bis 30. Januar 1909.
Bevölkerungszahl 566 000.
Todesursachen: Angeborene Lebensschw. (1. Leb.-M.) 11 (20 l ).
Altersschw. (üb. 60 Jahre) 1 (4), Kindbettfieber 1 (l), and. Folgen d.
Geburt 1 (—), Scharlach 1 (4), Masern u. Röteln 2 (2), Diphth. u.
Krupp 3 (5), Keuchhusten 1 (3), Typhus 1 (—), übertragb. Tierkrankh.
— (—), Rose (Erysipel) 2 (1), and. Wundinfektionskr. (einschl. Blut*
u. Eitervergift.) — (1), Tuberkul. d. Lungen 26 (23), Tuberkul. and.
Org. 3 (4), Miliartuberkul. 1 (1), Lungenentzünd. (Pneumon.) 20 (16),
Influenza 2 (2), and. übertragb. Krankh. 4 (-), Entzünd, d. Atmungs¬
organe 4 (6), sonst. Krankh. derselb. 2 (4), organ. Herzleiden 19 (10),
sonst. Kr. d. Kreislaufsorg, (einschl. Herzschlag) 5 (3), Gehirnschlag
10 (6), Geisteskrankh. 1 (l), Fraisen, Eklamps. d. Kinder 4 (5), and.
Krankh. d. Nervensvstems 8 (4), Magen- u. Darm.-Kat., Brechdurchfall
(einschl. Abzehrung) 11 (7), Krankh. d. Leber — (1), Krankh. des
Bauchfells — (-), and. Krankh. d. Verdauungsorg. 6 (7), Krankh. d.
Harn- u. Geschlechtsorg. 5 (1), Krebs (Karzinom, Kankroid) 16 (8).
and. Neubildg. (einschl. Sarkom) 6 (3), Selbstmord 1 (2), Tod durch
fremde Hand — (2), Unglücksfälle 1 (4), alle übrig. Krankh. 4 (8).
Die Gesamtzahl der Sterbefälle 183 (169), Verhältniszahl auf
das Jahr und 1000 Einwohner im allgemeinen 16,8 (15,5), für die
über dem 1. Lebensjahre stehende Bevölkerung 13,1 (11,5).
*) Die eingeklammerten Zahlen bedeute n die Fälle der Vorwoch e.
Mtlbltbaler« Borb- und Kiinstdrtickerei A.Q.. MOnrh^n
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Diese Nummer enthält 56 Selten Text.
Oie Münchener Mediz. Wochenschrift erscheint wöchentlich im
Umfang von durchschnittlich 6—7 Bogen. • Preis der einzelnen
Nummer 80 *f. • Bezugspreis in Deutschland und Ausland siehe
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No. 8. 23. Februar 1909.
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
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56. Jahrgang.
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.Mk. 6.—. nach dem Auslande Mk. 8.—. nach Oesterreich-Ungarn und Luxemburg Mk. 7.—. Billiger und zu empfehlen Ist der Bezug durch die Postämter in
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Schweiz (Frk. 8.05).
Inhalt:
Origiualicn: Curschmann, Pneamokokkeninfluenza. S. 377.
Rautenberg, Ueber Synergie und Asynergie der Vorhöfe des menschlichen
Herzens. (Aus der Kgl. Med. Universitäts-Poliklinik zu Königsberg i. Pr.)
(Illust r.) S. 378.
Baermann und Schiiffner, Ueber Pseudodysenterie. (Aü 8 dem Zentral-
hospilal zu Petoemboekan und dem Hospital zu Tandjong Morawa [Sumatras
Ostküste].) S. 384.
G e i s s 1 e r, Beitrag zur Therapie des konstitutionellen Kinderekzems. (Aus
dem städtischen Krankenhaus Heilbronn, innere Abteilung.) S. 386.
Mosserschmidt, Zum klinischen Nachweis von Blut in den Fäzes. (Aus
der Abteilung für chronisch Kranke des Bürgerspitals zu Strassburg i. E.)
S. 388.
Weieswange, Ueber Extrauteringravidität. (Aus Dr. Weisswanges
Privatklinik in Dresden.) S. 389.
Fleischanderl, Mitteilung über einige Krankheitsfälle, hervorgerufen durch
Mäusetyphusbazillen. S. 392.
Hiiffeil, Ueber einen Fall von Ikterus gravis. (Aus der Universitäts-Frauen¬
klinik zu Erlangen.) S. 393.
Jacob, Ein Fall von kruppöser Laryngo-Traehcitis ohne Löfflersche
Bazillen. (Aus der medizinischen Klinik in Strassburg.) (Illustr.) S. 394.
Lechleutnner, Ein Fall von echten Halsrippen. (Illustr.) S. 395.
Gros, Bericht über die Tätigkeit des Schularztes im Amtsbezirk Scbwab-
münchen im Jahre 1908. S. 396.
Schlossmann, Die Tuberkulose als Kinderkrankheit. (Aus der akademischen
Klinik für Kinderheilkunde zu Düsseldorf.) S. 398.
Fraenkel, Medizinische Reiseerinnerungen aus Japan und China. S. 400.
Aerztl'che Stande» angelegenheiten: Schaeffer,Die Tätigkeit dir preussischen
Aerztekammcm im Jahre 1908. S. 404.
Bücheranzeigen und Referate: Bardeleben — Haeckel, Atlas der topo¬
graphischen Anatomie des Menschen. Ref.: Prof. Dr. Sobotta-Würzburg.
S. 407.
Reichel, Lehrbuch der Nachbehandlung nach Operationen. Ref.: Dr. K r e c k e.
S. 407.
Schultze, Lehrbuch der Hebammenkunlt. Ref.: Privatdozent Dr.A.Ric-
länder-Marburg. S. 407.
Kronthal, Nerven und Seele. Ref.: Dr. Isse rl in-München. S. 407.
W i t z e 1, Entwicklung der Kiefer und Zähne beim Menschen. Ref.:
Dr. Brubacher-München. S. 407.
Marcuse und Strasser, Physikalische Therapie in Einzeldarstellungen.
Ref.: Dr. Renner-Augsburg. S. 407.
Borst, Festschrift für G. E. v. R i n d f 1 e i s c h. Ref.: Prof. Dr. G. H a u s e r -
Erlangen. S. 408.
Pharmazeutische Rundschau. Ref.: Dr. M. Winckc 1 - München. S. 409.
Neueste Journalliteratur: Deutsche Zeitschrift für Chirurgie. 95. Bd.,
1.—3. Heft. — Beiträge zur klinischen Chirurgie. 60. Bd., 3. Heft. — Zentral-
blalt für Gynäkologie. No. 5—6. — Gynäkologische Rundschau. 3. Heft. —
Zentralblatt für allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie. 20. Bd.,
1. Heft. — Berliner klinische Wochenschrift. No. 7. — Deutsche medizi¬
nische Wochenschrift. No. 6. — Oesterreichische Literatur. — Englische
Literatur. — Dänische Literatur. — Ophthalmologie. — Inauguraldissertationen.
S. 410.
Vereins- nnd Kongressberichte: Berliner medizinischeGesellschaft,
17. Februar 1909: Liepmann, Das Haematoma vulvae als Geburts-
hindemis. — Karewski, Ueber die Vorteile des DruckdilTerenzverfahrens
für die Lungen-Pleura-Chirurgie und über eine neue praktische Ueberdruck-
kammer. S. 426.
Verein für innere Medizin zu Berlin, 15. Februar 1909: Demon¬
stration. S. 426.
Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden, 28. No¬
vember 1908: Demonstrationen. — Schlippe, Pseudospastische Parese
mit Tremor und saltatorischem Reflexkrampf. — Just, Ein geheilter Fall
von Hirnabszess. S. 420.
Wissenschaftliche Vereinigung am städtischen Kranken¬
haus zu Frankfurt a. M., 6. Oktober 1908: Sachs, Einfluss der Vi r-
dünnung des Organextraktes auf die Wassermannsche Syphilisreaklion.
— Seiffert, Ueber den Bordet sehen Keuchhuslenerreger. — Kleist.
Ueber Bewegungs- und Sprachstörungen bei Geisteskranken. — Demon¬
strationen. S. 421.
Naturhistorisch - Medizinischer Verein zu Heidelberg*
17. November 1908: Demonstrationen. — Neu, Ueber die modernen opera¬
tiven Bestrebungen in der Geburtshilfe. — 1. Dezember 1908 : Demonstrationen.
— Colmerg, Ueber paranephritischen Abszess. S. 422.
Medizinische Gesellschaft zu Leipzig, 24. November 1908:
T h i e r s c h, Städtische Mustermilchviehställe. — Müller, Gewinnung von
Trinkmilch. — Niessl, Die topische Diagnose einer Gehirngeschwulst.
S. 423.
AerztlicherVereinzu Marburg, 16. Dezember 1908: Demonstrationen.
— Römer, Ueber Beziehungen zwischen Menschen- und Rindertuberkulosc.
— Krauss, Zur Kasuistik und Diagnostik der Orbitalgeschwülste. S. 423.
Medizinisch- Naturwissenschaftlicher Verein Tübingen,
18. Januar 1909 : Lange, Hölderlins Geisteskrankheit. — Wedekind ,
Die Entwicklung der Kolloidchemie. S. 425.
AusdenfranzÖ8i8chenmedizinischenGeseIl8chaften: Sociötö
m^dicale des höpitaux. S. 427.
Aus den englischen medizin. Gesellschaften: Society of tropical
medicine and hygiene. — Medical Society of London. S. 427.
II. Medizinischer Unfallkongress. S. 427.
Ans ärztlichen Standesvereinen: Aerztlicher Bezirksverein München. — Aerzt-
licher Bezirksverein Kaiserslautern. S. 427.
Verschiedenes: Aus den Parlamenten. — ThcrapeutischeNotizen: Ekzem¬
behandlung. — Indikationen der Heissluitbehandlung. S. 428.
Tagesgeschichtliche Notizen: Leipziger Verband und Unterstaatssekretär. — Der
Kampf in Köln. — Biologischer Unterricht in Mittelschulen in Hessen. —
Freie Arztwahl in der Armenpflege in Mannheim. — Samariterkurse für
Aerzlc. — Süditalienisches Hilfskomitee. — Senckenbergische Gesellschaft.
— Mendeldenkmal. — Kongressnachrichten. — Cholera. — Pest. — Mor¬
talität in Deutschland. — Hochschulnachrichten: Berlin, Breslau,
Dresden, Kiel, Königsberg i. Pr., Marburg, Wilrzburg; Florenz, Graz, Leeds.
Rom, Siena, Tours, Wien. — D'Urso, Zinconc, Melle, Barbera, Belagh, Mazzei,
Mandalari, Cambria, Ponzio, Testa, Calderone f- S. 430.
Korretpor.denz: Offener Brief an Se. Exzellenz Herrn Staatsminister Dr. v. Belh-
mann-Hollweg, Staatssekretär im Reichsamte des Innern, Berlin. S.431.
Personalnichiicbten (Bayern.) S. 432.
Sammlung für die durch die Katastrophe in Süditalien be¬
troffenen Aerztc und deren Hinterbliebenen. S. 432.
Statistik: Mortalität in München. S. 432.
Umschlag: Offene ärztliche Stellen. — Personalnachrichtcn. — Inserate.
Hohenhonnef um Rhein Siebengebirge
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Die Münchener Medizinische Wochenschrift ersehe nt wöchentlich m f t ^ % —y Zusendungen sind zn adressieren: Pflr die Redaktion Atnarf*
im Umfang von durchschnittlich 6—7 Bogen. * Preis der einzelnen |\/l I | |\| j II L |\| L L/ Strasse 26. Bureauzett der Redaktion von 8 1 /*—1 Uhr. • Für
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Medizinische Wochenschrift.
ORGAN FÜR AMTLICHE UND PRAKTISCHE ÄRZTE.
Herausgegeben von
0. t. legerer, Ci. linier, lUlellioger, H. Corschmani, Llellerici, W. r. Leabe.G. i. Merkel, J. r. Hiehel, F. Penzoldt, V. r. Ranke, I. Spelz, F.T.Vlickil,
München. Freiborgi.fi. München. Leipzig. Eisenach. Würzbure Nürnberg. Benin Erlangen. München. München. München.
No. 8. 23. Februar 1909.
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
Verlag: J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 26.
56. Jahrgang.
(Nachdruck der Originalartikel ist nicht gestattet.)
Originalien.
Pneumokokkeninfluenza.*)
Von H. Curschmann in Leipzig.
M. H.! Der Influenzabegriff gehört zweifellos auch heute
noch zu den labilsten der klinischen Medizin.
Von den zahlreichen atypischen Formen und Fällen ab¬
gesehen, pflegen wir Krankheitszustände als Influenza zu be¬
zeichnen, bei denen katarrhalische und schwerere entzündliche
Prozesse der Halsorgane, der Nase und der tieferen Luftwege
mit mehr oder weniger schweren Störungen der Kreislauf-
Organe und des Nervensystems sich verknüpfen und die vor
allem einen ausgesprochen infektiösen Charakter tragen. In¬
fektiös mit Rücksicht auf die meist ungewöhnlich starke all¬
gemeine und örtliche Giftwirkung, die sich bei den Befallenen
geltend macht und die zweifellos auf Ansteckung und ver¬
wandten Verhältnissen beruhende Neigung zur endemischen
und epidemischen Verbreitung.
Während der Herbst-, Winter- und Frühjahrsmonate
1907/08 kamen, wie in den meisten deutschen Städten und
vielen ausserdeutschen, auch in Leipzig zahlreiche Erkran¬
kungen zur Beobachtung, die von den Aerzten der Influenza
zugerechnet werden mussten. Ich selbst habe in unserer Stadt
eine ganze Anzahl akuter Erkrankungen z. T. mit schweren
Folgezuständen gesehen, die keine andere Deutung zuliessen.
Meiner Klinik gingen derartige Erkrankungen, im Verhält¬
nis zu der so sehr grossen Zahl in der Stadt, nicht sehr reich¬
lich zu. Leichte akute Fälle bleiben meist in häuslicher Be¬
handlung, und manche schwere Herz-, Nerven- und Lungen¬
affektionen, die uns als Influenzafolgen zugeführt werden, sind
ätiologisch nachträglich schwer zu beurteilen.
Immerhin gelangten während jener Monate doch eine ganze
Reihe von Fällen zur Aufnahme, die auch der vorsichtigste
Diagnostiker als Influenza auffassen musste.
Von 109 Fällen, die als influenzaverdächtig eingeliefert
wurden, konnten, nach Ausschaltung unrichtig gedeuteter oder
unsicherer Fälle, 77 den Erscheinungen und Verlauf gemäss der
Krankheit sicher zugerechnet werden.
Ich will mich hier weder auf ausgedehnte statistische noch
breite diagnostische Erörterungen einlassen. Bei den Anschau¬
ungen und Gewohnheiten unseres auf die Krankenhauspflege an¬
gewiesenen Publikums würden statistische Angaben über Alter
und Geschlecht nicht den eigentlichen Verhältnissen ent¬
sprechen. Dass die Männer etw as überwogen hängt davon ab,
dass sie leichter das Krankenhaus aufsuchen. Ebenso erklärt es
sich auch, dass die Altersklassen von 15—30 Jahren am stärk¬
sten vertreten waren, während kaum Vs der Fälle das 30. Jahr
überschritten hatte. Kinder kamen nur 3 zur Aufnahme.
Wenn ich einen kurzen Ueberblick über Verlauf und Er¬
scheinungen bei unseren Fällen geben darf, so kann ich vor
allem hervorheben, dass sie im grossen und ganzen günstig
verliefen. Wir hatten in der Klinik keinen Todesfall. Ich weiss,
dass in der Stadt viel reichlicher schwere Fälle und nicht
wenige tätliche, meist bei älteren Individuen vorkamen.
Bei den meisten Kranken war im Beginn ein- oder mehr¬
maliges Frieren und Frösteln, selten Schüttelfrost zu ver-
•) Vortrag, gehalten in der Leipziger medizinischen Gesellschaft
am 12. Januar 1909.
No. 8.
zeichnen. Fast alle klagten über heftige Kopf-, Kreuz- und
Muskelschmerzen, sehr viele dazu von Anfang an über un¬
gewöhnlich grosse Mattigkeit. Bei der Hälfte aller Fälle lag
der Appetit von vorneherein völlig darnieder, während Magen¬
schmerzen, Würgen und Erbrechen seltener waren. Nahezu
regelmässig stellten sich bei unseren Kranken zugleich mit den
Fiebererscheinungen Halsschmerzen ein, mit starker Rötung
und Schwellung der Rachengebilde, aber ohne Auf- oder Ein¬
lagerungen in die Schleimhaut. Vielfach, aber nicht regelmässig
gesellten sich Schnupfen, Bindehautkatarrh und Heiserkeit
hinzu.
Bei keinem Fall fehlten die Erscheinungen weitverbreiteter
akuter Bronchitis, teils mit, teils ohne Auswurf. Die letzteren
zum Glück viel weniger zahlreichen Fälle verliefen besonders
qualvoll, mit heftigem, zuweilen keuchhustenartigem Reiz¬
husten und dadurch bedingter Steigerung der dann manchmal
unerträglichen Kopfschmerzen. Zuweilen traten bronchial¬
asthmatische Erscheinungen, selbst mit Lungenblähung hervor.
17mal unter unsern 77 Fällen hatten wir Bronchopneu¬
monie zu verzeichnen, meist in kleineren mehr oder weniger
zahlreichen Herden, nur vereinzelt lobär.
Entsprechend dem jugendlichen Alter der Mehrzahl unserer
Patienten waren schwere Herzerscheinungen nicht allzu häu¬
fig. Einzelne schon vorher Herzkranke und mehrere ältere
Personen machten uns allerdings auch in dieser Hinsicht grosse
Sorge.
Vio unserer Fälle war während der Krankenhausbeobach¬
tung fieberlos, 22 Fälle zeigten hohes, zuweilen bis zu 3, ja
4 Wochen sich hinziehendes Fieber, während die anderen kür¬
zere, leichtere Fieberzustände boten.
Die Krankheitsdauer war äusserst wechselnd, im Mittel
1—3 Wochen. Seltener war hohes, lang sich hinziehendes
Fieber, ebenso wie das entgegengesetzte: heftiges Einsetzen
und abortiver Verlauf.
Auf ungewöhnliche Verlaufsweisen und Komplikation der
Krankheit gehe ich hier nicht ein. Sie betrafen vorzugsweise
das Lungengewebe, das Rippenfell, das Herz und das periphere
Nervensystem mit Neuritis und zuweilen sehr heftigen Neural¬
gien. Störungen seitens der Verdauungsorganc, wie die wäh¬
rend früherer Epidemien beobachteten so auffälligen Opstipa-
tionen waren selten. Eiw r eissausscheidungen durch den Harn
kamen nur vereinzelt vor.
Sie werden, m. H., in meiner kurzen Schilderung das
wiedergefunden haben, was Sie auch bei Ihren Kranken in der
Stadt beobachten konnten und was ich selbst bei Konsulta¬
tionen sah.
Diese Mitteilungen sind aber, wie ich schon vorher betonte,
nicht der Zweck meines Vortrages. Sie sollten nur zeigen,
dass wir es in der Tat im vollsten klinischen Sinne mit Influenza
zu tun hatten.
Den Hauptwert lege ich auf die Betrachtung der Aetiologie
unserer Fälle, besonders ihrer bakteriologischen Grundlage.
Ich stütze mich dabei hauptsächlich auf die Sputum¬
untersuchung, die bei eingehender, sachkundiger Aus¬
führung bei den Erkrankungen der Atmungsorgane stets ihren
Wert behalten und vorsichtige Schlüsse zulassen wird. Es ist
dabei natürlich notwendig, dass man die gefundenen Mikro¬
organismen tunlichst scharf voneinander sondert, sie durch
Färbung, Züchtung und sonstiges biologisches Verhalten
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
378
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
sicherstem und sich von der überwiegenden Reichlichkeit und
Konstanz des Vorkommens der ätiologisch am verdächtigsten
überzeugt.
Nach Abzug von 28 Fällen, von denen die meisten kein
Sputum aufwiesen, andere aus äusseren Gründen ununter¬
sucht blieben, «konnten wir 49 Fälle genauer prüfen.
Bei keinem dieser Fälle Hess sich nun trotz sorg¬
fältigster Untersuchung der aus früheren Epidemien bekannte
und auch ätiologisch zweifellos bedeutsame Bacillus
Pfeiffer nachweisen. Vielmehr fand sich b e i 46 F ä 11 e n,
also fast allen, Diplococcus Fränkel-Weich¬
selbaum mit allen Charakteren: Kapselbildung, extrazellu¬
lärem Auftreten, Reaktion gegen Farbstoffe und Verhalten zu
den üblichen Nährböden. In einer grossen Zahl unserer Fälle
zeigten sie sich im Sputum fast in Reinkulturen und wo dies
nicht der Fall, an Zahl und Konstanz so sehr überwiegend, dass
an ihrer Bedeutung als Krankheitserreger kein Zweifel sein
konnte. Neben den Pneumokokken fanden wir nur noch ver¬
einzelt oder in geringer Zahl Streptokokken und
Staphylokokken, 2mal bei schon vorher Tuberkulösen
den Kochschen Bazillus.
Die experimentelle Uebertragung der gefundenen Pneumo¬
kokken auf Mäuse konnte bei 20 unserer Fälle durchgeführt
werden. Die Tiere zeigten stets die üblichen Erscheinungen der
Pneumokokkenseptikämie. 15 Versuchstiere verendeten,
5 überstanden die Infektion. 10 Tiere gingen zwischen dem
1. und 4. Tag nach der Impfung zugrunde, 5 blieben länger,
bis zum 8. Tag am Leben. Ich gebe Ihnen hier die einzelnen
Zahlen:
Es verendeten: 1 Tier am 1. Tag
tt i* 1 r
„ 2. „
tt tt 5 „
tt 2. i,
ii ii 3 „
„ 4. „
n )i 2 ,,
tt 5. „
2
tt tt tt
„ 6. ,.
tt tt 1 H
tt 8. „
Bei der Sektion der Tiere fanden sich regelmässig Rein¬
kulturen der Fränkel-Weichselbaumsehen Kapsel¬
bazillen im Blute und den Körpersäften und im Gewebe des
stets vorhandenen frischen Milztumors.
Es lässt sich mithin sagen: die von Influenza nicht zu unter¬
scheidenden und ihr klinisch unbedingt zuzurechnenden zahl¬
reichen Erkrankungsfälle des vorigen Winters und Frühjahrs
waren nicht auf den Bacillus Pfeiffer, sondern
ausnah mslosaufdeuDiplococcuspneumoniae
Fränkel-Weichselbaum zurückzuführen. Bei
dieser Ausschliesslichkeit des Befundes an den meiner Klinik
aus der Stadt zugeführten Fällen ist es nicht zu bezweifeln, dass
auch die dort vorgekommenen zahlreichen Erkrankungen auf
denselben Erreger zurückzuführen sein werden. Als positive
Beweise dafür darf ich anführen, dass wir bei einigen Fällen in
der Stadt, wo es sich um schwere Influenzaerscheinungen mit
diffusen Katarrhen und lobulären Pneumonien handelte, den
gleichen bakteriologischen Befund erheben konnten. Es ist also
nicht zu kühn, zu behaupten, dassdievorjährigerecht
ausgedehnteLedpzigerEpidemieaufPneumo-
kokken zurückzuführen war.
Welche Deutung kommt nun diesen Befunden zu? Darf
man hier wirklich von Influenza reden oder sold
man nur die Erkrankungen so bezeichnen, die sich auf den
Bacillus Pfeiffer zurückführen lassen? Die Antwort ist,
wie ich glaube, aus der klinischen Erfahrung heraus zu geben,
dass wir auch andere wohl ausgesprochene,
scheinbar einheitliche Krankheitsbilder auf
verschiedenartige Ursachen begründet finden. Ich brauche nur
an den Symptomenkomplex der Anaemia perniciosa, der Diph-
pherie, der Dysenterie usw. zu erinnern.
Wir dürfen also sagen: unsere Leipziger Epi¬
demie von 1907/08 bietet ein Beispiel von aus-
gedehnterPneumokokkeninfluenza. Dies ändert
zunächst nichts an der Bedeutung des Bazillus Pfeiffer,
der ja bekanntlich während der Pandemien von 1889 auf 1893
die Hauptrolle gespielt zu haben scheint. Ob man mit Leich-
ten stern u. a. die Entstehung von Influenzapan¬
demien ausschliesslich oder vorzugsweise dem Pfeiffer¬
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bazillus zuschreiben und das beschränktere epidemische oder
endemische Auftreten oder dasjenige in Gruppen und Einzel¬
fällen anderen Mikroorganismen, unseren Erfahrungen ent¬
sprechend besonders dem Pneumococcus Fränkel-
Weichselbaum zuschreiben soll, ist Sache weiterer ein¬
gehender Untersuchungen.
Der Literatur ist bezüglich der Rolle, die der Pneumo¬
kokkus bei Influenza spielt, bisher nicht viel zu entnehmen.
Am interessantesten und wichtigsten ist in dieser Beziehung
eine Mitteilung von Luzzatto 1 ) aus der Klinik Escherich.
Es handelt sich ausschliesslich um Kinder unter 3 Jahren, 8 auf
der chirurgischen, 8 aus der inneren Abteilung der Kinderklinik
* zu Graz, die gleichzeitig unter einem Dach unter grippeartigen
Erscheinungen erkrankt waren. Bei keinem dieser Fälle wurde
der Pfeiffer-baziM us, vielmehr regelmässig in grosser
Menge, manchmal in Reinkultur Diplococcus pneu¬
moniae gefunden. Wenn es dem Verfasser auch theoretisch
unzulässig erscheint, andere als den durch Pfeifferbazillus er¬
zeugte Krankheitsfälle als Influenza zu bezeichnen, so ändert
dies doch nichts am Wert seiner Beobachtungen.
Schtsch egolew 2 ) beschreibt 3 Fälle, deren klinisches
Bild, wie er meint, am meisten für Influenza sprach. Ob der
erste seiner Fälle, der ein 8 monatliches Kind betraf, überhaupt
der Influenza zuzurechnen ist, erscheint selbst nach dem Sek¬
tionsergebnis zweifelhaft. Die beiden anderen Fälle, die
4 jährige Mädchen betrafen und von denen einer tödlich, der
andere in Genesung ausging, könnten sehr wohl, wie dies Ver¬
fasser nach Leichtenstern tut, als Influenza
n ostras bezeichnet werden. Er glaubte bei ihnen Diplo-
ooccus pneumoniae als Erreger mit Sicherheit annehmen zu
dürfen.
Die von Dünn und Gordon 3 ) geschilderte Epidemie,
die entfernt an Influenza erinnerte, und von den Beobachtern
auf Gram-negative Diplokokken zurückgeführt wurde, ist wohl
bestimmt nicht als solche aufzufassen. Die Mehrzahl der Fälle
verlief leicht, unter ziemlich unbestimmten Erscheinungen. Bei
den schweren zeigten sich neben typhusähnlichen und zuweilen
zerebrospinalmeningitischen Symptomen, scharlachartige Haut¬
ausschläge mit nachfolgender Abschuppung und Anginen mit
starken Halsdrüsenschwellungen und nicht selten diph-
theritischem Charakter.
Aus der Kgl. med. Universitäts-Poliklinik zu Königsberg i. Pr.
(Direktor: Prof. Dr. J. Schreiber).
Ueber Synergie und Asynergie der Vorhöfe des
menschlichen Herzens.*)
Von Privatdozent Dr. E. Rautenberg, I. Assistenzarzt.
Die Forschungen der letzten Jahre haben sich bekanntlich
ganz besonders mit der Frage der Möglichkeit einer getrennten
Tätigkeit der einzelnen Herzabteilungen beschäftigt und nicht
nur die Frage zu lösen versucht, ob oberer und unterer Herz¬
abschnitt dissoziiert arbeiten können, sondern auch die Frage
der Hemisystolie, der funktionellen Trennung zwischen rechts
und links, neu erörtert. So hat M a c k e n z i e 0 die Dissozia¬
tion der Ventrikel beim Menschen nur am sterbenden Her¬
zen beobachten können, und ebenso H. E. Hering dieses
Phänomen nur am sterbenden blossgelegten Herzen des
Warmblüters. In letzter Zeit hat dann Hewlett 2 ) nach Stro¬
phanthininjektionen gelegentliche Kontraktionen nur eines
Ventrikels am kranken Menschen registrieren können. Von
Kraus*) und Nicolai ist diese Frage (nach dem Vor-
*) Jahrb. f. Kinderheilk. 1900, Bd. 52, Ergänzungsheft.
2 ) Mosk. deutsche med. Zeit. 1900.
*) Brit. med. Journ. 1905, Aug. 26. — Virch.-Hirsch Jahresber.
1905, Bd. II, S. 5.
*) Im wesentlichen nach einem Vortrage in der physikal.-ökon.
Gesellschaft zu Königsberg i. Pr., 25. Juni 1908 (s. Schriften der
physik.-ökon. Gesellsch.“ 1908).
*) Die Lehre vom Puls. Deutsch. Frankfurt a. M. 1904.
Fig. 313—320.
2 ) Hewlett: Arch. of Internat. Medicine. Sept. 1908.
3 ) Kraus und Nicolai: Ueber die funktionelle Solidarität
beider Herzhälften. Deutsch, med. Wochenschr. 1908, No. 1.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
379
kommen solcher Zustände von Hemisystolie) auch am lebens¬
fähigen Herzen näher erörtert worden auf Grund ihrer Unter¬
suchungen über das menschliche Elektrokardiogramm.
Während man früher mit Hilfe der mechanischen Registrier¬
methoden beim Menschen nicht mit Sicherheit entscheiden
konnte, ob die durch einen Extrareiz ausgelöste Kontraktion
eines Ventrikels wirklich nur auf diesen beschränkt bliebe
(Hemisystolie) oder nicht auch — wenigstens teilweise — auf
den anderen, übergreife (Pseudo-Hemisystolie), glauben diese
Autoren Nachweisen zu können, dass ventrikuläre Extrareize
in -der Tat auf einen Ventrikel beschränkt bleiben können,
dass also Zustände von Hemisystolie im Sinne Leydens 4 )
auch am lebensfähigen Herzen vorkämen. Allerdings glaubt
H. E. Hering 5 ) diese Beobachtungen nicht anerkennen zu
können, indem er darauf hinweist, dass der sichere Nachweis
einer Hemisystolie am lebenden blossgelegten Herzen bisher
nicht gelungen sei, und dass ventrikuläre Extrareize nach
seinen Beobachtungen sich stets mehr oder weniger voll¬
kommen auch auf den benachbarten Ventrikel fortpflanzten.
Jedenfalls können wir feststellen, dass diese T rennung der
Kammertätigkeit — soferne sie am lebenden Herzen
überhaupt vorkommt — als ein recht seltenes, nur aus¬
nahmsweises Ereignis zu betrachten ist.
Im Gegensatz dazu nimmt man von den Vorhöfen ein
derartig festes Zusammenarbeiten nicht an. Man neigt viel¬
mehr meines Wissens zu der Anschauung, dass Lähmungen
nur eines Vorhofes (des linken) und Fortarbeiten des anderen
ein häufiger vorkommendes Ereignis sei, welches namentlich
bei Klappenfehlern des Mitralostiums aufzutreten pflege. Erst
in den Endstadien dieser Erkrankung, so besagt unsere An¬
schauung, tritt mit dem Versagen der Tätigkeit auch des rech¬
ten Vorhofes völlige Lähmung des oberen Herzabschnittes auf.
Jedoch dürfen wir uns nicht verhehlen, dass diese unsere Vor¬
stellung in der Hauptsache auf theoretischen Erwägungen be¬
ruht, da direkte Beobachtungen der Vorhoftätigkeit bisher nicht
existierten. Nur Mackenzie 6 ) hat einen Fall beschrieben,
bei dem beide Vorhöfe wahrscheinlich gleichzeitig ihre Tätig¬
keit einstellten, und zwar zog M. diesen Schluss aus dem gleich¬
zeitigen Auftreten des positiven Venenpulses und dem Ver¬
schwinden des bis dahin hörbar gewesenen präsystolischen
Geräusches.
Zweifellos ist unsere neue Methode der Vorhofregistrie¬
rung von der Speiseröhre her 7 ) berufen, in diese Frage nach
gleichzeitiger oder ungleichzeitiger Arbeitseinstellung der Vor¬
höfe Klarheit zu bringen. Bereits in meiner ersten Arbeit über
Vorhofregistrierung habe ich ausgeführt, dass es „besonders
diese Frage war, die mich dazu veranlasste, einen Weg zu
direkter Beobachtung des linken Vorhofes zu suchen.“
Meine jetzige Erfahrung beruht auf zahlreichen, im Laufe
von 2 Jahren von mir ausgeführten Untersuchungen an 50 ge¬
sunden und 60 herzkranken Individuen, bei denen ich mich also
über die Tätigkeit beider Vorkammern orientieren konnte, über
die der linken durch Registrierung der ösophagealen Pulsation,
über die der rechten duroh Registrierung des Venenpulses. An
einigen dieser Patienten beobachte ich in dieser Weise schon
2 Jahre hindurch den Verlauf des Krankheitsprozesses und die
durch ihn verursachten Veränderungen der Herzfunktion. So
will ich in folgendem zunächst an der Hand einer meiner Be¬
obachtungen den Ausgang der Vorhofpulsation in Lähmung, in
Stillstand beschreiben, um dann auf die Frage der Häufigkeit
dieser Erscheinung und eventueller Dissoziation überzugehen.
Der Einfluss der Lähmung des Vorhofes auf die Form seiner
Pulskurve wird am besten an der Hand der genannten Be¬
obachtung besprochen werden.
Beobachtung von Uebergang der Pulsa¬
tionen beider Vorhöfe in Lähmung (Vorhof-
*) Leyden: Deutsch, med. Wochenschr. 1903, 21 und Zeitschr.
i. klin. Med., Bd. 64.
6 ) H. E. Her ins:: Deutsch, med. Wochenschr. 1903, 22 und
ebenda 1908, 15.
6 ) 1. c., S. 201.
7 ) s. Minkowski: Deutsche med. Wochenschr. 1906 und
Zeitschr. f. klin. Med., Bd. 62. Rautenberg: Deutsch. Arch. f.
klin. Med., Bd. 91. — Berl. klin. Wochenschr. 1907, 21.
Stillstand). Ich habe in einer früheren Arbeit 8 ) darauf
aufmerksam gemacht, dass die Pulsationen beider Vorhöfe unter
Umständen an der äusseren Brustwand nicht nur sichtbar, son¬
dern auch von ihr aus r e g i s t r i e r b a r sein können und dass
diese Pulsationen unter Umständen alle Bewegungen aktiver
Fig. 1. M. $., 15 jähr. Mädchen, Mitralis-, Aorten-, Trikusp.-Insuffizienz.
(Fig. 1—7). — An der Pulsation des linken Herzohres ist die Vorhof¬
systole (a s) deutlich erkennbar. Der Puls der A. pulmonalis (p)
mischt sich in den Vorhofpuls. November 1906.
Vorhofpulsation zeigen. Aut diese letzte Tatsache möchte ich
besonderen Wert legen, weil sie im Gegensatz stand zu Be¬
obachtungen anderer Autoren, welche Vorhofbewegungen an
der Brustwand auch beschrieben, aber offenbar nur als
passive Pulsationen gelähmter Vorhöfe gesehen haben.
So sagt z. B. S a h 1 i 9 ), dass man dabei „die Vorhofkontraktion
nicht fühle“, sondern nur die während der Vorhofdiastole statt¬
findende Volumzunahme des Vorhofes; ebenso ist bei Vol-
li a r d s Registrierungen der rechten Vorhofpulsation in der
Hauptsache eine solche passive Volumzunahme, keine auf
Fig. 2. M. S., November 1906. An der Vorhofkurve in der Präsystole
deutliche Senkung (a s = Vorhofsystole), vs — Ventrikelzacke. D ~
Beginn der Ventrikeldiastole.
aktiver Tätigkeit des Vorhofes beruhende Verkleinerung
desselben zu erkennen. Der in folgendem beschriebene Krank¬
heitsfall — und deswegen erwähne ich diese Frage hier —
stellt eine Fortsetzung meiner damaligen Beobachtungen
dar, denn die vor 2 Jahren noch aktiv pulsieren¬
den Vorhöfe sind unter meinen Augen inzwischen in
Lähmung übergegangen.
M. S., 15 jähr. Mädchen, der medizinischen Poliklinik im No¬
vember 1906 zugegangen. Vor 4 Jahren Gelenkrheumatismus. —
Guter Ernährungszustand. Beträchtliche Zyanose. Sichere Zeichen
von Mitralis- und Aorteninsuffizienz. Kein Geräusch über der
Trikuspidalis. Linker und rechter Ventrikel pulsieren deutlich sicht¬
bar (Spitzenstoss in linker vorderer Axillarlinie, systol. Einziehung
links vom Sternum), ebenso ausser der Aorta und Pulmonalis das
linke Herzohr (2. Interkostalraum links) und der rechte Vorhof (An¬
satz der 4. und 5. rechten Rippe am Sternum). Diese Vorhofbe¬
wegungen zeigen bei der Registrierung (s. Abb. 1 und 2) alle
Bewegungen aktiver Pulsation, d. h. vor allem markiert sich die
durch die Vorhofsystole (as) bedingte Verkleinerung des Vorhofes.
Ebenso zeigt der vom Oesophagus aus registrierte Vorhofpuls
(Fig. 3) lebhafte aktive Pulsation, und der wenig lebhafte Venen¬
puls lässt eine zwar kleine, aber deutliche aurikuläre (a) Welle er¬
kennen. — Puls 90—100, celcr, keine Leberschwcllung, keine Oedeme.
(Näheres s. Berl. klin. Wochenschr., 1907, 46.)
8 ) Rautenberg: Berl. klin. Wochenschr. 1907, 46.
°) Sahli: Lehrb. d. klin. Untersuchungsmethoden. Leipzig u.
Wien. 3. Aufl. 1902, S. 310.
1 *
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380
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
In der Folgezeit stellte die Patientin sich in grösseren Zeit¬
räumen vor.
0 , 2 "
Oesoph
(I.Vorhof)
Spitzenst.
Fig. 3. M. S., November 1906. Vorhofpuls zeigt normale Be¬
wegungen. a s = Vorhofsystole (vs u. D wie in Fig. 2).
25. Mai 1907. Befinden gut. Status unverändert.
27. Oktober 1907. Allgemeinbefinden leidlich. Keine Zeichen von
Dekompensation, objektiver Befund ziemlich unverändert. Die
Pulsationen an der äusseren Brustwand haben an Intensität nach¬
gelassen, besonders die des linken Herzohres, die kaum mehr sichtbar
ist. Venenpuls etwas deutlicher, aurikulär.
28. April 1908. Befinden angeblich unverändert. — Zum ersten
Male sehr deutlicher Kapillarpuls und deutliche Doppelgeräusche über
Fig. 4. M. S., 28. IV. 08. Aurikulärer Venenpuls. An der Vorhof¬
kurve markiert sich die Vorhofsystole durch die Senkung a s.
stosses und an der rechten Thoraxwand, und zwar pulsiert an der
Herzspitze das ganze knöcherne Qerüst, während der Spitzenstoss
selber im 6. Interkostalraum in der vorderen Axillarlinie nur schwach
fühlbar ist; die Pulsation der rechten Thoraxwand lässt nur eine
systolische Vorwölbung und eine postsystolische Senkung erkennen,
ein Ausdruck einer Vorhofkontraktion nicht erkennbar.
— Vorhofpulsationen im linken 2. Interkostalraum nicht sichtbar, der
Pulmonalis- und Aortenpuls ist nur schwach fühlbar. — Alle Pul¬
sationen sind schwerer als früher von einander abgrenzbar und kon-
fluieren mit einander. — Keine Venentöne, kein systolisches Geräusch
über der Trikuspidalis. Zweiter Pulmonalton kaum klappend. —
Leber nicht fühlbar, perkutorisch nicht vergrössert. Geringe
Albuminurie.
13. Juni 1908. Pat., die lediglich mit Aspirin behandelt wurde, ist
seit 8 Tagen fieberfrei. Herzaktion ruhiger. Puls 90 in der Minute.
— Die Pulsationen am Thorax weniger lebhaft und deutlicher von
einander abgrenzbar. Bei der Registrierung: Im 2. Interkostalraum
links ist der jetzt wieder sichtbare Puls des linken Herzohres regi¬
strierbar und eine Vorhofkontraktion als Senkung erkennbar, während
sich am rechten Thorax eine etwaige Kontraktion des rechten Vor¬
hofes nur durch eine sehr schwache Senkung ausdrückt; der Venen¬
puls dagegen zeigt wieder eine deutliche a-Welle und systolischen
Kollaps.
31. Oktober 1908. Allgemeinbefinden angeblich gut. — Zyanose.
Im Liegen leichte Dyspnoe. Venenpuls positiv, ohne aurikuläre Welle.
Fig. 6. M. S., 31. X. 08. Rechter Vorhof gelähmt. In der Präsystole
keine Senkung (vergl. Fig. 4).
Radialispuls regelmässig, 75 in der Minute, celer. Deutlicher Kapillar¬
puls, deutliches Doppelgeräusch über der Kruralis. Die an der
äusseren Brustwand sichtbaren Pulsationen der Vorhöfe sind weniger
ausgiebig als früher und lassen nur eine in der Hauptsache systolische
Hebung erkennen. Jeder Ausdruck einer Vorhofsystole
der Kruralis. Pulsation der Halsartien sehr viel deutlicher als bisher,
im Jugulum starke arterielle Pulsation (Aorta). Venenpuls wegen der
benachbarten kräftigen Arterienpulse kaum registierbar, zeigt jedoch
deutliche a-Welle. — Puls 70 in der Minute. Lieber der Trikuspidalis
kein Geräusch. Klappender zweiter Pulmonalton.
26. Mai 1908. Seit einigen Tagen fieberhaft erkrankt (Angina
follic., Gelenkschwellungen), elendes Befinden. — Hochgradige Zya¬
nose, Puls 120, weich, celer. Venen am Halse leicht erweitert, lebhaft
pulsierend, zeigen keinen systolischen Kollaps, keine a-Welle. — An
der Brustwand sehr lebhafte Pulsation in der Gegend des Spitzen-
Fig. 7. M. S., 31. X. 08. An der Oesophaguskurve fehlt jeder Aus¬
druck der Vorhofsystole (a s); vergl. die Kurve vom November 1906
(Fig. 3). Linker Vorhof gelähmt.
fehlt. Im Oesoph aguspulse kein Merkmal einer V o r h o t-
systole, die Kurve zeichnet in der Präsystole eine gerade Linie.
— Systolisches Geräusch über der Spitze, der Pulmonalis und
Trikuspidalis; dieses von anderem Charakter als das Geräusch über
der Spitze. Diastolisches Geräusch über der Mitte des Sternums,
klappender 2. Pulmonalton. — Keine Lebcrschwellung. keine Oedeme,
keine Albuminurie.
Resümee: Bei einem 15 jährigen Mädchen hat sich vor
4 Jahren nach Gelenkrheumatismus eine Mitralis- und Aorten¬
insuffizienz entwickelt, -die ziemlich gut kompensiert ist, bei all¬
seitiger erheblicher Dilatation des Herzens. Alle vier Herz¬
abteilungen teilen ihre Bewegungen der äusseren Brustwand
mit, lassen sich gut registrieren und zeigen aktive Pulsation.
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MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
381
23. Februar 1909.
Dazu lässt die Form des Venenpulses noch besonders auf aktive
Tätigkeit des rechten Vorhofes schliessen und der Puls des
linken Vorhofes kann ausserdem vom Oesophagus her re¬
gistriert werden. Die an der rechten Brustwand vorhandene
Pulsation zwingt zur Annahme einer Dilatation des rechten Vor¬
hofes und somit auch zur Diagnose einer (relativen) Trikuspi-
dalinsuffizienz, obwohl eine solche zurzeit sonst nicht nach¬
weisbar ist. Im Laufe des ersten Jahres der Beobachtung
scheint die Aorteninsuffizienz zuzunehmen, die Aktion der Vor¬
höfe bleibt jedoch im wesentlichen unverändert und scheint nur
schwächer zu werden. Kurz nach Beginn einer fieberhaften
Erkrankung hat sich das Krankheitsbild vollkommen verändert.
Die Pulsationen beider Vorhöfe lassen eine Kontraktion der¬
selben nicht mehr erkennen, sie bestehen nur noch in Vor¬
wölbungen während der Ventrikelsystole; der Venenpuls ist
positiv geworden, d. h. er hat den bisherigen systolischen Kol¬
laps verloren und lässt jeden Ausdruck einer a-Welle ver¬
missen. Wir müssen demnach annehmen, dass sich während
der fieberhaften Erkrankung eine Lähmung der Vorhöfe, und
zwar gleichzeitig, eingestellt hat. Zwar ging dieser Zu¬
stand nach Ablauf der fieberhaften Infektion wieder vorüber,
es traten an den vom linken Herzohr ausgelösten Bewegungen
wieder präsystolische Senkungen auf und im Venenpulse kleine,
aber deutliche a-Wellen, aber dieser Zustand war nur ein
vorübergehender, denn schliesslich ist eine — wie es
scheint — dauernde Lähmung der Vorhöfe eingetreten.
Ausser den oben genannten Erscheinungen am Venenpuls
und den Pulsationen der Brustwand wurde dieser Stillstand des
Vorhofes auch am Oesophaguspulse (Fig. 7) nach¬
gewiesen : an Stelle der früheren Wellenbewegung (as, s. Fig. 3)
zeigt die Kurve in Fig. 7 während der Präsystole eine gerade
verlaufende Linie. So müssen wir annehmen, dass die Vor¬
höfe still stehea
Bezüglich der abgebildeten Kurven ist zu bemerken, dass auf
Kurve 1—4 die Vorhofsystole as deutlich markiert ist, und zwar in
Fig. 3, so wie ich es vom Oesophaguspulse beschrieben habe, durch
eine Wellenbewegung, dagegen an der Thoraxwand vorwiegend
durch eine Senkung (Verkleinerung des Vorhofes). Allerdings möchte
ich doch darauf hinweisen,. dass in Fig. 1 (linkes Herzohr) und Fig. 4
(rechter Vorhof) die Vorhofsystole wahrscheinlich auch durch eine
Welle markiert wird (in Fig. 1 durch Pfeil bezeichnet). — Der zweite
Teil der Vorhofpulsation, der hauptsächlich aus der Ventrikelzacke
(vs) und der folgenden Hebung mit tiefem Abfall bei D (Oeffnung der
Atrioventrikularklappen = Beginn der Ventrikeldiastole) besteht, ist
in dieser Form auch von der Thoraxwand her registriert worden
(Fig. 2 und 4). —
Die Lähmung der Vorhöfe markiert sich an den Vorhofkurven
durch das Fehlen der präsystolischen Welle (Fig. 7) oder Senkung
(Fig. 6), während der übrige Teil der Kurve im wesentlichen unver¬
ändert bleibt. Nur verdient hervorgehoben zu werden, dass der
frühere tiefe ventrikelsystolische Kollaps (zwischen vs und D) jetzt
flacher ist (vergl. Fig. 2 und 6 und s. auch unten Fig. 9, Fig. 10,
Fig. 11).
Das Interesse, das unsere Beobachtung verdient, ist ein
mehrfaches. Erstens ein allgemeineres, indem direkte Be¬
obachtungen über diese Veränderungen der Vorhofpulsation
bisher nicht existierten, dann weil dieser Uebergang in Vorhof-
stillstand an einem Falle gemacht wurde, bei dem der Puls der
Vorhöfe direkt an der äusseren Brustwand beobachtet und
jeder derselben von einer zweiten Stelle her kontrolliert wer¬
den konnte. Wichtig ist ferner die Feststellung der Ursache
und des Zeitpunktes für den Eintritt der Lähmung, nämlich dass
dieselbe im Anschluss an» eine fieberhafte Erkrankung auftrat
und endlich die Tatsache, dass die Lähmung sich an beiden
Vorhöfen gleichzeitig einstellte. Der obere „aurikuläre“
Herzabschnitt bewahrte hier also, um mit Kraus zu reden,
eine sehr weitgehende funktionelle Solidarität. Von Interesse
ist ferner die Beobachtung, dass beide Vorhöfe nach Beendi¬
gung der Fieberperiode wieder ihre Tätigkeit aufnahmen, spon¬
tan, ohne dass Digitalis gebraucht worden war. Allerdings war
diese Wiederherstellung der Funktion nur von kurzer Dauer,
sie wich bald einer — wie wohl anzunehmen ist — dauernden
Vorhoflähmung.
Zum Schlüsse erlaube ich mir folgende Feststellung: Meine
frühere Beobachtung 10 ), dass die aktive Pulsation der Vor¬
höfe an der äusseren Brustwand wahrnehmbar sei, ist bisher
• l0 ) Rautenber g: Berl. klin. Wochenschr. 1907, 46.
unbeachtet geblieben. So hat z. B. Sah 1 i in der neuesten
Auflage seines Lehrbuches 11 ) davon keine Notiz genommen.
Nachdem ich jetzt gezeigt habe, dass dieser aktive Vorhofpuls
schliesslich in passive Pulsation, als Ausdruck der Lähmung
des Vorhofes, übergeht, in eine Form der Pulsation, wie V o 1 -
hard 12 ) sie bereits beobachtete, scheint mir die Angabe von
Sahli: „man fühlt hier nicht die Vorhofkontraktion“ nicht
mehr haltbar. Man kann sie bei n i c h t gelähmtem Vorhofe
sehen und fühlen. Im übrigen unterscheidet sich meine Be¬
obachtung von der Volhards insöfern, als es sich bei mir
um Vorhofstillstand mit regelmässiger Pulsfolge, bei
V o 1 h a r d um vorgeschrittenere Fälle^rnit unregelmäs¬
sigem Pulse (Arythmia perpetua mit Vorhofstillstand) han¬
delte.
Meine andere Behauptung, dass die an der rechten Thorax¬
wand sichtbare Pulsation vom rechten Vorhof herrühre, ist von
B ö n n i n g e r 13 ) abfällig kritisiert worden. „Ich müsse erst
beweisen, dass dieses der rechte Vonhof sei.“ Ich kann in¬
dessen darauf hinweisen, dass auch Sahli und V o 1 h a r d
ebenso wie ich diesen Puls der rechten Thoraxseite auf den
rechten Vorhof beziehen und vor allem darf ich wohl daran er¬
innern, dass man bei Sektionen schwerer Mitralfehler den
(NB. erweiterten) rechten Vorhof rechts vom Sternum,
also der rechten Brustwand anliegend, zu finden pflegt.
Ausser diesem soeben besprochenen Falle habe ich noch eine
zweite Beobachtung von Uebergang der Vorhofpulsation in Lähmung
machen können. Es handelte sich um eine 47 jähr. Frau mit Morbus
Basedow, bei der der aktiv pulsierende linke Vorhof nach längerem
Schwächezustande (s. unten) in Lähmung überging. Der Venenpuls
verlor gleichzeitig seinen aurikulären Typus, die a-Welle ist ver¬
schwunden.
Beobachtungen über dauernde Lähmung
beiderVorhöfe. Im Gegensatz zu den beiden letzten Be¬
obachtungen handelt es sich bei den folgenden 10 Fällen um
Patienten, die mit bereits gelähmtem Vorhofe in meine Be¬
obachtung traten, und zwar waren es alles Fälle mit unregel¬
mässiger Herzaktion, Fälle dauernder regelloser Arrythmie,
sog. Arythm. perpetua. Meine ersten Beobachtungen stammen
bereits aus den Jahren 1906 und 1907, aus einer Zeit, in der
ich mir die unten zu besprechende Abweichung des Oeso-
phaguspulses von der Norm nicht zu erklären vermochte. Erst
die in der ausgezeichneten Dissertation von T h e o p o 1 d 14 )
ausgesprochene Vermutung 16 ), dass der bei der Arythmia
perpetua stets nachweisbare positive Venenpuls auf Still¬
stand des rechten Vorhofes beruhe, brachte mir die Er¬
klärung für meine damaligen Beobachtungen, dass nämlich bei
diesen Fällen auch ein Stillstand des linken Vorhofes anzu¬
nehmen sei. Zwei weitere Beobachtungen an der Klinik des
Herrn Prof. K. F. Wenckebach- Groningen 1# ) lieferten
die Bestätigung für diese Annahme. Inzwischen ist die Zahl
meiner Beobachtungen auf 10 gestiegen, d. h. von meinen bisher
genauer beobachteten 20 Fällen von Arythmia perpetua habe
ich an 10 Fällen neben dem positiven Venenpuls den Oeso-
phaguspuls untersucht und in allen diesen Fällen Lähmung auch
des linken Vorhofes feststellen können. Bei 4 dieser Patienten
war Myodegeneratio cordis auf Grund von Arteriosklerose
resp. Alkoholismus anzunehmen, bei den übrigen 6 handelte es
sich um vorgeschrittene Erkrankung an Klappenfehlern und
zwar 3 mal von Mitralinsuffizienz, 2 mal von Mitralstenose,
1 mal von Kombination beider. Auf die nähere Beschreibung
der Fälle verzichte ich, da sie von dö* bekannten Krankheits-
biklern in keinem wesentlichen Punkt^ abwiohen, nur einige
Punkte will ich hervorheben.
Was zunächst das vom Oesophagus her registrierte Puls¬
bild betrifft (s. Fig. 8 und 9), so darf hervorgehoben werden,
dass in allen Fällen jeder Ausdruck der Vorhofswelle (as)
u ) Sahli: Lehrb. d. klin. Untersuchungsmethoden. 5. Aufl.,
1908, S, 402.
ia ) Volhard: Berliner klin. Wochenschr. 1904, No. 20 u. 21.
**) Bönniger: Diskussion zu dem Vortrage von Kraus und
Nicolai. Deutsche med. Wochenschr. 1908, Nor 1.
14 ) Theopold: Inaug.-Dissert. Jena 1907.
15 ) s. auch Gerhardt: Vortrag d. naturwissensch.-med. Ge-
sellsch. zu Jena 1906, ref. Münch, med. Wochenschr. 1907, S. 43.
ie ) Herr Prof. W. hatte mich freundlichst zu gemeinsamer Arbeit
eingeladen. v ^ * ,t ’ >
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382
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
fehlte. Auch Behandlung mit Digitalis resp. Strophantin rief
keine Vorhofssystole hervor, ebensowenig wie sie die Ar¬
rhythmie beseitigte. Die Ventrikelzacke ist auf allen Kurven
o
Fig. 8. Mitralinsuffizienz mit Arythmia perpetua. Die Vorhofwelle
a s fehlt, der linke Vorhof steht still.
meist recht deutlich ausgeprägt. Der ihr folgende Teil der
Kurve zeigt nun nicht in allen Fällen, z. B. nicht in Fig. 9, die
systolische Senkung, wie sie am normalen Vorhofpulse meist
vorhanden ist, sondern diese Senkung ist entweder sehr flach
oder fehlt, wie in Fig. 9, völlig. Die Kurve hat die Neigung
hier fast horizontal zu verlaufen, so dass ein Plateau, ein sy¬
stolisches Plateau zu stände kommt, welches der Figur
die Aehnlichkeit mit einem Spitzenstosskardiogramm verleiht.
Dagegen markiert sich der Moment der Oeffnung der Atrio¬
ventrikularklappen im Beginn der Ventrikeldiastole (D) meist
recht deutlich und die Kurve fällt nun mehr oder weniger steil
ab. Entsprechend der Arrhythmie ist die Dauer der Systolen
verschieden Jang und man kann sie (vs—D) an den Kurven
direkt ausmessen.
Fig. 9. Mitralstenose + Insuffizienz (med. Klinik in Groningen). Im
Vorhofpulse fehlt die a s-Welle, der linke Vorhof steht still.
Das früher hörbare präsystol. Geräusch ist verschwunden. —
Arythmia perpetua. März 1908.
Ferner konnte ich gemeinsam mit Herrn Kollegen H.
d e V r i e s 17 ) an den beiden in Prof Wenckebachs Klinik
untersuchten Fällen> 18 ) das Fehlen eines früher hörbar
gewesenen präsystolischen Geräusches fest¬
stellen und als Zeichen von Vorhofstillstand (lin¬
ker Vorhof) betrachten, ebenso wie Makenzie in dem
eingangs zitierten Falle das Verschwinden dieses Geräusches
auf Eintritt einer Vorhoflähmung bezog — mit Recht, wie
unsere Registrierung zeigte. Auch von Joachim 10 ) ist
neuerdings an der Hand von 4 Fällen von Mitralstenose aui
das Fehlen dieses Geräusches bei Lähmung des linken Vor¬
hofes hingewiesen worden.
Endlich sei es gestattet, auf die Form des Oeso-
phagogramms in den bisher von mir beschriebenen Fällen
von Vorhofstillstand einzugehen. Bei Vergleich der Kurven
Fig. 7, 8 und 9 stellt Fig. 8 einen gewissen Uebergang zwischen
den beiden anderen Typen dar, d. h. von dem einen Typus, in
dem die systolische Senkung noch recht deutlich ist, zu dem
anderem, in dem sie völlig fehlt. In dieser Beziehung ver¬
weise ich auch auf ähnliche Formen des Oesophaguspulses,
die ich in „schlecht kompensierten Fällen“ von Klappenfehlern
festgestellt habe. D. Arch. f. klin. Med., Bd. 91, Fig. 10, 11,
15 a.) Nach meinen bisherigen Kenntnissen weist das Fehlen
dieses systolischen Kollapses auf beträchtliche Stauung im Vor¬
hofe und Venensystem hin, gerade wie wir auch am Venenpulse
aus dem Fehlen dieser Senkung (bei Mackenzie x genannt)
auf Stauung im Venensystem schliessen (Mackenzie,
Wenckebach 20 ). In der Tat ist auch die Aehnlichkeit
meiner Vorhofkurven mit denen eines positiven Venenpulses
sehr auffällig.
Zum Schlüsse mache ich noch darauf aufmerksam, dass
ein von Hewlett 21 ) beschriebener Vorhofpuls eines Falles
von Arythmia perpetua und Vorhofstillstand dieselbe Form
mit meinen Kurven hat.
Folgende Schlussfolgerungen ergeben sich aus
meinen Beobachtungen:
Bei Arythmia perpetua fehlt im ösophagealen
Pulsbilde jeder Ausdruck einer Vorhofsystole, sein
Fehlen lässt auf Stillstand des linken Vorhofes schliessen.
Dafür spricht auch das Fehlen eines früher hörbar ge¬
wesenen präsystolischen Geräusches in Fällen von
Mitralstenose. So kann man umgekehrt aus dem Verschwin¬
den des präsystolischen Geräusches auf Eintritt von Vorhoi-
lähmung schliessen.
Demnach findet die zuerst von Gerhardt und S. T h e o-
pold ausgesprochene Vermutung, dass der für Arythm. perp.
typische positive Vencnpuls auf Stillstand des rechten Vorhofes
beruhe, eine weitere Stütze, und unsere Kenntnis von der
Arythmia perpetua erfährt dadurch eine Erweiterung, nämlich
die, dass beide Vorhöfe ihre Tätigkeit dauernd einstellen.
Auoh das neuerdings von H. E. Hering 22 ) mit Hilfe des
Elektrokardiogramms angegebene Fehlen einer Vorhofschwan¬
kung bei Arythm. perp. stützt diese Beobachtungen.
Beobachtungen über Rückbildungen 1 ä h -
mungsartigerZuständeeinesoderbeiderVor-
höle. Ausser völliger Lähmung, d. h. Stillstand des linken
Vorhofes habe ich öfters ein Verhalten der Vorhofpulsation ge¬
funden, das auf vorübergehenden oder bleibenden Scfowä-
chezu stand (Parese) des linken Vorhofes schliessen
Iiess. Doch muss ich von vorneherein bemerken, dass man in
der Deutung dieser Pulsbilder sehr vorsichtig sein muss, dass
man letztere nur verwerten kann, wenn die Patienten bei der
Registrierung sich ruhig halten und wenn mehrmalige Unter¬
suchungen an verschiedenen Tagen mit serienweisem Abtasten
des Oesophagus vermittels des Registrierballons, so wie ich
es als Serienaufnahme beschrieben habe, über¬
einstimmende Pulsbilder ergeben.
Bereits in meiner ersten Arbeit über die Vorhofpulsation n )
habe ich eine Beobachtung mitteilen können, die einen der¬
artigen Schwächezustand des linken Vorhofes in Verbindung
mit einem schweren Schwächezustand des ganzen Herzens
0 , 2 *'
Carotis
Ocsoph.
(linker
Vorhof)
Fig. 10. 0. S., Potator. Herzinsuffizienz. Die Vorhofwelle (a s -
Vorhofsystole) ist sehr klein und kurz. Der übrige Teil der Kurve
weicht ebenfalls von der Norm ab. — Vorhofparese.
17 ) H. de Vries: Arythmia perpetua. Proefschrift aan de
Ryks-Universiteit te Groningen. 1908.
1S ) s. Fall V und VIII der Arbeit von de Vries.
10 ) Joachim: Ueber Vorhofstillstand bei Mitralstenosen. Vor¬
trag im Verein f. wissensch. Heilkunde zu Königsberg i. Pr.. 26. X. 08.
D. med. Wochenschr. 1908, 51.
*°) Wenckebach: Arch. f. (Anat. und) Physiologie 1906.
31 ) Hewlett: The interpretation of the positive venous pulse-
The journ. of medic. research. vol XVII, No. 1, Oktober 1907. Fig. 7.
33 ) H. E. Hering: Deutsch. Arch. f. klin. Med., Bd. 94.
33 ) Rautenberg: Deutsch. Arch. f. klin. Med.. Bd. 91, Fig. li
und 12.
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23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
383
betraf. Es handelte sich um einen Potator, dessen Herz schwei-
insuffizient geworden war und nur mit Mühe in einen Zustand
leidlicher Kompensation gebracht werden konnte. Die Parese
des linken Vorhofes markierte sich (siehe Fig. 10) durch die
relativ geringe Höhe und die Kürze der as-Welle im Oeso-
phaguspulse, so dass die Dauer der Vorhofsystole auf nur
0,08 Sekunden berechnet werden konnte. Im übrigen zeigte
der weitere Teil der Kurve noch andere Abweichungen von
der Norm (siehe Figur 10). Erst nach erfolgreicher Behandlung,
nach subjektiver und objektiver Besserung, nahm der Oeso-
phaguspuls die Form normaler Vorhofpulsation an, die as-Wel-
len wurden höher und länger, ihre Dauer betrug jetzt 0,12 Se¬
kunden (vergl. Fig. 11 und 12 meiner Arbeit im D. Arch. f.
klin. Med.). Der Venenpuls bot nur insofern einen Anhalt für
das Verhalten des rechten Vorhofes, als der mässig starke
aurikuläre Puls mit Eintritt der Besserung fast völlig ver¬
schwand, d. h. dass die Stauung zurückging. Wir dürfen
jedenfalls annehmen, dass die Funktionsverbesserung der Vor¬
höfe gleichzeitig eintrat 2ß ).
Ferner verfüge ich über 6 Fälle vorgeschrittener Klappen¬
fehler, bei denen der kleine Ausschlag der Vorhofsystole im
Oesophaguspulse und die sehr kleine, teilweise kaum nachweis¬
bare Vorhofwelle im Venenpulse gleichzeitige Parese beider
Vorkammern vermuten lassen. In einem dieser Fälle ent¬
wickelte sich dieser Schwächezustand unter meinen Augen, um
nach Digitalisgebrauch zu verschwinden. Es muss jedoch
hervorgehoben werden, dass die Parese des linken Vorhofes
sich in diesen Fällen/ in etwas anderer Weise markierte als in
dem vorhergehenden Falle. Während die as-Welle dorten
sich durch Kleinheit und Kürze auszeichnete, wich sie hier von
der Norm nur durch ihre Kleinheit, die geringe Erhebung ab,
ihre Dauer war die normale.
Dasselbe Verhalten beobachtete ich in einem weiteren
Falle, jedoch mit dem bemerkenswerten Unterschiede, dass die¬
ser lähmungsartige Zu stand nur auf den einen, den
linken Vorhof beschränkt blieb, während der rechte (Vor¬
hof) nachweisbar sehr lebhaft pulsierte. Dieses ver¬
schiedenartige Verhalten beider Vorhöfe erfordert die folgende
genauere Besprechung.
24. Juli 1907. 45jähr. Bäuerin, sehr anämisch infolge längerer,
starker Qenitalblutungen (Uterusmyom). Krhebliche Blässe. Hb.
= 35 Proz. Sehr lebhaft fühlbare Herzpulsation. Herzspitzenstoss
im 5. Interkostalraum, 2 Querfinger ausserhalb der 1. Mammillarlinie.
Grenzen der relativen Herzdämpfung: vom Spitzenstosse bis dicht
an die rechte Parasternallinie. Ueber allen Ostien systolische Ge¬
räusche, am lautesten über der Spitze und der Pulmonalis. Zweiter
Pulmonalton klappend. Jugularvenenpuls sehr breit pulsierend, leb¬
haft, aurikulär. Radialpuls 80—90, weich. Blutdruck (Riva-
Rocci) = 110. Keine Stauungserscheinungen. Diagnose: Insuffi¬
zienz (Dilatation) des Herzens durch Anämie. Relative Mitralis- und
T rikuspidalisinsuffizienz.
Registrierung: Der Vorhofpuls im Oesophagus (4 malige Re¬
gistrierung im Sitzen und Liegen) hat eine Ausdehnung von 7—8 cm i
pulse fehlt auch jetzt noch jede deutliche as-Welle. Die Ventrikel¬
zacke ist deutlicher, eine systolische Senkung angedeutet. Venen¬
puls noch immer sehr lebhaft.
27. XI. 07. Pat. fühlt sich völlig gesund, sieht sehr wohl aus.
Hb. = 75 Proz. Spitzenstoss = 1 Querfinger ausserhalb der 1. Mam¬
millarlinie im 5. Interkostalraum kaum fühlbar. Grenzen der rela¬
tiven Herzdämpfung = vom Spitzenstoss bis zur Medianlinie. Leises
systolisches Geräusch über der Spitze, kaum klappender II. Pulmonal¬
ton. Vena jug. ext. kaum gefüllt, leicht pulsierend mit kleiner a-Welle
und systolischem Kollaps. Puls 70, Riva-Rocci = 125 mm Hg.
Registrierung: Oesophaguspuls = 5—11 cm oberhalb der Kardia.
am lebhaftesten bei 7—8 cm, zeigt sehr hohe Vorhofwellen (as), die
nach der Ventrikelzacke folgende systolische Senkung ist sehr deut¬
lich, der Beginn der Ventrikeldiastole (Q) durch steilen Abfall mar¬
kiert.
Fig. 12. Derselbe Fall wie in Fig. 11. November 1908. Anämie ge¬
heilt, Hb = 75 Proz. Der linke Vorhof hat sich völlig erholt. as =
Vorhofsystole, zwischen vs und D normale systol. Senkung.
Demnach konstatierten wir bei einer anämischen Frau
ein abnormes Verhalten der Vorhofpulsation (linker Vorhof),
welches mit fortschreitender Besserung des Allgemeinbefindens
einem normalen Verhalten Platz macht. Zugleich ergibt die
Beobachtung des Venenpulses im Gegensatz zu dem Verhalten
des linken Vorhofes eine sehr lebhafte Aktion des rechten Vor¬
hofes. Zweifellos handelte es sich in jenem Zustande schwerer
Anämie um eine Schwächung aller Herzteile. Dafür spricht
die damals nachweisbare Dilatation des Herzens nach rechts
und links, die hörbaren Geräusche, der niedrige Blutdruck, die
Stauung im Venensystem. Nur wird zugegeben werden
müssen, dass trotz dieser relativen Schwächung alle übrigen
Herzabteilungen gute Aktion zeigten, mit Ausnahme des linken
Vorhofes, welcher sich in einem schweren lähmungsartigen
Zustande befand. Es zeigten also der rechte und linke Teil des
oberen (aurikulären) Herzabschnittes ein sehr verschieden¬
artiges Verhalten. —
Die Figuren 10 und 11 zeigen eine gewisse Ueberein-
stimmung und weichen von den Kurven normaler Vorhofpulsa¬
tion ebenso wie von den bisher abgebildeten Kurven mit Vor-
0 , 2 "
Vcuc
ir. Vorhof)
Oesoph
(I. Vorhof)
8 cm oberhalb
der Cardia
Fig. 11.
Frau mit erhebl. Anämie. Juli 1907.
Dilatatio cordis. Hb. = 35 Proz. Der
rechte Vorhof arbeitet kräftig (im Venen¬
pulse deutl. a-Welle), der linke Vorhof
ist stark paretisch (as-Welle flach), der
Vorhofpuls zeigt nur eine systolische
Welle (vs-D); vergl. Fig. 10.
(von 4 cm oberhalb der Kardia bis 12 cm), ist am lebhaftesten bei
8 cm oberhalb der Kardia und zeigt nirgends einen nennenswerten
Ausdruck einer Vorhofsystole (s. Fig. 11). Die Ventrikelzacke ist
sehr klein, ihr folgt eine hohe Erhebung mit tiefem diastolischen
Abfall. Der Vcnenpuls zeigt sehr hohe a-Wellen.
19. X. 07. Pat. ist inzwischen vaginal von dem Myom operiert
worden, fühlt sich sehr gebessert. Hb. = 50 Proz. Im Oesophagus-
2< ) Als Patient übrigens nach ca. 9 monatlicher Beobachtung
ziemlich plötzlich starb, ergab die Autopsie eine braune Atrophie des
Herzens. Im übrigen war eine relative Insuffizienz des Mitralostiums,
die zeitweise wegen Unreinheit des I. Herztones angenommen
werden musste, nicht nachweisbar.
i hofstillstand nicht unerheblich ab. Sie imponieren hauptsäch¬
lich durch einen hohen Anstieg der Kurve während der Ven¬
trikelsystole und den folgenden steilen Abfall. Alle übrigen
sonst nachweisbaren Wellenbewegungen eines Vorhofpulses
fehlen (Fig. 11) oder sind nur unvollkommen (Fig. 10) ausge¬
prägt, so namentlich die Ventrikelzacke und der systolische
Kollaps. An ihrer Stelle sind im Beginne der Ventrikelsystole
nur undeutliche Schwankungen im aufsteigenden Kurventeil er¬
kennbar. Ich bin geneigt anzunehmen, dass in diesen Fällen
zu der Stauung im linken Vorhofe und seiner Dilatation noch
eine erhebliche A t o n i e seiner Wand hinzugekommen ist, so
Digitized by Goosle
Original frum
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
384
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
dass in dem erheblich dilatierten und schlaffen Organ die Be¬
wegungen des Ventrikels keine nennenswerten Volum- und
Drucksohwamkungen (Ventrikelzacke, systolischer Kollaps)
auszulösen im stände sind. Deshalb tritt im wesentlichen nur
eine Pulswelle in Erscheinung: zunehmende Füllung des
Vorhofes, so lange der Ventrikel systolisch kontrahiert ist und
das Blut sich im Vorhof staut, Entleerung des Vorhofes
in der nun folgenden Ventrikeldiastole.
Die weitere Beobachtung dieses Falles, die Darstellung
spontaner Rückkehr aktiver Vorhofpulsation ergänzt meine
erste schon früher publizierte Wahrnehmung und verdient nicht
unerhebliches Interesse.
Während ich im ersten Teil meiner Arbeit über die Ent¬
stehung der Vorhoflähmung berichtete, habe ich in den
letzten Fällen das Umgekehrte, die Rückbildung solcher
Zustände schildern können. So stellen meine bisherigen Be¬
obachtungen ein geschlossenes Ganzes dar. Auch glaube ich
behaupten zu dürfen, dass unsere Kenntnis über die ösophageale
Vorhofpulsation dadurch erweitert und gefestigt ist, denn meine
Beobachtungen zeigen, dass diese Pulsationen keine zufällige
Erscheinung sind, wie von anderer Seite wohl behauptet ist,
sondern dass diese pulsatorischen Bewegungen ihre charak¬
teristische Form und Bedeutung haben. Und so glaube ich
manchen, der bisher an der Möglichkeit zweifelte, den Vorhof¬
puls vom Oesophagus her mit Sicherheit registrieren oder dia¬
gnostisch verwerten zu können, von dieser Möglichkeit über¬
zeugt zu haben.
In vorstehenden Ausführungen habe ich die Frage zu be¬
antworten gesucht, ob die Vorhöfe des menschlichen Herzens
stets gemeinsam arbeiten, ob Lähmungen stets gleichzeitig auf-
treten oder eventuell nur einen Vorhof ergreifen können, so
dass längere Zeit hindurch nur ein Vorhof aktiv pulsiert.
Nach meinen bisherigen Beobachtungen an 60 Herzleiden¬
den, die natürlich ein abschliessendes Urteil nicht erlauben,
kommen isolierte Lähmungen eines Vorhofes zwar
vor, sind augenscheinlich aber sehr selten, viel seltener
als wir es bisher anzunehmen geneigt waren.
Aus dem Zentralhospital zu Petoemboekan und dem Hospital
zu Tandjong Morawa (Sumatras Ostküste).
Ueber Pseudodysenterie.
Von Dr. Gustav Baermann, Arzt des Serdang Doctor
Fond und Dr. Wilhelm S c h ü f f n e r, Arzt der Senembah
Maatschappij.
J. de Haan und Kiewit de Jonge haben im Jahre
1903 über Dysenterie in Niederländisoh-Indien berichtet. Sie
wurden zu ihren Untersuchungen z. T. durch epidemisches Auf¬
treten von Dysenterie unter den Kontraktarbeitern auf der
Westküste von Sumatra veranlasst. Das Resultat ihrer Unter¬
suchung war, dass es sich in der Ueberzabl der betreffenden
Fälle um echte Amöbendysenterie handelte. Dysenteriebazillen
wurden in keinem Falle gefunden.
Uns selbst ist es hier gelungen, in einer beschränkten An¬
zahl von Fällen einen der Dysenteriegruppe angehörigen Ba¬
zillus zu züchten.
Wir können wohl unterlassen, uns hier über die lange und
etwas wechselvolle Geschichte und Literatur der Dysenterie
und Pseudodysenterie zu verbreiten, Kruse, Ritterhaus,
Kemp und Metz haben in der Zeitschr. f. Hygiene, Bd. 57,
H. III in einer monographischen Arbeit erschöpfend die Litera¬
tur, die Bakteriologie, die Agglutinationsverhältnisse der Dys¬
enterie und Pseudodysenterie behandelt. S h i g a hat zu diesen
Ausführungen einen interessanten Beitrag geliefert (Zeitschr. f.
Hygiene, Bd. 60, H. I), als er sowohl epidemiologisch als auch
rein bakteriologisch die Trennung der echten und Pseudo¬
dysenterie bezw. deren Unterrassen aufheben möchte. Wir
selbst können zu dieser letzteren Frage uns kritisch nicht
äussern, da die Zahl unserer Stämme gering und sich diese
Stämme als einheitlich und anderen Dysenteriestämmen gegen¬
über scharf abgegrenzt erwiesen haben.
Wir haben im. ganzen 6 Fälle von bazillärer Dysenterie be¬
obachtet, davon entfallen 3 auf das Hospital zu »Tandjong-
Morawa bezw. auf die zur Sfcnembah-M. gehörigen Estates und
Digitized by Google
3 auf das Hospital zu Petoemboekan bezw. auf die zum Ser¬
dang Doktor Fond gehörigen Estates.
In Tandjong-Morawa scheint es sich um sporadische Fälle
gehandelt zu haben, n Petoemboekan gehören 2 Fälle einer
kleinen Endemie an, ein Fall war sporadisch.
Dass die bazilläre Dysenterie hier reichlich unter den
chinesischen und javanischen Kontraktarbeitern vorkommt,
halten wir vorläufig für ausgeschlossen. Die Stuhlkontrolle in
unseren Spitälern, die allgemeine Kontrolle über unsere Ar¬
beiter überhaupt ist jetzt eine so genaue, dass gehäufte Fälle
nur bei sehr leichtem Verlauf übersehen werden könnten.
Ausserdem werden die Diagnosen aller zum Tode führenden Er¬
krankungen durch die Sektion kontrolliert Die Hauptmasse
unserer Dysenterien wird eben durch die Amöbendysenterie
gebildet, bazilläre Infektionen gehören vorläufig zu den Selten¬
heiten.
Die Erklärung dieser nur von Zeit zu Zeit unter den Kon¬
traktarbeitern der Ostküste auftretenden Dysenterien kann
eigentlich nur in Bazillenträgern gesucht werden, die ihre In¬
fektion vielleicht schon von Java, wo sie mehr vorzukommen
scheint, mitgebracht haben. (Siehe Nachtrag.)
Der Verlauf der einzelnen Fälle war kurz folgender:
1. Lim ah Tai, Chinese, No. 2439, 432 Tandjong-Morawa.
Patoembah Estate. Aufnahme 6. VIII. 06. Magerer, reduzierter
Mann. Innere Organe ohne Befund. Seit 3 Tagen Kopfschmerz, Leib¬
krämpfe, Durchfall. Temperatur bei der Aufnahme 38,2. Ueber dem
ganzen Kolon spontaner und Druckschmerz, häufige rein blutig¬
schleimige Entleerungen mit intensivem Spermageruch (15 am ersten
Tage), Tenesmus.
Keine Amöben. Im Stuhl keine Dysenteriebazillen. Die Tem¬
peratur fällt in den folgenden 6 Krankheitstagen lytisch zur Norm,
In dieser Zeit täglich 12—15 blutig-schleimige oder schleimig-eitrige
Stühle. Mit dem dauernden Temperaturabfall werden die Stühle
wieder etwas fäkulent, ihre Zahl nimmt ab. Am 12. Krankheitstage
Stuhl normal, dauerndes Wohlbefinden. Am 12. Krankheitstage
agglutiniert das Serum den Dysenteriestamm 1 im Verhältnis
1:50 + + +. Bazillen wurden auch bei wiederholter Untersuchung
nicht gefunden.
2. Darman, Javane No. 2434,279 Tandjong-Morawa. Soengi Bahasa
Estate. Aufnahme 6. VIII. 06. Mittelkräftiger Mann. Innere Organe
ohne Befund. Temperatur 39,2. Etwa 20 fade riechende, blutig¬
schleimige Stühle, starke Leibschmerzen, Tenesmus. Temperatur
fällt in 7 Tagen lytisch zur Norm. Verlauf sonst wie oben. Keine
Amöben.
Am 6. VIII. werden auf der Endoplatte aus dem Stuhl tau¬
tropfenartige, blasse Kolonien fast in Reinkultur gezüchtet. Die
Kulturen röten sich am 3. Tage zart vom Zentrum her.
Am 8. VIII. 06 Bazillenzüchtung negativ.
Am 9. VIII. 06 Agglutination mit eigenem Stamm (Stamm I) 1: 50.
Am 13. VIII. 06. Agglutination mit Stamm I 1:100.
3. Dr. Eckersdorf f-Tandjong-Morawa. 28. III. 07 heftiges Er¬
brechen, Mattigkeit. Dann bis zum 3. IV. vollständiges Wohlbefinden.
An diesem Tage mittags plötzlicher Schwindelanfall, Erbrechen, tiefe
Abgeschlagenheit. Temperatur 37,8. Während der Nacht 22 wäs¬
serige Stühle. Erbrechen hält an bis zum nächsten Abend. 4. IV.
Temperatur 38,5, etwa 30 blutig-schleimige Stühle, starker Tenesmus.
Milz I, Zunge dick belegt. Schweres Krankheitsgefühl, Abmagerung.
Am 7. Tage wird die Stuhlzahl geringer, Temperatur normal. Stühle
fäkulent mit Beimengung von Schleimklumpen. Die Stühle werden
allmählich breiig, dann fest, doch bleiben die isolierten Schleim¬
beimengungen noch etwa 3 Wochen bestehen. Am 5. IV. auf
Endoplatte fast Reinkultur von blassen tautropfenartigen Kolonien.
Stamm II. Agglutination wurde nicht gemacht. Keine Amöben.
Für die auf Petoemboekan beobachteten Fälle müssen wir
einige Bemerkungen vorausschicken.
2 dieser Fälle gehören einer kleinen Endemie auf Kotangan
Estate an, der dritte scheint ganz isoliert aufgetreten zu sein.
Es handelte s»ich hier um einen Wegläufer von Bangoen Poerba
Estate, der sich längere Zeit in einem verlassenen Hause ver¬
borgen hielt, dort in schwerkrankem Zustande aufgefunden und
sofort nach dem Hospital verbracht wurde.
Der 1. Fall von Kontangan Estate wurde am 10. VI. 07 ins
Hospital zu Petoemboekan eingeliefert. Darimin, Javane No. 1014.
Stark abgemagert, Temperatur 38,8, Leukozyten 12800, Milz II,
Urin frei. 20—30 wässerige, schleimige Stühle, starker Tenesmus,
Leibkrämpfe, Puls 120, klein, Respiration beschleunigt.
Die Stühle werden am 3. Tage blutig-eitrig mit Beimengung von
äashaft stinkenden Darmschleimhautfetzen. Puls 120, klein, fliegend.
Leukozyten 22000. Temperatur subnormal. Patient verfällt in den
folgenden Tagen enorm, Lähmung des Sphinkters mit dauerndem
Abfluss von blutig-eitrigem Stuhl mit Fetzen. Tod am 11. Krank¬
heitstage unter kolossaler Erschöpfung, das Sensorium war bis zum
Tode frei. Keine Amöben.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
23. Februar \ 900 .
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
Am 11. VI. 07 Stuhlkultur Drigalskiplatte fast Reinkultur auf
Dysenterie verdächtiger Kolonien.
Am 15. VI. ebenso. An diesem Tage Agglutination mit eigenem
Stamm (Stamm III) 1 1:40.
5. Wongso, Javane No. 1018. Kontangan Estate. Petoemboekan.
Aufnahme 11. VI. 07. Patient stark abgemagert, ziemlich starke
Aiichylostomiasisanämie. Lähmung des Sphinkters, aus dem sich
reichlich blutig-schleimiger Stuhl entleert. Leukozyten 22000. Urin
frei. Milz II. Patient stirbt ziemlich unerwartet nach 10 Stunden.
Die Anmnese ergab, dass er etwa 5 Tage krank, seine Erkrankung
aber verheimlicht hatte. Keine Amöben.
Die Stuhlkultur ergibt am selben Tage auf Drigalskiplatte
dysenterieverdächtige Kulturen in grosser Anzahl (Stamm IV).
Zu gleicher Zeit mit der Einlieferung dieses Kranken wird ge¬
meldet, dass auf der betreffenden Estate unter den Javanen, welche
Busch kappten, mehrere Darmerkrankungen vorgekommen seien. Die
beiden dem Hospital eingelieferten Javanen gehörten gleichfalls zu
den Buschkappern. Eine sofort auf der Estate vorgenommene Unter¬
suchung ergibt, dass ein Teil der an einer ganz bestimmten Stelle
arbeitenden Holzschläger wirklich an mehr oder minder heftigen
Durchfällen erkrankt war, dass dieselben jedoch ohne die Arbeit zu
verlassen, wieder gesundet waren. Ueber die Art des Durchfalles
wurden keine sicheren Angaben gemacht, doch scheinen die Stühle
blutig-schleimig gewesen zu sein. Zur Zeit der Untersuchung wurde
kein frisch Erkrankter gefunden. Diese Holzschläger nahmen ihr
Wasser aus einem kleinen schlammigen Tümpel während der Arbeit.
Dieser Wassertümpel wurde sofort gesperrt, die Leute reichlichst mit
Thee versorgt, ein weiterer Krankheitsfall wurde daraufhin nicht mehr
beobachtet.
6. Wagio, Bangoen Poerba Esate. No. 1441, 270. Petoem¬
boekan. Es ist dies der Javane, der in dem verlassenen Hause schwer
krank aufgefunden wurde. Kolossale Abmagerung, Incontinentia alvi.
Aus dem Anus fliesst stinkender, mit Darmschleimhautfetzen unter¬
mischter Stuhl. Temperatur 35,8. Leukozyten 9000. Milz nicht fühl¬
bar. Urin: Eiweiss I. Sensorium frei bis zum Exitus, der am 4. Tage
nach der Aufnahme unter Fortdauer der beschriebenen Erscheinungen
erfolgt.
Am 8. VIII. Stuhluntersuchung: keine Amöben. Dagegen auf
Lackmus-Milchzuckeragarplatte einige auf Dysenterie verdächtige
schwer zu isolierende Kulturen. Agglutination negativ. Eine am
4. Krankheitstage vorgenommene Stuhluntersuchung ist negativ
(Stamm V).
Die Sektion der drei in Petoemboekan gestorbenen Javanen er¬
gab folgendes: Es handelte Sich in den drei Fällen um eine reine
Dickdarmaffektion. Der Dünndarm war ausser einer auf das unterste
Ileum beschränkten frischen, hämorrhagischen Entzündung frei. Der
Dickdarm ist in toto starr, die Serosa an einzelnen Stellen gerötet.
Alle Schichten des Kolons zeigen starkes Oedem, da und dort ein
starres entzündliches Infiltrat. Ueber den ganzen Dickdarm sind
reichlichste, meistens zirkulär, zum Teil jedoch auch unregelmässig
angeordnete Geschwüre ausgestreut. Die Geschwüre konfluieren da
und dort zu grösserem Plaques, aus denen nur mehr einzelne knopf-
förmige, normale Schleimhautinseln hervorragen. Die Ulzerationen
reichen bis in die Submukosa, haben einen mässig steilen, nur da und
dort unterminierten Rand. Derselbe ist unregelmässig und aus¬
gezackt, an einzelnen Stellen von frischen Hämorrhagien aufgelockert,
oft reaktionslos, oft von einem schmalen entzündlichen Hof eingefasst.
Der Geschwürsgrund war im allgemeinen ziemlich glatt und re¬
aktionslos, bei einzelnen Geschwüren körnig oder schmierig eitrig
belegt oder auch mit frischen Schorfen ausgefüllt.
Neben den Geschwüren fanden sich grössere und kleinere Herde
mit oberflächlichen Epithelnekrosen.
Die Erscheinungen waren gewöhnlich im Rektum am ausge¬
prägtesten, das ein seiner Schleimhaut beraubtes, starres Rohr dar¬
stellte.
Die Mesenterialdrüsen waren gross, markig, rot geschwellt.
Die parenchymatösen Organe wiesen eine ausgesprochene fettige
Degeneration auf.
Die Bazillen wurden bei Fall 4 und 5 auf der Darmoberfläche
und in den tieferen Schichten, d. h. in der Submukosa gefunden.
In den Mesenterialdrüsen, im Herzblut, in der Milz und Leber wurden
keine Bazillen gefunden.
Wenn wir das bisher Erwähnte kurz zusammenfassen, so
handelte es sich um 3 sporadische Fälle und zwei einer Endemie
angehörige Fälle, bei denen auf Dysenterie verdächtige Ba¬
zillen gefunden wurden. 3 dieser Fälle zeigten eine spezifische
Agglutination. Ein Fall, der zeitlich und klinisch mit den
übrigen vereinbar, zeigte eine spezifische Agglutination mit
diesen Bazillen, ohne dass bed ihm selbst Bazillen gefunden
worden wären. Die Bazillen wurden in zwei verschiedenen
Hospitälern gezüchtet, bei Kranken, deren gewöhnlicher Auf¬
enthalt und damit wohl auch Infektionsort weit von einander
entfernt. Zwischen den einzelnen Züchtungen liegt ein Zwi¬
schenraum von etwa einem Jahr. Der gegenseitige Austausch
der Kulturen ergab deren vollständige Identität.
No. 8.
Digitized by Google
385
Die morphologischen und kulturellen Eigenschaften der ge¬
züchteten Bazillen waren folgende:
Dicke, etwas plumpe, unbewegliche Stäbchen, in frischer Kultur
isoliert liegend, in älteren Kulturen manchmal mehrere Individuen
mit den Längsenden verklebt. Durch Gram nicht beeinflusst. Bei
frisch gezüchteten Kulturen ziemlich homogene Färbung der Bazillen,
bei älteren Kulturen auf Agar etwas ungleichmässig starke Färbung
der Bazillen, das Einzelindividuum da und dort etwas lückenhaft
gefärbt.
Gelatineplatte (lOproz.): flache, manchmal etwas geriffelte,
ziemlich üppig wachsende Kultur. Nach etwa 48 Stunden weinblatt¬
förmig. Rascher und üppiger wachsend als echte Dysenterie.
Agarplatte: Opake, etwas opaleszierende, etwas durchsichtige,
mässig üppig wachsende Kultur, runde, ziemlich glatte Form, nach
48 Stunden Weinblattform. Die Kulturen hielten sich, ohne über-
geimpft zu werden, 2—3 Monate lebensfähig, während echter Shiga
innerhalb 4 Wochen hier auf Schrägagar abgestorben war. Schon
nach 20 tägigem Wachstum war dessen Lebenskraft sehr herab¬
gesetzt, so dass er 24 Stunden länger zur Auskeimung bedurfte als
unsere Stämme.
Milch wird nicht verändert, auch nicht nach 14 Tagen.
Lackmusmolke gibt etwas unsichere Resultate, da zuweilen ganz
leichte Ausschläge in Blau oder Rot auftraten. Dieselben waren
zum Teil vorübergehender Natur.
Bouillon wird ziemlich rasch diffus getrübt. Trübung ziemlich
gleichmässig, geringer Bodensatz.
Kein Indol, keine Gasbildung. Geruch deutlich spermaartig.
Bei der in der folgenden Tabelle aufgeführten Prüfung
gegenüber einzelnen Zuckerarten wurde als Kontrolle ein echter
Shiga aus Japan und ein zweiter echter Dysente riestamm,
dessen ursprüngliche Herkunft uns nicht bekannt, benützt. Der
Shiga (Stamm VI) stammte aus dem Institut für experimentelle
Therapie in Frankfurt, der zweite (Stamm VII) aus dem hygieni¬
schen Institut in München. Wir verdanken sie beide der
Freundlichkeit von Dr. Eckersdorff, der sie mit nach Su¬
matra gebracht. Ein Pseudodysenteriestamm stand uns leider
zum Vergleich nicht zur Verfügung.
Die in Tabelle I verzeichneten Aufnahmen sind nach
24stündigem Aufenthalt im Brutschrank aufgezeichnet und
blieben selbst bei sehr langer Beobachtung der Kulturen un¬
verändert. Die einzelnen Zuckerarten waren iim Verhältnis
2 : 100 dem Agar beigegeben. Bei einer Beigabe im Verhältnis
1 : 100 waren die Reaktionen nicht so prompt und klar nach
Ablauf von 24 Stunden. Bei etwas längerer Beobachtung
stimmten sie ebenso wie die in gleicher Weise angelegten
Bouillonkulturen mit den untenstehenden Notierungen überein.
Dem Agar war Lackmustinktur 6: 100 beigemischt. Bei sehr
langer Beobachtung trat fast stets eine Reduzierung des Lack-
musfarbstoffes oder eine stärkere Bläuling des oberen Endes
der Schrägschicht ein. Die Blaufärbung trat auch bei gleich¬
zeitiger Rotfärbung der unteren Nährbodenteile ein. Kruse
(Leutz) hat diese Veränderungen in seiner Monographie aus¬
führlich beschrieben.
Bei Rohrzucker traten bei Stamm I leichte Abweichungen
ein (Rotfärbung).
Tabelle I.
Zuckerarten
Tandj.- Tandj.- IPetoem-
Morawa'Morawa boek.
Stamm {Stamm Stamm
i 1 ii : in
Petoem
boek.
Stamm
IV
Petoem
boek.
Stamm
V
Shiga
Prf.
Stamm
VI
Shiga
Münch.
Stamm
VII
Traubenzucker . .
rot
rot
rot
rot
rot
rot
rot
Dextrin.
—
—
—
—
— 1
_
_
Mannit.
rot
rot
rot
rot
rot
_
1
Maltose.
—
—
_
_
_ i
i _
Innulin.
—
—
—
—
—
—
—
Lävulose.
rot
rot
rot
rot
rot
rot
rot
Milchzucker ....
—
—
—
—
—
— i
Rohrzucker ....
rötl.
—
blau
blau
—
— i
—
Diese Vergleichstabelle I ergibt, dass unsere Stämme nur
durch die Rotfärbung des Mannits von echter Dysenterie ab¬
weichen.
Agglutination.
Da uns ausser einem etwa 6 Monate hier in dön Tropen
aufbewahrten Dysenterieheilserum, das sich für dieAgglu¬
tination unbrauchbar erwies, irgend ein spezifisches : Serum
2
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
386
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
nicht zur Verfügung stand, so stellten wir um durch intravenöse
Behandlung von Ziegen, die f<ür den Vergleich der einzelnen
Stämme bezw. für deren Differenzierung nötigen Sera selbst her.
Die Ziegen wurden in Pausen von 8 Tagen mit beginnend Vso
24 h abgetöteter Agar.kultur behandelt. Die Dosen waren Vso, Vs,
V«, Vs Agarkultur. Die Kulturen waren in physiologischer Kochsalz¬
lösung aufgeschwemmt und 2 Stunden bei 60° im Wasserbad gehalten.
Zwei Ziegen starben nach der erstmaligen Dosis von Vso Agarkultur
nach 8 bezw. 10 Stunden unter ziemlich typischen Erscheinungen
(Stamm I und III).
Es wurde behandelt:
Ziege I mit Stamm III. Agglutinationstiter 2500.
Ziege II mit Stamm I. Agglutinationstiter 2500.
Ziege III mit echtem Shiga (Stamm VI). Agglutinationstiter'500.
Ziege IV mit Stamm München (Stamm VII). Agglutinations¬
titer 350.
Die Resultate der einzelnen Agglutinationsserien finden Sie
auf untenstehender Tabelle II angegeben. Die Notierung wurde
nach 3 —4 stündigem Aufenthalt im Brutschrank vorgenojmmen,
makroskopisch und mikroskopisch mit schwacher Vergrösse-
r-ung (Pröscher-Neissersehe Methode). Mehrmalige
Wiederholung derAgglutination gabübereinstimmendeResultate.
Um die Identität der verschiedenen hier gezüchteten
Stämme oder eine eventuelle Rassenverschiedenheit derselben 1
Die fünf gezüchteten Stämme haben sich durch die Mannit-
reaktion, durch einfache und Absättigungsagglutination als ab¬
solut identisch ergeben, sie haben sich auf gleiche Weise als
scharf abgegrenzt von echter Dysenterie erwiesen.
Wir sind also wohl berechtigt, die von uns gezüchteten Ba¬
zillen als Pseudodysenteriebazillen und die durch sie verur¬
sachte Erkrankung als Pseudodysenterie anzusprechen.
Für den Begriff Pseudodysenterie war der schwere Verlauf
der in Petoemboekan beobachteten Fälle etwas auffallend. Es
ist jedoch in Betracht zu ziehen, dass einer der Kranken sich
in einem verlassenen Hause verborgen hatte, also aller Pflege
bar und jedenfalls auch längere Zeit ohne Nahrung gewesen
war, diass ferner ein zweiter an ziemlich schwerer Anchylo-
stamiasis litt, dass ferner die beiden von Kotangan Estate
stammenden Fälle unter einer Reihe von leichten Fällen durch
ihre Schwere ausgezeichnet waren.
Die aus den Stühlen gezüchteten Kulturen I und III waren
jedenfalls sehr toxisch, denn V 20 Agarkultur genügte, in zwei
Fällen eine ausgewachsene starke Ziege nach 8 bezw. 10 Stun¬
den zu töten. Die Kulturen waren 2 Stunden bei 60° in
Kochsalzlösung gehalten worden, es hatte also eine kräftige
Auslaugung der Toxine stattgefunden. Die beiden Ziegen wiesen
Tabelle II.
10
25
50
1
100
200
500
i
1000
1
2000
2500
Kontrolle
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Tandj. M. I
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Sp.
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Petoemb. III
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festzustellen, haben wir Absättigungsagglutinationen vorge¬
nommen: Dieselben ergaben, dass die Sera, die mit Sumatra¬
stämmen (Serum I und II bezw. Stamm III und I) hergestellt,
mit unseren Kulturen geprüft eine vollständige gegenseitige
Absättigung ergaben, dass mit den abgesättigten Sera echte
Dysenterie bis 1 :10 beeinflusst wurde. Ebenso verhielten sich
die Sera aus echter Dysenterie (Serum III und IV bezw. Stamm
VI und VII) unseren und den eigenen Stämmen gegenüber.
Aus dieser Tabelle II ist ersichtlich, dass die 5 von uns
gezüchteten Stämme mit ihren Sera (I und II) wechselseitig ge¬
prüft einheitliche Agglutinationswerte ergaben, dass diese Sera
ferner mit echter Dysenterie nur Werte bis 1 :10 erreichten.
Die mit echter Dysenerie hergestellten Sera III und IV agglu-
tinierten echte Dysenterie einheitlich, dagegen unsere Stämme
nur bis zur Verdünnung 1 :10.
Aus der Betrachtung der morphologischen und kulturellen
Eigenschaften der von uns gezüchteten Bazillen, aus der Be¬
trachtung der durch diese Bazillen gebildeten Agglutinine er¬
gibt sich folgendes:
Wir haben einen Bazillus vor uns, der alle Anforderungen,
welche an Pseudodysenterie Klasse A (Kruse) gestellt wer¬
den, erfüllt.
nach einigen Stunden opistotonische Krämpfe und später Läh¬
mungen der hinteren Extremitäten auf. Bei der Sektion fanden
sich zahlreiche frische Hämorrhagien auf den serösen Häuten.
Bei der nach 10 Stunden verstorbenen Ziege fand sich ausser¬
dem eine frische serös-hämorrhagische Entzündung des ganzen
Dick- und Dünndarms.
Nachtrag. Die Arbeit war bereits im November 1907
abgeschlossen (die Kulturen in der Aerzteversammlung demon¬
striert) blieb aber aus äusseren Gründen hier längere Zeit
liegen. Nach Abschluss unserer Arbeit hat Dr. G r i j n s aus
dem geneeskundigen Laboratorium zu Batavia über positive
Befunde von bazillärer Dysenterie auf Java berichtet.
Aus dem städtischen Krankenhaus Heilbronn, innere Abteilung.
Beitrag zur Therapie des konstitutionellen Kinderekzems.*)
Von Dr. G eis sie r.
M. H.! Sie werden in der letzten Zeit in der pädiatrischen
Literatur öfters den Ausdruck „exsudative Diathese“ gelesen
*) Nach einem im Hetlbronner Bezirksverein am 8. V. gehaltenen
Vortrag.
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Gck igle
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
23 . Februar 1909 .
Muenchener medizinische Wochenschrift.
387
haben. Diese Bezeichnung ist von Czerny- Breslau l ) für
exsudative Erscheinungen gewählt worden, die an der Haut
und den Schleimhäuten zur Wahrnehmung kommen. Er rech¬
net (hierzu die Landkartenzunge, den Gneis und den iWilch-
schorf der Säuglinge, den Strofulus (Prurigo, wie Czerny
sagt), ferner gewisse Reizzustände an den Schleimhäuten, be¬
sonders an der Schleimhaut der Respirationsorgane, die dann
ihrerseits die Möglichkeit zu Infektionen schaffen. Das wich¬
tigste an diesem Krankheitsbilde ist, dass es sich um eine an¬
geborene Konstitutionsanomalie handelt.
In Verbindung mit dieser exsudativen Diathese muss auch
eine andere Erkrankung der Kinder gebracht werden, das kon¬
stitutionelle Ekzem, das wohl jetzt allgemein auf eine abnorme
angeborene Zusammensetzung oder Säfteproduktion zurück¬
geführt wird. Diese häufigste und wichtigste Ekzemform des
Kindesalters hat seinen Sitz vornehmlich im Gesichte und auf
dem Kopf und ist gekennzeichnet durch den chronischen Ver¬
lauf, durch die Neigung zu Rezidiven und durch eine eigen¬
artige Wechselbeziehung zu chronischen Katarrhen der Re¬
spirationsschleimhäute asthmatischen Charakters. Meist be¬
ginnen diese Ekzeme schon in frühester Jugend. Bisweilen
aber auch sind die ersten Kinderjahre frei und erst im späteren
Alter tritt das Ekzem hervor. Ich brauche Ihnen das Krank-
heitsbild nicht näher zu schildern, denn es ist Ihnen allen zu
bekannt. Sie wissen auch von dieser Ekzemform, wje schwer
sie zu beeinflussen ist. Sie bildet in der Tat recht oft eine crux
medicorum. Vielleicht liegt nun der Grund hierzu an uns
selbst; denn wir behandeln diese Fälle meistens viel zu aus¬
schliesslich lokal und vergessen, dass wir es mit eine Konsti¬
tutionsanomalie zu tun haben. Gerade die Misserfolge aller
lediglich auf die Haut gerichteten Heilbestrebungen sind ge¬
eignet, den konstitutionellen Charakter dieser Ekzemform zu
beweisen. Diese Konstitutionsanomalie müssen wir darum in
erster Linie bei der Therapie berücksichtigen, und hierzu
einen Beitrag zu liefern, ist der Zweck meines Vortrages, zu
dem ich durch die günstige Beeinflussung eines äusserst hart¬
näckig verlaufenen Falles veranlasst worden bin.
Lm vorigen Jahr hat F-i n k e 1 s t e i n *) in der medi¬
zinischen Klinik eine Methode zur Behandlung des konstitutio¬
nellen Säuglingsekzems angegeben, die im folgenden besteht:
1 Liter Milch wird mit Pepsin oder Labessenz ausgelabt. Von
der Molke wird V» mit Haferschleim auf das ursprüngliche Vo¬
lumen aufgefüllt und das derbe Gerinnsel, nachdem es durch
ein feines Haarsieb gerührt und ieinflockig gemacht worden ist,
der Molken-Schleim-Mischung mit 20—40 g Zucker zugesetzt.
Das Ganze stellt eine sämige Suppe dar, welche die Gesamt¬
menge des Kaseins and Fette der verwendeten Milch, aber nur
l U der Molkensalze enthält.
Dieses Prinzip der salzarmen Kost haben wir auch in
unserem Fall angewendet:
Es handelt sich um ein Kind, das im 6. Lebensjahr steht. Es
ist das 3. Kind gesunder Eltern. Bei ihnen, sowie bei den Ge¬
schwistern haben sich keine Anhaltspunkte für exsudative Diathese
ermitteln lassen. Das Kind war schon bei der Geburt auffallend
gross und es gedieh an der Mutterbrust, die reichlich Milch spendete,
sehr gut. In der 6. Woche trat eine Rötung und eine Schärfe der
Haut des Gesichtes und der Stirn auf und auf dem Kopf bildeten sich
Schuppen. Die angewandten Mittel brachten geringe Besserung, dann
aber vom Ende des 2. Monats ab entstand ein starker Hautausschlag,
der auf Backen, Stirn und Ohren sich ausbreitete. Dieser hielt bis
zum Ende des 5. Monats an; erst dann besserte er sich allmählich,
aber verging nie vollständig. Es blieb ein Röte und Rauheit der Haut
zurück. Im 10. Monat erneutes Auftreten dieses Hautausschlages
auf Gesicht, Stirn, Ohren und den vorderen Teil des behaarten
Kopfes. Dieser hielt Va Jahr an, erst dann allmähliche Besserung,
ohne ganz zu vergehen. Es blieb eine fünfmarkstückgrosse ekzema¬
töse Stelle auf dem behaarten Teil des Kopfes zurück. Im 3. Jahr
erneutes Auftreten eines Ekzems mit Drüsenvereiterung. Während
es unter lokaler Behandlung nur geringe Tendenz zum Heilen zeigte,
besserte es sich auffallend schnell, als das Kind an einer Nieren- und
Lungenentzündung erkrankte. Im März dieses Jahres wieder Rück¬
fall im Anschluss an eine geringfügige Stirnverletzung. Ergriffen war
der ganze behaarte Kopf, die Stirn und die Ohren. Lokale Behand¬
lung bis Mitte Mai ohne Erfolg. Dann Aufnahme ins Krankenhaus.
l ) Czerny: Die exsudative Diathese. Jahrbuch für Kinder-
heilk. 61, S. 199, Jahrg. 1905.
*) Finkeistein: Zur diätetischen Behandlung des kon¬
stitutionellen Säuglingsekzems. Med. Klinik 1907, No. 37.
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Auch hier wurde in der üblichen Weise eine lokale Therapie, je nach
dem Zustand des Ekzems, durchgeführt. Der Erfolg war ein völlig
negativer, es wurde im Gegenteil schlimmer und ergriff noch den
Körper. Anfang Juli Entlassung. Die Mutter erhielt jetzt als Wei¬
sung, eine Aenderung der Kost eintreten zu lassen. Das Kind bekam,
zu Hause eine salzarme Kost, die aus Brei, Milch, Eier und reichlich
Obst, wenig Eleisch und Fett bestand. Da unter dieser Verordnung
eine entschiedene Besserung eingetreten war, wurde das Kind am
2. IX. nochmals aufgenommen, um die Finkeistein sehen Prin¬
zipien (nach einer persönlichen Mitteilung legt er Wert auf eine salz¬
arme, fettreiche Kost) genauer durchzuführen. Bei der Aufnahme
war noch der ganze Kopf überschüttet mit Borken und Krusten, an
einzelnen Stellen pustulöses Ekzem, die Ohren und Stirn bedeckt mit
Schuppen.
Die verordnete Diät enthielt 1—2 g Kochsalz und bestand aus
Va Liter Milch, davon ungefähr V* — l U Rahm, Zwieback, 2 Eier, Ge¬
müse 200 g, Eleisch 70 g, ca. 40 g Butter und Obst. Diese Kost hat das
Kind gut vertragen und sogar dabei 2 Pfund zugenommen. Von der
günstigen Beeinflussung des Ekzems können Sie sich selbst über¬
zeugen. Bis auf leichte Schuppen auf dem behaarten Teil des
Kopfes ist das Ekzem geheilt. Von einer eigentlichen lokalen Be¬
handlung wurde dabei abgesehen. Die ekzematösen Stellen wurden
nur durch einen Verband gedeckt, ab und zu wurde ein Kleiebad
gegeben oder der Kopf mit etwas Borvaselin eingefettet.
M. H! Ich habe in der Einladung zu unserer Versammlung
einen Beitrag zur Ekzemtherapie angekündigt und wollte da¬
mit zum Ausdruck bringen, dass man aus diesem einen günstig
verlaufenden Fall noch keine weitergehenden Schlüsse zu
ziehen berechtigt ist. In der H e u b n e r sehen Klinik 3 ), wo
die F in k e 1 s t e i n sehe Methode bei Säuglingen angewendet
wurde, waren die Resultate recht befriedigend 4 ), andere haben
keine Erfolge erzielt, noch andere haben üble Zufälle bei dieser
Ernährung gesehen. Es ist aber bei diesen Zufällen noch nicht
entschieden, ob sie lediglich der Methode zuzuschieben sind
oder ob nicht andere Schäden dabei noch eine Rolle spielen.
F i n k e 1 s t e i n betont, dass besonders pastöse Kinder für die
molkenarme Milch geeignet sind. Ferner ist zu erwähnen, dass
Finkeistein nach Weglassen dieser Nahrung Rückfälle sah,
bei den Fällen aus der H e u b n e r sohen Klinik trat dies nicht
ein. Auch die Frage, wie lange man Säuglingen salzarme
Kost geben kann, ohne sie der Gefahr der Rachitis auszusetzen,
ist noch zu beantworten. Sie sehen, es gibt noch mancherlei
Bedenken zu überwinden. Das ist aber sicher, dass wir durch
die Einführung der salzarmen Diät Finkeisteins in eine
neue Etappe der Ekzembehandlung eingetreten sind.
Der alte dermatologische Standpunkt, welcher, besonders
von H e b r a und Kaposi vertreten, einen Einfluss einer Diät
auf das Ekzem leugnete, scheint jetzt verlassen zu werden
Wir haben im Salz einen Stoff gefunden, der nicht ganz Indiffe¬
rent zu sein scheint, wahrscheinlich ist es das Salz in seiner
Beziehung zum Fett 5 ). Ob nun dieser Weg der richtige ist,
das müssen noch weitere Erfahrungen lehren. Unser Fall
scheint dafür zu sprechen. Er beweist auch, dass die F i n k ei¬
st e i n sehen Prinzipien sich bei der Therapie des konstitutio¬
nellen Ekzems älterer Kinder anwenden lassen.
Nachtrag: Inzwischen habe ich ein 2. Kind mit kon¬
stitutionellem Ekzem durch salzarme Kost behandelt und meiner
Ansicht nach in kurzer Zeit geheilt.
2V\ jähriges Kind; Mutter nervös. Das erste Kind litt beim
Zahnen an Strophulus. Geburt normal, an Mutterbrust genährt, gedieh
sehr gut, da die Mutter reichlich Milch hatte. Mit Vi Jahr Ausschlag
auf dem behaarten Teil des Kopfes, erst schuppend, dann nässend, der
ganze Kopf war ergriffen. Die damals von mir verordnete lokale
Behandlung (Puder, Byrolin, Kleienbäder) brachten erst nach 4 Mo¬
naten Heilung. Dann gesund. Im Mai dieses Jahres geimpft, im An¬
schluss daran Auftreten von Strophulus. Ende September plötzliches
Auftreten eines nässenden Ekzems an einem Ohr, 4 Wochen bereits
mit Byrolin behandelt.
Bei der ersten Untersuchung bestand nässendes Ekzem am
rechten Ohr, das bereits auf die Backe übergreift; nässende ekzema¬
töse Stelle an der Stirn.
3 ) Langstein: Ekzem und Asthma. Bcrl. klin. Wochenschr.
1908, No. 26.
4 ) Günstige Erfolge wurden neuerdings aus dem Virchow-
krankenhaus berichtet. Deutsche med. Wochenschr. 1908, No. 42. —
Mendelsohn: Die Behandlung des Säuglingsekzems nach Fin¬
ke Ist ein. In dieser Arbeit findet sich auch eine ZusamniQn-
stellung der Literatur.
5 ) S. Berl. klin. Wochenschr. 1908, No. 30, S. 1422: Finkcl-
stein: Diskussion zu dem L a n g s t e i n sehen Vortrag in der Ge¬
sellschaft der Chariteärzte.
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M
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
Die Verordnung besand in Puder und salzarmer Kost (knapp
Va Liter Milch), 60 ccm Rahm mit Lindenblütenthee, Ei, etwas Fleisch,
Gemüse, Schleimsuppe, Weissbrot, reichlich Butter, alles ungesalzen).
Unter dieser Therapie wurde in den ersten Tagen noch das
andere Ohr ergriffen und verbreitete sich von da auch auf Teile
der linken Backe. Nach einer Woche war aber bereits das Ekzem
zum Stillstand gekommen, am Ende der 3. Woche geheilt unter gleich¬
zeitiger Anwendung von Byrolin. Das Gewicht nahm bei dieser
Diät ab.
Dieser Fall ist nicht so beweiskräftig, weil gleichzeitig
eine lokale Therapie angewendet wurde. Immerhin zeigt er
das eine, dass unter lokaler Therapie und salzarmer Kost das
Ekzem in Bälde zujh Stehen kommt und in der kurzen Zeit von
3 Wochen abgeheilt ist, während bei der ersten Attacke die
Erkrankung 4 Monate bis zur Heilung brauchte. Wenn man
bedenkt, dass diese Ekzeme äusserst hartnäckig verlaufen, so
ist die kurze Heilungsdauer ein Erfolg, den ich der salzarmen
Kost zuschreibe.
Von dem 1. Fall ist nachzutragen, dass das Kind vom Tage der
Entlassung ab (10. X.) zu der bisherigen Kost 1 g Salz dazu bekam.
Am 3. Tage zeigte sich auf dem Kopf eine zweimarktstückgrosse
nässende Stelle. Diese heilte nach wenigen Tagen ohne Aenderung
der Diät und ohne "lokale Behandlung ab. Seitdem ist das Kind ge¬
sund geblieben.
Aus der Abteilung für chronisch Kranke des Bürgerspitals zu
Strassburg i. E. (Direktor: Prof. Dr. Ehret).
Zum klinischen Nachweis von Blut in den Fäzes.
Von Th. Messerschmidt, cand. <med.
In praxi wird Blut in den Fäzes im allgemeinen mittels der
sogen. Schön bein-Almen-Weber-vanDeen sehen
Guajakprobe nachgewiesen, welche in allen neueren Lehr¬
büchern der klinischen Uiitersuchungsimethoden als hinreichend
zuverlässig empfohlen wird. Sie wird nach Sahli [l] folgen-
dermassen ausgeführt:
„Man verreibt eine reichliche Probe der Fäzes mit Wasser, dem
man Va Vol. Eisessig zugesetzt hat, und schüttelt dann die Mischung
mit Aether aus. Von diesem Aetherextrakt werden nach der Klärung,
die man durch Zusatz von etwas Alkohol erleichtern kann, einige
Kubikzentimeter abgegossen und mit 10 Tropfen Guajaktinktur und
20—30 Tropfen Terpentinöl versetzt. Bei Anwesenheit von Blut
wird die Mischung blauviolett, bei Fehlen von Blut wird sie rot¬
braun, oft mit einem Stich ins Grünliche.“
Hierbei ist zu bemerken, dass man altes, d. h. ozonisiertes
Terpentinöl brauchen und die alkoholische Ouajaklösung immer
frisch darstellen muss.
Diese leicht zu handhabende Probe ist von verschiedener
Seite verfeinert und somit der allgemeinen Praxis schwerer
zugänglich gemacht worden. Rossel [2] empfiehlt, den auf
dem Wasserbad getrockneten und im S o xh 1 e t sehen Extrak¬
tionsapparat mit Aether entfetteten Kot mit Eisessig zu ver¬
reiben und mit Aether zu extrahieren, und an dem Aether¬
extrakt die Guajakprobe anzustellen. Das von Schümm [3]
empfohlene Verfahren beruht auf demselben Prinzip, ist aber
noch komplizierter und nur in einem gut ausgestatteten che¬
mischen Laboratorium auszuführen.
Soweit sich nun aus der diesbezüglichen Literatur ersehen
lässt, sollen die Resultate des Nachweises von Blut in den
Fäzes mittels der allgemein gebräuchlichen Guajakprobe (wie sie
im Sahli sehen Lehrbuch angegeben ist) hinreichend zuver¬
lässig sein, falls altes Terpentin und frische Guajaktinktur an¬
gewandt werden. Von neueren Autoren erklären sich Stryzy-
zowski [4], Schmilinsky [5], Siegel [6], und sogar
Schmidt [7], die anerkannte Autorität auf dem Gebiete der
Fäzesuntersuchung damit zufrieden.
Wir hatten nun im Laufe des Sommers die Stühle eines an
Darmstenose leidenden 70 jährigen Patienten zu wiederholten
Malen auf ihren Blutgehalt zu untersuchen. Es fiel uns dabei
auf, dass die mit allen üblichen Vorsichtsmassregeln bei fleisch¬
loser Diät angestellte Guajakprobe an mehreren Tagen negativ
ausfiel, wenngleich die mikroskopische Untersuchung deutlich
das Vorhandensein von Blut darin erkennen liess; bloss an
einem Tage war die Guajakprobe positiv. Wir beobachteten
nun weiter, dass dieselbe an den übrigen Tagen ebenfalls nega¬
tiv ausfiel, wenn wir mehrere Tropfen frischen Butes dem zu
untersuchenden Stuhl zufügten. In einem Falle konnte es sich
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nicht um zu geringe, für die weniger empfindliche Guajakprobe
nicht nachweisbare Blutmengen im Stuhl handeln; in anderen
Vergleichsfällen, in welchen wir weit weniger Blut dem Stuhle
zusetzten, war dasselbe durch die Guajakprobe nachzuweisen.
Wir untersuchten daraufhin mehrere Wochen hindurch die
Stühle von 43 seit längerer Zeit auf der Abteilung liegenden,
an chronischer Obstipation leidenden Patienten im Alter von
76 bis 96 Jahren, denen wir nicht unbeträchtliche Mengen fri¬
schen, durch Stich in den eigenen Finger entnommenen Blutes
beifügten, und fanden, dass in nicht weniger als 6 Fällen die
Guajakprobe dabei negativ ausfiel. Hierdurch war die Un¬
zuverlässigkeit der Guajakprobe für gewisse, wie es scheint
seltene Fälle erwiesen. Wir wandten uns an andere, für den
Nachweis des Blutes im Stuhl in praxi angegebene Methoden.
Dieselben sind kurz folgende:
1. die spektroskopische Untersuchung,
2. die T e i c hm a n n sehe Häminprobe und ihre Modifi¬
kation durch Strzyzowski,
3. die Aloinprobe,
4. die Leukomalachitgrünprobe,
5. die Benzidinprobe.
Die spektroskopische Untersuchung soll nach J a n o w s k i
[8] die zuverlässigste sein; sie eignet sich aber verständlicher¬
weise nicht für die Praxis; dasselbe gilt für die Te i c h m a n n -
sehe Häminprobe deren Anstellung an Fäkalien ausserdem
noch erschwert wird dadurch, dass ein Stuhl, der längere Zeit
im Darm verweilt hat, reichliche kristallische Niederschläge
aller Art enthält, deren richtige Deutung nicht leicht ist. Wir
haben daher von diesen zwei Proben abgesehen.
Die Aloinprobe wird ähnlich angestellt wie die Guajak¬
probe, nur dass statt Guajak Aloin angewandt wird. Wir haben
jedoch nachweisen können, dass in den Fällen, in denen die
Guajakprobe negativ ausfiel, auch die Aloinprobe versagte und
dies wahrscheinlich aus denselben Gründen.
Die Leukomalachitprobe wird folgendermassen angestellt:
Man versetzt den Stuhl mit einer (etwas umständlich zu berei¬
tenden) konzentrierten Lösung von Malachitgrün (Tetramethyl-
diamidotriphenylmethan) in Eisessig mit 3proz. Wasserstoff¬
superoxyd. Bei Anwesenheit von Blut tritt eine Grünfärbtung
ein. Diese für klinische Untersuchungen etwas komplizierte
Probe erwies sich als wesentlich brauchbarer als die vorher
erwähnten, versagte aber ebenfalls in einigen der Fälle, wo der
Nachweis von Blut mit der Guajak- und Aloinprobe nicht ge¬
lungen war. Viel bessere Resultate erzielten wir mit der Ben-
zidkiprobe. Da Siegel [10] zur Ansicht gelangt, dass die
Bezidinprobe, wie sie von Adler angegeben wurde, „nicht
allen Anforderungen genügt, die man an eine zuverlässige kli¬
nische Probe stellen muss“, so haben wir die Benzidinprobe in
der von Schlesinger und H o 1 s t (9] angegebenen Modi¬
fikation benutzt. Diese stellt man folgendermassen an:
„I. Zunächst stellen wir uns eine annähernd konzentrierte Lö¬
sung von Benzidin (Merck) in Eisessig dadurch her, dass wir
etwas Benzidin (eine Messerspitze voll) in einem sauberen Reagenz¬
gläschen mit etwas Eisessig (etwa 2 ccm, wenn mehrere Proben aus¬
zuführen sind, entsprechend mehr) übergiessen, einige Male um-
schütteln und dann beiseite stellen. Das Benzidin löst sich leicht; um
eine konzentrierte Lösung zu erhalten, tut man jedoch gut, während
der weiteren Handhabungen diese Benzidin-Eisessiglösung noch ein¬
mal durchzuschütteln.
II. Eine kleine, etwa erbsengrosse Menge der zu untersuchenden
Fäzes wird mit einem Glasstabe in ein sauberes, etwa zu ein Fünftel
mit Wasser gefülltes Reagenzglas gebracht und durch rührende Be¬
wegungen des Glasstabes in dem Wasser aufgeschwemmt. Dann
wird das Gläschen durch einen Wattepfropf verschlossen und die
Aufschwemmung über der Flamme einmal zum Aufkochen gebracht,
was bei ruhigem Hineinhalten in die Flamme in wenigen Sekunden
geschieht.
III. Jetzt giesst man in ein reines Reagenzgläschen etwa 10 bis
12 Tropfen der konzentrierten Eisessig-Benzidinlösung (I) und fügt
etwa 2Vz —3 ccm 3proz. Wasserstoffsuperoxyd hinzu. Damit haben
wir das fertige Reagens, dessen Verhalten zugleich eine Kontrolle der
Reagentien und des Reagenzglases ermöglicht.
IV. Hierzu fügen wir nun zwecks Anstellung der Probe ein bis
drei Tropfen der gekochten Fäzeslösung (III) durch einfaches Aus¬
giessen aus dem geneigten Reagenzgläschen nach vorherigem leichten
Durchschütteln.
Bei Anwesenheit von Blut färbt sich die durch die wenigen
Tropfen der dünnen Fäzeslösung nur in geringem Grade getrübte
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23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
389
hellgelbbräunliche Fäzeslösung schön grün, blaugrün oder blau. Je
stärker der Blutgehalt ist, desto mehr herrscht das Blau vor.“
Diese sehr einfache, in <Ier grössten Mehrzahl der Fälle
zuverlässige Probe fiel in 4 Untersuchungen, in denen die Gua-
jakprobe versagte, positiv aus; in zwei anderen jedoch ge¬
lang auch mit ihr der Nachweis des Blutes, aus nicht mit Sicher¬
heit zu ermittelnden Gründen, ebenfalls nicht. Vielleicht ist das
Versagen der Probe reduzierenden Substanzen zuzuschreiben,
d-ie in dem Stuhl dieser, an Obstipation leidenden Greise vor¬
handen sein können. Da sie uns aber ihrer leichten Hand¬
habung wegen für die Praxis am empfehlenswertesten erschien,
suchten wir sie durch geeignete Modifikation als völlig zuver¬
lässig zu gestalten, was uns auch nach längeren Unter¬
suchungen gelang. Die von uns an unserem Material mehrere
hundert Mal erprobte und zur Nachprüfung dringend emp¬
fohlene Benzidin probe lautet wie folgt:
a) Eine Messerspitze Benzidin wird in 2 ccm Eisessig gelöst,
sub. b. Diese Lösung muss jedesmal frisch gemacht werden, da sie
nicht lange haltbar ist.
b) In 2 ccm Wasser, dem man einige Tropfen Eisessig zugesetzt
hat, verreibt man mittels Glasstab in einem Reagenzglas ein erbsen-
grosses Stück Kot (von flüssigen Fäzes genügt Vs ccm).
c) ln 3 Tropfen dieser Lösung b werden 1 bis Wz ccm (nicht
mehr!) 3 proz. Wasserstoffsuperoxydlösung hinzugefügt.
d) Unter leichtem Umschütteln setzt man zur Lösung c 1—2 ccm
Benzidineisessiglösung (Lösung a) hinzu.
Bei Anwesenheit von Blut oder Blutderivaten tritt binnen
einiger Sekunden eine grün bis dunkelblaue Färbung ein.
Im wesentlichen unterscheidet sich unsere Probe von der
von Schlesinger und Holst angegebenen durch folgende
Tatsachen: Durch das Aufschwemmen des Stuhles in verdünn¬
ter Eisessigsäure wird die Alkaleszenz der Fäzes neutralisiert;
die etwa vorhanden gewesenen reduzierenden Stoffe werden
also zerstört, und ermöglichen dem später zugefügten Ben¬
zidin eine vollkommenere Oxydation. Dem Geübten ist es
ferner möglich, durch tropfenweises Zusetzen der Benzidin-
Eisessiglösung zu dem Gemisch von b und c ungefähr den
quantitativen Blutgehalt des Stuhles zu bestimmen. Ein Auf¬
kochen des Stuhles halten wir für nicht erforderlich, da etwa
vorhandene Fermente durch die Essigsäure zerstört werden.
Die so ausgeführte Probe, die an Einfachheit der Aus¬
führung der Schlesinger-Holstsehen Probe noch über¬
legen sein dürfte, hat -uns nie versagt. Wir haben sie mit dem¬
selben Erfolg an bluthaltigen Stühlen jüngerer Individuen und
Kinder angestellt. Da sie sehr empfindlich ist, wird ihr posi¬
tives Ausfallen nur dann für Darmblutungen beweisend sein,
wenn der Patient eine blutfreie Nahrung genossen hatte.
Die Kosten einer Probe betragen ca. 5 Pf.
S c h 1 u s s ä t z e.
1. Es gibt Stühle, bei denen die allgemein übliche Guajak-
probe trotz reichlichen Blutgehaltes negativ ausfällt, inbeson¬
dere bei alten Patienten. Sie ist daher in praxi als nicht ge¬
nügend zuverlässig zu betrachten und bei Fäzesuntersuchungen
nur bei positivem Ausfall zu verwerten.
2. Bei negativem Ausfall der Guajakprobe muss, wenn mau
sicher gehen will, noch die Benzidinprobe in unserer Modi¬
fikation angestellt werden, da es Stühle gibt, die, obgleich sie
genügend bluthaltig sind, die Guajakprobe nicht geben. (Die
Patienten müssen für einige Tage auf fleischlose Diät gesetzt
werden; alle sonst üblichen Vorsichtsmassregeln sind ferner zu
beobachten!)
3. Vielleicht dürfte es sich überhaupt empfehlen, die Ben-
zidinprobe in unserer Modifikation durchweg anzunehmen, da
sie ein absolut sicheres Reagens zum Nachweis geringer Men¬
gen von Blut im Stuhle (oder irgend einem anderen Gemisch)
zu sein scheint.
Beendet am 1. September 1908.
Literatur:
1 . Lehrbuch der klinischen Untersuchungsmethoden. 2 . Deutsch.
Archiv für klin. Med., LXXVI, pag. 505, 1903. 3. Die Untersuchungen
der Fäzes auf Blut. Jena. 1906. 4. Therapeut. Monatsh. XV, pag. 463,
1901. 5. Münch, med. Wochenschr., L, p. 49, 1901. 6 . Münch, med.
Wochenschr., LII, p 33, 1905. 7. Schmidt-Strasburger: Die
Fäzes des Menschen im normalen und krankhaften Zustand. Berlin
1909. 8 . Zentralbl. f. allgem. Pathol. und pathol. Anatomie, XII, p. 828,
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1901. 9. D. med. Wochenschr., 1906, pag. 1444. 10. Münch, med.
Wochenschr. 1905, XXXIII.
Aus Dr. Weisswanges Privatklinik in Dresden.
Ueber Extrauteringravidität*).
Von. Dr. Weisswange.
Das Referat über Extrauteringravidität, das ich heute zu
erstatten mir erlaube, verdankt seinen Ursprung einer Dis¬
kussion in der Dezembersitzung der Gynäkologischen Gesell¬
schaft anlässlich eines Demonstrationsvortrages von mir. Wir
waren damals zu der Ansicht gekommen, dass eine grosse
Anzahl blühender Frauen der ektopischen Schwangerschaft
zum Opfer fallen, die gerettet werden könnten, einmal dadurch,
dass eine frühzeitigere Diagnose möglich wird, und anderer¬
seits, dass in gewissen gefährlichen Fällen geplatzter Tubar-
gravidität oder des Tubenaborts der Transport vermieden
wird, und die so schnell wie möglich auszuführende Operation
im Hause vorgenommen w r ird. Um dieses Ziel zu erreichen,
scheint es mir notwendig, uns mit den praktischen Aerzten
einmal über den jetzigen Standpunkt der Frage zu unterhalten
und eine Diskussion über Anzeigen und Möglichkeit der Ope¬
ration im Privathause herbeizuführen. Dies der Zweck meines
heutigen Referats.
Die Extrauterin- oder ektopische Schwangerschaft entsteht
bekanntlich dadurch, dass ein befruchtetes Ei nicht an seinen
natürlichen Bestimmungsort, in die Uterushöhle gelangt, son¬
dern an einem beliebigen Punkt des zwischen Eierstock und
Uterus zurückzulegenden Weges vorzeitig Halt macht und zur
Einbettung kommt.
Die ektopische Schwangerschaft hat einen unbedingt patho¬
logischen Charakter, weil die Ansiedelung und die weitere Ent¬
wicklung des befruchteten Eies in der Tube mangels der in der
Organisation des Uterus bedingten Schutzvorrichtungen von
vornherein eine zerstörende Wirkung auf das mütterliche Ge¬
webe an der Haftstelle ausübt, und weil zugleich der Zweck
der Schwangerschaft nicht erreicht werden kann, da es sowohl
an einem Auswege wie an austreibenden Kräften fehlt, durch
welche die Frucht nach Abschluss ihrer Entwicklung im mütter¬
lichen Körper nach aussen gelangen könnte.
Je nach der anatomischen Stelle, wo die Ansiedelung statt¬
findet, unterscheiden wir eine
Graviditas extra uterina tubaria ampullaris
n „ 99 isthmica
„ * * interstitialis
* „ „ tubo-abdominalis sive fimbriae ovaricae
19 9 . 99 ovarica
Weitere Varianten sind z. B. die Graviditas tubaria intra-
ligamentosa. Die Einbettung vollzieht sich nun nach den jetzt
wohl endgültig feststehenden Forschungen so, dass das Ei an
der Anlagerungsstelle das Epithel durchbohrt, genau so wie
bei Schwangerschaft im Uterus. Da nun aber die Schleimhaut
der Tube sehr dünn ist, muss das Ei sogleich in die muskulöse
Wand der Tube gelangen, um hier weiter zu wachsen. Es
muss also durch sein Wachstum die Wand des Tubenrohres
zerstören und wirkt so wie eine bösartige, zer¬
störende Geschwulst. Auf pathologisch-anatomische
Feinheiten der Diagnose kann ich natürlich an dieser Stelle
nicht eingehen. — Was die Häufigkeit der Extrauteringravidität
anlangt, so bildet sie nach einer neuen Arbeit von Hörr-
inann aus der Aman n sehen Klinik 3 Proz. der gynäko¬
logischen Erkrankungen.
Die Frage der A e t i o 1 o g i e der Extrauteringravidität
hat, wie bekannt sein dürfte, eine ausserordentlich verschiedene
Beurteilung gefunden und sind die allerverschiedensten Ur¬
sachen beschuldigt worden. Die Frage wird endgültig erst zu
lösen sein, wenn es uns gelungen sein wird, die physiologischen
Vorgänge bei der Befruchtung und ganz besonders den Ort,
an welchem diese normalerweise erfolgt, mit Sicherheit fest¬
zustellen. Bis dahin müssen wir uns auf Hypothesen be¬
schränken. Für mich unterliegt es keinem Zweifel, dass die
Entzündung der Tubenschleimhaut, der Tube und ihrer Um-
°) Nach einem, in der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde
zu Dresden am 3. Oktober 1908 gehaltenen Vortrage.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
390
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
gebung in- der Aetiologie an allererster Stelle steht, sei die¬
selbe nun frischer Art oder seien es Residuen derselben. Unter
den Entzündungsursachen spielt meines Erachtens wieder die
Gonorrhöe bei weitem die allergrösste Rolle. Es ist mir ge¬
lungen, bei einem Fall, den ich voriges Jahr in der hiesigen
Gynäkologischen Gesellschaft vorgetragen habe, diese Aetio¬
logie auf das Bestimmteste, und soweit es überhaupt möglich,
einwandfrei nachzuweisen. Auch hier wird es natürlich ver¬
schiedene pathologisch-anatomische Variationen geben, sei es,
dass wie bei meinem Fall ein akut eitriger Entzündungsherd in
der Tube das weitere Vordringen des Eies verhindert, sei es,
dass infolge der Entzündung die Flimmerhaare der Tuben¬
schleimhaut vernichtet sind und das Ei naturgemäss in seiner
Fortbewegung bis nach der Uterushöhle auf Schwierigkeiten
stossen muss, oder dass endlich nach abgelaufener Entzündung
Abknickung, Verwachsung usw. eine Rolle spielen.
Der Verlauf einer ektopischen Schwangerschaft muss
naturgemäss ein ausserordentlich verschiedener sein, je nach
dem Ort, wo sie sich entwickelt, und je nach der Dauer. Im
allgemeinen kann man aber sagen, dass die meisten Extra¬
uteringraviditäten in den ersten 2 Monaten endigen. Eine
Weiterentwicklung kommt selbstverständlich vor, ja, sie kann
bis zur vollendeten Schwangerschaft Vorkommen, aber dies ist
äusserst selten, wie uns die Fälle von Steinkindern lehren.
Meistens findet eine Unterbrechung der Schwangerschaft statt,
und zwar verursacht durch eine Blutung, welche sich an der
Plazentarstelle entwickelt. Schon das Missverhältnis des
wachsenden Eies und der in ihrem Wachstum behinderten Tube
führt zu Störungen in der so zarten Beziehung der fötalen und
inaternen Gefässe an der Stelle der Plazentarentwicklung, aber
auch jede Erschütterung, jede Verlagerung der Beckenorgane
kann dazu führen. Es kann dann zu drei Möglichkeiten
kommen. Entweder das Ei stirbt ab. und es kommt zu Rück¬
bildungsvorgängen, zu einer mehr oder weniger vollständigen
Resorption.
Die zweite Möglichkeit ist die, dass das wachsende Ei
die Tuben wand zerstört und es kommt zum Zerreissen oder
Zersprengung derselben, einer Tubenruptur, mit allen ihren
Variationen und Gefahren.
Drittens endlich karm das Ei von der Wand abgehoben
und unter fortdauernder Blutung besonders bei ampullärer In¬
sertion aus dem sich öffnenden Orificium tubae abdominale in
die Bauchhöhle ausgestossen werden (Tubenabort).
Die vollständige Resorption kommt vor, aber sie ist selten-.
Oefter kommt es nicht zu vollständigen Aufsaugungen, sondern
zu Verwachsungen, Zersetzungen und Infektionen mit allen
ihren unangenehmen Folgen, ja bei vorgeschrittener Extra¬
uteringravidität zu Abstossungen der einzelnen Skeletteile des
mazerierten Fötus mit seinen verderblichen Komplikationen.
Dieselben Vorgänge können sich ereignen, wenn bei einem
Tubenabort oder Tubenruptur weder durch Tod, noch durch
Operation die Krankheit beendigt wird, und sich ein grösserer
Bluterguss, sogen. Hämatozele, bildet. Auch hier kann das
Ei in den ersten Anfängen mit dem ihm anhaftenden Blute
resorbiert werden und kann nach kürzerer oder längerer Zeit
vollständig verschwinden. Auch grössere Blutherde können
unter günstigen Umständen sich vollständig aufsaugen. Die
Möglichkeit und Gefahr der Zersetzung und Abszedierung
nimmt aber mit der Grösse zu. In der Regel entwickeln sich
dann um diese Blutmassen Schwielen und Adhäsionen. Eine
grosse Gefahr besteht darin, dass schliesslich bei den Ein¬
schmelzungen intensive Blutungen entstehen, die dann die ohne¬
hin geschwächte Frau rasch dahinraffen.
Es ist ohne weiteres klar, dass die frühzeitige Dia¬
gnose einer ektopischen Schwangerschaft
fast ebenso notwendig für die Frau ist, wie
die frühzeitige Erkennung eines Uterus¬
karzinoms. Nun ist die Diagnose einer Extrauterin¬
gravidität in manchen Fällen leicht, in anderen, und nicht
wenigen, gehört sie zu den schwierigsten Aufgaben der ge-
geburtshilflich-gynäkologischen Diagnostik, an welcher ge¬
legentlich auch der erfahrenste und geübteste Untersucher
scheitert. Es liegt ja nach dem Gesagten auf der Hand, dass
die Befunde, die die ektopischen Eisitze hervorrufen, von
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grösster Mannigfaltigkeit sind, je nach der Zeit der Schwanger¬
schaft, dem Sitz derselben, dem Zustand des Eies und des
Fruchthalters, dem Vorhandensein und Fehlen sekundärer Vor¬
gänge, wie Blutungen, Entzündungen, innerhalb wie ausserhalb
derselben. Es entstehen also eine ganze Anzahl verschiedener
Befundtypen, die in ein übersichtliches Schema nicht leicht
cinzuordnen sind. Dennoch gibt es eine ganze
Reihe von Symptomen, deren genaue Beob¬
achtung doch in den weitaus meisten Fällen
eine Diagnose ermöglichen werden. Vor allem
ist eine überaus sorgfältige Anamnese von grösster Wichtig¬
keit und da ist vor allem nötig, dass man an eine Extrauterin¬
gravidität denkt. Hier ist besonders auf weit zurückliegende,
entzündliche Vorgänge, besonders gonorrhoischen Ursprungs
und einseitige Schmerzen im Unterleib zu achten. Daneben
ist eine schon länger bestehende Empfängnispause oder auch
schon länger bestehende primäre Sterilität nicht ohne Be¬
deutung, sobald Befund und Symptome auch sonst den Ver¬
dacht auf extrauterine Schwangerschaft begründen. Kommt
ein frühes Stadium derselben in Betracht, so verdient ein
Nebeneinander von subjektiven* Früherscheinungen der
Schwangerschaft mit Schmerzen in der einen oder anderen
Seite des Hypogastrium besondere Beachtung. Die Schmerzen
knüpfen in der Regel zunächst an schon* ältere, meist leichte
salpingitische oder perisalpingitische Veränderungen an. Ent¬
weder haben sie schon früher bestanden und erfahren mit der
Niederlassung des Eies in der Tube nur eine Steigerung, oder
stellen sich von neuem und stärker wie früher ein, oder er¬
scheinen überhaupt zum ersten Male. Der Schmerz ist
eines der regelmässigsten, allerdings auch vieldeutigsten Sym¬
ptome der Extrauterinschwangerschaft und gewöhnlich vom
ersten Beginn bis zu den letzten Ausläufern mit ihr verbunden.
Derselbe kann kolikartig und anfallsweise auftreten oder an¬
dauern. Er tritt in kleineren oder grösseren, Wochen bis
Monate betragenden Pausen auf. Sehr gut verwendbar für die
Diagnose ist auffällige Empfindlichkeit des Leibes bei Betastung
an der Stelle des Eisitzes. Ein äusserst konstantes
Symptom ist eine gewisse Unregelmässigkeit
der Menstruation für alle diejenigen Fälle, in welchen
nicht schon in den ersten 4 Wochen die Schwangerschaft ihr
Ende erreicht hat. Auch nur ein einmaliges Ausbleiben oder
auch schon der Ersatz einer regelmässigen« Monatsblutung
durch einen* gegen sonst erheblich schwächeren Blutabgang
muss bei im zeugungsfähigen Alter stehenden und sonst regel¬
mässig menstruierenden Frauen und bei im übrigen ent¬
sprechendem Befunde und Erscheinungen zugunsten der Ver¬
mutung einer ektopischen Schwängerung in die Wagschalc
fallen. Es kommt hier zu den verschiedensten Menstruations¬
unregelmässigkeiten, deren Bedeutung man bei zweifelhaften
Fällen durch Anlegung von Blutungskurven genau fest¬
stellen kann. Da sich stets eine Dezidua im Uterus bildet,
wird die Menstruation häufig zessieren. Der ganze Uterus
schwillt an, zuweilen bis zur Grösse des 4. Monats. Dann
pflegt, auch wenn die Schwangerschaft weitergeht, ein Still¬
stand einzutreten.
Die Schwangerschaftsbeschwerden sind im allgemeinen
ebenso inkonstant, wie die Veränderungen an der Brust. Die
Temperatur ist meist normal. Kommt es jetzt ohne besondere
Veranlassung zu einer reichlicheren Blutung, wird die Eihöhle
gesprengt, oder das Ei auf dem Wege nach der Bauchhöhle
hin entleert, so kommt es zu sehr schweren Kollapserschei¬
nungen, zu den Symptomen der intraperitonealen Blutung.
Schon ein erster Anfall dieser Art kann die Frau zum Tode
bringen. Bei rezidivierenden Anfällen gehen leichte Anfälle
häufig in einen schwer deletären über. Es ist also notwendig,
alle Symptome zu beachten und zu kombinieren, um zur Dia¬
gnose zu gelangen. Sind z. B. Menstruationsstörungen vor¬
handen, klagt die Kranke über kleinere oder grössere
Schwangerschaftsbeschwerden, Schwächeanwandlung, kolik¬
artige Schmerzen, besonders in den Seiten des Leibes, welche
auf Blutungen im Eisack hindeuten, so ist das Vorhandensein
von Sekret in der Brustdrüse als sehr bedeutungsvoll anzu¬
sehen. Die Diagnose wird natürlich sehr leicht, wenn es ge¬
lingt, bei verdächtiger Anamnese einen weichen Tumor neben
Original from
UNIVER3ITY OF CALIFORNIA
23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
391
dem Uterus abzutasten, doch muss die aufjedeirFall
vorzunehmende Digitalexploration mit einer
gewissen Vorsicht ausgeführt werden, da
durch heftiges Untersuchen schon manche
Extrauteringravidität zum Platzen gekom¬
men ist. Untersuchungen mit der Sonde oder gar eine
Abrasio sind als äusserst gefährlich zu bezeichnen und am
besten* zu unterlassen. Letztere ist auch häufig unsicher. Ge¬
lingt es uns, die ausgestossene Dezidua zu bekommen, dann
ist die Diagnose klar. Ist die Dezidua aber unbeachtet aus-
gestossen worden, und wird eine Abrasio vorgenommen, so
wird dieselbe negativ sein. — Ein diagnostisches Symptom, das
eventuell von grosser Wichtigkeit sein kann, und das ich ver¬
hältnismässig für ungefährlich halte, ist eine Probepunktion
von der Scheide aus in besonders schwierigen Fällen. Auf die
Differentialdiagnose mit Adnexerkrankungen, Appendizitis usw.
gehe ich hier heute nicht ein.
Die Prognose der Extrauterinschwangerschaft ist an sich
unter allen Umständen eine ernste. Denn wenn auch die
Schwangerschaft sich ganz ungestört entwickelt, so ist nur
auf dem Wege einer immerhin sehr ernsten Operation die
Entbindung der Frau durchzuführen. Die Prognose ist dadurch
belastet, dass der Rückbildungsvorgang nur so lange einen ver¬
hältnismässig günstigen Verlauf nimmt, als die Schwanger¬
schaft in einem sehr frühen Stadium beendet wird, und die
Endkatastrophe unter nur unerheblicher Zerreissung von Blut¬
gefässen vor sich geht. — Wenn- die Extrauterinschwanger¬
schaft häufig ohne irgend w r elche Symptome zu Ende geht, so
ist nicht zu verkennen, dass in solchen Fällen die Prognose eine
relativ günstige sein kann. Allein diese Fälle entziehen sich
ganz unserer sicheren Kenntnis, so dass wir sie füglich ausser
Betracht lassen ^müssen. Wo die Extrauterinschwangerschaft
mit der Ruptur des Fruchthalters, resp. dem Abortus zu
äusserlich stark hervortretenden Symptomen Veranlassung
gibt, ist die Gefahr eine eminente. Sie wird nun dadurch ver¬
ringert, dass wir heute in der Lage sind, diese Gefahr durch
die sofortige Operation abzuwenden. Oft gelingt es auch, bei
scheinbar ganz verzweifelter Sachlage die fast schon Mori¬
bunde durch die sofortige definitive Blutstillung noch zu retten.
Auch wenn der Fötus abgestorben ist, darf die Gefahr noch
nicht als erledigt gelten; es drohen zunächst Nachblutungen,
dann aber die Komplikationen, welche die regressive Umbil¬
dung des Eies in jeoer Phase begleiten.
Wenn heute die Prognose wesentlich günstiger gestellt
wird, so hängt das damit zusammen, dass wir in der Lage sind,
durch einen rechtzeitigen Eingriff dem Uebel abzuhelfen.
Nach all dem Auseinandergesetzten kann die Therapie
der Extrauteringravidität nur darin* bestehen, das Schwanger¬
schaftsprodukt so rasch als möglich zu entfernen, und dies kann*
nur durch Operation geschehen. Hierüber besteht wohl heut¬
zutage fast völlige Uebereinstimmung. Der Satz Werths:
Die ektopische Schwangerschaft ist unter dem Gesichtspunkt
einer bösartigen Neubildung zu betrachten und zu behandeln,
hat wohl heute allgemeine Anerkennung gefunden. Bei jedem
konservativen Verfahren, selbst wenn* wir die Kranken unter
eine fortdauernde Ueberwachung im Krankenhause zu stellen
vermögen, sind wir nicht sicher, sie vor schweren Kompli¬
kationen zu bewahren. Um Ihnen dies klar zu machen, ge¬
statte ich mir, kurz die nicht operativen Fälle in ihren Folgen
zu betrachten. In einzelnen Fällen, das gebe ich zu, kann eine
Rückbildung bezw r . Aufsaugung durch konservative Behänd^
lung eintreten, aber dies ist nicht ohne Adhäsionsbildung mög¬
lich und in vielen Fällen wird dann eine chronische Perimetritis
mit allen ihren unangenehmen- Begleiterscheinungen einge¬
tauscht oder es kommt, wie ich dies an einem Präparat zu
zeigen mir gestatte, zur Zerstörung auch der anderen Tube.
Zu bleibenden Störungen führen auch die Fälle, die so häufig
unter der Diagnose alter Perimetritis oder alter Adnexerkran¬
kungen die Frauen jahrelang quälen und mehr oder weniger
invalid machen. Cessante causa cessat effectus! gilt auch hier.
Unser modernes Streben geht dahin-, dass der Patient das
Recht hat, von seinem Arzte nicht nur Befreiung von momen¬
taner Gefahr, sondern auch Bewahrung von später möglichen
Leiden zu verlangen. Ist daher die Diagnose auf Extrauterin-
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Schwangerschaft gestellt, so empfiehlt es sich, die Frau sofort
in eine Klinik zu überweisen*. Ist eine Ruptur ein¬
getreten, und bestehen Zeichen innerer Blu¬
tung, so setzen wir in einzelnen Fällen die
Patientinnen durch den Transport eventuell
der ernstesten Gefahr aus. In solchen natür¬
lich genau zu individualisierenden Fällen
sollte zu Hause operiert werden*. Ich sehe darin
die einzige Möglichkeit, die häufigen Todesfälle meist junger
blühender Frauen zu vermeiden! Es sind diese Todesfälle
die unbefriedigendsten und erschütterndsten Dramen, die dem
Arzt entgegentreten. Was die Ausführung der Operation im
Privathause anbetrifft, so kann ich die Schwierigkeiten für nicht
so grosse halten, als dass man deswegen die Gefahr des Trans¬
portes auf sich nehmen müsste. Gewiss wird die Gefahr einer
Operation in der Klinik auf das Mindestmass herabgedrückt,
aber es gibt gewiss Fälle, die dennoch im Hause operiert
w erden müssen. Ebenso wie man von einem Arzt die Aus¬
führung einer schnell notwendigen Herniotomie verlangt, so
muss man auch fordern, dass eine geplatzte Tubargravidität
im Hause operiert wird, falls die Chancen eines
Transportes schlecht sind. In der Praxis wird
übrigens dank der immer reichlicher vorhandenen, schnell zu
beschaffenden spezialärztlichen Hilfe der praktische Arzt immer
seltener in die Lage kommen, die Operation selbst ausführen
zu müssen. Was den Eingriff selbst anbelangt, so kommt wohl
in erster Linie nur die Laparotomie in Betracht. Sie allein
gestattet ein klares Bild der vorliegenden Verhältnisse und
schnellstes Operieren. Nur ganz ausnahmsweise wird man
sich zu vaginalem Vorgehen entschliessen, wenn begründete
Gegenanzeige für die Laparotomie vorliegt. Der Eingriff
selbst wird in der Wegnahme der Tube (Salpingektomie) oder
wenn nötig, in der Wegnahme von Tube und Eierstock zu be¬
stehen haben (Salpingoophorektomie). Bei Vereiterung und
Unmöglichkeit, den Sack zu lösen, kommt die Drainage in
Betracht, sonst wird man die Bauchhöhle primär schliessen
können. Ausnahmsweise kann man einmal in die Lage
kommen, sich zu konservativer Behandlung entschliessen zu
müssen, d. h. der Wegnahme des Schwangerschaftsproduktes
mit Erhaltung der Tube; nämlich dann, wenn bei einer jungen
Frau die Adnexe der anderen Seite fehlen oder schwer erkrankt
sind. Gestatten Sie mir, noch ganz kurz ein Wort über die
Prophylaxe der ektopischen Schwangerschaft. Diese hat in
erster Linie in einer Verhütung der Gonorrhoe zu bestehen,
wie sie z. B. in dankenswerter Weise die deutsche Gesell¬
schaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten anstrebt,
die ja auch bei uns nun glücklicherweise eine Ortsgruppe
gründet; und zweitens in einer frühzeitigen und gründlichen
Behandlung der Gonorrhoe. Selbstverständlich ist auch die
Verhütung aller anderen Faktoren zu erstreben, die bekanntlich
zu Entzündungen und Adnexerkrankungen führen, und es
kommt hier im weiteren Sinne neben der richtigen Leitung des
Wochenbettes die ganze Hygiene der weiblichen Geschlechts¬
organe in Frage.
Ist aber die Katastrophe einer ektopischen Schwanger¬
schaft eingetreten, so wird eine frühzeitige Diagnose, und eine
richtige, am richtigen Ort ausgeführte Operation von unend¬
lichem Segen sein.
An 7 Präparaten zeigt Vortragender die Wichtigkeit der
frühzeitigen richtigen Diagnose und die Notwendigkeit in ge¬
wissen Fällen die Operation im Privathause vornehmen zu
lassen.
Zwei Präparate stammen von jungen Frauen, die durch
den Transport zu Grunde gingen. Eine Frau starb an Blutung
und Sepsis, hervorgerufen durch Sondierung und Kürettement.
In 4 Fällen wrnrde die Diagnose nicht rechtzeitig gestellt
und die Frauen kamen in grösste Gefahr. Eine ging trotz noch
vorgenommener Operation zu Grunde, weil sie zu spät zur
Operation kam. Sie war lange unter falscher Diagnose be¬
handelt worden.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
392
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
Mitteilung Ober einige Krankheitsfälle, hervorgerufen
durch Mäusetyphusbazillen.
Von Dr. Fritz Fleischanderl, Distriktsarzt in Gross-
Russbach (Niederösterreich).
Ende April 1908 hatte ich in meiner Praxis mehrere Krankheits¬
fälle, darunter 3 schwerere und 3 leichtere, zu behandeln, die alle
ziemlich zu gleicher Zeit auftraten und von denen die schwereren
übereinstimmend beiläufig folgendes klinisches Bild boten:
Einsetzen der Erkrankung mit rasch zunehmenden Leib¬
schmerzen; in den nächsten Stunden auftretender Durchfall (8 bis
20 Stühle in 24 Stunden); Auftreten von Fieber und allgemeiner
Körpermattigkeit; in den nächsten 2—3 Tagen Anstieg der Erschei¬
nungen: Fieber (39—40°), kopiöse Durchfälle, in einem Falle Er¬
brechen, heftige Leibschmerzen, Schwindel und Schwanken beim
Gehversuch, ziemliche Prostration; später rasches Abklingen der
Erscheinungen und nur Anhalten der grossen Mattigkeit durch
mehrere Tage, ln einem Falle dauerte die Rekonvaleszenz 2 volle
Wochen. ,. J ,
Der Verlauf der leichteren Krankheitsfälle unterschied sich da¬
durch, dass das Fieber fehlte und dieselben Erscheinungen weniger |
heftig und andauernd auftraten.
Die so übereinstimmenden Befunde bei den zugleich erkrankten
Patienten, weiters ihre ganz glaubwürdige Erzählung, es seien noch
mehrere andere Ortsbewohner zugleich unter ähnlichen Erschei¬
nungen, nur nicht in gleich heftiger Weise erkrankt (angeblich im
ganzen über 20), deuteten mit grösster Wahrscheinlichkeit auf eine
gemeinsame Ursache hin. Ich dachte schon an eine Paratyphus¬
epidemie, da ergab sich beim Nachforschen, dass alle Erkrankten
mit Mäusetyphusbazillen, die eben in dieser Zeit in unserer Gegend
zum Vertilgen der Feldmäuse verwendet wurden, in nähere Be¬
rührung gekommen waren; meine Patienten, ausgenommen eine auch
betroffene Lehrersfamilie, hatten sich sämtlich am Tage vor dem
Ausbruche ihrer Erkrankung bei dem Mäusevergiften selbst beteiligt
und mit den Fingern Brot auf die Felder verteilt, das mit einer Mäuse¬
bazillenaufschwemmung getränkt war. Danach hatten sie sich die
Hände keineswegs besonders gereinigt, so dass beim späteren
Essen etc. reichliche Infektionsmöglichkeit gegeben war. In der
Gebrauchsanweisung der auf das Land hinausgegebenen Bazillen¬
kulturen war auch, wie ich mich selbst überzeugte, wohl ein Passus
über die Unschädlichkeit des Mäusetyphusbazillus für den Menschen,
aber keinerlei Mahnung zu Vorsicht enthalten.
In der Lehrersfamilie liess sich folgendes feststellen: Vater,
Mutter und ein Sohn hatten am Tage vor dem Ausbruche ihrer
Erkrankung ungekochte, aus jenem Hause stammende Milch genossen,
in dem kurz zuvor der Mäusegifttrank zubereitet worden war. Der
andere Sohn hatte von dieser Milch nichts getrunken und war gesund
geblieben. Vater und Bruder gehörten zu den leichten Fällen,
während die Mutter, eine überhaupt etwas nervöse Dame, recht be¬
denklich erkrankte und zu ihrer Erholung, wie oben erwähnt, volle
2 Wochen brauchte.
Alles dies bestärkte mich in meiner Vermutung eines ätiologischen
Zusammenhangs der Erkrankungen mit den Mäusetyphusbazillen,
bildete aber selbsverständlich noch keinen Beweis für diese An¬
nahme.
In der Literatur finden sich über dieses Thema bereits
mehrere Angaben; so berichtet T rommsdorf (M. M. W.,
No. 48, 1903) über 10 Erkrankungsfälle, bei denen im Stuhl der
Löffler sehe Mäusetyphusbazillus nachgewiesen wurde,
meint jedoch, an den Erkrankungen seien Diätfehler schuld und
dieser Befund nur nebensächlich. Dr. Georg Meyer (M.
M. W., No. 47, 1905) erkrankte selbst im Verlaufe seiner Ver¬
suche, weist in seinem Stuhl Löfflers Mäusetyphusbazillus
nach und ihm scheint wohl ein ätiologischer Zusammenhang
zu bestehen, er kann ihn jedoch nicht zwingend beweisen.
Shybayama endlich berichtet aus Japan in einer interes¬
santen Arbeit (M. M. W., No. 20, 1907) über einige wahrhafte
Epidemien von menschlichen Mäusetyphuserkrankungen mit
einigen Todesfällen. Doch auch diese Arbeit scheint ziemlich
unbeachtet geblieben zu sein, so dass es nicht als müssig er¬
scheinen kann, neue Erfahrungen in dieser Sache zu veröffent¬
lichen.
Ueber die Frage, ob die Mäusetyphusbazillen die aus¬
schliessliche Ursache der beobachteten Erkrankungen bildeten,
volle Klarheit zu gewinnen, dazu war, das war mir ganz klar, nur
das Experiment geeignet; mich selbst hielt ich nun deshalb für eine
geeignete Versuchsperson, da ich bis dorthin noch kein Darmleiden
gehabt hatte, schon über ein Jahr nichts mit Typhus zu tun hatte,
überhaupt mich voller Gesundheit erfreute.
Am 3. Mai v. J. trank ich also morgens um 8 Uhr mit nüchternem
Magen nach Einnahme einer Messerspitze Natr. bicarb. eine Auf¬
schwemmung von Mäusetyphusbazillen,-die ich mir dadurch her¬
stellte, dass ich mit einem Glasstab über eine Kultur Bazillen, wie
sie damals in der hiesigen Gegend verwendet wurden, hinstrich und
den Stab dann in Brunnenwasser abspülte. Danach frühstückte ich
wie gewöhnlich und fühlte mich den ganzen Tag über wohl; der
fernere Verlauf war folgender: Am 4. Mai 6 Uhr früh Auftreten
leichter, später grösserer Leibschmerzen; Temperatur 36,2, Puls 74.
normal. 9 Uhr vormittags erste diarrhoische Entleerung. 2 Uhr
mittags nach leichtem Frost Temperatur 38,7, Puls 106, heftige Leib¬
schmerzen, Gefühl grosser Mattigkeit. Abends 9 Uhr Temperatur
39,2, Puls 120, Andauer der Erscheinungen.
5. Mai früh 7 Uhr Temperatur 38,3, Puls 106; grosse Abge-
schlagenheit; vollkommene Appetitlosigkeit; kein Erbrechen; an¬
dauernde Leibschmerzen und Durchfälle (vom 4. Mai mittags bis
5. Mai mittags ca. 12), Schwindel und Schwanken beim Gehen.
Mittags Temperatur 38,5, Puls 112. Abends Temperatur 38.2.
Puls 110. -
6. Mai Temperatur normal. Puls 90; Abklingen der Erschei¬
nungen; noch durch 2 Tage allgemeine körperliche Depression.
Ich hatte also gleich meinen Patienten etwa 24 Stunden
nach Einverleibung von Mäusetyphusbazillen eine akute, ziem¬
lich schnell vorübergehende Enteritis bekommen; ja die ziem¬
lich genaue Kongruenz zwischen meinen Krankheitserschei¬
nungen und denen der Patienten gestattete auch, vorausge¬
setzt, dass sich in den Dejekten die gleichen Bazillen würden
nachweisen lassen, den sicheren Schluss, dass die Erkran¬
kungen gleich meiner Erkrankung im Versuch nur dem Hinein¬
gelangen der Mäusetyphusbazillen in den Darm allein zu
verdanken seien. Dieser allein noch in der Beweiskette feh¬
lende Nachweis wurde nun in liebenswürdigster Weise von
Herrn mag. pharm. Herbert Berger im k. k. serotherapeuti¬
schen Institut und Herrn Dr. Reichel. Assistenten des hy¬
gienischen Instituts der Wiener Universität geführt, denen ich
hiemit für ihr freundliches Interesse und die aufgewendete Mühe
meinen verbindlichsten Dank ausspreche.
Aus dem steril aufgefangenen Stuhle der oben bespro¬
chenen Patientin, die durch die Milch infiziert worden und am
schwersten erkrankt war, gelang die Züchtung eines Bazillus
in Reinkultur, von dem 1 ccin Aufschwemmung nach 48 stün-
diger Kultur Mäusen injiziert, dieselbe nin 5—7 Stunden tötete;
die Mäuse, die sich durch Benagen der Eingegangenen in¬
fizierten, gingen nach 30—48 Stunden ein; die Kontrollmäuse,
die in gleicher Weise eine gleichaltrige Aufschwemmung der
am Lande benützten Mäusetyphuskulturen erhalten hatten,
gingen nach 20—30 Stunden ein, die durch Benagen der Ver¬
endeten infizierten Mäuse nach 3—4 Tagen.
Dieses Ergebnis, sowie die Vergleichung der kulturellen
Eigenschaften Hessen keinen sicheren Schluss auf die Identität
der Bazillen zu, so dass nunmehr mittelst Agglutination w'eiter-
geprüft wurde.
Im Folgenden sei zur Vereinfachung immer der Bazillen¬
stamm, der aus dem Stuhle der Patientin gezüchtet worden
war: A genannt; die Stämme, die zur Mäusevertilgung
im Gebrauche standen; Bl, B2 genannt und zwar Bl
derjenige mit dem die Mäuse injiziert worden waren, B 2 der¬
jenige, von dem ich genossen hatte. Die Stämme, die aus
meinen Dejekten (und zwar aus den 25 resp. 55 Stunden nach
Einnahme der Bazillenaufschwemmung entleerten) isoliert wor¬
den waren, seien: C25, C55 genannt.
Zunächst erwies sich, dass sämtliche zu prüfende Stämme,
also: A, B 1, B2, C25, C55 aus beweglichen, nicht milchsäure¬
bildenden Bakterien bestanden, die Gelatine nicht verflüssigten
und aus Traubenzucker Gas bildeten, sich somit als Angehörige
der Paratyphus- oder Enteritisgruppe erwiesen.
Zur Prüfung wurde ein Laboratoriumsstamm Löffler¬
scher Mäusetyphusbazillen (LL), sowie ein Laboratoriums-
starnm von Paratyphusbazillen (LP) herangezogen. Das Serum
eines mit LL immunisierten Kaninchens ergab nach 2 Injek¬
tionen folgende Agglutinationswirkung:
Serum LL Tabelle 1.
Verdünnung Kon-
1 : 20 i 1 : 40 l 1 : 80 j 1 :160 1 1 :320 11 :640jl:I28o!l:2560 trolle
LL
+ + -{•-{- + + ! + + -K
-i- + +
4-4
+ 4-1 + —
_
LP
+ + +!+ 4- 4- + + 4
j-l- -1 4i
+ H—H
+ + V + -t- —
—
A
13,
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Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
393
Da der negative Ausfall dieses Versuches weder eine Aus¬
schliessung der Mäusetyphusnatur der fraglichen Stämme, noch
deren Identifizierung untereinander gestattete, wurden weitere
Immunisierungen zweier Kaninchen, des einen mit Stamm B 2,
des anderen mit Stamm C 25 vorgenommen. Schon nach einer
Injektion zeigten die Sera folgende Agglutinationswirkung:
Serum B2 T a b e 1 1 e 2.
Stamm
1:20
Ve
1:40 |
rdünnu
1:80
3
Uq
Os
O
1:320
Kontrolle
LL
LP
A
Bi
B*
C*
Serun
ili
n C25
-
i n ii
++++I +
-1 _L 1—LJ,
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: 3.
-H-H-I +
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Stamm
1:20 :
Ve
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1:160
1:320
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+ +
Jj +
c>h reibt zt
+
+
+
+
+
i diesem
Ergebnis
dazu: „Nach dem Ergebnis dieser Versuche dürfen die in Frage
stehenden Stämme als untereinander identisch und im Wesent¬
lichen biologisch identisch mit Löffler sehen Mäusetyphus¬
bazillen, biologisch völlig abweichend von Paratyphusbazillen
bezeichnet werden.“ Es ergibt sich somit aus dem Gesagten
folgende Tatsache: die in unserer Gegend zur Mäusevertilgung
verwendeten Mäusetyphusbazillen haben als alleinige Ur¬
sache bei mehreren bis dahin gesunden Personen eine akute
Enteritis hervorgerufen.
Es wird sich also in Zukunft wohl empfehlen, bei der
Mäusevergiftung recht vorsichtig zu sein und den Leuten die
Hände und Geschirrdesinfektion anzuraten. Die Frage ireilich,
ob und durch welche Umstände etwa die meist harmlosen
Mäusetyphusbazillen ihre Natur verändern müssen, um zu ge¬
fährlichen Feinden der Menschheit, wie in meinen Fällen und in
Japan zu werden, muss offen bleiben. Vielleicht könnte das
immerhin abnorme biologische Verhalten unseres Mäusetyphus¬
bazillenstammes in dieser Hinsicht beachtenswert sein.
Aus der Universitäts-Frauenklinik zu Erlangen.
Ueber einen Fall von Ikterus gravis.
Von Adolf Hüffell, Assistent der Klinik.
Es sind in letzter Zeit mehrfache Arbeiten über tödlich
verlaufenen Ikterus beim Neugeborenen erschienen und man hat
dabei den Versuch gemacht, auf Grund genauerer Beobach¬
tungen neue Krankheitsbilder aufzustellen. Bei der Seltenheit
des Leidens dürfte deshalb die Veröffentlichung folgenden Falles
einiges Interesse bieten.
Das 12 Tage alte Kind M. wurde uns von der Hebamme in die
Klinik gebracht, weil es seit einem Tage aus dem Nabel blute. Die
Hebamme gab dabei an, dass das Kind spontan geboren sei und am
ersten Tage keinerlei Besonderheiten geboten habe. Das entleerte
Kindspech war reichlich und schwarz. Am 2. Tage trat eine deut¬
liche Gelbfärbung des ganzen Körpers auf, die am 3. Tage noch
stärker wurde. Der Stuhl nahm von diesem Tage an eine weisse
lehmfarbene Beschaffenheit an, während der Urin auffallend dunkel
war. Das Kind wurde von der Mutter gestillt und trank gut. Der
Nabelschnurrest trocknete schlecht ein, sah missfarben aus und fiel
am 8. Tage ab. 3 Tage später begann der Nabel schwarzes flüssiges
Blut abzusondern.
Die bei der Aufnahme anwesende Mutter bestätigte die Angaben
der Amme. Sie hat vor 1 Y» Jahren zum ersten Male geboren, das
Kind war reif, völlig normal, zeigte nie Gelbsucht, gedieh gut und ist
noch jetzt gesund. Die Muter ist eine kräftige Frau von 36 Jahren,
von gesundem Aussehen, lässt bei genauerer Untersuchung keine
Zeichen von Lues oder Tuberkulose erkennen. Den Vater konnten
wir nicht untersuchen; er ist nach den Angaben der Frau völlig ge-
No. 8.
sund. Die Mutter hat das Kind bis jetzt selbst gestillt und erklärte
sich bereit, dies auch in der Klinik weiter zu tun.
Der Aufnahmebefund des Kindes am 27. Oktober ergab: 50 cm
langer, 2970 g schwerer Knabe in gutem Ernährungszustand. Die
Haut des ganzen Körpers ist intensiv dunkelgelb gefärbt, ebenso die
sichtbaren Schleimhäute und die Sklerae. Sonst zeigt die Haut des
Gesichtes noch kleine Ekchymosen, aber kein Ekzem oder Blasen¬
bildung. Beide Unterschenkel sind stark ödematös angeschwollen,
ebenso das Skrotum. Der Nabel ist mit dunklem, flüssigem Blute be¬
deckt; er zeigt die Form des sogen. Hautnabels, ist nicht entzündet,
die granulierende Wunde ist nicht belegt. Ueber beiden Lungen hört
man rauhes Atemgeräusch, Herztöne rein, 112 pro Minute. Leber
und Milz nicht nachweislich vergrössert. Der Urin ist auffallend
dunkel, er gibt deutliche Gallenfarbstoffreaktion, enthält Spuren von
Eiweiss, rote zum Teil veränderte Blutkörperchen, Harnsäurezylindef
und gelb gefärbte Epithelien. Das Nabelblut zeigt im Ansstrich teil¬
weise veränderte rote Blutkörperchen, ca. 20 000 weisse und zwar
meist polynukleäre Formen.
Der Versuch, eine Vene zwecks bakteriologischer Untersuchung
zu punktieren, misslang und da eine Blutung aus den Stichkanälen
schwer zu stillen war, musste von dieser Untersuchung Abstand ge¬
nommen werden. Temperatur 36,5, rektal. Der Stuhl ist grauweiss,
schleimig. Das Kind wird in eine Wärmewanne gelegt, von der
Mutter 6 mal täglich gestillt, trinkt gut. Es erhält eine subkutane
Kochsalzinfusion von 100 ccm, auf den Nabel Eisenchlorid und einen
Druckverband, sowie Bäder. Der weitere Verlauf gestaltete sich nun
folgendermassen:
28. X. Das Kind schläft sehr viel und tief, hat 380 g getrunken
und 30 g abgenommen; der Stuhl ist acholisch, zeigt einzelne kleine
Blutspuren. Nabelblutung hält an. An der Stelle der gestrigen In¬
jektion hat sich eine kleine Hämorrhagie unter der Haut gebildet.
Temperatur 36,0. Es erhält 0,05 Kalomel.
29. X. Am Rücken, an der Stelle der Skapulae und entlang der
Wirbelsäule sind dunkelblaue Flecken zu sehen. Das Oedem an dsn
Beinen ist gefallen; der Nabel blutet stärker, weshalb 10 ccm der
10 proz. sterilen Merck sehen Gelatinelösung subkutan verabreicht
werden. Temperatur 36,5 bis 37,3. Der Stuhl zeigt zum ersten Male
eine leichte gelbliche Farbe.
30. X. Da der Nabel noch immer blutet und auch die blauen
Flecken am Rücken im Zunehmen begriffen sind, erhält das Kind
abermals 10 ccm Gelatine subkutan. Das Oedem ist weiter zurück¬
gegangen; der Stuhl ist blassgelb. Temperatur 36,0—37,1.
31. X. Das Kind macht einen schlechteren Allgemeineindruck,
hat 100 g abgenommen. Temperatur 38,4. Die Nabelblutung ist ge¬
ringer, die Hämorrhagien am Rücken und an der Brust, besonders
an den Injektionsstellen stärker, jedoch ohne Entzündung.
1. XI. Der allgemeine Ikterus hat in den letzten Tagen noch
zugenommen, Rücken und Brust sind dagegen fast ganz blau; der
Nabel blutet wenig. Der Stuhl zeigt eine gelblich-grünliche Farbe,
zeitweise mit ganz geringen Blutspuren. Temperatur 37,4.
2. XI. Der Nabel hat diese Nacht stärker geblutet. Das Kind ist
sehr apathisch, trinkt trotzdem gut. Ueber den Lungen zerstreute
Ronchi zu hören. Temperatur 38,2.
3. XI. Nabelblutung hat nicht nachgelassen, ausserdem blutet
das Kind etwas aus der Nase und den Lippen, leichte Konjunktivitis.
Stuhl grünlich, Nahrungsaufnahme gut.
Abermalige Gelatineinjektion am rechten Oberschenkel von
10 ccm. Abends Temperatur 40,0.
4. XI. Da es aus der gestrigen Injektionsstelle lange geblutet
hat und kein deutlicher Erfolg zu sehen ist, wird von weiteren Gela¬
tineinjektionen abgesehen. Temperatur 39,5.
5. XI. Es zeigen sich zahlreiche neue Blutungen unter der Haut,
am Kopf und an den Beinen. Der Nabel sondert ständig etwas Blut
ab. Das Kind trinkt reichlich und bleibt 5 Tage auf demselben Ge¬
wicht stehen. Der Stuhl ist dunkler und zeigt reichliche Blutspuren.
Temperatur 38,5.
6. XI. Es hat sich am linken Oberschenkel eine Geschwulst ge¬
bildet, offenbar ein Hämatom. Gegen Abend entleert das Kind aus
dem After eine ziemliche Menge hellroten Blutes. Es ist sehr
apathisch, hat 100 g abgenommen. Temperatur 38,9. Es erhält eine
Kochsalzinfusion von 100 g.
7. XI. Die Blutungen haben nachgelassen, die blauen Flecken
blassen zum Teil ab; Stuhl gelblich ohne Blut. Temperatur 38,5.
8. XI. Der ganze linke Oberschenkel ist bretthart angeschwollen,
die blaue Verfärbung am Thorax allgemein abgeblasst. Ikterus
scheinbar etwas geringer. Temperatur 38,3.
9. XI. Die Schwellung des linken Beins hat noch zugenommen:
der Nabel blutet nicht mehr. Das Kind macht einen besseren Eindruck
und trinkt 440 g. Stuhl schön gelb. Gewichtszunahme 75 g. Tem¬
peratur 39,3.
10. XI. Morgens plötzlicher Exitus ohne vorhergehende Er¬
scheinungen. Eine Stunde später wird aus dem Herzen und aus der
Armvene Blut zur bakteriologischen Untersuchung genommen.
S e k t i o n am 10. XI. Herr Privatdozent Dr. Merkel. (Proto¬
kollauszug.) Hochgradig ikterisch verfärbter Knabe, 50 cm lang, in
reduziertem Ernährungszustand. Der linke Oberschenkel ist stark
angeschwollen, fühlt sich hart an. Am ganzen Körper, besonders am
Rücken, an der Brust und am Kopf zahlreiche blaue Flecken. Der
Nabel ist mit wenig flüssigem schwärzlichen Blut bedeckt, zeigt keine
3
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■m
MÜENCHfiNfcR MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
Entzündungserscheinungen, in der Tieie irische Granulationen. Die
Lungen sind in allen Teilen lufthaltig, in den abhängigen Partien findet
sich in den Bronchien eitriges Sekret. Im Herzbeutel hämorrhagisch¬
seröse Flüssigkeit. Herzklappen zart und schlussfähig. Foramen
ovale offen. Die Serosa der Bauchhöhle ist glatt und spiegelnd, keine
freie Flüssigkeit im Abdomen. Die Milz ist etwas vergrössert. das
Gewebe blutreich und derb. Die Leber ziemlich gross, ihre Ober¬
fläche glatt und spiegelnd, Farbe olivgrün, Blutgehalt reichlich. In
der Gallenblase wenig zäher goldgelber Schleim. Im Magen etwas
klarer Schleim, keine Ekchymosen. Im Duodenum ist die Mukosa
gallig gefärbt, die Papille sondierbar, entleert auf Druck Galle, der
Ductus Arantii noch weit offen, ebenso die ganze Nabelvene. Die
Nieren sind von entsprechender Grösse, mässig blutreich, olivgrün,
an der Rinde vereinzelte Zysten, in den Pyramiden rote Streifen,
Kapsel leicht abziehbar. Die Blase enthält wenig dunklen Urin.
Beiderseits an der Teilungsstelle der Iliacae sind die Lymphdriisen
bohnengross geschwollen. Beim Einschneiden in den linken Ober¬
schenkel kommt man nach Durchtrennung der derb infiltrierten Haut
in der Tiefe in eine grosse Höhle, die bis an das Hüftgelenk reicht,
und mit braunrotem Blute gefüllt ist. Jedoch fehlt eine abschliessende
Abszessmembran. Die Gehirnsubstanz ist ziemlich derb, weiss, Rinde
und Mark wenig differenziert, keine ikte rische Verfär-
bung der Kerne.
Die mikroskopische Untersuchung ergab nirgends Anhaltspunkte
für Lues. Alle Organe zeigten Einlagerungen von Gallenpigment, die
Leber wies in der Umgebung der Kapillaren ganz vereinzelte kleine
Infiltrate auf, keine fettige Degeneration. Ebenso zeigten die Gallen¬
kapillaren keine Erweiterung, die Nabelgefässe zeigten auch mikro¬
skopisch keine Entzündungsvorgänge. In dem aus dem Oberschenkel
stammenden Blute waren reichliche Kokken zu sehen. Die bakterio¬
logische Blutuntersuchung ergab in Bouillonkultur Streptokokken.
Auch aus dem von uns eine Stunde post mortem entnommenen
Blute waren nach 24 Stunden in Bouillon lange Ketten von Strepto¬
kokken gewachsen, die auf Blutagar bereits nach 12 Stunden ihre
hämorrhagische Wirkung zeigten. Durch diese Untersuchungen dürfte
die septische Natur der Erkrankung wohl sichergestellt sein.
Bekanntlich zeigen Neugeborene eine besondere Dispo¬
sition zu septischen Erkrankungen, sowie eine auffallend ge¬
ringe Widerstandsfähigkeit gegen die eingedrungenen Keime.
In vielen Fällen sterben die Kinder schon nach 1 bis 2 Tagen,
fast ohne irgendwelche Symptome, und nur durch die bakterio¬
logische Blutuntersuchung kann in solchen Fällen die Diagnose
gestellt werden. Meist gehen diese Infektionen vom Nabel
aus, der indessen dabei keine Veränderungen aufzuweisen
braucht.
Es darf uns deshalb nicht wundernehmen, wenn die wahre
Todesursache oft nicht erkannt wird; auch das Fieber, welches
beim Erwachsenen das wichtigste Symptom einer Infektion ist,
kann beim Neugeborenen oft fehlen, ja es kommen sogar unter¬
normale Temperaturen vor, wenn das Kind nicht imstande ist
die nötigen Kalorien für das Fieber aufzubringen. Auch in
unserem Falle bestand in den ersten Tagen keine Temperatur¬
steigerung und es ist wahrscheinlich, dass auch die ersten
12 Tage, an denen wir das Kind nicht sahen, fieberfrei ver¬
liefen. Die erste Temperaturerhöhung fanden wir erst nach
der zweiten Qelatineinjektion. Es ist bekannt, dass nach sol¬
chen Injektionen häufig Steigerungen der Körperwärme beim
Säugling Vorkommen.
Neu 1 ) sieht solche nach Injektionen von Gelatine bei Neu¬
geborenen auftretenden Temperatursteigerungen als Resorp¬
tionserscheinung an und spricht von dem „Gelatinefieber“.
Nach seinen Erfahrungen tritt es in der Mehrzahl der Fälle auf,
ohne dass eine Infektion vorliegt. Wir können deshalb auch
in unserem Falle vermuten, das die Temperaturen ihre Ur¬
sache in der Resorption der Gelatine haben und würden dann
eine Bestätigung der alten Erfahrung sehen, dass septische In¬
fektionen beim Neugeborenen auch ohne Fieber verlaufen
können.
Schwerer Ikterus findet sich bei septischen Infektionen
häufig. Einige sehen darin eine hämatogene Form im Anschluss
an den Untergang von. roten Blutkörperchen, andere sagen
er sei eine Folge der Schädigung des Leberparenchyms durch
die Infektion und weisen auf die fettige Degeneration der Leber¬
zellen hin. In unserem Falle waren an der Leber makroskopisch
wie mikroskopisch keine besonderen Veränderungen zu finden,
die eine Erklärung für den schweren Ikterus hätten abgeben
können. 'Dagegen legt der acholische Stuhl die Vermutung
nahe, dass es sich 'hier wohl hauptsächlich um einen Stauungs-
l ) Neu: Med. Klinik 1906, No. 41.
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ikterus im Anschluss an eine Schwellung des Ductus chole-
dochus und der Papille handelte. Da die Gallenwege sich als
durchgängig erwiesen, das Kind anfangs auch Mekonium ent¬
leerte und der Stuhl vom 14. Tage an gefärbt war, so kann
es sich nicht um eine angeborene Atresie gehandelt haben.
Da der Verschluss nur vorübergehend war, ist es auch er¬
klärlich, dass bei der mikroskopischen Untersuchung keine Dila¬
tation der Gallenkapillaren mehr zu finden war.
Der von Schmo r 1 2 ) und Beneke 3 )beschriebene Kern¬
ikterus des Gehirns war in unserem Falle nicht vorhanden,
im Gegenteil erwies sich dasselbe auffallenderweise als fast frei
von Gallenfarbstoff. Ob wir, wie dies Esch 4 ) versuchte, be¬
rechtigt sind, den Kernikterus als eine besondere Krankheits¬
form aufzufassen, scheint uns nach den letzten Erfahrungen, die
Pfannen stiel gemacht hat. zweifelhaft. Die von Esch
besonders hervorgehoberoen zerebralen Symptome konnten wir
bei unserem Kinde nicht beobachten. Es war stets sehr ruhig,
apathisch und reagierte nur zuweilen auf leise Berührungen
durch Zuckungen. Krämpfe traten niemals auf. Die Nahrungs¬
aufnahme war durchwegs gut, wie dies ja in ähnlichen Fällen
nicht selten ist, und wir möchten es der reichlichen Aufnahme
der Muttermilch vor allem zuschreiben, dass das Kind der In¬
fektion so lange Widerstand leistete.
Die schwere allgemeine hämorhagische Diathese ist als Be¬
gleiterscheinung des Ikterus gravis, sowie nach septischen In¬
fektionen eine bekannte Erscheinung. Die Therapie ist hier
fast machtlos, auch die sonst so gerühmten Gelatineinjektionen
haben uns hier im Stiche gelassen. Als Eingangspforte für die
Infektionserreger dürfte wohl der Nabel als die häufigste anzu¬
sehen sein. Wenn wir auch durch die Untersuchung keine
Phlebitis oder Arteriitis nachweisen konnten, so weist doch
dier Umstand, dass der Nabelschnurrest- sich im Zustand
feuchter Gangrän befand, daraufhin, dass von hier aus die
Infektionserreger in den Körper eindrangen.
Kürzlich ist von Pfannenstiel eine Arbeit über den
habituellen Ikterus gravis bei Neugeborenen (in dieser Zeit¬
schrift No. 42 und 43) erschienen. Er versteht darunter das
wiederholte Auftreten von Icterus gravis bei verschiedenen
Kindern derselben Eltern. Er betont ausdrücklich, dass eine
Infektion dabei nicht im Spiele sei und führt von einer Familie
die Krankengeschichten von zwei Kindern ausführlich an. Mit
der zweiten von diesen 'hat unsere Beobachtung zweifellos
grosse Aehnlichkeit bis auf die Temperaturkurve. Indessen
war unser Kind anfangs auch fieberfrei und wenn wir die Tem¬
peraturen als Geliatinefieber auffassen, so werden, beide Bilder
noch ähnlicher. Eine bakteriologische Untersuchung ist in dem
zweiten Pfannenstiel sehen Falle nicht vorgenommen
worden; auch B e n e k e und Esch erwähnen nichts von einer
solchen. Unser Fall zeigt aber, wie sehr man berechtigt ist,
bei Icterus gravis und hämorrhagischer Diathese beim Neuge¬
borenen zunächst an Sepsis zu denken. Da die Blutun-ter-
suchung intra vitam nur selten gelingen wird, so sollte man
dieselbe wenigstens post mortem nicht versäumen.
Aus der medizinischen Klinik in Strassburg (Geheimrat
Prof. Moritz).
Ein Fall von kruppöser Laryngo-Tracheitis ohne
Löf fl ersehe Bazillen.
Von Dr. L. Jacob, Assistenzarzt.
Vor kurzem kam bei uns ein Fall von kruppöserEnt-
Zündung des Larynx, der Trachea und der
Bronchien zur Beobachtung, der, anfangs durch die schwe¬
ren Erscheinungen der Suffokation einen bedrohlichen AH-
gemeineindruck bietend, zunächst als Diphtherie aufgefasst
werden musste, sich aber im weiteren Verlauf als eine mem-
branöse Entzündung ohne Vorhandensein des Löffler sehen
Bazillus erwies.
Es handelte sich um eine 33 jährige Frau, Gravida im VI. Monat,
die 12 Tage vor der Aufnahme mit Heiserkeit erkrankt war.
*) Schmorl: Verhandl. der pathol. Gesellschaft, 6. Tag. Jena
1904.
") Beneke: Münch, med. Wochenschr. 1904. S. 1023.
’) Esch: Zentralbl. f. Gvnäkol. 1908, No. 30.
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23 . Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
395
ohne sonstige Beschwerden, auch ohne Halsschmerzen. Allmählich
verschlimmerte sich die Heiserkeit, es traten Atembeschwer-
den, Schluckschmerzen und Husten mit schleimigem Aus¬
wurf hinzu, in dem sich mehrmals grössere weisse Fetzen befunden
haben sollen.
Bei der Aufnahme bot die Patientin ein sehr schweres und
bedrohliches Krankheitsbild. Sie lag halb aufgerichtet, sehr
unruhig im Bett, atmete sehr frequent und unter grosser An¬
strengung, Gesicht und Hände waren stark zyanotisch, die
I nspiration erfolgte nur mit grosser Mühe, von lautem
Stridor begleitet, am Thorax sah man deutliche Einziehungen
der Interkostalräume. Der Puls war frequent und weich, die
Temperatur betrug 39,1 (Axilla). Ueber den Temperaturverlauf
sowie das Verhalten von Puls und Respiration s. Fig. 1.
Mund- und Nasenhöh 1 e
waren ganz frei. Im Kehlkopf¬
spiegel sah man die Schleim¬
haut des Larvnxeinganges,
besonders der Epiglottis und der
Aryknorpel dunkelrot und ge¬
schwollen. Die Seitenwände des
Larynx waren mit weiss-
liehen Membranen bedeckt,
ebenso sah man die Wand der
Trachea grauweiss verfärbt.
Die Lvmphdrüsen am
Hals und Unterkiefer waren nicht
fühlbar.
Die Lungen grenzen stan¬
den tief und waren wenig ver¬
schieblich, das rauhe, vesikuläre
Atemgeräusch wurde meist von
dem lauten Stridor übertönt.
Die übrigen Organe
zeigten keinen pathologischen
Befund.
Die Kranke entleerte unter häufigem, bellendem Husten ein
reichliches, schleimiges Sputum, in dem sich mehrere grosse
(bis 4 cm lange und 1,5 cm breite) Membranen befanden.
Es handelte sich also nach diesem klinischen Befund um
eine «deszendierende kruppöse Entzündung des
Larynx und der Trachea, die bereits auf T r a c h e a
und Bronchien übergegriffen haben musste
und bedrohliche Suffokationserscheinungen bewirkte. Zunächst
musste man an Diphtherie denken. Die Kranke erhielt eine In¬
jektion von Diphtherieheilserum (1500 I.-E.); durch Eisdarm,
kühle Getränke, sowie durch permanente Inhalation von
Wasserdampf und Verabreichung von Liq. amon. anisati wurde
versucht, einen Rückgang der Entzündungserscheinungen und
Lösung der Membranen zu erreichen.
Nach Aushusten der Membranen am Abend des Aufnahme¬
tages und in den folgenden Tagen nahmen Stridor und Zyanose
allmählich ab. Am 3. Beobachtungstag war die Atmung ganz
frei und nur noch wenig beschleunigt. Es treten jetzt deut¬
lichere Erscheinungen von seiten der Lungen zutage, jedoch
bleiben sie auf eine ziemlich starke Bronchitis beider Unter-
lannen beschränkt. Während der nachfolgenden 14 Tage «der
Behandlung verschwand sie allmählich; es blieb nur 'bis zur
Entlassung eine sehr starke Heiserkeit zurück.
Von der bakteriologischen Untersuchung
der Membranen mussten wir Aufschluss über die Natur
der Erkrankung erwarten. Die wiederholte Unter¬
suchung auf Diphtheriebazillen ergab aber völ¬
lig negativen Befund. Es wurde sowohl Sekret des
Larynxeinganges direkt auf Löfflerserum übertragen, als auch
mehrmals Teile einer frischen Membran auf solchem verrieben,
zur Kultur verwendet. Es wuchsen aber auf den Platten nur
zahlreiche Diplokokken und andere Kokken, keine Stäbchen.
Es gelang auch nicht mit Neisserscher Färbung solche
in den Kulturen nachzuweisen, ebensowenig wie im mikro¬
skopischen Präparat der zerriebenen Membranen und im
Schnittpräparat. Die bakteriologische Untersuchung im hiesi¬
gen hygienischen Institut ergab das gleiche negative Resultat:
keine Diphtheriebazillen, nur Kokken und Diplokokken, deren
Weiterzüchtung aus äusseren Gründen unterblieb *).
*) Herrn Dr. Rotherrnund, Assistent am hyg. Institut, der mit
freundlicher Erlaubnis von Herrn Prof. Förster die Membranen
ebenfalls der Untersuchung unterzog, sagen wir unseren verbind¬
lichsten Dank.
Solche Fälle akuter Laryngo-Tracheitis mit Bildung von
Membranen ohne Löffler sehe Bazillen sind im Verhältnis
zur Häufigkeit echter Diphtherie sehr selten. Bemerkenswert
ist, dass Nasenhöhle und Rachen vollkommen frei blieben, eine
Erscheinung, die man beim Krupp der Kinder ja häufiger, bei
Erwachsenen aber nur ganz ausnahmsweise beobachtet. Als
klinische Unterschiede von der echten Diphtherie kommen in
Betracht das Fehlen von Lymphdrüsenschwelhingen, ein völ¬
liges Unbeteiligtbleiben der Nase, das meist höhere Fieber.
Nicht selten sind bei diesen, in der Mehrzahl der Fälle von Sta¬
phylokokken und Streptokokken bewirkten Prozessen, Erschei¬
nungen von seiten der Bronchien und Lungen, die gleich zu
Anfang der Erkrankung das Bild beherrschen und später zu
tödlichem Ausgang führen können, während die Erscheinungen
am Kehlkopf meist rasch verschwinden. Nach einer 1907 er¬
schienenen, . zusammenfassenden Darstellung eines französi¬
schen Autors l ) existierten bis dahin in der Literatur nur 15,
durch genaue bakteriologische Untersuchungen gesicherte Fälle
echter kruppöser Entzündung der oberen Luftwege ohne
Diphtherie- oder Pseudodiphtheriebazillen. In einer vor weni¬
gen Wochen veröffentlichten Arbeit von Reiche und Scho¬
rn e r u s J ) über Pneumokokkeninfektion der oberen Luftwege,
sind ebenfalls mehrere Fälle membranöser Entzündung
des Rachens und Kehlkopfes beschrieben. Der dort an letzter
Stelle mitgeteilte Fall hat grosse Aehnlichkeit mit dem unsri-
gen. Soweit wir uns an der Hand der uns zugänglichen Litera¬
tur 3 ) orientieren konnten, sind Beobachtungen wie die hier
beschriebene in der Tat sehr selten.
Ein Fall von echten Halsrippen.
Von Dr. A. Lechleu thn e r.
Fräulein A. F., 24 Jahre alt, Näherin in Söchtenau, konsultierte
mich im heurigen Oktober mehrmals wegen Heiserkeit und Husten.
Dieselbe hat eine Grösse von 156 cm und ein Körpergewicht
von 93 Pfd.! Ihr Ernährungs- und Kräftezustand ist sehr mittelmässig.
Der Knochenbau ist äusserst grazil. Die Zähne sind fast alle gut
erhalten. Das Becken ist seicht, die Symphyse auffallend abgerundet.
Die Stimme ist schwach und heiser. Der Thorax zeigte eine schlechte
Entwicklung, er ist seicht und schmal. Inspirium 76 cm und Exspirium
71 cm. Halsumfang 33 cm. In der Gegend des Ringknorpels befindet
sich eine haselnussgrosse harte Drüse.
Die Schultern stehen fast vertikal, aufgezogen. Akromialdistanz
vorne: 38 cm. Der Lungenton ist in den oberen Lappen ziemlich
abgeschwächt, das vesikuläre Atmungsgeräusch allenthalben ver¬
schärft. Die Herzgrenzen sind normal, die Herztöne alle rein. Der
Puls (80) regelmässig, klein und spitz.
Die unteren Schliisselbeingruben sind ausgefüllt, die oberen leicht
konvex hervortretend. Bei Abtastung dieser Konvexitäten hat man
im ersten Moment das Gefühl, als ob man eine kastaniengrosse, ab¬
gerundete, steinharte Drüse unter den Fingern hätte. Weil jedoch
dieselbe symmetrisch angelegt und absolut unbeweglich ist, entschloss
ich mich zur Röntgenaufnahme, der wir beiliegendes Bild verdanken.
Die Photographie ist von hinten auigenommen. Rechterseits
sieht man deutlich die ersten 6 Rippen, das Schlüsselbein und darüber
3 komplette Halsrippen, keine Rudimente. Die 3 Halsrippcn setzen
sich an dem 7., 6. und 5. Halswirbel an.
Die linke Seite ist weniger scharf wegen des Hcrzschättens und
wegen der Infiltration der linken Lunge. Die beiden oberen Hals-
‘) Jacod: Des laryngitis aigu6s ä fausses membranes non
diphth£riques. La Semaine mödicale 1907, No. 43. (Daselbst auch
ausführliche Literaturangabe.)
2 ) Reiche und Scho merus: Mitteilungen aus .den Ham¬
burger Staatskrankenanstalten 1907.
3 ) ßaginsky in Nothnagels Handbuch Bd. II. Pfaundler
und Schlossmann, Heubner (Kinderkrankheiten), Kolle-
Wassermann (Handbuch der pathol. Mikroorganismen) u. a.
3*
- Temperatur pjp |
Pu,s *
” ~ Respiration
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
396
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
rippen sind weniger deutlich ausgebildet wie rechts, die oberste er¬
scheint wie frakturiert. Alle 3 sind vollständig ausgebildete Rippen.
In Anbetracht des jetzigen tuberkulösen Zustandes der Patientin
erscheint die Frage gerechtfertigt, ob sich nicht die Tuberkulose der
Spitzen und des Larynx indirekt infolge der Rippenabnormität ent¬
wickelt hat. Denn ein derartiger knöcherner Kranz muss unbedingt
die freie Beweglichkeit, Ausdehnungsfähigkeit der Lungenspitzen und
deren Ernährung nachteilig beeinflussen.
Bericht Uber die Tätigkeit des Schularztes im Amts¬
bezirk Schwabmünchen im Jahre 1908.
Von Dr. Q r o s, Kgl. Bezirfcsarzt in Schwabmünchen.
In den ersten Monaten des Jahres 1907 wurden die Grundzüge
der Organisation zu der Schularztstelle festgestellt und am 22. Juni
1907 erging die erste Aufforderung zum Beitritt zur Organisation an
alle gemeindlichen Organe im Amtsbezirk.
Der Aufklärung des königlichen Amtsvorstandes ist es gelungen,
dass bis zur Distriktsratssitzung am 25. September 1907 — 17 Ge¬
meinden ihr Einverständnis mit der Einrichtung einer Schularztstelle
kundgaben, und dass der Distriktsrat am gleichen Tage das Reiie-
kostenaversum für den Schularzt und die Hälfte der Kosten für seine
Entschädigung gewährte.
Durch hohe königliche Regierungsentschliessung vom 6. IV. 08
wurde die Dienstanweisung für den Schularzt genehmigt.
Bis zum 14. IV. 08 waren sämtliche Gemeinden des Amtsbezirkes
der Einrichtung der Schularztstelle beigetreten.
Die schulärztliche Tätigkeit im Amtsbezirke Schwabmünchen
wurde nur einem Arzt und zwar dem königlichen Bezirksarzt über¬
tragen. Es wird sich nicht bestreiten lassen, dass die Vereinigung
der schulärztlichen Tätigkeit in einer Hand ihre grossen Vorzüge hat
namentlich auch mit Rücksicht auf eine gleichartige Berichterstattung,
die nur hiedurch gewährleistet ist.
Soferne es wünschenswert und auch' zweckmässig erscheint, die
schulärztliche Tätigkeit in einem Bezirk nur einem Arzt zu über¬
tragen, so kann wohl nur der Bezirksarzt in Betracht kommen.
Für den Bezirksarzt bedeutet natürlich die Uebernahme der
Schularztstelle grosse Opfer an Zeit und Arbeit.
Im hiesigen Bezirk liegen die Verhältnisse folgendermassen: die
schulärztliche Tätigkeit nahm 34 Tage in Anspruch und wurde in der
Zeit vom 2. Juni bis 1. August ausgeführt. In den Schulen der Markt¬
gemeinde Schwabmünchen konnte die Untersuchung erst im Oktober
vorgenommen werden, da das Schuljahr in dieser Marktgemeinde erst
am 15. September beginnt.
Die Untersuchung erstreckte sich auf sämtliche Schulen im Be¬
zirksamt Schwabmünchen und beträgt die Zahl derselben 28.
Zur Untersuchung kamen der I., III. und VII. Jahrgang. In
Bobingen kamen vom VII. Jahrgang nur die Knaben zur Unter¬
suchung, da durch Beschluss der Gemeindeverwaltung Bobingen
die Untersuchung der Mädchen des VII. Schuljahres nicht für opportun
erachtet wurde.
Die Untersuchung sämtlicher Kinder erstreckte sich:
1. auf allgemeine Körperbeschaffenheit, Ernährungszustand.
2. Hautkrankheiten (Haare). 3. Grösse. 4. Gewicht. 5. Brustumfang.
6. Allgemeine geistige Beschaffenheit, Nervensystem. 7. Allgemein¬
erkrankungen (Krankheiten des Blutes, Rhachitis, Skrofulöse, Bil¬
dungsfehler). 8. Wirbelsäule und Glieder. 9. Zähne. 10. Mund, Nase,
Rachenhöhle. 11. Sprache. 12. Hals (Kropfbildung). 13. Brustorgane.
14. Unterleibsorgane (Bruchleiden). 15. Augen und Sehvermögen.
16. Ohren und Gehör.
Der Untersuchungsbefund wurde in die Gesundheitsbögen ein¬
getragen, welche bei den Schulakten aufbewahrt werden.
Die Untersuchung der Kinder wurde in den Schulsälen vor¬
genommen; bei Vornahme der Untersuchung der inneren Organe der
Kinder wurde für strenge Isolierung beider Geschlechter Sorge ge¬
tragen. In 70 Proz. der Schulen erfolgte diese Untersuchung der
Kinder in der Wohnung der Lehrer, welche mir in entgegenkom¬
mendster Weise 2 Zimmer zur Verfügung stellten.
Musste mangels sonstiger geeigneter Räume die innere Unter¬
suchung der Kinder in den Schulsälen vorgenommen werden, so
wurde in diesen durch Vorhänge, spanische Wände u. dergl. ein Raum
geschaffen, in dem die Untersuchung jedes einzelnen Kindes vor¬
genommen werden konnte.
In jenen Fällen von an Gehörfehlern leidenden Kindern, welche
eine zeitraubende Untersuchung erforderten, wurde diese später in
meinem Sprechzimmer vorgenommen.
Es wurden in meinem Sprechzimmer 72 Kinder nachuntersucht,
und zwar 42 Knaben und 30 Mädchen.
Sehr zeitraubend und schwierig gestaltete sich die Bestimmung
der Sehschärfe der Kinder.
Bei den Kindern des I. Schuljahres wurden anfänglich zur Be¬
stimmung der Sehschärfe die Dr. W o I ff b_e r g sehen Bilder benützt;
es ergab sich aber bereits nach der Untersuchung der Kinder zweier
Schulen, dass das Resultat, welches mit diesen W o 1 f f b e r g sehen
Bildern erzielt wurde, ein sehr unzuverlässiges war. Es wurde des¬
halb die Hacke nach S n e 11 e n, modifiziert durch Professor Dr. Herrn.
Cohn in Breslau angewendet.
Das Modell von Dr. H. Cohn besteht aus einem kleinen Karton,
auf dessen Vorder- und Rückseite sich nur je ein auf 6 m berech¬
neter Hacken in verschiedenen Stellungen befindet, so dass durch
Umdrehen der Tafel die Stellung beliebig variiert und jedes Aus¬
wendiglernen vermieden wird. Der Prüfling erhält eine Papiergabel
in die Hand mit der er die Stellung des Hackens nachahmt.
Durch diese Methode gelingt es relativ rasch und sicher die
Sehleistungen der Kinder festzustellen.
Bei den Kindern des III. und VII. Schuljahres wurden die Schrift¬
zeichen nach S n e 11 e n gebraucht.
Was die Bestimmung der Art der Refraktionsanomalien betrifft
den Grad der Refraktionen, so sind bei wenig intelligenten Kindern
diese Bestimmungen gleichfalls schwierig und erfordern grosse
Geduld.
Sobald manche Kinder durch ein Glas sehen sollen, sind sie so
verwirrt, dass sie überhaupt nichts sehen, sie beginnen auch bald
zu weinen, und man muss bei allerdings einer sehr geringen Zahl
von Kindern auf eine sehr genaue Bestimmung der Refraktions¬
anomalie verzichten.
Die Prüfung des Hörvermögens wurde mittels Flüstersprache
vorgenommen. Bei dieser Prüfung muss man seine Sprache etwas
dem Dialekt, also hier dem schwäbischen anpassen, da andernfalls
die Prüfung sehr unzuverlässige Resultate ergeben würde. Bei der
Bestimmung der Körpergrösse habe ich einen wegen seiner kompen-
diösen Form sehr zweckmässigen Massstab benutzt; ineinander ge¬
schoben hat dieser Massstab das Aussehen eines Spazierstockes.
Die Bestimmung des Körpergewichtes wurde mittels Dezimal¬
wagen, welche in der Schule aufgestellt wurden, vorgenommen.
Die Untersuchung der Kinder hat, wie ich schon angegeben habe.
34 Tage in Anspruch genommen.
Die Zeitdauer der Untersuchung jedes einzelnen Kindes betrug
durchschnittlich 8 Minuten und nimmt die Untersuchung von 10 Kin¬
dern durchschnittlich 1 Stunde 20 Minuten in Anspruch. Die Unter¬
suchung der Kinder wurde in folgender Weise vorgenommen: Zuerst
wurde die Beschaffenheit der Haare, Augen (Augenlider, Konjunktiven,
Augenmuskeln), Nase, Zähne, Rachenhöhle etc. festgestellt. Dann
folgte die Messung der Körpergrösse und die Feststellung des Körper¬
gewichtes, alsdann die Untersuchung der inneren Organe, dann die
Prüfung der Sehschärfe und schliesslich die Prüfung des Hörver¬
mögens und Untersuchung der Hörorgane.
Die Gesamtuntersuchung jedes einzelnen Kindes, also Be¬
stimmung von Grösse, Gewicht, Sehschärfe. Untersuchung der inneren
Organe etc. vorzunehmen ist natürlich nicht angängig, schon deshalb
nicht, weil sonst der Untersuchende gezwungen wäre, ständig die
verschiedenen zur Untersuchung erforderlichen Utensilien zu wech¬
seln. Auch würde die doppelte Zeit erforderlich sein, ohne dass das
Untersuchungsresultat dadurch eine Besserung erfahren würde, es
würde das Gegenteil eintreten.
Bevor ich über das Resultat der schulärztlichen Untersuchung
berichte, möchte ich bemerken, dass, was die Ergebnisse dieser
Untersuchungen in den 28 Schulen anbelangt, kein Anlass be¬
steht, für jede Schule einen gesonderten ärztlichen Bericht ab&j-
fassen, da der Vergleich keine Besonderheiten des Untersuchungs¬
befundes hervortreten lässt, welche durch örtliche Verhältnisse, seien
es klimatische oder sanitäre, begründet sind.
Es wurde deshalb ein einheitlicher Bericht, der das Resultat der
schulärztlichen Untersuchung sämtlicher Schulen umfasst, aus¬
gearbeitet.
In diesem Bericht sind die 3 untersuchten Schulklassen I., III.
und VII. Klasse gesondert angeführt; die einzelnen Schulklassen sind
wieder nach Geschlechtern geschieden.
Dieser einheitliche Bericht hat auch den Vorzug der grösseren
Uebersichtlichkeit.
Die Gesamtzahl der Kinder in 28 Schulen betrug:
1865 Knaben
1966 Mädchen
3831 in Summa.
Die Zahl der untersuchten Kinder in der I. Schulklasse betrug:
322 Knaben
331 Mädchen
653 in Summa,
in der III. Schulklasse: 302 Knaben
342 Mädchen
644 in Summa,
in der VII. Schulklasse: 252 Knaben
240 Mädchen
492 in Summa.
somit wurden im ganzen 876 Knaben und 913 Mädchen in Summa
1789 Kinder untersucht “ 46,69 Proz.
Die Untersuchung der Kinder auf ihre allgemeine Körper¬
beschaffenheit ergab nachstehende Resultate:
Allgemeine Körperbeschaffenheit gut:
in der I. Klasse: 82 Knaben, 110 Mädchen,
„ „ III. „ 63 „ 84 „
„ „ VII. „ 80 „ 88 _ „
zusammen: 225 Knaben, 282 Mädchen = 28,33Proz.;
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i
23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
mittelgut: in der I. Kl.: 224 Knaben, 202 Mädchen
» n Hl. „ 225 „ 239
„ ,. VH. „ 163 „ 140 _
zusammen: 612 Knaben, 581 Mädchen = 61,09 Proz.»
schlecht: in der I. Klasse: 16 Knaben, 19 Mädchen,
„ „ HI. „ H „ 20
„ „ VII. „ 9 „ 11
zusammen: 39 Knaben, 50 Mädchen = 4,97 Proz.
Das Resultat auf: Körpergrösse, Körpergewicht und Brustumfang
der untersuchten Kinder ist in anliegender *) Tabelle enthalten.
Die verschiedenen Erkrankungen der Lunge, Herz, Unterleibs¬
organe, Hauterkrankungen, Knochenerkrankungen, Augen und Seh¬
schärfe, Ohren und Gehör, Mund, Nase, Sprache, Konstitutionskrank¬
heiten sind in einer anliegenden ** •**) ) tabellarischen Uebersicht zu¬
sammengestellt, wozu ich noch Nachstehendes hervorheben möchte.
Die Zahl der festgestellten Erkrankungen der Lunge und des
Rippenfelles kann als gering bezeichnet werden, sie betreffen
a! 0,39 Proz., b) 0,27 Proz. der untersuchten Kinder.
Besonderes Interesse erregt die grosse Anzahl der Vergrösserung
der Schilddrüse 734 = 41,02 Proz.
Davon waren leichte Anschwellungen 51 Proz., mittelstarke
Anschwellungen 38 Proz. und starke Anschwellungen 11 Proz. Die
Anschwellungen der Schilddrüse kommen bei beiden Geschlechtern
in nahezu gleicher Anzahl vor, nur um weniges überwiegen die
Anschwellungen bei Knaben. Auch auf die einzelnen Jahrgänge ver¬
teilten sich die Anschwellungen gleichartig. Der Grund dieser so
ausserordentlich grossen Anzahl von Schilddrüsenschwellungen
konnte bisher noch nicht festgestellt werden, nur soviel lässt sich
sagen, dass die Ursache dieser Anschwellungen im ganzen Amtsbezirk
wirksam sein muss, weil die Zahl der Anschwellungen in sämtlichen
Schulen nahezu gleich ist. Die Zahl mit Schilddrüsenschwellungen
behafteter erwachsener Personen im Amtsbezirk ist keine grosse
und scheint daher diese Anschwellung in späteren Jahren wieder
zurückzugehen.
Anormale Lagerung des Hodens in Form von Kryptorchismus
wurde auch in relativ grosser Zahl beobachtet und zwar bei
48 Knaben.
Grösser erscheint noch die Zahl der Verlagerung des Hodens
und zwar fand sich bei 76 Knaben der Hoden teils im Leistenkanal,
teils vor demselben.
Nach den Jahrgängen wurde beobachtet: im I. Schuljahr 39 Fälle,
im III. 27 Fälle und im VII. 10 Fälle; es steigt also der Hoden aus dem
l.eistenkanal in späteren Jahren in den Hodensack herab.
Hauterkrankungen.
Die Zahl der Hauterkrankungen, die festgestellt wurden, ist eine
relativ geringe. Hautpflege und Hautreinlichkeit erscheint aner¬
kennenswert.
Knöchernes Körpergerüst.
Hierher gehörige Erkrankungen wurden bei 808 Kindern — 424
männlich, 384 weiblich — 45,16 Proz. festgestellt.
Den Hauptanteil an diesen Erkrankungen haben Verkrümmungen
namentlich des Brustkorbes infolge von Rhachitis und zwar sind da¬
von 717 Fälle beobachtet worden.
Die Verkrümmungen des Brustkorbes betreffen die Rippen und
das Brustbein in allen Graden.
Bei den Fällen von Wirbelsäulenverkrümmung handelt es sich
in der Mehrzahl um Skoliosen leichten Grades.
Verkrümmungen des Rückens infolge Karies der Wirbelkörper
wurden bei 4 Kindern — 2 Knaben und 2 Mädchen beobachtet. Be¬
sonderes Interesse bietet ein Knabe mit Enzephalozele am Hinterhaupt
in Form einer kindsfaustgrossen Geschwust. Der Knabe hat ein.en
leicht schwankenden Gang, seine geistigen Fähigkeiten sind sehr ge¬
ringe.
Augen und Sehschärfe.
Unter den Erkrankungen der Augen fällt die grosse Zahl an
Bindehautkatarrhen auf mit 221 Erkrankungsfällen, 137 Knaben,
K 4 Mädchen, also 12,35 Proz.
Die grosse Zahl von Bindehautkatarrhen scheint durch anhaltende
Arbeit auf dem Felde verursacht gewesen zu sein; dafür spricht auch
der Umstand, dass mehr Knaben als Mädchen mit Bindehautkatarrhen
behaftet befunden worden sind.
Nach den Bindehautkatarrhen erscheint die grosse Zahl von Re¬
traktionsanomalien von Interesse.
Es handelt sich hier um 342 Fälle und zwar bei 154 Knaben und
188 Mädchen = 19,11 Proz.
Bei den Refraktionsanomalien handelt es sich um
Myopie bei 121 Knaben, 142 Mädchen, Hypermetropie bei 27 Knaben,
38 Mädchen, Astigmatismus bei 6 Knaben, 8 Mädchen.
Normale Sehschärfe wurde bei 1447 Kindern, nämlich
bei 722 Knaben und 725 Mädchen = 80,88 Proz. festgestellt.
Sehstörungen auf einem Auge bei 158 Kindern —
8« Knaben und 90 Mädchen — 8,83 Proz.
*) Wegen Raummangel musste auf die Beilage dieser Tabellen
verzichtet werden.
•**) Wegen Raummangel musste auf die Beilage einer Reihe er¬
läuternder Tabellen verzichtet werden.
Sehstörungen auf beiden Augen: 184 Kinder, bei
86 Knaben und 98 Mädchen = 10,28 Proz.
Ohren und Gehör.
Unter den Ohrenerkrankungen steht der eitrige Mittelohrkatarrh
an erster Stelle, nämlich bei 40 Kindern — 19 Knaben, 21 Mädchen —
= 2,23 Proz.
Fälle von Schwerhörigkeit wurden bei 121 Kindern festgestellt.
Die Ursachen dieser Schwerhörigkeit waren.
Fremdkörper und Anhäufungen von Ohrenschmalz 15 Proz.
Folgen von Mittelohrerkrankungen 79 Proz.
Unbekannte Ursache 2 Proz.
Zentraler Ursprung 4 Proz.
Die Zahl der schwerhörigen Kinder beläuft sich auf 121, da¬
runter 75 Knaben, 46 Mädchen — 6,76 Proz.
Normale Gehörschärfe auf beiden Ohren 1668.
bei 801 Knaben und 867 Mädchen.
Schwerhörigkeit auf einem Ohr 53, bei 31 Knaben
und 22 Mädchen.
Schwerhörigkeit auf beiden Ohren 68, bei 44 Kna¬
ben und 24 Mädchen.
Mund, Nase, Sprache.
Entzündungen und Anschwellungen der Nasenschleimhaut,
namentlich auch der unteren Nasenmuschel, sind sehr zahlreich, sie
wurden bei 240 Kindern beobachtet — 112 Knaben und 128 Mädchen —
= 13,41 Proz. Ganz erstaunlich gross ist die Anschwellung der
Mandeln und zwar 643 Kinder, bei 325 Knaben und 318 Mädchen
— 35,94 Proz.
Sprachfehler wurden bei 172 Kindern — 107 Knaben.
65 Mädchen — = 9,61 Proz. festgestellt.
Es handelt sich in der Mehrzahl um „Stammeln“ und zwar in
130, um „Stottern“ in 37 Fällen, Kinder mit organischen Sprachfehlern
(Gaumenspalte) 5 Fälle.
Zähne.
Die Untersuchung der Zähne hat ergeben, dass die Be¬
schaffenheit derselben durchschnittlich als sehr ungünstig bezeichnet
werden muss.
Bei 1789 Kindern hatten nur 197 Kinder gute Zähne und zwar
104 Knaben und 93 Mädchen — 11,01 Proz.
Bei 1368 Kindern war die Beschaffenheit der Zähne mittelmässig,
in der Regel wurden 2—6 Zähne kariös befunden.
Unter schlechte Beschaffenheit der Zähne wurden jene Fälle
subsumiert, in denen mehr als 6 Zähne erkrankt waren und auch
die Stellung der Zähne eine anormale war.
Gegenüber diesem so ausserordentlich ungünstigen Unter¬
suchungsresultat wird für die Zukunft der Zahnpflege auf Anregung
des Schularztes besondere Aufmerksamkeit zugewendet werden
müssen.
Konstitutionskrankheiten.
Blutarmut wurde bei 203 Kindern und zwar bei 86 Knaben
und 117 Mädchen =? 11,34 Proz. festgestellt.
Fälle von Skrofulosis und Drüsenerkrankungen
sind in relativ geringer Zahl beobachtet worden. Bei ersteren 27 Fälle
— 13 Knaben, 14 Mädchen — = 1,50 Proz., bei letzteren 24 Fälle —
11 Knaben und 13 Mädchen — = 1,34 Proz.
Die Zahl der Schwachsinnigen betrug 9 — 3 Knaben,
6 Mädchen — = 0,50 Proz.
Auffallend schlechter Ernährungszusand ohne das
Vorhandensein eines organischen Leidens wurde bei 19 Kindern —
8 Knaben und 11 Mädchen — beobachtet = 1,06 Proz.
Die Ergebnisse der schulärztlichen Untersuchungen lassen wohl
die Bedeutung der schulärztlichen Tätigkeit schon jetzt deutlich er¬
kennen, auch in Bezug auf die praktischen Erfolge dieser Tätigkeit.
Diese praktischen Erfolge werden jährlich zunehmen, wenn ein
starkes Zusammenwirken zwischen Schulpersonal und Schularzt ein¬
getreten sein wird, dazu sind aber noch Jahre erforderlich.
Rückblickend auf das Resultat der schulärztlichen Unter¬
suchungen möchte ich es nicht unterlassen, auf einen sehr wichtigen
Punkt hinzuweisen: es betrifft die Ernährung der Kinder.
Die Ernährung der Kinder kann durchschnittlich eine wenig be¬
friedigende genannt werden.
Unter 1789 Kindern ist bei 1193 Kindern der Ernährungszustand
ein mittelmässiger = 61 Proz.
Der Grund des so wenig befriedigenden Ernährungszustandes der
Kinder liegt in der unzweckmässigen Ernährung der Kinder, durch die
in allen Gemeinden enstandenen Molkereien wird der letzte Tropfen
Milch von der überwiegenden Masse der Bevölkerung in den Mol¬
kereien zu Geld gemacht, und statt den Kindern in jüngeren Jahren
reichlich Milch als Nahrungsmittel zu reichen, erhalten dieselben
Nahrungsmittel, die von dem jungen Organismus schlecht assimiliert
werden. Statt einer Milchsuppe, namentlich am Morgen oder Abend,
erhalten die Kinder eine Suppe aus schwarzem Brot, mit Wasser
gekocht.
Bei dieser Ernährung der Kinder ist es kein Wunder, wenn die
körperliche Entwickelung langsam und mangelhaft fortschreitet. Es
unterliegt keinem Zweifel, dass wenn diese Ernährungsweise erst
viele Dezennien fortgesetzt wird, die ländliche Bevölkerung in
ihrer körperlichen Entwicklung den grössten Schaden leidet. Vor-
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.398 MUENCtteNER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT. No. 8.
läufig macht sich die mangelhafte Ernährung deshalb noch wenig
empfindlich bemerkbar, weil die Eltern der heranwachsenden Gene¬
ration noch eine solide, zweckmässige Ernährung erhalten haben und
diese günstigen Ernährungsverhältnisse noch auf Jahre hinaus auf die
Kinder vererbt werden.
Es wird also versucht werden müssen, die ländliche Bevölkerung
über die Bedeutung einer richtigen Ernährung ihrer Kinder nicht nur
im Säuglingsalter, sondern auch weit über diese Jahre hinaus zu be¬
lehren, namentlich mit Rücksicht auf den bereits angedeuteten grossen
Schaden, welchen die Molkereien in dieser Hinsicht anzurichten im
Begriffe sind und schon angerichtet haben.
Auch die enorme Verbreitung der Rhachitis steht mit dieser un¬
zweckmässigen Ernährungsweise der ländlichen Bevölkerung in
innigstem Zusammenhang.
Ferner möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass, wie ja aus vor¬
liegendem Berichte hervorgeht, eine grosse Anzahl von Krankheiten
bei Kindern festgestellt worden sind. Erst durch die schulärztliche
Untersuchung wurden diese Erkrankungen der Kinder den Eltern
bekannt und so sind dieselben in die Lage versetzt worden, ärztliche
Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dies war bei 156 Kindern der Fall;
darunter fanden sich Erkrankungen, die bei Vernachlässigung unheil¬
volle Krankheitszustände involviert hätten.
Von den Anordnungen, die sonst noch getroffen worden sind,
möchte ich noch erwähnen, dass ich 19 Kinder unter schulärztliche
Aufsicht zu stellen für nötig erachtete, und zwar handelte es sich in
diesen Fällen teils um Gehörleiden, teils um Lungen- und Herz¬
erkrankungen.
Ferner wurden 8 Kinder, 3 Knaben und 5 Mädchen vom Schul¬
unterricht zurückgestellt und zwar 3 wegen allgemeiner Körper¬
schwäche und 5 wegen Schwachsinns.
Die Schulhäuser im Amtsbezirk Schwabmünchen lassen im
allgemeinen in hygienischer Hinsicht nichts zu wünschen übrig. Die
in den letzten Jahren entstandenen Schulhausneubauten können in
jeder Hinsicht als mustergültig bezeichnet werden. Aeusserlich
schöne stilvole Gebäude sind sie in ihrem Innern nach den Erforder¬
nissen der modernen Schulhygiene eingerichtet.
Auch die Reinlichkeit in den Schulhäusern und
Schulsälen lässt ernste Verstösse gegen die Hygiene nicht erkennen,
nur die Säuberung der Fussböden der Schulsäle ist in allen Schulen
eine ungenügende zu nennen, und müsste eigentlich eine tägliche
Reinigung der Fussböden angestrebt werden. Eine solche tägliche
Reinigung der Fussböden setzt natürlich voraus, dass die Fussböden
so beschaffen sind, dass die Reinigung ohne Staubentwicklung und in
kurzer Zeit ausgeführt werden kann. Ein mit Oel getränkter oder
mit Oelfarbe angestrichener Fussböden erscheint die für die Reini¬
gung günstigste Beschaffenheit zu besitzen. Bisher erfolgte die Reini¬
gung der Fussböden nur 1 bis 2 mal in der Woche, was natürlich
gerade in ländlichen Bezirken, in welchen die Kinder oft einige Kilo¬
meter weite, oft grundlose Wegstrecken zurückzulegen haben, in
keiner Weise genügt.
Die Lichtverhältnisse in den Schulsälen waren,
mit Ausnahme des Schulhauses in Reinhardshofen, befriedigend.
Die Heizung und Ventilation Hess in den Schulsälen
ernste Missstände nicht erkennen.
Zwei Kinder, ein Knabe und ein Mädchen, wurden von ihren
Hausärzten untersucht.
Die Aufstellung eines Schularztes im Amtsbezirke Schwab¬
münchen, also in einem ländlichen Bezirke, wird in der Geschichte
der Entwicklung des Schularztwesens in Bayern einen Markstein
bilden, da bisher noch in keinem ländlichen Bezirke an die Auf¬
stellung eines Schularztes herangetreten war.
Durch die Aufstellung eines Schularztes im Amtsbezirk Schwab¬
münchen ist der Beweis erbracht, dass auch in ländlichen Bezirken
die Aufstellung eines Schularztes sehr wohl möglich ist und wie ich
mich bei meiner schulärztlichen Tätigkeit überzeugen konnte, wurde
diese von der Bevölkerung sehr beifällig aufgenommen und ihr grosses
Verständnis entgegengebracht.
Dieses Beispiel, welches so der Amtsbezirk Schwabmünchen
als erstes in Bayern mit der Aufstellung eines Schularztes in einem
ländlichen Bezirk gegeben hat, und das Ergebnis dieser schul¬
ärztlichen Tätigkeit wird, wie angenommen werden darf, für weitere
ländliche Bezirke als Anregung dienen, gleichfalls mit der Aufstellung
von Schulärzten vorzugehen. Aber auch ganz besonders werden
grössere und kleinere Städte Bayerns Veranlassung jetzt nehmen,
auch ihrerseits zu der Aufstellung von Schulärzten zu schreiten, um
nicht in dieser für die Schulhygiene so wichtigen Frage zurtick-
zustehen, denn was in ländlichen Bezirken möglich ist, kann und
muss doch viel eher in den Städten möglich sein.
Die Entwicklung des Schularztwesens ist bisher im deutschen
Reich eine so langsame gewesen (waren doch im Jahre 1907 erst in
200 Kommunen Deutschlands Schulärzte tätig), dass der Wunsch nach
einer rascheren Entwicklung des Schularztwesens wohl berechtigt
erscheint.
Ergebnisse der schulärztlichen Untersuchungen in den Schulen des
Bezirkes Schwabmünchen 1908.
I.
Klasse |
III.
Klasse |
VII. Klaas« |
Summt
Vortrag
Knaben
Mädchen
zusammen
Knaben
Mädchen
zusammen
Knaben
t£
o
i
zusammen
i
£
Mädchen
s
E
I
1. iesamtzabl der untersuchten
Kinder .
322
3311653
302
342
644
252
240
402
876
913
17»
11. Allgemeine KOrperbeschaffenheit:
1
gut.
82
110192
63
84
147
80
88
108
225
282
507
mittel.
224
202
426
225
239
464
163
140
303
612
581
4113
schlecht.
16
r.i
35
14
20
34
9
11
20
39
50
1
»
III. Beschaffenheit der Zahne:
tadollos'.
34
23
57
22
29
51
48
41
89
104
93
197
mangelhaft..
258 273
531
241
243
484
176
177
353
675
693
43»
schlecht .
30
35
65
39
70
109
28
22
50
97
127
\m
IV. Festgestellte Erkrankungs¬
formen:
a) Haut- und Haarkrankheiten
20
17
37
24
15
39
8
7
15
52
39
•t
b) Parasiten.
—
12
12
—
20
2#
—
4
4
—
86
i
c) Nervenkrankheiten
Schwachsinn .
2
4
6
—
2
2
1
—
1
3
6
9
allgemeine.
11
21
32
14
31
45
13
16
89
38
68
d» Rachitis.
178
145
323
120
125
245
95
54
149
393
324
717
e) Skrophulosis.
4
4
8
3
6
9
6
4
10
13
14
»
f) Krankheiten der Wirbel¬
säule, (ilieder (meist ge¬
ringe Rürkgratsverkriim-
mung.
7
26
33
15
24
39
9
10
19
31
60
91
g) Krankheiten von Mund,
Nase, Rachen.
173
170
343
160
191
351
122
106
228
455
467
m
h) Sprachkrankheiten.
4^
31
79
37
23
60
22
11
33
107
65
»n
i) Kropf u. bedeutende Kropf¬
:
anlagen .
135
112
247
120
130
250
124
113
837
379 355
781
k) Krankheiten an Brust-
organen, Herz, Lunge .. .
l) Unterleibsleiden (aus¬
schliesslich Bruch').
51
33
84
44
40
84
27
25
58
122
'28
289
5
6
11
7
6
13
5
5
10
17 17
84
in) Bmehleiden.
11
7
18
10
8
15
11
4
15
SS
19
61
n) Augenkrunkheiten (haupts.
Brechungsunregelmässig¬
I
keiten .
88
73
161
167
158
32E
130
130
385 361
746
o) Ohrenkrankheiten u. anor¬
males Gehör.
26
19
45
36
24
60
32
24
50
94
1
67
161
p)* Anämie.
26
37
63
26
43
Oh
34
37
71
86
117
213
V. Besondere Massnahmen:
!
a) unter ärztlicher Ueber-
wachung stehen.
2
! 3
5
4
5
>| 9
2
3
6
8
11
19
b) von dem Schulbesuch sind
zurückgestellt.
2
! 4
6
1
1
•i 2
-
-
-
8
1 6
8
Aus der akademischen Klinik für Kinderheilkunde zu Düssel¬
dorf (Direktor: Prof. Dr. Arthur Schlossmann).
Die Tuberkulose als Kinderkrankheit.
Bemerkungen zu dem gleichbetitelten Aufsatz des Herrn Privat¬
dozent Dr. Franz Hamburger -Wien in No. 52, 1908 dieser
Wochenschrift. . /
Von Arthur Schlossmann. Y
Seit Behring auf der Kasseler Naturforschervfcrsammlung
1903 durch seinen bekannten Vortrag die Frage von der Genese der
Tuberkulose wieder von neuem angeregt und die Gedankengängc
zweifellos allgemeiner in Bahnen gelenkt hat, die wohl schon ge¬
legentlich gezeigt, aber jedenfalls nicht zielbewusst verfolgt worden
waren, hat man der tuberkulösen Erkrankung des Kindesalters eine
weitgehende Aufmerksamkeit geschenkt. Ist man auch heute jeden¬
falls darüber klar, dass es nicht allein die allererste Zeit des Lebens
ist, in der die Infektion mit Tuberkulose zu erfolgen braucht, dass also
nicht wie Behring mehr schön als ganz richtig sagte, die Lungen¬
schwindsucht des Erwachsenen schliesslich nichts anderes ist. als
das Ende vom Liede, welches einem Schwindsuchtskandidaten an der
Wiege gesungen worden ist, so schätzen wir doch Häufigkeit und
Bedeutung der Tuberkulose im Kindesalter heute ganz anders ein.
als noch vor wenigen Jahren. Ich persönlich habe dieser veränderten
Anschauung auch an den verschiedensten Stellen deutlich Ausdruck
gegeben. So betonte ich im Artikel „Tuberkulose“ im Handbuch der
Kinderheilkunde, dass im Kindesalter in der über¬
wiegenden Mehrzahl der Fälle die Infektion mit
Tuberkulose s t a 11 f i n d e t, die oft im späteren Leben erst
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23 . Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
399
zur Erscheinung kommt und zum Tod iührt. Auf der internationalen
Tuberkulosekonferenz im Haag 1 ) habe ich ganz ausführlich den
Gegenstand behandelt und meiner Ueberzeugung Ausdruck gegeben,
dass die Tuberkulose in der grossen Mehrzahl der Fälle im vollen
Sinne des Wortes eine Kinderkrankheit ist und dass es wahrscheinlich
nur sehr selten vorkommt, dass ein Mensch, der in der Jugend von
Tuberkulose bewahrt war, später damit infiziert wird und daran zu
Gründe geht. Ich erwähnte des weiteren in diesem Vortrage, dass
man annehmen kann, dass etwa 50 Proz. und mehr aller Menschen
in das Alter der Entwickelung bereits tuberkulös eintritt und dass
das Problem für die Bekämpfung der Tuberkulose heisst: Aufzucht
tuberkulosefreier Menscehn. Auch schon in einer vorangegangenen
Arbeit mit Engel 3 ) war betont, dass wir die Tuberkulose als eine
Kinderkrankheit betrachten, insofern als ihre Entstehung fast aus¬
nahmslos in das Kindesalter, ihre Manifestation allerdings häufig in
ein späteres Lebensalter fällt. Wir haben dabei sogar einen Vergleich
mit dem engen Becken gezogen, das zuweilen erst im gebärfähigen
Alter unangenehm in Erscheinung tritt, aber zurückzuführen ist auf eine
in der Jugend durchgemachte Rachitis; ebenso sei die Schwindsucht
und ihr späterer Ausgang nach unserer Ansicht der offensichtige Ab¬
schluss eines in früher Jugend — freilich nicht nur im Säuglings¬
alter begonnenen Krankheitsprozesses. Noch bei mancher anderer
Gelegenheit bin ich dann auf diese meine Meinung zurückgekornmen
und habe endlich sogar in dem Festvortrage 3 ) anlässlich des 25jähr.
Bestehens der Gesellschaft für Kinderheilkunde trotz der notwendigen
Beschränkung auf das Wesentlichste gerade diesen Punkt wieder
ganz besonders hervorgehoben und erwähnt, dass sich mehr und
mehr die Auffassung Bahn bräche, dass dieTuberkulo§,e
eine Kinderkrankheit ist, die in der Kindheit er¬
worben, in der Kindheit verhütet, in der Kindheit
behandelt und in der Kindheit geheilt werden
muss.
Aus all dem Angeführten ist offensichtlich, dass wir der Anschau¬
ung, dass die Tuberkulose eine echte Kinderkrankheit ist, seit nun¬
mehr mehreren Jahren huldigen und dass unser ganzes Arbeits¬
programm in der Tuberkulosefrage von diesem Gedanken beherrscht
wird. Wenn Hamburger also jetzt an der bezeichneten Stelle
sich ebenfalls zu dieser Ansicht bekennt, so ist das auch dann zu
begriissen, wenn er eigentlich nichts neues in dieser Hinsicht zu be¬
richten hat und sogar die Literatur dieser speziellen Frage nur äusserst
unvollkommen berücksichtigt. Aber nicht etwa diese kleine Aus¬
stellung an den Darlegungen Hamburgers ist der Grund, dass ich
selbst hierzu das Wort ergreife, sondern ich glaube, dass es sich doch
nötig erweist, gewisse Einschränkungen gegenüber einer Schluss¬
folgerung Hamburgers zu machen. So sehr ich nämlich mit ihm
oder richtiger er mit mir darin übereinstimmt, dass die Tuberkulose
eine Kinderkrankheit ist, so wenig kann ich dem beipflichten, wenn
er ganz allgemein meint, dass die Kinder mit 13—14 Jahren schon
zu 90 Proz. eine nachweisbare Tuberkuloseinfektion durchgemacht
haben. Selbst wenn er diese Behauptung in einer Parenthese selbst
einschränkt, indem er sagt: in Wien wenigstens, so glaube ich. dass
er auch dann noch sehr irrt. Es wäre nämlich sehr falsch, anzu¬
nehmen, dass ein Material, wie es das St. Anna-Kinderspital bietet,
uns ein zuverlässiges Bild davon gibt, wie die Verhältnisse in der
Gesamtbevölkerung Wiens liegen. In den Spitälern kommt einmal
eben ein Krankenmaterial zusammen; Gesunde bekommt der
Spitalarzt selten zu sehen. Wenn nun auch ein grosse Anzahl der
untersuchten und sezierten Kinder wegen anderer Krankheiten, die
mit Tuberkulose nichts zu tun haben, dem Spital und der Ambulanz
zugeführt wurden, so darf man dabei nicht vergessen, dass Morbidität
und Mortalität der tuberkulös Infizierten zweifellos grösser sind, als
die der nicht tuberkulös Infizierten. Wer ein grosses Material vo.n
Kindern unter Augen hat, die dauernd in öffentlichen Anstalten unter¬
gebracht sind oder die aus anderen Gründen dauernd der ärztlichen
Beaufsichtigung unterstehen, der weiss, dass es unter diesen eine
ganze Reihe von Individuen gibt, die immer wieder und wieder
dem Arzt Vorkommen oder ins Krankenhaus auf genommen werden
müssen. Und das sind eben diejenigen Kinder, die latent oder chro¬
nisch tuberkulös sind, und gerade von diesen Kindern endet früher
oder später ein namhafter Teil im Krankenhaus sein Leben. Durch
sie wird der Prozentsatz der Tuberkulösen, die Hamburger und
$ 1 u k a *) bei ihren vorzüglichen Untersuchungen seinerzeit so hoch
gefunden, erst zu dieser Höhe gebracht; durch sie sind die Zahlen,
wie sie Pirquet 5 ) durch seine kutanen Impfungen ermittelt hat.
so schreckenerregend. Es kommt noch etwas weiteres und wich¬
tigeres hinzu: alle diese Untersuchungen beziehen sich auf ein Ma¬
terial, das Proletarierkreisen entstammt. Die Tuberkulose ist,
darüber besteht doch kein Zweifel, die Prole¬
tariererkrankung *«*' «$oxyv . die Geissei des armen
Mannes. Untersucht man nun Kinder aus solchen Kreisen, so
*) Tuberkulosis, 1906 und Brauers Beiträge Bd. 6.
3 ) Schlossmann und Engel: Zur Frage der Entstehung
der Lungentuberkulose. D. med. Wochenschr. 1906, No. 27.
*) Schlossraann: Ueber die Fortschritte in unseren Kennt¬
nissen auf dem Gebiete der Säuglingskrankheiten. D. med. Wochen¬
schrift 1908, No. 40.
4 ) Jahrbuch f. Kinderheilkunde, Bd. 62.
’’) Verhandlungen der Ges. f. Kinderheilkunde, Bd. 24. 1907.
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wird mau die Zahl der reagierenden oder bei der Sektion der sicher
Tuberkulösen abnorm hoch finden und unter keinen Umständen darf
man so ermittelte Werte als Durchschnitt für eine ganze Stadt be¬
trachten. Und je tiefer unten in der sozialen Schichtung man seine
Untersuchungen anstellt, je mehr man seine Patienten aus den ärm¬
sten und allerärmsten Kreisen nimmt, um so erschrecklicher, um so
grauenvoller werden die Zahlen der positiven Befunde. Aber dass im
Pubertätsalter eine Tuberkulosehäufigkeit von etwa 90 Proz. gefunden
werde, das ist zweifellos nicht in dieser Allgemeinheit richtig.
Denn wäre es der.Fall, dann wahrlich stünde es
schlimm mit unseren Aussichten im Kampfe gegen
die Tuberkulose! Dann wäre es besser mutlos die
Hände in den Schoss sinken zu lassen und taten¬
los dem Ungeheuerlichen gegenüberzustehen; denn
dann hätte die Menschheit nicht mehr zu hoffen,
jemals der fürchterlichen Krankheit Herr zu
werden. Aber glücklicherweise liegen die Dinge
ganz anders. Gewiss, es gibt eine Schicht der Bevölkerung,
in der so gut wie alle Kinder vor dem Eintritt der Pubertät bereits
tuberkulös infiziert sind; es gibt diese Schicht in Wien, wie aus den
Untersuchungen von Hamburger und S1 u k a und aus denen
Pirquets hervorgeht; es gibt diese Schicht auch anderswo in den
Grossstädten und an von Tuberkulose besonders durchseuchten
Orten, aber es sind das doch relativ dünne Schichten der
gesamten Bevölkerung. Ueberall da, wo man ein Material
untersucht, das nur um etwas besser zusammengesetzt ist.
kommt man auf einen Prozentsatz, der immer noch sehr
hoch ist, der uns immer noch das Recht gibt, die Tuber¬
kulose als eine Kinderkrankheit zu bezeichnen und alle die Schlüsse
zu ziehen, die wir und andere daraus gezogen haben, aber dieser
Prozentsatz ist doch ganz wesentlich niedriger als Hamburger
für die Allgemeinheit annimmt. So fanden beispielsweise Engel*)
und Bauer unter den 13 und 14jährigen Kindern des mir unter¬
stellten städtischen Pfleghauses in Düsseldorf unter den Mädchen
50 Proz., unter den Knaben 56 Proz. tuberkulös. Das ist sicherlich
noch ein sehr betrübendes Resultat, aber es sieht doch schon etwas
hoffnungsfreudiger aus, als das, was wir von Hamburger hören.
Und dabei handelt es sich bei diesen Kindern zweifellos um die¬
jenigen, die aus den übelsten Verhältnissen der Stadt entstammen
und die in den schlechtesten hygienischen Verhältnissen gelebt haben,
die hierorts denkbar sind, bis sich ihnen gerade ob der Ungunst aller
ihrer häuslichen Beziehungen die gastlichen Pforten der städtischen
Pflegeanstalt geöffnet haben. Leider verfügen wir bis zum heutigen Tage
nicht über ausgedehnte statistische Untersuchungen an grossen Reihen
von Kindern der verschiedenartigsten Provenienz, bei denen in allen
Altersklassen mit Hilfe der ja vollkommen harmlosen Pirquet-
schen Reaktion die erfolgte oder nicht erfolgte tuberkulöse Infektion
festgestellt werden könnte. Bei einem solchen Mangel von grossen
Untersuchungsreihen möge es gesattet sein, von kleinen eigenen Er¬
fahrungen zu sprechen. Unter 105 Privatpatienten, die ich im ab¬
gelaufenen Jahre in klinischer Beobachtung gehabt habe und die
allen Altersklassen, aber alle den besitzenderen Ständen angehörten,
habe ichnur4Kinder tuberkulös befunden. 2 derselben, kleine Mäd¬
chen im Alter von 2 und 6 Jahren, waren die Kinder eines Kollegen, die
offenkundig durch ein hochgradig phthisisches Kindermädchen infiziert
worden waren. Das 3. Kind war ein 5 jähriges Mädchen, das wegen
einer Drüsenschwellung in Behandlung kam und aus zweifellos
tuberkulösen Milieu stammte. Das 4. Kind, ein Mädchen von
IMj Jahren, bot keinerlei Anhaltspunkte, wie die Infektion zustande
gekommen sein konnte; allerdings lebt die Familie auswärts, so dass
eine gründliche eigene Nachforschung erschwert war. Alle übrigen
Kinder erwiesen sich als tuberkuloseirei, trotzdem sie natürlich alle
der kutanen, zum grossen Teil auch der subkutanen Tuberkulinprobe
unterzogen wurden. Also bei einem Materiale aus besitzenden
und recht besitzenden Kreisen findet sich die Tuberkulose
im Kindesalter sehrseltcn und dabei handelte es sich doch immer
noch um kranke Kinder, ja, zu einem Teil sogar um solche, welche
aus Furcht, dass sie tuberkulös sein könnten, uns zur Beobachtung
und klinischen Untersuchung zugeführt wurden. Auch wenn ich die
Fälle berücksichtige, bei denen ich bei Untersuchungen in der Sprech¬
stunde oder bei Konsultationen die Pirquet sehe Reaktion ange¬
stellt habe, so bleibt und verstärkt sich in mir der Eindruck von der
Seltenheit der Tuberkulose bei Kindern vermögender Eltern. Ja, selbst
dann, wenn ich, so nach dem allgemeinen Habitus und nach anderen
Zeichen eigentlich selbst des Glaubens war, dass eine Tuberkulose
vorliegen könne, erwies die spezifische Diagnostik oft genug das Ir¬
rige dieser Auffassung. Wir sehen also, dass die Kinder besitzender
Klassen verhältnismässig nur selten in der Jugend infiziert werden,
genau wie ja diese besitzenden Kreise selber relativ wenig im spä¬
teren Alter an Tuberkulose erkranken und zugrunde gehen. Und
ich stehe nicht an. zwischen diesen Tatsachen einen Zusammenhang
zu suchen, der mit meiner ganzen Auffassung von der Genese der
Tuberkulose und von dem Charakter der Tuberkulose als Kinder¬
krankheit vorzüglich übereinstimmt. Eben weil die Be¬
sitzenden als Kinder vor der Tuberkulose be¬
wahrt geblieben sind, erkranken sie später sel-
") Engel und Bauer: Erfahrungen mit der v. Pirquet-
schen Tuberkulinreaktion. Berl. klin. Wochenschr. 1097, No. 37.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
400
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
tener an den Folgen der Infektion. Dass die Tu¬
berkulose eine Proletarierkrankheit ist, muss da¬
rauf zurückgeführt werden, dass das Proletarier¬
kind, in ungleich höherem Masse gefährdet, der In¬
fektion ungleich breitere Angriffsflächen bietet.
Nicht das erwerbsfähige Alter ist es, das dem Minderbemittelten so
viel ungünstigere Lebensverhältnisse bietet. Unter uns Aerzten
z. B. gibt es viele, die ein Lied vom „Sechszehnstunden-Arbeitstag“
singen können, die tagaus, tagein, ja häufig ganze Nächte den Fähr¬
nissen Und Anstrengungen des Berufes ausgesetzt sind. Männer in
anderen Berufen und mit viel besseren Einkommensverhältnissen, die
an leitender Stelle stehen, sind zweifellos in viel höherem Masse
überanstrengt, als die meisten Lohnarbeiter. Aber die Kinder in
diesen Kreisen sind der Infektionsgefahr ungleich weniger exponiert,
als die der Proletarier, die in den engen, sonnenlosen und über¬
belegten Wohnungen in dichter Nachbarschaft mit den hustenden
Phthisikern leben, die auf den schmutzigen Böden des Zimmers, auf
den \ielbegangenen Treppen und in den Höfen der menschenreichen
Häuser ihren Aufenthalt haben: hier ist die Gelegenheit, die Tuber¬
kulose zu erwerben, den Keim für die spätere Phthise zu legen ge¬
geben. Damit haben wir aber auch den Fingerzeig, wie die Tuber¬
kulose zu bekämpfen ist: Schutz der Proletarierkinder vor der In¬
fektion, Heilung der Tuberkulose so lange als das relativ leicht
möglich, so lange sie also eine lokalisierte Erkrankung der Drüsen ist.
Schliesslich möchte ich im Anschluss auf das Vorhergesagte noch
einen Punkt etwas ausführlicher berühren, der mir recht beachtlich
erscheint. „In allen Abschnitten der Kindheit hat der Arzt“, so habe
ich an anderer Stelle gesagt 7 ), „mit der gar nicht geringen Möglich¬
keit der Tuberkulose zu rechnen.“ Ich möchte hinzufügen: Bei den
schweren Konsequenzen, die sich für die Patienten ergeben, heisst
es bei dieser Diagnose aber auch äusserst vorsichtig sein und sich
aller gegebenen Hilfsmittel bedienen. Ich komme nämlich immer
mehr und mehr zu der Ueberzeugung, dass die Diagnose auf Tuber¬
kulose doch auch gar nicht so selten zu Unrecht gestellt wird.
Sehr charakteristisch ist in dieser Richtung die Krankengeschichte
eines Knaben Gottfried Sch., geb. am 2. II. 97, aufgenommen am
3. VII. 07, J. N. 14/07. Der Knabe wird wegen Phthisis pulmonum
eingeliefert, wegen der er schon wiederholt in Krankenanstalten unter¬
gebracht war. Es wird ein Gutachten darüber verlangt, ob durch
Heilstättenbehandlung eine Besserung oder Heilung der Lungen¬
tuberkulose zu erzielen ist. Ueber der linken Lunge komplette
Dämpfung, kleinblasiges, zum Teil sonores Rasseln bei In- und Ex-
spirium, im Interskapularraum nach links zu lautes bronchiales Atmen,
links vorn deutliche Kavernensymptome. Der physikalische Befund
spricht hier typisch für eine Tuberkulose, zumal das Leiden seit
6 Jahren bestand. Im Sputum nie Tuberkelbazillen, auch bei der
Verimpfung auf Meerschweine negatives Resultat. Pirquet negativ,
Tuberkulin subkutan wird selbst in grossen Dosen ohne jede Re¬
aktion vertragen. Hier lag also keine Tuberkulose, sondern eine
chronische Pneumonie mit Induration der Spitze und grosser bronchi-
ektatischer Höhlenbildung vor. Ein ganz analoger Fall, der aber mit
einer latenten Drüsentuberkulose vergesellschaftet ist, liegt momentan
noch auf der Klinik.
Noch häufiger aber sind gerade in der besseren Klientel Fälle von
Tuberkulophobie der Eltern. Es handelt sich dabei meist um
Kinder, welche Wochen- und monatelang subfebrile Temperaturen
zeigen, sehr anämisch sind und entweder im Gewicht nicht vorwärts
oder zurückgehen. Meist ist in Erschöpfung der möglichen Ur¬
sachen für das Missbefinden zum Schluss die Diagnose „Drüsen¬
tuberkulose“ gestellt worden. Die geängstigten Eltern reisen mit
dem Kinde von Kurort zu Kurort, doch trotz sogen, äusserst kräftiger
Ernährung tritt keine Besserung, sondern eher Verschlimmerung ein.
Ein Arsenal von Flaschen und Büchsen zeigt alle die verschiedenen
Kräftigungs- und Stärkungsmittel, welche von den verschiedensten
Seiten angeordnet und von den gläubigen Eltern dem unglücklichen
Kinde einfiltriert worden sind. Zuweilen bringen die Patienten wohl
aufgezeichnete Befunde mit, aus denen die perkutorisch oder durch
Palpation als tuberkulös erkrankten Drüsen zu erkennen sind. Ge¬
rade unter all diesen Kindern nun, deren Zahl bei uns gar nicht so
gering ist, habe ich nicht ein einziges gefunden, das wirklich an
Tuberkulose erkrankt gewesen wäre. Meist handelt es sich um chro¬
nische Erkrankungsprozesse im Nasen- und Rachenraum, in anderen
Fällen um Stoffwechselstörungen, die die Folge unzweckmässiger
Ernährung sind. Bei der ersteren Kategorie von Kindern führt eine
lokale Behandlung bald zum Ziele; bei der letzteren Art von Patienten
bedarf es meist eines mehrwöchigen verständigen Regimes, um eine
Heilung und ein erstaunliches Aufblühen der Kinder herbeizuführen.
Das sind die Fälle, in denen die Behandlung im Krankenhause der
häuslichen so überlegen ist, weil die vollkommene Veränderung des
Milieus und die peinliche Durchführung aller ärztlichen Anord¬
nungen, auch die Ausschaltung der mütterlichen Aengstlichkeit den
Besserungsprozess überaus günstig beeinflussen. Prämisse dabei
ist die Sicherung der Diagnose und der Ausschluss der stattgehabten
tuberkulösen Infektion; hierzu gibt uns aber die diagnostische Ver¬
wendung des Tuberkulins die einzig zuverlässige Handhabe. Durch
sie allein sind wir imstande, diejenigen Kinder, die
7 ) Schlossmann: „Tuberkulose“ in Pfaundler und
Schlossmanns Handbuch der Kinderheilkunde, Bd. I, p. 968.
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die Kinderkrankheit Tuberkulose haben, von denen
zu scheiden, die glücklich davon verschont ge¬
blieben sind.
Medizinische Reiseerinnerungen aus Japan und China.
Von C. F r a e n k e 1. Q
Die grossen Ferien des eben abgelaufenen
Jahres habe ich zu einer Reise nach Japan und China
benutzt, um diese hochinteressanten Länder einmal aus eigener An¬
schauung kennen zu lernen, und hierbei auch eine Reihe von medi¬
zinischen Eindrücken in mich aufgenommen, über die ich im
folgenden berichten will. Allerdings sei gleich die Bemerkung voraus-
geschickt, dass natürlich bei einer derartigen flüchtigen Fahrt nur
einige Hauptpunkte einer etwas genaueren Betrachtung unterworfen
wurden, und dass von einer gründlichen Beschreibung der gesundheit¬
lichen Verhältnisse in den besuchten Gegenden umsoweniger die Rede
sein kann, als mich mein Weg nach den letzteren in erster Linie des
Vergnügens und der allgemeinen Belehrung halber führte, und die
hygienischen Dinge nur nebenbei und gleichsam gelegentlich auch
eine Berücksichtigung fanden.
Beginnen wir mit Japan, so sei zunächst hervorgehoben, dass
es sich hier ja um ein Land mit einer sehr starken Zunahme
seiner Bevölkerung handelt, die eben deshalb auch nach allen
Richtungen um Platz, um Ellbogenfreiheit und um die nötigen Le¬
bensbedingungen einen mehr oder minder harten Kampf auszufechten
gezwungen ist. Auf den zahlreichen Inselgruppen, die das Kaiser¬
reich bilden, hausen zurzeit ungefähr 53 Millionen Einwohner, und
trotz der grossen Bedürfnislosigkeit des Japaners und des geringen
Preises der meisten Nahrungs- und Genussmittel macht sich doch aller
Orten das Verlangen, ja die Notwendigkeit geltend, über die Tore
des eigenen Landes hinaus fremde Gebiete mit Beschlag zu belegen
und in diese den Ueberschuss der eigenen Kraft abzuschieben. So
sieht man denn beispielsweise in Wladiwostok, in Mukden,
in Peking, in Shanghai, kurz überall wohin man hier im fernen
Osten nur seinen Fuss setzen mag, grosse Mengen von japanischen
Einwanderern beiderlei Geschlechts, und es dürfte ja allgemein be¬
kannt sein, dass einmal bis nach Singapore, nach Java, den
Inseln der Südsee usf. sich ein immer mächtiger anschwellender
Strom von japanischen Ansiedlern erstreckt, wie auch ebenso, dass
die Vereinigten Staaten von Amerika, dass Kanada
und ebenso auch Australien durch scharfe gesetzliche Vor¬
schriften mit mehr oder minder grossem Erfolge versucht haben, sich
der japanischen Menscheneinfuhr zu erwehren.
Auch der Krieg, den Japan mit Russland vor wenigen
Jahren geführt hat, ist ja schliesslich in letzter Linie nur durch die
starke Zunahme der japanischen Bevölkerung und ihr Bestreben, sich
neue Gebiete zu erobern, in denen der alljährlich mit grösserem
Nachdruck und stärkerer Kraft einsetzende Ueberschuss der Nation
untergebracht werden könnte, entstanden.
Für diese Erscheinung selbst sind nun wohl besonders drei
Ursachen heranzuziehen. Einmal nämlich die in meist sehr
jugendlichem Alter erfolgenden Ehen. Frauen von 17—18, verheiratete
Männer von 20—21 Jahren sind in Japan durchaus keine Seltenheit,
und nimmt man hinzu, dass nach einem freilich mehr und mehr in
Abnahme kommenden Brauch die Scheidung einer kinderlos bleiben¬
den Ehe auf keinerlei Schwierigkeiten stösst, so wird man es be¬
greifen, dass selbst in den wohlhabenden Kreisen der gebildeten Be¬
völkerung Kinderzahlen keineswegs ungewöhnlich sind, die bei uns
zu den grössten Ausnahmen gehören, und man dort eine ganze Anzahl
von Familien antrifft, die 10 und mehr Sprösslinge ihr eigen nennen.
Ferner ist in Japan die Ehelosigkeit etwas ganz Unerhörtes,
und der Begriff des alten Junggesellen oder der alten Jungfer ist
dem Ostasiaten völlig fremd.
Endlich und namentlich ist hier aber die Art derErnährung
der Kinder hervorzuheben, die sämtlich die M u 11 e r b r u s t er¬
halten und für die der Gebrauch der Kuhmilch, die ebenso
wie Butter und Käse dem Japaner durchaus unbekannt ist,
gänzlich in Fo r t f a 11 kommt. So sieht man denn die Mütter aller¬
orten in der zwanglosesten Art ihre Sprösslinge säugen, und ebenso
im Abteil erster Klasse wie auf dem Lande habe ich die Frauenwelt
diesem Geschäft sich hingeben sehen. In der Regel wird auch recht
lange von der natürlichen Art der Ernährung Gebrauch gemacht,
und falls nicht eine erneute Schwangerschaft und das damit einher¬
gehende Versiegen der Milchquelle dem Geschäfte ein vorzeitiges
Ende bereitet, kann man die Kinder vielfach noch bis gegen Ende
des zweiten Lebensjahres an der Mutterbrust liegen sehen.
So beziffert sich denn die jährliche Zunahme der japa¬
nischen Bevölkerung auf etwa 700 000—800 000 Köpfe. Dieser er¬
hebliche Ueberschuss der Geburtenhäufigkeit über die Sterbeziffer
zeigt sogar schon viele Jahre hindurch eine deutliche Neigung zum
Anstiege und dürfte mit den Erfolgen der Bestrebungen zur Ein¬
dämmung der allgemeinen Sterblichkeit eine weitere Erhöhung er¬
fahren.
Unter den Todesursachen sei hier an erster Stelle die
Tuberkulose erwähnt, die angesichts der erbärmlichen
Wohnungsverhältnisse, unter denen ein grosser Teil der
Bevölkerung haust, eine immer noch zunehmende Verbreitung auf-
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
401
weist. Zur Zeit gibt es auch erst wenige Heilstätten oder ähn¬
liche, nach dem Muster der bei uns geschaffenen Einrichtungen ge¬
troffene Massnahmen, die dem Umsichgreifen dieser Seuche ent¬
gegenzutreten bestimmt sind. Doch hat beispielsweise K i t a s a t o,
der bekannte frühere Schüler von Koch und jetzige Leiter des
grossen Instituts für Infektionskrankheiten in Tokio ein eigenes Hospi¬
tal, in dem ausschliesslich Schwindsüchtige bezw. Tuberkulöse Auf¬
nahme finden und auch einer Tuberkulinkur unterworfen zu werden
pflegen. Die Häufigkeit des Vorkommens der Tuber¬
kulose bei den Japanern, d. h. bei einer Bevölkerung, der
der Genuss von Milch, von Butter und Käse, ja sogar von Fleisch des
Rindviehs völlig unbekannt ist und die alle die erwähnten Nahrungs¬
mittel nur für den Gebrauch der Fremden, der Amerikaner oder der
Europäer in den Gasthöfen des Landes bereit hält, spricht im übrigen
mit lautester Stimme gegen die von Behring, von C a 1 m e 11 e,
Schlossmann und anderen Forschern mehr vertretene Anschau¬
ung, dass die Schwindsucht durch das Eindringen von
Tuberkelbazillen in die Lungen vom Darme aus ver¬
anlasst werde, in die sie mit den eben erwähnten Speisen Ein¬
gang gefunden hätten. In Japan kann tatsächlich von dieser Mög¬
lichkeit gar nicht die Rede sein, und doch hat die Phthisis
gerade hier eine so ausserordentliche Verbreitung gefunden.
Selten ist dagegen hier der Lupus. Es wird dadurch die
Vermutung nahe gerückt, dass vielleicht diese Affektion durch die
Rinderbazillen veranlasst werde, und Versuche, die hier die
Entscheidung bringen sollen, aber natürlich erst nach geraumer Zeit
zu Ende geführt werden können, habe ich in meinem Laboratorium
bereits eingeleitet.
Des weiteren herrschen in Japan neben und ausser der Tuber¬
kulose auch die Lepra, Diphtherie, der Typhus, die Ruhr,
die Pneumonie, der Scharlach, die Masern, kurz die ganze
Reihe der auch bei uns heimischen Infektionskrankheiten, weiter abet
noch das Denguefieber, von dem ich beispielsweise mehrere
Fälle in Tokio sah, Cholera und Pest, von denen immer noch
einige versprengte Fälle, besonders in dem südlichen Teile von Japan,
Vorkommen usw.
Zum Studium des Denguefiebers, der Beri-Beri, be¬
gab sich gerade eine aus 3 Aerzten bestehende wissenschaftliche Ge¬
sandtschaft nach Java, um in Batavia bezw. seiner Umgebung an dem
gerade hier bekanntermassen sehr reichlichen Material genauere For¬
schungen über die Entstehung und die Uebertragung dieses gefürchte¬
ten Leidens anzustellen.
Sehr häufig ist die Gonorrhöe und die Syphilis, die
namentlich durch den freien und ungehinderten Geschlechtsverkehr,
wie er in Japan noch vielfach üblich ist, eine sehr starke Verbreitung
finden. Bemerkt sei, dass trotzdem die Tabes eine seltene Affek¬
tion ist und die japanischen Aerzte sich eben deshalb nur schwer und
allmählich der Erb sehen Auffassung von der Entstehung dieses
Uebels als einer Folge der Lues angeschlosen haben. Die Malaria
tritt im Süden der Inseln verhältnismässig oft, aber nur selten in bös¬
artiger Form auf, und selbst die tropische Abart des Wechselfiebers
wird in der Regel bald geheilt, obwohl Ausnahmen natürlich Vor¬
kommen.
Stark verbreitet ist die A n k y 1 o s t o m i a s i s, die z. B. bei
den Bauern ausserordentlich oft vorkommt und dem reichlichen Ver¬
zehr von nicht in der gehörigen Weise gereinigtem oder gekochtem
Gemüse zuzuschreiben ist, das vorher mit den von anderen, kranken
Menschen stammenden Fäkalien gedüngt wurde. Bei der hohen
Wärme, die in Japan während des Sommers herrscht und nament¬
lich in den südlichen, etwa auf dem Breitengrade von Algier und Tunis
liegenden Teilen des Landes einen tatsächlich unangenehmen, durch
die Schwüle der stets zu 100 Proz. relativer Feuchtigkeit mit Wasser¬
dampf gesättigten Luft kaum zu ertragenden Grad annimmt, hat eben
die weitere Entwicklung der Ankylostomen auf dem Lande statt und
es bedarf hierzu nicht erst der Hilfe eines Bergwerks oder einer
ähnlichen Einrichtung. Die Behandlung der Ankylostomakranken
geschieht meist mit 1— iVs g Thymol pro die, und wie ich von ver¬
schiedenen Seiten übereinstimmend gehört habe, soll die Entfernung
der Würmer unter dem Einfluss dieser Therapie rasch und bestimmt
erfolgen.
Von Einrichtungen, die das Interesse des Hygienikers
wachrufen werden, seien hier zunächst die umfangreichen Quartiere
erwähnt, die in T 0 k i o, in K i o t o und in zahlreichen anderen
Städten des Landes für die Unterbringung der Prosti¬
tuierten bestimmt sind. Trotz der leichten und nach unseren
Begriffen wenig moralischen Auffassung, die der Japaner dem Ge¬
schlechtsverkehr entgegenbringt, ist doch die Prostitution hier durch¬
aus kaserniert und mit grösster Entschiedenheit wird darauf ge¬
achtet, dass die freie, herumwandernde, den Verkehr des anständigen
Publikums geradezu störende Form, in der sich dieses Uebel bei¬
spielsweise in unseren sämtlichen europäischen Grossstädten breit
macht, unter allen Umständen vermieden wird. So hat man in
Tokio nicht weniger als 6 derartige Bezirke, unter denen der eine,
Yoshiwara genannt, als eine der Hauptsehenswürdigkeiten der
Stadt auch in allen englischen sowohl, wie ebenso der deutschen
Reisebeschreibung von Meyer dem Besuch der sämtlichen Frem¬
den, Herren sowohl als Damen, dringend empfohlen wird. In der
Tat bietet eine Fahrt dort hinaus, die übrigens vom Imp6rial Hötel in
No. 8.
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einer Rikscha zurückgelegt ungefähr l l 4 Stunde in Anspruch nimmt,
sehr lehrreiche Eindrücke.
Einmal war ich abends da und konnte so den ganzen Betrieb in
Augenschein nehmen. Das Quartier ist von einer etwa 20 Fuss hohen,
oben mit Sperrhaken versehenen Mauer umgeben und nur durch eine
einzige, von bewaffneten Mannschaften bewachte Tür zugänglich.
Im Innern finden sich zahlreiche Läden der verschiedensten Art, mit
Kleidungsstücken, Esswaren usf. vor, und der Verkehr, an dem auch
Frauen und Kinder der hier Gewerbetreibenden in reicher Zahl be¬
teiligt sind, lässt zunächst gar nicht daran denken, welchem Zweck
dieser Stadtteil dient. Etwas weiter freilich kann man darüber nicht
mehr im Zweifel sein. Hier beginnen nämlich die H ä u s e r, in denen
die Dirnen, zehn oder zwanzig oder auch vierzig bis fünfzig, unter¬
gebracht sind. Was jedem Europäer höchlichst auffallen wird und
muss, ist die Ruhe, ich kann nicht anders sagen als die Gesittung, die
dem ganzen Verkehr hier ihren Stempel aufdrückt. Auf der einen
Seite sieht man die Mädchen, schweigsam oder in ruhiger Unter¬
haltung, vielfach die kleine japanische Pfeife rauchend, in bunte,
z. T. sehr schöne Gewänder gehüllt und auf den Knien eine neben der
anderen sitzend, alle hinter dem aus vergoldeten Stäben errichteten
Gitterwerk, das den Schauraum von der Strasse abschliesst und auf
den fremden Besucher durchaus den Eindruck hervorruft, als ob er
sich in einer Menagerie befände, auf der anderen Seite ein zahlreiches
Männerpublikum, die ihnen hier ausgestellte menschliche Ware
musternd, dabei aber jeder lauten oder gar übermütigen Bemerkung
sich enthaltend. Nur hier und da hat sich einmal ein Besucher in
eine freundschaftliche Unterhaltung mit einem der an die Umzäunung
ihres Gefängnisses herangekommenen Mädchen vertieft, im allge¬
meinen aber unterbleibt auch diese Art des gegenseitigen Verkehrs.
An der „Kasse“ jedes derartige’n Hauses sitzt ein Mann, der durch
Aufschlagen eines Hölzchens auf einen vor ihm stehenden Tisch die
Aufmerksamkeit der Vorübergehenden zu erregen sucht und sich von
jedem Eintretenden eine gewisse Geldsumme entrichten lässt, für die
ihm die Auswahl unter den Dirnen erlaubt ist.
Ferner war ich auch, von den Kollegen S h i g a und Y a m a j i
begleitet, morgens in Yoshiwara, um die ärztliche Tätigkeit dort
kennen zu lernen. Ein grosses Krankenhaus mit ungefähr 400 Betten
befindet sich in der Mitte der ganzen Anlage und macht mit seinem
gut geregelten Betrieb und seinen sauberen Einrichtungen einen
durchaus befriedigenden Eindruck. Der Chefarzt sprach fliessend
deutsch und war 3 Jahre bei Jadassohn in Bern gewesen. Mit
grösster Liebenswürdigkeit und dem Entgegenkommen, das mir dort
von allen Seiten, bei jeder Gelegenheit gezeigt wurde, und das ich
nicht genug rühmen kann, wurde mir auf jede Frage Antwort erteilt
und jede Einzelheit des ganzen, umfangreichen Dienstes vorgeführt.
Zunächst wohnte ich der Untersuchung der Mädchen bei, die von
4 Aerzten vollzogen wurde und sehr schnell verlief; ohne Zuhilfe¬
nahme eines Mikroskopes, nur auf die makroskopische Besichtigung
des Schlundes bezw. der Genitalien wurden die Frauenzimmer in
1—2 Minuten für gesund erklärt oder aber zur Krankenbehandlung
überschrieben, und dass dabei ganz gewiss, trotz der natürlich sehr
weitgehenden, durch langjährige Uebung erworbenen Erfahrung des
prüfenden Auges doch eine Anzahl von pathologischen Störungen der
Feststellung entgeht, bedarf keines eigenen Beweises. Sieht man
doch die Prostituierten bis unmittelbar zu dem Augenblicke, wo die
Reihe der Untersuchung an sie herankommt, mit Wattebäuschchen
sich die Geschlechtsteile abreiben und reinigen und so also zur Be¬
seitigung gewisser Mengen von Schleim, von Eiter usf. auch noch
das ihrige beitragen.
Von dort ging ich dann ins Hospital hinüber. Hier hatte
man einmal die geschlechtskranken Weiber untergebracht, doch waren
auch von anderen Leiden befallene aufgenommen, und zwar erinnere
ich mich, ebenso mit Krätze behaftete, wie auch in den letzten Stadien
der Schwindsucht befindliche Insassinen dort gesehen zu haben. Die
Behandlung ist ganz nach dem auch bei uns üblichen Schema ein¬
gerichtet. Das Hospital machte im übrigen einen sehr sauberen und
ordentlich gehaltenen Eindruck. Von Möbeln war in den mit ge¬
flochtenen Strohmatten belegten Räumen nicht viel zu entdecken,
wie es ja durchaus der Austattung aller japanischen Zimmer ent¬
spricht. Auch die Lager, auf denen die Kranken die Nächte zu¬
bringen, einfache Matratzen mit einer Decke, waren entfernt und
lagen während des Tages zusammengerollt in einem besonderen
Raum, sofern es sich nicht gerade um schwere Patientinnen handelte,
die zu dauernder Bettruhe verurteilt waren. Ueber die Zahlen der
krank befundenen im Verhältnis zu der Menge der überhaupt dort
vorhandenen Frauenzimmer wird die folgende Liste Aufschluss geben,
die ich der Liebenswürdigkeit von Dr. S h i g a verdanke.
Danach waren z. B. im August 1908:
Yoshi-
Su-
Shina-
Shin-1
Sunju
1 . Zusammen
, T. in oder
bashl | bei Tokio
wara
zaki
gawa
juki 1
Anzahl d. Mädchen
2936
2057 '
555
615
212
197 6572
Untersuch. Aerzte
4
3
1
1
1
1 11
3 ) Kranke . . .
279
169
55
40
19
20 582
*S. 1 Aerzte . . .
f Apotheker
g I Pflegerinnen .
8
7
3
2
2
2 24
3
16
2
17
1
4
1
4
1 1
1 3
1 9
2 46
4
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
402
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
Aus dieser Uebersicht geht ohne weiteres hervor, dass jedes
Quartier ein eigenes Krankenhaus besitzt, das auch mit einem be¬
sonderen Stabe von Aerzten, Apothekern, Pflegerinnen usf. ausge¬
rüstet ist, und dessen Kosten von den Besitzern der betreffenden
Häuser aufgebracht werden müssen.
Was die Verteilung der einzelnen Geschlechts¬
krankheiten auf die aufgenommenen Patientinnen angeht, so
gibt hierüber die folgende Liste einen zutreffenden Ueberblick.
Prozentsatz der gesamten Kranken:
Syphilis
Gonorrhoe
Weicher
Schanker
1905
7 Proz.
52 Proz.
40 Proz.
1906
10 „
60 „
! 25
1907
10 „
65 „
1 20 ”
Die Zeit endlich, während welcher die Kranken sich in Be¬
handlung befanden, geht aus den nachstehenden Zahlen hervor:
Behandlungstage im Durchschnitt:
Syphilis
Gonorrhoe
Weicher
Schanker
1905
25,5
14.0
17,5
1906
25,4
15,0
23,8
1907
32,2
| * 15,4
22,4
Es kann danach keinem Zweifel unterliegen, dass der Auf¬
enthalt der infizierten Dirnen dort viel zu kurz
dauert, um eine gehörige Ausheilung von der Krankheit zu er¬
möglichen, und man hat also genau die gleiche Schwierigkeit, an der
alle unsere Hospitäler leiden, auch dort vor sich. Zu dem neuerdings
bei uns eingeschlagenen und beispielsweise in Berlin eingeführten
Wege aber, die Frauenzimmer von Seiten privater Aerzte behandeln
zu lassen und sich durch gewisse Vorsichtsmassregeln gegen eine
Uebertragung ihres Leidens aut gesunde Besucher während dieser
Zeit zu sichern, kann man hier in den durchaus den Charakter eines
Bordells tragenden Vierteln natürlich keinen Gebrauch machen. Auch
steht der bessere Erfolg des mildern, jetzt von uns benutzten Ver¬
fahrens noch dahin.
Endlich besuchte ich dann auch noch am gleichen Morgen eines
der Häuser in Yoshiwara. Geführt von dem „Hurenwaibel“, einem
sehr höflichen, die englische Sprache ohne jede Schwierigkeit be¬
herrschenden, etwa 30 Jahre alten Manne, trat ich ein und wurde
auch von dem Besitzer, von allen möglichen „Damen des Hauses“
in verschiedenstem Alter mit unzähligen tiefen Bücklingen und Ver¬
neigungen feierlich empfangen. Von Interesse war mir namentlich
die ausgezeichnete, gut, ja man kann sogar sagen, elegant ausge¬
stattete Badevorkehrung, die sich hier vorfand und um die manche
„hochherrschaftliche“ Wohnung des Abendlandes wohl dieses Institut
hier beneiden konnte.
Des weiteren besuchte ich dann das Institut für Infek¬
tionskrankheiten in Tokio, eine riesige, mit allen möglichen
Einrichtungen im Dienste der Hygiene versehene Anlage unter Lei¬
tung von Prof. Kitasato. An die wissenschaftlichen Räume, in
denen wohl 15 oder mehr Assistenten, darunter auch 2 Damen hausen,
schliessen sich die Säle für Kurszwecke und die Auditorien an. Dann
folgt eine sehr grosse Abteilung, in der die Gewinnung des Diph¬
therieserums von Pferden statthat, die 30 oder 40 an der Zahl hier
gehalten werden. Ebenso geschieht die Abnahme von Pockenlymphe
wieder in einem besonderen Gebäude, in dem eine Anzahl von Frauen
mit dem Einfüllen des Stoffes in kleine Glasgefässe beschäftigt ist.
Angeschlossen ist endlich auch noch eine Krankenabteilung mit
oO—70 Betten, die zur Zeit meines Besuches, d. h. im August, nur
mässig besetzt war, mir aber doch Gelegenheit gab, eine ganze Reihe
interessanter Fälle zu sehen und beispielsweise mehrere an Beri-Beri
leidende Patienten in Augenschein zu nehmen. Das Institut ist vor
etwa 15 Jahren geschaffen worden, liegt auf einem viele Hektar
grossen Flächenraum und macht einen durchaus modernen Eindruck.
Das Hygienische Institut der Universität befindet
sich auf dem Gelände, das überhaupt die der Hochschule von Tokio
angehörigen Gebäude umschliesst und steht unter Leitung von Pro¬
fessor O g a t a. Auch hier handelt es sich um eine verhältnismässig
neue Anlage mit schönem Hörsaal, recht grossen, gut belichteten Kurs¬
sälen für die Studierenden und umfangreichen Laboratorien für die
Praktikanten und Assistenten. Trotzdem will ich nicht verhehlen,
dass ich hier die Vorstellung, eine etwas veraltete Stätte wissenschaft¬
licher Forschung vor mir zu haben, nicht ganz unterdrücken konnte,
wozu freilich auch der Umstand beigetragen haben mag, dass eben
zur Zeit meiner Anwesenheit Ferien waren, die sich hier, d. h. in
einem Teil der Universität, begreiflicherweise besonders bemerklich
machten.
Des weiteren begab ich mich auch in das landwirtschaft¬
liche Institut der Universität, das vor Tokio in schöner
Umgebung gelegen ist und unter Leitung des Prof. K o z a i, eines
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ehemaligen Schülers von mir, steht. Eine schöne, weiträumige und
mit allen Mitteln des Unterrichts, wie Karten, Tafeln, Tabellen, Prä¬
paraten in Formalin, in Alkohol usf. versehene Anlage trat mir hier
entgegen, in der umfangreiche Gärten beispielsweise die Kultur des
Tabaks, des Reises, des Maulbeerbaums in allen Abarten vorführen,
andere Stellen wieder der Züchtung des Seidenspinners, der ver¬
schiedenen Bombyxschmetterlinge dienen usf.
Von sonstigen, für den Mediziner interessanten Dingen, die ich
während meines Aufenthaltes in Japan gesehen habe, sei weiter ein¬
mal auch das Krankenhaus in Nagoya erwähnt, das, unter
Leitung von Dr. Kitagawa stehend, eine grosse Anzahl von chi¬
rurgisch bemerkenswerten Fällen dem Beschauer darbot. Im übrigen
konnte man gerade hier auch einen ausgezeichneten Ueberblick ge¬
winnen über die den Sitten und Gebräuchen der Landesbewohner an¬
gepassten Verhältnisse der Ernährung und Unterbringung der Kran¬
ken. Was den letzten Punkt angeht, so sah man die Patienten meist,
gerade wie ich das auch schon im Hospital in Yoshiwara bemerkt
hatte, auf einfachen Matrazen mitten in ihrem Zimmer liegen, ohne
dass eine Bettstelle oder eine ähnliche Vorkehrung Benutzung ge¬
funden hätte. Vielfach waren 2, 3 und mehr Insassen in demselben
Zimmer vereinigt. Die Trennung der letzteren war im übrigen nur
durch Papierwände bewerkstelligt, und ein europäischer Kranker
würde sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch über den nicht ge¬
ringen Lärm beschwert haben, der hier herrschte.
Die Ernährung hatte hauptsächlich mit Fischen und Reis statt;
vielfach hatten sich auch — es war gerade Sonntag, als ich meinen
Besuch im Krankenhause machte — die Angehörigen der Patienten
eingefunden und brachten den letzteren Leckerbissen mit, die dann
gemeinschaftlich verzehrt wurden.
Die Pflege und Besorgung der Kranken hatten ganz ausschliess¬
lich Schwestern übernommen, die in ihren nach dem Muster der
europäischen Tracht angefertigten Kostümen, mit welssen Hauben
auf dem Kopf, einem aus grauen Kattun bestehenden Anzug und einer
als Vereinsabzeichen getragenen Brosche in der Tat durchaus an ihre
Kolleginnen aus unseren Krankenhäusern' erinnerten.
An zwei Stellen, in Kusatsu bei Kioto und in Y u moto
bei N i k k o bezw. bei C h u z e n j i hatte ich noch Gelegenheit, die
Benutzung der heissen Schwefelquellen bennen zu
lernen, die hier, in diesem vulkanischen Lande, ja allerorten der
Erde entquillen und wegen ihrer Heilkraft, beispielsweise der Lepra
und zahlreichen anderen, mehr oder weniger parasitären Hautkrank¬
heiten gegenüber, seit alter Zeit sich grosser Berühmtheit erfreuen.
In Y u m o t o beispielsweise trat das Wasser mit einer Temperatur
von ungefähr 70° zutage; in einer langen, höchst einfachen und nur
aus Holz bestehenden Rinne wird es dann durch den kleinen Ort den
sehr zahlreichen Bädern zugeführt, die sich hier finden und endlich
in den See geleitet, mit dem es dann in den Dayagawa und so nach
N i k k o abwärts bezw. weiter in die See gelangt.
Die Quelle wird sehr heiss, ungefähr 40° warm, benutzt; will
man noch höhere Temperaturen anwenden, so muss man zunächst
durch häufiges Uebergiessen des Körpers diesen gegen eine sonst
eintretende Anämie mit ihren üblen Folgen sichern und darf darauf
erst in das Bad selbst hineinsteigen. Doch muss ich ganz offen gestehen,
dass mir auch die geringere Temperatur, wie sie durch die Ver¬
mischung des heissen mit gewissen Mengen kalten Wassers erzeugt
wird, noch zu hoch war und ich mich nicht entschliessen konnte, von
dem Bade in der vorgeschriebenen Weise Gebrauch zu machen. In¬
dessen gewöhnen sich auch Europäer bald an die Wärme der Quellen,
und ich weiss, dass selbst Damen wochenlang ihre therapeutische Wir¬
kung mit bestem Erfolge versucht haben.
Durch den ganzen Ort sieht man rechts und links der Strasse
die vielfach wirklich unglaublich primitiven Vorkehrungen für die
Bäder, die von den Eingeborenen benutzt werden. Unmittelbar an
derjenigen Stelle, wo die Quelle dem Erdboden entspringt, hat man
auch ein „Freibad“ errichtet, d. h. über einem etwa 20 qm grossen,
in der Erde befindlichen, gemauerten Becken einen Holzverschlag an¬
gebracht, der mit seinen sperrangelweit offenen Türen zum Eintritt
geradezu auffordert. Im Innern sieht man dann eine ganze Anzahl
von Männern und Weibern höchst vergnügt sich der Beschäftigung
des Badens hingeben, alle ohne jede Spur einer Bekleidung, in sehr
fröhlicher Unterhaltung miteinander begriffen und das, obwohl eine
in japanischer und englischer Sprache verfasste, aussen angebrachte
Vorschrift ausdrücklich das gemeinschaftliche Baden der Geschlechter
verbietet!
Die flüchtigen Eindrücke medizinischer Natur, zu denen meine
Fahrt durch das Land mir Gelegenheit gab, mögen damit ihren Ab¬
schluss finden. Erleichtert wurde mir der Besuch der verschiedenen
Einrichtungen, von denen eben die Rede gewesen ist, durch die
grosse, unübertreffliche Liebenswürdigkeit und das Ent¬
gegenkommen, mit denen die japanischen Kollegen jeden
von mir ausgesprochenen Wunsch zu erfüllen bemüht waren und
selbst anscheinend Unmögliches doch noch bei der oft sehr beschränk¬
ten Zeit, die mir zur Verfügung stand, ausführbar machten. Von
dem Bestreben irgend etwas zu verheimlichen
oder besser erscheinen zu lassen, als es in Wirk¬
lichkeit war, war dabei gar keine Rede. Alles wurde
mir vielmehr genau so gezeigt und mitgeteilt, wie es wirklich war.
und nicht einen Augenblick habe ich das Gefühl gehabt, als wurde
mir das wahre Gesicht irgend eines der Dinge verschleiert.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
403
Ich muss deshalb auch den Bericht, den die Münchener
medizinische Wochenschrift auf S. 2253 des eben ab¬
gelaufenen Jahrganges aus Japan veröffentlicht, als durchaus ver¬
fehlt bezeichnen. Koch, mit dem ich übrigens eine ganze Reihe
von Fahrten in Japan gemeinschaftlich gemacht habe, hatte wirk¬
lich dort etwas anderes zu tun, als den Verkehr mit den deutschen
oder europäischen Kollegen zu suchen, deren es ja auch in Japan eine
gewisse Anzahl gibt. Er war vielmehr aus begreiflichen Gründen
bemüht, gerade die eingeborene, die heimische Aerztewelt kennen zu
lernen, und das grosse, ja begeisterte Entgegenkommen dieser Herren
unter Führung von K i t a s a t o machte es ihm ohne weiteres mög¬
lich, diese Absicht auszuführen. Dass man dabei auf Seiten der
Japaner den Plan gehabt, Koch irgend etwas zu verheimlichen, ist
eine ganz irrige Behauptung, um mich hier keines schärferen Aus¬
drucks zu bedienen, und Koch selbst hat mir noch vor wenigen
Wochen, als ich ihn in Berlin besuchte, seine Entrüstung über Form
und Inhalt des Artikels in dürren Worten ausgesprochen 1 ).
Natürlich ist in Japan, das erst seit höchstens 50 Jahren der Be¬
rührung mit der zivilisierten Welt erschlossen ist, noch nicht alles
auf dem Gebiete der öffentlichen Gesundheitspflege so bestellt, wie
es sein könnte und sollte. Aber wenn in jenem Aufsatz erwähnt wird,
dass „man einen Angestellten des städtischen Wasserwerks in Kobe
dabei ertappt habe, wie er eine Karpfenzucht in einem Filterwasser¬
bassin angelegt hatte, dass in den entsprechenden Reservoirs in Osaka
junge Burschen sich ein Schwimmbad etabliert hatten“, so will ich
nur darauf verweisen, dass man z. B. in einer ganzen Anzahl von
Talsperren bei uns, denen das Wasser ungereinigt zur Versor¬
gung grosser und zahlreicher Gemeinden entnommen wird, Fisch¬
zucht treibt, dass ferner Hamburg noch vor nicht 20 Jahren
sein Trinkwasser ohne weiteres, ohne jede Filtration der
Elbe entnahm, und ich will ferner den Schreiber jener Zeilen bei
seinem nächsten Besuche in Deutschland auf die Dörfer und die
kleinen Städte führen, um ihm zu zeigen, wie hier die Wasserversor¬
gung und die Beseitigung der Abfallstoffe meist aussieht, und vielleicht
wird er dann mit etwas milderen Anschauungen über diese Dinge
nach Japan zurückkehren!
Nach siebenwöchigem Aufenthalt in Japan fuhr ich dann nach
China herüber, um mir zunächst Shanghai anzusehen und hier
auch die deutsche Medizinschule kennen zu lernen, die dort
bekanntlich vor ungefähr 2 Jahren auf Betreiben mehrerer an¬
gesehener deutscher Aerzte daselbst, wie des Dr. P a u 11 u h n, des
Dr. v. Schab und anderer mehr, mit tatkräftiger Unterstützung des
Deutschen Reiches gegründet worden ist, um jungen Chinesen die
Möglichkeit zu gewähren, sich auf dem Gebiete der Medizin aus¬
zubilden und so dem völligen Fehlen von naturwissenschaftlich er¬
zogenen Aerzten entgegenwirken. Auch die übrigen Nationen, die
an der Erweckung Chinas aus tausendjährigem Schlummer ein Inter¬
esse haben, wie Japan, Russland, England, Amerika, haben gerade
hier, an dieser Stelle, einen Hebel eingesetzt und Anstalten ins Leben
gerufen, die ihre Zöglinge zu modern denkenden Aerzten machen
sollen, und so musste es in der Tat als eine Forderung der Zeit er¬
scheinen, auf diesem Wege nicht zurückzubleiben. So hat man denn
zunächst eine Anzahl von Lehrern für die, wie wir sagen würden,
„vorklinischen Studien“ berufen, die dort mit wahrem Feuereifer tätig
sind, und die ich z. B. eines Abends im Hause des Kollegen v. Schab
den Stundenplan für das neue Semester mit allem Eifer und
mit einer Gründlichkeit besprechen hörte, wie es mir sonst nur aus
den Sitzungen der Fakultäten in der Heimat bekannt und geläufig war.
Im übrigen wohnte ich dann auch dem anatomischen bezw. dem
physiologischen Unterrichte bei, der von Prof. Dubois-Rey-
m o n d bezw. von Prof. A m a n n in sehr anschaulicher und vor¬
trefflicher Weise erteilt wurde. Die Auffassungsgabe und das Ver¬
ständnis für das Gebotene waren augenscheinlich bei den 9 chinesi¬
schen Zuhörern sehr ungleich entwickelt. Während 2 von ihnen
den deutschen Auseinandersetzungen ihrer Lehrer ohne jedes Hin¬
dernis zu folgen vermochten und durch ihre ausgezeichneten Ant¬
worten auf die vorgelegten Fragen bewiesen, dass sie das Gehörte
durchaus begriffen hatten, bewegten sich 5 in absteigender Linie
auf mittlerer Höhe und machten endlich 2 der Anwesenden durch¬
aus den Eindruck, als seien sie nur recht mässig begabt. Freilich
erklärten mir hernach die eben erwähnten Herren, dass gerade diese
beiden Schüler besondere Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache
zu überwinden hätten, so dass also vielleicht auch hierauf sich das
mangelnde Verständnis ohne weiteres zurückführen Hess.
Schon in allernächster Zeit wird alsdann die oberste Abteilung
der Vorschule, die ihre Zöglinge vornehmlich mit den Grundzügen
der deutschen Sprache vertraut zu machen sucht, in die
Medizinschule übergehen, und im Verein mit der Tatsache, dass
jetzt schon ungemein zahlreiche Gesuche von jungen Leuten um Auf¬
nahme Vorlagen, kann es wohl gar keinem Zweifel unterliegen, dass
Ä ) Der Verfasser dieses vielbesprochenen Japanischen Briefes
ist ein seit mehr als 20 Jahren in Japan ansässiger und mit den
dortigen Verhältnissen aufs genaueste vertrauter deutscher Arzt. Der
Brief hat jedenfalls die Stimmung unter den dortigen europäischen
und amerikanischen Aerzten richtig wiedergegeben. Nicht dass
Koch nicht Verkehr mit ihnen suchte, sondern dass sie von den
offiziellen Empfängen und Festlichkeiten zu Ehren Kochs aus¬
geschlossen wurden, scheint diese Kollegen gekränkt zu haben. Red.
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der hier gemachte Versuch sich nach kürzester Frist als durchaus
lebensfähig erwiesen hat und eine weitere Ausgestaltung erfahren
muss. Zu diesem Behufe wird man freilich wohl daran gehen müssen,
die Schule in einem neuen Gebäude unterzubringen, da das jetzige
den sehr bescheidenen Ansprüchen genügt, die gerade im Augen¬
blick erhoben werden und nur eben den nötigen Raum bietet.
Schwierigkeiten dürfte es alsdann namentlich noch machen,
das erforderliche anatomische Material herbeizuschaffen.
Der Chinese lässt sich unter keinen Umständen sezieren, da ihm sein
Glauben vom Fortleben nach dem Tode eine derartige Zerstücke¬
lung des eigenen Leibes durchaus verbietet. So muss man also auf
andere Weise hier Abhilfe schaffen. Zurzeit war man auf ein ein¬
ziges Bein angewiesen gewesen, das einem Europäer dort in Shanghai
amputiert worden war und das sein Besitzer grossmütig der Ana¬
tomieschule überantwortet hatte. Für die Zukunft aber muss man
natürlich zu irgend einer Weise für eine reichlichere und regel-
mässigere Zufuhr von Leichenteilen besorgt sein und geht mit dem
Plane um, sich nach Japan oder nach Holländisch-Indien zu wenden,
um von hier aus das erforderliche Material zu bekommen.
Gerade gegenüber von der Schule, die dem theoretischen Unter¬
richt dienen soll, liegt dann das für praktische Zwecke vorgesehene
Hospital, das eben auch in einem umfassenden Umbau bezw.
Neubau begriffen ist und nach der bald zu erwartenden Fertigstellung
dieses letzteren in der Tat allen Anforderungen genügen wird. Zur
Zeit freilich dienen einige alte Docker sehe Baracken den hier auf¬
tauchenden Bedürfnissen, und trotz mehrfacher Reparaturversuche
werden sie wohl bald am Ende ihrer Laufbahn angekommen sein.
Von Shanghai aus wandte ich mich alsdann nordwärts nach
Tsingtau. Hier hatte ich mich der liebenswürdigsten Aufnahme
durch Herrn Oberstabsarzt Dr. M ü h 1 e n s zu erfreuen, der für
5 Jahre dorthin kommandiert und zurzeit als Chefarzt des grossen
Lazaretts daselbst tätig ist. Dieses Krankenhaus selbst ist ein sehr
grosses, luftiges Gebäude und umschliesst 300 Betten. Vielleicht sind
seine Säle gar zu umfangreich, und bei uns, in der Heimat, hat man
jedenfalls in der letzten Zeit kleinere Räume bevorzugt, die auch den
Bedürfnissen der einzelnen Kranken in höherem Grade entsprechen.
Im übrigen ist das Hospital sehr hübsch gelegen und mit allem er¬
forderlichen Personal, also mit Schwestern, Pflegern usf. in gehöri¬
ger Weise versehen. Von den Patienten waren es besonders die
ziemlich zahlreichen Fälle von Dysenterie, und zwar sowohl von
Amöben- wie von Bazillenruhr, die mein Interesse wachriefen. Auch
die Zivilbevölkerung von Tsingtau leidet in gleicher Weise, wie das
hier ins Lazarett aufgenommene Militär, an einer Infektion mit den
beiden verschiedenartigen Gruppen von Krankheitseregern, und ohne
Frage ist die Ruhr eines der für die Bevölkerung unserer jüngsten
Kolonie wichtigsten Leiden.
Endlich hatte ich auch noch in Peking Gelegenheit, das dort
befindliche, unter Leitung des Stabsarztes Dr. Gau pp stehende
Hospital in Augenschein zu nehmen. Vor wenigen Jahren erst er¬
richtet, dicht bei der grossen Walderseekaserne gelegen, ist es nach
den Anforderungen der Neuzeit im Ganzen wie in allen Einzelheiten
gebaut und ausgestattet und könnte ebensogut in einer unserer heimi¬
schen Garnisonen seinen Platz einnehmen und ausfüllen, wie hier in
der Hauptstadt von China.
Wie man sieht, habe ich in China im geraden Gegensatz zu
Japan ausschliesslich europäische Krankenhäuser besucht, aus dem
sehr einfachen Grunde, weil es zur Zeit chinesische, für die Landes¬
kinder bestimmte und von solchen geleitete Hospitäler überhaupt
noch nicht gibt. Befindet sich doch die Medizin noch im Ur¬
zustände ihrer Entwicklung, auf einer Stufe, die sie vor etwa 1000
oder 1500 Jahren bei uns in Europa einnahm. Mit dem krassesten
Aberglauben vereinigt, mit Sterndeuterei und ähnlichem Hokuspokus
Hand in Hand gehend, wird sie vielfach gar nicht von eigentlichen
Aerzten ausgeübt, sondern liegt in der Hand beliebiger „Amateure“,
die sich auf irgend einem Wege, meist dem der Ueberlieferung
in ihren eigenen Familien, bestimmte besondere Heilkräfte gegen das
Bestehen dieser oder jener Krankheit Zutrauen und von dieser Gabe
dann auch einen unter Umständen sehr weitgehenden Gebrauch
machen. Erst in jüngster Zeit hat man, wie vorhin schon erwähnt,
begonnen, die medizinischen Kenntnisse der alten Welt in chinesische
Köpfe zu verpflanzen, und hofft von diesem Vorgehen eine allmähliche
Reform des ärztlichen W'issens und Könnens in immer weiteren
Kreisen heimisch zu machen.
Wenn ich mir endlich noch ein Wort erlauben darf über den
Wert und die Eigenart der Eindrücke, die ich nicht gerade auf medi¬
zinischem Gebiete, sondern auf demjenigen der allgemein menschlich
interessanten Tatsachen in mich aufgenommen habe, so sei hier be¬
merkt, dass die Reise nach Japan und China mir unter allen
den zahlreichen Fahrten, die ich schon in Europa, Asien und Afrika
ausgeführt habe, weitaus die grösste Fülle von neuen,
eigenartigen, bunten und überraschenden Bildern
gebracht hat. So kann ich nur allen Ernstes einem jeden, der
sich einmal für 3 Monate von seiner Arbeit und seinen Geschäften
zu trennen vermag, den dringenden Rat geben, sich auch nach dem
fernen Osten aufzumachen. Freilich muss man, um in der an¬
gegebenen kurzen Zeit die Fahrt auszuführen, beide Male, auf dem
Hin- und auf dem Rückwege, den Weg durch Sibirien benutzen, bei
dem man ja jedesmal 4 Wochen Reisezeit erspart. Auch die Kosten
sind keine allzu erheblichen und lassen sich auf etwa 2000 M. im
4*
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
404
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
Monat veranschlagen, abgerechnet natürlich diejenigen Ausgaben, die
man dort für Einkäufe der verschiedensten Art machen kann und
macht. Wer also die erforderliche Zeit, das nötige Qeld und eine
gewisse Kenntnis der englischen Sprache besitzt, ohne die es kaum
möglich ist, sich dort in der gehörigen Weise zurecht zu finden, der
raffe sich einmal auf zu einer Reise, wie ich sie ausgeführt — er
wird diesen Entschluss ganz gewiss nicht bereuen.
Aerztliche Standesangelegenheiten.
Die Tätigkeit der preussischen Aerztekammern im
Jahre 1908.
Von R. Schae ff er-Berlin.
Eine erschöpfende zusammenfassende Uebersicht über die Tätig¬
keit der preussischen Kammern läuft leicht Gefahr, für Aussenstehende
ermüdend zu sein. Nicht nur aus dem Grunde, weil zum Teil rein
lokale Interessen (z. B. Berichte der Vertrags- und Vertrauens¬
kommissionen) dort verhandelt werden, sondern namentlich, weil
meist dieselben Vorlagen in allen Kammern ausführlich besprochen
und mit oft kleinen Abweichungen angenommen werden, so dass der
Berichterstatter zu beständigen Wiederholungen genötigt sein würde.
Der nachfolgende Bericht will auf Vollständigkeit keinen An¬
spruch machen, er will nur einige interessantere Punkte hervor¬
heben. Trotzdem dürfte er imstande sein, den Nachweis zu führen,
dass die Tätigkeit der preussischen Kammern, für die es noch immer
— auch im eigenen Lager — eine nicht kleine Zahl pessimistischer
Gegner gibt, eine durchaus erspriessliche und für den
ärztlichen Stand einfach notwendige — auch im ver¬
gangenen Jahr — gewesen ist.
Wenn wir mit den Budgets der einzelnen Kammern beginnen,
so ergibt sich folgende Uebersicht für das Jahr 1907:
Provinz
1
Einnahmen
inkl. Bestand
Summe der
Mitglieder¬
beiträge
Ausgaben
darunter für
Unterstützungen
für den Fond
Gezahlte
Unter¬
stützungen
Beitrag
pro Mitglied
Ostpreussen . .
8 502
5 844
6 458
3 050
3 050
10 M. pro Arzt mit
Ermässigungen für
jüngere u. beamtete
Aerzte.
Westpreussen .
5 359
5 208
4 600
1500
1 500
12 „
Posen .
16 765
5 222
5 800
1 400
1400
io „
Pommern . . .
10349
8 994
10 059
5 350
5 350
15 „
Schlesien . . .
30 910
17 641
20 382
12 665
9 626
10 „
Sachsen ....
Schleswig * Hol¬
25 604
18 708
23 769
20 493
7 065
7 900
2 000
7 900
2 000
20 „
2 1 /" M. pro Mille des
ärztl. Einkommens.
stein ....
9019
Hannover . . .
26 944
22 200
22 589
14 549
14 549
20,05 M.
Hessen-Nassau.
37 818
26 658
34 408
25 045
5 950
20 M.
Westfalen . . .
42 670
25 124
24 992
19 200
4 200
20 „
Rheinprovinz .
95 562
51 000 51 799
43 000
11 010
20 „
Berlin-Branden¬
burg . . .
106 551
87 889 81 529
50 000
39 350
10 M. 4- 5 Proz. Zu¬
schlag der Einkom¬
mensteuer bei Ein¬
Aerztekammer-
kommen über 5000 M.
Ausschuss . .
7 148
4 100
5 540
—
—
10 M. für jedes der
410 Kammermitglied.
Aus diesen Zahlen ersieht man, wie ausserordentlich verschieden
sowohl die Beiträge als namentlich die Leistungen der Kammern für
Unterstützungszwecke sind. Angesichts der hohen Summen, die die
Berliner Kammer nicht nur für Unterstützungszwecke auf-
bringt, sonder tatsächlich auch verteilt, ist es daher ver¬
ständlich, wenn diese Kammer sich dem Vorgehen der übrigen
Kammern in Bezug auf den Unterstützungswohnsitz nicht anschliesst.
Berlin fürchtet, da es wesentlich höhere Unterstützungsgelder zahlt,
als die übrigen Kammern, dass es sonst einen Anreiz für unter¬
stützungsbedürftige Arztwitwen bieten würde.
Der Etat des Kammerausschusses zeigt ein betrüben¬
des Uebersteigen der Ausgaben über die Einnahmen. Der Kassen¬
bestand hat sich von 2587 M. auf 1609 M. verringert. Da sich ausser¬
dem eine Erhöhung der Gehälter und Diäten als notwendig heraus¬
gestellt hat, so wird voraussichtlich der Ausschuss noch in diesem
Jahre mit Nachforderungen an die Kammern herantreten.
Zu denjenigen Verhandlungsgegenständen in den Kammern, die
zweifellos am ersten verdienen, der Vergessenheit entrissen zu
werden, welcher sie in den Kammerberichten gar zu schnell anheim¬
fallen, gehören die Konflikte, welche die Standesvertretungen mit
den verschiedenen Behörden hatten. Aus ihrer Erledigung lässt
sich am besten erkennen, von welchem Geiste die führenden Männer
in den einzelnen Kammern getragen sind.
Beginnen wir mit der Aerztekammer der
1. Provinz Schlesien. Der Staatsanwalt von Görlitz hatte
seine Meinung in einem Anschreiben an den Kammervorstand dahin
ausgednickt, dass der Leiter einer Irrenanstalt nicht berechtigt sei.
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einen an einen in dessen Anstalt untergebrachten Geisteskranken
gerichteten Brief zu öffnen; er wolle aber die Ansicht des Vorstandes
vor Erhebung der Anklage hören. Darauf Hess der Vorstand ein
begründetes Gutachten durch eines seiner Mitglieder anfertigen, in
welchem es geradezu als Pflicht des Anstaltsleiters nachgewiesen
wurde, von Briefen der ihm unterstellten Kranken Kenntnis zu
nehmen. Die Kammer schloss sich einmütig dieser Ansicht an.
Der Aerzteverein in Striegau hatte eine Beschwerde
beim Landrat und beim Magistrat darüber eingereicht, dass von
Seiten der Krankenkasse „Rechnungen an Kurpfuscher
und Heilschäfer bezahlt worden waren. Der Magistrat
antwortete prompt, dass er als Aufsichtsbehörde es nicht dulden
würde, dass Heilschäfer anders als auf ärztliche Verordnung hin für
Verrichtungen bezahlt würden. Der L a n d r a t aber meinte, dass
„kleine Dienstleistungen, wie Massieren, Verab¬
reichung von Pflastern und Bandagen auch ohne ärzt¬
liche Verordnung von den Kassen bezahlt werden könnten. Von 22
ihm unterstellten Kassen sei bei 8 (!) überhaupt solcher Fall nie
vorgekommen (Also bei 14 war es vorgekommen. Ref.) Die Be¬
schwerde der Kammer gegen diesen Bescheid beim Regierungs¬
präsidenten wurde angewiesen. Die Kammer beschloss aber, -diese
Angelegenheit nicht ruhen zu lassen, sondern weiter zu verfolgen.
Es ist zu hoffen, dass die schlesische Kammer, diese für den ganzen
Aerztestand wichtige Angelegenheit auch den übrigen Kammern
unterbreitet.
3. Ein Arzt, der einen Scharlachfall behandelt hatte, bekommt
vom Landrat in Militsch die schriftliche Ermahnung, dass er
bei Infektionkrankheiten „die vom Kreisarzt zugestellten Verhaltungs-
massregeln den Angehörigen des Kranken genau bekannt zu machen
habe. Da der Arzt dieses Verlangen nicht anerkennen kann und die
vorschriftsmässige Meldung des Scharlachfiebers an die Ortspolizei¬
behörde erstattet hatte, so drückte er in seinem Antwortschreiben
sein „Befremden“ aus und erklärte den Vorwurf für „in jeder Be¬
ziehung unberechtigt“. Beide Ausdrücke glaubte der Landrat als
„ungehörig aufs entschiedenste zurückweisen“ zu müssen. 14 Tage
später ging vom Landrat ein zweites Schreiben ein, in dem er an¬
erkannte, dass durch ein Versehen des Amtsvorstehers die vom
Arzt rechtzeitig erstattete Meldung nicht an den Kreisarzt gelangt
sei. Die gebrauchten beleidigenden Ausdrücke nahm er aber nicht
zurück. Hierüber beschwerte sich der Kollege bei der Kammer.
Nach langen Debatten, in denen der anwesende Oberpräsident
wiederholt in versöhnendem Sinne eingriff, beschloss die Kammer,
den ganzen Bericht an den Regierungspräsidenten einzusenden und
darin darauf hinzuweisen, dass die Hauptschuld den Kreisarzt treffe,
der eine persönliche Besprechung mit dem Kollegen unterlassen habe.
Folgende Anträge wurden von der schlesischen Kammer ein¬
gebracht und dem Aerztekammerausschuss bezw. den übrigen
Kammern zur Beratung überwiesen:
1. Die Ae.-K. wolle beschliessen, dass bei der bevorstehenden
Revision des Strafgesetzbuches auf eine Aen-
derung des § 367 Abs. 3 zum Schutze der Aerzte hingewirkt
werde. Dieser § besagt, dass, wer ohne polizeiliche Erlaub¬
nis Gifte oder nicht freigegebene Arzneien feilhält, verkauft
oder anderen überlässt, mit Geldstrafe bis 150 M. oder Haft
bestraft wird.
2. Die Ae.-K. wolle beschliessen, durch den Kammerausschuss
dahin zu wirken, dass die Studierenden der Medizin
mehr wie bisher angehalten werden, sich mit den für
den ärztlichen Beruf geltenden Bestimmungen
bekannt zu machen.
3. Die Krankenkassen sollen verpflichtet sein, Hospital-
behandlung solchen Kranken zu gewähren, bei denen
nach dem Urteil des Arztes die Art der Behandlung eine
Aufnahme in das Krankenhaus unbedingt notwendig
macht.
4. Antrag betr. Revision der Gebührenordnung durch Aufnahme
derjenigen Operationen und Verrichtungen in dieselbe, welche
bisher nicht darin genannt sind.
Ueber die Abänderungsvorschläge bezüglich der Vorschriften
vom 27. VII. 1901 über Bau, Anlage und Einrichtung von öffentlichen
und Privatkrankenanstalten fand eine sehr eingehende Debatte statt,
in welcher namentlich in der Diskussion beherzigenswerte Aus¬
führungen gemacht wurden.
Da in der Beratung über das Kurpfuscherei gesetz ein
Sachverständiger, wie Herr Carl Alexander, das Referat hatte, so
kam auch in dieser Frage der schlesischen Kammer eine führende
Rolle zu.
2. In der Aerztekammer der Provinz Ostpreussen hatte in einer
früheren Sitzung Dr. Werner ein Referat gehalten, und über
die Uebergriffe berichtet, welche viele Gemeinde¬
schwestern zum Teil unter Mitwissenschaft des Mutterhauses
begangen hatten. Der Oberpräsident, der gleichzeitig Vorstand des
Mutterhauses ist, war ersucht worden, die Instruktionen der Schwe¬
sternschaft zu revidieren, um vorzubeugen für die Zukunft. Als
Material lag das Ergebnis einer Rundfrage an 400 Aerzte der Provinz
vor. Unter den 120 Antworten war von 64 Aerzten eine Beschwerde
eingelaufen! In seiner Erwiderung bezeichnete der Oberpräsident
v. W i n d h e i m dieses Referat eine „Schmähschrift“, mit der
„Tendenz“ der „Herabsetzung und Animosität“, sprach von „Unhe¬
il) rigiraal fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
405
wiesenen Behauptungen“ und erklärte, „dass er erst dann in
eine sachliche Nachprüfung eintreten wolle, wenn
der Vorsitzende erklärte, sich mit den beleidigenden Sätzen nicht
identifizieren zu wollen“ und Sorge zu tragen, dass sein Widerruf
Verbreitung finde. Der Vorsitzende V a n g e h r verlas darauf eine
Antwort, die in sehr energischer Weise Verwahrung gegen diese Art
des Vorgehens einlegte. Die Stimmung der Kammer kam zum Aus¬
druck durch die Worte Dr. Werners: „wenn wir deutsche Aerzte
Schäden aufdecken, so tun wir das nicht, um zu schädigen und zu
verschlechtern, sondern um zu heilen. Das ist unser urheiligster
Beruf, und davon lassen wir uns von Niemand, wer es auch sei.
nur ein Tüpfelchen nehmen“. Das Schreiben wurde einstimmig gut
geheissen. Auch die — von dem Berliner Qeschäftsausschuss der
Standesvereine aufgeworfene — Frage der Bewertung ärzt¬
licher Atteste (Dispensationen vom Zeichenunterricht soll nach
ministerieller Verfügung nur durch einen Augenarzt zulässig sein)
führte zu einem scharfen, wenn auch nicht aggressiven Schriftwechsel
zwischen der Kammer und dem Oberpräsidenten; während die
Kammer mit wuchtigen Gründen ihre Ansicht vertrat, erklärte der
Oberpräsident „keine Veranlassung zu haben, an der Verfügung etwas
zu ändern.“ Der Aerztekammerausschuss wurde daher beauftragt,
beim Minister direkt vorstellig zu werden.
Als selbständiger Antrag dieser Aerztekammer sei der An¬
trag hinsichtlich Gleichstellung der russischen Passvor¬
schriften für jüdische und christliche Aerzte erwähnt. Dieser
Antrag beschäftigte auch die meisten anderen Aerztekammern und
wurde überall im Sinne der ostpreussischen Kammer erledigt.
3. Die Aerztekammer für Westpreussen hatte 2 Konflikte mit
der Aufsichtsbehörde zu bestehen: Der Graudenzer Aerzteverein
hatte dem Kammervorstand mitgeteilt, dass der Regierungspräsident
in Marienwerder unter Hinweis auf angebliche Feststellungen
aus einem noch nicht beendeten ehrengerichtlichen Verfahren ihm
Idem Verein) den bedingten Vorwurf „schlimmster Inkol¬
legialität“ gemacht hatte, weil der Verein beschlossen hatt.e,
nur für seine Vereinsmitglieder die Einführung freier
Arztwahl bei der Graudenzer Dienstbotenkrankenkasse zu fordern.
Der Verein erbittet den Schutz der Kammer gegen diesen Vorwurf
seitens des Regierungspräsidenten. In ihrem Schreiben an den
Oberpräsidenten tadelt die Kammer mit Recht, dass aus einem noch
nicht abgeschlossenen ehrengerichtlichen Verfahren Einzelheiten
nach Aussen hin verbreitet sind und fragt an, wer diese Mitteilungen
dem Regierungspräsidenten bekannt gegeben habe; sie drückt ihre
Besorgnis aus, dass die Massnahmen des Regierungspräsidenten zu
einer Kollision mit dem gesetzlichen Rechtsspruch der Ehrengerichte
führen könne. Eine Antwort liegt noch nicht vor. (Der Aussen-
stehende wird mit seiner Parteinahme so lange zurückhalten müssen,
bis er erfährt, ob denn in der Tat der Graudenzer Verein dieses An¬
erbieten der Dienstbotenkasse gemacht hat und welche Entschuldigung
er hierfür Vorbringen kann. Ref.)
In einen zweiten noch schwereren Konflikt mit der Aufsichts¬
behörde war der Vorsitzende selbst in seiner Eigenschaft als Vor¬
sitzender des Ehrengerichts geraten: Ein Graudenzer Militärarzt hatte
sich um die Zuchthausarztstelle beworben und hatte, als
ihm die Erlaubnis hierzu von der Militärbehörde verweigert worden,
seinen Abschied eingereicht und den Vertrag mit der Gefängnis¬
verwaltung abgeschlossen, wiewohl die Vertragskom¬
mission diesen Vertrag (wegen standesunwürdiger Bestimmungen)
vorher beanstandet hatte. Die Vertragskommission beantragte daher
ehrengerichtliche Untersuchung gegen den Militärarzt, in welche
das Ehrengericht auch einzutreten die einleitenden Schritte machte,
da die baldige Verabschiedung des Militärarztes in wenigen Wochen
bevorstand und in der Tat auch bald erfolgte. Zum Bericht auf¬
gefordert, stellte der Vorsitzende des Ehrengerichts (Schustehrus)
den Sachverhalt dar, bekam aber vom Oberpräsidenten v. J a g o w
die Antwort, dass er sein Verhalten rügen müsse, da es seine
Pflicht gewesen wäre, die Sache dem zuständigen Militär¬
ehrengericht sofort abzugeben. Wiewohl der Vorsitzende darauf
hinwies, dass das Ehrengericht nur 2 Sitzungen im Jahre abhält, dass
eine ministerielle Verfügung die Zusammenlegung des Ehrengerichts
mit den Kammervorstandssitzungen für zweckmässig erklärt
habe und dass er um Belehrung bäte, welcher Gesetzesparagraph
ihn zwinge, eine sofortige Sitzung des Ehrengerichts einzuberufen,
erhielt er vom Oberpräsidenten die Antwort, dass es „bei dem Be¬
scheide verbleiben müsse“. Die Kammer beschloss, durch Erheben
von den Sitzen das Vorgehen ihres Vorsitzenden einmütig und vor¬
behaltlos zu billigen — worauf der anwesende Regierungsvertreter
-- weil anderweitig dienstlich in Anspruch genommen — sich ent¬
fernte.
Unter den sonstigen Verhandlungsgegenständen sei ein sehr
sriindliches Referat über die Säuglingsernährung auf dem
Platten Lande erwähnt, von Dr. E f f 1 e r - Danzig, welcher zu
dem Schluss kommt, dass infolge der vielen Molkereien ein Miss¬
stand in der Säuglingsernährung bestehe.
Zu der ministeriellen Aufforderung um Aeusserung betr. der
Verordnung über Bau, Anlage und Einrichtung von Krankenanstalten.
erstattet Kasten ein längeres Referat.
Erwähnt sei noch die „armenärztliche Besoldungs-Enquete und
die Ausführungen, dass eine Unterstützungs-Rechtskasse zwar wün¬
schenswert aber zur Zeit gänzlich aussichtslos sei.
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4. Die Aerztekammer der Provinz Pommern hatte auch einen
Zusammenstoss mit einer Behörde zu beklagen und zwar mit dem
Dekan der medizinischen Fakultät von Greifswald.
Der Vorsitzende hatte die Wendung gebraucht, er freue sich zu sehen,
dass die medizinische Fakultät jetzt ihr Herz für die
Aerztekammer entdeckt habe, was bei 2 früheren Gelegen¬
heiten nicht der Fall gewesen. Hiergegen hatte der Dekan eine
„Berichtigung“ eingeschickt, die mit den Worten schloss: „Wir
zweifeln nicht, dass Herr Sanitätsrat Heidenheim (der Vor¬
sitzende, Ref.) die von ihm gegen die medizinische Fakultät er¬
hobenen Vorwürfe als durchaus unberechtigt zurück¬
nehmen wir d“. Die Kammer protestierte gegen diese unnötig
scharfe Fassung, stimmte ihrem Vorsitzenden in der Sache durchaus
bei und beschloss Veröffentlichung des Schriftwechsels.
Zu dem Antrag Hartmann -Hanau (Hessen-Nassau), der die
Verschwiegenheitspflicht der Mitglieder der wissenschaft¬
lichen Deputation aufgehoben wissen will, machte die
Kammer den Zusatz, dass dies auch von den Berichten des Pro-
vinzial-Medizinalkollegiums gelten soll.
Erwähnt sei ferner ein ausführlich begründeter Einspruch, den
die Kammer gegen die willkürliche Festsetzung sehr niedriger Hono¬
rare für ärztliche Befundscheine seitens der nordöstlichen
Bau-Berufsgenossenschaft erhob. Der Einspruch soll
dem Reichsversicherungsamt überwiesen werden.
Schliesslich sei (aus dem Jahre 1907) der Antrag der Kammer
erwähnt, dass mit dem Titel „Sanitätsrat“ zugleich der
Rang der Räte IV. K1 a*s s e erteilt werde. Dieser Antrag
beschäftigte im Jahre 1908 sämtliche übrigen Kammern und ist ein¬
stimmig abgelehnt worden.
Andererseits fand die Anregung der Kammer, dass der Aerzte¬
kammerausschuss eine baldige Regelung der Beziehungen der Aerzte
zu den Postkrankenkassen herbeiführen möge, bei allen
Kammern willige Unterstützung.
5. Die Aerztekammer für Posen beschäftigte sich im wesent¬
lichen mit den vom Aerztekammerausschuss und den anderen
Kammern überwiesenen Vorlagen.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Kammern stimmte sie den
ministeriellen Ausführungen über die einheitliche Leitung
von Krankenanstalten vorbehaltlos zu. Ebenso ge¬
hörte sie zu den wenigen Kammern, die dem Anträge der Anhalter
Kammer beipflichteten, dass bei den zuständigen Eisenbahn¬
behörden eine Fahrpreisermässigung nachgesucht
werden sollte für Aerzte, welche Fortbildungskurse besuchen. Von
sonstigen Beratungsgegenständen sei erwähnt der Antrag der Brom-
berger Aerzte betreffs Neuregelung der Honorierung der Atteste
für die Landesversicherungsanstalt.
6. Die Aerztekammer für Schleswig-Holstein beschäftigte sich
eingehend mit dem Bericht ihrer Vertragskommission, sowie mit dem
Reichsgesetz betr. die Untersuchungen von Schiffs¬
leuten auf ihre Tauglichkeit zum S c h i f f s d i e n s t e
und setzte eine diesbezügliche Taxe und sonstige Vertragsbestim¬
mungen fest, deren Anerkennung bei der Regierung durchgesetzt
werden soll.
Ein weiterer Antrag dieser Kammer, welcher in den meisten
anderen Kammern beraten, meist allerdings abgelehnt worden ist,
lautete: Der Aerztekammerausschuss wolle . . . den Entwurf einer
Vorlage machen, inhalts derer die Aerztekammern als Ver-
sicherungsnehmerinnen gegen die ärztliche Haftpflicht
bei einer geeigneten Gesellschaft versichern, dergestalt, dass die Ver¬
sicherungbeiträge den in Gemässheit des Gesetzes betreff die Aerzte¬
kammern zu entrichtenden Umlagen ihrer Mitglieder zu entnehmen
sind.
Dem Anträge des Leipziger Verbandes, soweit er auf Verein¬
heitlichung der Gebührenordnung für das ganze Reich hinausläuft,
stimmte die Kammer zu.
7. Auch die Aerztekammer für die Provinz Sachsen hatte ihren
Konflikt: Der Kreisarzt von Quedlinburg, welcher für seine Tätigkeit
als Gefängnisarzt (durchschnittlich 50 Köpfe Belegschaft, zweimal
wöchentlich % Stunde Anwesenheit im Gefängnis, dazu zahlreiche
besondere Leistungen) 165 M. erhalten hatte, fragte die Aerztekammer
an. „welches Entgelt nach Ansicht der Aerztekammer angemessen
sei“. Der Vorstand nannte die Summe von 600 M. Nachdem dieser
Bescheid dem Regierungspräsidenten Dr. B a 11 z zugestellt war.
bewilligte er 300 M. mit der Drohung, dass wenn der
Kreisarzt hierauf nicht einginge, er, der Regierungs¬
präsident, sich genötigt sehen würde, die Versetzung des
Kreisarztes bei-dem Minister zu beantragen. So¬
wohl gegen das niedrige Honorar, wie namentlich gegen die An¬
drohung erhob der Kammervorstand Beschwerde beim Oberpräsi¬
denten, in welcher der Kammervorstand diese Handlungsweise als
unvereinbar mit § 153 der Gewerbeordnung charakterisierte. Sowohl
der Minister des Innern, wie der Medizinalminister entschieden, dass
es „bei dem diesseits erteilten Bescheide sein Bewenden behalten
muss.“
Die Kammer beschloss, den Landtagsabgeordneten der Provinz
Sachsen den ganzen Bericht zur Verfügung zu stellen.
Ausser den überwiesenen Anträgen, die die Kammer beriet, stellte
sie ihrerseits den Antrag: dafür einzutreten, dass die durch
das preussische Seuchengesetz vom 28. VIII. 05 b e i
Original fram
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
406
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
Infekt io nskrankheiten geforderte Desinfektion
prinzipiell auf öffentliche Kassen übernommen werde.
8. In der Aerztekammer für die Provinz Hannover nahm ein
Streit mit der dortigen Landes Versicherungsanstalt
einen breiten Raum ein. Die Kammer verlangt für ein Gutachten
9 M. unter der Bedingung, dass alle praktischen Aerzte zur Begut¬
achtung zugelassen werden; an erster Stelle der behandelnde Arzt;
Ausnahmen zulässig. In späterer Sitzung wurde in derselben Sache
nochmals verhandelt und festgestellt, dass Vertrauensärzte — ent¬
gegen jener Bedingung — in weitem Umfange herangezogen würden.
Die Kammer beschliesst Kündigung des Vertrages.
Im übrigen wurden nur die überwiesenen Vorlagen besprochen.
Die Zwangswitwenkasse wurde für noch nicht spruch¬
reif erklärt. Der Antrag Schlesien (betreffs Ueberweisung von
Kassenkranken in ein Krankenhaus auf Urteil des Arztes (s. Schlesien
No. 3) wurde — entgegengesetzt den Beschlüssen der meisten übrigen
Kammern — abgelehnt, dagegen ein Zuschuss für Marienbad
(Aerzteheim) bewilligt.
9. Die Aerztekammer für Hessen-Nassau beschäftigte sich sehr
eingehend mit dem Bericht der Vertragskonimission.
Als Initiativantrag der Kammer ist anzuführen: Den Herrn Medi¬
zinalminister um Auslegung des § 6 der allgemeinen Verordnung be¬
treff die Einrichtung einer ärztlichen Standesvertretung dahin zu er¬
suchen, dass in jedem Kreise das Verzeichnis nur der in dem
betr. Kreise ansässigen wahlberechtigten Aerzte, nicht -die
ganze Liste der im betr. Regierungsbezirk wahlberech¬
tigten Aerzte 14 Tage öffentlich auszulegen sei. Dieser Antrag ist
von den meisten Kammern abgelehnt worden.
Die meisten der sonstigen Vorlagen wurden — in den 2 Sitzungen,
welche die Aerztekammer im Jahre 1908 hatte — durchgesprochen
und zum Teil amendiert.
10. Die Aerztekammer von Westfalen hatte einen bemerkens¬
werten Konflikt, aber nicht mit Behörden, sondern mit einem Teil
ihrer eigenen Wähler: Vor Jahren hatte sie den Beschluss gefasst
und ihrer Standesordnung einverleibt, dass sich als Spezialarzt
nur der Arzt bezeichnen dürfe, welcher seine
ärztliche Tätigkeit auf sein Spezialgebiet be¬
schränkt. Hiergegen hatten 10 Aerzte, darunter 9 aus der Stadt
Münster einen sorgfältig begründeten Einspruch an den Medizinal-
minister gerichtet, der vom Minister an den Oberpräsidenten und von
diesem an die Kammer weitergegeben war. Der Minister hatte er¬
klärt, dass er sich sachlich nicht äussern wolle, dass die Befürchtung
der Beschwerdeführer aber unbegründet sei, da die „Standesordnung“
lediglich eine Meinungsäusserung über ärztliche Standespflichten dar¬
stelle, an welche die Ehrengerichte und der Ehrengerichtshof keines¬
wegs gebunden sei. Die Kammer schloss sich den Gründen der Be¬
schwerdeführer nicht an, sondern beschloss Uebergang zur Tages¬
ordnung.
11. Die Aerztekammer der Rheinprovinz und der Hohenzollern-
schen Lande beschäftigte sich mit einer Anzahl von Eingaben.
1. Der Regierungspräsident von Trier hatte in einer Verfügung
die orthopädische Anstalt des neuen evangelischen Kranken¬
hauses „zur Benützung nach Möglichkeit“ empfohlen. Eine Reihe
von Aerzten fühlte sich hierdurch geschädigt und hatte sich an den
Vorstand mit der Bitte um Abhilfe gewandt. Beschluss der Kammer:
der Vorstand soll die Angelegenheit mit der Regierung regeln.
2. Die Landesversicherungsanstalt hatte mitgeteilt,
dass einige Aerzte trotz wiederholter Erinnerungen ihre Gut¬
achten nicht einsenden und den Kammervorstand gebeten,
darauf hinzuwirken. In einer Nachforschung, die der Vorstand an¬
stellte, erfuhr er, dass allein im letzten Halbjahr 13 Beschwerden
verschiedener Behörden über Säumigkeit von Aerzten eingelaufen
waren. Durch persönliche Ermahnung des Vorsitzenden ist in den
meisten Fällen das versäumte wieder gut gemacht worden. Ein Be¬
schluss wurde nicht gefasst.
3. An den Oberpräsidenten wurde ein Gesuch gerichtet, in dem
ersucht wurde, die Leichenschau durch Aerzte in der Provinz
obligatorisch einzuführen und die Vielgestaltigkeit der in den
einzelnen Bezirken geltenden Formulare durch ein einheitliches
Formular zu beseitigen.
4. Eingabe an den Oberpräsidenten mit der Bitte, in den Kölner
Verhältnissen zwischen Krankenkasse und Aerzteschaft baldigst
Abhilfe zu schaffen.
An Initiativanträgen ist anzuführen:
1. Die Kammer ersucht den Minister, vor der Verleihung
von Orden und Titeln an Aerzte womöglich die Vorsitzenden
der Aerztekammern resp. der Ehrengerichte zu befragen, ob gegen
den Betreffenden eine ehrengerichtliche Verhandlung stattgefunden hat.
2. Bis zum Erlass einer einheitlichen Standesordnung soll für den
Abschluss von Verträgen in den Grenz bezirken verschiedener
Kammerbezirke der Grundsatz befolgt werden, dass die Standes¬
ordnung desjenigen Aerztekammerbezirkes für die Aerzte bindend ist,
in welchem der andere Vertragsschliessende Teil (Krankenkasse oder
Lokalbehörde) seinen Sitz hat.
*) Der Bericht über die Dezembersitzung der Kammern von
Sachsen, Schleswig-Holstein und Schlesien gelangte erst nach Fertig¬
stellung des Referats zur Kenntnis und wird daher erst im nächsten
Jahresbericht berücksichtigt werden.
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3. Auf.eine Eingabe des Vereins der Aerzte für Zahn- und
Mundkrankheiten fasste die Kammer den Beschluss: dass der
Arzt auf Grund seiner Approbation berechtigt ist, Zahnheilkunde aus¬
zuüben und nach entsprechender spezialistischer Ausbildung sich als
Spezialarzt für Zahn- und Mundkrankheiten zu bezeichnen.
Im übrigen wurden die von den übrigen Aerztekammern be¬
ratenen Gegenstände verhandelt, darunter mit ausführlichen Gut¬
achten die Anfrage des Ministers hinsichtlich von Bau, Anlage und
Einrichtung von Krankenanstalten.
12. Die Aerztekammer für die Provinz Brandenburg und den
Stadtkreis Berlin stellte folgende Anträge, welche an die übrigen
Kammern gingen:
1. Antrag des Geschäftsausschusses der Berliner ärztlichen
Standesvereine; beim Medizinalminister dahin vorstellig zu werden,
dass der Ministererlass betreffs Dispensation vom Zeichen¬
unterricht, in den höheren Lehranstalten aufgehoben wird,
im besonderen die Bestimmung, welche lautet: „Tritt gleichwohl
der Fall ein, dass der Erlass der Zeichenübungen auf Grund ärzt¬
licher Erklärung für einen Schüler nachgesucht wird, so wird der
Anstaltsleiter das betreffende Gesuch nach seiner Begründung hin
sorgfältig prüfen, insbesondere an Schulorten, an welchen ein Spezial¬
arzt für Augenkranke ansässig ist, das Zeugnis eines solchen ver¬
langen und mit seinem Bericht dem Provinzialschulkollegium vor¬
zulegen haben“.
2. An den Oberpräsidenten die Bitte zu richten, a) einen Zweck¬
verband der Gemeinden Gross-Berlins für das öffentliche Rettungs¬
wesen zu veranlassen, b) dahin zu wirken, dass allgemeine und
chirurgische Krankenanstalten die Berechtigung zur Aufnahme von
Medizinalpraktikanten in Zukunft nur dann erhalten, wenn letzteren
daselbst Gelegenheit zur Ausbildung im Rettungswesen geboten wird
und in den Anstalten Einrichtungen zur Leistung erster Hilfe bestehen.
(Dieser Antrag wurde von sämtlichen Provinzialkammern abgelehnt.)
3. Antrag des Vereins der Schöneberger Aerzte betreffend die
Einrichtung einer Zentralprüfungsstelle zur Untersuchung
von Arzneien und Geheimmitteln im Anschluss an das pharma¬
zeutische Institut der Universität.
4. Antrag der Aerzte des Regierungsbezirkes Potsdam auf Ab¬
änderung der Vorschriften für die Abgabe differenter Arz¬
neien.
5. Antrag auf Kündigung des Vertrages der Aerzte¬
kammern mit der landwirtschaftlichen Berufsgenos¬
senschaft.
6. Zu dem Ministerialerlass betreff Führung des Spezialarzt¬
titels wurde folgender Beschluss angenommen: Die Kammer lehnt
die durch Gesetz oder durch Standesvertretung bewirkte Festlegung
„bestimmter Bedingungen“, unter denen die Bezeichnung Spezialarzt
zulässig sei, ab. Sie hält die bestehende Institution der Ehrengerichte
für ausreichend, um eine offensichtlich missbräuchliche und unlautere
Beilegung des Spezialarzttitels zu ahnden.
An sonstigen Referaten ist zu nennen: a) Besprechung der amt¬
lichen Anweisungen zur Bekämpfung übertragbarer Krankheiten,
b) Befürwortung einer deutschen Hebammenordnung und einer Ver¬
sorgung mittelloser, kranker und alter Hebammen, c) Besprechung
der Verhältnisse der Schutzmannskasse.
Für das Aerzteheim in Marienbad wurden 300 M. gespendet.
Schliesslich seien noch die wichtigsten Beschlüsse des Ans¬
schusses der preusslschen Aerztekammern aus dem Jahre 1908 er¬
wähnt:
1. In bezug auf die Gebührenordnung; Zusammenstellung
der neuen Gebührenordnung; Annahme des Antrages des
Leipziger wirtschaftlichen Verbandes auf Schaffung einer einheit¬
lichen Reichsgebührenordnung; Annahme der von der
Berliner Kammer beantragten Aenderungen hinsichtlich der Gebühren
für gerichtsärztliche Leistungen .
2. Hinsichtlich der ministeriellen Anfrage betreffs einheit¬
liche Leitung der Krankenanstalten wird festgestellt,
dass nur 2 Kammern (Sachsen und Posen) dem Minister zustimmen,
während die übrigen 10 mehr oder minder einschneidende Ab¬
änderungen wünschen.
3. Das Verhältnis zu den Postkrankenkassen soll in
der Weise gestaltet werden, wie es Schleswig-Holstein bereits ge¬
tan hat.
4. Die Versicherung der Aerzte gegen Haftpflicht
durch die Aerztekammern ist von 11 Kammern abgelehnt (ausser
Schleswig-Holstein, der Antragstellerin).
5. Antrag der Uebernahme der Desinfektion auf öffentliche
Kosten (Antrag Sachsen) ist von 11 Kammern angenommen
worden (nur Westpreussen war dagegen).
6. Der Antrag Schlesien (vergl. daselbst No. 3) betr. Hospital-
bchandlung bei freien Hilfskassen ist von allen Kammern an¬
genommen.
7. Der Antrag Hessen-Nassau betr. Auslegung der Wahl¬
listen ist von 6 Kammern angenommen, von 6 abgelehnt worden.
8. Dem Antrag der Rheinprovinz betr. Verleihung von
Titeln und Orden ist allseitig zugestimmt worden.
9. Der Antrag Pommern betr. der Räte IV. Klasse ist von
I allen übrigen Kammern abgelehnt worden.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
407
10. Dem Antrag Berlin-Brandenburg betr. Ausstellung von At¬
testen für die Dispensation vom Zeichenunterricht
stimmt der Ausschuss zu.
11. Der Antrag derselben Kammer hinsichtlich Ausbildung
der Medizinalpraktikanten ist allseitig abgelehnt worden.
12. Der Antrag Schlesien hinsichtlich Aenderung des § 367
Abs. 3 des Strafgesetzbuches ist einstimmig angenommen.
13. Hinsichtlich einer Standesordnung wird beschlossen,
dass der Ausschuss die schliessliche redaktionelle Form feststellen
soll; diese soll dann den Kammern zur Kenntnisnahme zugesandt
werden.
Bacheranzeigen und Referate.
K. v. Bardeleben — H. Haeckel: Atlas der topo¬
graphischen Anatomie des Menschen. Unter Mitwirkung von
Fr. F r o h s e und Beiträgen von Th. Ziehen. 4., verbesserte
und vermehrte Auflage. G. Fischer, Jena 1908. gr. 8 °.
208, grösstenteils mehrfarbige Holzschnitte, 1 lithographierte
Tafel und erklärender Text. Preis M. 20, gebunden M. 22.
Die vierte Auflage der topographischen Anatomie von
v. Bardeleb en-Haeckel ist durch eine Reihe neuer Bil¬
der gegenüber der dritten Auflage vermehrt worden. Auch
diese sind wie die früheren in Holzschnitt ausgeführt. Es gilbt
nach Ansicht des Refer. kaum ein Buch, das <üe Unzweck-
mässigkeit der Verwendung des Holzschnittes für anatomische
Abbildungen besser erläutert als die von Bardeleben-
Ha ecke Ische topographische Anatomie. Man betrachte
z. B. die Figg. 65, 79, besonders 126, 153 u. a. Die zum Teil
nach äusserst instruktiven Präparaten hergestellten Bilder ent¬
behren fast jeglicher Plastik, sie wirken so „hölzern“ wie nur
möglich. In einer zweckmässigeren Reproduktionsart würden
viele der Bilder ganz vortrefflich aussehen. Die Einteilung der
früheren Auflagen, dass den Tafeln nur je eine Seite erklären¬
den Textes beigegeben ist, ist bestehen geblieben.
Sobotta - Würzburg.
Reichel: Lehrbuch der Nachbehandlung nach Opera¬
tionen. 2. Auflage. Wiesbaden, Bergmann, 1909.
Die erste Auflage dieses Werkes ist im Jahre 1896 er¬
schienen. Bei den grossen Fortschritten unserer Wissenschaft
in den seitdem vergangenen 13 Jahren ist es natürlich, dass eine
bedeutende Umarbeitung der ersten Auflage notwendig war,
und man darf dem Verf. zugeben, dass eine völlige Neubearbei¬
tung vorliegt. Die reichen Erfahrungen des in angestrengter
chirurgischer Tätigkeit stehenden Autors sind dem Werk in
jedem Kapitel zustatten gekommen. Das Werk gliedert sich
naturgemäss in einen allgemeinen und in einen speziellen Teil.
In dem ersten finden wir die Vorschriften der allgemeinen
Chirurgie, soweit die Nachbehandlung der Wunden in Betracht
kommt. Jede einzelne Störung des Wundverlaufes erfährt ein¬
gehende Berücksichtigung. Vor vielen in der Praxis gemach¬
ten Fehlern, z. B. dem überflüssigen Spülen der Wunden, der
allzu langen Immobilisation und Extension wird energisch ge¬
warnt. Auch der Erfahrenere findet in diesem Abschnitt
manche wertvolle Anregung.
Der Hauptwert des Buches liegt in dem zweiten speziellen
Teil. Wie der Verf. ganz richtig bemerkt, wird die Nach¬
behandlung in den meisten Lehrbüchern etwas stiefmütterlich
behandelt, und so kommt R.s Werk zweifellos einem wirklichen
Bedürfnis nach. Jeder Chirurg weiss, wie vielfach der Erfolg
einer Operation erst durch die zweckmässige Nachbehandlung
verbürgt wird, man denke nur an die Operationen in der Mund¬
höhle, am Kehlkopf, am Gallensystem und den Harnorganen.
Reichel gibt für jeden einzelnen Eingriff sehr ausführliche
Vorschriften und berücksichtigt jede mögliche Komplikation
auf das sorgfältigste. In mancher verzweifelten Situation, in
der nach wohlgelungener Operation unvorhergesehene Stö¬
rungen sich erstellen und dem Arzte oft tagelange psychische
Qualen verursachen, wird man das R.sche Buch mit gutem
Erfolg zu Rate ziehen. Es kann aufs wärmste empfohlen
werden. K r e c k e.
Bernhard Sigismund Schultze: Lehrbuch der Hebam¬
menkunst. Vierzehnte, verbesserte Auflage. Mit 103 Abbil-
Digitized by Google
düngen. Leipzig 1908. Verlag von Wilhelm Engelmann.
Preis 7 Mark, gebunden 8 Mark. 404 Seiten.
Ein Beweis für die grosse Beliebtheit und Verbreitung,
deren sich das S c h u 11 z e sehe Hebammenlehrbuch erfreut,
ist nicht zum mindesten der Umstand, dass schon nach kurzer
Frist wieder eine Neuauflage nötig war, nunmehr die vier¬
zehnte. Das Lehrbuch hat bereits ein stattliches Alter hinter
sich, im nächsten Jahre wird es 50 Jahre bestehen, gewiss bei
einem Buche medizinischen Inhalts eine Seltenheit.
Im allgemeinen ist an seinem Inhalt, verglichen mit früheren
Auflagen, nur wenig geändert worden; einige Abbildungen sind
neu hinzugekommen, ältere, weniger anschauliche, wurden
durch neuere, besser verständliche ersetzt. Ein fernerer Be¬
weis für die Vorzüglichkeit des klassischen Buches ist der Um¬
stand, dass es auch bei den Studierenden im Gebrauch ist, be¬
sonders zur vorläufigen Orientierung über das Fach, eine Tat¬
sache, welche nur freudig begrüsst werden kann, da auf diese
Weise die Unsicherheit und Befangenheit, die manchen jungen
Arzt beim ersten Zusammenarbeiten mit alten erfahrenen He¬
bammen befällt, beseitigt werden kann.
A. Rieländer-Martmrg.
Paul K r o n t b a 1: Nerven und Seele. Jena (Fische r)
1908. 431 Seiten. Preis 10 Maiik.
Nach einer kurzen philosophischen Einleitung gibt Ver¬
fasser in dem ersten Teil seines B-uohes Grundzüge einer all¬
gemeinen Physiologie des Nervensystems, um dann in um¬
fänglichen Ausführungen „die Seele“ zu behandeln. Er setzt
sich in dem ersten Teil zu vielem in Widerspruch, was moderne
hirnanatomische und -physiologische Forschungen lehren, in
dem zweiten verwirft er von Grund aus fast alles was uns von
psychologischen und psychiatrisch-klinischen Anschauungen
geläufig ist, um an deren Stelle eine durchaus andersartige
Psychophysiologie zu setzen. Die heutige Psychologie ist nach
Kronthals Ansicht metaphysisch, weil sie .sich mit der
„Empfindung“ beschäftigt. Er versucht eine neue, für welche
die Seele nichts anderes ist, als „Summe der Reflexe“. Von
dieser Grundanschauung aus strebt er dann normale und patho¬
logische Phänomene des Seelenlebens physiologisch zu erklären
und das Schema einer Psychiatrie zu geben, wie er sie sich
denkt
Referent hält seinerseits die Ausführungen des Verfassers
in ihren wesentlichsten Teilen für wissenschaftsfremde Kon¬
struktionen, die auf einer Verkennung der Aufgaben, vor allem
der empirischen Psychologie und klinischen Psychiatrie be¬
ruhen. Iss e r lin.
Karl Witzei: Entwicklung der Kiefer und Zähne beim
Menschen. 75 Tafeln mit Text in deutscher, französischer und
englischer Sprache. Berlin-Dresden, Verlag der Zentralstelle
für Zahnhygiene. 1907. Geb. 26 M.
Wer sich über die Entwicklung der Kiefer und Zähne, über
den Durchbruch und die Stellung der Milchzähne und der
bleibenden zu einander, über die normalen Verhältnisse in allen
Altersperioden, über Anomalien der Kieferbögen und Zähne mit
einem Blicke unterrichten will, der findet in dem prächtig aus¬
gestatteten Atlas eine Menge schematischer Bilder, makro¬
skopisch und mikroskopisch anatomischer Präparate, sowie
viele Röntgenaufnahmen und ist das Buch zum Studium ebenso,
wie zum Nachschlagen nur zu empfehlen. Eine praktische
Neuerung für die Uebersicht ist, wie mir scheint, die Einheftung
des erläuternden Textes in den Deckel des Einbandes.
Brubacher.
Physikalische Therapie in Einzeldarstellungen, heraus¬
gegeben von Dr. J. Marcuse und Doz. Dr. Strasser.
Stuttgart, F. Enk e, 1908.
Heft -21a. U11 m a n n: Physikalische Therapie der Haut¬
krankheiten. Preis 4.50 M. 198 S.
Heft 21b. Derselbe: Physikalische Therapie der Ge¬
schlechtskrankheiten. Preis 5 M. 217 6.
Durch das ungeheure Anwachsen des hier behandelten
Spezialgebietes gerade während der Herausgabe dieser Dar-
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
408
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
Stellungen sah Verf. sich gezwungen, entgegen dem ursprüng¬
lichen Plane, den Stoff auf 2 Hefte zu verteilen.
Das erste enthält eine prägnante und übersichtliche Dar¬
stellung der physikalischen Therapie der Hautkrankheiten. Ent¬
sprechend den grossen Fortschritten der letzten Jahre steht
liier die Lichttherapie im Vordergründe. Die Behandlungs¬
methoden des Lupus sind besonders ausführlich behandelt; ihre
Erfolge werden durch Abbildungen und Krankengeschichten gut
illustriert.
Das zweite Band macht den Leser eingehend mit der Be¬
handlung der Gonorrhöe bekannt. Es folgen sodann die thera¬
peutischen Massnahmen bei Ulcus venereum und anderen Geni¬
talaffektionen, endlich die physikalisch-diätetische Therapie der
Syphilis. Ob es zweckmässig war, im letzten Abschnitt theo¬
retischen Erörterungen so viel Platz einzuräumen, wo gerade
bei seiner Abfassung auf diesem Gebiete noch alles im Flusse
war und viele neuere Ergebnisse nicht mehr genügend be¬
rücksichtigt werden konnten, möchte ich dahingestellt sein
lassen. Im übrigen kann man den vorliegenden Bänden das
Urteil nicht versagen, dass sie in ihrer Gründlichkeit und
Uebersichtlichkeit mit Berücksichtigung aller modernen Er¬
fahrungen die Reihe dieser Darstellungen würdig beschliessen.
Renner.
Borst: Festschrift für G. E. v. R i n d 11 e i s c h. Leipzig,
Verlag von W. E n g e 1 m a n n, 1907.
(Schluss.)
19. Dr. Philipp Bockenheimer, I. klin. Assistent an der chir.
Universitäts-Klinik zu Berlin, ehemal. Assistent am pathol. Institut
zu Würzburg im Jahre 1898: Ueber die genuine diffuse Phlebektasie
der oberen Extremität. (Mit 2 lithogr. Tafeln und 2 Textfiguren.)
B. beschreibt einen Fall von genuiner Phlebektasie der ganzen
linken oberen Extremität; ähnliche Fälle sind bisher in der Literatur
nicht bekannt, so dass der Fall B.s eine neue Krankheitsform der
genuinen Gefässerweiterungen darstellt.
Die V. subclavia sin. und die V. axillaris zeigten in dem Fall
ein völlig normales Verhalten. Dagegen waren die in letztere
mündenden Venae brachiales von doppelt So grossem Lumen, wie
die Art. axillares. In gleicher Weise war auch die V. cephalica
erweitert. Die genannten Venen waren dabei nicht nur diffus er¬
weitert, sondern zeigten gleichzeitig bis walnussgrosse umschriebene
Erweiterungen. Ein derartiges Venengeflecht lag besonders an der
Innenseite des Humerus. Der durch die umschriebenen Erweiterungen
ausgeübte Druck war so stark, dass an den entsprechenden Stellen
des Oberarms der Knochen an vielen Stellen wie ausgefressen er¬
schien und bis 3 mm tiefe Gruben zeigte. Aehnliche Usuren fanden
sich auch an der Ulna und vereinzelt am Radius. Die Klappen der
Venen waren alle zerstört. Die Erweiterung betraf nicht nur die
grossen Venen, sondern erstreckte sich bis in die kleinsten Ver¬
zweigungen. Der Humerus war um 1 cm länger als an der rechten
Seite. Die Muskulatur des ganzen Armes zeigte ein Aussehen wie
bei wachsartiger Degeneration.
Der Verlauf der Arterien war durchaus typisch; sie waren
nirgends geschlängelt, nirgends fand sich eine Kommuni¬
kation mit den Venen, obwohl die Präparation bis in die
Hohlhand ausgeführt worden war, wo die Venenveränderungen ihren
Anfang nahmen.
Bei der mikroskopischen Untersuchung zeigten die Arterien nur
unbedeutende sklerotische Veränderungen, dagegen erwiesen sich die
Venen bis in die feinsten Aestchen mächtig erweitert und vielfach
zeigte auch ihre Wand die hochgradigsten Veränderungen durch
ungleichmässige, oft sehr erhebliche Verdickungen, welche teils durch
Bindegewebswucherung, teils durch Bildung wirrer, elastischer Faser¬
netze, teils durch Zunahme der Mediamuskulatur bedingt waren.
Vielfach waren auch die Kapillaren so stark erweitert, dass ganze
Bezirke den Charakter eines Kavernoms angenommen hatten.
Klinisch ist es von Interesse, dass trotz Fehlens jeglicher
Kommunikationen zwischen Arterien und Venen doch ein aszen-
dierender Venenpuls zu beobachten war. Er war jedenfalls durch
die mächtige Erweiterung des ganzen Kapillargebietes bedingt; zum
Teil wurden vielleicht auch die Schwankungen der Art. brachialis
auf die unmittelbar anliegenden grösseren Venenstämme übertragen.
Als wahrscheinlichste Ursache der Phlebektasie hält B. eine an¬
geborene Anomalie der Wandstruktur der Venen des linken Ober¬
armes.
20. Prof. Dr. Emil P o nf i c k - Breslau: Ueber Inaktivitäts¬
atrophie innerhalb drüsiger Organe, insbesondere der Niere.
Ponfick weist auf die Tatsache hin, dass man bei reiner
Glomerulonephritis oft gerade nur diejenigen gewundenen Harn¬
kanälchen degeneriert findet, welche mit einem verödeten Glomerulus
in Verbindung stehen. Er vertritt die Ansicht, dass in diesem Falle
die Degeneration des Harnkanälchenepithels der Verödung des
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Glomerulus nicht als koordiniert, d. h. also nicht als eine direkte
Folge der nämlichen Schädlichkeit zu betrachten sei, welche die
Verödung des Glomerulus bewirkte. Ponfick hält vielmehr die
Degeneration des Harnkanälchenepithels für eine sekundäre Er¬
scheinung, für eine Art von Inaktivitätsatrophie, welche auf der
Abhängigkeit der Funktion der gewundenen Harnkanälchen von der
Funktion der Glomeruli beruhe.
21. Dr. Walter Rindfleisch, Spezialarzt in Stendal: Ueber die
Methode des Darmausschlusses durch Invagination (Invaginations-
methode). (Mit 1 Textfigur.)
R. schlägt vor, in Fällen, in welchen bisher die Resektion eines
Darmstückes vorgenommen worden ist, die Invagination des be¬
treffenden Darmstückes auszuführen. Das Darmstück wird zu diesem
Zweck vom Mesenterium abgetrennt und in den abführenden Darm
durch einfache Einschiebung verstopft. In der Peripherie wird die
gesunde Darmpartie untereinander vernäht.
R. hatte bis jetzt nur in einem Fall Gelegenheit, die bei Tieren
experimentell geprüfte Methode auch beim Menschen anzuwenden.
Der Fall verlief letal, aber nicht infolge der Operation, sondern
wegen der schon vorher vorhanden gewesenen eitrigen Peritonitis.
Dagegen wurde die gleiche Methode von Professor Fedoroff in
einem Falle von Darmsarkom mit ausgezeichnetem Erfolg an¬
gewendet. Schon vom 6. Tage an nach der Operation waren bei der
Patientin, nachdem in den ersten Tagen Schlucken bestanden hatte
und stinkende Massen abgegangen waren, wieder spontane Stuhl¬
entleerungen erfolgt und 3 Wochen nach der Operation erschienen
wieder geformte Fäkalien.
22. Professor Dr. Otto Madelung in Strassburg (ehemaliger
Assistent am pathol. Institut zu Bonn vom 1. IV. 1873 bis 31. XII. 1874) :
Das Riesenzellensarkom in den Rückenwirbeln.
Verf. beobachtete einen Fall von Riesenzellensarkom der Hals¬
wirbelsäule, in welchem eine schwere Kompressionslähmung des
Rückenmarkes bestand. Nach Exstirpation des Tumors gingen die
Lähmungserscheinungen zurück. Noch nach 13 Monaten waren
keinerlei Zeichen von einem Rezidiv aufgetreten, so dass die An¬
nahme völliger Heilung berechtigt erscheint.
Im Anschluss an diese Beobachtung berichtet M. ausführlich
über die wenigen bisher in der Literatur beschriebenen Fälle von
Riesenzellensarkom der Wirbelsäule und gibt eine kurze zusammen¬
fassende Darstellung der pathologisch-anatomischen und klinischen
Verhältnisse dieser seltenen Lokalisierung des Riesenzellensarkoms.
23. Dr. A. v. Notthaift, Privatdozent u. Spezialarzt in München
(ehemal. Assistent am pathol. Institut zu Würzburg vom Sommer
1893 bis Winter 1894/95): Die Legende von der Altertumssyphilis.
Die Arbeit ist in besonderer Ausgabe auch im Buchandel er¬
schienen und in No. 24, 1907, S. 1187 ausführlich besprochen.
24. Dr. Otto Rostoski, Privatdozent in Würzburg: Ueber in¬
fektiöse Hämoglobinurie. Mit 1 Textfigur.
Der vom Verf. mitgeteilte Fall betrifft einen 17 jährigen jungen
Mann, welcher im Anschluss an eine Erkältung eine Angina ak¬
quirierte, auf welche dann ein den klinischen Symptomen nach
typischer akuter Gelenkrheumatismus mit Milzschwellung folgte.
Obwohl das Blutserum des Kranken keinen ge¬
lösten Blutfarbstoff enthielt, bestand dennoch
eine erhebliche Hämoglobinurie. Der Untergang der
roten Blutkörperchen musste also in diesem Falle mit grösster Wahr¬
scheinlichkeit erst in der Niere erfolgt sein. Aus dem Blute konnten
Streptokokken gezüchtet werden, welche grosse Aehnlichkeit mit
Pneumokokken hatten. Der Fall endigte in Genesung.
25. Dr. Willard Hunter Hutchlngs, Dozent der Dartmouth
Medical School in Hannover N. H., ehemaliger Vol.-Assistent am
pathologischen Institut zu Würzburg im W. 1902/03): Experimentelle
Beiträge zur „Frühamputationsfrage“ beim Tetanus. Mit 1 Textfigur.
Verf. kommt zu folgenden Ergebnissen:
„1. Meerschweine und Schafe sind verhältnismässig empfänglich
für experimentellen Tetanus.
2. Die Krankheit nimmt bei diesen Tieren in allen Fällen einen
tödlichen Verlauf.
3. Hunde sind verhältnismässig unempfänglich für Tetanusver¬
suche.
4. Bei einem grossen Prozentsatz von Hunden entwickeln sich
keine Symptome über das erste Stadium hinaus. Eine Heilung wird
durch die natürlichen Kräfte des Körpers erzielt.
5. Das erste Symptom bei Meerschweinen ist ein lokaler Tetanus
der geimpften Stelle, gleichgültig, ob das Toxin im Körper durch
Keime hervorgerufen oder mit dem Blute anderer Tiere eingeführt ist.
6. Die erste Erscheinung bei Schafen ist Steifheit der Muskeln
des Kopfes und Nackens und nicht ein lokaler Tetanus.
7. Das erste Symptom bei Hunden ist eine tonische Zusammen¬
ziehung der Ausdrucksmuskeln des Kopfes. Kein lokaler Tetanus ist
vorhanden.
8. Klonische Zuckungen bei Schafen und Hunden kommen spät
in der Krankheit vor.
9. Amputation gleich nach, dem ersten Auftreten von Symptomen
beeinflusst keineswegs die Fortschritte der Krankheit. Tiere, bei
denen amputiert wurde, sterben in derselben Zeit und unter denselben
Symptomen wie die. bei welchen dies nicht geschah.
10. In einigen Fällen verhindert eine Amputation vor dem Aui-
Qriginal frem
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
409
treten von Symptomen nicht die Entwicklung der Krankheit und
den Tod.
11. Normales Schafblut ist nicht giftig für Meerschweine von
350—400 g in Dosen von 1 ccm.
12. Grosse Mengen von Toxin sind im Blute mehrere Tage vor
dem Erscheinen der ersten Symptome vorhanden.
13. Der Gehalt an Toxin, welcher im Blute ist, wächst sowohl
an Menge wie Giftigkeit mit dem Fortschritt der Krankheit.
26. Verzeichnis der Wissenschaft!. Arbeiten von G. E. v. Rind¬
fleisch.
Die literarische Tätigkeit v. Rindfleisch’ erstreckte sich
von 1859—1905. Das Verzeichnis umfasst nahezu 100 grössere und
kleinere Publikationen und ist ein 'beredtes Zeugnis für die reiche
Förderung, welche v. Rindfleisch der pathologisch-anatomischen
Wissenschaft zu Teil werden Hess. G. Hauser.
Pharmazeutische Rundschau.
Von Dr. M. W i n c k e 1 in München.
Halten wir mit diesem Vierteljahrsüberblick gleichzeitig eine
kurze Umschau über die Ergebnisse der pharmazeutischen Chemie
und über die Tätigkeit der pharmazeutischen Industrie des ver¬
gangenen Jahres, so müssen wir unverhohlen eingestehen, dass die
wissenschaftliche Pharmazie bemerkenswerte Fortschritte oder auch
nur bemerkenswerte neue Ideen zur Verwertung in der Arzneimittel-
synthese nicht zutage gefördert hat. So ist denn auch die rein
pharmazeutische Literatur relativ arm an neuen wertvollen Arbeiten,
wie sich dies auch auf der Kölner Naturforscherversammlung in den
Sitzungen der pharmazeutischen Sektion so kläglich wiederspiegelt.
Auch die so rege Tätigkeit in den grossen Laboratorien der pharma¬
zeutisch-chemischen Industrie, die in der Patentliteratur, wie L ü d e r s
(Chem. Zeitung 1908, No. 4) auseinandersetzt, ihr getreues Abbild
erfährt, bleibt mit Resultaten hinter denen der früheren Jahre zurück,
die Einführung wesentlich neuer Körpergruppen in die Arzneimittel¬
synthese wurde nicht erreicht, denn das Suprarenin wurde bereits im
vorletzten Jahre synthetisch dargestellt und ferner dürfen wir
die so höchst erfreulichen Fortschritte auf den Gebieten der
Sero-, Bio- und Radiologie, mit denen sich unsere phar¬
mazeutische Grossindustrie sehr intensiv und mit grossen Erfolgen
beschäftigt, nicht auf das Konto dre Pharmazie setzen, sondern
auf das der medizinischen und physikalischen Chemie. Freilich
hat ja das vergangene Jahr eine Menge neuer Arzneimittel gebracht,
die zum Teil als eine Bereicherung des Arzneischatzes aufgefasst wer¬
den müssen, die jedoch wesentlich neue Gesichtspunkte nicht zeigen.
Was nun ferner die Pharmakologie anbelangt, so kann die Phar¬
mazie diese Wissenschaft nicht entbehren und es wäre höchst wün¬
schenswert, wenn beide viel mehr Hand in Hand arbeiteten, als dies
bisher leider der Fall ist; gerade durch gemeinsames Miteinander¬
arbeiten würden die pharmakologischen Untersuchungen neue An¬
regung geben und neue Bahnen zeigen für die Arzneimittelsynthese.
Aber nicht nur für diese, sondern in gleicher Weise auch für die Be¬
wertung von Drogen und für die rationelle Darstellung pharma-
zeutisch-galenischer Präparate, wie dies Schär in seiner schönen
Arbeit über „wechselseitige Beziehungen phytocbe-
mischerStudienundpharmakologischerProbleme“
(Beitrag zur Festschrift für Prof. Schmiedeberg) hervorhebt.
Auch A. Mayer (Arch. d. Pharmazie, 1908, pag. 541) macht auf den
Wert des Zusammenarbeitens von Pharmakognosie mit Pharmakologie
aufmerksam. Es ist zu verwundern, dass die dort in Frage stehende
Droge, Semen Strophanthus, die pharmazeutisch von so grosser
Bedeutung ist und vom pharmakognostischen Standpunkt aus so viel¬
fach bearbeitet wurde, pharmakologisch noch so wenig studiert ist.
In -vorliegender Arbeit führt A. Meyer entgegen den Angaben von
E. G i 1 g jene Punkte an, weshalb Strophanthus gratus vor dem
Hispidussamen den Vorzug zur Aufnahme in die neue Pharmakopoe
verdient und regt zur Reindarstellung der betr. Glykoside und deren
pharmakologischen Prüfung an. (Inzwischen wurde von Hefter,
Therapeut. Monatsh., No. 1, eine Studie über die Strophanthine des
Handels veröffentlicht.)
Bei dieser Gelegenheit möchte ich den in der „Deutschen Ge¬
sellschaft für öffentliche Gesundheitspflege“ in Berlin gehaltenen Vor¬
trag von Prof. Thoms über „DieArzneimittelversorgung
des Volkes vom Standpunkt der öffentlichen. Ge¬
sundheitspflege“ nicht unerwähnt lassen. Thoms tritt hier
dafür ein, dass pharmazeutische Chemie und Medizin als gemeinsame
Verbündete den Kampf aufnehmen sollen gegen Geheimmittel und un¬
reelle Arzneimittelfabrikation; der ordinierende Arzt muss das grösste
Interesse haben an der richtigen Deklaration der Arzneimittel, um sich
nicht dem Geheimmittelwesen auf Gnade und Ungnade zu überant¬
worten; aus wissenschaftlichen Gründen ist es zu bedauern, wenn
der Arzt lediglich auf die therapeutische Wirkung den Wert des
Arzneimittels legt, ohne von der näheren Zusammensetzung des
Arzneimittels Kenntnis zu haben. In diesem Sinne lediglich dürfte
auch die in Aussicht stehende amtliche Prüfungsstelle aufzufassen
sein: eine Prüfung auf chemische Zusammensetzung und richtige
Deklaration. Nach Ansicht des Referenten aber dürften einer solchen
Institution keine weiteren Befugnisse zustehen.
Das Geschäftsleben des Apothekers bewegte sich in gleicher
Linie wie im Vorjahr und die ersehnte Reorganisation bleibt noch
zu erwarten; auch die neue Arzneitaxe hat ihm bemerkenswerte Vor¬
teile nicht gebracht. Wie der Kampf der Aerzte um die Kurierfreiheit,
so bewegt sich derjenige der Apotheker gegen die allzugrosse
Freigabe des Arzneimittelhandeis, gegen die Ge¬
heimmittel und Fabrikspezialitäten. Was den ersten
und zweiten Punkt betrifft, so lassen die bestehenden Verordnungen
weiten Spielraum und bieten mannigfache Gelegenheit zu ihrer Um¬
gehung. Nehmen wir eine Mixtur oder eine Einreibung an, so darf
sie überall, in jedem Krämerladen für Veterinärzwecke verkauft wer¬
den, für humanmedizinische Zwecke ist der Verkauf dem Apotheker
Vorbehalten; gibt aber der Drogist an, dass das Mittel durch Destil¬
lation gewonnen ist, so darf er es nach den gesetzlichen Bestim¬
mungen, nach denen Destillate frei verkäuflich sind, auch für letztere
Zwecke verkaufen. Für Desinfektions-und technische Zwecke sind viele
Mittel von grosser Giftigkeit freigegeben, die für medizinische Zwecke
nicht verkauft werden dürfen. Ist nun die Apotheke als konzessioniertes
Institut für den Arzneimittelverkehr gedacht, so sollte auch behörd¬
licherseits ihm der nötige Schutz in höherem Masse zu teil werden, als
dies bisher der Fall ist. Anderseits aber ist kaum zu erwarten, dass er
das, was ihm entrissen wurde, wieder zurückerobert; dazu ist der
Verband der Drogisten zu stark und hat bereits einem Einfluss bei der
Regierung. Auch über die Fabrikation der Spezialitäten
hat man in den letzten Monaten in pharmazeutischen Kreisen viel
diskutiert; der deutsche Apothekerverein als solcher beabsichtigt,
eine Sanierung des Spezialitätenwesens im ganzen Reiche anzubahnen:
es bleibt abzuwarten, inwieweit diese den Erwartungen entspricht,
ob sie zum Vorteil der Pharmazie und des einzelnen Apoth kc s
ausschlagen wird.
Wenn nun auch der Apotheker unleugbar als Detailverkäufer
R h ^rhäf Z r Ut,SCher P rfipa . rate funktioniert, so bleiben ihm neben dieser
5S®5 Äftl * un iK gew, 5? e ' n€ Mefl ^ e wissenschaftlicher Fragen, die er
IS H- e Ch . e ? le un . d Pharmakologie der neuen Arznei-
Slu he ^ anschein€nd für ihn nutzlos und brotlos,
aber er sollte sich doch über das angedeutete Niveau erheben, anstatt
1 n ' euen . Bestrebungen, so lange sie auf reeller, gesunder Ent¬
wicklung sich bewegen, entgegenzuarbeiten, vielmehr sollte er sich
diesen anschhessen und wissenschaftlich und geschäftlich Schritt
halten. In seinem Bestreben, unlautere oder minderwertige Prä-
parate zu entlarven und zu bekämpfen, wird er von Seiten der Aerzte-
. gewiss unterstützt werden. Was die sog. Patentmedizinen an¬
belangt, so kann er für deren Qualität ja nacht einstehen, immerhin
Kann er auch diese kontrollieren, sofern ihm die fabrizierende Firma
nicht genug Gewähr für richtige Dosierung bietet. Vor allem aber
sollte er sein ganzes Augenmerk der einwandfreien Beschaffenheit
der von ihm bezogenen Drogen, Chemikalien, galenischen und che¬
misch-pharmazeutischen Präparaten, zuwenden. Es nimmt wuuder.
dass der Apotheker einerseits klagt über die überhandnehmenden
pharmazeutischen Spezialpräparate, dass er aber andererseits nicht
einmal solche Präparate selbst darstellt, die einem schnellen Abklingen
m ihrer Wirkung unterliegen und deshalb vorschriftsmässig jedesmal
frisch nach ärztlichem Rezept dargestellt werden müssen. Ich habe
auf all diese Punkte hinzuweisen, weil gerade in den letzten Monaten
in pharmazeutischen Zeitschriften viel hierüber diskutiert wurde.
Wollen wir offen bekennen, so liegt der Kernpunkt der ganzen An¬
gelegenheit eben im Geldpunkt. Eine halbwegs wissenschaftHche Ar¬
beit, die sich nicht sofort pekuniär rentiert, wird in den meisten
Apotheken, nicht gerne gemacht, aber trotzdem hören wir Klagen
über den wissenschaftlichen Untergang der Pharmazie. Statt nach
ärztlicher Vorschrift ein Digitalis-, Sekale-, Ipecacuanha- etc. -in¬
fus frisch zu bereiten, ist es — wenigstens in sehr vielen Apotheken —
gebräuchlich geworden, konzentrierte Infuse vorrätig zu halten. So¬
lange der Apotheker sich dieser Arbeit im Laboratorium selbst unter¬
zieht, ist prinzipiell hiergegen nichts einzuwenden, da er für die Güte
der Präparate einstehen kann, ja in grossen Apotheken ist ein solches
Verfahren sogar sehr angebracht, sofern der Vorrat nur für kurze
Zeit bemessen wird. Die neue Schweizer Pharmakopoe gibt sogar
Vorschriften zu ihrer Darstellung. Werden diese Extrakte als sog.
Solidextrakte jedoch von pharmazeutischen Laboratorien bezogen, so
erblicke ich hierin in mehrfacher Beziehung eine Unkorrektheit: diese
Laboratorien mögen noch so einwandfrei arbeiten, so ist doch leicht
einzusehen, dass durch das Eindampfen, auch wenn es im Vakuum
geschieht, hydrolytische Spaltungen vor sich gehen und dass nach
monatelangen, ja jahrelangem Aufbewahren ein anderes Präparat vor¬
liegt, als es vom Arzt vermeint resp. vorgeschrieben ist. Jedenfalls
aber hat der Apotheker die Pflicht, solche bezogene Präparate auf
ihren Alkaloid-, Glykosidgehalt etc. zu prüfen. Dass sie vom phar¬
makologischen Standpunkt aus den Ansprüchen nicht genügen, war
längst durch die Praxis festgestellt. Frerichs hat nun in einer
Reihe kleiner Publikationen in der „Apotheker-Zeitung“ darauf auf¬
merksam gemacht, wie unzuverlässig solche von jenen Speziallabora¬
torien bezogene, konzentrierte Extrakte auch hinsichtlich ihres Al¬
kaloidgehaltes sind. Hoffentlich ist dieses energische Einschreiten
von Erfolg, insofern, dass alle früheren therapeutischen Misserfolge,
die durch Anwendung jener Präparate veranlasst waren, aus¬
geschlossen werden und der Apotheker in Zukunft sich wieder mehr
mit der Prüfung der bezogenen Arzneimittel beschäftigt. Die halb¬
offiziöse Verfügung, nach welcher der Apotheker alle galenischen
Präparate selbst darstellen soll, dürfte dagegen weit über das Ziel
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410
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
schiessen und von den meisten Apotherkern keineswegs willkommen
geheissen werden.
Der leidige Pyrenol streit wird von Horowitz auf ein
Gutachten von Dr. B i s c h o f { und auf unhaltbaren Beweisen, her¬
geleitet aus den Theorien der physikalischen Chemie fussend, weiter
geführt; nach Schluss der Akten werden wir auf die Angelegenheit
nochmal zurückzukommen haben.
Ein Versuch Denis’ in No. 20 des Journ. de Pharmacie d’Anvers,
das S a 1 i p y r i n ähnlich dem Pyrenol als mechanische Mischung
lierzustellen, wird von Siedler (Pharmazeutische Ztg., No. 1U0)
widerlegt.
Auch das Plejapyrin wurde von einem Anonymus in der
Siidd. Apotheker-Ztg. No. 88 als Mischung hingestellt, während seine
Fabrikantin die Deklaration richtig als aus gleichen Molekülen Benz¬
amid und Phenyldimethylpyrazolon aufrecht erhält.
An physiologisch-chemischen Arbeiten, welche
pharmazeutische Blätter veröffentlichten und medizinisches Interesse
bieten, seien diejenigen von van 111 a I i e angeführt. Er berichtet
über die Ausscheidung von Arzneimitteln durch die Milch, den Ueber-
gang der Jodide in dieselbe und das Verhalten des Arsens im tierischen
Körpers (Arch. d. Pharm. 1908, p. 592, 590 u. 599). Arsen wird nach
längerem Gebrauch von F o w 1 c r scher Lösung in allen Organen
nachgewiesen, und zum grossen Teil durch den Harn, in Spuren durch
die Milch ausgeschieden. Auch die Jodide werden in Spuren in der
Milch vorgefunden.
Weitbrecht (Schweiz. Wochenschr. 1908, No. 88) führt als
Reagens auf Zucker im Harn Orthonitrophenylpropiolsäure
an. 5,0 der Säure werden mit 8 ccm 10 Proz. Natronlauge verrieben
und mit Wasser zum Liter aufgefüllt. 5 ccm dieses Reagens werden
mit 0,5 ccm Harn Vs —3 Minuten gekocht; Gegenwart von Harnzucker
zeigt deutliche Indigolbildung. Referent hat diese Methode nach¬
geprüft und gefunden, dass sie sich auch bei Gegenwart von Eiweiss
verwenden lässt und vielleicht zur aproximativen Zuckerbestimmung
herangezogen werden kann. Ich werde darüber später berichten.
Dehn (Pharm. Ztg. 1908, p. 981, Ref.) gibt als Reaktion auf
Hippursäure im Harn die rotbraune Färbung resp. Niederschlag
an, welche durch Kochen entsteht, nachdem in demselben durch
Natriumhypobromitlösung der Harnstoff zersetzt ist.
Mit dem Kapitel Kresolseifen und Lysol beschäftigt sich
Oberapotheker R a pp - München. Die bestehenden Vorschriften zur
Darstellung einer Kresolseife an Stelle einer vollwertigen Lysols haben
sich nicht bewährt und arbeitet Verfasser ein diesbezügliches neues
Verfahren aus.
Die Herstellung reiner Lösungen der wirksamen Bestandteile der
Nebenniere haben Freund und Redlich laut eines paten¬
tierten Verfahrens dadurch erreicht, dass das filtrierte Extrakt bei
der Darstellung in einer Atmosphäre von Elektrolyt-Wasserstoff ge¬
halten wird. Dieses Nebennierenpräparat kommt als „Re noform“
in den Handel.
Geber die Chemie der Kondurangorinde hat K. Kubier ein¬
gehende Untersuchungen angestellt.
Neue Arzneimittel:
Allosan, der Santalolester der Allophansäure, ein Gonor-
rhoikum.
A p e r i t o 1: Isovaleryl-Azetyl-Phenolphtalein (Abführmittel).
Arsazetin ist das in letzter Zeit vielfach pharmakologisch
und klinisoh geprüfte azetylierte Atoxyl: p-Azetylaminophenylarsin-
saures Natrium.
Camphosan ist eine Lösung von neutralem Kamphersäure-
methylester in reinem Santalöl.
Coryloform: Chlormethyl, Chloräthyl und Bromäthyl.
D e g r a s i n, ein reines Schilddrüsenpräparat in höchster Kon¬
zentration und frei von Zersetzungsprodukten.
Digipuratum enthält die wirksamen Bestandteile der Digi¬
talisblätter ohne Digitonin.
Diplosal ist als Salicylsäureester der Salizylsäure anzu¬
sprechen.
Dipropäsin: Aus 2 Molekülen Propäsin durch CO gekuppelte
Verbindung:
rn / NH — GTL — COO C3 H7
LU \ ~ NH - CeH4 - COO C3 H7
E u p y 11 i n ist Theopyllin-Aethylendiamin, ein Diuretikum.
Hel körnen: Ein Jodoformersatz, wird als Bismutum dibrom-
betaoxynaphtoicum basieum angegeben, soll aber nach Z e r n i k ein
stärker basiches Salz sein, als es der in der Literatur angegebenen,
an sich schon unrichtigen Formel entsprechen würde.
J o d i v a 1: a-Monojodisovalerianylharnstoff, als Jodalkaliersatz.
.1 o d n e o 1 „Boer“ ist eine Jodsalbe, deren Zusammensetzung
nach Vogtherr folgende ist: Neutralfett 9,98 Proz., Medizinseife
7, 23 Proz., Lanolin 46,29 Proz., freies Jod 1,34 Proz.. Jodnatrium
1,55 Proz., organisch gebundenes Jod 4,92, Wasser 26,69 Proz.
Jodomen in: Eine Jodwismuteiweissverbindung; nach Zer-
n i k mit 0,27 Jodkali pro Tablette; der Wismutgehalt beträgt 2 Proz.
La in ist nach Zerniks Veröffentlichungen eine Mischung
gleicher Teile Naphthalin und Zinksalbe.
M e 1 i g r i n soll ein Kondensationsprodukt von Dimethyloxy-
chinin mit Methylphenylazctamid sein (Antipyretikum).
Phosrach.it ist ein durch geeignete Zusätze haltbar ge¬
machter Phosphorlebertran.
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Propäsin: Propylester der p-Amidobenzoesäure, Lokal¬
anästhetikum.
S a b r o m i n: Dibrombehensaures Kalzium, Bromalkali-Ersatz-
präparat.
Rengenerin (Ovo-Lezithinmanganeisen): Lezithin 0.3 Pro/..
Eisen 0,6 Proz., Mangan 0,1 Proz., Alkohol 7 Proz.
T h i o z o n ist das Thiozonid des Linalylazetats mit Natrium-
sulfid.
Thyresol: Santalylmethyläther, ein Gonorrhoikum.
V a I i s a n ist eine Bromverbindung des Borny vals.
Neueste Journalliteratur.
Deutsche Zeitschrift für ‘Chirurgie. 95. Bd. 1—3. Heft.
Dezember 1908.
1) Paul Sick: Die Skopolamin - Mischnarkose. (Aus der
chirurg. Abteilung des Diakonissenhauses in Leipzig.)
Bericht über 220 Narkosen (Aether, Chloroform) kombiniert mit
Skopolamin-Morphiuminjektion. Benutzt wurde Riedels Skopo-
morphin in der Höhe von 8,8 bis 17,5 Teilstrichen fraktioniert in¬
jiziert (20 Teilstriche — 1,2 mg Skopolamin, 3 cg Morphium) in 47
Fällen, sonst Mercks Skopolamin 10,5—16 Teilstriche (10 Teil¬
striche r Yu mg Skopolamin).
Wie andere Autoren lobt Sick die Morphium-Skopolamin¬
mischnarkose wegen ihrer Ungefährlichkeit, wegen des geringen
Aether (Chloroform)gebrauchs, wegen des Fehlens der Nach¬
wirkungen.
2) Bardenheuer -Köln: Mitteilungen aus dem Gebiete
der Nervenchirurgie mit einer einleitenden Abhandlung über die ana¬
tomische Verheilung der Nervenverletzungen.
Die ausführliche, auf 43 Krankengeschichten basierende Arbeit
ist zu kurzem Referat nicht geeignet. Nur das Wesentliche sei kurz
hervorgehoben: „Die Neuronenlehre hat auch heute noch ihre voll¬
kommene Berechtigung“.
Bei Resektionen sind die Muskeln entsprechend dem gesetzten
Knochendefekte so zu kürzen, dass sie gespannt sind und beim ersten
Willensimpuls sich kontrahieren.
Die Nervennaht wird am besten durch den Nerven selbst mit
dünnen Katgutfäden angelegt.
Die Pfropfung von Nerven oder Nervenlappen ist. wenn
angängig, mit entsprechenden Eingriffen an Sehnen und Muskeln
zu verbinden.
Die Hypoglossus-Fazialispfropfung bessert fast ausnahmslos
sehr die Entstellung des Gesichts im ruhenden Zustande; sie gab dem
Verf. bei alten Verletzungen bessere Resultate als bei frischen
Lähmungen.
Für post-traumatische oder postinfektiöse Versteifungen der
Gelenke sind auch Verwachsungen der Sehnen mit Nerven oder Kon¬
striktion von Nerven anzuschuldigen. Die Myo-Teno-Neurolysis ey.
in Verbindung mit Myo- oder Tenotomie der Verletzungsseite und
Myo- oder Tenorrhaphie der entgegengesetzte Seiten sind in solchen
Fällen indiziert.
Bei der ischämischen Kontraktur wirkt die Myo- sowie Neuro-
lysis ev. in Verbindung mit der Myo- oder Tenorrhaphie der anta¬
gonistischen Seite besser als die Kontinuitätsresektion oder die Ver¬
längerung einzelner Sehnen.
Eine komplette subkutane Nervenlähmung nach Verletzung kann
auch Folge einer Lymphstauung sein und erfordert dann die Para-
neurotonotomie (Aufhebung des Druckes auf den Nerven durch
Längsinzision in die Scheide).
Bei kompletter, länger als 14—20 Tage bestehender Lähmung
mit EaR. ist die Freilegung der Nerven geboten. Das Vorgeben
(Naht oder Paraneurotonotomie) richtet sich nach dem Befunde.
Die Neurinsarkokleisis ist bei Neuralgien der Ganglienexzision
vorauszuschicken.
Die Neurinkampsis (Umschlagung der Nerven) ist das beste Mittel
zur Verhütung von Amputationsneuromen bezw. zur Heilung be¬
stehender Neurome.
Reichhaltige Literatur.
3) Wi 1ms -Basel: Temporärer Verschluss des Koloo bei
Resektionen oder Ausschaltung des Darmes.
Der Verschluss wird hergestellt durch eine mit ihren Schenkeln
den Darm umfassende Haarnadel, oralwärts von der Nadel wird
eine nicht zu kleine Kolostomie in gewöhnlicher Weise gemacht
Die Methode bewährte sich wohl für die Darmausschaltung bei
ulzerösen Prozessen als auch zur Schonung der Naht nach Exstir¬
pation von Kolonkarzinomen.
4) V. Gaudiani - Rom: Beitrag zur Aetiologie und Behandlung
der entzündlichen Mastdarmstenosen.
Nach Literaturübersicht beschreibt G. 7 Fälle von entzündlicher
Mastdarmstenose.
Bei 2 Fällen konnte eine Tuberkulose nachgewiesen werden,
die übrigen Fälle sind syphilitischen Ursprungs.
Die Aetiologie ist nicht einheitlich: Syphilis, Gonorrhöe und
Tuberkulose können die Stenose verursachen.
Bei leichten Fällen ist eine Bougierkur am Platze, in vorge¬
schrittenen Fällen kommt nur die Resektion oder Amputation des
Mastdarms in Frage.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
411
5) Adolf Je »ekel: Beitrag zur Chirurgie der Leber und der
Gallenwege. (Aus der chirurgischen Klinik zu Göttingen.)
Bearbeitung der an der Göttinger chirurgischen Klinik vom
1. X. 1895 bis 1. X. 1908 ausgeführten Operationen an der Leber
und dem Gallensystem, mit Angliederung einiger älterer seltener Fälle.
Leberverletzungen wurden 7 behandelt, davon 3 offene, 4 sub¬
kutane.
Die 3 offenen Verletzungen endeten infolge der Infektion durch
die eingedrungenen Werkzeuge letal, 3 Fälle subkutaner Ruptur
wurden durch Tamponade geheilt.
Von Geschwülsten kamen 2 Fälle von prinrärem Sarkom der
Leber und ein metastatisches Melanosarkom zur Beobachtung.
3 Patienten, bei denen eine Probelaparotomie eine Syphilis der
Leber ergab, kamen durch nachträgliche spezifische Behandlung zur
Heilung, in einem Falle von schwerer Lebersyphilis konnte die Dia¬
gnose intra vitam nicht gestellt werden.
In 2 Fällen wurde ein Tumor durch Schniirlappen vorgetäuscht,
in anderen Fällen fand sich anstatt des vermuteten Tumors eine Stau¬
ungsleber. Ein Fall von Lymphzysten der Leber wurde durch Punk¬
tion und Drainage der Zyste geheilt.
6) M. Matsuoka: lieber die Osteoarthritis deformans juvenilis.
(Aus der chirurg.-orthopäd. Universitätsklinik von Dr. Matsuoka-
Kyoto.)
Der erste Fall betrifft ein 18 jähriges Mädchen mit Ankylose fast
sämtlicher Gelenke. Röntgenographisch finden sich Knochenwuche¬
rung und Knochendegeneration untereinander. M. bezeichnet den
Fall als Osteoarthritis deformans, chronica juvenilis polyarticularis
spontanea.
Im zweiten Fall tritt bei einem 15 jährigen Burschen nach einem
Trauma eine Deformität im Kniegelenk auf, die als Osteoarthritis
deformans chronica träum, juvenilis monoarticularis bezeichnet wird.
Kurze Mitteilungen:
7) Walter Müller- Altona: Schiene zur Modellierung des Fuss-
gewölbes bei Frakturen der Fusswurzel spez. bei Kalkaneusfrakturen.
Abbildung im Original. Zahlreiche gute Erfahrungen.
8) Nehrkorn - Elberfeld: Ueber einen Gallenstein von seltener
Grösse.
Länge 11 cm, Durchmesser 4 cm. Umfang 13 cm, Gewicht trocken
101 g.
8) N e h r k o r n - Elberfeld: Gangrän der Gallenblase durch
Stieldrehung.
74 jährige Frau. Die Gallenblase hing frei an einem Stiel, der
einmal vollkommen um sich selbst torquiert ist.
H. Flörcken - Würzburv.
Beiträge zur klinischen Chirurgie, red. von P. v. Bruns.
60. Bd. 3. Heft. Tübingen Laupp 1908.
Aus der chirurgischen Klinik in Bonn geben R. Stich und
M. Makkas eine Arbeit: Zur Transplantation der Schilddrüse
mittelst Gefässnaht und geben anschliessend an die Arbeiten von
Eiseisberg, die Enderlen nach eigenen Versuchen bestätigte,
und an die Experimente von Payr etc. die Resultate eigener Tier¬
versuche am Hund, bei denen eine besondere Schwierigkeit in der
relativen Kleinheit der betr. Gefässe besteht, und zwar 7 Reimplan¬
tationen der Schilddrüse auf dasselbe Tier und 2 Transplantationen
von einem Tier aufs andere, sie berücksichtigen speziell auch den
histologischen Befund und kommen zu dem Schluss, dass eine voll¬
ständig aus dem Organismus entfernte und bis 1’4 Stunden ausser¬
halb desselben gebliebene Schilddrüse mittelst Geiässnaht zur Ein¬
heilung gebracht werden kann, die, wie eine Beobachtungsdauer von
245 Tagen ergab, von Bestand ist. Das überpflanzte Organ behält
nicht nur seinen normalen anatomischen Bau, sondern ist imstande,
auch die volle physiologische Funktion zu übernehmen. Die Ueber-
pflanzung von einem Tier aufs andere ist den beiden Autoren nicht
gelungen.
F. Sauerb ruch gibt aus der Marburger Klinik eine Arbeit:
Die Bedeutung des Mediastlnalemphysems In der Pathologie des
Spannungspneumothorax (ein Beitrag zur Kenntnis der Lungenver¬
letzungen nach Brustwandkontusion) und teilt darin experimentelle
Untersuchungen über Lungenruptur, Spannungspneumothorax, Press¬
atmung etc. mit und schildert an einzelnen betr. Krankengeschichten
die Bedeutung des Spannungspneumothorax mit Mediastinal-
emphysem, das sich in umschriebenem Hautemphysem der Jugular-
gegend, venöser Stauung und Herzinsuffizienz geltend macht und
prognostisch viel gefährlicher anzusehen, als ausgedehntes Haut¬
emphysem ohne gleichzeitige Drucksteigerung in der Pleura; u. a. gibt
S. einige lehrreiche Beobachtungen von Spannungspneumothorax
mit anschliessendem Mediastinalemphysem nach Lungenoperationen
und zeigt, dass die schnelle Beseitigung des Spannungspneumothorax
durch Eröffnung der Brusthöhle unter Druckdifferenz das beste
Verfahren ist, da der negative Druck in der Kammer zugleich eine
direkte Saugwirkung auf die Luft im Mittelfellraum ausübt. In dem
Vorgehen mit Druckdifferenz sieht S. eine wesentliche Erweiterung
der bisherigen Indikationen für operatives Vorgehen bei Lungen¬
wunden (event. Lungennaht) gegeben. Das Druckdifferenzverfahren
erleichtert die Besichtigung der Lunge und speziell das Finden des
Sitzes der Wunde, bei dem Verfahren ist auch die kleinste Lungen¬
verletzung durch das Ausströmen der Luft zu erkennen. S. betont
jedoch, dass die operative Indikation nur bei bedrohlichen Symptomen
besteht, in leichteren Fällen konservativ verfahren werden soll.
B. Bai sch gibt aus der Heidelberger Klinik eine Arbeit:
Ueber Operationen in der hinteren Schädelgrube und referiert darin
über 5 betr. Fälle (1 Punktion, 4 operativ angegangene Fälle, von
welch letzteren 2 (allerdings mit Ausfallserscheinungen) zur Heilung
kamen. B. schildert das von N a r a t h geübte osteoplastische Ver¬
fahren und wird die Erhaltung des Knochens im Lappen empfohlen,
da ohne diesen event. hertiiöse Vorwölbung mit Liquoransammlung
eintreten kann. Von 5—7 Bohrlöchern aus wird mittels Giglisäge der
Knochenlappen umgrenzt, am Stiel eingebrochen, die Dura lappen¬
förmig inzidiert und während der Operation mit heisser Vioproz.
Sublimatlösung irrigiert. Nach der Operation wird der Duralappqn
angenäht, der Hautknochenlappen exakt eingefiigt. Wo Kleinhirn¬
tumor sicher diagnostiziert (auch in Bezug auf die Seite), soll tre¬
paniert werden, wenn die Sehschärfe abnimmt; je früher die Diagnose
gestellt und je eher der Patient operiert wird, um so eher ist Heilung
zu hoffen, ohne dass durch Schädigung des Sehvermögens der chi¬
rurgische Erfolg in Frage gestellt wird.
Paul E s a u teilt aus der Greifswalder Klinik experimentelle
Untersuchungen über Dünndarmtransplantation an den Ort der Wahl
mit und berichtet u. a. über die histologischen Ergebnisse seiner
früherer Experimente und neueren Versuche in der betr. Frage.
H. R i m a n n gibt aus der Leipziger Klinik Beiträge zur Chi¬
rurgie und Pathologie der Cholelithiasis und schildert darin das in
den Jahren 1896—1908 vorgekommene betr. Material (142 Fälle).
128 chirurgisch behandelte Fälle mit 144 Operationen mit 14 Proz.
Gesamtmortalität und mehr als 3‘i* mal häufigerer Erkrankung beim
weiblichen Geschlecht. Irn gleichen Zeiträume gelangten auf der
internen Klinik 160 Fälle zur Beobachtung. Der Gallenblaseninhalt
fand sich in 76 Proz. der Fälle steril; das Aussehen desselben ge¬
stattet keineswegs einen Schluss auf die Infektiosität. Bei 8 Fällen,
die früher Typhus durchgemacht haben, fanden sich keine Typhus¬
bazillen mehr in dem Inhalt der Gallenblase. R. bespricht die Aetio-
logie und Symptomatologie der Erkrankung und schildert sein Ma¬
terial nach der Einteilung von Kehr; er bespricht zunächst die akute
Cholezystitis (10, davon 6 geheilt), 4 Fälle mit Perforation der Gallen¬
blase. Die Prognose der Zystitis wird, wie die der Perityphlitis, mit
der Dauer der Erkrankung ungünstiger, 4 Frühoperationen sind alle
geheilt, wovon 1 durch einzeitige Zystotomie, 3 durch Ektomie der
Gallenblase; u. a. wird auch ein Fall akuter Gangrän der (nicht steiu-
haltigen) Gallenblase angeführt. — Die Fälle von Perforationsperi¬
tonitis gingen als „Ileus“ zu. Bezüglich der Dauerresultate der
akuten Cholezystitis zeigten sich 4 bei der Nachuntersuchung völlig
gesund, 1 hat nach 10 Jahren eine massig sezernierende Schleimfistel.
Betr. der chronischen Cholezystitis werden Kolikschmerzen und
Ikterus und meist umschriebene Druckcmpfindlichkeit der Gallenblase
hervorgehoben; niemals hat die Röntgenographie einwandfreie Re¬
sultate gegeben, so dass Trendelcnburg wie Kehr auf die
Durchleuchtung hier verzichten. Unter den chronischen Fällen
werden 52 Patienten mit Cholecystitis chron. recidiv. angeführt (da¬
runter 40 weibl.); in 41 Proz. der Fälle waren die Koliken von Ikterus
begleitet, 2 der Fälle waren von Syphilom der Leber kompliziert. —
Von Hydrops cyst. felleae werden 25 Fälle (22 weibl.) angeführt, nur
3 mal fehlte der palpable Gallenblasentumor; 2 mal wurde 2 zeitige.
8 mal einzeitige Zystostomie vorgenommen, 15 mal die Ektomie. Von
22 Empyemfällen (von denen 21 geheilt sind), wurde 7 mal die Ek¬
tomie ausgeführt; jetzt muss dieselbe als radikale Operation bei
Empyem gefordert werden. Von Choledochusverschluss durch Stein,
der durchaus als kein harmloses Leiden anzusehen ist (13 Patienten,
8 weibl.) ist w'ohl in sämtlichen der Stein in der Gallenblase vor¬
gebildet. Die sekundäre Zirrhose und Infektion der Gallenw'ege
machen die Prognose ungünstig. Bei allen Fällen war Ikterus vor¬
handen; typische Anfälle von Cholezystitis waren 9 mal voraus¬
gegangen, 6 mal typische Koliken. Von Karzinom werden 7 Fälle
mitgeteilt. Steine fanden sich bei 5 Patienten, mit Gallenblasen¬
karzinom 4 mal. Trendelenburg operiert die Patienten mit
manifester Cholelithiasis nicht nur im Intervall, sondern auch im
akuten Aniall; w^enn die Schmerzen sehr gross sind und längeres Zu¬
warten nicht ratsam ist: er ist in den Operationsmethodeu radikaler,
als noch viele Chirurgen, indem er, wo immer möglich, die Ent¬
fernung der erkrankten Gallenblase ausführt. Bezüglich der Technik
wird der Mesorektalschnitt fast ausschliesslich angewandt, nur in
einzelnen Fällen der Kehr sehe Wellenschnitt oder Pararektalschnitt
ausgeführt. Die Wandlung zu Gunsten der Ektomie zeigt z. B. der
Vergleich von 4 Zystostomien und 2 Ektomie» 1903 mit den 2 Zysto-
stomien und 13 Ektomie» im Jahre 1907. Die Ektomie der uneröffneten
Gallenblase wird immer vom Fundus begonnen, ein Drain auf den
Zystikusstumpf gelegt; von Tamponade des Zystikusstumpfes ist Tr.
im wesentlichen abgekommen. Die Zystendysc ist ganz verlassen
worden. Die Choledochotomie im freien Teil des Ganges (wenn sich
der im Choledochus sitzende Stein nicht nach oben bis zum Abgang
des Zystikus verschieben resp. durch diesen mit gleichzeitiger Zysto¬
stomie oder Ektomie der Gallenblase sich entfernen lässt) wurde in
der Leipziger Klinik stets mit der Hepatikusdrainage verbunden, da
die Anlegung der Naht die Operation kompliziert und es immer
schwer, oft unmöglich ist, hochsitzendc Steine festzustellcn, die event.
durch Nachrücken zu Rezidiven Anlass geben, und 3) weil der Gallen¬
abfluss so am besten gewährleistet ist. Die Choledochusiisteln heilen
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
412
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
zudem in der Regel schnell. Der Längsschnitt im Choledochus wird
durch Nähte so weit verkleinert, dass das nach dem Hepatikus ge¬
führte Drain eben hindurch geht und die Umgebung der Drainöffnung
locker tamponiert. Im retroduodenalen Teil des Choledochus
steckende Steine Hessen sich stets nach oben schieben und im supra-
duodenalen Teil durch Inzision entfernen; 2 mal in der Papille ein¬
gekeilte Steine wurden erfolgreich durch die transduodenale Chole-
dochotomie entfernt. Rezidive wurde in 10 Proz. der nachunter¬
suchten Fälle festgestellt.
R. gibt eine Uebersicht über die Operationserfolge und schildert
dann noch unter Beigabe entsprechender Tafeln die makro- und mikro¬
skopischen Befunde an 58 exstirpierten Gallenblasen, an denen sich
zeigt, wie unmöglich es ist, die makroskopischen Befunde selbst beim
Eröffnen der Gallenblase als entscheidend für die krankhaften Ver¬
änderungen der Gallenblasenwand anzusehen und wie wenig zweck¬
mässig es ist, den Entschluss zur Ektomie von dem Befund abhängig
zu machen. Die Gefahr maligner Entartung ist eine Indikation mehr
zur Entfernung der chronisch entzündlich veränderten Gallenblase.
N. Guleke gibt aus der Strassburger Klinik eine Arbeit zur
Behandlung der diffusen eitrigen Peritonitis, worin er über 33 Fälle
diffus eitriger Peritonitis, die in den letzten 2 Jahren in dieser Klinik
operiert wurden, referiert und die Fortschritte in der Behandlung
dieser Affektion zeigt, deren Schwerpunkt in der Entfernung der
Quelle der Eiterung und der Wiederherstellung normaler Druckver¬
hältnisse in der Bauchhöhle liegt. An der Strassburger Klinik sucht
man im allgemeinen hier mit kleinen Schnitten auszukommen, so be¬
sonders bei Peritonitis nach Appendizitis; prinzipiell wird bei der
Operation Allgemeinnarkose angewandt, da ohne diese oft unge¬
heures Pressen des Patienten sehr stört und die Dauer des Eingriffs
länger ist; stets wird nach der Quelle des Eiters geforscht und wo
möglich diese entfernt (Appendix exstirpiert, .Perforationsöffnung im
Darm vernäht etc.). Eventration der Därme wird nach Möglichkeit
vermieden; wo ein partielles Absuchen nötig, werden die Schlingen
möglichst rasch wieder reponiert, Spülungen mit Kochsalzlösung wer¬
den nicht angewandt, dagegen prinzipiell in den ersten 2—4 Tagen
reichlich Kochsalzlösung subkutan gegeben (2—4 Liter täglich bei Er¬
wachsenen), um die Durchspülung der Bauchhöhle von innen nach aussen
zu begünstigen, ebenso werden heisse Kochsalzeinläufe ins Rektum
gegeben; am 3. Tage werden in der Regel die Dochte entfernt; bei
appendizitischer Bauchfellentzündung wird in der Regel ein Drain
in den Douglas gelegt und meist nach links eine Gegeninzision an¬
gelegt und auch von hier ein Drain in den Douglas geführt. Unter
33 Fällen verschiedener Formen diffus eitriger Peritonitis erzielte man
20 Heilungen (60,6 Proz.). 5 mal war die Perforationsperitonitis durch
Ulcusperforation (1 mal Duodenum, 1 mal typhöses Ulcus; 1 tuber¬
kulöses, 2 Dehnungsgeschwüre bei Ileus) bedingt, sämtliche Pat.
starben. Von 4 traumatischen Rupturen (3 durch stumpfe Gewalt)
heilten 3 (eine Stichwunde, trotzdem sie erst nach 40 Stunden zur
Operation kam und gleichzeitige Blasenverletzung zu Ueberschwem-
mung des Leibes mit Kot und Urin geführt hätte) und 2 Rupturen.
Von 20 Peritonitisfällen nach Appendizitis heilten 15 (75 Proz.); auf
Grund der Statistiken kann man jedenfalls annehmen, dass über die
Hälfte der Fälle durch entsprechendes Eingreifen zu retten sind. Ein
Vergleich verschiedener Statistiken lässt keine wesentlichen Vorzüge
der Spülung gegenüber den ohne Spülung behandelten Fällen er¬
kennen. Prinzipiell wird in der Strassburger Klinik die Naht vor¬
gezogen; 54—94 Proz. Heilungen gegenüber den Anhängern des
Offenlassens der Wunde (C1 a i r m o n t und R a n z i) mit 40 Proz.
Heilungen.
A. Wettstein bespricht aus der Züricher Klinik die Heilungs-
resultate der Oberschenkel- und Unterschenkelbröche bei Anwendung
der Zupplngersehen automatischen Extensionsapparate und schil¬
dert, wenn er auch die Eriolge der Bardenheuer sehen Methoden
voll anerkennt, doch die Vorzüge der automatischen Zuppinger-
apparate (H e n s c h e 1 etc.) gegenüber der starren Extension B.s
und sieht das technische Ideal in dem halbstarren mobilen System,
das Muskeln, Sehnen und Gelenken eine gewise Aktionsfreiheit lässt,
und zeigt an dem Material der Züricher Klinik, wie sich diese Ap¬
parate in praxi bewährt haben, deren jetziges Modell (1908) als
definitiv gelten kann; u. a. sind 2 Schenkelhalsbrüche mit 5 kg Zug¬
wirkung während 5—6 Wochen ohne Verkürzung und mit frei be¬
weglichem Fusse geheilt. Die 9 Oberschenkelbrüche Erwachsener
(6 Sportfrakturen) mit meist recht erheblicher anfänglicher Ver¬
kürzung (4—7 cm) sind bei 5 kg, später 3—4 kg Zugwirkung gut ge¬
heilt. Bei der Nachuntersuchung der Fälle zeigte sich allerdings,
dass in 5 Fällen Verkürzung von 1—2 cm bestund; W. sieht darin den
Beweis, dass man dem Drängen der Patienten zu früher Entlassung
nicht nachgeben soll, sondern die Oberschenkelfrakturen nicht vor
10 Wochen belasten lassen sollte. Durchschnittlich lagen die Fälle
W.s 32 Tage im Z.-Apparat und verliessen das Spital durchschnittlich
nach 10 Wochen. Von 38 Unterschenkelbrüchen Erwachsener be¬
spricht W. die einzelnen Formen: 2 mit Beteiligung des Knies, 11 im
2. Drittel, 14 in der Grenze zwischen mittlerem und unterem Drittel
und 9 supramall. Frakturen sind sämtlich sehr gut geheilt (letz¬
tere z. B. durchschnittlich mit 19 Tagen Extension bei 4—3 kg
effekt. Zug. Von 9 komplizierten Unterschenkelbrüchen waren 4 ein¬
fache Durchstechungsfrakturen, 5 mit ausgedehnten Weichteilver¬
letzungen kompliziert, erforderten ausgedehnte Verbände und Drai-
nierungen und Hessen die Vorzüge des Z.-Apparats sehr deutlich er¬
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kennen, da sie Gymnastik ohne die korrigierende Extension aufzu¬
geben, ermöglichten. Der Z.-Apparat gestattet, da er keine beson¬
deren umständlichen Nebenapparate erfordert, ohne Ausschaltung der
Extension, Wechsel von Bett und Zimmer, ebenso radiographische
Kontrolle der Fraktur; die Technik ist die denkbar einfachste. Auch
nach Vergleich mit den neuen L u x e m b o u r g sehen Statistiken
der Bardenheuer sehe Methode gibt W. den Zuppinger sehen
Apparaten erst recht den Vorzug vor dem komplizierten Verfahren
Bardenheuers.
C. Kohen Baranowa gibt aus der Züricher Klinik eine Arbeit
über die Prothesenbehandlung nach Resektion und Exartikulation
des Unterkiefers und berichtet u. a. über 6 Fälle und kommt nach
eingehender Besprechung der verschiedenen Prothesen zu dem
Schluss, dass die Immediatprothesen im allgemeinen keine Bedenken
in Bezug auf aseptische Wundheilung geben und in vollkommener
Weise den üblen Folgen der Resektion Vorbeugen, sehr gute kos¬
metische und funktionelle Resultate geben. — Nach Entfernung einer
ganzen Unterkieferhälfte kam an der Züricher Klinik stets die schiefe
Ebene zur Verwendung. Immediatprothese ist bei der Exartikulation
einer Hälfte nicht notwendig und genügt die schiefe Ebene in irgend
welcher Form zur Vermeidung der Deviation und Erhaltung nor¬
maler Artikulation, später definitive Prothese nach eventuell mehr¬
tägiger Dehnungstherapie.
Arth. H o f m a n n: Die Resektion des LI s f r a n c sehen Ge¬
lenkes zur Therapie des Hohlfusses schildert aus dem Karlsruher städt.
Krankenhaus nach Besprechung der Aetiologie und Anatomie des
Hohlfusses sein Vorgehen, wonach die Konfiguration des Fusses zur
Norm zurückkehrt, mit Beseitigung der Spitzfussstellung, auch der
Hakenfuss fällt. Die Operation stellt gegenüber den anderen Me¬
thoden die physiologische dar, weil sie das Uebel da anpackt, wo es
seinen ursprünglichen Sitz hat. Die Technik ist durch den breiten
Zugang, den die Art der Schnittführung schafft, eine relativ leichte
und schonende.
Georg Gaabe bespricht aus der Freiburger Klinik den Gallert¬
krebs der Brustdrüse, geht im Anschluss an die Arbeiten von Lange
etc. auf die histologischen Verhältnisse näher ein und fasst nach seinem
Fall die Bildung der Gallerte als einen diffus degenerativen Prozess
der Krebszellen unter Ausschluss des Bindegewebes auf. von dem
Kerne und Protoplasma in gleicher Weise betroffen. Im klinischen Teil
geht er auf die Häufigkeit des Gallertkrebses (1,66 Proz. bei Mamma¬
karzinom), Aetiologie, Verlauf etc. des Gallertkrebses spez. der Brust¬
drüse näher ein und berücksichtigt besonders Rezidive und Meta¬
stasen nach Gallertkarzinom. Demnach ist das Wachstum dieses
Tumors ein exquisit langsames im Vergleich mit dem Wachstum
des gewöhnlichen Krebses. Die Verwachsung der Geschwulst mit
Haut und Muskel, die Infektion der Achseldrüsen und der Ulze-
ration der Haut erfolgt durchschnittlich 2 l k mal so spät, als beim
gewöhnlichen Krebs. Das Auftreten der Spätrezidive ist fast 3 mal
so häufig, die Metastasen in den inneren Organen scheinen seltener
und vorzugsweise auf dem Lymphwege zu erfolgen. Die Gesamt¬
dauer des Leidens der operierten, später an Rezidiv oder Metastasen
verstorbenen Fälle ist genau 2 mal so gross als bei gewöhnlichem
Karzinom, die Resultate der Operation mindestens doppelt so günstig.
Der Prozentsatz der Heilungen der bisher bekannt gewordenen
operierten Fälle beträgt bei 3 jähriger rezidivfreier Beobachtungszeit
53,85 Proz., bis 5 jähriger Beobachtungszeit 51,43 Proz.. Zum Schluss
gibt Gaabe eine kurze Uebersicht der in der Literatur der operierten
Fälle von Gallertkrebs der Brustdrüse.
W. Wolf teilt aus der Leipziger Klinik einen Fall von Makro-
cheilie mit, der klinisch einige Besonderheiten bot (Angioma simpl. mit
ziemlich starker Beteiligung des Bindegewebes), der durch Exzision
eines grossen Keils aus der Mitte der Unterlippe und 2 seitlich läng¬
lich spitz zulaufende Keile aus dem Lippensaume mit nachfolgender
Nahtvereinigung geheilt wurde.
O. Elsässer bespricht in einer Arbeit aus dem Leipziger
Diakonissenhaus: Zur Behandlung von Streptokokkensepsis mehrere
schwere Fälle der betr. Abteilung und zeigt, dass wir im Anti¬
streptokokkenserum eine spez. Masse gegen Streptokokkensepsis
bis jetzt noch nicht besitzen, dagegen bestätigt er die Erfahrungen
von Pothem, dass das Jodipin die mit Fieber und schweren toxi¬
schen Erscheinungen einhergehenden Infektionen günstig beeinflusst
und den Organismus im Kampf gegen die Toxine unterstützt, indem er
in 2 Fällen schwerer Streptokokkensepsis durch angewärmtes
25 proz. Jodipin (10 ccm subkutan injiziert) günstigen Einfluss erzielte,
ebenso das Mittel in zahlreichen Fällen akuter Infektion (Erysipel
Perityphlitis etc.) neben der chirurgischen Behandlung verwandte,
und in demselben ein wirksames Unterstützungsmittel für die Be¬
handlung gerade der schwersten akuten Wundaffektionen sieht.
Sehr.
Zentralblatt für Gynäkologie. No. 5—6.
K r ö n i g und Pankow: Zur bakteriologischen Diagnose des
Puerperalfiebers.
Verf. kamen zu folgenden Schlussätzen: Der Nachweis von
Streptokokken im Lochialsekret allein durch Aussaat des Sekrets in
Traubenzuckerbouillon ist für die Diagnose Puerperalfieber an sich
bedeutungslos. Wenige Streptokokken im Uteruslochialsekret ge¬
nügen nicht zur Diagnose puerperale Streptokokkenendometritis;
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
413
hierzu ist der Nachweis grosser Mengen in kleinsten Sekretmeaeen
erforderlich. Nur der feste Nährboden, und zwar vor allem das
schwach alkalisch reagierende Agar, ist für die Diagnose der
Streptokokkenendometritis empfehlenswert.
K. May er-Marburg: Zur Hautnaht des Dammes mittels
Michel scher Klammern.
M. empfiehlt die Anwendung der Michel sehen Wundagraffen
(Klammern) zur Hautnaht bei Dammplastik, ln 30 Fällen wurde
absolut primäre Heilung erzielt. Die Entfernung geschieht am 6. bis
7. Tage.
M. M o r i - Ise (Japan): Scheidenbildung unter Benützung einer
verlagerten Dünndarmschlinge bei Uterus rudlmentarlus cum vaglna
rudlmentarla.
M. hat einen von H ä b e r 1 i n vor 2 Jahren gemachten Vor¬
schlag mit Erfolg praktisch ausgeführt. Bei einem 24 jähr. Mädchen
mit rudimentärem Uterus und fast fehlender Vagina machte er die
Laparotomie, schaltete ein 8 cm langes Stück Dünndarm aus. ver¬
einigte die Darmenden wieder, verschloss dann das eine Ende des
ausgeschalteten Stückes und leitete dieses nach Eröffnung des
Douglas nach unten, wo es an den Scheideneingang angenäht wurde.
Die Operation gelang vollkommen. Pat. wurde nach 4 Wochen init
der neuen 8 cm langen und für 2 Finger durchgängigen Vagina ge¬
heilt entlassen.
Albers-Schönberg -Hamburg: Die Röntgentherapie in
der Gynäkologie.
A.-S. hat ausgezeichnete Resultate mit der Röntgentherapie bei
Myomblutungen erzielt. Die Blutungen verschwanden schon
nach wenigen, ca. 5 Sitzungen, um nie wiederzukehren. Es handelt
sich also um eine künstliche antizipierte Klimax. Nebenerscheinungen
wurden nicht beobachtet. In Betracht kommen nur Frauen im
Klimakterium oder jüngere, wo die Totalexstirpation in Frage stand.
Die Bestrahlung findet 6 Minuten lang an 4 aufeinander folgenden
Tagen statt; dann Pause von 14 Tagen und abermals 3 tägige Serie
von je 6 Minuten langer Bestrahlung.
O. Oberländer -Köln: Zur Behandlung des Vaginismus
mittels eines neuen Scheidendilatators.
An Stelle der von F r i t z s c h empfohlenen Holzdilatatoren hat
0. einen Glaskegel anfertigen lassen, der vorn dem Volumen eines
Fingers und hinten dem eines Penis entspricht. Den von O. ge¬
gebenen Rat, das Instrument von der Pat. selbst anwenden zu lassen,
möchten wir nicht zur Nachachtung empfehlen. Zu haben bei Louis
und H. Löwenstein in Berlin.
E. Falk- Berlin: Ueber die Resorptionsfähigkeit der Schleim¬
haut der Vagina und des Uterus.
Von allen Teilen des Qenitaltrakts resorbiert die Uterusschleim-
haut am besten. Für die Aufnahme von der Vagina aus ist das
Vehikel von Bedeutung. Die Schleimhaut der normalen Portio resor¬
biert Salzlösungen nicht. Jod in Verbindung mit Glyzerin wird fast
gar nicht resorbiert, besser schon in wässeriger Lösung, am besten in
Verbindung mit Lanolin, Vaselin, Fetron und Jodvasogen. Die sog.
Ovata (Stephan), Dauertampons aus Jodgelatine, haben sich eben¬
falls als zweckmässig erwiesen.
M. H e n k e 1 - Greifswald: Klinische und anatomische Unter¬
suchungen über die Endometritis.
H. tritt auf Grund seiner Untersuchungen, die er an t'a. 300
Kürettagen vorgenommen, der Behauptung von Adler und h 1 1 s c h-
m a n n entgegen, welche die Endometritis glandularis ganz streichen
wollten. Auch das von den genannten Autoren aufgestellte Menstru¬
ationsschema konnte H. nicht bestätigen, ebensowenig deren Be¬
hauptung, dass der Nachweis der Plasmazellen zum Kriterium der
Endometritis zu machen sei. Einzelheiten sind im Original nach¬
zusehen.
N a c k e - Berlin: Vaginaler Kaiserschnitt bei schwerster
Eklampsie im 8. Schwangerschaftsmonat.
21 jähr. I. Para im 7.-8. Monat. Der Fötus war tot, die Portio
pathologisch stark verlängert und der Muttermund grübchenförmig.,
völlig geschlossen. Der vorliegende Kopf wurde perforiert und
extrahiert, die Plazenta manuell entfernt. Wochenbett normal.
N. veröffentlicht den Fall besonders deshalb, um vor Ausführung
des vaginalen Kaiserschnitts im Privathause ohne zwingenden Grund
zu warnen.
H. F u chs-Danzig: Vaginaler und ventraler Kaiserschnitt
wegen postoperativer narbiger Zervixstenose.
Den vaginalen Kaiserschnitt machte F. bei der 28 jähr. III. Para
wegen Querlage, vorzeitigen Wasserabfluss, narbiger Zervixstenose
und Frühgeburt. Als wenige Monate darauf abermals Gravidität
erfolgte, machte er am Ende derselben die ventrale Operation und
schloss die Sterilisation der Pat. durch Tubenresektion daran.
Nacke-Berlin: Ein Fall von operativ gehellter spontaner
Ruptur der alten Kaiserschnittsnarbe (mit querem Fundalschnltt).
Die 29 jähr. III. Para hatte vor 4 Jahren eine Sectio caesarea
mit querem Fundalschnitt durchgemacht. 3 Jahre später spontane
normale Geburt. 1 Jahr später abermalige Geburt; hier erfolgte die
Uterusruptur in der Austreibungsperiode, Laparotomie an der fast
Moribunden, Naht des Risses, der 10 cm lang war und in der früheren
Fundalschnittnarbe sass. Im Wochenbett trat noch eine Lungen¬
embolie auf. Trotzdem Genesung nach 4 Wochen. Der Fall lehrt,
dass eine Frau, die einen Kaiserschnitt durchgemacht hat. die letzte
Zeit der Gravidität in einer Klinik zubringen sollte, um sofort Hilfe
haben zu können.
O. Oberländer - Köln : Ein Uterusdilatator bei Abort-
behandlung.
Der Dilatator hat die Form eines Landau sehen Doppel-
dilatators, jedoch mit konischen Enden. Die Dicke steigt von 13 bjs
22, 22 bis 31 Filiöre Charriöre an; eine 2. Grösse hat 31—45 Fil. Charr.
Für das Abortbesteck genügen mithin 2 Dilatatoren an Stelle des
ganzen Satzes von H e g a r oder Landau. Zu haben bei L. und H.
Löwenstein, Berlin. J a f f € - Hamburg.
Gynäkologische Rundschau. Jahrgang III. 3. Heft.
Karl Holzapfel -Kiel: Ueber zentrale Dammrisse. (Mit einer
Abbildung.)
Mitteilung von zwei Fällen, beide betrafen Primiparae mit Spon¬
tangeburten, die erste in Hinterhauptslage, die zweite in Gesichtslage.
Die Ursache für die Entstehung der Verletzung bestand nach Mei-
uung des Verf. in dem ersten Falle in einem zentralen Oedem des
Dammes, im zweiten im Durchtritt des Kindes in Gesichtslage mit
nach hinten gerichtetem Kinn.
Oskar Frankl-Wien: Zur Frage der Plazentartoxine.
An der Hand zahlreicher Tierversuche erbrachte der Verf. den
Nachweis, dass es weder durch serologische noch durch tierexperi¬
mentelle Methoden gelingt, ein Toxin der Plazenta nachzuweisen.
Da nun diese Methoden bereits einen hohen Grad der Vollkommen¬
heit erlangt haben, so ist es wahrscheinlich, dass ein solches Toxin
nicht existiert. Viel mehr Erfolg scheint das Studium der Fermente
der Plazenta und der Organautolyse zu versprechen.
A. Rieländer -Marburg.
Zentralblatt für allgemeine Pathologie und pathologische
Anatomie. XX. Band, 1. Heft. 15. Januar 1009.
v. Hansemann: Die Luxation des Schädels als Sektions¬
methode.
Das Verfahren besteht darin, dass die Haut des Schädels nach
gewöhnlicher Schnittführung tief gegen den Nacken zurückgeklappt,
dann knapp an der Hinterhauptsschuppe die Weichteile durchtrennt
und das Gelenk zwischen Okziput eröffnet wird; nach Durch¬
schneidung des Rückenmarkes luxiert man den Kopf ventralwärts,
durchtrennt die gespannte Retropharyngealwand und gewinnt nun
einen umfassenden Ueberblick über die 3 Rachenabschnitte mit den
benachbarten Teilen. Die Methode ist leicht durchführbar und lässt
sich, ohne die Leiche zu entstellen, auch in Fällen anwenden, in denen
wegen Verweigerung der Gehirnsektion die Haackesche Methode
zur Eröffnung des Kuppelraumes nicht in Betracht kommen kann.
Gg. B. Gr über.
f Berliner klinische Wochenschrift. No. 7. 1909.
I 1) B. H e i n e-Königsberg i. Pr.: Die Untersuchung und Begut-
adnuog der Verletzungen des inneren Ohres.
Verf. schildert zunächst die Entstehung und Art namentlich der
Labyrinthverletzungen und erörtert sodann die Diagnose dieser
Affektionen namentlich unter Betonung der für die Aufklärung von
Simulation dienlichen Untersuchungsmethoden. Bemerkenswert ist.
dass er zur Feststellung des Sitzes der Erkrankung den Weber-
schen und Rinne sehen Versuch für entbehrlich hält und das Ver¬
halten der Knochenleitung und der hohen und tiefen Töne bei Luft¬
leitung für die Diagnose als ausreichend erklärt. Schliesslich werden
einige Anhaltspunkte für die Abschätzung der Erwerbsfähigkeit bei
derartigen Kranken an die Hand gegeben.
2) A. A1 b u: Die Bewertung der Viszeralptosls als Konstutlons-
anomalle.
Vergl. Referat S. 204 der Münch, med. Wochenschr. 1909.
3) H. C o e n e n - Breslau: Das Röntgenkarzinom.
In der Literatur sind einschliesslich des hier neu mitgeteilten
Falles 33 Beobachtungen vorhanden, wo durch Röntgenstrahlen
Karzinome hervorgerufen worden sind. Der vom Verf. beobachtete
Patient ist ein 41 jähriger Röntgentechniker, bei welchem sich nach
10 jähriger Beschäftigung an 2 Fingern Geschwüre bildeten, welche
sich bei der Probeexzision als ein verhornendes Karzinom nach-
weisen Hessen. Alle bisher beobachteten Röntgenkrebse, welche
nach Anschauung des Verfassers durch eine primäre Schädigung des
Epithels entstehen, sind Kankroide d. h. verhornende Krebse ge¬
wesen. Verf. fordert, die Röntgenbehandlung des Lupus aufzugeben,
für die Röntgentechniker aber die schärfsten Schutzmassregeln gegen
die Kathodenstrahlen.
3) S. S u z u k i - Tokio: Implantationskarzlnom In der Harn¬
blasenschleimhaut.
Verf. teilt einen Fall mit, einen 43 jährigen Kranken betreffend,
bei welchem sich aus einer Neubildung der linken Nebenniere ein
sekundäres Karzinom der Leber und auch der Harnblase entwickelte.
Mitteilung des histologischen Befundes und Epikrise.
4. C. A. Hoff mann: Experimentelle Untersuchungen über die
Wirkung des Kollargols auf Leukozyten und Opsonine.
Die vom Verf. angestellten Nachprüfungen ergaben ebenfalls
eine unter dem Einfluss des Kollargols eintretende Zunahme der
weissen Blutkörperchen auf Kosten der polymorphkernigen Leuko¬
zyten. Die Zahl der Lymphozyten nimmt etwas ab. Verf. stellte
I nun weitere in einer Tabelle niedergelegte Versuche an über den
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414
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
Kinfluss des Kollargols auf den opsonischen Index. Diese Versuche
lieferten ein negatives Ergebnis.
5) Kr. R o s e n b a c h - Berlin: Zur Wisrautbehandlung nach
E. Beck.
Die Beck sehe Methode besteht darin, Fistelgänge etc. mit
Wismutbrei auszufüllen, wodurch sich die Möglichkeit bietet, den
Verlauf der Fisteln zu photographieren, andererseits aber nach den
Beobachtungen von Beck auch die Heilung befördert wird. Verf.
berichtet nun über 4 Fälle (3 Tuberkulöse und 1 Fall von altem
chronischen Pleuraempyem). Hinsichtlich des letzteren Falles ergab
sich ein völliger Misserfolg, in den ersteren Fällen ist der Erfolg auch
nicht einwandsfrei, in einem 4. Falle trat eine Stomatitis ein, welche
übrigens ohne weiteren Schaden abheilte. Hinsichtlich der ganzen
Methode rät Verf. zur Vorsicht.
6) C. O ii t i g - Wien-Döbling: Ein Fall von Cholecystitis gan¬
graenosa sine concremento.
Die mitgeteiltc Beobachtung betrifft einen 58 jährigen Patienten,
bei dem sich bei der Operation die Gallenblase graugrün verfärbt,
faustgross, die Umgebung mit Eiter belegt, vorfand. In der Gallen¬
blase wurde kein Stein vorgefunden. Der Fall endete tödlich.
7) E. Förster: Die Hirnpunktion.
Verf. teilt eine Krankengeschichte mit, aus welcher er den
Schluss zieht, dass die Hirnpunktion nur nach Stellung einer genauen
Lokaldiagnose auszuführen ist, dass eine Operation nicht ausgeführt
werden soll über Stellen, wo bei der Punktion normales Hirn ge¬
funden wurde, dass die Punktion bei nichttuberkulösen Abszessen
nicht ausgeführt werden soll, dagegen in allen Fällen, bei denen die
Lokaldiagnose des Tumors unsicher ist, ferner bei ev. inoperablen
Tumoren eine Palliativtrepanation nicht in Frage käme. Die Punktion
soll vom Neurologen selbst ausgeführt werden.
Dr. G r a s s m a n n - München.
| Deutsche medizinische Wochenschrift. No. 6. 1909.
I 1) Oskar H e r tw i g- Berlin: Zur Erinnerung an Charles
D »cjnrf n.
2) F. Kraus- Berlin : Die Methoden zur Bestimmung des Blut¬
druckes beim Lebenden und Ihre Bedeutung für die Praxis.
Referat im Verein für innere Medizin am 4. I. 09. Vergl. Münch,
med. Wochenschr., 1909, No. 2, Seite 107.
3) J. PI e s c h - Berlin: Bestimmung des Herzschlagvolumens.
Vortrag im Verein für innere Medizin am 4. 1 09, vergl. Münch.
med. Wochenschr., No. 4, Seite 205.
4) S t r u b e 11 - Dresden: Ueber die W r I g h t sehe Vakzine¬
therapie.
Das W r i g h t sehe Vakzineverfahren wurde durch Verf. der¬
art vereinfacht, dass die Darstellung der Staphylokokkenvakzine im
grossen geschehen konnte. Sie kommt unter dem Namen „O p s o n -
o g e n“ in den Handel. Auch W r i g h t selbst hat den Vertrieb seiner
Vakzinen im grossen in Angriff genommen. Mit der in Ampullen
steril versandten Staphylokokkenvakzine kann man lokale Staphylo¬
kokkenerkrankungen, Furunkulose, Akne, Sykosis, Ekzeme behan¬
deln und heilen, u. zw. ist hiebei die Kontrolle durch den opsonischen
Index nicht nötig, wie Verf. an Krankengeschichten erläutert. All¬
gemeine Staphylokokkenerkrankungen dagegen dürfen nur unter Kon¬
trolle des opsonischen Index behandelt werden, welcher ein Mass gibt
für die Immunität, die der Organismus im Augenblick der Unter¬
suchung dem betreffenden Bakterium gegenüber hat.
5) v. N o 11 h a f f t - München: Beiträge zur Kenntnis der Atoxyl-
wirkung bei Syphilis, besonders bei ausschliesslich lokaler Appli¬
kation. (Schluss.)
Atoxyl erwies sich sowohl bei Hautkrankheiten an Stelle von
Arsenik, wie bei Syphilis, als wirksam. Bei letzterer steht es aber
dem Quecksilber nach; Hg wirkt rascher, sicherer, nachhaltiger,
weniger toxisch. Die Hälfte der Atoxylfälle zeigte leichtere Intoxi¬
kationserscheinungen, auch schwerste Erscheinungen wurden beob¬
achtet. Die Giftwirkung des Atoxyls ist unberechenbar, es ist daher
nur bei maligner Syphilis und Quecksilberidiosynkrasie am Platze.
Verf. hält es für wahrscheinlich, dass sowohl Intoxikations- wie Heil¬
wirkungen nicht einfach Arsenwirkungen sind.
6) O. A m r e i n - Arosa: Periostitis et Adlposltls multiplex tuber-
culosa toxica, behandelt mit Serum Marmorek.
Die merkwürdigen Krankheitserscheinungen des beschriebenen
Falles gingen auf Behandlung mit Marmorekserum (Einlaüiserien
auffallend zurück.
7) Hermann D o 1 d und Charles Harris- London: Fünf
Cholera verdächtige, durch Phosphorwasserstoff verursachte Todes¬
fälle, bei denen choleraähnliche Vibrionen gefunden wurden.
5 auf einem Schiff unter Erbrechen, starkem Durstgefühl und zu¬
nehmender Benommenheit erkrankte und gestorbene Auswanderer
hatten alle einen Raum dicht über einer Ladung Ferrosilicium be¬
wohnt. Dieses metallische Pulver entwickelt, wie Versuche zeigten.
Phosphorwasserstoffgas, welches im Tierversuch dieselben Wir¬
kungen entfaltete. Der Vibrionenbefund im Magen-Darminhalt war
zufällig und nebensächlich.
8) Fr. K n a u t h - Magdeburg: Thyresol, ein neues Sandelöl-
Präparat
Die Flüssigkeit riecht angenehm und schmeckt wesentlich besser
als die bisher im Handel befindlichen Sandelölpräparate. Das Mittel
bewährte sich in 30 Fällen, hatte keine Nebenwirkungen.
9) E. Harnack -Halle: Nochmals der koffeinfreie Kaffee.
Durch Besichtigung des Fabrikbetriebes gewann Verf. die Ueber-
zeugung, dass irgend etwas positiv Schädliches in dem koffeinireien
Kaffee nicht enthalten sein kann, und dass man ihn vom praktisch¬
medizinischen Gesichtspunkt aus als koffeinfrei bezeichnen darf.
R. Grashey - München.
Oesterreichische Literatur.
Wiener klinische Wochenschrift.
No. 6. S. Federn-Wien: Ueber einige Methoden der Blut¬
druckmessung und ihre Resultate.
Der Zweck des Artikels, der in Kürze nicht wiedergegeben
werden kann, ist, die Methode v. Basch’ als die verlässigste und
fruchtbarste zur möglichst ausgedehnten Verwendung auch in der
ärztlichen Praxis zu empfehlen.
E. v. H e r c z e 1 - Ofen-Pest: Ueber sakral (kokzygeal) ope¬
rierte Mastdarmkrebse und deren Spätresultate.
v. H. operiert seit Jahren vorzugsweise auf dem dorsalen Wege
nach Bardenheuer und Kraske, in der letzten Zeit nur noch
mit Hilfe der Steissbeinresektion nach Kocher. Wo der Sphinkter
allein bei amputierten Fällen erhalten werden konnte, wurde mehr¬
mals mit Erfolg die Hocheneggsehe Durchziehungsmethode an¬
gewandt, bei Verlust auch des Sphinkters gibt der Anus sacralis oft
noch recht zufriedenstellende Erfolge zumal bei Anwendung der
Glyzerinpelotte. Im übrigen muss unter den Methoden von W i t z e 1.
Rotte r, Billrot h, Gersuny je nach der Besonderheit des
Falles gewählt werden.
Die Operationsresultate sind: eine unmittelbare Mortalität von
12 auf 82 Fälle d. i. 14,6 Proz. Unter 64 von 1893—1905 Operierten
ist von 7 weiteres nichts bekannt. Von den verbleibenden 57 waren
34 = 60 Proz. nach 3 Jahren radikal geheilt und sind jetzt noch
24 -- 42 Proz. am Leben, also definitiv geheilt. Von diesen 24 zur
Zeit gesunden Fällen hat die Hälfte die Operation bereits um 9 bis
15 Jahre überlebt. Eine Heilungsdauer von 5 Jahren lässt sich für 40
einschlägige nach Abzug der zweifelhaften Fälle auf 48 bezw.
55 Proz. berechnen.
E. E i t n e r und M. Schramek - Wien: Beiträge zur Pem¬
phigusfrage.
Beschreibung von 9 meist malignen Fällen mit Blutbefunden, die
im allgemeinen einer mässigen Abnahme der Erythrozyten und des
Hämoglobingehaltes und einer Vermehrung der Leukozyten (be¬
sonders eosinophile) entsprechen. Die Untersuchungen auf das Vor¬
handensein toxischer Stoffe im Inhalt der Blasen, im Serum und Urin
der Kranken blieben ohne sicheres Ergebnis. Der Inhalt der Blasen
war, soweit er steril war, frei von hämolytischer Wirkung, in
2 Fällen war eine leichte Hämolyse nachzuweisen; es handelte sich
dabei um älteren Blaseninhalt mit positivem Strepto- und Staphylo¬
kokkenbefund. Bei Versuchen zur künstlichen Erzeugung von Blasen
durch mechanischen Druck oder intrakutane Injektion von Blasen-
inhalt haben sich wie bei Weidenfeld und Bruck einzelne
positive Resultate erzeugen lassen. Am wirksamsten gelang die
Blasenerzeugung bei Pemphiguskranken durch Vereisung mit Chlor¬
äthylspray und zwar in auffallend kurzer Zeit.
A. Rodel la: Ueber die Bedeutung und die systematische
Stellung des Boas-0pp 1 ersehen Bazillus.
Nach R.s Untersuchungen sind der Bacillus acidophilus, Bacillus
bifidus communis (T i s s i e r) und der Boas-Oppler sehe Bazillus
als identische Mikroorganismen zu betrachten.
E. Fischer - Ofen-Pest: Ueber die typische interlkarpale
Luxationsfraktur.
Beschreibung eines Falles von beiderseitiger typischer inter-
karpaler Luxationsfraktur (volare Luxation des Os lunatum und des
proximalen Stückes des gebrochenen Os naviculare). Mit Röntgen¬
bildern. Die Prognose der nicht erkannten und nicht behandelten
Fälle ist bezüglich der Funktion ungünstig. Wenn die unblutige
Reposition — die oft von einer Reluxation gefolgt ist — nicht gelingt,
ist die blutige Reposition oder die Exstirpation der luxierten Knochen
vorzunehmen. Letztere wurde im vorliegenden Fall beiderseits aus¬
geführt. Die eine Hand wurde wieder vollständig gebrauchstüchtig,
die Bewegungen im anderen Handgelenk blieben beschränkt, wie man
annehmen muss, durch das zurückgelassene Stück des Os naviculare.
Dasselbe sollte, wie Schoch empfiehlt, gleichfalls entfernt oder
wenigstens sein radialer Rand abgestumpft werden. Zur richtigen
Erkenntnis und Behandlung ist eine möglichst frühzeitige Diagnose
mit Hilfe der Röntgenstrahlen erforderlich.
Wiener medizinische Wochenschrift.
No. 50. E. Glas und E. Kr aus-Wien: KehlkopftuberkulpseV
und Schwangerschaft. A
Auf Grund der in 5 Jahren an den Kliniken von Ctiiari.
Schauta, Kovacs und Ortner beobachteten Fälle stellen die
Verfasser folgende Haupterfahrungen zusammen. Keiner der letalen
Fälle blieb unentbunden. In 28 Proz. wurde die Gravidität spontan
unterbrochen. 60 Proz. der ohne Kunsthilfe geborenen Kinder »tarben
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23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
415
nach kurzer Zeit. Prognostisch sind die Qewichtsbeobachtungen an
den Graviden wertvoll, aber nicht ausschlaggebend, sondern immer
die genaue Verfolgung des Lungenbefundes. Bei Progredienz des
Larynx- und Lungenbefundes ist der künstliche Abortus in den ersten
Monaten angezeigt, die Einleitung der Frühgeburt bei progredienten
Prozessen ist kontraindiziert, da dieselbe das Fortschreiten des Pro¬
zesses nicht hemmt. Hier ist zumal bei diffusen ulzerierenden Formen
bei relativer Stenose die Tracheotomie zu machen, nach welcher der
Kehlkopfprozess sich wesentlich bessern kann. Besonders zu
empfehlen wäre die Unterbringung von Graviden mit Larynxstenose
in Heilstätten.
No. 50. A. Horner-Wien: Ueber Versuche mit Marmoreks
Antituberkuloseserum.
Von 18 Tuberkulösen der Palschen Klinik zeigten nach ver-
t eblicher anderweitiger Behandlung 13 bald nach Einleitung der
ektalen Serumbehandlung eine Besserung des Allgemeinzustandes
und der Expektoration ohne wesentliche Beeinflussung des ana¬
tomischen Befundes. In diesem Sinne würde die Behandlung leich¬
terer Fälle, wo die Aufnahme in eine Anstalt nicht möglich ist, viel¬
leicht Erfolg versprechen.
No. 51. F. Fink-Karlsbad: Meine Erfahrungen und Resultate
mit der operativen Behandlung des Gallensteinleidens.
Kurzer kritischer Bericht über 220 operierte Fälle.
No. 52. B u 1 v a - Stanislau: Kasuistischer Beitrag zur retro¬
graden Inkarzeration des Darmes.
Es handelte sich hier um eine retrograd inkarzerierte Dünn¬
darmschlinge von 16 cm Länge, die sich nach der Loslösung als
lebensfähig erwies. Die Zahl der bekannt gewordenen Fälle dieser
Art ist noch gering.
No. 52. R. v. A r 11 - Wien: Ueber Itrol C r 6 d 6.
A. empfiehlt das Itrol zur Behandlung von Ophthalmoblennor¬
rhoe (auch prophylaktisch), Follikularkatarrh, stark sezernierenrjepi
Trachom, Ulc. corneae und zerfallenden Phlyktänen, Conjunctivitis
diphth. und crouposa, je nach dem Grad der Sekretion einzustreuen.
Die Klagen über schmerzhafte Reizung durch das Mittel betreffen
nur Präparate, die durch den Einfluss des Lichtes zersetzt sind, was
allerdings nur durch sehr vorsichtiges Aufbewahren bei Lichtabschluss
und Arbeiten bei abgeschwächtem Licht zu vermeiden ist. Unter
dieser Voraussetzung wirkt das Itrol vollkommen schmerzlos.
No. 1. A. v. Rosthorn - Wien: Kehlkopf tuberkulöse und
Schwangerschaft.
y Verf. stimmt im allgemeinen den obenstehenden Ausführungen
von Glas und Kraus zu und betont die Notwendigkeit der indivi¬
dualisierenden genauen Beobachtung; die Kehlkopftuberkulose be¬
rechtigt nicht an sich in jedem Falle zur Unterbrechung der Gravidität.
Die künstliche Frühgeburt wirkt nicht weniger schädlich als die
Geburt zur normalen Zeit und ist daher nicht angezeigt; gute Erfolge
hat in bestimmten Fällen der künstliche Abortus und er ist in Be¬
tracht zu ziehen bei den schweren, destruktiven, fiebernden oder
durch andere Leiden komplizierten Fällen.
No. 1. L. Reth i- Wien: Die Radikaloperation der Kieferhöhle
von innen her.
R. erörtert wiederholt die Vorzüge der von ihm geübten breiten
Eröffnung der Kieferhöhle von der Nase aus, wenn die Ausspülungen
der Kieferhöhle ohne vorherigen grösseren Eingriff erfolglos bleiben.
Von 58 operierten Fällen sind 49 mit Aufhören der subjektiven Be¬
schwerden und der Eiterung ausgeheilt.
No. 1. F. Kuhn-Kassel: Catgut redivivum.
Um das Katgut in der chirurgischen Praxis zu erhalten, muss
seine Sterilität sichergestellt und die Resorption verlangsamt werden.
Ersteres geschieht durch die von dem Verf. wiederholt angegebene
sorgfältige Gewinnung und Behandlung des Rohmateriales und durch
aseptische Aufbewahrung und Ausschaltung unnötiger Manipulationen
(Einfädelapparat). Die Schwerlöslichkeit und Zugfestigkeit des
Materiales wird durch eine Art Gerbung mit Jodpräparaten vor dem
Drehen der Fäden erzielt.
No. 1. G. Fodo r-Abbazia: Die Thalassotherapie der chro¬
nischen Gicht in Abbazia.
Der Gebrauch der nördlichen Seebäder ist wegen der klima¬
tischen Verhältnisse und ziemlich niederen Temperatur und Wellen¬
verhältnisse bei Gicht nicht durchführbar. Viel günstiger liegen die
Verhältnisse an den südlichen Küsten; in Abbazia begünstigen die
hohen Tagestemperaturen, die Windstille und die in den Monaten
Mai bis September zwischen 17,8 und 26,5 0 C liegende Durchschnitts¬
wärme des Meerwassers die Anwendung der Seebäder bei Gicht.
Verf. hat an mehreren Fällen diese Behandlung neben der üblichen
Allgemeinbehandlun" erfolgreich durchgeführt.
No. 2. K. Ewald-Wien: Ueber May dis Operation der
Exstrophla vesicae.
Krankengeschichten von 3 erfolgreich operierten Fällen.
No. 1/2. L. Isler-Wien: Fibröse Polyserositis.
Ausführliche Krankengeschichte mit Obduktionsbefund eines
typischen Falles.
No. 1/2. A. B1 u m e n f e 1 d - Klausenburg: Ueber Pirquet-
sche und differenzierende Kutanreaktionen.
Aus Untersuchungen an 229 Kranken ist zu schliessen, dass die
Pirquet sehe Kutanreaktion zwar einen engen Zusammenhang mit
Tuberkulose hat, aber zur Zeit nicht als spezifisch zu betrachten ist;
eine positive Reaktion deutet auch bei Kindern noch nicht sicher auf
Tuberkulose, eine negative Reaktion schliesst sie ebensowenig sicher
aus und ist nicht einmal von prognostischem Wert für den Ablauf
einer bestehenden Tuberkulose.
No. 3. J. Pal-Wien: Ueber die' Gefässwirkung des Hypo-
physenextraktes.
Von den Befunden P.s sei nur hervorgehoben, dass sie im all¬
gemeinen mit denen Schäfers übereinstimmen; ferner die stark
diuretische Wirkung des Hypophysenextraktes nach intravenöser
Injektion bei der Katze.
Auf die Karotis, Arter. mesenterica und femoralis des Rindes
wirkt der Extrakt gleichsinnig dem Adrenalin, dagegen demselben
antagonistisch auf die Herz- und Nierengefässe.
Eine ähnliche Wirkung konnte P. sonst nur bei dem Pilokarpin
finden; dabei wirkt aber der Hypophysenextrakt kontrahierend auf
den proximalen Teil der Nierenarterie, die durch Pilokarpin in ihrer
ganzen Ausdehnung erweitert wird.
No. 1/3. J. T h o m a y e r - Prag: Dyspragia angiosklerotica.
Klinischer Vortrag.
No. 3. K. W i r t h - Wien: Serumanwendung bei Blutungen.
W. hat die in dieser Wochenschr. 1908, S. 2566 berichteten er¬
folgreichen Versuche der Seruminjektion bei einem Hämophilen auch
auf andere Arten von Blutung übertragen. Eine Nachblutung nach
Tonsillotomie kam nach einer Injektion von 20 ccm frischen Pferde¬
serums und lokaler Bepinselung mit demselben zum Stillstand. In
gleicher Weise wurde eine tagelang bestehende Nasenblutung bei
einem Arteriosklerotischen gestillt. Ebenso haben, zum Teil wieder¬
holte, Seruminjektionen bei 4 Fällen von Hämoptoe augenscheinlich
eine prompte gnüstige Wirkung erzielt. Bei weiteren Erfolgen dieser
Art würde sich ein weites Feld der Therapie und vielleicht der
Prophylaxe den Seruminjektionen eröffnen.
Bergeat - München.
Englische Literatur.
(Schluss.)
R. W. Philip: Ein Kampfplan gegen die Tuberkulose. (Brit.
Med. Journ., 17. Oktober 1908.)
Verf. glaubt, dass die Häufigkeit der Tuberkulose etwa durch
eine Zahl ausgedrückt wird, die 10—20 mal so gross ist wie die in
den Statistiken gemeldeten Todesfälle durch Tuberkulose. Säug¬
linge erkranken durch direkte Ansteckung durch kranke Eltern, Ge¬
schwister infolge schlecht ventilierter Wohn- und Schlafräume und
infolge unzweckmässiger Ernährung. Verf. glaubt, dass die Schleim¬
häute vom Munde und der Nase abwärts in den meisten Fällen als
Eingangspforte dienen. Unter Schulkindern ist nach Verf.s Unter¬
suchungen die Tuberkulose viel häufiger als gewöhnlich angenommen
wird. Von 16 589 konsekutiven Fällen von Tuberkulose, die die
Victoria dispensary in Edinburgh aufsuchten, betrafen 1917 (11,5
Proz.) Kinder unter 15 Jahren. Bei einer genauen Untersuchung
der Schulkinder in den Volksschulen Edinburghs fand Verf., dass
.30 Proz. der Kinder Zeichen von Tuberkulose darboten. Auch hat
sich herausgestellt, dass in Schottland die Sterblichkeit an Tuber¬
kulose bei Kindern zwischen dem 1. und 9. Lebensjahre bedeutend
gesunken ist, dass sie aber in derselben Zeit bei Kindern im Alter
von 10—14 Jahren bedeutend gestiegen ist. Sehr ungünstig für die
Entwicklung der Tuberkulose ist dann die Zeit, in der die jungen
Leute anfangen zu arbeiten. Verf. berichtet dann genauer über sog.
„Tuberkulosenester“ d. h. über Häuser, in denen Mitglieder ganz ver¬
schiedener Familien, die nach und nach in ein solches Haus ziehen,
nach einiger Zeit an Tuberkulose erkranken. Die schlimmsten dieser
„Nester“ fand er in Sackgassen. Genaue Statistiken der Victoria
dispensary haben ergeben, dass bei über 73 Proz. aller armen Tuber¬
kulösen die häuslichen Verhältnisse, unter denen die Kranken lebten,
auf eine direkte Infektion (durch Kontakt mit anderen Tuberkulösen)
hinwiesen. Fast 66 Proz. aller Tuberkulösen schliefen im
selben Bette mit anderen Personen, weitere 11 Proz. teil¬
ten daselbe Schlafzimmer. Verfasser warnt davor, zuviel
Nutzen von den bisherigen Kampfmitteln gegen Tuberkulose
zu erwarten. Dieselben sind ganz ungenügend; auch das Sa¬
natorium hilft nur einen kleinen Teil der feindlichen Kräfte zu be¬
kämpfen. Vor allem muss überall die zwangsweise Anzeige der
Tuberkulose eingeführt werden, dieselbe hat sich z. B. in Sheffield, wo
sie seit 4 Jahren eingeführt ist, glänzend bewährt, ebenso in Schott¬
land, wo die Phthise seit dem 10. März 1906 zu den anzeigepflichtigen
ansteckenden Krankheiten gehört. Dasselbe gilt für New York und
Norwegen, wo die Anzeigepflicht seit Jahren im Gebrauch ist. Die
grösste Schwierigkeit auf diesem Gebiete liegt darin, die Fälle frühe
genug zur Anzeige zu bekommen, da viele Arme entweder überhaupt
nicht oder doch zu spät zum Arzt gehen. Man muss deshalb in
jeder Stadt ein Zentralinstitut gründen (wie die Victoria dispensarv
for consumption in Edinburgh), das sich auf jede mögliche Weise mit
der Behandlung und Unterstützung armer Schwindsüchtiger befasst
und zu dem Personen dieser Klasse, die an Erkältungen, unbestimmten
Krankheitssymptomen etc. leiden, gewiesen werden. Dieses Zentral¬
institut hat für Hausbesuche zu sorgen und dient als Auskunftsbureau
über alle Fragen der Tuberkulose. Es schafft geeignete Fälle in die
Sanatorien oder Hospitäler, übernimmt die Behandlung anderer in
ihren eigenen Wohnungen und dient überhaupt als Bindeglied des
ganzen Systems der Tuberkulosebekämpfung. Sehr wichtig sind
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
416
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
regelmässige Hausbesuche; nur durch sie können genauere Daten über
die häuslichen Verhältnisse der Kranken gesammelt und Massnahmen
zu einer wirklichen Behandlung ergriffen werden. Gleichzeitig bietet
sich hierbei die Gelegenheit, die übrigen Mitglieder der Familie zu
warnen, sie eventuell zu untersuchen und zu behandeln. Dann be¬
sorgt die Dispensary für arbeitsfähige Tuberkulöse geeignete Arbeit
im Freien und beugt so der Verarmung und Faulenzerei vor. Schul¬
kinder werden in ihrem eigenen Interesse und im Interesse ihrer
Mitschüler aus den Schulen entfernt und in geeigneter Weise separat
erzogen. Dann bringt die Dispensary auch die Familien, die durch
Erkrankung des Brotverdieners in Armut geraten in Verbindung mit
den verschiedenen Wohlfahrtseinrichtungen und sorgt für Unter¬
stützung. Verf. glaubt, dass allmählich auch in England an Stelle der
privaten Massnahmen die städtische oder staatliche Bekämpfung der
Tuberkulose treten muss und wird.
E. Klein: Fliegen als Typhusüberträger. (Ibid.)
Es gelang dem bekannten Londoner Bakteriologen aus den Lei¬
bern lebender Fliegen, die aus Lokalitäten stammten, in denen Typhus
herrschte, neben reichlichen Kolibazillen auch Typhusbazillen zu
züchten und er glaubt, dass z. B. die Hausfliege oft als Verbreiterin
des Typhusbazillus dient, den sie mit ihren Abgängen auf Esswaren
usw. deponiert.
A. Buchanan: Katzen als Verhütern der Pest. (Brit. Med.
Journ., 24. Okt. 1908.)
ln Indien werden von manchen Kasten der Eingeborenen Katzen
gehalten, von anderen nicht. Es ist dies sehr wichtig, da die Mehr¬
zahl der Hindus aus religiösen Gründen sich absolut weigern, Ratten
zu töten oder auch nur zu fangen. Verf. hat nmi gefunden, dass in
Dörfern, in denen viele Katzen gehalten wurden, keine oder doch
nur wenig Fälle von Pest vorkamen, und zwar selbst dann, wenn
diese Dörfer in einer Pestgegend lagen und in den benachbarten
Ortschaften, in denen keine Katzen gehalten wurden, viele Personen
an der Pest starben. Ja, es ging soweit, dass in demselben Orte
in den Stadtteilen, in denen Katzen häufig waren (die verschiedenen
Kasten leben getrennt in den verschiedenen Stadtteilen), viel weniger
Pestfälle vorkamen als in denen, in welchen keine Katzen gehalten
wurden. Da nun etwa 80 Proz. aller Hindus Katzen halten dürfen,
so verlangt er, dass die Pestkommission der Katzenfrage näher trete,
und hofft auf diese Weise die Ratten und dadurch auch die Pest aus¬
zurotten.
John Ingram: Ein Apparat zur Nachbehandlung der Kolofomle.
(Ibid.)
Der kleine Apparat, den Verf. seit 2 Jahren erfolgreich verwendet
hat und den er hier beschreibt und abbildet, scheint wirklich sehr
brauchbar zu sein und den Kranken völlig sauber zu halten und ieden
üblen Geruch zu verhindern. Er ist billig, ganz einfach in der Kon¬
struktion und lässt sich rasch abnehmen, reinigen und wieder an-
legen.
Alexander Bryce: Die Beschränkungen einer purinfreien Diät.
(Brit. Med. Journ., 31. Okt. 1908.)
Verf. berichtet in dieser Arbeit über zahlreiche Versuche, die er
in seiner Praxis mit einer purinfreien Diät angestellt hat. Sehr häufig
sind in England heftige Kopfschmerzen bei Frauen, die durch über¬
mässigen Theegenuss hervorgerufen werden, hier ist eine ganze purin-
freie Diät überflüssig, es genügt, die zu grossen Mengen von Koffein
zu beschränken. Bei Epilepsie hatte er gute Erfolge mit einer purin¬
freien Diät, er hält sie für das beste Heilmittel. Personen, die längere
Zeit als strikte Vegetarianer gelebt haben, wollen oft nicht mehr zur
Fleischnahrung zurückkehren und vertragen dieselbe auch nicht mehr
guf. Fast alle Vegetarianer empfinden die Kälte sehr unangenehm.
Verf. glaubt, dass bei der Epilepsie die Nahrungsmenge eine grosse
Rolle spielt; nehmen die Kranken an Gewicht zu, so haben sie häufi¬
ger Anfälle. Verf. empfiehlt eine ganz purinfreie Diät nur bei frischen
Fällen von Epilepsie, bei denen die Verdauung noch nicht durch lange
fortgesetzte Bromtherapie gelitten hat; für die chronischen Fälle
empfiehlt er eine Nahrung, in der alle freien Purine vermieden wer¬
den, die aber doch etwas Fleisch enthält. Bei vielen Fällen von
Asthma, die er mit purinfreier Diät behandelte, sah er fast immer tem¬
poräre Besserung (manchmal auch lange andauernde); nach einiger
Zeit trat aber stets ein Rückfall auf. Bei Neurasthenie erzielte er
keine guten Erfolge. Verf. hat dann noch verschiedene andere Er¬
krankungen dieser Behandlung unterzogen und ist zu dem Resultate
gekommen, dass eine purinfreie Diät für viele Fälle chronischer Er¬
krankung ein wertvolles Mittel ist, um wenigstens temporäre Besse¬
rungen zu erzielen, dass diese Nahrung sich aber durchaus nicht
zur Ernährung der Menschheit überhaupt eignet, wie dies von H a i g
und anderen behauptet wird. Entzieht man chronisch Kranken die
Purine vollkommen, so verlieren sie oft ihre Beschwerden, nach
einiger Zeit treten aber infolge der Lebensweise Ernährungsstörungen
auf und nun kehren die alten Beschwerden zurück. Wenn sie vor¬
sichtig wieder zu ihrer Fleischnahrung zurückkehren, aber nur ein
Minimum von Purinen konsumieren und alle freien Purine völlig fort¬
lassen, so bleiben sie ziemlich frei von ihren Beschwerden. Verf.
verbietet deshalb bei allen chronischen Erkrankungen, die auf die
üblichen Behandlungsmethoden nicht besser werden, alle Nahrungs¬
mittel, die Xanthin und Purin enthalten und nicht gleichzeitig nahr¬
haft sind, also besonders Thee, Kaffee, Kakao, Fleischsuppen, Fleisch¬
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extrakte und Saucen. Dann verlangt er, dass die Kranken im gan¬
zen weniger essen und dass sie alle Speisen sorgfältig kauen.
Robert M i 1 n e: Die Behandlung des Scharlachs Im Hause des
Kranken. (Ibid.)
Verf. ist der Arzt an den grossen Waisenhäusern des Dr. Bar-
n a r d o. Er lässt die scharlachkranken Kinder ruhig mit den anderen
Kindern zusammen, und zwar sowohl in den Schlafsälen wie auch
später in den Tagesräumen. Für die ersten 4 Tage reibt er den ganzen
Körper der Kinder mit 10 proz. Eukalyptusöl, und zwar 2 mal täg¬
lich vom Scheitel bis zu den Sohlen. Vom 5. bis 10. Tage macht er
dieselbe Einreibung 1 mal täglich. Die Mandeln pinselt er während
der ersten 24 Stunden alle 2 Stunden mit 10 proz. Karbolöl. Dieselbe
Behandlung wendet er auch bei Masern an. Bei dieser Behandlung
wird jede Uebertragung der Krankheit vermieden.
Henry Morris: Die Behandlung des inoperablen Krebses.
(Lancet, 3. Oktober 1908.)
Uebersicht über palliative Massnahmen, die sich Verf. in seiner
grossenPraxis in der Krebsabteilung des Middlesex Hospitales be¬
währt haben. Bei Zungenkrebs reseziert er den Nervus lingualis,
auch unterbindet er beide Linguales oder die äusseren Karotiden.
Ebenfalls nützlich ist die Entfernung des krebsigen Zungenabschnitts,
selbst wenn radikale Heilung unmöglich erscheint. Bei Kehlkopf¬
krebsen, die sich nicht mehr durch Entfernung eines Stimmbandes
oder eines Teiles des Kehlkopfes entfernen lassen, macht er dagegen
nichts; die totale Larynxexstirpation verwirft er, da die Kranken sich
nachher in einem trostlosen Zustand befinden und oft durch Selbst¬
mord enden. Er macht dabei aber frühzeitig die Tracheotomie. Die
Gastrostomie bei Oesophaguskrebs verwirft er auch; er glaubt mit
Dauerkanülen bessere Erfolge zu erzielen. Die Gastroenterostomie
bei Magenkrebs verwirft er ebenfalls, die dadurch erzielten Erfolge
sind viel zu vorübergehender Natur, um die Operation als gerecht¬
fertigt erscheinen zu lassen. Die Kranken sterben nach kurzer Zeit
doch wieder unter den Zeichen des Pylorusverschlusses. Die un¬
mittelbare Mortalität für diese Operation berechnet er auf 45—50
Proz. Man sollte in allen Fällen, wo es technisch möglich erscheint,
den Tumor entfernen, selbst wenn Drüsenmetastasen eine Radikal¬
heilung unmöglich erscheinen lassen. Kolotomie bei Mastdarmkrebs
ist dagegen eine sehr segensreiche Operation. Von 97 kolotomierten
Kranken mit Rektumkrebs lebten 62 zwischen 1 und 3 Jahre nach
der Operation, 14 mehr als 3 Jahre und 1 gar 8 Jahre und 3 Monate.
Die Operation sollte aber möglichst frühzeitig gemacht werden, jeden¬
falls ehe es zum Darmverschluss gekommen ist. Bei Uteruskrebsen
schabt er aus und ätzt dann mit Chlorzink (am besten mit dem Salz
in Substanz); auch das Glüheisen oder reine Karbolsäure sind von
Nutzen. Bei Brustkrebsen soll man die Brust selbst dann entfernen,
wenn ausgedehnte Drüsenmassen eine Radikalheilung verbieten; auch
hier sind Ausschabungen und Aetzungen angebracht, bei schweren
Fällen von Oedem versuche man die von H a n d 1 e y angegebene
Operation, die darin besteht, dass man Seidenfäden beträchtlicher
Dicke subkutan vom Handgelenk bis zur Achselhöhle einführt und
liegen lässt, sie wirken als künstliche Lymphbahnen. Für ganz
schwere Fälle kommt dann die B e r g e r sehe Amputatio interscapulo-
thoracica in Betracht. Bei den äusserst heftigen Schmerzen, die im
Gefolge metastatischer Wirbeltumoren auftreten, hilft die Lamin-
ektomie mit Resektion der hinteren Wurzeln. Bei Cancer en ouirasse
hilft nichts ausser grossen Dosen von Spiritus aether. sulphur. mit
Opium oder Morphium. Zuweilen hat die Oophorektomie bei in¬
operablen Brustkrebsen längerdauernde Besserungen herbeigeführt.
Verf. redet der Cholezystektomie bei Gallensteinen das Wort, da
dadurch sicher mancher Krebs der Gallenblase verhütet wird; auch soll
man leukoplakische Stellen im Munde entfernen, sobald sich die ge¬
ringste Reizung einstellt. Bei unklaren Magenleiden muss man früh¬
zeitig laparotomieren, um eine klare Diagnose zu machen. Die Be¬
handlung inoperabler Krebse mit dem Serum von D o y e n oder von
Wlaeff, sowie mit den Schmidtschen „abgetöteten Kulturen"
hat im Middlesex-Hospitale nur negative Ergebnisse ergeben. Die
Behandlung mit Strömen von hoher Frequenz oder mit Fulgurisatlon
nach Keating-Hart ergab ebenfalls keinen Nutzen, dasselbe gilt
von „Coleys fluid". Auch die Trypsinbehandlung blieb erfolglos. Nur
die direkte äusserliche Anwendung von Trypsin auf jauchige Krebs¬
flächen ist manchmal von günstigem Erfolg begleitet. Verf. pudert
solche Flächen mit Pankreatin ein und sah zuweilen Aufhören der
Jauchung, rasche Reinigung der Geschwürsfläche und beträchtliche
Besserung der subjektiven Beschwerden.
Sir William J. Sinclair: Ueber Schwangerschaft und Ent«
blndung nach der Ventrofixatlo uterl. (Ibidem.)
Verf. hält die Ventrofixatio uteri für die einzig erlaubte Operation
bei Frauen im gebärfähigen Alter. Er beschreibt genau eine von
ihm seit Jahren geübte Operationsmethode, die wesentlich von an¬
deren, sonst geübten abweicht und die den Uterus in normaler, be¬
weglicher Lage hält und nie zu Geburts- oder Schwangerschafts¬
störungen Anlass gegeben hat.
H. S. Clogg: lieber Krebs des Kolon. (Ibidem.)
Verf. legt seiner Studie 72 im Charing Cross-Hospitale beob¬
achtete Fälle zu gründe. Der Kolonkrebs bleibt sehr lange lokal,
bei 41 zur Sektion gekommenen Fällen fand er nur 6 mal (15 Proz.)
viszerale Metastasen. Verf. gibt dann eine genaue Beschreibung der
Lymphbahnen, die bei den verschiedenen Abschnitten des Kolon in
Original fro-m
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
417
Frage kommen und gibt Methoden an, wie die Krebse der verschie¬
denen Darmabschnitte zusammen mit den zugehörigen Lymphdrüsen
entfernt werden können.
J. R. C u r r i e und S. M. MacOregor: Die Serumbehandlung
der Meningitis Im Glasgow-Fieberhospitale. (Lancet, 10. Oktober
1908.)
Vom Mai 1906 bis Mai 1908 kamen ini Belvidere-Hospital in
Glasgow 330 Fälle von Genickstarre zur Beobachtung. 105 Fälle
wurden mit Serum (Wassermann, Ruppe 1, Kolle, Bur-
roughs und Wellcome) behandelt, 225 nicht. 20 Kranke, die
mit W a s s e r in a n n schein Serum behandelt wurden, gaben 13
Todesfälle, 6 mit R u p p e 1 schm 5 Todesfälle, 20 mit Kolle schem 14
und 56 mit Burrough schem 34 Todesfälle. Die Einspritzungen er¬
folgten teilweise in den Spinalkanal (nie mehr wie 25 ccm auf einmal)
oder subkutan oder intravenös. Die grösste Menge von Einspritz¬
ungen bei einem Kranken betrug 21 (725 ccm). Das Endergebnis der
Behandlung war, dass die Serumtherapie die auf sie gesetzten grossen
Hoffnungen nicht erfüllt hat. Aus den Tabellen der Verfasser geht
höchstens hervor, dass von den Kranken, die unter der Serumbe¬
handlung den 10. Krankheitstag überlebten, mehr genasen als von
denen, die ohne Serumbehandlung so lange lebten.
Sir Lauder Brunton: Der Blutdruck beim Menschen, seine
Messung und Regulierung. (Lancet, 17. Oktober 1908.)
Verf. gibt eine Uebersicht über die verschiedenen Methoden
der klinischen Blutdruckbestimmung. Bei zu hohem Blutdruck ver¬
bietet er Thee, Kaffee, Kakao. Alkohol und Tabak ganz und lässt die
Kranken vorwiegend vegetabilisch leben, nur etwas Fisch und Eier
sind erlaubt. Man soll nie bei Tisch trinken, da man dann mehr
isst und weniger gut kaut. Längerdauernde, nicht heftige Körperbe¬
wegungen sind ein gutes Mittel zur Herabsetzung des Blutdruckes,
ebenso Abführmittel und zwar besonders Quecksilberpräparate. Auch
die intermittierende Anwendung von Jodkali ist vorteilhaft. Bei
Angina pectoris ist Nitroglyzerin und Ainylnitrit das beste Mittel.
A. L a t h a m und A. C. Inman: Die Tuberkulinbehandlung der
Phthise. (Lancet, 31. Oktober 1908.)
Es ist ganz einerlei in der Wirkung, ob man Tuberkulin per os,
per rectum oder subkutan gibt, nur müssen die entsprechenden Dosen
durch Kontrolle des opsonischen Index herausgefunden werden. Spä¬
ter kann man mit der klinischen Beobachtung auskommen, allmählig
steigende Dosen (deutsche Methode) sind nicht empfehlenswert. Man
muss versuchen, mit den allerkleinsten Mengen auszukommen. Die
Verfasser beginnen mit */& oooo—Vsoooo mg bei akuten und Vioooo mg
bei chronischen Fällen Erwachsener. Sie geben dies per os in 10 ccm
frischen Pferdeserums. Man muss die Dose geben, die gerade aus¬
reicht, um eine minimale, kurzdauernde Reaktion zu geben. Vor
allem muss man jede gleichzeitige Autoinokulation ausschliessen.
Dies geschieht am besten durch völlige Bettruhe des Kranken.
J. P. zum Busch - London.
Dänische Literatur.
Robert W. Kiär: Ein Fall von Nitritvergiftung nach interner
Anwendung von Blsmuthum subnltricum nach Röntgenuntersuchung.
(Hospitalstidende 1908, No. 41.)
Vor einer Röntgenuntersuchung bekam die 50 jährige Patientin
ca. 75 g Bismuthum subnitricum in Brei ausgerührt. Die Peristaltik
war lebhaft, der Wismuthbrei erreichte bald das Duodenum. Des
Abends befand sich die Patientin wohl, bekam einen Kaffeelöffel voll
Pulv. glycyrrhizae composit. Im Verlaufe des Nachts fühlte sie
Schmerzen und Klopfen im Kopf, ein wenig Herzklopfen, keine Atem¬
not; sie konnte trotz Ermüdungsempfindung nicht schlafen. Am
nächsten Morgen hatte sie Schwindel, bekam Sulfur sublimatum, wie
man eine starke Zyanose, speziell im Gesicht und an den Händen be¬
merkte. Der Puls war 80, regelmässig; die Temperatur 37,4. Es fror
sie und war ihr übel. Keine Dyspnoe, kein Erbrechen, kein Stuhl.
Die spektroskopische Untersuchung des Blutes zeigte ein deutliches
Methämoglobinspektrum. Es wurde reichliches Trinken, Ol. ricini.
ur.d Klysma ordiniert. Des Abends war der Zustand besser, doch
immer Kopfweh, Uebelkeit und Ermüdung. Temperatur 38, Puls 100,
kräftig, regelmässig. Diurese reichlich. Harn klar, ohne Eiweiss und
Blut v Im Verlaufe der folgenden 3 Tage schwand nach und nach
die Zyanose und die subjektiven Symptome. Der Stuhl war in
2 Tagen stark mit Wismuth gefärbt. Die Temperatur war am 2. Tag
normal. Der Harn stets normal. Möglicherweise haben die ange¬
wandten Schwefelpräparate zu einer vermehrten Nitritbildung mit-
gewirkt.
Kay Schaffer: lieber Febrls glandularis. (Aus dem Küst-
hospiz Refsnäs.) (Ibidem, No. 43, 44 u. 45.)
Der Verfasser beobachtete eine Epidemie von Drüsenfieber, das
im Verlauf von kaum 4 Monaten 21 Kinder im Alter von 4—15 Jahren
311 griff. Es waren sowohl leichte, als sehr schwere Fälle; in 2 Fällen
entwickelte sich Suppuration in den angegriffenen Drüsen, in einem
hall wurde die Krankheit mit Erysipelas kompliziert. Der Verfasser
referiert genau einige der Krankengeschichten und gibt eine ein¬
gehende Beschreibung des Leidens, die mit dem von anderen Ver¬
fassern dargcstellten Krankheitsbild zusammenfällt. Das Leiden be¬
ginnt plötzlich, gewöhnlich mit hohen Temperaturen und schwerem
Allgemeinbefinden, Geschwulst und Empfindlichkeit der oberen Hals-
Jriisen, speziell der hinter dem Sternokleidomastoideus liegenden;
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Erbrechen kann die Krankheit einleiten oder tritt später auf.
Anorexie und Obstipation häufig, zweimal traten heftige Diarrhöen
auf. Das Fieber dauerte in leichten Fällen 2—4 Tage: wenn* neue
Drüsen angegriffen wurden, stieg es wieder. In 14 Fällen wurde
eine steife Haltung des Kopfes wie bei Tortikollis beobachtet. Husten
trat bei 3 Patienten auf, einmal war er dem Keuchhusten ähnlich
(Schwellung der Bronchialdrüsen?); dieser Patient hatte früher den
Keuchhusten gehabt und nach 10 Tagen schwand der Husten wieder.
Zweimal wurden' die angulo-maxillären, einmal eine submaxilläre
Drüse, sonst ausschliesslich die entlang dem hinteren Rand des
Sternokleidomastoideus oder die unter seinem oberen Teil liegenden
Drüsen angegriffen. Axillar- oder Inguinaldrüsen wurden nicht an¬
gegriffen. In keinem Fall fand er Milz- noch Leberschwellung.
Nephritis wurde nicht beobachtet. Schnupfen wurde 4 mal, Nasen¬
bluten 2 mal beobachtet. In 5 Fällen war ein wenig Röte des Rachens
vorhanden, bei einem einzigen zugleich Schmerzen beim Schlucken,
bei allen übrigen konnte keine Veränderung der Schleimhaut des
Fauzes nachgewiesen werden. In 2 Fällen trat Otitis media als
Komplikation auf. Herpes alae nasi trat einmal auf, leichte Gelenk¬
schmerzen einmal, von Exanthemen nur der oben genannte Fall von
Erysipelas. Der Eiter aus den Abszessen in den 2 Fällen zeigte
ausschliesslich Streptokokken. Impfungen aus dem Rachenschleim
zeigten Streptokokken, doch immer mit anderen Bakterienformen zu¬
sammengemischt. Der Verfasser glaubt, dass die Materia peccans
Streptokokken sind. Gleichzeitig mit dem Drüsenfieber trat Influenza
im Hospiz auf, 26 Fälle von Influenza wurden beobachtet, 2 Patienten
wurden sowohl von dem Drüsenfieber als von der Influenza ange¬
griffen. Der Verfasser bespricht die Differentialdiagnose gegenüber
Parotitis und Skarlatina und die Prognose, die gewöhnlich gut ist,
obgleich die Rekonvaleszenz eine recht lange werden kann. Prophy¬
laktisch ist Isolation der Patienten zu empfehlen. Als Behandlung
wurde das Lager im Bett, Diät, warme Umschläge, Antifebrilia,
Spülung des Mundes angewandt.
Paul Hast und und Harald Boas: Ein Fall vbn Bouton des
nays chauds. (Aus der 4. Abteilung des Kopenhagener Kommune¬
hospitals, Oberarzt Privatdozent Dr. C. Rasch.) (Ibidem, No. 46.)
Es handelte sich um einen 23 jährigen Maschinenmeister, der
4 Monate vor der Hospitalaufnahme in Oran angesteckt wurde. Die
Eingangspforte war eine offene Wunde der rechten Hand, die sich
nach und nach zu einer typischen Effloreszenz von Bouton des pays
chauds entwickelte. Im Gesicht, im Haarboden, am Hals, an den
Genitalien und Extremitäten waren 36 Effloreszenzen auf verschie¬
dener Entwicklungsstufe vorhanden, am Rücken befand sich nur ein
Flecken. Die Effloreszenzen waren von dicken Schorfen bedeckt, -die
ziemlich adhärent waren, unter ihnen war eine reichliche Abson¬
derung von gelblichem Eiter. Es w r ar universelle Adenitis. Die
Knoten wurden mit folgender Aetzsalbe behandelt: Vaselini 70 g,
Acid. salicyl., Resorcini, Pyrogalloli äa 10 g. Nach 2 Tagen wurde
die Salbe entfernt, und die Wunde mit 1 prom. Sublimatwasser¬
umschlag und heissen Umschlägen behandelt. Die Schmerzen bei der
Aetzsalbe wurden durch Narkotika gelindert. Nach 16 Tagen wurde
er entlassen. Alle die angegriffenen Stellen zeigten sich glatt und
genarbt. Ein Rezidiv der rechten Vola manus und im Eingang zu
den Nasenlöchern wurde durch dieselbe Salbe geheilt. Die Verf.
geben eine eingehende histologische Beschreibung einer entfernten
Effloreszenz; die Untersuchung des verhältnismässig frischen Knotens
ist den Untersuchungen anderer Forscher ähnlich. Das Eiter enthielt
zahlreiche Streptokokken, keine Protozoen wurden gefunden.
Jörgen Jensen: Ulcus pepticum iejuni. (Aus der Abteilung A
des Frederiksberg Hospital. Oberchirurg: Kraft.) (Ibidem, No. 47
und 48.)
Eine auf die Literatur und 2 eigene Fälle gestützte Uebersicht
der Frage. Der Verfasser bespricht 2 Gruppen, eine latente Form mit
akuter Perforationsperitonitis und die häufigere, chronische adhäsive
Form von Ulcus jejuni. Er warnt vor der um sich greifenden Neigung,
Gastroenterostomie bei dem Magengeschwür anzuwenden. Wenn
eine gutartige Magenerkrankung mit Gastroenterostomie behandelt
ist, soll der Patient eine medizinische Nachbehandlung haben und oft,
speziell mit Rücksicht auf Hyperazidität, kontrolliert werden.
A. Erlandsen: Ueber die Bestimmung des Unterschiedes
zwischen der Rektal- und Axillartemperatur, soez. mit Rücksicht auf
die Schätzung von dem „H a 11 a g e r sehen Symptom“. (Aus der
Abteilung A des kgl. Frederiks Hospital.) (Ibidem, No. 48.)
H a 11 a g e r fand bei Hysterie, dass das Uebergewicht der Rek¬
taltemperatur gegenüber der Axillartemneratur abnorm klein. Null oder
negativ war. Die Untersuchungen des Verfassers haben diesen Befund
nicht bestätigt. Er fasst seine Untersuchungen folgendermassen zu¬
sammen: 1. Bei Temperaturmessungen in dem Rektum bekommt man.
wenn der Patient in Seitenlage liegt häufig, jedenfalls bei Frauen,
eine ca. 0,1 0 C höhere Temperatur, wenn das Thermometer nur
3—4 cm. als wenn es 7—8 cm eingeftihrt wird. 2. Rücksichlich des
Verhältnisses der Axillartemneratur zur Rektaltemneratur sind es in¬
dividuelle Verschiedenheiten. Die Axillartemneratur ist z. B. verhältnis¬
mässig niedriger bei fetten als bei mageren Personen. 3. Die Differenz
zwischen der Rektal- und Axillartemperatur ist konstant bei der ein¬
zelnen Person und sodann gleich des Morgens und Abends. 4. Der
Durchschnittsunterschied zwischen Rektal- und Axillartemperatur bei
den von den Krankenpflegerinnen vorgenommenen „Massemmter-
Qriginal from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
418
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
suehungen“ war 0,55 Proz. Die Differeivz betrug im Mittel 0,28° C.
Durch Kontrollmessungen (vom Verf. selbst vorgenommen) an ab¬
gekleideten Patienten und mit gleichzeitiger Rektal- und doppelter
Axillarmessung in 15 Minuten war der durchschnittliche Unterschied
nur 0,38 0 C., die Differenz bei diesen Untersuchung war im Mittel
nur 0,08° C. 5. In keinem Falle konnte der Verfasser bei Hysterie
und nahe stehenden Leiden das H a 11 a g e r sehe Symptom nach-
weisen, welches nach seiner Ansicht von zufälligen Fehlern bei den
Alessungen, individuellen Unterschieden und Simulation bedingt wird.
Knud Mailing: Ueber Astereognose. (Ibidem, No. 49.)
Der Verfasser untersuchte den stereognostischen Sinn in einer
grossen Reihe verschiedener Gehirn» und Nervenkrankheiten. Er
iand, dass er nicht auf einer einfachen Empfindung beruht, sondern
das Resultat einer assoziativen psychischen Wirksamkeit ist. deren
einzelne Komponente von Eindrücken zusammengesetzt werden,
welche durch die einfachen Gefühlsqualitäten herbeigeführt werden.
Von diesen spielt das Muskelgefühl und der W e b e r sehe Sinn die
am meisten hervortretende Rolle. Der Verfasser fand keinen Grund
zur Annahme eines speziellen Zentrums für den stereognostischeji
Sinn. Gegen ein solches Zentrum spricht die partielle Astereognose
und die grosse Seltenheit der reinen Astereognose. welche sich als
Rest von mehr verbreiteten Sensibilitätsstörungen erklären lässt.
Das Symptom Astereognose hat deshalb keine differentialdiagnostische
Bedeutung mit Rücksicht auf die Frage, ob ein Leiden kortikal oder
subkortikal liegt.
Harald iBoas: Ueber Albuminurie bei Sk ables. (Aus der 4. Ab¬
teilung des Kopenhagener Kommunehospitals. Oberarzt Privatdozent
Dr. C. Rasch.) (Ibidem.)
Der Verfasser kritisiert die von Nicolas und Jambon irn
Februarheft der Annales de Dermatologie et de Syphiligraphie ge¬
schriebenen Abhandlung, infolge welcher Albuminurie eine sehr
häufige Komplikation der Skabies sein sollte. Im Kommunehospital
zu Kopenhagen wurden vom November 1904 bis Januar 1908
1010 Skabiespatienten behandelt, bei diesen wurden nur 13 Fälle
von Albuminurie beobachtet; 6 von diesen konnte -man aus ver¬
schiedenen Gründen nicht mitrechnen, so dass nur 7 Fälle übrig
blieben, wo die Albuminurie in 6 während der Skabieskur vollständig
schwand und in einem sich viel besserte.
Adolph H. Meyer- Kopenhagen.
Ophthalmologie.
Zur Nedden: Ueber die natürlichen Heilfaktoren bei infek¬
tiösen Augenerkrankungen und ihre zweckmässige künstliche Beein¬
flussung. Sitzungsbericht über die 80. Versammlung deutscher Natur¬
forscher und Aerzte. in Köln 1908. (Klin. Monatsbl. f. Augenheilk.
Oktober 1908. S. 456.)
Nach der neueren Immunitätsforschung ragen unter den natür¬
lichen Heilfaktoren die Bakteriolysine hervor, die schon im nor¬
malen Blut vorhanden, durch den Reiz der Bakteriengifte vermehrt
und allen Teilen des entzündeten Auges zugeführt werden. Bakterien¬
tötend wirken die L e u k i n e der Leukozyten, die Opsonine da¬
gegen erst nach Einleitung der Bakterienschädigung durch bakteri¬
zide Substanzen. Zweifelhaft ist die Rolle der Antifermente des
Serums als Heilfaktoren. Hauptaufgabe der Therapie infektiöser
Augenkrankheiten ist die Verstärkung und möglichste Ausnutzung
der natürlichen Heilfaktoren des Körpers, nicht durch die direkte Bak¬
terientötung, sondern Einwirkung auf den Körper des Kranken.
Unterwertig sind wegen ihrer oberflächlichen Wirkung auf die Ge¬
webe des Auges Antiseptika, Serum. Pyozyanase, Galle, wirksamer
dagegen Adstringentien, die in der Tiefe entzündeter Gewebe natür¬
liche Heilfaktoren ansammeln. Intraokulare Jodoformeinführung
wirkt durch Vermittlung der bei Eröffnung des Auges gesetzten
Hyperämie der Uvea, den Uebertritt natürlicher Heilstoffe in den
Glaskörper und die Hornhaut veranlassend. Hier ist der Grund für
den Heilwert der Parazentese zu suchen, besonders in der Behand¬
lung des Ulcus serpens nach S ä m i s c h. Ebenso erklärt sich die
Wirkung der subkonjunktivalen Injektionen, wobei verwendete Anti¬
septika nicht spezifisch tätig sind, schliesslich auch der Nutzen der
Wärme und der chemischen Strahlen des Lichts. Im Sinne einer
Verstärkung natürlicher Heilkräfte wirkt die Immunisierung, die
Kräftigung des Allgemeinzustandes, die Anwendung von Medi¬
kamenten. wie Arsen, Jod, Quecksilber, letztere schon in kleinsten
Mengen die Gewebe verändernd. — In der Diskussion erinnert
Wessely daran, dass nach seinen früher publizierten Unter¬
suchungen die Wirkung aller Arten von Reizen auf das Auge in einer
vermehrten Zufuhr der Antikörper beruht, dass wir hierin einen der
wesentlichen Heilfaktoren der Entzündung zu erblicken haben —.
wie wir diesen künstlich nachzuahmen — und nicht nur den gefäss-
losen, sondern auch den gefässhaltigen Teilen des Auges nutzbar zu
machen vermögen. Er wendet sich auch dagegen, dass alle Arten
von subkonjunktivalen Injektionen gleichartig wirken, da er sehr er¬
hebliche graduelle Unterschiede bei den verschiedenen Substanzen
festgestellt habe.
Gramer: Allgemeine Bemerkungen über das Verhältnis der
Augenheilkunde zur Invalidität. (Ibidem S. 468.)
Aus dem Zustande der Augen allein kann nicht stets In¬
validität festgestellt werden, sondern nur unter Mitbewertung der
Berufs- und gesamten Lebensumstände des Bewerbers. So wird der
Staroperierte erst Invalide durch hohes Alter und dadurch bedingte
erschwerte Anpassungsfähigkeit an einen neuen Beruf oder bestimmte
Erfordernisse des alten Berufes, erhebliche Unterschiede in der Ar¬
beitsdistanz und deren schnellen Wechsel, Gefährdung bei Ausführung
umständlicher Körperbewegungen. Dagegen wird er bei Ausführung
ländlicher oder sonstiger gröberer Handarbeit nicht Invalide. Bei
hoher Kurzsichtigkeit mit erhaltenem zentralen Sehen, kommt es
wegen der langen Gewöhnung an den Zustand nur ausnahmsweise
zur Invalidität. Hohe Uebersichtigkeit. Astigmatismus, Alterssichtig¬
keit werden infolge ungenügender Untersuchung oft verkannt, können
aber tatsächlich Invalidität bedingen, weil die entsprechenden Gläser
bei der in Frage kommenden Nahearbeit keinen ausreichenden Spiel¬
raum gewähren. Der Einfluss von Netzhauterkrankungen ist ver¬
schieden; beiderseitige Entartungen der Makula bedingen meist In¬
validität, Chorioiditis disseminata nur in den schwersten Fällen.
Chronische schwere Hornhautentzündungen führen vermöge des an¬
dauernden Reizzustancies meist zur Invalidität; alte, aus der Jugend¬
zeit stammende, wegen der stattgehabten Gewöhnung dagegen sel¬
tener. Berufcmvalidität berechtigt allein nicht zur Invalidenrente;
die Einführung einer Rente für Halbinvalidität ist zu empfehlen.
Best; Netzhautblutungen bei Ausfall der Schilddrüse. (Ibidem
S. 468.)
Vortr. empfiehlt Schilddrüsentherapie bei intraokularen Blu¬
tungen und zwar aus folgenden Gründen: Exstirpation der Schild¬
drüse verursacht bei Tieren Arteriosklerose, Einspritzung von Schild-
driisensaft bewirkt Herabsetzung des Blutdrucks. Endlich beob¬
achtete B. Blutungen der Sehnervenpapille und ihrer Umgebung nach
Exstirpation der Schilddrüse und dadurch bedingte Cachexia strumi-
priva.
Steiner: Die Augenbewegung als Quelle für das Gleich¬
gewicht beim Menschen. 80. Versammlung deutscher Naturforscher
und Aerzte in Köln a. Rh. vom 20. bis 26. Sept. 1908. (Zeitschr. f.
Augenheilk., Oktober 1908, S. 397.)
Nach landläufiger Erfahrung pflegen Tabeskranke schon früh bei
Augen- und Fussschluss zu schwanken (R o m b e r g sches Phä¬
nomen). eine Erscheinung, die auch bei Neurasthenie und Hysterie
beobachtet wird. Fortgesetzte Beobachtungen bei zahlreichen Kopf¬
verletzungen haben ergeben, dass diese Erscheinung auch da häufig
vorkommt, und zwar teils mit, teils ohne Gehörsstörung. Da die ein¬
fache Ausschaltung des Sehaktes allein oder auch in Verbindung mit
einem Hördefekt diese Störung im Gleichgewicht nicht wohl erklären
konnte, musste die Ursache anderswo gesucht werden. Wir wissen,
dass beim Schluss der Augen die Augäpfel eine kräftige Bewegung
nach innen oben ausführen; es war sonach zu prüfen, wie der Ver¬
letzte sich verhält, wenn man ihn statt des Augenschlusses nur Augen¬
bewegungen machen lässt, in der Weise, dass der Blick dem be¬
wegten Finger zu folgen hat. Hierbei stellt sich heraus, dass eine
Reihe dieser Patienten bei Augenbewegungen nicht mehr schwankt,
während eine andere Gruppe genau so schwankt wie bei einfachem
Augenschluss. Bei dieser zweiten Gruppe pflegen die Schwankungen
am grössten zu sein beim Blick gegen das Fenster, sowie beim Blick
nach oben, wenig beim Blick nach unten. Zugleich konnte festgestellt
werden, dass diese Patienten regelmässig auch noch andere Gleich¬
gewichtsstörungen zeigten, so beim Rumpfbeugen und namentlich
auch bei „Kehrt“, wobei die Wendung nach der einen Seite öfter
noch unsicherer war, als nach der anderen Seite. Bei Neurasthenie
und Hysterie fehlen diese Gleichgewichtsstörungen sämtlich auch,
wenn der Augenschluss schwanken macht und hieraus folgt, dass das
Schwanken von Kopfverletzten bei Augenbewegungen keine einfache
psychische Erscheinung, sondern eine materielle Folge der Be¬
wegungen der Augäpfel, dass sonach die Augenbewegungen
eine Quelle für das Gleichgewicht bilden, d. h. eine
unter den Quellen, deren es mehrere geben muss. Es erhebt sich
weiter die Frage, wie im Zentrum die Umsetzung dieser durch die
Augen gegebenen Anregung erfolgt. Aus naheliegenden Gründen
müsste man zunächst an das Ohrlabyrinth denken und durch Unter¬
suchung entsprechender Ohrenkranker der Prüfung unterziehen. Bei
einem Ohrenkranken, dem durch Operation rechtsseitig der hori¬
zontale Bogengang entfernt war, tritt Schwanken ein bei Augen- und
Fussschluss, bei Augenbewegungen, namentlich nach rechts, weniger
nach links, und der Mann hat dabei das Gefühl, wie wenn der Körper
sich um seine Achse drehe, zeigt auch die Störungen bei Rumpfbeuge
und bei „Kehrt“; in letzterem Falle namentlich nach der rechten Seite.
Hieraus folgt die Bestätigung der Vermutung, dass das Ohrlabyrinth
die gesuchte Rolle spielt, aber ohne Mitbeteiligung des rein akusti¬
schen Anteils des Ohres. Endlich sei bemerkt dass das Kleinhirn —
auch eine Quelle für das Gleichgewicht — hier unbeteiligt ist, da die
den Kleinhirnerkrankungen folgenden Gleichgewichststörungen durch
Augenschluss nicht verstärkt werden.
Königshöfer: Zur spezifischen Therapie des beginnenden
Altersstars. (Die ophthalmologische Klinik 1908, No. 18/19, S. 545.)
Bei der 35. Versammlung der ophthalmologischen Gesellschaft
zu Heidelberg hat, wie seiner Zeit hier berichtet wurde, Professor
Römer- Greifswald über seine Versuche referiert, durch Fütterung
mit einem aus tierischen Linsen hergestellten Organpräparat der Ent¬
wicklung des subkapsulären Altersstars entgegenzuwirken. Königs¬
höfer berichtet nun, dass er von ähnlichen Voraussetzungen aus¬
gehend, wie Römer, schon in der Zeit vom Oktober 1897 bis
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23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
419
April 1901 ähnliche Versuche gemacht habe. Er habe damals durch
die Firma Ed. L ö f 1 u n d und Co. eine grosse Menge tierischer
Linsen in der Weise verarbeiten lassen, dass durch ein Verfahren,
bei welchem die biochemische Zusammensetzung der Linsensub¬
stanz möglichst nicht geändert wurde, diese Linsensubstanz in ein
vveisses, geruch- und geschmackloses Pulver verarbeitet wurde. Mit
diesem Pulver hat K. eine mässige Anzahl Starkranker behandelt und
bei einzelnen die Behandlung durch 3 und 4 Jahre fortgesetzt. Da
aber die Resultate einer strengen Kritik nicht standhielten, weil die
vielleicht beobachtete Verlangsamung der Kataraktentwicklung, so¬
wie die konstatierten vorübergehenden Besserungen nicht derart
waren, dass sie nicht auch spontan entstanden sein konnten, so setzte
K. die Versuche nach dem Jahre 1901 nicht mehr fort, da er mit der
inzwischen instituierten Behandlung beginnender Katarakte mit Jod¬
präparaten in einer grossen Anzahl von Fällen zufriedenstellende
Erfolge erzielte. K. veranlasste indes ietzt neuerdings die Firma Löf¬
lund, die Herstellung präparierter Linsensubstanz wieder aufzij-
nehmen und gegen Ersatz der Selbstkosten auch an andere Augen¬
ärzte abzugeben. Denn nur dann können in dieser Frage rasch ein
definitives Urteil gefällt werden, wenn die Versuche, von möglichst
vielen Kollegen gleichzeitig gemacht werden können.
K ö 11 n e r: Gefährdung der Hornhaut durch die Exstirpation
des Ganglion Gasserl. (Sitzungsbericht der Berliner ophthalmol.
Gesellschaft vom 22. Oktober 1908.)
Von 12 untersuchten Fällen waren in 10 Fällen Hornhaut¬
erkrankungen aufgetreten und bei diesen die Sensibilität völlig er¬
loschen, während sie bei den beiden intakt gebliebenen Fällen normal
war. K. fasst die Hornhauterkrankung nicht als Nekrose auf, son¬
dern ist der Anschauung, dass es sich vielmehr um Epithelläsionen
handle, die häufig infiziert werden, aber auch in normaler Weise heilen
können. Da jedoch solche Läsionen auf die Dauer nicht zu vermeiden
sind, so ist die Prognose für die Hornhaut nicht günstig, daher bei
der Indikation für die Operation wohl zu berücksichtigen. — In der
Diskussion wird erwähnt, dass F. Krause bei einem Material von
65 Operierten meistens die Hornhauterkrankung gesehen habe, sie
seien jedoch alle geheilt bis auf zwei, dem Müllergewerbe ange¬
hörenden Kranken.
Ammann: Neues Hellungsverfahren beim Herpes corneae
febrllis. (Archiv f. Augenheilk., Bd. LXI, 2. 3. Heft.)
Verl, empfiehlt die leichte Kauterisation der Herpesfiguren mit
der elektrischen Qlühschlinge. Hiedurch wird nach seinen Er¬
fahrungen in unkomplizierten Fällen fast regelmässig in 2—3 Tagen
eine vollkommene Epithelisierung herbeigeführt. Es soll die ganze
Ausdehnung des Herpesgeschwüres mit nur ganz schwach rot¬
glühender Schlinge leicht betupft werden. Nach vollendeter Kauteri¬
sation kratzt Verf. mit der kalt gewordenen Schlinge den leichten
Brandschorf ab, da die manchmal nur langsam vor sich gehende
spontane Abstossung die Heilung verzögere.
Galczowsky: Die Behandlung von Hornhauttrübungen mit
Thloslnamln. (Recueil d’Ophthalm., Juni 1908.)
Verf. hat Thiosinamin in Form von Augenbädern angewandt und
zwar mit 5 proz. Lösung beginnend und bis zu 15 proz. steigend. Die
Anwendung geschah je nach der Schwere des Falles 1—2 mal täglich
je 5 Minuten lang. Die Lösungen wurden fast immer, auch ohne
Kokainanwendung, gut vertragen, nur gelegentlich zwangen leichte
Reizungen dazu, die Bäder einige Tage auszusetzen. Die Resultate
waren fast immer befriedigend, manchmal aber geradezu glänzend.
G. hat beobachtet, dass Hornhauttrübungen nach Keratitis
parenchymatosa sich durch Thiosinamin langsamer aufhellten als
solche nach Hornhautgeschwüren. Bei Kindern kann man die Lö¬
sung einträufeln.
W o 1 f f b e r g: Ein Opto-Sphärometer. Neue Methode zur
approximativen Ausmessung sphärischer, zylindrischer, prismatischer
und kombinierter Brillengläser. (Wochenschrift für Therapie und
Hygiene des Auges. Jahrg. XI. No. 46—49, 1908.)
Zur Bestimmung des Brechungswertes eines Brillenglases ist für
den Augenarzt die Verwendung eines maschinellen Sphärometers,
wie ihn der Präzisionsoptiker gebraucht, nicht erforderlich. Meistens
geschieht die Bestimmung der Nummer eines gegebenen sphärischen
Glases in der Weise, dass man das eben dieses Glas zu Plan^las
korrigierende Konkav- oder Konvexglas aussucht, dessen Dioptrien¬
wert bekannt ist. Schwierigkeiten macht die Bestimmung eines mit
Zylinder kombinierten Glases. Ein sehr brauchbarer und billig zu
beschaffender Apparat ist der sinnreich konstruierte Opto-Sphäro¬
meter von Wolffber" Dieser besteht aus einer Papptafel, auf
welcher eine Skala zu Ausmessung der verschiedenen Arten von
Brillengläsern eingezeichnet ist. Diese Skala hat als Visierobjekt eine
vertikale schwarze Linie auf weissem Grunde von einem halben
Zentimeter Breite. Letztere ist gewählt, damit bei stärkeren Konkav¬
gläsern, welche das Objekt verkleinern, die Beobachtung nicht er¬
schwert werde. Die beiden Enden sind pfeilartig abgeschrägt, um
durch die so entstehenden Spitzen diejenige seitliche Begrenzung der
Linie anzuzeigen, welche für die Abmessung der Verschiebung mass¬
gebend sein soll. Die Länge der Probelinie beträgt 18 cm von Spitze
zu Spitze. Dieses Mass ist willkürlich gewählt. Dagegen müssen
von der durch die Mitte des „Pfeils“ gelegten Horizontalen die ober¬
halb und unterhalb dazu angebrachten Parallelen mindestens 7 cm
abstehen. Beliebig darüber und darunter wird je eine rote Parallele
gelegt. Links vom Pfeil befinden sich 4, rechts 20 oben und unten mit
Ziffern bezeichnete schwarze Vertikel, im Abstand von je 13 mm.
Das Vorgesetzte D kennzeichnet die Ziffern als Dioptrien (+ = kon¬
vex, — = konkav). Rechts von Spitzen des Pfeils befinden sich 1Ü
kürzere rote vertikale Linien in Abständen von je V/a mm. Das Vor¬
gesetzte Pr. kennzeichnet die der roten Vertikalen beigefügten
Nummern als Prismagrade, d. h. die Verschiebung, welche der Pfeil
durch Prismen erfährt, ist auf den oberen und unteren Roten, —
welche er durch sphärische Gläser erfährt, auf der oberen und
unteren Schwarzen angemerkt. Ausserdem ist rechts vom Pfeil,
dicht an der Linie — 1 d eine 2 cm hohe, 4 mm breite rechteckige
Figur eingezeichnet, welche durch die mittlere Horizontale halbiert
wird und deren obere Hälfte rot, deren untere Hälfte grün gefärbt
ist. Diese Figur dient dazu, die Umkehr des Bildes bei stärkeren
Konvexgläsern und die Raddrehung bei Zylindergläsern zu erkennen.
— Das dem Opto-Sphärometer beigegebene blaue Hilfsglas
von 35 mm dm. ist bei einfachen Prismen und bei runden Brillen
von 35 mm dm., wie sie in den meisten Brillenküsten der Augenärzte
vorhanden sind, unnötig, ln allen übrigen Fällen hat die Ablesung in
der Weise zu geschehen, dass man Brillenglas und Hilfsglas (Zentrum
auf Zentrum) aufeinanderlegt und nun durch beide gleichzeitig hin¬
durchsieht.
Die Entfernung des Objektes, resp. der das Objekt
zeigenden Tafel vom Auge des Untersuchers soll 1 m be-
ragen. Man wählt am besten 1 m entfernt vom gewöhnlichen
Ordinationsplatz eine gut beleuchtete Stelle, von welcher etwas unter¬
halb der Augenhöhe die Probetafel angebracht wird.
Die Entfernung des Probeglases vom Auge soll
25 cm betragen, damit es möglich ist, mit ein und demselben Auge
sowohl die Pröbelinie selbst als das Bild derselben im Probeglase zu
sehen. Presbyopie des Untersuchers muss korrigiert sein.
Dem Opto-Sphärometer ist eine Gebrauchsanweisung
beigegeben.
Als Beispiele über die Art des Vorgehens im einzelnen Falle
seien hier nur angeführt: Bestimmung des Grades eines prismatischen
Glases. Man hält das Prisma in 25 cm Entfernung vom Auge mit
der Kante genau nach rechts, so dass die im Prisma sichtbare mittlere
schwarze Horizontale in die Verlängerung derjenigen des Opto-
Sphärometer selbst fällt. Von dem Pfeilbilde sieht man im Prisma
nur ein ebenfalls vertikal gerichtetes Stück; der rechte Rand des¬
selben trifft in seiner Verlängerung nach oben oder unten eine der
roten Vertikalen, welche den entsprechenden Prismagrad angibt.
Konkavgläser: Bewegt man das Glas in der Horizontalen
seitlich nach rechts, so geht das Pfeilbild ebenfalls mit dem Glase
nach rechts, nähert sich dabei allmählich dem linken Rande des
Glases, um an demselben schliesslich zu verschwinden. Diesen Mo¬
ment hat man abzupassen, das Glas still zu halten und nun scharf an
seinem hinteren Rande vorbei nach dem Opto-Sphärometer zu
visieren. Die Visierlinie trifft auf eine den den Dioptrienwert an¬
gebenden schwarzen Vertikalen oder zwischen zwei solche. Die
Zwischenräume gestatten eine Abschätzung nach Augenmass auch auf
Teile von Dioptrien.
Konvexgläser: Bewegt man das Glas seitlich nach rechts,
so geht das Pfeilbild nach links und umgekehrt. Die Ablesung erfolgt
entsprechend wie bei den Konkavgläsern, nur dass bei horizontaler
Rechtsbewegnng des Glases das Pfeilbild zwar ebenfalls am linken
Rande verschwindet, die Visierlinie aber nur auf den links vom Pfeil
befindlichen Teil des Opto-Sphärometers hinweist. Ist das Konvex¬
glas stärker als 4 d, so erkennt man dies sofort an der Umkehr des
Bildes. Die rotgrüne Figur zeigt dann unten rot. oben grün und liegt
links vom Pfeil. Man muss dann am rechten Rande vorbei¬
visieren, um den Dioptrienwert abzulesen.
Zylindergläser unterscheiden sich von den sphärischen
sofort, wenn man ihnen Raddrehung gibt. Letztere lassen die
Richtung des Pfeiles unverändert, während Zylindergläser den Pfeil
zuerst nach rechts oder links und dann wieder zurück ins Lot drehen.
Hält man das Zylinderglas mit der Achse horizontal, so bringt seine
Seitwärtsbewegung keinerlei Verschiebung des Pfeiles hervor; hält
man das Glas bei der Seitwärtsbewegung mit vertikaler Achse, so
tritt Verschiebung des Pfeiles auf, welche die Ablesung des Dioptrien¬
wertes am Opto-Sphärometer ermöglicht. Rhein.
Inauguraldissertationen.
Universität Jena. Januar 1909.
Stütz Ludwig: Ueber den Einfluss von Körperarbeit und Ueber-
wärmung auf die Zuckerassimilationsgrenze eines gesunden
Menschen. Ein Beitrag zur alimentären Glykosurie.
Scharff Ernst: Ein Fall von Blasenlähmung nach willkürlicher
Urinretention bei Diabetes insipidus.
Stritt Walter: Ueber die Giftwirkungen der als Düngemittel ver¬
wandten Zyanverbindungen und ihrer Zersetzungsprodukte.
Kögel Hans: Ueber das pharmakologische Verhalten der Methyl-
morphimethine.
Rosenthal Julius: Ueber sekundäre chronische Pankreatitis im
Anschluss an Gallensteinleiden.
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420
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
Vereins- und Kongressberichte.
Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden.
(Offizielles Protokoll.)
VII. Sitzung vom 28. November 1908.
Vorsitzender: Herr Schmorl.
Vor der Tagesordnung:
Herr Kräf demonstriert ein Präparat: Operierte Prostatahyper¬
trophie.
Tagesordnung:
Herr Pässler: Demonstration eines Falles von Paramyoklonus
multiplex.
Der Fall entsprach aufs vollkommenste dem von Friedrich
aufgestellten Typus. Irgendwelche hysterische Symptome, ebenso
Epilepsie fehlten vollständig. Die Erkrankung war im Knabenalter
nach einem mittelschweren Scharlach aufgetreten, bestand aber zu¬
nächst jahrelang in so massiger Intensität, dass sich der Patient dem
Schreiberberufe widmen konnte. Erst nach 8 jährigem Verlauf war
eine Steigerung eingetretem, welche den Patienten zum berufsmässigen
Schreiber untauglich machte. Alle bisher empfohlenen therapeutischen
Massnahmen zeigten sich wirkungslos.
Diskussion: Herr H. Haenel hat einen gleichen Fall be¬
obachtet, bei -dem der Paramyoklonus besonders die Nacken- und
Halsmuskulatur betraf, intermittierend stärker und schwächer wurde,
den Höhepunkt stets vor und bei dem Einschlafen erreichte und da¬
durch den Schlaf sehr störte. Auch die Bauch- und Atemmuskulatur
war befallen, so dass es zum Singultus und Ruktus kam.
Herr Schlippe: Pseudospastische Parese mit Tremor und
saltatorischem Reflexkrampf. (Mit Demonstration.)
Patient ist nervös belastet, ist Schnapstrinker und hat bereits vor
dem zu der jetzigen Erkrankung führenden Unfall einmal einen. „Ohn-
machtsanfall“. August 1907 Verschüttung des Oberkörpers in einer
Sandgrube. Darnach anfangs vollkommene Stummheit und Arm¬
lähmung ohne Symptome, die auf eine schwerere organische Hirn-
und Rückenmarksverletzung schliessen liessen. Nach einigen Tagen
Besserung und Entwicklung des jetzt noch bestehenden motorischen
Symptomenkomplexes: Schwäche in den Extremitäten, Neigung zu
Zittern, dabei bis zu Schmerzen sich steigerndes Muskelspannungs¬
gefühl. Der Qrad dieser Störungen ist sehr wechselnd, immer
schwerer nach Aufregungen und Anstrengungen, bei welchen Patient
auch die „Ohnmachtsanfälle“ bekommt. — Befund: Schütteltremor
mit deutlichen, bis zu Bewegungsbeschränkung führenden Muskel¬
spannungen in beiden Armen. Bei Erregung auch in der Nacken¬
muskulatur sowie in den Beinen. Für gewöhnlich zeigen die Beine
beim Liegen und Sitzen keine Störungen, sobald Patient jedoch auf¬
steht, geraten die Beine in hochgradige zuckende und schüttelnde
Bewegungen, so dass er tanzende Bewegungen ausführt und nicht
allein stehen kann. Dabei bestellen deutliche sicht- und fühlbare
Spannungszustände in den Muskeln. Sensibilität: Genau am Rumpf
aufhörende Hyp- resp. Anästfiesie des linken Beines und beider Arme
für alle Empfindungsqualitäten. Sehnen- und Hautreflexe alle auslös¬
bar, nicht gesteigert; Achillesreflexe sogar nur mit Jendrassik. Him-
nerven und Sinnesorgane ohne Störungen. Innere Organe gesund.
— Während der seitherigen einwöchigen Behandlungszeit zwei sicher
hysterische Anfälle, sonst aber unter Chloralhydrat und Brom Bes¬
serung, so dass der Tremor nur beim Gehversuch auftritt und die
Muskelspannungen geringer sind. — Diagnose: Pseudospasti¬
sche Parese mit Tremor (Fürstner-Nonne) als hervor¬
stechender Symptomenkomplex einer traumatischen Hysterie. Die
Kenntnis dieser Symptomengruppierung, die ohne sonstige hysterische
Erscheinungen allein beobachtet werden kann, ist wichtig zur Unter
Scheidung von meist posttr aumatisch er Krankheitssimulation. Be¬
merkenswert ist, dass jetzt, so lange Patient nicht gerade erregt ist.
das typische Bild des saltatorischen Reflexkrampfes allein besteht,
woraus als Bestätigung der neueren Anschauung folgt, dass wir es
bei dem saltatorischen Reflexkrampf nur mit einer Teilerscheinung
der Hysterie zu tun haben. In unserem Fall konnte die sonst
meist beobachtete und mit der Entstehung des Reflexkrampfes in ur¬
sächlichem Zusammenhang gebrachte Sehnenreflexsteigerung nicht
nachgewiesen werden.
Diskussion: Herr Graupner schliesst sich der Diagnose
des Vortragenden ih dem vorgestellten Falle an; er erinnert an die
von Charcot angegebenen Methoden zur Unterscheidung der ver¬
schiedenen Tremorarten nach ihrer Frequenz.
Herr Osterloh: Demonstration von Abnabelung.
Herr Osterloh stellt einen 4 Tage alten Säugling vor, bei
dem die Abnabelung nach dem Vorgang von K r ö n i g und S c h a u t a
erfolgt war. Unmittelbar über dem Hautansatz wird die Nabelschnur
mit einer Arterienklemme abgeklemmt und direkt über ihr abge¬
schnitten. Die Klemme bleibt 10 Minuten Hegen; sollte, wie in
seltenen Fällen beobachtet, dann etwas Blut sickern, wird die Klemme
nochmals für 10 Minuten angelegt. Auf die Stelle wird sterile Gaze
mit einer Binde befestigt; die Kinder dürfen nicht gebadet werden.
Der Schorf fällt am 4.-8. Tage ab; die Heilung erfolgt fast stets
lineär. Der Vortragende hält die Methode für den besten Schutz vor
Nabeleiterung.
Herr Just: Ein geheilter Fall von Hirnabszess.
Vortr. berichtet über einen Fall von Hirnabszess, dessen Auf¬
findung beträchtlichen Schwierigkeiten begegnete. Pat. litt seit zwei
Jahren an doppelseitiger Nasenuebenhöbleneiterung und seit einigen
Wochen an Otit. med. acut, dextra kompliziert durch Mastoiditis.
5 Wochen nach der Aufmeisselung, bei der die Dura der mittleren
sowohl wie hinteren Schädelgrube gesund befunden worden war.
traten plötzlich Schwindel, taumelnder Gang, Fallen nach links, hef¬
tige Kopfschmerzen, Erbrechen und Pulsverlangsamung auf. Rechtes
Mitteiohr und Labyrinth frei von entzündlichen Erscheinungen, Ope¬
rationswunde nahezu ausgeheilt. Während der nächsten 6 Tage trotz
genauester Beobachtung keine Herdsymptome zu finden, dagegen Zu¬
nahme des Hirndruckes, Trübung des Sensoriums, Somnolenz wech¬
selnd mit motorischer Unruhe, kein Fieber, keine meningitischen
Symptome. Wahrscheinlichkeitsdiagnose: Abszess des rechten Zere-
bellum. Trepanation auf das Kleinhirn ergebnislos.
Der profuse Eiterausfluss aus der Nase und rasender Stirnkopf¬
schmerz erweckten Verdacht auf Stirnhöhleneiterung, Durchbruch der
Hinterwand des Sinus frontalis und Frontallappenabszess. Exakte
Untersuchung der Nebenhöhlen war bei den Jaktationen des Kranken
nicht mehr möglich. Bei der Probeeröffnung erwies sich die rechte
Stirnhöhle als gesund. (Die Eiterung ging, wie sich später zeigte,
von den Siebbeinzellen aus.) Bei der nunmehr vorgenommenen brei¬
ten Freilegung des rechten Temporallappens fand sich eine umschrie¬
bene Verwachsung der Dura mit dem Knochen am Dache des Aditus
und im Schläfenlappen ein Abszess von 5—6 cm Länge und 2—5 cm-
Tiefe. Drainage mit Gummidrain. Kein Prolaps. Nach 4 Wochen
Abszess geschlossen. Glatte Heilung, keine Ausfallserscheinungen.
Der Fall ist jetzt 2 Jahre lang unter dauernder Beobachtung.
Herr Werther demonstriert 3 Lupusfälle, behandelt mit Licht'
und Röntgenstrahlen. A
F a 11 1. 36 jährige Strickerin H., seit dem 2. Lebensjahr Knötchen v
am Ohr, die sich allmählich auf die ganze linke Wange, von der
Haargrenze bis zum Unterkieferrand und auf den Hals unter dem
Ohr ausbreiteten. Seit 5 Jahren ein Herd an der Stinnhaargrenze.
Vor 5 Jahren anderswo mit Röntgenstrahlen ein Jahr hindurch an¬
geblich ohne Erfolg behandelt. Aufnahme ins Krankenhaus 22. II. 07.
Form des Lupus: flache schuppende Knoten. Entlassung am 30. VI. 07
geheilt, nach ausschliesslicher Behandlung mit der medizinischen
Quarzlampe, Blaulicht, in 24 Sitzungen ä Vs Stunde. Die
Lampe wurde auf die kranke Haut gepresst, am Ohr, soweit dies mög¬
lich war.
Die Heilung hat bisher angehalten. Die Haut ist glatt. Keine
entstellende Narbe.
Fall 2. 20jährige Wirtschaftsgehilfin D. Beginn vor 5 Jahren
am Hals und an der Nase. Bei der Aufnahme (30. VIII. 1907) ist
das Gesicht (Wangen und Stirn) symmetrisch befallen, von zahllosen,
teils dispersen, bis linsengrossen, teils konfluierten Knoten; an Nase
und Wangen, besonders unter den Augen, blaurotes Oedem (De¬
monstration der Moulage). Nebenbei Lupus der Rachen- und Nasen¬
schleimhaut, Tränensackeiterung und einzelne Lupusherde an den
Extremitäten. Entlassung; geheiltam8. I. 08nach83Finsen-
sitzungen. Die Heilung hat bis jetzt angehalten; von weitem ist
an der Haut nichts abnormes wahrzunehmen. Bei scharfem Zusehen
bemerkt man atrophische Flecken. Etwas Oedem unter den Augen
besteht noch.
Fall 3. 48jährige Arbeiterin K. Sehr kräftige Frau. Beginn
des Lupus vor 24 Jahren an der rechten Hand (sie war damals
10 Jahre hindurch Melkerin). Vor 6 Jahren im Gesicht. Bei der
Aufnahme am 1. VIII. 08 ausgebreiteter serpiginöser Lupus an beiden
Handrücken, Fingern und Unterarmen. Im Gesicht: Nase, Stirn. Wan¬
gen und Lider befallen. Ueberall schuppend, keine hohen Konglo¬
merate und keine Geschwüre. Neigung zur Spontanheilung ersichtlich.
Kontrakturen an den Fingern. Behandlung vorwiegend mit
Röntgenstrahlen, wodurch im Vergleich zur Finsenbehandlung
viel Zeit gespart wurde. Gesicht und Handrücken wurden in eine
Anzahl Bezirke geteilt und dreimal „durchgeröntgent“: jeder Bezirk
10—15 Minuten, 15—20 cm Entfernung Hautantikathode, 7— V/s A.
primärer Strom, mit mittelweichen Röhren (8V2 —10 Wehnelt). Nach
jeder Gesamtbestrahlung 3—4 Wochen Pause. Es trat nach 1—2 Wo¬
chen eine Reaktion in Gestalt von Entzündung, Exsudation und Ero¬
sion ein.
Der in kurzer Zeit erreichte günstige Erfolg wird demonstriert
im Vergleich zur Photographie vom 1. VIII. 08. UcberaU ist eine
leicht atrophische Haut mit nur vereinzelten Knötchen sichtbar.
Diskussion: Herr Fr, Schanz: Bei der Beurteilung der
Tiefenwirkung der verschiedenen Lampen kommt es auf deren Reich¬
tum an ultravioletten Strahlen an; diejenigen von 350—400 ßß Wellen¬
länge sind diejenigen mit der grössten Tiefenwirkung.
Herr Werther demonstriert ferner 3 Fälle, die sich durch Kur¬
pfuscherbehandlung geschadet haben.
Fall 4. 32jähriger Kaufmann F. Aufgenommen 3. XI. 08 in
elendem, fiebernden Zustand, schwerer rupiöser Ausschlag am Körper,
das Gesicht durch den Verlust der Nase und dicke Borkenauflage¬
rungen entstellt. Rachen und Gaumen nicht befallen. Patient hat
Syphilis seit Juni 1907, die sich von vornherein bösartig erwies. Er
hat auswärts zwei lange Kuren (kombiniert Hg und As) gemacht.
4 Wochen nach Beendigung der zweiten Kur, Mitte Juli 1908, Knoten
an der Nase. Patient Hess sich im August und September durch den
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23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
421
Kurpfuscher Schaaf in Radebeul behandeln, im Oktol>er durch einen
ärztlichen Homöopathen, welcher erst Hydrocotyl. asiat., dann Sy phi¬
lin (Präparat aus der Reihe der Fluoralbin, Morbillin, Pulexin etc.)
verordnete. — Am 3. XI. 08 wurde er im Krankenhaus aufgenommen:
die Zerstörung der Nase war beständig vorgeschritten, sie war wie
vom Oberkiefer abgetragen. Seitdem bekommt Patient Hg salicylic.
0,05 2 mal wöchentlich: er verträgt das Präparat gut, das Fieber ist
allmählich abgefallen* so dass er im Sitzungslokal demonstriert werden
kann, es ist Rückgang der Symptome überall erkennbar. Wenn der
Kranke rechtzeitig und genug Hg bekommen hätte, so wäre
seine Nase gerettet worden.
Fal 1 5. Schwerer Lupus des Gesichts bei 22jährigem Mädchen,
der vor 9 Jahren begonnen hat. Nase wie abgeschnitten, Geschwüre
an den Lippen, Zunge, Gaumen, Zerstörungen, wie sie hoffentlich in
Zukunft nicht mehr Vorkommen werden! Schwere Lungenerkran¬
kung. Patientin hat sich 1900—1902 von Jürgensen in Herisau
brieflich behandeln lassen. Als die Geldmittel erschöpft waren, hat
sie nur noch Hausmittel angewendet.
Fall 6. 36jähriger Beamter F. Ein Lupus vortäuschen¬
des Spätsyphilid des Gesichtes, welches Nase, Oberlippe und
rechte Wange einnimmt, aus Knoten und Geschwüren besteht und De¬
fekte an den Nasenflügeln gesetzt hat. Es begann im August 1907.
Der Kranke wurde aufgenommen am 26. XI. 08. Die Diagnose wurde
auf Syphilis gestellt, wegen der im Vergleich zum Lupus raschen Aus¬
breitung, wegen des spontanen Abheilens mit Narben im Zentrum
und des peripheren Fortschreitens und wegen des scharfrandigen (wie
ausgestanzt!) Zerfalles der peripheren Knoten. Der Diagnose fehlte
jede anamnestische Stütze. Der Kranke hat vom Mai ab in einem
Lichtheilinstitute 112 Scheinwerfersitzungen (sog. „Blaulichtbehand-
hrng“) genommen. Das Leiden ging immer weiter. Es ist mit Sicher¬
heit Heilung in 6 Wochen vorauszusagen. Er soll Sol. Gilbert be¬
kommen (Hg bijodat. 0,1, Kal. jod. 10, Syr. 30, Aq. ad 200, 2 Ess¬
löffel täglich).
Diskussion: Herr v. Mangoldt fragt, ob die histologische
Untersuchung die sichere Diagnose des Lupus ermöglicht oder ob
dies, wie es nach dem Vortrag erscheint, zweifelhaft und Verwechs¬
lung mit Syphilis möglich ist.
Herr K r ä f berichtet kurz über operierte Fälle von Lupus und
Karzinom.
Herr Schmarl: Das Vorhandensein von Riesenzellen in
Knötchenform gibt noch keinen sicheren Anhaltspunkt für Tuberkulose,
sondern dem ähnliche Strukturen kommen auch bei anderen Erkran¬
kungen vor. Er warnt vor „kurpfuscherischen“ mikroskopischen
Diagnosen und berichtet über einige selbst erlebte Fälle der Art.
Herr v. Mangoldt tritt für die operative Behandlung be¬
ginnender LupusfäLle ein, sobald die Exzision im Gesunden ohne Ent¬
stellung möglich ist.
Herr Werther schliesst sich im Prinzip der letzteren Be¬
merkung an, bittet nur, die Nase davon zu verschonen, — Auch
Apotheken stellen nicht selten unverantwortliche mikroskopische Dia¬
gnosen, die zu schweren Schädigungen führen können.
Herr Schmorl: Selbst bakteriologische Diagnosen wer¬
den von „wilden“ Laboratorien gestellt. Hier liegt eine Aufgabe für
den ärztlichen Bezirksverein.
Herr Panse: Der ärztliche Bezirksverein wird sich einer sol¬
chen Aufgabe gern unterziehen, wenn ihm Fälle bezeichnet werden.
Herr Stahl berichtet über eine Beobachtung-, die er in der
gegenwärtigen Ausstellung gegen Kurpfuscherei gemacht hat.
Herr v. Mangoldt: Bei beginnendem Lupus auch auf dem
Nasenrücken empfiehlt er doch die Operation.
Wissenschaftliche Vereinigung am städt. Krankenhaus
zu Frankfurt a. M.
(Fortsetzung.)
Sitzung.vom 6. Oktober 1908.
Vorsitzender: Herr H e r x h e i m e r.
Schriftführer: Herr Bingel.
Herr H. Sachs berichtet über den Einfluss der Verdünnung des
Organextraktes auf die Wassermann sehe Syphlllsreaktlon. In
Gemeinschaft mit Dr. R o n d o n i wurde festgestellt, dass sich Ver¬
dünnungen der alkoholischen Organextrakte mit physiologischer
Kochsalzlösung unterscheiden, je nachdem eine rasche Mischung er¬
folgt oder die physiologische Kochsalzlösung langsam (fraktioniert)
zugegeben wird. Im ersten Falle resultiert eine fast klare, im zweiten
eine mehr oder weniger milchig-opaleszente Lösung. Die verschie¬
denen Verdünnungen unterscheiden sich auch, trotz ihrer identischen
Zusammensetzung in chemischer Hinsicht, in ihrem Verhalten bei der
Wassermann sehen Reaktion. Mit zunehmender Fraktionierung
beim Verdünnen steigt die Reaktionsfähigkeit ganz erheblich. Im
Anschluss an eine Demonstration der einschlägigen Versuche wird auf
die Bedeutung dieses Befundes für die Theorie und Praxis der Sero¬
diagnostik der Syphilis hingewiesen.
Herr Seiffert: Ueber den Bordetscheu Keuchhustenerreger.
(Erschien in extenso in No. 3 d. W.) ...
Diskussion: Herr Ne iss er hält den Bordetbazillus für
sicher verschieden von den influenzaähnlichen Bazillen und den ande¬
ren in der Literatur beschriebenen Keuchhustenerregern. Die kul¬
turellen und serologischen Befunde sprechen für die ätiologische Be¬
deutung des Bordetbazillus. In dem erwähnten Sektionsfalle Hessen
sich auch influenzaähnliche Stäbchen neben den Bordetbazillen aus
der Lunge züchten. Die eigentümliche Bedeutung der influenza¬
ähnlichen Stäbchen beim Keuchhusten bedarf noch der Aufklärung.
Herr Herxheim er, Herr S e i f f e r t.
Herr Kleist: Ueber Bewegungs- und Sprachstörungen bei
Geisteskranken.
Eigenartige Störung der Motilität und der Sprache wurden zu¬
erst von K a h 1 b a u m bei Geisteskranken beschrieben. K a h 1 -
bau ms katatonische Erscheinungen bilden aber nur einen Teil der
psychomotorischen Symptome überhaupt, die in ihrem ganzen Um¬
fange erst von W e r n i c k e erkannt wurden. Es handelt sioh teils
um die vom Willen der Kranken unabhängige Bewegungslosigkeit und
Stummheit, der eine Unfähigkeit zu Bewegungen und zum Sprechen
zugrunde liegt, teils um einen, ebenfalls vom Willen unabhängigen
Bewegungs- bezw. Rededrang — also um Erscheinungen psycho¬
motorischer Akinese und Hyperkinese. Nach der Theorie Wer-
n i c k e s werden diese Störungen durch Erkrankungen transkortikaler
Bahnen zwischen den motorischen Rindenzentren und den Substraten
der Zielvorstellungen verursacht
Die Untersuchungen des Vortragenden bemühen sich um eine
genauere Beschreibung der psychomotorischen Erscheinungen und
zielen auf ein näheres hirnpathologisches Verständnis derselben ab.*)
Die Bewegungsunfähigkeit der akinetischen (psychomoto¬
rische Apraxie bezw. Aphasie — nach der vom Vortragenden vor¬
geschlagenen Benennung) äussert sich in einem Ausbleiben oder einer
Verspätung, Schwäche und Unstetigkeit der Innervation der richtigen
Muskeln, während andere Muskeln, besonders die Antagonisten der
zu innervierenden Muskeln in eine tonische Spannung geraten.
Ueberhaupt gehen neben der Akinese Formveränderungen einher:
meist als tonische Spannungen bezw. wächserne Biegsamkeit, aber
auch als Hypotonie.
In der Verbindung von Akinese und Asthenie mit Tonusver¬
änderungen drückt sich eine Verwandtschaft dieser Bewegungs¬
störungen mit den Motilitätsstörungen bei Kleinhirnerkrankungen, bei
Affektionen der Bindearme der frontopontinen Bahnen und des Stirn¬
hirns aus.
Ebenfalls auf das Stirnhirn-Kleinhirnsystem verweist die Ana¬
lyse der hyperkinetischen Erscheinungen. Die Bewegungen
psychomotorisch erregter Kranker (die sog. Pseudospontanbewe¬
gungen) ähneln in ihrer Form oft choreatischen oder athetotiseben
oder Zwangsbewegungen, und in schweren Erregungszuständen ent¬
wickelt sich oft aus der psychomotorischen Hyperkinese eine echte
choreatische Bewegungsunruhe, bezw. es treten wirkliche Zwangs¬
bewegungen auf. Wie bei der Chorea zeigen auch die hyperkineti¬
schen Kranken Mitbewegungen. Ebenso wie man bei der Chore*
neben den Zuckungen eine eigenartige Ataxie findet, so bildet sich bei
schwerer Hyperkinese eine Störung der willkürlichen Beweglichkeit
aus, die mit der psychomotorischen Apraxie (bezw. Aphasie) der
Akinetischen wesenverwandt ist. Diese Analogien zwischen der
hyperkinetischen Bewegungsstörung und den klinischen Erscheinungen
bei Läsionen innerhalb des Kleinhirn-Stirnhirnsystems und speziell
mit der Chorea (Bindearme!) lassen vermuten, dass bei psycho¬
motorischer Hyperkinese besonders die Zuleitung der vom Klein¬
hirn her der Motilität zufliessenden Erregungen an zentraler Stelle
gestört ist.
Die Krankheitsprozesse, die zu psychomotorischen Störungen
führen, sind daher in der S t i r n h i r n r i n d e anzunehmen. Wer.
mickes Lehre von der transkortikalen Natur dieser Motilitats-
symptome stimmt insofern nicht, als die transkortikale motorische
Aphasie und die transkortikale Apraxie Li epm an n s von der
psychomotorischen Aphasie bezw. Apraxie verschieden sind.
Weitere Beobachtungen von Apraxiefällen (Hartmann, Vortr.,
Goldstein) haben aber gezeigt, dass auch Apraxien Vorkommen,
die der psychomotorischen Apraxie der Geisteskranken viel näher
stehen (mehr Erscheinungen von Akinese und tonische Symptome).
Und Hartmann hat nachgewiesen, dass in seinen beiden Fällen ein
Stimhirnherd der Apraxie zu gründe lag.
Diese Befunde sprechen von neuem zu» gunsten der Stirnhirn¬
lokalisation der psychomotorischen Störungen. Sie zeigen aber auch,
dass in der Theorie W e r n i c k e s doch etwas richtiges steckt;
zwar nicht transkortikale Störungen der Motilität schlechthin, wohl
aber die — im Einzelnen noch zu studierenden — frontalen Apraxien
cinH nsvehrvmotorischen Bewegungsstörungen verwandt.
Herr Böhme demonstriert:
1. Einen Fall von Konusverletzung.
2. Einen Fall von neurogener Muskelatropnie.
*) Die „Untersuchungen zur Kenntnis der psychomotorischen
Bewegungs- und Sprachstörungen“ des Vortragenden (Leipzig 1908)
behandeln im wesentlichen die akinetischen Zustände. Eine weitere
Arbeit über die hyperkinetischen Zustände erscheint demnächst.
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422
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
Naturhistorisch-Medizinischer Verein zu Heidelberg.
(Medizinische Abteilung.)
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 17. November 1908.
Herr J. Ho ff mann: Demonstrationen:
1. eines Knaben von 9 Jahren mit starker Parese aller kleinen
Handmuskeln beiderseits, verbunden mit Atrophie und par¬
tieller Entartungsreaktion ohne fibrilläre Zuckungen und
ohne Sensibilitätsstörungen; Periostreflex vom distalen Radius¬
abschnitt und Trizepsreflex vorhanden. — Bei der Aufnahme des
Knaben am 12. X. bestand vollständige Lähmung aller Handmuskeln
mit Ausnahme des Adductor pollicis, der nur stark geschwächt war;
dieser Muskel reagierte auch allein von allen noch indirekt mit
Sicherheit; in allen anderen Muskeln bestand komplette Entartungs¬
reaktion. Sensibilitätsstörungen objektiver Art waren nicht nach¬
weisbar. — Interessant ist vor allen Dingen, dass diese Lähmung
den sonst völlig gesunden intelligenten Knaben
über Nacht befiel; am 11. August dieses Jahres legte er sich
abends gesund ins Bett, zog sich allein aus, morgens konnte er die
Hände nicht mehr gebrauchen. Begleiterscheinungen fehlten völlig.
Eine Ursache war nicht zu eruieren, wenn man nicht als solche an¬
nehmen will, dass er zwei Tage vorher die Kirchenglocken läuten
half. Der plötzliche Beginn der atrophischen degenerativen Lähmung
legt in dem Alter des Kranken die Diagnose Poliomyelitis anterior
acuta nahe; Vortr. verwirft sie trotz Fehlens aller Sensibilitäts¬
störungen auf Grund der Symmetrie und der eingetretenen fort¬
schreitenden Besserung und stellt die Diagnose auf Neuritis
multiplex acutissima.
2. einer 25 Jahre alten verheirateten Frau mit Poliomyelitis
anterior acuta, die im letzten September mit schweren fieberhaften
Allgemeinerscheinungen einsetzte und weitverbreitete Lähmungen
hinterliess. Letztere erstrecken sich in charakteristischer Weise auf
den linken Arm, besonders Oberarm- und Schulter-
gürtelmuskeln, einzelne Muskeln der rechten Schulter,
sowie die linke Gesichtshälfte, die linksseitigen
Kaumuskeln; paretisch ist ferner die linke Diaphragma¬
hälfte; endlich besteht auf der gleichen Seite Lähmung dgs
Halssympathikus. Die Anamnese lässt mit Sicherheit darauf
schliessen, dass während des akuten Stadiums und noch wochenlang
nachher Bulbärerscheinungen bestanden. Der Fall ist ausserdem aus¬
gezeichnet durch starke Nackenschmerzen, die jetzt noch andauern.
(Ausführliche Veröffentlichung später.)
Diskussion: Herr Erb.
Herr Feer berichtet über einen 4 jährigen Knaben der Kinder¬
klinik, der vor wenigen Tagen akut an Lähmung des linken Fazialis.
der Hals- und Nackenmuskulatur, Parese der Oberarme (speziell
Deltoides) erkrankt ist, ein Fall, der auch als hochliegende Polio¬
myelitis aufzufassen ist. (Nachträglich Entartungsreaktion im Ku-
kullaris festgestellt.) Ein ähnlicher Fall kam letztes Jahr zur Be¬
obachtung. Pontine Formen der Poliomyelitis sind bei Kindern nicht
gerade selten. Feer weist darauf hin, dass das Bild der Polio¬
myelitis viel umfassender ist, wie bisher meist angenommen wird.
Es geht dies besonders aus den Epidemien des Nordens (Medin-
W i c k m a n n) hervor, wo die Krankheit oft unter dem Bilde der
L a n d r y sehen Paralyse, der Meningitis oder in abortiver Form
auftrat. Im Beginn sind Schmerzen und Druckempfindlichkeit nach
seinen Beobachtungen viel häufiger, wie die meisten Lehrbücher an¬
geben und veranlassen so leicht die falsche Diagnose Polyneuritis.
Herr Menge demonstriert eine Kranke, bei der er vor
14 Tagen wegen eines sehr grossen postoperativen Bauchbruches die
Radikaloperation nach Pfannenstiel ausgeführt hat. Die Kranke
war vorher in Mannheim von anderer Seite im Privathause wegen
eines grossen Prolapses zunächst vaginal und dann, als ein Rezidiv
zustande gekommen war, ein zweitesmal durch Bauchschnitt operiert
worden. Auch nach der zweiten Operation stellte sich von neuem
ein Rezidiv des Prolapses und obendrein der enorme Bauchbruch ein,
dessen Bruchpforte ungefähr handtellergross war. Mit dem Pfan¬
ne n s t i e 1 sehen Querschnitt ist es gelungen, die Bruchpforte dicht
zu schliessen. Gleichzeitig mit der Bruchoperation wurde auch eine
Ventrifixur der nach der zweiten Operation nur noch zurück¬
gelassenen Portio vaginalis vorgenommen und hierdurch der grosse
prolabierte und invertierte Scheidensack in der Beckenhöhle zurück-
gehalten.
M. empfiehlt im Anschluss an diese Demonstration das von ihm
modifizierte Operationsverfahren (Radikaloperation mit Faszienquer¬
schnitt und Muskelaushülsung) auch für epigastrische, u m -
b i I i k a 1 e und subumbilikale Hernien und für solche
Diastasen der Rekti, welche stärkere Beschwerden auslösen.
Bezüglich des zu erreichenden Dauerresultats dürfte die Methode
besonders bei sehr grossen Bruchpforten und bei weitgehender Dia-
stase konkurrenzlos sein. Allerdings stellt sie manchmal einen sehr
grossen Eingriff dar und erfordert eine tadellose Aseptik. Aber auch
bei kleinen Brüchen ist sie gleich empfehlenswert, da sie absolut
sicher im Enderfolg. Als Nahtmaterial benutzt M. bei seiner Ope¬
rationsmethode ausschliesslich Katgut.
Diskussion: Herren Jordan, Völck r, Czerny,
Menge.
Herr Neu: Lieber die modernen operativen Bestrebungen in
der Geburthilfe (mit Demonstration).
Es wird die Entwicklung der modernen chirurgischen Mass¬
nahmen, die beckenerweiternde Operation und die Wandlung in der
Kaiserschnittstechnik besprochen und zu der Frage der sogen, „opera¬
tiven Aera in der Geburtshilfe“ Stellung genommen. Die geburts¬
hilflichen Eingriffe tragen insofern ein „operatives“ Gepräje. als sie
tatsächlich chirurgischer wurden. Es hat sich die „Qualität der
Operationen geändert" (Krönig); die Frequenz der älteren ge¬
burtshilflichen Operationen ist eher zurückg^angen. Ebensowenig
kann von einem gegensätzlichen Verhältnis zwischen der Geburts¬
hilfe in der Praxis und in der Klinik gesprochen werden: bestimmte
geburtshilfliche Fälle gehören seit jeher der klinischen Domäne zu.
Die neuzeitliche Betonung einer schärferen Abgrenzung der in einer
Anstalt und der Hauspraxis zu erledigenden Geburtskompiikationen
ist im Sinne der Prophylaxe bedeutsam, insofern als die schweren
und infizierten Fälle, die zum Schlüsse der Anstalt über wiesen zu
werden pflegen, seltener werden müssen. Die Haupterruugenschaft
aus den modernen operativen Bestrebungen in der Geburtshilfe ist in
der wieder gewonnenen Erkenntnis der uralten, in Vergessenheit ge¬
ratenen Lehre zu erblicken, dass ca. 80 Proz. der Kinder bei kon¬
servativer Geburtsleitung spontan und lebend durch das
enge Becken hindurchtreten, ohne die Mutter zu schädigen (Menge).
Diese Erkenntnis muss allgemeines Leitmotiv für das geburts¬
hilfliche Handeln werden. Auf die Erreichung dieses Zieles ist be¬
sonders im geburtshilflichen Unterricht Bedacht zu nehmen: die
Diagnostik muss vertieft werden, die Beobachtungen am Kreissbett
intensiver durchgeführt werden; ja es dürfte sich empfehlen, einen
Teil des medizinalpraktischen Jahres für das praktische Studium der
Geburtshilfe in Anstalten obligat zu machen. (Im Anschluss an den
Vortrag wird eine Patientin demonstriert, bei der der suprasym¬
physäre zervikale Uterusschnitt transperitoneal ausgeführi: wurde.)
Diskussion: Herr Kalb.
Herr Menge hebt hervor, dass nicht nur bei der Therapie
des engen Beckens, sondern auch sonst in der Geburtshilfe die
Indikationsstellung im allgemeinen nicht streng genug
geübt wird. Die auch jetzt noch in manchen klinischen Anstalten be¬
sonders aber in der allgemeinen Praxis übliche Polypragmasie
in der Geburtshilfe ist aus verschiedenen Gründen sehr beklagenswert.
Die Geburthelfer vergessen zu leicht, dass sie fast immer zugleich
auch Chirurgen und innere Mediziner sind und in ihrer Berufstätigkeit
häufig schwer infektiöses Material auf ihre Handhaut bringen und bei
der Mangelhaftigkeit unserer Hautdesinfektionsmethoden auch in die
Geburtswege einschleppen können. Sie vergessen ferner, dass keine
andere Wunde des menschlichen Körpers den Infektionserregern
gegenüber ein so feines Reagens darstellt, wie gerade die Innenfläche
des frisch puerperalen Uterus. Endlich beobachtet man zu wenig,
dass die entbindenden Operationen, besonders auch die Zangen»-
extraktion und zwar nicht nur bei atypischer, sondern auch bei
typischer Kopfstellung vielfach zu starken Blutverlusten Veranlassung
geben. Diese Blutverluste sind entweder die Folge von Verletzungen
oder aber die Folge einer nach der künstlichen Entbindung sich gel¬
tend machenden Verzögerung der retraktiven Faserverschiebung des
Uterus. Jedenfalls ist es bei der weiten Ausbreitung der Stillunfähig¬
keit, der Anämie und der mit ihr vielfach verknüpften Erschöpfungs¬
neurosen bei dem weiblichen Geschlecht dringend erforderlich, alle
Infektionen und alle unnützen Blutverluste zu vermeiden, und es muss
daher die ganze Indikationsstellung in der geburtshilflich-operativen
Therapie sowohl in den klinischen Anstalten, als auch besonders in
der allgemeinen Praxis eine viel strengere werden.
Sitzung vom 1. Dezember 1908.
Herr Kümmel: Demonstration von Fremdkörpern aus Trachea
und Oesophagus von kleinen Kindern.
Der 2V4 jährige Knabe, den ich Ihnen heute vorstellen kann,
wurde uns von den Herren Kollegen Feer und Jordan, denen er
in der Luisenheilanstalt zugeführt worden war, freundlichst über¬
wiesen. Er hatte am 19. Oktober den Deckel einer kleinen Oelkanne
„verschluckt“. Nach Mitteilung der Eltern wäre es eine Nadel, deren
Kopf als Schraubenmutter ausgebildet war; eine in Mannheim bereits
vorgenommene Röntgenaufnahme hätte den Fremdkörper etwa in der
Mitte des Sternums gezeigt. Die Symptome, Anfälle von Husten
mit leichter Atemnot sprachen nach Ansicht der beiden Kollegen
eher für Sitz in den Luftwegen, obwohl an diesen physikalisch nichts
Wesentliches nachweisbar war. Nach der Verlegung des Pat. ergab
eine Röntgenaufnahme, dass der Fremdkörper, mit dem ziemlich
dicken Kopf abwärts, im linken Hauptbronchus stecken musste. Kein
Fieber, keine nennenswerte Dyspnoe, auf der Lunge links etwas
abgeschwächtes Atemgeräusch, sonst nichts Auffallendes. 22. X.
Bronchoskopie in tiefer Narkose: der Brünings sehe Röhren¬
spatel zum 7mm-Tubus liess sich gerade noch durch den Kehlkopf
hindurchzwängen. Die Nadel lag, in der Trachealwand rechts etwas
eingespiesst, mit dem Knopfe im linken Hauptbronchus, dem Röntgen¬
bilde genau entsprechend. Mit dem mir zur Verfügung stehenden
Exemplar der Brünings sehen Löffelzange gelang es nur sehr
schwer, sie zu fassen, weil das Instrument, völlig zusammenge¬
schoben, selbst bei möglichst herausgezogenem Beleuchtungsapparat
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23 . Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
423
noch an diesem anstiess, und weil ich nicht riskieren mochte, den
sehr mühsam eingeführten Röhrenspatel auch nur etwas zuriick-
zuziehen. Ziemlich leicht gelang es dann, die Nadel aus der Tracheal-
wand zu befreien, die Extraktion schien aber unmöglich; bei dem
sehr starken Widerstande, den sie machte, musste ich fürchten, dass
die Nadel sich wieder an der Trachealwand angespiesst hätte, und
die Zange verdeckte die Spitze zu sehr, als dass ich mich durchs
Auge vom Gegenteil hätte überzeugen können. Beim Anziehen folgte
der ganze Thorax des Kindes mit! Deshalb wurde zunächst der
Extraktionsversuch aufgegeben. Herr Dr. Brünings war so
freundlich, mir auf telephonische Bitte schleunigst eine seiner Fremd¬
körperzangen in der für unseren Fall geeigneten Länge und Stärke zu
verschaffen, mit der ich am 24. X. wiederum in tiefer Chloroform¬
narkose die Nadel leicht und fest so fassen konnte, dass die Spitze
durch die Zangenbranchen gedeckt war. Es gehörte aber wieder ein
gewaltiger Zug dazu, um die Nadel los zu bekommen; ganz plötzlich
gab sie nach und Hess sich nun ohne jede Spur von Widerstand
durch den Tubus extrahieren. An Trachea und Bronchien war keine
Läsion zu sehen. Nachher hustete das Kind noch mehr als eine
Stunde lang sehr heftig, im übrigen hatte es die etwa halbstündige
Narkose tadellos vertragen. In den folgenden Tagen leichte Pneu¬
monie im linken Oberlappen; nach deren glatter Heilung blieb Pat.
völig gesund. Die anfangs noch ziemlich heisere Stimme ist völlig
normal geworden.
Der kolossale Widerstand bei der Extraktion ist bei ähnlich ge¬
formten und ähnlich lokalisierten Fremdkörpern schpn mehrfach kon¬
statiert worden, ohne dass eine ganz befriedigende Erklärung vor¬
läge (z. B. bei einem kürzlich von K i 11 i a n und Brünings ver¬
öffentlichten Fall, wo ein Tapezierernagel lange Zeit in einem steno-
sierten Bronchus fest eingekeilt gelegen hatte). Wo ein solcher
luftdichter Verschluss eintritt, muss jenseits der Einkeilung ein Va¬
kuum entstehen, und das setzt der Extraktion begreiflicherweise einen
gewaltigen Widerstand entgegen. Meines Wissens ist dieses Moment
bisher nicht zur Erklärung herangezogen worden, scheint mir aber
doch beachtenswert, vielleicht auch nicht ohne praktische Bedeutung
zu sein.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch ein paar Fremdkörper
aus dem Oesophagus kleiner Kinder vorzeigen, die sämtlich ösophago-
skopisch in tiefer Narkose extrahiert sind. Zwei davon, ein „Vogel¬
pfeifchen“ und ein Uniformknopf, sind beachtenswert wegen ihrer
beträchtlichen Grösse im Verhältnis zur Weite des Oesophagus bei
dem 3- resp. 5 jährigen Kinde. Bei beiden gelang die Extraktion nur
mit grossem Kraftaufwande mittelst eines in die Oese des Knopfes,
resp. in die Oeffnung des Vogelpfeifchens eingeführten stumpfen Häk¬
chens. Der dritte Fremdkörper fand sich bei einem zweijährigen
Pat. mit einer Verätzungsstriktur des Oesophagus. Bei diesem war
die Sondierung der scheinbar impermeablen Striktur mittelst des
Oesophagoskops in Narkose gelungen und konnte nachher in der ge¬
wöhnlichen Weise mit Bougies fortgesetzt werden. Als die Striktur
einigermassen erweitert war, und der Pat. wieder gut schlucken
konnte, verschlang er in einem unbewachten Augenblick einen Zinn¬
soldaten, der den Oesophagus vollständig verstopfte, so dass ich ihn
wieder ösophagoskopisch entfernen musste.
Herr J. Hoffmann stellt einen 20 Jahre alten Schuhmacher
vor, der die Hutchlnsonsehe Trias der kongenitalen Syphilis
bietet und im Juli nach uncharakteristischen Prodromalerscheinungen
über Nacht von Lähmung des rechten Armes und
linken Beinesbefallen wurde. Der Lähmung folgte Atrophie.
Zur Zeit besteht am rechten Arm das Bild der atrophischen
Lähmung, wie es von der Poliomyelitis anterior acuta
her bekannt ist, so dass noch komplett gelähmt sind die Mm. del-
toides, supra- und infraspinatus, Bizeps, Brachialis internus, Supinator
longus, Trizeps, während andere Muskeln am Schultergürtel und
die Muskeln distal vom Ellenbogengelenk nur paretisch sind; die
Sehnenreflexe fehlen; dabei besteht Entartungsreaktion etc. Keine
Sensibilitätsstörungen. Das linke Bein ist in toto atro¬
phisch und paretisch, mehr unterhalb des Knies, Achilles¬
sehnenreflex links herabgesetzt; im Peroneusgebiet elektrische Ver¬
änderungen; keine objektiven Sensibilitätsstörungen. Sphink-
teren usw. stets normal. — Spinalflüssigkeit: Wassermannsche
Reaktion positiv, Lymphzytose und vermehrter
Eiweissgehalt.
Antisyphilitische Behandlung führte zu keiner wesentlichen Bes¬
serung. (Ausführliche Veröffentlichung später.)
Herr Colmers: lieber paranephritischen Abszess.
Diskussion: Herren Röhmer, Francke, Jordan,
Colmers.
Medizinische Gesellschaft zu Leipzig.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 24. November 1908.
Vorsitzender: Herr Curschmann.
Schriftführer: Herr R i e c k e.
Herr T h 1 e r s c h hält seinen Vortrag über städtische
Mustermilchviehställe.
Herr Müller (a. Q.) spricht über die Frage der Ge¬
winnung von Trinkmilch, die in unerhitztem Zustande nicht
gesundheitsschädlich ist.
Herr E. Niessl: Die topische Diagnose einer Gehirngeschwulst.
Ein Mann, zu Anfang der Dreissig, bisher stets gesund und sehr
brauchbar, leidet an zeitweise auftretenden Verdunkelungen der
Gesichtsfelder. Der konsultierte Augenarzt findet beiderseits hoch¬
gradige Stauungspapille, links stärker als rechts. Auf Befragen gibt
der Kranke zu, dass er sehr von Kopfschmerzen gequält sei. Im
Krankenhaus aufgenommen, stellt sich Erbrechen ein. Beim Auf¬
richten im Bett und beim Gehen heftiger Schwindel. Der übrige
Befund ganz negativ.
Aus der inneren in die Ncrvenklinik verlegt, erblindet Pat. all¬
mählich vollkommen. Der Augenspiegel weist beiderseits neuritische
Atrophie nach, der objektive neurologische Befund ist immer ein
negativer. Subjektiv äussert Pat. Gesichtserscheinungen: Helligkeit
und Gestalten, die er im Anstaltsgarten zu sehen glaubt, und mit
grosser Genauigkeit beschreibt. Es handelt sich zweifellos um
Gesichtshalluzinationen. Dieselben schwinden bald. Auf dem rechten
Ohr hört Pat. zeitweise schlechter als links und empfindet ein eigen¬
artiges Sausen in demselben. Es stellen sich Krampfanfälle im linken
Arm und leichte Zuckungen im linken Bein ein, öfters hei Bewusst¬
sein. Diese wechseln mit solchen von Bewusstseinsverlust be¬
gleiteten. Ein neuerlicher Nervenstatus ergibt wieder ein negatives
Resultat. Zeiten auffallenden Tremors der gesamten Körpermusku¬
latur. Hochgradiger Schwindel beim Gehen, und Umwenden des
Kopfes. Tremor des rechten Armes, Anfälle von Zuckungen des¬
selben. Die rechte Kornea in einem Anfall geprüft, ergibt keine
Anästhesie. In letzter Zeit völlige Anosmie. Stets freies Sensorium,
Intellekt in keiner Weise verändert. Hingegen fühlte Vortragender
am rechten Hinterhaupt eine leichte Vortreibung und eine zirkum¬
skripte Schmerzhaftigkeit auf Beklopfen. Pat. gibt selbst an, er habe
das Gefühl, als ob er hier unterschichtet sei. Diagnose: Geschwulst
der Konvexität der rechten Kleinhirnhemisphäre, wahrscheinlich auf
die Konvexität des Hinterhautlappens iibergreifend. Begründet wird
dieselbe durch das frühzeitige Auftreten und den hohen Grad der
Stauungspapille, den Schwindel bei Bewegungen, die Gehörstörunggn
am rechten Ohr, den allgemeinen Tremor und die Anfälle in der links¬
seitigen und später der rechtsseitigen Extremität, die Abwesenheit
anderer Symptome. Auffallend ist das Fehlen jeder zerebellaren
Ataxie, w r as jedoch durch das Freibleiben des Wurmes erklärt würde.
Vortr. rät zur Operation, um das Leben des Patienten zu retten. Das
Augenlicht könne ihm nicht wieder gegeben werden.
Aerztlicher Verein zu Marburg.
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung vom 16. Dezember 1908.
Vorsitzender: Herr Tuczek.
Schriftführer: Herr Sardemann.
Herr Kruslus demonstriert einen Fall von Conjunctivitis
pseudomembranacea.
Am Tage der Einlieferung bestand bei dem 2 jährigen Kinde
Fieber und beiderseits eine Bindehautentzündung mit starker grau¬
gelblich bis blau-gräulicher Membranbildung. Beim Abziehen der
Membranen zeigten sich darunter stark blutende, exkoriierte Kon-
junktivalstellen. Gleichzeitig bestand eine geringe, nicht membranöse
eitrige Vulvitis. Ausstrichpräparate aus Konjunktivitismero-
branen und dem Vulvitissekrete ergaben Diplo- und Streptokokken,
keine Bazillen. Nichtsdestoweniger wurde sogleich Diphtherie¬
serum injiziert. (Im ganzen 7000 IE. in 4 Injektionen mit 12 ständigen
Pausen.) Daraufhin fiel das Fieber am 2. Tage zur Norm ab und die
lokalen Erscheinungen gingen allmählich zurück. Die gleich am
1. Beobachtungstage vom hygienischen Untersuchungsamte mit dem
Sekrete der Vulvitis und den Konjunktivalmembranen vorgenom¬
menen Impf- und Kulturversuche ergaben bis zum 4. Beobachtungs¬
tage, dass es sich mit Wahrscheinlichkeit um eine Infektion mit
Diphtheriebazillen handelte, sowohl in der Vulva wie an beiden
Augen, sicher lag keine Gonokokken- und keine Pneumokokken¬
infektion vor. Vortragender weist darauf hin, dass es sich bei jedem
irgendwie klinischen diphtherieverdächtigen Falle von pseudomem¬
branöser Konjunktivitis selbst bei diphtherienegativem Ausstrich¬
präparat empfiehlt, Diphtherieseruminjektionen zu machen.
Herr Römer: Ueber Beziehungen zwischen Menschen- und
Rindertuberkulose.
Infolge der kürzlich stattgefundenen Verhandlungen auf dem
Tuberkulosekongress in Washington über vorstehendes Thema ist
dieses wieder aktueller geworden, zumal Koch dort von neuem
seinen Standpunkt präzisiert hat.
Der theoretische Teil des Streites, welcher die Beziehungen
zwischen Menschen tuberkelbazillen und Rinder tuberkel-
b a z i 11 e n betrifft, wird von Koch nicht mit Unrecht als relativ
unwesentlich bezeichnet. Denn auch nach des Vortragenden Meinung
erklärt sich dieser Teil des Streites weniger aus Differenzen in den
experimentellen Tatsachen — die sind in den Händen der ver¬
schiedensten Autoren im wesentlichen dieselben geblieben — als viel¬
mehr aus der verschiedenen Art, wie sich bestimmte Beobachtungen
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424
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
in verschiedenen Köpfen wiederspiegeln. Der eine neigt mehr zum
Trennen und hofft dadurch weiter zu kommen, der andere sieht das
Problem lieber von zusammenfassendem Standpunkt aus an. Wenn
man, wie es der Vortragende tut, mehr zu einer einheitlichen
Betrachtung der Säugetiertuberkelbazillen neigt, so schliesst das
nicht aus und darf das nicht hindern, dass man sich bei praktischen
Arbeiten der Unterschiede wohl bewusst bleibt, die in der krank¬
machenden Energie zwischen Menschen- und Rindertuberkclbazilicn
in der Regel bestehen und deshalb ist es nach Ansicht des Vortragen¬
den auch umgekehrt nötig, dass man, wenn man einer getrennten
Auffassung zuneigt, so wie etwa das Reichsgesundheitsamt sie vertritt,
ein solches künstliches Trennungssystem nicht als unbedingt adäquat
der Natur ansieht, weil das sehr leicht eine Nichtbeachtung der Fälle
bedingt, die nicht in die beiden Grundformen des Trennungsschemas
— Typus humanus oder Typus bovinus — sich einpassen lassen.
Deshalb betrachtet der Vortragende die vom Reichsgesundheitsamt
vorgenommene Scheidung der Säugetiertuberkelbazillen in einen
Typus bovinus und einen Typus humanus nur als ein, allerdings ganz
wertvolles experimental-technisches Hilfs- und Verständigungsmittel.
Die Kochsche Hypothese vom Jahre 1901, dass Rindertuber¬
kuloseansteckungen beim Menschen wahrscheinlich nicht Vorkommen,
ist inzwischen im gegenteilgen Sinne entschieden; und es ist wohl auf
diese Feststellungen zurückzuführen, wenn Koch den praktischen
Teil seiner Schlussfolgerungen vom Jahre 1901, welche damals
lauteten: „Ich halte es deswegen für nicht geboten, irgend welche
Massregeln dagegen (nämlich die Infektionsgefahr vom Rinde her)
zu ergreifen“ anders formuliert hat, nämlich in „Verhütungsmass-
regeln gegen Tuberkulose sollten deshalb in erster Linie gegen die
Verbreitung der Menschentuberkelbazillen gerichtet sein“.
Wie gross die Gefahr ist, welche dem Menschen durch das
tuberkulöse Rind droht, können wir zahlenmässig genau nicht an¬
geben. Die bisherigen experimentellen Feststellungen lassen keine
Verallgemeinerung zu und werden überhaupt nie quantitativ genau
diese Frage entscheiden können, solange nicht die Annahme der Um¬
wandlungsmöglichkeit der nach der Meinung der Dualisten allerdings
nicht ineinander überzuführende Typen endgültig widerlegt ist.
„Absolut ungestiitzt“, wie Koch diese Hypothese in Washington be-
zeichnete, dürfte sie abgesehen von anderen Gründen aber schon des¬
halb nicht sein, weil Kleine, ein Schüler Kochs, bei nach¬
gewiesener Perlsuchtansteckung des Menschen Tuberkelbazillen
züchtete, die bei subkutaner Verimpfung aufs Rind — dem sou¬
veränen Mittel der Differentialdiagnose zwischen Menschen- und
Rindertuberkelbazillen — wie Menschentuberkelbazillen sich ver¬
hielten.
Die Frage, ob der Rindertuberkelbazillus als ein ungefährlicher
oder auch nur relativ ungefährlicher Typus unter den Säugetier¬
tuberkelbazillen für den Menschen betrachtet werden kann, verneint
der Vortragende. Im Gegenteil, die experimentellen Feststellungen,
die die höhere Virulenz des Rindertuberkelbazillus für die meisten
untersuchten Säugetierarten und speziell auch seine höhere Virulenz
für die dem Menschen phylogenetisch nahestehenden anthropoiden
Affen erwiesen haben, berechtige viel eher zu der Schlussfolgerung,
dass rein qualitativ der Rindertuberkelbazillus für den Menschen
wohl gefährlicher ist, als der Menschentuberkelbazillus. Die Ge¬
legenheit zur Infektion mit Rindertuberkelbazillen ist aber glücklicher
Weise seltener und überdies können wir uns viel leichter gegen diese
Gefahr schützen. Die epidemiologische Betrachtung der
Tuberkulose führt zu der Anschauung, die auch Koch vertritt, dass
für die Verbreitung der Tuberkulose unter dem Menschengeschlecht
die Hauptbedeutung der Ansteckung von Mensch zu Mensch zu¬
kommt, und in diesem Sinne kann man der neuen Formulierung
Kochs bezüglich des Hauptzieles der hygienischen Tuberkulose¬
bekämpfung: „Vermeidung der Ansteckungsgefahr von Mensch zu
Mensch“ durchaus zustimmen.
Die Differenzen in den Anschauungen der Dualisten mit den
seinen beruhen also nach den Ausführungen des Vortragenden darauf,
1. dass der Rindertuberkelbazillus kraft seiner Eigenart, also rein
qualitativ, wohl eher begabt ist, den Menschen tuberkulosekrank zu
machen als der Menschentuberkelbazillus,
2. dass die Annahme einer Umwandlungsfähigkeit des einen
Typus in den anderen durchaus nicht unberechtigt ist und noch
weiterer Untersuchungen bedarf,
3. dass, solange diese Hypothese nicht endgültig widerlegt ist,
der Befund von Typus bovinus einerseits oder Typus humanus ander¬
seits Rückschlüsse auf die Infektionsquelle' des betreffenden Falles
nicht ohne weiteres erlaubt.
Dagegen befindet sich der Vortragende in Uebereinstimmung
mit der Meinung der Dualisten, wenn er der Ansicht zustimmt,
dass die Tuberkulose unter dem Menschengeschlecht in der Haupt¬
sache einer Verbreitung von Mensch zu Mensch ihre Entstehung ver¬
dankt. Hierfür sind aber nicht, wie manche Dualisten meinen, prin¬
zipielle qualitative Differenzen der betreffenden Tuberkulose¬
erreger verantwortlich zu machen, sondern es kommen hier andere
Momente (besonders geringere Infektionsgelegenheit) in Betracht.
Die divergierende Ansicht, welche somit in den allgemeinen
Schlussfolgerungen mancher Gegner der Koch sehen Anschauungen
vertreten muss, wird und darf aber nicht hindern, den gewaltigen
Fortschritt anzuerkennen, den das Tatsächliche der Koch sehen
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Feststellungen für die experimentelle Tuberkuloseforschung be¬
deutet hat.
Herr Krauls: Zur Kasuistik und Diagnostik der Orbital¬
geschwülste.
Nach einleitenden Bemerkungen über das allgemeine Interesse,
das die Erkrankungen der Orbita, spez. die Tumoren und die unter
Tumorerscheinungen verlaufenden Prozesse der Augenhöhle auch für
den Nichtophthalmologen besitzen, bespricht Vortragender den
Symptom en komplex, auf Grund dessen wir nicht nur mit
Sicherheit die Anwesenheit eines Tumors überhaupt, sondern auch
mit grosser Wahrscheinlichkeit die Art desselben bestimmen können.
Er demonstriert hierzu:
1. eine Kranke mit einem retrobulbären Tumor der Orbita, der
wohl mit Sicherheit als Metastasen eines Mammakarzinoms auizu-
fassen ist. Vortr. bespricht an der Hand dieses Falles die Gruppe
der malignen Orbitalgeschwülste.
2. eine Kranke, bei der sich nach Trauma in Jahresfrist im
inneren oberen Orbitalwinkel eine zystische Geschwulst allmählich
entwickelt hatte, die sich trotz negativen Befundes der Nebenhöhlen
als ein von der Schleimhaut der Stirnhöhle ausgehender, mit
Flimmerepithel ausgekleideter Schleimhautpolyp erwies. Im An¬
schlüsse an diesen Fall bespricht Vortr. die verschiedenen Formen
der gutartigen Orbitaltumoren mit besonderer Berücksichtigung
der Orbitalzysten und weist eingehend auf die Wichtigkeit der
Beziehungen hin, die zwischen der Augenhöhle und
den Nebenhöhlen der Nase bestehen, und an die in zweifel¬
haften Fällen stets zu denken ist.
Ferner zeigt Vortr. eine Reihe von photographischen
Abbildungen einschlägiger, in der Augenklinik operierter Fälle,
mehrere dazugehörige Röntgenbilder mit teils negativem, teils
positivem Befund und eine Anzahl histologischer Präparate
zystischer Orbitalgeschwülste.
Gelegentlich der Besprechung der dritten grossen Gruppe, der
Gefässtumoren der Augenhöhle, weist dann Vortr. an der Hand
von Photographien und Kurven auf die von ihm angegebene Methode
der orbitalen Plethysmographie hin, die leicht und schnell
bei jedem Kranken anwendbar und imstande ist, uns wichtige dia¬
gnostische Hinweise auf Sitz, Art und Wachstum der jeweiligen
Geschwulst zu liefern, was Vortr. im einzelnen ausführt.
Herr Hübner: 1 . Demonstration von Patienten mit ver¬
schiedenen, durch das Trychophyton tonsurans erzeugten Haut¬
affektionen: a) Knabe mit Kerion Celsi. b) Geschwister mit Herpes
tonsurans disseminatus am Stamm, c) Fall von Eczema marginatum.
Die Infektion der Fälle a und b sind mit grösster Wahrschein¬
lichkeit auf eine erkrankte Kuh zurückzuführen; auch der Patient c
ist Viehhändler. In den Schuppen und Krusten der klinisch so
differenten Krankheitsbilder fand sich überall der Herpes tonsurans-
pilz. Die Differentialdiagnose zwischen dem Herpes tonsurans
disseminatus und der Pityriasis rosea, zweier Krankheiten, die früher
meist für identisch angesehen wurden, wird unter Gegenüberstellung
eines Falles der letztgenannten Dermatose erläutert.
2. Vorstellung eines Patienten mit einem nach 2 jährigem Be¬
stände jetzt fast verheilten Röntgenulcus. Der Patient leidet an
einer seltenen Lageanomalie seiner Brusteingew^eide, wegen der er
öfters durchleuchtet w’urde. Vor 2 Jahren bildete sich auf dem
Rücken ein zw r ei handtellergrosses Röntgenulcus aus. Sehr lang¬
same Heilung unter Umschlägen und Salbenverbänden; vor einem
halben Jahr ist nach Anwendung einer Scharlachölsalbe fast völlige
Ueberhäutung eingetreten.
Diskussion: Herr Jakobsthal berichtet im Anschluss
an diese Demonstration kurz über zwei eigenartige Fälle von
Röntgenulcera, die Herr Dr. Rammstedt (Münster i. W.) beob¬
achtet und deren histologische Untersuchung Herr J. übernommen hat.
Es handelt sich um 2 Patienten, bei denen nach 2- und 3 maliger
Bestrahlung von je 10—15 Minuten Dauer bei einem Rölirenabstand
von 15 cm zum Zwecke der Orthodiagraphie auf dem Rücken in dem
2 mal belichteten Falle ein handtellergrosses, in dem 3 mal bestrahlten
Falle ein über handgrosses tiefgehendes Geschwür entstand. Monate¬
langer Verlauf. Starke Schmerzen. Die Patienten tomen stark
herunter, fieberten andauernd. Mehrfach scheinbare Heiluagstendenz.
aber immer trügerisch. Dr. R. entschloss sich daher zur totalen Ex¬
stirpation der Geschwüre mit gleichzeitiger plastischer Deckung der
entstandenen grossen Hautdefekte. Diese Methode ist bisher nur in
wenigen Fällen, meist erst nach jahrelangem Bestehen von Ge¬
schwüren angewandt worden. Vollkommener Heilerfolg.
Mikroskopische Untersuchung der exzidierten Ulzera Bis in die
Rückenmuskulatur reichende Schädigung des Gewebes. Völliges
Fehlen des Epithels. An der Oberfläche Schorf aus gequollenem
Fibrin. In den tieferen Schichten sehr grosszelliges, fast sai kornartiges
Granulationsgewebe. Dazwischen nekrotisches und gequollenes
fibröses Bindegewebe. Fast völlige Zerstörung der Elastika bis in
die tiefsten Schichten hinein. Vortragender kann der Veränderung
der Arterien nicht die Bedeutung für den Gesamtprozess i uerkennen.
wie dies von anderen Seiten zur Erklärung der Wirkung von Rönt¬
genstrahlen auf die Haut geschehen ist. Aehnliche endarteritische
und mesarteritische Prozesse finden sich auch sekundäi beim ge¬
wöhnlichen Ulcus cruris.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
425
Leukozytäre Infiltration findet sich nur in den alleroberfläch¬
lichsten Schichten. Plasmazellen und Mastzellen sowie Eosinophile
werden ganz vermisst. Am wesentlichsten für die gesamte Auf¬
fassung des Prozesses scheint dem Vortr. das gleichzeitige völlige
Fehlen von Körnchenzellen bei dem Befunde reichlicher Nekrosen,
kenntlich an der Quellung und mangelnden Färbbarkeit der Kerne und
des kollagenen Gewebes, zu sein. Man gewinnt den Eindruck, dass
durch die Röntgenstrahlen in allen Schichten hie und da einzelne
Gewebselemente zu Grunde gehen, während andere, ihnen gleich¬
artige der Schädigung zu widerstehen vermögen. Aber eigenartiger¬
weise erfolgt hier auf die Nekrotisierung nicht die bei anderen Ab¬
sterbeprozessen stets vorhandene, auf die Fortschaffung des toten Ma¬
terials gerichtete Reaktion, nämlich die Bildung von Körnchenzellen.
Und so erklärt sich die Langsamkeit des Heilungsprozesses durch das
Liegenbleiben des abgestorbenen Materiales mitten, im Gewebe.
Vielleicht handelt es sich hier um eine besondere, sonst nicht be¬
obachtete mildere Form der Nekrobiose.
Ob eine einmalige Schädigung der Gewebselemente stattfindet,
oder ob einmal neugebildetes Gewebe immer wieder von neuem
dem nekrotischen Prozess anheimfällt, wagt Vortr. nicht zu ent¬
scheiden. Der Mangel an Blutversorgung ist bei dem Befunde reich¬
licher Kapillaren sicher nicht die Ursache des Prozesses.
In Uebereinstimmung mit dieser Auffassung des Vortr. steht ein
wichtiger Befund am Epithel des Geschwürsrandes. Dieses ist näm¬
lich über unbedingt als nekrotisch anzusehendes Bindegewebe
hinübergewachsen, während bekanntlich bei allen anderen Wund¬
prozessen das Ueberwachsen mit Epithel erst nach völliger oder
fast völliger Vollendung der reparatorischen Vorgänge in den sub¬
epithelialen Schichten einsetzt. Ebenso wie den Wanderzellen gegen¬
über fehlt also hier der spezifische Reiz des nekrotischen Gewebes
dem Epithel gegenüber.
Auf die Einzelheiten der Neubildung des Fettgewebes und des
Muskelgewebes kann der Vortr. wegen Zeitmangel nicht eingehen.
Herr R. und Herr J. werden an anderer Stelle des Genaueren übet
die beiden Fälle berichten.
Herr P. Slttler: a) Demonstration einer gebellten kongenitalen
Nabelschnurhernie. (In No. 7 d. W. erschienen.)
b) Diätetische Therapie des Laryngospasmus.
Die diätetische Therapie bei Laryngospasmus verfolgt einesteils
den Zweck, das Stadium der gefährlichen Anfälle zum Schwinden
zu bringen, andernteils soll sie gegen die veranlassende Grund¬
erkrankung, gegen die spasmophile Diathese, Vorgehen. Dies wird
auf zweierlei Weisen erreicht:
Im Stadium der Anfälle wirkt am sichersten die (neben der
medikamentösen Behandlung — Chloral, Brom u. ä. — Phosphorleber¬
tran — anzuwendende) F i s c h b e i n sehe reine Mehldiät. Dar¬
reichung von täglich ca. 6 Flaschen einer 3 proz. reinen Mehlab¬
kochung (Hafermehl, Reismehl) mit Milchzuckerzusatz in den dem
Alter entsprechenden Quantitäten. Diese Nahrungsform, die gleich¬
zeitig die Indikation einer knappen (Unter-) Ernährung erfüllt, soll
möglichst nicht länger als 6—8 Tage durchgeführt werden. —
Den Laryngospasmus pflegt man meist bei scheinbar gut aus¬
sehenden, gedunsenen (pastösen) Kindern mit (mehr oder
weniger ausgesprochener) Rachitis zu sehen, beides Verände¬
rungen, die Vortr. auf einen vorhergehenden Me h 1 nährschaden zu¬
rückführt. Den Zusammenhang zwischen Rachitis und Laryngo¬
spasmus stellt Vortr. folgendermassen dar: Bei rachitischen Kindern
Findet sich in manchen Fällen eine erhöhte Abgabe von Kalk und
Phosphor (Birk): bei Laryngospasmus besteht ..wahrscheinlich“
eine Störung des Phosphor- und Kalkstoffwechsels (F i n k e 1 s t e i n)
im Sinne einer Kalkverarmung der nervösen Zentralorgane. Das
Auftreten der laryngospastischen Anfälle, für welches die Ernährung
mit Kuhmilch (Kuhmilchmolke) verantwortlich gemacht werden muss,
hat Vortragender gerade dann gesehen, wenn bei Erhöhung der ver¬
abreichten Kuhmilchmengen Seifenstühle auftraten. Die Bil¬
dung der Seifenstühle bedingt einen Ca-Verlust für den Körper da¬
durch, dass im Darm unlösliche Kalkseifen entstehen. Als Produkt
all dieser Faktoren sind die laryngospastischen Zufälle anzusehen. —
Im Hinblick auf die Mehlnährschädigung soll die reine Mehldiät auf
nicht zu lange Zeit ausgedehnt und sobald die Anfälle geschwunden
sind, langsam zur Milchernährung übergegangen werden.
Zur endgültigen Bekämpfung der spasmophilen Diathese ist
therapeutisch am aussichtsvollsten die Wiederernährung mittels Brust
oder abgepumpter Frauenmilch. Da wo sich dieses Regime nicht
durchführen lässt, muss die Zufuhr von Kuhmilch durch vorsichtigen
Zusatz von kleinsten Mengen zum bisher verabreichten Mehl ge¬
schehen („wenige Gramm auf die gesamte Tagesmenge“ — F i n k e 1 -
stein). Die Milchmenge wird allmählich unter ständiger Kontrolle
und schrittweise vorgehend auf Kosten des Mehles gesteigert. Event,
kann vorübergehend eine Periode von Malzsuppenzufuhr oder von
Verabreichung gelabter Vollmilch, deren Molke abgeseiht und teil¬
weise (oder ganz) durch Milchzuckerwasser ersetzt ist, eingeschaltet
werden. — Die neben der diätetischen Behandlung niemals zu ver¬
nachlässigende Anwendung von Phosphorlebertran unterstützt diese
Therapie insofern, als hierdurch eine erhöhte Retention von Kalk auf-
treten kann und eine Verminderung der schädlichen Seifenbildung
im Darmkanal stattfindet (B i r k).
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Herr Brauer: Klinische Demonstrationen.
1. Tablsche gastrische Krise mit echtem Koterbrechen.
Bei einem tabischen Manne, der wegen schwerster gastrischer
Krise schon wiederholt die Klinik aufsuchte, wird, nachdem mehrere
Wochen hindurch anhaltendes Erbrechen bestanden hatte, nachdem
der Patient äusserst abgemagert war und sehr reichlichen Flüssig¬
keitsverlust erlitten hatte, an zwei verschiedenen Tagen im Anschluss
an anhaltendes Erbrechen das Vorwürgen einer wohlgeformten
Masse beobachtet, die sich bei genauer makroskopischer und mikro¬
skopischer Untersuchung sowie durch den Geruch unzweifelhaft als
Kot erkennen liess. Die Kotmasse hatte die Form eines gebogenen
Zylinders; einer dieser Kotballen war 7 cm lang und etwa IV 2 —2 cm
breit. Eine absichtliche Täuschung war bei dem elenden Kranken
ausgeschlossen.
Dieser Befund ist deswegen wichtig, weil bislang in der Literatur
nur ein Fall von Erbrechen krümlicher Kotmassen bei Tabes be¬
schrieben ist. Es hat sich in diesem Fall sicherlich nicht um
Dickdarmkot gehandelt; ein solcher Kotballen hätte die Valvula
Bauhini retrograd überschreiten müssen, ein Vorgang, der wohl so
gut wie ausgeschlossen ist. Die grösste Wahrscheinlichkeit spricht
dafür, dass es sich um eingedickten geformten Dünn¬
darm i n h a 11 handelte, der durch Antiperistaltik während der
tabischen Krise per os zur Entleerung kam. Die reichen Wasserver¬
luste durch anhaltendes Erbrechen dürften der frühzeitigen Eindickung
des Kotes förderlich gewesen sein. Symptome eines Ileus be¬
standen nicht. Der Leib war flach und stark eingesunken.
Der Fall wird als Doktorarbeit eingehend publiziert werden.
2. Kardlospasmus mit sekundärer Oesophagusdilatatlon, schweren
ösopbagealen Blutungen, nachfolgender doppelseitiger Parotitis puru-
lenta.
Ein Unteroffizier erhält 1895 Bajonettstoss in die Magengegend.
Im Anschluss hieran entwickeln sich Magenbeschwerden und Schluck¬
störungen. Nach sehr wechselvollem Verlauf der Erkrankung kommt
Patient im Herbst 1908 mit schwerer Hämatemesis in die medizinische
Klinik. Daneben reichlich und anhaltendes Abgehen von Blut mit
dem Stuhl. Der sehr heruntergekommene Patient gibt anfangs eine
sehr lückenhafte Vorgeschichte. Eine Sondenuntersuchung verbot
sich auf Grund der schweren Blutungen. Man glaubte anfangs an
ein Ulcus ventriculi in der Nähe der Kardia. Nur zeitweise gelingt
es durch passende Behandlung die Blutungen zum Stillstand zu
bringen.
Mitte November entwickelt sich sehr rasch eine doppelseitige
Parotitis purulenta; es werden breite Inzisionen notwendig (Dr.
Ha eck er), trotzdem findet noch beiderseits spontan Durchbruch
in den Gehörgang statt.
Anfangs Dezember verschwinden für einige Zeit die intestinalen
Blutungen. Die Anamnese, die inzwischen von den Angehörigen ge¬
nauer gegeben war. leitet die Diagnose auf eine Erkrankung des
Oesophagus. Eine Sondierung wurde aber auch jetzt nicht gewagt.
Man verabfolgte, dem Patienten Wismutbrei und machte eine Rönt-
genphotographie. Diese zeigte einen doppelteigrossen Sack unter
dem Manubrium sterni und eine eigenartige Verbreiterung des
Mediastinums nach rechts, so dass man zu der Diagnose eines
Oesophagusdivertikels mit sekundärer Mediastinitis kam, letzteres um
so mehr, als rechterseits ein Pleuraexsudat sicher erwiesen war.
Schmerzhafte Veränderungen an der Wirbelsäule Hessen an dem Be¬
stand eines Tumors denken.
Patient verstarb am 17. XII. 08. Die Sektion hat erwiesen, dass
es sich um eine mächtige diffuse Erweiterung des Oesophagus
handelte. Die dauernden Blutungen entstammten kleinsten ge¬
platzten Oesophagusvarizen. Das Bild eines Oesoohagusdivertikels
war dadurch vorgetäuscht worden, dass der Wismutbrei als Klumpen
in dem breit erweiterten Oesophagus liegen geblieben war. Es wäre
also richtiger gewesen, nicht Wismutbrei, sondern nach dem Vor¬
schläge Hildebrands eine Wismutaufschwemmung zu geben.
(Der Fall wird von Herrn Dr. H e i s I e r publiziert werden.)
3. Demonstration zweier Patienten, die zur Unfallsbegutachtung
der Klinik überwiesen waren, ln beiden Fällen bestanden Verände¬
rungen der Halswlrbelsäule Im Sinne der K ü m m e 11 sehen Kvnhose.
Diese Veränderungen waren nach der Vorgeschichte unzweifelhafte
Folgen eines Traumas. Bei dem einen der Patienten hatte sich zudem
ein syringomyelieartiger Svmntomenkomplex entwickelt; bei dem
anderen eine ausgedehnte Steifigkeit der ganzen Wirbelsäule.
Medizinisch-Naturwissenschaftlicher Verein Tübingen.
(Medizinische Abteilung.)
(Offizielles Protokoll.)
Sitzung beider Abteilungen Montag den 18. Ja¬
nuar 1909.
Vorsitzender: Herr Seilheim.
Schriftführer: Herr Fleischer und Herr Happel.
Herr Lange: Hölderlins Geisteskrankheit.
Nach einer kurzen Skizzierung der Bedeutung Hölderlins
wurde sein äusserer Lebensgang, seine ursprüngliche Persönlichkeit
und seihe' Geisteskrankheit geschildert. Sodann folgte eine Dar¬
stellung der Veränderungen seiner' Handschrift, der früheren Be-
Qriginal from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
426
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
urteiliuig und der Ursachen seiner Psychose, und endlich wurde auf
die Beziehungen zwischen „Genie und Wahnsinn“ im Falle Hölder¬
lin eingegangen.
Statt einer Inhaltsangabe sei hier aui eine ausführliche Patho-
graphie über Hölderlin hingewiesen, die im Februar 1909 bei
Enke in Stuttgart erscheinen wird.
Herr E. Wedeklnd: Die Entwicklung der Kolloidchemie. (Mit
Demonstrationen.)
Die Chemie der kolloidalen Stoffe ist jetzt bald 50 Jahre alt;
1861 publizierte Graham seine ersten grundlegenden Arbeiten, in¬
dem er die chemischen Stoffe in kristalloide und kolloide Substanzen
einteilte, je nachdem dieselben durch eine Membran bindurchdiffun-
üieren oder nicht. Die Bedeutung, welche die Lehre von den kolloiden
Stoffen infolge ihrer rapiden Entwicklung in letzter Zeit gewonnen
hat, ist eine ausserordentliche, namentlich auf dem Gebiete der physio¬
logischen Chemie, aber auch in der chemischen Technik. Hierzu
haben wesentlich die Fortschritte in der Erkenntnis des Wesens der
kolloiden Lösungen beigetragen, welche infolge ihrer Inhomogenität
als Pseudolösungen zu bezeichnen sind, und eine Mittelstellung zwi¬
schen den echten Lösungen und den Suspensionen einnehmen. Der
Vortragende erörtert dann den Begriff Schutzkolloid und die Unter¬
scheidung zwischen reversiblen und irreversiblen Kolloiden.
Für die Darstellung der kolloidalen Lösungen kommen haupt¬
sächlich 5 Methoden in Betracht, erstens Dialyse von Stoffen, die ent¬
weder in sehr verdünnter Lösung frei gemacht sind (z. B. Kieselsäure
aus Wasserglas) oder durch Hydrolyse aus Salzen schwacher Basen
entstehen (z. B. Tonerdehydrat aus Aluminiumchlorid), zweitens
Synthese gewisser einfacher Verbindungen, wie Arsen- bezw. Anti-
montrisulfid in Abwesenheit von Elektrolyten, drittens Darstellung
kolloidaler Metalle, wie Gold, Platin, Silber usw. durch Reduktion ihrer
Salze mit Formaldehyd, Hydrazin, Natriumhydrosulfit u. dergl., vier¬
tens durch elektrische Zerstäubung im Lichtbogen unter Wasser nach
B r e d i g, fünftens durch mechanische Zerkleinerung und wiederholtes
Anätzen mit Säuren und Alkalien nach K u z e 1.
Die wesentlichen Eigenschaften der kolloiden Lösungen lassen sich
in folgenden Punkten zusammenfassen:
1. Fällbarkeit (Koagulierung) durch Elektrolyse unter Bildung
eines Gels. Die Fällung kann unter Umständen durch Schutzkolloide
verhindert werden.
2. Elektrische Ladung der gelösten Teilchen, welche in einem
elektrischen Potentialgefälle — je nach dem Sinn der Ladung — ent¬
weder zum positiven oder zum negativen Pol wandern. Entgegen¬
gesetzt geladene Kolloide fällen sich gegenseitig aus.
3. Adsorptionsfähigkeit gegenüber den verschiedensten Stoffen;
viele Farbstoffe werden lediglich infolge ihrer kolloiden Natur auf
der Faser festgehalten.
4. Katalytische Wirkungen; eine kolloide Platinlösung bewirkt
z. B. den Zerfall einer Wasserstoffsuperoxydlösung; hierher gehört
auch die Bedeutung der kolloiden Natuf der Fermente.
5. Verschiedene Grösse und Beweglichkeit der kleinsten Teile,
welche mit dem Ultramikroskop beobachtet werden können.
Die Gele besitzen dann noch die Eigenschaft, die verschiedensten
Stoffe mit grosser Hartnäckigkeit zurückzubalten und sind daher
schwor zu reinigen und zu trocknen. Viele Metallgele zeigen schliess¬
lich eine merkwürdige Plastizität, welche die Herstellung von Fäden
für die Metallglühfadenindustrie — ohne Bindemittel — gestattet.
Die Kolloidchemie verfügt seit 2 Jahren über ein eigenes Journal:
„Zeitschrift für Chemie und Industrie der Kolloide“, herausgegeben von
W. O s t w a 1 d.
Berliner medizinische Gesellschaft.
(Eigener Bericht.)
_____ Sitzung vom 17. Februar 1909.
Tagesordnung:
Herr W. Liepmann: Das Haematoma vulvae als Geburts¬
hindernis. (Mit Krankenvorstellungen und Demonstrationen von
Lichtbildern.)
Haematoma vulvae in der Geburt „speziell als Geburtshindernis”
ist eine Seltenheit. Vortr. verfügt über 4 Fälle. Es kommt nur
durchschnittlich ein Fall auf 3000 Geburten. Da über 50 Proz. Erst¬
gebärende betreffen, sind Varizen, Arteriosklerose etc. als Aetiologie
auszuschliessen. Als Ursache der Affektion ist anzusehen der Druck
des durch Wehen vorgedrängten Kopfes mit konsekutiver venöser
Stase und Venenrupturierung nebst folgender Ummauerung der
Vagina.
Die Therapie bestand in Zangenentbindung, zum Teil mit Inzision
im Gesunden, um die Anlegung der Zange zu ermöglichen, teils in
Inzision der Hämatome, Blutausräumung und Blutstillung und rasche
Entbindung, da bei jeder neuen Wehe die Ursachen des Hämatoms
sich erneuern. Die Prognose ist bei diesem Vorgehen sehr günstig.
Diskussion: Herr Gottschalk hat zwei derartige Fälle
gesehen.
Herr Max Meyer berichtet über einen Fall von Haematoma
vulvae auf dem Lande.
Herr Liepmann (Schlusswort): Seine Fälle waren Spontan¬
hämatome, im Gegensatz zu den in der Diskussion angeführten arte-
fiziellen, die übrigens noch seltener als Spontanhämatome sind.
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Herr F. Kare wski: Ueber die Vorteile des Druckdifferenz-
verlahrens für die Lungen-Pleura-Chirurgle und über eine neue prak¬
tische Ueberdruckkammer.
Das Sauerbruch sehe Verfahren in Form des Ueberdruck-
verfahrens steht im Mittelpunkt des wissenschaftlichen chirurgischen
Interesses. Die Mehrzahl der massgebenden Chirurgen steht aller¬
dings auf dem Standpunkt, dass der praktische Wert ein geringer
sei, weil der Lufteintritt in die Pleura nicht zu fürchten ist, wenn man
bei grösseren Eingriffen die Lungenränder vorher annäht. Wenn auch
zuzugeben ist, dass man Thoraxoperationen ohne die S a u e r b r u c h-
sche Kammer ausführen kann, so gilt hier doch der Satz: „Das
Bessere ist der Feind des Guten.“ Man kann Lungentumoren früh¬
zeitiger diagnostizieren, wenn man ohne Gefahr grosse Inzisionen
machen kann; bei Schussverletzungen, Thorakoplastiken, Empyemen
kann das Verfahren mit Erfolg Anwendung finden. Bei Empyemen
infolge von kleinen Lungenabszessen zeigt die aus der Fistelöffnung
ausströmende Luft die wahre Ursache des Prozesses, während man
früher dauernd Rezidive bekam.
Vortr. hat gemeinsam mit M a s s und Z u n t z einen Apparat
konstruiert, der handlich, sicher funktionierend und im Gegensatz zu
den bisher üblichen auch billig ist. Er hat einen in verstellbarer
Höhe anbringbaren Kasten konstruiert, in den durch einen Pulsations¬
ventilator Luft hineingepumpt wird, bis die gewünschte Druckhöhe
erreicht ist. Dann dient der Pulsometer nur zur Erhaltung des
Druckes und zur Lufterneuerung. Im Falle des Versagens des Elektro¬
motors wird der Ventilator sofort mit Fusskraft (Velozipedüber-
tragung) angetrieben. Eine Luftschleuse dient dazu, um Gegenstände
in die Druckkammer einführen zu können.
Die Wirkung des Apparates wird durch kinematographischc
Aufnahmen an einem doppelseitig pneumotomierten Hunde demon¬
striert. Wolff-Eisner.
Verein für innere Medizin zu Berlin.
(Eigener Bericht)
Sitzung vom 15. Februar 1909.
Vor der Tagesordnung demonstriert Herr Ben da Präparate,
die beweisen sollen, dass das Septum membranaceum cordis auf das
Antrum herübergreift. Es steht das mit entwicklungsgeschichtlichen
Beobachtungen im Widerspruch und ist wahrscheinlich so zu er¬
klären, dass ein Teil der Trikuspidalisklappe ganz konstant mit
dem Septum membranaceum verschmilzt.
Tagesordnung:
Schluss der Diskussion über die Vorträge der Herren
Fritz Le ss er und B lasch ko: Die klinische Verwertung der
Wassermann sehen Reaktion.
Herr G. Gutmann verweist wie schon einmal an dieser Stelie
auf die Bedeutung der Wassermann sehen Reaktion für die
Ophthalmologie. Sie ermöglicht es, unter Umständen sogar Ope¬
rationen zu vermeiden (z. B. bei einem Falle von Glaukom). Er steht
nicht auf dem Standpunkt, in jedem Fall von positiver Wassermann¬
reaktion eine Hg-Kur einzuleiten, weil z. B. bei Sehnervenatrophie
Hg-Darreichung sehr schädlich wirken kann.
Herr G. Meyer berichtet über seine Wiener Untersuchungen
(cf. Wiener klin. Wochenschr. 1908), welche die absolute Spezifizität
der Wasser mann sehen Reaktion ergaben: nur die floridt
tuberöse Lepra macht hier eine Ausnahme.
Herr S e 1 i g m a n n erklärt die Wassermann sehe Methode
zur Zeit nicht reif für die Praxis. Er prüft jedes Serum stets mit
mehreren Extrakten.
Herr Crohn weist darauf hin, dass eine energische Hg-Behand-
lung nicht geeignet ist, die Entstehung der metasyphilitischen Er¬
krankungen zu verhindern. Die Intervalle zwischen der floriden
Lues und der Tabes resp. Paralyse ist um so grösser, je weniger ener¬
gisch die Behandlung gewesen war .
Herr E d e 1 e r ist der Ansicht, dass der positiven Wassermann-
reaktion bei Paralyse eine diagnostische Bedeutung zukommt.
Herr A. Wassermann erklärt die Technik des Herrn Selig¬
mann für absolut fehlerhaft. Die von ihm betonten Veränderungen
der Extrakte sind nicht, wie es den Anschein hat. neu. Für die Praxis
ist es absolut gleich, ob es sich bei der Luesreaktion um eine Antigen¬
wirkung oder um eine kolloidale Fällung handelt. Die Luesreaktion
ist auf Grund von Zehntausenden von Fällen, an den kompetentesten
Stellen untersucht (E h r 1 i c h sches Institut, Institut für Infektions¬
krankheiten, Institut Pasteur) für die Praxis reif, nicht in dem Sinne,
dass jeder in der Lage ist, die Reaktion anzustellen, sonderr, dass man
aus der richtig angestellten Reaktion Schlussfolgerungen ziehen kann.
Herr Seligmann Replik.
Herr Lesse r (Schlusswort) tritt nochmals dafür ein, die Be¬
handlung mit Hg von der positiven Reaktion abhängig 2 .u machen,
ev. erst im Spätstadium, wenn nicht durch „Selbstheilung“ ein Ver¬
schwinden der Reaktion ohne Behandlung eingetreten ist.
Herr B lasch ko (Schlusswort) ist der Ansicht, dass bei der Paral¬
lelität der syphilitischen Erscheinungen zu der Luesreaktion derselben
eine therapeutische Bedeutung zukommt. Er wendet sich gegen den
L e s s e r sehen Vorschlag, event. erst in Spätstadien die Lues tu
behandeln.
Original from
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23 . Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
427
Diskussion über den Vortrag des Herrn Hiss Gicht und
Rheumatismus.
Herr Immelmann demonstriert einige Bilder von Röntgen¬
aufnahmen, aus denen sich in sehr klarer Weise eine Differenz im
Röntgenbild zwischen akutem, chronischen Gelenkrheumatismus,
Gicht und Tuberkulose ergibt.
Herr Goldscheider: Nicht in allen schwierigen Fällen von
Differentialdiagnose muss die Entscheidung ins Laboratorium gelegt
werden. Redner führt eine Reihe bekannter, nicht immer beachteter
Kriterien an. Für Gicht Tophi am Olekranonschleimbeutel (häufiger
als am Ohr), Halswirbelknirschen (meist nur subjektiv vom Patienten
gefühlt), Knirschen der Kniegelenke bei Bewegungen. Häufigkeit
vasomotorischer Neurosen bei Gichtikern, während der Rheumatis¬
mus keine Neigung zu dieser Kombination hat. Häufigkeit von Neu¬
ralgien und Migräne, psychische Depressionszustände (Stimmungs¬
wechsel, Neigung zu Suizidium), Neigung der Haut zum Nicht¬
schwitzen, Albuminurie resp. Zylindrurie.
Aus den französischen medizinischen Gesellschaften.
Soci6t6 mödicale des höpitaux.
Sitzung vom 27. November 1908.
Histochemische und zytologische Studie Uber das tuberkulöse Sputum.
Fernand Bezanqon und S. J. de J ong haben die mikroskopi¬
schen Verschiedenheiten des Auswurfs je nach der Entwicklung und
den Formen der tuberkulösen Erkrankung festgestellt. Der käsigen
Pneumonie entsprechen die Veränderungen, welche Bericht¬
erstatter in früheren Arbeiten bei der gewöhnlichen Pneumonie fest¬
gestellt haben: Anfangs sero-albuminöses Exsudat, hyaliner Schleim,
spärliche Endothelzellen, später vielkernige und andere Leukozyten in
Degeneration, in netzförmigen Haufen, dann werden die jungen Endo-
thelien, aus den Lungen stammend, den einkernigen oder auch den
Makrophagen sehr ähnelnd, immer zahlreicher. Ein gewisser Grad
von Degeneration haftet all diesen Elementen an und ist vielleicht das
charakteristischste Zeichen der tuberkulösen Natur einer Affektion.
Diese Degeneration ist besonders bei galopoierender Schwindsucht
im Sputum ausgeprägt und charakterisiert durch die grosse Anzah
der vielkernigen Zellen, die geringe Färbekraft ihrer Körnchen, mikro¬
skopisch erkennbare Feinheiten in der Veränderung der Lungen-
endothelien u. a. m. Bei der gewöhnlichen Form der chronischen
Lungentuberkulose sind die Lungenendothelien reichlich vor¬
handen und am Anfang wohl erhalten, oft in Form von Makrophagen.
Was man als Lymphozyten im tuberkulösen Auswurf beschrieben
hat sind in Wirklichkeit besonders Fragmente der vielkernigen Zellen,
der jungen Lungenendothelzellen oder der Bronchialzellen. In der
Periode der Kavernenbildung herrschen die genannten Degenerations¬
formen vor. Bei tuberkulösem Emphysem, wo die Tuberkulose ver¬
narbt oder in sehr langsamer Entwicklung begriffen ist, hat der Aus¬
wurf das Aussehen wie bei chronischer Bronchitis mit unversehrten
vielkernigen Zellen im wohlerhaltenen Schleimnetz. Bei tuberkulösem
Emphysem mit in voller Entwicklung befindlicher Tuberkulose herr¬
schen wiederum die degenerativen Veränderungen vor. Wahre
eosinophile Zellen haben B. und de J. niemals ausser beim echten
Asthma und den asthmaähnlichen Zuständen der Emphysematiker ge¬
funden. Die elastischen Fasern ferner, die man direkt mit der Wei-
gertsehen Fuchsalinfärbung feststellen kann, schienen ihnen nur
im Auswurf der mit galoppierender Schwindsucht behafteten Patienten
von Bedeutung zu sein. Als Gesamtergebnis ihrer Untersuchungen
glauben Berichterstatter zu dem Schlüsse berechtigt zu sein, dass die
histochemische und zytologische Untersuchung des Auswurfs Tuber¬
kulöser von prognostischer, wenn nicht auch diagnostischer Wichtig¬
keit ist.
Aus den englischen medizinischen Gesellschaften.
Society of tropica! medicine and Hygiene.
Sitzung vom 20. November 1908.
Zur Behandlung der Elephantiasis.
S. Handley berichtet über folgende instruktive Beobachtung:
Ein 45 jähriger Engländer, der niemals in den Tropen gewesen war,
akquirierte nach Lymphangitis am linken Oberschenkel und Skrotum
eine mässige Schwellung, welche nach 18 Jahren aber zuzunehmen
anfing und schliesslich einen operativen Eingriff nötig machte. H.
legte tief in das Gewebe des Gliedes 8 seidene Fäden ein und be¬
festigte sie am Muse, iliacus. Da aber an einer der Stellen Eiterung
eintrat, wurden sämtliche Fäden wieder entfernt. Die daraufhin ein¬
geleitete Untersuchung des Blutes ergab die Anwesenheit eines Diplo¬
kokkus in demselben. Es wurde von diesem Mikroorganismus eine
Vakzine hergestellt und der Patient hiermit behandelt, bis das Blut
steril befunden wurde. Die nunmehr wiederholte Operation der
Lymphangioplastie mit Ueberleitung aller Fäden in den Muse, glutaeus
verlief ohne Eiterbildung, und die Schwellung ist in dem seit der
Operation verlaufenen Monat ganz erheblich vermindert und im Typus
verändert. Filaria war bei diesem Kranken nicht vorhanden ge¬
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wesen, doch hofft Redner, dass bei der tropischen Elephantiasis die
Beobachtung verwertbar sein wird.
Medical Society of London.
Sitzung vom 23. November 1908.
Das Dauerresultat nach der Radikaloperation von Hernien.
W. H. B a 111 e verfügt über 35 Fälle von Inguinalhernie, bei
denen nach der Radikaloperation ein Rezidiv eintrat; von einem
einzelnen Fall abgesehen betrafen die Beobachtungen nur Männer.
Eine stärkere Beteiligung etwa der rechten oder der linken Seite
war nicht festzustellen. Eiterbildung war nur in 4 Fällen als Ur¬
sache des Rückfalls zu beschuldigen; bei 22 Operierten war die¬
selbe sicher ausgeschlosssen, und bei 9 ist das Verhalten in dieser
Hinsicht nicht zuverlässig verzeichnet. Andererseits hebt B. hervor,
dass man gar nicht ganz selten nach der Suppuration auch einen
recht festen Verschluss durch das entstehende Narbengewebe sich
entwickeln sieht. Beim Misslingen sieht man gewöhnlich binnen
Jahresfrist das Rezidiv eintreten; dies war bei etwa der Hälfte von
B.s Fällen geschehen. Das Hauptgewicht ist natürlich auf vollständige
Verödung des Sackes und glatten Abschluss des Peritoneums am
inneren Leistenring zu legen. Etwa 14 Tage nach der Operation
kann der Patient ohne Gefahr aufstehen, doch ist auf Vermeidung
jeglicher Ueberanstrengung der Muskeln zu achten. Nach der Bas¬
sinischen Operation ist das Tragen eines Bruchbandes entbehrlich,
indessen kann dieselbe nicht ausnahmslos für alle Fälle empfohlen
werden.
A. E. Barker empfiehlt bei sehr erschlafften Gewebsverhält-
nissen das Einlegen eines Stützapparates von Silbergeflecht.
II. Medizinischer Unfallkongress
in Rom vom 23. bis 27. Mai 1909.
Einladung.
Der italienische Ausschuss besteht aus den Herren Professoren
B a c c e 11 i und D u r a n t e als Ehrenpräsidenten, den Herren Mar¬
chese Ferrero diCambiano, Präsidenten der Nationalbank und Dr.
M a g a 1 d i aus dem Handelsministerium als Ehrenvizepräsidenten,
dem Herrn Prof. Ottolenghi, Direktor des Institutes für gericht¬
liche Medizin in Rom als Präsidenten, dem Generalinspektor des Militär¬
sanitätswesens, Generalleutnant Dr. R a n d o n 6, Prof. Alessandri,
Dr. R i c c h i und Prof. Dr. R o s s o n i - Rom als Vizepräsidenten.
Als allgemeine Themata sind bis jetzt in Aussicht genommen:
1. Aerztliche Organisation bei Unfällen und Massenverunglückungen.
Ref. Generalarzt Dr. D ü m s - Leipzig.
2. Organisation der gerichtsärztlichen Sachverständigentätigkeit bei
Unfällen. Vortr. angem. von Dr. Miller- Bayreuth.
3. Nachweis und Prognose von Unfallneurosen.
4. Arbeitsfähigkeit vor und nach dem Unfälle. Ref. Prof. Dr. L i -
n i g e r - Düsseldorf, bezw. wird derselbe einen zu dem Thema
gehörigen Vortrag halten.
5. Einfluss der Entschädigungsart auf den Verlauf sogen. Unfall-
neurosen. Referenten Prof. Dr. T h i e m - Kottbus und Prof. Dr.
Windscheid - Leipzig.
6. Unfallstatistik. Vortrag hierzu angemeldet von Dr.C.Feilchen-
f e 1 d - Berlin.
7. Die funktionelle Anpassung der verletzten Glieder. Ref. Prof. Dr.
L i n i g e r - Düsseldorf, bezw. wird derselbe einen zu dem Thema
gehörigen Vortrag halten.
8. Herzkrankheiten und Unfall. Ref. Prof. Dr. Rumpf- Bonn.
9. Simulation. Ref. Geh. Med.-Rat Prof. Dr. L. Becker- Berlin.
10. In welchen Heilanstalten wird die Behandlung von Unfallver¬
letzten am besten durchgeführt? Ref. Prof. Dr. V u 1 p i u s -
Heidelberg.
Ausserdem hat Herr Prof. Dr. I. R i e d i n g e r - Wiirzburg einen
Vortrag angekündigt über Hysterische Haltungstypen und Herr Ober¬
arzt Dr. S u d e k - Hamburg über Traumatische Knochenatrophien.
Es wird zu dem Besuche des Kongresses mit dem Bemerken er¬
gebenst eingeladen, dass in Italien erhebliche Fahrpreisermässigungen
auf den Eisenbahnen und Dampfschiffen in Aussicht gestellt sind. Die
Teilnehmer am Kongress haben einen Beitrag von 20 Franken zu
zahlen, wofür ihnen der Kongressbericht nach Fertigstellung kostenfrei
zugestellt wird.
Es wird gebeten, den Betrag von 20 Franken möglichst bald an
den Rendanten des Kongresses, Herrn Prof. Dr. A s c a r e 11 i - Rom
Via Borgogna 38 einzusenden, worauf die Zuschickung der zur Er¬
langung der Fahrpreisermässigung nötigen Mitgliedskarte erfolgt.
Anmeldungen zu Vorträgen aus dem genannten Gebiet der
Unfallheilkunde werden möglichst bald an. Prof. T h i e m - Kottbus
oder an den Generalsekretär des Kongresses, Herrn Dr. F e r r e t i
dott. Tito-Rom, Via Borgogna 38 erbeten.
Die Vorträge können in deutscher, französischer oder italienischer
Sprache abgefasst werden und sind spätestens bis zum 15. April an
den Generalsekretär des Kongresses sowohl in vollem Umfange, wie
in einem Auszuge einzureichen. Der Vortrag selbst wird auf dem
Kongress mündlich ebenfalls nur in Gestalt eines Auszuges dem
wesentlichen Inhalt nach wiedergegeben.
Der Landesausschuss für Deutschland.
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
428
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
Aus ärztlichen Standesvereinen.
Aerztlicher Bezirksverein München.
Sitzung vom 11. Februar 1909.
Eingangs der Sitzung gibt der Vorsitzende Herr E. Re hm der
Genugtuung über den günstigen Ausgang des Kampfes mit den
Lebensversicherungen Ausdruck und hebt die damit verknüpften
Verdienste des Leipziger Verbandes hervor.
Dem verstorbenen Mitglied Dr. Feilerer wird ein ehrender
Nachruf gewidmet.
Auf das Ersuchen des Bezirksvereins, bei unbestellbaren Sen¬
dungen im Ortsverkehr Erkundigungen nach dem Empfänger bei der
Polizei anstellen zu lassen, ist ein Schreiben der Oberpostdirektion
München eingelaufen mit der Mitteilung, dass eine Verpflichtung
seitens der Postanstalt dazu nicht besteht.
Die Entschliessung der Polizeidirektion bezüglich der Stellung¬
nahme zur sexuellen Massenaufklärung durch Vorträge wird bekannt
gegeben. Sie hält sich im wesentlichen an das vom Bezirksverein
eingeforderte Gutachten und ist bereits in der Presse veröffentlicht
und erörtert worden.
In Verfolgung der Beschlüsse der letzten Mitgliederversammlung
der Abteilung für freie Arztwahl hat die Vorstandschaft ein Schreiben
an den Bezirksverein München Land gerichtet mit dem Vorschlag,
in Verhandlungen über eine bessere gemeinsame Organisation ein¬
zutreten. Auf den am 13. Jan. abgegangenen Brief ist eine Antwort
noch nicht eingetroffen.
Schliesslich wird das Schreiben der Herren Koppel, Busch
und Köhler (p. 319 d. Wochenschr.) verlesen und unter Zustimmung
der Versammlung folgende Gegenerklärung angenommen: „Der Be¬
zirksverein hat mit Entrüstung von dem Schreiben Kenntnis ge¬
nommen und spricht die bestimmte Erwartung aus, dass sich kein
deutscher Arzt finden werde, der zum Zweck, die freie Arztwahl zu
hintertreiben, unserer bewährten Organisation in den Rücken fällt.“
Punkt 2 der Tagesordnung: Antrag auf Aufhebung des „Ver¬
trages“ wird von Herrn P e r u t z mit Hinweis auf die ausführlichen
Darlegungen, die diese Angelegenheit in den letzten Sitzungen der
Abteilung für freie Arztwahl gefunden hat, nochmals kurz begründet.
Nachdem eine Reihe von Kollegen im vergangenen Jahr von dem
ihnen zustehenden Kündigungsrecht des „Vertrages“ Gebrauch ge¬
macht hatten, war die Zahl derer gewachsen, die nicht mehr an diese
Verpflichtung, die auf Ehrenwort und 10 000 M. Konventionalstrafe
lautete, gebunden war, deshalb schien eine generelle Neuregelung ge¬
boten. Sie ist nun durch die Annahme des Antrages, für die An¬
gehörigkeit zur Abteilung für freie Arztwahl die Unterzeichnung des
Verpflichtungsscheins des Deutschen Aerztevereinsbundes zu ver¬
langen, geschehen. Da auch von den der Abteilung für freie Arztwahl
nicht angehörenden Mitgliedern des Bezirksvereins mit wenigen Aus¬
nahmen der Verpflichtungsschein unterschrieben ist, kann die Auf¬
hebung des im Jahr 1903 vom Bezirksverein in einer allgemeinen
Aerzteversammlung vorgelegten „Vertrags“ erfolgen. Zugleich möge
der Bezirksverein die durch Aufhebung des „Vertrages“ notwendigen
Aenderungen der Satzung der Abteilung für freie Arztwahl genehmi¬
gen. ln der sich daran anschliessenden Diskussion, an der sich die
Herren Cohn, Epstein, Sacki, Ranke, Grünwald, Rehm
und P e r u tz beteiligten, wurde von einigen Seiten die Frage erörtert,
ob der Bezirksverein in der Lage sei, von sich aus diesen „Vertrag“
einfach aufzuheben. Es herrschte aber schliesslich Einigkeit dar¬
über, dass rechtlich kein Bedenken bestehen könne, die Unterzeichner
des „Vertrages“, der eigentlich eine Verpflichtung darstelle, von ihrer
dem Bezirksverein gegenüber übernommenen Verpflichtung zu ent¬
binden unter gleichzeitiger Mitteilung an jeden einzelnen von ihnen.
Dementsprechend wurde dem Antrag auf Aufhebung auch von der
Versammlung einstimmig stattgegeben und zugleich der dadurch nöti¬
gen Satzungsänderung der Abteilung für freie Arztwahl die Genehmi¬
gung erteilt. Der Anregung des Referenten zufolge soll künftig den
neu dem Bezirksverein beitretenden Mitgliedern die Unterzeichnung
des Verpflichtungsscheins des Aerztevereinsbundes empfohlen
werden.
Zu Punkt 3 der Tagesordnung: Beratung des Entwurfs einer
Standes- und Ehrengerichtsordnung lagen die Abänderungsvorschläge
des Ehrengerichts und der ethischen Kommission, die sich in mehr¬
maligen Sitzungen eingehend mit dem Entwurf beschäftigt hatten,
im Druck vor. Zum Entwurf der Ehrengerichtsordnung (Ref.: Herr
Rehm) sind noch weitere Abänderungen von Herrn G r ü n w a 1 d
beantragt.
Das Ergebnis der Beratungen ist in den wichtigsten Punkten fol¬
gendes:
Gestrichen wird gleichlautend mit den Vorschlägen der Kom¬
mission die Bestimmung des Landtagsausschusses, dass die Fest¬
setzung des Honorars und der Abschluss von Verträgen mit öffent¬
lichen und privaten Korporationen nicht Gegenstand eines ehren¬
gerichtlichen Verfahrens bilden können.
Herr Grünwald,weist darauf hin, dass diese Verwerfung das
Scheitern des ganzen Gesetzes im Landtag nach sich ziehen kann
und hält deshalb eine ausführliche Begründung an dieser Stelle für
notwendig. Auch Referent pflichtet dieser Anregung bei.
Eine lebhafte Diskussion entspinnt sich über die im Entwurf vor¬
gesehene Ausnahme der beamteten und Militärärzte von dem Ehren¬
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ge rieh ts verfahren. Herr Cohn hält es für wünschenswert, dass ge¬
nauer präzisiert werde, welche Kategorien von Aerzten den be¬
amteten zuzuzählen sind. Er erinnert, dass auch die Bahnärzte sich
als beamtete Aerzte betrachten; auch Herr Sacki und Herr Nas¬
sauer äussern sich im gleichen Sinne. Bezüglich der Militärärzte
macht Herr Fr. Bauer darauf aufmerksam, dass die der Abteilung
für freie Arztwahl angehörenden Militärärzte auch der Beschwerde¬
kommission unterstehen und von ihr ohne Anrufung der mili¬
tärischen Gerichte bestraft werden können. Es sei deshalb durchaus
nicht notwendig, dem Vorschlag Grünwalds entsprechend sofort
die Forderung fallen zu lassen, die Jurisdiktion auch auf sie, soweit
sie Praxis treiben, auszudehnen.
Herr Henkel beantragt, es bei dem Beschluss der Kommission
zu lassen. Die Bahnärzte sind nur in dieser ihrer Eigenschaft Beamte,
aber doch wohl nicht als sonst praktizierende Aerzte. Herr Neu¬
haus: Auch die beamteten Aerzte treiben Privatpraxis; es können
sich dabei auch Konflikte ergeben, die es wünschenswert machen, sie
den ärztlichen Ehrengerichten zu unterstellen. Schliesslich stellt sich
die Versammlung einhellig auf den Standpunkt, nach Vorschlag der
Kommission, diesen Absatz des Entwurfs, der eine Ausnahmestellung
der vorerwähnten Kategorie vorsieht, zu streichen.
Ein Antrag Grünwald, der die Berechtigung, Klage beim
Ehrengericht zu stellen, jedem Arzt einräumt, während der Entwurf
nur Klageerhebung durch die Vorstandschaft des zuständigen Vereins
ins Auge fasst, findet Annahme, ebenso einige Ergänzungen bezüg¬
lich des Erscheinens vor dem Ehrengericht, Beiziehung eines Ver¬
trauensmannes, Protokollierung. Vereidigung von Zeugen und Be¬
schlussfassung des Gerichts. Der Höchstbetrag der zu verhängen¬
den Geldstrafe wird auf 3000 M. (in der Regierungsvorlage 2000 M.)
festgesetzt.
Nach Durchberatung des ganzen Entwurfs wird in Anbetracht
der vorgerückten Zeit das Referat von Herrn Nassauer über die
Grundzüge der Standesordnung auf die nächste Sitzung verschoben.
Schluss 10% Uhr. F. P c r u t z.
Aerztlicher Bezirksverein Kaiserslautern.
Sitzung vQm 11. Februar 1909.
Beschluss:
„Angesichts der zur Zeit in massgebenden Kreisen herrschenden
Auffassung, wie sie besonders durch die am 5. Februar d. J. im
Reichstag gehaltene Rede des Staatssekretärs v. Bethmann-Holl-
w e g zum Ausdruck kam, ist der Bezirksverein zur Ueberzeugung ge¬
langt, dass die ärztlichen Standesbestrebungen zur Zeit bei den Re¬
gierungen auf eine Förderung nicht rechnen können und etwaige
Aenderungen der bisherigen Schieds- und Ehrengerichtsordnung nicht
im Sinne der Aerzte ausfallen würden.
Der Bezirksverein Kaiserslautern spricht sich deshalb gegen
jede Aenderung der zur Zeit bestehenden, durch die Kgl- Verordnung
vom 9. Juli 1895 geregelten ärztlichen Schieds- und Ehrengerichte
aus, insbesondere lehnt er eine vom Staat den Aerzten gegebene
Standesordnung, in welcher den zur Zeit vorherrschenden wirtschaft¬
lichen Fragen nicht genügend Rechnung getragen wird, ab; ferner
ist der Bezirksverein mit der Herausnahme der Amtsärzte aus der
Kompetenz der Schieds- und Ehrengerichte Art. 4. Abs. 3 des Ent¬
wurfes), sowie mit der Zuziehung eines juristischen Beisitzers (Art 5.
Abs 1) nicht einverstanden, da hierdurch die Unabhängigkeit der
Schieds- und Ehrengerichte und die Würdigung rein ärztlicher Stan¬
desfragen gefährdet werden.
Wenn in dem Schreiben der bayerischen Aerztekammern zur
gesetzlichen Regelung der ärztlichen Standes- und Ehrengerichts¬
ordnung in Absatz 3 gesagt wird,
dass neuerlich Missstände bei ehrengerichtlichen Verhand¬
lungen Aufsehen erregt haben und das Fehlen geeigneter ge¬
setzlicher Vorschriften schmerzlich empfinden lassen,
so schreibt der Bezirksverein derartige Missstände vielmehr dem
Fehlen einer genau alle Einzelheiten festsetzenden Geschäftsordnung
für die Schieds- und Ehrengerichte zu und hält deshalb zur Er¬
reichung des von den Aerztekammern erstrebten Zieles die Auf¬
stellung einer genauen Geschäftsordnung für die Tätigkeit der Schieds-
und Ehrengerichte und der Berufungsinstanzen durch die Aerzte¬
kammern für genügend.
Aus diesen Gründen erachtet der Bezirksverein Kaiserslautern
eine von den Aerztekammern ausgehende Anregung zu einer Aen¬
derung der Kgl. Verordnung vom 9. Juli 1895 für durchaus unange¬
bracht.“
Verschiedenes.
Aus den Parlamenten.
(Deutscher Reichstag.)
Im Reichstag kamen bei der weiteren Beratung des Etats
des Reichsamtes des Innern bei dem Kapitel „Reichsgesundheitsamt“
eine Reihe gewerbehygienischer Fragen zur Sprache. Der Abgeord¬
nete Fleischer sprach über die Notwendigkeit, die Qiftgefahren
in der keramischen Industrie energisch zu bekämpfen, .die jjach d^n
Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
429
Berichten der (Jewerbeaufsichtsbeamten sehr erheblich seien;
namentlich sei die weibliche Arbeiterschaft in hohem Grade der Blei¬
krankheit ausgesetzt, und darum kommen bei ihr eine unverhältnis¬
mässig grosse Zahl von Fehlgeburten vor. Was das Verbot der Ver¬
wendung bleiweisshaltiger Farben bei Maler-, Lackierarbeiten etc.
betrifft, so ist die Frage eines ausreichenden Ersatzes wohl noch nicht
geklärt und darum für gesetzgeberische Massnahmen noch nicht
spruchreif. Doch könnten diese vorbereitet werden, wenn bei Ver¬
gebung staatlicher und kommunaler Arbeiten die Nichtverwendung
solcher Farben zur Bedingung gemacht würde. Eine aus Vertretern
aller beteiligten Kreise zusammengesetzte Vertrauenskommission
sollte dann die Frage weiter beraten. Der Redner weist dann aui
eine Publikation des Kreisarztes Dr. Frey hin, die sich mit der
Sicherung der Diagnose der Bleikrankheit beschäftigt und regt eine
regelmässige periodische Untersuchung der der Bleikrankheit am
meisten ausgesetzten Arbeiter unter Zuhilfenahme der von Frey
und G r a w i t z angegebenen Methode an. Er hält es für erforderlich,
dass zur Fabrikinspektion auch weibliche Personen und auch Arbeiter
herangezogen werden. Dieser Forderung schloss sich auch Herr
Mugdan an. Dieser sprach des weiteren über die unklaren Be¬
stimmungen, welche den Verkauf gewisser Mittel in Drogerien be¬
treffen; was das eine Gericht für erlaubt hält, werde von einem
anderen bestraft. Es sei überhaupt nicht Sache des Staates, den
Bürger in den Glauben zu versetzen, dass durch staatliche Gesetze
seine Sicherheit gewährleistet werde. Dieses Bevormundungs¬
prinzip liege auch der vom preussischen Kultusminister geplanten
Regelung der Spezialarztfrage zugrunde. Herr Mugdan erwähnt
dann die bekannten Beispiele (Koch, Graefe), welche zeigen, dass
eine Assistentenzeit nicht als Bedingung für die Bezeichnung als
Spezialarzt gefordert werden dürfe. Er hält überhaupt die gesetz¬
liche Regelung dieser Frage für ganz überflüssig, denn das Publikum
sei selbst imstande, den tüchtigen von dem untüchtigen Spezialarzt
zu unterscheiden. Herr Mugdan erinnerte dann an das noch aus-
stehende Hebammengesetz, und an Massnahmen zur Besserung des
Hebammemvesens. Es müssten obligatorische unentgeltliche Fort¬
bildungskurse für Hebammen eingerichtet werden; ferner müssten
ihnen, da sie besonders leicht folgenschweren Infektionen ausgesetzt
seien, die Segnungen der Arbeiterversicherung, vielleicht im Rahmen
des bestehenden Gesetzes zu Teil werden. Auch für die Kranken¬
pflegepersonen sei eine Fürsorge durch Versicherung erforderlich,
für die weiblichen, die kaum länger als 10—15 Jahre tätig sein können,
in erster Reihe eine Pensionsversicherung. Was die Bleikrankheit
betrifft, so würden alle Verfügungen und Gesetze wirkungslos bleiben,
so lange die Arbeiter sie nicht befolgen; aber dagegen werde gerade
von den Malern sehr oft gesündigt, und sie müssten aus ihren Kreisen
auf die Folgen ihrer Unvorsichtigkeit hingewiesen werden.
Der Präsident des Reichsgesundheitsamtes, Herr B u m m, ant¬
wortete auf einige der angeregten Fragen. Das Hebammenwosen sei
wegen der Verschiedenheit der örtlichen Verhältnisse besser landes-
als reichsgesetzlich zu ordnen, dagegen sollen demnächst Verhand¬
lungen über einheitliche Vorschriften betreffs der Ausbildung und des
Gewerbebetriebes der Hebammen eingeleitet werden. Eine Revision
der Bestimmungen über den Verkauf von Arzneimitteln in Apotheken
bezw. Drogerien ist in Vorbereitung. Zur Abwohr der Bleigefahr
sind eine ganze Reihe von Vorschriften erlassen, ausserdem ein Merk¬
blatt herausgegeben worden, es wäre nur dringend zu wünschen,
dass alle Vorschriften gewissenhaft befolgt worden. Die Blutunter¬
suchung bei den regelmässig stattfindenden Revisionen des Gesund¬
heitszustandes der Arbeiter zur Feststellung der Bleikrankheit anzu¬
wenden. sei verfrüht, denn sie sei sehr umständlich und ihre Zuver¬
lässigkeit noch nicht allgemein anerkannt.
Von verschiedenen Rednern wmrde auch der Kölner Aerztestreik
wieder in die Debatte hineingezogen; es geschah dies zwar in
ruhigerer, aber von Animosität doch nicht ganz freier Weise. Herr
B r ü hne erwähnte einige Fälle, in denen Aerzte bei dringender
Gefahr ihre Hilfe verweigert haben sollen. Herr Mugdan erklärte,
dass ein solches Verhalten entschieden zu verurteilen wäre und von
den Ehrengerichten auch verurteilt werden würde; aber es sei
zweifelhaft, ob die Fälle wirklich vorgekommen sind, sie sind nur in
einer einzigen sozialdemokratischen Zeitung Kölns, in keiner andern
erwöhnt. Die Schuld an* den Kölner Zuständen liege lediglich an
dem Krankenkassenverband, der schon vor Monaten laut verkündet
habe, er habe genügend Aerzte, er brauche die Kölner Aerzte gar
nicht. Nachdem sich jetzt herausgestellt habe, dass ihm dies tatsäch¬
lich nicht gelungen sei, werde hoffentlich bald die im Interesse der
Krankenkassenmitglieder dringend notwendige Einigung zustande
kommen.
Bei dem Kapitel „Reichsversicherungsamt“ spricht Herr Enz-
b e r ge r den Wunsch aus, dass die Versicherungsanstalten noch mehr
als bisher mit ihren Millionenfonds gemeinnützige Unternehmungen,
insbesondere die Verbesserung der Arbeiterwohnungen, unterstützen,
denn die Wohnungshygiene gehöre zu den wichtigsten Punkten der
sozialen Fürsorge. Für die Heilfürsorge sind im Jahre 1907 rund
15 Millionen ausgegeben worden; über die Leistungen der Heilstätten¬
behandlung könne man bei der Kürze der Zeit noch kein ab¬
schliessendes Urteil sich bilden, über ihre Bewertung stehen in den
Kreisen der Sachverständigen verschiedene Ansichten einander
gegenüber, immerhin zeige die Statistik des Reichsversicherungs¬
amtes, dass man mit den Erfolgen zufrieden sein könne. Herr
Bömelburg bemängelte die Unfallstatistik, bei der man den Um¬
fang der Unfälle in den einzelnen Berufsgruppen nicht erkennen und
darum keine brauchbaren Vergleiche anstellen könne. Die Unfall¬
verhütung könnte auch auf dem Wege der Erziehung gefördert
werden, z. B. w enn dieses Thema in den Lehrplan der Fortbildungs¬
schulen und der technischen Unterrichtsanstalten aufgenommen w r ürde.
Es wäre wünschenswert, dass in den Unfallverhütungsvorschriften
eine grössere Einheitlichkeit bestehe.
(Prcussisches Abgeordnetenhaus.)
Im preussischen Abgeordnetenhause kam bei der
Beratung des Justizetats auch die Frage der Unterbringung geistes¬
kranker Verbrecher zur Erörterung. Einige grauenvolle Verbrechen,
welche in letzter Zeit in Berlin vorgekommen sind, haben diese Frage
in den Vordergrund des Interesses gerückt. Der Abgeordnete
Becker betonte, dass es unbedingt erforderlich sei, Verbrecher,
welche wegen Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen oder ausser
Verfolgung gesetzt sind, unschädlich zu machen. Es muss auch ver¬
hütet werden, dass Geisteskranke mit verbrecherischen Neigungen
von Zeit zu Zeit der menschlichen Gesellschaft gefährlich werden,
solche Personen müssen dauernd interniert werden. Jetzt geschehe
es vielfach, dass Staat und Provinzialverw r altung sich die Fürsorge
für diese Leute gegenseitig zuschieben, indem der eine sie in erster
Reihe als Kranke, der andere als Verbrecher bezeichnet. Die Miss¬
stände. die sich notwendigerweise daraus ergeben, müssen durch eine
gesetzliche Regelung der Materie beseitigt werden. Der Justiz¬
minister antwortete darauf, dass die Justizverwaltung hier nur inso¬
weit einwirken könne, als sie in grossen Strafanstalten eigene Irren¬
abteilungen einrichte, um nötigenfalls den Geisteszustand der Häft¬
linge feststellen zu lassen, dass im übrigen aber die Angelegenheit
in das Ressort des Ministers des Innern falle.
Ueber die Verhandlungen der Kommission zur Beratung
des Gesetzentwurfes betr. die Gebühren der
Medizinal beamten liegt jetzt der Bericht vor. Es sind darin
einige Mitteilungen der Regierung enthalten, welche für die künftige
Stellung der Kreisärzte von Bedeutung sind. Die vollbesoldeten
Kreisärzte sollen nicht nur den übrigen Lokalbeamten mit aka¬
demischer Vorbildung, sondern auch den Provinzialbeamten, die aus
ihnen hervorgehen, gleichgestellt werden, sie sollen also dasselbe
Höchstgehalt beziehen wie die Regierungs- und Medizinalräte, die
Regierungsräte etc. Die Konsequenz davon müsste sein, dass sie
keine anderen dienstlichen Bezüge erhalten, durch die sie besser ge¬
stellt wären als jene Beamten. Wenn über die späte Anstellung der
Kreisärzte Klage geführt werde, so sei zu bedenken, dass viele Aerzte
sich erst im höheren Lebensalter zur kreisärztlichen Laufbahn ent¬
schlossen. Tatsächlich sei eine Anstellung schon 5 Jahre nach der
Approbation möglich,auch ist eineUebergangsbestimmung vorgesehen,
nach der das Besoldungsdienstalter der im Amte befindlichen Mcdi-
zinalbeamten um 3 Jahre vordatiert werde. Die Gebührenverhält¬
nisse sind jetzt vielfach unbestimmt und unklar; nur Gebühren für
solche Verrichtungen, für die ausschliesslich der Kreisarzt zuständig
ist, ist er gehalten abzuführen. Aber es ist oft zweifelhaft, ob Ge¬
bühren unter diese Rubrik fallen oder nicht, und es ist wiederholt
vorgekommen, dass Kreisärzte Gebühren abgeliefert haben, ohne
dazu verpflichtet zu sein. Diese Zweifel sollen in Zukunft beseitigt
und an die Stelle der unsicheren Gebühren ein festes Gehalt gesetzt
werden. Nur die Gebühren für die Tätigkeit als gerichtliche Sach¬
verständige und für amtliche Verrichtungen sollen abgeliefert werden;
unter letzteren sind solche zu verstehen, welche dem Kreisarzt als
staatlichem Gesundheitsbeamten des Kreises obliegen und in dei
Dienstanweisung näher gekennzeichnet sind. Nicht hierhin gehören
solche Verrichtungen, welche er nebenamtlich oder auf Grund eines
privatrechtlichen Auftrages ausführt, z. B. die Tätigkeit als Schularzt,
als Krankenhausarzt, als Vertrauensarzt einer Invalidenversicherungs¬
anstalt oder einer Berufsgenossenschaft; dagegen ist die Tätigkeit bei
den Schiedsgerichten keine vertrauensärztliche, sondern eine amt¬
liche. Für die geplante Neuregelung der Pensionsbezüge der nicht voll¬
besoldeten Kreisärzte sollen als Grundlage für die Berechnung der
Pension nicht mehr die schwankenden Durchschnittsbezüge für Ge¬
bühren, sondern ausser dem zuletzt bezogenen Gehalt ein fester Satz
für Gebühreneinnahmen von 1800 M. und der durchschnittliche Betrag
der Stellenzulagen von 450 M. einheitlich dienen. Ein Antrag auf
Gleichstellung der nicht voll besoldeten mit den voll besoldeten Kreis¬
ärzten in der Pension w r ird abgelehnt. Es kamen dann die Petitionen
der Berlin-Brandenburger Aerztekammer und des Aerztekammer-
ausschusses zur Sprache, in denen der Wunsch ausgesprochen ist.
dass nichtbeamtete Aerzte, welche zu amtlichen Verrichtungen auf¬
gefordert werden, Gebühren, Reisekosten und Tagegelder nach Ma߬
gabe der Gebührenordnung für approbierte Aerzte erhalten. Von
einem Kommissionsmitgliede wurde die in den Petitionen gegebene
Begründung als berechtigt anerkannt und eine entsprechende Aende-
rung des Gesetzesparagraphen beantragt. Der Vertreter des Medi¬
zinalministers erklärte es jedoch nicht für angängig, die Privatärzte
in der Honorierung besser zu stellen als die beamteten; darauf wurde
der Antrag abgelehnt. M. K.
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430
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
Therapeutische Notizen.
Bei der Ekzembehandlung wird nach Jadassohn-
Bern häufig in der Weise gefehlt, dass wenig differente Mittel lange
Zeit in gleicher Weise fortgegeben werden oder dass energische Mit¬
tel in zu starken Konzentrationen verordnet werden. (Ther. Monatsh.
12, 08.) Zu wenig bekannt ist auch, dass bei chronischen Ekzemen
sehr häufig gleichzeitig akute Prozesse sich finden. Man beginnt die
Behandlung daher immer zweckmässig mit den feuchten Verbänden
(Liquor aluminii, Borsäure, Bleiwasser, Resorzin). Den Salbenver¬
bänden setzt man das viel zu wenig beachtete Tumenol zu. Be¬
sonders bewährt hat sich eine Tumenol-Naftalan-Zinkpaste:
Tumenol 1,0—10,0
Zinc. oxydat.
Amyli ana 25,0
Naftalan ad 100,0
Auch die Kombination mit Unguentum leniens ist sehr emp¬
fehlenswert. Daneben muss auf eine sorgfältige Reinigung der Haut
geachtet werden (Oel, Vaselin, Cold-cream, Benzin, heisses Bor¬
wasser, Kamillenthee)).
Bei Nachlass der akuten Erscheinungen soll die Teerbehandlung
einsetzen, zunächst in ganz milden Salben (Oleum lithantracis oder
Liquor carbonis detergens 0,5—1,0 Proz., Ol. Rusci 0,1 Proz.). Chrysa¬
robin und Pyrogallol sind auch beim Ekzem sehr wirksam, aber
nur in sehr geringer Konzentration (Chrysarobinzinkpaste 1 :1000,
Pyrogallol 0,1:1000).
Sehr anzuraten ist bei der weiteren Behandlung die Kombination
mehrerer Mittel, z. B. Tumenol und Teer, Chrysarobin mit Teer:
Chrysarobin 0,05—1,0
Ol. Rusci 0,2—5,0
Zinc. oxydat.
Amyli ana 20,0
Vaselin, ad 100,0
Die Höhe der Kombination stellt folgendes Rezept dar, das sich
in vielen Fällen ganz ausgezeichnet bewährt hat:
Ol. Lithantracis 18,0
Ol. Cadini 15,0
Resorcin. 2,0
Camphorae 40,0
Sulfuris 15,0
Boracis 36,0
Glyzerin. 54,0
Menthol. 5,0
Azeton 80,0
Ol. Rizini 40,0
Lanolin. 100,0
Das Rezept stammt von D u r e t, der damit den „Baume du
Dr. Baissade“ in vorzüglicher Weise ersetzt hat. Der (aus
Terpentinöl) gefällte Schwefel soll mit den Teerölen, dem Rizinusöl
und dem Lanolin in einem geschlossenen Rezipienten bei 125—130°
vermischt werden. Man kann die Mischung unverdünnt oder als Zu¬
satz zu Zinkpaste benützen. Kr.
Die hauptsächlichen Indikationen der Heiss¬
luftbehandlung in der Medizin besprechen D e l h e r m
und Laquerriere unter Anführung der wichtigsten Apparate
(Qazette des höpitaux, 24. u. 26. Nov. 1908). Es sind dies das Licht¬
bad von Richard Heller, die Heissluftkasten, von den bei¬
den Verfassern konstruiert, wo die Temperatur durch Bunsenbrenner
oder elektrisches Licht erzielt, und die Heissluftdusche, welche
noch höhere Temperaturgrade wie die beiden vorhergehenden (bis
200 °) ermöglicht und in dem D a u s s e t sehen Apparat eine relativ
einfache und leicht zu transportierende Anwendung gestattet. Es er¬
geben sich zweierlei Arten von Anwendung: allgemeine und lokale.
In allgemeiner Anwendung ist das Lichtbad ein Regulator der peri¬
pheren Zirkulation und ein Tonikum bei Neurasthenikern, es wirkt
anregend auf die Ernährung bei Gelenkrheumatismus und Gicht, ist
ein gutes Hilfsmittel bei Entfettungskuren und erleichtert die Aus¬
scheidung der Toxine (Morphinomanen). In lokaler Applikation
ist die heisse Luft besonders ein schmerzstillendes Mittel
und sehr wirksamen bei Neuralgien, bei Lumbago, Tortikollis usw., hat
eine Art resolvierender Wirkung auf die Periarthritis, auf Gelenks¬
gicht, die chronischen Oedeme als Folge von Phlebitis usw. Sie findet
auch ihre Indikationen bei der Behandlung des Pruritus, Ekzems,
atonischer Wunden. Kurz, Verfasser glauben, der Heissluftbehand¬
lung gebühre ein Platz neben der Galvanisation, den Hochfrequenz-
stömen und der Radiotherapie, ohne den Wert dieser Methoden zu
schmälern. St.
Tagesgeschichtliche Notizen.
München, 22. Februar 1909.
— Die Angriffe, die der Staatssekretär des Innern, Herr v.Beth-
mann- Holl weg in der Reichstagssitzung von! 5. ds. gegen die
ärztliche Organisation richtete, wurden von der Vorstandschaft des
Leipziger Verbandes in einem offenen Brief, den wir weiter unten
zum Abdruck bringen, zurückgewiesen. Das Schreiben ist in scharfer,
aber doch massvoller Sprache abgefasst. Es stellt die Lage der Kölner
Aerzte fest, die nicht selbst streiken, sondern ausgesperrt sind; es be¬
tont die Freiwilligkeit der ärztlichen Organisation im Gegensatz zum
Koalitionszwang, von dem der Minister gesprochen hatte und die
vollkommene Zurückhaltung der ärztlichen Ehrengerichte gegen¬
über den Kämpfen der Organisation. Zum Schluss, und darin liegt
die grosse Bedeutung dieses offenen Briefes, warnt die Vorstand¬
schaft den Staatsekretär vor dem Versuch, die Aerzte mit ihren Be¬
rufsforderungen unter den Spruch eines Schiedsrichters zu zwingen.
Er würde dann die Aerzteschaft ebenso einig im Widerstande finden,
wie sie jetzt zum Schutze ihrer bedrohten Kollegen einig und treu
zusammensteht. Es kann nicht schaden, wenn die Aerzteschaft ihrer
Entschlossenheit in diesem Punkte schon jetzt unzweideutigen Aus¬
druck gibt. Der Staatssekretär hat zwar in seiner Rede keine An¬
deutung gemacht, die darauf schliessen Hesse, dass sein Entwurf in
dieser Hinsicht für die Aerzte nachteilige Bestimmungen enthielte:
aber man kann nicht wissen, ob nicht unter dem Drucke der mächtigen
gegnerischen Organisationen Verschlechterungen des Entwurfes
werden versucht werden. Darum ist die Warnung des L. V. ganz
am Platze. Die deutsche Aerzteschaft begriisst die vorgeschlagenen
Einigungsinstanzen und verspricht sich von ihnen, die friedliche Bei¬
legung manches Konfliktes. Den Versuch aber, sie unter den Spruch
dieser Schiedsgerichte zu zwingen, wird sie mit allen ihr zur
Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen.
— In den Erörterungen über den Kampf in Köln, die in
der Fach- und Tagespresse jetzt zu finden sind, spielt eine Haupt¬
rolle die Bemerkung in No. 6 der „Aerztl. Mitteilungen“, dass die
Kölner Kollegen die Taktik beschlossen hätten, die Mitglieder der
fraglichen Kassen und ihre versicherten oder nicht versicherten An¬
gehörigen nicht zu behandeln, auch nicht gegen Bezahlung, auch
nicht in Notfällen. Diese Nachricht kann, wenn nicht der Nach¬
druck auf das Wort „behandeln“ gelegt wird, leicht zu Missver¬
ständnissen Anlass geben und sie ist tatsächlich auch so ausgelegt
worden, als ob die Kölner Aerzte auch bei Unglücksfällen, bei
lebensgefährlichen Blutungen etc. jedes Eingreifen versagen würden.
Dass dies nicht der Fall ist, war schon in unserem Kölner Brief in
vor. Nummer betont. Die von der Kampfleitung ausgegebene An¬
weisung schreibt vielmehr vor: „Bei lebensgefährlichen Verletzungen
und lebensgefährlichen Blutungen ist eine einmalige und zwar un¬
entgeltliche Hilfe zu leisten.“ Dass diese Massregel unter den ge¬
gebenen Verhältnissen zu rechtfertigen und zur Erreichung des
Zwecks notwendig ist, haben wir bereits in No. 6 ausgesprochen.
— Die diesjährige Generalversammlung der Deut¬
schen Gesellschaft zur Bekämpfung der Ge¬
schlechtskrankheiten findet am Sonntag, den 28. Fe¬
bruar, vorm. 12 Uhr in B e r 1 in im Kaiserin Friedrichhaus, Luisen¬
platz 2—4, statt. Gegenstand der Beratung ist die durch den preus-
sischen Ministerialerlass vom 11. Dezember 1907 angebahnte Reform
der Prostituiertenüberwachung.
— Die von der sozialdemokratischen Kölner Presse veröffent¬
lichten Fälle, wo die alten standestreuen Aerzte Kölns in Notfällen
die Hilfe verweigert haben sollen, sind vom Kölner ärztlichen Verein
nachgeprüft worden; es hat sich ergeben, dass die Anschuldigungen
gar nicht der Wahrheit entsprechen, und dass die betr. Aerzte auch
nicht der leiseste Vorwurf treffen konnte. Nun muss sich dieselbe
Presse gefallen lassen, dass auch die städtische Verwaltung die
gegen die Hospitäler gerichteten Angriffe — unter anderem die Aus¬
weisung eines sterbenden Kindes! — in öffentlicher Sitzung der
Stadtverordneten als völlig haltlos bezeichnet, obwohl die ein¬
gehendste Untersuchung stattgefunden hatte. Die städtische Ver¬
waltung gab gleichzeitig offiziell kund, dass sie bei den jetzigen
Differenzen zwischen Aerzten und Krankenkassen strenge Neutralität
gegenüber beiden Parteien wahre und wahren werde. Hoffentlich
nimmt die Regierung in Köln auch diesen Standpunkt für die Zu¬
kunft ein.
— Die Einführung der freien Arztwahl in der
Armenpflege in Mannheim ist vom dortigen Stadtrat mit
Wirkung vom 1. April 1909 vorbehaltlich der Bewilligung der Mittel
durch den Bürgerausschuss auf Grund ^nes Antrages der Armen¬
kommission beschlossen worden. Die Honorierung der Aerzte erfolgt
nach dem Pauschalsystem und beträgt für eine Einzelperson 4.60 M.
und für eine Familie 16.10 M. pro Jahr. Besonders zu vergüten
wären ausserdem kontrollärztliche Untersuchungen und Gutachten¬
erstattung.
— Im Grossherzogtum Hessen ist durch eine ministerielle Ent-
schliessung angeordnet worden, dass von Ostern 1909 an am Real¬
gymnasium Darmstadt und der Oberrealschule zu Mainz der bio¬
logische Unterricht, entsprechend den Beschlüssen der
Meraner Naturforscherversammlung, durch alle Klassen durchgeführt
und eine Neugestaltung des naturwissenschaftlichen Unterrichts, in
dem die Selbsttätigkeit der Schüler mehr gepflegt werden soll als
seither, durch Einführung von Schülerübungen herbeigeführt werde.
Die Neueinführung der Biologie in den oberen Klassen erfolgt am
Realgymnasium im wesentlichen auf Kosten des Lateinischen und
der Mathematik, an der Oberrealschule auf Kosten der Mathematik.
— Dem Deutschen Komitee zur Sammlung eines Hilfsfonds für
die vom Erdbeben in Süditalien geschädigten Aerztefamilicn sind
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23. Februar 1909.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
431
nachträglich noch beigetreten Qeheimrat Proi. Dr. Quincke in
Frankfurt a. M. und Prof. Dr. S i e g e r t in Köln. — II Policlinico
veröffentlicht eine Liste von 51 in Messina getöteten Aerzten, da¬
runter viele Professoren der medizinischen Fakultät.
— Nachdem der Vorstand des „Aerztevereins des Ber¬
liner Rettungswesens“ vor längerer Zeit beschlossen hat,
den Unterricht über erste Hilfe bei Unfällen und plötzlichen Er¬
krankungen bis zur Ankunft des Arztes an Nichtärzte mit Unter¬
stützung der Berliner Rettungsgesellschaft in sein Programm auf¬
zunehmen, werden jetzt die gleichfalls seit längerer Zeit beabsichtigten
Samariterlehrkurse für Aerzte unter Leitung von Pro¬
fessor George Meyer beginnen.
— Dem am 23. Juni 1907 verstorbenen Geh. Med.-Rat Prof. Dr.
Emanuel Mendel soll in seinem Wohnorte Pankow b. Berlin ein
Denkmal errichtet werden. Das mit dör Durchführung dieser Auf¬
gabe betraute Komitee wendet sich an die Freunde des Verstorbenen
mit der Bitte um Beiträge. Solche nimmt entgegen u. a. die Ge¬
meindekasse in Pankow.
— Die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft zu
Frankfurt a. M. ernannte zum korrespondierenden Mitglied Prof. Dr.
Bernhard Sigismund S c h u 11 z e, Ordinarius der Gynäkologie an der
Universität Jena.
— Die Lupuskommission des Deutschen Zentral¬
komitees zur Bekämpfung der Tuberkulose tagte am
13. ds. Mts. im Kultusministerium. Geh.-Rat Kirchner, der an
A11 h o f f s Stelle vom Präsidium des Zentralkomitees zum Vorsitzen¬
den bestellt ist, leitete die Verhandlungen, an denen hervorragende
Vertreter der Lupusbekämpfung teilnahmen. Es wurde über die Auf¬
gaben der Kommission und die Organisation der Lupusbekämpfung
beraten.
— Vom 1. August bis 30. September d. J. tagt in Rio de Ja¬
neiro der IV. lateinisch-amerikanische medizinische
Kongress; im Anschluss hieran wird eine Internationale Hygiene¬
ausstellung veranstaltet. Für die Zwecke des Kongresses und der
Ausstellung sind von der Bundesregierung 300 Contos de Reis (fast
700 000 M.) bewilligt worden.
— Cholera. Britisch-Ostindien. In Kalkutta starben vom
3. bis 9. Januar 11 Personen an der Cholera. — Russland. In der
Zeit vom 24. bis 30. Januar sind in der Stadt Petersburg 193 Erkran¬
kungen (und 52 Todesfälle), sonst im Gouv. Petersburg 1 (4) und
im Dongebiet 7 (4), zusammen 201 Erkrankungen (und 60 Todesfälle)
an der Cholera gemeldet worden. Für die Vorwoche stellte sich nach
amtlichen Ergänzungen die Gesamtzahl der Erkrankungen (und
Todesfälle) auf 304 (129). Zufolge einer amtlichen Erklärung sind
während des Jahres 1908 in Finland 20 choleraverdächtige Krank¬
heitsfälle — der letzte am 12. Dezember — festgestellt worden; von
diesen sind 2 tödlich verlaufen. — Straits Settlements. In Singapore
sind vom 1. bis 7. Januar an der Cholera 20 Personen erkrankt und
17 gestorben.
— Pest. Grossbritannien. In Elstree (Hertfordshire) ist am
4. Februar im Laboratorium des Listerinstitutes ein mit Pestunter¬
suchungen für die indische Regierung beschäftigter Arzt an Lungen¬
pest gestorben. Da alle Vorsichtsmassregeln alsbald getroffen
wurden und bis zum 9. d. M. keine weitere Erkrankung dort beob¬
achtet worden ist, hofft man, dass der Fall vereinzelt bleiben wird.
— Türkei. In Bagdad wurden vom 25. Januar bis 5. Februar 4 Er¬
krankungen (und 3 Todesfälle) an der Pest festgestellt, in Djedda vom
25. Januar bis 7. Februar 22 (20). — Aegypten. Vom 30. Januar bis
5. Februar sind an der Pest 3 Personen erkrankt (und 2 gestorben). —
Britisch-Ostindien. Während der beiden Wochen vom 27. Dezember
bis 9. Januar wurden in ganz Indien 1793 + 2606 neue Erkrankungen
und 1431 + 2155 Todesfälle an der Pest angezeigt.
— In der 5. Jahreswoche, vom 31. Januar bis 6. Februar 1909,
hatten von deutschen Städten über 40 000 Einwohner die grösste
Sterblichkeit Boxhagen-Rummelsburg mit 28,0, die geringste Steglitz
mit 7,6 Todesfällen pro Jahr und 1000 Einwohner. Mehr als ein
Zehntel aller Gestorbenen starb an Scharlach in Königshütte, an
Masern und Röteln in Erfurt, an Diphtherie und Krupp in Hildesheim.
Oberhausen, Thorn, Wiesbaden, an Keuchhusten in Königshütte, Mal¬
statt-Burbach. V. d. K. G.-A.
(Hochschulnachrichten.)
Berlin. An Stelle von Prof. Dr. G. J u e r g e n s, der zum
dirigierenden Arzt der inneren Abteilung am neuen städtischen Kran¬
kenhause in Rixdorf berufen wurde, ist der Privatdozent für Physio¬
logie an der Berliner Universität Dr. med. Georg Friedrich Nicolai
zum Assistenten an der zweiten medizinischen Klinik (Geheimrat
Kraus) ernannt. — Der Privatdozent für Hygiene und Abteilungs¬
vorsteher am hygienischen Institut Dr. med. Karl K i s s k a 11 wurde
zum Titularprofessor ernannt, (hc.)
Breslau. Dem Privatdozenten in der medizinischen Fakultät
Dr. Johannes B i b e r f e 1 d ist der Titel Professor verliehen worden.
Dresden. An der städt. bakteriologischen Untersuchungs¬
anstalt (Leiter: Geheimrat Prof. Dr. S c h m o r 1) ist seit Beginn dieses
Jahres eine serologische Abteilung zur Vornahme von sero¬
logischen Untersuchungen, insbesondere zur Anstellung der
Wassermann sehen Reaktion bei Verdacht auf Syphilis ein¬
gerichtet worden.
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Kiel. Geh. Med.-Rat Prof. Dr. S i e m e r 1 i n g, Direktor der
psychiatrischen und Nervenklinik in Kiel wurde von der „Sociöte
clinique de medecine mentale in Paris“ zum auswärtigen Mitglied
ernannt.
Königsberg i. Pr. Zur Ausgestaltung des speziellen Unter¬
richts auf dem Gebiete der Ohrenkrankheiten wird beabsichtigt, die
zur Zeit vorhandene Poliklinik durch Begründung einer stationären
Abteilung für Ohrenkranke zu einer vollen Klinik auszugestalten und
zu diesem Zweck einen Neubau zu errichten, (hc.)
Marburg. In der med. Fakultät der Universität Marburg
habilitierte sich der Assistent an der Säuglingsabteilung der med.
Klinik Dr. med. Paul S i 111 e r mit einer Antrittsvorlesung „Bio¬
logische Fragen bei der natürlichen und künstlichen Säuglings¬
ernährung“ für das Lehrfach der Kinderheilkunde. Das Thema der
Habilitationsschrift lautete: „Die wichtigsten Bakterientypen der
Darmflora beim Säugling, ihre gegenseitigen Beziehungen und ihre
Abhängigkeit von äusseren Einflüssen.“
Würzburg. Die ausserordentliche Professur für „Syphilis
und Hautkrankheiten“ wurde dem Privatdozenten Dr. Carl Zieler,
Oberarzt der Kgl. Klinik für Hautkrankheiten in Breslau übertragen.
Florenz. Dr. G. L. B a s s o habilitierte sich als Privatdozent
für Geburtshilfe und Gynäkologie.
Graz. Der Privatdozent für Hygiene Dr. Paul Theodor
Müller wurde zum a. o. Professor ernannt. Den Privatdozenten
Dr. Hans H a m m e r 1 (Hygiene) und Dr. Emil R o s s a (Gynäkologie)
wurde der Titel eines a. o. Professors verliehen.
Leeds. Dr. F. W. E u r i c h wurde zum Professor der gericht¬
lichen Medizin ernannt.
Rom. Dr. De Ca r 1 i habilitierte sich als Privatdozent für
Oto-Rhino-Laryngologie.
Siena. Der ausserordentliche Professor der gerichtlichen
Medizin Dr. W. M i r t o wurde zum ordentlichen Professor ernannt.
Tours. Dr. Barnsby wurde zum Professor der externen
Pathologie ernannt.
Wien. Der Generaloberstabsarzt Dr. Josef Ritter v. U r i e 1
wurde in den Ruhestand versetzt und ihm bei diesem Anlasse die
Würde eines Geheimen Rates verliehen. Zum Chef des militär-
ärztlichen Offizierskorps wurde der Generalstabsarzt Dr. Florian
Kratschmer von Forstburg, Präses des Militärsanitätskomitees
und Kommandant der militärärztlichen Applikationsschule, bei Be-
lassung in diesen Stellungen ernannt. Zum Vorstande der 14. Ab¬
teilung im Reichskriegsministerium wurde der Oberstabsarzt I. Kl.
Dr. Philipp P e c k ernannt. Bisher stand Dr. v. U r i e 1 diesen beiden
Aemtern vor. Generalstabsarzt v. Kratschmer ist nebstdem
ausserordentlicher Universitätsprofessor für medizinische Chemie und
Hygiene und ordentliches Mitglied des obersten Sanitätsrates.
(Todesfälle.)
Der „Policlinico“ veröffentlicht eine erste Liste der Aerzte,
welche bei der Katastrophe von Messina ihr Leben verloren. Unter
den 51 aufgeführten Namen finden sich folgende Angehörige der
medizinischen Fakultät:
Dr. Gaspare D’U r s o, Professor der chirurgischen Klinik.
Dr. Antonio Z i n c o n e, Professor der Anatomie.
Dr. Giovanni Melle, Professor der Dermatologie und Syphili-
graphie.
Dr. Agatino Giovanni Barbera, Professor der Physiologie.
Dr. Giuseppe Betagh, Assistent an der chirurgischen Klinik.
Dr. Tullio Mazzei, Direktor des Tollwutinstitutes.
Dr. Lorenzo Mandalari, Privatdozent für Psychiatrie an der
med. Fakultät zu Neapel, Direktor der Irrenanstalt.
Dr. Antonio C a m b r i a, Privatdozent für klinische Pathologie.
Dr. Francesco P o n z i o, Privatdozent für gerichtliche Medizin.
Dr. Baldassare Testa, Privatdozent der Materia medica.
Dr. Carmelo Calderone, Privatdozent für Dermatologie und
Syphiligraphie.
(Berichtigung.) In No. 7, S. 353, Spalte 1, Zeile 28 v. u.
ist statt „des kranken Herzens“ zu lesen: „des kranken Ge¬
hirn s“.
Personalnachrichten.
(Bayern.)
Wir machen darauf aufmerksam, dass die bayerischen Personal¬
nachrichten von Beginn dieses Jahres ab in gleicher Weise wie die
Personalien der übrigen Bundesstaaten auf dem Umschlag ver¬
öffentlicht werden. Red.
Korrespondenz.
Offener Brief an Se. Exzellenz Herrn Staatsminister Dr. v. Beth-
mann-Hollweg, Staatssekretär Im Reichsamte des Innern, Berlin.
Eure Exzellenz haben am 5. Februar 1909 von der Tribüne des
Reichstages herab den deutschen Aerzten den Vorwurf eines Miss¬
brauchs des Koalitionsrechtes gemacht und die Möglichkeit eines
Imstichelassens Kranker oder Sterbender als einen Rückfall in un¬
soziale Zustände schlimmster Art bezeichnet. Sie haben weiter ge-
äussert, ein grosser Teil der deutschen Aerzteschaft sei mit solchem
Verhalten in keiner Weise einverstanden, aber er werde von den
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432
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 8.
eisernen Klammern des Koalitionszwanges und dem Drucke eines
ehrengerichtlichen Verfahrens zusammengehalten. Zwar haben Sie
am 9. Februar diese Ihre Ausführungen eingeschränkt, aber es ist
Ihnen schon im Reichstage selbst erwidert worden, dass man sie gar
nicht anders auffassen könne, als auf den jetzigen Kölner Kranken¬
kassenkonflikt gemünzt.
Exzellenz! Bei allen Beschwerden, die im Reichstage vorge¬
bracht werden, pflegen die Vertreter der verbündeten Regierungen es
abzulehnen, Bescheid zu geben, solange das Verfahren noch schwebt.
Warum hielten Sie es jetzt für erlaubt, während der Streit zwischen
Krankenkassen und Aerzten tobt, über die Aerzte ein Urteil zu fällen,
das diese im Kampfe benachteiligen muss?! Wir Aerzte empfinden das
als ein bitteres Unrecht, gegen das wir feierlich protestieren, um so
mehr als Sie offensichtlich über die Lage unseres Standes gar nicht
oder falsch unterrichtet sind.
Als die sozialpolitischen Gesetze, als insbesondere die Kranken¬
versicherung in Kraft trat, da wurden plötzlich wir Aerzte mächtigen
Organisationen, als unseren Brot- und Arbeitgebern gegenübergestellt,
gegen die der einzelne Arzt völlig ohnmächtig war. Die Kassenvor¬
stände diktierten ihm, unter welchen Bestimmungen er seinen Beruf
auszuüben hat, und welches Entgelt er dafür bekomme. Was man
dem Arzte als Lohn für seine aufopfernde, an Entsagung reiche und
gefährliche Berufstätigkeit bot und noch bietet, das zu schildern,
wollen wir uns an dieser Stelle versagen; noch heute, nachdem der
Aerztestand zahllose schwere Kämpfe hat durchfechten müssen,
werden oft nur wenige Groschen als Gegenwert für die schwierigsten
ärztlichen Verrichtungen gezahlt und sind noch Tausende zur Mit¬
arbeit bereite Aerzte von der Praxis bei den Kassenkranken aus¬
geschlossen. Aiso nicht die Idee der Koalitionsfreiheit, nicht die uns
angemutete Herrschsucht hat uns zusammengeschweisst, nein, es war
die Not, die uns als freien Bürgern unseres Staates und als den
Hütern eines freien Berufes, den Existenzkampf gegen übermütige und
herrschsüchtige Kassenverwaltungen aufnötigte. Eure Exzellenz be¬
finden sich in einem gewaltigen Irrtum, wenn Sie annehmen, dass wir
deutschen Aerzte nur von den eisernen Klammern des Koalitions¬
zwanges unter dem Drucke eines ehrengerichtlichen Verfahrens zu¬
sammengehalten würden. Nichts von alledem ist richtig; unsere
Organisation ist eine durchaus freiwillige, und gerade die Aerzte
würden sich am allerwenigsten von einem Zwange leiten lassen.
Und was die Ehrengerichte anlangt, so haben sie sich bisher streng¬
stens jeden, ihre durch das Gesetz umgrenzte Befugnis überschreiten¬
den Eingreifens in diese Kämpfe enthalten, ja wir haben es oft genug
beklagen müssen, dass ihre Entscheidungen den Interessen des ärzt¬
lichen Standes direkt zuwiderliefen. Neu ist es aber jedenfalls, dass
ein hoher Staatsbeamter von der Tribüne des Reichstages herab
staatliche Einrichtungen wegwerfend beurteilt, bloss weil er vermutet,
dass diese unter Umständen dem Aerztestande bei seinem Existenz¬
kämpfe nützen könnten.
Ein grosser Teil der deutschen Aerzte soll mit dem Verhalten
der jetzt im Vordertreffen stehenden Kölner Aerzteschaft nicht ein¬
verstanden sein? Ist es Ihnen bekannt, dass 24 000 deutsche Aerzte,
im deutschen Aerztevereinsbund und im wirtschaftlichen Verbände
organisiert, also bis auf verschwindende Ausnahmen alle für die
Praxis in Frage kommenden Aerzte, geschlossen hinter ihren Kölner
Kollegen stehen? Gegen die Kassenverwaltungen fanden Eure Ex¬
zellenz leider keinen Tadel! Und doch handelte es sich nicht, wie so
vielfach fälschlich angenommen wird, um einen Aerztestreik,
sondern der Kölner Krankenkassenverband hat die alten Kölner Aerzte
von jeder kassenärztlichen Tätigkeit ausgesperrt, und nicht
genug damit, dass man ihnen ihre Kassenpatienten entzog, nein,
Kässenvorstände, Generalversammlungen, Arbeitgeber und Arbeit¬
nehmer sind einmütig in dem Bestreben, sie auch noch in der Privat¬
praxis zu schädigen. Wenn jetzt in Köln Kranke oder Sterbende
ihrem Elend hilflos überlassen werden, dann trifft die Schuld daran
nicht die Aerzte, sondern die Kassenverwaltungen, die zwar durch
öffentliche Bekanntmachung ihren Kassenmitgliedern mitgeteilt haben,
dass sie Kosten, die aus der Inanspruchnahme der alten Kölner Aerzte
entstehen würden, nicht ersetzen, die aber nicht, wie es ihre Pflicht
war und ist, für die ausgeschalteten Kassenärzte ausreichenden und
vollwertigen Ersatz beschafft haben.
Dass die Krankenkassenkämpfe zum Teil auf Kosten der Kranken
geführt werden, ist schändlich, das geben wir zu, aber das sollten
sich in erster Linie diejenigen sagen, die jene Kämpfe aus Herrsch¬
sucht herbeigeführt, und diejenigen, die sie nicht verhindert haben.
Wir Vertreter der kämpfenden Aerzteschaft fühlen uns heute noch
wie immer als die Vertreter eines Standes, dessen Aufgabe und
höchstes Ziel Betätigung der Menschenliebe ist, die Verwirklichung
unserer sozialen Gesinnung sehen wir in der gewissenhaften Aus¬
übung unseres Berufes und wir sind überzeugt, dass hierin die
deutsche Aerzteschaft hinter keiner anderen Gesellschaftsklasse zu¬
rücksteht. Aber wir Aerzte haben auch die Pflicht der Selbst¬
erhaltung und Pflichten gegen unsere Familien; deshalb heisst es dem
Publikum einen schlechten Begriff vom ärztlichen Stande bei-
bringen, wenn man uns zumutet, auch im Kriege unseren Gegnern
den Willen zu tun und uns ihm so lange zu fügen, bis wir überflüssig
geworden sind.
So lange die Kassenvorstände sich nicht herbeilassen, auf die
Bedürfnisse und Lebensbedingungen des ärztlichen Standes und Be¬
rufes die von uns geforderte Rücksicht zu nehmen, so lange soll und
muss es Kampf und Streit geben. Aber dessen können Eure Ex¬
zellenz versichert sein: Niemand wird es freudiger begrüssen, als die
Gesamtheit der deutschen Aerzte, wenn die hässlichen Kämpfe zwi¬
schen Kassen und Aerzten aufhören werden. Die deutsche Aerzte¬
schaft hat oft genug den Weg dazu gezeigt, ein Aerztetag nach dem
anderen hat in ungezählten Eingaben, Denkschriften und Vorschlägen
darauf hingewiesen, dass die Aerzte nur als freie Mitarbeiter an den
sozialen Aufgaben unserer Zeit ihren Beruf voll erfüllen können:
Niemand hat uns gehört. Jetzt, Exzellenz, wo die Reihe an Ihnen
ist, wo Sie die Grundlinien der Versicherungsreform enthüllen, zeigen
Sie im gleichen Augenblicke, dass auch Sie, trotz anscheinenden
Verständnisses für den Kern der Sache, nicht gewillt sind, Frieden
zu schaffen. Zwar glauben und hoffen auch wir, dass die von Ihnen
geplanten Einigungsinstanzen manche Kämpfe zu verhüten ver¬
mögen —, beseitigt werden sie dadurch aber nicht. Sollte aber
der Versuch gewagt werden, uns Aerzte mit unseren Berufsforde¬
rungen unter den Spruch eines Schiedsrichters zu zwingen, und auf
diesem Wege uns das Recht der Freiheit der Hilfeleistung, unsere
beste Waffe zur Verteitigung unserer Berufs- und Standesinteressen,
aus der Hand zu winden, dann können Exzellenz versichert sein.
Sie werden die deutsche Aerzteschaft ebenso einig im Widerstande
finden, wie sie jetzt zum Schutze ihrer bedrohten Kollegen einig und
treu zusammensteht. Sorgen Sie dafür, dass künftig allenthalben den
ärztlichen Standesvertretungen das Recht eingeräumt werde, bei der
Regelung des kassenärztlichen Dienstes mitzuwirken, dass dem Arzte
in Zukunft sein ihm durch die Reichsverfassung verbürgtes Recht
auf freie Ausübung des Berufes gewährleistet und er der Willkür
der Kassenvorstände entrückt werde. Dann, aber nur dann, wird
endlich dem ärztlichen Stande der Frieden zurückgegeben sein.
Leipzig, den 18. Februar 1909.
Der Vorstand des Verbandes der Aerzte Deutschland zur Wahrung
ihrer wirtschaftlichen Interessen.
Dr. H a r t m a n n. Dr. M. G o e t z.
S.-R. Dr. D i p p e. Dr. D u m a s. Dr. G ö h 1 e r. Dr. H i r s c h f e 1 d.
Dr. M e j e r. Prof. Dr. Schwarz. Dr. S t r e f f e r. Dr. V o 11 e r t.
Sammlung
für die durch die Katastrophe in Süditalien betroffenen Aerzte und
deren Hinterbliebene:
Uebertrag: M. 3780.70. Aerztlicher Verein München M. 100.—,
Prof. v. Müller- München M. 20.—, Prof. Hofmeier - Würzburg
M. 20.—, Prof. Brauer- Marburg M. 20.—, Aerztl. Kreisverein
Soest M. 20.—, Med. Rat Egger- Würzburg M. 5.—, Prof. Gum-
p r e c h t - Weimar M. 3.—, Dr. W e y r a u c h - Wiesbaden M. 3.—,
Dr. R e i n a c h - München M. 10.—, Bezirksarzt Z a n 11 - Weilheim
M. 5.—, Dr. Lorenz- Obergünzburg M. 5.—, Dr. Träger-
Chemnitz M. 3.—, Ungenannt-Nürnberg M. 3.—, Bezirksarzt Pfeif¬
fer-Hof M. 10.—, Geheimrat W a g e m a n n - Jena M. 20.—, Ge¬
heimrat W i t z e 1 - Düsseldorf M. 20.—, Geheimrat Scheube - Greiz
M. 5.—, TEKA (Ortsgruppe Berlin der Tutmonda esperanta kuracista
asocio) M. 10.—, Dr. Heller-Quedlinburg M. 5.—, Dr. Gutsche-
Halle a. S. M. 5—, Dr. Fromm- München M. 10.—, Medizinalrat
Pürckhauer -Bayreuth M. 10—, Dr. Rozenraad -Bad Hom¬
burg M. 5.—, Frl. Sponnagel -Thorn M. 10.—, Dr. Weis-Beuel
M. 5.—, Aerztlicher Verein Marburg M. 100.—. Summe M. 4212.70.
Weitere Beiträge nehmen entgegen
Hofrat Dr. Spatz, München, Arnulfstrasse 26.
J. F. Lehmanns Verlag, München, Paul Heysestrasse 26.
Uebersicht der Sterbefälle in München
während der 5. Jahreswoche vom 1. bis 6. Februar 1909.
Bevölkerungszahl 566 000.
Todesursachen: Angeborene Lebensschw. (1. Leb.-M.) 15 (II 1 ).
Altersschw. (üb. 60 Jahre) 2 (l), Kindbettfieber 1 (l), and. Folgen d.
Geburt 1 (1), Scharlach 2 (Q, Masern u. Röteln 1 (2), Diphth. u.
Krupp 4 (3), Keuchhusten 4 (1), Typhus — (1), übertragb. Tierkrankh.
— (—), Rose (Erysipel) 1 (2), and. Wundinfektionskr. (einschl. Blut-
u. Eitervergift.) 2 (-), Tuberkul. d. Lungen 29 (26), Tuberkul. and.
Org. 1 (3), Miliartuberkul. — (l), Lungenentzünd. (Pneumon.) 7(20),
Influenza 2 (2), and. übertragb. Krankh. 3 (4), Entzünd, d. Atmungs¬
organe 10 (4), sonst. Krankh. derselb. 3 (2), organ. Herzleiden 25 (19),
sonst. Kr. d. Kreislaufsorg, (einschl. Herzschlag) 9 (5), Gehirnschlag
14(10), Geisteskrankh. 1 (l), Fraisen, Eklamps. d. Kinder 5 (4), and.
Krankh. d. Nervensystems 1 (8), Magen- u. Darm.-Kat, Brechdurchfall
(einschl. Abzehrung) 9 (11), Krankh. d. Leber 1 (-), Krankh. des
Bauchfells — (-), and. Krankh. d. Verdauungsorg. 1 (6), Krankh. d.
Harn- u. Geschlechtsorg. 6 (5), Krebs (Karzinom, Kankroid) 15 (16),
and. Neubildg. (einschl. Sarkom) 3 (6), Selbstmord 1 (1), Tod durch
fremde Hand — (-), Unglücksfälle 5(1), alle übrig. Krankh. 9 (1).
Die Gesamtzahl der Sterbefälle 193 (183), Verhältniszahl auf
das Jahr und 1000 Einwohner im allgemeinen 17,7 (16,8), für die
über dem 1. Lebensjahre stehende Bevölkerung 13,6 (13,1).
*) Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die Fälle der Vorwoche.
Vtriaf tob I. r. Llhaiai <a Mftnch» - Druck ton E. Mflhltluler* Buck- und Kunstdrackerd A.Q.. Müsch».
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Original fro-m
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Diese Nummer enthält 56 Seiten Text.
Zusendungen sind zu adressieren: Für die Redaktion Arnulf.
Strasse 26. Bureauzeit der Redaktion von 8*/«—1 Uhr. • Für
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• Inserate und Beilagen an Rudolf Mosse, Promenadep. atz 16. •
Medizinische V/ochenschrift.
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Herausgegeben von
fl.v.Angerer, Ch.Bäumler, fl.?.Bollinger, H.Curschniano, H.Heiierich, W.v.Leube, G.v.Merkel, J.r.Hiebei, F.Penzoldt, D.r.Ranke, B.Spatz, F.v.Winckel,
München. Freiburg i. B. München. Leipzig. Eisenach. Würzburg Nürnberg. Berlin Erlangen. München. München. München.
Die Münchener Mediz. Wochenschrift erscheint wöchentlich im
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No. 9. 2. März 1909
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
Verlag: J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 26.
56. Jahrgang.
Bezugsbedingungen: Die Münchener mediz. Wochenschrift kostet im Vierteljahr in Deutschland direkt vom Verlag sowie bei allen Postanstalten und Oucnnandiungen
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Schweiz (Frk. 8.05).
Inhalt
Originalien: Mendel, Die kochsalzarme Diäl als Heilmittel. S. 433.
Harnack, Ueber die Vorgänge der Zelldegeneration, der Entzündung und
Neubildung "bei den verschiedenen Arten der Phosphorvergiftung. S. 436.
v. Lichtenberg, Ueber das Verhalten der Lungen und des Herzen* nach
abdominellen Eingriffen. (Aus der chirurgischen Klinik zu Heidelberg.) S. 439.
Weiss, Ueber den Gehalt käsig-kreidiger Lymphdrüsen an Tuberkelbazillon.
(Aus dem pathologisch-anatomischen Institut des Allgemeinen Krankenhauses
Hamburg-Eppendorf.) S. 443.
Oehme, Lymphfollikel im kindlichen Knochenmarke. (Aus dem pathologisch¬
anatomischen Institute des Sladlkrankenhauses Dresden-Friedrichstadt.) S. 446.
Hamburger und Monti, Die Tuberku osehäufigkeit im Kindesalter. (Aus
der Universitäts-Kinderklinik in Wien.) (llluslr.) S. 449.
Klauber, Die Aetio.'ogie der Appendizitis. (Aus der chirurgischen Abteilung
des Allgemeinen Krankenhauses in Lübeck.) S. 451.
Wanner, Bezolds funktionelle Prüfung des Ohres und Taubslummen-
lorschung. (Illustr.) S. 455.
Völker, Beitrag zur Hebosteolomic. S. 459.
Tischler, Erworbene Elefantiasis. (Illustr.) S. 461.
Kretschmarin, Orale oder nasale Resektion der Nasenscheidewand, ein
Wort der Erwiderung. S. 461.
Aerzll «he Stande augrlfgenheiien: Noder, Soll der Baderstand in Bayern
erhalten werden? S. 461.
Mayer, Zur Standes- und Ehrengerichtsordnung für die Aerzle Bayerns. S. 462.
Ilncheranzeigen und Referate: Schultze, Atlas und Grundriss der topo¬
graphischen und angewandten Anatomie. Rcf.: Prof. Dr. Sobo 11 a - Würz¬
burg. S. 463.
liauchamps, Klynens et Mahaux, Atlas de Radiologie normale. Ref.:
Dr. Alban Köhler. S. 463.
Brieger und Krebs, Grundriss der Hydrotherapie. Ref.: Dr. Müller-
München. S. 463.
Raccke, Grundriss der psychiatrischen Diagnostik. Ref.: Dr. Isserlin-
Miinchen. S. 463.
t. Strümpell, Nervosität und Erziehung. Ref.: Dr. Grassmann-
•München. S. 464.
Tilemann, Tagebuchblätter eines deutschen Arztes aus dem Burenkriege.
Ref.; Marinestabsarzt Dr. zur Verth -Berlin. S. 464.
Neueste Journallitcratur: Zeitschrift für Tuberkulose. Bd., 13. Heft 6.
— Zentralblatt für Chirurgie. No. 5 u. 6. — Zentralblatt für Gynäkologie.
No. 7. — Archiv für Verdauungskrankheiten mit Einschluss der Stoffweehscl-
pathologie und der Diätetik. Bd. 14, Heft. 6. — Virchows Archiv. Bd. 193,
lieft 1. — Berliner klinische Wochenschrift. No. 8. — Deutsche medizinische
Wochenschrift. No. 7. — Ocst crrcichische Lite ratur. — Französische Literatur.
— Norwegische Literatur. —'Earyngo^llhinologic. — Inauguraldissertationen.
S. 464.
Auswärtige Briefe: Berliner Briefe. S. 472.
“Vereins- nnd Kongressberichte: Berliner medizinische Gesellschaft,
24. Februar 1909: Demonstrationen. S. 481.
Altonaer Aerztlichcr Verein, 25. Nov. 1908: Demonstr. S. 472.
Gesells-chaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden, 4. De¬
zember 1908: Demonstration. — Grunert, Werther: Prostatahyper¬
trophie. 3- 473.
Aerztlicher Verein in Frankfurt a. M., 7. Dezember 1908: Demon¬
strationen. — Ve is, Traumatische Trommelfellruptur. — Groedel, Die
Röntgenuntersuchung des Darmes. S. 474.
Verein Freiburger Aerzte, 13. November 1908, Bacmeistcr, Auf¬
bau und Entstehung der Gallensteine. S. 475.
Aerz11 i eher Verein in Hamburg, 9. Februar 1909 : Demons: r. S. 475.
Naturhistorisch - Medizinischer Verein zu Heidelberg,
15. Dezember 1908 : Demonstrationen. — 12. Januar 1909: Hoffmann,
Ueber Bar 1 o wsehe Krankheit. — Neu mann, Verhalten der Spirochäten
des Rüekfallfiebers im Tierkörper. S. 476.
Medizin. Gesellschaft zu Leipzig, 8. Dez. 1908 : Dcmonslr. S. 478.
Medizinische Gesellschaft zu Magdeburg, 19. November 19<>8:
Demonstrationen. S. 479.
Gynäkologische Gesellschaft in München, 11. Februar 1909:
Demonstrationen. — Schöner, Geschlechtsbestimmungcn am menschlichen
Ei vor der Befruchtung und während der Schwangerschaft. S. 480.
Münchener Gesellschaft für Kinderheilkunde, 5. Februar 1909:
Tr umpp , Traumatische Epiphysenläsion. — Oppenheimer, Ueber den
Nahrungsbedarf künstlich ernährter Säuglinge. S. 480.
Münchener 1 a r y n g o - o t o 1 o g. Gesellschaft, 11. Jan. 1909. S. 4*0.
W issen sc haftlicheW ander Versammlung der Aerzte vereine
Duisburg. Mülheim a. d. R., Oherhausen und Ruhrort,
10. Januar 1909. S, 480.
Naturwissenschaftlich-medizinischer Verein zu Strass¬
burg. 15 Januar 1909: Chiari, Zur Reaktion der pathologischen Ver¬
kalkung. — 29. Januar 1909: Madelung, Typhus und Appendizitis. S. 481.
Aus den Wiener medizinischen Gesellschaften: Gcsellschalt
für innere Medizin und Kinderheilkunde. S. 481.
Verein deutscher Aerzte in Prag. S. 481.
WissenschaftL Gesellschaft deutscher Aerzte in Böhmen.
S. 482.
Aus den französischen medizinischen Gesellschaften: Societ6
de Pediatrie. — Academie de mödecine. — Soci6t6 mödicale des höpitaux. S.482.
Aus den englischen medizin. Gesellschaften: Royal SoCiely of
Medicine. Medical Section. — Royal Society of Medicine, Section of ^n-
acslhetics. — Royal Society of Medicine, obstetrical and gynaecological
Section. S. 483.
Aus ärztlichen Standesvereinen: Aerztlicher Bezirksverein München. S. 484.
Verschiedenes: Geburten und Sterbefälle in deutschen Gross- und Mittelstädten
1907. — Die „Segnungen“' des freien Unzuchtgewerbes. — Therapeu¬
tische Notizen: Essentielle Incontinentia urinac. — Diplosal. — Hclniitol.
— Hypertrophische Pylorusstenose der Säuglinge. — Pantopon. — Stro
phantin. S. 485.
Tagesgeschichtliche Notizen: Leipziger Verband und Staatssekretär. — „Be¬
schränkt freie“ Arztwahl bei bayerischen Bahnkassen. -»- Die Agitation gegen
die freie Arztwahl. — Abgewiesenc Beleidigungsklage. — Fortbildungskurse.
Kongressnachrichlen. — Cholera. — Pest. — Mortalität in Deutschland.
— Hochschulnachrichten Berlin, Bonn. Greifswald. Halle a. S..
Heidelberg, Kiel. Königsberg, Marburg, München, Stuttgart, Tübingen ;
Ann Arbor, Burlington, Cincinnati, Odessa, St. Petersburg. Rom, Wien. —
Fiorentini, Crisafi, Rybalkin f. S. -186.
Amtliche* (Bayern.) Bekanntmachung. Die Prüfung für den ärztlichen
Staatsdienst betr. S. 488.
Sammlung für die durch die Katastrophe in Siiditalien bc,
troffenen Aerzte und deren Hinterbliebenen. S. 488.
Statistik: Mortalität in München. S. 488.
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München. Freiburg i. B. München. Leipzig. Eisenach. Wurzburg Nürnberg. Benin Erlangen. München. München. München.
No. 9. 2. März 1909.
Redaktion: Dr. B. Spatz, Arnulfstrasse 26.
Verlag: J. F. Lehmann, Paul Heysestrasse 26.
56. Jahrgang.
Originalien. A
Die kochsalzarme Diät als Heilmittel. ^
Von Dr. Felix Mendel in Essen a. d. Ruhr.
Dem Petersburger Arzte K a r e 11 gebührt das Verdienst,
zuerst auf den therapeutischen Wert einer streng metho¬
disch durchgeführten Milchkur hingewiesen zu
haben, die er nach seinen in den Archives generales de Me-
decine erschienenen Berichten mit vorzüglichem Erfolg bei den
verschiedensten Krankheitszuständen in An¬
wendung brachte, so bei Hydrops aller Art, bei Atembeschwer-
den infolge von Emphysem und Lungenkatarrh, bei hart¬
näckigen Durchfällen, bei Leberkrankheiten, Diabetes, Morbus
Brightii und Herzkrankheiten. Diese in ihrer Anwendung ein¬
fache, in ihrer Wirkung aber bedeutungsvolle Methode, die be¬
reits im Jahre 1866 bekannt gegeben wurde, hat bei uns,
wenigstens nach der medizinischen Literatur zu urteilen, nur
wenig Beachtung und Nachahmung gefunden, bis durch die
Publikation Jacobs 1 ) von neuem die Aufmerksamkeit der
Aerzte auf die vorzüglichen Erfolge gelenkt wurde,
welche mit der K a r e 11 sehen Kur in der Beseitigung schwe¬
rer Kreislaufstörungen und in der Behandlung
der Fettsucht erzielt werden.
Wenn nun auch seit dieser Veröffentlichung durch vielfache
erfolgreiche Anwendung die Wirksamkeit dieser Kur
ausser Zweifel gestellt ist, so sind doch die Ansichten
über die Wirkungsweise derselben immer noch als ge¬
teilt zu bezeichnen. L e n h a r t z sieht nach Jacob das We¬
sentlichste der Kur in der äussersten Reduktion der
Herzarbeit, durch die eine Erhöhung und Steigerung der
Triebkraft des Herzmuskels ermöglicht wird. Andere glauben,
der besonders günstigen Mischung von Eiweiss,
Fett und Kohlehydraten, der Reizlosigkeit der Milch
und ihrer d'iuretischen Wirkung den günstigen Einfluss auf die
Oedeme zuschreiben zu müssen, während (Romberg u. a.
diesen Momenten nur den kleinsten Anteil an der Wirkung zu¬
erkennen und den Erfolg fast einzig und allein von dem ge¬
ringen Kochsalzgehalt der Milch abhängig machen.
Ist aber dem Kochsalzmangel der Erfolg der Ka-
r e 11 sehen Kur zu verdanken, dann müssen wir auch mit jeder
anderen kochsalzarmen Diät dasselbe Resultat erzielen können
wie mit dem absoluten M«ilchregime.
Dass dieses in Wirklichkeit der Fall ist, scheint mir die
Krankengeschichte eines Patienten zu beweisen, der wegen
schwerster, mit starken Oedemen einhergehender Zirkulations¬
störungen einmal einerabsolutenMilchdiät unterzogen,
ein anderes Mal mit einer gemischten, aber kochsalz¬
armen Kost behandelt wurde, und bei dem ich mit beiden
Behandlungsmethoden dasselbe Resultat: Be¬
seitigung der vorhandenen Stauungserscheinungen, erzielte.
1. Kaufmann K., 52 Jahre alt, der bisher stets gesund gewesen ist,
erkrankte im Mai 1907 an Atembeschwerden und Schmerzen in der
Brust, die sich beim Qehen steigerten und dann besonders zwischen
den Schultern sich bemerkbar machten. Da Patient ein starker Esser
und massiger Trinker war, wurden zunächst die Kostrationen auf die
Hälfte reduziert, Alkohol verboten und Digitalis verordnet, worauf
sich die Beschwerden alsbald wesentlich besserten. Mitte Mai v. Js.
stellten sich aber dieselben Krankheitserscheinungen bei dem Pa-
1 ) Jacob: Münch, med. Wochenschr. 1908, No. 16 u. 17.
No. 9.
(Nachdruck der Originalartikel ist nicht gestattet.)
tienten wieder ein, der die im vorigen Jahre erhaltenen Verordnungen
seit langer Zeit nicht mehr befolgt hatte. Auch schwollen die Beine
bis über die Kniee an, der Leibesumfang nahm bedenklich zu und
die Atmungsbeschwerden steigerten sich, besonders beim Treppen¬
steigen, bis zur Atemnpt
Status: Wohlgenährter, blühend aussehender Mann, Grösse
168 cm, Gewicht 85 kg. Leichte Zyanose und Dyspnoe, besonders beim
Auskleiden und Gehen. Lungen gesund, nur vereinzelte giernende Ge¬
räusche über den Bronchien. Herzdämpfung nach rechts bis zur
Mitte des Sternums verbreitert, Herztöne rein, aber undeutlich. Puls
120, klein, leicht zu unterdrücken. Leberdämpfung überragt den Rip-
penrand um 7 cm, Leib aufgetrieben, deutlicher Aszites nachweisbar.
Starke Oedeme, von den Füssen bis zur Mitte des Abdomens reichend.
Urin von mittlerer Konzentration, frei von Eiweiss und Zucker.
Diagnose: Myokarditis.
Therapie: Auf Grund der Jacob sehen Veröffentlichung
wurde eine Karellkur verordnet (Bettruhe, 5 mal täglich 200 g
Milch), die Patient trotz fast unüberwindlichen Widerwillens gegen
die Milch durchführte. Obwohl der Kranke fast an keinem Tage
das verordnete Quantum Flüssigkeit verbrauchte, stieg die Harn¬
menge am 2. Tage auf ca. 2000g; am 4. Tage waren unter andauernd
starker Diurese Anasarka und Aszites verschwunden. Die Leber
zeigte wieder normale Grenzen und der Puls war von 120 auf 90
zurückgegangen.
Nach 7 Tagen war das Allgemeinbefinden so vorzüglich, dass
Patient das Bett verliess und schon bald wieder seiner Beschäftigung
und trotz Verbots seinen alten Gewohnheiten nachging. Gewichts¬
abnahme 11 kg.
Schon nach 6 Wochen« Rückfall. Atemnot und Oedeme, Aszites
wie vor der Karellkur. Da Patient eine erneute Milchkur energisch
verweigerte, wurde ihm eine salzarme gemischte Kost verordnet,
die aus Milchkaffee, Fleisch, Brot, Butter, Kartoffeln, Obst ohne Salz¬
zusatz bestand. Mit dieser Diät wurde in demselben Zeitraum der¬
selbe Erfolg erzielt wie mit der streng durchgeführten Milchkur.
Wohlbefinden bis auf den heutigen Tag bei mässiger Salzzufuhr und
chronischer Digitalisbehandlung, die ich mit gutem Erfolge in diesem
wie in zahlreichen anderen Fällen schwerer Herzerkrankung mit
folgender Arzneikomposition durchgeführt habe:
Rp. Pulv. fol. Digital, titr.
Pulv. bulb. Scillae äa 1,0
Extr. Strychni 0,3
Rad. et Extr. Gent.
S s. ad. pil. N. 30
s. 3 X täglich 1 Pille.
Während diese «Krankengeschichte uns den Beweis er¬
bringt, dass die Wirkung der Karellkur nur durch die
Salzarm utderMilch bedingt wird, und schon die Herab¬
setzung der Kochsalzzufuhr auf Diurese und damit auf die vor¬
handenen Zirkulationsstörungen einen günstigen Ein¬
fluss ausübt, zeigt uns andererseits ein zweiter von mir
beobachteter Fall, dass eine abnorm starke Kochsalz¬
zufuhr zur Störung der Herzleistung und zur
Entstehunghochgra«diger Oedeme führen kann.
2. Oberingenieur B., 50 Jahre alt, stets gesund gewesen, er¬
krankte im Jahre 1904 an leichtem Diabetes, der mit verschiedenen
Kuren behandelt wurde und das Allgemeinbefinden des Patienten in
keiner Weise störte. Schon damals fiel den behandelnden Aerzten
der kleine und beschleunigte Puls auf, der stets über 100 Schläge in
«der Minute zeigte. Im Juni 1907 stellten sich Atembeschwerden ein,
die sich beim Gehen steigerten und von Schmerzen begleitet wurden,
die in den linken Arm ausstrahlten. Durch Bettruhe und Digitalis-
tropfen Besserung. Als sich im März 1908 dieselben Beschwerden
einstellten, waren aber diese Verordnungen ohne Eriolg. Im April
schwollen die Beine und der Leib an, und die Atcmbeschwer-den
wurden bedenklicher trotz fortgesetzter Digitalisbehandlung. Her¬
vorzuheben ist die besondere Vorliebe des Patienten für scharf
gesalzene Speisen. Seiner reichlich gesalzenen Kost pflegte
er täglich noch 15—20g Kochsalz hinzuzufügen.
I
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Original from
UNIVERSITY OF CALIFORNIA
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
No. 9 .
4M
Status: Wohlgenährter Herr, 160cm gross, 84!4kg schwer.
Ziemlich starke Zyanose, die sich bei Bewegungen steigert. Lungen
gesund, Herzdämpfung etwas nach rechts verbreitert, systolisches
Geräusch an der Herzspitze, das besonders nach Anstrengungen deut¬
lich wird, in der Ruhe aber wieder verschwindet. Puls klein, regel¬
mässig, 130. Leber reicht bis zur Nabelhöhe, Leib stark geschwollen.
Aszites deutlich nachweisbar. Oedem der Beine, ödematöse An¬
schwellung des Skrotums und der Bauchhaut. Urin Spuren von
Zucker und Eiweiss, keine Zylinder, einzelne weisse Blutkörperchen.
Therapie: Da Digitalis schon auf Anordnung eines anderen
Arztes trotz absoluter Bettruhe ohne Erfolg genommen, Karell-
k u r. 1 Liter Milch pro Tag in 5 Portionen, die kaum vollständig
aufgebraucht wurden.
Schon nach 3 Tagen waren unter starker Diurese die
Oedeme und der Aszites verschwunden. Die Pulszahl ging
auf 100 herunter, auch die Leberschwellung nahm bedeutend ab,
um rach 8 Tagen völlig zu verschwinden. Allgemeinbefir.djn vor¬
züglich. Dann wurde eine gemischte, aber salzarme Kost verordnet
und Aufstehen, zunächst stundenweise, gestattet.
Nach 14 Tagen war Patient als geheilt zu betrachten, nirgends
mehr Zeichen gestörter Zirkulation. Herztöne rein. Puls 90, keine
Oedeme, keine Atemnot, auch nicht beim Gehen. Gewichtsabnahme
12% kg.
Diese erstaunliche Besserung nach so kurzdauernder Kur
hat bei gutem Allgemeinbefinden bis heute angehalten, obwohl
Patient seinem unruhigen Berufe nach wie vor nachgeht und
sogar an manchen Tagen beträchtliche Mengen alkoholischer
Getränke zu sich nimmt. Er vermeidet nur die übermässige
Salzzufuhr und geniesst eine gemischte, aber salzarme Kost.
Auch hat Patient wieder 15 Pfund in 4 Monaten zugenommen,
ohne dass sich auch nur das geringste Zeichen ungenügender
Wasser- oder Kachsalzausscheidung gezeigt hat. Der Urin ist
frei von Eiweiss und bei nicht zu reicher Kohlehydratnahrung
frei von Zucker.
Wir ersehen aus dieser Krankengeschichte, wie auch bei
anscheinend gesunden Nieren ein übermässiger Koch¬
salzgenuss an die Triebkraft des Herzens An¬
forderungen stellt, die seine Leistungsiänig-
keit übersteigen und zu gefahrdrohenden Zirkulations¬
störungen führen können. Eine kochsalzarme Diät ist
dann in kürzester Frist im stände, diese schweren Schädigungen
dauernd wieder zu beseitigen. Dass alleindieKoch-
s a 1 z a r m u t der Milch (1,6 g Kochsalz in 1 Liter Milch), nicht
ihre diuretische Wirkung, nicht die Schonungstherapie, für un¬
seren therapeutischen Glanzerfolg verantwortlich zu machen
ist, dafür spricht das andauernde Wohlbefinden des
Patienten auch nach der Kur trotz fast normaler, nur koch-
salzarmer Ernährung bei angestrengter Tätigkeit.
Gleich günstige Erfolge haben sowohl Jacob wie Mo¬
ritz 2 ) mit absoluter Milchdiät auch bei F e 111 e i b i g e n er¬
zieh. Handelt es sich dabei um Patienten, die an Insuffi¬
zienz des Herzens mit Stauungserscheinungen leiden, so
findet die in diesen Fällen erzielte Besserung dieselbe Er¬
klärung wie die Wirkung der Karellkur bei anderen Kreis¬
laufstörungen.
Aber auch bei Adipositas mit anscheinend vollkommen
leistungsfähigem Herzen ohne Oedeme und ohne
irgendwelche Stauungserscheinungen, wurde von den beiden
eben genannten Autoren wie auch von R o e m h e 1 d *) in we¬
nigen Tagen eine Gewichtsabnahme erzielt, die nicht auf Unter¬
ernährung und Fettverbrauch bezogen werden kann, sondern
nur einer verstärkten Diurese ihren Ursprung ver¬
dankt.
Ich habe bereits in meiner Behandlung der Adipositas
mit intravenösen Digitalisinjektionen 4 ) darauf
hingewiesen, dass Fettleibige nach Digitaloneein-
spritzungen in den ersten Tagen der Kur Gewichts¬
verluste aufweisen, die nur in einer Steigerung des Blut¬
druckes und einer dadurch vermehrtenFltissigkeits-
ausscheidung ihren Grund haben können.
Wir ersehen daraus, dass auch bei Menschen mit an¬
scheinend gesunden Nieren und gesunden Zirku¬
lationsorganen eine Wasse r retention, sei es im
Gewebe, sei es im Gefässystem, sich ausbilden kann, die, wie
*) Moritz: Münch, med. Wochenschr., 1908, No. 30.
;1 ) R o e m h c 1 d; Münch, med. Wochenschr., 190S, No. 28.
4 ) Felix Mendel: Therapie der Gegenwart, 1905, Heft 9.
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eine Reihe gut beobachteter Fälle beweist, durch Herab¬
setzung der Salzzufuhr gehoben wird.
Damit ist der Beweis erbracht, welch hervorragende Rolle
dem Kochsalz im Haushalte des menschlichen Organismus
zufällt.
Noch bis vor 10 Jahren herrschte die Anschauung, dass
das Kochsalz, wenigstens innerhalb der normalen, in den
Nahrungsmitteln enthaltenen Mengen, für den menschlichen
Körper indifferent sei, dass es ohne irgendwelchen Anteil
an dem Stoffwechsel den Organismus durchlaufe, um nur als
Ersatz ausgeschiedener, gleichartiger Be¬
standteile zu dienen. Allerdings wusste man, dass der
Kochsalzgehalt des Harns steigt und fällt mit der Menge, welche
in der Nahrung zugeführt wird. Bei Kochsalzmangel hingegen
hört die Ausscheidung durch den Harn nach wenigen Tagen
auf oder sinkt doch auf ein Minimum, schon aus dem einfachen
physiologischen Grunde, weil der Organismus unter allen Um¬
ständen bestrebt ist, den Kochsalzgehalt des Blutes auf einem
konstanten Wert zu erhalten.
Dass es aber unter pathologischen Verhältnis¬
sen auch zu bedeutungsvollen Störungen des nor-
malenKochsalzstoffWechsels kommen kann, haben
zuerst J a v a 1 -und W i d a 1 durch ihre exakten Beobachtungen
bei Nephritikern bewiesen, die auf vermehrte Kochsalz¬
zufuhr mit Kochsalzretention reagierten und bei denen es ge¬
lang, durch eine Kochsalzzulage von 10g Oedeme
hervorzurufen, die auf Verabreichung einer kochsalz¬
armen (Milch) Diät regelmässig wieder verschwanden. In ein¬
zelnen Fällen geschah dieses mit einer solchen Gesetz¬
mässigkeit, dass Auftreten und Verschwinden der Oedeme
geradezu vorausgesagt werden konnte.
Diese Beobachtungen der französischen Autoren wurden
auch von anderen bestätigt, insbesondere von S t r a u s s, der
feststellte, dass die Kochsalzausscheidung meist
früher eine Herabsetzung erfährt als die Wasseraus-
Scheidung. Er vertritt die Ansicht, dass in der Koch¬
salzretention das erste Zeichen einer Nierendekom¬
pensation erblickt werden müsse.
Die mangelhafte Fähigkeit der Nieren, Kochsalz in hin¬
reichender Menge auszuscheiden, führt zu einer Kochsalz¬
stauung, die ihrerseits wiederum, um die I s o t o n i e der
Gewebs- und Blutflüssigkeit zu erhalten, eine mit der Kochsalz¬
menge steigende und fallende Wasserretention zur
Folge hat.
Beschränken wir die Kochsalzzufuhr durch
entsprechende Diät auf ein M i n i m u m, so wird der osmoti¬
sche Druck die aufgespeicherten und gelösten Salzmengen
in die B1 u t b a h n treiben und sie bei anhaltendem Salzmangel
mitsamt der Flüssigkeit, in der sie gelöst waren, allmählich
durch die Nieren zur Ausscheidung bringen.
Aehnliche Schwankungen und Störungen der Kochsalzaus¬
scheidung wie bei Nephritis konnten auch bei anderen
Krankheiten, bei Pneumonie, Abdominaltyphus und Herz¬
krankheiten konstatiert werden, so dass einige Autoren wieder,
wie bei diesen Krankheiten, auch bei der Nephritis andere aus¬
serhalb der Nieren liegende Ursachen für die
CINa-Retention verantwortlich machen.
Aber auch bei vollständig gesunden Menschen
können wir mit einer kochsalzfreien Diät eine Aus¬
scheidung von 10—20 g Kochsalz erzwingen, die mit gleich¬
zeitiger Abgabe von 1 %—3 Liter Flüssigkeit verbun¬
den ist.
Die normaleKochsalzzufuhr erhöht also auch bei
gesunden Menschen die Flüssigkeitsmenge im Organismus um
ein Quantum, das mehr als V* der gesamten Blut¬
menge erreichen kann. Sie ruft also das hervor, was Cohn-
h e i m im Gegensatz zur echten Plethora als h y d r ä m i s c h e
Plethora bezeichnet hat, wobei es natürlich schwierig
ist, zu entscheiden, wie weft diese als p h y s i o 1 o g i s c h oder
pathologisch bezeichnet werden muss. Denn einerseits
ruft, wie klinische Beobachtungen gelehrt haben, eine selbst
langanhaltende Beschränkung der normalen Salzzufuhr beim
gesunden Menschen keinerlei nachweisbare Störungen hervor;
andererseits erfreuen sich aber auch diejenigen, welche infolge
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UNIVERSITY OF CALIFORNIA
1. März 1900.
MUENCHENER MEDIZINISCHE WOCHENSCHRIFT.
435
einer normalen oder überreichlichen 'Kochsalzernährung ein ge¬
wisses Quantum von Flüssigkeit und Kochsalz in der Blut¬
bahn und in den Geweben zurückhalten, solange des besten
Wohlbefindens, als die Integritätder Nieren und die
Funktiondes Herzens den erhöhten Anforderungen ge¬
nügen.
Welchen Einfluss aber die Massenzunahme der
Gewebs- und Blutflüssigkeit um die retinierte
Kochsalzlösung unter normalen und pathologischen Verhält¬
nissen auf den Organismus ausübt, darüber belehren uns
klassische Tierversuche, welche Cohnheim und
L i c h t h e i m 4 *) bereits vor einer Reihe von Jahren angestellt
haben, und die ich hier eingehend erörtern möchte, weil sie ge¬
rade heute für die Pathologie des Kochsalzstoff¬
wechsels von neuem eine hervorragende Bedeutung ge¬
wonnen haben.
Um eine hydrämische Plethora zu erzeugen,
spritzten C o h n h e i m und L i c h t h e i m Tieren eine ihrer
Spezies entsprechende physiologische Kochsalzlösung in die
Blutbahn, wobei es sich als gleichgültig erwies, ob die In¬
fusion in eine Vene oder in das zentrale Ende einer Arterie er¬
folgte. Zur Ueberraschung der Experimentatoren vertrugen die
Tiere kolossale Infusionen von Kochsalzlösungen,
ohne dass ihr Leben dadurch gefährdet wurde oder dass auch
nur bedrohliche Erscheinungen auftraten. Der Blutdruck
wurde, wenn er bei den Versuchstieren normal war, nur
während des Einfliessens der Flüssigkeit gestei¬
gert, um nach dem Ende desselben alsbald wieder zur Norm
zurückzukehren. Wurde aber einem Tiere mit abnorm er¬
niedrigtem Blutdruck, z. B. nach Durchschneidung
des Halsmarkes, Salzwasser injiziert, so ging der Blutdruck
ganz proportional der injizierten Quantität i n d i e H ö h e. An¬
ders verhält sich die Stromgeschwindigkeit des Blu¬
tes, die infolge des verringerten Reibungswiderstandes, wel¬
chen die Passage des verdünnten Blutes auf die Kapillaren
erzeugt, nicht nur mit dem Anwachsen des Blutdruckes
steigt, sondern auch ihre Beschleunigung solange behält,
bis der Wassergehalt des Blutes wieder zur Norm zurückge¬
kehrt ist.
Der Organismus aber ist bestrebt, das infundierte Wasser
möglichst schnell wieder aus der Blutbahn zu elimi¬
nieren; schon während des Versuches beginnen a 11 e m ö g -
liehen Drüsen mächtig zu sezernieren, grosse Mengen
von dünnem, hellem Harn sammeln sich in der Blase, grosse
Massen Speichel werden abgesondert, aus dem Darm ent¬
leeren sich wässerige Stühle, die Galle fliesst reichlich, aus
dem Ductus thoracicus ergiesst sich in kräftigem Strahl eine
immer wässeriger werdende Lymphe, während,
was besonders auffällig ist, aus den Lymphgefässen
dei;Extremitäten auch nicht ein Tropfen Flüs¬
sigkeit mehr gewonnen wird als bei unverdünntem Blute
der unversehrten Tiere.
Damit deckt sich auch der Sektionsbefund der nach
dem Versuch getöteten Tiere. Sämtliche Organe der Unter¬
leibshöhle sind stark wassersüchtig, während alle übrigen Or¬
gane, das Zenrainervensystem, die Brusthöhle und ihre Organe,
das gesamte intramuskuläre und subkutane Zellgewebe nicht
die geringste Spur von Wassersucht aufweisen lassen. Sie
unterscheiden sich in nichts von den entsprechenden Organen
gesunder Tiere.
Besonders wichtig für unsere Frage der Kochsalzaus¬
scheidung und ihrer Beziehung zur Oedembiklung erscheinen
weitere Untersuchungen, welche die beiden Autoren
an Hunden mit künstlich erzeugter hydrämischer Plethora an¬
stellten. Unterbanden sie die Vena femoralis eines ge¬
sunden Hundes, so entstand niemals Oedem des Beines. In¬
fundierten sie aber dem Hunde mit ligierter Vena femoralis
eine grosse Menge Salzwasser, so schwoll in den meisten
Fällen die Extremität beträchtlich an. Versetzten sie
die Hinterpfoten eines solchen Hundes in Entzündung, so
entstand in der Umgebung der Operationsstelle ein a u f f a 1 -
lendstarkesentzündlichesWundödem. Es kam
4 *) Siehe: Cohnheim: Allgemeine Pathologie Bd. I.
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auch zu starkem Oedem des entzündeten Beines, während
bei Hunden mit unverdünntem Blute dies so gut wie niemals
auftrat. Sogar bei Entzündungen von solcher Gering¬
fügigkeit, dass eine Anschwellung bei ihnen ganz oder fast
vollständig fehlt, so bei Erythemen der Haut, bewirkte
die hydrämische Plethora sogleich eine ganz ansehn¬
liche Schwellung.
Diese exakten Tierversuche liefern uns nicht nur interes¬
sante und wichtige Aufklärungen über die verschiedenartigsten
Erscheinungen der menschlichen Pathologie, sondern sie geben
auch einer ganzen Reihe unserer therapeutischen Massnahmen
bei den verschiedensten Kreislaufstörungen eine experimentell
gesicherte Grundlage.
Zunächst liefern sie uns den Beweis, dass die Infusion
selbst gewaltiger Mengen physiologischer Kochsalzlösung
keineGefahrfür die Fortdauer des Lebens bedeutet, dass
sie vielmehr, je grösser das Quantum der injizierten Flüssig¬
keit ist, eine um so energischere Steigerung des ge¬
sunkenen Blutdruckes hervorruft.
Das gibt uns den Mut, bei peritonitischer Blut¬
drucksenkung noch kühner als bisher so lange, selbst
grosse Mengen physiologischer Kochsalz¬
lösung zu infundieren, bis der Blutdruck sich gehoben und
der kleine kaum fühlbare Puls wieder kräftig geworden ist.
Die künstlich erzeugte hydrämische Plethora bewirkt dann
nicht nur eine Beseitigung der das Leben bedrohenden
Kreislaufstörung, sie regt auch gleichzeitig eine
überaus mächtige Sekretion aller möglichen drüsigen
Organe an, der Nieren, der Leber, der Speicheldrüsen. Da¬
durch erzeugt sie eine beschleunigte Elimination
der von der Peritonealfläche aus resorbierten Toxine, deren
Eindringen in die Blutbahn wir alsdieGrundursacheder
peritonitischen Blutdrucksenkung betrachten
müssen.
Des weiteren lehren uns die Cohnheim- Lichtheim-
sehen Versuche,